Bücher mit dem Tag "besetzung"
29 Bücher
- Susanne Abel
Stay away from Gretchen
(592)Aktuelle Rezension von: Unser_BücherGarten„Vielleicht ist Liebe gar nicht im Gehirn, sondern in der Seele gespeichert. Dann kann sie auch nicht durch Alzheimer zerstört werden.“ (S. 493).
Was für ein Zitat! Was für ein Buch! Wenn ich ein Buch von knapp 530 Seiten innerhalb von einer Woche lese, dann kann es nur eins bedeuten: Es ist sehr gut!
Schon länger wollte ich dieses Buch lesen und bin so dankbar, dass ich es vier Jahre nach der Erstveröffentlichung endlich gelesen habe.
Der bekannte Kölner Nachrichtenmoderator Tom macht sich Sorgen um seine 84jährige Mutter Greta, die immer mehr vergisst. Demenz wird diagnostiziert. Doch die Demenz führt dazu, dass etwas tief Verdrängtes nach außen drängt. Greta erzählt von ihrer Kindheit in Ostpreußen, den geliebten Großeltern, der Flucht vor den russischen Soldaten im eisigen Winter und ihrer Zeit im besetzten Heidelberg. Greta verstummt allerdings, als Tom auf das Foto eines kleinen Mädchens mit dunkler Haut stößt. Tom beginnt, sich eingehender mit der Vergangenheit seiner Mutter zu befassen.
Der Roman „Stay away from Gretchen – Eine unmögliche Geschichte“ spielt auf zwei Zeitebenen. Zum einen befinden wir uns im Jahre 2015/16 – mitten in der großen Flüchtlingskrise und zum anderen in den Kriegs- bzw. Nachkriegsjahren. Gelungen finde ich, wie die Autorin diese zwei Zeitebenen miteinander verknüpft und Parallelen, aber auch Mitgefühl, schafft.
Einfühlsam beschreibt die Autorin, wie Tom realisieren und damit leben muss, dass seine Mutter immer mehr abbaut. Hochemotional, sehr gut recherchiert und einfühlsam erzählt sie uns Gretas Geschichte, die auch auf Tom große Auswirkungen hat. Obwohl die Kapitel sehr lang sind, liest sich der Roman sehr gut und flüssig. Es ist sehr spannend geschrieben und man will dieses Buch nicht mehr weglegen.
Besonders gefreut hat es mich, dass die Geschichte u.a. in Mannheim und Heidelberg spielt. Städte, die ich gut kenne und einen Bezug dazu habe. Einiges aus der Nachkriegszeit war mir bekannt. Dennoch habe ich durch dieses Buch viel Neues gelernt. Überhaupt behandelt die Autorin Themen aus dem Nachkriegs-Deutschland, die weniger bekannt und so wichtig, da sie heute aktueller denn je sind.
Sehr lesenswert ist übrigens auch das Nachwort der Autorin. Hierin erklärt sie ganz offen, warum sie diese Geschichte erzählen wollte und dass sie alten Menschen „Gehör verschaffen und ein Gesicht geben möchte“. Wir sollten unseren Eltern bzw. Großeltern mehr zuhören und uns deren Geschichten für sie – aber auch für uns alle – gemeinsam merken.
Fazit:
Ein Roman, in dem ich viel geweint, stellenweise auch lachen musste, aber auch sehr viel gelernt habe. Wer Familienromane mit historischem Bezug und großen Gefühlen mag, dem kann ich dieses Buch absolut empfehlen.
- Kristin Hannah
Die Nachtigall
(632)Aktuelle Rezension von: CarofiiWenn man an den zweiten Weltkrieg denkt, denkt man häufig an Männer mit Maschinengewehren in schwarzen Uniformen, an Konzentrationslager, an Bombenexplosionen - und viel zu häufig wird die Rolle der Frauen im 2. Weltkrieg übersehen.
„Die Nachtigall“ aus dem Jahr 2015 ist zwar ein fiktiver Roman, ist jedoch stark von der Geschichte zweier Frauen inspiriert, die im besetzten Frankreich das Leben von mehreren, ihnen fremden, Personen retteten, während sie ihr eigenes Leben aufs Spiel gesetzt haben.
Die mutigen Schwestern Vianne und Isabelle haben abgeschossenen Piloten zur Flucht verholfen, jüdische Kinder versteckt und sind damit zu wirklichen Heldinnen geworden! Mehr möchte ich an dieser Stelle gar nicht verraten. Wer mich allerdings kennt, der weiß, dass für mich zu einem guten Roman auch immer noch eine kleine Liebesgeschichte dazugehört 🤭
⭐️ F A Z I T
Ich habe das Buch wirklich kaum aus den Händen legen können und habe die mehr als 600 Seiten total verschlungen! Was das Buch für mich zu einem richtigen Highlight gemacht hat, war die Kombination aus brutaler und ehrlicher Erzählung des Kriegsgeschehens, der Schilderung der Gefahren, welchen die beiden Schwestern ausgesetzt waren und der kleinen Licht- und Hoffnungsmomente, die die Geschichte abgerundet haben ✨
Von mir gibts die vollen 5 Sterne für diesen bewegenden Roman und eine wirkliche Empfehlung, besonders wenn man geschichtlich interessiert ist oder gerne Bücher mit starken, weiblichen Protagonistinnen liest! 🙌
PS: das Ebook gibts kostenlos bei Amazon Prime :)
- Colum McCann
Apeirogon
(62)Aktuelle Rezension von: itwt69Ein außergewöhnlicher Roman um zwei Männer, die nicht unterschiedlicher sein könnten, jedoch das gleiche Schicksal teilen: beide haben eine Tochter durch Gewalttätigkeiten der "anderen" Seite verloren. Und diese Personen gibt es tatsächlich, sie schließen sich zusammen, um gegen den Hass und Terror auf beiden Seiten zu kämpfen. Leider eine ganz große Ausnahme im "heiligen" Land, sonst würde es heutzutage anders aussehen. Die Kernaussage ist: Stoppt die Besatzung. Kein "normaler" Roman über den Palästinakonflikt, das zeigen schon die 1001!!! Kapitel, die ersten 500 aufsteigend, die zweiten 500 absteigend.
- Caroline Bernard
Rendezvous im Café de Flore
(80)Aktuelle Rezension von: Jayjay94Das Cover gefällt mir sehr gut und versprüht ein wenig französischen Charme.
