Bücher mit dem Tag "bildung"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "bildung" gekennzeichnet haben.

127 Bücher

  1. Cover des Buches Animant Crumbs Staubchronik (ISBN: 9783959913935)
    Lin Rina

    Animant Crumbs Staubchronik

    (1.209)
    Aktuelle Rezension von: Lissy_Booklove

    Animant Crumb entstammt einer gut betuchten englischen Familie. Am Tag tut sie meist nichts anderes, als zu lesen, anstatt wie die meisten jungen Mädchen auf gesellschaftliche Veranstaltungen zu gehen und Ausschau nach einem möglichen passenden Ehemann zu halten. Während ihre Mutter sich aber ausgerechnet letzteren Weg für sie wünscht, möchte Animant lieber ihr bisheriges Leben weiterführen - ohne Sorgen, Stress und Herausforderungen. Als ihr Onkel bei einem Besuch erzählt, dass in der Londoner Universitätsbibliothek dringend ein Bibliotheksgehilfe gesucht wird, gerät Animants Plan erstmals ins Wanken. Immerhin sei das doch die ideale Chance, den Heiratsplänen ihrer Mutter zu entkommen, oder? Doch sie hat bei weitem nicht damit gerechnet, dass sie in London viel mehr erwartet, als ihr neuer Beruf, der für eine Frau dieser Zeit gänzlich untypisch erscheint. Animant lernt schnell, sich ihren Platz in der Gesellschaft zu erkämpfen, findet echte Freunde und verliebt sich auch noch in den Bibliothekar Mr. Reed...

    Ich habe vor ein paar Jahren bereits den "Kofferkrimi" gelesen, der aus der Sicht von Animants bester Freundin Elisa geschrieben ist und konnte mich bereits zu Anfang des Buches wieder an bestimmte Verhältnisse erinnern. So habe ich mich auch besonders gefreut, ein paar der bekannten Gesichter wieder zu treffen. Doch auf Animants Geschichte war ich ebenso extrem gespannt und ich wurde von dem Buch vollkommen abgeholt. 

    Wie bereits erwähnt, mochte ich die Figuren rund um Animant, Mr. Reed und Elisa sehr gerne. Animant ist eine kluge und selbstbewusste junge Frau, die es mit voller Bewunderung meinerseits schafft, sich in der damaligen Gesellschaft, in der es Frauen keinesfalls leicht hatten, durchzubeißen und für ihre Interessen und Werte einzustehen. Dies gilt auch für Elisa und ich finde, auch im Bezug auf heutige soziale Ungereimtheiten kann man von den beiden noch einiges lernen. Mr. Reed mag auf den ersten Blick mürrisch und ungehobelt sein, doch er ist der beste Beweis dafür, dass man manche Menschen eben erstmal näher kennenlernen muss, um sich ein wirkliches Urteil bilden zu können. Dies wurde durch seine Rolle, die ebenso gut ausgearbeitet ist, ideal verpackt.

    Was ich an diesem Buch auch sehr geschätzt habe, war der historische Hintergrund. Die ersten Automobile, eine Straßenbahn und revolutionäre Maschinen werden am Rande thematisiert und machen das Buch umso authentischer. Auch die oben angesprochenen sozial gesellschaftlichen Stellenwerte wurden gut eingefangen und doch mit dem nötigen Scharfsinn dargestellt, um den Leser zum Nachdenken anzuregen. Super! Was mir daran besonders gut gefallen hat, war der Ausblick auf das Leben der Arbeiterschicht. So wurde der Gegensatz zwischen dem Leben, mit dem Animant aufwuchs und dem größeren Rest der Stadtbevölkerung besonders deutlich. Dies gilt auch für jüdische Menschen.

    Zuletzt muss natürlich auch der Schreibstil gelobt werden! Ich mochte ja bereits den Kofferkrimi und auch die Staubchronik hat sich so herrlich lesen lassen, dass ich der festen Überzeugung bin, dass sie unbedingt verfilmt werden müssen! Ich glaube das wäre noch ein echter Renner :) Alles in allem ein rundum perfektes Buch.

  2. Cover des Buches Meine geniale Freundin − Kindheit und frühe Jugend. Geschenkausgabe (Neapolitanische Saga 1) (ISBN: 9783518473863)
    Elena Ferrante

    Meine geniale Freundin − Kindheit und frühe Jugend. Geschenkausgabe (Neapolitanische Saga 1)

    (692)
    Aktuelle Rezension von: Egata

    Eines meiner Lieblingsbücher. Die Inhaltsangabe klingt wenig aufregend. Elena und ihre Freundin Lila wachsen im Neapel in der Nachkriegszeit auf, zwischen Mafia und Familienfehden. Aus der Sicht des Kindes und der Jugendlichen erzählt Elena von Höhen und Tiefen des täglichen Lebens, vom Erwachsenwerden und der Armut, aus der sie versucht herauszukommen, indem sie um gute Bildung kämpft. Die Autorin wechselt öfter die Perspektive und erzählt scheinbare Kleinigkeiten so spannend, dass man das Buch nicht weglegen kann. Ich hatte es mir geliehen, aber dann sofort den Folgeband gekauft, auch, weil so viele Fragen offen blieben. 

  3. Cover des Buches Homo Deus (ISBN: 9783406831591)
    Yuval Noah Harari

    Homo Deus

    (167)
    Aktuelle Rezension von: KlausvanBingen

    War das Vorgängermodell noch in weiten Teilen spannend und informativ hat dieses Buch leider ans Ende vom ersten im negativen Sinne angeknüpft. Es gibt eigentlich kaum etwas richtig Fesselndes, sondern nur noch Phrasen, die sich unendlich oft wiederholen.

    Zudem erschienen mir einige Behauptungen wissenschaftlich kaum haltbar und ich musste das Buch irgendwann genervt abbrechen. Leider sein Geld nicht wert...

  4. Cover des Buches Bildung (ISBN: 9783641263089)
    Dietrich Schwanitz

    Bildung

    (314)
    Aktuelle Rezension von: Mike_Leseratte

    Dies ist ein zweigeteiltes Sachbuch. Im ersten Teil geht es wirklich um das Wissen und gibt Informationen wieder. Dabei ist vieles, wovon man gehört hat und wovon man wissen kann und evtl. auch sollte. Dennoch sind einige Punkte sehr ausführlich und voller Fachbegriffe, bei denen ich mich gefragt habe, ob ich den Kontext so genau brauche oder ob man das auch sein lassen kann. 

    Im zweiten Teil geht es dann um das "können". Er beschäftigt sich mit der Anwendung von Wissen und wie man es richtig in der Kommunikation verwendet. Dieser Teil ist zum Glück deutlich kürzer. Er kann hilfreich sein, aber auch hier verliert man sich in Kontextwiederholungen, die bereits im Wissensteil aufgegriffen wurden.


    Grundsätzlich ein grundsolides Buch das meiner Meinung nach die wichtigsten Bereiche des Wissens abdeckt. Ich empfehle aber, bevor man es liest, einen Blick hineinzuwerfen und dann zu entscheiden, ob es wirklich was für einen ist.

  5. Cover des Buches 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert (ISBN: 9783406831607)
    Yuval Noah Harari

    21 Lektionen für das 21. Jahrhundert

    (124)
    Aktuelle Rezension von: Hoffe63

    Es ist einfach nur beneidenswert, diesen Gesamtüberblick zu haben und diese Verknüpfungen zu erstellen. Und dabei schreibt er, anders als der hochgelobte deutsche TV Neuphilosoph, völlig unaufgeregt und weitestgehend wertungsfre. Alle 3 Werke von ihm konnte ich kaum zur Seite legen und mindestens jedes schon 2x gelesen.

