Bücher mit dem Tag "besatzung"
72 Bücher
- Susanne Abel
Stay away from Gretchen
(642)Aktuelle Rezension von: 4nniDieses Buch ist eine wundervolle Geschichte mit vielen wichtigen und vor allem realen Details, die wahrscheinlich nicht jedem bekannt sind.
Die ersten 100 Seiten waren für mich allerdings wirklich schwer zu lesen. Jeden Abend habe ich mich gefragt, ob ich weiterlesen möchte, weil die Realität damals einfach so brutal war. Krieg, Flucht, Gewaltverbrechen. Nach dem ersten Drittel wurde die Geschichte etwas sanfter.Nicht weniger traurig und herzzerreißend, aber es gab auch schöne Momente. Und Gretas rotzige Art hat die Handlung das ein oder andere Mal angenehm aufgelockert.
Besonders gelungen fand ich die Zeitsprünge zwischen dem Zweiten Weltkrieg und der Gegenwart, den leider immer noch aktuellen Bezug zur Flüchtlingspolitik sowie die Perspektive des Sohnes Tom. Sein geerbtes Trauma und die Verantwortung für seine demenzkranke Mutter haben mich beeindruckt und gleichzeit auch sehr mitgenommen.
Auch wenn es sich um ein Roman handelt, steckt in diesem Buch unglaublich viel Geschichte, Recherche und vor allem Wahrheit.
Leider gibt es immer weniger Zeitzeugen, die ihre Erlebnisse mit uns teilen können. Auch meine Großeltern sind inzwischen verstorben, und meine Eltern sind mehr oder weniger meine einzigen verbliebenen Quellen, wenn es darum geht, diese Geschichten weiterzutragen.
Allein aus diesem Grund wird „Stay Away from Gretchen" für immer einen festen Platz in meinem Bücherregal haben. Und irgendwann, wenn sie alt genug sind, werde ich es auch meinen Kindern ans Herz legen.
Ein Meisterwerk eines Geschichtsromans. - Kristin Hannah
Die Nachtigall
(672)Aktuelle Rezension von: annasdiary⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ 5/5 Jahreshighlight ❤️🩹
Ich weiß gar nicht, wie ich dieses Buch richtig in Worte fassen soll. „Die Nachtigall“ von Kristin Hannah hat mich auf eine Art berührt, wie es bisher nur sehr wenige Bücher geschafft haben.
Die Geschichte begleitet zwei Schwestern im besetzten Frankreich während des Zweiten Weltkriegs, die auf ganz unterschiedliche Weise versuchen, diese schreckliche Zeit zu überstehen. Und während des Lesens habe ich mich so oft gefragt: Was hätte ich an ihrer Stelle getan? Wäre ich mutig genug gewesen? Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass ich diesen Mut gehabt hätte sag ich euch wie es ist 💔
Dieses Buch zeigt so eindrücklich, was Krieg mit Menschen macht. Welche Entscheidungen man treffen muss, um zu überleben, was man bereit ist zu riskieren und wie viel Leid ein Mensch überhaupt ertragen kann. Gleichzeitig geht es aber auch um Liebe, Familie, Zusammenhalt, Verlust und unfassbaren Mut.
Ich kann mir nicht einmal ansatzweise vorstellen, wie es gewesen sein muss, in dieser Zeit zu leben. Manche Szenen haben mich deshalb wirklich fertiggemacht. Ich musste zwischendurch sogar Pausen machen, weil ich einfach nur noch geweint habe und einfach mal durchatmen musste. Ich glaube, bei keinem anderen Buch habe ich bisher so viele Tränen vergossen!!
Und obwohl das Buch über 600 Seiten hat, war es für mich überhaupt nicht langatmig. Ganz im Gegenteil: Gerade diese vielen Einblicke in den Alltag und das Leben während der Besatzung haben die Geschichte für mich so intensiv gemacht. „Die Nachtigall“ hat mich gebrochen, zum Nachdenken gebracht und wird mir wahrscheinlich noch sehr lange im Kopf bleiben. Eines dieser Bücher, bei denen man nach der letzten Seite das Gefühl hat, dass etwas davon bei einem bleibt. Ich brauche erstmal Zeit um das alles zu verarbeiten & brauche bitte jetzt erstmal was sanftes 😂🧸
⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ von mir und ohne Frage mein bisheriges Jahreshighlight. ❤️🩹
- Jo Nesbø
Rotkehlchen (Ein Harry-Hole-Krimi 3)
(335)Aktuelle Rezension von: H-LshLeider habe ich mit dem falschen Buch in der Harry Hole Reihenfolge angefangen. Für alle, die es ähnlich handhaben, ein Trost: für mich stellte es kein Problem dar. Auch dieser Fall lässt sich sehr gut lesen und nachvollziehen. An manchen Stellen ist es etwas komplex, doch sprachlich und Erzähler İş fantastisch. Darum von mir eine absolute Empfehlung, zumal das Buch schon einige Jahre alt ist.
- Taylor Jenkins Reid
Atmosphere
(301)Aktuelle Rezension von: AukjeDas Weltall hat es der Astrophysikerin Joan Goodwin schon immer angetan. Daher bewirbt sie sich bei der NASA als diese 1980 auch Frauen dazu aufruft sich als Astronaut zu bewerben. Zu ihrer großen Überraschung wird sie genommen. Überglücklich beginnt sie ihre Ausbildung auch wenn das heißt dass sie ihre 6jährige Nichte nicht mehr so häufig sehen kann. Doch Joan beginnt während ihrer Ausbildung aufzublühen und lernt dort auch ihre erste und große Liebe kennen.
Das Buch ist unheimlich angenehm geschrieben und macht es jedem möglich dem Thema Weltraum und NASA zu folgen. Besonders der Charakter von Joan ist ziemlich sympathisch und ihre eher ruhige Weiterentwicklung ist nachvollziehbar beschrieben. Zum Ende hin gab es sogar stellen die einen zu Herzen rühren. Das Buch ist eine absolute Leseempfehlung.
