Bücher mit dem Tag "biografischer roman"
67 Bücher
- Jeannette Walls
Schloss aus Glas
(440)Aktuelle Rezension von: buchstaeblichverliebt📌 "Das Leben ist ein Drama voller Tragik und Komik." - S. 176
Die Geschichte, vernachlässigter Kinder und vom Leben überforderter Eltern, schildert das Leben der Autorin selbst.
Jeannette Walls schafft es so anschaulich und mit Witz und Wärme von den bedauernswerten Umständen in ihrer Kindheit zu erzählen, dass man fast glaubt man sei dabei gewesen und das ganze Überleben sei ein großes Abenteuer- auch wenn die Tragik der Handlung nicht verkennbar ist.
Großartig.
- Caroline Bernard
Frida Kahlo und die Farben des Lebens
(194)Aktuelle Rezension von: käutzchenDies ist mein zweiter Roman über die Künstlerin Frida Kahlo.. hauptsächlich fing ich mit den ersten Roman weil die Frau meines Vaters sie verehrt , jetzt nach den Buch muss ich sagen das ich sie verstehe , jetzt bin ich auch von Frida Kahlo fasziniert und werde zukünftig noch einiges über die Künstlerin lesen wollen , was der Frau meines Vaters sehr freuen wird weil sie danach die Bücher von mir bekommen wird .
Bei diesen Buch kam mir Frida sehr nah vor , ich habe vor allem ihre leiden , sei es von ihren dramatischen Unfall , das auf und ab ihrer grossen Liebe Diego miterlebt ..was sie doch für eine starke Frau sie wahr und vieles mit ihren Bildern ausgedrückt hatte ..
Ich kann aber nicht nur Frida Kahlo Fans das Buch ans Herz legen , es ist interessant geschrieben und zieht einen im Sog , vorallen da die Autorin des Buches versucht hat den Roman so authentisch wie möglich zu machen von Frida 's leben ..
- Wolfgang Hohlbein
Mörderhotel
(93)Aktuelle Rezension von: ScriptumFelicisKlappentext:
230 Menschen gehen auf sein Konto: Herman Webster Mudgett, den unglaublichsten Serienmörder aller Zeiten. In Chicago errichtet er eigens ein Hotel, um seine Taten zu begehen. Ein Hotel, in dem es Falltüren, verborgene Räume, Geheimgänge, einen Foltertisch, ein Säurebad und eine Gaskammer gibt. Seine Opfer erleichtert er um ihr Geld und verkauft ihre Leichen an Mediziner. Niemand weiß, was im Kopf dieses Menschen vor sich geht. Bis die Polizei ihm auf die Spur kommt und eine gnadenlose Jagd beginnt.
Meinung:
Der Anfang der Geschichte war sehr stark, aber zwischendurch hatte es leider auch einige Schwächen, weshalb das Buch teilweise sogar etwas langweilig war. Aber beginnen wir von vorne.
Hermann Webster Mudgett war ein Serienmörder, der in der USA aufgrund seiner Morde erhängt wurde. Wolfgang Hohlbein hat diesen Serienmörder zum Hauptcharakter seines Buches gemacht und mit seiner Fantasie angereichert. Das heißt, nicht alles, was hier umschrieben wurde, ist tatsächlich damals so passiert. Irgendwie doch ein beruhigender Gedanke.
Die Idee des Mörderhotels war für mich der Grund nach dem Buch zu greifen, denn es klang unheimlich interessant aber auch enorm gruselig. Leider wurde darüber sehr wenig erzählt und auch die einzelnen Räume wurden kaum näher beleuchtet. Aufgrund des Klappentextes hätte ich diesbezüglich viel mehr erwartet. Ich wollte mittels Falltür in die düsteren Gefilde hinabfallen, durch die grässlichen Räume wandern und sehen, welche Foltervorrichtungen sich Mudgett in seinem kranken Hirn ausgedacht hat. Leider wurde davon nur sehr wenig vermittelt. Stattdessen wird teils langatmig und zäh die Lebensgeschichte von Mudgett erzählt und kapitelweise immer wieder aufgegriffen und weitererzählt. Die Zeitsprünge zwischen Vergangenheit und Gegenwart waren für mich manchmal etwas verwirrend und auch anstrengend, da man oft aus dem Lesefluss gerissen wird. Dadurch gab es auch Längen im Buch, die man meiner Meinung nach hätte kürzen können – insbesondere, wenn man auch die Wiederholungen bedenkt.
Der Schreibstil ist sehr lebendig und bildhaft, weshalb das Buch wohl eher nichts für Zartbesaitete ist. Die Mordbeschreibungen im Buch sind brutal, blutig, schmerzhaft und sehr ausführlich & lebendig beschrieben. Ich möchte mir die Höllenqualen überhaupt nicht ausmalen, es hat mir völlig ausgereicht, dies zu lesen. Jedoch ist es gerade das lebendige und bildhafte, dass dem Leser das Gefühl gibt mittendrin im Geschehen zu sein.
Über die Charaktere kann ich durchweg nur Positives berichten. Sie waren allesamt authentisch und wurden gut beschrieben, sodass man sich ein angemessenes Bild machen konnte. Besonders faszinierend war Mudgett – nicht, weil er ein spannender, angenehmer und sympathischer Zeitgenosse ist, sondern weil seine Psyche intensiv und gut durchleuchtet wurde. Diesem Menschen möchte ich nicht mal in meinem schlimmsten Albtraum begegnen.
Fazit/Empfehlung:
Das Buch hat mir im Großen und Ganzen sehr gut gefallen, jedoch hatte es einige Längen zu verzeichnen. Meiner Meinung nach hätte es dem Buch gutgetan, wenn einiges gekürzt worden wäre.
Die Charaktere und der Schreibstil des Autors haben mich hingegen sehr begeistert, auch wenn es manchmal sehr brutal und blutig war.
- Monika Hürlimann
Mutters Lüge
(192)Aktuelle Rezension von: Babsi123Mein Fazit:
Das Cover ist wunderschön gestaltet und gefällt mir sehr gut. Es strahlt so viel Melancholie aus.....
Für mich ist"Mutters Lüge" eine Reise in die Vergangenheit, denn meine Mutter stammt aus Breslau und sie musste mit ihrer Mutter und 7 Geschwistern aus Breslau fliehen, wobei ein Bruder mit 7 Monaten an Lungenentzündung starb....
Die Hauptprotagonistin Marta und ihr Bruder Tomek sind noch klein, als sie mit ihrer Mutter aus Breslau nach Deutschland fliehen. Was sind die Gründe für diese gefährliche Reise in ein fremdes Land und welches Geheimnis umgibt die Mutter? Ihre Kindheit verläuft eigentlich schön , nur dass sie häufig sich selbst überlassen sind. So wie viele andere Kinder in dieser Zeit...... Marta ist ein ganz toller Charakter. Trotz der fehlenden Liebe und Gefühlskälte ihrer Mutter entwickelt sich Marta sehr gut in Deutschland. Sie möchte Ärztin werden und ihre Erfolge muss sie sich hart erkämpfen. Ihr Bruder Tomek dagegen wird von der Mutter vergöttert. Trotz alledem liebt Marta ihren Bruder über alles. Ihr harter Lebensweg hat mich emotional sehr berührt und tief beeindruckt. Was für eine starke Frau mit solch einem Lebenswillen ...
Die Autorin beschreibt sehr authentisch, wie Martha die entbehrungsreiche Zeit in Breslau als Kind erlebt und die Zeit in" ihrer neuen Welt" in Hamburg genießt. Die erste Banane isst, die Zeit in der Schule erlebt, die Freundlichkeit der Menschen, wie schön es ist, Freunde zu haben, aber auch die Trennung von ihrer geliebten Hündin Joka. Freud und Leid liegen oft dicht beieinander.... Wird sich Martas Traum erfüllen, dass sie Medizin studieren kann? Was hat die Mutter so hart werden lassen, dass sie Marta nicht lieben kann? Es bleibt spannend bis zur letzten Seite...
