Bücher mit dem Tag "bergsteigen"
57 Bücher
- Paolo Cognetti
Acht Berge
(214)Aktuelle Rezension von: Svenjas_BookChallenges„Acht Berge“ von Paolo Cognetti, ins Deutsche übersetzt von Christiane Burkhardt, ist ein Buch, das allein aufgrund des Titels und des wunderschönen Covers wie die Faust aufs Auge zu mir und meiner Bergliebe passt. Und weil Buecher.Berge so von dem Roman geschwärmt hat, musste er unbedingt auf den SuB – und jetzt war es an der Zeit, ihn auch zu lesen. Und ja, ich mochte diese leise, melancholische Geschichte über das Aufwachsen zwischen Großstadt und Bergen, über eine unergründliche Sehnsucht nach der Einsamkeit im Hochgebirge und über eine Freundschaft, die Jahrzehnte überdauert und ohne viele Worte auskommt, dafür aber herzzerreißend tief geht. Pietro ist ein stiller, nachdenklicher Protagonist, der nach den Streifzügen durch die Berge an der Seite von Bruno viele Jahre später an den prägenden Ort seiner Kindheit zurückkehrt und hier etwas Bestimmtes sucht – die Beziehung zu seinem Vater, der immer nur dann wirklich frei wirkte, wenn er auf Wanderschaft ging.
„Acht Berge“ ist ein besonderer Roman, der vor allem davon lebt, wie er die Wirkung der Berge auf die menschliche Seele beschreibt. Nicht idyllische Naturbeschreibungen stehen im Vordergrund, sondern das, was der Anblick einer rauen Berglandschaft mit dem Menschen macht; in welchen Zustand eine solche ihn versetzt. Und das ist beeindruckend und berührend zu lesen, gerade für mich, da auch ich mich nur in den Bergen wirklich frei fühle. Ich habe Cognettis Roman sehr gern lesen, mich sehr gern mitnehmen lassen in dieses atemberaubende Setting und in die Tiefe zwischenmenschlicher Beziehungen, die hoch über dem Meeresspiegel eine ganz andere Bedeutung haben. Ganz zum Highlight hat es für mich trotzdem nicht erreicht – vielleicht weil es Abschnitte gab, in denen ich eine zu große Distanz zu Pietro gefühlt habe, vielleicht, weil mir einige Erklärungen für das Handeln der Charaktere etwas zu vereinfacht waren. Aber empfehlen möchte ich „Acht Berge“ unbedingt dennoch – gerade Bergliebhaber*innen und solchen, die es werden wollen.
- Jon Krakauer
In eisige Höhen
(221)Aktuelle Rezension von: mollsiJon nimmt als Reporter an einer geführten Expedition auf den Everest teil. Er nimmt uns mit auf seiner Reise, stellt uns Reisebegleitungen und Ausrüstung vor, beschreibt seine Herausforderungen und Rückschläge. Das allein ist schon unglaublich spannend zu lesen - auch für eingefleischte Flachlandbewohner wie mich. Aber dann kommt es zu einer dramatischen Verkettung von Ereignissen die zu einem der schwersten Unglücke und vielen Todesopfern führt.
Obwohl ich die Ereignisse am Berg schon aus Podcasts und Dokus kannte, hat mich der Bericht von Jon Krakauer noch einmal auf eine ganz eigene Weise berührt.
- Jennifer Donnelly
Die Wildrose
(335)Aktuelle Rezension von: annilittleIch muss schon sagen, dass ich ein wenig traurig darüber bin, dass ich meine geliebten Finnegans / Bristows und Baxters gehen lassen muss, aber ich kann ja immer wieder zu ihnen zurückkehren, das beruhigt mich dann doch ein bisschen. Für mich war der Abschluss der Trilogie definitiv der beste Teil der Trilogie und es ärgert mich immer noch, dass am Ende diese eine Sache passiert ist bzw. nicht passiert ist, die mich dann so gestört hat, dass ich am Ende einfach keine 5 Sterne vergeben konnte.
In diesem Band geht es um Seamie, den jüngsten der Finnegans, und Willa , die man bereits im Vorgänger kennengelernt hat und ich muss sagen, dass ich nicht erwartet hätte, dass sie mir so sehr ans Herz wachsen würden.
Zum Schreibstil brauche ich nach drei dicken Büchern, glaube ich, nicht mehr allzu viel sagen. Die Frau hat’s drauf und man kann trotz der Seitenzahl einfach nur so durch die Kapitel fliegen. Ich mag die Kombination aus Spannung, Emotionen (positiven wie negativen) und Herzklopfen.
Nachdem ich den zweiten Band so geliebt habe, konnte ich mir nicht vorstellen, dass ich Seamie oder Willa so gern haben könnte wie Sid und India, weil ich mich mit Letzterer auch so gut identifizieren konnte. Willa und ich könnten unterschiedlicher nicht sein, aber dennoch habe ich so sehr mit ihr mitgefiebert und vor allem mit ihr mitgelitten. Auch Seamie mochte ich gern, ich hatte nur manchmal etwas Probleme, ihn mit dem kleinen Jungen aus »Die Teerose« zusammenzubringen.
Das ganze Buch war einfach spannend, wir befinden uns auf drei unterschiedlichen Kontinenten und das vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs, wodurch man ganz viele Perspektiven eröffnet bekommt und auch viele Dinge erfährt, die man mit dieser Zeit nicht unbedingt in erster Linie erfährt, die aber trotzdem enorm wichtig waren.
Fazit: Ein würdiger Abschluss für eine super Trilogie mit wundervollen Charakteren, die mir viele tolle Lesestunden bereitet hat.
Bewertung Band 3: 4,5/5
Bewertung gesamte Trilogie: 4,5/5 - Thomas Glavinic
Das größere Wunder
(180)Aktuelle Rezension von: ThomasWHandlungsstrang 1: Jonas wird von einem superreichen Ziehvater adoptiert u wächst in einem surrealen Setting mit Freunden ohne jegliche Zwänge u Konventionen auf
= illustrierte Männerfantasien oder was will uns der Autor damit zeigen? Was soll das?
Paralleler Handlungsstrang 2: Jonas ist tagelang im Basislager vom Mt.Everest ... bla bla bla bla ... und erreicht am Ende allein den Gipfel u kommt auch wieder runter. Toll!
Macht das alles Sinn? Nein!