- Annette Hess
Deutsches Haus
(240)Aktuelle Rezension von: PepaleFrankfurt 1963: Eva ist Dolmetscherin. Durch einen Zufall kommt sie an eine Job als Übersetzerin für Polnisch beim Auschwitz Prozess. Unbedarft und naiv stürzt sie sich in ihre Arbeit, ohne zu ahnen was sie dort erwartet. Die Berichte der Zeugen wie Juden ermordet, gedemütigt, gefoltert wurden, setzen Eva schwer zu. Evas Eltern hatten ihr abgeraten diesen Job zu übernehmen. Am Ende sind ihre Eltern in das ganze Geschehen verknüpft und die Familie zerstört.
Mit ihrem Verlobten führt sie eine typische Beziehung, wie es in den 1960er Jahren verbreitet war, sie ordnet sich ihm unter. Das Gesellschaftliche Rollenbild sah es so vor, sonst galten Frauen als „unweiblich“.
Annegret, die ältere Schwester von Eva, leidet unter dem Helden-Syndrom (Profilneurose). Als Säuglingsschwester infiziert sie Babys mit Bakterien um sie hinterher wieder gesund zu pflegen und dafür Lob und Geschenke zu bekommen.
Die Autorin hat gut recherchiert.
Der Schreibstil ist leicht und flüssig. Die Geschichte ist fesselnd und bewegend. Die Protagonisten sind gut beschrieben und entwickeln sich weiter.
Es handelt sich um eine gelungene Geschichte.
- Brent Weeks
Am Rande der Schatten
(211)Aktuelle Rezension von: Drachenbuecherhort„Am Rande der Schatten“ ist der zweite Band der Schatten-Trilogie von Brent Weeks. Nach dem packenden ersten Teil, „Der Weg in die Schatten“, setzt Weeks die Geschichte des ehemaligen Gassenjungen Azoth, der nun als Kylar Stern bekannt ist, fort.
Die Geschichte beginnt mit Kylars Versuch, ein normales Leben als Kräuterkundiger zu führen, nachdem er dem Leben als Assassine den Rücken gekehrt hat. Doch die Schatten seiner Vergangenheit lassen ihn nicht los. Als er erfährt, dass sein bester Freund Logan möglicherweise noch lebt, wird Kylar erneut in die dunklen Machenschaften der Stadt Cenaria hineingezogen. Der Gottkönig von Khalidor hat die Stadt erobert und führt eine Schreckensherrschaft, die Kylar dazu zwingt, seine Fähigkeiten als Assassine wieder einzusetzen.
Weeks’ Schreibstil ist packend und atmosphärisch. Die düstere und oft brutale Welt von Cenaria wird lebendig beschrieben, und die actionreichen Szenen halten den Leser in Atem. Weeks’ Fähigkeit, Spannung aufzubauen und zu halten, ist bemerkenswert. Ob es sich um einen tödlichen Kampf, eine heimliche Mission oder eine magische Auseinandersetzung handelt, die Action ist stets dynamisch und mitreißend. Man kann die Anspannung und das Adrenalin förmlich spüren, während man Seite um Seite umblättert. Die komplexen politischen Intrigen und die ständigen Machtkämpfe sorgen dafür, dass es nie langweilig wird. Auch die magischen Elemente sind geschickt in die Handlung integriert und verleihen der Geschichte eine zusätzliche Ebene der Faszination. Jede Wendung und Überraschung hält den Leser gespannt und neugierig auf das, was als Nächstes kommt. Wenn auch der Anfang etwas langatmig ist, lohnt es sich, durchzuhalten. Weeks nimmt sich die Zeit, die Welt und die Charaktere gründlich einzuführen, was anfangs etwas langsam erscheinen mag. Doch diese sorgfältige Einführung zahlt sich aus, da sie eine solide Grundlage für die komplexe und vielschichtige Handlung schafft.
Brent Weeks zeichnet seine Charaktere mit großer Tiefe und Komplexität. Kylar Stern, der Protagonist, kämpft ständig mit seiner eigenen Identität und seinem Platz in der Welt. Er ist hin- und hergerissen zwischen seinem Wunsch nach einem friedlichen Leben und seiner Rolle als Assassine. Diese innere Zerrissenheit macht ihn zu einer vielschichtigen und faszinierenden Figur. Die Entscheidungen, die die Charaktere treffen müssen, sind oft nicht einfach und haben weitreichende Konsequenzen. Weeks zeigt, dass die Grenzen zwischen Gut und Böse oft verschwimmen und dass selbst die besten Absichten zu schrecklichen Taten führen können. Diese moralische Komplexität verleiht der Geschichte eine Tiefe, die den Leser lange nach dem Lesen noch beschäftigt.
„Am Rande der Schatten“ behandelt Themen wie Macht, Verrat, Freundschaft und die Suche nach Identität. Weeks stellt die moralischen Dilemmata seiner Charaktere in den Vordergrund und zwingt den Leser, über die Natur von Gut und Böse nachzudenken. In einer Welt, in der Vertrauen selten und Verrat allgegenwärtig ist, müssen sie lernen, wem sie trauen können und wem nicht. Diese ständige Unsicherheit schafft eine Atmosphäre der Spannung und des Misstrauens, die den Leser in ihren Bann zieht. Trotz der düsteren und oft brutalen Welt, in der sie leben, finden die Charaktere Trost und Unterstützung in ihren Freundschaften. Diese Beziehungen bieten einen Lichtblick in der Dunkelheit und zeigen, dass selbst in den schwierigsten Zeiten Hoffnung und Menschlichkeit bestehen können.
„Am Rande der Schatten” ist eine gelungene, wenn auch etwas schwächere Fortsetzung der Schatten-Trilogie und empfehlenswert für alle Fans düsterer High Fantasy. Wer auf der Suche nach einer spannenden und tiefgründigen Fantasy-Geschichte ist, kann mit dieser Reihe nichts falsch machen.
