Bücher mit dem Tag "berlinroman"

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9 Bücher

  1. Cover des Buches In Plüschgewittern (ISBN: 9783499258831)
    Wolfgang Herrndorf

    In Plüschgewittern

     (147)
    Aktuelle Rezension von: Mlle-Facette

    Ich habe mal gehört, dass die Haut sich mindestens alle achtundvierzig Stunden erneuert. Also, wenn man jemandem nach ein paar Tagen die Hand schüttelt, hat man schon nicht mehr dieselbe Person zu fassen, und man selbst ist auch nicht mehr dieselbe Person. Nur die Narben bleiben. Kein Charakterzug, keine Erinnerung ist so stabil. S. 126

    DER INHALT

    Der namenlose Erzähler ist um die dreißig und hat sich gerade von seiner langjährigen Freundin getrennt. An einer Autobahnraststätte. Relativ teilnahmslos hat er diesen Akt der Beziehung hinter sich gebracht und ist dann weiter gezogen, um seinen Freund Desmond in Berlin zu besuchen. Auf dem Weg dahin hält er sich kurz bei seinem Bruder und seiner Frau auf. Ein Besuch der ihm mehr lästig als recht ist und irgendwie auch nur Mittel zum Zweck, damit er auf der Durchreise eine Unterkunft hat. In Berlin angekommen, lässt die nächste Frau nicht lange auf sich warten, aber auch mit 30 Jahren ist die Liebe und das Leben noch immer nicht einfacher geworden. Oder vielleicht doch? Vielleicht ist das alles ganz einfach, aber nur für die anderen?

    MEINE MEINUNG

    Es liest sich leicht, aber mit jedem Satz fühlt man die Last auf der Seele des Erzählers. Typisch für Herrndorf so viel Tiefsinn in schlichte, einfache Sätze zu verpacken. Der Erzähler beschreibt ganz Alltägliches – das Ende einer Beziehung, den Besuch beim Bruder und dessen Frau, den Besuch bei einem alten Freund, ein paar Partys, Spaziergänge, Verliebtheit – und doch ist der Protagonist von einer Melancholie erfüllt, die er selbst kaum begreifen kann. Immer wieder fallen seine Gedanken in Vergangenes zurück, immer auf der Suche nach dem Grund und den Ursachen für die Entwicklung seines Lebens, immer hoffend auf die Antwort darauf, warum er sich nicht einfügen kann, warum ihn die Normalität wahnsinnig macht und ihm so banal vorkommt, dass es kaum auszuhalten ist.

    Das habe ich schon lange nicht mehr gehört, das Geräusch der Terrassentür, und ich glaube, das hätte ich gerne auf Kassette: Geräusche aus dem Haus, wo ich meine Jugend ließ, zweimal fünfundvierzig Minuten. S. 20

    Dabei hat man als außenstehender Leser durchaus das Gefühl, dass er sich ganz gut einfügen könnte, wenn er denn wollte, aber eben genau das scheint ihm das Problem zu sein. Er hält es nicht aus, dass er ist wie alle anderen, kann sich nicht zufrieden geben damit, dass es das schon gewesen sein soll. Leicht narzisstisch und immer von oben herabblickend auf alle anderen die um ihn herum sind, verliert er sich in seiner Welt und seinen Gedanken. Was für andere vielleicht als Überforderung mit dem Leben wahrgenommen wird, ist für ihn schlichtweg die Rebellion gegen das für alle andere funktionierende System des sich bindens, heiratens, erwachsen werdens.

    Ich bleibe aber noch sitzen und starre auf das Blut, das ein Semikolon unter ihrer Nase macht, was mich ein bisschen beunruhigt. Semikola sind ja bekanntlich noch viel trauriger als jeder Gedankenstrich oder Punkt. S. 87

    Es gibt kurze Momente, in denen man als Leser glaubt, dass er das alles auch gerne hätte, diese Einfachheit, diesen simplen Verstand der anderen, dass er es sich aber nicht eingestehen kann oder will, denn dann würde er das System bestätigen.
    Trotzdem sehnt er sich letztendlich doch irgendwie in die alte, gerade erst beendete Beziehung zurück. Ein Zurück gibt es aber nicht und daran scheitert er letztendlich komplett.

    So interpretiere ich es jedenfalls, denn zum Ende werden die Gedanken und Eindrücke des Erzählers ein wenig wirr und das abschließende Kapitel, aus der Sicht des Bruders, gibt nur vage Hinweise. Viel Platz für Interpretation also.

