Bücher mit dem Tag "benachteiligung"
19 Bücher
- Margaret Atwood
Der Report der Magd
(884)Aktuelle Rezension von: Eve_WaeKlappentext:
Frauen als unterdrückte Gebärmaschinen. Ein totalitärer Staat, der keine Gnade kennt. Und eine stille Heldin, die den Ausbruch versucht: »Der Report der Magd« ist große Literatur und noch viel mehr.
Für Millionen Leserinnen auf der ganzen Welt ist Margaret Atwood die wichtigste literarische Stimme eines warnenden Feminismus. Ihre beklemmende Dystopie löste bei Erscheinen im Jahr 1985 einen kollektiven Aufschrei aus. Die weltweite Faszination ist geblieben.
Die provozierende Vision eines totalitären Staats: Nach einer atomaren Verseuchung ist ein großer Teil der weiblichen Bevölkerung unfruchtbar. Die Frauen werden entmündigt und in drei Gruppen eingeteilt: Ehefrauen von Führungskräften, Dienerinnen und Mägde. Letztere werden zur Fortpflanzung rekrutiert und sollen für unfruchtbare Ehefrauen Kinder empfangen. Auch die Magd Desfred wird Opfer dieses entwürdigenden Programms. Doch sie besitzt etwas, was ihr alle Machthaber, Wächter und Spione nicht nehmen können, nämlich ihre Hoffnung auf ein Entkommen, auf Liebe, auf Leben ...
Meine Meinung:Ich bin über die Serie The Handmaid’s Tale auf Disney+ gestolpert und war sofort gefesselt. Ich bin komplett in diese Welt eingetaucht und wollte unbedingt wissen, woher das alles kommt. So bin ich schließlich bei Der Report der Magd von Margaret Atwood gelandet.
Und ehrlich gesagt hat mich das Buch genauso wenig losgelassen wie die Serie.
Die Geschichte spielt in Gilead, einem ehemaligen Teil der USA, der nach einem religiösen Umsturz zu einem totalitären Regime geworden ist. Frauen haben keinerlei Rechte mehr. Sie dürfen weder lesen noch arbeiten noch über ihr eigenes Leben bestimmen. Sie existieren nur noch als Besitz und im schlimmsten Fall als Gebärmaschinen.
Im Zentrum steht June Osborn, die als Magd im Haushalt eines Kommandanten lebt und gezwungen wird, für ihn ein Kind zu bekommen. Allein diese Ausgangssituation ist schon schwer auszuhalten, aber was das Buch daraus macht, geht noch viel tiefer.
Besonders spannend fand ich die Form. Die Geschichte ist wie ein Bericht aufgebaut, fast wie ein persönliches Protokoll. June erzählt bruchstückhaft von ihrem Leben nach dem Umsturz, ihren Erinnerungen, ihren Gedanken. Dazwischen stehen die sogenannten historischen Anmerkungen aus der Zukunft, in denen ihr Bericht wie ein Fundstück analysiert wird. Das macht das Ganze noch beklemmender, weil es plötzlich nicht mehr nur wie Fiktion wirkt, sondern wie etwas, das tatsächlich passiert sein könnte.
Die Handlung an sich ist ruhig und unspektakulär. Es geht nicht um große Action, sondern um das Aushalten, das Erinnern und das Überleben. Gerade das hat es für mich so intensiv gemacht. Margaret Atwood schreibt nüchtern und teilweise fragmentarisch, was die Ausweglosigkeit nur noch verstärkt.
Ein Detail, das mir erst nach und nach bewusst wurde, hat mich besonders getroffen. Die Namen der Mägde. June wird „Desfred“ genannt, eine Andere heißt zum Beispiel „Desglen“. Am Anfang habe ich das einfach hingenommen, ohne groß darüber nachzudenken. Bis mir klar wurde, dass das nicht einfach Namen sind. Sie bedeuten „des Fred“, „des Glen“. Die Frauen besitzen nicht einmal mehr ihre eigene Identität. Sie gehören ihren Kommandanten. In Junes Fall ist das Fred Waterford. Dieser Moment des Verstehens hat für mich noch einmal deutlich gemacht, wie konsequent dieses System Frauen entmenschlicht.
