Bücher mit dem Tag "bibel"
268 Bücher
- George R. R. Martin
Game of Thrones
(5.529)Aktuelle Rezension von: H-LshDie Serie habe ich mit Begeisterung geschaut, und Freunde schwärmten mir von dem noch intensiveren Leseerlebnis, das die Bücher bieten. Nun kann ich das nur bestätigen. Die Figuren waren mir ständig präsent, was meine Vorstellungskraft noch einmal beflügelte. Ein Buch, das ich wärmstens empfehlen kann..
- Stieg Larsson
Verblendung
(6.248)Aktuelle Rezension von: Annibanani_xoxoWas für ein spannender Thriller. Verblendung hat mich sofort gemacht. Die Geschichte ist komplex, düster und voller Geheimnisse.
Besonders gut haben mir die Figuren gefallen. Vor allem Lisbeth Galanter. Sie ist eine außergewöhnliche und faszinierende Protagonistin, die man nicht so schnell vergisst. Auch die Ermittlungen rund um das Verschwinden von Harriet Sanger haben mich immer wieder neurgierig gemacht und dazu gebracht, unbedingt weiterzulesen.
Die Atmosphäre des Buches ist teilweise beklemmend, was für mich genau den Reiz ausgemacht hat.
- Cassandra Clare
City of Heavenly Fire
(1.634)Aktuelle Rezension von: i1arieIch bin ganz emotional beim Ende des 6. Bandes der Shadowhunters Reihe. Es war in meinen Augen wirklich der stärkste Band der Reihe von Cassandra Clare.
Die Emotionen, welche die Autorin in das Buch gesteckt hat sind einfach überwältigend. Zum einen ist so viel Liebe, Freude, Trauer und Schmerz in der Geschichte aber auch Glück und Heimat. Es hat sich wirklich ein wenig wie nach Hause kommen angefühlt in New York und Alicante.
Auch der Mix mit der Vergangenheit aus der Clockwork Reihe war einfach wunderschön. Sowohl Tessa als auch Jem wieder zu sehen und von ihrer Geschichte zu lesen.
Das Ende der Reihe hat mich etwas mitgenommen aber es wurde dann doch noch sehr schön gelöst. Definitiv ein bittersüßer Abschied aus der Welt aber nicht aus dem Universum. Die Geschichte ist noch nicht vorbei.
Ich kann die Reihe wirklich wärmstens empfehlen. Es hat zwar einige Längen und Tiefen aber eben auch wunderschöne Hochs, welche die Geschichte einzigartig machen.
Meine Ausgabe der Bücherbüchse hat einen wunderschönen schwarz weiß Farbschnitt von New York.
- Margaret Atwood
Der Report der Magd
(906)Aktuelle Rezension von: Barbara_LandwehrIch habe Der Bericht der Magd beendet – und das Buch lässt mich nicht los.
Schon beim Lesen musste ich immer wieder an 1984 denken: Überwachung, Kontrolle der Sprache, Manipulation der Vergangenheit und ein System, das den Menschen immer weniger Raum lässt, selbst zu bestimmen, wer er sein möchte.
Bei Atwood kommt für mich aber etwas besonders Beklemmendes hinzu: Gilead wirkt erschreckend real. Vieles von dem, was Frauen dort widerfährt, ist keine wilde dystopische Fantasie, sondern hat historische Vorbilder.
Besonders beschäftigt haben mich Serena Joy und der Commander. Serena unterstützt eine Ordnung, die Frauen Schutz, Sicherheit und einen festen Platz verspricht – und wird am Ende selbst zu ihrer Gefangenen. Der Commander dagegen profitiert vom System und nimmt sich gleichzeitig Freiheiten heraus, die er anderen verweigert.
Und genau hier liegt für mich ein zentraler Gedanke des Buches: Es ist ein Unterschied, ob mir jemand eine Freiheit großzügig erlaubt oder ob ich ein Recht darauf habe.
Selbst das Ende spendet nur bedingt Trost. Gilead ist irgendwann Geschichte. Aber sind damit auch die Vorstellungen und gesellschaftlichen Strukturen verschwunden, die Gilead überhaupt erst möglich gemacht haben?
Der Bericht der Magd hat mich deshalb nicht nur erschüttert, sondern zum Nachdenken gebracht – über Frauen und Männer, über Abhängigkeit und Schutz, über Sicherheit und Selbstbestimmung und vor allem darüber, wie selbstverständlich wir unsere Freiheit manchmal nehmen.
Die Antwort auf die Schwierigkeiten, die Freiheit mit sich bringt, kann niemals weniger Freiheit sein. Für mich kann sie nur in gelebter Gleichberechtigung und gelebter Demokratie liegen.
Ein Buch, das ich zu Ende gelesen habe, mit dem ich aber noch lange nicht fertig bin.
- Richard Dawkins
Der Gotteswahn
(220)Aktuelle Rezension von: Boris_GoroffEr setzt sich in keinster Weise seriös mit Religion auseinander. An allem was auf der Welt läuft gibt er der Religion die Schuld (Dabei waren es gerade die religionslosen Staatssysteme die die Welt an den Rand des Abgrunds gedrängt haben und alle Menschlichkeit vermissen ließen, Nationalsozialismus und Kommunismus).
Gläubige Menschen sind für ihn per se geisteskrank, unabhängig von ihrer Lebensweise und ihrer gelebten Ethik.
Ein primitives Buch, das nur auf Hass aufbaut und die Menschheit weiter spaltet.
- Christopher Moore
Die Bibel nach Biff - Die wilden Jugendjahre von Jesus, erzählt von seinem besten Freund
(803)Aktuelle Rezension von: Chris666Joah, für Zwischendurch am Strand oder im Wartezimmer ganz nett. Auf jeden Fall lustiger und kurzweiliger als die Bibel.... Ich fand die Grundidee gut, hatte es mir persönlich aber wesentlich lustiger vorgestellt. Humor ist ja Geschmackssache und Ich würde es als ein bisschen fad bezeichnen... Kann man aber locker lesen
- Michail Bulgakow
Der Meister und Margarita
(46)Aktuelle Rezension von: eastSeltsame Dinge geschehen in Moskau. Zunächst kommt ein Zeitschriftenvorsitzender unter einigermaßen rätselhaften Bedingungen ums Leben, dann trifft es immer mehr Menschen: Unerklärliche Dinge geschehen, Menschen verlieren den Verstand oder gehen ganz verloren. Den wenigen, die versuchen, Licht ins Dunkel zu bringen, glaubt niemand ein einziges Wort, nur einer, der Meister, ein Schriftsteller in Schwierigkeiten, erkennt, was wirklich passiert: Der Teufel ist in der Stadt…
Michail Bulgakow lädt den Leser mit seinem Hauptwerk, „Meister und Margarita“, auf eine Reise ins Moskau der 1930er Jahre ein. Zwischen Realität und Fantasie baut er eine Brücke, um der Gesellschaft seiner Zeit einen Spiegel vorzuhalten. Kein Wunder also, dass das Werk in Russland erst Jahrzehnte später veröffentlicht wurde.
