Bücher mit dem Tag "beobachtungen"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "beobachtungen" gekennzeichnet haben.

123 Bücher

  1. Cover des Buches Ein ganzes Leben (ISBN: 9783442482917)
    Robert Seethaler

    Ein ganzes Leben

     (377)
    Aktuelle Rezension von: Stephanus

    Andreas Egger, um 1900 geboren kommt um 1902 zu seinem Onkel in ein Alpental und hat eine schwere Kindheit mit Entbehrungen und Misshandlungen. Gerade erwachsen verlässt er den Hof und wird Tagelöhner der alle möglichen Arbeiten macht. Fleiß und harte Arbeit zeichnen sein Leben aus. Dazwischen fällt eine einzige große Liebe, die tragisch mit dem Tod der Geliebten endet. Egger schließt sich dem Seilbahnbau an, muss in den Krieg und ist danach als Bergführer und Arbeiter tätig. Er führt ein bescheidenes Leben und die Veränderung der Alpen und die Lebensweisen werden an ihm spürbar.

    Seethaler erschafft ein wunderbares Buch, das durch den Stil und die wunderbare Sprache überzeugen. Jedes Wort scheint genau an der richtigen Stelle und das Buch entfaltet eine wunderbare Atmosphäre, die jeden Leser bezaubert. Ein schönes, aber auch melancholisches Buch, das unbedingt gelesen werden sollte.

  2. Cover des Buches Obsession (ISBN: 9783499248863)
    Simon Beckett

    Obsession

     (1.175)
    Aktuelle Rezension von: JasMin

    Klappentext übernommen:

    Als seine Frau plötzlich stirbt, ist Ben am Boden zerstört. Allein Sarahs autistischer Sohn Jacob spendet ihm Trost. Aber während er die Schränke der Toten ausräumt, macht Ben eine grausame Entdeckung: Jacob war gar nicht Sarahs Kind. Offenbar hat sie den Jungen entführt, als der noch ein Baby war. Fassungslos macht sich Ben auf die Suche nach Jacobs leiblichen Eltern – und gerät in einen Strudel tödlicher Obsessionen. 

    Ich habe das Buch auf Seite 246 von 414 Seiten abgebrochen.

    Der Klappentext hat mich durchaus angesprochen, leider wurde die Geschichte nach den ersten 50 Seiten überhaupt nicht mehr spannend und nahm, m.E., auch nicht mehr wirklich Fahrt auf. Ab diesem Punkt klärt sich, ob der Junge entführt wurde oder nicht. Später werden nur Lückenfüller genutzt um die Obsessionen von Ben dem Leser halbwegs anschaulich zu erklären. Leider hat mich das Buch dann überhaupt nicht mehr interessiert, da ich auch nicht das Gefühl hatte, einen Thriller zu lesen, sondern ein erweitertes Familiendrama.

    Der Schreibstil ist durchaus angenehm zu lesen - das war´s dann aber auch schon.

    Leider überhaupt nicht vergleichbar mit der David-Hunter-Reihe, die ich bisher verschlungen und auch als sehr gut empfunden habe.

    Ein Unterschied, wie Tag und Nacht - aber immerhin sieht man daran, dass auch ein Simon Beckett zunächst "üben" musste, um richtig gute Bücher schreiben zu können.

  3. Cover des Buches In meinem Himmel (ISBN: 9783442458363)
    Alice Sebold

    In meinem Himmel

     (796)
    Aktuelle Rezension von: Vespasia

    Susie Salmon ist vierzehn, als sie vergewaltigt und ermordet wird. Doch damit ist ihre Existenz nicht vorbei: aus ihrem Himmel kann sie sehen, wie ihre Familie und ihre Freunde weiterleben, um sie trauern, nach ihrem Mörder suchen und älter werden.

    Der Fokus liegt hierbei auf dem Umgang damit, wenn jemand stirbt, mitten aus dem Leben gerissen wird und unwiederbringlich weg ist. Was passiert mit einer Familie, wenn eine Tochter stirbt? Was ist mit den Freunden, die zurückgelassen werden? Alice Sebold beschreibt sehr einfühlsam, wie das Leben für eine Weile stillzustehen bleibt und schließlich irgendwann weitergeht. Gleichzeitig ist da natürlich noch Susie, die vom Himmel aus zuschaut und nicht eingreifen kann, sehen kann, wie ihre Geschwister erwachsen werden und ihre Eltern mit ihrem Tod zu kämpfen haben. Jeder trauert unterschiedlich, sowohl die Lebenden, als auch die Toten. Gleichzeitig sieht man, dass die Toten einen immer begleiten, nie vergessen werden.

    An einigen Stellen zog sich die Geschichte ein wenig, das wäre eigentlich aber auch mein einziger Kritikpunkt. Der Schreibstil hat mir gefallen, die Geschichte und die Charaktere haben mich überzeugt und ich bin mir sicher, dass ich das Buch nicht so schnell vergessen werde. Die Geschichte erstreckt sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren, Sebold beschreibt hier sehr genau, realistisch und berührend. Das Thema ist natürlich nicht einfach, ab und an fällt die Lektüre daher vielleicht auch schwer (gerade die Beschreibung der Tat lässt es einem kalt den Rücken runterlaufen), aber ich finde, die Autorin hat hier wirklich gute Arbeit geleistet.

    Fazit: Kein einfaches Thema – und dazu ein sehr gutes Buch, dass einfühlsam und realistisch damit umgeht.

  4. Cover des Buches Kinder des Judas (ISBN: 9783426637685)
    Markus Heitz

    Kinder des Judas

     (679)
    Aktuelle Rezension von: Michelly

    Die "Kinder des Judas" ist der Auftakt einer Vampir-Trilogie und alle drei Bücher gehören zum "Pakt der Dunkelheit". Die Kinder des Judas wird meines Wissens offiziell als Band 3 gehandelt des Paktes der Dunkelheit, ich habe allerdings die anderen Bände vorher nicht gelesen und ich hatte keine Probleme die Geschichte zu verstehen.

    Markus Heitz liefert uns hier einen soliden Vampir-Roman mit viel Spannung, Action und Blutvergießen. Mitunter sind die Szenen recht brutal, aber nicht niveaulos oder billig. Ein hochwertiger Vampirroman ohne den bekannten Kitsch, abwechslungsreich und mit einigen Tempowechseln in der Geschichte. Es gibt einen ordentlichen Spannungsbogen, was die Geschichte sehr kurzweilig macht.

    Die Protagonistin Sia ist sehr gut dargestellt, kann ich das Wort "authentisch" benutzen, obwohl sie eine Vampirin ist? Mir gefällt die Figur ausgesprochen gut, eine mitunter brutale Kämpferin mit sehr schön ausgearbeiteten menschlichen Zügen und überraschend viel Herzwärme. Auch die Figuren um Sia herum sind gut ausgearbeitet und gestalten so eine abwechslungsreiche und fesselnde Geschichte. Der Schreibstil ist locker und flüssig.

