Bücher mit dem Tag "berater"
18 Bücher
- Laura Kneidl
Die Krone der Dunkelheit
(603)Aktuelle Rezension von: Lara_32Die Krone der Dunkelheit bietet eine unterhaltsame Geschichte über die Prinzessin Freya, die sich gegen alle Regeln ihres Landes stellt. Sie benutzt ihre Magie, obwohl es in Thobria, das Land der Menschen verboten ist, und versucht im Laufe des Geschehens ihren Zwillingsbruder wiederzufinden, der schon als tot galt. Mit einem Suchzauber gelang es ihr seinen Aufenthalt in dem für sie verbotene Nachbarland der magischen Wesen und grausamen Kreaturen zu orten.
Der Roman bietet einen mehrere Eindrücke in den verschiedenen Lebensweisen der Charaktere, aufgrund der Schreibweise. So wechseln die Erzählungen zwischen Freya, die verzweifelt ihren Bruder sucht, Larkin der von Freya in das Geschehen verbunden wird, Ceylan, die ihren größten Traum als Wächterin erfüllen möchte und sogar dem Fae-Prinzen der gekrönt werden soll. All diese vielen Sichtweisen und Erzählungen der Charaktere geben den Roman seine Tiefe. Die Handlungen waren ebenso nachvollziehbar.
Trotz dessen fehlte mir der tiefere Einblick in die magische Welt und die mythologische Erklärung der Götter erschien mir ebenfalls zu kurz.
- Simon Beckett
Totenfang
(769)Aktuelle Rezension von: SternenstaubfeeBand 5 der Reihe rund um den forensischen Anthropologen David Hunter.
Diesmal führt es Hunter und den Leser in ein düsteres Sumpf- und Küstengebiet, wo eine Wasserleiche entdeckt wurde. Die Leiche ist stark verwest und Gliedmaßen fehlen. Ein kniffliger Fall für Hunter.
Ich mochte vor allem die düstere und beklemmende Atmosphäre, die sich hier durch die Geschichte zog. Es blieb immer spannend, es gab Wendungen und Überraschungen.
Eine sehr gute Buchreihe; ich freue mich auf den nächsten Band!
11.11.2025 - George R. R. Martin
A Clash of Kings
(286)Aktuelle Rezension von: Nicolai_LevinWie man’s macht, ist’s verkehrt: Im zweiten Band der Westeros-Saga hat George Martin vieles von dem, was ich am ersten Band bemäkelt habe, besser gemacht, und ich bin immer noch nicht so restlos zufrieden …
Worum geht’s? Nach dem Tod von König Robert Baratheon, regiert sein vermeintlicher Sohn Joff, der aber tatsächlich die Frucht der inzestuösen Beziehung von Königin Cersei mit ihrem Zwillingsbruder Jaime ist. Roberts Brüder Renly und Stannis erheben daher als legitime Erben Anspruch auf den Eisernen Thron, und die edelmütigen Starks ernennen den jungen Robb zum „König des Nordens“, zwar ohne Ambitionen darauf, alle Lande untertan zu machen, aber doch unabhängig und nicht bereit, das Knie vor den Lannisters zu beugen. Auch auf den Inseln im Westen erhebt sich der Lord zum König, während der letzte Spross der alten Dynastie, Daenerys, mit dem Klan ihres verstorbenen Mannes und drei Drachenbabys und einer ungewissen Zukunft durch die Wüsten des Ostens stolpert.
Positiv ist schon mal anzumerken, dass einige der Figuren an Profil und Tiefe gewinnen, und ich weit weniger als im ersten Band das Gefühl hatte, stumpfe Schachfiguren hin- und hergeschoben zu sehen. Catelyn Stark hat mir gefallen und auch der Schmuggler Davos, der neu im Reigen der Perspektivträger ist. Im kleinwüchsigen Tyrion Lannister hat George Martin erkennbar seinen Lieblingscharakter geschaffen, der witzig, klug, genussvoll und doch edelmütig sein darf. Auch die spirituelle Seite seiner Welt ergründen wir dieses Mal etwas tiefer; die schamanisch anmutende Waldreligion alter Zeit, der etablierte „Septen“-Glaube, der sehr schön ausgeführt und lebendig geschildert ist, bis hin zu einem durchaus glaubhaften Kirchenlied. Und dann die rebellische monotheistische Religion um den Herrn des Lichts, die Stannis aus Storm’s End mitbringt. Das fand ich unterhaltsam und richtig clever konzipiert und ausgeführt. Hier blitzt es mal auf, dass gute Fantasy uns eben mehr erzählt über den Menschen an sich als nur unterhaltendes Abenteuer. Schreibtheoretisch kann man sagen: Weltenbau machen und ökonomisch rüberbringen - das ist der fette Pluspunkt dieses Bandes.
Dafür - ich geniere mich fast, es zu sagen - fand ich die abenteuerhafte Handlung zwischenrein einfach nur zäh zu lesen. An einigen Stellen ist die Szenerie unangenehm überfrachtet - im ersten Drittel werden reichlich Schlachtpläne und Kriegstaktiken erörtert, und alle möglichen Namen von potentiellen Verbündeten und Gegnern in den Raum geworfen, denen man noch nicht begegnet ist und die einen (also: mich) ziemlich verwirren. Dann erscheinen uns jede Menge extensiver Traumsequenzen - offen gestanden, nicht so meins. Auch die seitenlange Parade an Ehrungen nach der Schlacht von King’s Landing, wo jeder Hauptmann seine Erwähnung kriegt, fand ich ermüdend. Erst ab der Hälfte des Buches kommt Schwung in die Handlung, auch wenn einzelne Perspektiven schon vorher actionreiche Szenen bieten konnten. Und Seeschlachten sind leider in Büchern immer öd zu lesen, da fehlt einfach die visuelle Pracht der Drei- und Viermaster mit ihren prallen Segeln und den geschnitzten Steuerrädern und Galionsfiguren, die das in Filmen herausreißt.
Eine wesentliche schreibtechnische Erkenntnis nehme ich von A Clash of Kings mit: Acht parallele Perspektiven mögen acht spannende und temporeiche Einzelgeschichten erzählen, wenn sich das nicht erkennbar einem gemeinschaftlichen Höhepunkt entgegenarbeitet, liest es sich bei aller Spannung im Detail in Summe doch mühsam und man hüpft eher unbefriedigt von Kapitel zu Kapitel. Das wird verschärft dadurch, dass die Handlung diesmal nicht nur von acht Perspektiven berichtet wird, sondern auch an acht unterschiedlichen Schauplätzen stattfindet, während sie sich im ersten Band wesentlich auf Winterfell und King’s Landing konzentrieren durfte. So kommt beim Lesen irgendwie der Eindruck auf, als habe man eine zerfledderte Sammlung von Abenteuergeschichten vor sich, die (zumindest in diesem Band) zu keinem Großen und Ganzen finden wollen.