Es ist definitiv keine leichte Lektüre. Der Umgang mit Frauen, die völlige Kontrolle über ihre Körper und ihr Leben, das alles ist schwer auszuhalten. Und gleichzeitig wirkt es erschreckend real. Gerade weil das Buch schon in den 80ern geschrieben wurde, fühlt es sich heute fast noch aktueller an.
Fazit:
Für mich war „Der Report der Magd“ keine Geschichte, die man einfach liest und wieder weglegt. Es ist ein Buch, das nachwirkt, das einen beschäftigt und das einem unangenehme Fragen stellt. Genau das macht es so stark.
- Waris Dirie
Wüstenblume
(1.585)Aktuelle Rezension von: AukjeWaris Dirie lebt mit ihrer Familie in der Wüste Somalias ein ganz normales Leben eines Nomaden. Sie ziehen regelmäßig von Wasserquelle zu Wasserquelle, kümmern sich um ihre Nutztiere und führen ein einfaches Leben. Doch mit fünf Jahren muss sie eines der schlimmsten Rituale durchleben, die weibliche Beschneidung. Als sie mit vierzehn Jahre von ihrem Vater gezwungen werden soll einen viel älteren Mann zu heiraten sieht sie keinen anderen Ausweg und läuft weg. Nachdem sie die Flucht durch die Wüste geschafft hat, beginnt sie in der Hauptstadt Mogadischu bei ihrem Onkel dem somalischen Botschafter, als Dienstmädchen zu arbeiten. Als sie ihn nach England begleitet, kann sie ihn überzeugen dort zu bleiben und hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Mit 18 Jahren wird sie durch Zufall als Model entdeckt und beginnt damit eine Karriere zu machen.
Eine unheimlich berührende Autobiografie von Waris Dirie. Besonders die beschriebene weibliche Beschneidung, die ja eigentlich eine Verstümmlung ist, und die daraus entstehenden Folgen sind, gerade für Frauen, unheimlich berührend und entsetzlich beschrieben und lässt einen ziemlich lange nicht mehr los. Leider wird dieses Ritual heute auch noch durchgeführt. Obwohl es ein mittlerweile schon älteres Buch ist, ist es aber leider immer noch aktuell.
- Cho Nam-Joo
Kim Jiyoung, geboren 1982
(491)Aktuelle Rezension von: Sunflower550Wenn ich kurz beschreiben müsste, worum es geht: Um Sexismus und.. nun ja, Sexismus eben. Obwohl misogyne Strukturen in Korea zweifellos von großer Relevanz sind, empfand ich die stetige thematische Wiederholung und den sehr nüchternen Schreibstil irgendwann als ermüdend und sehr vorhersehbar. Die einzelnen Situationen, die der Protagonistin widerfahren sind, mögen interessant sein., doch wirklich viel Raum für Wendungen oder Spannung bleibt da nicht. Ja, das Buch hat definitiv Passagen, die tief unter die Haut gehen. Es zeigt, wie Frauen unter patriarchalen Strukturen leiden und ich bin mir sicher, dass sich viele Frauen in vielen Teilen der Erde auch heute noch in diesem Leid wiederfinden. Auch stelle ich mir auch vor, wie sich Männer der Lektüre annehmen und Einblicke in einen Alltag als Frau erhalten können und Empathie empfinden können. Leider wurde der Schreibstil durch seine Monotonie dann doch zunehmend anstrengend und der Umstand, dass es sich inhaltlich ständig wiederholt, macht es nicht besser. Trotz des überschaubaren Umfangs musste ich mich regelrecht durchbeißen. Wie hier viele geschrieben haben, ist es eher wie ein Sachbuch geschrieben. Ich hatte angenommen, es würde nahbarer oder aus einer Innen- Perspektive geschrieben und mich daher abholen, doch stattdessen verursachte dieser Schreibstil eine gewisse Distanz. Schade. Ich habe den Eindruck, das Buch weiß nicht so recht, ob es ein Roman oder ein Sachbuch sein möchte. War leider nicht so fesselnd, wie ich mir gewünscht hätte.