  6. Cover des Buches Offene See (ISBN: 9783832165987)
    Benjamin Myers

    Offene See

    (448)
    Aktuelle Rezension von: PunktundKomma

    Der junge Robert hat die Schule beendet und steht vor einer Zukunft, die ihm wenig erstrebenswert erscheint. Nach dem Ende des Krieges bricht er kurzerhand auf, um noch einmal die Freiheit zu spüren und die offene See zu erleben. Auf seiner Wanderschaft gelangt er zu einem abgelegenen Cottage, wo er die unkonventionelle Dulcie kennenlernt. Aus einer zufälligen Begegnung entwickelt sich ein besonderer Sommer, der Roberts Leben nachhaltig verändern wird.

    Myers erzählt mit wenigen Figuren und in einer sehr ruhigen, beinahe kammerspielartigen Atmosphäre. Dabei sind es vor allem seine poetische Sprache und die eindrucksvollen Beschreibungen der Landschaft, die den Roman auszeichnen. Gerüche, Geräusche und kleine Beobachtungen werden so lebendig, dass beim Lesen sofort Bilder vor dem inneren Auge entstehen.

    Robert und Dulcie tragen die Geschichte beinahe allein. Gerade diese Konzentration auf die beiden Figuren hat mir gut gefallen, denn ihre Gespräche und Gedanken entwickeln eine ganz eigene Tiefe. Hinter der stillen Handlung verbergen sich außerdem einige schwere und schmerzhafte Themen, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Der Umgang damit ist jedoch sehr behutsam und gelungen.

    Für mich ist »Offene See« ein starkes, berührendes Buch über die Poesie des Kleinen und einen Sommer, der alles verändern kann. Besonders Leserinnen und Leser, die sprachlich anspruchsvolle und atmosphärische Romane mögen, dürften an diesem Buch Freude haben.

    Mehr dazu hier: https://www.buchleserin.de/2026/09/02/offene-see/

  7. Cover des Buches Ich bin Malala (ISBN: 9783426788271)
    Malala Yousafzai

    Ich bin Malala

    (297)
    Aktuelle Rezension von: Slothready

    Malala Yousafzai kämpft mutig dafür, dass alle Menschen die Chance auf Bildung haben, Lesen und Schreiben lernen dürfen und in Freiheit und selbstbestimmt leben können. Sie kämpft  mit allen Mitteln, riskiert dabei ihr eigenes Leben und wird von den Taliban beinahe getötet. In "Ich bin Malala" erzählt sie ihre Geschichte. Sie erzählt ihre Kindheit im Tal Swat in Pakistan, sie berichtet über die Verhältnisse dort und den Kampf der Menschen ums Überleben, sie erzählt von dem Tragischen Zwischenfall, bei dem sie beinahe gestorben wäre, von ihrem Weg zurück ins Leben und von ihrem Neubeginn im sicheren England.

    Das Buch ist ein beeindruckendes Zeugnis eines sehr mutigen Mädchens. Es eröffnet neue Perspektiven und lässt einen die Gegebenheiten in Pakistan, das Leben der Menschen dort und die Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen haben, etwas besser verstehen. Es hat mich mit Respekt dem jungen Mädchen gegenüber erfüllt, das für Dinge kämpft, die für uns selbstverständlich sind und es ließ mich dankbar zurück, dass ich in einem Land leben darf, in dem der Zugang zu Bildung für alle möglich ist, in dem Frieden herrscht und in dem die Menschen nicht täglich aufs Neue bedroht werden. 

    Der Inhalt von "Ich bin Malala" war großartig und beeindruckend, der Schreibstil war leider zu langatmig und und durch die vielen Eigennamen etwas mühsam zu lesen. Man hätte auch das ein- oder andere Kapitel ruhig etwas kürzer fassen können. Insgesamt war es aber ein tief bewegendes Buch, das einem neue Blickwinkel eröffnet und das ich sehr gerne weiterempfehle, um so manches Geschehen auf der Welt besser verstehen zu lernen.

  8. Cover des Buches Unterm Rad (ISBN: 9783518463529)
    Hermann Hesse

    Unterm Rad

    (848)
    Aktuelle Rezension von: Karandi


    Mit Hermann Hesse bin ich noch lange nicht fertig. Ich habe jetzt drei Werke von ihm gelesen, und er entwickelt sich immer mehr zu einem meiner liebsten deutschen Autoren. Hermann Hesse schafft es, auf so wenigen Seiten so viel Botschaft zu vermitteln und so viel Tiefgang zu erzeugen, wie es manch andere Autoren nicht einmal auf 1000 Seiten schaffen.


    Unterm Rad ist mein drittes Werk von ihm, und auch wenn ich es einen Ticken schlechter bewerte als Der Steppenwolf oder Siddhartha, hat es absolut nichts von seinem Glanz verloren. Mich haben die anderen beiden Bücher einfach noch etwas mehr angesprochen.


    Dennoch ist die Botschaft dieses Buches aktueller denn je und auf jede Leistungsgesellschaft anwendbar: Ein junger Mann mit hervorragenden schulischen Leistungen erfüllt die Erwartungen seines Vaters und ergattert ein Stipendium – was ihm letztendlich zum Verhängnis wird. Er verliert sich im Leistungsdruck. Er verliert sich selbst aus den Augen. Seine Persönlichkeit beginnt, sich in den Vorstellungen anderer zu verlieren.


    Das Buch zeigt sehr eindrucksvoll, was passieren kann, wenn Leistung über dem Menschen steht. Natürlich fordert Fortschritt immer seinen Einsatz und zuweilen auch seine Opfer. Dennoch liegt es an uns, ein gesundes Maß zu finden. Auch wenn der Selbstmord im Buch nicht ausdrücklich ausgesprochen wird – und leider muss ich hier spoilern –, ist die Erzählweise von Hans’ Tod doch so offen gehalten, dass sie Raum für genau diese Interpretation lässt.


    Was mich an Hermann Hesse besonders bindet, ist seine Erzählweise. Obwohl dieses Thema so dramatisch ist, schreibt er in einer so menschlichen und feinfühligen Art, dass es bekömmlich wirkt und dennoch zum Nachdenken anregt.


    Ich kann wirklich jedem empfehlen, in das Universum von Hermann Hesse einzusteigen. Man wird nicht enttäuscht werden.


    Für dieses Buch vergebe ich vier respektvolle Sterne.

  9. Cover des Buches Wie ein Leuchten in tiefer Nacht (ISBN: 9783499020346)
    Jojo Moyes

    Wie ein Leuchten in tiefer Nacht

    (287)
    Aktuelle Rezension von: Lesebesessen

    Alice begegnet dem Mann ihrer Träume 1937 und heiratet ihn. Alice will ihm in die USA folgen, um aus dem kleinteiligen Familienleben rauszukommen. Doch dort angekommen landet sie in dem kleinen Ort Baileyville. Alice wohnt in dem Haushalt des Vaters von Bennet. Doch damit enden die Überraschungen nicht.

    Meinung:

    Ein historischer Roman.

    Alice hatte Erwartungen an das neue Familienleben, doch diese erfüllen sich in keiner Weise. Da bietet sich eine Gelegenheit Bücher einer Satteltaschenbibliothek auszuführen zur Unterstützung von Margery gerade recht. Die Idee stammt von der Gattin des amerikanischen Präsidenten Eleanor Roosevelt und Margery übernimmt in der Bibliothek die Organisation. Doch in Margery findet Alice nicht nur eine Freundin, sondern sie findet auch durch das Reiten in der freien Landschaft eine neue Freiheit und die Dankbarkeit der Kinder und Erwachsenen, die endlich Gelegenheit bekommen, etwas lesen zu können.

    Die Geschichte beginnt 1937 und offenbart gleich mehrere besondere Probleme. Einerseits die vorbestimmte Rolle einer Frau in einer Familie vor fast hundert Jahren. Gewalt in der Familie. Schwach entwickelte Infrastruktur in ländlichen Gegenden. Abhängigkeiten von gesundheitsgefährdenden Arbeitsplätzen in Gegenden, in denen es keine alternativen Arbeitsplatzangebote gibt. Spätfolgen der Prohibition und vieles mehr.