Der Schreibstil der Autorin ist sehr lebendig, modern, mitreißend, sie spielt mit den Emotionen, schreibt sehr gefühlvoll, mit viel Herzblut geschrieben und sie kann mit Worten wunderbar Gefühle ausdrücken. Es flossen einige Tränchen, besonders als das Geheimnis der Mutter ans Licht kam. Was mich am meisten betroffen gemacht hat, war die Kälte der Mutter gegenüber Marta. Man spürt förmlich die Eiseskälte, die die Mutter umgibt und wie gefühllos sie mit Martha umgeht. Kein liebes Wort zu bekommen, kenne ich von meiner Mutter. Selten habe ich ein Buch gelesen, das mich emotional so fasziniert, aber total berührt hat. Ein wunderbares Lesevergnügen!
- Michelle Marly
Mademoiselle Coco und der Duft der Liebe
(174)Aktuelle Rezension von: theophiliaKlappentext
Auf der Suche nach l’eau d‘amour.
Paris, 1919: Coco Chanel ist es gelungen, ein erfolgreiches Modeunternehmen aufzubauen. Doch als ihr Geliebter Boy Capel bei einem Unfall stirbt, ist sie vor Trauer wie gelähmt. Erst der Plan, ihrer Liebe zu ihm mit einem Parfüm zu gedenken, verleiht ihr neue Tatkraft. Auf ihrer Suche danach begegnet sie dem charismatischen Dimitri Romanow. Mit ihm an ihrer Seite reist Coco nach Südfrankreich, in die Wiege aller großen Düfte, und kommt schon bald dem Duft der Liebe auf die Spur ...
Coco Chanel – eine einzigartige Frau und eine große Liebende. Dies ist ihre Geschichte.
Meine Meinung
Die Neuerfindung der Liebe in einem Flakon
Vor einigen Monaten habe ich das Buch „Coco und die Revolution der Mode“ von Lena Johannson (Aufbau Verlag) gelesen. Für mich fühlte es sich wie der erste Band über das Leben von Coco Chanel an, da es ihre Kindheit, ihren Aufstieg und die Zeit mit Boy Capel schildert. Coco lebte stets in der Vorstellung, eines Tages „Madame Capel“ heißen zu dürfen.
Das vorliegende Buch ist für mich nun wie ein zweiter Band ihres Lebens. Die Kindheit wird nur kurz gestreift, stattdessen setzt die Handlung rasant im Jahr 1919 ein. Die Autorin beginnt mit dem schmerzlichsten Moment in Cocos Leben: dem Tod von Boy Capel. Es entsteht ein starker Kontrast zwischen der schillernden Welt der Pariser Haute Couture und ihrer tiefen, einsamen Trauer.
Die Suche nach dem „Duft der Liebe“
Wie der Titel bereits ankündigt, ist die Suche nach dem perfekten Parfum der rote Faden des Buches. Coco möchte die Erinnerung an ihre große Liebe festhalten. Auf dieser Reise begegnet sie prägenden Persönlichkeiten: Ihre Freundin Misia, Igor Strawinsky und Dmitri Romanow begleiten sie auf dem Weg zur Entstehung einer Ikone – dem Chanel Nº 5.
Besonders die Fahrt zur Parfümfabrik war für mich ein sensorisches Erlebnis. Die Beschreibungen der Düfte waren so intensiv, dass ich sie fast selbst riechen konnte. Die Landschaft der Provence ist berühmt für ihren Lavendel; die lila Felder, die sich wie riesige Teppiche ausbreiten, hatte ich direkt vor Augen. Durch diese lebendigen Schilderungen fielen mir auch die Vorstellungen von Rosen- und Jasmingeruch leicht.
Historie trifft Lebendigkeit
Die Romanbiografien des Aufbau Verlages gefallen mir generell sehr gut. Sie meistern die Gratwanderung zwischen historischen Fakten und der Lebendigkeit der Persönlichkeiten, während sie ganz nebenbei Zeitgeschichte vermitteln.
Da sich Cocos Wunsch, „Madame Capel“ zu werden, nie erfüllte, arrangierte sie ihr Leben mit wechselnden Partnern. So bewahrte sie sich ihre Selbstständigkeit und fand dennoch Nähe.
Ein kleiner Kritikpunkt
Persönlich waren mir die Schilderungen der einzelnen Liebschaften jedoch manchmal zu ausführlich. Die Affäre mit Igor Strawinsky wird zwar sehr lebendig beschrieben, nimmt für meinen Geschmack ebenso einen zu großen Teil des Buches ein – vor allem, da von Beginn an klar ist, dass diese Liebe keine Zukunft hat. Der Abschnitt mit Dmitri Romanow ist dagegen ganz anders aufgebaut: Er ist von gegenseitiger Wertschätzung und Offenheit geprägt. Hier keimte in Coco sogar kurz die Hoffnung auf, dass nicht „Madame Capel“, sondern „Romanowa“ ihr zukünftiger Name sein könnte.
Fazit
Ein Muss für Fans von historischen Romanen und Biografien. Die Geschichte zeigt eindrucksvoll, dass Coco Chanel nicht nur Mode erschaffen hat, sondern eine Rüstung aus Eleganz für die moderne Frau. Es ist eine Hommage an die Resilienz einer Frau, die beschloss, ihren Schmerz in Gold – oder besser gesagt: in ein Parfüm – zu verwandeln.
„Mode ist vergänglich, Stil bleibt bestehen.“ – Diese Geschichte beweist, dass hinter dem Stil oft ein zerbrechliches, aber unnachgiebiges Herz schlägt.
Autorin
Bildquelle Vita | Michelle Marly
Hinter Michelle Marly verbirgt sich die deutsche Bestsellerautorin Micaela Jary, die in der Welt des Kinos und der Musik aufwuchs. Durch ihren Vater, den Komponisten Michael Jary, entdeckte sie schon früh ihre Leidenschaft für französische Chansons. Lange lebte sie in Paris, heute wohnt sie mit Mann und Hund in Berlin und München, sie ist die Mutter einer erwachsenen Tochter und sehr glückliche Oma von zwei Enkelsöhnen.
- Monika Helfer
Die Bagage
(213)Aktuelle Rezension von: mtraunDie Bagage ist ein sehr besonderer Familienroman von Monika Helfer, in dem sie meisterhaft die Geschichte ihrer Großmutter erzählt.
Umgeben von Bergen und unter harschen Lebenskonditionen, sowohl klimabedingt als auch wirtschaftlich, und im zeitlichen Rahmen des Ersten Weltkrieges entwickelt sich der Alltag von Maria und ihrer Kinder. Die Tatsache, dass sie von den Dorfbewohnern als nicht dazugehörig betrachtet werden, und die Komplexität der menschlichen Beziehungen in diesem Kontext spiegelt Helfer in einem wundervollen Schreibstil wider, der sehr nah, spontan und leicht wirkt. Der Leser fühlt sich sekundenschnell in die Ereignisse hineintransportiert und involviert.
Die Autorin verwendet an manchen Stellen Zeitsprünge, wobei das Geschehen keinesfalls unterbrochen erscheint. Die Übergänge der verschiedenen Passagen ist dezent und harmonievoll.
Zu den Beschreibungen im Roman würde ich hervorheben, dass sie den exakten Umfang und Detail aufweisen: Der Leser wird nicht in ausführlichen, endlosen Darstellungen der Umgebung verfangen, bekommt jedoch genug Informationen, um sich selber ein realitätsnahes Bild der Situation zu machen.
