Bücher mit dem Tag "bern"
50 Bücher
- Pascal Mercier
Nachtzug nach Lissabon
(1.388)Aktuelle Rezension von: JosseleDieser Roman des Schweizer Philosophieprofessors, der seine Bücher unter Pseudonym veröffentlicht hat, erschien im Jahr 2004. Der Altphilologe Raimund „Mundus“ Gregorius, der sein ganze Erwachsenenleben Lehrer für Latein, Griechisch und Hebräisch an einem Gymnasium in Bern war, bricht eines Tages unerwartet und ohne Abschied zu einer Reise mit dem Zug nach Lissabon auf. Dort begibt er sich auf die Spur des Autors Amadeu de Almeida Prado, dessen Buch der Auslöser für seinen Aufbruch war. Immer tiefer dringt er in dessen Leben vor, das ehemalige Wegbegleiter überraschend bereitwillig vor ihm ausbreiten. Er erfährt Dinge, die bisher geheim gehalten wurden und seine Nachforschungen erweisen sich manchen Wegbegleiter des Autors als Therapie.
Die deutsche Übersetzung des Werkes, um das sich der Roman dreht, beschreibt im Grunde ganz wunderbar den Autor selbst. Er ist ein „Goldschmied der Worte“. Einige der schönen Formulierungen, die man durchaus teilweise als „Fabulierungen“ betiteln könnte, möchte ich hier zitieren.
Gregorius‘ Gedanken über die Leser: „Es gab die Menschen, die lasen, und es gab die anderen. Ob einer ein Leser war oder ein Nichtleser – man merkte es schnell. Es gab zwischen den Menschen keinen größeren Unterschied als diesen. (btb Tb, 9. Aufl. 2006, S. 96)
„Ein Teil der menschlichen Würde besteht in der Kraft, seinem Geschick, auch dem schweren, ins Auge sehen zu können.“ (ebd., S. 98)
Über die Eitelkeit: „Sie ist eine verkannte Form von Dummheit, pflegte er zu sagen, man muss die kosmische Bedeutungslosigkeit unseres gesamten Tuns vergessen, um eitel sein zu können, und das ist eine krasse Form von Dummheit.“ (ebd., S. 186)
Über die Liebe zum Leben: „Sie wollen nicht, dass es zu Ende sei, auch wenn sie das fehlende Leben nach dem Ende nicht mehr vermissen können – und das wissen.“ (ebd., S. 244)
Über Religion: „Es gibt Dinge, die für uns Menschen zu groß sind: Schmerz, Einsamkeit und Tod, aber auch Schönheit, Erhabenheit und Glück. Dafür haben wir die Religion erschaffen. Was geschieht, wenn wir sie verlieren?“ (ebd., S. 469)
Ein angenehm zu lesendes philosophisches Buch über das Leben, das für seine feinen Formulierungen zu Recht gelobt wurde und wird. Für meinen Geschmack jedoch weist es einige Längen zu viel und ein seltsames Ende auf. Drei Sterne.
- Andreas Gruber
Todesmärchen
(593)Aktuelle Rezension von: leniisbooksIn Todesmärchen zeigt Andreas Gruber erneut, warum seine Thriller süchtig machen. Die kunstvoll inszenierten Morde mit Märchensymbolik erzeugen eine verstörende Faszination – grausam und doch ästhetisch, voller Rätsel und psychologischem Grauen.
Wie gewohnt überzeugt das Duo Sneijder und Nemez mit scharfen Dialogen, bissigem Humor und großem kriminalistischen Gespür. Sneijders schroffe Art trifft auf Nemez’ analytischen Scharfsinn – eine Dynamik, die trägt und gleichzeitig unterhält.
Parallel dazu entfaltet sich Hannahs geheimnisvolle Geschichte im Gefängnis Steinfels. Ihre Suche nach Antworten führt zu Piet van Loon – einem brillant gezeichneten, manipulativen Charakter, der bis zuletzt undurchschaubar bleibt.
Die Erzählstränge sind packend miteinander verwoben. Gruber hält die Spannung konstant hoch, überrascht mit Wendungen und liefert ein konsequentes, hartes Ende, das nachhallt. Alles fügt sich schlüssig zusammen – und doch bleibt Raum für Gänsehaut.
Fazit
Düster, raffiniert und atmosphärisch dicht – Todesmärchen ist ein weiterer starker Beweis dafür, wie meisterhaft Gruber Spannung und Psychologie kombiniert. Für Thrillerfans ein absolutes Muss!
- Friedrich Dürrenmatt
Der Richter und sein Henker / Der Verdacht
(1.284)Aktuelle Rezension von: Lassmallesen_chrisEin Krimi, der eigentlich alles mitbringt. Eine interessante Handlung um einen ermordeten Polizisten, ein eigenwilliger Ermittler und in der zweiten Hälfte einige Plot-Twists sowie ein großer Knall am Ende, auf den es im Verlauf der Handlung aber schon den einen oder anderen Hinweis gibt. Sprachlich ist das Buch natürlich nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit, ließ sich aber trotzdem gut lesen. Mich persönlich regte Kommissar Bärlach im Handlungsverlauf auf, weil er sich mehrmals selbst verschuldet in Todesnähe begab und er mehr durch Glück als durch Geschick am Leben blieb. Wer lässt bitteschön freiwillig seine Haustür offen stehen??? Dazu geriet mir Bärlach teilweise zu sehr ins Philosophieren. Das schmälerte ein wenig meinen Lesespaß. Außerdem blieb auf nur 117 Seiten natürlich auch das eine oder andere an der Oberfläche, wo ich mir mehr Tiefgang gewünscht hätte. Dennoch zurecht ein Klassiker.
- Ina Haller
Aargau-Fieber
(12)Aktuelle Rezension von: PixibuchDas Cover dieses Buches hat es mir besonders angetan. Zuerst wußte ich damit nichts anzufangen. Aber dann später beim Lesen kommt man drauf, warum es so ist, wie es ist. Andrina wird wieder in einen Kriminalfall verwickelt, ohne viel dazugetan zu haben. Ihren Job macht sie nicht gerade mit großer Lust, als plötzlich ein ominöser Bruder ihres Mannes auftaucht. Er behauptet, er und Marco hätten den gleichen Vater. Marco hat Andrina endlich einen Heiratsantrag gemach. Doch dann wird Andrinas Schwester plötzlich von einer unbekannten Krankheit getroffen, sie schwebt in Lebensgefahr. Dann gerät die Pharmafirma Enricos in die Schlagzeilen und Enrico wird wegen Mordes gesucht. Andrina flieht mit ihm und beide werden verfolgt und nach deren Leben wird getrachtet. Eine Verfolgung wie bei James Bond echt. Marcos Mutter hat Andrina mit Enrico zusammen gesehen und falsche Schlüsse gezogen. Deswegen schaltet auch Marco auf stur und will von der Hochzeit nichts mehr wissen. Andrina steckt mitten im Schlamassel. Kommt sie da heil wieder heraus?????? Ina Haller hat auch mit diesem Band ihrer Aargau-Krimis wieder ins Schwarze getroffen. Dieser Teil steht in seinen Vorgängerbänden in nichts nach. Spannung pur. - Friedrich Dürrenmatt
Der Verdacht
(345)Aktuelle Rezension von: malins_dagbokDarum gehts: Der Kommissär Bärlach liegt im Krankenhaus und liest einen Artikel über einen Nazi-Arzt, der ohne Narkose Menschen operierte. Ein Freund besucht den Kommissär, diesem kommt der Arzt sehr bekannt vor.
