Bücher mit dem Tag "belgien"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "belgien" gekennzeichnet haben.

265 Bücher

  1. Cover des Buches BLACKOUT - Morgen ist es zu spät (ISBN: 9783442380299)
    Marc Elsberg

    BLACKOUT - Morgen ist es zu spät

     (1.370)
    Aktuelle Rezension von: buchstabenwald

    Blackout ist das zweite Buch, das ich von Marc Eisberg gelesen habe. Worum geht es? Vom einen Moment auf den anderen gehen in ganz Europa die Lichter aus. Der Strom ist weg, die Menschen sitzen mitten im Winter in ihren dunklen kalten Häusern, bald ohne Essen und Wasser, tagelang.  

    ·

    An diesem Moment - Tag 0 - starten wir in die Geschichte. Die Kapitel sind kurz, maximal 2 -7 Seiten. Zack zack gibt es gleich gefühlte 20 verschiedene Erzählstränge und einen Berg neuer Personen. Jo, man wird ganz schön hinein geworfen. Bis man sich mal halbwegs zurecht gefunden hat, dauert es schon mal 100 Seiten. Nochmal 200 Seiten später kann man dann der Handlung auch mit Vergnügen folgen, das Lese-Erlebnis bessert sich und von dem anfänglichen Schwarm an Figuren kristallisiert sich eine Handvoll Protagonisten heraus. 

    ·

    Und diese gefallen mir alle durchwegs. Einerseits weil man durch ihre verschiedenen Positionen (Regierung, Energiewirtschaft, Atomkraftwerk, Journalist,…) von vielen Blickwinkeln in die Story eintaucht und andrerseits, weil sie alle durchwegs rechts authentisch handeln. 

    ·

    Generell finde ich den Blick auf die Abgründe der Menschheit sehr spannend. Bei Kälte und Hunger ist dann irgendwann jeder nur mehr sich selbst der nächste - auch das in meinen Augen sehr.. authentisch. Erschreckend, aber ich stelle mir die Reaktion der breiten Masse auf eine Katastrophe dieser Art ähnlich vor, wie sie in dem Buch beschrieben ist. 

    ·

    Was sich für mich nicht ganz reimt: eine der Hauptfiguren, ein schnieker Italiener, ist ein Hacker. Und zufälligerweise der einzige weltweit (?) der der Lösung auf die Spur kommt.. und das auch noch in Rekordtempo? Natürlich, für eine flüssige Story geht das kaum anders. Aber trotzdem kommt mir das recht… abwegig vor. 

    ·

    Wovon ich abraten möchte, ist parallel einen Serienmarathon mit „Chernobyl“ durchzuziehen. Da bekommt man dann doch ein flaues Gefühl im Magen, wenn Fiktion und Realität miteinander verschwimmen.

  2. Cover des Buches Ein Tag im Dezember (ISBN: 9783453422926)
    Josie Silver

    Ein Tag im Dezember

     (212)
    Aktuelle Rezension von: valls

    Inhalt:

    Ein Augenblick reicht aus, um sich zu verlieben. Doch es braucht ein halbes Leben, um sich zu lieben.
    Jack und Laurie begegnen sich an einem kalten Dezembertag. Es fühlt sich an, als wäre es die große Liebe, doch dann verpassen sie den richtigen Zeitpunkt um ein paar Sekunden. Erst ein Jahr später treffen sie sich endlich wieder, aber mittlerweile ist Jack mit Sarah zusammen, Lauries bester Freundin, und ihre Liebe scheint unmöglich. Was bleibt, ist eine Freundschaft, die über Jahre hält, in der sie einander Geheimnisse und Träume anvertrauen. Eine Freundschaft, die ihnen Halt gibt, auch wenn alles andere aus dem Ruder läuft. Aber so richtig vergessen können sie ihre Gefühle füreinander nie …

    Meine Meinung:

    Ein authentischer Roman, bei dem man mit der Protagonistin mitleidet, die zum Wohle ihrer besten Freundin lange nicht verrät, dass ihr aktueller Freund der Mann ist, auf den sich die Protagonistin eine Weile zuvor auf den ersten Blick verliebt hat.

    Durch viele Irrungen und Wirrungen, bei denen die Protagonistin und auch Jack in unterschiedlichen Beziehungen (nur nicht in einer miteinander) stecken, bemerken sie immer mehr, wie wichtig sie einander sind.

    Das Buch erinnert mich ein wenig an "Love, Rosie" (wurde mit Sam Claflin und Lilly Collins verfilmt), weil hier auch zwei Menschen, die eigentlich zusammengehören jahrelang durch verschiedene Hindernisse von einer Beziehung abgehalten werden.

    Sehr berührend und realitätsnah geschrieben!

    Auch die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet, sodass man mit ihnen mitfiebert.

    Daumen hoch!

  3. Cover des Buches Das Wesen (ISBN: 9783596186327)
    Arno Strobel

    Das Wesen

     (544)
    Aktuelle Rezension von: Daniela_Beilner

    Nach "Der Trakt" ist "Das Wesen" vom Erscheinen her der zweite Psychothiller von Arno Stobel und auch das zweite Buch das ich von ihm nun gelesen habe

    Leider reicht das Buch für mich nicht annähernd an Der Trakt heran ... 

    Die beiden Ermittler sind sehr gewöhnungsbedürftig - Menkhoff ist leider einfach nur unsympathisch und ich wurde überhaupt nicht warm mit ihm obwohl ich Ermittler mit Ecken und Kanten normalerweise sehr gerne mag und Seifert war schon 1994 ein Duckmäuser und ist es 2009 immer noch - hier hätte ich mir nach 15 Jahren Berufserfahrung schon eine Weiterentwicklung erwartet und erhofft

    Das Buch spielt auf 2 Zeitebenen und man erfährt sehr viel über die damalige und auch über die aktuelle Ermittlungsarbeit - für mich schon zu viel - dadurch plätschert es einfach nur so dahin und es kommt leider keine Spannung auf obwohl der Plot grundsätzlich sehr interessant wäre 

    Schade da hätte man durchaus mehr draus machen können

    Kann man lesen - muss man aber nicht



  4. Cover des Buches Der Wolkenatlas (ISBN: 9783499240362)
    David Mitchell

    Der Wolkenatlas

     (504)
    Aktuelle Rezension von: M_Rose-Everly

    Worum es in dem Buch geht:

    Es werden sechs verschiedene Lebensgeschichten beschrieben, alle in unterschiedlichen Zeiten.


    Einstieg ins Buch:

    Obwohl ich eine Vielleserin bin, fiel es mir nicht leicht, in das Buch einzusteigen. Der Erzählstil ist schon recht eigenwillig und verstrickt, weshalb ich einige Sätze noch einmal lesen musste, um hinter den Sinn zu steigen.