    Ich hatte bisher noch keines der Bücher von Markus Heitz gelesen, war aber so begeistert, das ich mir gleich Band 2 und 3 der Trilogie gekauft habe. Wer Vampire mag, dem kann ich den Roman nur ans Herz legen.

  5. Cover des Buches Am Ende des Schweigens (ISBN: 9783442376407)
    Charlotte Link

    Am Ende des Schweigens

     (605)
    Aktuelle Rezension von: Peachesfloop

    Mein zweites Charlotte Link Buch innerhalb kurzer Zeit. 

    Jetzt in der Lockdown Phase hat man endlich wieder Zeit für die wirklich wichtigen Dingen im Leben: Lesen. 

    Und so lese ich mich aktuell auch sämtliche Bücher durch. Wie auch dieses. 

    Ich muss sagen, der Einstieg fiel mir zuerst etwas schwer, ich brauchte ein bisschen bis ich mich mit der Geschichte anfreunden konnte. Doch natürlich ist der erste Teil gleich mal gut geschrieben. Er Verrät nicht zu viel, nur so viel, wie man eben wissen braucht. Und dann geht es los. Auch wenn man bei fast 600 Seiten am Anfang denkt, Puh, das wird sich ziehen, hatte ich das Buch schnell durch. 

    Es fesselte mich tatsächlich doch noch. Charlotte Link hat einfach die Gabe, so viel in einem Buch zu verpacken. Fast mühelos scheinen die Wörter des 600 Seiten Romans von der Hand zu gehen, so kommt es zumindest dem Leser vor.

    Das man bis fast zur Letzten Seite nicht weiß, wer der Mörder ist und so ständig immer wieder zu unfassbaren neuen Erkenntnissen kommt, fesselte nur noch mehr. Obwohl ich bei solchen Büchern immer gut bin, die Zusammenhänge zu erkennen, konnte ich mich dieses Mal nicht durchsetzen und war auch bis zuletzt auch der falschen Fährte des Mörders. 

    Die Hauptfiguren waren alle Zusammen, meiner Meinung nach wirklich gestört. Und ich war immer wieder erschüttert, welche Abgründe sich da auftaten. Alle wirken normal, doch tiefe, tiefe Geheimnisse sind in Ihnen und das reist sie in einen Strudel voller weiteren Abgründe. 

    Ein gutes Buch, sehr zum empfehlen bei langen langen Corona-Tagen. 

  6. Cover des Buches Mord im Pfarrhaus (ISBN: 9783455650075)
    Agatha Christie

    Mord im Pfarrhaus

     (230)
    Aktuelle Rezension von: zickzack

    Inhalt: Colonel Protheroe ist die meistgehasste Person in der beschaulichen Gemeinde St. Mary Mead. Daher kommt es nicht überraschend, als er umgebracht wird. Der Ort ist überraschend, denn es passierte im Pfarrhaus, im Arbeitszimmer des Pfarrers Leonard Clement. Kurz darauf gibt es ein Geständnis und zu diesem folgt ein zweites. Doch beide werden mit Indizien widerlegt. Es gibt viele Geheimnisse und Widersprüchlichkeiten. Clement versucht mit der Hilfe des Kommissars Slack und seiner Nachbarin Miss Marple den Fall zu lösen.

     

    Dadurch, dass ich ja vor kurzem „Alibi“ von Agathe Christie gelesen habe, hatte ich die ganze Zeit darauf gewartet, dass am Ende wieder so eine Überraschung auf mich wartet. Aber letzten Endes war es für mich ziemlich unspektakulär, wie das ganze Buch – leider.

     

    Vom Schreibstil fand ich es wieder ausgesprochen gut. Es wird aus der Ich-Perspektive des Pfarrers erzählt. Obwohl mich das die ganze Zeit verwirrt hat. Klar, in seinem Haus ist der Mord passiert, als er nicht da gewesen war, aber ich habe mich gefragt, warum er bei allen Befragungen der Polizei dabei sein musste. Ist es so ein Ding, dass die Personen gesprächiger sind bzw. wahrheitsgetreuer, wenn ein Pfarrer in der Nähe ist? Ich weiß, ich fand das irgendwie merkwürdig.

    Mit dem Pfarrer an sich bin ich auch nicht so richtig warm geworden. Ich fand ihn als Person einfach nicht interessant genug und er hatte auch so eine naive Sicht auf die anderen Personen, weil er sich wohl von keines seiner Lämmer vorstellen konnte, dass es einen Mord beging.

     

    Das Buch hat ziemlich lang gebraucht, bis es überhaupt losgegangen ist. Trotzdem war ziemlich schnell klar, wer am Ende das Opfer sein wird (ich habe den Klappentext zuvor nicht gelesen). Am Anfang war es für mich zu viel Palaver, dass ich mich gefragt habe, ob ich überhaupt einen Krimi in den Händen halte. Aber das zog sich auch Konsequent durch das ganze Buch.

    Es waren weniger Ermittlungen, sowie ich es kenne, sondern mehr Vermutungen und Gerüchte. Miss Marple hat sich immer wieder in die Geschichte mit wichtigen Hinweisen eingebracht, aber dadurch das sie um ihr Wissen so ein großes Geheimnis gemacht hat und immer nur die Hälfe angedeutet hat, fand ich das irgendwie nicht so toll.

    Das Buch hat ja in einem fiktiven Dorf gespielt und da gab es viel Klatsch und Tratsch. Es hat mich an regionale Krimis (nennt man die so?) erinnert und da muss ich wohl sagen, dass diese mir nicht wirklich gefallen. Mir persönlichen gefallen die Krimis, die in eine amerikanische Richtung gehen, mit markanten Ermittlern als alten Klatschweibern.

     

    Es kamen so viele Personen vor, dass ich diese bis zum Ende nicht auseinander halten konnte und es wurden neben dem Mord auch noch andere Dinge aufgedeckt, die ich nicht wirklich zuordnen kann. Für mich blieben ein paar Namen einfach nur Namen, ohne wirklich eine Person dahinter zu sehen.

     

    Und das Ende bestand darin, dass Miss Marple ihre ganzen Überlegungen doch mal mitgeteilt hat und das war es eigentlich. Täter überfordert, fertig. Und dann war der Täter nicht einmal eine große Überraschung. Mir hat an dem Buch irgendwie das Quäntchen Finesse gefehlt. Es hat mich nicht mitgerissen.

     

    Fazit: Leider hat mich dieser Band nicht überzeugt, was am Setting, den vielen undurchsichtigen Personen und den vielen Klatsch und Tratsch lag. Zwei Sterne von mir. 

