Bücher mit dem Tag "belgien"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "belgien" gekennzeichnet haben.

257 Bücher

  1. Cover des Buches Ein Tag im Dezember (ISBN: 9783453422926)
    Josie Silver

    Ein Tag im Dezember

     (231)
    Aktuelle Rezension von: Buecherwuermchen_1990

    Das Cover finde ich sehr ansprechend gestaltet. Der Titel hat den Rest dazu beigesteuert, dass ich das Buch sofort lesen wollte.

    Der Schreibstil ist locker, witzig und mit viel Emotionen. Die Geschichte hat mich von Beginn an direkt in seinen Bann gezogen  und meine Gefühle fuhren Achterbahn. Mal war ich tief traurig über den Fortgang der Geschichte, mal musste ich lachen. Die Geschichte hat mich tief berührt.

    Die Ich-Erzählform aus abwechselnder Sicht von Jack und Laurie finde ich sehr gut gewählt. So hat man auch Einblick in die Gedanken von Jack.

    Die beiden Hauptcharaktere waren mir sehr sympathisch. Die Vertrautheit und Freundschaft zwischen den beiden hat mir sehr gut gefallen. Die Charaktere waren sehr lebhaft und real beschrieben.

    Laurie ist eine junge Frau, die eigentlich weiss was sie will. Nur verliert sie ihre Ziele manchmal aus den Augen. Jack ist ein junger Mann, der sich manchmal etwas unreif verhält.


    Die Geschichte ist sehr schön und mitreissend geschrieben. Ich kann diese Geschichte jedem empfehlen, der gerne eine romantische und dramatische Geschichte liest.


  2. Cover des Buches Das Wesen (ISBN: 9783596186327)
    Arno Strobel

    Das Wesen

     (560)
    Aktuelle Rezension von: bookxn_belly

    Ich möchte gleich vorab sagen, dass ich bereits zuvor schon einige Bücher von Arno Strobel gelesen habe und er mich mit seinen Büchern bisher wirklich immer begeistern konnte. Nur bei diesem, muss ich leider sagen, dass es nicht ganz mein Fall war. Hier war noch deutlich Luft nach oben.

    Bereits der Einstieg in das Buch gestaltete sich nicht besonders einfach, da Ermittlungsarbeiten aus zweierlei Zeitfenstern berichtet wurden, welche sich zeitweise sehr ähnelten. So musste ich mich hin und wieder schon sehr konzentrieren, um zu wissen, wo wir uns gerade befinden.

    Auch die Ermittler konnten mich charakterlich nicht wirklich abholen. Besonders der cholerische Ermittler Herr Menkhoff stand mit seiner starken Persönlichkeit oft sehr im Vordergrund, sodass ich das Gefühl hatte, es würde mehr um ihn, als um den eigentlichen Fall gehen.

    Durch diese beiden Punkte hat sich das Buch an manchen Stellen für mich sehr in die Länge gezogen.

    Dennoch konnte mich insbesondere das Ende überzeugen, da es für mich überraschend, nicht vorhersehbar und somit ein toller Abschluss war.

  3. Cover des Buches Sterne über der Alster (ISBN: 9783492306973)
    Micaela Jary

    Sterne über der Alster

     (75)
    Aktuelle Rezension von: julestodo
    Der zweite Band von Micaela Jary um die Familie Dornhain aus Hamburg. Schon den ersten Band habe ich sehr gerne gelesen, nun wollte ich gerne erfahren, wie es der Familie weiterhin ergeht. Die Zeit um den 1. Weltkrieg und die Zeit danach sind gut wiedergegeben und das Schicksal der Menschen, die diese Zeit miterleben mußten. Nicht nur die Situation der Familie Dornhain ist gut wiedergegeben, auch die der Menschen aus nicht so gut situierten Schichten, die sich in der Zeit nach dem Krieg versuchen müssen sich über Wasser zu halten und zu überleben.
    Der Schreibstil von Micaela Jary gefällt mir sehr gut. Die Bücher, die ich bisher gelesen habe, und auch dieses hier sind flüssig zu lesen und die Personen scheinen authentisch.
    Gerne werde ich weitere Bücher von dieser Autorin lesen!

  4. Cover des Buches Drohnenland (ISBN: 9783462046625)
    Tom Hillenbrand

    Drohnenland

     (105)
    Aktuelle Rezension von: Tokall

    Mit „Drohnenland“ legt Tom Hillenbrand einen visionären Science-Fiction Krimi vor, der durch einen überzeugenden Weltenentwurf besticht. Die Polizei erhält bei ihrer Ermittlungsarbeit Unterstützung durch eine Künstliche Intelligenz, einen fortschrittlichen Fahndungscomputer, der mit Hilfe seiner Prädikationssoftware Verbrechen bereits feststellt, bevor sie begangen werden. Das erinnert ein wenig an „Minority Report“, aber Hillenbrand geht weit über diese Idee hinaus. Außer der digitalen Forensik haben Polizei und Geheimdienst auch die Möglichkeit einer Totalüberwachung mit Hilfe von Drohnen. Und sie können auf einen Mirrorspace zugreifen, eine kontinuierliche Echtzeitspiegelung, die eine vierdimensionale Raumzeit holographieren kann. Auf diese Weise lässt sich jeder Tatort zu jeder beliebigen Zeit und aus verschiedenen Perspektiven nochmals genau untersuchen. Dieser vom Autor kreierte Weltenentwurf ist in meinen Augen eine große Leistung, Hillenbrand verfügt über ein großes Register kreativer Ideen. Wer „Hologrammatica“ kennt, wird feststellen, dass viele Ideen in Grundzügen schon hier vorhanden sind, z.B. die Idee einer KI, von Holographien oder von Brillen, die die Umgebung mit digitalen Hilfsmitteln anders erscheinen lassen kann. 

    Doch nicht nur der Weltenentwurf gelingt, Hillenbrand schafft es, eine Atmosphäre zu erzeugen, die authentisch und futuristisch wirkt. Beim Lesen entstand vor meinem inneren Auge eine greifbare Zukunftswelt, die bei mir Assoziationen zu „Blade Runner“ auslösten.

    Und auch die Figuren sind facettenreich und interessant gestaltet. Das Ermittlerteam, bestehend aus Kommissar Westerhuizen und der Analystin Ava, konnte mich in seinen Bann ziehen. Eine weitere mysteriöse Figur, deren Handeln man genauer ergründen möchte, ist der Journalist Johnny Random, der bei mir Assoziationen zu „Max Headroom“ auslöste.

    Das einzige, was ich an diesem Science-Fiction-Thriller bemängeln kann, ist das Fehlen einer hohen Spannungsintensität. Erst im Finale auf den letzten 100 Seiten zieht die Spannung spürbar an, so dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. Und die Auflösung ist auch plausibel, durchdacht und gelungen. Ich vergebe 4 Sterne.

     

    Fazit: Ein Science-Fiction-Krimi mit einem gelungenen Weltenentwurf, vielen kreativen Ideen, gut gestalteten Figuren und einer futuristischen Atmosphäre. Er hätte lediglich noch spannender sein können. Dennoch eine klare Leseempfehlung, vor allem auch für Kenner von „Hologrammatica“, die interessante Parallelen entdecken werden.