    Auch wenn David Mitchell sehr wortgewandt und intelligent rüberkommt, konnten sich meine Erzählungen nicht recht fesseln. Man merkt zwar, mit wie viel Hingabe der Autor über die verschiedenen Leben erzählt, aber der Funke will nicht so ganz überspringen.


    Fazit:

    Schon lange ist es mir nicht mehr so schwer gefallen, ein Buch zu Ende zu lesen.

    Insgesamt vergebe ich deshalb 2,5 Sterne.

  5. Cover des Buches Unterwerfung (ISBN: 9783832163594)
    Michel Houellebecq

    Unterwerfung

     (287)
    Aktuelle Rezension von: schlumpitschi_liebt_buecher

    In Frankreich werden die extremistischen Parteien immer stärker, als im Jahr 2022 die Muslimische Partei gewinnt kommt das Gleichgewicht im Land zum Schwanken.
    Der Professor François hat mit dieser Veränderung zum kämpfen.

    Das Buch hat mich leider überhaupt nicht überzeugen können.
    Mir war der Protagonist und Erzähler total unsympathisch und ich habe ihn und seine Gedanken überhaupt nicht nachvollziehen können, außerdem hat mich die Handlung auch überhaupt nicht überzeugt.

    Das Buch ist leider keine Empfehlung von mir.

  6. Cover des Buches Mord im Orientexpress (ISBN: 9783455001914)
    Agatha Christie

    Mord im Orientexpress

     (770)
    Aktuelle Rezension von: Surari
    Ich wusste mal wieder nicht viel über die Geschichte und habe bisher auch keine Verfilmung gesehen. 

    Detektiv Poirot ist eigentlich nur ein Reisender im berühmten Orientexpress. Als der Zug allerdings in einem Schneesturm stecken bleibt und in seinem Nachbarabteil eine Leiche gefunden wird fängt er an zu ermitteln. Warum ist der Schlafwagen in dem er reist komplett belegt und die beiden anderen angehängten Waggons so gut wie leer? Wieso hatte der ermordete ihn um Schutz gebeten und war sich sicher auf dieser Reise zu sterben?

    Ich habe bisher noch nie einen Agatha Christie gelesen und weiss auch nicht ob es einen noch bekannteren gibt als diesen hier. Das Buch ist recht kurz aber es war ein wirklich guter Krimi. Vor allem mit dem Ende habe ich nicht gerechnet, wer denn jetzt der Mörder ist und auf was man sich am Schluss einigt. Einfach ein grandioses Ende!
  7. Cover des Buches Sterne über der Alster (ISBN: 9783492306973)
    Micaela Jary

    Sterne über der Alster

     (75)
    Aktuelle Rezension von: julestodo
    Der zweite Band von Micaela Jary um die Familie Dornhain aus Hamburg. Schon den ersten Band habe ich sehr gerne gelesen, nun wollte ich gerne erfahren, wie es der Familie weiterhin ergeht. Die Zeit um den 1. Weltkrieg und die Zeit danach sind gut wiedergegeben und das Schicksal der Menschen, die diese Zeit miterleben mußten. Nicht nur die Situation der Familie Dornhain ist gut wiedergegeben, auch die der Menschen aus nicht so gut situierten Schichten, die sich in der Zeit nach dem Krieg versuchen müssen sich über Wasser zu halten und zu überleben.
    Der Schreibstil von Micaela Jary gefällt mir sehr gut. Die Bücher, die ich bisher gelesen habe, und auch dieses hier sind flüssig zu lesen und die Personen scheinen authentisch.
    Gerne werde ich weitere Bücher von dieser Autorin lesen!

  8. Cover des Buches Drohnenland (ISBN: 9783462046625)
    Tom Hillenbrand

    Drohnenland

     (101)
    Aktuelle Rezension von: Land_aus_Glas

    Der Autor zeigt uns hier eine nahe Zukunft in der die technischen Möglichkeiten so weit fortgeschritten sind dass man mit Hologramtechnik an fremde Orte gehen kann. Das liest sich sehr realistisch! Technisch hat der Autor wirklich tiefe Kenntnisse! 

    Mit dieser Technik können Polizeibeamte an Tatorte "gehen" ohne wirklich dort zu sein. Ein Kommissar ermittelt in einem Fall, in dem zwischen dem Hologramm-Bild und der Realität Diskrepanzen bestehen. Als er das publik macht wird er in eine Intrige bis in das höchste Machtzentrum hineingezogen.

    Gleichzeitig ist der Roman auch eine sehr realistische Zunkftsvision was z.B. das STeigen der Meeresspiegel betrifft. Ich fand das auch wieder sehr realistisch.

    Ein super Buch! Düster, spannend, bedrohlich, man kann es nicht aus der Hand legen!

  9. Cover des Buches Töte mich (ISBN: 9783257069891)
    Amélie Nothomb

    Töte mich

     (92)
    Aktuelle Rezension von: jenvo82

    „Sérieuse hatte ihn mit Agamemnon und Iphigenie geschlagen. Nun tauchten aus seinen rudimentären Erinnerungen an den Religionsunterricht Abraham und Isaak auf. Ein Hoffnungsschimmer streifte ihn, machte aber bald einem noch tieferen Schmerz Platz.“

    Inhalt

    Graf Henri Neville steckt in der Zwickmühle: Denn nachdem ihm eine Wahrsagerin prophezeit hat, dass er auf seiner letzten Garden Party auf seinem stattlichen Anwesens zum Mörder eines Gastes werden wird, überlegt er krampfhaft, wie so ein Mord standesgemäß ablaufen könnte und wer überhaupt das passende Opfer wäre. Ihn schreckt es nicht, dass er nach vollbrachter Tat ins Gefängnis gehen muss, denn er ist ohnehin verarmt und der Landbesitz eine einzige Schuldenfalle. Doch Graf Neville hat schon von Kindesbeinen an den Grundsatz der gehobenen Gesellschaftsschicht verinnerlicht: es spielt keine Rolle, welche Taten du verübst, solange sie moralisch vertretbar sind. Leider gibt es unter den geladenen Gästen zwar viele mögliche Opfer, aber keines scheint das geeignete. Als ihn seine  verschrobene jüngste Tochter Sérieuse das Angebot macht, doch sie zu töten, statt eines Fremden, eröffnen sich ganz neue Perspektiven. Wäre da nicht sein schlechtes Gewissen und die unsagbare Strafe, die es ihm nach der Tat bis ans Ende seines Lebens unmöglich machen würde, seine persönlichen Ansprüche zu erfüllen …

    Meinung

    Dieser kleine, feine Roman mit gerade mal 111 Seiten Umfang konnte mich sehr begeistern, denn die 1967 geborene belgische Diplomatentochter Amélie Nothomb, die bereits zahlreiche Romane veröffentlicht hat, spinnt hier ein diffiziles Kammerspiel, welches sich zum gedanklichen Schlagabtausch zwischen Vater und Tochter entwickelt. Einerseits ist dieses Buch zeitlos und universell, weil es nichts weiter als ein moralisches Gedankenexperiment ist, andererseits wirkt es märchenhaft-leicht und absolut unterhaltsam, weil es so ohne Rahmenhandlung und Kenntnis der näheren Umstände auskommt. Für die Entwicklung der Protagonisten bleibt wenig Raum, man erfährt als Leser nur ein paar Hintergründe, die nicht genügen, um die Motivation der 17-jährigen Tochter tatsächlich nachzuvollziehen. Stattdessen konzentriert sich die Autorin auf den Aspekt des Standesdünkels und so manch skurriler Begebenheit, die eine so haarsträubende Idee schließlich in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt. 