Auch die Dialoge finde ich sehr gelungen. An ihnen kann man gut erkennen, wie die jeweilige Persönlichkeit der unterschiedlichen Charaktere zum Ausdruck gebracht werden.
Inhaltlich ist die Lektüre interessant und meiner Meinung nach ziemlich frei von Vorurteilen, obwohl es sich um die eigene Familie der Autorin handelt. In gewisser Weise lässt sich aber der Draht der Schriftstellerin zu ihrer Großmutter erkennen, und wie sie in ihrem Leben eine starke Verbindung zu ihr spürt.
Nichtsdestotrotz hat mir die Form viel besser als der Inhalt gefallen, nämlich wie die Erzählung fließt und wie die Autorin es jedes Mal schafft, mich in ihre Welt zu katapultieren.
Alles in allem ein empfehlenswertes Buch für diejenige, die eine ganz besondere Art von Erzählen erleben möchten.
- Tom Michell
Der Pinguin meines Lebens
(39)Aktuelle Rezension von: Hope66Dieses Buch entdeckte ich in einem Bücherschrank. Ich begann zu lesen und dachte es wäre eine verrückte Liebe zwischen einem Pinguin und einem Mann. Ein schöner Liebesroman. Doch schon die ersten Seiten waren langweilig . Ich las nicht viel weiter. Bei Seite 27 hörte ich schon auf. Es hatte kein Zweck es weiter zu lesen. Schließlich hat das Buch nur 250 Seiten aber trotzdem. Langweilig ist langweilig! Leider abgebrochen und nur ein Stern.
- Joachim Meyerhoff
Hamster im hinteren Stromgebiet
(95)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannWie fragil das Leben ist, wird in diesem fünften Band des begnadeten Erzählers Joachim Meyerhoff äußerst plastisch, aber auch sehr kurzweilig dargestellt. Und zwar, wie gewohnt, anhand eigener in Romanform geschilderter Erlebnisse. Ob man das „Ereignis“ als Schlaganfall, Hirnschlag oder medizinisch korrekt als Apoplex bzw. Apoplexia cerebri bezeichnet, ist jedenfalls nebensächlich, da das Ergebnis im Allgemeinen dazu führen wird, das Leben als das wahrzunehmen, was es ist: äußerst kostbar – weil gleichzeitig so verletzbar.
Allerdings ist der Umgang damit entscheidet dafür, wie ein solcher Einschnitt ins Leben verarbeitet werden kann. Natürlich ist dies abhängig von Ort und Schweregrad eines solchen „Anfalls“. Darin hat der Autor, bei allem Unglück auch ein wenig Glück gehabt; das Kleinhirn ist betroffen und sorgt für so manches Koordinationsproblem im Bewegungsablauf. Aber da der präfrontale Cortex noch einwandfrei funktioniert und auch der Hippocampus mitspielt, kann der Autor auch in dieser Situation in gewohnter Weise, seine Lage analysieren. Dies geschieht teils im Plauderton, teils in recht drastischen Beschreibungen, aber immer so, dass der Ernst der Situation nicht komplett in der Komik verschwindet.
Aber will man es wirklich immer so genau wissen („Ich hatte plötzlich am linken Handballen ein wenig Schei…e.“ […] Ich hoffe im Reifenprofil des Rollstuhls etwas zu finden, doch die Herkunft des Kots blieb mir schleierhaft.“), will man an jedem Fitzelchen seines Lebens (zuhauf Rückblicke en détail) so teilnehmen, als wäre man ein Familienmitglied oder würde hier etwas weniger Drumherum und im Gegenzug ein mehr an Hintergrundinformationen dem Ernst der Situation eher gerecht. Denn schließlich kann es jeden treffen. Und da wäre es ganz gut gewesen, neben all den wichtigen persönlichen Erfahrungen auch etwas mehr über die Erkrankung selbst zu erfahren.
Sprache hilft heilen, so könnte man auch die Quintessenz dieses Buches beschreiben oder mit den Worten des Autors: „Eine Katastrophe wird schon dadurch eine andere, dass die Worte andere sind.“ Dabei hilft das Wienerische offensichtlich kolossal: „‘Da hatten S‘ Glück. Des war ja nur a Schlagerl, das a bisserl bamstig macht.“‘ Neben den anmutigen Teilen der Erzählung finden sich auch immer wieder Sätze, die man gerne festhalten möchte: „Wann war uns das Staunen über den Fortschritt abhandengekommen? Und wann, fragte ich mich, war die Dankbarkeit darüber, dass Dinge funktionierten, zum bloßen Anspruch verkommen?“
Aber vor allem gilt, und das wird in dieser Erzählung besonders deutlich: Es kann jeden treffen – und dann ist es gut, wenn man in einer solchen Situation nicht allein ist auf dieser Welt.
(10.8.2022)
- Michelle Marly
Romy und der Weg nach Paris
(75)Aktuelle Rezension von: JulianchenRomy Schneider hat mich schon als Kind fasziniert. Ihre frühe Paraderolle als Kaiserin Sissi ist sicher eine der frühesten Erinnerungen, doch auch die traurige, einsame Romy kurz vor ihrem Tod hat sich mir eingeprägt. Michelle Marly beschreibt ihrem Roman den Weg von der jungen erfolgreichen Schauspielerin zur selbstbewussten Frau. Ein wirklich bewundernswerter und sicher auch harter Weg, wie sehr gut deutlich wird. Die Handlung beginnt Ende der 50er Jahre als Romy zu Dreharbeiten nach Paris geht und dort den jungen und damals noch unbekannten Alain Delon kennenlernt. Auch eine Figur, die mich sehr fasziniert. Der rebellische, oft ungehobelte, aber wunderschöne Mann wird Romy über viele Jahre begleiten. Erst als Liebhaber und Verlobter, dann als guter und wichtiger Freund. Den Großteil des Buches nimmt die Liebesgeschichte zwischen den beiden ein. Romys Gefühlsleben ist sehr gut eingefangen. Sie, die die Jugend übersprungen hat, fühlt plötzlich die Energie und das Leid der ersten großen Liebe. Ihre Geschichte ist eng verflochten mit der professionellen Karriere der beiden Schauspieler. Während es für Alain immer weiter bergauf geht, stagnieren die Angebote für Romy. Das ist die erfolgsverwöhnte junge Frau nicht gewöhnt. Sie leidet und doch gelingt es ihr, den Kopf aus dem Sand zu ziehen. Ihr Willen die französische Sprache zu lernen und am Theater in Paris zu bestehen, imponieren mir. Als Leser weiß man schon, dass die Beziehung zu Delon nicht von Dauer sein wird und dieses Ungleichgewicht zwischen den beiden zieht sich durch die Jahre. Romy ist immer die, die etwas mehr liebt. Besonders beeindruckt hat mich auch das sehr enge Verhältnis zu ihrer Familie, insbesondere ihrer Mutter. Romy kann sich nur schwer lösen, sehnt sich nach Harmonie und kann dennoch dem Drang nach Freiheit nicht widerstehen. Ein sehr bildhafter und gefühlvoller Einblick in das Leben und Wirken einer der bedeutendsten Schauspielerinnen des 20. Jahrhunderts.
- Lynn Cullen
Die Formel der Hoffnung
(121)Aktuelle Rezension von: Stephanie_RuhDas Dr. D.M. Horstmann eine Frau ist, hat der Chefarzt des Vanderbilt-Hospitals übersehen. Zum Glück für Dorothy Horstmann. In den 1940er Jahren ist es in den USA schwierig, eine Ärztin zu sein. Auch wenn man sehr groß ist. Aber Dorothy geht ihren Weg, denn sie hat das Ziel, das Polio-Virus zu besiegen und keine Kinder mehr deshalb sterben zu sehen.