Inspiriert wurde Bulgakow wohl von Faust und anderen Erzählungen über das Wirken des Teufels, doch er fügt dem ganzen einen ganz neuen Ton bei. Bitterböse sarkastisch betrachtet er die Moskauer Gesellschaft und nimmt die Politik der Zeit aufs Korn, kritisiert Zensur und das Leben in Angst unter Stalin und dem Sowjetregime, spart dabei nicht mit schwarzem Humor.
Erzählt wird auf drei verschiedenen Ebenen, das Bild, das der Autor wohl im Kopf hatte, setzt sich allerdings erst ganz zum Schluss zusammen. Vorher kann das Buch einigermaßen verwirrend sein. Genau darin liegt aber auch sein Charme, es geschehen unzählige absolut absurde (und auf jeder Seite moralisch fragwürdige) Dinge, die dem Leser auf erstaunlich unterhaltsame Weise nähergebracht werden.
Trotz all seiner möglichen Interpretationsebenen, seinem bewusst chaotischen und zunächst zusammenhanglos wirkenden Erzählstil, trotz sehr vieler verschiedener Charaktere und Perspektiven erweist sich der Roman als auch erstaunlich einsteigerfreundlicher Klassiker mit lockerem und auf seine ganz eigene Weise mitreißenden Schreibstil. Es stört bei diesem Buch gar nicht, wenn man keine Ahnung hat, wo die Reise enden soll, der Weg ist das Ziel und der wiederum ist ein äußerst wilder Ritt, der noch lange nach dem Beenden des Buches als fasziniertes Fragezeichen nachhallt.
- C. S. Lewis
Der König von Narnia
(622)Aktuelle Rezension von: ButtaEnthält Spoiler
Schon der Schreibstil sagt mir nicht wirklich zu, darüber hinaus haben die characters keine Tiefe, besonders die älteren Geschwister, es ist sexistisch/misogyn, es gibt keine ordentliche Moral, die schlechten Handlungen des Menschen haben nicht wirklich Konsequenzen für ihn stattdessen wird er der "gerechte" König, das christliche Motiv ist mir einfach zu viel, diese Jesus Szene...und dieses ganze den Löwen geküsst, von den Kindern auch als er tot ist! Was zur Hölle ist das? Auch das Ende und was die für Gerechtigkeit halten ist fragwürdig, viele Dinge machen keinen Sinn, die characters denken nicht nach (sie vergisst dass sie ein Messer hat um ihn los zuschneiden, sie toben und spielen anstatt ihre Freunde zu retten etc...). Es ist unausgereift, der Sieg zu einfach, der Kampf quasi offscreen. Dann ist da noch der Coca Cola Weihnachtsmann, das hat mich auch aus der Bahn geworfen. Außerdem macht es für mich keinen Sinn dass zum einen diese Kinder da sind, da Aslan das alles ja durch seine Anwesenheit löst, zum anderen, dass Kinder über diese Wesen herrschen. Was haben die Menschen da zu tun?! Es fehlt zu viel worldbuilding, wie kam es zu dem Aufstieg der Hexe und dem Winter, warum hat Aslan das zugelassen, wozu braucht man die Menschen, woher haben die in einem Land ohne Stadt und wo alles unter Schnee ist all die Lebensmittel, warum essen Bieber Schinken? Ich hab mich so viel aufgeregt. Es liegt nicht daran, dass es ein Kinderbuch ist, sondern dass es keinen Sinn macht ..
- Andreas Eschbach
Der Jesus-Deal
(187)Aktuelle Rezension von: itwt69Der 2.Teil ist ganz anders, als ich erwartet bzw. befürchtet hatte. Dreht es sich im ersten Teil fast ausschließlich um das Jesus-Video, so wird in der Fortsetzung sehr detailliert auf die Zeitreise eingegangen. Ein großartiger Thriller, der jedoch für meinen Geschmack viel zu viel Religiöses beinhaltet, deswegen "nur" 4 Sterne.
- Carolin Kebekus
Es kann nur eine geben
(108)Aktuelle Rezension von: AndersweltenAuch wenn ich nicht zum Kebekus-Fanclub gehöre… ach, was soll‘s! Lest dieses Buch oder hört euch das Hörbuch an - Carolin liest es selbst vor, was dem Ganzen eine Extra-Portion Authentizität gibt und zusätzlich die Pointe immer trifft.
Selten habe ich so viel gelacht und gleichzeitig gelernt, eigene Handlungsroutinen hinterfragt und überdacht. Definitiv ein weiteres wichtiges Werk zum Thema Feminismus, denn natürlich gibt es nicht DAS EINE WERK (aber definitiv ein guter Anfang und auch optimal, um am Thema dran zu bleiben) - und es ist verdammt beruhigend, dass es noch mehr gibt. Keine Angst also, für jeden Geschmack ist was dabei und es gibt keine Ausreden, sich nicht mit dem Thema zu beschäftigen.
- Nicholas Sparks
Zeit im Wind
(1.095)Aktuelle Rezension von: dasEllie(Eventuell Spoiler!)
Nicholas Sparks ist dafür bekannt, seinen Charakteren eine schwere Vergangenheit aufzubürden oder sie vom glücklichen, trauten Zusammensein in eine schwere Zukunft, mit großen Prüfungen zu führen.
Leider konnte mich das Buch um die Geschichte von Landon und Jamie nicht so sehr fesseln, wie die Verfilmung. Und das will schon etwas heißen.