  5. Cover des Buches Töte mich (ISBN: 9783257069891)
    Amélie Nothomb

    Töte mich

     (97)
    Aktuelle Rezension von: jenvo82

    „Sérieuse hatte ihn mit Agamemnon und Iphigenie geschlagen. Nun tauchten aus seinen rudimentären Erinnerungen an den Religionsunterricht Abraham und Isaak auf. Ein Hoffnungsschimmer streifte ihn, machte aber bald einem noch tieferen Schmerz Platz.“

    Inhalt

    Graf Henri Neville steckt in der Zwickmühle: Denn nachdem ihm eine Wahrsagerin prophezeit hat, dass er auf seiner letzten Garden Party auf seinem stattlichen Anwesens zum Mörder eines Gastes werden wird, überlegt er krampfhaft, wie so ein Mord standesgemäß ablaufen könnte und wer überhaupt das passende Opfer wäre. Ihn schreckt es nicht, dass er nach vollbrachter Tat ins Gefängnis gehen muss, denn er ist ohnehin verarmt und der Landbesitz eine einzige Schuldenfalle. Doch Graf Neville hat schon von Kindesbeinen an den Grundsatz der gehobenen Gesellschaftsschicht verinnerlicht: es spielt keine Rolle, welche Taten du verübst, solange sie moralisch vertretbar sind. Leider gibt es unter den geladenen Gästen zwar viele mögliche Opfer, aber keines scheint das geeignete. Als ihn seine  verschrobene jüngste Tochter Sérieuse das Angebot macht, doch sie zu töten, statt eines Fremden, eröffnen sich ganz neue Perspektiven. Wäre da nicht sein schlechtes Gewissen und die unsagbare Strafe, die es ihm nach der Tat bis ans Ende seines Lebens unmöglich machen würde, seine persönlichen Ansprüche zu erfüllen …

    Meinung

    Dieser kleine, feine Roman mit gerade mal 111 Seiten Umfang konnte mich sehr begeistern, denn die 1967 geborene belgische Diplomatentochter Amélie Nothomb, die bereits zahlreiche Romane veröffentlicht hat, spinnt hier ein diffiziles Kammerspiel, welches sich zum gedanklichen Schlagabtausch zwischen Vater und Tochter entwickelt. Einerseits ist dieses Buch zeitlos und universell, weil es nichts weiter als ein moralisches Gedankenexperiment ist, andererseits wirkt es märchenhaft-leicht und absolut unterhaltsam, weil es so ohne Rahmenhandlung und Kenntnis der näheren Umstände auskommt. Für die Entwicklung der Protagonisten bleibt wenig Raum, man erfährt als Leser nur ein paar Hintergründe, die nicht genügen, um die Motivation der 17-jährigen Tochter tatsächlich nachzuvollziehen. Stattdessen konzentriert sich die Autorin auf den Aspekt des Standesdünkels und so manch skurriler Begebenheit, die eine so haarsträubende Idee schließlich in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt. 

    Fazit

    Ich habe mich hier bestens unterhalten gefühlt und einen leichten, beschwingten Roman gelesen, der ein eigentlich unvorstellbares Dilemma auf die humoristische Art und Weise löst und vergebe gerne 5 Lesesterne. Sicherlich ist das keine besonders anspruchsvolle Lektüre mit Tiefgang, allerdings tut das dem Lesevergnügen keinen Abbruch, insbesondere wenn man sich auf dieses Experiment mit den Möglichkeiten und Unvorstellbarkeiten einlässt.

     Gerne hätte dieses Buch noch ein paar mehr Seiten haben dürfen und vielleicht noch einen kleinen Ausblick in das Beziehungsgeflecht der Familie Neville nach dem Ende der Garden Party liefern können, doch auch so passt es wunderbar. Von der Autorin werde ich gewiss noch weitere Bücher lesen – dieses hier hebt sich positiv von der Menge der Bücher ab, die ich sonst in den Händen halte und lässt jegliche Schwere vermissen, was für mich normalerweise immer ein Kritikpunkt ist, nicht jedoch, wenn so klar erkennbar ist, in welche Richtung eigentlich argumentiert werden soll.

     

  6. Cover des Buches Winter und Schokolade (ISBN: 9783453418950)
    Kate Defrise

    Winter und Schokolade

     (53)
    Aktuelle Rezension von: -Tine-

    Die Geschwister Magali, Jaqueline, Colette und Art haben sich mittlerweile über ganz Amerika bzw. die Welt verstreut. Gali ist eine Familienmutter mit unzähligen raffinierten oder einfachen Rezepten geworden, die sie in Kochbüchern veröffentlicht. Jaqueline ist nun eine erfolgreiche und elegante Künstlerin in Brüssel, wo sie mit ihrem Mann lebt. Colette wohnt im warmen Teil Amerikas, wo sie für ihre langjährige Beziehung und ihren Job kämpfen muss. Und ihr Bruder Art reist als Fotograf um die ganze Welt und lässt nur selten von sich hören. Alle zusammen sollen nun in ihrem Elternhaus Weihnachten verbringen, was sie seit dem Tod ihrer Mutter vor Jahrzehnten nicht mehr taten. Doch dieses Ereignis tritt erst ganz am Ende des Buches ein. Es war interessant und schön zunächst die Leben der vier Geschwister und somit sie selbst näher kennenzulernen. Immer abwechselnd schildert die Autorin aus deren Sicht, was bei den Geschwistern geschieht. Jedoch habe ich lange auf das Zusammentreffen an Weihnachten gewartet, weshalb mich die Schilderungen der Geschwister im Mittelteil des Buches oft nicht mehr packen konnten. Wenn es deutlicher gewesen wäre, dass es eigentlich um Gali, Jacqueline, Colette, ihrem Bruder und deren Alltag und Probleme geht, hätte mich dies vielleicht von vornherein mehr mitgerissen. 


    》Unsere Mutter hatte meinen Schwestern und mir all ihre Tricks und Kniffe beigebracht. Es wurde gerührt und gebraten, geschmort und sautiert. Dann wurde eingekocht, abgelöscht, wir schlugen Butter schaumig, Eiweiß zu Schnee, Schlagsahne steif und uns selbst die Nächte um die Ohren, bei dem verzweifelten Versuch, Maman am Leben zu erhalten. | Als sie starb, fiel unsere Familie in sich zusammen wie ein missglücktes Soufflé.《 S. 5

    Da die Mutter der vier aus Belgien stammt, spielt auch das Essen und eine gewisse Eleganz eine große Rolle. Alle drei Frauen haben eine besondere Beziehung zu guten Speisen und der Nahrungsaufnahme an sich. Im Text finden sich immer wieder Rezepte. In Erinnerungen an die Mutter und besonders bei Jaquelines Part wird der belgische Chic und Flair hervorgehoben.

     Am Ende wird endlich die Frage beantwortet, warum der Vater alle wieder unter dem Weihnachtsbaum vereint sehen möchte. Ganz so einfach und vorhersehbar ist der Grund nicht, jedoch bleibt auch der große Knall aus, den Kate Defrise geplant und der Leser erwartet hat. Für die Geschwister ist das Zusammentreffen im alten Familienhaus eine emotionale Achterbahnfahrt, die mich leider nicht erreichen konnte.


    Fazit:
    "Winter und Schokolade" ist eine durchschnittliche Geschichte, die ihren Höhepunkt an Weihnachten findet. Passend dazu rückt die Familie in den Vordergrund, da das Leben und die Beziehungen der drei Schwestern und deren Bruder geschildert werden, manchmal schon zu langatmig. Das Ende ist nicht so beeindruckend wie erwartet und rundet die Geschichte ab.

  7. Cover des Buches Die Brückenbauer (ISBN: 9783453410770)
    Jan Guillou

    Die Brückenbauer

     (93)
    Aktuelle Rezension von: Vera-Seidl

    Als Adam und Eva, von der Schlange verführt, die Frucht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse aßen, haben sie diese Frucht vermutlich zuvor geteilt. Jeder verzehrte eine Hälfte.
    Hatte der Mensch bis dahin, mit Gott verbunden, nur gut denken können, war er jetzt fähig, durch eine zweite Gehirnhälfte das Böse zu versprachlichen. Die Einschränkung des Bewusstseins durch die Sprache der linken Hemisphäre beeinflusste die rechte so sehr, dass die Menschen Gott aus dem Paradies vertrieben und die meisten Brücken zu ihm abbrachen.

    Bereits Ludwig Wittgenstein wusste: "Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt."

    Mein Dank an Jan Guillou ist groß, weil er die Sprache zurück in die emotionale Vielfalt der Bilder verwandelt und damit eine Brücke zwischen den beiden Gehirnhälften baut.