  7. Cover des Buches 16 Uhr 50 ab Paddington (ISBN: 9783455650068)
    Agatha Christie

    16 Uhr 50 ab Paddington

     (282)
    Aktuelle Rezension von: Monika_Brigitte
    „>>Das ist das Schlimme am modernen Leben<<, sagte er verärgert. >>Von der Wiege bis zur Bahre – Formulare, Formulare. Das hat man nun von einem Verwaltungsstaat.“ (S. 182)

    8. Teil der Miss Marple-Riehe, unabhängig zu lesen

    Handlung

    Zwei Züge fahren aneinander vorbei, nur Sekunden vergehen. In dem einen geschieht ein Mord, in dem anderen beobachtet eine Frau diesen Mord. Zufälligerweise hat diese Frau, Mrs McGillycuddy, eine gute Freundin namens Jane Marple, die ihrer Geschichte Glauben schenkt. Wer ist der Mörder? Und vor allem: Wo ist die Leiche? Nachdem der Zug angehalten hat, durchsucht die Polizei diesen erfolglos.

    Protagonisten

    Miss Marple spielt in diesem Roman keine große, aber eine entscheidende Rolle. Aufgrund ihrer Gebrechlichkeit hat sie sich eine junge Partnerin zur Seite gestellt, Lucy Eyelesbarrow, die vor Ort ermittelt und ihre Ergebnisse an Miss Marple übermittelt. Lucy ist sympathisch, aufrichtig und intelligent.

    Mrs McGillycuddy hat schon allein für ihren niedlichen Namen einen Platz im Leserherz verdient. Eigentlich wäre >Gillycuddy< auch ein schöner Haustiername, oder? -Für in flauschiges Kätzchen, einen kleinen Terrier oder ein zutrauliches Kaninchen? :D

    Aufgrund der Perspektivwechsel lernt der Leser noch viele weitere Personen kennen -von denen einer der Mörder ist.

    Meinung

    Bis zur Auflösung des Falls hatte ich keine Ahnung, wer der Mörder ist. Christie hat es meisterhaft geschafft, mich durch Perspektivwechsel und Finten abzulenken. Diese Art, den Leser zu unterhalten, vermisse ich in heutigen Thrillern und Krimis.

    Autorin

    Agatha Christie, die Queen of Crime (1890-1976), wurde mit ihrer Miss-Marple-Reihe weltberühmt. 1930 erschien der erste Band der Reihe: Mord im Pfarrhaus. In den Jahren danach erschienen 12 weitere spannende Fälle. Die Bände können alle unabhängig voneinander gelesen werden.

    Fischer-Klassik-Ausgabe

    Ich mag diese Ausgaben -optisch, haptisch und inhaltlich. Das Werk ist gut aufgearbeitet, im Anhang findet sich ein Kommentar, ein Lebenslauf von Agatha Christie und der Werkbeitrag über Christies schriftstellerisches Erbe aus dem Kindler. Ich bin besonders froh über den Kommentar mit den Filmadaptionen -sehr hilfreich. Nicht in jeder Ausgabe bei Fischer Klassik gibt es einen solchen Zusatzkommentar.

    Filmadaptionen

    Wenn es nicht das Buch sein soll, lässt sich ein spannender und unterhaltsamer Abend auch mit einer filmischen Umsetzung ganz gemütlich auf der Couch verbringen. Popcorn gefällig? Aber nicht verschlucken! In der Fischer-Klassik-Ausgabe werden zwei Filme vorgeschlagen. „Murder, she said“ von 1962 mit Margaret Rutherford als Miss Marple, welcher, laut Anmerkungen der Ausgabe, von Agatha Christie nicht gemocht wurde, da Margaret Rutherford so gar nicht ihrer Vorstellung der gebrechlichen Miss Marple entsprach.

    Der zweite Filmtipp, der sich näher ans Buch hält, ist von 1988 und Teil einer BBC Produktion mit 12 Filmen. Joan Hickson spielt Miss Marple. Nicht zu verwechseln mit der britischen ITV-Produktion, denn bei meiner Recherche bin ich auch noch auf einen dritten Film von 2004 gestoßen. „16:50 Uhr ab Paddington“ ist die vierte Folge einer Serien namens „Agatha Christie’s Marple“. Die Serie hat sehr gute Bewertungen und scheint sich ganz gut an der Grundstory zu orientieren. Miss Marple wird hier von Geraldine MyEwan verkörpert, jedenfalls in den ersten drei Staffeln, für die letzten drei übernimmt Julia McKenzie.

    So viele Verfilmungen…Die Qual der Wahl…und dann hat der Streamingdienstanbieter meines Vertrauens nicht einen einzigen im Programm…So ein Mist aber auch

     

    Fazit

    16 UHR 50 AB PADDINGTON von Agatha Christie ist ein unvorhersehbarer Cosy-Krimi der alten Schule -spannend, amüsant, unterhaltsam. Ein vorbeifahrender Zug, ein Mord, eine Familie – Wer ist der Mörder? Spannung bei jedem (Atem-)Zug garantiert!

     

    16 UHR 50 AB PADDINGTON| Agatha Christie| 1957| Fischer Taschenbuch Verlag| Fischer Klassik| 2013| 272 Seiten| 7,99€

  8. Cover des Buches Die Zeit, die Zeit (ISBN: 9783257242614)
    Martin Suter

    Die Zeit, die Zeit

     (218)
    Aktuelle Rezension von: rose7474

    Dies war der erste Roman, den ich von Martin Suter gelesen habe und es wird nicht der letzte sein. Der Schreibstil gefiel mir sehr gut. Leider teilweise etwas langatmig und das Ende war ziemlich kurios. Daher vergebe ich 3 1/2 Sterne. 

  9. Cover des Buches Manche Mädchen müssen sterben (ISBN: 9783764530693)
    Jessica Warman

    Manche Mädchen müssen sterben

     (152)
    Aktuelle Rezension von: Stinsome
    Worum geht es?