- Esther Grau
Die wundersame Erkundung der Farbe Moll
(10)Aktuelle Rezension von: Roswitha_BoehmIch bin absolut keine Kunstkennerin - und daran auch offen gestanden eher wenig interessiert. Ein wenig zweifelte ich daher daran, ob dieses Buch überhaupt etwas für mich ist, da immer wieder von Gemälden und Bildern die Rede war. Letztlich war meine Neugierde jedoch größer - und das war gut so!
Stadtmensch unterwegs in der Natur. Wie verändert sich dieser? Kann die Natur eine beruhigende Wirkung haben und was passiert noch alles, wenn der Geist einfach mal schweifen kann, ganz ohne Leistungsdruck?
Es ist ein philosophisches Buch, welches versucht eine Antwort auf den Sinn des Lebens und der Frage was Glück eigentlich ist, zu finden. Heute brisante Themen, wie Leistungsdruck, Burnout,… werden behandelt, allerdings nicht sachlich, sondern äußerst gefühlvoll und auf Umwegen.
Die Autorin hat einen wirklich wunderbaren Schreibstil. Es hat richtig Spaß gemacht, einfach mal etwas so komplett anderes zu lesen.
- Raven Kennedy
The Darkest Gold – Die Verräterin
(343)Aktuelle Rezension von: anna1243.5
In der ersten Hälfte passiert nichts. Handlung ist quasi nicht vorhanden.
Auren als Hauptcharakter finde ich anstrengend. Aus ihrer Perspektive zu lesen ist auch eher wie die Gedanken einer 15 jährigen zu Verfolgen. Wenigstens hat sie in den letzten 3 Kapiteln doch noch etwas die Kurve bekommen.
Der Plottwist hat mich nicht wirklich überrascht. Den konnte man teilweise schon von weit riechen.
Es hat mich aber eigentlich doch gut unterhalten. Werde daher auch zeitnah mit dem nächsten Teil weitermachen
- Douglas Smith
Und die Erde wird zittern
(9)Aktuelle Rezension von: Andreas_Oberender"Dienstag. Ein kalter, windiger Tag. Ich war den ganzen Vormittag beschäftigt. Mittagessen mit Fürst Orlow und Resin. Ging spazieren. Um 4 Uhr fuhren wir nach Sergejewka. Tee mit Miliza und Stana. Wir lernten einen Mann Gottes kennen, Grigori aus dem Gouvernement Tobolsk."
Mit diesen lapidaren Worten hielt Zar Nikolaus II. am 1. November 1905 in seinem Tagebuch die erste Begegnung mit dem sibirischen Bauern Grigori Rasputin (1869-1916) fest. Wie sehr das Treffen ihr Leben prägen und verändern sollte, ahnten der Zar und seine Gemahlin Alexandra an jenem Tag nicht. Rasputin gehört zu den berühmtesten – oder wohl eher berüchtigtsten – Figuren der russischen Geschichte. Über Rasputin dürfte ähnlich viel geschrieben worden sein wie über Peter den Großen, Katharina die Große, Lenin und Stalin. Bis heute wird dem Mann aus Sibirien eine erhebliche Mitschuld am Niedergang der Romanow-Monarchie und am Zusammenbruch des Zarenreiches zugeschrieben. Kaum eine andere Gestalt hat im vorrevolutionären Russland derart viel Hass auf sich gezogen wie Rasputin. In den Augen seiner Zeitgenossen war der Sibirier ein religiöser Fanatiker und Sektierer; ein Hochstapler und Scharlatan, der sich als Wunderheiler ausgab; ein reaktionärer Einflüsterer, der die Politik des Zaren verhängnisvoll beeinflusste; ein unersättlicher Lustmolch und Frauenschänder; ein Landesverräter und Spion im Sold der Deutschen. Wie Douglas Smith in der Einleitung seines Buches hervorhebt, wurde über kaum eine andere Figur der russischen Geschichte so viel Unsinn verbreitet wie über Rasputin. Smith hat es sich zum Ziel gesetzt, den Wust von Gerüchten und Legenden beiseite zu schieben, der das Rasputin-Bild bis heute prägt.
Smith ist nicht der erste Autor, der das gängige Zerrbild von Rasputin durch ein realistisches Porträt ersetzen möchte. Alle anderen Versuche aus jüngerer Zeit, ein an überprüfbaren Fakten orientiertes Bild von Rasputin zu entwerfen, übertrifft Smith durch die ungeheure Breite und Tiefe seiner Darstellung. Mit seiner Biographie leistet er mehr, als nur Rasputins Lebensweg zu rekonstruieren, von den obskuren Anfängen in Sibirien bis zum gewaltsamen Tod im Dezember 1916. Smith bietet ein beeindruckendes Panorama der russischen Gesellschaft am Vorabend des Ersten Weltkrieges und der Revolution. Rasputin lebte in einem Land, das aus den Fugen zu geraten drohte. Die Abneigung, die er auf sich zog, kaum dass er zum Vertrauten der Zarenfamilie aufgestiegen war, ist nur vor dem Hintergrund der Krise verständlich, in der sich das späte Zarenreich befand. Das Verhältnis zwischen der Krone und den gebildeten Ständen war nachhaltig gestört und von wechselseitigem Misstrauen geprägt. In der Presse regte sich immer wieder Kritik am Zaren und an der ominösen "Hofpartei", die angeblich den Gang der hohen Politik bestimmte. Im Regierungsapparat, aber auch in der Leitung der Orthodoxen Kirche waren Machtkämpfe und Intrigen an der Tagesordnung. Rasputin betrat ein Minenfeld, als er 1905 nach Petersburg kam. Ehe er sich versah, wurde er in die Konflikte und Spannungen hineingezogen, die das politische, gesellschaftliche und religiöse Leben Russlands bestimmten.
Konsequent gibt Smith jenen Quellen den Vorzug, die zu Rasputins Lebzeiten entstanden sind, nicht erst nach seinem Tod. Für die Biographie hat Smith umfangreiche Aktenbestände aus russischen, europäischen und amerikanischen Archiven ausgewertet. Skeptisch betrachtet er die Memoiren von Zeitgenossen, die erst nach Rasputins Tod verfasst wurden. Nach dem Ende der Romanow-Monarchie waren der Diffamierung und Dämonisierung des Sibiriers keinerlei Grenzen mehr gesetzt. Viel zu lange, so Smith, haben fragwürdige und problematische Quellen, die aus der Zeit nach Rasputins Tod stammen, das Rasputin-Bild bestimmt. Für die Biographie hat Smith außerdem die zeitgenössische russische Presse und die Korrespondenzen zahlreicher Persönlichkeiten ausgewertet. Es liegt auf der Hand, dass sich eine Rasputin-Biographie nicht damit begnügen kann, die gesicherten Fakten über Rasputins Leben zusammenzufassen. Smith schildert das Leben seines Protagonisten, und zugleich analysiert er, welches Bild sich die russische Gesellschaft von dem Emporkömmling Rasputin zusammenphantasierte. Was hat Rasputin tatsächlich getan, und was wurde ihm von der Öffentlichkeit angedichtet und unterstellt? Smiths Bemühungen laufen auf die Demontage eines zählebigen Mythos hinaus, auf die Widerlegung oder zumindest Abschwächung vieler Legenden, die seit über hundert Jahren im Umlauf sind. Smith geht dabei allerdings nicht so weit wie manche russische Autoren der Gegenwart, die den negativen Rasputin-Mythos in sein Gegenteil verkehren und Rasputin zum Unschuldslamm und Märtyrer stilisieren.