Plot: Landon gehört zu den Reichen Bürgern von Beaufort, North Carolina. Die Noten ganz passabel, der Beliebtheitsgrad in der kleinen, einzigen High-School der Stadt vergleichsweise hoch. Wie vermutlich jeder 1958, besucht er brav jeden Sonntag den Gottesdienst in der Baptistenkirche, in der Hegbert Sullivan der Pfarrer ist.
Über diesen machen Landon und seine Freunde sich schon seit Kindertagen lustig. Weil er alt ist und wegen seinen ausschweifenden Reden über Unzucht treibende.
Dem gegenüber steht Hegberts Tochter Jamie. Die unbeliebte Jahrgangsbeste, die ständig mit ihrer Bibel herumrennt und komische Klamotten trägt. Sie ist ein sehr zuvorkommender, hilfsbereiter und nicht nachtragender Mensch. Warum sie in der Schule keine Freunde hat, muss auch Landon feststellen, weiß eigentlich keiner.
Der Film ist zwar, im Nachgang betrachtet, nur eine lose Anlehnung an den Roman, allerdings vermittelt er den Inhalt besser, finde ich.
Landons Gedanken und Gefühle, Jamies bezauberndes Wesen und die Art wie Landon mit seinem Lebensumschwung umgeht, wird in den circa anderthalb Stunden besser verdeutlicht als in dem 223-seitigen Roman.
Für mich wirken die Ereignisse etwas zu erzwungen, ohne wirklichen Tiefgang, vorhersehbar und flach. Das Ende hätte es nicht gebraucht, um Landons Charakterentwicklung zu verdeutlichen.
Charaktere: Mit den Charakteren bin ich leider nicht wirklich warm geworden. Ich fand Landons Werteumschwung zu schnell heruntererzählt und mir fehlte es um ehrlich zu sein auch ein wenig nach Nachvollziehbarkeit.
Jamie war durchgehend zu lieb und für mein Empfinden auch ein wenig zu Gottfixiert. In meinem Kopf war sie über alles Seiten hinweg entweder high oder auf Medikamenten, die einem alles egal werden lassen.
Hegbert Sullivan, obwohl er mehr ein Nebencharakter war, hat mir gut gefallen. Mit ihm hatte ich am Ende auch am meisten Mitleid. Man könnte fast meinen, er wäre wirklich permanent vom Pech verfolgt.
Setting: Der Roman spielt 1958 in einer Kleinstadt in North Carolina, die irgendwo zwischen Meer und einem großen Fluss liegt. Mal bekam ich beim Lesen den Eindruck, dass sie so klein ist, dass jeder jeden kennt. Mal erschien sie mir doch wieder so groß, dass das eben nicht der Fall war.
Einen Bezug zu den späten Fünfzigern bekommt man leider auch nicht. Außer, dass sich die Freizeitgestaltung der jugendlichen etwas eintönig gestaltet. Die Jahresangabe hätte man aber auch getrost weglassen können. Sie hat der Geschichte nichts Außergewöhnliches verliehen.
Ansonsten ist der Autor, meiner Meinung nach, sehr sparsam damit umgegangen, der Welt Leben einzuhauchen.
Schreibstil: Aufgrund des Alters der Hauptcharaktere und der Thematik der ersten Liebe, würde ich den Roman eher dem Jugendbuchgenre zuordnen. Dafür war der Schreibstil gut. Keine komplizierten Wörter oder Schachtelsätze.
Für alles andere war er mir persönlich leider etwas zu detailarm und holprig. Die Sprünge, die man teilweise zwischen den Absätzen gemacht hat, haben für mich an der ein oder anderen Stelle den Lesefluss etwas zerstört.
Spaßfaktor: Das Buch habe ich in vier Tagen gelesen. Aber eher, um es schnell fertigzukriegen, nicht weil ich wirklich Spaß daran hatte.
Fazit: Den Film habe ich bereits ein paar Mal gesehen und werde ihn mir definitiv auch noch ein paarmal ansehen. Das Buch werde ich wohl kein zweites Mal in die Hand nehmen. Es war was Nettes für zwischendurch, aber nicht mehr oder weniger.
Wertung: ❁❁❁ von ❁❁❁❁❁
Start: 1. März 2024 | Ende: 4.März 2024
- Marah Woolf
Buch der Engel
(426)Aktuelle Rezension von: _MiriamAnne_Mit Buch der Engel liefert Marah Woolf ein atmosphärisch dichtes und gefühlvolles Finale, das vor allem durch seine starken Charaktere und emotionalen Momente überzeugt. Besonders gelungen sind die intensiven Szenen zwischen den Figuren, die noch einmal deutlich zeigen, wie sehr sie sich im Laufe der Geschichte entwickelt haben. Der Schreibstil ist wie gewohnt flüssig, mitreißend und schafft es, die Welt lebendig wirken zu lassen. Einige Passagen haben mich wirklich berührt und bleiben definitiv im Gedächtnis.
Gerade deshalb hatte ich mich im Vorfeld auch sehr auf dieses Finale gefreut – die Erwartungen waren entsprechend hoch. Und obwohl das Buch viele tolle und richtig gute Momente hatte, blieb bei mir am Ende doch eine gewisse Enttäuschung zurück. Für ein großes Finale hätte ich mir einfach mehr Action und ein intensiveres, spannungsgeladenes Zuspitzen der Ereignisse gewünscht. Mir fehlte ein wenig das Gefühl von Dramatik und Tempo, das man bei einem abschließenden Band oft erwartet.
Insgesamt ist Buch der Engel dennoch ein lesenswertes und emotional starkes Finale, das vor allem Fans der Reihe zufriedenstellen dürfte – auch wenn ich persönlich mir am Schluss etwas mehr Spannung und Action erhofft hatte.
- Carel van Schaik
Das Tagebuch der Menschheit
(10)Aktuelle Rezension von: PhilippWehrliEvolution und Bibel? - Diese Kombination assoziieren wir mit Streitgesprächen. An vorderster Front sehen wir den Evolutionsbiologen Richard Dawkins, der sich ‚militanter Atheist’ nennt und erklärt, der Gott des Alten Testaments sei „ein kleinlicher, ungerechter, nachtragender Überwachungsfanatiker, ein rachesüchtiger, blutrünstiger ethnischer Säuberer: ein frauenfeindlicher, homophober, rassistischer, Kinder und Völker mordender, ekliger, grössenwahnsinniger, sadomasochistischer, launisch-boshafter Tyrann.“
Deshalb war ich einigermassen überrascht, als im anthropologischen Museum Zürich eine Zeitung der reformierten Kirche auflag. Noch einmal überrascht war ich, in dieser Zeitung ein Interview mit dem Direktor des anthropologischen Museums Zürich, Carel van Schaik, zu lesen. Thema des Interviews: Der Bestseller ‚Das Tagebuch der Menschheit – Was die Bibel über unsere Evolution verrät’, den van Schaik zusammen mit dem Historiker und Wissenschaftsjournalist Kai Michel schrieb, der in den Zeitungen ‚Die Zeit’, ‚FACTS’ und ‚Die Weltwoche’ zu Themen Archäologie, Religion und Evolution bearbeitete.