- Michael Lüders
Wer den Wind sät
(45)Aktuelle Rezension von: HoldenMichael Lüders beschreibt, was die amerikanische Außenpolitik (häufig durch die CIA und unter Unterstützung bestimmter Think tanks und Journalisten) im Nahen Osten angerichtet hat. Und dem ja auch häufig folgend leider die Europäische Union und die deutsche Regierung. Oft hat man die ausgestreckte Hand zur Kompromissfindung ausgeschlagen, frühzeitig die Welt in "gut" und "böse" unterteilt und sich pragmatschen Lösungen verschlossen, oft auf kosten von Zehntausenden Menschenleben. Teilweise wurde eine erfolgreiche Friedensstiftung durch die USA untergraben, auch in Fällen wie der Hamas oder Irans, was daran liegt, daß die USA ein Interesse an dem dauerhaften Krieg haben, in dem wir uns gegenwärtig befinden, man einseitig auf wirtschaftliche Vorteile der US-Wirtschaft setzt (Big Oil und die Motivation zu George W. Bushs völkerrechtswidrigem Angriffskrieg gegen den Irak) oder indem man zu einseitig auf Israel im Nahen Osten schaut. Natürlich fragt man sich, was die gewählten deutschen Politiker zu dem Ganzen gesagt haben, man möchte Namen und konkrete Aussagen wissen, genauso wie das, was gewisse Medien geschrieben haben. Idles singen in "War" von den "stone-faced liars", Brody Dalle trug ein "The CIA"- T-Shirt auf der Bühne (natürlich als Kritik), beides mit Recht. Ein aufwühlendes Buch, zur Pflichtlektüre empfohlen.
- Patricia Cornwell
Postmortem
(12)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderFür Gerichtsmedizinerin Kay Scarpetta gibt es einiges zu tun. Ein Frauenmörder geht um und sie forscht nach, horcht, hinterfragt und beobachtet so eine Spur. Ihr männlicher Kollege beobachtet wiederum sie ganz genau und das nicht nur beruflich. Ihre Mutter findet, dass Kay einen Mann braucht und auch Kinder haben soll. Aber Kay will kein Kind, denn ihre Nichte Lucy tanzt ihr auf der Nase herum, aber hilft ihr auch immer wieder bei der Arbeit. Ihre Schwester Dorothy ist das pure Chaos und heiratet mal wieder. Und ganz nebenbei, kommt Kay etwas ganz großem auf die Spur und ihre Karriere startet richtig durch.
Patricia Cornwell schickt Kay Scarpetta auf die Reise und das ist einfach super spannend und genial.
- Juno Dawson
How to Be Gay
(37)Aktuelle Rezension von: Bücher_TiniDieses Buch wurde mir empfohlen als ich auf der Suche für Bücher für eine Schulbibliothek war . Ich muss gestehen es ist gut, es ist locker geschrieben und man liest es sehr flott , ohne große Umwege wird erklärt und begrifflichkeiten nahe gebracht. Sowohl für Jugendliche als auch für mich als Mutter ist es ein wirklich gelungenes aufklärendes Buch um sich besser zu verständigen.
Es ist kein plattes Sachbuch , was nur erklärt , nein hier komm auch betroffene ( das klingt blöd) zu Wort und das ohne ihre Texte umzuschreiben, man merkt das es aus ihnen heraus kommt und das macht es verständlich und nahbar.
- Sheryl Sandberg
Lean In
(27)Aktuelle Rezension von: beccarisAuf dem Klappentext liest man, dass das Buch provozieren will. Unter diesem Aspekt habe ich es auch gelesen. Ich kann mir vorstellen, dass Sheryl Sandberg für viele junge Frauen ein Idol darstellt und es wäre umso interessanter gewesen zu erfahren, welche Eigenschaften und Attribute zu ihrem Leistungsausweis geführt haben. Zweifellos ist die Autorin und Vorsitzende des Verwaltungsrates von Facebook eine beeindruckende Persönlichkeit, die mit viel Engagement und Wille es sehr weit gebracht hat.