In dem Roman geht es zum einen um Vianne, die alles liebt, was mit Pflanzen zu tun hat. Ihr Traum ist es einmal Botanikerin zu werden. Und dazu möchte sie unbedingt nach Frankreich. Dort lernt sie den Maler David kennen und lieben.
Doch dann passiert etwas, womit Vianne nicht gerechnet hat...
Jahrzehnte später reist Marlène mit ihrem Mann nach Paris. In einem Museum sieht sie ein Bild mit einer Frau, die sie selbst sein könnte. Wer ist sie? Marlène begibt sich auf die Suche...
Der Schreibstil ist sehr flüssig und man findet leicht in die Geschichte hinein. Auch der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart lässt sich gut auseinander halten. Die Protagonisten haben auch alle einen festen Charakter, sodass man sich alles wirklich vorstellen kann. Man fühlt sich mittendrin!
Das Buch ist spannend und wird zum Ende hin noch spannender. Man ist fast traurig, dass dann das Ende doch so schnell da ist und auf den letzten Seiten erst alles aufgedeckt wird. Mir ging das dann ein bisschen zu schnell!
Die Story ist jedoch wirklich schön und hat die ein oder andere Überraschung parat.
Mein Fazit: 4 von 5 Sternen
Sehr unterhaltsam! Dieses Buch kann ich empfehlen!
- Lena Hofmeister
Das kleine Waldcafé der Träume
(5)Aktuelle Rezension von: Xenia_FDas Bucht begleitet Johanna, die sich ihren Traum erfüllt hat und ein kleines Café am Waldrand betreibt. Plötzlich sieht es jedoch nicht mehr so friedvoll aus, der Wald soll für ein Wohnprojekt abgeholzt werden. Das bedeutet nicht nur, dass Johannas Lebensgrundlage in Gefahr ist, sondern das auch ihr geliebter Erholungsort schwindet. Gemeinsam mit ihren Mitstreitern - den Waldbesetzis - macht sie sich auf den Weg zur Rettung des Waldes. Hierbei verbündet sie sich sogar mit dem „Feind“. Am Schluss ist ihre zu Beginn verachtete Kunst ein Riesen Meilenstein auf dem Weg zur Rettung des Waldes.
Das Bucht ist angenehm zu lesen und man kann gut mit den Protagonisten mitfühlen. Es ist angenehm, dass nicht nur aus Johannas Sicht erzählt wird.
Man fiebert mit den Menschen mit und hofft das sie mit ihrem Anliegen Erfolg haben.
Auch wenn ich persönlich mit einigen der Waldbesetzis nicht so ganz warm geworden bin, ist es doch schön zu lesen wie sich am Ende alles fügt, Die Charaktere können noch zu unterschiedlich sein, ein gemeinsames Ziel verbindet doch alle. Man darf nur nie aufgeben!Für alle Natur- und Romantikliebhaber geeignet.
- Beate Sauer
Der Hunger der Lebenden (Friederike Matthée ermittelt 2)
(107)Aktuelle Rezension von: biancaschFriederike Matthée ermittelt in einem Mordfall. Das Opfer ist eine ehemalige Kriminalbeamtin und die Täterin ist sofort gefunden… Natürlich nicht! Das Opfer war in der Vergangenheit auch Täterin und die Tatverdächtige ein Opfer. Und ist sie überhaupt die Täterin?
Die Geschichte spielt in der Nachkriegszeit und die Liebe darf auch nicht fehlen.
Mehr möchte ich gar nicht schreiben. Das Buch ist unterhaltsam, kurzweilig und leicht zu lesen.
Eine tolle Urlaubslektüre.
- Linda Winterberg
Das Haus der verlorenen Kinder
(128)Aktuelle Rezension von: engineerwifeMan kann seinem Herz nicht befehlen, wen es zu lieben hat. Wenn es sich dazu entscheidet, für einen Mann schneller zu schlagen, ist man einfach macht machtlos. Diese Erfahrung machen auch Lisbet und ihre Freundin Oda, die sich in „den Feind“ verliebten. „Wer soll denn hier in Norwegen schon etwas von uns wollen?“ dachten damals die Bewohner und schon waren sie da, die deutschen Soldaten, die sich genau dort niederließen, um die arische Rasse zu stärken. „Lebensborn“ nannte sich die Organisation der SS, die sich um den „erbgesunden“ Nachwuchs für das deutsche Volk kümmerte. Doch solch ein Schicksal hat niemand verdient, auch die beiden Freundinnen nicht. Sechzig Jahre später macht sich eine kleine Gruppe auf die Reise nach Norwegen zur Wahrheitsfindung auf …
Schnell hat man sich, dank des flüssigen und bildhaften Schreibstils, eingelesen in die Geschichte und auch die Perspektivenwechsel fügten sich gut in die Story ein. Erschütternd war mal wieder der Rückblick auf Deutschlands braune Vergangenheit, doch anschaulich wurde auch klar gemacht, dass nicht alle schlecht waren. Ein rund herum gelungener Roman also, dessen einzige Kritikpunkte die vielen Zufälle, die immer wieder ineinandergreifen, sind. Das Buch wirkte stellenweise etwas konstruiert, was ich ein wenig schade fand. Dennoch habe ich mich – na, gut unterhalten ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck – sagen wir, wohlgefühlt und vergebe überzeugte vier von fünf Sternen verbunden mit einer Leseempfehlung.
- Robert Harris
Vergeltung
(27)Aktuelle Rezension von: RandberlinerNach seinem Roman „Der zweite Schlaf“ (2019), einem gelungenen Ausflug des britischen Erfolgsautors in eine dystopische Zukunft, in die die Menschheit angesichts der zunehmenden Fragilität unserer Gesellschaft schlittern könnte, kehrt Robert Harris zurück zu seinem Erfolgsrezept, wahre Geschichte durch fiktive Geschichten zu erzählen. Ging es in „München“ (2017) um eine Abrechnung mit der britischen Appeasement-Politik am Vorabend des zweiten Weltkrieges, thematisiert „Vergeltung“ (im englischen Originaltitel „V2“) in der Schlussphase des zweiten Weltkriegs den Kampf gegen die deutsche „Wunderwaffe“, die zwar militärisch völlig wertlos war, aber dennoch die britische Hauptstadt empfindlich terrorisierte.