- Jessi Kirby
Offline ist es nass, wenn's regnet
(207)Aktuelle Rezension von: AlrikDer erste Schritt in die Wildnis fühlt sich an wie ein Atemzug, der viel zu lange angehalten wurde. Seiten voller Bergluft, knirschendem Kies und Sonnenaufgängen, die sich wie kleine Neuanfänge anfühlen, haben uns beide sofort eingefangen. Neben mir raschelte das Buch, ein leises Flüstern kam von der Couch, ob man wirklich einfach loslaufen kann. Genau dieses Staunen zog sich wie ein roter Faden durch unser gemeinsames Lesen.
Mari stolpert in ein Leben ohne Bildschirm, und mit jedem Kilometer verändert sich auch beim Lesen etwas. Zwischen Blasen an den Füßen und stillen Momenten am Wasser wurde immer wieder gemeinsam innegehalten. An einer Stelle blieb das Buch zwischen uns liegen, weil die Frage im Raum stand, ob Mut immer laut sein muss. Die Antwort fühlte sich plötzlich ganz leise an, und wir blätterten langsamer weiter.
Besonders berührend waren die Begegnungen unterwegs. Warmherzig, vorsichtig, manchmal unerwartet. Ein Lächeln ging von einer Seite zur nächsten, als Mari beginnt, sich selbst wieder zu spüren. Neben mir kam der Wunsch auf, selbst einmal einfach loszugehen, ohne Plan, nur mit Vertrauen. Diese Sehnsucht blieb bis zur letzten Seite.
Die Geschichte erzählt sanft von Druck, Erwartungen und dem Loslassen. Gleichzeitig schenkt sie Hoffnung, dass man sich im Draußen wiederfinden kann. Zurück blieb das Gefühl, gemeinsam eine Reise gemacht zu haben, die nach Regen riecht, nach Freiheit klingt und noch lange nachhallt.
- Thomas Olde Heuvelt
Echo
(55)Aktuelle Rezension von: Kathrin_HermannNachdem mich der erste Roman "Hex" völlig von den Socken gehauen hat, habe ich mit Spannung den zweiten Roman "Echo" von Thomas Olde-Heuvelt auf deutsch erwartet. Ich bin nicht enttäuscht. Olde-Heuvelt versteht es, subtiles Grauen zu erzeugen, indem er das Fantastische nahtlos und schleichend mit der Realität verwebt.
Dabei gelingt es ihm, wie nebenbei, die Gesellschaft abzubilden und zu kritisieren, ohne dass einen der "Ohhhhhh-Gesellschaftskritik"- Hammer erschlägt.
"Echo" erscheint zunächst wie die dramatische Geschichte eines vom Schicksal geschlagenen jungen Pärchens, jedoch ganz ohne den zum Thema zu erwartenden Kitsch. Doch schon findet man sich in einer Geschichte wieder, die als Bergsteiger-Erzählung begann und schleichend zum Horrortrip wird, in dem nicht nur die alpinen Abgründe erschreckend und unerwartet tief sind.
Besonders gefallen hat mir, dass schon die ersten Seiten so erschreckend waren, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Der Gedanke, dass es danach kaum gruseliger werden könne, hat sich nicht bestätigt. In "Echo" ist das Grauen greifbar, handfest und steigert sich mit jeder weiteren gelesenen Seite.
Ein Buch, das uneingeschränkt zu empfehlen ist, insbesondere für die, die subtilen Gänsehauthorror mögen.
- Amy McCulloch
Der Aufstieg – In eisiger Höhe wartet der Tod
(131)Aktuelle Rezension von: eriSCecily ist auf eine Expedition eingeladen und freut sich schon sehr auf die Besteigung des Gipfels Manaslu. Schafft sie die Besteigung wartet ein interessantes Zückerchen auf sie: Sie darf als Erste den berühmten Bergsteiger Charles interviewen. Dieser hat innerhalb eines Jahres vierzehn Achttausender bestiegen und stellt für Cecily ein gutes Sprungbrett für ihre weitere Karriere dar. Sie und weitere Teilnehmer der Expedition machen sich auf in das Basislager. Geplant sind weitere Anklimatisierungsläufe, sowie der Aufstieg in immer höhere Lager, bevor dann der grosse Gipfel bestiegen wird. Doch schon im Basislager passiert etwas dramatisches. Ein Teilnehmer einer anderen Expeditionsgruppe wird tot aufgefunden. Cecily hat kurz zuvor noch mit ihm gesprochen und er hat ihr anvertraut wieso er diese Expedition macht. Ihr kommt es komisch vor das es sich um einen Unfall gehandelt haben soll, hat sie doch eindeutig eine Drohne am Ort des Geschehens gehört. Doch sie muss sich auf ihre Mission konzentrieren und so steigt sie mit ihrer Gruppe immer weiter auf. Alleine im Zelt hört sie nachts komische Pfeiffgeräusche und hat das Gefühl das irgendjemand um ihr Zelt schleicht. Doug der Expeditionsleiter räumt dieser Sache jedoch keine Aufmerksamkeit ein und auch Cecily versucht es zu vergessen. Als eine weitere Person tödlich verunglückt kommen die komischen Gefühle wieder auf. Sind das alles nur Zufälle oder ist ein Mörder unterwegs?
‘Der Aufstieg’ ist ein spannender Krimi, welcher den Leser einen spannenden Einblick in die Vorbereitungen einer solchen Expedition gibt. Die Vorkommnisse bringen einem selbst ins grübeln, den irgendwie sind das zu viele Zufälle und es scheinen auch nicht alle nur die Besteigung des Gipfels im Kopf zu haben. Bis zum Ende war nicht recht klar was hinter den Vorkommnissen steckt und natürlich auch ob es Cecily schafft den Manaslu zu besteigen. Alleine das musste man unbedingt in Erfahrung bringen.
Die Protagonisten könnten unterschiedlicher nicht sein. Zum einen ist hier die eher schüchterne Cecily die manchmal am Punkt ist aufzugeben, aber doch immer ihren grossen Auftrag vor Augen hat. Dann gibt es die mutige Influencerin die schon einige Besteigungen hinter sich hat und eine gute Motivatorin ist. Grant fand ich von Anfang an nicht wirklich sympathisch. Er hat eine aufreisserische Art und überschreitet Grenzen. Auch Doug ist eher auf der unsympathischen Seite, denn er nimmt die Probleme seiner Gruppe nicht ernst. Er scheint nur sein eigenes Ziel zu verfolgen.
Ein spannender Krimi mit einem interessanten Setting. Spannende Lesestunden in der Kälte sind garantiert.
- Krystyna Kuhn
Das Tal - Die Katastrophe
(607)Aktuelle Rezension von: KUebnerBei die "Katastrophe" handelt es sich um Band zwei der "Das Tal" Reihe.
