Bücher mit dem Tag "bewusstsein"
127 Bücher
- George Orwell
1984
(4.333)Aktuelle Rezension von: Karandi
Ich muss sagen, 1984 hat mich wirklich umgehauen. Anfangs habe ich das Buch allerdings missverstanden, weil ich den ersten Teil als recht langweilig empfand. Ich konnte mich in die Hauptfigur Winston Smith überhaupt nicht hineinversetzen. Er wirkte auf mich eher distanziert und schwer greifbar, sodass ich keine Bindung zu ihm aufbauen konnte.
Der Fehler lag aber nicht an der Erzählweise, sondern bei mir. Ab dem zweiten Teil begann ich, das Buch besser zu verstehen, und im dritten Teil wurde mir dann endgültig klar, warum es einen beinahe makellosen Ruf hat – daher auch meine Bewertung von fünf Sternen.
Im ersten Teil lernen wir die Partei kennen: ein System mit einer völlig eigenen Denkweise, eine Diktatur mit monotoner, strikt vorgegebener Lebensweise. Selbst die Sprache wird kontrolliert – durch „Neusprech“, das gezielt Wörter aus dem Wortschatz entfernt, um das Denken zu beeinflussen und kritische Gedanken unmöglich zu machen. Diese Idee wirkt deshalb so eindringlich, weil sie nicht rein fiktiv erscheint. Formen von Kontrolle, Propaganda und gelenktem Denken gab es schon lange vor unserer Zeit. Betrachtet man etwa das Römische Reich, das vor rund zweitausend Jahren seine Blütezeit erlebte, oder das Achämenidenreich, das bereits etwa 550 v. Chr. entstand, sowie das noch ältere Altes Ägypten, dessen Geschichte über drei Jahrtausende zurückreicht, erkennt man, dass Machtstrukturen und der Einfluss auf Denken und Gesellschaft keine neuen Phänomene sind.
Im zweiten Teil kommt die menschliche Komponente hinzu: Winston verliebt sich in Julia. Die Beziehung ist verboten, und beide erkennen, wie sehr sie das vorgeschriebene Leben hassen. Sie lehnen sich innerlich gegen die Partei auf und träumen davon, Teil einer „Bruderschaft“ zu werden – eines möglichen Widerstands, von dem niemand sicher weiß, ob es ihn überhaupt gibt. Wir erleben hier andere Werte, den Drang nach Freiheit, nach Selbstbestimmung und danach, das eigene Leben selbst in die Hand zu nehmen. Gleichzeitig zeigt der Roman aber auch, wie viel Kraft es einem Menschen geben kann, nicht mehr allein zu sein, sondern zu zweit, und was Liebe bewirken kann, aber auch, wie blind sie machen kann. Der Übergang vom nüchternen ersten Teil zur emotionalen Tiefe im zweiten ist ein äußerst geschickter erzählerischer Schachzug.
Auch O’Brien tritt hier stärker in Erscheinung und ist für mich einer der gefährlichsten Charaktere des Buches. Ohne zu viel vorwegzunehmen, lässt sich sagen, dass er eine Position vertritt, die die Ideologie der Partei in ihrer reinsten und zugleich erschreckendsten Form widerspiegelt.
Im dritten Teil erleben wir schließlich kein Happy End, sondern eine schonungslose Konsequenz. Winston und Julia werden gefangen genommen und „umerzogen“, und diese Umerziehung funktioniert. Winston wird gebrochen. Er wird zu dem Menschen, den die Partei aus ihm machen will, bis er am Ende sogar den Big Brother liebt.
Für mich ist dieses Buch ein absolutes Meisterwerk, das zeitlos ist und unabhängig von der Epoche, auf die man blickt, immer eine beklemmende Aktualität besitzt.
Zum Abschluss noch mein Lieblingszitat aus dem Buch:
„Man errichtet keine Diktatur, um eine Revolution zu verhindern. Man macht die Revolution, um die Diktatur zu errichten. Das Ziel von Verfolgung ist Verfolgung. Das Ziel von Folter ist Folter. Das Ziel von Macht ist Macht.“
- Richard David Precht
Wer bin ich - und wenn ja wie viele?
(667)Aktuelle Rezension von: teilzeitbaeuerinRichard David Precht erklärt in diesem Sammelroman in verschiedenen kurzen Einzelgeschichten die essentiellen Fragen des Lebens. Er flechtet dabei gekonnt, die Lebensläufe der berühmtesten Philosophen der vergangenen Jahrhunderte und deren Denkweise ein. Die Geschichten sind rasch zu lesen, sind so geschrieben, dass auch Laien (so wie ich) es gut verstehen und dennoch ansprechend, dass man gerne weiter liest. Die Fragen gehen nicht in die Tiefe, geben jedoch einen kleinen Einblick in die Philosophie unserer westlichen Welt.
- Dan Brown
Das verlorene Symbol
(2.054)Aktuelle Rezension von: Mike_LeseratteAuch in diesem Buch dürfen wir wieder Robert Langdon auf einer Reise durch Geheimnisse und verstrickter Symbole begleiten. Dabei dreht sich alles um uralte Mysterien und Zeichen der Freimaurer mitten im Herzen der USA, in Washington DC.
