Bücher mit dem Tag "biografien"

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100 Bücher

  1. Cover des Buches Eine wie Alaska (ISBN: 9783446246676)
    John Green

    Eine wie Alaska

    (2.559)
    Aktuelle Rezension von: Featherstone

    Inhalt: 

    Als der 16-jährige Miles auf das Internat Culver Creek wechselt ahnt er nicht, welch unvergesslichen, aufregenden, glücklichen, dramatischen und traurigen Momente ihm bevorstehen. Er findet neue Freunde, die immer für ein Abenteuer zu haben sind und mit denen er das Leben in vollen Zügen genießt. Besonders die ebenso geheimnisvolle wie faszinierende Alaska hat es Miles angetan...

    Aber mir fehlte der Mut, und sie hatte einen Freund, und ich war linkisch, und sie war wunderschön, und ich war hoffnungslos langweilig, und sie war unendlich faszinierend. (S. 122)

    Meine Meinung:

    Mit Miles hat man einen sehr sympathischen und nahbaren Protagonisten in dessen Gefühls- und Gedankenwelt man sich sehr gut hineinversetzen kann. Weder Miles noch seine Freunde wirken austauschbar. Sie alle werden in einer Weise beschrieben, die dafür sorgt, dass sie einem beim Lesen als Menschen mit Persönlichkeit und Charakter erscheinen. Man erfährt von ihren Stärken, Schwächen und Eigenheiten, wodurch sie beim Lesen lebendig werden. Interessant ist in diesem Zusammenhang ein besonderes Interessensgebiet, das es Miles angetan hat: Er ist fasziniert von den allerletzten Worten, die berühmte Persönlichkeiten unmittelbar vor ihrem Tod gesagt haben. Dieses interessante und ungewöhnliche Thema ist mir zuvor noch in keinem anderen Buch begegnet.

    Eine große Stärke des Buches ist das Lebensgefühl, das die Geschichte versprüht. Wie die Jugendlichen neue Freundschaften schließen, sich verlieben, Streiche planen, gegen Internatsregel aufbegehren und welche Träume, Hoffnungen, Sorgen und Ängste sie haben wird sehr lebendig beschrieben.

    Bereits zu Beginn des Buches steht fest, dass ein einschneidendes und bedeutsames Ereignis bevorsteht: Jedes der kurzen Kapitel beginnt nämlich mit den Worten „X Tage davor“. Der besagte Tag rückt unaufhaltsam näher und man ist gespannt welches Ereignis am Tag 0 eintreten wird. Dieser Countdown ist eine interessante Idee und trägt zusammen mit dem angenehmen Schreibstil dazu bei, dass man das Buch in kürzester Zeit gelesen hat.

    Die erste Hälfte des Buches ist von lustigen Momenten und Leichtigkeit geprägt. In der zweiten Hälfte nimmt die Geschichte dann eine dramatische und nachdenklich stimmende Wendung und gewinnt an Tiefe: Das geheimnisumwobene und dramatische Ereignis, das am Tag 0 eintritt stellt das Leben von Miles und seinen Freunden auf den Kopf. Es lässt sie Manches aus einem neuen Blickwinkel betrachten und konfrontiert sie mit dem Ernst des Lebens.

    Das Ende des Buches ist dann aber dennoch vorwiegend hoffnungsvoll. Es gibt noch ein sehr lustiges Ereignis und die Geschehnisse werden in einer Weise abgerundet, die dafür sorgt, dass man nicht betrübt zurückgelassen wird und trotz allem insgesamt mit einem guten Gefühl aus der Geschichte geht.

    Warum vergebe ich dennoch nur 3 Bewertungssterne? 

    Das liegt zum einen daran, dass die Geschichte über weite Strecken eher „dahinplätschert“ und die Spannung eigentlich ziemlich künstlich aufrechterhalten wird (Stichwort Countdown). Das am Tag 0 eintretende Ereignis gibt den Geschehnissen dann zwar eine unerwartete und dramatische Wendung, aber man kann nicht sagen, dass dies einen richtigen Höhepunkt der Geschichte markiert. Außerdem flacht die Handlung anschließend auch relativ schnell wieder ab. Ein weiterer Punkt, der mir nicht zugesagt hat ist eine überflüssig wirkende erotische Szene, die etwas zu plump und vulgär beschrieben wird.

    Fazit:

    Trotz kleinerer Schwächen handelt es sich insgesamt um eine schöne und bewegende Geschichte über das Leben, Freundschaft, Liebe und Verlust, die neben lustigen Momenten auch einige nachdenklich stimmende Momente zu bieten hat.

    Es ist mein erstes Buch von John Green gewesen und ich möchte auf jeden Fall auch noch „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ lesen.

    Zum Schluss noch einige besonders schöne und nachdenklich stimmende Zitate aus dem Buch:

    „Von der Zukunft zu träumen, ist auch eine Art Nostalgie. […] Dein ganzes Leben steckst du in dem Labyrinth fest und denkst daran, wie du ihm eines Tages entfliehst, und wie geil dann alles wird, und die Vorstellung von dieser Zukunft hält dich am Laufen, aber am Ende tust du es nie. Du hast die Zukunft einfach benutzt, um aus der Gegenwart zu fliehen.“ (S. 76)
    Der Mensch, glaubte ich, braucht Sicherheit. Er erträgt die Vorstellung nicht, dass der Tod nichts sein soll als ein großes schwarzes Nichts, er erträgt den Gedanken nicht, dass seine Liebsten aufhören zu existieren, er kann sich nicht vorstellen, selbst einmal nicht mehr zu existieren. Am Ende, schloss ich, glauben die Menschen an ein Leben nach dem Tod, weil sie das Gegenteil nicht ertragen können. (S. 138)
    Es kommt die Zeit, da wir begreifen, dass unsere Eltern weder uns retten können noch sich selbst, dass jeder Einzelne von uns, die wir durch den Fluss der Zeit waten, irgendwann von der Strömung weggerissen wird – kurz, dass wir alle gehen. (S. 166) 
    Thomas Edisons letzte Worte waren: „Es ist wunderschön hier drüben.“ Ich weiß nicht, wo sie ist, aber ich glaube, sie ist irgendwo, und ich hoffe, dass es wunderschön dort ist. (S. 295)
  2. Cover des Buches BECOMING (ISBN: 9783442316472)
    Michelle Obama

    BECOMING

    (383)
    Aktuelle Rezension von: annalog

    … für die USA und für die Welt. 

    Becoming gibt ganz aufrichtige Einblicke in die Geschichte der zielstrebigen ehemaligen First Lady Michelle Obama. Sie gibt Einblicke in den Weg, wie sie sich als junge Anwältin entwickelt, ihre eigenen Werte und Missionen entdeckt. Wie so den jungen Barack kennen und später auch lieben lernt. Mit welchen Auswirkungen ein politisches Amt und mehrere  Wahlkampagnen eine junge Familie umzugehen hat. 

    Die Welt braucht mehr dieser idealistischen Realisten, die über ihren eigenen Nutzen hinweg a das Wohl vieler Menschen denken und Schotte unternehmen, um dieses zu verbessern. Unglaublich sympathisch geschrieben, lässt mich dieses Buch in der aktuellen Zeit leider melancholisch zurück. 

  3. Cover des Buches Eat, Pray, Love (ISBN: 9783596523344)
    Elizabeth Gilbert

    Eat, Pray, Love

    (927)
    Aktuelle Rezension von: BuchBoxBirgit

    Ein Road Movie zum Lesen, heute würde man sagen: ein Travel Vlog zum lesen. Die Autorin ist auf jeden Fall sympathisch, sie macht eine Reise, wie viele von uns sie (in ihren Träumen) unternehmen möchten und lässt uns an ihren Erlebnissen und Gedanken Teil haben. Sie findet sich selbst, und viele neue Freunde. Unterhaltsam

  4. Cover des Buches Ein verheißenes Land (ISBN: 9783328110569)
    Barack Obama

    Ein verheißenes Land

    (64)
    Aktuelle Rezension von: Sandmann

    „Ein verheißenes Land“ von Barack Obama ist eine tiefgründige Autobiografie, die seine ersten Amtsjahre als US-Präsident beleuchtet. Mit Offenheit teilt Obama seine Erfolge und Herausforderungen, gibt Einblicke hinter die Kulissen des Weißen Hauses und bietet politische Analysen. Besonders inspirierend sind seine Visionen von Hoffnung und Veränderung, die Leser*innen dazu ermutigen, sich für eine bessere Zukunft einzusetzen.  