Meinung: Das Buch ist mit 120 Seiten sehr kurz und trotzdem schafft der Autor es, die Personen zu skizzieren, den Verdacht aufzubauen und eine Spannungskurve zu kreieren. Entgegen anderer Werke des Autors hat mir dieses Buch sehr gut gefallen. Das Ende hatte nochmal einen ordentlichen Twist, den ich nicht habe kommen sehen. Wer Klassiker und/oder Kriminalromane mag, sollte sich dieses Buch mal anschauen! - Tanja Bern
Die Töchter von Tarlington Manor
(38)Aktuelle Rezension von: InaRomKlappentext:
Pennsylvania, 2016: Casey Walsh lebt in einer amerikanischen Kleinstadt. Sie hat irische Vorfahren und träumt seit frühester Jugend von Irland. Eines Tages erzählt ihr Großvater vom Tagebuch der Auswanderin Aeryn. Casey ist fasziniert von den Aufzeichnungen, und die Sehnsucht nach der grünen Insel wird immer stärker. Als sie im Café, in dem sie arbeitet, den charmanten Iren Brayden kennenlernt, bietet er an, Reiseführer zu spielen. Casey beschließt, der Geschichte der Tagebuchschreiberin auf den Grund zu gehen und macht sich auf den Weg nach Killarney. Doch im wunderschönen Irland findet sie so viel mehr, und die Reise in das Land ihrer Vorfahren wird eine Reise zu sich selbst ...
Killarney, Irland, 1846: Auf einem Frühlingsfest lernt die junge Aeryn O'Mara den attraktiven Padraig kennen und verliebt sich in ihn. Sie ahnt nicht, dass er der Erbe von Tarlington Manor ist. Padraig besteht darauf, ihre Liebe zu verheimlichen, wenngleich er dafür sorgt, dass sie und ihre Familie während der Hungersnot mit Essen versorgt werden. Aeryn möchte ihm so gern vertrauen. Aber Padraig steht vor einer schwierigen Entscheidung: Wird er seine Geliebte vor sein Erbe stellen?Die Geschichte wird in einem flüssigen, angenehmen Schreibstil in zwei Zeitebenen erzählt. Mit dem Titel bin ich nicht ganz einverstanden, da hätte ein anderer vielleicht besser gepasst. Das Cover zeigt ein wunderbares Anwesen, vor dem eine junge Frau mit roter Haarmähne steht. Ich kann mir die Protagonistin Aeryn sehr gut vorstellen. Ihr Leben wird von der Autorin Tanja Bern sehr bildhaft und gefühlvoll und manchmal sehr erschütternd geschildert. Über die Hungersnot in Irland im 19. Jahrhundert und die damit verbundenen Qualen der Menschen zu lesen, war sehr traurig und fast nicht vorstellbar. Aeryn ist ein sehr sympathisches junges Mädchen, mit einem starken Willen zum Überleben. Ich habe mich mit ihr bei den wenigen guten Ereignissen in ihrem Leben gefreut und mit ihr in ihrer größten Not mitgelitten. Das Leben von Aeryn, das ich aus ihrem Tagebuch kennengelernt habe, war sehr berührend.
Die Geschichte der Gegenwart, in der Casey Walsh, von ihrem Großvater auf die irische Tagebuchschreiberin aufmerksam gemacht und somit das Interesse für ihre Vorfahren entfacht wird, konnte mich nicht so überzeugen. Zu schnell folgt Casey dem charmanten Iren Brayden in sein Heimatland, den sie in der Coffee Bar erst vor kurzem kennengelernt hat. Trotzdem hat mich die Geschichte bis zur letzten Seite unweigerlich in seinen Bann gezogen.
- Rolf von Siebenthal
Lange Schatten
(8)Aktuelle Rezension von: mabuerele„...Vanetti ging in die Hocke und nahm den Anblick des Toten in sich auf. Jeder Mensch ist ein Abgrund, es schwindelt einen, wenn man hinabsieht. Wie recht der Schriftsteller Georg Büchner gehabt hatte...“
Emil Luginbühl begleitet die Bundesrätin Kolliker als Sicherheitsbeauftragter. Kurz bevor sie das Haus betreten, fällt ein Schuss. Emil ist sofort tot, die Bundesrätin wurde nicht getroffen.
In der Schweiz ist gerade Wahlkampf. Damit liegt der Verdacht nahe, dass der Anschlag politisch motiviert war. Doch der Bundespolizist Axel Vanetti hat seine Zweifel.
Der Autor hat erneut einen spannenden und vielschichtigen Krimi geschrieben.
Die Ermittler stehen praktisch vor dem Nichts. Als es den nächsten Toten gibt, dieses Mal einen Arzt, scheinen alle Theorien in sich zusammen zu fallen.
Der Schriftstil lässt sich gut lesen. Er unterstützt die rasante Handlung. Dabei lässt er Autor gekonnt einige Handlungsstränge parallel laufen. Zum einen geht es um die Ermittlung im Falle der Toten, zum anderen darf ich das Team des 53 Jahre alten ehemaligen Schauspielers Oli Schwarz beim Wahlkampf begleiten und im dritten Strang kämpft die Journalistin Zoe Zwygart darum, endlich einen Exklusivartikel für ihre Zeitung schreiben zu dürfen.Dem kommt sie erstmals sehr nahe, als ihr Dinge zugespielt werden, die mit den Morden zu tun haben könnten. Allerdings ahnt sie nicht, dass sie sich selbst in Lebensgefahr befindet.
Nach und nach kristallisieren sich verschiedene Motive heraus. Plötzlich gewinnt ein einschneidendes Ereignis aus der Vergangenheit wieder an Bedeutung.
Zu den stilistischen Feinheiten gehören die Gespräche zwischen Vanetti und Zwygart. Die beiden schenken sich nichts. Hier treffen zwei starke Persönlichkeiten aufeinander, die sich im Laufe der Ermittlungen schätzen lernen.