    ZUSAMMENGEFASST

    Nach „Tschick“, „Arbeit und Struktur“ und „Bilder meiner großen Liebe“ das nun vierte Buch von Wolfgang Herrndorf, das ich gelesen habe. Und auch wenn es irgendwie düsterer ist als „Tschick“ und „Bilder meiner großen Liebe“, ist es eben Hernndorf und Herrndorf ist einfach großartig – das kann ich auch nach „In Plüschgewittern“ weiterhin behaupten. Sein Stil, seine Sprache, seine Gedanken – da fühle ich mich zu Hause und wohl.

    „In Plüschgewittern“ lässt sich nicht so recht vergleichen mit den Büchern, die ich bisher von Wolfgang Herrndorf gelesen habe, und das möchte ich auch gar nicht, aber er hat einen wunderbaren Blick auf die Welt und versteht es einfach, die Gedanken über das Ist und das Sein und alles was war und vielleicht kommt, die Gedanken die uns allen immer mal wieder im Kopf rumspuken – dem einen mehr, dem anderen weniger – zu verschriftlichen und das so, dass man sich selbst genauso verloren in dieser Welt fühlt, wie der Erzähler im Buch.
    Mir ging es beim Lesen jedenfalls so. Denn schneller als man denkt, kann es passieren, dass man sich selbst verliert, wenn man zu sehr vergleicht und zurückschaut und versucht für alles einen tieferen Sinn zu finden. Man gerät in eine Blase, genau, wie der Protagonist, nur dass der es nie wirklich herausschafft. Man muss seine Rettungsringe finden und kennen und um sich haben, um in all diesem Wahnsinn des Menschseins nicht unterzugehen.

    Ich habe eine sensationelle Angst vor dem Tod, falls ich das noch nicht gesagt habe. Ich kenne niemanden, außer meinem Vater vielleicht, der so viel Angst vor dem Tod hat wie ich. Ich habe schon mit hunderttausend Leuten geredet und bin jedes Mal erstaunt, wie wenig beunruhigt die meisten sind. Und ich meine nicht die, die von Weiterleben oder Wiedergeburt faseln, die sich vorstellen, dass ihr Geist oder ihre Seele oder was auch immer später irgendwo rumfliegt, und der entscheidende Satz ist dann immer: Ich bin ja auch irgendwie ein bisschen neugierig. Mit so Geisteskranken rede ich gar nicht. Aber auch alle anderen Leute, die ich kenne, haben sich diese Theorien zurechtgelegt. Sogar Desmond. Dass der Tod ein natürlicher Bestandteil des Lebens ist. Wer den Tod nicht akzeptiert, akzeptiert auch irgendwie das Leben nicht. Buddhisten-Unfug, Goethe, bla. Und schließlich sind da ja noch die Moleküle, es verschwindet ja nichts aus dieser Welt. S. 48
  2. Cover des Buches Herr Lehmann (ISBN: 9783442461288)
    Sven Regener

    Herr Lehmann

     (1.197)
    Aktuelle Rezension von: AnjaLG87

    Ich lese selten lustige Bücher und schaue ungern Komödien; mich kann man nur mit intelligentem Wortwitz und dem Spiel mit der Sprache aus der Reserve locken. Und das ist Sven Regener mit diesem Buch gelungen. "Herr Lehmann" ist herrlich witzig, häufig "um die Ecke gedacht" und voller Sätze, die so klug konstruiert sind, dass es Spaß macht, sie mehrmals zu lesen. Es handelt sich insgesamt eher um einen Lebensausschnitt, der dargestellt wird; große Entwicklungen und Ereignisse darf man als Leser also nicht erwarten. Vielmehr stellt Regener den Alltag seines Protagonisten dar, dessen Suche nach Sinn und Ziel, seine "Abnabelung" vom Elternhaus usw. Ich finde, dies alles las sich wirklich flüssig und ich habe Lust bekommen, mehr von Regener zu lesen.

  3. Cover des Buches Käsebier erobert den Kurfürstendamm (ISBN: 9783442715565)
    Gabriele Tergit

    Käsebier erobert den Kurfürstendamm

     (14)
    Aktuelle Rezension von: lazH

    "Es ist ein Museum, in dem die Atmosphäre einer Zeit aufbewahrt wird", denkt der Dramatiker Otto Lambeck beim Besuch von Ewests Weinstube in der Behrenstraße. Es ist gleichzeitig die beste Charakterisierung, die man für Gabriele Tergits Debütwerk "Käsebier erobert den Kurfürstendamm" finden kann.