    Das Buch ist sowohl persönlich als auch lehrreich und zeigt, wie wichtig es ist, trotz aller Widrigkeiten an seinen Idealen festzuhalten. Obamas authentische Erzählweise macht es zu einem bedeutenden Werk, das nicht nur politische Interessierte, sondern auch diejenigen anspricht, die nach tiefer gehenden Einblicken in die moderne Geschichte der USA suchen. Es ist ein inspirierendes Zeugnis eines außergewöhnlichen Staatsmannes.

  5. Cover des Buches Good Night Stories for Rebel Girls (ISBN: 9783446256903)
    Elena Favilli

    Good Night Stories for Rebel Girls

    (121)
    Aktuelle Rezension von: sabatayn76

    'Jede der hundert Geschichten in diesem Buch beweist, dass ein Herz voller Vertrauen die Kraft hat, die Welt zu verändern.' (Seite 12)

    ‚Good Night Stories for Rebel Girls‘ enthält Illustrationen und kurze Texte zu Frauen, die außergewöhnlich waren beziehungsweise sind. Vorgestellt werden hier zum Beispiel Evita Perón, Coco Chanel, Kleopatra, Maria Callas, Maya Angelou und Sophie Scholl.

    Zu jeder der einzelnen Frauen werden Name, Beruf, Heimatland, Geburts- und Sterbedatum sowie eine knappe Zusammenfassung ihres Lebens und ihrer Lebensleistung geboten.

    Die begleitenden Illustrationen sind sehr schön und detailreich, teilweise wirklich wundervoll und allesamt sehr unterschiedlich. Einige der Illustrationen haben mir weniger gut gefallen als andere, aber das ist ja immer Geschmackssache.

    Die Texte sind nur knapp, aber informativ und bieten tolle Botschaften für Mädchen
    und Frauen. Ich habe hier noch einiges über bestimmte Personen dazugelernt, was ich vorher noch nicht wusste ,beziehungsweise habe hier Frauen kennengelernt, von denen ich bisher noch gar nichts gehört oder gelesen hatte.

  6. Cover des Buches Die dreizehnte Geschichte (ISBN: 9783641141530)
    Diane Setterfield

    Die dreizehnte Geschichte

    (306)
    Aktuelle Rezension von: Bella0070

    Die berühmte englische Schriftstellerin Vida Winter engagiert die junge Buchhändlerin Margaret Lea ihre Lebensgeschichte aufzuzeichnen. Nachdem Margaret zunächst eher zögerlich ans Werk geht, wird sie zunehmend in ein Leben aus Geheimnissen und Tragik hineingezogen, das sie mehr und mehr an ihre eigene Geschichte erinnert.

    Die Geschichte hat mich durch ihre geheimnisvolle Atmosphäre zum Weiterlesen animiert, obwohl ich mich zwischendurch durch einige Längen kämpfen musste.

    Die Geschichte spielt irgendwann um 1900, nehme ich an, und das Frauenbild wird dementsprechend veraltet dargestellt, was mich teilweise irritiert hat, aber sicherlich zur Geschichte passt. Nur konnte ich mich dadurch schwer in die Protagonistinnen hineinversetzen.

    Das Ende ist überraschend und dramatisch, im gesamten stimmig.


  7. Cover des Buches Zerrissene Leben (ISBN: 9783806237870)
    Konrad Jarausch

    Zerrissene Leben

    (16)
    Aktuelle Rezension von: Satansbraten
    Das Buch schafft, was Geschichte sonst oft fehlt, es es ist lebendig, zum Anfassen, verstehbar, nachvollziehbar. Es erzählt anhand von konkreten Schicksalen die Geschichte des letzten Jahrhunderts. Die Befragten Menschen haben unterschiedliche Hintergründe, der Sohn wohlhabender Juden, das Kind eines Pastors, andere aus Arbeiter Familien, kommunistischen Familien. Sie erleben daher die Vorkriegszeit sehr unterschiedlich, auch die Zeit des Krieges und die Jahre danach sind neben den politischen Ereignissen auch durch persönliche Entscheidungen geprägt. Gleichzeitig wird auch sehr viel erklärt, das wichtig ist, um Hintergründe und Geschehnisse besser einordnen zu können. Mir hat das Buch erstaunliche Einblicke in diese Zeit gegeben, selbst wenn man mit den geschichtlichen Fakten vertraut ist, bringt diese Herangehensweise ganz neue Einsichten! Lesenswert !
  8. Cover des Buches Ein Leben ist zu wenig (ISBN: 9783746635200)
    Gregor Gysi

    Ein Leben ist zu wenig

    (30)
    Aktuelle Rezension von: Argentumverde

    Von der Kindheit im Ost-Berlin der Nachkriegszeit über die prägende Arbeit als Rechtsanwalt in der DDR bis hin zu den stürmischen Tagen der Wende entfaltet sich der Lebensweg einer der auffallendsten Figuren der deutschen Politik. Als Verteidiger prominenter Regimekritiker erlebte der Protagonist das Spannungsfeld zwischen Macht, Anpassung und Widerstand aus nächster Nähe. Mit dem Fall der Mauer geriet er mitten in den Strudel der Wiedervereinigung, um eine tief gespaltene Partei neu auszurichten und ihr eine prägende Stimme im gesamtdeutschen Bundestag zu verschaffen. Trotz schwerer gesundheitlicher Rückschläge und politischer Anfeindungen zieht sich sein Einsatz für soziale Gerechtigkeit und eine lebendige Debattenkultur durch die gesamten Jahrzehnte.

    Der Schreibstil besticht durch eine große Portion Selbstironie, Humor und seine gewohnte rhetorische Brillanz. Auf äußerst unterhaltsame Weise verknüpft die Erzählung persönliche Anekdoten mit bedeutsamen historischen Ereignissen, wodurch die Zeitgeschichte lebendig und greifbar wird. Dennoch verlangt die enorm hohe Dichte an politischen Details und Weggefährten an manchen Stellen einiges an Konzentration ab, und manches bleibt fein zwischen den Zeilen spürbar. Das Geschehen fasziniert durch seine scheinbare Offenheit und den Blick hinter die Kulissen des Politikbetriebes. Ganz gleich wo der Leser selbst politisch steht, das Buch bietet mehr als nur eine gefärbte politische Ansicht.

    Mein Fazit: Eine lesenswerte und facettenreiche Lebensgeschichte eines Politikers unserer Zeit., Allein durch seinen Witz und Scharfsinn unterhält das Buch auch über politische Grenzen hinweg hervorragend. Ich lese ausgesprochen gerne Biographien unterschiedlichster Protagonisten der politischen Bühne weltweit. Dieses ist in meinen Augen eine der Besseren und mit vielseitigem Ansatz lesbar.

  9. Cover des Buches Good Night Stories for Rebel Girls (ISBN: 9780141986005)
    Elena Favilli

    Good Night Stories for Rebel Girls

    (28)
    Aktuelle Rezension von: Flamingo
    Wer noch ein Weihnachtsgeschenk für ein Mädchen sucht, sollte dieses Buch kaufen. Es ist wunderschön gemacht, mit sehr charmanten Illustrationen. Selbst ich habe noch einige tolle Frauen kennengelernt. 
    Auf Englisch gibt es mittlerweile einen 2. Band; dieser 1. Band ist jetzt auch auf Deutsch erschienen. 
  10. Cover des Buches Patriot (ISBN: 9783596713363)
    Alexej Nawalny

    Patriot

    (13)
    Aktuelle Rezension von: Bellis-Perennis

    Diese Autobiografie, die Alexej Nawalny (1976-2024) ab 2020 bis zu seinem Tod verfasst hat, ist kein leichter Lesestoff, aber es lohnt,  sich darauf einzulassen. 

    Nawalny erzählt seine Geschichte in vier großen Abschnitten, von denen die ersten drei noch in zahlreich Kapitel unterteilt sind. Im vierten Abschnitt, der die Jahre 2021 bis zu seinem Tod im Jahr 2024 enthält, ändert er seine Aufzeichnungen in eine Art Tagebuch. 