    So friert man oder einem wird schwindlig, wenn man den Brückenbau von Lauritz, dem ältesten der drei Brüder, in Norwegen verfolgt. Er leistet Übermenschliches für seine deutsche Freundin Ingeborg, deren adliger Vater die Verbindung zunächst nicht gutheißt. Die Trennung durch den Stand hebt Lauritz ebenfalls durch eine technische Brücke auf: Die Leidenschaft für den Schiffsbau und die Seefahrt wurde den drei Brüdern durch ihre Herkunft in die Wiege gelegt.

    Die Brücke zu Oscar, dem zweitältesten Bruder, ist sehr lang, erstreckt sich von Norwegen über Deutschland bis nach Deutsch-Ostafrika. Auch Oscar baut dort Eisenbahnbrücken, um Menschen miteinander zu verbinden, um die Menschen wieder mit der Natur zu versöhnen, um die Menschen Gott wieder näher zu bringen.

    Ein Brückenbau wird erst möglich, wenn man sich zuvor der Trennung bewusst wird und sie deutlich benennt.
    Besonders danke ich dem schwedischen Autor, dass er mir nicht nur die zauberhaften Bilder Ostafrikas gezeigt hat, sondern auch die Grausamkeiten der Kolonialzeit.
    Noch lange nach dem Lesen des Buchs habe ich mich mit den Kongogräuel beschäftigt.

    Die dritte große Brücke zu Sverre, dem jüngsten Bruder, wird im Roman "Die Brückenbauer" nur angedeutet, womit Jan Guillou die Spannung auf den zweiten Roman geschickt steigert.

    Meine, inzwischen verstorbene Freundin Susanne Oeltjen empfahl mir dieses Buch. Ihre Empfehlung ist die eine Seite, meine Rezension die andere. Die Brücke, die bis ins Jenseits reicht, ist die Liebe.

    Vera Seidl

  8. Cover des Buches Die geheime Liebe der Charlotte Brontë (ISBN: 9783784433875)
    Jolien Janzing

    Die geheime Liebe der Charlotte Brontë

     (33)
    Aktuelle Rezension von: Buecherwurm1973

    Das Leben als Pfarrerstochter ist Charlotte Brontë zu wenig. Sie möchte ihr Französisch in Brüssel verbessern. Im Pensionat von Claire Heger hofft sie alles zu erlernen, um eine Schule gründen zu können. Zusammen mit ihrer Schwester Emily wird sie 6 Monat auf dem Festland verbringen. Während Charlotte die Stadt erkundet, schottet sich Emily ab. Charlotte begleitet Constantin Heger auf seinen Touren in die Armutsviertel. Ihre Bewunderung weicht bald Liebe. Obwohl Constantin auch Gefühle für sie hegt, bleiben nichts als ihre Liebesbriefe. Charlotte reist schweren Herzens mit ihrer Schwester nach Hause.

     

    Am Anfang der Geschichte gibt es eine Erzählerin, die den Leser quasi in die Geschichte einführt. Anfangs ist sie ziemlich präsent und kommt ab Mitte des Buches  schliesslich nicht mehr Wort. Mich hat sie ziemlich genervt. Sie hat so einen naiven und überschäumenden Unterton eines kleinen Mädchens.

    Eines vorweg, wer eine Biografie von Charlotte Brontë erwartet, wird enttäuscht sein. Denn das Buch handelt nur von diesem Aufenthalt in Brüssel. Nicht einmal dies hat sie meiner Meinung nach befriedigend hinbekommen. Zweifelsfrei hat Jolien Janzing die damalige Zeit und dessen Geschehnisse treffend beschrieben. So gibt es zum Beispiel einen unnötigen Handelsstrang eines jungen Mädchens, das die Mutter zur Mätresse des Königs machen will. Klar, es begegnet Charlotte immer wieder. Ich vermute, dass die Autorin damit das damalige Weltbild skizzieren wollte. Doch dieser Handelsstrang nimmt viel zu viel Platz ein.

    Die Beschreibung der Gefühle der Liebenden Charlotte Brontë und Constantin Heger waren für mich der Lichtblick. Aber leider sind sie nur wenig vorhanden. Denn die Autorin will so vieles erzählen. Somit kommt der eigentliche Kernpunkt des Buches zu kurz.

    Wer aber wissen will, auf wessen Tatsachen das Buch „Jane Eyre“ beruht, ist mit diesem Buch sicher gut bedient.

  9. Cover des Buches Und es schmilzt (ISBN: 9783596298372)
    Lize Spit

    Und es schmilzt

     (258)
    Aktuelle Rezension von: Pfitzipfei

    Eva erzählt für mich in einem wirren,  unstrukturierten Verlauf ihrer Kindheit, doch letztendlich führen alles Puzzleteile in den unglaublichen Wahnsinn dieses kleinen Lebens und hinterlässt mich geschockt und gefesselt.

    Anfänglich erlebte ich die Geschichte sehr abgehakt und Durcheinander. Ich konnte keine richtige Struktur erkennen und hat fast dazu geführt, das ich nicht weiter lesen wollte. Ab dem ersten viertel kann man erste Puzzleteile zusammen fügen und spätestens dann hat dieses Buch einen schier gefesselt. Lize Spit gelingt es grandios, sich in die Hauptakteurin hinein zu versetzen und dieses unsagbare Schweigen in lautes Schreien zu verwandeln.... Grandios gemeistert

    Für mich ein unglaubliches Buch - ich kann nicht schreiben, dass es mir gefallen hat. Es ist brutal, schockierend und triggert. Aber es ist mit so ein großen Kraft erzählt und hat mich mitgerissen - wie beim Sturz in einen tosenden, gefährlichen Wasserfall.

  10. Cover des Buches Queen Victoria (ISBN: 9783806237849)
    Julia Baird

    Queen Victoria

     (65)
    Aktuelle Rezension von: Jollymare

    Queen Victoria – Julia Baird

    Biographie, wbg Theiss, 598 Seiten

    Inhalt:
    Sie wächst als zukünftige Königin in absoluter Abgeschiedenheit auf. Ihr Onkel sitzt auf den englischen Thron und hat keine Nachfolger. Daher ist es ihr Schicksal die nächste Königin von England zu werden.
    Das einsame Kind träumt sich durch die Kindheit und entwickelt einen sehr ausgeprägten Eigensinn, der ihr auch im vorgeschrittenen Alter nicht abhandenkommt. Als sie früh den Thron besteigen muss sind viele anscheinend Wohlmeinende Personen in ihrer Nähe. Doch erst durch die Heirat mit Albert von Sachsen-Coburg und Gotha kann sie sich von ihrer Übermutter und den politischen Ratgebern distanzieren. Die Ehe der jungen Königin mit Albert steht unter einem guten Stern. Sie bekommen viele Kinder und bis zum frühen Tod ihres Mannes kann sie das Eheleben genießen. Obwohl die die Königin über das halbe Weltreich ist, bestimmt in der Familie Albert das Geschehen und sie ordnet sich freiwillig unter.
    Nach dem frühen Tod ihres Mannes betreibt sie eine zukunftweisende Heiratspolitik bei der sie die führenden Königshäuser zusammenführt. Deutschland, Russland, Dänemark. In vielen Beispielen werden die politischen und familiären Ränkespiele der Herrscherin verdeutlicht.
    Eine große Frau ihrer Zeit und ein Vorbild bis heute.

    Cover:
    Nicht besonders Originell aber trotzdem sachdienlich. Die Verarbeitung ist wie immer gut. Ein Lesebändchen wäre bei einem solch umfangreichen Buch noch von großem Vorteil gewesen.

    Fazit:
    Eine Biographie nach meinem Geschmack. Keine Königin hat ihrer Zeit mehr den Stempel aufgedrückt als diese imposante Frau. Diese Biographie erfüllt alle Ansprüche. Historisch Detailliert hat Julia Baird das Leben, die politischen und historischen Personen sowie der Kontext in der Geschichte zusammengeführt. Nur an wenigen Stellen wird der Erzählfaden nicht spannend genug gehalten. Dokumentiert durch die Bilder entsteht beim Leser ein Roter Faden, dem man gerne durch die Epoche folgt. Damit gehört diese Queen Victoria Biographie für mich zu den besten der letzten Jahre.