In üblicher Erzählmanier erfolgreicher britischer Historienromane handeln die Protagonisten stellvertretend und im Schatten der großen Akteure der Weltpolitik und leisten ihren bescheidenen, aber zuweilen entscheidenden, jedoch immer fiktiven Beitrag zur Weltgeschichte. Natürlich sind die historischen Ereignisse und Personen wieder exzellent recherchiert. Und so wird der Leser von der britischen Offizierin Kay Caton-Walsh und dem deutschen Raketenspezialisten Rudi Graf auf eine, wenngleich an erzählerischen Höhepunkten armen, aber dennoch fesselnde und informative Reise durch eines der interessantesten Kapitel des zweiten Weltkrieges mitgenommen. Nur rund 150 Kilometer voneinander entfernt brennt die junge Britin im belgischen Mecheln darauf, die Startplätze der Raketen in den Wäldern von Scheveningen ausfindig zu machen, von denen unter Aufsicht von Rudi Graf die todbringenden Raketen auf London abgefeuert werden.
Damit wären wir auch beim eigentliche Hauptthema des Romans und der Figur, die im Roman die heimliche Hauptrolle spielt: Wernher von Braun. Der deutsche Raketenpionier, dessen Person und Lebensweg vor allem durch die Erinnerungen seines Freundes und Weggefährten Graf reflektiert werden, steht wie kaum ein zweiter für den Typ des Wissenschaftlers, der von einer visionären Idee beseelt ist und bei der Verwirklichung dieses Traums vor keiner technischen, finanziellen und moralischen Hürde zurückschreckt. Eigentlich will er mit seiner Rakete zum Mond fliegen, aber von Braun ist nicht nur charismatischer Visionär, sondern auch ein zuweilen eiskalter Realist, der weiß, dass ohne das Geld der Militärs und der Vision von einer unschlagbaren Waffe er sein Projekt nie verwirklichen kann. Wie Jahrzehnte später die weltweite Vernetzung von Milliarden Menschen durch das Internet in den geheimen Labors der Militärs ihren Anfang nahm, sah von Braun mit skrupellosem Weitblick, dass der Weg zum Mond über die Heeresversuchsanstalten in Kummersdorf bei Berlin und Peenemünde auf der Insel Usedom führt.
Er steht dabei stellvertretend für eine Vielzahl von begnadeten Wissenschaftlern, die sich an die jeweils Herrschenden verdingt haben, um ihre wissenschaftlichen Träume zu verwirklichen. Mit moralischen Kategorien ist das kaum zu bewerten und so kümmert es von Braun nicht, wenn er die schwarze SS-Uniform anzieht, 20.000 Zwangsarbeiter bei der Produktion der Raketen umkommen oder seine Raketen Tod über London und Amsterdam bringen. Und als es mit Hitlerdeutschland zu Ende geht und die Geldquellen für seine Forschungen zu versiegen drohen, zögert er keine Sekunde, neue, diesmal amerikanische Geldquellen zu erschließen. Wenn von Braun zu seinem inzwischen desillusionierten Mitstreiter Rudi Graf sagt: „Wenn ich Adolf Hitler überzeugen konnte, fünf Milliarden Reichsmark für Entwicklung und Bau der Rakete springen zu lassen, glaubst du nicht, dass ich auch einen amerikanischen Präsidenten davon überzeugen könnte, zum Mond zu fliegen?“, mag das zynisch und moralisch verkommen klingen, aber jeder weiß aus dem Geschichtsunterricht, dass von Braun letztendlich diesen seinen Traum verwirklicht hat. Gibt die Geschichte Wernher von Braun also Recht oder wiegt der Blutzoll auf den Weg dorthin nicht vielleicht schwerer?
Damit weist Robert Harris auch auf den janusköpfigen Charakter von Wissenschaft und Technik hin. Die gleiche Rakete, die mit ihrem tödlichen Sprengkopf Leid und Zerstörung bringt, kann auch Satelliten in den Weltraum schießen, die der Menschheit von großem Nutzen sind. Es sind letztendlich die Menschen und die Gesellschaft, die bestimmen, ob eine neue Technik zum Guten oder zum Bösen eingesetzt wird. Von Braun ist mit sich und seiner Vision im Reinen. Sein Mitarbeiter Graf droht an der moralischen Dimension seiner Forschungsergebnisse zu zerbrechen. Big Data, Gentechnik und künstliche Intelligenz lassen grüßen
Warum gebe ich dem neuen Werk von Robert Harris nur vier von fünf Punkten? Am Thema liegt es nicht, wenngleich mich das Thema des zivilisatorischen Untergangs im Roman „Der zweite Schlaf“ mehr berührt hat. Jedoch hat „Vergeltung“ die gleichen erzählerischen Schwächen wie andere Bücher von Robert Harris. Vielleicht liegt es auch an der Übersetzung, aber der Erzählstil ist zum Teil farblos und arm an Spannung. Gern würde man der Handlung an der einen oder anderen Stelle mehr Spannung und Dramatik wünschen. Einen gelungenen erzählerischen Schluss findet man bei Harris selten und so vermag die Zusammenführung der beiden Erzählstränge am Ende des Buches nicht wirklich zu überzeugen.
Aber ungeachtet der Schwächen ist Robert Harris wieder ein lesenswerter, hervorragend recherchierter und zumindest in Teilen spannender Roman gelungen. - Hanna Caspian
Schwestern des brennenden Himmels
(57)Aktuelle Rezension von: NadyRezension:
Endlich ist der 2. Weltkrieg zu ende und auf Schloss Cecilienhof in Potsdam versuchen Churchill, Truman und Stalin über das weitere Schicksal der Menschen einig zu werden.
Ann Miller ist als junges Mitglieder der englischen Delegation nach Deutschland gekommen. Der Hass auf die Deutschen ist groß und so darf niemand erfahren, dass Ann eigentlich Deutsche ist. Doch ihr blieb nichts anderes übrig, als dieses Spiel zu spielen, denn sie möchte unbedingt ihre Cousine wiederfinden, die sich jedoch im russischen Sektor befindet. Dieser Weg ist ihr aber versperrt.
Dann bekommt sie unerwartete Hilfe. Der amerikanische Soldat, Jackson Powers, bringt sie in den Teil der Stadt, wo Anns Cousine lebte.