    • Teil I - Dem Tod nahe
    • Teil II - Heranwachsen
    • Teil III - Die Arbeit
    • Teil IV - Gefängnis  

    Nawalny beschreibt seine politische Arbeit ohne sich selbst zu beweihräuchern, prangert die Korruption in Russland an und ist sich nicht zu schade zuzugeben, dass er sich in Boris Jelzin und auch Wladimir Putin getäuscht hat. Seine Kindheit und Jugend sind vom Reaktorunfall in Tschernobyl sowie von Michael Gorbatschows Glasnost geprägt. Anders als wir im Westen, empfindet Nawalny Gorbatschow als Zauderer. Er beschreibt ihn allerdings als unbestechlich und als einen der wenigen, der sich nicht bereichert hat. 

    Es ist sehr interessant zu lesen, wie sehr Putin einen einzelnen Mann fürchten muss, wenn er alles daran setzt, ihn zunächst durch zahlreiche Prozesse, mit fadenscheinigen Anklagen, nur mundtot machen will und als Nawalny nicht aufgibt, ihn schließlich töten lässt. Ganz ist Putins Plan nicht aufgegangen, denn für viele ist Alexej Nawalny eine Art Märtyrer, der bewundert wird. Die Opposition hingegen ist leider ohne ihre Galionsfigur zerstritten, obwohl seine Frau Yulija Nawalnaja ihren Kampf gegen Putin fortsetzt.  

    Der Schreibstil ist klar und zugänglich, ohne unnötig kompliziert zu sein. An manchen Stellen verliert sich Nawalny ein wenig in kleine Detail, was vielleicht nicht jede Leserin, jeden Leser spannend findet.  

    Beeindruckend zu lesen ist, dass Nawalny weiß, dass er diesen Kampf David gegen Goliath nicht gewinnen kann, und trotzdem weitermacht. Als Patriot im wahrsten Sinne des Wortes zahlt er den höchsten Preis und kämpft bis zum unausweichlichen Ende. 

    Fazit:

    Gerne gebe ich dieser beeindruckenden Autobiografie 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.

     

  11. Cover des Buches Bread of Angels (ISBN: 9783462010909)
    Patti Smith

    Bread of Angels

    (4)
    Aktuelle Rezension von: katinka_mei

    Besonders interessant finde ich, über den biografischen Hintergrund von Frauen in der Öffentlichkeit zu lesen und es war direkt klar, dass ich die Memoiren der Godmother of Punk über die Feiertage inhalieren werde. 

    In dem Buch erfahren wir nicht nur ihren künstlerischen Hintergrund, der mit viel Arbeit, Entbehrungen und das Treffen auf die größten Rocklegenden der Geschichte einhergegangen ist. Man wird zudem auch noch durch Pattis Lebensgeschichte geführt. Sie bietet uns damit einen intimen Einblick in den Kontext Ihres künstlerischen Schaffens und gibt private Details, über die ich nach dem Beenden des Buchs noch lange gegrübelt habe. 


    Sie schreibt so poetisch wie sie singt. Erzählt eindringlich und metaphorisch. Nimmt uns mit von der Kindheit, über das Etablieren ihrer Kunst, bis hin zu den letzten Jahren ihrer Karriere. 

    Die Kindheitsjahre nehmen dabei einen großen Teil des Buches ein. Dabei war ich hin und hergerissen, ob ich noch weitere Details lesen möchte, oder ob ich jetzt endlich in ihre Musikhistorie eintauchen möchte und war dann schlussendlich froh, als die Zeitetappen innerhalb der Erzählung größer wurden. 

    Als einen wichtigen Teil der Persönlichkeit, habe ich Pattis Spiritualität herausgegelesen. Da unterscheidet sie sich grundlegend von mir selber, was es mir dann manchmal schwer gemacht hat, ihren Gedanken zu folgen. 


    Im Großen und Ganzen hat hier eine wichtige Persönlichkeit der Musikgeschichte private Einblicke in ihr Leben gegeben. Wenn ihr Patti Smith noch nicht kennt, lege ich euch ans Herzen, ihre größten Hits anzuhören. Alleine das wird den Impuls geben, mehr über sie erfahren zu wollen.

  12. Cover des Buches It's A Nerd's World (ISBN: 9783401604367)
    Tobias Schrödel

    It's A Nerd's World

    (23)
    Aktuelle Rezension von: Sandra8811

    Warum habe ich mich für das Buch entschieden?
     Ich durfte bei Tobias Schrödel einen Live-Hacking-Vortrag besuchen und habe mir anschließend dieses und ein anders Buch gekauft und signieren lassen. Nun liegen sie seit Jahren auf meinem SUB und müssen endlich mal gelesen werden.

    Cover:
     Am Cover erkennt man klar das Thema IT und Nerds. Es hüpft einem direkt ins Auge, weil es so unerwartet Platinen-farbig ist.

    Inhalt:
     Tobias Schrödel, IT-Experte und Comedy-Hacker erzählt die Geschichten rund um die Nerds, die unser Leben mit Internet, Smartphone und Co zu dem gemacht haben, was sie heute ist.

    Handlung und Thematik:
     Im Grunde ist es ein witzig aufgebautes kleines Geschichtsbuch mit Erfindern, Pionieren und Gründern verschiedener Technologien, Geräte und Firmen. Größtenteils sind die Seiten um Fotos der Personen und ihrer Erfindungen sowie wissenswerte Fun-Facts ergänzt. Auf den letzten paar Seiten finden sich dann noch nützliche Informationen zum Thema IT-Sicherheit.

    Schreibstil:
     Ich finde das Buch ist nett geschrieben, man bekommt auf wenigen Seiten Infos zu den wichtigsten IT-Personen. Alles untermalt durch Bilder, Zeitangaben und witzigen Informationen. Leider ähnelt es mehr einem Geschichtsbuch als, keine Ahnung was ich erwartet hatte. Die Informationen sind ganz nett und man sollte es schonmal gehört haben, ich fände es sogar sehr sinnvoll, dass man so etwas in der Schule/im Studium lernt/liest.

    Persönliche Gesamtbewertung:
     Keine Ahnung was ich erwartet hatte, aber für ein IT-Geschichtsbuch ist es gar nicht so schlecht. Ich hatte nur etwas anderes erwartet.

     

  13. Cover des Buches Unerschrocken 1 (ISBN: 9783956401299)
    Pénélope Bagieu

    Unerschrocken 1

    (22)
    Aktuelle Rezension von: Belladonna

    Meine Meinung

    Die französische Illustratorin Pénélope Bagieu präsentiert in ihren zwei Comic-Alben unter dem Motto »Unerschrocken« insgesamt 30 Geschichten über die unterschiedlichsten Frauen, die ihre Tatkraft und ihren Mut zu verschiedenen Zeiten und in diversen Kulturen unter Beweis stellten und damit etwas bewegten. Als besonders erfreulich empfand ich, dass unter den Persönlichkeiten nicht nur bekannte Namen wie z. B. Peggy Guggenheim oder Nellie Bly auftauchen, sondern vor allen Dingen Frauen poträtiert werden, über die ich bisher noch nichts gehört oder gelesen hatte.

    In einem cartoonesken Stil lenken Pénélope Bagieus Zeichnungen den Blick zuerst auf die humorvolle Seite der einzelnen Geschichten. Auf den zweiten Blick stellt man jedoch schnell fest, dass sich jede der vorgestellten Persönlichkeiten speziellen Herausforderungen gegenübersieht und diese vollkommen unerschrocken angeht. Das machte das Leseerlebnis für mich unglaublich empowernd. Es machte unglaublich Spaß in die kurzen Geschichten einzutauchen und sich von diesen starken Frauen inspirieren zu lassen.

    Besonders ansprechend sind die großen, über zwei Seiten reichenden Illustrationen, die mit satten Farben und entdeckungswürdigen Szenarien aufwarten.

    Pénélope Bagieu setzt in ihren zwei Comic-Alben mit facettenreichen Geschichten genau die richtigen Akzente. Von humorvollen Lebensgeschichten wie die der Clémentine Delait, der Dame mit Bart, die aus der Not eine Tugend machte, ihre Gesichtsbehaarung akzeptierte und daraus ein Geschäftsmodell machte und sich als Marke etablierte über Kriegerinnen und Bandietenköniginnen, die sich mit viel Mut durch ihr hartes Leben kämpften, wird den Leser*innen eine breite Geschichtenpalette geboten, die keine Wünsche offen lässt und vor allen Dingen auch jungen Mädchen und Frauen Mut macht, ihren eigenen Weg zu einem selbstbestimmten Leben zu gehen.