- Stephanie Schuster
Die Wunderfrauen - Alles, was das Herz begehrt
(202)Aktuelle Rezension von: Buchwurm05Inhalt:
1953. Endlich geht es in Deutschland wieder aufwärts. Die mageren Jahre sind vorbei. Während Luise von einem eigenen Laden träumt, nehmen Luises Brüder die heimatvertriebene Marie bei sich auf dem Bauernhof auf. Helga, die aus reichem Haus stammt, flüchtet vor ihren Eltern und beginnt eine Ausbildung als Krankenschwester in der Geburtsklinik von Dr. von Thaler. Durch ein Missverständnis zieht sie den Zorn von dessen Gattin Annabel auf sich. Jede versucht das Beste aus ihrer Situation zu machen. Noch wissen sie nicht, dass sich ihre Wege immer wieder kreuzen werden.....
Leseeindruck:
"Die Wunderfrauen - Alles was das Herz begehrt" ist der erste Band einer Trilogie. Die Kapitel sind abwechselnd aus der Sicht von Luise, Marie, Helga und Annabel geschrieben. So konnte ich sie nach und nach besser kennenlernen und wurde tief in die Geschichte hineingezogen. Es hat mich gut und kurzweilig unterhalten, ihren Lebensweg zu verfolgen. Ich habe es bewundert, wie sie das Beste aus ihrer Situation gemacht und immer wieder Mut gefasst haben. Dabei kam es gerade zum Ende hin auch zu Szenen, die ich so nicht erwartet habe. Auf der einen Seite wurde es nicht langweilig und es gab für mich unerwartete Wendungen. Auf der anderen Seite, hat das gar nicht zu den Figuren gepasst. Auch, wenn das jeweils in Ausnahmesituationen geschehen ist, kam mir persönlich das etwas zu unerwartet.
Fazit:
"Die Wunderfrauen - Alles was das Herz begehrt" hat mir unterhaltsame Lesestunden beschert. Es ist eher ein leichter Roman, bei dem ich mich schnell in die Figuren hineinversetzen konnte. Von mir gibt es eine Leseempfehlung. - Michael Lüders
Wer den Wind sät
(45)Aktuelle Rezension von: HoldenMichael Lüders beschreibt, was die amerikanische Außenpolitik (häufig durch die CIA und unter Unterstützung bestimmter Think tanks und Journalisten) im Nahen Osten angerichtet hat. Und dem ja auch häufig folgend leider die Europäische Union und die deutsche Regierung. Oft hat man die ausgestreckte Hand zur Kompromissfindung ausgeschlagen, frühzeitig die Welt in "gut" und "böse" unterteilt und sich pragmatschen Lösungen verschlossen, oft auf kosten von Zehntausenden Menschenleben. Teilweise wurde eine erfolgreiche Friedensstiftung durch die USA untergraben, auch in Fällen wie der Hamas oder Irans, was daran liegt, daß die USA ein Interesse an dem dauerhaften Krieg haben, in dem wir uns gegenwärtig befinden, man einseitig auf wirtschaftliche Vorteile der US-Wirtschaft setzt (Big Oil und die Motivation zu George W. Bushs völkerrechtswidrigem Angriffskrieg gegen den Irak) oder indem man zu einseitig auf Israel im Nahen Osten schaut. Natürlich fragt man sich, was die gewählten deutschen Politiker zu dem Ganzen gesagt haben, man möchte Namen und konkrete Aussagen wissen, genauso wie das, was gewisse Medien geschrieben haben. Idles singen in "War" von den "stone-faced liars", Brody Dalle trug ein "The CIA"- T-Shirt auf der Bühne (natürlich als Kritik), beides mit Recht. Ein aufwühlendes Buch, zur Pflichtlektüre empfohlen.
- Noa C. Walker
Die Weite des Horizonts
(42)Aktuelle Rezension von: AlHomiEinblicke in den zweiten Weltkrieg bekommt man in der Schule genug, mögen einige denken, aber hier ist die Geschichte lebendig.
Und leider ist das Thema immer wieder aktuell (man sollte meinen, man lernt aus der Vergangenheit).
Wir können alle froh sein, dass wir damals nicht gelebt und diese Zeit erlebt haben!
Wer nicht gerade von sich behauptet er/sie hätte ein Herz aus Stein, wird bei diesem Roman viele Stelle haben, die ihn/sie berühren und tief durchatmen lassen.
Das Ende kam etwas überraschend und ich hätte gerne noch erfahren, ob Fitzi es geschafft hat, dennoch lohnt sich dieses Buch.
Der Klappentext für alle:
Sommer 1942: Gegen ihren Wunsch wird Cara Biber als Wehrmachtshelferin aus dem Schwarzwald in die besetzte Normandie entsandt. Die herrliche Alabasterküste kennt die junge Deutsche von früheren Familienurlauben. Damals war sie in den jungen Nic Poulin verliebt – der inzwischen als Radar-Ingenieur für die Engländer im Einsatz ist. Ziel seiner nächsten gefährlichen Mission ist ausgerechnet der Ort, an dem Cara stationiert ist.
Auch über ihrer Familie im Schwarzwald braut sich Unheil zusammen: Ihr Bruder Alexander wird wegen kritischer Äußerungen von den Nazis inhaftiert, also muss ihre Schwägerin mit den Kindern allein zurechtkommen. Und dann überschlagen sich die Ereignisse … Noch kann niemand sagen, ob sich die Bibers je wiedersehen. Werden Liebe und Hoffnung den Krieg überdauern?