Jackson Powers hat einen großen Hass auf die Deutschen, und dass aus gutem Grund. Wenn er erfahren sollte, dass Ann in Wirklichkeit Deutsche ist, würde ihre Freundschaft wohl zerbrechen und dies würde Ann das Herz zerreißen. Zumal sie Gefühle für Jackson entwickelt, die einfach nicht sein dürfen.Fazit:
Man merkt schon am Anfang des Romanes, dass die Autorin Hanna Caspian, wieder sehr gut recherchiert hat. Sie beschreibt das damalige Geschehnis in der Nachkriegszeit überaus detailgetreu. Manchmal war es mir jedoch schon zu viel, denn die Story um Ann und Jackson blieb dabei etwas blass. Ich habe mir mehr Emotionen gewünscht und der Schreibstil war teilweise sehr holprig, was meinen Lesefluss einschränkte.
Trotzdem war das Buch sehr aufschlussreich und authentisch.
Für Leser, die mehr Wert auf politische Gegebenheiten legen, ist der Roman auf jeden Fall empfehlenswert. Von mir bekommt „Schwestern des brennenden Himmels“ 3 von 5 Sterne. - Kristin Harmel
Ein Ort für unsere Träume
(39)Aktuelle Rezension von: Mysticca(Bemerkung vorab: Ich habe dieses Buch, dessen Titel im Original "The Room on Rue Amelie" heißt, in Englisch gelesen. Diese Rezension ist somit für die Englische Ausgabe und nicht für die deutsche Übersetzung von Veronika Dünninger.)
Eine Freundin hat mir dieses Buch empfohlen, obwohl sie wusste, dass ich mich zum Genre der Weltkriegsromane nicht so sehr hingezogen fühle. Ich dachte: „Warum nicht?“ Und was soll ich sagen? Kristin Harmel hat eine unglaubliche mehrdimensionale Geschichte geschrieben, die mir noch lange in Erinnerung bleiben wird. Es gibt Bücher, die spannend sind und Spaß machen, sie zu lesen. Dann gibt es Bücher, die man nicht weglegen kann, die Pageturner, die „Nur noch ein Kapitel“-Bücher. Und es gibt Bücher, die einen bis ins Mark erschüttern, die Einmaligen, die einen ans Herz packen, die man für einen Moment hinlegen muss, um das gerade Erlebte auf sich wirken zu lassen, obwohl man das Bedürfnis verspürt, weiterzulesen. „The Room on Rue Amelie“ bietet all das und noch viel mehr.
„The Room on Rue Amelie“ ist nicht nur eine Geschichte über Liebe, Herzschmerz, Glück und Verlust, es ist eine Geschichte, die den Kern von Kampf, Gefahr, Mitgefühl, Überzeugung, Ehre, Moral und menschlichen Werten berührt. Und die Liebe. Als ich die letzte Seite gelesen hatte, hatte ich das Gefühl, als hätte ich gerade eine Geschichte über Menschen gelesen, die ich tatsächlich einmal kannte. Ich habe sie angefeuert, ich wollte, dass sie Erfolg haben, über einige war ich wütend, über andere erleichtert. Ich habe mit ihnen gelitten und geliebt und geweint, auf jedem Schritt des Weges. Alle Charaktere waren gut ausgearbeitet, sehr nachvollziehbar, nicht zu viele, um den Überblick zu behalten, und nicht zu wenige, um das Risiko eines homogenen Gefühls einzugehen. Keine Handlungslücken, und die Geschichte schreitet mit einem so sanften und gut orchestrierten Rhythmus voran, dass sie einem längst vergessenen Lied über Trauer und Hoffnung ähnelt.
Fazit: Dieses Buch ist eine Perle!
- Judith Nicolai
Die Töchter der Sturminsel: Roman
(29)Aktuelle Rezension von: BettinaKIch fand die Geschichte sehr aufregend.
Die Charaktere sind fantastisch beschrieben. Das gewisse Prickeln zwischen den Charakteren fehlt auch nicht.
Einige Male wurde ich überrascht und immer wieder in die Geschichte hineingerissen.
- Trude Teige
Totensommer
(34)Aktuelle Rezension von: Mirja103Mir hat an dem Buch vor allem der Einblick in die deutsch-norwegische Geschichte sehr gut gefallen. Maches war mir vorher nicht bekannt. Dank des guten Schreibstils war die Geschichte sehr gut zu lesen. - Arnaldur Indriðason
Der Reisende
(27)Aktuelle Rezension von: HighlandHeart1982Der Reisende ist der erste gemeinsame Fall der beiden Ermittler Thorson und Flóvent.
Inhalt
Der Mord an einem jungen Handelsreisenden könnte brutaler nicht sein. Er wurde in der Wohnung eines ehemaligen Schulkameraden regelrecht hingerichtet. Da es sich bei der Tatwaffe um einen amerikanischen Revolver handelt, mischt sich die Militärpolizei in die Ermittlungen der isländischen Polizei ein. Schnell kommt der Verdacht auf, dass es sich um einen Fall von Spionage handeln könnte.
Meine Meinung
Ich habe bisher alle Bücher von Arnaldur Indridason gelesen, die auf dem deutschen Markt erhältlich sind. Die Ermittler Thorson und Flóvent sind mir nicht unbekannt, da ich ihre bisher weiteren Fälle schon kannte.
Ich finde es sehr interessant, dass man in diesem Buch das erste aufeinander treffen der beiden erlebt, und sich von Anfang an zeigt, wie gut die Zwei sich ergänzen.
Der Schreibstil ist wie immer grandios, und man fliegt wieder einmal förmlich durch die Seiten, und ehe man sich versieht, ist das Buch auch schon vorbei.
Ich finde auch dass das Cover die gesamte Stimmung des Inhalts wieder sehr gut herüber bringt.
Desweiteren finde ich persönlich es faszinierend mehr über die isländische Geschichte in der zeit der Besatzer zu erfahren. Natürlich ist die Handlung wie immer fiktiv, aber sie wirkt sehr authentisch, was das ganze greifbar macht.
Der Fall ist schockierend und spannend zu gleich, und zeigt die Abgründe der menschlichen Seele auf.
Wenn man sich für die Zeit des Nationalsozialismus interessiert, ist es interessant, zu erfahren, dass es auch in Island mal eine Partei gegeben hat, die diesem Gedankengut zugetan war.
Auch die Rolle der Deutschen, und deren Einfluss wird wieder einmal sehr anschaulich aufgezeigt.
Fazit
Mir hat dieses Buch, wie fast alle des Autoren, wieder sehr gut gefallen und ich bin sehr gespannt, wie es mit Thorson und Flóvent weiter gehen wird. ich hoffe, es wird da noch ein paar Fälle geben.