    Zu Margery und Alice kommen später noch andere Frauen hinzu und diese bestärken sich gegenseitig, bilden eine feste Gemeinschaft und beginnen sich in gewissem Umfang freizukämpfen. Der Roman hat mich mit den Herausforderungen und Prüfungen mitgerissen. Zum Finale hin wird alles auf den Prüfstand gestellt.

    Fazit:

    Fesselnde Aufarbeitung vieler Probleme früherer vorbestimmter Strukturen: fünf Sterne.

  10. Cover des Buches Das verborgene Wort (ISBN: 9783328105404)
    Ulla Hahn

    Das verborgene Wort

    (179)
    Aktuelle Rezension von: la_vie

    Ich war wirklich sehr gespannt auf "Das verborgene Wort" von Ulla Hahn. Ein Mädchen, das im Nachkriegsdeutschland um ihr Recht auf Bildung kämpft. Die Idee fand ich wirklich gut und wichtig. Leider konnte mich die Autorin gar nicht erreichen. Die Geschichte war eine Aneinanderreihung von völlig unzusammenhängenden Momentaufnahmen. Erst geht es um ein verschwundenes Kaninchen, das dann auf dem Essenstisch landet, dann wird von einem Besuch eines Glasbläsers in der Schule erzählt, im nächsten Moment geht es um die Erfahrungen der Menschen im Nationalsozialismus. Ich habe einfach nicht verstanden, was mir die Autorin sagen wollte. 

    Was aber das Lesen noch viel anstrengender gemacht hat, war der ständige Wechsel zwischen Hochdeutsch und rheinischem Platt. Es fiel mir total schwer, den Dialekt zu verstehen. Teilweise kam ich mir richtig doof vor, weil ich ständig in den Fußnoten nachlesen musste, was das bedeuten soll. Hat den Lesefluss leider total kaputt gemacht.

    Ich breche wirklich selten Bücher ab. Aber bei diesem könnte ich nach 100 Seiten nicht mehr. 

  11. Cover des Buches Ein Gentleman in Moskau (ISBN: 9783548290720)
    Amor Towles

    Ein Gentleman in Moskau

    (156)
    Aktuelle Rezension von: Petra_de_Zamagna

    Warum schreibt ein amerikanischer Schriftsteller, der keine russischen Wurzeln hat oder die russische Sprache spricht oder Historiker wäre, über das Russland in der beginnenden Sovjetzeit? Der Roman erzählt von einem aus der Zeit gefallenen Grafen, der natürlich im Arbeiter- und Bauernstaat des aufstrebenden Kommunismus, nichts zu sagen hatte, eigentlich untergehen hätte müssen. Stattdessen rettet er sich über  viele unwirtliche Sovjetrussland-Jahre, weil er eingesperrt im Nobelhotel Metropol im Dachgeschoss seine Zeit fristen darf.

    Nun Amor Towles scheint die Idee bei mehreren Aufenthalten in Luxushotels in der Schweiz bekommen zu haben, wo er wiederholt dieselben Leute antraf. Das Thema Hausarrest ist aber ein typisch russisches Phänomen, das es schon zu Zarenzeiten gegeben hat und so transportierte er die Handlung nach Russland. Vielleicht macht genau das den Roman so charmant und leichtfüssig, es gibt keine persönliche Bitterkeit oder sogar politische Agenda des Autors.

    Es ist als ob Towles die berühmten Zeilen des persischen Sufi-Mystikers 'Rumi' gelesen hätte und in diesem Roman zum Leben erweckt:

    "Sei nicht hoffnungslos, halte Hoffnung, o Herz! / Im Verborgenen liegen viele Wunder, o Herz! / Soll die Welt es auf dein Leben abgesehen haben, lass des Freundes Rock nicht los, o Herz."

    Und wir Leser leben mit dem Grafen zwar das Leben eines Eingesperrten, allerdings in einem komfortablen Luxushotel, wo es immer auch wieder Arbeiten gibt, die der Graf gerne bereit ist, kostenlos zu unterstützen. Überdies sehen wir mit seiner Innensicht dennoch auch, was sich im Draussen abspielt, denn es kommen Freunde zu Besuch und andere Personen, die draussen aus und ein gehen, verkehren mit ihm auf freundschaftlicher Basis. So erleben wir, wenn auch durch die Fernbrille, wie  die Leute immer mehr den Sowjet-Manövern ausgeliefert sind - selbst wenn sie Anfangs glühende Verehrer des Systems sind. Auch die Freunde des Grafen gehen und verwehen - aber ihm bleibt oft ein weiterer Grund, sich ins Leben einzubringen. So wird er auch für die Erziehung eines Kindes verantwortlich, als die Mutter dem in den Gulag geschickten Mann folgen möchte.

    In der Stille des Hotels werden also Freundschaften geschlossen, Liebesbeziehungen begonnen, Arbeitsverhältnisse gestartet, Kochkünste und Weindegustationen zelebriert - und immer wieder zeigt sich auch die kommunistische Welt, weil Parteileute die Etablissements des Hotels nutzen . Der Graf bleibt aber besonnen und kümmert sich um das Nahegelegene.

    Der Clou ist beinahe, dass ein hoher Sovjetfunktionär mit Namen Ossip Iwanowitsch Glebnikow (ist es nicht sogar Stalin selbst, der ja aus Georgien stammte und mit Vornamen Josip also Josef hiess und der Literatur und Kultur bewunderte, obwohl er selbst aus einfachsten Verhältnissen als Sohn eines Schusters stammte?) sich eines Tages in Privatstunden beim Grafen französisch und westliche Sitten beibringen läßt. Im völlig abgeschotteten Bereich einer streng bewachten Hotelsuite treffen sich die zwei, sehr respektvoll und die Lehrstunden finden über eine lange Zeit statt.

    Voller unerwarteter Wendungen ist das Leben des Grafen Rostov, so dass das Buch trotz 500 Seiten nie langweilig wird. Was in den 1920er Jahren begonnen hat, endet dann 1954. Eine Zeit des Umbruchs auch in Russland, als nach dem Tode Stalins 1953 ein Machtkampf über die Nachfolge entsteht. Der Graf, diesmal mitten drin im Geschehen, weil er als Oberkellner gewisse Einblicke in die sich positionierenden Anwärter der Nachfolge (hier mit tatsächlichen Namen benannt als Chruschtschow und Malenkov bzw. Beria) erkennen kann und diese Information nutzt, um sowohl für seine Ziehtochter als auch für sich selbst einen günstigen Augenblick zu nutzen.


    Ein wunderbares Buch von Anfang bis Ende - voller Menschlichkeit und Philosophie und Konzentration auf Ort und Zeit. Ein herausragender aktueller Schriftsteller.


  12. Cover des Buches Miroloi (ISBN: 9783446261716)
    Karen Köhler

    Miroloi

    (195)
    Aktuelle Rezension von: bibliophilara

    Das zweite Buch, das ich für mein Literaturseminar in diesem Semester gelesen habe, ist „Miroloi“ von Karen Köhler. Der 2019 veröffentlichte feministische Roman sagte mir bisher gar nichts, obwohl er definitiv nicht erfolglos war. Schaut man sich die Rezensionen aus gängigen Feuilletons von Köhlers Debütroman genauer an, fällt auf: „Miroloi“ ist teilweise heftigst zerrissen worden, insbesondere von Männern. Egal ob Deutschlandfunk, Die Zeit oder die Welt; in vielen Kritiken wird kaum ein gutes Haar an dem Werk gelassen. Weibliche Rezensentinnen lobten den Roman hingegen meist für seine kraftvolle Sprache und sein Female Empowerment. Bei solch ambivalenten Kritiken war ich natürlich gespannt, wie gut oder schlecht „Miroloi“ in Wahrheit ist. 