    Tergits Roman erschien 1931 und spielt zwei Jahre vorher. Lassen wir mal "Käsebier", den Volkssänger in der Hasenheide, außer acht. So wäre Tergits Roman heute einerseits eine Gesellschaftssatire – wenn Käsebiers Schicksal nicht so traurig wäre – und andererseits ein politischer Roman, den ich persönlich gleichsetzen möchte mit Ingmar Bergmanns Film "Das Schlangenei". Hier wie dort wird ein Deutschland gezeichnet, dessen Ordnung am Zerbrechen ist und das durch Abschottung und Passivität die demokratische Idee in Frage stellt.

    Tergit beschreibt das Aufkommen des Nationalsozialismus mit all seiner Brutalität und Unmenschlichkeit und macht im selben Moment klar, dass Hitler und seine NSDAP noch immer nicht ernst genommen wurden. Wie sonst erklärt es sich, dass einer ihrer Protagonisten in beständiger Regelmäßigkeit zynisch grüßt: "Heil und Sieg und fette Beute!"?

    Gabriele Tergit, Tochter aus wohlhabenden Haus, schrieb Ende der 1920er Jahre als Gerichtsreporterin für den Berliner Börsen-Courier, die Vossische Zeitung und die Kulturzeitschrift Die Weltbühne. Tergit befand sich damit in guter pazifistischer Gesellschaft von Kurt Tucholsky (er leitete die Weltbühne bis 1927) und dessen Nachfolger Carl von Ossietzky. Sie selbst stand auch weit oben auf der Liste der Gegner der NSDAP. Insbesondere, als sie Prozesse gegen NSDAP-Größen im Berliner Kriminalgericht besuchte und unter anderem ein Verfahren gegen die Fememörder der Schwarzen Reichswehr im Jahre 1927  in der Weltbühne unter anderem mit dem Satz: Unsichtbar steht ein großes Hakenkreuz vor dem Richtertisch charakterisierte.

    Und auch im "Käsebier" beschreibt sie den Faschismus in einem Satz, den sie den Redakteur Gohlisch sagen lässt: "Dieser einzige Satz erklärt den ganzen Faschismus. ihr seid feige Sklaven, ihr braucht Autorität."

    Von diesen politischen Aspekten einmal abgesehen, ist "Käsebier" ein typisches Beispiel, das in seiner gesellschaftlichen wie auch sozialen Fragwürdigkeit viele Parallelen zu heute vorweist. Das Gesundheitssystem war seinerzeit ebenso marode wie heute. Zumindest wenn man Dr. Krone glauben darf, den Gabriele Tergit sagen lässt: "90 Prozent der Bevölkerung sind in einer Krankenkasse, die wenigen übrig gebliebenen gehen zu einem Professor. Der Professortitel ist blankes Gold."

    Die Empfehlung, in die Brunnenstraße im seinerzeitigen Arbeiterbezirk Wedding zu ziehen, lehnt Dr. Krone mit dem Argument ab, er könne da doch nur Pfuscharbeit leisten: "Bei 100 Patienten am Tag, auf den Patienten zehn Minuten, wären es 16 Stunden Arbeit. Macht man es sich aber bequem, kann von einer gründlichen Untersuchung gar nicht mehr die Rede sein." Ergo: Lieber gar nichts tun und (übers Gesundheitssystem) jammern. Kommt das bekannt vor?

    Das Buch, das die Ereignisse in der fiktiven Berliner Rundschau spiegelt – nicht zu verwechseln mit dem  gleichnamigen Magazin, das von der Berliner CDU seit 1975 quartalsweise als Parteizeitung heraus gegeben wird – spielt die  Symphonie einer großen, einer aufregenden Stadt. Und es mag durchaus sein, dass Gabriele Tergit ihren Roman an den vier Jahre vor ihrem Buch erschienen Film "Berlin – Die Sinfonie der Großstadt" von Walther Ruttmann angelehnt hat.

    Wie auch immer; es ist ein kolossales Gemälde eines Berlin zwischen den Zeiten – hier die zu Ende gehende Weimarer Republik, dort der Beginn eines der düstersten Kapitel der deutschen Geschichte.

  4. Cover des Buches Josef der Schnitzer Stumpf (ISBN: 9783939832782)
    Katja Schraml

    Josef der Schnitzer Stumpf

     (3)
    Noch keine Rezension vorhanden
  5. Cover des Buches Bar Codes: Roman einer Bar (ISBN: B0812D9YL2)
    Jörg Breitenfeld