Tatsächlich zeigen uns van Schaik und Michel Schätze der Bibel, die auch Atheisten begeistern dürften. Sie erreichen dies, indem sie eine eigentlich naheliegende Perspektive einnehmen: Sie lesen die Bibel als ‚Buch der Bücher’, als weltweit reichste Sammlung historischer Zeugnisse, als Tagebuch der Menschheit, in dem über mehr als tausend Jahre verschiedene Menschen ihre Gedanken, Fragen und Ideen festhielten. Diese Berichte vergleichen sie mit den Erkenntnissen der Archäologie und erreichen dadurch ein wesentlich lebendigeres Bild der Antike, aber auch der Frühgeschichte.
Natürlich bemerken auch die Autoren die Brutalität des alttestamentlichen Gottes. Sie untersuchen aber, wie denn aus der von Dämonen und Geistern erfüllten Welt der Jäger und Sammler ein einziger, allmächtiger, aber grausamer Gott wachsen konnte. Fast könnte man sagen, sie unterziehen den grausamen Gott einer Psychoanalyse und ergründen in dessen ‚frühester Kindheit’, worin denn die Grausamkeit gründet.
Die originelle und überzeugend belegte These: Durch die Sesshaftwerdung traten ungekannte Naturkatastrophen von geradezu apokalyptischen Ausmassen auf, Katastrophen, welche die Macht von Dämonen oder lokalen Göttern bei weitem überstiegen. Wenn ein Erdbeben eine ganze Stadt zertrümmerte, wenn Hunderte von Menschen in einem Tsunami ertranken oder von einem Vulkan verschüttet wurden, dann musste eine gewaltige Macht dahinter stehen.
Anschaulich schildern die Autoren, wie sich in den ungeschickt gebauten ersten Städten Seuchen ausbreiten, oft durch Haustiere eingeschleppt, welche in Jägerkulturen noch kaum bekannt waren. Nachvollziehbar ist auch das moralische Dilemma, als die ersten Bauern ihre Felder schützen wollten. In Jahrmillionen langer Evolution hat sich das Naturgesetz in unsere Gene eingegraben, alles, was die Erde hergibt, gehöre allen. Früchte, die noch am Baum hängen, die man aber doch nicht essen darf, waren undenkbar. Ein Bauer, der seine Ernte verteidigt, der wie Kain seinen eigenen Bruder erschlägt, nachdem er ihn heimtückisch mit reifen Feldfrüchten angelockt hat, so etwas gab es unter Jägern nicht.
Van Schaik und Michel anerkennen die kulturelle Meisterleistung, die intuitive, angeborene Jägerethik zu überwinden und dem Bauern zu seinem überlebensnotwendigen Recht zu verhelfen. Sie machen aber auch klar, welche Kraftanstrengung nötig war, der Jägernatur eine zweite oder gar eine dritte Natur anzuerziehen.
So führen uns die Autoren durch die Abschnitte der Bibel von der Schöpfungsgeschichte über Moses, die Könige über Jesus bis zu den Evangelisten. Sie berücksichtigen dabei, wann und in welchem Zusammenhang eine Textstelle zum ersten Mal auftaucht und ziehen auch Texte anderer Kulturen hinzu oder hebräische Texte, die es nicht in den offiziellen Kanon der Bibel geschafft haben. Sie zeigen, wie sich parallel zur kulturellen Evolution des Menschen auch der Gott Jahwe entwickelt hat.
In diesem Punkt unterscheiden sich Van Schaik/Michel am stärksten von Dawkins: Sie zeigen Hochachtung für die grandiose kulturelle Leistung, die angeborene Jäger- und Sammlermentalität zu überwinden und Gesellschaftsformen zu erfinden, die für Bauern, Händler und insbesondere für Städter tauglich waren. Sie honorieren, dass die Bibelautoren diese kulturelle Evolution über weite Strecken initiierten. Tragisch liest sich vor diesem Hintergrund der Satz in Kapitel 19: „Um das Jahr 400n. Chr. Jedoch wurde die Bibel durch die Kanonisierung ihrer Schriften schockgefroren.
Tatsächlich wurde die Entwicklung des Christentums durch die Kanonisierung zumindest stark gebremst. Kühn scheint mir daher die These, durch das Christentum seien die Wissenschaften und die Demokratie gefördert worden. Wissenschaften seien in einer monotheistischen Religion entwickelt worden, weil es eher denkbar sei, die Gedanken und Pläne eines einzelnen Gottes zu ergründen, als die eines in sich zerstrittenen Pantheon. Natürlich waren bis vor kurzer Zeit praktisch alle westlichen Wissenschaftler Christen oder Juden, wohl aber vor allem mangels Alternativen.
Spannend ist aber die Frage, die van Schaik und Michel zum Abschluss aufwerfen: Wie würde das Abendland heute aussehen, wenn die Kanonisierung nie stattgefunden hätte? Wie würde die Welt aussehen, wenn wir die Religion nicht eingefroren, sondern stetig weiter entwickelt hätten und heute vielleicht am 5. Testament schreiben würden?
Das ‚Tagebuch der Menschheit’ ist eine unterhaltsam geschriebene, durchwegs gelungene und empfehlenswerte Hommage zweier Agnostiker an das Buch der Bücher, das wichtigste Buch des Abendlandes.
Nachtrag vom 1. Oktober 2017
Im Podcast der Skeptiker Schweiz habe ich ein Interview mit Carel van Schaik zu diesem Buch geführt.
- Amy Gentry
Good as Gone
(231)Aktuelle Rezension von: _xAnnikax_Julie, die Tochter von Tom und Anna, wurde entführt. Alle Suchaktionen bleiben vergebens und das Mädchen ist nicht aufzufinden. Viele Jahre später taucht ein Mädchen an Toms und Annas Haustür auf und behauptet, die verschwundene Tochter zu sein. Doch ist sie wirklich diejenige, die sie vorgibt zu sein?