    Die namenlose weibliche Hauptfigur ist 16 Jahre alt und lebt auf einer kleinen Insel in Griechenland, die alle nur die schöne Insel nennen. Obwohl die junge Frau mindestens in den 1980ern auf der Insel lebt, ist diese doch massiv archaisch. Es gibt keinen Strom, keine Autos und kein fließend Wasser. Die Gesetze, die vom Ältestenrat gemacht werden, sind stark religiös geprägt. Die junge Frau ist auf der Insel eine Außenseiterin, denn sie war ein Findelkind, das ursprünglich nicht von der Insel kommt. Weil ihre Eltern unbekannt sind, bekommt sie nach den Inselgesetzen keinen Namen. Sie wird von den meisten im Dorf wie eine Aussätzige behandelt. Als ihr Fluchtversuch vor einigen Jahren scheiterte, band man sie zur Strafe an einen Pfahl auf dem Dorfplatz und brach ihr anschließend das Bein. Da es keinen Arzt auf der Insel gibt, ist das Bein nicht sauber zusammengewachsen, weshalb sie seitdem das Bein leicht nachzieht. Ihren Alltag verbringt sie damit, die Haushälterin des Bethaus-Vaters zu sein und den Glockenturm zu läuten. Doch dann begegnet sie Yael, einem Betschüler aus der Siedelei auf der anderen Seite der Insel. Sie verliebt sich auf den ersten Blick, doch sie gilt als Missgeburt und wird niemals einen Mann heiraten dürfen. Schon gar nicht einen, den sie selbst gewählt hat. 

    „Eselshure. Schlitzi. Nachgeburt der Hölle.“, sind die ersten drei Sätze des ersten Kapitels. Hier gewinnt man schon den ersten Eindruck von den stakkatohaften Sätzen und der Tatsache, dass vor Vulgärsprache nicht zurückgeschreckt wird. Diese Schimpfworte hört die namenlose Protagonistin fast täglich. Es wird ihr von Kindern und anderen Dorfbewohnern hinterher gerufen. Denn sie wurde nicht auf der schönen Insel geboren. Sie kommt aus einer unbekannten Welt, die man auf der Insel nur als „Drüben“ bezeichnet. Weil man ihre Eltern nicht kennt, trägt sie als einzige im Dorf keinen Namen. Auf über 450 Seiten und 128 Kapiteln, die hier als Strophen bezeichnet werden, verfolgt man ihren Kampf um Selbstermächtigung und Auflehnung gegen patriarchale Systeme. Dass die Kapitel hier Strophen sind, ist kein Wunder. Denn der nichtssagende Titel „Miroloi“ ist ein Klage- oder Totenlied aus dem griechisch-orthodoxen Glauben. Da die Namenlose nicht zur Gemeinschaft gehört, keinen Besitz haben darf und sie als Unglücksbringerin gilt, wird sie nach ihrem Tod jedoch niemand besingen: „Mein Miroloi muss ich mir selber singen, damit kann ich nicht warten, bis ich gestorben bin, sonst wird es mich nie gegeben haben“ (S. 10).

    Die namenlose Ich-Erzählerin arbeitet als Haushälterin für den Bethaus-Vater, der sie gefunden und aufgezogen hat. Er ist die höchste religiöse Figur des Dorfes und damit eine Respektsperson. Er hält seine schützende Hand über sie. In seiner Nähe traut sich niemand, sie zu beleidigen oder anzuspucken. Insgesamt ist er für sie wie ein Vater. Und auch, wenn es kleinere Konflikte zwischen ihnen gibt, ist das Verhältnis dennoch gut. Außerdem ist sie die Glöcknerin des Dorfes, was ironisch ist, weil sie ein Bein nachzieht. Anfangs ist die Protagonistin naiv, dümmlich und ungebildet, denn Frauen in ihrem Dorf ist es nicht gestattet, lesen und schreiben zu lernen. Jedoch bringt der Bethaus-Vater es ihr heimlich bei. Es ist etwas, das sie teilen und miteinander verbindet. Damit offenbaren sich ihr Geheimnisse, die ihr sonst verborgen geblieben wären. Und schrittweise beginnt sie zu begreifen, in was für einem unterdrückerischen und ungerechtem System sie lebt. Ich fand sie nicht immer sympathisch und auch nicht immer nachvollziehbar, z.B. als sie aus reiner Wut heraus ihre Katze treten wollte. Aber ich bewundere doch ihren Mut, sich gegen die zahllosen Ungerechtigkeiten zur Wehr zu setzen.

    Köhlers Schreibstil ist stark an die Ich-Perspektive angepasst und anfangs schlicht und wiederholend. Die Namenlose hat zu Beginn eine sehr kindliche Perspektive auf die Welt und mit ihrem limitierten Vokabular sowie den schrägen Neologismen wird ihre eingeschränkte Wahrnehmung gut unterstrichen. Später lernt sie aber bspw. den Konjunktiv zu nutzen und sich sprachlich zu entfalten. Hinzu kommen viele Begriffe, die von der fiktiven Religion der Insel geprägt sind, wie Pujachatt (Gottesdienst), Kanah oder Satvastan. Auch die Atmosphäre der kleinen griechischen Insel mit ihrer Natur, Architektur und Esskultur wird wunderbar eingefangen. Wenn von Schafskäse mit Oliven und summenden Bienen im sonnigen Gemüsegarten geschrieben wird, entsteht das Bild eines trügerischen Paradieses, das für Frauen aber zur Hölle auf Erden wird. Das Tempo ist überwiegend langsam, denn die alltäglichen Rituale werden ausführlich geschildert. Trotzdem ist es nicht langweilig und ab der zweiten Hälfte spitzen sich die Konflikte deutlich zu. Köhlers experimenteller Stil funktioniert aber leider nicht immer gut. Als die zwölfte Strophe bspw. aus einer Auflistung aus Substantiven besteht, die die Namenlose kennt, und sie sich stellenweise wiederholt, habe ich mich unironisch gefragt: Was ist das für ein Scheiß? Ein anderes Kapitel besteht nur aus der Wiederholung des Namens ihres Angebeteten mit alternierenden Satzzeichen. Kostprobe gefällig? „Yael Yael Yael Yael Yael Yael. Yael Yael Yael Yael, Yael Yael Yael Yael Yael Yael Yael Yael.“ (S. 213) Und das Veröffentlichen leerer Seiten als Kapitel, um die innere Leere der Protagonistin wiederzugeben, das gab’s schon bei Stephenie Meyers „Bis(s) zur Mittagsstunde“. Und das ist gewiss auch kein literarischer Geniestreich. Nicht zu vergessen: Die Dialoge sind wie Stichpunkte aufgelistet, sodass stellenweise nicht klar ist, wer gerade redet. Anführungszeichen gibt es im gesamten Buch nicht. Stilistisch finde ich den Roman also gleichermaßen außergewöhnlich wie abgedreht.

    Religiosität spielt auf der schönen Insel eine besonders große Rolle. Der Glaube ist zwar fiktiv, hat aber starke Parallelen zur griechisch-orthodoxen Kirche. Das Glaubensbuch, die Khorabel, ist ein Wortspiel mit Koran, Thora und Bibel. Allerdings ist der Glaube auf der Insel nicht monotheistisch, sondern polytheistisch. Sie glauben an drei männliche Götter: den Schöpfer, den Bewahrer und den Zerstörer. Der Ältestenrat, der aus 13 Männern besteht, bestimmt die Gesetze auf der Insel, die von der Außenwelt völlig abgeschnitten ist. Sobald Mädchen menstruieren, werden sie verheiratet, wobei der Rat jedes Jahr die Bräutigame auswählt. Die Mädchen haben kein Mitspracherecht. Fluchtversuche von der Insel stehen unter Strafe, sie ist also ein Gefängnis für die Bewohner. Mit dem Glaubensbuch wird die Unterdrückung von Frauen legitimiert. Die Religion ist hier also ein missbräuchliches Mittel zum Zweck. Grundsätzlich ist dieser Roman inhaltlich harter Tobak. Es geht um häusliche und sexuelle Gewalt inklusive Vergewaltigung, Folter, Tierquälerei, Mobbing und Hinrichtungen. Solltet ihr für einen dieser Trigger anfällig sein, seid bei der Lektüre bitte vorsichtig! „Miroloi“ ist also nicht nur feministisch, sondern auch religionskritisch.