Über Rasputins Leben bis zum Alter von etwa 30 Jahren ist so gut wie nichts bekannt. Rasputin erhielt keine Schulbildung; er lernte erst als Erwachsener Lesen und Schreiben. Kurz vor der Jahrhundertwende hatte er ein religiöses Erweckungserlebnis. Obgleich Ehemann und Vater, begann er ein neues Leben als Pilger und religiöser Wanderer (strannik). In seinem sibirischen Heimatdorf Pokrowskoje und später in Petersburg gewann er als spiritueller Mentor viele Anhänger und Verehrer. Anders als oft behauptet, trat Rasputin nicht als Wunderheiler und Hypnotiseur auf. Bald nach seiner Ankunft in Petersburg (1905) wurde er dem Zarenpaar vorgestellt. Auch Nikolaus und Alexandra lernten Rasputin als geistlichen Beistand schätzen, wie Tagebuchnotizen und Briefe belegen. Die Bluterkrankheit des Thronfolgers Alexej spielte eine geringere Rolle als traditionell angenommen. Die Begegnungen und Gespräche mit Rasputin hatten auf das Zarenpaar eine tröstende und aufbauende Wirkung. Besonders die Zarin konnte mit "Vater Grigori" ihre inbrünstige Religiosität ausleben. Sie war überzeugt, dass Rasputins Gebete segensreich für ihre Familie waren. Rasputin hatte kein Interesse an Theologie. Der christliche Glaube war für ihn eine Sache des Herzens, nicht des Verstandes. Mit dieser Haltung traf er den Nerv der Zarin und seiner mehrheitlich weiblichen Anhängerschaft. Rasputin zog Menschen an, die mit der in pompöser Routine erstarrten Amtskirche unzufrieden waren und sich nach emotional intensiven Glaubenserlebnissen sehnten. Smith zitiert aus Briefen, die Rasputin an die Zarenfamilie schrieb, und aus einigen Interviews, die er russischen Zeitungen gab. Diese Quellen zeigen Rasputin als Mann von schlichtem Gemüt. Seine Denk- und Ausdrucksweise war naiv und schwärmerisch.
Wie Smith mehrfach betont, hielt sich Rasputin nie dauerhaft am Zarenhof auf. Erst 1914 nahm er sich eine eigene Wohnung in der Hauptstadt. Er kehrte immer wieder für längere Zeit in seine sibirische Heimat zurück. Oft vergingen mehrere Monate zwischen seinen Begegnungen mit Nikolaus und Alexandra. Und doch wurde die Öffentlichkeit schon bald nach Rasputins Ankunft in Petersburg argwöhnisch. Was hatte dieser ungehobelte und schmutzige Bauer im Palast zu suchen? Wie konnte es sein, dass er mit der Zarenfamilie auf vertrautem Fuße stand? Höflinge und Minister, Kirchenleute und Journalisten stellten die abenteuerlichsten Vermutungen über Rasputin und seine Rolle im Umfeld des Herrscherpaares an. Die Presse inszenierte im Lauf der Jahre mehrere Kampagnen gegen den Sibirier. Kleinere, an sich harmlose Skandale, an denen Rasputin beteiligt war, wurden von den Medien gezielt ausgeschlachtet und aufgebauscht, um Rasputin in Verruf zu bringen (Kap. 40 und 45). Auch das Parlament, die Duma, debattierte mehrfach erregt über die Frage: Wer ist dieser Rasputin, und was führt er im Schilde? Es gab etliche Gründe, warum die Spekulationen aus dem Ruder liefen und die Anfeindungen von Jahr zu Jahr bösartiger wurden. Die selbstgewählte Abschottung des Zarenpaares führte zwangsläufig zur Entstehung von Gerüchten. Mit ihrer hartnäckigen Weigerung, Rasputin fallenzulassen und wegzuschicken, fachten Nikolaus und Alexandra den Zorn all derer an, denen der Sibirier ein Dorn im Auge war. Allzu bereitwillig glaubte die Öffentlichkeit, der Thron werde von "dunklen Kräften" kontrolliert. Irgendjemand musste ja schuld daran sein, dass die Kluft zwischen Krone und Gesellschaft immer tiefer wurde. Im Ersten Weltkrieg führte die allgegenwärtige Spionage- und Verschwörungsmanie dazu, dass Rasputin und die Zarin verdächtigt wurden, im Auftrag der Deutschen die russischen Kriegsanstrengungen zu sabotieren. Auch das spannungs- und widerspruchsreiche kulturelle Klima des russischen Fin de siècle, der Zusammenprall von Aufklärung und Obskurantismus, wurde Rasputin zum Verhängnis. Scharlatane aller Art hatten um die Jahrhundertwende Hochkonjunktur in Russland, Wahrsager und Hypnotiseure, Gurus und selbsternannte Wunderheiler. In den Augen kritischer Zeitgenossen stand Rasputin stellvertretend für alle irrationalen und "mittelalterlichen" Kräfte, die Russland daran hinderten, endlich in der Moderne anzukommen (Kap. 11).
Doch damit nicht genug: Aus Sicht der russischen Gesellschaft verkörperte Rasputin den Archetyp des "bösen Ratgebers", der einen willensschwachen Herrscher nach Belieben manipuliert. Aber war der Mann aus Sibirien wirklich die Graue Eminenz hinter dem Thron? Wie Smith herausarbeitet, kann überhaupt keine Rede davon sein, dass Rasputin systematisch Einfluss auf die Staatsgeschäfte genommen hätte. Einem gänzlich ungebildeten Mann wie Rasputin fehlten alle Voraussetzungen für eine ernst zu nehmende politische Betätigung. Rasputin, zeitlebens auffallend unehrgeizig, besaß kein wie auch immer geartetes politisches Programm, und er war auch nicht das Haupt einer Gruppe oder Clique, die nach der Macht im Staate strebte. Seine Möglichkeiten, auf die Regierung und die Kirchenleitung einzuwirken, waren nicht zuletzt deshalb sehr begrenzt, weil seriöse Politiker und Kirchenführer von Anfang nichts mit ihm zu tun haben wollten. An mehreren Beispielen zeigt Smith, dass der Zar Rasputins gelegentliche Vorschläge in Sach- und Personalfragen ignorierte. Rasputin hob sich noch in anderer Hinsicht von fürstlichen Günstlingen früherer Jahrhunderte ab: Er strebte nicht nach Ämtern und Titeln, und er nutzte seine Stellung nicht, um ein riesiges Vermögen zusammenzuraffen. Geld interessierte ihn nicht. Die Besitztümer, die er seiner Familie hinterließ, hatten einen Wert von gerade einmal 23.500 Rubeln (Kap. 74). Rasputins angebliches Millionenvermögen existierte nur in der Phantasie seiner Feinde.