Ein Muss für alle Fans von nordischen Krimis. - Lillian Crott Berthung
Erzähl es niemandem!
(84)Aktuelle Rezension von: HopeandliveDie Reporterin und Moderatorin Randi Crott erfährt erst im erwachsenen Alter von ihren jüdischen Wurzeln, doch und dass wird ihr von den Eltern sehr ernsthaft vermittelt, darf sie nicht darüber sprechen, obwohl der 2. Weltkrieg schon zwei Jahrzehnte her ist. Das Ausmaß dessen erfasst Randi erst nach dem Tod ihres Vaters, denn da findet sie wohlverwahrt geheime Briefe und Dokumente und macht sich, teilweise auch von ihrer Mutter begleitet, auf die Reise in die Vergangenheit.
Dort befinden wir uns an Ostern 1942 in Norwegen, Randis Mutter Lillian ist gerade 19 Jahre alt und verliebt sich in den deutschen Wehrmachtssoldaten Helmut, den ihr Vater mit ins Haus bringt um die noch friedliche Stimmung zwischen den deutschen Besatzern und der norwegischen Bevölkerung in ihrem Dorf zu gewährleisten. Doch diese Liebe darf nicht sein, denn wie so oft in dieser Zeit, haben die Nazis jedes Land für ihre Zwecke skrupellos ausgebeutet und Lillian ist hin- und hergerissen zwischen der Solidarität zu ihren Landsleuten und den aufkeimenden Gefühlen zu Helmut, der so anders wirkt.
Bei einem klärenden Gespräch bezüglich ihrer eventuellen gemeinsamen Zukunft nimmt Helmut ihr ein wichtiges Versprechen ab, "Erzähl es niemandem, was ich dir jetzt sage", und es stellt sich heraus, dass Helmut jüdischer Abstammung ist und sich in der Wehrmacht versteckt hält. Sein Geständnis nimmt Lillian völlig für ihn ein und sie verspricht ihm ihrerseits ihn niemals zu verlassen und unter keinen Umständen dieses Geheimnis zu verraten. Lillian und Helmut halten sich jeweils an ihre Versprechen und gerade in den letzten furchtbaren Kriegsjahren und auch in der Nachkriegszeit, wo sie sich oft lange Zeit nicht sehen konnten und nicht wussten, wo der geliebte Mensch sich gerade aufhält und ob er noch lebt.
Schon auf den ersten Seiten nimmt mich die Erzählung von Randi Crott über diese besondere Liebesgeschichte ihrer Eltern gefangen. Ich fliege atemlos durch die Seiten und staune über diese große Liebe, die wirklich alle Hindernisse überwindet, Lillians Eltern, besonders ihr Vater wendet sich von seiner Tochter ab, nachdem die Liebesgeschichte ans Licht kam und Helmut ist bemüht Kontakt zu seinen jüdischen Verwandten in Deutschland zu halten ohne sich zu verraten. Doch es ist nicht nur die Liebesgeschichte von Lillian und Helmut, sondern auch von Helmuts Eltern, dessen Mutter jüdisch und der Vater deutsch ist. Der Zusammenhalt und die von tiefer Liebe und Wertschätzung geprägten Briefe sind sehr bewegend zu lesen und sehr gut fand ich auch die sorgfältig recherchierten historischen Ereignisse. Ich war beeindruckt zu was Liebe fähig ist und ich hoffe und bete in schweren Zeiten auch zu meinem Partner weiter zu stehen, egal was es kostet.
- Graham Greene
The Third Man
(2)Aktuelle Rezension von: HoldenDie gekürzte und vereinfachte Fassung des legendären Nachkriegsthrillers, für mittlere Englischschüler empfehlenswert, macht Lust auf mehr in Form der deutschen umfangreicheren Übersetzung und des Films, ich hab schon wieder die Zithermusik im Ohr! Anton Karas rocks! - Kristin Harmel
Das letzte Licht des Tages
(120)Aktuelle Rezension von: baronessa„Vorsicht Spoiler!“
Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges hat auch Folgen für die französischen Weinbauern. Sie müssen zwar ihren besten Wein den Deutschen liefern, aber dennoch bleibt die Angst um ihr Leben. Das hält sie aber nicht zurück, um sich den Widerstand anzuschließen. Sie verstecken Gewehre und Munition, tauschen Informationen und bieten Flüchtlingen Unterschlupf. Für Inés ändert sich das Leben auf dem Weingut ebenso. Anstatt der verwöhnten Ehefrau bislang muss sie sich jetzt ebenso an den Weinanbau beteiligen. Sie fühlt sich desillusioniert und nicht mehr geliebt, sie willigt in eine Liaison ein. Ihr Ehemann bemerkt dies nicht, denn er hat längst Gefühle zu einer Anderen. Als Inés dies bemerkt, fährt sie wütend zu ihrer Freundin Edith nach Reims. Ihr Alkoholzustand lockert ihr die Zunge, zu spät bemerkt sie ihren Fehler und setzt damit eine gewaltige Lawine in Gang.
Liv hat alles verloren. Ihre Ehe ist gescheitert, ebenso ihr Kinderwunsch. Den Job hat sie dafür aufgegeben und jetzt steht sie vor dem Nichts. Zeit um im Mitleid zu versinken hat sie nicht. Ihre Großmutter steht überraschend vor der Türe und will sie zu einer Reise abholen. Frankreich weckte ihre Lebensfreude und Optimismus, wenn da nicht die Geheimnistuerei ihrer Großmutter wäre, als sie eine Fahrt nach Reims antraten. Dort begegnete sie auch Julien, der Anwalt ihrer Großmutter. Liv erfuhr, dass ihre Großmutter lange hier lebte, aber die Hintergründe blieben ihr versperrt. Ihre Großmutter wurde immer mysteriöser, je mehr Fakten auftauchten. Liv wollte endlich Klarheit über die Vergangenheit und rechnete nicht damit, dass sich ihr Leben damit für immer verändern würde.
Meine Meinung:
Fangen wir diesmal mit dem Ende an, denn ich kann euch versichern, dass das Buch 5 Sterne von mir erhält. Ich kann es euch sehr empfehlen, denn es hat alles, was eine gute Geschichte braucht.
Als Erstes hat mich der Klappentext angesprochen und ebenso der Titel. Ich dachte nur – das hört sich nach einer packenden Geschichte an. Ist es auch!