    Der Plot ist stellenweise wirklich harter Tobak, umso weniger verwunderlich ist es, dass auch das Finale brutal und grausam ist. Das Ende bleibt leider enttäuschend offen. Viele Fragen bleiben unbeantwortet, bspw. wer die Eltern der Protagonistin sind. Und auch ein weiterer Aspekt hat mich gestört: Die Namenlose verliebt sich in den Betschüler Yael. Eigentlich nur, weil er ein hübsches Gesicht und Locken hat. Dann trifft sie ihn in einem unbeobachteten Moment wieder, und sie fallen übereinander her wie Tiere. Es gibt keinen starken Dialog, keine Chemie zwischen den beiden. Beim zweiten Treffen schlafen sie sofort miteinander, dabei ist Yael rücksichtslos, tut ihr weh und scheint nur auf seine eigene Befriedigung zu achten. Und trotzdem himmelt sie ihn weiter an? Ich erwarte keine starke Romantik von diesem Roman, aber ein bisschen mehr Tiefe hätte ich von der Beziehung zwischen den beiden doch erwartet. Das ist für mich der größte Schwachpunkt an „Miroloi“.

    Es fällt mir schwer, ein faires Urteil über „Miroloi“ zu fällen, wo meine Eindrücke doch so ambivalent sind.
    Einerseits bewundere ich Karen Köhlers Mut, formal und sprachlich neue Wege zu gehen, und schätze die eindringliche Auseinandersetzung mit patriarchaler Unterdrückung, religiösem Machtmissbrauch und weiblicher Selbstermächtigung. Andererseits schießt der experimentelle Stil immer wieder übers Ziel hinaus, einige formale Spielereien wirken eher prätentiös als gewinnbringend, und vor allem die Liebesgeschichte konnte mich überhaupt nicht überzeugen. Auch das offene Ende hinterlässt mehr Frust als Nachhall. Dennoch hat Karen Köhlers Debütroman diese literaturkritische Zerfleischung absolut nicht verdient. Der Rezensent von Deutschlandfunk geht so weit zu behaupten, der Roman sei in Wahrheit ein Jugendbuch und er würde nur deshalb wohlwollend kritisiert werden, weil er Feminismus behandle. Es ist spannend, wie substanzlos die Verrisse männlicher Rezensenten sind. Vielleicht, weil die Welt eines ungebildeten, religiös indoktrinierten und hinterwäldlerisch lebenden Mädchens zu weit weg von ihrer eigenen Biografie ist. „Miroloi“ aus dem Jahr 2019 ist zweifellos ein außergewöhnlicher und diskussionswürdiger Roman, der viel wagt und ebenso viel polarisiert. Mich hat er nicht restlos überzeugt, aber ich kann ihn vor allem jenen empfehlen, die offen für experimentelle Literatur mit feministischen und religionskritischen Themen sind. Deswegen erhält diese ungewöhnliche Lektüre von mir gute drei von fünf Federn.

  13. Cover des Buches Die Geschichte eines neuen Namens − Jugendjahre (Neapolitanische Saga 2) (ISBN: 9783518469521)
    Elena Ferrante

    Die Geschichte eines neuen Namens − Jugendjahre (Neapolitanische Saga 2)

    (376)
    Aktuelle Rezension von: Egata

    Dies ist der zweite Teil der Neapolitanischen Saga. Die Freundinnen sind nun sechzehn. Beide gehen unterschiedliche Wege, bleiben aber stets in Kontakt. Während Lila vergewaltigt wird und unglückliche Jahre verbringt, konzentriert sich Elena auf Schule und Studium, ist aber dennoch nicht zufrieden. Die Autorin schildert die schwierige finanzielle Situation, das Leben mit der so selbstverständlichen Gewalt und den Kampf der beiden jungen Frauen, das Beste daraus zu machen. Das ist wieder einfühlsam und fesselnd erzählt.

  14. Cover des Buches Britannica & ich (ISBN: 9783548607757)
    A. J. Jacobs

    Britannica & ich

    (115)
    Aktuelle Rezension von: Trishen77

           "Sag niemals nein zu Abenteuern. Sag immer ja, sonst führst du ein totlangweiliges Leben."
    Ian Fleming

    A. J. Jacobs ist ein Mann für Abenteuer der besonderen Art. Ein Jahr nach der Bibel leben ( Die Bibel und ich ), immer die Wahrheit sagen und, in diesem Buch, einmal die gesamte Encyclopaedia Britannica durchlesen (Über 32000 Seiten, ca. 44 Millionnen Wörter) um zum klügsten Mann der Welt zu werden - oder zumindest hier und da mit neuem Wissen angegeben zu können.

    Erinnern wir uns alle nicht aus unser Schulzeit nicht nur noch an Bruchstücke und unvergessliche Taten von Mitschülern, Macken von Lehrern, und legendären heiklen Themen. Auch A. J. Jacobs geht es so, das Schul- und Collegewissen verschwindet zunehmend im Nebel der Vergangenheit. In Nachfolge seines Vaters (der allerdings nur bis zu M oder L kam, dem Jacobs aber hier auch zwischen den Zeilen ein wunderbares Denkmal gesetzt hat) beschließt er daher, einmal das legendäre Lexikon durchzulesen. Und berichtet über seine Erfahrungen in diesem Buch, immer pointiert.

    "-Casanova-
    Der berühmte Schürzenjäger des 18. Jahrhunderts verbrachte seinen Lebensabend als Bibliothekar. Könnte Bibliothekare damit nicht ihr Image aufpolieren?"

    Mehr durch die Lektüre und einzelne Stichworte angeregt, als darauf gegründet, erzählt Jacobs von den Versuchen, sein neu erworbenes Wissen an den Mann zu bringen, von allerlei neuen Erkenntnissen, ulkiger bis erstaunlicher Art, aber auch von der lieben Familie und den Alltagssorgen dieses Jahres, in der er die Britannica zu seinem Ein und Alles machte. Und letztlich geht es auch immer wieder darum, was Wissen, Intelligenz und Erkenntnis nun mit einander gemein haben und was von beidem wichtiger oder hilfreicher ist. Denn was hilft einem Wissen, wenn man nicht intelligent genug ist, es richtig anzuwenden? Und was hilft es, wenn man weiß, dass Opossums dreizehn Nippel haben?

    "-Hollywood-
    Gegründet von Horace Wilcox, >>einem Prohibitionisten, der sich eine Gemeinde vorstellte, die nach seinen nüchternen religiösen Prinzipien lebte<<. Also, dass halb Hollywood bei den Anonymen Alkoholikern rumhängt, war mir bekannt. Davon abgesehen wäre Mr. Wilcox höchstwahrscheinlich not amused."

    Das Buch ist vor allem ein großer Spaß und auch wenn es Erstaunliches und Faszinierendes zutage fördert, ist es trotz der Thematik mehr ein spielerisches, denn ein ernstes Buch. Die Lektüre der 400 Seiten vergeht wie im Flug. Manches Mal ist Herr Jacobs zwar allzu sehr in seinen Abschweifungen gefangen, aber auch dabei kommen immer wieder erstaunliche Geschichten heraus. Am Ende fühlt man sich dann schon sehr bereichert. Vielleciht nicht mit Wissen, aber mit allerlei erfahrener Lesefreude. Und spätestens wenn Jacobs so geniale Einschübe, macht wie etwa eine Liste von Dingen, durch die man ganz sicher selbst in die Britannica aufgenommen wird (Gedichte schreiben, am besten Surreale, sich enthaupten lassen oder eine erfolglose Expedition zum Nordpol führen) hat das Buch im Herzen des Lesers einen Platz als Kuriosität sicher!