- Bettina Storks
Leas Spuren
(140)Aktuelle Rezension von: Buechertanz_ChrissyIn ihrem Roman „Leas Spuren“ entführt Bettina Storks ihre Leser und Leserinnen auf eine hochemotionale Reise zwischen dem modernen Paris von 2016 und den düsteren Jahren der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Was als Suche nach einem verschollenen Gemälde beginnt, entwickelt sich schnell zu einer tiefgreifenden Auseinandersetzung mit Schuld, Verantwortung und der heilenden Kraft der Wahrheit.
„Sie würde in die Anfänge zurückgehen müssen, dorthin, wo alles begann. Sie würde Charlottes Leben erforschen. Mit dem Blick einer Wissenschaftlerin und dem Herzen einer Angehörigen. In den Keller der Familienarchive hinabsteigen und ihre Geschichte freischaufeln.“
[Seite 69, Kapitel 6]
Die Geschichte besticht durch ihre meisterhafte Konstruktion: Zunächst scheinen die Ereignisse in der Vergangenheit und die moderne Recherche der Stuttgarter Historikerin Marie sowie des Journalisten Nicolas nur lose miteinander verbunden. Doch Bettina Storks versteht es glänzend, diese Fäden im Laufe der Handlung immer enger zu einer eindrücklichen Geschichte zu verweben.
Besonders beeindruckend ist die atmosphärische Darstellung von Paris. Während die Stadt in den Jahren 2016/2017 als Sehnsuchtsort voller Leichtigkeit und Lebensfreude geschildert wird, wirkt das Paris der Besatzungszeit unter der deutschen Herrschaft bedrückend und düster. Dieser Kontrast machte die Tragweite der historischen Ereignisse für mich spürbar.
Trotz der schweren Thematik des Kunstraubs, der Judenverfolgung und Deportation gelingt es der Autorin, Lichtblicke in die Erzählung einzubauen. Die Liebesgeschichten – sowohl zwischen Marie und Nicolas in der Gegenwart als auch zwischen Charlotte und Victor in der Vergangenheit – sind feinfühlig und absolut glaubwürdig gezeichnet. Es ist dieses typische „Storks-Knistern“, das bereits früh spürbar ist und die Leser und Leserinnen hoffen lässt, dass die Liebe auch in Zeiten größter Not bestehen kann.Ein zentraler Punkt des Buches ist die fundierte Aufarbeitung des NS-Kunstraubs. Für Leser/ Leserinnen, die sich bisher wenig mit dem „Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg“ beschäftigt haben, eröffnet der Roman erschütternde Einblicke in die systematische Plünderung jüdischen Eigentums. „Leas Spuren“ macht deutlich, dass es beim Kunstraub nicht nur um materielle Werte ging, sondern um den Versuch, die Identität und Geschichte ganzer Familien auszulöschen. Die fiktive Suche nach Lea und ihrem Gemälde wird so zum Mahnmal für die realen Opfer dieser Zeit.
„Historische Fakten waren eine Sache. Den Namen der eigenen Familie auf einem Originaldokument der Nazis zu sehen, eine andere.“
[Seite 37, Kapitel 3]
Bettina Storks hat mit dieser beeindruckenden Geschichte einmal mehr bewiesen, warum sie zu meinen absoluten Lieblingsautorinnen gehört – was für eine besondere und große Erzählerin. Es ist eine Geschichte, die ich mit Sicherheit nie wieder vergessen werde. Danke für dieses emotionale und mitreißende Leseerlebnis.
Fazit: Das Buch „Leas Spuren“ ist mehr als ein historischer Roman – es ist ein Plädoyer für das Erinnern. Bettina Storks verbindet akribische historische Recherche mit einer tief bewegenden Familiengeschichte. Wer Bücher liebt, die Herz und Verstand gleichermaßen fordern und die zeigen, wie sehr unsere Gegenwart in der Vergangenheit verwurzelt ist, wird dieses Buch nicht mehr aus den Händen legen können. Absolut empfehlenswert! - Anthony Doerr
Alles Licht, das wir nicht sehen
(11)Aktuelle Rezension von: sursulapitschiIch habe schon einige Bücher über den zweiten Weltkrieg gelesen. Aber selten hat mich eins so beeindruckt wie dieses hier, und das obwohl es eines der leiseren Sorte ist und kein einziger Jude gequält wird.
Zwei Kinder schlittern in den Krieg hinein. Die blinde Marie-Laure aus Paris, die mit ihrem Vater alleine lebt und Bücher liebt, findet sich plötzlich allein in einem Haus in Saint Malo, als Bomben durch die Stadt fliegen. Und Werner, ein deutscher Waisenjunge, der durch seine Genialität in einer Nazi-Kaderschmiede gelandet ist, wird ein paar Häuser weiter verschüttet.
Beide sind klug und liebenswert und haben auch ohne das Kriegsgeschehen schon einiges zu ertragen gehabt. In eingestreuten Rückblenden erfährt man nach und nach, was ihnen widerfahren ist und wie sie damit fertig wurden. Das ist verwirrend, aber auch hoch spannend. Das Geschehen springt hin und her. Mal ist man in Deutschland, mal in Frankreich, 1938 oder 1944 und die Zeit schreitet fort.
Dazwischen rankt sich noch die Geschichte eines legendären Diamanten, den ein deutscher Offizier suchen lässt und dessen Spuren auch zu Marie-Laure führen.
Ganz allmählich wird die Situation in beiden Zeitebenen bedrohlicher. Bald mag man das Buch nicht mehr weglegen. Man lernt unterschiedlichste Menschen kennen und verfolgt gebannt ihr Schicksal. Da ist Frederick, Werners Freund aus seiner Jungmannenzeit, der nicht stark genug ist, um deutschnationalen Anforderungen zu genügen, während die Bäckersfrau in Saint Malo geheimnisvolle Zettel in ihre Brote bäckt.
Dieses Buch schleicht sich an, ganz langsam, dann packt es einen und trifft eiskalt. Es ist unterhaltsam, spannend und erschütternd, erzählt in einer wunderbaren Sprache, eins meiner Bücherhighlights dieses Jahr.