Gleichzeitig lässt mich der Autor die fiesen Methoden des Wahlkampfs erleben. Wie skrupellos mancher dabei agiert, zeigt das folgende Zitat.
„...Das ist doch das Herrliche an der ganzen Sache. Ich musste gar nichts vertuschen, der Deal wurde von ganz oben eingefädelt. Ein paar einflussreiche Politiker stünden mit heruntergelassenen Hosen da, wenn alles an die Öffentlichkeit käme...“
Erst am Ende wird das ganze Ausmaß der Verschleierung und Vertuschung klar. Persönliche Eitelkeiten, dubiose Geschäftsmethoden und die gekonnte Manipulation von Menschen mit ihren Ängsten und ihren Sorgen gehen eine unheilige Allianz ein.
Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Der Autor beherrscht nicht nur das Spiel mit den Worten, sondern auch die Konstruktion eines komplexen Plots
- Linda Winterberg
Die verlorene Schwester
(80)Aktuelle Rezension von: NelingÜber die Autorin: "Linda Winterberg" eigentlich Nicole Steyer ist eine erfolgreiche Autorin, die mit ihrer Familie im Taunus lebt. Ich las von der Autorin bereits die 2 sehr berührenden Romane "Das Haus der verlorenen Kinder" und "Solange die Hoffnung uns gehört"
Mein Leseeindruck: Im Prolog feiert eine Frau ihren 52. Geburtstag. da musste ich kurz schmunzeln, denn ich begann dieses Buch ausgerechnet auch an meinem 52. Geburtstag.Doch das kleine Schmunzeln verging mir bald, denn sofort entführt einen das Buch in die grausamen Schicksale der "Verdingkinder. Das traurige Thema hatte ich schon durch "schwabenkinder" kennengelernt. Doch dieser Film handelt zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Erschütternd, aber doch zeitlich weit weg. Doch das Ähnliches in der Schweiz noch in meiner Kindheit geschah, fand ich unvorstellbar. Das ist plötzlich so nah, so unfassbar. Die 2 Protagonistinnen der Vergangenheit sind Lena und Marie, zwei innig verbundene Schwestern.die durch traurige Umstände in ein schreckliches Waisenhaus kommen. Marie, die Ältere ist die fügsamere der beiden, die ihr Schicksal traurig erträgt. Aber Lena lehnt sich auf, beißt, spuckt die grausame Oberin an, als eine Freundin von ihr elendiglich stirbt und dies keine der Nonnen zu kümmern scheint. Dann werden die Schwestern auch noch getrennt. Die eine scheint es besser zu haben, denn sie kommt zu Pflegeeltern in eine Gärtnerei. Aber die andere wird ein sogenanntes Verdingkind-ohne recht, ungeliebt, grausam misshandelt und missbraucht......Doch ich will nicht zu viel verraten, wer tiefgründige Romane, die unter die Haut gehen ger liest, möge sich selbst ein Urteil bilden. Ich jedenfalls konnte das Buch nicht zur Seite legen, vergaß Raum und Zeit. Nicht nur die Schwestern sind treffend charakterisiert. sondern auch der Alltag in einigen Waisenhäusernm, Grausamkeiten der Dorfbewohner u.s.w. Da ist die Düsterheit und Tristesse auf der einen seite, auf der anderen die idyllische Schweiz. Neu war auch für mich der Brauch des Lichterschwemmen, was in Ermensee gefeiert wird.
Wer die Rezension bis hierhin gelesen hat, wird verstehen, dass ich das Buch mit 5Sternen+ bewerte und es vielen Lesern ans Herz legen will.
Fazit: Ein tiefgründiges, bewegendes Buch über Verdingkinder, welches mich überzeugte. 5 Sterne +
- Katja Ammon
Herz aus Gold und Asche
(162)Aktuelle Rezension von: Emma89Ein Roman über verbotene Zuneigung und die damit verbundenen Herausforderungen mag auf den ersten Blick nicht bahnbrechend neu erscheinen, doch nicht jede Geschichte muss das Rad neu erfinden. Was dieses Buch für mich zu einem Highlight macht, ist vor allem der innere Konflikt, mit dem sich Elin konfrontiert sieht, sowie die realitätsnahe Darstellung der Ereignisse. Die Rolle großer Pharmakonzerne, die zum vermeintlichen Wohl der Gesellschaft auch vor Tierversuchen und dem Vertrieb potenziell gefährlicher Medikamente nicht zurückschrecken, bildet einen kritischen Hintergrund der Handlung.
Die Darstellung Basels in der heutigen Zeit wechselt zwischen bedrohlichen und idyllischen Momenten, wobei besonders das Heim von Esra eine beruhigende Zuflucht bietet. Die Charaktere wirken authentisch, und die Beziehung zwischen den Geschwistern Nico und Elin wird natürlich und überzeugend geschildert. Erzählt wird die Geschichte aus Elins Perspektive, was mich tief in die Handlung eintauchen ließ. Ich war von dem Buch so gefesselt, dass ich es in nur zwei Tagen ausgelesen habe.
Die Figuren, insbesondere die Protagonistin Elin, sind hervorragend entwickelt und gewannen sofort meine Sympathie. Elin, aus deren Blickwinkel die Geschichte hauptsächlich erzählt wird, hat bereits viele Tragödien erlebt, einschließlich des Verlusts ihrer Eltern und der Krebserkrankung ihres kleinen Bruders. Sie und ihr Bruder finden bei ihrer Tante ein neues Zuhause, die jedoch Vorbehalte hat, als Elin eine Stelle in dem Unternehmen annehmen möchte, für das ihr Vater bis zu seinem Tod gearbeitet hatte.
Bei ihrer Arbeit trifft Elin auf Esra, der ihr zunächst suspekt erscheint, doch schnell entwickelt sich zwischen den beiden eine tiefe Verbindung. Gemeinsam beginnen sie, die dunklen Geheimnisse des Unternehmens und ihrer eigenen Vergangenheit aufzudecken, was sie beide in große Gefahr bringt. Die Spannung steigt kontinuierlich bis zu einem unerwarteten und packenden Finale. - Tom Kummer
Von schlechten Eltern
(17)Aktuelle Rezension von: miro76Tom hat jahrelang mit seiner Familie in Los Angeles gelebt. Nach dem Tod seiner Frau ist er mit seinem jüngeren Sohn wieder in die Schweiz gezogen. Sein älterer Sohn ist geblieben. In Bern lebt Tom in der Nacht. Er arbeitet für einen Limousinenservice und fährt hochrangige Mitglieder der Gesellschaft durch die Schweizer Nacht.