    Ach ja übrigens: Erdbeeren, Himbeeren und Brombeeren sind gar keine Beeren! Dafür Banane und Kürbis.

  15. Cover des Buches Die Geschichte der Kunst (ISBN: 9780714891378)
    Ernst H Gombrich

    Die Geschichte der Kunst

    (26)
    Aktuelle Rezension von: DanielaSchneiderheinze
    Ich liebe Schönes, aber ich umgebe mich nicht tagtäglich damit. Ich verstehe nicht immer, was manche Hypes auf sich haben. In diesem Werk wird erklärt, was für mich vorher im Nebel war. Ein Lesen wird kein Studium ersetzen, aber nachhaltig beeindrucken. Eine Empfehlung für alle Kunstinteressierten, die etwas hinter die Kulissen schauen wollen.
  16. Cover des Buches Meine geniale Freundin - Das Hörspiel (ISBN: 9783844540871)
    Elena Ferrante

    Meine geniale Freundin - Das Hörspiel

    (57)
    Aktuelle Rezension von: Nelebooks

    Inhalt (LB): "Im Alter von 66 Jahren erfüllt sich Lila einen Traum: Sie verschwindet von einem Tag auf den anderen. Zurück bleibt ihre beste Freundin Elena und schreibt ihre gemeinsame Geschichte nieder: In den 1950er Jahren wachsen sie am Rande Neapels auf. Elena erzählt vom Alltag der kleinen Leute, vom Zugschaffner Donato, der Gedichte schreibt, vom tyrannischen Don Achille, von den Solara-Brüdern, die sonntags mit ihrem Auto den Corso abfahren. Von Mädchenträumen und erster Liebe. Doch auch wenn ihre Lebenswege nicht parallel verlaufen, da Elena das Gymnasium besuchen darf, als Lila schon auf ihre Hochzeit zusteuert, bleibt eines unverbrüchlich: ihre Freundschaft."

    Cover: Das Cover finde ich sehr harmonisch. Es wirkt ruhig und zeigt und zeigt schon zwei Mädchen als Freundinnen, was zu dem Titel passt. Ich finde es ansprechend.

    Sprecherin: Die Sprecherin liest sehr gut, so dass man ungestört hören konnte. Auch werde ich gerne wieder etwas von ihr anhören.

    Meinung: Immer wieder musste ich mich bei dieser Geschichte auf das Zuhören konzentrieren, da es doch einige langatmige (und damit uninteressantere) Stellen gab. Durchaus gab es auch interessante Stellen und zeitweise fühlte ich mich ganz gut unterhalten, aber alles in allem konnte mich diese Geschichte leider nicht wirklich erreichen und begeistern.

  17. Cover des Buches Streulicht (ISBN: 9783518431290)
    Deniz Ohde

    Streulicht

    (83)
    Aktuelle Rezension von: Radagast

    Dieser Roman hatte mich von Anfang an voll abgeholt. Abgesehen von den Protagonisten, der Handlung und dem Schreibstil ging mir dieses Buch an mein Herz. Liegt daran das es Themen aufgreift die wenig spektakulär sind. Momente beschrieben werden die zwar auf den ersten Blick nicht relevant für die Handlung sind, aber im Gesamten alles abrundet.
    Ein Vater der in seiner Blase gefangen ist. Sicherheit darin findet diese Blase nicht zu zerstören. Seine Verzweiflung trinkt er sich weg und auch um sozialen Abstand zu wahren. Die Mutter mit einer schwierigen Vergangenheit versucht mit ihren Möglichkeiten ein annehmbares Leben zu leben. Die Tochter selbst introvertiert und durchaus schlau sucht in ihrer Jugendzeit den Weg ins Leben zu finden.
    Dieser Weg ist für die Tochter steinig. Lehrer, Nachbarn und Freunde werten sie teilweise ab. Vor allem ihren Schuljahre sind harte Jahre. Sie verlässt die Schule und kommt wieder zurück zur Abendschule. Von der Abendschule ins Gymnasium um das Abitur zu machen. Damit sie endlich etwas wert ist.
    Der soziale Spießrutenlauf zeigt auf wie es ist anders zu sein. Anders zu sein dass man normal wirkt und doch nicht dazu gehört, weil man für andere gefühlt nichts tut. Dieses unsichtbar sein und doch mit schwimmen wollen auf eigene Art, lässt sie durch das gesellschaftliche Raster fallen.
    Dieses Buch ist mein Highlight 2025. Dieser Roman hat mich berührt und an Stellen meiner Seele wo ich dachte: "Das hast du im Griff". 

  18. Cover des Buches Die Menschen, die es nicht verdienen (ISBN: 9783499271083)
    Michael Hjorth

    Die Menschen, die es nicht verdienen

    (231)
    Aktuelle Rezension von: Gute_Nacht

    Inhalt 

    Sebastian Bergman ist Kriminalpsychologe, hochintelligent und liebt die Herausforderung.

    Aber reicht das aus, um Leben zu retten?

    Gerade noch hatte der Fernsehstar Mirre den Erfolg vor Augen - jetzt ist er tot. Mit einem Bolzenschuss in den Kopf hingerichtet. Seine Leiche findet man in einem Klassenzimmer, an einen Stuhl gefesselt. An Mirres Rücken einen Fragebogen geheftet. Seine Leistung: mangelhaft. Er hat nicht bestanden. UndMirres Tod ist nur der Anfang.

    Während die Reichsmordkommission nach Spuren in Mirres Umfeld sucht, stößt Kriminalpsychologe Sebastian Bergman auf eine andere Fährte. Jemand spottet über die fehlende Bildung von Menschen, die im Rampenlicht stehen. Die trotz ihrer Vorbildfunktion keine sind. Die ihren Erfolg nicht verdienen.

    Sebastian will den Mörder aus der Reserve locken und ihn mit seinen eigenen Mitteln schlagen. Ein tödlicher Fehler …


    Fazit 

    Die Geschichte gefällt mir sehr gut, doch hat sie für meinen Geschmack überlänge, eine etwas straffere und kürzere Handlung wäre angenehmer gewesen.

  19. Cover des Buches Baustellen der Nation (ISBN: 9783548069821)
    Philip Banse

    Baustellen der Nation

    (34)
    Aktuelle Rezension von: lilli1906

    Dieses Buch habe ich mit großem Interesse gelesen. Es fiel mir nicht so leicht, da ich gemerkt habe, dass mir viel Fachwissen fehlt, aber die beiden Autoren haben es geschafft, mir viele Zusammenhänge zu erklären und mir zu verdeutlichen, dass ich bei vielen "Baustellen" oft nur die Spitze des Eisbergs gesehen habe. Z.B. dachte ich ganz naiv, dass es ein wichtiges Ziel unserer Regierung sein müsse, Staatsschulden abzubauen und neue zu vermeiden. Dieses Buch hat mir klargemacht, dass das zu einfach gedacht ist. Und so ging es mir bei sehr vielen Themen.


    Wahrscheinlich ist das Buch nicht für jeden geeignet, es ist nun mal ein Sachbuch mehr eher "trockenem" Stoff. Interessiert man sich so gar nicht dafür, wird man das Buch wahrscheinlich schnell wieder aus der Hand legen. Aber ich fand es sehr gut - auch wenn ich für das Lesen länger gebraucht habe.


    Sehr gut gefallen hat mir auch, dass die Autoren es tatsächlich schaffen, die Komplexität der Probleme darzustellen und nicht einfach irgendeine Lösung zu präsentieren. Ich bin froh, es gelesen zu haben, es hat mich definitiv weiterbilden können.