Es ist einfach spannend und ultra interessant wie versteckt die Geschichten sind, obwohl sie offen vor unseren Augen liegen. Gleichzeitig liegt diesem Buch eine tiefer Gedanke inne, der einen über sich und die Menschheit nachdenken lässt. Über das sein des Menschen, das glauben an eine höhere Macht und an eine innere Stärke, die jedem Menschen inne wohnt und aus der man schöpfen kann, wenn man in sich geht. Das ist alles wieder mal eingebunden in ein Fall der mehr als Aufsehen erregend ist. Eine bewegende Familiengeschichte und große Geheimnisse der Freimaurer sind genau das, was das Buch so spannend macht. Man muss einfach weiter lesen, weil man zum einen die Zusammenhänge unbedingt erfahren möchte und zum anderen, weil immer irgendwas passiert, wo man erfahren muss, wie es jetzt weiter geht, ob ein Plan gelingt, ob unsere Protagonisten schneller als die CIA sind und ob es sich um Freund oder Feind dabei handelt. Einfach super komplex, super spannend und man muss es einfach schnellstmöglich verschlingen.
- Bram Stoker
Dracula
(1.182)Aktuelle Rezension von: MetalfischchenHandlung:
Der junge englische Gentleman Jonathan Harker besucht den Grafen Dracula in dessen Schloss in Rumänien, um vermeintlich harmlose Immobilien-Geschäfte zu besprechen. Jonathan merkt bald, dass es im Schloss nicht mit rechten Dingen zugeht und versucht zu fliehen. Währenddessen wartet Mina, Jonathans Verlobte, langsam verzweifelnd auf Jonathan und erlebt dabei selbst Rätselhaftes.
Ich habe angenommen, die Handlung würde hauptsächlich auf Draculas Schloss stattfinden, aber das stimmt nicht. Verschiedene britische Orte, darunter ein Irrenhaus und ein Hafen, werden zu weiteren Orten des Geschehens. Wir lesen die Handlung als Briefe, Tagebuch- und Logbucheinträge. Jonathan und Mina sind nur zwei von mehreren Hauptcharakteren. Schon früh im Buch verlassen wir Rumänien, denn Graf Dracula sucht neue Jagdgründe. Dabei trifft er auf seinen Hauptgegner, den Doktor und Vampirjäger Van Helsing, und ein Katz-Maus-Spiel beginnt.
Meinung:
Briefromane waren damals üblich, leider bin ich kein Fan davon, es herrscht immer eine gewisse Distanz zum Geschehen.
Diese Distanz macht, dass ich mich eher wie eine Forscherin fühle als wie jemand, der sich aktiv gruselt, auch wenn das Beschriebene das Zeug dazu hätte, wenn nur ein bisschen mehr Atmosphäre vorhanden wäre.
Weil Stokers Dracula nun mal so einflussreich ist wie es ist, habe ich als Leserin unwillkürlich eine Bingo-Karte ausgefüllt im Geist: «Da ist also der Knoblauch! Dort der Spiegel! Da der Pfahl!»
Die Stoker-Version eines Vampirs hat sich bis heute ziemlich gut gehalten. Man kann Twilight und Co. belächeln, aber gebildet, reich, geheimnistuerisch, verführerisch und moralisch ambivalent sind Attribute, die sich gehalten haben und die im Allgemeinen bis heute nicht gross von Stokers Vorlage abweichen.
Leider nicht zeitlos sind Stokers Versuche, die Sichtweise von Frauen darzustellen: «Alle wollen mich heiraten, ich will ja so gerne die perfekte Ehefrau sein, ich glaube ich weine jetzt ein bisschen. Schon tapfer von mir als zarter Frau, nicht ständig in Ohnmacht zu fallen», so liest sich das, unübertrieben. Bei diesen Passagen muss man die Zähne zusammenbeissen vor lauter Fremdscham. Auch die Männer werden in lächerliche Geschlechterrollen-Korsetts gezwängt und es gibt viele Monologe, warum es bspw. ausnahmsweise in Ordnung ist, dass ein männlicher Protagonist weint, oder warum sich ein echter Kerl nur so darum reisst, ehrenhaft im Kampf zu sterben. Das haben andere zeitgenössische SchriftstellerInnen besser gemacht. Wer hier einen "so-war-das-damals-halt"-Freipass vergeben will, hat einfach zu wenige Klassiker gelesen.
Alles in Allem fand ich den eher dicken Band spannend, und wer sich als Horror-Fan fühlt, kommt fast nicht drumherum, diesen Grossvater der Grusel-Popkultur «zu Bildungszwecken» zu lesen, auch wenn die Gänsehaut ausgeblieben ist.
- Dan Brown
The Secret of Secrets
(167)Aktuelle Rezension von: KathiKalypseWie schon andere Dan Brown Romane mit der Hauptfigur Robert Langdon läuft auch diese Geschichte nach dem typischen Aufbau: Auslöser, Flucht (inkl. ein paar Toten), Auflösung ab. The Secret of Secrets ist grds. gut lesbar, jedoch gibt es inhaltlich leider einige Wiederholungen, welche unnötig sind und das Lesen etwas in die Länge zieht. Was mir sehr gefallen hat, waren die Infos über Prag sowie die Theorie eines "universellen Bewusstseins". Wer die Romane von Dan Brown mag, wird auch dieses Buch mögen.
- Sebastian Fitzek
Der Nachtwandler
(2.373)Aktuelle Rezension von: Booklover3245565456Der Nachtwandler war ein Buch, das mich vollkommen überzeugt hat. Die psychologische Sichtweise hinter Gewalt ist ein Thema, das mich sehr interessiert. Es geht in dem Buch um einen Mann, der schon als Kind massive Schlafstörungen hatte. Als er eines Tages seine Frau verprügelt und verängstigt bei einer scheinbaren Flucht vor ihm beobachtet vermutet er, im Schlaf gewalttätig geworden zu sein. Kann er sich selbst und seiner Erinnerung noch glauben, wenn er Beweise sieht, die zeigen was er getan hat?