    Fazit

    Ich habe mich hier bestens unterhalten gefühlt und einen leichten, beschwingten Roman gelesen, der ein eigentlich unvorstellbares Dilemma auf die humoristische Art und Weise löst und vergebe gerne 5 Lesesterne. Sicherlich ist das keine besonders anspruchsvolle Lektüre mit Tiefgang, allerdings tut das dem Lesevergnügen keinen Abbruch, insbesondere wenn man sich auf dieses Experiment mit den Möglichkeiten und Unvorstellbarkeiten einlässt.

     Gerne hätte dieses Buch noch ein paar mehr Seiten haben dürfen und vielleicht noch einen kleinen Ausblick in das Beziehungsgeflecht der Familie Neville nach dem Ende der Garden Party liefern können, doch auch so passt es wunderbar. Von der Autorin werde ich gewiss noch weitere Bücher lesen – dieses hier hebt sich positiv von der Menge der Bücher ab, die ich sonst in den Händen halte und lässt jegliche Schwere vermissen, was für mich normalerweise immer ein Kritikpunkt ist, nicht jedoch, wenn so klar erkennbar ist, in welche Richtung eigentlich argumentiert werden soll.

     

  10. Cover des Buches Winter und Schokolade (ISBN: 9783453418950)
    Kate Defrise

    Winter und Schokolade

     (51)
    Aktuelle Rezension von: -Tine-

    Die Geschwister Magali, Jaqueline, Colette und Art haben sich mittlerweile über ganz Amerika bzw. die Welt verstreut. Gali ist eine Familienmutter mit unzähligen raffinierten oder einfachen Rezepten geworden, die sie in Kochbüchern veröffentlicht. Jaqueline ist nun eine erfolgreiche und elegante Künstlerin in Brüssel, wo sie mit ihrem Mann lebt. Colette wohnt im warmen Teil Amerikas, wo sie für ihre langjährige Beziehung und ihren Job kämpfen muss. Und ihr Bruder Art reist als Fotograf um die ganze Welt und lässt nur selten von sich hören. Alle zusammen sollen nun in ihrem Elternhaus Weihnachten verbringen, was sie seit dem Tod ihrer Mutter vor Jahrzehnten nicht mehr taten. Doch dieses Ereignis tritt erst ganz am Ende des Buches ein. Es war interessant und schön zunächst die Leben der vier Geschwister und somit sie selbst näher kennenzulernen. Immer abwechselnd schildert die Autorin aus deren Sicht, was bei den Geschwistern geschieht. Jedoch habe ich lange auf das Zusammentreffen an Weihnachten gewartet, weshalb mich die Schilderungen der Geschwister im Mittelteil des Buches oft nicht mehr packen konnten. Wenn es deutlicher gewesen wäre, dass es eigentlich um Gali, Jacqueline, Colette, ihrem Bruder und deren Alltag und Probleme geht, hätte mich dies vielleicht von vornherein mehr mitgerissen. 


    》Unsere Mutter hatte meinen Schwestern und mir all ihre Tricks und Kniffe beigebracht. Es wurde gerührt und gebraten, geschmort und sautiert. Dann wurde eingekocht, abgelöscht, wir schlugen Butter schaumig, Eiweiß zu Schnee, Schlagsahne steif und uns selbst die Nächte um die Ohren, bei dem verzweifelten Versuch, Maman am Leben zu erhalten. | Als sie starb, fiel unsere Familie in sich zusammen wie ein missglücktes Soufflé.《 S. 5

    Da die Mutter der vier aus Belgien stammt, spielt auch das Essen und eine gewisse Eleganz eine große Rolle. Alle drei Frauen haben eine besondere Beziehung zu guten Speisen und der Nahrungsaufnahme an sich. Im Text finden sich immer wieder Rezepte. In Erinnerungen an die Mutter und besonders bei Jaquelines Part wird der belgische Chic und Flair hervorgehoben.

     Am Ende wird endlich die Frage beantwortet, warum der Vater alle wieder unter dem Weihnachtsbaum vereint sehen möchte. Ganz so einfach und vorhersehbar ist der Grund nicht, jedoch bleibt auch der große Knall aus, den Kate Defrise geplant und der Leser erwartet hat. Für die Geschwister ist das Zusammentreffen im alten Familienhaus eine emotionale Achterbahnfahrt, die mich leider nicht erreichen konnte.


    Fazit:
    "Winter und Schokolade" ist eine durchschnittliche Geschichte, die ihren Höhepunkt an Weihnachten findet. Passend dazu rückt die Familie in den Vordergrund, da das Leben und die Beziehungen der drei Schwestern und deren Bruder geschildert werden, manchmal schon zu langatmig. Das Ende ist nicht so beeindruckend wie erwartet und rundet die Geschichte ab.

  11. Cover des Buches Die Brückenbauer (ISBN: 9783453410770)
    Jan Guillou

    Die Brückenbauer

     (90)
    Aktuelle Rezension von: smutcop

    Ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen! Toller Blick in den beginn des vergangenen Jahrhunderts! Mit Allem was man braucht!

  12. Cover des Buches Jonathan Strange & Mr. Norrell (ISBN: 9783827005229)
    Susanna Clarke

    Jonathan Strange & Mr. Norrell

     (195)
    Aktuelle Rezension von: Klausviedenz

    Ja, es ist sehr lang. Ja, es hat langatmige Passagen. Ja, am Anfang passiert lange herzlich wenig. Und trotzdem habe ich zu keinem Zeitpunkt bereut, dieses Buch in die Hand genommen zu haben, denn Susanna Clarke schlägt hier einen großen Bogen von alter englischer Literatur a la Dickens und Austen zur modernen Fantasy, unterlegt mit herrlicher Ironie. Das Ende ist etwas unbefriedigend dafür, dass die Konfrontation auf 1000 Seiten vorbereitet wurde, aber die poetische Schönheit des Schreibstils und die einzigartige Herangehensweise an das Thema lassen für mich keine niedrigere Wertung zu: intelligent, originell, absolut lesenswert.