  11. Cover des Buches Das Glück meines Bruders (ISBN: 9783406711817)
    Stefan Ferdinand Etgeton

    Das Glück meines Bruders

     (28)
    Aktuelle Rezension von: Nachtschwärmer
    Das erste was einem auffällt, ist der Schreibstil. Während jedem Schreibanfänger erstmal eingetrichtert wird, dass er keine ellenlangen Sätze verwenden soll, tut der Autor hier genau das. Seine Sätze ziehen sich über diverse Zeilen, allerdings sind sie in einer einfachen Sprache verfasst so dass man sie leicht lesen kann. Das ist am Anfang gewöhnungsbedürftig, würde an sich den Lesefluss jedoch nicht stören.

    Aber...

    Die Geschichte wird aus der Sicht von Botho erzählt und dessen wirren Gedankengängen zu folgen ist schon eine echte Herausforderung. Anfangs schweift er oft von der Gegenwart in die Vergangenheit und gewährt dem Leser so einen Einblick in seine Kindheit. In diesem Abschnitt des Buches konnte ich mich gut in ihn hineinversetzen, vor allem, da wir in etwa dasselbe Alter haben, und es kamen auch oft Erinnerungen an meine Kindheit hoch.

    Danach wurde es schwieriger. Arno macht seinem Bruder ein Geständnis, mit dem dieser nicht so recht klar kommt und das er zunächst verarbeiten muss. Das konnte ich noch nachvollziehen, aber danach wurde es zunehmend verwirrender. Bothos halbherzige Suche nach seiner Jugendliebe, die "voreheliche Panikattacke" von Arnos Verlobter, die ihre Auszeit ausgerechnet bei Botho verbringt (wieso eigentlich??) und ein Ausblick in Bothos Leben nach diesem Sommer.

    Während ich zu Beginn der Geschichte noch  mit dem Ich-Erzähler sympathisierte wurde er im Verlauf zunehmend nervig. Ständig betont er, wie egal ihm alles ist obwohl die Tatsache, dass er manches einfach nicht loslassen kann, verrät, dass ihm eben nicht alles egal ist. Er gibt sich stark und selbstbewusst, ist aber im Grunde verlorener als sein Bruder, und man möchte ihn einfach mal schütteln und ihn anbrüllen. Ihm sagen, dass er sein Leben leben soll statt ständig in der Vergangenheit festzuhängen und nur darüber nachzudenken was wäre, wenn...

    Am Ende des Buches saß ich ratlos da und fragte mich, was der Autor mir als Leser mit dieser Geschichte wohl sagen will. Ich habe keine Ahnung.
  12. Cover des Buches Der Schwimmer (ISBN: 9783499268885)
    Joakim Zander

    Der Schwimmer

     (125)
    Aktuelle Rezension von: Nicolai_Levin

    Klara Walldéen ist Referentin einer schwedischen Europaabgeordneten in Brüssel. George Lööw ein Yuppie-Tunichtgut, der auf den schnellen Aufstieg in einer PR-Agentur hofft. Ihre Wege kreuzen sich, als Mahmoud Shammosh, ein schwedischer Politikwissenschaftler mit Militärvergangenheit in die Stadt kommt, um auf einem Kongress zu sprechen und man ihm hochbrisantes Material in die Hände spielt, die beweisen, dass die CIA in Afghanistan brutale Foltermethoden anwendet ...


    Ein sauspannender Politthriller mit einem ausnahmsweise - soweit der kleine Nico das beurteilen kann - total plausiblen Plot. Zander wurde mit Stieg Larsson verglichen, aber ich sehe ihn eher bei John Forsyth und Tom Clancy, wenn auch politisch auf der liberalen Seite. 

  13. Cover des Buches Böses Mädchen (ISBN: 9783257235524)
    Amélie Nothomb

    Böses Mädchen

     (158)
    Aktuelle Rezension von: Clari52

    "Böses Mädchen" hält was es verspricht. Bei den Schilderungen so mancher Taten der Antagonistin Christa bleibt einem der Atem stocken, da sie so gemein sind! Leider ist die Story etwas repetitiv, da die ersten Hundert Seiten fast dauernd das gleiche Schauspiel beschreiben. Da die Geschichte in sich aber sehr kurz ist, erträgt man die Story ganz gut, und das amüsant geschriebene geht locker von der Hand.

    Alles in allem also ein vorzüglicher Lesespaß, den man locker in einem Tag erleben kann. 

  14. Cover des Buches Ich bin nicht da (ISBN: 9783103971248)
    Lize Spit

    Ich bin nicht da

     (25)
    Aktuelle Rezension von: Emili

                                                                                         

    Meine Meinung: 

    Die Autorin dieses Romans hat mich schon einmal in meinem Leseleben sehr überrascht.   Ich spreche von dem Buch "Und es schmilzt" - der Schock saß damals tief.

    Auch diesmal fand ich recht schnell einen Einstieg in die Geschichte. Es wird erzählt über das Leben und die Beziehung eines jungen Paars. Die beiden sind schon über 10 Jahre zusammen, als eine gewisse Veränderung im Umgang miteinander stattfindet. Und nicht nur das, der Partner von Leo beginnt sich anders als gewohnt zu verhalten. Alles fängt an einem frühen Morgen an. Simon verblieb die ganze Nacht woanders, ohne Bescheid zu sagen, was ungewöhnlich ist, als er nach Hause kommt, hat er ein neues Tattoo und redet in einer Art, die der Leo nicht bekannt ist.  Lange Zeit versteht sie nicht, was mit ihrem Partner los ist. Und was noch auf die beiden zukommt, erfährt man aus dem spannenden Roman von Lize Spit.

    Als Leser kann man relativ schnell dahinter schauen, was mit dem Hauptcharakter nicht stimmen sollte. Es ist eine Geschichte der bipolaren Störung, einer Psychose, mit all den Gefahren, die so eine Erkrankung in sich birgt. Die Story entwickelt sich nach und nach. Der Spannungsbogen dabei steigt kontinuierlich und bleibt auch auf dem hohen Niveau.

    Was ich auch sehr positiv fand, ist die Tatsache, dass die Autorin tiefe Einblicke in den Alltag des Paares, in die Beziehung untereinander, in ihr Umgang miteinander, ermöglicht. Diese Untersuchung der Zustände, ob Protagonisten oder der Handlung, ermöglichen dem Leser einen unbeschönigten und detaillierten Einblick in so ein mögliches Szenario.

    Jedoch muss man als Leser unbedingt vor Augen halten, dass jede psychische Erkrankung sehr individuell ist, auch wenn es womöglich Parallelen gibt, so ist doch jedes Individuum anders, somit auch andere Reaktionen und Handlungen.

    Eine dramatische Geschichte mit Tiefgang erschütternd und mitnehmend. Tabus brechen, scheint die Spezialität der Autorin zu sein. Ich finde es gut.

    Würde den Roman nicht nur Angehörigen oder Betroffenen (wobei man an Trigger denken sollte) empfehlen, sondern auch allgemein Lesern, die sich mit dem Thema bipolare Störungen und Psychosen auseinandersetzen wollen. Außerdem ist es ein recht spannender Roman.

                            

  15. Cover des Buches BLACKOUT - Morgen ist es zu spät (ISBN: 9783764507947)
    Marc Elsberg

    BLACKOUT - Morgen ist es zu spät

     (1.475)
    Aktuelle Rezension von: GLuetzenkirchen

    Von der ersten bis zur letzten Seite spannend. Der Leser ist erstaunt, welche Bedeutung die Stromversorgung hat. Erschreckend schildert Elsberg, was nicht mehr geht bei Stromausfall. Es geht nicht nur das Licht aus; darauf wäre jeder gekommen. Gefängnisse sind offen, Krankenhäuser funktionieren nach Ausfall der Notversorgung nicht mehr etc. Tanken, wie holt man das Benzin aus dem Tank?