- Yuval Noah Harari
Homo Deus
(167)Aktuelle Rezension von: KlausvanBingenWar das Vorgängermodell noch in weiten Teilen spannend und informativ hat dieses Buch leider ans Ende vom ersten im negativen Sinne angeknüpft. Es gibt eigentlich kaum etwas richtig Fesselndes, sondern nur noch Phrasen, die sich unendlich oft wiederholen.
Zudem erschienen mir einige Behauptungen wissenschaftlich kaum haltbar und ich musste das Buch irgendwann genervt abbrechen. Leider sein Geld nicht wert...
- Haruki Murakami
Die Stadt und ihre ungewisse Mauer
(79)Aktuelle Rezension von: KarandiFür mich ist der Mann nicht nur in Japan der Goat, sondern e rzählt auch zu meinen absoluten Lieblingsautoren egal was ich von ihm lese, ob es Erzählungen sind oder Romane. Er nimmt mich jedes Mal schon ab der ersten Seite mit. Die Stadt und ihre ungewisse Mauer ist ein fabelhaftes Buch und greift die Story von „Hard boiled Wonderland und das Ende der Welt“ auf. Das Gefühl, was Murakami hinterlässt, wenn man ein Buch beendet hat, ist so unglaublich schwer zu beschreiben. Es ist eine Mischung aus Heiterkeit, Traurigkeit, Mitgefühl, aber irgendwo auch eine Art Befriedigung. Dieses Buch reiht sich ein in einer Reihe absoluter Meisterwerke von meiner Meinung nach Japans größten lebenden Autor
- Kazuo Ishiguro
Alles, was wir geben mussten
(641)Aktuelle Rezension von: AnnaLovesBooksErster Satz: „Ich heiße Kathy H. Ich bin einunddreißig Jahre alt und arbeite inzwischen seit über elf Jahren als Betreuerin.“
Mit diesem ersten Satz beginnt eine Geschichte, die mich zunächst vor allem durch ihre ruhige und besondere Erzählweise mitgenommen hat. Je weiter ich gelesen habe, desto mehr wurde mir aber klar, dass Alles, was wir geben mussten eigentlich von sehr viel mehr handelt als von Kathy, Ruth und Tommy.
Wir begleiten Kathy in ihren Erinnerungen an Hailsham, an ihre Kindheit und an die Menschen, die ihr Leben geprägt haben. Vieles wird dabei nicht direkt erklärt. Stattdessen setzt sich die Geschichte Stück für Stück zusammen. Freundschaft, Eifersucht, Liebe, Hoffnung und all die kleinen Entscheidungen, die Menschen treffen, begleiten Kathy auf ihrem Weg. Und während man immer mehr über ihr Leben erfährt, wird gleichzeitig immer deutlicher, welches Schicksal auf ihr und den anderen liegt.
Gerade diese ruhige Art des Erzählens hat mir gefallen. Das Buch lebt nicht von großen Wendungen oder Spannung, sondern von dem Gefühl, dass sich langsam etwas in einem festsetzt. Es gibt so viele Szenen, die auf den ersten Blick vielleicht unscheinbar wirken, die aber später eine ganz andere Bedeutung bekommen. Besonders beschäftigt hat mich die Parallele zwischen den Klonen und uns Menschen. Denn je mehr man über Kathy, Ruth und Tommy erfährt, desto weniger konnte ich sie als etwas anderes betrachten. Sie haben Erinnerungen. Sie lieben. Sie sind eifersüchtig. Sie hoffen. Sie streiten. Sie haben Angst und sie versuchen, ihrem Leben einen Sinn zu geben. Und genau darin liegt für mich einer der stärksten Gedanken des Buches: Was unterscheidet sie eigentlich von uns?
Natürlich sind ihre Lebensumstände anders. Aber ihre Gefühle, ihre Beziehungen und ihre Sehnsucht nach einem erfüllten Leben wirken unglaublich menschlich. Und dadurch beginnt man irgendwann ganz automatisch, die Geschichte nicht mehr nur aus der Perspektive der Klone zu betrachten. Sie wird zu einer Geschichte über uns selbst. Über unsere Erinnerungen. Über das, was wir aus unserem Leben machen. Über die Dinge, an denen wir festhalten. Und auch darüber, wie wir mit der Tatsache umgehen, dass unser Leben irgendwann endet.
Besonders schön fand ich dabei, dass das Buch nicht versucht, auf all diese Fragen eine einfache Antwort zu geben. Kathy blickt zurück und versucht, die Vergangenheit zu verstehen. Sie gibt den Ereignissen eine Bedeutung, setzt einzelne Erinnerungen zusammen und sucht nach Zusammenhängen. Für mich fühlte sich das wie ein riesiges Mosaik an. Mit jedem Kapitel kam ein weiterer Stein dazu und irgendwann erkennt man immer mehr das große Ganze.
Das Nachwort hat mir noch einmal besonders viel gegeben. Ich mochte es wirklich sehr, weil es für mich den Blick auf das gesamte Buch noch einmal geschärft hat. Es macht deutlich, worauf es bei dieser Geschichte eigentlich ankommt. Nicht nur auf die Klone. Nicht nur auf ihr Schicksal. Sondern auf die Fragen dahinter: Was macht einen Menschen aus? Was bleibt von einem Leben? Warum brauchen wir Geschichten, Erinnerungen und Beziehungen? Und warum versuchen wir Menschen eigentlich immer, unserem Leben und unserem Ende einen Sinn zu geben? Genau das habe ich beim Lesen empfunden. Und deshalb hat mich das Nachwort so berührt. Es hat vieles, was während des Lesens eher unterschwellig bei mir angekommen ist, noch einmal zusammengeführt. Ich hatte dadurch das Gefühl, das Buch noch ein Stück besser zu verstehen.