Dabei schweifen seine Gedanken immer wieder ab und er begegnet seiner verstorbenen Frau. Generell ist seine Gedankenwelt irgendwie wirr. Er wirkt ein bisschen wie ein unzuverlässiger Erzähler. Manchmal weiß man nicht genau, ob er etwas erlebt, oder sich nur vorstellt. Immer wieder triften seine Begegnungen ins Surreale ab. Für mich hat das keinen Mehrwert.
Der Text transportiert wohl, dass Tom seine Frau sehr geliebt hat und ohne sie einfach nicht zurecht kommt. Doch seine Söhne bräuchten ihn auch. Er vergisst seine Verantwortung, verliert sich und irgendwie führt das alles zu nichts. Diese Fahrten in der Nacht sind leider nur mäßig interessant.
Vielleicht empfindet man das Buch anders, wenn man Tom und Nina gelesen hat. Dann hat man sicher mehr Nähe zu den Figuren und kann dann eventuell etwas mehr anfangen mit diesem Roman. Für sich allein gestellt funktioniert diese Geschichte für mich nicht besonders gut.
- Christine Brand
Blind
(208)Aktuelle Rezension von: sbalunziaDie kurzen Kapitel haben mir besonders gut gefallen – gefährlich für mich als „Nur-noch-ein-Kapitel“-Leserin.
Die Grundidee der Geschichte fand ich grossartig. Die App und das Restaurant, in dem Nathaniel arbeitet, mögen auf den ersten Blick absurd wirken, doch gerade das macht ihren Reiz aus – denn solche Konzepte existieren tatsächlich.
Mit den Charakteren konnte ich persönlich nicht direkt warm werden; sie wirkten auf mich nicht durchweg sympathisch. Trotzdem habe ich die Vielfalt innerhalb der Figurenkonstellation sehr geschätzt. Sie brachte interessante Dynamiken ins Spiel – Missverständnisse und unterschiedliche Herangehensweisen an ein und dasselbe Problem.
Die Handlung hat mich schnell gepackt. Besonders gefallen hat mir, dass ich lange Zeit keine Ahnung hatte, wer tatsächlich hinter allem steckt. Die verschiedenen Schicksale und scheinbar voneinander unabhängigen Ereignisse wurden am Ende schlüssig miteinander verknüpft. Nur die Art und Weise, was mit Carole geschehen ist, erschien mir etwas konstruiert und wirkte nicht ganz organisch.
Insgesamt hat mich das Buch aber gut unterhalten, und ich bin mir sicher, dass ich auch weitere Bände der Reihe lesen werde.
- Peter Beck
Korrosion
(49)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer„Die Frage war der Bluthund der Intelligenz.“ (Zitat Seite 55)
Inhalt:
1971 stirbt ein Bäcker in seinem Backofen. Mehr als vierzig Jahre später wird seine Witwe während der Weihnachtstage ermordet. Ihr Aktiendepot in zweistelliger Millionenhöhe wird seit Jahrzehnten von einer angesehenen Schweizer Privatbank verwaltet. Ihre Anweisungen für den Todesfall legen fest, dass ihr Testament erst vollstreckt werden darf, wenn geklärt ist, welches ihrer drei Kinder damals für den Tod ihres Ehemannes verantwortlich war. Tom Winter, dem erfahrenen Sicherheitschef der Bank fällt die schwierige Aufgabe zu, die drei möglichen Erben zu finden und den Sachverhalt zu klären.
Thema und Genre:
In diesem spannenden Buch, einzuordnen zwischen Roman und Thriller, geht es um aktuelle, wichtige Themen wie Flüchtlinge, Missbrauch und Umwelt, aber auch um Familie. Eine Kernfrage dreht sich um Ursache und Wirkung und den Graubereich zwischen Schuld und Gerechtigkeit. Die Finanzwelt bleibt im Hintergrund.
Charaktere:
Tom Winter ist ein erfahrener Ermittler und sein Einsatz bewegt sich zwischen psychologischen und körperlichen Herausforderungen, die ihn an seine Grenzen bringen. Private Befindlichkeiten setzt der Autor maßvoll und nur dort ein, wo es für die Handlung wichtig ist.
Handlung und Schreibstil:
Orte der Handlung sind neben der Schweiz die Azoren, England und Deutschland und der Handlungszeitraum erstreckt sich über wenige Wochen zwischen Ende Dezember und Ende Januar. In einem zweiten Handlungsstrang wird der abenteuerliche Weg eines Flüchtlings aus dem Sudan bis nach Europa beschrieben. Beide Erzählstränge sind trotz der intensiven Schilderungen knapp und rasant geschrieben, was die Geschichte dicht und packend macht.
Fazit:
Ein anspruchsvoller Thriller mit Tiefgang und Themen, die den Leser nachdenklich stimmen. Dazu eine spannende Handlung mit rasanten Abläufen und einem smarten Ermittler, eine sehr gelungene Kombination.
- Heinz Ramstein & Norbert Hochreutener
Dubach sieht rot
(2)Aktuelle Rezension von: peedeeMarc Dubach, Band 1: Als Regionalfernsehsender ist man ständig auf der Jagd nach den neusten Nachrichten, stets darum bemüht, der Konkurrenz die besten Schlagzeilen vor der Nase wegzuschnappen. Marc Dubach ist als Journalist täglich damit konfrontiert. Als ein Topprominenter aus Bern verstirbt, wird schnell klar, dass dieser ermordet wurde. Dubachs Recherchen reichen bis in die Nazizeit des Zweiten Weltkrieges zurück: es geht um ungeklärten Verbleib von Raubkunst!
Erster Eindruck: Ein Cover in leuchtenden Schattierungen von Rot; eine Schale mit Äpfeln, daneben züngelnde Flammen. Das Cover ist auffällig, aber gestalterisch nicht so nach meinem Geschmack.
Ich mag Regionalkrimis ausgesprochen gerne, insbesondere, wenn ich die Gegend auch kenne, wie hier eben die Stadt Bern. Es ist amüsant, wenn man die Plätze kennt, denn so spielt sich vor dem geistigen Auge ein wahrer Film ab, denn man sieht den Protagonisten auf dem Gurten, dem Berner Hausberg, im Restaurant Schwellenmätteli an der Aare, oder auf der Grossen Schanze. Als Bernerin gefällt mir das sehr. Doch es reicht nicht, nur diverse Lokalitäten in Bern aufzuzählen, damit ich als Leserin Gefallen darin finde.
Marc Dubach war mir als Person nicht sonderlich sympathisch: Ein 36-jähriger Mann, der zuweilen scheinbar ohne grosses Interesse seinem Job nachgeht, aber viel lieber diverse Restaurants in Bern besucht, um dort gerne das eine oder andere Glas über den Durst hinaus zu trinken. Und dass Dubach dann sogar mit einer – selbstverständlich ausgesprochen hübschen – Dame, die einer Vorladung bei der Polizei entgehen wollte, flüchtet, konnte ich nicht nachvollziehen. Seine Recherchen führen Dubach auch nach Berlin, wo er sogar jemanden verfolgt, der eine Waffe trägt... Das kann ich nicht verstehen.