    Wir lernen, eine sichere Versorgungslage zu schätzen. Aktuell (September 2022) angebracht.


  16. Cover des Buches Kind aller Länder (ISBN: 9783462048971)
    Irmgard Keun

    Kind aller Länder

     (34)
    Aktuelle Rezension von: stuff-books-pictures

    In dem Roman Kind aller Länder von Irmgard Keun, der während der NS-Zeit spielt, erzählt die zehnjährige Kully von ihrem Leben, dass durch die Flucht des Vaters aus Deutschland zu einer scheinbaren endlosen Reise mit vielen Länderwechsel wird. 

    Ich habe den Roman mit dem Hintergrund des Kosmopolitismus gelesen. Daher konnte ich ihm den einen oder anderen Gedanken abgewinnen. Alles in allem aber kein Buch, dass ich freiwillig gelesen hätte. Aber auch nicht „so schlimm“ wie viele andere Bücher die ich im Zuge meines Studiums lesen musste. Für mich nicht sein Geld wert.


    Randfakten:

    🌝🌝🌛/5  -  224 Seiten - HC: 17,99€ - von: Irmgard Keun

  17. Cover des Buches Ruhelos (ISBN: 9783833305368)
    William Boyd

    Ruhelos

     (123)
    Aktuelle Rezension von: Speechless

    Die 27jährige Ruth Gilmartin ist alleinerziehende Mutter und promoviert an der Universität von Oxford. Ihr Vater ist bereits vor Jahren verstorben und zu ihrer Mutter Sally hat sie ein spezielles Verhältnis. Bei einem ihrer wöchentlichen Besuche im Cottage der Mutter im Sommer 1976, bemerkt Ruth, dass sich Sally sehr seltsam benimmt, sich verfolgt und beobachtet fühlt. Beim Abschied überreicht Sally Ruth eine Akte und eröffnet ihr quasi zwischen Tür und Angel, dass sie in Wirklichkeit Eva Delektorskaja heißt und eine ehemalige Spionin des britischen Geheimdienstes ist.

    Ab diesem Moment tun sich im Buch zwei Handlungsstränge auf. Während der eine weiterhin aus der Ich-Perspektive von Ruth erzählt wird und in der Gegenwart verläuft, führt der andere nach Paris zurück in das Jahr 1939. Dort wird die junge russische Emigrantin Eva Delektorskaja auf der Trauerfeier ihres Bruders von dem mysteriösen Lucas Romer angesprochen. Dieser erzählt ihr zunächst, dass ihr Bruder keinesfalls durch einen tragischen Unfall starb, sondern gezielt ermordet wurde und wirbt sie in der Folge für den britischen Geheimdienst an. Nach einer intensiven Ausbildung in Schottland, absolviert Eva einige hochgefährliche Einsätze In Belgien, England und den USA. Das Ziel ihrer Spezialeinheit besteht darin in den Medien gezielt Falschmeldungen zu verbreiten, die die zögernde USA zum Eintritt in das Kriegsgeschehen gegen die Nazis bewegen sollen. Dabei lautet die oberste Regel: Vertraue niemandem.

    Die Sprache des Autors ist geradlinig, nüchtern und klar, was meiner Meinung nach besonders zu dem Inhalt des Buches passt. Ein perfektes Beispiel ist dafür schon der pointierte Titel des Buches. Ohne Umschweife auf den Punkt kommend gelingt es Boyd trotzdem eine plastische Welt entstehen zu lassen, in die man wunderbar leicht hineinfindet und ungerne wieder auftauchen möchte.

    Besonders spannend fand ich es die Ereignisse während des zweiten Weltkriegs mal aus einer völlig anderen Perspektive zu erleben. Aber selbst für Leser, die sich nicht sonderlich für die Zeit des zweiten Weltkriegs interessieren, ist es eine spannende Geschichte, die mit jedem Kapitel eine intensivere Sogwirkung entfaltet. Ständig fragt man sich, wem Eva trauen kann, ist erleichtert, wenn sie einer gefährlichen Situation entkommen ist und völlig fasziniert von ihrem alltäglichen Leben als Spionin, in dem kaum ein Platz für wirklichen Alltag bleibt. Enttäuscht war ich gleichzeitig von dem zweiten Handlungsstrang um Ruth. Zwar war mir Ruth grundsätzlich sehr sympathisch, ich konnte ihr Verhalten und ihre Gedanken gut nachvollziehen. Gleichzeitig bleibt sie aber sehr blass und auch die Bezüge zum Baader-Meinhof-Komplex verliefen irgendwie im Sande und waren dann für die Geschichte doch eher unnötig.

    Trotzdem ist dies ein kitschfreier Spionage-Thriller, der mit viel Spannung und Gänsehaut daherkommt. Am Ende bleibt auch die Aufforderung an den heutigen Leser nicht jede Nachricht, die keine eindeutige, seriöse Hintergrundquelle vorweisen kann, bedingungslos zu glauben.

  18. Cover des Buches Alle Farben der Welt (ISBN: 9783421045874)
    Giovanni Montanaro

    Alle Farben der Welt

     (56)
    Aktuelle Rezension von: LottenTotten

    Was selten geschieht, ist, dass ich sofort von einem Buch verzaubert bin. Hier war das der Fall. Es passiert nicht viel, aber die Zärtlichkeit der Worte haben mich einfach berührt. Das Tragische ist, dass vieles an der Geschichte wahr ist. 

    Die Protagonistin Teresa schreibt an van Gogh. An sich schon erstmal eine niedliche Idee, finde ich. Jedoch ist der Anlass alles andere als niedlich. Teresa erzählt ihm, an was sie sich alles in ihrem Leben erinnert. Sie wächst in dem Ort Geel in Belgien auf, wo,, Verrückte,, unter den,, normalen,, Menschen wohnen. Diese Einteilung der Menschen und die Diagnose,, verrückt,, ist erstmal nicht sympathisch. Aber für die damalige Zeit (1881) ist es eine authentische Bezeichnung. 

    Sie beobachtet ihre Umgebung mit sehr viel Gefühl. Sie denkt hin und her, was sie berührt, worauf sie reagiert und was sie irritiert. Viel geht es um den Wandel zur Frau, die Gefühle die dabei eine Rolle spielen und der Liebe zu van Gogh. (Van Gogh ist für mich nur Mittel zum Zweck, um die Geschichte fantastischer zu gestalten. Im Nachwort werden noch reale Bezüge zu ihm erklärt. Generell ist vieles jedoch erdacht.) 

    Es ist, wie gesagt, wenig Handlung vorhanden. Es sind mehr die kleinen poetischen Details und Teresa, die ihre Seele dem Leser offen aufzeigt, was das Buch für mich besonders macht. 

    Das Ende war für mich sehr erschreckend und derb. Manches kann ich ehrlich gesagt auch nicht deuten. Aber trotzdem ist es insgesamt ein sehr gefühlvolles Buch, was den eigenen Blick auf das Anderssein hoffentlich verändert bzw. zum Hinterfragen anregt. 

  19. Cover des Buches Mit Staunen und Zittern (ISBN: 9783257233254)
    Amélie Nothomb

    Mit Staunen und Zittern

     (140)
    Aktuelle Rezension von: happyoldendays
    „Ich erkannte etwas Wichtiges: Mittelpunkt der Existenz ist in Japan das Unternehmen. Natürlich wurde diese Erkenntnis schon in mehreren ökonomischen Studien über dieses Land festgehalten. Aber es macht einen gewaltigen Unterschied, ob man es in einem Buch liest oder es erlebt. Ich konnte mich durchdringen lassen von seiner Bedeutung für die Angestellten der Firma Yumimoto und für mich. Mein Leidensweg war nicht schlimmer als der ihre. Er war nur erniedrigender“ (S. 137)

    Amélie Nothombs Roman handelt von der jungen, engagierten Amélie, die nach Tokio reist, um dort bei der Firma Yumimoto einen neuen Job anzufangen. Doch was als hoffnungsvoller Start ins Berufsleben gedacht war, entwickelt sich schnell zum Albtraum. Zu sehr kollidiert ihre westliche Denkweise mit der rigiden Arbeitskultur ihrer neuen Kollegen. Gleich ob sie sich aktiv um Aufgaben bemüht, oder mit stoischem Gleichmut sinnlose Handlanger-Dienste übernimmt, Amélie kann nichts rechtmachen. Selbst ihre hervorragenden Japanisch Kenntnisse werden ihr zum Verhängnis. So folgt Schikane auf Schikane, Degradierung auf Degradierung.