    Bar Codes: Roman einer Bar

     (2)
    Aktuelle Rezension von: M_Mertens

    Wie ein Zeitreisender besucht man zwischen 1899 und 2099 in Abständen von jeweils mehreren Jahren eine Berliner Schankwirtschaft, die je nachdem als schlichte Kneipe oder Szenebar erscheint, und beobachtet Gäste und Betreiber in einer Art Momentaufnahme. Ein Nachteil dieser Vorgehensweise besteht darin, dass keine Spannungskurve und kein Plot im üblichen Sinne entstehen kann, obwohl die einzelnen Kapitel durch wiederkehrende Charaktere und Handlungsstränge miteinander verbunden sind. Ich habe die so entstandenen Lesehäppchen im Fitnessstudio beim Ausdauertraining auf dem Crosstrainer genossen. Im allgemeinen wird gekonnt erzählt, getragen von viel Sachwissen der beiden Autoren, so dass die Lektüre ausgesprochen lehrreich gerät. Es handelt es sich bei diesem Roman einer Bar um ein erfreuliches und sehr empfehlenswertes Buch, nicht nur für Berlin-, Geschichts- und Cocktailfreunde. Den fünften Stern vergebe ich übrigens speziell für die mit viel interessantem Hintergrundwissen dargebotenen Cocktailrezepte.

  6. Cover des Buches Potsdamer Ableben (ISBN: 9783442440245)
    Pieke Biermann

    Potsdamer Ableben

     (6)
    Aktuelle Rezension von: Holden
    Ein Krimi, der in den 80ern in Westberlin spielt: Eine Kulturredakteurin von Radio SWB wird auf einer Plattenveröffentlichungsparty ermordet, und Kommissarin Lietze ermittelt. Abgesehen von der Krimihandlung ist das Buch auch ein schönes Porträt der 80er und der skurrilen Figuren in Westberlin (Straßendirnen, Lederschwule usw.).
  7. Cover des Buches Allerseelen (ISBN: 9783518396636)
    Cees Nooteboom

    Allerseelen

     (68)
    Aktuelle Rezension von: Anja_Lev
    Ein Niederländer, Dokumentarfilmer, läuft durch Berlin, trifft Freunde (einen Bildhauer, einen Philospohen) beobachtet, erinnert sich, reflektiert. Und dann trifft er eine Frau, die rätselhaft, sich im stets entzieht, Das Buch handelt von dieser nicht einfachen Liebe, von Suche, Hegel, Nietzsche, viel von Trauer, beschreibt Berlin nach der Wende und auch das deutsch-niederländischen Verhältnis. Es ist nachdenklich, philosophisch, auch traurig und intensiv. Ein Buch auf das man sich einlassen muss, das eindrückliche Bilder von Berlin vermittelt und wunderschön zu lesen ist.
  8. Cover des Buches Berlin – Steinerne Stadt (ISBN: 9783551766748)
    Jason Lutes

    Berlin – Steinerne Stadt

     (19)
    Aktuelle Rezension von: erdbeerliebe.
    "Berlin. Steinernde Stadt." ist eine Geschichte über die Historie Berlins am Ende der 20er jahre. Der Leser begleitet die angehende 29 jährige Kunststudentin Marthe Müller aus einer Kleinstadt in die Hauptstadt, sie möchte neu anfangen, sich durch ihr Studium neu orientieren. "Ein paar Jahre Kunst.", sozusagen. Der Autor & Zeichner Jason Lutes zeichnet damit nur ein Portrait des heiteren Berlins, sondern auch eines von Hunger und die Armut geprägtes Bild samt politischem Chaos.
    Auch wenn ich mich mit dem doch recht hart wirkenden Zeichenstil und den vielen Erzähllinien (neben Marthe lernen wir auch noch andere Personen kennen) anfangs nicht anfreunden konnte so verschlang ich den Graphic Novel am Ende doch fast (leider umfasst dieser Band nur die ersten acht Kapitel von Lutes Historiengeschichte). Zusehr packte mich die Atmosphäre der Stimmung in Berlin, das drohende Ende der Weimarer Republik im Kontrast zu den indiduellen Glücksmomenten der einzelnen Charaktere, wie kleine Lichtflecken auf grauem Stein.
    Eine düstere und doch irgendwie schaurig schöne Erzählung eines Stücks Geschichte - empfehlenswert!

  9. Cover des Buches Strobo (ISBN: 9783941592988)
    Airen

    Strobo

     (60)
    Aktuelle Rezension von: DenisVonLichtenfels

    Dreckiger Sex, künstliche Drogenparadiese, durchtanzte Wochenenden: Das Leben in Berlins weltberühmtem Technotempel Berghain ist schnell, tranceartig, surreal. Wenn Airen am Montagmorgen zurück ins Büro torkelt, hat er definitiv jene Intensität erlebt, die seinen autobiografischen "Roman" zu einer fesselnden Lektüre macht. Sprachlich bewegt sich das Ganze eher nicht auf Thomas-Mann-Niveau, aber dafür wird auch nichts sublimiert.

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