    Am faszinierendsten waren für mich die Lebensgeschichten über Frauen die ihr Leben der Wissenschaft verschrieben haben, wie z. B. die Vulkanologin Katia Krafft oder Frances Glessner Lee, die sich noch mit 55 Jahren dazu entschließt etwas zu bewegen und dabei mit ihren Tatort-Miniaturmodellen die Polizeiarbeit revolutioniert und als erste Frau zur Polizeichefin von New Hampshire ernannt wird.

    Die Bandbreite der Geschichten ist wirklich enorm, es wird von geschichtsträchtigen Frauen wie der mächtigen Kaiserin Wu Zetian, die ihrer Bestimmung eine Konkubine des Kaisers zu werden zwar folgt, ihr Schicksal aber dann in die eigene Hände nimmt und schließlich selbst zur Kaiserin ernannt wird und mit großem Erfolg über ihre Untertanen herrscht. Aber auch von Frauen, die im kleinen ihre wundervollen Taten vollbringen wie Giorgina Reid, die sich mit all ihrem Wissen für die Rettung eines Leuchturmes stark macht. Von diesen feinen Comic-Geschichten könnte ich noch viel mehr vertragen, daher hoffe ich sehr, dass es nicht nur bei diesen zwei Bänden bleiben wird!

    Die einfache Panelanordnung und die recht ausführlichen Text dazu zeichnen diese beiden Comic-Bände als geeignete Lektüre für Comic-Einsteiger aus. Kinderleicht lässt sich ohne jegliche Vorkenntnisse den einzelnen Geschichte folgen.

    Fazit

    Kleine aber feine Geschichten, die emotional bewegen und in der modernen Komposition als Comicstrips eine anregende Inspiriationsquelle liefern.

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    © Bellas Wonderworld; Rezension vom 15.11.2019   

  14. Cover des Buches Bestseller mit Biss (ISBN: 9783453811829)
    Nicola Bardola

    Bestseller mit Biss

    (45)
    Aktuelle Rezension von: Perle
    Nach der Hälfte des Buches dachte ich: "Ich versteh nur Bahnhof!" Als ich am nächsten Tag bei Seite 130-197 weiterlas, fing ich an, es zu verstehen bzw. merkte ich, dass es eine Zusammenfassung war von vier Vampirbüchern und einem dazugehörigen Vampirfilm. Interviews und beantwortete Fragen z.B. mit Fans und Jugendlichen die diese Bücher 2006-2009 gelesen hatten. Ein Mädchen beschrieb, das Bella im 1. Buch sich total verliebte und sie auch total verliebt war, in Edward, oder in das Buch, da wollte ich es auch gerne lesen, denn ich möchte auch nochmal so richtig verliebt sein. Eine Lehrerin erzählte, dass einige Schülerinnen ihr die vier Bände ans Herz gelegt hätten, denn nachdem sie sich von einer Schülerin den 1. Teil auslieh und begeistert war, wollte sie Teil 2 und 3 auch gerne lesen und auf den 4. und letzten Teil warten. In einem anderen Fall besaß die Lehrerin die 3 oder 4 Bände der Vampirsaga und verlieh sie einer interessierten Schülerin. Den Film würde ich gerne mal sehn, wird ja sicher noch in Videotheken zu finden sein, werde ich nächste Woche nach Karneval sofort mal nachschauen gehn. Was mich aber stören würde bzw. was ich nicht ganz verstehe, dass in einer Vampirsaga Autos und Motorräder drin vorkommen. "Aber es ist ein Buch und ich kann zwischen Wirklichkeit und Fiktion unterscheiden. Daher habe ich nicht das Bedürfnis, in so einer Familie zu leben, ich liebe meine eigene Familie über alles auf der Welt und würde sie mit keiner tauschen wollen. Was den Aspekt "Unsterblichkeit" angeht, wer will schon ewig leben? Irgendwann werden alle, die du liebst, tot sein und jede Aktion, die dir jetzt aufregend und toll vorkommt, langweilig erscheinen. Daher möchte ich gar nicht ewig leben." Dann waren tatsächlich sehr viele Schreibfehler in diesem Buch von Nicola Bardola, wie eine Vorgängerin von mir auch schon erwähnte. Ich würde das Buch auch kein zweites Mal lesen, außerdem kamen soviele Leute und Vampire in den vier Bänden von über 2500 Seiten vor, dass ich eh keine Lust hätte sie zu lesen, denn ich mag keine Bücher in denen Hunderte von Leuten eine Rolle spielen und bräuchte bestimmt einen Monat oder länger diese zu Lesen. Es soll eventuell einen 5. Teil des Buches geben, indem das Baby/Kind von Bella ca. 10 Jahre älter ist und auch eine Hauptrolle spielen könnte. Es hat alles mit einem Traum begonnen, ich würde eher sagen, es war ein Albtraum!
  15. Cover des Buches Diktator werden (ISBN: 9783608981896)
    Frank Dikötter

    Diktator werden

    (3)
    Aktuelle Rezension von: Bellis-Perennis

    Frank Dikötter ist Zeithistoriker und lehrt Chinesische Geschichte an der Universität von Hongkong.  

    Anhand der (Kurz)Biografien von  

    • Mussolini
    • Hitler
    • Stalin
    • Mao
    • Kim Il-Sung
    • Ceauşescu
    • Mengistu
    • Duvalier

    schildert er den Aufstieg der Diktatoren und die Mechanismen, die dazu führten, dass ein Einzelner so viel Macht über Millionen Menschen erreichen konnte.  

    Über die drei Erstgenannten braucht man wohl nicht mehr viele Worte verlieren. Deren Aufstieg und Fall ist doch durch zahlreiche Bücher bekannt. 

    Über Mao habe ich dann doch einige Neuigkeiten erfahren. Dass es einen Kriterienkatalog gab, nachdem Belohnungen verteilt wurden, überrascht mich jetzt nicht wirklich. Interessant finde ich, dass aufgrund des hohen Materialverbrauchs für Anstecker (Aluminium), die „Mao-Bibel“ (Kunststoff), rote Farbe etc. Dinge des täglichen Gebrauchs wie Schuhe oder Kochtöpfe nicht in ausreichender Menge produziert werden konnten. 

    Über Kim Il-Sung (Nordkorea), Ceauşescu (Rumänien), Mengistu (Äthiopien) und Duvalier (Haiti) hätte ich noch gerne mehr erfahren. 

     Als Leserin, die sich mit Propaganda und deren Mechanismen schon mehrfach auseinandergesetzt hat, sind viele Begriffe bekannt. Für Leser, die solche Vorkenntnisse nicht aufweisen, wäre eine Zusammenfassung wünschenswert. Vor allem im Hinblick darauf, diesen Psychotricks etwas entgegenzuhalten.  

    Diktatoren fallen ja nicht vom Himmel, sondern - wie das eine oder andere Beispiel aus der Gegenwart zeigt, ist die Verwandlung vom „liberalen“ Politiker zum alles kontrollierenden Staatschef ein langsamer, aber stetiger Prozess.  

    Wie sagte schon „Papa Doc“ François Duvalier? 

    „Als Führer braucht man eine Doktrin. Ohne Doktrin kann man Menschen nicht leiten.“ 

    Das allein genügt allerdings meist nicht. 

    Einschränkung der Pressefreiheit, Aufrüsten des Militärs bzw. der Polizei, Aufhebung der Gewaltentrennung, Austausch von unabhängigen Richtern etc. sind so die sichtbaren Zeichen, dass die Demokratie ausgehebelt wird.

    Und natürlich das Verbreiten von Angst ist ein probates Mittel, die Bevölkerung klein und duckmäuserisch zu halten.   