    In präziser und klarer Sprache schildert Amélie Nothomb den Abstieg ihrer Protagonistin. Dabei schafft sie gekonnt die Gradwanderung zwischen satirischer Überhöhung und der Darstellung des westlichen Blicks auf die streng dirigistische Arbeitsweise japanischer Angestellter. Einerseits spielt sie mit den vorgefassten Meinungen ihrer Leserschaft in Bezug auf die andere Kultur. Andererseits kann sich der Leser aufgrund der starken autobiographischen Züge des Romans nie sicher sein, ob nicht doch hinter der bitterbösen Satire ein Fünkchen Wahrheit liegt.

    Mir hat dieses schmale Buch einen sehr unterhaltsamen Nachmittag beschert. 4 von 5 Sternen.

     

  20. Cover des Buches Die Hauptstadt (ISBN: 9783518469200)
    Robert Menasse

    Die Hauptstadt

     (154)
    Aktuelle Rezension von: Wortmagie

    Der österreichische Autor Robert Menasse ist ein glühender Verfechter der europäischen Idee. Er glaubt allerdings nicht an Europa als Nationalstaatenbund, sondern an das Konzept der Europäischen Republik. Seiner Meinung nach muss das langfristige Ziel der Europäischen Union sein, Nationen zu überwinden, Grenzen aufzulösen und gemeinsame demokratische Politik zu betreiben, weil nationaler Egoismus die EU in jeglicher Hinsicht beschneidet. Seine Kritik richtet sich demnach gegen den Europäischen Rat, während er Institutionen wie die Europäische Kommission, die tatsächlich europäische Interessen vertritt, als legitim und positiv betrachtet. Diese recht radikale Einstellung ist mehr als das Produkt halbgarer Stammtischdiskussionen. Menasse lebte einige Zeit in Brüssel und recherchierte vor Ort, wie die EU arbeitet und funktioniert, denn es wurmte ihn, dass er nicht verstand, wie Entscheidungen gefällt werden, die sein Leben direkt beeinflussen und lenken. Dort entwickelte er die Idee für „Die Hauptstadt“, der weltweit erste Roman über die Europäische Kommission, der von der Fachpresse gefeiert wurde und 2017 den Deutschen Buchpreis erhielt.

    Ein Schwein geht um in Brüssel. Ein lebendiges Schwein, das durch die Straßen läuft und Brüsseler_innen wie Medien in Aufruhr versetzt. In den Korridoren der EU geht hingegen eine Idee um. Der 50. Geburtstag der Europäischen Kommission steht bevor. Müsste man feiern. Sollte man auch, für ihr Image, meint Fenia Xenopoulou, Leiterin der Direktion C (Kommunikation) der Generaldirektion Kultur und Bildung. Auschwitz als Geburtsort des europäischen Einheitsgedankens in den Mittelpunkt stellen? Warum nicht. Überlebende müssen her, Überlebende, die sich noch erinnern und Zeugnis ablegen können. Überlebende wie David de Vriend, der in einem Altersheim auf den Tod wartet, dem er vor so langer Zeit in einem Zug nach Auschwitz von der Schippe sprang. Nur möchte er lieber vergessen als zu erinnern. Kommissar Émile Brunfaut wurde indes aufgetragen, zu vergessen. Ihm wurde ein mysteriöser Mordfall in einem Brüsseler Hotel entzogen. Anweisung von oben, politische Gründe. Welche, weiß Brunfaut nicht. Er ermittelt auf eigene Faust weiter und deckt höchst schockierende Verbindungen auf. Schockieren wird auch der emeritierte Volkswirtschaftler Alois Erhart. Er wird den Grünschnäbeln des Think Tanks der Europäischen Kommission zeigen, wie radikal Europa gedacht werden muss. Und das Schwein? Das braucht einen Namen.

    „Die Hauptstadt“ begegnete mir zuerst auf dem Wohnzimmertisch meiner Eltern. Damals war das Buch die aktuelle Lektüre meines Vaters und als ich ihn danach fragte, weckten seine Schilderungen schnell mein Interesse. Doch ich war auch eingeschüchtert. Ein Buch über die Europäische Kommission? Konnte ich das überhaupt lesen? Oder reichte mein Wissen über europäische Politik nicht aus, um zu verstehen, was Robert Menasse zu sagen hatte? Mein Vater beschwichtigte mich und gab sich zuversichtlich, dass ich dem Roman gewachsen sein würde. Ich bin froh, dass ich seinem Urteil vertraute. „Die Hauptstadt“ setzt nicht allzu viel Vorwissen voraus; es reicht völlig, wenn man eine ungefähre Vorstellung davon hat, aus welchen Institutionen die Europäische Union besteht und welche Aufgaben sie erfüllen. Feinheiten, Zusammenhänge und Abhängigkeiten erläutert Robert Menasse gewissenhaft, ohne die Geschichte, die er erzählt, jemals zu einer Lehrstunde verkommen zu lassen. Er verliert nie aus den Augen, dass ein Roman an erster Stelle unterhalten soll und verflechtet Erklärungen geschickt mit dem Erleben seiner Figuren.

    Dadurch erkennen Leser_innen auch mit wenig Hintergrundwissen, dass der Einheitsgedanke, mit dem die Europäische Union einst gegründet wurde, heute beinahe in Vergessenheit geriet, die Mitgliedsstaaten nicht an einem Strang ziehen und alle Hindernisse in der Gestaltung europäischer Politik systemischer Natur sind. So mutiert die Organisation einer harmlosen Jubiläumsfeier zum 50. Geburtstag der Europäischen Kommission zum Kraftakt, weil einfach jedes Projekt von nationalen Interessen torpediert und zu Tode verhandelt wird. Daher wunderte es mich nicht, dass Idealismus in Brüssel nicht überleben kann. Die EU ist ein Ort, an dem Ideale, Hoffnungen und Träume mit jedem neuen Kompromiss ausgehöhlt werden. Dies veranschaulicht Menasse in „Die Hauptstadt“ durch die exemplarische Zusammenstellung seiner Figuren, die in diesem System in allen Ebenen und Institutionen arbeiten. Er zeigt, wie sie alle von der schwerfälligen, undurchsichtigen und frustrierenden Realität europäischer Bürokratie betroffen sind und jeweils mit ihr umgehen.

    Die sensible Balance zwischen Nähe und Distanz, die Menasse dabei herstellt, faszinierte mich. Nach jedem der zahlreichen Perspektivwechsel tauchte ich langsam in den banal wirkenden Gedankenstrom einer Figur ein, der Stück für Stück Fahrt aufnahm und immer tiefer, immer signifikanter wurde. Ich gebe zu, für mich war diese Erzählweise zuerst gewöhnungsbedürftig, ich konnte mich ihrem hypnotischen Sog jedoch nicht entziehen und fühlte mich mitgerissen. Dennoch lässt Menasse niemals zu, dass seine Leser_innen von einem Blickwinkel vereinnahmt werden, indem er sie Querverbindungen sehen lässt, die die Figuren nicht wahrnehmen. Ich hatte den Eindruck, das Gesamtbild aus der Vogelperspektive zu betrachten, ohne meine Verbundenheit zu den Figuren opfern zu müssen. Das Maß an Kontrolle, das Menasse demnach auf seine Handlung ausübt, ist beeindruckend. Scheinbare Zufälle, Kreuzwege und Symboliken setzt er bewusst ein, um bestimmte Aspekte zu verdeutlichen. Nichts in „Die Hauptstadt“ geschieht grundlos. Folglich ist nicht einmal das Schwein, das herrenlos in Brüssel herumläuft und beinahe wie ein Phantom wirkt, eine willkürliche Ergänzung. Es ist eine gezielte Metapher, die sich sowohl auf die gesamte Geschichte als auch auf ihre Einzelteile anwenden lässt. Menasse selbst sprach in diesem Zusammenhang über das Spektrum zwischen „Glücksschwein“ und „Dreckssau“, meiner Meinung nach ist die passendste Assoziation jedoch die der Sau, die durchs Dorf getrieben wird – und wir wissen ja, wie lange diese Aufmerksamkeit generiert: Bis die nächste gefunden ist.