Das Buch selbst bringt wenig Neues zur Thematik „Frauen in Führungspositionen" auf. Viele der aufgeführten mehr oder weniger wissenschaftlichen Thesen sind bekannt und bereits unzählige Male kontrovers diskutiert worden.
Die Frage danach, wie sie es geschafft hat, Karriere, Familie und vieles mehr unter einen Hut zu bringen, findet die Autorin müssig. Jedoch stellte sich genau diese Fragestellung auch mir, insbesondere wenn man die endlose Auflistung von Personen liest, die zum Buch wesentlich beigetragen haben, die zahlreichen Kontakte zu Freunden, Politikern, Berufskollegen, etc. etc. Angesichts einer solchen Fülle von Kontakten, ist es schon fragwürdig, inwieweit diese tiefgründig und bedeutsam sind. - Maria Sveland
Bitterfotze
(105)Aktuelle Rezension von: Ikopiko"Dieses Buch kann mehr für die Gleichberechtigung tun als alle Reden dieser Welt" verspricht der Klappentext des ersten Romans der jungen Schwedin Maria Sveland. Unter Gleichberechtigung verstehe ich jedoch nicht, dass nur die schlechte Seite der Männer aufgezeigt wird.
Verpackt werden diese oberflächlichen Vorwürfe in der Geschichte Saras, die sich eine Auszeit von Familie und Alltag nimmt und allein nach Teneriffa fliegt. Auf ihrer Reise liest sie "Angst vorm Fliegen" von Erica Jong. Sie beneidet Erica um ihr ausschweifendes Leben in den 70er Jahren.
Sara selbst ist in den 80er Jahren aufgewachsen und sieht auch darin eine Ursache, dass die Frauen ihres Alters bitterfotzig sind. Eine Bitterfotze ist verbiestert, spießig, aggresiv und lustlos.
Auf über 270 Seiten zergeht Sara in Selbstmitleid. Sie ist gefrustet, weil sie ihr Leben als Mutter nicht erfüllt. Ich habe sie manches Mal fragen wollen, warum sie ihr Leben dann nicht selbst in die Hand nimmt und etwas ändert. Nur jammern nützt nichts. - Mareike Fallwickl
Das Licht ist hier viel heller
(141)Aktuelle Rezension von: Trishen77Ich muss zugeben, dass ich Mareike Fallwickls zweiten Roman mit einer gewissen Skepsis zu lesen begann. Zwar gefiel mir von Anfang an die Art, mit der sie ihren Plot aufzog, aber ich wurde nicht so recht warm mit den Passagen, die anfangs wie der Dreh- und Angelpunkt der ganzen Story wirkten.
Aber zunächst kurz zum Aufbau: der Roman ist in drei Erzählstränge geteilt, die sich nach einem festen Prinzip abwechseln. Zum einen sind da die elf Kapitel, die von 10 auf 0 in den Überschriften heruntergezählt werden, geschildert aus der Sicht von Maximilian Wenger (oder einfach “der Wenger”, wie ihn alle nennen), einem ehemaligen Skandalautor und Krawallmacher, der sich nach der Trennung von seiner Frau in seinem neuen Leben nicht zurechtfindet und vor allem: nicht mehr schreiben kann.
Im zweiten Erzählstrang folgen wir der Geschichte von Zoey, Wengers Tochter, mit der er allerdings wenig Berührungspunkte hat. Sie steht kurz vor dem Schulabschluss und ihre Passionen sind die Fotografie und ihr ehemals bester Freund, zu dem sie nun in einem sehr unklaren Verhältnis steht. Sie fühlt sich aufgerieben zwischen ihrer Suche nach einer eigenen Idee für die Zukunft und den vielen, vielen Altlasten, allen voran der Versuch ihrer Mutter, sie zu einer Person zu machen, die sie nicht sein will. Die Überschriften ihrer Kapitel sind Hashtags.