Dieser Band wird vor allem aus der Sicht von Katie geschildert. Als Leser erfahren wir mehr über ihre Vergangenheit und lernen sie als Person besser kennen. Gemeinsam mit einem Teil ihrer Clique macht Katie sich auf den Weg zum Ghost, um dem Geheimnis um das Verschwinden der Studenten von damals auf die Spur zu kommen.
Die Story ist unheimlich spannend. Es gibt immer wieder unerwartete Wendungen und das Ende hat mich sehr neugierig auf Band 3 gemacht. Einfach ein echter Cliffhanger mit dem ich nicht gerechnet habe.
Fazit: Ein gelungener zweiter Band, der wieder viele Fragen aufwirft und bis zur letzten Seite spannenden ist! - Kristina Moninger
In Love at Last
(55)Aktuelle Rezension von: jasi26Diese Reihe hat mich wirklich überrascht. Was zunächst wie eine klassische New-Adult-Geschichte wirkt, entwickelt sich schnell zu etwas viel Tieferem. Freundschaft, Liebe, Geheimnisse und Verlust greifen hier so intensiv ineinander, dass man die Bücher kaum aus der Hand legen kann.
Besonders berührt hat mich die Dynamik zwischen den Charakteren, ihre Geschichten fühlen sich echt, verletzlich und manchmal auch schmerzhaft ehrlich an. Mit jeder Seite wächst die Spannung, weil man unbedingt verstehen möchte, was hinter all den Andeutungen und Ereignissen steckt.
Für mich ist diese Reihe eine emotionale Mischung aus Herzklopfen, Spannung und Momenten, die noch lange nach dem Lesen nachhallen.
- Hendrik Winter
Die Antwort auf Vielleicht
(85)Aktuelle Rezension von: fayreadsEin Krebstaxi auf der Schnellstraße zum Glück
Adam hat nicht damit gerechnet, sich in eine der Patientinnen zu verlieben, die er täglich zur Chemotherapie und zurück fährt. Doch dann steigt eines Tages Jessi in sein Taxi - jung, schön und todkrank. Ehe er sichs versieht, ist es um ihn geschehen. Als er erfährt, dass Jessi vielleicht nur noch wenige Wochen zu leben hat, setzt er alles daran, ihr diese Zeit so schön wie möglich zu machen. Und er hat ein Ziel: Jessis größten Wunsch zu erfüllen. Währenddessen erkennt er, dass auch er seine Träume vielleicht nicht bis "irgendwann einmal" aufschieben sollte ...
Fazit:
Die Idee hat mir sehr gut gefallen. Ein Krebstaxi bietet natürlich Stoff für viele Erzählungen und das hat der Autor auch gemacht.
Adam hängt in seinem Alltag fest und traut sich nicht, auf den höchsten Berg der Welt zu fahren und ihn zu besteigen, obwohl das sein Wunsch ist. Jessi, die krebskranke Patientin, zeigt ihm, was es bedeutet, das Leben zu lieben.
So schön, so gut, aber für mich kamen keine Emotionen herüber. Aif einmal waren die beiden verliebt und als Leser konnte man nicht so richtig folgen.Die Liebesgeschichte dümpelte auch ein bisschen vor sich. Manchmal hatten die beiden außergewöhnliche Dates, aber viel mehr ist nicht passiert. Auch von Jessis Krebs hat man nicht viel mitbekommen. Sie war oft im Krankenhaus, aber da man das Buch aus der Sicht von Adam gelesen hat, konnte man da auch nichts erfahren.
Das Ende fand ich leider sehr bescheiden und insgesamt haben mir wirklich die großen Emotionen gefehlt...
- Andreas Lesti
Das ist doch der Gipfel
(6)Aktuelle Rezension von: Bellis-PerennisDieses gediegen ausgestattete Buch erzählt die Anfänge des Bergsteigens. Berge und besonders die Alpen sind Barrieren, die es zu überwinden gilt, wenn man vom Norden in den Süden und umgekehrt will. Man überquert sie auf Saumpfaden, Karrenwegen und mehr oder weniger ausgebauten Straßen. Der Zweck ist immer ein pekuniärer - Handel. Die Sagen der Gebirgsbewohner sind voll von Monstern, Berggeistern und Drachen, die alle jene, die abseits der Pfade wandeln, den Tod finden lassen. Ab dem 18. Jahrhundert ändert sich das Bild: Künstler, Kartografen und auch Literaten wagen neben unerschrockenen Pionieren den Weg in die Höhe. Nicht mehr der kürzeste (Handels)Weg über den Berg zählt, sondern der Gipfelsieg.
Andreas Lesti, Journalist, Germanist und begeisterter Alpinist schildert nun in 15 Porträts wie sich die Berge von Orten des Schreckens zu den heute von Touristen überlaufenen Sehnsuchtsorten entwickelten.
Der Bogen spannt sich vom bretonischen Schiffsjungen und späteren Arzt Belsazar Hacquet, der ab 1775 zahllose Gipfel in den Westalpen bezwang, dabei Gehzeiten, Geländeschwierigkeiten und die Naturschönheiten beschrieb. Somit kann man ihn als einen der ersten Bergführer bezeichnen. Völlig unbedarft, blauäugig und unzureichend ausgerüstet („Halbschuhtourist“) erklimmt Johann Wolfgang von Goethe im November (!) 1779 das Furkajoch, versinkt dort hüfthoch im Schnee, ständig bedroht durch Lawinen und hat mehr Glück als Verstand, dass er dieses Abenteuer unbeschadet übersteht.
Dann dürfen wir Alexander von Humboldt auf einer seiner Forschungsreise, die ihn u.a. Auf den Teide und den Chimborazo führt, begleiten. Die Expeditionen der österreichischen Brüder Schlagintweit nehmen uns in den 1850er Jahren mit nach Nordindien, wo die Brüder in fast drei Jahren nicht nur 30.000km zurücklegen, sondern auch neue Höhenrekorde aufstellen. Allerdings sammeln/rauben sie wahllos und obsessiv Artefakte, deren Auswertung unterblieben ist.
Doch nicht nur wagemutige Männer besteigen die Berge. Lesti berichtet über die Amerikanerin Meta Brevoort, die sich gemeinsam mit ihrem Hund Tschingel, ein Duell um den Gipfelsieg am Matterhorn mit der Engländerin Lucy Walker liefert. Am 21. Juli 1871 ist es soweit - Good old Europe siegt!
Die herausragendste Bergsteigerin ist jedoch die Polin Wanda Rutkiewicz, die in den 1980er Jahren endgültig in die Männerdomäne des Gipfelstürmens einbricht. Bis 1992 erklimmt sie acht der 14 Achttausender. Beim Besteigen des Kangchendzönga verunglückt sie auf 8300m tödlich.