Dies ist Band 1 einer Reihe. Da mich die vorliegende Story leider nur mässig begeistern konnte und für mich keine echte Spannung aufkam – ich habe mehrfach daran gedacht, das Buch abzubrechen –, werde ich diese Reihe vorerst nicht weiterverfolgen. Vielleicht versuche ich es zu einem späteren Zeitpunkt nochmals mit Band 2, wer weiss… Leider, leider, trotz all meiner Liebe zu Bern, kann ich diesem Buch nur 2 Sterne vergeben. Es war einfach nicht meins, schade. - Christine Brand
Vermisst - Der Fall Anna
(60)Aktuelle Rezension von: Ely90Ich fand die Verflechtung der verschiedenen Cole Case sehr faszinierend.
Malous Besuche bei ihrem kranken Vater bieten eine kurze Pause von der Spannung des Buches und lassen uns Tier über die Auswirkungen einer Krankheit wie Alzheimer auf die Angehörigen des Patienten nachdenken.
Das Einzige, was ich mir gewünscht hätte, wäre ein Happy End für Malou und Dario angesichts ihrer schwierigen Vergangenheit. Ich finde aber auch, dass die Autorin die richtige Entscheidung getroffen hat, da sie deutlich macht, dass das Trauma, das Dario erlitten hat, so tiefgreifend ist, dass es seine Entscheidungen als Erwachsener prägt.
Ich hoffe wirklich, dass es einen zweiten Band gibt!
- Christof Gasser
Solothurn trägt Schwarz
(37)Aktuelle Rezension von: JackolinoEs handelt sich hier um den ersten Band der Solothurn-Reihe von Christof Gasser. Ich hatte vor ein paar Wochen bereits den bisher aktuellsten Band gelesen und wollte nun die Reihe von Anfang an verfolgen.
Ein Zürcher Journalist wird schwer misshandelt an der Aare aufgefunden und stirbt kurz danach.
Er hatte zu der bosnischen Balkan Mafia recherchiert, die man hinter dem Anschlag vermutet. Die Erzählperspektive wechselt von der Kantonspolizei und ihrem Commissaire Dominik Dornach zu den Bosniern, von Pia, Dornachs Tochter und ihrer Freundin Manu zu Szenen in einer Klinik. Zunächst erschien mir das alles ziemlich verworren, es hat ein wenig gedauert, bis ich endlich den roten Faden aufgenommen hatte.
Es handelt sich bei „Solothurn trägt Schwarz“ um einen sehr actionreichen Krimi, der Spannungsbogen ist konstant hoch und es bleibt auch nicht bei einem Mord. Die Motive dafür waren allerdings ganz unterschiedlich, hier erfährt der Leser erst ziemlich zum Schluss, dass einzelne Personen im Visier mehrerer Personen mit bösen Absichten stehen.
Hin und wieder ahnt man ja schon in der Mitte eines Buches, in welche Richtung sich die Ermittlungen drehen werden. Gasser versteht es, Dornachs Erkenntnisse lange unter der Decke zu halten und sie erst mit Verzögerung mit dem Leser zu teilen. So sorgt er für Spannung bis zum Schluss.
- Rahel Krönert
Das Flüstern seiner Gnade
(21)Aktuelle Rezension von: DaliEli89Claudia Dahinden hat einen feinen unaufgeregten Roman zu einem Thema geschrieben, das schon seit Jahrhunderten heiß diskutiert wurde und immer noch wird, von daher immer aktuell: die Rolle der Frau aus biblischer Sicht. Es sind die stets gleichen Fragen, die aufkommen: Darf eine Frau predigen? Welchen Aufgaben darf eine Frau im gemeindlichen Kontext nachgehen? Inwiefern spielt Berufung für eine christliche Frau überhaupt eine Rolle?
Nun bettet die Autorin diese Debatte in eine Geschichte von einer jungen Frau, die sich zu der Zeit der Schweizer Erweckungsbewegung bekehrt und in sich den Ruf verspürt, Menschen zu evangelisieren.
Wir befinden uns im Jahre 1897 in der Schweiz. Charlotte wächst zusammen mit ihrer Schwester in einer privilegierten Familie auf. Sie spürt jedoch schon immer, dass sie anders behandelt wird als ihre Schwester. Als sie auf ein lang gehütetes Familiengeheimnis stößt, ist es wie ein Befreiungsschlag und ein Fall ins Bodenlose gleichzeitig. Charlotte flieht nach Bern zu ihrem Patenonkel und findet dort in einer Kirche nicht zur Zuflucht, sondern sie begegnet Gott. Endlich fühlt sie sich angenommen und geliebt. Ihre Begeisterung für das Wort Gottes und ihr Hunger nach mehr schenkt ihr die große Sehnsucht, Menschen die frohe Botschaft näher zu bringen. Dieser Wunsch jedoch handelt ihr so einige große Probleme ein, vor allem von Autoritätspersonen…
Hier treffen zwei Ebenen aufeinander: Einmal Charlottes Schicksal- ihre Fragen nach der eigenen Identität, diesem Gefühl nirgendwo zugehörig und ungewollt zu sein- und das Andere ist das Thema, was die globale Kirche schon immer beschäftigt hat, nämlich die Geschlechterrollen im christlichen Kontext. Die Autorin verknüpft diese Stränge sehr gelungen miteinander und erschafft einen tiefgründigen, sehr emotional aufgeladenen und theologisch wichtigen Roman. Charlottes Ringen mit der Frage nach Identität und Berufung ist so authentisch und ergreifend- ihr Wunsch danach, sich gemäß der Bibel zu verhalten und gleichzeitig ihr Streben danach, sich nicht mit Standardantworten abzufinden, sondern tiefer zu graben ist so bewundernswert, ansteckend und feurig, dass sie mich einfach total überzeugt hat. Ich mag ihren Charakter sehr und konnte mich mit Leichtigkeit identifizieren.
Schmunzeln musste ich sowieso bei allen Charakteren, denen Charlotte in der Kirchgemeinde begegnet, denn seien wir mal ehrlich- sie bilden alle Typen ab, die wir alle irgendwie kennen im Gemeindekontext.
Sehr interessant fand ich auch den Charakter Lukas, er war für mich neben Charlotte der Interessanteste und seine Entwicklung insgesamt war sehr echt, von daher fand ich das Ende sehr stimmig; dass er sich letztendlich so entscheidet wie er es tut, zeugt von seinem starken Charakter, das beeindruckte mich.