Der dritte Erzählstrang ist jeweils zwischen den Kapiteln von Wenger und Zoey platziert (aber nicht zwischen denen von Zoey und Wenger). Er besteht aus Briefen, die an Wengers Adresse geliefert werden und an den alten Mieter seiner neuen Wohnung gerichtet sind. In ihnen erzählt eine Frau von einer großen Liebe und einem großen Schmerz und wie es dazu kam, dass sie erstere verlor und ihr letzterer zugefügt wurde.
Es ist dieser dritte Strang, mit dem ich am Anfang sehr zu kämpfen hatte. Nicht nur erschienen mir die Briefe bei aller Sprachgewalt wenig substantiell, es erschien mir auch nicht glaubwürdig, dass jemand so peu à peu seine Geschichte erzählt, anders gesagt: dieser ganze dritte Strang erschien mir auffällig konstruiert.
Ich habe diese Vorbehalte dann aber schnell hinter mir gelassen. Denn abseits dieser Briefe (und zum Teil auch in ihnen, was sich aber erst im Lichte der abgeschlossenen Lektüre fassen lässt) ist Fallwickl ein bestechender und beeindruckend realistischer Roman geglückt, in dem das Themenfeld um MeToo, sexuelle Gewalt und den ambivalenten Umgang mit beidem in vielen Facetten abgebildet wird.
Sehr schnell ist auch klar, dass die Briefe nicht Dreh- und Angelpunkt, sondern eher eine Art MacGuffin sind, also ein Katalysator, der die Handlung vorantreibt und an einem bestimmten Punkt der Story den entscheidenden Spin geben. Bis dahin ist etwas Geduld vonnöten, das Buch baut sein Setting langsam auf, dafür nachhaltig, wie man im späteren Verlauf merkt.
Letztlich ist “Das Licht ist hier viel heller” eine Geschichte des Übergangs. Es thematisiert, wie oben bereits angesprochen, sexuelle Übergriffe, aber lotet darüber hinaus auch sehr gut die Konzeption von Lebensentwürfen aus. Beide Protagonist*innen und auch einige andere Figuren befinden sich am Scheideweg und die Art, wie sie mit ihren jeweiligen Rückschlägen und Problemen umgehen, was sie motiviert, bildet sehr gut die gesellschaftlichen Tendenzen unserer Zeit ab.
Insofern ist der Roman beides: Eine Geschichte zweier (dreier) Menschen im Übergang und ein profunder Blick auf unsere Welt im Wandel (und Stillstand). Aber vor allem ist dieser Roman ein sehr lesenswertes Buch.
- Christopher Davis
Philadelphia
(50)Aktuelle Rezension von: HoldenIn der "Stadt der brüderlichen Liebe": Andrew Beckett ist einer der talentiertesten Anwälte in Philadelphia und arbeitet wie ein Pferd in der bekanntesten Kanzlei am Ort Wheeler & Wyatt, bis ihm unter einem fadenscheinigen Grund gekündigt wird, als man bei ihm erste Anzeichen einer Aids-Erkrankung erkennen kann. Beckett ist homosexuell und lebt mit seinem Lebenspartner Miguel zusammen, was er in der Kanzlei allerdings verschweigt. Als Anwalt erklärt sich nur Joe Miller bereit, Afroamerikaner und anfangs voller Vorurteile gegenüber Schwulen, Beckett zu vertreten im Arbeitsrechtsstreit um dessen Kündigung und dessen Rechtmäßigkeit. Beckett geht es zunehmend schlechter, je lämnger sich der Prozeß hinzieht, wird er das Ende überhaupt noch erleben? Der erste Oscar für Tom Hanks in der Hauptrolle, die Geschichte war 1993 angeblich noch ein Wagnis, als der Film rauskam. Die Rolle von Denzel Washington als Miller ist vielleicht etwas schwarz-weiß gezeichnet, vielleicht auch etwas viel "Anwaltsverherrlichung" (Tom Robbins), aber auch ohne den Neil-Young-Song am Ende sehr ergreifend.