Das Cover zeigt hauptsächlich den Oberkörper einer Frau sowie den unteren Teil eines Frauengesichtes, das Bild ist durch Puzzleteile etwas interessanter gestaltet und von der schwarzen Schrift des Titels "Die Formel der Hoffnung" bedeckt. Eine große, blonde Frau im Arztkittel, die kleinere Männer überragt, hätte ich zum Buch passend gefunden.
Lynn Cullen hat eine Romanbiografie über Dorothy Horstmann geschrieben, der Frau, die in der Entwicklung und Verbreitung des Polio-Impfstoffes involviert war. An sich bereits ein spannendes Thema, ich habe so viel Neues über Polio gelernt! Lynn Cullen schreibt spannend und unterhaltsam, das Buch hat mich von Anfang bis Ende durchweg unterhalten und, im positiven Sinne, belehrt. Ich mag Bücher, die Wissen unterhaltsam vermitteln und sich gleichzeitig kritisch mit der entsprechenden Zeit beschäftigen, wie hier mit Problemen, die Frauen in dieser Zeit ausgesetzt waren und die von den meisten als ganz normal empfunden wurden. Eine klare Leseempfehlung von mir für alle, die auf unterhaltsame Weise etwas lernen wollen. - Chris Kraus.
I love Dick
(13)Aktuelle Rezension von: UtaJungIch bin hässlich, niemand bemerkt mich, ich bin nichts wert, meine Kunst ist minderwertig und interessiert niemanden.
Im Wesentlichen stellt sich Chris Kraus in ihrem autobiographischen Roman I love Dick so dem Leser dar. Wer hier eine Liebesgeschichte oder eine Art von Obsession erwartet (Dick bedeutet sowohl den Männernamen als auch Penis), wird sich in die Irre geführt sehen.
Um was geht es? Chris Kraus (39; Filmemacherin und Schriftstellerin) und ihr langjähriger Partner Sylvère Lotringer (56; Kulturtheoretiker und Herausgeber) essen mit Dick (Bekannter Sylveres; Kulturwissenschaftler) zu Abend. Chris bildet sich Dicks interessierte Blicke ein. Wie ein Teenager steigert sie sich in eine einseitige behauptete Verliebtheit.
Der erste enttäuschende Schlag, der mich bei der Lektüre traf: Chris berichtet Sylvère haarklein alles, was sie sich da zur Person Dick zusammenfantasiert. Sylvère reagiert im Grunde gelassen, was dieser an sich brisanten Wende jeglichen Reiz nimmt.
Von nun an schreiben sie zusammen Briefe an Dick, die diese eingebildete Verliebtheit zum Inhalt haben. Die Briefe schicken sie nicht ab. (Vorerst.) Chris Kraus kapriziert dieses gedachte Verliebtsein auf einen Mann, den sie nur einige Stunden in ihrem Leben gesehen hat. Sie zerdenkt diese im Grunde nicht empfundenen Gefühle.
Angeregt von den intensiven Gesprächen über Dick haben sie ausnahmsweise wieder Sex zusammen, wofür Sylvère sich brieflich bei Dick bedankt: „Du kannst (...) sogar stolz auf die Heilung sein, die du uns ermöglicht hast. Dafür jedoch, Dick, hättest du in irgendeiner Form Kontakt mit uns aufnehmen müssen...“ (S. 119)
Die Texterei in Richtung Dick löst bei Chris unerschöpfliche Gedankenströme aus:
„Bevor sie Sylvère traf, war sie ein merkwürdiges und einsames Mädchen gewesen, doch nun war sie niemand mehr. (...) Ganz egal, wie viele Filme sie drehte oder wie viele Bücher sie herausgab – solange sie mit Sylvère zusammenlebte, würde sie immer ein Niemand sein, und zwar für alle, auf die es ankam.“ (S. 124)
Mit einem Mal weiß sie sicher, auch Sylvère war nie in sie verliebt (S. 125). Dieser Gedanke impliziert ein Verfügen über Sylvère. Sie denkt, was jemand fühlt, ohne denjenigen zu fragen, wie er es sehe.
Dann trennt sich Chris von Sylvère.
Sie fährt in ihr Haus in Pasadena und denkt dort weiter an Dick. Notiert auf mehr als 200 Seiten ihre Gedanken zu ihrer Beziehung, die ja de facto keine ist.
Die eingebildete Beziehung zu Dick erscheint wie ein Kinderersatz „Chris und Sylvèe hatten keine Kinder, stattdessen drei Abtreibungen...“ (S. 39). Dieses auf sich Fixiertsein lässt Chris im eigenen Gedankensumpf waten und macht sie unsympathisch.
Alles findet nur in ihrem Kopf statt.
Bis sie Dick anruft und ein Treffen mit ihm vereinbart. Es kommt dann auch zum Sex, der nur marginal geschildert wird. Im Anschluss zerredet sie diese körperliche Begegnung. Dick steht dem allen leidenschaftslos gegenüber und schreibt später an Sylvère, dass er es bereue, dieser obsessiven Aufmerksamkeit nur mit verwirrtem Schweigen begegnet zu sein (vgl. S. 290).
Doch Chris braucht Dick als Zuhörer, weil sonst niemand ihr zuhört. „Ich bin vollkommen bedeutungslos.“ (S. 210) Schreibt sie an Dick.
Alles wird rationalisiert, wobei Chris Kraus diese Feststellung schätzungsweise auch wieder rationalisieren würde.
Einerseits vermittelt der Roman anfänglich den Eindruck, hier packe jemand so richtig über sich aus. Andererseits führt das Zerreden (erst mit Sylvère, dann mit Dick), das Analysieren, Einordnen, Rationalisieren jeglicher Regung und jeglichen Gedankens dazu, dass dies alles verdinglicht erscheint und damit uninteressant (für den Leser). Denn ein fühlender und mitfühlender Mensch, der sein Innerstes aufdeckt, ist Chris Kraus in diesem autofiktionalen Roman nicht.
Für ihren Selbsthass [(„... neben der souveränen und glamourösen Rachel (...) fühlte sich Chris wie eine Kakerlake.“ (S. 122)] und ihre beruflichen Misserfolge übernimmt sie nicht die Verantwortung, sondern schiebt dies auf die Verhältnisse und behauptet pauschalisierend, dass dies bei allen Frauen so sei (vgl. S. 231).
The Guardian stellt fest: Das wichtigste Buch des 20. Jahrhunderts über Männer und Frauen“. Fragt sich nur, welche Art Männer und Frauen hier gemeint sind. Denn Chris Kraus scheint sich nicht als eigenständigen, selbständigen, verantwortlichen Menschen zu sehen. „Deinetwegen konnte ich nun daran glauben, trotz allem doch noch jenen neuen Lebenszweck zu finden (...).“ (S. 262)
Was dann wirklich ein wieherndes Lachen hervorruft, ist der Kommentar auf der Rückseite des Buches von Elke Schmitter, Der Spiegel. „Mitreißend schön.“ (entweder ein anderes Buch gelesen oder nichts verstanden...)
- Jack Ketchum
The Lost
(110)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerHast du Lust auf einen intensiven Horrortrip, der dich an den Rand des Wahnsinns führt? Dann schnapp dir „The Lost“ von Jack Ketchum und mach dich bereit für eine düstere Reise in die Abgründe der menschlichen Psyche. Doch Vorsicht, dieses Buch ist nichts für schwache Nerven!
Die Geschichte beginnt an einem heißen Sommertag auf einem scheinbar idyllischen Campingplatz. Ray Pye, ein Teenager mit mehr als nur einem kleinen Sprung in der Schüssel, entdeckt zwei Frauen, die zum Opfer seiner mordlustigen Gelüste werden. Was folgt, ist ein Blutbad, das seine beiden Freunde Tim und Jennifer tatenlos mitansehen. Schon allein der Einstieg lässt dir das Blut in den Adern gefrieren.