  13. Cover des Buches Das System (ISBN: 9783746623672)
    Karl Olsberg

    Das System

     (190)
    Aktuelle Rezension von: lucatrkis

    Lisa und Mark fand ich sehr sympathisch. Die Lovestory zwischen den beiden mochte ich auch. Ich fand die Kapitel, die im Weltall spielten, eher langweilig und deswegen hatte ich am Anfang auch gar keine Lust auf das Buch, weil es direkt mit so einem Kapitel anfing. Die Kapitel in dem es um die Protagonist*innen ging, fand ich sehr spannend. Manchmal verstand ich nicht, alles, weil es sehr technisch war, aber es gefiel mir, etwas darüber zu lesen. Es ist schon beängstigenden, was die Technik in diesem Buch kann. Und so fern von der Realität ist es auch nicht…

  14. Cover des Buches Gesamtausgabe (ISBN: 9783596905911)
    Anne Frank

    Gesamtausgabe

     (2.387)
    Aktuelle Rezension von: Papiertiger17

    Der historischen Zusammenhänge und der immensen Bedeutung dieses Zeitdokumentes bewusst, trafen mich die Lebensfreude und die teils sehr unterhaltsamen Anekdoten der jungen Autorin doch unvorbereitet. So überrascht, konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Das Tagebuch der Anne Frank gewährt ein fesselndes Eintauchen in ihre Gedanken- und Gefühlswelt und lässt einem ganz beiläufig erfahren, wie es ist, von einem deutschen Unrechtsstaats das eigene Daseinsrecht abgesprochen zu bekommen. Es ist unfassbar, dass die Deutschen damals ihre ethnischen Säuberungen sogar im Radio angekündigt haben. Und alle haben gewusst, was mit jenen passiert, die weggeholt und abtransportiert wurden. Alle haben es gewusst!

  15. Cover des Buches Sturz der Titanen (ISBN: B0044ZC3N4)
    Ken Follett

    Sturz der Titanen

     (107)
    Aktuelle Rezension von: EmmaZecka

    Kommen wir zuerst zum Inhalt: Wir lernen in Sturz der Titanen vier Familien kennen, die in verschiedenen Ländern bzw. Kontinenten wohnen: Die Familien, die Ken Follett beschreibt, stammen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten. Wir beginnen zuerst mit zwei Arbeiterfamilien:
    Da wären die Brüder Lew und Grigori Peschkow, die in Russland leben und von einem neuen, freien Leben in Amerika träumen.
    Bei der zweiten Arbeiterfamilie handelt es sich um die Bergarbeiter Familie Williams mit den Geschwistern Billy und Ethel, aus deren Perspektive viele Kapitel der Geschichte erzählt werden. Billy tritt in die beruflichen Fußstapfen seines Vaters und wird Bergarbeiter, während seine Schwester Ethel zu Beginn der Geschichte als Haushälterin bei Familie Fitzherbert arbeitet, womit wir bei der ersten Familie einer neuen Gesellschaftsschicht wären.

    Familie Fitzherbert kennzeichnet sich durch das konservative Familienoberhaupt Fitz und dessen Schwester Maud, die sich für die Frauenrechte einsetzt und sich damit in England keine Freunde macht. Fitz ist aufgrund seines gesellschaftlichen Status in politischen Kreisen unterwegs und lernt hier den deutschen Diplomaten Walter von Ulrich kennen, dessen Familie ebenfalls dem Adel angehört und die letzte Familie darstellt aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird.

    Wir erleben welche Auswirkungen der erste Weltkrieg auf die verschiedenen Familien hat. Ken Follett verknüpft hier wichtige historische Zusammenhänge mit fiktiven Charakteren und sorgt somit beinahe automatisch dafür, dass das politische Interesse wächst, weil uns hier fiktive Charaktere begegnen, mit denen wir mitfiebern und anhand derer wir beobachten können, wie fatal die ein oder andere politische Entscheidung ist.

    Als ich die Geschichte das erste Mal gelesen habe, war ich noch fasziniert davon, wie Ken Follett seine Handlungsstränge miteinander verbindet und dafür sorgt, dass sich Charaktere begegnen, die in unterschiedlichen Ländern leben.
    Als ich die Geschichte nun zum zweiten Mal gehört habe, war ich überrascht, dass ich mich nach über zehn Jahren noch an so viele Szenen erinnern konnte. Allerdings muss ich auch feststellen, dass ich die Elemente, die mich früher faszinierten, nun als etwas konstruiert und somit unglaubwürdig erlebte.

    Von der Hörbuch Gestaltung war ich etwas enttäuscht. Die Jahrhundert Saga erschien sowohl als ungekürztes als auch als gekürztes Hörbuch. Ich habe die ersten beiden Bände als gekürzte Fassung gebraucht gefunden und dachte, dass es sich bei über 1.000 Buchseiten sicher nicht um wichtige inhaltliche Kürzungen handeln konnte. Leider traf das hier nicht zu.
    Was ich bei Sturz der Titanen so faszinierend fand, war die Mischung aus fiktiver Handlung und den politischen Diskussionen, deren Inhalt ja durchaus real war. Allerdings musste ich feststellen, dass viele politische Gespräche im gekürzten Hörbuch fehlten. (Oder zumindest kam es mir so vor). Stattdessen gab es viel Erotik zu hören, was ich teilweise verdrängt, oder beim Lesen vielleicht auch überflogen hatte, weil mich die erotischen Szenen nicht interessierten.
    Gerade um den Handlungsstrang der beiden Brüder aus Russland verstehen zu können, braucht es Informationen über die politische Siutation von Russland, die hier leider fehlten. Deswegen nervte es mich, dass man auf der einen Seite viel ERotik-Content in der gekürzten Fassung unterbrachte, aber auf der anderen Seite das wirklich Relevante, nämlich politische Situationen, strich.
    Allerdings glaube ich, dass es sich hier auch um Jammern auf hohem Niveau handelt und Hörer*innen, die ausschließlich das gekürzte Hörbuch kennen, womöglich nichts vermissen.
    Das Hörbuch wird von Johannes Steck gelesen, der eine angenehme Stimmfarbe hat. Er hat eine vergleichsweise helle Stimme, zeigt aber, dass er sich gut darauf versteht, den verschiedenen Charakteren unterschiedliche Stimmen zu geben. Seine Interpretation der Geschichte hat mich gut unterhalten.

    Ken Folletts Schreibstil ist lebendig, was mir einen schnellen Einstieg in die Geschichte ermöglichte. Er erzählt die Handlung aus der dritten Person, erzählt die Handlung aber aus den Perspektiven unterschiedlicher Charaktere. Was ich besonders faszinierend finde ist, dass er es schafft, die Gedanken und Gefühle von Figuren darzustellen, deren Einstellung ich sehr fragwürdig finde. Dennoch schafft er es, ihre Gefühle und Handlungen so gut zu beschreiben, dass diese für mich nachvollziehbar waren, obwohl ich ihre Motive fragwürdig fand.