    Liz kann sich nicht beklagen: Sie hat alles. Vor allem einen wunderbaren Freund und einen Platz ganz oben auf der Beliebtheitsskala ihrer Schule. Aber sie stirbt und auf einmal ist sie als Geist imstande, in Erinnerungen einzutauchen und die Lebenden in ihrer Trauer – und bei ihren Geheimnissen – zu beobachten. Jedoch kann sie sich nur noch an winzige Details ihres Lebens erinnern, alles Wichtige ist weg, vor allem die Nacht, in der sie starb. Die einzige Person, mit der sie sprechen kann und die ihr mitteilt, dass ihre Erinnerungen nach und nach wiederkommen werden, ist Alex – ein Junge, der auf ihre Schule ging und vor sechs Monaten starb. Aber warum macht Alex den Eindruck, als könne er sie nicht leiden – ja, als würde er sie sogar hassen? Liz muss sich ihren Erinnerungen stellen und dabei feststellen, dass sie vielleicht nicht der gute Mensch war, für den sie sich hielt …

    Meine Meinung

    Ich war zu Beginn des Buches ein klein wenig skeptisch. Ich denke, das kann mir keiner verdenken, denn die Protagonistin entpuppt sich innerhalb weniger Seiten als unglaublich oberflächlich. Ich habe mich gefragt, wie ich es bewerkstelligen soll, mich über 400 Seiten mit einer Protagonistin zu identifizieren, die sich sogar nach ihrem Tod noch über Geld und ihren Beliebtheitsstatus definiert. Aber diese Oberflächlichkeit war so demonstrativ zur Schau gestellt, dass mir klar war, das wird sich so nicht bis zum Ende halten – und so gab ich diesem Buch eine Chance. Zum Glück.

    Nach anfänglicher Skepsis habe ich mich in den Schreibstil der Autorin verliebt. Jessica Warman vollbringt es, eine Geschichte so bildhaft und eindrucksvoll zu erzählen, dass ich mich fühlte, als würde ich einen Film schauen. Ich sah die einzelnen Szenen vor meinem geistigen Auge, fühlte mich, als würde ich neben Liz (und Alex) stehen, in ihre Erinnerungen eintauchen oder ihre Liebsten in der Gegenwart begleiten. Und auch in den weniger schönen Momenten hatte ich das Gefühl, hautnah dabei zu sein.

    Wegen dieses Kopfkino-Schreibstils klebte ich an den Seiten. Ich habe mich in keiner Szene gelangweilt, sondern die glücklichen Momente in mich aufgesogen, während ich in den schrecklichen, unbehaglichen und bedrückenden Szenen mitgefiebert habe, weil ich wissen wollte, wie Liz gestorben ist. War es wirklich ein Unfall oder doch … Mord? Haben ihre Freunde etwas damit zu tun?

    Die Geschichte, die uns Jessica Warman so bildgewaltig erzählt, geht aber über die bloße Frage nach den Geschehnissen um Liz‘ Tod weit hinaus. All das ist in einen viel größeren Zusammenhang eingebettet und mit jeder Erinnerung fügt sich eines der vielen Puzzleteile an seinen Platz. Immer wieder kommen neue Aspekte auf, die ein ganz anderes Bild ergeben und alle bisherigen Vermutungen über den Haufen werfen. Man kann zu Beginn des Buches gar nicht erahnen, wohin sich alles entwickeln wird, denn dafür ist das Bild noch viel zu unvollständig.

    Trotzdem gab es – sagen wir nach der Hälfte des Buches – einen Punkt, als sich langsam eine Ahnung in meinem Kopf manifestierte, die mir zumindest die eine Auflösung (denn es gibt zwei große „Twists“) vorwegnahm. Die Autorin legte zu offensichtliche Hinweise, die man als Leser schnell richtig deutet, wenn man eins und eins zusammenzählen kann. Das schmälerte dennoch nicht die Wucht der Emotionen, die auf mich einprasselten, als Liz endlich in besagte Erinnerung eintauchte. Ich glaube sogar, gerade wenn man weiß, was einen im Laufe dieser Erinnerung erwartet, entfaltet dieser Moment überhaupt erst seine bedrohliche, erdrückende Wirkung.

    Was den anderen großen Twist angeht, so lässt sich dieser wohl auch erahnen. Ich war jedenfalls nicht überrascht. Zwar sind die Hinweise diesbezüglich etwas rarer gesät, aber man kann es dennoch kommen sehen, wenn man von Anfang an aufmerksam gelesen hat. Normalerweise enttäuscht es mich sehr, wenn ich Twists kommen sehe, aber hier hielt sich meine Enttäuschung in Grenzen. Dafür ist die Geschichte zu komplex, zu durchdacht, zu bewegend und zu erschütternd. Sie vermag es, auch ohne Überraschungseffekt zu schockieren und dem Leser vielleicht sogar – wie mir – eine Träne zu entlocken, denn letztendlich darf man nicht vergessen: Unsere Protagonistin ist tot. Kann es da überhaupt ein Happy End geben?

    Was ich mir vom Ende erhoffte, war eine 180-Grad-Wendung der Protagonistin, die zu Beginn wirklich nicht durch ihr nettes Wesen glänzt. Da ist dieser Junge bei ihr, Alex, der auf ihre Schule ging und vor sechs Monaten gestorben ist – und er ist unbeliebt, alles andere als reich und hat fast keine Freunde. Liz hätte sich vor ihrem Tod nicht im Traum mit jemandem wie ihm abgegeben und das lässt sie ihn auch deutlich spüren. Dadurch war ich ihr gegenüber sehr skeptisch, aber ich ging stark davon aus, dass hier ihre Charakterentwicklung ansetzt. Aber so einfach ist es nicht. Liz‘ Erinnerungen zeigen, wie scheußlich sie sich benommen hat, was für ein schlechter Mensch sie sein konnte, aber wir sehen auch andere Seiten, die zum Nachdenken bringen, ihre Weste aber auch nicht auf einmal weiß färben.

    »Mir wird bewusst, dass der Charakter eines Menschen niemals nur schwarz und weiß ist. Da ist immer auch noch jede Menge grau.« (S. 375)

    Ich würde Liz nicht als Freundin haben wollen, aber ich habe doch mit ihr mitgefühlt und geweint. Und das muss man als Autor erstmal schaffen.

    Ein Aspekt hat mich aber tatsächlich überrascht: die Liebesgeschichte. Es ist eine Seelenverwandtschaft, die wahre Liebe, die mich nicht nur einmal zum Lächeln und auch zum Weinen gebracht hat. Die mich erst traurig und dann wieder glücklich gemacht hat. Aber – ohne zu viel verraten zu wollen – sie war nicht so, wie ich sie erwartet habe. Und darüber bin ich wirklich froh.

    Fazit

    Eine spannende, gut durchdachte und vielschichtige Geschichte, bildgewaltig und erschütternd erzählt, sodass der Leser in einigen Momenten von einer gewaltigen Flut an verschiedensten Emotionen überrollt wird: Grauen, Schock, Glück, Freude, Wehmut. Kommt ohne große Überraschungen, aber doch mit ausgeklügelten, spannenden Twists daher und lässt den Leser nachdenklich zurück. 4 Sterne.

  10. Cover des Buches Die Beobachterin (ISBN: 9783328100430)
    Caroline Eriksson

    Die Beobachterin

     (46)
    Aktuelle Rezension von: CarinaElena

    Ich hatte mir das Buch für eine Instagram Lesenacht ausgesucht und war guter Dinge. Cover super, Klapptext interessant - alles stimmig ... aber nach den ersten Seiten merkte ich schon das mir der Schreibstil nicht gefällt.