  20. Cover des Buches Hillbilly-Elegie (ISBN: 9783548377636)
    J. D. Vance

    Hillbilly-Elegie

    (57)
    Aktuelle Rezension von: Johann_Baier

    Die Lebensgeschichte des Running Mate von Trump ist interessant, aber sie trägt wenig dazu bei, den Wahlsieg Trumps oder Vances Entscheidung, Trump zu unterstützen, zu erklären. Das Buch beschreibt den Weg von J.D. Vance aus einer armen Arbeiterfamilie Ohios mit Wurzeln in der Hillbilly-Kultur Kentuckys an die Elite-Uni Yale, ergänzt um einige Kommentare eines gemäßigten Republikaners.  Die Botschaft, die er seinen Lesern nahebringen will, ist: die Armen sollen nicht auf den Sozialstaat bauen, sondern auf die eigene Kraft, auf die Familie und auf die Kirche. Die Ursache für ihre Armut sind seiner Meinung nach nicht die bösen Politiker, nicht die bösen Konzerne, sondern ihre Faulheit und geringe Wertschätzung der Bildung.

    Er kann sich nicht erklären, warum ein Drittel aller armen Weißen glaubt, dass Obama ein Moslem ist, der Amerika zerstören will, und warum noch mehr Weiße glauben, dass Obama kein Amerikaner ist und deshalb kein Recht hat, Amerika zu regieren. Er kritisiert diese Verschwörungstheorien, nicht nur weil sie falsch sind, sondern weil sie eine Rechtfertigung für die eigene Armut, und vor allem für die eigene Passivität liefern: warum soll ich mich bemühen, voran zu kommen, wenn das Land von Verbrechern regiert wird? Die sind an allem schuld, es geht bergab mit Amerika, ich kann nichts machen außer fluchen und trinken.

    Das Buch wurde während der Amtszeit Obamas geschrieben, als die Tea-Party-Bewegung mit diesen Lügen und Hassklischees gegen Obama mobilisierte. Die Wählerschaft Trumps gab es offenbar schon vor Trump. Warum Vance heute Trump unterstützt, der in seiner ersten Amtszeit die Armut der weißen Arbeiterschicht nicht verringert hat, ist aus dem Buch nicht zu erklären. Insbesondere wo seiner Meinung nach der Staat sowieso nicht die Lösung ist, sondern das Individuum, die Familie und die Kirche. In seinem Buch vermeidet Vance es, den Sozialstaat komplett zu verdammen, weil er nur mit dessen Hilfe aus der Armut nach Yale gekommen ist. Nun ist er Teil einer Regierung, die den Sozialstaat verdammt.

    Interessant an dem Buch ist, dass das Negativklischee, das die armen Weißen von Schwarzen, Einwanderern und Flüchtlingen haben – faul, kriminell, gewalttätig, unfähig, mit Geld umzugehen, Neigung zu Drogen und Alkohol, frühe Schwangerschaften, verantwortungslose Väter, instabile Familien, Ausnutzung des Sozialstaats (welfare queen) – auch auf sie selbst zutrifft. Sie regen sich darüber auf, dass der Sozialstaat den Schwarzen und Einwanderern hilft, nehmen den Sozialstaat aber trotzdem selbst in Anspruch und wählen eine Partei, die ihn abschaffen will, obwohl es ihnen dann noch schlechter gehen wird. Diese Irrationalität ist eine Erklärung des Phänomen Trump.

    Das Buch bestätigt eine Beobachtung, die auch in anderen Studien und Erfahrungsberichten gemacht wird: Lernen in der Schule gilt in der ‚Unterschicht‘ als unmännlich, nur etwas für Frauen, Weicheier und Schwuchteln. Die männlichen Schulabbrecher sorgen für Gewalt, Kriminalität und ungewollte Schwangerschaften, um die sie sich dann nicht kümmern und die das Leben der eigentlich qualifizierten Mütter ruinieren. Diese Männer wählen auch gerne Parteien, die Machos wie sie an der Spitze haben und starke Frauen hassen. Der Rechtspopulismus bringt das Widerlichste der Männerwelt ans Tageslicht.

  21. Cover des Buches Willkommen im Meer (ISBN: 9783426519110)
    Kai-Eric Fitzner

    Willkommen im Meer

    (75)
    Aktuelle Rezension von: martina400

    „Meine Tochter ist bei Weitem zu intelligent, um sich einer staatsbürgerlichen Kategorie unterzuordnen“, sagt Mutter streng. „Und Tim ebenfalls. Sie Deutsche zu nennen, kommt einer Beschimpfung gleich.“ S. 183

    Inhalt:
    Tim ist neu an der Schule unterrichtet an einem Gymnasium. Allerdings geht er nicht nach einem Buch vor, sondern spornt die Jugendlichen an sich ihre eigene Meinung zu bilden, Dinge kritisch zu hinterfragen und für etwas einzustehen. Dabei zieht plötzlich ein Schüler bei ihm ein und er befindet sich mitten in einem wilden Krieg des Schulsystems.

    Cover:
    Das Cover ist auffällig bunt und überladen von Details. Besonders sticht das „echte“ Auge auf dem sonst gezeichneten Cover hervor.

    Meine persönliche Meinung:
    Das persönliche Vorwort macht das Buch schon sympathisch. Aber ich muss sagen, auch die ersten Seiten der Geschichte haben mir gleich gut gefallen. Der sarkastische Humor und alles verknüpft mit dem Schulsystem ist einfach wunderbar. Für mich ist es bestimmt lustiger als für andere, da ich selbst Lehrerin bin und so nachvollziehen kann, was der Autor beschreibt. Schlimm ist allerdings wie das Schulsystem läuft und wie machtlos man selbst ist und wie viel Macht Geld und Einfluss haben. Natürlich ist es nur ein Roman, aber man glaubt kaum wie viel Wahrheit und auch Wahnsinn drin steckt. Das Ganze zieht sich dann nicht nur über das Schulsystem, sondern die gesamte Regierung und wie sich Europa so weiterentwickelt. Damit hat der Autor völlig recht und lenkt zum Nachdenken an. Änderung beginnt bei einem selbst und nur so kann die Gesellschaft besser werden und wieder zurück finden zu den wichtigen Werten. Ein Traumdorf wie es hier beschrieben ist, wird es trotzdem bleiben, denn Probleme und Entwicklungen werden auch hier wieder auftauchen und müssen auch wieder gelöst und vermutlich auch durchbrochen werden. Aber insgesamt ist es ein sehr wertvolles Buch, vor allem für junge Leute, die sich ihre Meinungen erst bilden müssen und für all jene, die in Zukunft selbstkritischer durchs Leben gehen wollen. Zusätzlich ist es sehr unterhaltsam geschrieben und somit eine leichte Lektüre für Zwischendurch geworden.

    Fazit:
    Ein humorvolles, aber doch sehr gesellschaftskritisches Buch, das zum Nachdenken und Handeln anregt.

  22. Cover des Buches Utopia (ISBN: 9783717524564)
    Thomas Morus

    Utopia

    (132)
    Aktuelle Rezension von: titanreads

    Utopia ist ein lesenswerter Literaturklassiker von Thomas Morus über die ultimative Utopie, genauer die Welt Utopia, bei der niemand weiß, wo diese sich befindet. Sie beschreibt ein total faires, durchklügeltes System von Inselmenschen, die alle das selbe Gut teilen, ohne jegliche Arm-Reich-Schiene und mit perfekt ausgearbeitetem Rechtssystem. Der fiktive Raphael Hytholodaeus trifft hierin auf Morus und auf Petrus Aegidius und erzählt von seiner Zeit in eben jenem erwähnten Utopia. Raphael erklärt das Bestrafungssystem, erzählt von Lust in Utopia und von der Wissenschaft, welche dort noch nicht genutzt wird, aber gleichzeitig, wie die Utopier diesen fehlenden Wissensstand ausgleichen. Den Kindern wird früh bereits beigebracht, dass bloßer Reichtum nicht viel wert ist und geistige und körperliche Arbeit sich immer auszahlt. Jeder in Utopia hat eine klare Rolle und Bestimmung und jeder hilft jedem. 