    Gesamteindruck

    Die gekürzte Ausgabe von Sturz der Titanen stellte sich für mich als gute Zusammenfassung heraus, um wieder in die Reihe reinzukommen.
    Wer einen historischen Roman für Zwischendurch sucht, ist mit der gekürzten Fassung gut beraten. Wer sich hingegen für die Reihe und die politischen Hintergründe interessiert, sollte besser zur ungekürzten Ausgabe greifen.

  16. Cover des Buches Ostende (ISBN: 9783462046007)
    Volker Weidermann

    Ostende

     (80)
    Aktuelle Rezension von: Beust

    Weidermann gelingt es, die kurzlebige Stimmung der Exilliteraten Joseph Roth, Stefan Zweig, Irmgard Keun und der anderen, die aus Nazideutschland geflohen, aber eigentlich noch nicht im dauerhaften Exil nagekommen sind. Dieser Sommer 1936 im belgischen ostende ist gleichzeitig so sehr in der Zeit verfangen, wie er aus ihr herausfällt. Mit Leichtigkeit lesen wir die Seiten, schauen wir den Menschen in die Herzen und Köpfe, obschon die gewaltigen Veränderungen des Krieges schon dräuen. Weidermanns größte Leistung für mich: dass ich auf einmal etwas von Irmgard Keun lesen möchte, die mir auch Schultagen so sehr verhasst war.

  17. Cover des Buches Das Glück meines Bruders (ISBN: 9783406711817)
    Stefan Ferdinand Etgeton

    Das Glück meines Bruders

     (28)
    Aktuelle Rezension von: Nachtschwärmer
    Das erste was einem auffällt, ist der Schreibstil. Während jedem Schreibanfänger erstmal eingetrichtert wird, dass er keine ellenlangen Sätze verwenden soll, tut der Autor hier genau das. Seine Sätze ziehen sich über diverse Zeilen, allerdings sind sie in einer einfachen Sprache verfasst so dass man sie leicht lesen kann. Das ist am Anfang gewöhnungsbedürftig, würde an sich den Lesefluss jedoch nicht stören.

    Aber...

    Die Geschichte wird aus der Sicht von Botho erzählt und dessen wirren Gedankengängen zu folgen ist schon eine echte Herausforderung. Anfangs schweift er oft von der Gegenwart in die Vergangenheit und gewährt dem Leser so einen Einblick in seine Kindheit. In diesem Abschnitt des Buches konnte ich mich gut in ihn hineinversetzen, vor allem, da wir in etwa dasselbe Alter haben, und es kamen auch oft Erinnerungen an meine Kindheit hoch.

    Danach wurde es schwieriger. Arno macht seinem Bruder ein Geständnis, mit dem dieser nicht so recht klar kommt und das er zunächst verarbeiten muss. Das konnte ich noch nachvollziehen, aber danach wurde es zunehmend verwirrender. Bothos halbherzige Suche nach seiner Jugendliebe, die "voreheliche Panikattacke" von Arnos Verlobter, die ihre Auszeit ausgerechnet bei Botho verbringt (wieso eigentlich??) und ein Ausblick in Bothos Leben nach diesem Sommer.

    Während ich zu Beginn der Geschichte noch  mit dem Ich-Erzähler sympathisierte wurde er im Verlauf zunehmend nervig. Ständig betont er, wie egal ihm alles ist obwohl die Tatsache, dass er manches einfach nicht loslassen kann, verrät, dass ihm eben nicht alles egal ist. Er gibt sich stark und selbstbewusst, ist aber im Grunde verlorener als sein Bruder, und man möchte ihn einfach mal schütteln und ihn anbrüllen. Ihm sagen, dass er sein Leben leben soll statt ständig in der Vergangenheit festzuhängen und nur darüber nachzudenken was wäre, wenn...

    Am Ende des Buches saß ich ratlos da und fragte mich, was der Autor mir als Leser mit dieser Geschichte wohl sagen will. Ich habe keine Ahnung.
  18. Cover des Buches Die Wahnsinnige (ISBN: 9783832181277)
    Alexa Hennig von Lange

    Die Wahnsinnige

     (51)
    Aktuelle Rezension von: Gwhynwhyfar

    «Doch was ich damals nicht verstand, was ich einfach nicht verstand in dieser verblendeten Glückseligkeit, war, dass es aus dem Traum auch immer ein Erwachen gibt, dass es zur  Zweisamkeit auch die Einsamkeit gibt, dass das Gegenteil von Macht die Unterdrückung ist. Und dass dieses regennasse Flandern und mein mir zugewiesener Mann nicht meine Befreiung, sondern meine Zerstörung sein würden. Juan Rodriguez, die Welt ist von einer schlimmen Epidemie erfasst, die Menschen anderen Menschen aus Selbstsucht und Freude am Triumph furchtbare Dinge antun lässt. Und mein Mann ist einer von ihnen und dafür wird er büßen.»

    Ich hatte eher etwas Biografisches erwartet, mehr Historisches. Alexa Henninig hat einen netten Roman geschrieben, mit historischen Hintergrund, so würde ich es bewerten. Sie versetzt sich in Johanna von Kastilien, die Tochter und die Thronfolgerin von Isabella von Kastilien, und König Ferdinand II von Aragon, eine Thronfolgerin, die nie Regentin werden sollte, dies auch nie wollte. 1503: Der Roman beginnt zirka ein Jahr vor dem Tod von Isabella, der Katholischen, die zu diesem Zeitpunkt schon sehr krank ist. Sie hält ihre Tochter auf der Festung La Mota in Medina del Campo gefangen, damit sie in Spanien bleibt – sie befürchtet einen Anschlag auf Isabella oder Intrigen auf das spanische Königshaus, hält Isabella für indoktrinierbar. Auch will sie die Tochter zum Beten und Beichten zwingen, wie es sich für eine Katholische gehört, als Thronfolgerin. Historisch verbrieft, zeigte sie einen deutlichen Mangel an Glauben, verweigerte die Beichte, teilweise selbst den Besuch der Messe. Ihre Mutter Isabella vertrieb zu dieser Zeit mit der Inquisition alle Juden und Mauren aus dem Land, die Ungläubigen. Cisneros, der Beichtvater von Mutter und Tochter, war gleichzeitig der Primas von Spanien, der Großinquisitor, der sich ein solches gottloses Verhalten nicht gefallen lassen konnte. Eine spanische Königin ohne verfestigten Glauben – nicht denkbar.