Das Buch hat eine spannende Handlung und wird aus zwei verschiedenen Perspektiven erzählt. Die Chronologie des zweiten Erzählstrangs ist zunächst ein bisschen verwirrend, nach ein paar Kapiteln versteht man aber die Reihenfolge. Nach und nach setzen sich alle Puzzleteile zusammen und der Leser erfährt gemeinsam mit Anna immer mehr darüber, was passiert ist.
- Christopher Moore
Lamb
(18)Aktuelle Rezension von: KarinJZum Inhalt: 2000 Jahre nach seinem Tod wird Biff von einem Engel erweckt und in ein Hotel verfrachtet, um dort ein Evangelium ("Die Bibel nach Biff") zu schreiben. Also tut er das. Er erinnert sich daran, wie er Jesus zum ersten Mal gesehen hat und wie sie Freunde bis zu ihrem Tod blieben.
Meine Bewertung: Ich habe das Buch zweimal gelesen und fand es stellenweise langatmig und stellenweise großartig. Zum Lachen brachte es mich eigentlich nicht, denn den Humor habe ich sehr stark mit der Figur von Biff assoziiert. Bei mir blieb er hängen als einer mit einer großen Klappe, als ein Schandmaul und ein Spötter, der sich selbst gern reden hört, als ein Schlitzohr, das sich gern amüsiert, aber im Kern, wenn es um die wichtigen Dinge geht, moralisch gefestigt ist. Absolut rührend fand ich sein Bedürfnis, sich vom ersten Moment an um Jesus zu kümmern und ihn zu beschützen. Hinter all der von Biff zur Schau gestellten Oberflächlichkeit kam bei mir eine tiefe, reine Liebe an, die Biff für Jesus (Joshua) und Maria Magdalena (Maggie) empfindet. Daraus ergeben sich intensive Szenen wie die unter dem Kreuz. Genauso rührend fand ich die Figur des Joshua, der sich bereits als kleines Kind seiner Rolle bewußt war und sich darum bemüht, ihr gerecht zu werden und die Menschlichkeit zu ergründen. Das führt zu Szenen wie die, in der Joshua Biff beim Sex beobachten darf. Das mag anstößig wirken, genauso wie das, was Biff ständig daher redet. Wie gesagt, er hat ein Schandmaul und nicht umsonst bedeutet sein Spitzname Biff so etwas wie Kopfnuss. So kann ich es verstehen, wenn manche das Buch schrecklich finden und andere, die eine gewisse Art von Humor besitzen, sehr darüber lachen. Andererseits gehört Sex zur Menschlichkeit und es ist absehbar, dass einer wie Biff mit dem Thema sehr offen umgeht. Im Grunde genommen sehe ich das Buch jedoch als Glaubensbekundung, denn Biffs Liebe zu Joshua ist an vielen Stellen spürbar. Mir gefällt es immer sehr, wenn die Figuren eines Romans wie Biff verschiedene, überraschende Seiten haben. Selbst bei Jakan, der als Kind der Nachbarschaftsschläger war, wird irgendwann eine Seite offenbar, die seine Unsicherheit zeigt. Um auf die eingangs erwähnte Langatmigkeit zurückzukommen, die ergab sich möglicherweise daraus, dass ich die Suche nach den heiligen Königen (Magi) nicht wirklich verstanden hatte. In diesem Part gab es einiges, das sich unschön gezogen hat. Zusammengefasst muss man damit rechnen, dass es trotz und teils wegen der göttlichen Anwesenheit sehr profan wird, viel um Sex geht. Aber ich fand, dass es sich lohnt, trotz der etwaigen Längen an der Geschichte dran zu bleiben.
- Kira Licht
Lovely Curse - Erbin der Finsternis
(309)Aktuelle Rezension von: marenwltDas Buch an sich fand ich nicht schlecht und die Story ist auch spannend, ich glaube aber ich bin nicht (mehr) ganz die richtige Zielgruppe.
Ich hatte mir eine Welt mit magischen Wesen, Magie, Spannung und Geheimnissen gewünscht - der erste Band führt aber sehr langsam in die Geschehnisse ein. Das Erzähltempo könne für meinen Geschmack definitiv deutlich schneller sein. Es gibt einige Längen und einige Situationen, die es mMn für die Story nicht braucht. Dennoch hat mich interessiert, wie es weitergeht und wann der eigentliche Fantsasyteil beginnt. Das ist tatsächlich erst kurz vor Ende und kam für mich ein bisschen „aus dem nichts“, weil der Kontext einfach fehlt. Ich hoffe sehr, dass der 2. Teil da noch etwas Abhilfe schafft und es „nur“ als Cliffhanger gedacht war.
Der größte Punkt allerdings, mit dem ich gehadert habe, ist das Verhalten der verschiedenen Charaktere. Ich lese normalerweise keine Bücher mehr, in denen die Protagonist*innen nicht mindestens 18, eher älter sind und ich weiß jetzt leider auch wieder ganz genau warum. Das ist aber einfach persönlicher Geschmack - ich mag „Teenie-Getue“ einfach nicht mehr.
Was ich aber gut finde, ist der Schreibstil. Er ist zwar nicht super komplex oder ausschmückend, aber genau das sorgt dafür, dass sich das Buch fix und flüssig weg snacken lässt. Ich kann mir gut vorstellen, dass vor allem eine jüngere Zeilgruppe und Fantasy-Anfänger*innen Spaß mit dem Buch haben!
- A. J. Jacobs
Die Bibel & ich
(57)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerWas passiert, wenn man sich ein Jahr wörtlich an die Vorschriften der Bibel hält? Das beschreibt A. J. Jacobs in diesem Buch. Auch wenn er sich nicht an alle Vorschriften zugleich hält, so stellt sich dieses Unterfangen als ganz schön schwierig und teils auch unsinnig heraus. Denn der Autor interpretiert die Regeln so, wie sie wörtlich in der Bibel stehen. Ohne Kontext und ohne Adaption an die heutige Zeit.