Trotzdem hatte die Geschichte für mich zwischendurch auch kleine Längen. Ishiguro erzählt sehr ruhig, teilweise extrem ausschweifend und mit vielen Rückblicken. Das hat grundsätzlich gut zu der Geschichte gepasst, hat es mir aber nicht immer leicht gemacht, aufmerksam zu bleiben.
Es ist eines dieser Bücher, bei denen ich glaube, dass seine eigentliche Wirkung erst einsetzt, wenn man es beendet hat. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr verstehe ich, warum mich bestimmte Szenen so beschäftigt haben.
Alles, was wir geben mussten war für mich eine leise, melancholische und gleichzeitig unglaublich menschliche Geschichte. Eine Geschichte über Menschen, die wissen, dass ihr Leben begrenzt ist und damit letztlich über etwas, das uns alle betrifft. Und vielleicht ist genau das der Punkt, der bei mir am meisten hängen bleibt: Dass die Klone uns am Ende gar nicht so fremd sind, wie man zunächst denken könnte.
- Ursula Poznanski
Thalamus
(770)Aktuelle Rezension von: Andrea_BlaurockEs war faszinierend aus den Augen Timos den Unfall zu erleben, das Aufwachen aus dem Koma. Da zeigte die Autorin einmal mehr ihr grandioses Einfühlungsvermögen speziell die jungen Erwachsenen betreffend.
Als den eigentlichen Horror empfand ich Timos Unvermögen, seine Gedanken in Worte zu fassen. Faszinierend ist das geniale im doppelten Sinne generationsübergreifende Figurenensemble, samt Namenswahl.
Poznansky liefert einmal mehr den Beweis, das Gedanken genauso rasant sein können wie vermeintliche Verfolgungsjagden a la James Bond.oder weniger Nicht zuletzt katapultieren mehr oder weniger schuldige Ärzte und Wissenschaftler den Science Fiction in die Realität.
Ich wünsche diesem tollen Buch noch ein großes Lesepublikum
Andrea
- Hermann Hesse
Demian
(632)Aktuelle Rezension von: Karandi
Ich muss sagen, Demian hat für mich einen stark autobiografischen Charakter, gerade wenn man die Lebensgeschichte von Hermann Hesse kennt. Er ist in einer strenggläubigen christlichen Familie aufgewachsen, hat sich jedoch durch negative Erfahrungen mit Kirche und Religion gegen das Christentum – oder besser gesagt gegen die Dogmen der Kirche – entschieden. Diesen kritischen Blick kann ich als gläubiger Christ in großen Teilen nachvollziehen.
Demian bietet eine breite Palette an Gedanken zur Selbstentwicklung, Philosophie und Psychologie. Wir begleiten den Hauptprotagonisten Emil Sinclair, der zunächst als schwächlicher Junge aufwächst, als ein braver Kerl, der mit den „richtigen“ Werten des Lebens erzogen werden soll. Doch auf seinem Weg zum Erwachsenwerden zwingt ihn das Leben dazu, anders zu handeln, als man es ihm beigebracht hat. Er muss Dinge tun, die ihm stets als falsch vermittelt wurden: Er lügt, er stiehlt, seine Gedanken werden unzüchtig, und er beginnt mit den Verlockungen der Welt zu liebäugeln.
Außerdem setzt er sich zunehmend mit anderen religiösen und philosophischen Vorstellungen auseinander. Schließlich trifft er auf Demian – eine so faszinierende Persönlichkeit, dass allein über diese Figur eine eigene Rezension geschrieben werden könnte. Man weiß nie genau, ob Demian tatsächlich eine reale Person ist oder vielmehr Sinclairs inneres Selbst verkörpert: seine Entwicklung, seine innere Stimme, seine Gedanken. Demian formt ihn, macht ihn reifer und bringt ihn dazu, vieles zu hinterfragen. Und das ist auch gut so, denn nur wer hinterfragt, kann zu seiner eigenen Wahrheit gelangen.
Später lernen wir Frau Eva kennen, die ebenfalls eine zutiefst symbolische Figur ist. Sie ist die Mutter Demians, verkörpert jedoch gleichzeitig göttliche Liebe, Güte und Weisheit. Zugleich bleibt sie geheimnisvoll und beinahe mystisch. Auch bei ihr bleibt offen, ob sie jemals als reale Person gedacht war oder ob sie vielmehr ein Sinnbild für etwas Höheres darstellt.
Meiner Meinung nach ist Hermann Hesse hier ein Meisterwerk gelungen. Er gibt dem Leser enorm viel Raum für eigene Interpretationen und Selbstreflexion. Dieses Buch sollte nicht einfach gelesen werden – es muss ergründet, studiert und durchdacht werden, um seine volle Tiefe zu erfassen.
Ich glaube, ich habe es bereits in meiner vorherigen Rezension erwähnt: Obwohl ich bisher erst wenige Bücher von Hermann Hesse gelesen habe und dies erst mein drittes war, ist er bereits mein liebster deutschsprachiger Autor. Für mich hat kaum ein anderer Autor einen vergleichbaren Tiefgang erreicht. Natürlich kenne ich längst nicht alle großen deutschsprachigen Schriftsteller, doch im Moment steht Hesse für mich ganz oben.
Auch das Ende des Buches hat mich überzeugt. Ohne zu spoilern, wird deutlich, dass der Hauptprotagonist seine Entwicklung noch nicht abgeschlossen hat. Wir bekommen kein klassisches Happy End, sondern begegnen einem jungen Mann, der gewachsen ist, der durch seine Erfahrungen geprägt wurde und dessen Freund Demian ihm schließlich zu verstehen gibt, dass die Zeit gekommen ist, seinen Weg allein weiterzugehen. Erst dadurch kann er irgendwann seinen Kokon verlassen und zu einer vollendeten Persönlichkeit heranreifen.