Was bleibt vom Rasputin-Mythos? Hatte Rasputin am Ende eine saubere Weste? Wurde ihm von seinen Kritikern durchweg Unrecht getan? Smith stellt klar, dass manche Vorwürfe berechtigt waren. Ähnlich wie die Zarin und andere konservativ gesinnte Personen bestärkte Rasputin Nikolaus II., an der Autokratie als Herrschaftsform festzuhalten und eine Parlamentarisierung des politischen Systems nicht zuzulassen. Das ist jedoch keine Überraschung. Denn warum hätte ausgerechnet ein sibirischer Bauer als Verfechter des Parlamentarismus auftreten sollen? Auch der Vorwurf sexueller Promiskuität lässt sich nur zum Teil entkräften. Rasputin, daran lässt Smith keinen Zweifel, war ein zwanghafter Fummler und Grabscher. Er konnte seine Hände nicht von den Frauen lassen, die in seinen Dunstkreis gerieten. Liebhaber der Zarin und Vater des Thronfolgers war er aber nicht. Im Krieg hatte Rasputin tatsächlich Anteil an etlichen fatalen Personalentscheidungen des Zaren. Dennoch gelangt Smith zu dem Schluss, dass nicht Rasputins Aktivitäten zu dem rapiden Ansehensverlust führten, den die Monarchie in den letzten Jahren ihres Bestehens erlitt. Ausschlaggebend war vielmehr die grotesk verzerrte Wahrnehmung Rasputins in der russischen Gesellschaft. Dem Sibirier wurden finstere Absichten unterstellt, die er nicht hatte, und ihm wurde ein Einfluss zugeschrieben, den er nicht besaß. Nach den militärischen Rückschlägen der Jahre 1915 und 1916 wurde Rasputin die Schuld an allem angelastet, was in Russland im Argen lag. Seine Mörder rechtfertigten ihre Tat damit, sie hätten die Monarchie und das Reich retten wollen. Doch kaum drei Monate nach Rasputins Tod brach das alte Russland wie ein Kartenhaus zusammen.
An Douglas Smiths Buch wird künftig niemand vorbeikommen, der sich mit dem Untergang der Romanow-Monarchie beschäftigt. Fachhistoriker und historisch interessierte Laien können die Biographie gleichermaßen mit großem Gewinn lesen. Warum nur vier Sterne? Das Buch zeigt anschaulich, wohin es führt, wenn ein Autor zu viel über sein Thema weiß und der Versuchung nachgibt, sein gesamtes Wissen vor dem Leser auszubreiten. Über weite Strecken ist die Fülle und Dichte der vermittelten Informationen schlichtweg erdrückend. Die Erzählung wird umso minutiöser und detailreicher, je mehr sich Smith auf Rasputins Ende zubewegt. Auf die Jahre 1914 bis 1916 entfällt die Hälfte der 74 Kapitel. Es kommen Hunderte und Aberhunderte von Personen vor. Selbst unwichtige Nebenfiguren werden von Smith mit vollem Namen eingeführt, etwa die Polizisten, die Rasputin im Auftrag des Innenministeriums überwachten, oder die Prostituierten, mit denen Rasputin in Petersburg Umgang hatte. In diesem Gewimmel der Personen und Namen geht rasch jeglicher Überblick verloren. Für Leser, die mit der Geschichte des späten Zarenreiches nicht oder nur flüchtig vertraut sind, ist die Lektüre kein Spaziergang. Ohnedies braucht man gutes Sitzfleisch und Durchhaltevermögen, um den 800-seitigen Text zu bewältigen. Es handelt sich um ein anspruchsvolles Buch, das sich nicht als Gelegenheits- oder Unterhaltungslektüre eignet.(Hinweis: Diese Rezension habe ich zuerst im Oktober 2017 bei Amazon gepostet)
- Joanne K. Rowling
Der Ickabog
(116)Aktuelle Rezension von: RheaWinterDa ich die Harry-Potter-Reihe geliebt habe, wollte ich auch "Der Ickabog" lesen, obwohl dieses Buch eher für Kinder gedacht ist.
Inhalt:
Im Königreich Schlaraffien gibt es die Legende vom Ickabog, einem menschenfressenden Monster, das in den Sümpfen des Marschlands lebt. Als eine Gruppe Soldaten gemeinsam mit König Fred auszieht, um den Ickabog zu finden, erschießt Lord Schlabberlot im dichten Nebel aus Versehen statt des Monsters Major Wonnegleich. Um seine Tat zu vertuschen, beschuldigt Schlabberlot den Ickabog, der von nun an als Sündenbock für die bösen Machenschaften von Lord Schlabberlot und Lord Spuckelwert dient. Dabei gibt es den Ickabog gar nicht... oder doch? Nach und nach nehmen die Lords immer mehr Einfluss auf den König, bis dieser sein Volk durch hohe Steuern und harte Strafen für ungehorsames Verhalten so sehr drangsaliert, dass sich Widerstand regt. Vor allem Lilli, die ihre Mutter durch die Ignoranz und fehlende Empathie des Königs verlor, und Wim, Major Wonnegleichs Sohn, möchten etwas gegen den König und seine Handlanger unternehmen...
Charaktere:
Die Charaktere haben Potenzial, doch sie bleiben eher blass. Man kann sich nicht wirklich mit ihnen identifizieren, da ihren Gedanken und Gefühlen zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Außerdem wird häufig zwischen den Figuren hin und hergewechselt, was es schwieriger macht, einer von ihnen näher zu kommen. Teilweise sind die Figuren auch einseitig gezeichnet, so sind die Lords ausschließlich böse und weisen keine komplexeren Charakterzüge auf.
Spannung:
Über weite Teile dümpelt die Handlung leider eher vor sich hin (selbst für ein Kinderbuch). Außerdem werden einige Szenen für Kinder unnötig brutal geschildert und für ein Kinderbuch sterben sehr viele Nebenfiguren, ohne dass dies entsprechend emotional aufgearbeitet wird.
Schreibstil:
Das Buch lies sich flüssig lesen, doch es reicht von den Beschreibungen her nicht an die magische Welt Harry Potters heran. Auch die Gefühlswelt der Charaktere kommt zu kurz. Insgesamt leiten die Kapitel eher weniger ineinander über, sodass man am Ende eines Kapitels nicht immer das Bedürfnis verspürt, gleich das nächste zu lesen.