Auch das Hörbuch ist wunderbar gelesen und sehr empfehlenswert.
- Irène Némirovsky
Suite française
(56)Aktuelle Rezension von: Tanja_WueGenauso schlimm, wie es in dem Buch beschrieben wird, so stellte ich mir die damalige Lage im zweiten Weltkrieg vor. Sehr viele Erzählungen darum wie es ist und war. So fühlt es sich für mich an.
Ich persönlich bin aber mit dem Buch nicht ganz so warm geworden. Ich weiß nicht ob es der falsche Zeitpunkt war oder nicht. Es ist ein starkes Buch wo ich gedachte hätte, es nimmt mich aufgrund des Themas mehr emotional mit.
- Simon Stranger
Vergesst unsere Namen nicht
(43)Aktuelle Rezension von: JamiiHvor mye må det vel ikke til for å bevare sin verdighet, sin mennesklighet, når hele systemet, du er plassert inn i, er bygget opp med ett eneste formål: å ta det vekk fra deg? (Wie viel braucht es wohl, um die eigene Würde und Menschlichkeit zu bewahren, wenn das gesamte System, in dem du plaziert bist, nur ein einziges Ziel hat: Sie dir zu nehmen?
Inhalt
Als Simon Strangers Sohn eines Tages den Stolperstein von Hirsch Komissar freilegt, setzt das eine Reihe von Ereignissen in Gang, die Teile der Familiengeschichte seiner Frau Rikke aufdeckt.
Was macht es mit Menschen, in ein Haus zu ziehen, in dem während des zweiten Weltkriegs eine der gefürchtetsten Banden Norwegens ihr Unwesen trieb und zahlreiche Menschen folterte und umbrachte?
Was ist mit Hirsch passiert, nachdem er eines Vormittages in ein Gefangenenlager gebracht wurde und wie reagierten seine Kinder auf die Nachricht von seinem Tod?
Und was muss passieren, damit der Sohn eines Schuhmachers zu einem der meistverhasstesten Schreckensgestalten Norwegens wird?
Meine Meinung
Von der ersten Seite an, findet Stranger genau die richtigen Worte, um seine Leser_innen zu treffen. Mehr als ein Mal musste ich das Buch auf die Seite legen, ein paar Mal tief durchatmen und eine kurze Pause einlegen, bevor ich weiterlesen konnte. Das lag sicher auch daran, dass das Buch, wo es nur irgendwie möglich war, auf historischen Ereignissen beruht.
Durch den Aufbau des Buches und der Kapitel (A wie Anklage, B wie Bande, usw) und dass er dieses Format immer wieder aufgreift, bringt Leser_innen immer wieder aus dem Buch heraus, gibt einem Platz und kurze Atempausen. Gleichzeitig macht er mit den Wörtern, die er als Vergleiche verwendet, Andeutungen, die oft grausamer sind, als es Beschreibungen wären. (Anm: hier kann ich nur von den, in der Originalsprache verwendeten, Wörtern ausgehen, weil das die einzige Ausgabe ist, die ich gelesen habe, ich weiß nicht, wie die übersetzt wurden)
Was die Charaktere betrifft, sind die meisten Aktionen wenigstens teilweise nachvollziehbar. Hauptsächlich Rinnan und (teilweise) Ellen haben meiner Meinung nach oft wiedersprüchlich gehandelt.
Was mich im Laufe des Buches oft verwirrt hat und wovon ich mir mehr gewunschen hätte, wäre ein Übersicht, wie die einzelnen Personen miteinander in Verbindung stehen. Obwohl ein Glossar vielleicht etwas kontraproduktiv wäre, weil es in gewisser Weise auch darum ging, die Familiengeschichte und deren Zusammenhänge auszugraben, hatte ich vor allem am Anfang oft Schwierigkeiten, Leute zuzuordnen.
Eine Sache, die vielleicht noch erwähnt werden sollte: in dem Buch fehlen jegliche Triggerwarnungen, obwohl Themen wie sexuelle und andere Gewalt, Selbstmord und natürlich Krieg und Folter erwähnt und ausdrücklich beschrieben werden.
Fazit
Es ist ein wirklich interessantes Buch, das mich jedenfalls öfter die Namen auf Stolpersteinen lesen lässt und Leuten in Erinnerung ruft, dass das diese Leute nicht nur Namen, sondern auch Kindheiten, Erinnerungen, Liebende und zu früh beendete Leben hatten. Wir werden ihre Namen nicht vergessen und dafür sorgen, dass sie noch lange nicht ein zweites Mal sterben.
Allerdings ist es kein Buch, dass man auf die leichte Schulter nehmen und einfach mal nebenbei lesen kann.
- Michelle Marly
Madame Piaf und das Lied der Liebe
(133)Aktuelle Rezension von: Nala73tolle Romanbiografie über eine außergewöhnliche kleine Frau
Paris, 1944: Nach dem Ende der deutschen Besatzung wird die Sängerin Édith Piaf der Kollaboration angeklagt – und fürchtet ein Auftrittsverbot. Während sie ihre Unschuld zu beweisen versucht, lernt sie Yves Montand kennen, einen ungelenken, aber talentierten jungen Sänger. Édith beginnt mit ihm zu arbeiten, und schon bald werden aus den beiden Chansonniers Liebende. Das Glück an Yves‘ Seite inspiriert Édith zu einem Lied, das sie zu einer Legende machen könnte – La vie en rose.
- Luca Di Fulvio
Es war einmal in Italien
(100)Aktuelle Rezension von: Phil_GEin Epos dauert, klar. Dieser Epos zieht sich in die Länge. Ich habe ungewöhnlich lange gebraucht, bis ich mich durch das Buch gekämpft habe.
Als der grösste Teil Italiens sich 1861 zum Königreich Italien vereinte, blieb der Kirchenstaat aussen vor. Erst im Herbst 1870 eroberten die italienischen Truppen auch Rom.