Was die Autorin außerdem einfließen lässt, sind die Gemeindestrukturen, mit denen Charlotte letztendlich struggled. Auch da ist viel Fingerspitzengefühl von Nöten, weil sehr brisantes Thema, das schon viel Versetzung und Missbrauch hervorgebracht hat. Dahinden behandelt all diese Aspekte offen, herausfordernd und nüchtern; ihr Roman lädt einfach dazu ein, die eigenen Überzeugungen zu überprüfen und sich gegebenenfalls korrigieren und inspirieren zu lassen.
Spannend sind die vielen Informationen über die Heilsarmee und ihre Entstehungsgeschichte, die in die Geschichte eingearbeitet sind. Wie unerschrocken und mit wieviel Liebe und Engagement sie die Botschaft von Jesus nicht nur verkündet haben, sondern sie auch in Taten umgesetzt haben ist beeindruckend. Das zeigt sich unter anderem in einem ebenso wichtigen Aspekt dieser Geschichte, nämlich der Umgang mit Randgruppen unserer Gesellschaft, z.B. mit Prostituierten.
Charlotte macht eine enorme Reifeentwicklung durch, ich würde sagen von einem unsicheren etwas verlorenen Mädchen hin zu einer selbstbewussten geisterfüllten Tochter Gottes mit einem
mutigen Herz und einer großen klaren Vision. Einfach wunderbar! Eine klare Leseempfehlung gibt es von mir für diesen tollen Roman!
- Florian Burkhardt
Das Gewicht der Freiheit
(18)Aktuelle Rezension von: KorikoStory:
Mit 21 Jahren wagt Florian Burkhardt den Sprung über den großen Teich, um in Amerika Schauspieler zu werden. An Angeboten mangelt es nicht, doch seinen wirklichen Durchbruch hat er als Model, der für die großen Designer in Paris, New York und Mailand arbeitet. Da er jedoch schnell die Zwänge verspürt, die das Modeln mit sich bringt, versucht er sein Leben in eine andere Richtung zu lenken. Er wird kurzzeitig Lehrer – das, was er einst studiert hat, entdeckt das Internet für sich und wir um die Jahrtausendwende ein Internetpionier und Webdesigner. Doch ein Leben, in dem er sich immer wieder neu findet und das er auf der Überholspur lebt hat seinen Preis – mit 27 Jahren wird bei ihm eine Angststörung diagnostiziert, die einen Weg in eine Klinik unausweichlich macht …Eigene Meinung:
Der autobiografische Roman „Das Gewicht der Freiheit“ schließt nahtlos an Florian Burkhardts Debüt „Das Kind meiner Mutter“ an und erschien Anfang 2018 im Wörterseh Verlag. Inhaltlich entspricht das Buch dem 2014 erschienenen Dokumentarfilm „Electroboy“, in dem das Leben Florian Burkhardts als Model, Internetpionier und Organisator beleuchtet wurde. Ein dritter Teil der Autografie war seitens des Autors wohl geplant – allerdings zog dich Florian Burkhardt im Sommer 2019 aus seinem Leben als öffentliche Figur zurück. Es erschien lediglich ein 10-seitiges Fragment des unvollendeten Manuskripts „Auf Sendung“ im Eigenverlag.„Das Gewicht der Freiheit“ ist in zwei Zeitepochen eingeteilt und beleuchtet Florian Burkhardts rasantes Leben fernab seiner Heimat, seinen Aufstieg als Model, Internetexperte und Kultfigur. Es wird schnell deutlich, dass nahezu alles zu Gold wird, was der junge Mann anfasst, denn seine Kreativität und sein Durchsetzungsvermögen öffnen ihm Tür und Tor zu Reichen, Mächtigen und Schönen. Sei es das Modeln, wo ihm dank seines guten Aussehens nicht einmal seine Größe Probleme bereitet oder seine Arbeit als Internetexperte und Webdesigner, der um die Jahrtausendwende die Zeichen der Zeit erkannt hat und sich schnell zur Spitzenkraft einer angesehenen Agentur hocharbeitet. Hat er sein Herz an ein Projekt gehängt, gibt Florian Burkhardt alles, um sich an die Spitze zu arbeiten und seinen Traum zu realisieren. Dass auch ihm Grenzen aufgezeigt werden, wird in letzten Kapiteln deutlich, wo seine Angststörung überhandnimmt und ihn dazu zwingt, sich Hilfe zu suchen und sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen.
So rasant sein Leben war, so stark ist sein Leben in dem vorliegenden Buch zusammengefasst. Hat er sich bei „Das Kind seiner Mutter“ noch die Zeit genommen gerade seine Kindheit und Jugend ausführlich und detailliert auszuarbeiten (und wahrscheinlich auch zu verarbeiten), wirkt „Das Gewicht von Freiheit wie ein Rausch, bei dem man nur kurze Fragmente und Eckpunkte aufblitzen sieht. Hier ein Casting, dort ein Tag auf dem Laufsteg, ein kurzer Einblick in seinen Aufstieg als erfolgreicher Internetpionier, dann wieder ein flüchtiger Blick auf seine Zeit in der Klinik. Das meiste wird nur kurz erwähnt, einige Ausschnitte beleuchtet, bevor es zum nächsten Abschnitt in Florian Burkhardts Leben geht. Dabei wünscht man sich manchmal ein wenig mehr Tiefgang, um dem Autor noch näher zu kommen und die Gefühlswelten und Gedanken besser ausloten und nachvollziehen zu können – doch wahrscheinlich sollte die Autobiografie das hektisches, abwechslungsreiches Leben ohne Pause wiederspiegeln.Stilistisch gibt es wenig zu bemängeln – wenn man „Das Kind meiner Mutter“ mochte und den teil hektischen Schreibstil, dann wird einem auch „Das Gewicht der Freiheit gefallen“. Florian Burkhardst Stil ist flüssiger geworden, nicht ganz so holprig wie in den ersten Kapiteln seines Debüts. Allerdings hätte man sich gewünscht, dass einige Passagen ausführlicher ausgearbeitet worden wären, insbesondere zum Ende hin, wo sehr viel nur noch zusammenfassend erzählt wird. Wahrscheinlich hätte hier die 3. Biografie ansetzen sollen und Florian Burkhardts Leben als „Electroboy“ und Organisator zeigen sollen.