    Fazit: 

    Eine gelungene Zusammenfassung vom Aufstieg und Ende von acht Diktatoren, die Appetit macht, sich mit den einzelnen Personen zu beschäftigen. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

  16. Cover des Buches Versuch über meinen Vater (ISBN: 9783702512118)
  17. Cover des Buches Slum. Eine Geschichte von Leben, Tod und Hoffnung (ISBN: 9783426300619)
    Katherine Boo

    Slum. Eine Geschichte von Leben, Tod und Hoffnung

    (6)
    Aktuelle Rezension von: Barbara62
    Katherine Boo, amerikanische Journalistin und Pulitzer-Preisträgerin, hat für ihr zwischen Reportage und Roman angesiedeltes Buch Annawadi oder der Traum von einem anderen Leben drei Jahre im Mumbaier Slum Annawadi recherchiert. Das Elendsviertel, direkt neben dem Mumbaier Flughafen gelegen, entstand ursprünglich während dessen Bau und gehört zu den kleineren seiner Art.

    Anhand von real existierenden Personen und Geschehnissen stellt Kathrine Boo die großen Probleme Indiens dar: die extrem ungleiche Verteilung des Wohlstands, die an der unmittelbaren Nachbarschaft von Slum und Luxushotels eindrucksvoll deutlich wird, die allgegenwärtige Korruption, die fehlende Solidarität unter den Slumbewohnern und die Auswirkungen der Globalisierung bis hinunter zu den Müllsammlern. Trotzdem liest sich das Buch viel mehr wie ein Roman als wie ein Sachbuch.

    2012 wurde Annawadi oder der Traum von einem anderen Leben von der New York Times unter die zehn besten Bücher des Jahren gewählt, und da sich seitdem leider nichts zum besseren verändert hat, ist es nach wie vor empfehlenswert. Ich habe vor allem daraus gelernt, wie Weltpolitik ganz unten ankommt.
  18. Cover des Buches Marie Antoinette (ISBN: 9783730608548)
    Stefan Zweig

    Marie Antoinette

    (2)
    Aktuelle Rezension von: Gwhynwhyfar

    «Wo aber die an den Augenschein streng gebundene Forschung endet, beginnt die freie und beschwingte Kunst der Seelenschau; wo die Paläographie versagt, muss die Psychologie sich bewähren, deren logisch eroberte Wahrscheinlichkeiten oft wahrer sind als die nackte Wahrheit der Akten und Fakten. Hätten wir nichts als Dokumente der Geschichte, wie eng, wie arm, wie lückenhaft wäre sie! Das Eindeutige, das Offenbare, ist die Domäne der Wissenschaft, das Vieldeutige, das erst zu Deutende und zu Klärende, die zugeborene Zone der Seelenkunst; wo das Material nicht ausreicht für papiernen Beweis, bleiben noch unermessliche Möglichkeiten für den Psychologen. Das Gefühl weiß von einem Menschen immer mehr als alle Dokumente.»


    Marie Antoinette (1755–1793) wäre wohl ihr Lebtag eine ganz durchschnittliche Adlige am Hof von Versailles geblieben, so Stefan Zweig: «Sie hätte getanzt, geplaudert, geliebt, gelacht, sich aufgeputzt, Besuche gemacht und Almosen gegeben» – wäre ihr nicht die Weltgeschichte in die Quere gekommen. Denn in der Französischen Revolution wurde die Ehefrau König Ludwigs XVI. den Bürgern zum Hassobjekt schlechthin. Die Biografie der Marie Antoinette von Stefan Zweig ist stilistisch ein Leckerbissen, doch man muss sich durchbeißen, weil sie streng sachlich geschrieben ist, einem Sachbuch ähnlich. Was es für mich so anstrengend gemacht hat, ist die Springerei. Gut, jeder weiß, dass Marie auf dem Schafott endete. Doch die Geschichte springt von der Kindheit zur Guillotine hin und her, querbeet durch ihr Leben, das gesamte Buch hindurch. 


    Um das französisch-österreichische Bündnis von 1756 (Vertrag von Versailles) zu festigen, plante Maria Theresia, ihre Tochter Maria Antonia mit dem französischen Dauphin zu vermählen. Die Kaisertochter wird als Kind an die Bourbonen verschachert. Am 19. April 1770 wurde die Erzherzogin per procurationem mit dem Dauphin Louis-Auguste verheiratet, die eigentliche Hochzeit fand vier Wochen später in Versailles statt. Ein fünfzehnjähriges Kind muss ein anderes fünfzehnjähriges Kind heiraten, ins ferne Land ziehen, ohne Begleitung, nicht einmal ein paar Diener oder Hofdamen dürfen sie begleiten. Sie spricht kein Französisch. Dauphine mit 15 – Königin von Frankreich mit 19, nicht wissend vom Wandel der Welt, abgeschirmt in einer Parallelwelt, lebend im Kokon von Versailles, als Königin des Rokoko. 1774 wurde ihr Mann zu Ludwig XVI gekrönt, sie zur Königin. Mit vollen Händen wirft sie das Geld für jede Art von Luxus aus dem Fenster, während das französische Volk hungert zur gleichen Zeit. Aber plötzlich dreht sich der Wind und die Revolution bläst dem französischen Hof mächtig ins Gesicht. König Ludwig XVI. wird guillotiniert und Marie Antoinette in Gefangenschaft gesetzt, versucht zu fliehen, was misslingt. Nur knapp 10 Monate später folgt sie ihm auf das Schafott nach einer Anklage wegen Hochverrats. 


    Meisterhaft leuchtet Stefan Zweig die psychologischen Hintergründe der Protagonist:innen aus und führt uns so zu einem tieferen Verständnis von Menschen und Zeit. Bereits als Kind zeigte sich Marie unkonzentriert, oberflächlich, hatte am Lernen kein Interesse. Das wird sich auch später nicht ändern und ihr im Wege stehen. Sie war eine gute Unterhalterin, interessierte sich für Vergnügen, Politisches ging an ihr vorbei: der Unabhängigkeitskrieg der USA, wie auch die Teilung Polens. Den Aufstieg Preußens, hatte sie ihn wahrgenommen? Und den von Katharina der Großen? Ihr Charakter war für den einer Herrscherin nicht geschaffen – insofern war ihr Ehemann ihr ebenbürtig. Stefan Zweig berichtet über das Alltagsleben, die historischen Bücher der Buchhaltung geben viel preis. Es wird über die strengen Regeln am Hofe gesprochen, auch über die Dubarry, die Maitresse des Schwiegervaters, des Königs. Denn die beherrsche den Hof, hatte sogar den König im Griff. Allerdings musste auch sie sich an die Regeln halten. Marie wuchs auf dem noch strenger geregelten Hof in Wien auf, in dem Etikette und Moral zuvorderst stand. Eine Maitresse, völlig ausgeschlossen. Eine Maitresse, die etwas zu sagen hat? Undenkbar. Marie war schockiert über das, was sie hier sah, stand in gutem Briefkontakt mit der Mutter – auch hier musste man aufpassen, was man schrieb, falls der Brief abgefangen wurde, konnte der Inhalt gegen einen verwandt werden. Ignorieren riet die Mutter. Die Regel: Niemand darf eine höher gestellte Person ansprechen – erst wenn man selbst angesprochen wurde, war die Konversation freigegeben. Marie ignorierte die Dubarry über Monate hinweg – was diese wurmte, sich beim König beschwerte, dessen Geld sie mit vollen Händen ausgab. Und Marie neidete der Dubarry ihren Prunk, strengte sich an, noch besser zu sein. Das waren die Dinge, die die junge Marie Antoinette bewegten neben Mode, Schmuck, Musik. Ihr Mann wollte nicht das Bett mit ihr teilen, zunächst zu jung, später (vielleicht unter dem Druck) desinteressiert. Man erwartete von der Königin, Kinder zu gebären. Irgendwann musste der König ran. Erst 1778 kam das erste von vier Kindern des Paares zur Welt. Die Älteste, Marie Thérèse Charlotte, die spätere Herzogin von Angoulême, soll als einziges Familienmitglied die Französische Revolution überleben. 


    «In der Französischen Revolution – wie in jeder – zeichnen sich deutlich zwei Typen von Revolutionären ab: die Revolutionäre aus Idealität und die aus Ressentiment; die einen, die es besser hatten als die Masse, wollen diese zu sich emporheben, ihre Bildung, ihre Kultur, ihre Freiheit, die Lebensformen steigern. Die andern, die es selber lange schlecht gehabt, wollen Rache nehmen an denen, die es besser hatten, sie suchen ihre neue Macht auszutoben an den vormals Mächtigen. Diese Einstellung, weil in der Zwiefalt der menschlichen Natur begründet, gilt für alle Zeiten.»