Über die Geschichte von drei jungen Menschen erzählt der Autor wie es dazukam. Eine interessante Idee, aber da er auch vieles über ihre eigene Geschichte und die ihres nächsten Umfelds eingebaut hat, mäandert die Erzählung. Es geht genauso um Fragen der Zugehörigkeit, der Liebe, der Ehre und des Stolzes.
Die Figuren sind charakterlich gut beschrieben, aber ihr Aussehen ist skizzenhaft. Ihr Verhalten ist stark von Impulsen getrieben und wirkt zwischendurch wenig überzeugend.
Ich habe es nicht bereut, das Buch zu lesen, aber empfehlen kann ich es nur denjenigen, die Zeit und Interesse haben, in die Welt der Menschen zu diesem besonderen Zeitpunkt der italienischen Geschichte einzutauchen. - Andrej Kurkow
Graue Bienen
(70)Aktuelle Rezension von: Sikal„Nichts hören, nichts sehen – sich raushalten.“ Mit dieser Devise lebt der Bienenzüchter Sergej im Donbass, zusammen mit seinem „Freundfeind“ Paschka hält er die Stellung in dem ansonsten verlassenen Dorf. Die beiden trotzen dem Geschützfeuer, dem Leben ohne Strom und dem Hoffen auf Kohlelieferungen und Lebensmittel. Doch der Fokus in Sergejs Leben richtet sich nicht etwa auf seine Familie, die bereits vor einiger Zeit das Weite aus der Region suchte, sondern auf seine Bienenstöcke, die er pflegt und behütet. Eines Tages kommt er auf die Idee, seine Bienen in eine Region zu bringen, in der es friedlicher zugeht, damit sie in Ruhe Nektar sammeln können.
Auf diesem Roadtrip dürfen wir Sergej begleiten und sämtliche Stationen miterleben. Kurkow zeichnet einen Spagat zwischen den Wirren des Krieges, den Überlebensstrategien der Zivilbevölkerung und den Bemühungen um die Bienen. Denn letztendlich geht es ums Überleben in einem Krieg, wo es nur Verlierer geben kann. Die politischen Hintergründe werden nicht explizit erwähnt, werden aber subtil eingeflochten – beispielsweise in den Träumen Sergejs oder in einem Gespräch mit einer Verkäuferin. Obwohl Sergej ein unpolitischer Mensch ist und sich um seine Bienen kümmern möchte, entkommt auch er dem Regime nicht und kann nicht immer mit seinen Geschichten überzeugen.
Auch wenn die Geschichte dahin zu plätschern scheint, trifft den Leser immer wieder der Ernst der Situation und lässt diese nachhallen. Wie auch in anderen Büchern Kurkows wird dem Leser schnell klar, in welche Situationen sich der Protagonist hineinmanövriert, er selbst scheint es nicht zu merken und stolpert in so manches Problem.
Kurkows Stil zu schreiben begeistert und fesselt, diese ruhige und gelassene Art überträgt sich auf seine Charaktere. Es scheint, dass hier niemals zu viel Adrenalin zum Einsatz kommt und doch folgt man mit Spannung der Geschichte.
Ein Buch, das langsam gelesen werden will und Aufmerksamkeit verdient. 5 Sterne
- Kristin Hannah
Die Nachtigall
(41)Aktuelle Rezension von: m_massa
Die Nachtigall ist eine wundervolle, berührende und gleichzeitig erschreckende Geschichte, die mich vollkommen überrascht hat. Ich bin normalerweise absolut nicht nah am Wasser gebaut, aber hier gab es tatsächlich zwei Stellen, die mich emotional komplett auseinandergelegt haben. Dieses Buch ist tiefsinnig, tragend und wirkt noch lange nach dem Hören nach.
Auch die Sprecherleistung ist großartig – warm, eindringlich und atmosphärisch genau passend zur Geschichte.
Ich habe das Hörbuch auf Spotify gehört und kann es wirklich jedem empfehlen, der eine ergreifende, starke und eindrucksvoll erzählte Geschichte sucht.
- Ken Follett
Nacht über den Wassern
(244)Aktuelle Rezension von: HoldenDie übliche Ken-Follett-Pampe, warum sollte irgendjemand freiwillig lesen? Immer das Gleiche bei Follett, die gleiche Geschichte mit eindimensionalen Figuren mit holzschnittartigen Gedanken und Dialogen, alles total vorhersehbar und bräsig aufgeschrieben. Alles schon 100 Mal gelesen oder im TV gesehen, komplett überraschungsfrei. Totaler Bauchklatscher, unbegreiflich daß sich jemand sowas über 500 Seiten antun soll.
- Teresa Simon
Glückskinder
(145)Aktuelle Rezension von: Renate1964Teresa Simon lässt hier München von 1945 bis 1948 lebendig werden. Auch nach der Befreiung herrscht bittere Not. Schuttberge, Wohnungsmangel, überhaupt fehlt Lebensnotwendiges. Dazu kommt der kalte Winter. Der Schwarzhandel blüht. Toni, eine echte Münchner und ihre Familie müssen die vom KK befreite Griet aufnehmen
Ich mag die Autorin sehr und auch dieses Buch war sehr gut recherchiert und die Hauptfiguren sympathisch. Ein bisschen zu viel Liebe, darum nur 4 1/2 Sterne
- Imogen Kealey
Die Spionin
(146)Aktuelle Rezension von: itwt69"Die Spionin" ist eine mitreißende Tatsachengeschichte über eine ungewöhnliche Frau, die sich der französischen Resistance angeschlossen hat. Der Buchtitel allerdings ist irreführend, spioniert hat Nancy Wake allenfalls nebenbei. Zunächst als Fluchthelferin und später als Captain in Zusammenarbeit mit der Resistance hat sie durch unerschütterlichen Mut dazu beigetragen, dass das Grauen ein Ende fand, auch wenn es für viele kein wirkliches Happy End gab -> 4,5 Sterne
- Becky Chambers
The Long Way to a Small, Angry Planet
(45)Aktuelle Rezension von: PeacefulFantasyIch wusste nicht, dass ich Cozy Sci-Fi in meinem Leben brauchte, aber ja, ich brauche es. Und ich schäme mich etwas, dass dieses Buch drei oder vier Jahre auf meinem SuB lag und ich einen Buddyread brauchte, um es in die Hand zu nehmen.