    Elena ist freiberuflich als Autorin tätig und hat sich kürzlich von ihrem Ehemann Peter getrennt. Das Haus verlässt sie so gut wie nie, außer wenn sie Freitags zu Ihrer Schwester "Lasagne" Essen geht ;)

    Mir kommt sie so vor als wäre sie depressiv und schottet sich von allem und jeden ab und erst als sie anfängt ihre Nachbarn zu beobachten, fängt sie an wieder "aufzublühen". Sie entwickelt eine richtige Obsession und ist davon überzeugt das bald etwas schlimmes passieren wird.

    Das Buch ist in der Ich-Form geschrieben und mir persönlich zu detailreich an unnötigen Stellen: z.B wie der Wein eingeschüttet wird, wer Wein trinkt, das der Wein aus dem Tetra Pack kommt  ... und auch an anderen Stellen merkt man es. Die Geschichte an sich fand ich gut, allerdings nichts Neues, hat man alles schonmal gelesen. 

    Ein Stern vergebe ich wirklich sehr selten, dann muss ein Buch schon richtig schlecht gewesen sein, aber mehr als 2,5 Sterne (angegeben als 3) kann ich nicht vergeben

  11. Cover des Buches Abbitte (ISBN: 9783257261189)
    Ian McEwan

    Abbitte

     (871)
    Aktuelle Rezension von: ECKIX

    Was ist Wahrheit? 

    In einem Roman sicherlich dasjenige, was der Autor seinen Lesern als Wahrheit weismachen will. Das weiß auch die 77-jährige Briony Tallis, die (erst) im letzten Kapitel dieses Buches zu Worte kommt. Die drei Teile zuvor spielen im London der 1930-er Jahre sowie in dem französischen Dünkirchen 1940. 

    Eine kurze kindliche Beobachtung der jungen Briony ist es, die das Leben ihrer Schwester Cecilia und deren Freund Robbie dramatisch verändert. Briony lebt in ihrer eigenen Welt, begann früh mit dem Schreiben von Theaterstücken. Und so kommt es dazu, dass sie einer Beobachtung Schlussfolgerungen andichtet, die sie gar nicht hätte ziehen können. Aufgrund von Brionys Aussage wird Robbie fälschlicherweise wegen Vergewaltigung verurteilt. Er sitzt im Gefängnis ein, bis er in den Krieg zieht. Sein dort erlittenes Schicksal und das tragische Ende der Liebe zwischen ihm und Cecilia werden erst gegen Ende des Buches klar. Briony hingegen lebt mit ihrer Schuld und kann diese nicht durch ein gänzlich anderes als zunächst geplantes Leben wieder gutmachen. 

    Ein interessantes Buch darüber, wie Autoren es gelingen kann, subjektive Empfindungen und Wahrnehmungen der Charaktere den Lesern als objektive Wahrheit darstellen zu können. Der erste Teil gefiel mir allerdings nicht so gut. Ich möchte ihn mit einem Zitat aus dem dritten Teil beschreiben: „Dutzende Seiten über Licht, Stein und Wasser, eine in drei Perspektiven aufgeteilte, in der Schwebe gehaltene Erzählung, in der so gut wie nichts passierte (...).“ Wie sich die einzelnen Teile des Buches jedoch letztlich zusammenfügen, ist beeindruckend und gefiel mir gut. Insgesamt 4 von 5 Sternen.

  12. Cover des Buches Die Profilerin - Die Furcht in deinen Augen (ISBN: 9783732542178)
    Dania Dicken

    Die Profilerin - Die Furcht in deinen Augen

     (39)
    Aktuelle Rezension von: Elenas-ZeilenZauber

    ‘*‘ Meine Meinung ‘*‘
     Da ich durch den Klappentext bereits wusste, dass Julie unversehrt nach Hause kommt, war die Suche nach ihr nicht wirklich spannend. Aber da wird zum Glück recht kurz abgehandelt. Was mich aber total gestört hat … halt!

    !!! SPOILER !!!
    Als Andrea und Julie als Geisel genommen werden, wird zwar der Hund erwähnt, aber mehr nicht. Es wird nicht einmal davon geschrieben, dass Andrea oder Julie sagen, dass der Hund raus muss. Es wird nie erwähnt, dass der Hund in die Wohnung gepieselt und gekackt hat und dass es deswegen stinkt. Sorry, Dania, aber DAS ist echt daneben. Wenn schon ein Hund in der Handlung vorhanden ist, dann sollte er auch korrekt behandelt und nicht einfach ignoriert werden. Also das bin ich besser von dir gewohnt.
     !!! SPOILER !!!

    Kommen wir zurück zum offiziellen Teil. Die Suche nach den Terroristen läuft gut, doch dann wird es vorhersehbar. Schade, auch da bin ich spannenderes von Dicken gewohnt. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass die Luft raus ist. Wenigstens geht es zum Abschluss noch mal hoch her und es gibt die eine oder andere Wendung, die mich dann doch überrascht hat.
     Der Schreibstil ist gewohnt locker-leicht. Es fällt mir schwer, aber dieser Band erhält von mir nur 3 Furcht-Sterne.

    ‘*‘ Klappentext ‘*‘
     Als ihre zehnjährige Tochter Julie nicht nach Hause kommt und auch die Suche nach dem Mädchen erfolglos bleibt, befürchten Profilerin Andrea und ihr Mann Gregory schon das Schlimmste. Doch dann steht Julie plötzlich scheinbar unversehrt vor der Tür - Andrea und Greg sind überglücklich und versuchen herauszufinden, wo ihre Tochter war. Bald schon stellt sich heraus, dass das junge Mädchen die Vorbereitungen eines Terroranschlags beobachtet hat. Was aber haben die Männer, die Julie in ihrer Gewalt hatten, wirklich vor? Für Andrea und ihr Team beginnt eine gefährliche Spurensuche ...

  13. Cover des Buches The Woman in the Window - Was hat sie wirklich gesehen? (ISBN: 9783734108327)
    A. J. Finn

    The Woman in the Window - Was hat sie wirklich gesehen?

     (277)
    Aktuelle Rezension von: maren91

    Anna Fox lebt in einem großen Haus mitten in Manhattan alleine, nach einem traumatischen Erlebnis traut sie sich nicht mehr ihre vier Wände zu verlassen. Ihre Zeit verbringt sie mit alten Filmen, Wein und dem Beobachten ihrer Nachbarn. Kurze Zeit nach dem Einzug ihrer neuen Nachbarn wird sie Zeuge eines schrecklichen Überfalls. Doch wie kann sie helfen, wenn sie das Haus nicht verlässt…?