Es gibt zwei verschiedene Handlungsstränge, die sich im Laufe der Geschichte hervorragend verbinden. Dazu gibt es Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet habe. Das Geschehen lässt sich flüssig lesen, obwohl es zwei verschiedene Zeitepochen sind. Offenbart werden diese in dem jeweiligen Kapitel mit Zeitangabe und Personenangabe.
Die Protagonisten haben keine Sympathiewerte, passen aber zu ihren jeweiligen Charakteren. Inés ist jung, unachtsam und töricht, sie denkt nicht nach, sondern handelt einfach. Liv ist älter und bedacht, sie hat kein positives Lebensgefühl. Sie tut mir leid, denn es hört sich nicht nach einem guten Leben an. Die Großmutter ist faszinierend in ihrem Charakter oder mann kann es auch kompliziert nennen. Einerseits ist sie exentrisch, dennoch mutig und vollkommen widersprüchlich. Sie kann man schlecht in einer Schublade packen. Kann man Verständnis aufbringen für sie? Nein und ja! Fehler begeht jeder, sie hat jedenfalls Wiedergutmachung geleistet, das muss man ihr hoch anrechnen.
Die Männer in dem Roman sind außer Julien auch nicht gerade sympathisch. Sie haben zwar auch ihre gute Seiten, aber dennoch lethargisch gegenüber ihren Frauen. Vieles hätte vermieden werden können, wenn man nicht nebeneinander her gelebt hätte, sondern miteinander.
Das Geschehen ist dramatisch, schließlich wird eine Zeit heraufbeschworen, die man heute am liebsten vergessen würde. Es sind die bildhaften Darstellungen, die die Begebenheiten aufleben lassen. Man spürt die Angst und ebenso die Hoffnung. Die Szenerie ist also sehr gut interpretiert.
Wie schon geschrieben, mir hat die Geschichte sehr gut gefallen. Sie ist ergreifend, tragisch und doch voller Hoffnung. Dazu spielt sie in einer Umgebung, wo man nur an etwas Prickelndes denkt und nicht an Gewalt.
Sehr gut gelungen – hat mich überzeugt, deswegen auch 5 Sterne dafür.
Fazit:
Großartiges Zusammenspiel von zwei Zeitebenen, die eine bedeutsame Historik aufweisen. Die Veranschaulichung des Milieus und der Charakterisierung der Protagonisten ist sehr gut gelungen. Der Werdegang des Geschehens verliert nicht an Spannung, sondern er überzeugt auch ebenfalls durch seine Wendungen.
- Christoph Maria Herbst
Ein Traum von einem Schiff
(53)Aktuelle Rezension von: juniaWie kam ich zu diesem Buch?
Ich kenne Christoph Maria Herbst als Schauspieler und Hörbuchsprecher. Dieses Buch ist das erste von ihm selbst geschriebene, das ich gelesen bzw. gehört habe.
Wie finde ich Cover und Titel?
Passt beides.
Um was geht’s?
Auf den Inhalt gehe ich an dieser Stelle nicht allzu detailliert ein, den Klappentext könnt ihr ja selbst lesen, und eine Zusammenfassung des Buches muss ja nun nicht in die Rezension, vor allem bei einer doch recht überschaubaren Story. Das Schiff selbst wird bei 39 % des Hörbuchs betreten. Bis dahin geht es um die Vorgeschichte oder buchfüllende Anekdoten, die gar nichts damit zu tun haben. Also eher wenig Traumschiff-Content und mehr Teilzeit-Biographie.
Wie ist es geschrieben?
Es handelt sich um einen Einzelroman, der also auch ohne Vorwissen und Cliffhangergefahr gelesen werden kann. Der Erzählstil ist locker-flockig, der Ausdruck ist leicht zu verstehen. Sehr gut gefällt mir, dass das Ganze in der Ich-Form verfasst ist, man versucht sich gleich mit dem Protagonisten zu identifizieren und ist irgendwie näher dran am Geschehen. Die Beschreibungen sind nicht zu ausschweifend, aber detailliert und bildhaft genug, um gleich in der Story zu sein. Die Gegebenheiten konnte ich mir sehr gut vorstellen. Ein meist herzerfrischender, hin und wieder aber auch sehr platter Humor rundet das Ganze ein wenig ab und trifft meistens meinen Geschmack.
Wer spielt mit?
An sich mag ich Christoph Maria Herbst als Hörbuchsprecher sehr gerne (deshalb hab ich mir das Buch überhaupt erst vorgenommen), aber hier wirkt er teilweise etwas hysterisch und anstrengend anzuhören.
Mein Fazit?
Ich habe keine Ahnung, was mir dieses Buch sagen soll. Ja, es war streckenweise witzig, aber oft auch platt, und das Traumschiff schien auch eher weit entfernt zu sein. Ich gebe hier 3 von 5 Sternchen und weiß nicht, ob ich weitere Bücher von Christoph Maria Herbst lesen werde. Zumindest die von ihm verfassten. Die von ihm eingelesenen Hörbücher bleiben weiter auf meiner Liste.
- Lucy Foley
Die leuchtenden Tage am Bosporus
(26)Aktuelle Rezension von: Betsy"Die Minarette erheben sich in ihrer bleichen Eleganz bis in die Wolken hinauf. Die Stadt wirkt, als läge sie in einem Dornröschenschlaf."
Istanbul 1921: Auch nach Ende des Krieges ist die Stadt noch immer von den siegreichen Entente-Mächten besetzt und die Einwohner haben sich notgedrungen mehr oder weniger damit arrangiert. Mittendrin die junge Nur, die aus wohlbehüteten Verhältnissen entstammt und fließend Englisch spricht, nun aber ihr Dasein gemeinsam mit ihrer Mutter und Großmutter, sowie einem von ihr aufgenommenen verwaisten Jungen, in einer kleinen Wohnung fristet und sich neben dem Unterrichten mit Näharbeiten durchschlägt. Ihr Mann ist im Krieg gefallen, ihr geliebter Bruder verschollen und ihr ehemaliges Zuhause nun ein britisches Militärkrankenhaus. Als der Junge jedoch schwer krank wird, springt sie über ihren Schatten und bringt ihn zum leitenden britischen Arzt George, der nun in ihrem alten Zuhause lebt. Obwohl Nur in ihm den Feind sieht und nur Verachtung für ihn und seinesgleichen übrig hat, entspinnen sich dennoch nach und nach zarte Bande zwischen ihnen, die eigentlich nicht sein dürfen.