    «Du wirst sehr bald erkennen, wie gefährlich die Welt für eine Thronfolgerin werden kann.»


    Doch Johanna möchte nach Flandern zurückkehren, zu ihrem Mann, König Philipp (der Schöne) und zu ihren Kindern. Die Mutter lässt sie ziehen. Zurück in Brüssel, ignoriert sie ihr Mann, der bekannt dafür ist, einen Haufen Mätressen um sich zu scharren. Sie macht ihm eine öffentliche Eifersuchtsszene, wobei sie ein Messer in der Hand hielt – historisch verbrieft – ein weiteres Dokument für «La Loca». Plötzlich überschüttet Philipp sie mit Aufmerksamkeit und Zärtlichkeit. Isabella ist wieder schwanger. Als die Nachricht vom Tod ihrer Mutter eintrifft, erfährt sie auch, dass diese verfügt hat, solange Isabella sich nicht in Spanien aufhält, wird das Land von König Ferdinand II regiert, und ebenso verfügt sie, dass Johanna nur den Thron besteigen darf, «wenn sie zu regieren vermag». Fast ein Freibrief, «La Loca» als völlig verrückt darzustellen. Philipp wähnt sich bereits als König von Kastilien, bald von ganz Spanien. Für die Männer geht es um die Frage, wer darf im Namen von «La Loca» regieren? Vater oder Ehemann …  Philipp und Johanna reisen im September 1506 nach Kastilien, zum Casa del Cordón in Burgos. In dem Vertrag, den Philipp und Ferdinand II. schließen, gibt es bereits einen kleinen, fast unmerklichen Passus, der bezeichnet, dass Johanna in ein Klosterexil geschickt werden soll. Doch kurz bevor die Frage um die Regentschaft geklärt ist, verstirbt Philipp plötzlich an hohem Fieber. Es gibt Gerüchte. An dieser Stelle endet der Roman. Schade.


    Juana I de Castilla, genannt «Juana la Loca», die Wahnsinnige, 1479 geboren, verstorbenen 1555. Infantin von Aragón, Kastilien und León, von 1504 bis 1506 Königin, von 1506 bis 1555 Titularkönigin von Kastilien und León, von 1516 bis 1555 Titularkönigin von Aragón, womit sich die spanischen Königreiche in ihrem Erbe als Personalunion vereinigten zum Königreich von Spanien. Nach dem Tod ihr Mutter tritt sie mit ihrem Mann als gleichberechtigte Regenten den kastilischen Thron an, was Ferdinand II. verärgert. Er «beerbt» den Schwiegersohn als Regent, heiratet bald, um einen Thronfolger zu zeugen, der, männlich, vor Johanna in der Thronfolge von Aragón stehen würde. Ein Sohn wird geboren – der aber Tage später verstirbt. Nach dem Tod von Ferdinand II. wird Johanna Königin über die Reiche beider Eltern, allerdings nur als Titularkönigin. Ihr Sohn Carlos I., wird mit ihrer Zustimmung 1516 König von Kastilien, León und Aragón und gilt als der erste König von Spanien.

    Johanna hatte als drittes Kind wenig Aussichten auf die Krone ihrer Eltern. Schon als Kind schockierte sie mit extremen Wutanfällen und Exzentrik. Die politische Heirat mit dem Hause Habsburg, mit Philipp (dem Schönen) von Flandern verlief zunächst harmonisch, die Liebe funkte auf beiden Seiten. Leider gestaltete sich Johanna als schwierig, da sie hin und wieder von heftigen Wutanfällen, bzw. Melancholie geplagt war. Philipp, wie damals üblich, war von Mätressen umgeben, was Johanna nicht zu akzeptieren vermochte. Diverse Todesfälle in der Erbfolge ihrer Eltern sorgten dafür, dass Johanna 1500 die alleinige Erbin von Kastilien, Aragon, Leon und Granada wurde. Es wurden ihr Waschzwang nachgesagt und eine zeitweise starke Melancholie, die mit Nahrungsverweigerung einherging, so wie unbegreifliche Wutausbrüche. Ihre Großmutter war definitiv im Alter psychotisch. Johanna erhielt den Beinamen «die Wahnsinnige» schon sehr früh. Ob sie allerdings nicht in der Lage gewesen wäre, ihr Amt auszuführen, ist fraglich – nicht mehr nachzuvollziehen. Garantiert gab es eine Menge an mächtigen Menschen, die dies verhindern wollten. Kirchlicherseits galt sie als unerwünscht, ihr fehlte der katholische Zug. Vater, Ehemann und Sohn wollten lieber selbst regieren. Der Vater stellte Anspruch auf den Thron, hatte Cisneros im Schlepptau. Johanna stellte sich dem entgegen und regierte eine Weile allein. Als ihr Vater vom Kriegszug aus Neapel zurückkam bat sie im um Hilfe, da sie sich überfordert fühlte, übergab ihm die Regierungsgeschäfte. Erwähnt wird in diesem Buch leider auch nicht, dass Johanna völlig aufgelöst nach dem Tod ihres Mannes in extreme Trauer versank, und nun nach einem Jahr monatelang mit dem Sarg ihres Mannes, der immer noch nicht beerdigt war, durch Kastilien zog, um Philipp in Granada zu begraben, was sein Wunsch war, aber von Ferdinand II. blockiert wurde. Auf Geheiß ihres Vaters wurde Johanna dann 1509 im Kloster von Tordesillas eingesperrt, angeblich geisteskrank, und dort verblieb bis zu ihrem Tode. Nach dem Tod ihres Vaters wurde sie auch offiziell Königin von Aragon und Leon, immer noch eingesperrt, die Regierungsgeschäfte übernahm ihr damals 16-jähriger Sohn, Erzherzog Karl von Österreich, der keinen Finger rührte, sie herauszuholen. Als rechtmäßige Königin war sie 46 Jahre lang eingesperrt im Kloster von Tordesillas. Im Alter von 75 Jahren starb sie an den Folgen einer Verbrühung