    Der Schreibstil ist einfach gehalten und angenehm zu lesen. Die Kapitel sind kurz und es gibt einige leere Seiten. Die 540 Seiten lassen sich also schnell lesen. ABER….

    …ich fand Anna Fox gar nicht sympathisch und konnte aus diesem Grund auch nicht mit ihr mitfühlen. Die Ausgangssituation des Buches hatte viel Potential und es gibt auch spannende und packende Stellen, leider überwiegen für mich die Längen in denen mir zu wenig passiert.

    Anschliessend habe ich den Film auf Netflix geschaut, der sehr nah am Buch ist. Beides kann ich leider nicht vollends empfehlen.

  14. Cover des Buches Theo (ISBN: 9783552061408)
    Daniel Glattauer

    Theo

     (120)
    Aktuelle Rezension von: peedee
    Wer ist Theo? Der Neffe des Autors Daniel Glattauer. Bei Theos Geburt fasste der stolze Onkel den Entschluss, das Kind beim Aufwachsen zu beobachten und jährlich ein Porträt über ihn zu schreiben. Als Theo 14 Jahre alt ist, endet das Projekt und er führt eine Revanche-Interwiew mit seinem Onkel.

    Erster Eindruck: Ein schlichtes Cover mit einem gezeichneten Kind; auffällig durch die grüne Farbe.

    Dies war mein fünftes Buch von Daniel Glattauer – schon der Einstieg hat mich sehr amüsiert: „Als ich Theo kennenlernte, war er ein aussergewöhnlich kleiner Mensch. Er lag im Brutkasten, mass 47,5 Zentimeter Länge und behauptete 2‘570 Gramm Körpergewicht. Neugeborener ging es nicht.“ Klein Theo, das Wunschkind, kommt zu früh auf die Welt. Die Schwangerschaft selbst war angenehm, er reiste im fünften Monat sogar noch mit seiner Mutter, die als Ärztin arbeitet, nach Griechenland. Sie blieben dort drei Wochen. Es war nicht so aufregend.
    Sehr viele Kinder beherrschen das Weinen auf Abruf – so auch Theo: „Tränen sind für ihn Perlen der Taktik. Sie stehen auf Abruf bereit, treten blitzartig und kerzengerade aus den Augen und trocknen in Bruchteilen von Sekunden, wenn sie überflüssig geworden sind.“ Das Wort „Nein“ findet er – ebenso wie alle Gleichaltrigen – völlig unmöglich. Er würde ja nicht extra etwas verlangen, wenn er es nicht unbedingt bräuchte, oder? Also.
    Es gab wirklich viele sehr kurzweilige Passagen, so heisst z.B. die weitverbreitetste Rasse der Hunde „Der tut dir nix“. Klar. Sandkasten findet er doof (man wird „tmutzig“ – er hat Probleme mit „sch“), beim Spielen zu verlieren kann er nicht leiden. Ferraris sind toll, Mädchen überhaupt nicht.
    Wenn Theo findet, ein Thema sei nun ausreichend erörtert, sagt er schlicht „Genug.“. Wer nochmals nachhakt, dem wiederholt er mit mehr Vehemenz „Genug!“ und verlässt dann den Ort des Geschehens – die Erwachsenen begreifen ja so gar nichts!

    Es ist wahrlich nicht leicht, ein Kind zu sein… Das Buch hat sich flüssig lesen lassen und ich musste auch immer wieder mal lachen, aber ein paar Seiten früher aufzuhören, hätte dem Buch nicht geschadet. Ich zitiere hier abschliessend nochmals Theo: „Genug“!
  15. Cover des Buches Ein Regenschirm für diesen Tag (ISBN: 9783423130721)
    Wilhelm Genazino

    Ein Regenschirm für diesen Tag

     (137)
    Aktuelle Rezension von: YaseminNoel
    Der Luxusschuhtester ohne Namen philosophiert  mit neuen Schuhen an den Füssen, als Ich-Erzähler über das Leben, seine verflossenen Liebschaften und seine ungenehmigte Teilhabe am Leben.
    Diese Geschichte ist so absurd philosophisch und doch so alltäglich, dass ich nach anfänglicher Verwunderung immer mehr lachen musste. Ich habe die 174 Seiten einfach durchgelesen und fühlte mich dabei erstaunlich gut unterhalten. Obwohl die Geschichte keinen Anfang, kein Ende und ansonsten auch keinen erkennbaren roten Faden besitzt, hat mich Genzianos Beobachtungsgabe überrumpelt. Mir fallen nun Begebenheiten in meinem täglichen Leben auf, die ich zuvor nicht gesehen habe. Was kann ein Buch mehr erreichen?
  16. Cover des Buches Tausend Zeilen Lüge (ISBN: 9783737100861)
    Juan Moreno

    Tausend Zeilen Lüge

     (22)
    Aktuelle Rezension von: dominona

    Er bekommt massenweise Preise, weil sich seine Reportagen eben wie das echte Leben lesen, so spannend und berührend, nur sind sie das nicht, also echt, denn Claas Relotius hat einen Großteil seiner Reportagen nur erfunden und dieses Buch zeigt, sie sein Kollege, der Autor Juan Moreno den Skandal aufdeckte.

    Das Buch zeigt die Schwächen des Journalismus und die Gefahren, die auch eine renommierte Zeitung wie der Spiegel nicht leugnen kann. Alles ist schlüssig, aber gleichzeitig spannend aufgebaut und der Autor versucht ehrlich und schonungslos auch sich selbst gegenüber zu sein. 

    Mir wurde beim Lesen immer mulmiger, weil auch ich nicht wusste, wie dreist jemand lügen kann. Ich habe selten so oft den Kopf beim Lesen geschüttelt und lege es jedem ans Herz, der sich für Journalismus oder Betrugsmaschen (nicht, um sie selbst durchzuführen)  interessiert. 

  17. Cover des Buches Die Enden der Welt (ISBN: 9783596512232)
    Roger Willemsen

    Die Enden der Welt

     (87)
    Aktuelle Rezension von: MaternaKuhn

    Der erste Roger Willemsen. Die Eröffnung einer neuen Dimension des Lesens. Willemsen reist an die Enden der Welt. Neben den naheliegenden, vermeintlich geografischen Enden der Welt wie Patagonien, dem Himalaya und dem Nordpol sind es aber auch emotionale Enden der Welt, an die Willemsen reist - ein Bordell in Bombay, eine Totenfeier auf Tonga, ein Opium-Rausch im Golden Triangle. Obwohl die Enden der Welt für Roger Willemsen allesamt am wenigsten geografischen Orte sind, sondern extreme Situationen und Begebenheiten denen er sich aussetzt, um das zu erfahren, was „dahinter“ liegt. 