"The Long Way to a small angry Planet" ist ein Paradebeispiel für den Trope Found Family. Rosemary stößt neu zur Crew des Tunneling-Schiffs Wayfarer hinzu, und während es eine übergreifende Handlung mit einem Tunneling-Auftrag gibt (das Anlegen von Sprungtoren/-pfaden im Weltraum, und dieser Auftrag am Ende des Buchs auch wichtig wird, ist es doch mehr eine Geschichte der verschiedenen Crewmitglieder, ihrer Beziehungen zueinander, ihrer Vergangenheiten, ihrer Träume und Wünsche und wie sie sich dabei gegenseitig unterstützen. Und das ist wunderbar wärmend, divers, witzig, tiefgründig und trotz Alienvölkern, Raumschiffen und fremden Welten sehr menschlich und lebensnah geschrieben.
Die anderen Bände der Wayfarer-Trilogie stehen jedenfalls fest auf meiner Leseliste - und ich werde dieses Mal nicht wieder drei oder vier Jahre mit dem Lesen warten. - Rainer Doh
Goldkap
(19)Aktuelle Rezension von: Jessica-buchmomentIch weiß nicht so recht warum, aber es hat irgendwie ziemlich lange gedauert, bis ich so richtig in das Buch hinein gekommen bin. Der Autor schreibt zwar sehr bildlich und ich konnte mir die jeweiligen Orte gut vorstellen, aber es fehlte mir irgendwie an Nähe zu den Charakteren. Die (Haupt-)Charaktere an sich kommen zwar sehr sympathisch rüber, aber es herrscht doch eine gewisse Distanziertheit.
Für die erste Buchhälfte habe ich sehr lange gebraucht, die zweite Hälfte ging dann aber deutlich schneller voran.
Besonders durch den angeblichen Goldschatz nimmt die Zahl der Verdächtigen immer mehr zu und der Leser tappt sehr lange im Dunkeln. Aber auch die Ermittler haben lange Zeit keine richtige Fährte, bis der Zufall und ein komisches Bauchgefühl Arne auf einen ganz neuen Ansatz bringen.
Das Buch ist eigentlich wirklich spannend, trotzdem konnte es mich insgesamt nicht so richtig überzeugen. Wahrscheinlich weil es eine so lange Anlaufzeit hatte.
Fazit
Die erste Hälfte des Buches habe ich leider als etwas langatmig empfunden, auch wenn die zweite Hälfte deutlich besser verlief, fehlte mir bei „Goldkap“ einfach das gewisse Etwas. - Lilly Bernstein
Trümmermädchen
(183)Aktuelle Rezension von: zuppiAnna lebt bei ihrer Tante Marie und Onkel Mathias. Sie wächst auf mit dem Duft von gebackenem Brot. Besser als jeder Geselle kennst sie die Geheimnisse, wie das köstliche Gut entsteht. Die Bäckerei von Onkel Mathias sorgt dafür, dass sie auch nach Beginn des Krieges nicht hungern müssen. Doch Mathias wird an die Front geschickt. Marie hält die Bäckerei mit Hilfe des Zwangsarbeiters Joseph am Laufen. Doch Köln wird zerbombt
Nach dem Krieg, Hungerwinter 1946: Marie ist am Ende ihrer Kräfte. Vom Haus der Bäckerei ist nicht mehr viel bewohnbar, der Ofen steht still. Es ist kalt, alle Menschen hungern. Marie und Anna versuchen jede für sich, das Überleben der kleinen Familie zu gewährleisten. Dabei leben sie sich zunehmend auseinander, Geheimnisse treten zwischen sie. Schlussendlich geht es in dieser Zeit um Leben und Tod. Kann die kleine Familie den Winter überstehen und das alte Leben Stück für Stück wieder aufbauen?
Das Buch ist sehr bewegend, wie es geschrieben ist hat es einfach mein Herz erreicht. Dieser Mut der Protagonistinnen zeichnet das Buch aus. Der Großteil der Handlung spielt im Hungerwinter 1946. Es gab eine Phase im Buch, als Marie länger als mir lieb war mutlos war. Da musste ich etwas Geduld beim Lesen aufbringen. Davon abgesehen ist es wirklich ein wunderbarer Roman und lässt uns die Auswirkungen des Krieges auf die nicht-verfolgte Deutsche Bevölkerung gut nachvollziehen.
- Jürgen Albers
Crossroads
(26)Aktuelle Rezension von: WoerterkatzeKlappentext von der Autorenseite
Juni 1940: Der Frühsommer erstrahlt über der britischen Kanalinsel Guernsey. Für den erfahrenen Londoner Inspektor Charles Norcott scheinen die beschaulichen Inseln im Ärmelkanal keine Herausforderung bereit zu halten. Doch das freundliche Sonnenlicht ist trügerisch und beleuchtet die Leiche einer jungen Frau. Kaum haben die Ermittlungen begonnen, als sich bereits neues Unglück zusammenbraut. Die deutsche Wehrmacht hat Frankreich überrannt und besetzt nun auch die britischen Kanalinseln in einem Handstreich. Nach einem zweiten Mord überschlagen sich die Ereignisse. Auf einer kleinen Insel, abgeschnitten und besetzt vom Feind, muss Norcott erkennen, dass er es mit mehr als einem Gegner zu tun hat. Grenzen verwischen sich und die Welt scheint voller Masken. Auch im hellen Sonnenschein bleibt die entscheidende Frage: Hinter welcher Maske steckt ein Freund, hinter welcher der Gegner?