"Die Finger, die die Zigarette halten, sind geschmeidig, elegant. Und doch, erinnert sie sich selbst, sind es die Hände von einem Menschen der nicht viel besser ist als ein Schlachter. Sie hat Augen, sie sieht die Uniform; er mag Arzt sein, aber er ist auch Soldat. Sein Titel ist nur ein eleganter Euphemismus für "Mörder"."
Die Autorin versteht es mit Worten umzugehen und den Leser von Anfang an in ihren Bann zu ziehen, so poetisch, stimmungsvoll und berührend ist diese Geschichte, die trotz der ernsten Themen, und einer damit alles andere als leichten Handlung, nichtsdestotrotz einfach wunderschön ist. Dabei fließt die Geschichte recht ruhig dahin, schafft es aber dennoch den Leser zu fesseln, weil man bis zuletzt gespannt ist wie sie enden wird und dabei immer wieder gekonnt mit den Emotionen des Lesers gespielt wird. Dies gelingt nicht nur durch die melancholisch märchenhafte Atmosphäre, sondern vor allem auch, weil die Personen unglaublich vielschichtig dargestellt werden und auf sehr authentische Weise aufgezeigt wird, wie tragisch Krieg für alle Beteiligten ist und die Grenze zwischen Opfer und Täter oftmals nur hauchdünn ist, je nachdem wie die Umstände sind.
"Krieg bedeutet, schreckliche Dinge für einen guten, ja sogar edlen Zweck zu tun. Jedes Kind weiß das. Jede Armee hat Verräter getötet, das ist einfach ein weiteres tragisches, aber notwendiges Nebenprodukt des Krieges. Es liegt nichts Würdevolles darin, sich selbst zu quälen."
Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven und auch Zeitebenen erzählt. Anfänglich muss man sich ein wenig auf die schnellen Wechsel einstellen, vor allem da alles noch keinen echten Zusammenhang ergibt. Dies legt sich aber sehr rasch und gerade durch die unterschiedlichen Perspektivwechsel, die übrigens schön gekennzeichnet sind, bekommt man wunderbare Einblicke in die jeweiligen Personen und ist oftmals selbst hin- und hergerissen, da alle hier ihre ganz eigene Geschichte haben die sie ausmacht.
Da wäre zum einen die für ihre Zeit sehr gebildete und selbstständige "Nur", eine Türkin, die einige Verluste hinnehmen musste, miterlebt hat wie ihr Zuhause von ihren Feinden okkupiert wurde und sich dennoch nicht unterkriegen lässt. "George", ein britischer Militärarzt, der offen für die Lebensweise des Orients ist und dessen Schönheit erkennt, aber auch schlimme Dinge im Krieg gesehen hat und offenbar ein Geheimnis hütet. Der "Junge", der von Nur aufgenommen wurde nachdem sie ihn in den zerbombten Trümmern seines Hauses gefunden hat und der anfänglich durchaus ein wenig für Fragezeichen beim Leser sorgt, weil man erst nach und nach mehr zu seinem Hintergrund erfährt und was genau es mit ihm auf sich hat. Der "Gefangene", der an der Front im 1. WK kämpft, beim Massenmord an den Armeniern dabei ist und von dem am Ende nichts mehr an den einst so sanften und lebensfrohen Mann erinnert, der er einmal war, sowie der "Reisende", der viele Jahrzehnte später mit einem Koffer voller wertvoller Erinnerungsstücke eine lange Reise antritt und quasi die Rahmenhandlung zu der ganzen Geschichte bildet. Der Inhalt des Koffer verknüpft dabei auf wunderschöne Art und Weise die Gegenwart mit der Vergangenheit, denn jeder einzelne Gegenstand daraus hat seinen ganz besonderen Platz in dieser Geschichte. Durchaus für eine gewisse Spannung sorgt dann auch die Identität des Reisenden, da man erst zuletzt wirklich sicher sein kann, um wen es sich dabei handelt, denn die Autorin versteht es durchaus geschickt den Leser immer mal wieder ein wenig unsicher werden zu lassen, ob er wirklich derjenige ist, für den man ihn hält.
Der Leser taucht hier ein in das bunte und geschäftige Treiben auf dem Basar, bekommt die Schönheit am Bosporus gezeigt und kann die Gerüche der orientalischen Gewürze und des Kaffees fast schon selbst wahrnehmen. Zugleich zeigen sich aber auch die immer noch vorhandenen Spuren des Krieges, wie zerstörte Wohnviertel, Menschen die aus ihren Häusern vertrieben wurden, sowie das Misstrauen und der Unmut gegen die Besatzer. Vor allem über den Armenienkonflikt erfährt man einiges, der hier wie eine verhängnisvolle Wolke immer wieder über dem Ganzen zu schweben scheint und dessen Schilderungen einem einfach nur unter die Haut gehen. Besonders traurig ist dabei allerdings die Tatsache, dass dieser an den Armeniern verübte Genozid von der Türkei bis heute nicht anerkannt wird.
"Die Wirren des Krieges", sagt er. "Ich glaube, die Menschen denken in dieser Situation, dass sie Teil von etwas Größerem sind als sie selbst. Doch häufig sind sie zu weniger geworden. Weniger menschlich. Sie werden zu Teilen einer Maschinerie, und eine Maschinerie besitzt keine Moral."
Und inmitten all dieser Dinge entspinnt sich eine wunderschöne Liebesgeschichte, die so ganz anders ist als man es von anderen Geschichten her gewöhnt ist und gerade deshalb ihren ganz eigenen Reiz hat. Einerseits sehr subtil und regelrecht unschuldig, aber zugleich von einer Intensität die man selten so spürt wie hier, wo selbst eine kleine Berührung etwas Bedeutsames ist.
Mit dem Ende zeigt die Autorin hier einmal mehr, dass sie ihr Handwerk versteht, denn erst auf der letzten Seite fügt sich jedes noch so kleine vorherige Detail zu einer wunderschönen Gesamtkomposition zusammen und präsentiert dem Leser einen emotionalen, aber auch unglaublich stimmungsvollen und passenden Abschluss zu dieser Geschichte. Damit wirkt die Geschichte nicht nur noch einige Zeit nach, sondern sorgt auch für feuchte Augen bei Leser.
Schön wäre allerdings noch ein kleines Glossar mit all den türkischen Begriffen gewesen, die hier vorkommen, selbst wenn sich ein Großteil beim Weiterlesen von selbst erklärt, sowie ein paar historische Eckdaten, die das Ganze noch mal schön abgerundet hätten, auch wenn das nichts daran ändert, dass die Geschichte für sich genommen einfach großartig ist.