Dann erfahren wir, warum Skirennen in Japan so populär sind: Theodor von Lerch, dessen Namen in den Alpen kaum wer kennt, hat den Skilauf 1910 in den kleinen Ort Takata gebracht, der nun als Wiege des japanischen Skilaufs gilt.
Spannend und berührend auch das Interview mit Norman Dyrenfurth (1918-2017), jenen Bergsteiger, der noch Hermann Buhl oder Sir Edmund Hillary persönlich gekannt hat.
»Am Ende ergibt sich ein Bild von den Alpen der Gegenwart, das ohne die Helden der Vergangenheit nicht verständlich wäre.«
Fazit:
Das Buch ist wegen seiner gediegenen Ausstattung - Leinencover und Lesebändchen - ein tolles Geschenk nicht nur für Bergfexe. Das Titelbild zeigt übrigens eine Postkarte des Mont Blanc aus dem 19. Jahrhundert. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.
- Ellen Berg
Manche mögen's steil
(105)Aktuelle Rezension von: raschke64Victoria arbeitet als Software-Expertin. Sie kennt nur ihre Arbeit und das Handy und Social Media. Im echten Leben ist sie einsam und relativ verklemmt. In Ihrer Firma wird demnächst ein Job in einer leitenden Funktion frei und Voraussetzung dafür ist ein dreitägiges Wochenende in den Bergen mit Wandern und Klettern. Für Victoria der blanke Horror. Doch da muss sie durch, wenn sie weiter aufsteigen will.
Das Buch ist eine liebenswerte Erzählung über das moderne Leben im Social Media-Zeitalter. Es lässt sich gut lesen und stellt keine höheren Anforderungen. Für mich ein sehr schönes Urlaubsbuch und ich habe mich sehr amüsiert über die witzigen Dialoge. Von mir gibt es eine Leseempfehlung.
- Dan Simmons
Der Berg
(63)Aktuelle Rezension von: SunnySueDie Erstbesteigung des Mount Everest im Jahr 1924 und das damit einhergehende Verschwinden des erfahrenen Bergsteigers George Herbert Leigh Mallory und seines Begleiters Andrew (Sandy) Irvine hat sich Dan Simmons in seinem Roman "Der Berg" als zentrales Thema genommen.
Einige Jahre in Folge hatte Mallory vor Ort Informationen zur Beschaffenheit des Berges, der Wetterverhältnisse der verschiedenen Jahreszeiten und Pläne für die Erstbesteigung des Mount Everest gesammelt, ehe er es dann endlich 1924 gemeinsam mit Irving versuchte. Zeitgleich befinden sich Richard David Deacon, ein langjähriger Freund Mallorys, Jean-Claude Clairoux und der Amerikaner Jacob (Jake) Williams Perry auf einer Klettertour am Matterhorn. Während dieser Tour erreicht die drei begnadeten Bergsteiger die Nachricht von Mallorys und Irvines Verschwinden. Im Zusammenhang mit deren Verschwinden steht auch das Verschwinden von Deacons Cousin Perceval Bromley, der zwar kein Mitglied der Everest Expedition war, aber auf eigene Faust hinter Mallorys Team herkletterte.
In Deacon wirbeln die Gedanken durcheinander. Und nach einiger Zeit fragt er seine beiden Kletterfreunde JC und Jake, ob sie mit ihm gemeinsam eine Besteigung des Mount Everest wagen würden. Diese lassen sich nicht lange überreden. Doch die Finanzierung der Expedition könnte problematisch werden. An dieser Stelle kommt Lady Bromley ins Spiel, denn Deacon gibt ihr gegenüber vor, nach ihrem vermissten Sohn Percy zu suchen und so erklärt sich Lady Bromley bereit die erneute Everest Expedition zu finanzieren.
Die gesamte Expedition wird zu einer nerven- und kraftraubenden Sache und als eines Tages ein lauter Schrei ertönt und Deacon und Co feststellen müssen, dass alle Sherpas im Lager III auf bestialische Art und Weise getötet wurden, wird den Abenteurern klar, dass noch etwas weitaus gefährliches in den Bergen auf sie lauert.
Auch in "Der Berg" widmet sich Dan Simmons wieder einer wahren Begebenheit, die bis heute nicht vollends aufgeklärt ist und für Spekulationen sorgt. Ob Mallory und Irving den Gipfel je erreicht haben, weiß niemand. Mallorys Leiche wurde 79 Jahre später, erst im Jahr 1999 gefunden. Dass er die Mischung von Wahrheit und Fiktion meisterlich beherrscht hat mir Simmons ja bereits in "Terror" bewiesen.
Dan Simmons hat hier wieder einen großartigen Roman geschaffen und wählt hier eine interessante Erzählmethode. Zu Beginn des Buches dürfen wir Dan Simmons persönlich begleiten wie er Kontakt zu dem besagten Jacob Perry aufnimmt, der mittlerweile hochbetagt in einem Seniorenheim lebt. Diesen Jake lässt Simmons dann quasi seine Memoiren niederschreiben. Es ist mir nicht gelungen herauszufinden, ob es Jacob Williams Perry wirklich gegeben hat, daher gehe ich davon aus, dass Simmons ihn als fictionalen Part in die Geschichte eingebracht hat, um einen Erzähler aus erster Hand zu haben. Was hier wirklich ganz hervorragend gelingt.
Was weniger gelungen ist: Der Klappentext suggeriert etwas ganz anderes, als das Buch am Ende liefert. Für mich war es dennoch ein wirklich toller Roman, der mir sehr gut gefallen hat - was ich im Nachhinein kaum glauben kann. Tatsächlich geschieht über die Hälfte des Buches herzlich wenig. Die erste Hälfte des Buches beschäftigt sich nur mit den Vorbereitungen für die Expedition, ehe die Teilnehmer überhaupt zum Everest aufbrechen. Doch Simmons hat ein so großartiges erzählerisches Talent, dass ich selbst das ungemein spannend fand. Und das kuriose ist, dass ich, die absolut keine Ahnung oder überhaupt Interesse am Bergsteigersport hat, mich so sehr von Simmons Erzählung habe mitreißen lassen, dass ich beim Lesen selbst Lust hatte auf eine Expedition zu gehen. Zudem versteht sich Simmons sehr gut darauf einem absoluten Laien wie mir das nötige Wissen für solche Expeditionen auf eine angenehme Art und Weise zu vermitteln ohne mich dabei zu langweilen.