- John Steinbeck
The Pearl. Die Perle, englische Ausgabe
(19)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderMit "Die Perle" ist John Steinbeck eine wunderbare Neubearbeitung einer alten Sage gelungen. Obwohl diese Story nun auch schon älter ist, so ist es doch immer noch sehr aktuell. Reichtum, Familie, Ehre und Ehrlichkeit sind die großen Themen. Hochgenuß!
Kno und seine Familie stehen am Scheideweg und setzen alles auf eine Karte.
- Ira Levin
Die Frauen von Stepford
(30)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderJoanna hat es hart getroffen und um wieder auf die Beine zu kommen, zieht die Familie nach Stepford. Wunderschöne Damen, makellos und ihren Ehemännern immer zu Diensten. Kann das alles echt sein? Joanna wird misstrauisch und forscht nach und kommt etwas ungeheurem auf die Spur. Ich liebe die Verfilmungen und wollte das Buch haben und es ist genauso schwarz und voller bitterem Humor. Echter Tipp!
- Linda Zervakis
Königin der Bunten Tüte
(13)Aktuelle Rezension von: HoldenLinda Zervakis` Erinnerungen an Kindheit und Jugend, geprägt durch ihre Tätigkeit im elterlichen Kiosk und der sozialen Unterlegenheit gegenüber ihren Freunden. Man ist natürlich enttäuscht und entsetzt, daß der deutsche Staat nicht in der Lage war, ein gesichertes und auskömmliches Leben einer sog. "Gastarbeiterfamilie" zu finanzieren und die Kinder quasi schon durchgängig im elterlichen Geschäft eingesetzt werden mußten. Unglaublich, daß man Kinder diesem "Trinkermilieu" aussetzen mußte, um als Familie über die Runden zu kommen. Wenn man die Autorin später in der "Tagesschau" als Sprecherin sah, konnte man das Bild von ihr natürlich gar nicht mit den präkeren Verhältnissen, wie sie im Buch geschildert werden, zusammenbringen. Und die dreckige Lache der Autorin fehlt im Buch leider auch hihi. Jammas! Und noch mal Glückwunsch zum EM-Sieg!
- Gwendolyn Brooks
Maud Martha
(10)Aktuelle Rezension von: Thomas_LawallEs beginnt mit dieser "gemalten Musik", und schon sind Leserinnen und Leser verzaubert und tauchen in eine Geschichte ein, die das Gewöhnliche in einem anderem Licht erscheinen lässt. Zunächst ist es die Welt eines Kindes, welches die schlichte Schönheit des Löwenzahns liebt.
"Gelbe Alltagsedelsteine, mit denen das geflickte grüne Kleid ihres Hinterhofs verziert war."
Wir, die wir den gemeinen Löwenzahn fortan mit völlig anderen Augen sehen werden, lernen die 7jährige Maud Martha kennen, die in den 20er Jahren in Chicago aufwuchs, und deren Lebensgeschichte hier erzählt wird. Gwendolyn Brooks (1917-2000), die für ihren Lyrikband "Annie Allen" 1950 als erste Schwarze Autorin den Pulitzer-Preis erhielt, gestaltete ihren einzigen Roman in mehr oder weniger kurzen Kapiteln, die man als in sich geschlossene Momentaufnahmen definieren könnte.
Momente eines Lebens, die ihren eigenen Weg und die ihres Umfelds reflektieren und die sie als literarisches Konzentrat gestaltet und verewigt hat. Stationen eines bewusst erlebten Alltags, der durch die genaue Beobachtung an Intensität und Bedeutung gewinnt, dem aber der leider unvermeidliche Rassismus mehr und mehr und immer wieder einen Strich durch alle Lebensplanungen und -erwartungen macht.