Fazit:
Ich fand das Buch okay, aber im Vergleich zu den Harry Potter Romanen eher enttäuschend. Für Kinder enthält es zu viele unnötig brutale Szenen, also würde ich es für eine jüngere Altersgruppe eher nicht empfehlen. Auch die fehlende Identifikation mit den Charakteren hat mich gestört. Als Pluspunkt muss man anmerken, dass JK Rowling das Buch während der Pandemie kostenlos im Internet veröffentlicht hat, um Kindern eine Freude zu machen und in den Büchern auch Zeichnungen der jungen Leser zu finden sind.
- Karen Swan
Winterwundertage
(86)Aktuelle Rezension von: RamonaFroeseHier geht es um die junge Alex die Lochlan helfen soll besser zu werden in seinem Job in der Whiskey Brennerei, oder soll sie nicht?
Sie gaukelt es im jeden falls vor. Sie verlieben sich und da Alex Arbeit und Privat trennt denkt sie es geht eh nicht. Vorallem ist sie ja am anfang die einzige die ihren wahren Auftrag kennt.
Dann gibt es ein Feuer in der Brennerei und Lochlan kommt nur knapp mit dem Leben davon.
Dann liegt es gleichzeitig um 1918 um die SS Tuscania. Genauer gesagt um die Familiengeschichte von Lochlan und die Geburt seines Großvaters.
Nach und nach verschmelzen beide Zeitstränge in dem Mann in 2017 mehr über 1918 erfährt.
Generell fand ich die Geschichte sehr sehr spannend und doch so schön sie ist auch sehr traurig.
Manchmal war es mir etwas viel, mir zum 3. Mal durch zu lesen wie die Gegend aussieht, aber es ist ok.
- Natascha Wegelin
Madame Moneypenny: Wie Frauen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen können
(74)Aktuelle Rezension von: BuechervorhersageNatascha Wegelin schafft es auf unterhaltsame Weise durch eine Geschichte, die im Kreise ihrer Familie spielt, Frauen an das Thema Finanzen heranzuführen. Die Erzählweise erinnert mich an das Buch "Ein Hund namens Money", welches Finanzen für Kinder erzählt, auch in Form einer Geschichte. In dem Buch nimmt sie sich besonders viel Zeit für die psychologische Seite, um Berührungsangste und negative Glaubenssätze sowie Vorurteile zum Thema Finanzen abzubauen. Man fliegt quasi durch die Seiten und hat nicht das Gefühl, ein trockenes Sachbuch zu lesen. Ob einen dieses Buch weiter bringt hängt davon ab, an welchem Punkt man sich selbst befindet. Wenn man noch keinerlei Berührung mit Finanzen hatte und es sich als Frau auch nicht zutraut, ist dieses Buch sehr gut zum Einsteigen. Wer nicht mehr überzeugt werden muss und ein wenig Grundwissen besitzt und sich nun detaillierteres Wissen aneignen möchte wird mit diesem Buch wahrscheinlich nicht so glücklich, weil die Themen eher oberflächlich behandelt werden. Hier empfiehlt es sich nach weiterführenden Büchern, Videos oder Kursen Ausschau zu halten.
- Sam Eastland
Roter Zar
(48)Aktuelle Rezension von: ArmilleeDie Geschichte beginnt 1929, 10 Jahre nach der Ermordung des letzten Zaren und seiner Frau, den 4 Töchtern, sowie Alexei, der einzige Sohn.
Pekkala war ein enger Vertrauter des Zaren und nach der Revolution wurde er als Zwangsarbeiter in die sibirische Taiga geschickt. Er ist dort Baummarkierer, lebt völlig isoliert in einer selbstgebauten Erdhöhle und eigentlich überlebt man in dieser unwirtlichen Gegend in diesem Beruf im Schnitt nur 6 Monate.
1929 ist Stalin an der Macht und die Gerüchte um den Goldschatz des Zaren sind nie verstummt.
Nun wird Pekkala begnadigt, aber nur, wenn er die Ermittlungen aufnimmt um den oder die Mörder der Zarenfamilie zu finden. Sollte ihm das gelingen, ist er frei.
Ich sage es mal vorweg : ich bin kein Fan von diesem ganzen Spionagekram, Gulag, Kommunisten, Kalter Krieg, Bomben + andere Waffen u.s.w.
Aber ich habe mich schon auf den ersten Seiten festgelesen. Obwohl hier alles versammelt ist, was ich nicht mag, konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Und das sagt eine Menge über die Qualität aus. Mein erstes Buch von Sam Eastland.
Es gibt zwei Handlungsstränge :
-> die Gegenwart, wie Pekkala wieder gefunden und rekrutiert wird. Dann begleitet ihn der Leser auf der Suche nach der (gefährlichen) Wahrheit bis zur Aufklärung.
-> der Rückblick, der bei Pekkalas Elternhaus und seinem älteren Bruder beginnt. Seit Vater ist Bestatter und Pekkala hilft ihm schon in jungen Jahren bei der Arbeit, denn später soll er alles übernehmen. Aber das Schicksal will es anders. Pekkala bewirbt sich für die Ausbildung als Kadett, um dem Zaren zu dienen / beschützen. Ich werde als Leser zur ersten Begegnung mitgenommen, lerne viel über den Tagesablauf der Zarenfamilie, wie es politisch sehr gefährlich wurde, das Exil und schließlich der scheußliche Mord an sechs Menschen..
Und auch ich will wissen -> wer war das ?
Und ich will wissen, ob es den Zarenschatz wirklich gibt !
Die fiktive Geschichte wirkt absolut real. Ich war dabei.
Am Ende des Buches hat der Autor die wahre Abfolge aufgelistet.
Ein Buch ist auch dann für mich super, wenn mich das Gelesene so bewegt, dass ich weiter im Internet recherchiere und noch mehr wissen will. Ich schau mir die Bilder und Fotos an und habe das Gefühl : dieser Autor hat mich 100% abgeholt.
- Tracy Brogan
Inselglück für Anfänger
(14)Aktuelle Rezension von: SternenstaubfeeEine wunderbar ruhige und unaufgeregte Geschichte über Liebe und Familie. Die Geschichte ist zwar auch alles andere als Harmonie pur, aber irgendwie hatte ich dennoch ein Wohlgefühl beim Lesen :)
Es geht um Emily und Ryan, die sich auf Anhieb sympathisch finden, aber es steht etwas zwischen ihnen... Emilys Schwester Lilly ist mit Ryans Vater zusammen, und die beiden trennen gut 30 Jahre. Das sorgt für Aufregung in beiden Familien...
Eine mal etwas andere Liebesgeschichte mit einem schönen Setting und sympathischen Charakteren. Hat Spaß gemacht.