    Hierbei wirkt alles leider sehr trocken in Hytholodaeus Erzählungen und gelegentlich kann es vorkommen, dass Seiten leider schnell unbewusst eher überflogen als gelesen werden. Die wenigen Rollen in der Utopie sind leider sehr platt und wenig charakterstark darrgelegt. 

    Eine Empfehlung für Geschichts- und Literaturliebhaber, da diese die viele Detailarbeit und den Schreibstil sehr schätzen werden. Aber auch der "neutrale" Leser kann Gefallen daran finden, wenn auch nur zum entspannten Lesen.

  23. Cover des Buches Ich bin Malala (ISBN: B00QH20UGE)
    Malala Yousafzai

    Ich bin Malala

    (16)
    Aktuelle Rezension von: lenih

    Auch wenn man den Namen Malala Yousafzai vielleicht noch nicht gehört haben sollte, ihre Geschichte kennen die meisten bestimmt. Sie ist das Mädchen, dem die Taliban in den Kopf geschossen haben, nur weil sie sich ihr Recht auf Freiheit und Bildung nicht nehmen lassen wollte. Zu diesem Zeitpunkt war Malala erst 15 Jahre alt und hatte doch schon so viele Jahre des Aktivismus hinter sich. Denn in Pakistan, ihrem Heimatland, ist es nicht selbstverständlich, dass Mädchen zur Schule gehen und sich Bildung aneignen dürfen. Glücklicherweise überlebte Malala dieses Attentat, wurde nach England ausgeflogen und konnte dort fast vollständig genesen. In ihr Heimatland zurück kann sie nicht, denn dort droht ihr auch heute noch der Tod. Doch auch dieses grausame Verbrechen hielt sie nicht davon ab, ihre Botschaft zu verbreiten, dass jedes Mädchen, jedes Kind ein Recht auf Bildung hat. Für ihr Engagement wurde sie 2014 sogar mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

    In diesem (Hör-)Buch beschreibt Malala ihr Leben vor und nach dem Taliban-Anschlag, der sie beinahe das Leben gekostet hätte. Sie führt ihre Zuhörer nach Pakistan, ein Land, das noch immer unter ethnisch-religiösen Konflikten, unter Korruption und Terrorismus zu leiden hat. Für mich war dies eine Reise in eine Welt, die ich mir als Frau kaum vorstellen kann. Es ist schockierend zu hören, worunter Mädchen und Frauen in manchen Ländern auch heute noch zu leiden haben. Und es ist gleichzeitig ermutigend, dass es trotz aller Widrigkeiten so unerschrockene Menschen wie Malala und ihren Vater gibt, die dieses Unrecht nicht einfach hinnehmen wollen und dafür sogar ihr Leben aufs Spiel setzen. Ich habe tiefen Respekt vor ihren Leistungen und Bemühungen.

    Einen Stern ziehe ich ab, weil mir die Handlung manchmal zu sehr zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her springt und ich manchmal nicht genau zuordnen konnte, in welchem Abschnitt von Malalas Leben ich mich gerade befinde. Darüber hinaus war es für mich etwas unstimmig, dass Malala immer wieder davon spricht, dass die Volksgruppe der Paschtunen, der ihre Familie angehört, eigentlich sehr mutig und friedliebend wäre und zusammenhält, sie aber gleichzeitig immer wieder von der Korruption in ihrem Land erzählt, von Familienfehden und Ehrenmorden, von Denunziantentum und der Unterdrückung von Frauen und Andersgläubigen, und das nicht nur durch die Taliban. Eigentlich sollte ich dafür keinen Abzug vornehmen, denn es ist Malalas persönliche Geschichte und ihre Realität, aber ich kann es nicht ändern, dass mir das einfach zu widersprüchlich war und leider keinen guten Eindruck bei mir von diesem Land hinterlassen hat. Dennoch ist dieses Buch sehr hörens- und lesenswert, nicht nur, weil Malala eine starke Frau ist, der Ehre gebührt, sondern allein schon um zu verstehen, wie die Mechanismen in diesem Land funktionieren oder nicht funktionieren und warum dort noch keine richtige Ruhe einkehren konnte.

  24. Cover des Buches Hillbilly Elegy: A Memoir of a Family and Culture in Crisis (ISBN: 9780008220563)
    J. D. Vance

    Hillbilly Elegy: A Memoir of a Family and Culture in Crisis

    (14)
    Aktuelle Rezension von: wandablue

    In dem bekannten Roman Hillbilly Elegy erzählt der amtierende (2025) Vizepräsident der USA von seiner Jugend im Rust Belt der Vereinigten Staaten. Er erklärt die Mentalität der sogenannten Hillbillies, gleich Hinterwäldler, im Raum Ohio/Kentucky. Er ist der erste, (der einzige?), der es geschafft hat aus prekären Verhältnissen kommend, aufzusteigen.
    Vance meint, es liege nicht nur an fehlender staatlichen Unterstützung, dass die Leute der white working class die soziale Leiter nicht hinaufkommen, es liegt natürlich schon daran, aber in erster Linie liegt es an der Mentalität. Hoffnungslosigkeit und Armut gehen Hand in Hand. 

    Der Kommentar und das Leseerlebnis: 

    Es hat den Anschein als ob J.D. Vance keine CoAutoren gebraucht hätte, eloquent genug ist er, einen Roman zu schreiben. Dies spricht für ihn und für den Roman. Er liest sich leicht, der Autor spricht offen über seine Herkunft, ohne peinlich zu sein! Natürlich ist auch die Geschichte seiner Familie per se interessant.
    Hillbilly Elegy ist kein Roman, sondern eine Autobiografie, die J.D. Vance schon ziemlich früh geschrieben hat, er ist noch keine Vierzig. Er hat hart gearbeitet, ja geschuftet, um sich Bildung zu erwerben, er war sich für nichts zu schade. In den USA ist das nicht so einfach wie bei uns. College + weitere Ausbildungsstätten kosten viel Geld.
    Es ist bewundernswert, wie sich der Junge aus der Provinz und den ärmlichen Verhältnissen hochgekämpft hat. Beeindruckt hat mich seine vierjährige Zeit bei der Marine. Dort lernte er Disziplin und man brachte ihm Kenntnisse bei, die er vorher nicht hatte, unter anderem, wie man ein Konto aufmacht und wie man mit Geld umgeht.
    Später ist es spannend, wie er entdeckt, was „Klasse“ wirklich ausmacht, es gehört mehr dazu als ein Scheckbuch: nämlich ein Netzwerk an Beziehungen. Es gibt Kreise, deren Kindern eine aussichtsreiche Karriere in die Wiege gelegt ist. 

    Aber was mich am meisten interessiert hätte, nämlich, Kritik an der Kaste der Reichen, fehlt gänzlich. Es gibt kein einziges kritischer Wort gegen diesen Kreis, der den meisten Menschen verschlossen ist, eben, weil er geschlossen ist. Und wo Macht und Reichtum wie nebenbei verteilt wird. Was denkt Vance heute über die Reichen? Die Superreichen und die Mächtigen? Man weiß es nicht.

    Fazit: Den Menschen J.D. Vance lernt man nur oberflächlich kennen; die Situation im Rust Belt der USA dagegen wird anschaulich aufgeschlüsselt. Doch Lösungsvorstellungen hat J.D. Vance keine im Gepäck. Politische Betrachtungen werden leider weitgehend ausgespart. Über Trump + den Brexit, (beworben mit: "profound - a great insight into Trump and Brexit") habe ich nichts gelesen.

    Kategorie: Autobiografie
    Verlag: William Collins bei Harper Collins, 2016

     

     

     

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