Absolut starkes Buch und für mich eine klare Leseempfehlung.
- Jorge Bucay
Drei Fragen
(43)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannJedes einzelne Leben ist einzigartig, jeder Mensch besitzt eine eigene Weltsicht einen persönlichen Lebensplan und doch (oder gerade deshalb?) scheinen sich die Probleme zu häufen, mit denen sich die Menschen konfrontiert sehen. Einen Weg aus diesem Dilemma versucht Jorge Bucay auf bekannt direkte Art und erneut mit Unterstützung zahlreicher Geschichten – auch wenn diese gegenüber früheren Werken (insbes. „Komm, ich erzähl dir eine Geschichte“) nicht ganz so zahlreich sind.
Dies hat seinen Grund. Hier geht es um eine tiefere Analyse der Wesensmerkmale der Menschen, die Bucay mit Hilfe der „Grundfragen des Lebens“ anstellt: „Wer bin ich? Wohin gehe ich? Und mit wem?“ Anders gefragt: Gelange ich bei einer intensiven Auseinandersetzung mit diesen Fragen unter Zuhilfenahme dieses Buches auf die Glücksspur des Lebens? Kann sein, muss aber nicht.
Denn dieses Buch strotzt nur so von „schlauen“ Merksätzen/Lebensweisheiten, die man meist eins zu eins übernehmen kann. Doch es ist wie fast immer: Ist die Fülle der Auswahl zu groß, besteht die Gefahr, dass die gut formulierten Aussagen verschwimmen, nicht mehr die Wirkmächtigkeit entfalten können, die ihnen zweifellos zukommt. Es gilt also auszuwählen, sich den Fragen und Antworten zu nähern, die einen persönlich umtreiben, um so möglichst optimal von der Lektüre dieses Buches zu profitieren.
Als „allgemeine Erbauungsliteratur“ ist dieses Buch nicht geeignet. Dafür ist es zu persönlich, persönlich im Sinne von: Es lässt einen nicht kalt, weil es das eigene Leben auf den Prüfstand stellt. Das Leben in Verbindung mit anderen Menschen, mit ihren Vorstellungen, die nicht unbedingt (meist nicht) mit den eigenen zur Gänze kompatibel sind. Wie dennoch ein zufriedenes Leben im Kontakt, in Verbindung mit anderen Menschen gelingen kann, gar eine Zweisamkeit erfolgreich gelebt werden, ergo ein gemeinsamer Weg gefunden und beschritten werden kann, wird hier vielschichtig dargestellt. Kurz: Die Entwicklung von der selbst gestalteten Einsamkeit zur zugewandten Zweisamkeit.
Wenn sich während oder nach der Lektüre das Gefühl einstellt bereits auf dem richtigen Weg zu sein, dann „hat man das sichere Gefühl, nicht verloren zu sein, und man empfindet Zufriedenheit, weil man weiß, dass man seine Richtung gefunden hat.“ Für die „Pendelnden“ unter uns gibt dieses Buch die Kraft für neue Anstrengungen in dieser Richtung.
(13.8.2021)
- Fjodor M. Dostojewski
Weiße Nächte
(219)Aktuelle Rezension von: KarandiVon mir gibt es für weiße Nächte nur 3,5 Sterne, weil es ganz einfach nicht mein Thema ist. Es hat allerdings eine sehr schöne Sprachkultur und wie für Dostojewski üblich etwas Herzschmerz, aber ohne happy end. Das Buch ist wirklich nicht groß und auch langsame Leser können das wirklich zügig durchlesen. Ich finde es nicht schlecht, weil man so am Anfang ein schnelles Erfolgserlebnis hat, ein Buch beendet zu haben und im selben Atemzug eine Klassiker gelesen zu haben. Und wer dieses Genre Tragik Romantik mag, auch gleich eine wirklich schöne gelungene Geschichte dazu.
- Sylvia Plath
Die Glasglocke
(424)Aktuelle Rezension von: mrsmayreadsZu Beginn wirkt Esther Greenwood unsicher, naiv und urteilt manchmal vorschnell über andere. Doch je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr bröckelt ihre Fassade. Man erlebt hautnah, wie sie immer tiefer in eine persönliche Krise gerät und die Absurdität des Lebens auf schmerzhafte Weise erfährt.
„Die Glasglocke“ ist ein intensiver, beklemmender und erschreckend zeitloser Roman über Identität, gesellschaftliche Erwartungen, das Frau sein in den 1950er und psychische Gesundheit. Die Autorin erzählt ehrlich und schonungslos von einer jungen Frau, die versucht, ihren eigenen Platz in einer Welt zu finden, die ihr viele Grenzen setzt.
Der Einstieg fiel mir leicht. Ich kam schnell in die Sprache der Autorin hinein und fühlte mich direkt mit Esther verbunden. Nach und nach entsteht eine besondere, fast diffuse Atmosphäre, die gleichzeitig faszinierend und bedrückend wirkt. Besonders beeindruckend fand ich, wie nachvollziehbar ihre Gedanken und ihre Existenzkrise dargestellt werden.
Man begleitet Esther auf ihrem Weg vom lebendigen, aber naiven Mädchen hin zu einer Frau, die immer stärker in eine Depression abrutscht und mit sich selbst sowie den Erwartungen der Gesellschaft kämpft. Gleichzeitig bleibt immer der Hintergrund von Sylvia Plath präsent: Zu wissen, dass der Roman autobiografisch geprägt ist und die Autorin sich wenige Wochen nach der Veröffentlichung das Leben nahm, verleiht der Geschichte eine zusätzliche Schwere.