    Trotz aller Schwierigkeiten hielt Marie mit ihrem Mann ein freundschaftliches Verhältnis, zwei Kinder, die sich erst als erwachsene nähern. Mit ihrer Mutterschaft erreichte Marie endlich eine gewisse Reife und Ernsthaftigkeit. Begriff nun, dass das Volk sie hasste. Das Volk nannte sie «Madame Deficit» und der Hass auf die Königin wurde durch royale Gegner mit einer Flut von Schmähschriften und Flugblättern voller Verleumdungen gegen den frivolen Lebensstil der extravaganten Gesellschaft des Petit Trianon geschürt. Das würde man heute als gezielte Fakenews-Kampagne bezeichnen. Doch Marie Antoinette ignorierte den wachsenden Hass und realisierte die Tragweite der gegen sie agierenden Polemik nicht. Als 1785 die sogenannte Halsbandaffäre publik wurde, es ging dabei um ein überaus kostbares Diamantencollier, das unter dem Namen der Königin ohne deren Wissen gekauft wurde und verschwand, wurde sie angeklagt. Obwohl die Unschuld der Königin erwiesen werden konnte, hing ihr der Verdacht der Beteiligung bis zum Tod nach. Die Königin wachte endlich auf, befasste sich mit dem Zustand des Landes, König Ludwig XVI. war heillos überfordert. Jetzt nahm Marie Antoinette an den Sitzungen des Königlichen Rates teil und gab sich wie von ihrer Mutter Maria Theresias gelernt, als Landesmutter aus, die es richten wird. Sie hatte sich nie mit Politik beschäftigt, ihr fehlte auch jeglicher Instinkt; sie brüskierte die falschen Menschen, machte alles falsch. Die Vertreter der verschiedenen Teile des Königreiches traten zu einer Art Parlament zusammen, forderten eine Verfassung, die die absolute Königsmacht beschneiden sollte. Letztendlich verschlimmerte Marie jetzt ihre Lage. Sie übernahm das Ruder, weil der König zauderte, drängte auf eine militärische Lösung: Königstreue Truppen sollten in einem Staatsstreich die Ständeversammlung auflösen. Man warf ihr vor, sündhaft mit vielen Liebhabern die Zeit zu vertrödeln, Staatsgelder hinauszuschmeißen für Luxus. Mit ihrer Forderung an das Militär hatte sie nun das Volk gänzlich gegen sich aufgebracht. Ich wird ein Zitat angehängt, «Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch Kuchen essen!» – was falsch ist; allerdings hätte es von ihr stammen können. Die Jakobiner verstärkten ihre Bemühungen, das Volk gegen den König aufzuwiegeln, dekreditierten die Königin mit Pamphleten. Marie Antoinette hatte diskret lediglich einen Liebhaber, von dem man öffentlich nichts wusste, der schwedischen Adelige Axel von Fersen. Bis heute ist diese innige Beziehung nicht genau geklärt – wahrscheinlich hatte sie als Erwachsene endlich ihre große Liebe gefunden. Axel von Fersen hat nach dem Tod von Marie alle Unterlagen vernichtet, die darauf hindeuten könnten.


    Stefan Zweig leuchtet das Leben der Kindsfrau, der Erwachsenen, der Mutter und Lebensfrau genau aus, ebenso ihren Mann. Ein Leben, in das sie hineingepresst werden, das sie nicht haben wollen, für das sie nicht geschaffen sind. Sie, von mittelmäßiger Intelligenz, zumindest besaß sie Stärke – er, ein schwacher Mensch, von maximal mittelmäßiger Intelligenz. Warum sie wurden, wie sie waren, versucht Stefan Zweig aufzublättern. Man hat Mitleid mit den beiden. Sie waren Opfer der Propaganda, selbst der stets eifersüchtige Bruder Maries hat aus Österreich gegen sie gearbeitet, mit anderen gegen Frankreich paktiert. Doch trotz aller Gegebenheiten lässt mein Mitleid mit dem erwachsenen Paar nach, das in völliger Verantwortungslosigkeit agiert hat. Stefan Zweig hat das Leben Maries bis in den letzten Winkel genau ausgeleuchtet, historisch genau, stilistisch einwandfrei. Letztendlich hat mir der Roman nur aus Interesse Spaß gemacht. Es ist eine trockene Biografie, die wie ein Floh in den Zeiten hin und her springt. Das macht das Trockene noch mühsamer. Harte Kost.



    Stefan Zweig (1881–1942) wuchs als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Wien auf. Er schrieb Gedichte, Novellen, Dramen und Essays, die 1933 der Bücherverbrennung der Nationalsozialisten zum Opfer fielen. Seit 1938 auf der Flucht, lebte der engagierte Pazifist und Humanist zuletzt in Brasilien, wo er zusammen mit seiner Ehefrau Selbstmord beging.

  19. Cover des Buches Meine Mutter (ISBN: 9783462008494)
    Bettina Flitner

    Meine Mutter

    (83)
    Aktuelle Rezension von: schillerbuch

    Auf manche Bücher stößt man auf besondere Weise. So war es bei diesem Buch: Eine meiner Cousinen erzählte, dass es da dieses Buch gäbe, das in Wölfelsgrund (früher Niederschlesein, heute Polen) spiele und in dem die Familie vorkäme, mit der unser Opa befreundet war. Die Freundschaft war immerhin so eng, dass sich die Freunde gegenseitig als Paten einsetzten: Bettina Flitners Großvater war der Pate meiner Mutter und mein Opa der Pate ihrer Mutter. Wölfelsgrund war zudem ein Name, der in unseren Familienerzählungen immer wieder vorkam, denn dort war unser Opa, der immer wieder an Tuberkuloseausbrüchen gelitten hat, in dem Sanatorium zur Kur gewesen, das sein Freund geleitet hatte. Mir waren zwar Autorin und Titel bereits begegnet, aber ich hatte mich nicht genauer damit beschäftigt. Aber jetzt war es natürlich klar: Das will sofort gelesen werden!

    In ihrem autofiktionalen Roman setzt sich die bekannte Fotografin mit dem Suizid ihrer Mutter auseinander. Für eine Lesung aus ihrem Buch „Meine Schwester“ kehrt Bettina Flitner nach Celle zurück. Dort befindet sich das Familiengrab der Familie, in dem ihre Großeltern, Onkel und Tanten liegen. Und eben auch ihre Mutter, die sich 40 Jahre zuvor umgebracht hat. Sie besucht das Haus, in dem die Großeltern nach der Flucht aus Schlesien gelebt haben, der Großvater praktizierte dort als Arzt. Heute befinden sich Teile der Kreiverwaltung darin. Und da passiert ein Zufall, der vielleicht gar kein Zufall ist, sondern ein Zeichen: In der Poststelle ist an dem Tag ein Brief angekommen, adressiert an ihre Mutter Gisela. Eine Mitteilung der Deutschen Bank über Änderungen an einem Fonds. „Er war in dem einzigen Moment angekommen, in dem er mich erreichen konnte. Nur an diesem Tag, in diesem Augenblick konnte er am Ziel ankommen. Aber ich bin ja gar nicht das Ziel. Oder doch?“ (S.33/34) schreibt Bettina Flitner. Der Brief jedenfalls stößt eine Tür in die Vergangenheit auf und geben ihr den Impuls, sich endlich mit den Fragen zu beschäftigen, die sie 40 Jahre verdrängt hatte. Warum war ihre Mutter so unglücklich, welche Rolle spielte dabei die Familienkatastrophe, von der alle wussten und über die doch kaum gesprochen wurde?

    Bettina Flitner reist nach Polen, in den Luftkurort Wölfelsgrund, heute Międzygórze. Dort geht sie den Spuren der Familiengeschichte nach: Ihre Vorfahren hatten dort ein Sanatorium geleitet, zuletzt ihr Großvater, der die Leitung von seinem Schwiegervater übernommen hatte, nachdem dieser zunächst seine unheilbar kranke Frau und dann sich selbst getötet hatte. 1946 wird die Familie vertrieben und findet eine neue Heimat in Celle.