Das Ende des Buches wird dann allerdings etwas abstrus, aber das schmälert weder das Gesamtwerk noch den Spaß. - Oliver Schulz
8849: Massentourismus, Tod und Ausbeutung am Mount Everest
(1)Noch keine Rezension vorhanden - Sarah Lotz
Angstrausch
(34)Aktuelle Rezension von: lucatrkisDer Klappentext verriet nicht ganz, worum es in „Angstrausch“ ging: Rund das erste Viertel der Geschichte drehte sich um eine illegale Expedition in ein Höhlensystem – wo das erwähnte Video entstand, bei dem der Protagonist Simon beinahe zu Tode kam –, anschließend nahm den größten Teil des Romans die Everest-Besteigung ein, ehe noch etwas anderes folgte. Alles fand unter Thierrys Drängen statt, Content für ihre gemeinsame Webseite zu produzieren, wofür er selbst gleichwohl keinen Finger rührte.
Ed, Simons Höhlenführer, war mir auf Anhieb unsympathisch, das sollte er aber auch sein. Bei dem Protagonisten selbst vergaß ich dagegen anfangs die ganze Zeit, dass er männlich war, weil seine Erzählsprache eher nach einer Frau klang. Die Szenen unter der Erde mit dem engen „Rat Hole“ waren atmosphärische, mit der Zeit wartete ich jedoch auch auf den Beginn der „richtigen“ Handlung. Eine Erwartungshaltung, die anders gewesen wäre, hätte man sich im Klappentext nicht auf die Everest-Besteigung konzentriert.
(SPOILER) Diese setzte in Form von Tagebucheinträgen der zuvor unerwähnten Bergsteigerin Juliet während ihres Gipfelversuchs am Mount Everest ein, was für mich zunächst schwer einordbar, zudem mitunter etwas zäh war. Erst später erfuhr man, dass Juliet die verstorbene Mutter von Mark, einem der Teilnehmer bei Simons Everest-Mission, war, ihre Perspektive somit in der Vergangenheit spielte. Faszinierend fand ich das von ihr geschilderte „Dritter Mann“- Phänomen, das irrationale Gefühl, in den höheren, sauerstoffärmeren Gefilden des Berges nicht allein zu sein. Ihr „Dritter Mann“ war ihr verstorbener Kletterpartner, allerdings mit einer altmodischen Sauerstoffmaske, die sein Gesicht verhüllte, was durchaus für ein wenig Grusel sorgte.
Simon erfuhr während seiner – im Übrigen recht langarmigen – Besteigung ähnliche Halluzinationen wie Juliet, wobei sein „Dritter Mann“ der in der Höhle verstorbene Ed war. Ob es sich tatsächlich um Einbildung handelte, sollte eine Weile offen bleiben, am Ende war Ed aber selbstverständlich nicht von den Toten auferstanden. Schade, definitiv eine ungenutzte Chance, sich ein wenig in Richtung Horror zu bewegen!
Für mich als Laie klang der Everest-Aufstieg überraschend einfach, immerhin konnte selbst der unerfahrene Simon beinahe bis zum Gipfel vorsingen. Im Verlauf dessen entwickelte er eine annähernd romantische Beziehung zu einer Mitbergsteigerin namens Wanda, welcher leider jedoch zerbrach, nachdem seine wahre Intention hinter der Reise zum Everest – das Filmen von dort befindlichen Leichen für die Website – herauskam.
Dass er während der Zeit auf dem Berg einen moralischen Wandel durchgemacht und gar keine Toten gefilmt hatte, wollte Wanda nicht hören. Die Everest-Episode endete mit einem fulminanten Protagonist-geht-fast-drauf-Finale an Juliets noch immer kurz vor der Gipfel liegendem Leichnam. Nicht nur ihr grellpinker Kletteranzug, auch Simons innere Ed-Stimmen waren sehr eindrücklich.
Das letzte Drittel spielte nach der Bergbesteigung. Simon kehrte zurück in das Höhlensystem vom Anfang der Geschichte, zu Eds Körper gelang es ihm indes nicht vorzudringen, da man nach seiner Rettung einige Teile abgeriegelt hatte, um zukünftige Unfälle zu verhindern. Eigentlich hätte man sich diese Szenen deshalb sparen können, spannungstechnisch waren sie leider eine Enttäuschung. (SPOILER ENDE)
Das Ende gefiel mir prinzipiell ganz gut (nun kam doch ein wenig Horror-Stimmung auf!), war allerdings zu abrupt. Daran schlossen ein umfangreiches Glossar sowie eine Karte mit den verschiedenen Lagern auf dem Mount Everest ein, was eingangs beides leider mit keiner Silbe erwähnt worden war. Dass die Autorin gut recherchiert hatte, sah man unter anderem an der angehängten Bibliographie, was mir bei einem Roman selten begegnet ist.
Fazit: „Angstrausch“ barg sicherlich Potenzial, die Geschichte wirkte zuweilen jedoch unstrukturiert (beispielsweise fand der Höhepunkt nach zwei Dritteln statt, danach ging es abwärts), was an der fehlenden Kapiteleinteilung liegen mochte – oder dem sie schlecht vorstellenden Klappentext. Im gesamten Roman gab es zudem allein die drei Unterbrechungen, wenn ein neuer Teil begann, sowie an zwei oder drei Stellen bei einem Perspektivwechsel zu Juliets Tagebuch.
- Amy McCulloch
Der Aufstieg – In eisiger Höhe wartet der Tod
(17)Aktuelle Rezension von: Svenjas_BookChallengesEin Thriller, der im Himalaya spielt und in dem es vor allem ums Bergsteigen geht? Da bin ich ja sowas von dabei! „Der Aufstieg – In eisiger Höhe wartet der Tod“ der britisch-kanadischen Autorin Amy McCulloch, ins Deutsche übersetzt von Leena Flegler, klang deshalb für mich richtig gut. Es geht dabei um Cecily, eine bisher eher mäßig erfolgreiche Journalistin, der sich die Chance ihres Lebens bietet: Sie darf als Erste den berühmten Bergsteiger Charles McVeigh interviewen – allerdings nur, wenn sie gemeinsam mit ihm den Manaslu, den letzten Gipfel seiner Achttausender-Mission, besteigt. Der Berg ist tödlich genug, doch noch im Basislager wird klar: Unter den zahlreichen Expeditionsteilnehmenden ist auch ein Mörder.