Die einzelnen Episoden skizzieren beispielsweise einen Konzertbesuch, den Aufenthalt in einem Kosmetiksalon, Werbung von Verehrern, Leben und Personen der Mitbewohner oder einer verschonten Maus, mit der sie sprach und die sie, in der "Kitchenette-Wohnung" ihrer Eltern, aus einer Lebendfalle befreite:
"Geh heim zu deinen Kindern ... zu deiner Frau oder deinem Mann."
Die Beziehung zu ihrem Mann Paul flacht ab, wobei Gwendolyn Brooks (auch hier) nur wenige Worte benötigte, um das Lebensdrama aus der sich durch den grauen Alltag abnutzenden, der am Anfang so himmelhochjauchzenden, Gefühle schonungslos darzustellen:
"Sein Darling wurde immer dunkler!"
Gwendolyn Brooks konnte mit Worten Bilder malen, wobei sie hierfür keineswegs komplizierte Formulierungsorgien benötigte, sondern vielmehr in einer vermeintlich vereinfachten Wortwahl die damaligen Lebensumstände, die auch ihre eigenen waren, in einer ungeschönten, nicht selten erschütternden Klarheit zu schildern.
Erstaunlich, dass sie das ohne Anklagen tat, als wäre sie eine Art neutrale Beobachterin gewesen und die Situation Schwarzer Menschen im Alltag, wie eine seltsame Art von Selbstverständlichkeit, einfach dazugehörte.
Ihre gemäßigte Art sollte sich allerdings ändern, was uns Daniel Schreiber in seinem Nachwort zu berichten weiß. Eine editorische Notiz klärt am Ende kurz über die Verwendung nicht mehr gebräuchlicher Begriffe auf und vervollständigt damit das Werk.
"Maud Martha" erzählt ein kleines Leben in großen Bildern. Der Rezensent vergibt in diesem Zusammenhang gerne das (seltene) Prädikat: Pflichtlektüre. - Christian Baron
Proleten, Pöbel, Parasiten
(6)Aktuelle Rezension von: ToralfokoEin ganz wichtiges Buch! Christian Baron, der aus einfachen Verhältnissen stammt, legt hier dar, dass es heute nur ganz wenige seiner Art gibt, die es schaffen, die Klassenschranken in Deutschland zu durchbrechen. Stattdessen blicken wir alle auf die Unterschicht herab, von der wir uns um jeden Preis absetzen wollen. Leider leben wir in einer Gesellschaft, in der nur eines adelt, und das ist das Geld. Von diesem Buch kann man lernen, wie sehr wir doch falschen Idealen hinterherrennen, wie schlecht unser Bildungssystem funktioniert und wie sehr gesellschaftlicher Aufstieg in diesem Land von Zufällen abhängt.
- Nikeata Thompson
Schwarz auf weiß
(13)Aktuelle Rezension von: Carry1980Cooles Buch! So hat man Nikeata Thompson noch nicht gesehen. Ihre ganz persönliche Geschichte. Von ihrer Kindheit in England und Deutschland, von ihrer beginnenden Sportlerkarriere, Internat und ihre Eigenständigkeit. Von Rassismus und immer wieder kämpfen und sich beweisen müssen. Ihre Liebe zu Musik und ihre Karriere als Cheographin und erfolgreichen Unternehmerin!
- Katja Kullmann
Generation Ally
(31)Aktuelle Rezension von: HoldenKK schreibt über die damals sehr beliebte Serie auf Vox, aber in erster Linie geht es um das Aufwachsen ihrer Mädchen- und Frauengeneration, denen die Frauenquote immer zu spießig und einengend war und die so frei und ungebunden waren, daß sie ihren Besitz jederzeit eintüten konnten und am nächsten Tag ins Ausland hätten ziehen können. Erstaunlicherweise geht es in dem Buch um eher wenig um Ally (und ich habe die Serie damals sehr gern gesehen, s. letzter Satz des Buches), aber es stecken viele Wahrheiten drin, so daß man sich auch als Mann angesprochen fühlen Konnte (ich bilde mir allerdings ein, nicht so hilflos-kükenmäßig zu sein wie die beschriebenen y-Chromosom-Träger). In der am Ende beschriebenen "Luderliga" fehlte natürlich noch "Oberluder" Micaela Schäfer, und man würde dafür BRENNEN, eine aktualisiert Fortsetzung zu lesen.