Fazit:
Das Gewicht der Freiheit“ ist eine gelungene Fortsetzung, die ein wenig ausführlicher hätte sein können – gerade zum Ende hin, als es um die Angststörung des Erzählers geht. Dennoch ist das Buch interessant für alle, die das Allround-Talent kennenlernen oder erfahren wollen, wie die Geschichte des jungen Mannes aus „Das Kind meiner Mutter“ weitergeht. Florian Burkhardt lässt den Leser an seinem rasanten, bunten Leben teilhaben und gibt Einblicke in eine Welt, die die meisten kaum kennenlernen. Wen der hohe Preis des knapp 200-seitigen Hardcovers nicht abschreckt, sollte einen Blick riskieren – es empfiehlt sich aber vorher „Das Kind meiner Mutter“ zu lesen. - Silvia Savoia-Wälti
Heilegy Zyt u Fründschafte
(1)Aktuelle Rezension von: peedee„Es isch der füfzähti Dezämber. D Frou Schlatter het aui Häng vou z tüe. Afe het si hüt Wösch, sött na ga kömerle, für z güetzele u sött no die ganzi Wohnig uf Vordermaa bringe, u zwar samt de Fänschter. Sie wott sich e ke Blössi gäh, we a der Wiehnachte di ganzi Verwandtschaft chunt.“ (aus „Der Frou Schlatter ihri Misere“)
Erster Eindruck: Das Cover des kleinen Büchleins ist winterlich gestaltet – gefällt mir sehr gut.
Ich mag berndeutsche Geschichten sehr, denn schliesslich ist „Bärndütsch“ meine Muttersprache, und nicht etwa die Schriftsprache „Hochdeutsch“.
Die Autorin erzählt folgende zehn kurze Geschichten auf Berndeutsch rund um die Weihnachtszeit und Freundschaft:
- Eggeschwilers Wiehnachtsglück
- Am Toni syni schönschti Wiehnachte
- Der tüpfleti Rägeschirm
- Der Frou Schlatter ihri Misere
- Der Hogerhof
- Nächschteliebi
- Am Hofme Hans sys späte Glück
- Der Chrischtian u syni Schueukamerade
- E Gschicht us em Ämmitau
- Vo der Familie Pfannestil
Immer wenn ich berndeutsche Geschichten lese, komme ich mir ein bisschen wie in einem volkstümlichen Theaterstück vor. Das Büchlein hat nur 96 Seiten und daher will ich die Rezension auch nicht zu ausschweifend gestalten. Mir haben alle Geschichten sehr gut gefallen und mir bestätigt, wie schön die Mundart ist. Meine vollumfängliche Leseempfehlung (auch ein sehr schönes Mitbringsel!) – 5 Sterne. - Irene Graf
säg säuber
(1)Aktuelle Rezension von: peedeeIrene Graf erzählt „e Hampfele bärndütschi Gschichte“, was so viel heisst, wie eine Handvoll berndeutsche Geschichten. Es werden die Kühe vom benachbarten Bauernhof thematisiert, das Einkaufen, das Nichtstun, neue Bekanntschaften, Weihnachten – einfach von allem ein bisschen. Komm, nimm einen Kaffee und setz Dich zu uns her! Und dann: „säg säuber!“
Erster Eindruck: Ein schlichtes Cover mit einem Kaffee und einem Herzen – gefällt mir.
Ich liebe berndeutsche Geschichten, denn ich liebe „meinen“ Dialekt: Berndeutsch. Wie bei wahrscheinlich den meisten Mundarten gibt es jedoch nicht nur DIE eine richtige Ausdrucksweise, sondern je nach Wohnort gibt es unterschiedliche Färbungen: Ein Seeländer, ein Emmentaler, ein Stadtberner oder ein Oberländer sprechen nicht alles identisch aus. Und das macht das Ganze doch auch so schön.
Das Lesen in Mundart versetzt mich immer ein wenig in ein volkstümliches Theaterstück. Jene handeln zwar meist in früheren Zeiten, aber das vorliegende Buch ist aus der heutigen Zeit.
Hier zwei Beispiele:
- „D Töibi trybt ihm dr Schweiss us. Mit hochrotem Gring stürmt er uf d Gass use. D Türe het sech no nid vom Chlupf erholt. Si chlemmt, so wi ds Glöggli chlemmt.“
- „Es isch vilech numen es Hüüchli vomne Wimpereschlag, wosi di lengscht vertrouti Umgäbig dür syni Ouge gseht. U ihre umen einisch bewusst wird, wi schöns hie eigentlech isch.“
Für mich war es das erste Buch der Autorin, aber ich habe nun bereits den Vorgängerband „säg o nüt“ ins Auge gefasst und freue mich darauf. Es waren sehr schöne Lesestunden; durch die einzelnen kleinen Geschichten lässt sich das Buch sehr gut in Etappen lesen. Sehr viele Passagen haben mich zum Schmunzeln oder auch zum Nachdenken gebracht. Zum Abschluss sage ich vielen Dank, „es isch me aus e gfröiti Sach gsi!“ 5 Sterne. - Daniel Himmelberger
Die letzte Reise nach Palermo (Ein Bern-Krimi 2)
(7)Aktuelle Rezension von: frenzelchen90Meine Meinung: Der zweite Teil der "Bern-Krimi"-Reihe hat mich schon mehr überzeugt als sein Vorgänger. Zu bemängeln habe ich noch immer die vielen italienischen Sätze im Buch, auf deren Übersetzung überhaupt nicht eingegangen wird. Von der Liebelei des italienischen Hauptcharakters Beppe ist in diesem Teil keine Rede mehr, obwohl dieses das gefühlte Hauptthema im ersten Teil war. Da es sich um eine Fortsetzung handelt, finde ich es schon komisch, dass darauf gar kein Bezug genommen wird. Im Gegensatz dazu wird sehr detailliert die Stadt Palermo und dessen Umgebung beschrieben. Dadurch rückt der eigene Kriminalfall deutlich in den Hintergrund und lässt die Spannung sinken. Dabei war der Anfang des Buches vielversprechend...
Mein Fazit: Für mich leider noch immer kein Krimi. Dafür aber ein kleiner informativer Ausflug nach Palermo.
- Marta Wild
Ds Simmetalermädeli
(1)Aktuelle Rezension von: peedeeMarta Wild, 1895 – 1976, hat in diesem kleinen Büchlein berndeutsche Geschichten zusammengetragen, die sie zum Teil selbst erlebt hat oder die ihr anderweitig erzählt wurden.
Erster Eindruck: Ein im wahrsten Sinne kleines Büchlein (11,5 x 15,5 cm) mit einem schönen, alten Simmentalerhaus inmitten von Natur (vorne eine Wiese, hinten Wald). Dieses Büchlein wurde 1983 herausgegeben, als Neuauflage der damals bereits verstorbenen Autorin.
Ich mag berndeutsche Geschichten sehr, denn schliesslich ist „Bärndütsch“ meine Muttersprache. Demzufolge habe ich mir auch überlegt, ob ich diese Rezension auf Berndeutsch schreiben soll. Aber ich habe mich dann dagegen entschieden.