Mit diesem Szenario hat Amy McCulloch mich von Anfang an gefesselt, auch wenn die Geschichte sich eher gemächlich entwickelt und es gerade in der ersten Hälfte des Thrillers vor allem um das Bergsteigen an sich geht. Für mich ist das ja genau das Richtige, denn mich faszinieren die Geschichten von Himalaya-Expeditionen einfach generell. Was ich an „Der Aufstieg“ besonders großartig finde: Man liest bzw. hört heraus, dass Amy McCulloch selbst Extremsportlerin und Bergsteigerin ist. 2019 stand sie als bisher jüngste kanadische Frau auf dem Gipfel des Manaslu (übrigens der achthöchste Berg der Erde). Sie weiß also aus erster Hand, welche Bedingungen am Berg herrschen und was es den Menschen abverlangt, die sich dazu entscheiden, ihn zu besteigen.
Für mich hat sich die Geschichte daher sehr authentisch angehört, insbesondere in Bezug auf den Ablauf einer solchen Expedition – das harte Training, die wochenlange Akklimatisierungsphase, das Auskommen mit dem Lebensnotwendigen und die zahlreichen Extremsituationen. Auch die Atmosphäre in eisiger Höhe fängt McCulloch perfekt ein – und gibt dem Ganzen noch einen extra Kick, indem sie die Frage aufwirft, was passiert, wenn sich in einer so lebensfeindlichen Umgebung wie dem Himalaya-Gebirge ein Mörder herumtreibt. Wer wird nach einem suchen, wer kann einem noch helfen, wenn jemand auf über 8000 m Höhe entscheidet, zu töten?
Gerade in der zweiten Hälfte der Geschichte sorgt dieses Szenario für Gänsehaut und den letzten Stunden des Hörbuchs, das von Britta Steffenhagen fesselnd gelesen wird, habe ich fast atemlos und gebannt gelauscht. Die Auflösung fand ich wahnsinnig gelungen und der Thrill, der sich zunächst langsam angeschlichen, dann aber die Handlung durchgehend bestimmt hat, hat mich absolut gepackt. Einzig mit Protagonistin Cecily war ich nicht immer d’accord – ich habe mich eigentlich durchgehend gefragt, was sie als unerfahrene Touristin am Manaslu zu suchen hat und fand ihre Naivität nicht immer leicht zu ertragen. Aber wie gesagt: Die Geschichte selbst hat es in sich und wer auf Nervenkitzel steht, kommt voll und ganz auf seine Kosten!
- Karen Swan
Ein Geschenk zur Winterzeit
(39)Aktuelle Rezension von: dodo2025Das Buchcover gefiel mir sehr, versprach auch mehr Winter als dann drin war! Der Schreibstil von Karen Swan ist immer leicht und flüssig zu lesen. Der Roman war teilweise doch langwierig, manche Passagen hätten auch kürzer ausfallen können. Dennoch gefiel er mir gut, die Protagonisten waren mir fast alle sympathisch, die Hauptprotagonisten Natasha ganz besonders. In dem Zwiespalt in dem sie sich befand, war interessant zu lesen, wie sie damit umging, wenn dadurch auch mit viel Leid. Rob, ihr Ehemann, allerdings eine weniger sympathische Figur, wenn es anfangs auch völlig anders aussah. Mabel ein süßes kleines Mädchen, aber irgendwann war doch abzusehen wer ihr echter Vater ist.
- Heinrich Steinfest
Der Allesforscher
(75)Aktuelle Rezension von: awogfliHeinrich Steinfest liefert uns in der ersten Hälfte sein typisches Universum schräg, kuriositätenreich und mit Unwahrscheinlichkeitsantrieb funktionierend. Eine sensationelle Idee jagt die andere gleich einem Feuerwerk an Absurditäten. Der Protagonist und Manager Sixten Braun wird von der daherfliegenden Leber eines explodierenden Wals in Taiwan ins Koma verfrachtet und überlebt anschließend einen Flugzeugabsturz im Südchinesischen Meer.
Nach diesen Katastrophen kriegt er als Bademeister in Deutschland sein neues Leben auf die Reihe, das er gemächlich und beschaulich ausgestaltet, also downsized, weil er infolge der Traumata nicht mehr in ein Flugzeug einsteigen kann und auch mit seinem bisherigen Job nichts mehr anfangen möchte.
Aus dieser Idylle wird er nach Jahren wieder plötzlich herausgerissen, denn nun ist er mit einem angeblich in Taiwan gezeugten Sohn konfrontiert für den er die Vormundschaft übernehmen soll. Die Behörde hat ihn informiert, dass seine damalige Geliebte und verantwortliche Ärztin während des Komas sehr schnell nach der Geburt des Kindes an Krebs gestorben ist und die beauftragte Pflegemutter nun in der Psychiatrie gelandet ist, sich also auch nicht mehr um das Kind kümmern kann. Sixten Braun fällt aus allen Wolken, übernimmt jedoch Verantwortung, denn die Wahrscheinlichkeit, dass er der Vater ist, ist durchaus nicht unerheblich.
Als das Kind mit dem Namen Simon aber dann nach Behördendschungel und Überstellung in Deutschland ankommt, ist klar, dass Sixten nicht der Vater sein kann, denn der Bub hat eindeutig asiatische Züge. Seine Geliebte war aber ebenso wie der Protagonist Deutsche. Keiner in der taiwanesischen Behörde hat ein Foto gesendet oder die Vaterschaft in Frage gestellt, denn sie dachten, Sixten sei Asiate. Nun war der Fehler nicht mehr rückgängig zu machen, das entzückende Kind ist vor Ort in Deutschland, Sixten fügt sich in sein Schicksal und adoptiert Simon aus Liebe und Respekt zur Mutter dennoch. Ein weiteres Detail hat die taiwanesische Behörde auch noch unterschlagen, um das Kind loszuwerden, Simon spricht eine komplexe Sprache, die keiner versteht. Nach ausführlicher Recherche wird klar, es ist keine chinesischstämmige Sprache, kein Dialekt, sondern eine eigenständige erfundene in sich logisch konsistente Geheimsprache, die sonst niemand auf der Welt spricht.
Ab in etwa der Hälfte des Romans wird das Tempo langsamer, fast schon gemächlich. Vater und Sohn nähern sich nach und nach einander an, aber Simon bleibt bei seiner Sprache und in seiner Welt. Sixten verliebt sich zudem auch noch in die Angestellte der taiwanesischen Botschaft, die die Adoption organisiert hat. Als Simon 8 Jahre alt wird, kommt Sixten drauf, dass der Bube perfekt klettern kann.
In einem Nebenstrang wird auch noch die Geschichte von Simons leiblichem Vater geschildert. Gemäß dem typischen steinfestschen Unwahrscheinlichkeitsantrieb kommen alle Protagonisten, die lebenden und die Toten in Tirol auf jenem Berg zusammen, auf dem Sixtens Schwester Astrid bei einem Kletterunfall gestorben ist.