Fazit: Eine wunderschöne, aber auch sehr berührende und melancholisch anmutende Geschichte, die mit ihrer wortgewaltigen und bildhaften Sprache, sowie ihrer ruhigen und gefühlvollen Art in der sie erzählt wird, verzaubert. Einmal mehr zeigen sich hier die verschiedensten Gesichter des Krieges und man wird gefangen genommen von der inneren Zerrissenheit der jeweiligen Protagonisten, die sehr authentisch dargestellt werden. Ein wunderbares Buch, das sowohl optisch als auch vom Inhalt her zu begeistern vermag und großes Gefühlskino bietet, ohne jedoch kitschig zu sein. Für mich eines dieser Bücher, das mir noch sehr lange in Erinnerung bleiben wird.
- Erin Litteken
Wären wir Vögel am Himmel
(24)Aktuelle Rezension von: NikoLausDie Autorin Erin Litteken nimmt ihre Leser mit auf eine Zeitreise in die Jahre 1941 bis 1949.
Eine Reise, die Teile ihrer eigen Familiengeschichte widergeben, gemischt mit fiktiven Ereignissen und Figuren.
Der Roman ist interessant, packend und unterhaltsam auf seine ganz eigene Art. Die Schrecken des zweiten Weltkrieges sind allgegenwärtig und geben ihm eine bedrückende und erschreckende Note.
Es gibt verschiedene Figuren, aber die drei wichtigsten sind Lilja, Halya und Vika, deren Leben miteinander verbunden sind. Abwechselnd wird über sie erzählt und langsam erkennt man die Zusammenhänge, was anfangs noch etwas verwirrend war.
Was mir hier gefehlt hat, ist ein Personenregister, dass sehr hilfreich gewesen wäre.
Die Geschichte erzählt über Verlust, Gewalt und Kriegstrauma, handelt aber auch von Hoffnung, Zusammenhalt und Solidarität. Bildgewaltig, oftmals erschreckend und schmerzhaft, aber auch von schönen Momenten gezeichnet, lässt die Autorin das Geschehen lebendig werden.
Nur zum Ende hin konnte es mich nicht ganz überzeugen.
Es ist nicht nur ein spannender Roman, er ist auch sehr informativ und gibt einiges über die Geschichte der Ukraine preis. Interessante Einblicke in die Vergangenheit dieses Staates, der bis heute nicht zur Ruhe gekommen ist. - Mary Ann Shaffer
Deine Juliet
(51)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderJuliet ist ein junge und sehr umtriebige Schriftstellerin und lebt in London Ende der vierziger Jahre. Mit ihren Freunden, dem Verleger und Bekannten hält sie regen Briefkontakt und eines Tages bekommt sie einen sehr netten Brief eines Bauern, der ein Buch von ihr erworben hat und sie hat ihre Adresse vorne im Buch eingetragen. Sie schreibt zurück und es entwickelt sich ein interessanter und intimer Briefwechsel und sie erfährt von dem Buchclub der von Dawsey gegründet worden ist. Juliet sucht immer nach neuen Geschichten und Ideen für ihre Bücher und vielleicht ist auch die Liebe für sie dabei.
Ein schöner Briefroman mit einer tollen Liebesgeschichte und viel Liebe zur Literatur.
- Mario Adorf
Der Grenzgänger und Der weiße Anzug .
(2)Aktuelle Rezension von: HoldenAdorf beschreibt in der ersten, längeren Erzählung, wie er, Jason Robards jr. und Mick Jagger (Warren Oates und Jack Nicholson haben abgesagt) von Werner Herzog für dessen später hochgelobten Arthouse-Film "Fitzcarraldo" engagiert wurden (müßt ich mal wieder sehen) und wie pannenreif und frei nach Murphy`s Gesetz ALLES schiefging, Bruchpiloten, unfähiger Regisseur, Tonnen von Insekten in der Wildnis inklusive. Über den subversiven Humor kann Herr Herzog vielleicht nicht lachen, der Rest der Leserschaft tut es aber gewiß. Zum Totlachen, was für ein abgefahrener Humor von Herrn A., hätte ich nicht mit gerechnet. Schauspielerei ist anscheinend doch kein Traumberuf.
- Othmar Jauernig;Friedrich Lent
Zivilprozessrecht by Othmar Jauernig (2007-09-05)
(1)Aktuelle Rezension von: Holdenjauernigs bekanntes Lehrbuch zum Erkenntnisverfahren (bzw. ZPO I), übersichtlich aufgebaut mit so ziemlich allen wichtigen Themen, die examensrelevant sind (Verfügung- Beschluß-Urteil, Zuständigkeitsregeln, Urkundenverfaren usw.) Aber für das Referendariat reicht das Buch natürlich nicht, da zB für den Aufbau einer Relation zB nur ein kleiner Abschnitt vorgesehn ist. Und außerdem vertritt der Autor viele Mindermeinungen, ob der potentielle Klausurkorrektor damit einverstanden ist, bleibt dahingestellt. - Øistein Borge
Kreuzschnitt
(108)Aktuelle Rezension von: mariameerhabaAlles zieht sich im Buch in die Länge und irgendwie will keine Spannung aufkommen. Ein Mord passiert, dann der nächste und nächste und nichts davon war irgendwie aufregend. Der Autor erzählt mit einer Distanziertheit, die nicht das Mitfühlen erlaubt und gleichzeitig sorgt er auch dafür, dass man seine Figuren nicht mag.
Jede reiche Figur wird hochnäsig beschrieben, wie der letzte Oasch, der es nicht verdient hat, zu leben, was natürlich dafür sorgt, dass mir die Morde an ihnen völlig egal werden. Der Protagonist bekommt dadurch eine Mammutaufgabe, die er erfüllen muss, was ihn dennoch nicht gelingt. Allein der Stil sorgt dafür, dass ich nicht mitfühlen kann.
Das Buch hat mich überhaupt nicht begeistert. Er ist Langatmig, langweilig, die Protagonisten waren mir schlichtweg wurscht. Bei der Hälfte habe ich gemerkt, wie ungern ich das Buch aufschlage und wie egal mir die Handlung war. Schließlich konnte ich mich nicht mehr dazu zwingen.