    Schriftstellerisch ist „Die Hauptstadt“ genial. Robert Menasse ist ein hervorragender Autor, der ein bemerkenswertes Gespür für Subtilitäten und Zwischentöne besitzt. Er ist sich der Wirkung von Details allzeit bewusst und schreckt nicht davor zurück, diese unkommentiert zu lassen. Vieles erscheint in diesem Buch absurd und ich bin überzeugt, dass Menasse diese Absurditäten, die am gesunden Menschenverstand des europäischen Verwaltungsapparates zweifeln lassen, gezielt betonte. Ja, „Die Hauptstadt“ vermittelt Humor– doch es ist Galgenhumor, resigniert und fast bitter. Deshalb empfand ich den Roman emotional als schwer verdaulich. Die Lektüre war sehr desillusionierend, trotz all der radikalen, revolutionären und wunderschönen Ideen für Europa, die Menasse präsentiert. Es macht mich unsagbar traurig, dass das Potential der Europäischen Union ungenutzt bleibt und wir nicht daran arbeiten, das Konzept von Nationalitäten zu überwinden, um als wahrhaft geeintes Europa zu wachsen und die Vergangenheit hinter uns zu lassen. Europa ist untrennbar mit den Verbrechen des Nationalsozialismus verbunden und wird es immer sein. Sollte der Anspruch gelebter Erinnerungskultur nicht bedeuten, dass wir versuchen, das Problem an der Wurzel zu lösen und nationale Interessen hinter europäischen Interessen zurückzustellen?

    Die Idee, innereuropäische Grenzen aufzulösen, Staaten abzuschaffen und eine echte europäische Identität für alle Bürger_innen aufzubauen, wirkt auf den ersten Blick heftig, meiner Meinung nach liegen die Vorteile jedoch auf der Hand. Wir würden nicht mehr von Brüssel aus „fremdregiert“, denn wir würden unsere politischen Vertreter_innen in der EU wählen, wie wir jetzt nationale Politiker_innen wählen. Würde der Kontinent Europa als Ganzes begriffen werden, stünde der Weg frei für einheitliche Politik. Ich denke da vor allem an die Ressorts Wirtschaft, Bildung und Außenpolitik. Selbstverständlich ist so ein extremer Schritt kein Garant dafür, dass tatsächlich Einigkeit entsteht. Aber ich glaube, der aktuelle Zustand der EU belegt, dass wir diese Einigkeit unter den herrschenden Bedingungen nie erreichen werden. Der politische Rechtsruck in vielen europäischen Ländern ist ein eindeutiges Signal dafür, dass wir genau jetzt versagen. Um überhaupt eine Chance zu haben, müssen wir mutig sein, umdenken und einen klaren Cut wagen, um anschließend unter neuen Voraussetzungen zusammenzuarbeiten.

    Leider wird das wohl nicht passieren. Auch das vermittelt „Die Hauptstadt“. Robert Menasse mag von einem vereinten Europa träumen, er mag dafür kämpfen, optimistisch gibt er sich allerdings nicht. Wie könnte er auch, nachdem er in Brüssel hautnah erlebte, wie sich die Europäische Union Tag für Tag selbst ausbremst? Sein Roman konnte wahrscheinlich gar nicht mit einer hoffnungsvollen Note enden. Stattdessen transportiert er am Schluss die düstere Prophezeiung, dass es immer so weitergehen und sich niemals Einsicht in den grundlegenden Änderungsbedarf entwickeln wird. Zumindest habe ich es so empfunden. „Die Hauptstadt“ ist kein Hoffnungsschimmer. Es ist eine Bestandsaufnahme, die zeigt, was die EU sein sollte – und was sie in Wahrheit ist.

  21. Cover des Buches Tod in Zeeland (ISBN: 9783740811136)
    Carla Capellmann

    Tod in Zeeland

     (42)
    Aktuelle Rezension von: Babrbara

    Schon das Cover weckt das Fernweh. Farblich wunderschön gestaltet und nicht überladen lädt es dazu ein das Buch in die Hand zu nehmen und mit dem lesen zu beginnen.

    Unterstrichen wird das ganze von einem sehr guten Schreibstil, der einen nicht mehr so schnell loslässt. Auch die Schriftgröße ist perfekt.

    Wiedereinmal gut gefallen haben mir die Figuren. Ihre unterschiedlichen Charaktere machen es dem Leser noch einfacher, in dieser heiteren und stimmungsvollen Kriminalgeschichte zu versinken.

    Hiermit möchte ich mich noch einmal bei der Autorin Carla Capellmann bedanken, dass ich diesen wunderbaren Urlaubskrimi vorab lesen durfte.

    Von mir gibt es eine klare Kauf- und Leseempfehlung sowie 5 Sterne.

  22. Cover des Buches Das wirkliche Leben (ISBN: 9783423219563)
    Adeline Dieudonné

    Das wirkliche Leben

     (268)
    Aktuelle Rezension von: buchstaeblichverliebt

    [TW: Gewalt, Tierquälerei, Alkoholismus] 

    Das war krass.

    So krass, dass ich kaum weiss, was ich dazu schreiben soll, weil ich kaum auszudrücken vermag, wie schrecklich ich das Gefühl beim lesen empfunden habe. 

    Das namenlose Mädchen - die Erzählerin dieses Buch - erlebt ihre Kindheit in einem lieblosen Elternhaus. Gewalt und Alkohol sind an der Tagesordnung, besonders gegenüber der unterdrückten Mutter. 

    Nach einem schrecklichen Ereignis erleidet der jüngere Bruder Gilles ein Trauma (ich bin ganz ehrlich, ich fand das auch so entsetzlich, dass ich die Bilder, die ich beim lesen vor Augen hatte, sicher nicht mehr vergessen werde und somit auch dieses Buch nicht) von dem er sich nicht mehr erholt. Er tritt in die Fußstapfen des Vaters und ergötzt sich an Tierquälerei.

    Das Mädchen versucht ihren Bruder zurück auf den rechten Weg zu bringen und von den inneren Dämonen zu retten und wird dabei unweigerlich und auf unschöne Art erwachsen.

    Definitiv nichts für zart besaitete. 

  23. Cover des Buches Der Wolkenatlas (ISBN: 9783499241413)
    David Mitchell

    Der Wolkenatlas

     (520)
    Aktuelle Rezension von: Zitronenvogel

     „Der Wolkenatlas“ verbindet sechs Geschichten in verschiedenen Genres, die zu verschiedenen Zeiten spielen und von verschiedenen Menschen handeln.

    Auf den ersten Blick haben die Handlungsstränge nicht viel miteinander zu tun – ein Notar schreibt 1859 auf einer Schiffreise Tagebuch, ein älterer Verleger hat 2012 Probleme mit Kriminellen und Verwandten, die letzten Überlebenden der Menschheit laufen 106 Jahre nach dem Fall durch eine postapokalyptische Welt.

    Nach und nach wird jedoch deutlich, dass alles verknüpft ist: die Entscheidungen jedes Protagonisten haben Einfluss auf seine Nachfolger und werden selbst von der Vergangenheit oder Zukunft beeinflusst. Das genaue Ausmaß der Verbindungen bleibt unklar. Ob und wie viel Übernatürliches im Spiel ist, kann jeder für sich entscheiden.