So kommen von Kreationisten bis hin zu den Red Letter Christians auch verschiedene Gruppierungen zu Wort: Dadurch dass Jacobs sich aber für die wörtliche Auslegung der Bibel entscheidet, sind es zumeist hochpolarisierte, evangelikale Gruppen, die zu Wort kommen. Der "gläubige Mainstream" erhält in diesem Buch keine Aufmerksamkeit. Und Jacobs probiert tatsächlich auch jede noch so schräge Regel aus.
Letztendlich war das Buch vermutlich eine tiefe Erfahrung für den Autor selbst, der zwar nicht zum Glauben aber zu einigen Ritualen gefunden hat. Für den*die Leser*in ist das Buch stellenweise aber nur amüsant. Einen tieferen Sinn dahinter kann ich für mich selbst nicht entdecken, außer: Wenn die Bibel wörtlich ausgelegt wird, wird sie in unserer Zeit unsinnig. UND: Keiner hält sich an die gesamt Bibel, sondern es wird immer eine Auswahl getroffen, an die man sich hält. Ob man dadurch zu Gott finden kann, bleibt dabei jedem selbst überlassen.
- Sam Lloyd
Der Mädchenwald
(250)Aktuelle Rezension von: BitzkiDieses Buch habe gebraucht bekommen und bin ohne große Erwartungen rangegangen.
Ich hätte nicht damit gerechnet, dass ich (nach einen kurzen eher gemächlichem Start) derart in einen Sog gerate.
Von Anfang an war ich gefesselt. Ich finde die Geschichte innovativ, nervenaufreibend, mysteriös, voller Wendungen und (auf absolut positive Weise!) verwirrend. Sie gewährt tiefe Einblicke in die Gefühls- und Gedankenwelt der Hauptpersonen. Aufgrund des eindringlichen Schreibstils erlebt und fühlt man mit.
Für mich war dieses Buch nach langer Zeit mal das was draufsteht. Nämlich ein Thriller. Ich fand es äußerst fesselnd, spannend, beklemmend, eindringlich, tragisch, traurig, mutig und voller Überraschungen. Und noch dazu wahnsinnig gut geschrieben!
Well, well done, Mr. Lloyd. Von mir gibt's eine Leseempfehlung! Ich werde sicherlich weitere Bücher des Autors lesen. Bin gespannt... - Wilhelm Buntz
Der Bibelraucher
(22)Aktuelle Rezension von: julia-elysiakann Spoiler enthalten
Zuallererst muss ich sagen, dass ich nicht gläubig bin, weswegen ich diesen Wandel des Autors nicht nachempfinden kann. Dennoch war das Buch äußerst berührend und spannend.
Auf knapp 200 Seiten erzählt Wilhelm Buntz seine Lebensgeschichte. Auch wenn es nicht besonders viele Seiten sind, hat man das Gefühl, einen guten und umfangreichen Einblick zu bekommen. Die Schilderungen haben mich auf jeden Fall bewegt. Darüber hinaus waren sie sehr interessant. Nur an ein, zwei Stellen kam das Erzählte etwas ungläubwürdig rüber.
Der Autor erzählt von seiner Geburt, von der Liebe, die nie erfahren hat. Er erzählt von Taten, die er bereits als Kind, dann als Jugendlicher verübt hat, von seinem Leben in den verschiedenen Heimen und Jugendaufenthalten. Weder beschönigt er seine Taten, noch rechtfertigt er sie. Er gibt mit einer gewissen Art von Gelassenheit, vielleicht auch emotionaler Distanz wieder. Dennoch wurde dabei auch, vor allem, wenn andere Menschen dabei verletzt oder anderweitig geschädigt wurden, seine Reue ersichtlich.
Das Buch ist in neun Kapitel plus Epilog eingeteilt. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm, so dass man schnell durch die Seiten kommt.
Der der Autor gibt hier ein Beispiel, dass sich Straftäter*innen durchaus wandeln können. Wilhelm Buntz hat sich für Gottes Weg entschieden, darüber hinaus für den Weg der Buße. Dabei fand ich vor allem sein Leben nach der Haftzeit berührend. Trotz dessen, dass er Christ geworden ist, hatte er nicht unbedingt ein einfacheres Leben nach seinem Gefängnisaufenthalt. Aus diesem Grund fand ich auch vor allem diesen Teil sehr spannend.
Insgesamt vergebe ich 5 Sterne.
- Karl Ove Knausgård
Alles hat seine Zeit
(21)Aktuelle Rezension von: Sandra1975Klappentext:
"Über die Natur der Engel – und das Wesen der Menschen ...
Wie sieht es aus, das Göttliche? Hat es die Engel wirklich gegeben? In seinem hymnisch gefeierten Roman stellt Knausgård die grossen universalen Fragen und geleitet uns durch die gewaltigen alttestamentarischen Erzählungen: über Kain und Abel, Noah und die Sintflut, über Sodom und Gomorrha, gelangen wir nach einem Zwischenstopp im spätbarocken und schliesslich aufgeklärten Europa auf eine Insel vor der norwegischen Küste – bei einem modernen, schuldbeladenen Menschen, der die Einsamkeit sucht und die überwältigende Schönheit des Lebens findet …"______________________
Um ein Buch zu schreiben, sollte man das Thema des Buchs beherrschen oder sich wenigstens sehr gut darin auskennen. Karl Ove Knausgard hat die Bibel regelrecht durchdrungen. In dem 637-seitigen Werk “Alles hat seine Zeit” erzählt der Autor die Geschichte vom Fall der Engel nach.