12.04.2025
- Ange Guéro
Die Legende von Ayesha - Rune der Knechtschaft
(22)Aktuelle Rezension von: Avalaia"Sie sah ihn immer noch an, und Arekh hielt ihrem Blick stand, las in den braunen Augen der jungen Frau die Antwort, die sie ihm anbot, die Antwort auf all die Fragen, die er sich während der ersten Hälfte ihrer Reise gestellt hatte.Sie ertrug es nicht, gefesselte Menschen sterben zu sehen."(S. 139)
Arekh ist als verurteilter Mörder auf seinem Strafschiff. Als dieses kentert und er sich bereits damit abfindet, zu sterben, wird er von einer mysteriösen Frau in letzter Sekunde gerettet - sie schneidet seine Fesseln durch und erlaubt es ihm, zur Oberfläche zu schwimmen. Das Schicksal entscheidet, dass er zusammen mit der Frau, ihrer Begleiterin und einem weiteren befreiten Gefangenen auf die Flucht gehen muss - und es dauert nicht lang, bis er mit seinem Allgemeinwissen und geschulten Sinnen Marikani erkennt, die Königin ohne Land. Nun beginnt die abenteuerlichste Reise seines harten Lebens - zusammen mit einem Wechselbad der Gefühle.
Das Buch lässt sich gut und sehr flüssig lesen, die Sprache ist der Handlung angemessen und beschreibt auch meistens gut und bildlich. Allerdings ist sie in meinen Augen leider nicht besonders poetisch oder sonst auf irgendeine Weise auffällig - gut, schön zu lesen, aber nichts Besonderes.
Meine Meinung zu diesem Werk ist trotzdem sehr hoch. Auf wenige Seiten hat die Autorin eine starke Welt geschaffen, die es zusammen mit Arekh und Marikani zu bereisen gilt, mit scharfen und glaubwürdigen Charakteren. Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich. Im Endeffekt gelang es mir nicht mehr, das Buch aus der Hand zu legen, kaum dass ich mit dem Lesen begonnen habe.Allerdings ging es mir hier und da etwas zu schnell, beziehungsweise, mir fehlte der Bezug zu den Charakteren, allen voran Arekh. Seine Geschichte ist bewegend, sein Leben prägend, und ich kann jede seiner Handlungen nachvollziehen, und doch gab es irgendwo eine gewisse Distanz, die es mir schwer machte, die Welt komplett durch seine Augen zu sehen. Diese zieht sich leider auch durch das gesamte Werk und kostet es in meinen Augen auch den letzten Stern.Ansonsten eine klare Leseempfehlung von mir! - Ruth Lauren
Valor - Die Verschwörung im Königreich
(38)Aktuelle Rezension von: Frank1Klappentext:
»Ich bewege den Pfeil ein winziges Stück nach links, ziele neben Anatols Schulter, dann halte ich den Atem an, bete, dass er sich nicht bewegt, und schieße.«
Valors Plan ist geglückt, als sie nach dem Anschlag auf den Prinzen des Königreichs Demidova in das berüchtigte Gefängnis Tyur’ma gebracht wird. Hier ist ihre Zwillingsschwester Sasha eingesperrt, die des Diebstahls bezichtigt wird. Valor riskiert ihre Freiheit und ihr Leben, um Sasha zu befreien. Doch niemandem ist je die Flucht aus Tyur’ma gelungen.
Rezension:
Als Töchter des Beraters der Königin und derer Oberjägerin hatten Valor und ihre Schwester Sasha ein gutes Leben im Umkreis des Königshofs. Zur Kronprinzessin und dem Prinzen hatten sie von klein auf ein freundschaftliches Verhältnis. Das ändert sich, als Sasha wegen des Diebstahls einer diplomatisch wertvollen Spieluhr verurteilt wird. Die Eltern und Valor werden des Hofs verwiesen, Sasha in ein berüchtigtes Gefängnis eingeliefert. Das will Valor jedoch nicht hinnehmen. Sie provoziert ihre eigene Verurteilung, um gemeinsam mit ihrer Schwester auszubrechen. Nur ist in der 300-jährigen Geschichte des Gefängnisses Tyur’ma noch nie ein Ausbruch geglückt …
Ruth Laurens Jugend-Fantasy-Abenteuer, in dessen Fokus die 13-jährige Valor steht, bietet durchaus konträre Betrachtungsmöglichkeiten. Einerseits bietet das Buch ein fesselndes Abenteuer, das auch ältere Leser rundum begeistern kann. Andererseits kann man bemängeln, dass die Königin als positive Figur gezeichnet wird, unter ihrer direkten Herrschaft aber ein Jugend-Gefängnis besteht, dessen Verhältnisse in mancher Hinsicht schon stark an die KZs der Nazizeit erinnern. Dabei wird sogar noch ausdrücklich erwähnt, dass die Verhältnisse in den Gefängnissen für erwachsene Straftäter noch schlimmer sind. Den Widerspruch zwischen einer positiv dargestellten Königin und der Tatsache, dass sie eine 13-jährige Angeklagte für einen Diebstahl zu lebenslänglicher Haft unter solchen Bedingungen verurteilt, kann man nicht wegdiskutieren. Dieser Gegensatz erscheint einfach unschlüssig. Trotzdem überwiegt beim Leseeindruck das absolut gelungene Abenteuer der jungen Protagonistin die genannten ‚Störfaktoren‘. Valor ist eine rundum überzeugende Protagonistin, deren Charakterzeichnung perfekt gelungen ist.
Wieso das Buch in den einschlägigen Onlineshops als „Spannungsreiche Fantasy für Mädchen“ beworben wird, kann ich nicht nachvollziehen. Nur weil die Hauptfigur weiblich ist, bedeutet das doch keine einseitige Ausrichtung der Leserschaft. Im Gegenteil: Valor wird alles andere als mädchenhaft dargestellt. Sie ist eine Protagonistin, bei der der Begriff Heldin wirklich passt.
Die Autorin überlässt es Valor, ihre Geschichte selbst zu erzählen.
Fazit:
Gerade manche Widersprüche machen dieses jugendliche Abenteuer einer überzeugend dargestellten Heldin absolut lesenswert.
Alle meine Rezensionen auch zentral im Eisenacher Rezi-Center: www.rezicenter.blog
Dem Eisenacher Rezi-Center kann man jetzt auch auf Facebook folgen.
- Kristin Cashore
Winterkeep (Graceling Realm)
(3)Aktuelle Rezension von: Chianti_ClassicoVor ein paar Jahren ist die bekannte Welt mit der Entdeckung des Landes Torla gewachsen, sodass der Royale Kontinent in den letzten Jahren Gesandte ausgeschickt hat, um die Beziehung zwischen den Ländern zu festigen und Handelsbeziehungen aufzubauen.Auch Königin Bitterblue von Monsea schickte Gesandte aus, doch als das Schiff von Mikka und Brek sinkt und Bitterblue erfährt, dass die beiden ihr eine wichtige Botschaft überbringen wollten, wird Bitterblue skeptisch und reist mit ihrer Spionin Hava und Giddon, ihrem engsten Vertrauten, selbst nach Winterkeep, um herauszufinden, was mit ihren Männern geschah. Doch auf dem Weg nach Winterkeep geschieht eine Tragödie, die alles verändert.