Fünf Jahre später: Ray ist immer noch auf freiem Fuß, obwohl die Polizei ihn schwer verdächtigt. Doch Ray lebt ständig am Abgrund, und seine Welt aus Drogen, Sex und krankhaftem Egoismus droht zu zerbrechen. Die Spannung steigt, als zwei unermüdliche Polizisten den Fall wieder aufnehmen und Ray in die Enge treiben.
Ketchums Schreibstil ist wie ein Schlag in die Magengrube – brutal, unverblümt und doch erstaunlich sensibel. Die Charaktere sind so lebendig und detailliert gezeichnet, dass man sich ihnen kaum entziehen kann. Ray Pye ist der Typ Mensch, vor dem du nachts lieber nicht über den Weg laufen möchtest. Seine unberechenbare Art und die düstere Atmosphäre lassen dich als Leser ständig auf der Hut sein.
Das Buch ist in mehrere Perspektiven aufgeteilt, was die Handlung noch fesselnder macht. Du springst von Charakter zu Charakter und erlebst die wachsende Bedrohung aus verschiedenen Blickwinkeln. Das sorgt dafür, dass du ständig auf heißen Kohlen sitzt und förmlich in die Seiten gesogen wirst.
Und was ist mit dem Humor, fragst du? Nun, sagen wir mal so: Wenn du schwarzen Humor magst, wirst du hier fündig. Ketchum versteht es meisterhaft, selbst in den düstersten Momenten einen sarkastischen Kommentar einzubauen, der dir ein schiefes Grinsen ins Gesicht zaubert. Aber erwarte keine Slapstick-Einlagen – das hier ist tiefschwarzer Humor vom Feinsten.
Die eigentliche Stärke von „The Lost“ liegt jedoch in seiner psychologischen Tiefe. Ketchum nimmt sich die Zeit, die inneren Dämonen seiner Charaktere zu erforschen und zeigt dir, wie dünn der Schleier zwischen Normalität und Wahnsinn wirklich ist. Die langsame Eskalation von Rays Wahnsinn ist so realistisch dargestellt, dass es dir kalt den Rücken hinunterläuft.
Fazit: „The Lost“ ist nichts für Zartbesaitete. Es ist eine düstere, intensive Geschichte, die dich bis zur letzten Seite fesseln wird. Jack Ketchum zeigt einmal mehr, dass er ein Meister des Horrors ist, der keine Angst davor hat, die dunklen Ecken der menschlichen Seele auszuleuchten. Also, wenn du dich traust, tauche ein in die albtraumhafte Welt von Ray Pye und sei bereit, an die Grenzen des Wahnsinns geführt zu werden. Aber vergiss nicht, zwischendurch mal tief durchzuatmen – du wirst es brauchen!
- Dave Eggers
Der Mönch von Mokka
(29)Aktuelle Rezension von: wandablueIst es nachvollziehbar, wenn eine Tasse Kaffee 16 Dollar kostet? Wohlgemerkt, man bezahlt damit keine unschlagbare wunderbare Aussicht sich an einem einzigartigen Aussichtspunkt befindend, sondern sitzt oder steht in einer gewöhnlichen Kaffeebar in San Francisco. Jedoch trinkt man einen Kaffee, dessen Export nur unter Lebensgefahr zustande kam und dessen Qualität unschlagbar ist! Und zudem Fair Trade ist. Dass der Kaffee im Jemen erfunden wurde und dass der Jemen eigentlich ein Land ist, das sich wunderbar zum Kaffeeanbau eignet, erfährt man aus dem Roman „Der Mönch von Mokka“. Freilich, ein Mönch kommt nicht vor. Und auch sonst nichts Spirituelles. Dafür erhält man einen leidlichen Einblick in die politische und soziale Situation Jemens. Mokka ist eine Hafenstadt im Jemen und hat nichts mit dem Getränk Mokka zu tun.
Der Held Mohtar ist jemenstämmig, aber Amerikaner. In seinem jungen Leben hat er schon viele Jobs gestemmt, eigentlich möchte der intelligente, strebsame junge Mann studieren, aber das Leben kommt dazwischen, die Armut und nun ja, er lässt sich leicht ablenken, außerdem hat er überambitionierte Träume, die sich nie verwirklichen lassen. Eigentlich ist Mohtar eine Art Traumtänzer mit gelegentlichem Realitätschek. Aber dann verbeißt er sich in die Idee, Kaffee aus dem Jemen zu exportieren. Und auf einmal bleibt er dran. Entwickelt Leidenschaft. Und Unternehmergeist. Unter Lebensgefahr gelingt es ihm mit Engagement, mit Hilfe seines Clans im Jemen und mit einer guten Portion Glück, reich zu werden. Ja, ohne Glück gelingt es nicht, genau so gut, hätte er auf seinen Reisen ermordet werden können oder im Bombenhagel umkommen. Ist er aber nicht.
Der Kommentar und das Leseerlebnis:
Der Roman fesselt mich von der ersten Zeile an. Vor allem, da er auf Tatsachen aufbaut. Ich mag Dave Eggers Stil, eine Mischung aus nüchterner Beschreibung, guten Charakterisierungen und dem Aufbau nonchalanter Spannung. Man kann nicht sagen, dass Dave Eggers in den Tiefen der menschlichen Psychologie schürfen würde, dennoch bringt er im Kaffeeroman rüber: + Migrant zu sein kann Vorteile mit sich bringen, wegen der Doppelsprachigkeit und wegen der Beziehungen zur alten Heimat. + Manchmal wird Mut und Risikobereitschaft belohnt. + Vieles hängt auch vom Zufall ab. + Nicht jeder ist seines Glückes Schmied, aber mancher. + Es ist nicht selbstverständlich, dass wir morgens unseren Kaffee schlürfen dürfen.
Freilich kann Kaffeetrinken Kult sein und überhöht werden, wie alles eben. Nie im Leben würde ich 16 Dollar für eine Tasse Kaffee ausgeben. Ist einfach nicht meine Welt. Aber was sollen die Reichen denn sonst mit ihrem Reichtum anfangen? Falls ihr mal in eine Kaffeebar geht, fragt auf alle Fälle einmal nach Kaffee aus dem Jemen.
Fazit: Unterhaltsam, spannend, lehrreich. Macht einfach Spaß.
Kategorie: Abenteuer. Tatsachenroman.