Hier erzählt Marta Wild z.B. von ihrem Grossvater, als er um das „Simmetalermädeli“ (das Mädchen aus dem Simmental) warb und sie sodann ihre Grossmutter wurde:
„Ds Mädeli isch am Füüröfeli gstande. Syni Chruseli syn em no ungstrählt i d’Stirne gfalle, und ds Meitschi het grossi Ouge gmacht über so ne früechi Visite. ‚E, Herr Wild, was bringt euch scho so bizyten i ds Sibetal ufe?‘ hets gfragt. Der jung Prediger het wäger müesse stigle, won er vürebringt, das well er ihm de nachhär säge. ‚So näht afe Platz und ässet grad mit is Z’morge‘.“
Es mutet mir heimelig an, wie in einem Mundarttheater zu Gotthelfs Zeiten, wenn ich diese Passagen lese. Im heutigen Alltag wird nicht mehr oft solches Berndeutsch gesprochen.
Da das Büchlein nur 72 Seiten hat, will ich die Rezension auch nicht zu ausschweifend gestalten. Es waren sehr schöne Geschichten z.B. über ihren Vater, der als junger Mann auf Wanderschaft ging („Uf dr Walz“, d.h. „Auf der Walz“) oder wie eine Frau Reber deren drei Kühe zum Wirtshaus brachte, da ihr Mann nicht rechtzeitig zum Melken zu Hause war („Dyni Chüe si dusse!“, d.h. „Deine Kühe sind draussen“). - Torben Kuhlmann
Einstein
(124)Aktuelle Rezension von: vronika22Bei der Frankfurter Buchmesse wurde ich beim Stand des Nord-Süd-Verlags auf die Reihe „Mäuseabenteuer“ aufmerksam. In dieser Reihe ist der Band „Einstein: die fantastische Reise einer Maus durch Raum und Zeit“ erschienen.
Wow wie unglaublich schön gemacht! Ich kann es gar nicht glauben, dass mir diese Reihe bisher entgangen ist! Es handelt sich bereits um den 4. Band der Mäuseabenteuer von Torben Kuhlmann. Er hat die Bücher nicht nur verfasst, sondern auch absolut zauberhaften Illustrationen selbst beigesteuert.
Die Maus hat das große Käsefest in Bern verpasst. Sie ist nämlich einen Tag zu spät gekommen. Darum befasst sie sich mit dem Thema „Zeit“ und man darf sie auf einer Zeitreise begleiten.
Die Altersempfehlung ist ab 6 Jahren, also für Grundschulkinder. Man erfährt viel Wissen über die Zeit, über Albert Einstein und etliches andere. Das Buch ist nicht nur lehrreich, sondern in gleichem Maße auch unterhaltsam geschrieben. Die Abenteuer der Maus sind wirklich ganz wunderbar zu lesen und stecken voller Wissen, Magie und Charme.
Das Buch ist sowohl zum Vorlesen, als auch zum Selberlesen geeignet. Es vermittelt auf unterhaltsame Weise und sehr kindgerecht Wissen. Die Illustrationen sind wunderschön und es gibt unglaublich viel auf ihnen zu entdecken.
Im Anhang erfährt man dann noch ein wenig Wissen über Albert Einstein, die Relativitätstheorie und alles was dazu gehört. Dies ist dann eher für größere Kinder geeignet.
Ein wunderschön gemachtes Buch und für mich ein absolutes Highlight! Ich vergebe eine ganz große Empfehlung!
- Fabian Lenk
Die Zeitdetektive, 3, Das Wunder von Bern
(6)Aktuelle Rezension von: Claudias-Buecherregal„Das Wunder von Bern“ sagt den meisten Erwachsenen sicherlich etwas und mit diesem Buch können es nun Kinder ab 9 beinahe „live“ erleben. Mit den Zeitdetektiven Kim, Julian, Leon und ihrer Katze Kija geht es nämlich in die Schweiz und als wenn das packende WM-Finale Deutschland gegen Ungarn nicht schon spannend genug wäre, verknüpft Fabian Lenk das historische Ereignis mit einem fiktiven Kriminalfall. Garniert wird das ganze mit schwarz-weiß Illustrationen von Timo Grubing.
„Die Zeitdetektive“-Reihe ist eine Serie von Kinderkrimis, bei der die Detektive in der Zeit reisen. Ich finde die Reihe toll, aber durchaus auch anspruchsvoll. Der dritte Fall ist packend geschrieben, aber (wie gewohnt) baut Lenk auch durchaus ein paar Fachbegriffe ein, die man im Glossar nachschlagen kann/muss. Daher empfehle ich die Reihe immer für Kinder, die aufgeweckt sind und Wissensdurst haben.
Fazit: Hier kommen weder Fußball-Fans noch Krimi-Liebhaber zu kurz. Ein tolles Abenteuer mit einem Setting, das ich noch nie in einer Zeitreise-Reihe für Kinder gesehen habe.
- Thomas Kowa
Das letzte Sakrament
(44)Aktuelle Rezension von: ingo101Ein interessanter Ansatz für eine Geschichte und viele philosophische was-wäre-wenn Fragen. Diese sind in einer spannenden Geschichte untergebracht, die zum Weiterlesen animiert. Am Anfang ist der Schreibstil noch etwas ungewohnt, aber das bessert sich deutlich nach 20-30 Seiten, vielleicht weil es das Erstlingswerk des Autors ist? Aber letztendlich entfaltet die Erzählung eine Spannung.
Viele Szenen nur oberflächlich beschrieben werden, das ist gewöhnungsbedürftig. Das scheint dem Schreibstil geschuldet zu sein, der, ungefähr ab dem zweiten Drittel an Tempo und Geschwindigkeit immer wieder nachlegt. Tiefere oder überhaupt vollständige Beschreibungen der Umwelt, der Gefühlswelt, der Charaktere oder der aktuellen Situation sind da – offensichtlich - fehl am Platz. Glaubwürdigkeit (auf die Erzählweise/Beschreibungen bezogen) leider auch. Viele Szenen werden rasch und schnell abgehandelt – Schlag auf Schlag, ohne tiefer eintauchen zu wollen.
Die Charaktere sind wie aus dem Leben gegriffen. Sie haben ihre Macken und Schrullen und Problemchen. Allen gemeinsam ist, dass wenig über ihr Leben vor den Ereignissen erzählt wird. Es gibt zwar einige Rückblenden, die den Hintergrund beleuchten, diese sind aber selten. Trotzdem fühlt man sich nach einigen Seiten (siehe oben) mit den Figuren verbunden. Erstaunlich wie es der Autor schafft, die Charaktere nur mit den aktuellen Ereignissen dem Leser oberflächlich näherzubringen.
Spannend, nach den ersten 20-30 Seiten gut zu lesender Krimi. Charaktere bleiben blass, aber gleichzeitig interessant. Das Tempo der Erzählung wird zum Ende hin immer schneller.