Der Buchtitel Der Allesforscher stammt von Steinfests Sohn, der, um einen Universalgelehrten zu beschreiben, dieses Wort erfunden hat. Im Roman spielt dieser Allesforscher fast bis zum Ende eine untergeordnete Rolle, er war ein väterlicher Freund von Sixten.
Übrigens den explodierenden Wal gab es tatsächlich. So ein Ereignis ist zweimal passiert 1970 in Oregon und 2004 in Tainan, wie im Buch beschrieben. Solche Situationen sind übrigens gar nicht so ungewöhnlich. Durch die Gärgase tendieren verwesende Wale zu explodieren. Kontrollierte Miniexplosionen durch Schnitte in die Wale in den Niederlanden, in Dänemark und auf den Färöer-Inseln haben den großen Knall verhindert. https://www.youtube.com/watch?v=-4OIYQ6HCnk
Fazit: Sehr guter Roman, der in der Mitte für meine Gefühle gar zu sehr eine Vollbremsung hinlegt und das Tempo zu viel drosselt.
- Michael Holzer
Berg und Sinn – Im Nachstieg von Viktor Frankl
(4)Aktuelle Rezension von: sternenstaubhhViktor Frankl war ein österreichischer Neurologe und Psychiater, der als Jude während des Nationalsozialismus in vier Konzentrationslagern deportiert wurde. Als begeisterter Bergsteiger hat er viele schöne Erfahrungen machen können, die ihm später geholfen haben diese Konzentrationslager zu überleben. Das Buch "Berg und Sinn" verbindet sowohl das Bergsteiger wie auch die Biografie und die Erkenntnisse Viktor Frankls. Die Autoren Michael Holzer und Klaus Haselböck wandeln auf den Spuren Viktor Frankls sowohl biografisch wie auch in den Bergen. Denn über das Wandern sind sie Viktor Frankl, seinem Leben und Wirken, näher wie wahrscheinlich niemand zuvor. Vor allem das von Frankl geliebte Rax-Plateau bietet viele interessante und lesenswerte Momente der Verbundenheit. "Kletterer sind besondere Menschen" heißt es und diesen Eindruck hat man auch nach der Lektüre dieses Buches. Das Buch "Berg und Sinn" bringt einem die Begeisterung für das Bergsteigen wie auch das Leben Viktor Frankl näher. "Berg und Sinn" hat mir viele angenehme und ruhige wie auch anregende und nachdenklich stimmende Lesestunden beschert.
- Yasushi Inoue
Die Eiswand
(8)Aktuelle Rezension von: Dirk_Walther1Ich entdeckte das Buch in der Auslage einer lokalen Buchhandlung. 9. Auflage! Aus dem Japanischen, was ich als eine Art Vorauswahl/filter ansah, weil ja sicher eher gute Literatur weltweit Verbreitung findet und das über Jahrzehnte (1979 Erstauflage). Interessanter Grundkonflikt, existenzielle Fragen. Aber, aber... Ermüdende, bedeutungslose Vorgangsbeschreibungen reihen sich aneinander. Nur an einer Stelle gibt es übergreifende, allgemeine Betrachtungen zum menschlichen Sein (Wenn ein Mensch älter wird...Kyonosuke-Tokiwa). Ansonsten: die Frage, ob nun das Seil gerissen oder durchgeschnitten wurde, was zum Absturz eines der beiden Bergsteigerfreunde geführt hatte, wird derart penetrant oft wiederholt, und zwar ohne dass an den meisten Stellen sich faktisch Neues ergeben hatte, dass es mich zunehmend ermüdet, ja regelrecht genervt hat. Und sowieso: wie kann es denn sein, dass das Geschehen nicht behördlich/ polizeilich untersucht worden ist? Immerhin steht potenziell Mord im Raum. Auch ist völlig unklar, warum nicht allen die Länge das am Körper gefundenen Seils als Indiz betrachtet wurden. Und wie plausibel ist es, dass sich jemand am 1.Januar, mitten im Winter, auf hochalpine Bergtouren begibt? Weiterhin sind oft zeitliche Angaben inkonsistent. Zeiten der Dämmerung können jahreszeitlich wie beschrieben so nicht stimmen. Neun Bäume für die Einäscherung fällen? Frisches Holz? Und wie genau trennt man die Asche? Aber gut. Details...
Was aber tatsächlich gelingt, ist, die Starrheit der Konventionen (Japan der 1950er. Das eisige Verhältnis des Ehepaars Yashiro) einerseits zu vermitteln, anderseits aber auch persönliche, menschliche Spielräume zu offenbaren (Uozus Chef). Leider berühren die emotionalen Zerrissenheiten der sich angebliche Liebenden so gut wie gar nicht, wenn überhaupt, dann die von Minako.
Insgesamt also leider enttäuschend.
- Hans-Peter Duttle
Illegal am Everest
(14)Aktuelle Rezension von: StreiflichtDieses Buch hat mich zugleich berührt und fasziniert. Hans-Petter Duttle erzählt darin über sein unstetes Lebens, das ihn quasi rund um die Welt führte, aber nie ruhig werden ließ. Er war zeitlebens rastlos und auf der Suche – nach sich selbst, nach dem Sinn des Lebens und nach einer Aufgabe, die ihn erfüllt. Das beschreibt der Autor Reto Winteler unglaublich einfühlsam, authentisch und berührend. Schon der Untertitel „Mein steiniger Weg auf der Suche nach dem Glück“ zeigt, dass Duttle ein ewig Suchender war.
Der erste Teil des Buches beschäftigt sich mit seiner Kindheit und Jugend. Schon damals fühlte er sich oft überflüssig und wenig geliebt. Sein Bruder war ein Sonnenschein und nach seinem Tod war Duttle noch einsamer. Aufgewachsen in Beirut, fühlte er sich in der eigentlichen Heimat Schweiz unwohl und eingeengt. Die Konventionen waren nicht sein Ding und auch nicht Luxus und Konsum, was er als Diplomatenkind von Anfang an kannte. Nach zahlreichen Arbeitsstellen und Versuchen, in der Alltagswelt eines Erwachsenen anzukommen, verschlägt es den Suchenden im mittleren Hauptteil des Buches in den Himalaya. Dort versucht er, gemeinsam mit drei Amerikanern und ohne weitere Hilfsmittel oder Helfer bzw. Träger, den Mount Everest zu erklimmen. Und das auch noch illegal, weil es nur eine offizielle Delegation pro Jahr gibt. Der Versuch misslingt, prägt die vier Extrembergsteiger aber für den Rest ihres Lebens. Duttle hat sein Glück immer noch nicht gefunden und sucht weiter. Seine rastlose Getriebenheit führt ihn nach Kanada zu den Inuit und dann immer wieder an verschiedene Stationen in Südamerika, auch zurück nach Nepal. Trotz einer Frau, die mit ihm kommt, und seiner zwei Töchter kommt er nicht zur Ruhe. Frieden findet er erst im Alter und als Verena in sein Leben tritt.