    Ihre Mutter Gisela, genannt Gila, wird 1936 geboren. Sie wächst fast wie eine kleine Prinzessin auf, denn der Vater ist als Sanatoriumsleiter eine wichtige Person in dem kleinen Kurort, wohlhabend und angesehen, Arbeitgeber von vielen. Er hat aber auch ein Verhältnis zu einer anderen Frau. Dass ihre Mutter draunter sehr leidet, spürt Gila intuitiv. Gila ist jedoch auch ein ängstliches Kind, das oft einsam ist und ein besonders inniges Verhältnis zu ihrem älteren Bruder Walter hat. Dass dieser im Krieg fällt, ist für sie nur schwer zu verkraften. Als die Familie 1946 vertrieben wird und in Celle eine neue Heimat findet, ist für Gila klar, dass sie es anders machen will als ihre Mutter. Aber sie wird nicht glücklich in ihrer Ehe, ihr Mann hat Verhältnisse, sie selbst irgendwann auch, aber in keiner Beziehung findet sie den Halt, den sie so dringend benötigen würde. Der Suizid scheint der einzige Ausweg zu sein.

    Was für Auswirkungen hatten die Zeit des Nationalsozialismus und die damals sehr patriarchale Erziehung auf ein Mädchen, das sich als Erwachsene vor allem über Männer definiert? Welche Rolle spielen die Depressionen, die es in der Familie in allen Generationen gab? Diese Fragen beschäftigen Bettina Flitner in ihrem Buch. Das Besondere beim Lesen war für mich nicht nur der persönliche Bezug, sondern auch, wie sie von ihrer Familie erzählt. Sie verschränkt mühelos die verschiedenen Zeitebenen, ihre Eindrücke von der Heimat ihrer Familie in Niederschlesien und Begegnungen, die sie dort hat, aber auch persönliche Erinnerungen an ihre Mutter. Beim Lesen mag man sich manchmal fragen, warum das Verhältnis zwischen Tochter und Mutter immer distanzierter wurde, aber ich denke, als Kind und vor allem Jugendliche war Distanz ihre einzige Möglichkeit, mit den Depressionen ihrer Mutter zurecht zu kommen, ohne selbst Schaden zu nehmen. 

    Briefe, Aufzeichnungen und Tagebücher ihrer Urgroßmutter und ihres Großvaters bilden die Grundlage für die Passagen, in denen sie sich in die Gefühlswelt ihrer Mutter einfühlt und vom Leben der Familie erzählt: Von der Rolle des Vaters, von den Patient:innen und den Menschen,die in Wölfelsgrund leben. Sie sorgen so für eine besondere Authentizität des Textes. Dabei schimmert bei aller Tragik auch immer wieder Humor durch. Besonders gut hat mir das Ende gefallen, das sie gefunden hat.

    Schon lange hat mich kein Buch mehr so bewegt und persönlich gepackt wie dieses, ich musste es nach der ersten Lektüre erst einmal sacken lassen und dann noch einmal lesen. Das lag sicher daran, dass es einen persönlichen Bezug zu Handlung und Ort gab – im Fotoalbum meines Opas konnte ich mir Bilder der Familie anschauen. Vor allem lag es jedoch daran, dass Bettina Flitner diese Familiengeschichte literarisch sehr überzeugend gestaltet hat. Für alle, die ein Interesse daran haben, wie sich persönliche Schicksale und Historie miteinander verbinden, ist dies eine wunderbare Lektüre! 

  20. Cover des Buches Sag immer Deine Wahrheit (ISBN: 9783453606500)
    Benjamin Ferencz

    Sag immer Deine Wahrheit

    (29)
    Aktuelle Rezension von: sneen

    "Sag immer Deine Wahrheit" von Benjamin Ferencz

    Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (5/5 Sterne)


    Benjamin Ferencz ist eine lebende Legende der Gerechtigkeit. Seine Autobiografie "Sag immer Deine Wahrheit" ist eine inspirierende Erzählung über ein Leben, das dem Streben nach Gerechtigkeit gewidmet ist.

    Ferencz nimmt den Leser mit auf eine Reise durch sein außergewöhnliches Leben, das von den Schrecken des Holocaust bis hin zu seinem bahnbrechenden Beitrag zur Schaffung des Internationalen Strafgerichtshofs geprägt ist. Mit bemerkenswerter Ehrlichkeit und Emotionalität reflektiert er über seine Erfahrungen als US-Chefanwalt bei den Nürnberger Prozessen, wo er NS-Kriegsverbrecher vor Gericht brachte.

    Was dieses Buch besonders macht, ist nicht nur die historische Bedeutung der Ereignisse, sondern auch die tiefe Menschlichkeit, die durch jede Seite strahlt. Ferencz verliert nie den Glauben an die Macht des Rechts und die Fähigkeit des Menschen, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen.

    Seine lebhafte Erzählweise und sein unerschütterlicher Optimismus machen "Sag immer Deine Wahrheit" zu einem Buch, das man nicht nur liest, sondern das einen auch dazu inspiriert, aktiv für Gerechtigkeit einzutreten, egal wie schwierig die Umstände sein mögen.

    In einer Welt, die oft von Ungerechtigkeit und Gewalt gezeichnet ist, erinnert uns Benjamin Ferencz daran, dass wir alle eine Stimme haben und dass es nie zu spät ist, für das einzustehen, woran wir glauben. Diese Autobiografie ist ein zeitloses Meisterwerk, das nicht nur die Geschichte, sondern auch die Zukunft der Menschheit prägt.

  21. Cover des Buches Und am Ende werden wir frei sein (ISBN: 9783734110733)
    Martha Hall Kelly

    Und am Ende werden wir frei sein

    (28)
    Aktuelle Rezension von: VeronikaGruenschlag

    In „Und am Ende werden wir frei sein“ erzählt Martha Hall Kelly die bewegende, auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte der amerikanischen Menschenrechtsaktivistin Caroline Ferriday.

    Caroline entstammt einer wohlhabenden Familie in den Vereinigten Staaten. Zunächst arbeitet sie als Schauspielerin, bevor sie sich – vor und während des Zweiten Weltkriegs – im französischen Konsulat in New York engagiert, um Waisenkindern in ganz Frankreich zu helfen. Nach Kriegsende widmet sie sich den polnischen Frauen, die aus politischen Gründen inhaftiert und im Konzentrationslager Ravensbrück unvorstellbare Qualen erlitten haben. Unter ihnen befanden sich die sogenannten „Kaninchen“, an denen grausame medizinische Experimente durchgeführt wurden.

    Kelly hat die historischen Ereignisse und Figuren sorgfältig recherchiert. Sowohl Caroline Ferriday als auch die KZ-Ärztin Herta Oberheuser haben tatsächlich gelebt – ihre Lebenswege werden im Roman eindrucksvoll und authentisch fiktional nachgezeichnet. Die dritte Protagonistin, Kasia, ist eine fiktive Figur, die stellvertretend für das Schicksal der gefolterten polnischen Frauen steht.

    Der Roman hat mich tief berührt und lässt mich auch lange nach der Lektüre nicht los. Die Figuren wirken glaubwürdig und lebendig, die geschilderte Brutalität – die grausamen medizinischen Experimente, der Hunger, die Gewalt der Aufseherinnen und Ärzte, allen voran Herta Oberheuser – ist schwer zu ertragen. Gerade die weibliche Perspektive auf Krieg, Folter, Unterdrückung und Entrechtung verleiht der Geschichte eine besondere Intensität.

    Wenn ich einen Bogen in die Gegenwart spanne, ist es erschütternd, dass in unserem heutigen Deutschland Politiker wie Björn Höcke vom „Denkmal der Schande“ sprechen oder ein Alexander Gauland den Nationalsozialismus als „Vogelschiss“ in der Geschichte relativieren dürfen – und dafür auch noch Zustimmung erhalten.

    Ein wichtiges, emotionales und aufrüttelndes Buch gegen das Vergessen.

     

  22. Cover des Buches Wer war Ingeborg Bachmann? (ISBN: 9783596713073)
    Ina Hartwig

    Wer war Ingeborg Bachmann?

    (9)
    Aktuelle Rezension von: Bellis-Perennis

    Anlässlich ihres 100. Geburtstag am 25. Juni 1926, zieren zahlreiche Biografien über Ingeborg Bachmann (1926-1973) die Schaufenster der Buchhandlungen. Nicht immer sind es neue Werke, sondern wie dieses hier eine ergänzte Neuauflage aus dem Jahr 2017. 