    Alexa Hennig von Lange schreibt im Nachwort, für sie steht nicht die Frage, ob jemand wahnsinnig wird, sondern warum. Die Frage nach dem warum in Bezug auf psychische Störungen sind auch heute am Lebenden schwer zu klären. Oft ist eine genetische Anlage vorhanden, der Auslöser ist differenziert zu sehen. 500 Jahre zurückzuforschen, ist meiner Meinung nach nicht möglich. Wir greifen auf Quellen zurück, klar – nur wer hat sie damals geschrieben? Aus wessen Sicht, aus wessen Intension. Was ist unsere Sicht heute – was vermischt sich hier? Was eindeutig ist, Johanna war ein Spielball der Macht. Ihre möglichen emotionalen Ausbrüche haben vielleicht dafür herhalten müssen, sie als verrückt zu erklären. Wäre sie in der Lage gewesen, ein solch großes Reich zu regieren? Das können wir heute nicht mehr beurteilen. Alexa Hennig von Lange nimmt die Perspektive der historischen Figur ein, ebenso im Austausch die dritten Person, distanziert, ein Wechsel zwischen Figur und Erzählerin. Die Autorin nimmt eine heutige feministische Haltung für ihre Figur ein, «Frauen haben in der Ehe keine Eigenständigkeit», die Protagonistin fordert eine Neuordnung der Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern. Das halte ich für zweifelhaft, zumal ihre Mutter eine sehr starke Herrscherin war, die sich bereits in der Jugend den Thron gesichert hatte und ihren Ehemann selbst erwählte, (unziemlich) um seine Hand angehalten hatte, die für sie vorbestimmten Ehemänner ablehnte. Die Autorin beschreibt die Abneigung von Johanna, zur Beichte zu gehen, eine Frau, die nicht unbedingt an einen Gott glaubt; schildert ihre inneren Konflikte, Wutausbrüche, ihre Eifersucht. Nicht glaubhaft erscheint mir, dass sie ihrer Mutter vorwirft, Juden und Muslime aus dem Land zu treiben im Namen der Kirche, letztendlich um sich an den Ländereien zu bereichern – auch hier eine moderne Sicht. Am Anfang des Romans lehnt sie es ab, sich um ihren Sohn in La Motta zu kümmern, fühlt sich nicht als Mutter, berichtet vom Unglück ihrer Ehe. Aber warum will sie nun plötzlich zurück nach Flandern (ohne ihren Sohn)? Dort zeigt sie sich dann als liebevolle Mutter, leidet unter der Zurückweisung ihres Mannes, lässt sich dann doch wieder einlullen von «dem Schönen»; sie verbringen fast zwei Wochen im Bett. Für mich passt das psychologisch nicht alles zusammen. Die Autorin begibt sich in die Rolle einer historischen Figur, kann aber nicht Position in der Figur beziehen, mag sich nicht festlegen. Aber genau das braucht es, um sich ernsthaft auf den Charakter einzulassen, egal in welche Richtung. War sie verrückt oder nur eine hoch emotionale Persönlichkeit? In dieser Perspektive muss man sich entscheiden. Die Autorin schwimmt aber, hält sich nach allen Seiten offen. Sie beantwortet auch die Frage nicht, die sie beantworten wollte: Warum wird einer verrückt? Das Zeitfenster für diesen Roman ist kurz, es handelt sich um zwei bis drei Jahre, die des Machtspiels um die Krone und um eine kurze Rückschau. Um diese Frage zu beantworten, müsste man bis zur Geburt zurückgehen, die gesamte Persönlichkeit aufblättern. Und wie gestaltete sich ihr Leben im Kloster von Tordesillas wirklich?


    Ein Roman, der gut zu lesen ist, gut geschrieben, mit Emotion, Sex und Leidenschaft. Mit Juana I de Castilla, genannt «Juana la Loca» hat dieses Buch nicht viel zu tun. Es ist die Innenansicht einer historischen Figur, leider beschrieben aus einer heutigen Sicht und für mich psychologisch nicht ausgeleuchtet. Netter Roman, mehr auch nicht.


    https://literaturblog-sabine-ibing.blogspot.com/p/die-wahnsinnige-von-alexa-hennig-von.html


  19. Cover des Buches Der Schwimmer (ISBN: 9783499268885)
    Joakim Zander

    Der Schwimmer

     (120)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Dieses Buch könnte ich einfach nicht aus der Hand legen und habe es quasi in einem Rutsch verschlungen. Richtig guter Schreibstil und gut recherchiert. Über die Machenschaften von Lobbyisten, Politikern, Unternehmen und Geheimorganisationen wird man hineingezogen in eine spannungsgeladene Geschichte. Etwas anspruchsvoller als sonstige Romane, da die Erzählabschnitte in Zeit, Raum und Erzähler springen. Erst am Schluss fügt sich die Geschichte zu einem Ganzen zusammen. Auf jeden Fall empfehlenswert für alle die höhere Literatur mit komplexen Strukturen mögen.
  20. Cover des Buches Und es schmilzt (ISBN: 9783596298372)
    Lize Spit

    Und es schmilzt

     (239)
    Aktuelle Rezension von: Maza_e_Keqe

    Ich-Erzählerin Eva berichtet sehr nüchtern über die Ereignisse in drei Zeitebenen:

    Gegenwart: Sie kehrt mit einem Klumpen gefrorenen Wassers im Kofferraum zurück in ihr Heimatdorf.

    Vergangenheit 1 (Sommer 2002)

    Vergangenheit 2 (Kindheit bis Januar 2002)

    Die Autorin schreibt über das Leben auf dem Dorf; Eva ist mit den einzigen beiden Kindern in ihrem Alter befreundet, zwei Jungs. Ihr Familienleben ist vorsichtig formuliert schwierig.

    Es finden sich immer wieder Andeutungen und Leser ahnt, dass eine Katastrophe bevor steht.

    Wie ein Vulkanausbruch kündigt sich das Unglück langsam an: Ascheregen, leichte Eruptionen. Doch auf das entsetzliche Ende kann Leser sich nicht richtig vorbereiten.

    Was mich an einigen Stellen gestört hat, waren die nicht übersetzten flämischen (?) Bezeichnungen. Mir fehlte auch oft Hintergrundwissen zu Land und Leuten um Wörter oder Orte in richtigen Zusammenhang zu bringen.

    Ein großartiges Buch, aber sicher nichts für schwache Nerven.

    Trigger- und Spoilerwarnung:

    Blut, Tod, Missbrauch, Suizid

  21. Cover des Buches Kind aller Länder (ISBN: 9783462048971)
    Irmgard Keun

    Kind aller Länder

     (32)
    Aktuelle Rezension von: Das_literarische_Parkett

    Irmgard Keuns Exilroman 'Kind aller Länder' verdient mehr Aufmerksamkeit für eine erzählerische Vielschichtigkeit, die sich in dem perfektioniertem Wechsel aus Komischen, poetischer Melancholie und der kindlichen Stimme der zehnjährigen Kully ausdrückt, die mit ihren Eltern aus Nazideutschland flüchtet und von Paris, Nizza und Brüssel bis nach New York reist.
    Manchmal mutet der Erzählstrang etwas ungereimt und chaotisch an, als sei die Autorin selbst auf der Reise durch die Kontinente verloren gegangen. Irmgard Keun nimmt einen nicht an die Hand, ihre Erzählung bleibt etwas unfertig und ambivalent, dafür gelingt es ihr aber, die spannende Mischung aus Heimatlosigkeit und eskapistischem Fernweh körperlich spürbar zu machen. Dabei wirkt die Geschichte stets aus sich heraus sinnvoll, die biographischen Bezüge lassen sich sanft erahnen und Kullys unbezwingbare Neugier auf die Welt wirkt nie naiv, sondern stets erlebt und vielleicht notwendig.