    Wer in den Enden der Welt einen konventionellen Reisebericht sucht, wird sicherlich enttäuscht werden, denn Roger Willemsen sehnt sich danach, Menschen, Landschaften, Kulturen und Riten zu durchdringen und zwar auf einer diffizilen Wahrnehmungsebene, die den Leser sprachlos macht. Willemsen beherrscht es, die Dinge auf so vielen Ebenen zu erfühlen und diese Reflexionen in eine Sprache zu gießen, die einem fassungslose Bewunderung abringt. Die Orte, die Willemsen bereist, sind Orte, die eine besondere Mystik, eine herausfordernde Atmosphäre und irgendwo auch einen Grenzbereich zwischen Leben und Tod darstellen - letzteres etwas, das sich durch das gesamte Buch zieht. 

    Wer nach einer anspruchsvollen Lektüre sucht, die einen zum Nachdenken anregt, die an Schauplätzen rund um diese Erde spielt, die einen in die Wahrnehmungswelten einer außergewöhnlich reflektierten Persönlichkeit mit einer unglaublichen Sprachakrobatik entführt, der wird große Freude an diesem Buch haben.


  18. Cover des Buches Mrs. Dalloway (ISBN: 9783649636229)
    Virginia Woolf

    Mrs. Dalloway

     (219)
    Aktuelle Rezension von: sKnaerzle

    Handlung gibt es zunächst keine. Ein beliebiger Junitag, nach dem ersten Weltkrieg in London und die Menschen verbringen ihr ziemlich alltägliches Leben mit ziemlich alltäglichen Dingen.

    Die Handlung wird zudem im Bewusstseinsstrom der Hauptpersonen dargestellt, was ziemlich abrupte Gedankensprünge bedeutet, und dass man sich die Handlung ziemlich zusammenpuzzeln muss .

    Puzzeln muss man auch, wegen der vielen Motive, die sich in ganz anderen Zusammenhängen wiederholen - Hunde, Busfahrten, Wälder, ein Hauch aus der Vorzeit und als unübersehbares Leitmotiv die Glocke von Big Ben. Diese Motive verbinden Personen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben und schaffen so etwas wie ein unsichtbares komplisiertes Netz.

    Neben der Gegenwartshandlung gibt es noch die Erinnerung an die Jugend der wichtigsten Personen, die gemeinsam voll Überschwang und Enthusiasmus ihr Leben begannen. Diese Erinnerungen werden noch weniger Linear erzählt, sie werden in den Gedankenströmen verschiedner Persone in Bruchstücken geschildert.Jetzt sind die Hauptpersonen über 50, älter, kränker und müssen sich damit abfinden, dass die meisten Träume sich nicht erfüllt haben. Aber diese Erinnerungen sind für Mrs. Dalloway so strahlend, dass sie den Alltag für Augenblicke verzaubern können.

    Es ist ein anstrengendes Buch, aber mir macht es Spaß, korrespondierende Themen zu finden und Bücher, die man nicht ganz versteht, liefern viel mehr Stoff zum Nachdenken


  19. Cover des Buches Es ist nie zu spät für alles (ISBN: 9783596511907)
    Kajsa Ingemarsson

    Es ist nie zu spät für alles

     (160)
    Aktuelle Rezension von: elycalxa
    Drei Frauen leben in einer Straße. Alle drei haben ein anderes Schicksal, doch sie halten zusammen und helfen sich . 
  20. Cover des Buches Die sterblich Verliebten (ISBN: 9783596194773)
    Javier Marías

    Die sterblich Verliebten

     (57)
    Aktuelle Rezension von: jenvo82
    Ein empathischer Roman voller Lebensweisheiten und philosophischer Grundsatzfragen über die zwei großen Themen – Liebe und Tod. Mariá, die Hauptprotagonistin bewundert aus der Ferne die anscheinend perfekte Ehe zwischen Luisa und Miguel, die durch die brutale Ermordung des Mannes ein jähes Ende findet. Wenig später verliebt sie sich selbst in den besten Freund des einstigen Ehepaares und beginnt mit ihm eine unverbindliche Beziehung. Schmerzlich muss sie feststellen, dass ihr Geliebter nur auf Luisa wartet und in ihr selbst nur einen willkommenen Zeitvertreib sieht. Als sie schließlich ein Gespräch belauscht, wird ihr das ganze Ausmaß des vermeintlichen Unfalls klar und sie muss sich mit ihrem Gewissen auseinandersetzen. Das Buch liefert ein eindringliches Resümee über allerlei Beziehungskisten, liest sich aber nicht nebenbei, da man jedes Wort nochmals überdenken möchte. Auf gut 400 Seiten passiert kaum etwas, die Gedanken bleiben im Keim stecken oder wiederholen sich in langatmigen Sätzen – definitiv Geschmacksache.
  21. Cover des Buches Reif für die Insel (ISBN: 9783442465965)
    Bill Bryson

    Reif für die Insel

     (150)
    Aktuelle Rezension von: -nicole-
    Bevor Bill Bryson mit seiner Familie zurück in seine Heimat Amerika zieht, bereist er nochmal für ein paar Wochen Großbritannien - Die Insel, die er im Jahre 1973 zum ersten Mal besucht hat und schließlich dort geblieben ist. Wie damals, vor 21 Jahren, beginnt seine Reise am Hafen von Calais und staunt daher nicht schlecht, als er das veränderte Dover wiedersieht. Brysons Reise geht weiter über London, danach quer durch Land bis weit hinauf in den Norden. Das Land, was er in den vergangenen so lieben gelernt hat, überrascht ihn immer noch mit so manch Skurilem, aber auch mit vielen Sehenswürdigkeiten. Eine große Reise, auf der den Autor so manches Abenteuer erwartet.

    "Ich verstehe nie, wieso die Londoner nicht begreifen, dass sie in der wunderbarsten Stadt der Welt leben." - Seite 39, eBook

    Bill Bryson listet in seinem besonderen England-Reiseführer neben Sehenswürdigkeiten und Nichtsehenswürdigkeiten auch Besonderheiten auf, wie etwa das Abenteuer U-Bahn fahren in London. In keiner anderen Metropole haben die Bahnhöfe so wunderbar phantasievolle Namen. Bevor er nun nach vielen Jahren zusammen mit seiner englischen Frau in die USA zurückkehrt, bereist er noch einmal die Insel. Im Prolog schildert Bryson seine ersten Momente, als er im Jahre 1973 zum ersten Mal in Dover die Insel betritt. Neben interessanten Fakten listet er auch immer wieder Dinge auf, die den Leser zum Schmunzeln bringen.