    Auch bestimmte Themen sind zeitübergreifend und ziehen sich durch das gesamte Buch: Freiheit in verschiedenen Formen und der Kampf darum, Ausbeutung, Betrug, die Suche nach der Wahrheit, das Füttern von Enten.

    Eine Folge der besonderen Struktur des Romans ist natürlich eine große Menge an Charakteren (die gerne auch erst nach einigen Hundert Seiten wieder auftauchen), darauf muss man sich einlassen können, wenn man das Buch lesen möchte.

    Zudem ändern sich die Erzählart und der Schreibstil mit jeder Geschichte. Von Tagebucheinträgen und Briefen über Interviews bis hin zu Lagerfeuergeschichten bietet dieses Buch erzähltechnisch alles. Je nach Vorliebe kann man das als Vor- oder Nachteil ansehen. Meiner Meinung nach hilft es, in jeder neuen Geschichte „anzukommen“ und bietet Abwechslung, auch wenn ich den postapokalyptischen Dialekt in der letzten Geschichte ehrlich gesagt etwas anstrengend fand.

    Wenn man von den vielen Charakteren und der Idee an sich nicht abgeschreckt ist, ist „Der Wolkenatlas“ sehr zu empfehlen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird man mindestens eine oder zwei (am besten natürlich mehr) Geschichten sehr genießen und wenn man dann noch die einzelnen Elemente verbindet, ergibt sich ein Gefühl, als hätte man erfolgreich ein interessantes Puzzle zusammengefügt.

  24. Cover des Buches Der japanische Verlobte (ISBN: 9783257241518)
    Amélie Nothomb

    Der japanische Verlobte

     (85)
    Aktuelle Rezension von: awogfli

    Prinzipiell muss ich sagen, dass mir Teil eins dieser Erfahrungen einer Belgierin in Japan wesentlich besser als dieses Buch gefallen hat. Ursprünglich habe ich Mit Staunen und Zittern nur deshalb 4 Sterne verliehen, da mir diese großartige berufliche Groteske einfach zu kurz war, aber damals wusste ich noch nicht, dass die Fortsetzung in Form eines anderen Buches exisitiert. Deshalb habe ich nun Teil eins nachträglich auch aufgewertet, denn mein Hauptkritikpunkt existiert durch diese Fortsetzung der Geschichte de facto nicht mehr.

    Der Zweite Teil der Geschichte, nämlich Der japanische Verlobte spielt nahezu zeitgleich, aber betrachtet ausschließlich den privaten Aspekt der Erfahrungen der belgischen Protagonistin in Japan. Er startet ein halbes Jahr vor der beruflichen Karriere mit dem zarten Beginn einer Liason mit dem Studenten Rinri, überlappt dann Teil 1 indem er ausschließlich das Privatleben des Paares schildert und beleuchtet in einer Nachschau noch den endgültigen Schlusspunkt der Beziehung Jahre später.

    Was mir sehr gefallen hat, war die Authentizität, die im Plot vermittelt wurde: zwar nicht so wie wir im europäischen Stil den Start einer Liebe schildern würden mit all unseren Gefühlsaufwallungen, sondern eben völlig anders. Was mir weniger gefallen hat, ist der Umstand, dass mir so eine Beziehung einfach literarisch zu langweilig ist. Der Anfang war wie gesagt holprig und a bissi fad, nämlich die zarte Pflanze des Flirts in der japanischen Gesellschaft. Weil die Japaner ja diesbezüglich extrem verklemmt und vielen gesellschaftlichen Konventionen unterworfen sind, lähmte die Beschreibung dieser linkischen Art von jungen japanischen Männern ordentlich, war aber auch a bissi niedlich in ihrer Unbeholfenheit. Die Handlung plätscherte so dahin, ohne wirkliche Flirt-Highlights bis zur Fondueszene, dann legt sich der Schalter sofort auf total schräg um - als Analogie möchte ich Euch die Folgende anbieten: vom Kinderzimmer gleich auf die Fetischmesse gehupft 😂.

    Anschließend geht es wieder sehr konventionell weiter, der Leserschaft offenbart sich eine mäßig spannende Beziehung ohne Höhen und Tiefen, die allmählich ernst wird. Interessant waren aber die Sidekicks durch Einblicke ins Land und in die Gesellschaft, die durch die vielen typischen Pärchen-Unternehmungen, die die beiden absolvieren, von der Autorin in die Handlung eingebunden wurden. Offenbar gibt es eine Romatik-Liste, die japanische Paare, die sich ja auch nicht zu Hause herumtreiben und Sex haben dürfen, abarbeiten sollten, um gesellschaftlich anerkannte und standesgemäße Werbung zu betreiben. Darauf stehen zum Beispiel eine Wanderung auf den Fuji, Abendessen der Frau mit Freunden des Partners, Besuch der Insel Sado und ein Wellness-Bad in heißen Quellen, Kino-Besuche, Parks, Förmliche Vorstellung bei der Familie ... .

    Was da so en passant an japanischer Kultur vermittelt wird, die uns völlig fremd vorkommt, ist nicht unspannend. Zum Beispiel kommt heraus, dass schon im Alter von 5 Jahren ein ernormer Leistungdruck auf japanische Kinder ausgeübt wird, indem sie einen Intelligenztest machen müssen, der über ihre zukünftige akademische Karriere entscheidet. Das ist total bekloppt und megaheavy bezüglich Stress, kein Wunder dass es so viele Selbstmorde gibt. Nur während des Studiums können sich junge Leute austesten, nicht in der Schule, in der auch ein enormer Druck herrscht, und so gut wie nie wieder nachher, dann stecken sie im Hamsterrad der Arbeit fast ohne Freizeit fest. Erst nach der Pensionierung können die Japaner einigermaßen selbstbestimmtes Leben wiederaufnehmen.

    Auch die Vorstellung der Liebsten in einer formellen Zeremonie für alle Studentenfreunde, war sehr schräg und ungewöhnlich, aber sehr interessant, die Vorstellung von Rinris Familie insbesondere der Großeltern war überhaupt sehr überraschend.

    Nach und nach wird der Protagonistin die von ihr aus eher locker geführte Beziehung viel zu eng, ein Heiratsantrag steht ins Haus, den die junge Frau zwar nicht ablehnen möchte, damit sie die Beziehung nicht gefährdet, aber mit einer laangen unbestimmten Verlobungsphase, wie es in ihrem Heimatland Belgien angeblich üblich sein sollte, abwiegeln kann.



    "Ich wollte Rinri nicht heiraten. Außerdem war mir die Idee einer Heirat schon lange zuwider. Was hatte mich also daran gehindert abzulehnen? Die Erklärung war, dass ich Rinri mochte. Eine Ablehnung hätte Trennung bedeutet, und ich wollte nicht mit ihm brechen. Mich verband so viel Freundschaft, Zuneigung und Lachen mit diesem sentimentalen Jungen. Ich hatte keine Lust, auf seine charmante Gesellschaft zu verzichten. Ich segnete den Erfinder der Verlobung."

    Schließlich läuft sich die Beziehung ohne größere Friktionen ganz allmählich Schritt für Schritt tot, was zwar sehr realistisch ist, aber literarisch einfach sehr wenig Futter für spannende Auseinandersetzung bietet. Wobei - wie die Protagonistin strategisch klug ohne Streit und Verweigerung das Heiratsversprechen umgeht ist nicht unspannend - sie wählt eine eher männliche Art der Vermeidung beim Schlussmachen, ist aber etwas netter und kommunikativer im Nachgang der Beziehung.

    Fazit: Hat mich jetzt nicht so ganz vom Hocker gerissen, wie Teil 1, ist aber eine sehr gute behäbige Geschichte über Beziehungen in der japanischen Kultur. 3,5 Sterne wohlwollend aufgerundet auf 4 und eine Leseempfehlung.

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