Das Ende konnte mich persönlich nicht ganz überzeugen. Nach der Intensität und Dunkelheit der Erzählung wirkte die Heilung für mich etwas zu abrupt und nicht ganz passend zur vorherigen Schwere.
Trotzdem ist „Die Glasglocke“ für mich ein wichtiges feministisches Werk, das zeigt, wie sehr gesellschaftliche Vorstellungen und innere Kämpfe einen Menschen prägen können.
Eine Empfehlung mit Vorsicht: Das Buch behandelt unter anderem Depressionen, Suizidgedanken, Suizidversuche und Selbstzerstörung. Es ist keine leichte Lektüre und definitiv kein Buch für zwischendurch.
- Fjodor M. Dostojewski
Schuld und Sühne
(27)Aktuelle Rezension von: HenriLMatosSchuld und Sühne ist kein Kriminalroman. Es ist eine Untersuchung des Bewusstseins unter dem Druck der eigenen Tat. Raskolnikow ist sein eigener Richter, Staatsanwalt und Henker — lange bevor das System ihn erreicht. Dostojewski hat verstanden, dass die interessanteste Frage nicht ist, ob jemand bestraft wird, sondern was mit dem Bewusstsein eines Menschen passiert, der versucht, eine moralische Grenze mit intellektuellen Argumenten zu überschreiten. Die Antwort ist keine tröstliche.
- Blake Crouch
Gestohlene Erinnerung
(102)Aktuelle Rezension von: SeshiaDen Anfang fand ich gut, spannende Story bei der man wissen möchte wie es weitergeht.
Allerdings hat es mich ab der Hälfte dann nichtmehr gefesselt.
Hier gabs es für mich zu viele Zeitsprünge und es wurde sehr unübersichtlich. Irgendwann hab ich dann nurnoch die Seiten überflogen weil es sehr langatmig wurde.
- Neal Stephenson
Corvus
(9)Aktuelle Rezension von: Helicopter66Roman mit zwei Handlungsebenen: Die Konstruktion von „Realität“ in einer Gesellschaft, die von sozialen Medien vereinnahmt ist, und die gesellschaftliche Entwicklung in einer Computersimulation, in die die digitalisierten Informationen aus den Gehirnen Verstorbener hochgeladen werden.
Zwanzig Jahre nach Cryptonomicon beschreibt Stephenson eine nahe Zukunft, in der die Welt durch Internet und Fake News nicht nur gespalten, sondern in unzählige Teile mit ihren religiösen, politischen und sonstigen Weltsichten zersplittert ist. Dabei nimmt er in Cryptonomicon begonnene Handlungsfragmente wieder auf und rekrutiert auch einen Teil seiner Hauptfiguren aus Nachkommen der Protagonisten früherer Bücher – inklusive der offenbar unsterblichen, mysteriösen Figur des Enoch Root. Der Roman ist dort am interessantesten, wo er sich mit den gesellschaftlichen Auswirkungen der extremen Konstruktion von „Realität“ in sozialen Medien beschäftigt. So wird zum Beispiel die falsche Nachricht platziert, dass eine Stadt per Atombombe vernichtet wurde. Es entsteht eine lang andauernde Auseinandersetzung, ob der Vorfall wirklich stattgefunden hat. Eine Überprüfung vor Ort ist keine Option für „Truther“, Leute, die die „Wahrheit“ zu kennen glauben und die Bewohner dieser Stadt mit Hass verfolgen, weil sich diese an der Vertuschung der wahren Begebenheiten beteiligen würden.
Der Protagonist Dodge stirbt gleich zu Beginn des Romans, aber da er testamentarisch verfügt hat, dass die Information in seinem Gehirn digitalisiert und in eine Computersimulation geladen wird, ergibt sich daraus der zweite Handlungsstrang. In der Simulation wird bald der Kampf zwischen Dodge und einem noch mächtigeren Konkurrenten fortgesetzt, der schon in der realen Welt begonnen hat. Eine Schwäche des Buchs liegt in der simplen Konstruktion dieser simulierten Welt: Der Autor bedient sich bei unterschiedlichen Mythologien, was sich – eher langweilig – wie ein naiver Fantasy-Roman liest.
- Joseph Murphy
Die Macht Ihres Unterbewusstseins
(37)Aktuelle Rezension von: dorothea84…So überflüssig finde ich dieses kleine Büchlein.
Dr Joseph Murphy ist eine wahre Fundgrube und eine Inspiration für mich.
Aber dieses Büchlein ist… ich muss es leider so gnadenlos ausdrücken…völlig überflüssig.
Unter dem Titel: Affirmationen für Glück und Erfolg, sind Sätze die zwar nett zu lesen sind, aber sie sind keine Affirmationen.
Es gibt kein Vorwort, wie und was Affirmationen überhaupt sind. Wie ich sie anwenden soll, etc.
Und dann steht ein Satz da wie: „Versuchen Sie niemals, ihre Frau oder ihren Mann von Grund auf zu ändern.“ Und darunter in 4,5 Zeilen eine „Erklärung“.
Ich werde das Buch in den kleinen kostenlosen „Bücherschrank“ in der Stadt stellen mit der Hoffnung, das es dort jemand findet der seinen Nutzen daraus ziehen kann.