- Nazan Eckes
Guten Morgen, Abendland
(11)Aktuelle Rezension von: HoldenFräulein Üngörs Aufruf zu gegenseitiger Toleranz und Annäherung, eingebettet in ihre persönliche Familiengeschichte in Deutschland. Wie schon eine Rezensentin vor mir geschrieben hat, sind die Passagen über ihre Familie, der schwierige Neuanfang ihres Vaters in Deutschland und das glückliche Familienleben sehr berührend und herzergreifend, andere Passagen wie ihr Neid auf die immer hübsche Heidi Klum in Modemagazinen oder ihre Frustration über ihre deutsche Fernsehproduzentin Petra eher nichtssagend und stehen der Message eher im Wege. Ein Buch also mit Licht und Schatten, Frau Eckes hat die Anfeindungen und Herabsetzungen, denen man ausgesetzt war, sicherlich eher noch heruntergespielt. Seit 2010 hat sich sicher nicht all zu viel geändert, inzwischen haben wir mit Herrn Özdemir aber den ersten türkischstämmigen Bundesminister. Es bleibt also noch viel zu tun, Entscheidungsträger bitte lesen! Und mit dem Dolmus bin ich auch schon gefahren, aber daß man sich da ducken muß, war mir neu!
- Cory Doctorow
Wie man einen Toaster überlistet
(18)Aktuelle Rezension von: Norway01Also ich nehme vorneweg, dass mich das Buch leider auf einer persönlichen Schiene null überzeugt hat.
Das Buch ist gut geschrieben eigentlich und der Lesefluss ist auch gut. Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig und es wäre eher ein Kurzroman. Es ist an sich sehr interessant und gibt einen beängstigenden Eindruck, wie unsere Zukunft aussehen könnte an einem sehr kleinem und scheinbar unwichtigem Beispiel.
Es sind viele Themen inbegriffen und vieles was Unterbewusst angesprochen und verarbeitet wird, viel mehr als man wahrscheinlich direkt beim Lesen mitbekommt und was einem noch ein paar Tage später oder mehr (?) erst richtig bewusst wird.
Die Themen sind zwar ein wenig verstörend, jedoch nicht gruselig, da Sie doch auch unter anderem sehr realistisch scheinen.Ich hatte dem Buch erst 3 Sterne gegeben, da ich mir nicht sicher war, was ich damit anfangen soll und es relativ positiv eingeschätzt hatte. Anschließend war ich jedoch schon nach kurzer Zeit unzufrieden mit der Wertung, denn für mich und mein Gefühl hat es einfach nicht für 3 Sterne gereicht.
Gerade das Ende habe ich als sehr schwierig empfunden. Ich nehme an, das war bewusst so gehalten, für mich jedoch eine absolute Katastrophe das Ende, denn gefühlt hätte es einfach an jeder möglichen Romanstelle plötzlich enden können mitten im Plot. Ich habe das Buch weggelegt und war verwirrt und unzufrieden.
Das hat nichts damit zu tun, wie das Ende gedacht worden ist, sondern mit der Umsetzung und der Heranleitung an das Ende und Umsetzung - einfach plump und vor allem scheint es hauptsächlich Dramaturgie zu sein.Aus diesem Grund und dem zwar vorhandenen Spannungs-Anstieg in der letzten Hälfte interessanterem Buch, dennoch an sich Spannung sehr gering und einfach insgesamt nicht sonderlich zufriedenstellend.
Zusätzlich erwähnt: ich habe keine Probleme mit schwerem Themen, problematischen Themen oder unbefriedigenden Themen als Inhalt... aber hier ging es mir um die Stilistik, Aufbau und Umsetzung, welche mich einfach absolut nicht überzeugt haben. - 8
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