Die Gattungsbezeichnung lautet zwar “Roman”, jedoch mutet das Ganze als Essay nach lateinamerikanischem und französischem Vorbild an. Zitate (weder mit Quellenangabe noch mit Anführungs- und Schlusszeichen versehen), eigene Gedanken, Fiktion und Poetisches fügen sich darin zu einem harmonischen Ganzen, das einer bestimmten Frage nachgeht. In Knausgards Buch lautet die Fragestellung: “wie Unschuld und Reinheit [der Engel] sich so leicht in ihr Gegenteil verkehren konnten.” Was auf diese Eingangsfrage folgt, ist eine biblische, theologische und kunstgeschichtliche Spurensuche der Engel, denn diese kommen in der Schöpfungsgeschichte nicht explizit, doch, wie Knausgard meint, implizit vor, etwa im Satz “Es werde Licht”. Da die Engel Lichtwesen seien, wären sie in diesem göttlichen Imperativ zwar nicht genannt, aber mitgemeint gewesen. Oder aber, die Engel seien nicht aus Licht, wären aber vor der Erschaffung der Welt schon dagewesen. Solcherlei Spekulationen machen den Roman aus. Das Ergebnis ist ein dichtes und tiefgründiges Werk, das sich biblische Worte auf der Zunge zergehen lässt, sie dreht und wendet und mit verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten spielt. Neben dieser im weitesten Sinne exegetischen Arbeit, die eher einer Textmeditation gleichkommt, greift Knausgard die Geschichte der Engel von der Antike bis zur Aufklärung auf, anhand zweier fiktiver Charaktere, einem Antonio Bellori aus der Renaissance, der Kontakt zu Engeln gehabt haben will und dem Historiker Bergotti, der die Biografie Belloris schreibt. Diese beiden ermitenartigen Charaktere fügen eine mythologische Dimension in die Erzählung ein. Denn die beiden Männer muten wie Baum- oder Flussnymphen an, die sich von den Menschen zurückgezogen haben und ganz in der Natur aufgehen.
Bei diesem Konglomerat aus Bibellektüre, Mythologie, Religions- und Kunstgeschichte fragt man sich: Warum hat der Autor nicht eine Dissertation zur Engelsfrage geschrieben? Es hätte nicht viel dazu gebraucht - nur noch die Quellenangaben anfügen und schon hätte man sie gehabt. Die gattungsmässige Uneindeutigkeit ist auch der Grund, weshalb ich zunächst gezögert habe, 5 Sterne zu vergeben, wobei mir klar ist, dass dies eine Kritik auf sehr hohem Niveau ist. Die vielen Anspielungen, von Thomas von Aquin, über Augustinus bis hin zu Hieronymus verleihen dem Buch einen hermetischen, um nicht zu sagen eigenbrötlerischen Charakter. Wer kann im 21. Jh. schon von sich behaupten, die Summa theologica auch nur ansatzweise gelesen zu haben? Solche Kenntnisse darf man unserer Tage nicht einmal in sogenannten gebildeten Kreisen voraussetzen. “Alles hat seine Zeit” ist von daher kein einladendes Buch, sondern zuweilen ein sperriges, das, wie die beiden Hauptcharaktere, eremitenhafte Züge trägt. Bei alledem ist es kein grüblerisches Buch. Der Autor bzw. die Ich-Erzählstimme verirrt sich nicht im Labyrinth der eigenen Überlegungen, sondern der rote Faden ist immer klar.
Was das Werk zu Literatur macht, ist die Sprache. Das halte ich für die grosse Leistung des norwegischen Autors, unabhängig davon, ob man sich für Engel interessiert oder nicht. Man findet in dem Buch Sätze, bei denen die Zeit stehenbleibt. Ein Beispiel von vielen möglichen: “Doch die Sprache ist nur eine Karosserie, und was die Sprache in sich birgt, wird von der erreichten Geschwindigkeit weitergeschleudert, über den Punkt hinweg, aus dem Satz heraus und zwischen die Zeilen, wo es natürlich nicht mehr gelesen, nur noch erahnt werden kann.”
Ein Anliegen, das in der Zeit verfolgt wird, die Zurückhaltung des Autors und die Arbeit an der Sprache - das macht grosse Literatur aus. “Alles hat seine Zeit” ist grosse Literatur. Anspruchsvoll, belesen, meditativ - ein Buch über die (heute immer seltener werdende) Kunst des langsamen Lesens. - Thomas Kaufmann
Erlöste und Verdammte
(2)Aktuelle Rezension von: M.Lehmann-PapeBreiter Blick auf das Geschehen in europäischem Maßstab
Wie sehr es „menschelt“ im und um den Glauben herum, das ist für dieses detaillierte und mit weitem Blick angelegte Werk Kaufmanns keine Frage irgendwelcher interner Anekdoten um Luther und „die Reformatoren“ herum, sondern, letztendlich, liest man das Werk mit den auch politischen Dimensionen, die Kaufmann aufwirft, eine der zentralen Entwicklungslinien der Reformation. Die in Deutschland in der Gestalt Luthers zwar ihren Anfang und Beginn markiert, die aber einerseits in der Entwicklung und Entfaltung eines modernen „Massenmediums“ (des Buchdrucks) und in ihren machtpolitischen Interessen und Auswirkungen erst im Gesamten das ausmacht, was als „Zeitenwende“ zur Moderne hin definiert werden kann.
„Die reformatorische Bewegung besaß historische Durchschlagskraft, weil sie sich in ihrer Gegnerschaft gegen das überkommene Kirchenwesen, in der alleinigen Orientierung an dem ….. Evangelium und in der Solidarität mit……Luther einig war“.
Eine Kraft, die in dieser Einigkeit gerade zu Anfang der Bewegung wichtig war, als es gelang, theologische Differenzen für eine, entscheidende, Weile in den Hintergrund treten ließ und dann die verschiedenen, einander auch in Abneigung gegenüberstehenden Strömungen der Reformation zu einem Zeitpunkt aufflammen ließ, als ein solides Fundament der Veränderung bereits gelegt war.
Auseinandersetzungen über das konkrete Verständnis zentraler biblischer Aussagen und, zumeist, auch unterschiedliche Vorstellungen politischer Art, deren Bogen von der „Revolution“ bis zum „Gottesstaat“ (in Genf später durch Calvin mit „eiserner Hand“ erprobt) reichten.
Und das alles war und ist beileibe nicht auf Deutschland beschränkt gewesen und geblieben. Kaufmann als Kirchenhistoriker öffnet mit diesem, sehr akribisch den einzelnen Richtungen nachgehenden, Werk zugleich den „europäischen Blick“ auf das Geschehen der Reformation, der „Kirchenspaltung“, die mehr war als eine rein theologische Lehrauseinandersetzung, sondern die ein wichtiges Element auch der Aufklärung und damit der massiven Veränderungen der politischen Landkarte Europas wurde.
Wenn Kaufmann sorgfältig der unmittelbaren Entwicklung zunächst nachgeht in den „Territorial- und kirchenpolitischen Entscheidungen“ in der Folge des Wirkens der Reformatoren mit der Errichtung evangelischer Kirchentümer und, vor allem, mit der einerseits theologischen „Vereinigung“ in der „Confessio Augustana“ (trotz aller Zerwürfnisse und Unterschiede im reformatorischen Lager) und andererseits in der brüsken Ablehnung derselben durch den Kaiser.