- Karl Olsberg
Boy in a White Room
(136)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerZusammenfassung:
Im Mittelpunkt der Story steht der 15-jährige Manuel, der alleine in einem seltsamen weißen Raum aufwacht und ganz offensichtlich sein Gedächtnis verloren hat. Er weiß weder wer er ist, noch wie er überhaupt in dieses Zimmer gelangte. Seine einzige Möglichkeit der Kommunikation ist eine körperlose künstliche Stimme, die sich Alice nennt. Die Dinge, die er im Laufe der Zeit über sich und sein angebliches Schicksal erfährt, zweifelt er zunehmend an und fortan ist er damit beschäftigt sich selbst zu retten und die verwirrende Wahrheit heraus zu finden.
Mein Leseeindruck:
Der Roman startet stark und spricht mit seiner komplexen Handlung nicht nur jugendliche Leser an. Eine der Kernfragen ist es, wie man Realität von Illusion und Wahrheit von Lüge unterscheiden kann. Künstliche Intelligenz nimmt einen großen Raum ein und der Autor wirft immer mal wieder philosophische Fragen diesbezüglich auf.
Die Geschichte ist definitiv spannend, verliert sich aber leider zunehmend in einer viel zu stark konstruiert wirkenden Handlung. Zu viele Plot-Twists, zu viel Verwirrspiel, zu viele Möglichkeiten .... die Informationsdichte gegen Ende ist einfach überwältigend. Das war mir persönlich dann doch einfach etwas ZU viel.
Das Ende bleibt offen, das sollte man wissen um Enttäuschungen zu vermeiden. Aber schließlich handelt sich um eine Reihe, bestehend aus drei Bänden. Und ich meine, trotz der erwähnten Schwächen hat mich die Story soweit für sich gewonnen, dass ich nun auch wissen möchte, wie es weiter geht.
- Andreas Eschbach
Die Abschaffung des Todes
(93)Aktuelle Rezension von: ChronikskindDas im Klappentext beschriebene Szenario hat mich sehr neugierig gemacht - auch wenn ich eingangs noch nicht so richtig ein Gefühl hatte, worauf die Geschichte eigentlich hinaus will.
Tatsächlich fand ich im Nachhinein den Klappentext sogar ein bisschen ungünstig - denn er verrät eigentlich schon recht viel von dem, was man erwarten kann. Denn was genau die Unternehmer eigentlich vorhaben, erfährt man gar nicht am Anfang. Da wird erstmal viel recherchiert, um überhaupt herauszufinden, was die tun. Da spoilert der Klappentext eigentlich sogar ein bisschen. Es tut der Geschichte aber keinen Abbruch, denn wirklich viel verrät der Klappentext nicht.
Die Geschichte ist spannend erzählt. Man nähert sich Stück für Stück dem Thema und bekommt allerhand Erklärungen mit dazu. Auch auf wissenschaftlicher Ebene, was zum Verständnis definitiv hilfreich war, auch wenn ich sicher nicht alles verstanden habe. Auch der philosophische Aspekt spielt eine Rolle, wenn auch eher ein bisschen untergeordnet.
Die Entwicklungen fand ich definitiv interessant und faszinierend. Auch wenn es zum Ende hin etwas ausgeartet ist. Eine Verfolgungsjagd durch Europa hätte es für meinen Geschmack nicht unbedingt gebraucht. Ich muss auch gestehen, dass ich einigen Punkten am Ende zwiegespalten gegenüber stehe. Die Auflösung war durchaus interessant, aber ich hatte irgendwie etwas größeres erwartet. Es war doch erstaunlich, wie unspektakulär das enden kann und gleichzeitig kann ich mir sowas in der heutigen Zeit auch gut vorstellen.
Man kann durchaus den Eindruck haben, dass das Buch sich ein bisschen zieht. Das will ich gar nicht in Abrede stellen und dennoch hatte ich das Gefühl, dass jedes Wort bewusst gesetzt war und jede Info bewusst verpackt. Die Vorstellung des Teams fand ich eigentlich ganz interessant, auch wenn sie der Geschichte nicht wirklich geholfen haben. Hätte es die "Liebesgeschichte" (wirklich nur angedeutet) gebraucht? jein. Im Kontext fand ich sie dann vor allem für das Ende doch wichtig, wenn sie im Rest aber kaum Thema war.
James als Protagonist fand ich spannend. Insbesondere seine Meinung und Einstellung zum Thema objektiver Journalismus. Ansonsten wirkte er eher unnahbar, was aber zum Gesamtkontext echt gut gepasst hat. Man entwickelt aber definitiv keine emotionale Bindung zu ihm oder Nebencharakteren.
Das Ende fand ich interessant gewählt. Denn man kann schon sagen, dass die Geschichte selbst abgeschlossen ist. Die Thematik an sich aber nicht und ich hab mich ein bisschen wie am langen Arm verhungert gefühlt. Und andererseits passt das echt gut - denn wir wissen ja noch gar nicht, wie es weitergehen wird. Da regt das Buch definitiv nochmal zum Nachdenken an - was es eigentlich permanent immer getan hat.
Insgesamt definitiv eine lesenswerte Geschichte mit einem spannenden und faszinierenden Thema, die definitiv zum Nachdenken anregt - wo würde man sich selbst in der Thematik einordnen?
- Claudia Gray
A Thousand Pieces of You
(36)Aktuelle Rezension von: BlintschikMarguerites Eltern haben einen Gegenstand gebaut, mit dem man in parallele Welten reisen kann. Bevor sie es jedoch richtig testen können, bringt Paul Marguerites Vater um und verschwindet in ein anderes Universum. Von da an steht für sie fest, dass sie ihm nachreisen wird, um Rache für ihren Vater zu nehmen.