Autoreninfo von der Verlagsseite:
Jürgen Albers erkundete bereits als Jugendlicher die britischen Inseln. Die Heimat seines britischen Großvaters kennenzulernen war ein starker Antrieb, sich mit den Menschen und der Geschichte zu beschäftigen. Sein beruflicher Start als Luftwaffenoffizier bescherte dem Autor mehr als ein Jahrzehnt Wanderleben, u.a. mit Stationierungen in Italien und den U.S.A. Nach einigen Jahren als Personalleiter arbeitet Albers heute als Hochschuldozent. Die Liebe zu den britischen Inseln ist geblieben und so werden auch die nächsten Romane dort spielen.
Erster Satz:
Er drehte langsam sein Handgelenk, bis er einen unauffälligen Blick auf das Ziffernblatt seiner Uhr werfen konnte.
Meinung:
Ein Krimi, der auf den britischen Inseln spielt, hat bei mir schon immer ein Stein im Brett. Wenn dann auch noch die Zeit des 2. Weltkriegs hinzu kommt liegt das Buch schneller bei mir im Regal als man schauen kann. Nun ja in diesem Fall eher auf dem Reader, aber sei es drum. Hauptsache, das Buch ist bei mir eingezogen.
Guernsey, zugegeben schon einmal gehört, und auch auf der Landkarte gefunden, aber nie weiter in Betracht gezogen, sei es als Handlungsort für einen Roman bzw. Krimi oder als Urlaubsziel. Jürgen Albers, der Erschaffer von Inspector Norcott, hat dies geändert. Er beschreibt die Insel so eindrücklich in all ihren Facetten und Schönheit, dass ich direkt Reiselust bekam.
Trotz der Schrecken des Krieges und der Invasion der deutschen Wehrmacht ist die Insel malerisch. Kleine gemütliche Häuser, eine typische Inselbevölkerung, die sich vom Festland abhebt und mit der Bedrohung lebt. Denn die deutsche Armee ist schon bis an die französische Küste vorgedrungen und die Insel wird sicherlich auch nicht mehr lange standhalten. Soweit zum Setting, das Albers gewählt hat, und just in dieser Zeit geschieht ein Mord. Eine junge Frau wird erdrosselt und Inspector Norcott, vom Scotland Yard, auf die Nachbarinsel versetzt, muss die Ermittlung in Guernsey übernehmen.
Norcott ist ein eigenartiger Charakter, auf der einen Seite ruppig in manchen Momenten, dann aber auch wieder sehr ruhig und gewissenhaft bis hin zu zurückhaltend. Ein wundervoller Charakter, den man so schnell nicht einordnen kann und sich im Laufe der 616 Seiten sich weiter entwickelt. Jürgen Albers gelingt es nicht nur Norcott glänzend darzustellen, sondern auch die vielen Nebencharaktere. Nach gut hundert Seiten war ich so in die Story versunken, dass ich alle Charaktere liebgewonnen habe. Sei es Norcotts Kollegen, der Bürgermeister oder auch die Besatzer.
Ja, auch die Besatzer, denn im Laufe des Falles wird die Insel besetzt. Albers schafft es dabei, bei aller historischen Genauigkeit, dass er nicht in Schwarz-Weiß-Malerei abdriftet Denn auf beiden Seiten gibt es Gutes als auch Böses. Wer damit rechnet, dass er auf böse deutsche Besatzer und arme unterdrückte Kanalinseln-Bewohner bei ihm trifft den muss ich enttäuschen. Weder beschönigt Albers etwas noch stellt er es drastischer dar.Gerade dies hat mir sehr gut gefallen. Er schafft es nicht nur die Spannung im Kriminalroman aufrecht zu erhalten, ihm gelingt es auch die sich änderden Lebensumstände durch die Besatzung deutlich rüber zu bringen. Auch die Probleme, die Norcott erwarten als ein weiterer Mord geschieht, sind treffend erläutert.
Gespannt war ich vor allen Dingen, wie er die vielen unterschiedlichen Handlungsstränge, die er nach und nach eingeflochten hat, am Ende zusammen bringt. Verzettelt er sich da? Ist da irgendetwas nachher nicht eindeutig? Beide Fragen muss ich eindeutig verneinen. So oft ich auch in den Handlungssträngen springen musste, um alles zu verfolgen, so gekonnt finde ich die Umsetzung. Auch wenn es zwischenzeitlich ruhig wird im Krimi und ich, wie Inspector Norcott glauben musste, dass es nicht weiter geht und wir auf der Stelle treten, hat sich am Interesse und an Spannung nichts verloren.
Ohne weiteres ist es Jürgen Albers gelungen, mich nach Guernsey der vierziger Jahre zu entführen. Durch die bildgewaltige Sprache hatte ich immer das Gefühl entweder an der Kaimauer des Hafens zu stehen, im Pub dabei zu sein oder auch auf der Obstplantage. Gerade jetzt bei dem Tippen der Besprechung habe ich wieder die Bilder vor Augen, mein Kopfkino kann sehr prägnant sein, und ich bin wieder zurückversetzt in das Lesegefühl im Januar. Ich rieche wieder das Meer, spüre die Aufregung des Bewohner, schmecke den schalen Tee im Polizeirevier und spüre den Wind in meinen Haaren als ich über die Felder streife.
Ich freue mich schon auf die Fortsetzung “Erased“, die laut Jürgen Albers in diesem Jahr erscheinen wird. Dieses Mal ist das Setting, die altehrwürdige Universitätsstadt Oxford.
Fazit
Ein packender historischer Kriminalroman vor einem eindrucksvollen Setting auf den Kanalinseln. Für Leser von historischen Kriminalromanen mit britischen Charme sehr geeignet.