  22. Cover des Buches Böses Mädchen (ISBN: 9783257235524)
    Amélie Nothomb

    Böses Mädchen

     (153)
    Aktuelle Rezension von: lovelines

    >>Blanche und Christa sind Freundinnen. Bis Blanche das wahre Gesicht ihrer Freundin erkennt: Sie ist die Antichrista. Gekommen, nicht um sie zu erretten, sondern um sie zu zerstören.<<
    „Böses Mädchen“ von Amelie Nothomb ist wie ich finde eine doch sehr vorhersehbare Geschichte. Dennoch hat sie mir gut gefallen und der besondere Stil der Autorin kam meiner Meinung nach auch hier wieder gut zur Geltung. Insgesamt hat mich auch dieses Buch von Amelie Nothomb wieder sehr gefesselt, obwohl ich sagen muss, dass mir einiges doch etwas zu abstrus war und gerade Blanches Eltern mehr als unglaubwürdig rüber kamen. Zumindest habe ich das so empfunden. Mein Fazit: Eine nette Abendlektüre, aber leider kein Nothomb-Highlight.

  23. Cover des Buches Das Eulenhaus (ISBN: 9783596167623)
    Agatha Christie

    Das Eulenhaus

     (103)
    Aktuelle Rezension von: Anita_Naumann

    Früher habe ich viele der Bücher von Agatha Christie in der Schulbibliothek ausgeliehen, aber natürlich kann ich mich nicht mehr an jeden Namen erinnern. So viel mir erst beim Lesen auf, dass ich "Das Eulenhaus" tatsächlich schon einmal gelesen hatte und trotzdem war es noch spannend. Ich meinte mich zwar dunkel daran zu erinnern, wer den obligatorischen Mord verübt hat, aber ich war mir nicht mehr sicher und so habe ich auch beim zweiten Mal begeistert mitgerätselt.

    Aber worum geht es überhaupt?

    Lucy Angkatell und ihr Mann Henry laden Verwandte und Freunde zu einer Wochenendgesellschaft aufs Land in ihr "Eulenhaus" ein. Doch nicht alle ihre Gäste kommen gerne ins Eulenhaus, obwohl die Gastgeberin sich redliche Mühe gibt. Und dann platzt am Samstag abend auch noch die Schauspielerin Veronica Cray in die Gesellschaft. 

    Aber hat sie wirklich vergessen, Streichhölzer zu kaufen oder ist es nur ein Vorwand? 

    Für Sonntag hat Lady Lucy einen besonderen Gast eingeladen, der die Wochenenden in dem kleinen Landhaus in der Nachbarschaft verbringt: Hercule Poirot. Und er kommt gerade rechtzeitig und wird Zeuge eines Mordes. 

    Aber ist die Lösung des Rätsels so eindeutig wie sie anfangs scheint? Poirot hat seine Zweifel...

  24. Cover des Buches Ruhelos (ISBN: 9783833305368)
    William Boyd

    Ruhelos

     (121)
    Aktuelle Rezension von: Speechless

    Die 27jährige Ruth Gilmartin ist alleinerziehende Mutter und promoviert an der Universität von Oxford. Ihr Vater ist bereits vor Jahren verstorben und zu ihrer Mutter Sally hat sie ein spezielles Verhältnis. Bei einem ihrer wöchentlichen Besuche im Cottage der Mutter im Sommer 1976, bemerkt Ruth, dass sich Sally sehr seltsam benimmt, sich verfolgt und beobachtet fühlt. Beim Abschied überreicht Sally Ruth eine Akte und eröffnet ihr quasi zwischen Tür und Angel, dass sie in Wirklichkeit Eva Delektorskaja heißt und eine ehemalige Spionin des britischen Geheimdienstes ist.

    Ab diesem Moment tun sich im Buch zwei Handlungsstränge auf. Während der eine weiterhin aus der Ich-Perspektive von Ruth erzählt wird und in der Gegenwart verläuft, führt der andere nach Paris zurück in das Jahr 1939. Dort wird die junge russische Emigrantin Eva Delektorskaja auf der Trauerfeier ihres Bruders von dem mysteriösen Lucas Romer angesprochen. Dieser erzählt ihr zunächst, dass ihr Bruder keinesfalls durch einen tragischen Unfall starb, sondern gezielt ermordet wurde und wirbt sie in der Folge für den britischen Geheimdienst an. Nach einer intensiven Ausbildung in Schottland, absolviert Eva einige hochgefährliche Einsätze In Belgien, England und den USA. Das Ziel ihrer Spezialeinheit besteht darin in den Medien gezielt Falschmeldungen zu verbreiten, die die zögernde USA zum Eintritt in das Kriegsgeschehen gegen die Nazis bewegen sollen. Dabei lautet die oberste Regel: Vertraue niemandem.

    Die Sprache des Autors ist geradlinig, nüchtern und klar, was meiner Meinung nach besonders zu dem Inhalt des Buches passt. Ein perfektes Beispiel ist dafür schon der pointierte Titel des Buches. Ohne Umschweife auf den Punkt kommend gelingt es Boyd trotzdem eine plastische Welt entstehen zu lassen, in die man wunderbar leicht hineinfindet und ungerne wieder auftauchen möchte.

    Besonders spannend fand ich es die Ereignisse während des zweiten Weltkriegs mal aus einer völlig anderen Perspektive zu erleben. Aber selbst für Leser, die sich nicht sonderlich für die Zeit des zweiten Weltkriegs interessieren, ist es eine spannende Geschichte, die mit jedem Kapitel eine intensivere Sogwirkung entfaltet. Ständig fragt man sich, wem Eva trauen kann, ist erleichtert, wenn sie einer gefährlichen Situation entkommen ist und völlig fasziniert von ihrem alltäglichen Leben als Spionin, in dem kaum ein Platz für wirklichen Alltag bleibt. Enttäuscht war ich gleichzeitig von dem zweiten Handlungsstrang um Ruth. Zwar war mir Ruth grundsätzlich sehr sympathisch, ich konnte ihr Verhalten und ihre Gedanken gut nachvollziehen. Gleichzeitig bleibt sie aber sehr blass und auch die Bezüge zum Baader-Meinhof-Komplex verliefen irgendwie im Sande und waren dann für die Geschichte doch eher unnötig.

    Trotzdem ist dies ein kitschfreier Spionage-Thriller, der mit viel Spannung und Gänsehaut daherkommt. Am Ende bleibt auch die Aufforderung an den heutigen Leser nicht jede Nachricht, die keine eindeutige, seriöse Hintergrundquelle vorweisen kann, bedingungslos zu glauben.

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