"Winterkeep" ist der vierte Band von Kristin Cashores Graceling Realm, der aus den personalen Erzählperspektiven der dreiundzwanzig Jahre alten Bitterblue, ihres fast neun Jahre älteren Verbündeten Giddon und der sechzehn Jahre alten Lovisa Cavenda erzählt wird. Wir dürfen aber auch aus den Perspektiven von Adventure Fox, dem blauen Fuchs von Lovisas Mutter Ferla, und des Keepers, einem Seeungeheuer lesen.
Die ersten drei Bände der Reihe liebe ich einfach über alles und vor Kurzem habe ich diese noch mal gelesen, sodass ich die Geschehnisse noch gut im Gedächtnis hatte. Ich habe mich riesig gefreut, als ich erfahren habe, dass es einen vierten Band geben wird, auch weil Bitterblues Geschichte in "Winterkeep" weitererzählt wird und ich mit dem Ende ihrer Geschichte nie so ganz zufrieden war, aber ich war auch skeptisch, was diese Fortsetzung nach so langer Zeit angeht. Ich habe dann leider auch sehr lange gebraucht, um mich in der Geschichte zurechtzufinden und diese konnte mich lange Zeit auch nicht wirklich mitreißen. Zum ersten Mal erzählt Kristin Cashore die Geschichte aus mehreren Perspektiven, was besonders ab der Mitte des Buches spannend war, da jeder der Charaktere einen eigenen Handlungsstrang hatte und man einen guten Überblick über die Geschehnisse bekommen hat, aber besonders am Anfang hatte ich das Gefühl, dass es lange gedauert hat, bis die Geschichte so richtig in Fahrt gekommen ist.
Bitterblue ist die Königin von Monsea, die in den letzten fünf Jahren all ihre Energie in den Wiederaufbau ihres Königreichs gesteckt hat, um dieses aus der Schreckensherrschaft ihres Vaters Leck zu führen. Wer auf ein Wiedersehen mit Katsa, Bo, Raffin, Bann, Saf oder sogar Fire und Brigan hofft, den muss ich leider enttäuschen, denn die Geschichte macht nur kurz in Monsea halt, bevor Bitterblue, Giddon und Hava die Reise nach Winterkeep antreten.Bitterblue hat mir von allen Charakteren am besten gefallen! Sie ist eine kluge und durchdachte junge Frau, die auch in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf bewahrt und sich niemals unterkriegen lässt. Sie musste sich schon so vielen Herausforderungen stellen und ist jedes Mal erstarkt daraus hervorgegangen.Giddon ist ein Exlord aus den Middluns, der immer noch für den Rat arbeitet, den Katsa vor vielen Jahren gegründet hat, und lebt inzwischen an Bitterblues Hof, wenn er nicht für den Rat unterwegs ist.Von Giddon war ich ehrlich gesagt etwas enttäuscht. Ich hatte mich so darauf gefreut, ihn besser kennenlernen zu dürfen und hatte ihn dann ganz anders in Erinnerung. Stark, ein wenig draufgängerisch, witzig und sarkastisch. Der Giddon, den wir hier kennenlernen, war sehr sentimental und nah am Wasser gebaut. Ich fand es erfrischend, dass ein Mann sich seiner Tränen nicht schämt, versteht mich nicht falsch, aber das war für mich einfach nicht der Giddon, den ich in den vorherigen Bänden kennen und lieben gelernt habe! Für mich ist er dann auch etwas blass geblieben.
Mit Lovisa Cavenda konnte ich mich auch nicht so richtig anfreunden. Ihre Mutter Ferla ist die Präsidentin von Winterkeep und keine besonders liebevolle Mutter. Lovisa ist teilweise sehr manipulativ und benutzt die Leute, um das zu bekommen, was sie will. Sie spioniert seit Jahren ihren Eltern hinterher, bis sie ein Geheimnis entdeckt, das sie in große Gefahr bringen kann. Stellenweise wirkte Lovisa etwas überheblich, dann aber auch sehr jung und unsicher. Ein Mädchen, das am Scheidepunkt seines Lebens steht und noch nicht weiß, wo ihr Weg sie hinführen wird. Sie hat mir zum Ende besser gefallen, da sie immer versucht hat, das Richtige zu tun.
Ich fand es sehr spannend, dass man mit Lovisa mal eine Protagonistin mit intaktem Elternhaus kennenlernen durfte, auch wenn man Lovisas Familie wirklich nicht als glückliche Familie bezeichnen kann, dafür ist Ferla als Mutter zu grausam und Benni als Vater zu untätig. Über das Seeungeheuer möchte ich nicht zu viel verraten, aber Adventure Fox mochte ich ebenfalls sehr gerne! In Winterkeep gibt es blaue Füchse, die Gedanken lesen und manipulieren können. Diese Füchse können sich an einen Menschen binden, so wie Adventure an Ferla gebunden ist. Ferla genießt die Macht ihres Fuchses, doch ihr Fuchs hat ein gutes Herz und will Lovisa und ihre jüngeren Brüder schützen.Insgesamt haben mir die verschiedenen Charaktere sehr gut gefallen!
In den sieben Königreichen gibt es die Beschenkten, in den Dells farbenfrohe Monster und in Torla blaue Füchse, Seeungeheuer und Silbercows, die im Meer leben und mit Menschen kommunizieren können. In Winterkeep gibt es eine Präsidentin und mit den Gelehrten und den Industriellen zwei Parteien, die den Ton angeben. Aktuell wird über die Zulassung von Zilfium, einem Treibstoff diskutiert, der die Umwelt verschmutzt, aber auch dafür sorgen würde, dass Züge in Winterkeep fahren könnten und die Bewohner nicht mehr nur auf ihre Luftschiffe angewiesen wären. Die Geschichte spielt zum Großteil in Ledra, der Hauptstadt von Winterkeep, und ich fand das gesamte Setting sehr spannend, auch weil es sich so stark von den vorherigen Bänden unterschieden hat! Mit der Umweltverschmutzung durch das Zilfiums greift Kristin Cashore ein aktuelles Thema der realen Welt auf, was ich gut umgesetzt fand!
Die Handlung an sich konnte mich anfangs ja noch nicht mitreißen, aber die zweite Hälfte des Buches konnte mich dann zum Glück noch packen! Die Auflösung konnte mich dann aber leider nicht hundertprozentig begeistern, dennoch hat mir der Handlungsverlauf gut gefallen!
Ich hatte nach dem Re-Read von "Die Königliche" gehofft, dass Bitterblue und Giddon zueinanderfinden würden, sodass ich sehr mit den beiden mitgefiebert habe. Allerdings konnte die Liebesgeschichte mich ebenfalls nicht komplett überzeugen.