Kiwi, 2018 - Hürlimann Monika
Marta
(40)Aktuelle Rezension von: Sigrid1Dieses Buch hat mich doch sehr beeindruckt. Es wird die Lebensgeschichte von Marta erzählt, die ihre Kindheit in Polen verbringt, als Jugendliche nach Deutschland auswandert und später dann in der Schweiz übersiedelt. Es ist ein sehr emotionales Buch, denn die Erlebnisse von Marta sind nicht sehr einfach. Die politische Situation in Polen ist schwierig bis gefährlich und auch ihr familiäres Umfeldt ist problematisch. Sie hat ein schwieriges Verhältnis zu ihrer alleinerziehenden Mutter und auch mit ihrem Zwillingsbruder hat so sie manchmal ihre Probleme. Aber es gibt ja noch ihre Großeltern und andere Bezugspersonen, zu denen sie eine sehr innige Beziehung hat und ihr auch ein Leben lang zur Seite stehen. Die damaligen politischen und auch die persönlichen Lebensbedingungen werden sehr lebendig erzählt. Durch diese sehr intensive und sehr authentische Erzählung kann man sich alles sehr gut vorstellen. Es war für mich ein sehr emotionales Erlebnis und ich habe oft innegehalten, um mir die damalige Zeit wieder ins Gedächtnis zu rufen. Denn ich bin nur ein paar Jahre älter als Marta. Und es ist mir sofort aufgefallen, dass ich einen ganz anderen Blick auf diese Zeit habe. Gut - die politische Situation war mir klar, wenn auch nicht mit allen Folgen für die Menschen, aber ich war persönlich nicht unmittelbar betroffen und auch in einem Alter, wo andere Dinge für mich eine größere Priorität hatten. Aber die Ereignisse um ihre Flucht nach Deutschland - die ständigen Neuanfänge - das Verhältnis zu ihrer Mutter und ihren erfolgreichen Versuch einen Lebensinhalt für sich zu finden, ist sehr interessant und es zeigt sich auch welche pragmatische Sicht Marta auf alles hat. Sie macht immer das Beste daraus, kämpft sich durch, lernt immer sehr gezielt und hat ja schon früh ihre Berufswahl getroffen. Ärztin wollte sie schon als kleines Kind werden und das hat sie auch erreicht. Ich fand ihre Wahl sehr interessant und man erlebt ja auch ihre eigene Auseinandersetzung mit ihrer Herkunft und dem Verhältnis zu ihrer Mutter und deren Lebensgeschichte. Denn ihre Mutter Johanna hat so ihre eigenen Geheimnisse und auch diese Geschichte recherchiert Marta. Das Ergebnis ist überraschend und muss dann auch von allen Beteiligten erstmal verarbeitet werden. Es ist kein einfaches Buch. Man liest es nicht so runter und fertig. Ich hatte zu Beginn so meine Schwierigkeiten, denn jedes Kapitel spielt in einer bestimmten Zeit und die wechselten am Anfang von Gegenwart zur Vergangenheit hin und her. Es war nicht so einfach die zeitliche Reihenfolge im Auge zu behalten. Aber nach einiger Zeit ging es und später erfolgten die Kapitel auch in zeitlicher Reihenfolge. Und es gab sehr viele Personen kennenzulernen, die mit ihren sehr unterschiedlichen Charaktere sehr interessant waren. Marta ist wirklich eine sehr starke Frau, die es sich nicht leicht macht mit ihren Entscheidungen. Aber sie steht immer zu ihrer Mutter und ihrem Bruder, auch wenn die beiden sie nicht gerade liebevoll behandeln. Sie hilft ihnen immer und auch mit ihren Freunden und der restl. Familie bleibt sie tief verbunden. Die Schilderungen aus dem Arbeitsalltag fand ich manchmal schon ziemlich heftig, aber die Arbeit in der Psychatrie ist sicher nicht einfach und als Außenstehender kann man die Arbeitsmethoden auch nicht unbedingt verstehen. Aber Marta ist erfolgreich in ihrem Beruf und ist bei ihren Patienten beliebt. Das Buch erzählt eine Lebensgeschichte und man wird mit allen möglichen Ereignissen und Handlungen konfrontiert - so kann das wahre Leben eben sein. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, Marta war mir sehr sympathisch und ich fand die Beschreibungen der politischen Situation und den daraus resultierenden Handlungen sehr spannend. Es war ein neuer Blickwinkel auf diese Zeit und ich muss sagen, ich habe die Lesezeit sehr genossen. Es war spannend und interessant Marta auf ihrem Lebensweg mit allen Höhen und Tiefen zu folgen. Ich kann das Buch mit guten Gewissen weiterempfehlen. Es ist eine sehr interessante Lektüre für schöne Lesestunden.
- Sabine Weigand
Die englische Fürstin
(59)Aktuelle Rezension von: TochterAlicewie das früher ablief: Daisy von Pless, die als schönste Frau ihrer Zeit bezeichnet wurde, musste einen langweiligen, älteren deutschen Fürsten heiraten und zwar nur aus dem Grund, dass er steinreich war und ihre bankrotten Eltern aushalten konnte.
Wie es ihr dabei ging, das war egal. Wobei sie in jeder Hinsicht das Beste daraus machte, obwohl ihr Mann nicht nur reizlos, sondern regelrecht unsympathisch war und sie nach Strich und Faden betrog! Dabei konnte ihn eigentlich niemand leiden, weswegen er in der politischen Landschaft des Kaiserreichs vor dem Ersten Weltkrieg überhaupt keine Schnitte hatte, so sehr er sich auch bemühte!
Daisy hingegen hatte neben ihrer Schönheit auch noch was zwischen den Ohren und zudem ein ganz schön lautes soziales Gewissen.
In ihrer spannenden und eindringlichen Romanbiographie bringt Sabine Weigand die englische Fürstin, die es nach Schlesien verschlug, dem Leser unglaublich nahe. Ich habe richtiggehend darin geschwelgt. Nur stand für mich Herzschmerz ein bisschen zu sehr im Mittelpunkt. Dennoch ein sehr empfehlenswertes Buch für alle historisch Interessierten.
- Sabine Weigand
Die Königsdame
(64)Aktuelle Rezension von: Thommy28Einen kurzen Blick auf die Handlung ermöglicht die Kurzinfo hier auf der Buchseite. Meine persönliche Meinung:
Die Mischung von historischen Fakten und historischen Persönlichkeiten mit einer fiktiven Geschichte und fiktiven Figuren fasziniert mich immer wieder. Dies ist in vorliegendem Fall ganz hervorragend gelungen. Die Figuren - ob nun historisch belegt oder nicht - wirken lebendig und sind sehr gut und intensiv gezeichnet.
Die Schreibweise ist etwas sehr Besonderes - die Autorin versteht es meisterhaft ihre Erzählung durch viele (oftmals authentische) Dokumente, Briefe, Kalendereinträge und Rezepte aufzulockern und der gesamten Handlung einen sehr besonderes Leseerlebnis zu erzeugen. Dazu dient auch die gerade in diesen Handlungs-Einschüben verwendete altertümliche Sprache. Diese dienen aber nicht nur der Auflockerung, sonders sie treiben die Handlung auch gekonnt weiter.
Für mich eines der besten historischen Bücher. Mir hat es jedenfalls viel Lust auf weitere historische Bücher der Autorin gemacht.
- Kirstin Breitenfellner
Maria malt
(6)Aktuelle Rezension von: Christine_NeumeyerDie Kunst von Maria Lassnig habe ich bei einer Ausstellung in Wien kennengelernt. Die Kraft ihrer Bilder hat mich sehr beeindruckt. Als kunstaffine Leserin hat mich dieses Buch sofort angesprochen. Sätze wie "Erst aus der Fülle der Zeit entsteht die Konzentration, aus der sich das Bild malt", oder "Die Kunst ist frei" oder "Malen braucht Zeit" sprechen mich an. Ein "quadratisches" Mädchen aus einfachen Verhältnissen, die anfangs von der Mutter verstoßen, dann doch von ihr aufgenommen und geliebt sowie unterstützt und gefördert wird, hat eine außergewöhnliche Begabung. Sie ist frei in ihren Entscheidungen, darf malen und MUSS nicht damit Geld verdienen. Dafür werden sie einige beneiden. Sie will keine Kinder (später ist sie doch etwas traurig, keine zu haben), sie will keinen Mann (Sex aber schon - herrlich), sie will sich nicht verkaufen. Oberflächlichkeit widert sie an. Dass Männer es auch in der Kunst viel leichter haben, ärgert sie. Ihre besondere Begabung wird lange Jahre nur im kleinen Kreis bemerkt. Spät erhält sie die dann doch die verdiente Anerkennung. Großartig! Danke, Kirstin Breitenfellner, für diesen Roman und die Fiktion, die man sich sehr gut als Wirklichkeit vorstellen kann.