Die umgehende Bildung des „schmalkaldischen Bundes“ als nun auch weltliche, politische Kraft der Reformation.
Hier sieht Kaufmann einen der entscheidenden Wendepunkte zur „Veränderung der Welt“ hin.
„Nach einem Jahrzehnt……war die Reformation und ihr Überleben spätestens seit dem Augsburger Reichstag definitiv und unausweichlich eine primäre politische Frage geworden. Die evangelischen Theologen wussten und bejahten dies“.
Im Gesamten also richtet sich Kaufmanns umfassende Darstellung weniger an und um die Person Luther herum zum „Reformationsjubiläum“, sondern in sehr gelungener Weise und mit weitem Blick zeigt Kaufmann „Die Reformation“ als religiöse und politische Kraft an sich auf. Von der Einigkeit bis zu den inneren Zerwürfnissen, von der gedachten „Erneuerung der katholischen Kirche “ hin zu einer neuen, eigenständigen, politisch benutzten und politisch aus sich heraus wirkenden Kraft bis hin zur Bedeutung des Buchdrucks, der die Reformation überhaupt erst möglich machte finden sich alle Entwicklungsschritte übersichtlich strukturiert im Buch wieder.
Die wesentlichen Impulse für die Moderne, die in der Gegenwart immer noch erkennbare Wirkungen entfalten werden dabei im „Gesamtblick“ erfasst, wie aber auch die einzelnen Personen und Abläufe „im Kleinen“ nicht zu kurz kommen (Wiedertäufer in Münster, Mystiker und Spiritualität, frühreformatorische Bewegungen außerhalb des engeren Ablaufs in Deutschland, ein breiter Blick auf Calvin und vieles mehr).
Ein Werk, das gerade Recht zum Jubiläumsjahr kommt, um die „rote Linie“ vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart zu ziehen und dabei eher das große Ganze im Blick hält, statt sich in einzelnen Ereignissen aufzureiben. Für Kaufmanns Ziel eine gelungene Darstellung, für Leser, die an einzelnen Punkten gerne vertiefender arbeiten möchten eine gute „Plattform“ als Orientierung. - Jack Holland
Misogynie. Die Geschichte des Frauenhasses
(9)Aktuelle Rezension von: MeaKiaiIn diesem Werk des verstorbenen Autors Jack Holland, wird die Misogynie von der Antike bis zur Gegenwart beleuchtet.
Das Buch ist sehr umfassend und gut recherchiert, allerdings fehlt mir in den einzelnen Kapiteln etwas die Struktur. Vielmehr werden Ereignisse scheinbar lose aneinandergereiht aufgezählt und der Autor kommt schnell von einem zum anderen. Das macht es oft etwas schwierig dem Thema zu folgen. Trotz allem erfährt man viel über die Geschichte der Misogynie und ich habe für mich einige neue Erkenntnisse herausziehen können, gerade was den Ursprung der gegenwärtigen Misogynie angeht.
Auch wenn das Buch ein sogenannter „harter Brocken“ ist, lohnt es sich sich die Mühe zu machen, das Buch von Anfang bis Ende zu lesen.
- Rainer Maria Schießler
Himmel, Herrgott, Sakrament
(20)Aktuelle Rezension von: JourneyGirlEin katholischer Pfarrer aus München, der schon lang einen weltoffenen Weg im 21. Jhd. geht! Der seine Mitmenschen als gleichberechtigte Menschen ansieht, und auch Homosexualität nich als Tabu ansieht, sondern auf erfrischende Weise damit umgeht, dass es das gibt. Das, worüber die katholische Kirche dieses Jahr angefangen hat zu reden, ohne wirkliche Ergebnisse zu erzielen oder Taten folgen zu lassen, hat dieser sympathische Mensch längst verstanden! Schön, dass es auch solche Pfarrer gibt! Ich würde mich freuen, diesen interessanten Priester kennenzulernen und mich mit ihm zu unterhalten! Das Buch war spannend zu lesen und ich musste oft schmunzeln. Eine absolute Leseempfehlung!
- Sue Monk Kidd
Das Buch Ana
(125)Aktuelle Rezension von: Katharina_CizekZum Inhalt:
Schon als kleines Kind zeigt Ana einen außergewöhnlich scharfen Verstand und eine tiefe Faszination für die Welt der Buchstaben und Worte. Sie ist wissbegierig, liebt es, das Geschriebene zu erkunden, und beginnt bald, eigene Geschichten zu erfinden und aufzuschreiben. Doch in Galiläa im Jahr 16 nach Christus ist es Frauen streng verboten, lesen oder schreiben zu können. Ihre Leidenschaft für das geschriebene Wort bleibt daher ein geheimes Feuer, das sie in verborgenen Momenten in sich nährt und heimlich weiter entfacht.
Im Alter von vierzehn Jahren droht Ana jedoch ein Schicksal, das viele junge Frauen ihrer Zeit trifft: Man beschließt, sie mit einem älteren, verwitweten Mann zu verheiraten. Doch gerade, als alles verloren scheint, tritt ein junger Mann in ihr Leben, der sie vor diesem ungewollten Bund rettet. Dieser Mann ist Jesus, und zwischen ihnen entsteht eine tief empfundene Verbindung. Dank seiner Tat und seines Mutes kann Ana dem Schicksal entfliehen und einen neuen Weg einschlagen.
Gemeinsam mit Jesus begibt sich Ana auf eine Reise voller Herausforderungen und unvorhersehbarer Wendungen, eine Reise, die nicht nur ihre beider Leben, sondern die Geschichte selbst verändern wird.Dieses Buch ist mit einer wunderschönen und fesselnden Sprache geschrieben und ein wahres Muss für alle, die von starken Frauenfiguren und einem neuen, faszinierenden Blickwinkel auf die Geschichte von Jesus inspiriert werden möchten. Die Autorin erschafft eine beeindruckende Welt, in der die Stimme einer mutigen, klugen Frau zum Leben erwacht und uns auf eine außergewöhnliche Reise mitnimmt. Für mich war dieses Buch eine wertvolle Bereicherung und ein tief berührendes Leseerlebnis, dass ich jederzeit mit Freude erneut in die Hand nehmen würde.
Meine Bewertung: 9/10