    So wie Bachmanns Leben voller Brüche ist, ist auch die Biografie kein chronologisch erzählter Lebenslauf. Einzelne Lebensstationen werden detailliert geschildert, mit Auszügen aus Briefen und Werken sowie einigen Fotos hinterlegt.  

    Autorin Ina Hartwig stützt sich auf zahlreiche Nachlassdokumente und Aussagen von Zeitgenossen, um ein differenziertes Porträt der Schriftstellerin zu zeichnen. Dabei gelingt es ihr, Ingeborg Bachmanns intellektuelle Netzwerke, die weit über Europa hinausgehen, offen zu legen.  

    Ingeborg Bachmann, Tochter eines Lehrers, der bereits 1932 der NSDAP beigetreten ist, ist untrennbar mit der deutschen Nachkriegsliteratur verbunden. Diesen historischen Hintergrunds der Nachkriegszeit einzubinden, ist Ina Hartwig sehr gut gelungen.  

    Ihre zahlreichen, häufig tragisch endenden Beziehungen, wie mit Paul Celan und Max Frisch, sowie ihre Drogensucht, lassen sie als unglückliche Frau aussehen. Manches ihrer Werke wie Malina, Teil einer nicht fertig gestellten Trilogie, wirken düster, ihren eigenen Tod vorweg genommen. 

    Ihr früher Tod, der immer wieder Anlass zu Spekulationen gegeben hat (und manchmal noch immer gibt) steht am Beginn dieser Biografie und wird breit ausgewalzt, der für mich persönlich hart an der Grenze zum Voyeurimus grenzt. Es ist von Vertuschung die Rede, denn die Familie Bachmann will nicht, dass die Medikamentenabhängigkeit öffentlich wird. Dabei ist die durchaus bekannt. 

    Die Autorin führt zahlreiche Interviews mit Personen, die Ingeborg Bachmann gekannt haben und/oder mit ihr befreundet waren, von Hans Magnus Enzesberger bis hin zu Henry Kissinger. Diese Interviews, die lange nach Bachmanns Tod geführt worden sind, sollten dazu dienen, die komplexe Persönlichkeit der Schriftstellerin sowie ihr Umfeld zu erfassen. Recht bald wird aber klar, dass diese Gespräche nichts zur Wahrheitsfindungen beitragen können, weil sie sehr persönlichen Erinnerungen an Ingeborg Bachmann sind. 

    Die Frage "Wer war Ingeborg Bachmann?" kann nach wie vor nicht erschöpfend beantwortet werden. Meiner Meinung nach ist das auch nicht wirklich notwendig. An Hand der abgebildeten Fotos lässt sich die Entwicklung sehr gut ablesen. Das Coverbild hat mir sehr gut gefallen, zeigt es doch eine junge Frau, die das Leben noch vor sich hat.  

    Fazit: 

    Diese Biografie ist nicht ganz das, was man sich von der Lebensgeschichte einer bekannten Persönlichkeit erwartet. Für mich ist sie eine Ergänzung zu dem, was ich über Ingeborg Bachmann bereits gewusst habe. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

     

  23. Cover des Buches Brechen wir aus! (ISBN: 9783702242756)
    Leokadia Justman

    Brechen wir aus!

    (3)
    Aktuelle Rezension von: Bellis-Perennis

    Dieses Memoir, das von Dominik Markl und Niko Höfinger 2025 im Tyrolia-Verlag herausgegeben worden ist, ist die bewegende Flucht- und Überlebensgeschichte von Leokadia Justmann (1922-2002), die gemeinsam mit ihrem Vater aus dem Warschauer Ghetto geflohen ist, während ihre Mutter nach Treblinka deportiert und ermordet worden ist. 

    Leokadia und ihr Vater kommen 1943 als Zwangsarbeiter nach Tirol, leben dort mit falschen Papieren bis sie an die Gestapo verraten werden. Der Vater stirbt im KZ Reichenau, während es Leokadia mit einer Freundin gelingt, aus dem Gefängnis zu fliehen. Die beiden Frauen werden mit Hilfe von fünf mutigen Polizisten und drei unerschrockenen Frauen versteckt. In Innsbruck wird sie Joseph Wisnicki, einen polnischen Juden kennenlernen, der eine ähnliche Lebensgeschichte hat. Die beiden heiraten 1946 und lassen sich 1950 in den USA nieder.  

    Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten.   

    Meine Meinung:

    Leokadia Justmann hat, wie man im Nachwort lesen kann, mit ihren Aufzeichnungen bereits während ihrer Flucht begonnen, sie mehrmals redigiert und in mehreren Auszügen veröffentlicht unter anderem 1963 als „In Quest for Life“. Bei ihrem Tod 2002 findet sich eine neuerliche überarbeitete Version dieser acht Jahre dauernden Überlebensgeschichte, die Grundlage für die Forschungsarbeit von Dominik Markl und Niko Höfinger ist. Die beiden Herausgeber haben den Bericht behutsam redigiert, die Angaben gegengecheckt und dort wo notwendig, die eine oder andere Ergänzung oder Korrektur angebracht. Auf Grund der detaillierten Angaben von Leokadia Justmann, ist es Dominik Markl und Niko Höfinger gelungen, einige wenige ähnliche Schicksale ausfindig zu machen.  

    Das Buch ist, ebenso wie jenes ihres Ehemann Joseph Wisnicki, als Hardcover mit zahlreichen privaten Abbildungen   erschienen.  

    Fazit:

    Gerne gebe ich diesem, erstmals in Deutsche übersetze Memoir, das einen authentischen Einblick in die (Über)Lebengsgeschichte einer polnischen Jüdin in Tirol gibt, eine Leseempfehlung und 5 Sterne.

     

  24. Cover des Buches Die Paprikantin (ISBN: 9783548268606)
    Lysann Heller

    Die Paprikantin

    (22)
    Aktuelle Rezension von: sabatayn76

    ‚Der Ungar an sich neigt zu Gefühlsausbrüchen, auch wenn er in Rumänien lebt.‘ (Seite 193)

    Lysann Heller war als Kind zwei Mal mit ihren Eltern in Ungarn, und nach ihrem Studium entschließt sie sich, ins Land zurückzukehren und ein Praktikum bei der deutschsprachigen ‚Budapester Zeitung‘ zu absolvieren.

    In ‚Die Paprikantin‘ erzählt sie von den Stolpersteinen der ungarischen Sprache und der ungarischen Mentalität, aber auch vom Eingewöhnen in Budapest und von ihrem ersten Job als Journalistin.

    Heller geht unter anderem auf Themen wie Franz Liszt und Tony Curtis, ‚Paris des Ostens‘ und ‚rotten beauty‘, Terézia Mora und György Dalos, Fahrrad und U-Bahn, Donaumonarchie und Habsburger, Vertrag von Trianon und Alkoholismus, Kleidungsstil und Zeitgefühl, Obdachlose und Rentner, Kontinentalklima und Winterschlaf, Pfeilkreuzler und Judentum, Namenstag und Familie, Pörkölt und Pálinka, Kaffeehäuser und Komplimente, Religion und Mystik, Balaton und Rumänien, Roma und Ferienlager ein.

    Mir hat ‚Die Paprikantin‘ gut gefallen, denn Heller vermittelt hier viel Wissen über Ungarn und seine Bewohner und schafft es zudem, den Leser durchweg zu unterhalten.

    Selbstverständlich finden sich im Buch unzählige Stereotypen, aber das ist nun einmal so bei Büchern, die ein Land auf sehr überspitzte Weise vorstellen (wie z.B. auch bei den Fettnäpfchenführern von Conbook).

    Zusammen mit der ‚Gebrauchsanweisung für Budapest und Ungarn‘ ist ‚Die Paprikantin‘ eine tolle Einführung ins Land, bietet eine gelungene Vorbereitung auf eine Reise und macht neugierig.

    Das Buch ist schon ein wenig in die Jahre gekommen, erschien bereits 2008. Ich persönlich fand das trotzdem nicht schlimm, weil viele Aspekte angesprochen werden, die sich so schnell nicht ändern, auch wenn aktuelle Entwicklungen dadurch natürlich außen vor bleiben.

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