- Michelle Spillner
Der beste Sommer unseres Lebens
(13)Aktuelle Rezension von: tinstampBewertung: 4 1/2 Sterne
Der biografisch angelehnte Roman von Michelle Spillner erzählt von vier Frauen, die gemeinsam sechs Wochen in einer Reha-Klinik an der Ostsee verbringen. Alle von ihnen haben eine Krebserkrankung überstanden und sind in der Rekonvaleszenzphase.Diese vier Frauen, Ira, Manu, Anna und Ich-Erzählerin Kiki, sind sehr unterschiedliche Charaktere und gehen auf verschiedene Art und Weise mit ihrer Krankheit um. Anfangs alles andere als begeistert von den Therapiesitzungen, die sie für kompletten Unsinn halten, ändert sich ihre Einstellung im Laufe des Romans. Die Therapeutin Frau Leu nimmt bis zum Ende der Geschichte eine prägende Rolle ein. Aber vorallem sind diese sechs Wochen eine besondere Zeitspanne, die diese Frauen miteinander verbingen..
Die gemeinsamen Unternehmungen lassen Kiki, Manu, Anna und Ira immer mehr zusammenwachsen und zu gute Freundinnen werden. Sie versuchen die Tage zu genießen und verlben einen unbeschwerten Sommer. Erst mit der Zeit erzählen sie sich untereinander, wie sie von der Krebsdiagnose erfahren haben und wie sie und ihre Umwelt damit umgeht. Alle Gefühlsregungen sind vorhanden und jede der vier Frauen kämpft auf ihre eigene Weise gegen ihr Schicksal. Manu rebelliert und nimmt in ihrer Verzweiflung keinerlei Rücksicht auf Konsequenzen, trotzdem fand ich sie wahnsinnig sympathisch. Ein spezieller Charakter, der sich den Wunsch Sängerin in einer Band zu werden bereits erfüllt hat und kurz vor dem großen Durchbruch steht. Anna ist voller Hoffnung. Sie wünscht sich nichts mehr als einmal selbst Mutter zu werden. Deshalb hat sie auch ihr Studium beendet und ist Kindergärtnerin geworden. Ira erscheint als die Gleichgültige und dem Schicksal ergebene und Kiki ist die Einzelkämpferin unter den Frauen. Sie versucht ihr Leben so weiterzuleben wie zuvor und stößt sehr bald an ihre Grenzen. Fast zu spät erkennt sie, dass sie ihr Leben ändern muss, um wirklich leben zu können.
Nach Beendigung des Kuraufenthaltes versprechen die vier Frauen sich weiterhin zu treffen und in Kontakt zu bleiben. Ob die Freundschaft auch im Alltagsleben halten kann? Erinnern die Treffen doch wieder an ihre Krankheit, die sie zwar immer mit sich herum mitschleppen, aber nicht daran erinnert werden wollen. So beschließen si, dass sie sich in zehn Jahren auf den Tag genau wieder am selben Platz zu treffen....
Michelle Spiller erzählt hier von eigenen Erfahrungen und das erkennt man von der ersten Seite an. Die Geschichte wirkt ehrlich und authentisch. Obwohl es sich hier um ein ernstes Thema handelt, wird die Zeit in der Kurklinik mit viel Witz und Humor erzählt. Einige ganz besondere Charaktere wie "der Meckermann" oder Irina geben der Geschichte noch einen rundum gelungenen Rahmen. In der Zeit danach begleiten wir nur mehr Kiki, die schneller als ihr lieb ist wieder in ihr Alltagsleben abtaucht. Sie weiß, dass es ihr nicht gut tut und benötigt viel zu lange um die Konsequenzen zu ziehen.
Der Roman ist sehr einfühlsam geschrieben und regt an, sich selbst und sein eigenes Leben zu überdenken. Was ist wirklich wichtig? Was würde ich tun, wenn ich nur mehr kurze Zeit zu leben hätte? Bin ich glücklich mit dem was ich mache? Wie stelle ich mir mein weiteres Leben vor? Welche Ziele habe ich vor Augen?
Fazit:
Eine Geschichte, die direkt aus dem Leben gegriffen ist und uns unsere Endlichkeit aufzeigt. Trotzallem weder düster noch melodramtisch. Man durchlebt eine Achterbahn der Gefühle. Das Ende lässt einem nicht kalt....deswegen: Carpe diem! Lebe den Tag! - Lindsay Jayne Ashford
Die Frau im Orient-Express
(26)Aktuelle Rezension von: Sabine_IlletschkoEin gefühlvoller Roman, der uns in orientalische Gefilde entführt, der Geschichte einer großartigen Schriftstellerin folgt und mit einem emotionalen Ende überrascht. Absolut lesenswert!
- William Boyd
Die Fotografin
(72)Aktuelle Rezension von: Buchfresserchen1Amory kommt fast zu Tode, als ihr Vater gemeinsam mit ihr einen Selbstmord begehen will. Das hat die junge Frau natürlich ihr gesamtes Leben begleitet und vielleicht ihren Hunger nach Leben ausgemacht, den ich zwischen den Zeilen heraus hörte.
Der Autor hat berichtet, wie sie in Kriegsszenen fotografierte, im Berlin der dreißiger Jahre auch in der Szene unterwegs war.
Sie hatte viele Liebesgeschichten, die auch genauer beleuchtet wurden, bis sie nachher sesshaft geworden scheint und kurzerhand ihre Karriere als Fotografin in den Hintergrund rückte.
Nach einem weiteren Schicksalsschlag war sie dann aber wieder mit der Kamera zurück.
Amory war sicherlich eine interessante Frau ihrer Zeit, aber ihr Leben war mir doch zu sehr von ihren Liebschaften und ihrem Hunger nach dem perfekten Bild geprägt.
Mich hat der Roman leider nicht begeistern können, was sicherlich aber nicht am Schreibstil lag, sondern vielmehr an dem was ich lieber lesen mag. - Olivier Guez
Das Verschwinden des Josef Mengele
(92)Aktuelle Rezension von: mariameerhabaZuzusehen wie Mengele alles verliert, seine Würde, seine Haltung, seinen Doktortitel, es hatte etwas Befriedigendes, das gebe ich ungern zu. Das Karma hat ihn eingeholt, sein Leben zerstört, die letzten Lebensjahre waren nur noch eine Folter für ihn, ohne dass ihn jemals sein Gewissen beunruhigt hat und das zu lesen, war erschreckend.
Der Autor hier beschreibt sehr gut die Flucht eines Monsters. Er macht daraus nicht einen einfachen Bericht, das den zweiten Abschnitt vom Leben Mengeles zerlegt, sondern er sorgt dafür, dass man Mengeles Elend mitfühlt, dass man dabei ist und zu sieht, wie ein stolzer Mann langsam zerbricht.
Es ist ein erschütterndes Buch, aber gleichzeitig zeigt es auch, wie die Reichen davonkommen können. Wie sie sich der Justiz entziehen, wie Geld ihnen ermöglicht, jenseits der Gesetze ein Leben zu führen, das man getrost als ein schönes Leben bezeichnen kann. Vielleicht ging es Mengele nicht gut bei seiner Flucht, aber alle anderen hatten doch ein angenehmes Leben, gönnten sich nach so viel Mord und Korruption eine Villa, ein riesiges Anwesen, die ihre Vergangenheit so weit in den Schatten rückte, das man sie zu beneiden begonnen hat.
Das Buch ist spannend, interessant, gewaltig, brutal und so ehrlich, dass es mich sehr oft erschüttert hat. Der Stil ist einfach und leicht und vor allem funktioniert das Buch. Ich habe es gern gelesen.