Der Anfang der Geschichte fiel mir etwas schwer. Man wird sofort hineingeworfen und bekommt verschiedene Begriffe und Namen an den Kopf geworfen, bevor man überhaupt weiß was los ist. Außerdem gibt es ständig Rückblenden, die die eigentliche Handlung überdecken und mich daher eher genervt haben, anstatt das sie spannend waren.
Dennoch bin ich sehr froh das Buch nicht abgebrochen zu haben, denn ab der Hälfte wird es wirklich gut. Selbst, die am Anfang fehlenden Emotionen, kommen gegen Ende langsam auf, auch wenn mir dieser Aspekt dennoch etwas gefehlt hat. Aber dafür wird die Geschichte richtig interessant. Man taucht in verschiedene Welten ein, die von dem alten Russland bis zu einem futuristischen London reichen.
Außerdem hat es mich fasziniert wie die Autorin es geschafft hat das komplexe Thema der Alternativwelten einfach zu erklären, sodass man an keiner Stelle den Faden verliehrt oder die Logik dahinter nicht versteht. Alles scheint sinnvoll und durchdacht zu sein, was bei so einem Thema in anderen Büchern nicht immer der Fall ist.
Dazu gibt es jede Menge Actionszenen, die man sich beim Lesen bildlich vorstellen kann und auch die Personen sind mir, trotz des schwierigen Anfangs, ans Herz gewachsen. Die Liebesgeschichte und die Beziehungen zwischen den Personen sind ziemlich süß und packend und machen die Geschichte noch interessanter.
Alles in allem konnte besonders das Ende mich überzeugen, da es so einige Wenden gibt und man merkt, dass das Buch in Laufe der Geschichte immer besser wird. Daher habe bin ich sehr gespannt auf den nächsten Teil. - Helen Callaghan
Dear Amy
(223)Aktuelle Rezension von: BookLookerDie Lehrerin Margot Lewis, die nebenbei eine Kolumne mit dem Titel „Dear Amy“ schreibt, bekommt von einem Mädchen einen beunruhigenden Leserbrief.
Liebe Amy,
Ich bin von einem fremden Mann entführt worden.
Ich weiß nicht, wo ich bin. Er wird mich töten, wenn du mich nicht findest.
Bitte hilf mir.
Bethan Avery
Der Absender ist ein Mädchen, das schon vor 19 Jahren entführt wurde.
Margot Lewis macht sich auf die Suche nach dem Mädchen, bis die Geschichte eine unerwartete Wendung nimmt.
Mich hat der Psychothriller schon vom Cover her angesprochen. Es ist in Grautönen und mit giftgrüner Farbe gestaltet, was sofort ins Auge fällt.
Der Schreibstil der Autorin lässt sich gut, flüssig lesen und es wir in dem ersten Drittel des Buches schon von Anfang an Spannung aufgebaut. Das zweite Drittel ist etwas langatmig, weil eher die Beziehung zu dem Mann und zu der Freundin der Protagonistin im Mittelpunkt steht.
Darüber sieht man aber gerne hinweg, wenn man den letzen Teil des Buches, mit der unerwarteten Wendung liest, der nur so von Spannung trotzt.
Alles in einem gibt es einen großen Spannungsbogen, der sich über den ganzen Thriller hin zieht und lediglich von kleinen Stellen, in denen interpersonale Bezüge im Vordergrund stehen unterbrochen wird.
Die Autorin hat es geschafft eine sehr interessante Protagonistin zu erschaffen die sehr gut mit den passenden Charakterzügen ausgeführt ist.
Ich war zum Ende des Buches so perplex, dass ich es am liebsten gleich nochmal gelesen hätte um nochmal genauer auf die Protagonistin zu achten, und das ist eine tolle Leistung der Autorin. - Philip K. Dick
Blade Runner
(288)Aktuelle Rezension von: Elias_CrowlDick stellt die einzige Frage die zählt: Woran erkennt man, dass jemand fühlt – und woran erkennt man, dass man selbst noch fühlt? Replikanten die menschlicher wirken als Menschen, Erinnerungen die eingepflanzt wurden und trotzdem echt sind. Kein anderes Buch hat die ethischen Konsequenzen künstlicher Intelligenz so präzise vorweggenommen – Jahrzehnte bevor die Frage relevant wurde. Sie ist es jetzt.
- Ian McEwan
Maschinen wie ich
(129)Aktuelle Rezension von: petitpapillonWenn wir unser eigenes Innerstes nicht begreifen, wie sollten wir da ihres gestalten und erwarten, dass sie mit uns glücklich werden?
Kann eine lebensechte Maschine den Menschen ersetzen? Nicht nur das, sondern vielmehr eine verbesserte Version des Menschen bilden?
Bei McEwans Roman "Maschinen wie ich" handelt es sich nicht nur um eine verhängnisvolle Dreiecksdynamik zwischen den Figuren Charlie, Miranda und dem Androiden Adam. Wir Leser:innen stehen inmitten von grundsätzlichsten Fragestellungen rund ums "Menschsein". Was ist Gerechtigkeit? Und kann ein Mensch wirklich gerecht und selbstbestimmt agieren? Oder ist er das bloße Resultat eigener Emotionen und Gesellschaftsstrukturen?
Mit "Maschinen wie ich" ermöglicht McEwan uns nicht nur einen faszinierenden Einblick in eine mögliche Realität mit menschenähnlichen Maschinen an unserer Seite. Er konfrontiert uns mit unseren inneresten Grundsätzen und appeliert in diesem Zuge an die unvollkommene Menschlichkeit in allen von uns.
Ich kann McEwans Roman all denjenigen empfehlen, die gerne Geschichten rund um Künstliche Intelligenz lesen und sich mit ihrer moralischen Verantwortung befassen möchten.