Fazit:Auch wenn ich mir von "Winterkeep" von Kristin Cashore doch ein wenig mehr erhofft hatte, so bin ich trotzdem froh, dass ich das Buch gelesen habe!Die Welt liebe ich ja einfach und ich fand es großartig, dass wir mit Winterkeep ein neues und unbekanntes Land entdecken konnten!Auch das Wiedersehen mit den Charakteren war einfach schön! Ich mochte besonders Bitterblue und Adventure Fox sehr gerne, von Giddon hatte ich mir leider mehr erhofft und mit Lovisa bin ich nicht komplett warm geworden.Auch die Handlung konnte mich nicht ganz überzeugen, da der Anfang mich kaum fesseln konnte, die Geschichte einfach lange gebraucht hat, um spannend zu werden. Aber sie zweite Hälfte konnte mich zum Glück doch noch fesseln!Ich bin leider nicht so begeistert von "Winterkeep", wie ich es mir gewünscht habe, aber definitiv nicht enttäuscht, sodass ich schwache vier Kleeblätter vergebe. - Silvia Stolzenburg
Blutfährte
(42)Aktuelle Rezension von: Rose75Mit Blutfährte startet Frau Stolzenburg eine neue Krimi/Thriller Reihe um den Feldjäger Mark Becker. Ich kenne von der Autorin schon ein paar historische Romane und war neugierig wie sie einen Thriller schreibt. Sie kann wirklich beides.
Dem Sanitätsfeldwebel Tim Baumann fällt in der Notaufnahme des BWK Ulm ein seltsames Verhalten seines Vorgesetzten im Umgang mit Unfalltoten auf. Er hat einen Verdacht, klaut Akten und taucht unter. Das bedeutet für die Bundeswehr, dass er 'eigenmächtig abwesend' ist und das ist ein Fall für die Feldjäger, die ihn suchen und zurück zur Truppe bringen müssen.
Den Auftrag bekommt Mark Becker und gemeinsamen mit dem Kameraden Müller macht er sich auf die Suche. Erst als ein Toter in einem Hotelzimmer gefunden wird gibt es eine Spur von Tim Baumann. Mark Becker muss mit der Kripo Stuttgart zusammenarbeiten und lernt dadurch die eifrige Lisa Schäfer kennen. Die beiden sind wie Feuer und Eis.
Die Autorin hält die Spannung mit kurzen Kapiteln und wechselnden Perspektiven hoch und man ist schnell mittendrin in dieser Hetzjagd. Da ich die Gegend,in der die Handlung spielt, kenne, hatte ich die Szenen meist vor Auge. Das Ende war ein Showdown wie man ihn von Hollywood kennt.
Zusammengefasst: Ein toller Thriller im Umfeld der Bundeswehr mit eigenwilligen Protagonisten, von denen man gerne noch mehr lesen möchte.
- Jack Heath
Blake
(133)Aktuelle Rezension von: Lili-MarieTimothy Blake ist ein interessanter Charakter aus dessen Sicht diese Geschichte erzählt wird. Das hat mir echt gut gefallen, denn so konnte man in die tiefen Abgründe seiner Gedanken blicken und die schreckliche und tragische Vergangenheit sehen, die er erlebt hat. Aufgrund seiner Essensvorliebe ist er nicht der Typ, den man gerne als Nachbarn hätte oder den man als super sympathisch bezeichnen würde. Dennoch gab es Momente, in denen er mir leid tat und auch Momente in denen er ein „guter Kerl“ ist.
Allerdings gibt es auch einige Schwächen, die den Gesamteindruck ein wenig trüben. Die Dialoge sind manchmal etwas steif, was den natürlichen Fluss der Geschichte stört. Auch erschien mir einiges nicht ganz logisch, was den Lesefluss zusätzlich beeinträchtigt hat.
Der Fall selbst war spannend, jedoch waren das Ende und die Auflösung nicht plausibel. Allerdings war der Fall auch etwas verworren und ich war mir oft nicht ganz sicher, was genau passiert ist und wer hier was getan und nicht getan hat. Die Erklärungen wirkten teils konstruiert und ließen einige Fragen offen, was den sonst interessanten Plot etwas abschwächte.
Insgesamt hat mich das Buch unterhalten können aber richtig packen konnte es mich leider nicht. Ob ich den zweiten Band lesen werde, weiß ich noch nicht.
- Marcus Sakey
Eine bessere Welt (Die Abnormen 2)
(5)Aktuelle Rezension von: Ro_KeKlappentext (Lovelybooks):
Seit 1980 kommt ein Prozent aller Kinder mit Gaben auf die Welt, von denen wir bis dahin nur träumen konnten. Sie können die intimsten Geheimnisse eines Menschen wahrnehmen, Börsenbewegungen voraussagen oder sich fast unmerklich fortbewegen. Seit dreißig Jahren wächst die Kluft zwischen diesen außergewöhnlichen Menschen... und uns anderen. Nun hat ein von Genialen organisiertes Terrornetz drei Städte lahmgelegt. Die Regale der Supermärkte sind leer, Notrufe werden nicht beantwortet, Menschen werden bei lebendigem Leib verbrannt. Nick Cooper kämpft seit jeher darum, dass seine Kinder einst in einer besseren Welt leben können. Selbst ein Genialer, ist er auch Berater des US-Präsidenten und gegen alles, wofür die Terroristen stehen. Doch während Amerika in einen verheerenden Bürgerkrieg schlittert, muss Cooper sich auf ein Spiel einlassen, das er nicht verlieren darf. Denn seine Gegner haben ihre eigene Vorstellung von einer besseren Welt.
Meine Meinung:
Nachdem ich beim Auftakt schon bemängelt hatte, dass er für mich zu sehr „Agententhriller“ war und leider nur wenig ausgeschmückte Sci-Fi Anteile beinhaltete, entwickelt sich die Fortsetzung zu einem recht theoretischen „Politthriller“, bei dem, begleitet von allerlei Widrigkeiten, Missionen geplant werden, um einen Bürgerkrieg zu verhindern.
Die Geschichte bietet sicher einen fesselnden Spannungsbogen, jedoch konnte sie mich thematisch nicht gänzlich erreichen und ich musste feststellen, dass derart Thriller für mich auf der Leinwand gut funktionieren, ich sie aber weniger gerne lese bzw. höre.
Dazu trägt leider auch der eher nüchterne/sachliche Schreibstil des Autors bei, der bei mir im Kopf nicht so recht zünden wollte.
Wirklich berühren konnten mich dafür aber die wenigen Momente, in denen Markus Sakey die Liebe des Protagonisten zu seinen beiden Kindern darstellt, deren Schutz als Antrieb für seinen Einsatz dient.
Fazit:
Der Epilog stellt sehr geschickt die Weichen zu Teil 3 aber insgesamt war es mir, trotz gutem Spannungsaufbau, oft zu langatmig. 3,5 ★
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