- Maria Regina Kaiser
Hildegard von Bingen
(23)Aktuelle Rezension von: PixibuchIch liebe und verschlinge die Bücher von Maria Regina Kaiser. Keine kann so wie sie das Leben von historischen Frauen beschreiben und dem Leser sehr plastisch darstellen. Hier geht es um Hildegard von Bingen. Eine mehr als interessante Frau. Man kennt von ihr die Kräuter und die medizinische Anwendung von diesen und auch ihre mehr als gesunde Lebensweise. Schon früh hatte Hildegard Visionen und konnte in die Zukunft schauen, was jedoch von ihrer Mutter und ihrer Kinderfrau herbgespielt und unterdrückt wurde. Schon als kleines Kind und ein Leben lang litt sie unter starken Krämpfen und Lähmungen. Als ihre um sechs Jahre ältere Cousine Jutta durch eigene Intiative das Klosterleben bevorzugte und ins Kloster am Disibodenberg ging, wurde sie von Hildegard begleitet. Als Jutta starb, wurde HIldegard die neue Magistra. Sie begann nun, ihre Erscheinungen und Visionen aufzuschreiben und als es mit den Mönchen zu Unstimmigkeiten kam, setzte sie alles daran, um auf dem Rupertsberg ein neues Frauenkloster zu errichten. Hildegard war sehr belesen, konnte sogar Latein, verstand sich auf Pflanzen und Kräuter, wußte von der Anatomie des menschlichen Körpers, egal ob dem männlichen oder dem weiblichen. Sie hatte Kontakt mit Gelehrten, Kirchenfürten, Herrschern und durfte sogar mit der Zustimmung des Papstes predigen. Hildegard (1098 bis 1179) war ihrer Zeit weit voraus und noch heute werden ihre Rezepte und Kräuter angewandt. Maria Regina Kaiser läßt uns in das Leben von Hildegard von Bingen schauen und hat einen derart interessanten Schreibstil, man meint einen interessanten Thriller zu lesen. Sie hat derart gut und umfangreiche recherchiert, die geschichtlichen Daten und Vorgänge hat sie stimmig mit dem Leben der Klosterschwestern verbunden. Das Buch beteht aus drei Teilen, wobei der letzte Teil nochmals eingehend auf die historischen Persönlichkeiten und Gegebenheiten eingeht. Im Buch sind auch wunderbare Holzschnitte und Zeichnungen vorhanden, so dass man in etwa eine Vorstellung von Hildegard und dem Kloster hat. Die Innenseite ist mit gezeichneten Kräutern verziert und das Cover zeigt uns Hildegrad von Bingen. Sie war eine der ersten gelehrten Frauen und trotz ihrer Krankheit und Gebrechlichkeit hatte sie einen starken Willen und Durchsetzungsvermögen. Am Buchende befindet sich eine Zeittafel, die Weggefährten und Orte von Hildegard und ein Glossar, so dass sich der Leser immer wieder informieren und orientieren kann. Geschichte, die gelebt werden kann.
- Minna Rytisalo
Lempi, das heißt Liebe
(91)Aktuelle Rezension von: EmmaWinterLempi, Kaufmannstochter aus der Stadt, heiratet kurzentschlossen den jungen Bauern Viljami und geht mit ihm auf seinen Hof in Lappland. Bald muss Viljami in den Krieg ziehen und seine Frau bleibt allein mit der Magd auf dem Hof zurück. Als er heimkehrt, ist seine große Liebe Lempi verschwunden.
Die Figur der Lempi bleibt undeutlich, wie auf dem Cover. Wir lernen sie nur durch die Augen anderer kennen. Im ersten Dritten verzehrt sich Viljami auf dem Weg nach Hause nach ihr und kann nicht fassen, dass sie ihn verlassen haben soll. Der zweite Abschnitt wird aus der Sicht der Magd Elli erzählt, die letzte Sicht auf Lempi gewährt uns ihre Zwillingsschwester Sisko.
Der Debütroman der ebenfalls aus dem nördlichsten Teil Finnlands stammenden Autorin Rytisalo besticht durch die drei unterschiedlichen Sprachstile, die sie ihren drei Erzähler*innen gibt. Ich muss gestehen, dass mich der erste Abschnitt ziemlich ermüdet hat. Erst mit der Erzählung der Magd nimmt der Roman Schwung auf und auch Spannung. Es lohnt sich also dranzubleiben.
Neben der Sprache und der ungewöhnlichen Erzählweise barg das Buch auch inhaltlich Neues für mich. Hintergrund der Handlung ist der zweite Weltkrieg, der Winterkrieg zwischen Russland und Finnland 1939/40 und die Waffenbruderschaft der Finnen und Deutschen gegen die Russen im Anschluss. Nach einem Waffenstillstandsvertrag mit Russland im September 1944, mussten alle deutsche Soldaten innerhalb von 14 Tagen Finnland verlassen. Plötzlich wurden aus Waffenbrüdern Feinde und viele finnische Frauen, die sich mit den Deutschen eingelassen hatten, wurden noch jahrzehntelang diskriminiert. Ebenso erging es ihren Kindern. Dieses dunkle Kapitel wird im Roman an verschiedenen Stellen thematisiert.
Der Roman läßt viel Spielraum für eigene Interpretationen was die Figuren und ihr Handeln anbelangt. Es wird nicht alles erklärt, vieles nur angedeutet. Letztlich muss sich jede*r selbst sein Bild von Lempi machen, den eigenen Blick scharf stellen, um in den Erzählungen der anderen Personen "seine" oder "ihre" Lempi zu entdecken.
- Isabel Allende
Das Siegel der Tage
(32)Aktuelle Rezension von: ArgentumverdeIsabel Allende schreibt Briefe an ihre Tochter Paula über die Zeit nach deren Tod. Beginnend mit dem Verstreuen der Asche der Verstorbenen, über die kleinen und großen Wendungen des Lebens, hin zu dem Moment, wo die Autorin dieses Buch für jetzt beendet. Ind immer ist die Autorin mittendrin im Geschehen, manchmal aufgedrängt, manchmal gewollt, letztlich passiert nur wenig ohne sie.
Isabel Allende ist die Meisterin des Erzählens, und ihre vielköpfige Familie bietet einen reichen Fundus an unglaublichen Geschichten. Liebschaften und unverhoffte Trennungen spielen eine Rolle, ebenso wie zwei lesbische buddhistische Nonnen, die sich wie selbstverständlich eines elternlosen Säuglings annehmen, oder ein stoischer Buchhalter, der sich auf Befehl seiner chinesischen Mutter auf die Suche nach einer Ehefrau macht. Mit Wärme, Humor und ihrem handfesten Sinn dafür, wie sich dem Leben in all seinen Formen begegnen läßt, erzählt Isabel Allende von den schwierigen Zeiten nach dem Verlust ihrer Tochter Paula und von den erfüllten Tagen im Zentrum einer überaus farbigen Großfamilie, von ihren eigenen Problemen, Sorgen und Nöten und dem Glück nicht allein zu sein. Der Schreibstil in Briefform, in dem sie direkt an ihre verstorbene Tochter schreibt, ist zuerst ungewohnt, aber schon nach kurzer Zeit nicht mehr störend. Allendes Art sich in alles einzumischen ist nicht ungewöhnlich in Hinsicht auf ihre chilenische Nationalität, stößt aber sicherlich nicht nur im erweiterten kalifornischen Umfeld ab und an auf Unverständnis, sondern auch für den Leser ist es manchmal eher eigenartig. Aber gerade diese Ehrlichkeit und das manchmal etwas skurrile Geschehen machen auch den Charme des Buches aus.
Mein Fazit: Das die Autorin erzählen kann, brauchte sie mir nicht mehr beweisen, aber das sie es versteht, über sich selbst und das Leben um sie herum hinauszuschauen und den Blick für das Wesentliche am Ende nicht zu verlieren, nämlich die Liebe zu ihrer Familie, konnte sie mit diesem Buch mehr als verdeutlichen. Mir persönlich wäre eine derartige Großfamilie und Lebensweise zu viel, aber ich habe sehr gerne durch das Loch im Zaun geschaut und mich an der bunten Vielfalt von Allendes Erzählungen erfreut.