Eine unglaublich interessanter Geschichte über ein spannendes, abenteuerreiches, trauriges und wildes Leben. Interessant fand ich vor allem die Schilderungen über das Leben bei den Inuit, das ich so genau noch nicht kannte. Das fand ich wirklich spannend, genau auch wie die Expedition zum Everest. Toll war, wie aufgeschlossen Hans-Peter Duttle anderen Menschen, Kulturen und Sprachen war. Er hat sich immer angepasst und mit den Leuten vor Ort gelebt. Er hat sich dabei nie wichtig genommen, noch hat er versucht, den Menschen etwas aufzuzwingen oder sie ändern zu wollen. Im Gegenteil fand er das schrecklich und war gerade an den alten Traditionen und Sitten der Inuit, aber auch der Indianer in Südamerika interessiert. Ein bemerkenswerter Mann, von dem viele hätten lernen können.
Leider fand ich den letzten Teil des Buches etwas sehr schnell und zu kurz gekommen. Da hätten es meiner Meinung nach gerne ein paar mehr Seiten sein dürfen. Vieles war dann nur noch angerissen.
Sehr berührt haben mich vor allem der Anfang und das Ende, wo Duttle selbst zu Wort kommt: „Wovor ich eigentlich davonlief, wusste ich selber nie genau – die Unzufriedenheit mit meinem eigenen Leben und meine Abscheuvor der Menschheit gaben sich da immer die Hand. Aber wohin ich wollte, das wusste ich genau: in abgelegenste, unberührte Gebiete, in denen es keine oder möglichst wenige Menschen gab, an die äußersten Ränder unserer zivilisierten Welt.“ Schon früh hatte er erkannt, wie wichtig die Natur für uns Menschen ist und wie verrückt es ist, diese unwiederbringliche und kostbare Umwelt zu zerstören: „Andererseits gibt es mir in meinem Leben tatsächlich darum, die „Komfortzone“ zu verlassen, nämlich dem ganzen oberflächlichen Lebensstil unserer westlichen Welt den Rücken zu kehren. Jener Welt, die ihre „Komfortzone“ immer weiter ausdehnt, jenem Teil der Menschheit, der alles daransetzt, einen oft pervers anmutenden Wohlstand immer noch weiter zu steigern. Dass wir sehr entschlossen daran sind, in kürzester Zeitunser uraltes weltgeschichtliches Erbe zu zerstören und unsere eigene Zukunft aufs Spiel zu setzen, weiß heute im Grunde jedermann. Und das ist das ganz Unheimliche daran.“
- Alexander Huber
Die Angst, dein bester Freund
(8)Aktuelle Rezension von: SikalAlexander Huber ist weit über Bergsteigerkreise hinaus bekannt als einer der Besten seines Faches. Und wenn jemand, der in hunderten Metern Höhe über Abhängen hängt uns etwas über die Angst erzählt, so hat das schon etwas Besonderes.
Wer kennt das Gefühl nicht, wenn uns die Angst beschleicht, sie wie ein Schauer über den Rücken läuft oder ganz plötzlich da ist, ohne dass man auch nur die geringste Möglichkeit sieht ihr zu entgehen? Ist es immer ein Zeichen von Schwäche, die eigenen Ängste zu verdrängen oder sollte man sich ihnen stellen und sie überwinden?
Ganz frei erzählt der Autor über die Ängste, die er selbst im Laufe der Zeit erlebt hat – welche er überwunden hat und welchen er sich geschlagen geben musste.
Nach der Einführung und einem Plädoyer für die Angst erfährt der Leser was es mit der Angst genauer auf sich hat. Wo kommen unsere Ängste überhaupt her und welche Rolle spielen sie in unserem Leben. Zwischen den Geschichten, die Alexander Huber über seine eigenen Erfahrungen mit der Angst erzählt, kommen auch immer wieder weitere „Angsterfahrene“ zu Wort.
Der Leser bekommt auf den 250 Seiten des Buches einen guten Eindruck davon, wie Profis mit der Angst umgehen und wo auch diese an ihre Grenzen stoßen. Und der Leser bekommt einen Eindruck davon, wie es möglich ist, sich seinen eigenen Ängsten zu stellen und seine eigenen Grenzen auszuweiten und besser kennen zu lernen.
All das erzählt der Autor nicht nur aus seiner Perspektive, sondern er untermauert seine Thesen mit wissenschaftlichen Aussagen und Fakten.
Ist die Angst ein Freund und vielleicht sogar unser bester?
Die Geschichte mit dem Säbelzahntiger kennt jeder – es würde uns wahrscheinlich nicht geben, hätten unsere Urahnen nicht in gewissen Situationen ihre Beine in die Hand genommen… 4 Sterne
- Jutta Mehler
Magermilch
(15)Aktuelle Rezension von: MAZERAKFanny Rot ist Hausfrau und Oma, und hat sich ihr Leben gemütlich eingerichtet. Doch als sie am Fuße des Klettergartens einen abgestürzten Toten findet, steht ihr Leben Kopf. Denn sie kannte den Verunglückten und glaubt nicht an ein zufälliges Versagen des gewissenhaften und geübten Bergsteigers.
Das liebenswerte ländliche Cover zeigt ein bisschen heile Welt, die es für Fanny Rot erst einmal nicht mehr gibt. Denn sie kann nicht an ein Unglück glauben und beginnt, Fragen zu stellen. Sehr gezielt setzt sie mit ihren Ermittlungen an und trägt Stück für Stück die Puzzleteilchen zusammen.
Für mich ist es das erste Buch von Jutta Mehler und ich habe mich sofort darin wohl gefühlt. Die Autorin schreibt sehr lebendig, detailreich und unterhaltsam, ihre Protagonistin ist liebenswert, ein bisserl eigenwillig und manchmal sehr direkt. Und sie versteht es, Bekanntschaften zu nutzen, die Menschen einzuwickeln, auszufragen und sehr klug die Zusammenhänge zu erkennen. Das sie diese vielleicht etwas zu lange für sich behält, wird ihr und ihrem treuen Freund beinahe zum Verhängnis und sorgt für einen atemberaubenden Showdown, der zusätzlich letzte Zweifel ausräumt. Ein spannender, humorvoller und abwechslungsreicher Krimi, der beste Unterhaltung bietet!