    "Aus Gründen, die sich ebenfalls einer rationalen Erklärung entziehen, gibt British Rail die Zielorte vorne am Zug an, was schrecklich praktisch wäre, wenn die Fahrgäste auf den Schienen sitzend warten würden, aber vielleicht nicht so ideal für die ist, die von der Seite einsteigen." -Seite 125, eBook

    "Was für ein herrliches Land - total bekloppt natürlich, aber über die Maßen hinreißend." - Seite 321, eBook

    Mein Fazit: Ein humorvoller und sehr interessanter Reisebericht. Bill Bryson beschreibt hier viele Orte, Verhaltensweisen der Engländer oder auch Alltägliches mit seinem ganz eigenen Charme. So sehr er sich beispielsweise über die englischen Parkhäuser aufregt, so toll sind für ihn die vielen Londoner Parks und beeindruckenden Landschaften. Da ich England und ganz besonders London sehr mag, hat es mir Spaß gemacht, diesen speziellen Reiseführer zu lesen. Eine wunderbare Mischung aus interessanten Fakten und humorvollen Anekdoten. Ich bin nun sehr gespannt auf den Nachfolger "It's teatime, my dear".
  22. Cover des Buches Orlando (ISBN: 9783458175384)
    Virginia Woolf

    Orlando

     (96)
    Aktuelle Rezension von: Beust

    Ich habe keine Angst vor Virginia Woolf. Aber mit ihrem Namen verbinden sich ein paar kraftvolle Assoziationen. Wahrscheinlich lag es an meinen mangelnden Vorkenntnissen, meinen seltsamen Vorurteilen, dass mich „Orlando“ enttäuscht hat.

    Woolf erzählt die Geschichte des Landadligen Orlando im elisabethanischen England, der schwer in sich und die Natur verliebt ist, sich für die Frauen - vor allem die stürmische Sasha - interessiert und für die Literatur, ja sogar selbst poetische Ergüsse fabriziert; derer schämt er sich später, als ein bösartiger Kritiker sie zu Gesicht bekommt, weshalb Orlando alle vernichtet bis auf den ‚Eichenbaum‘. Erst von der Welt enttäuscht, dann wider ihr zugewandt sogar Gesandter am Hof in Istanbul wird. Die blutige Revolte in der Stadt verschläft Orlando in einem rätselhaften siebentägigen Schlaf, aus dem er als Frau erwacht. Orlando reist wieder heimwärts und erlebt einige Abenteuer - bei den Zigeunern und auf See -, in denen  die Ambivalenz schon aufscheint, dass Orlando nun in einem Frauenkörper steckt, aber ein Vorleben als Mann besitzt. Daheim angekommen, muss sie um vor Gericht ihr Erbe kämpfen, da sie für tot erklärt war und für einen Mann gehalten worden ist, es gelingt ihr aber, den Sitz ihrer Ahnen wieder zurückzuerhalten. Orlando sucht die Nähe von Literaten ihrer Zeit, spricht viel über Literatur und was sie bedeutet. Und immer wieder erprobt sie sich als Frau in einer Männerwelt oder als Frau gegenüber Frauen. Besonders intensiv erlebt sie die Beziehung mit ihrem späteren gatten, dem Kapitän Marmaduke Bonthrop Shelmerdine, in dem sie dessen weiblichen Seiten erkennt. Am Ende des Romans ist Orlando eine weitestgehend ungebundene, selbstbewusste Frau, die sie immer gewesen ist, die mit ihrem gereiften ‚Eichenbaum‘ immerhin zu den ernsthaften Literaturschaffenden gezählt wird und die - mit der Zeit gehend - die Fahrt mit ihrem Automobil schätzt.

    Und überhaupt: die Zeit. Der Roman spannt sich vom elisabethanischen England bis in das Jahr 1928, in dem „Orlando“ erschienen ist, ohne im wesentlichen das Älterwerden Orlandos zu thematisieren, Auch andere Figuren - etwa der Kritiker Greene - leben die Jahrhunderte, was weder erklärt noch hinterfragt wird. Die Jahre ist aufgehoben, es gilt nur ein Vorher und Nachher, denn Woolf benötigt die Jahrhunderte, um Orlando in ihnen die beiden großen Anliegen spiegeln zu lassen, um die es geht: um die Stellung der Frau (in der Gesellschaft und zu sich) und die Literatur.

    Wie Orlando als Frau denkt, sich vom Mannsein in das Frausein bewegt (und wieder zurück, zumindest gedanklich); wie sie Unterschiede entdeckt, Grenzen berührt und überschreitet, Geschlechterspezifisches erkennt, benennt und übersteigt - das sind die starken Momente dieses ansonsten leider arg in die Jahre gekommenen Romans. Hier verbirgt sich der zeitlose Wert „Orlando“ hinter einer Sprache, die altertümlich wirkt (meine deutsche Ausgabe ist von 1964) und heutige Leser wohl nicht mehr erreicht. Die Gedanken über die Literatur hingegen haben mit ihren Namen Staub angesetzt, auch wenn bis heute gilt, was am Schreiben das Schwierigste ist: „Das Leben? Die Literatur? Eins ins andere zu verwandeln?“ (S. 253)

    Auf mich wirkte „Orlando“ nicht mehr wie in Literatur verwandeltes Leben, weshalb ich, der ich mit großen Erwartungen in die Lektüre gestartet war, in folgendem Satz auf der letzten Seite die Figur Orlando selbst widererkannte: „Alles war erleuchtet, wie für die Ankunft einer toten Königin.“ (S. 292)


  23. Cover des Buches Holzfällen (ISBN: 9783518380239)
    Thomas Bernhard

    Holzfällen

     (113)
    Aktuelle Rezension von: HerrWellner
    Ich bin erst durch den Roman "Schwarzer Frost" auf Thomas Bernhard aufmerksam geworden, bezieht sich der Protagonist in dem Buch doch immer wieder auf Bernhard und Holzfällen bzw den Untergeheer (auch von Bernhard). Und in der Tat, der misanthropische Erzählstil, die kammerspielartige Gesamtsituation, die vielen Ausbrüche, die nicht selten einfach nur saukomisch sind - das hier ist fraglos das Original.
  24. Cover des Buches Das Geräusch einer Schnecke beim Essen (ISBN: 9783492307970)
    Elisabeth Tova Bailey

    Das Geräusch einer Schnecke beim Essen

     (122)
    Aktuelle Rezension von: Nadezhda

    Mich hat dieses kleine Buch sehr berührt. Die Mischung aus spannenden Beobachtungen rund um die Welt der Schnecke und ihrer Verhaltensweisen, verwoben mit den Betrachtungen über die zwangsentschleunigte Lebenssituation der Autorin, hat mich nachdenklich gestimmt und mal wieder daran erinnert, dass nicht primär Leistung ein Leben ausmacht, sondern dass es mindestens genauso wichtig ist, mit dem, was man ist, hat und kann, zufrieden zu sein. Wie die Autorin ihre krankheitsbedingten Grenzen zu akzeptieren lernt, verdient meinen größten Respekt.

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