Bücher mit dem Tag "biographisch"

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41 Bücher

  1. Cover des Buches Eine Geschichte von Liebe und Finsternis (ISBN: 9783518467268)
    Amos Oz

    Eine Geschichte von Liebe und Finsternis

    (110)
    Aktuelle Rezension von: Jari
    Eigentlich hatte ich nie vor, dieses Buch zu lesen. Schlussendlich tat ich es trotzdem und zwar für die Weltreise-Challenge. Also liess ich mich von Amos Oz durch Jerusalem und seine Geschichte führen. Es war kein Flop, obwohl ich mich doch etwas durch das Buch quälen musste, und das ist schon mal nicht schlecht.

    Grundsätzlich bin ich nun froh, sagen zu können, dass ich ein Buch von Amos Oz gelesen habe. Dazu auch noch sein wohl bekanntestes. Am meisten gefielen mir die einzelnen Passagen, in denen es um die Literatur und Amos' intellektuelle Familie ging. Also vor allem der Anfang hat es mir doch sehr angetan.

    Doch schlussendlich hat sich das Buch für mich zu sehr verzweigt, aber damit hatte ich schon gerechnet. Vielleicht war meine Lektüre somit eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, wobei ich wie schon gesagt, vom Anfang sehr begeistert war. Aber mit der Zeit liess meine Faszination merklich nach und ich blieb eigentlich nur wegen ein bisschen Faktenwissen und der Challenge dabei.

    Sprachlich bewegt sich Oz auf einem Niveau, das seinem Ruf gerecht wird. Ein präziser Schriftsteller, sehr begabt, ein Talent, welches aus seinem familiären Umfeld gewachsen ist. Wer in eine solch akademische Familie hineingeboren wird, dem liegt das Spielen mit den Worten wahrscheinlich im Blut. Dennoch war es ermutigend zu erfahren, dass auch jemand wie ein Amos Oz Mühe hatte. Deshalb war es auch wieder das Ende, das mich nach längerer Durststrecke wieder mitnahm.

    Ich bin froh, dass ich das Buch durch habe. Trotz meines Mühsals war die Lektüre nicht vergebens. Viele schöne Textzeilen warten darauf, niedergeschrieben zu werden. Ausserdem habe ich einiges über die Geschichte Jerusalems und Israels lernen können. Kein Buch ist vergebens und dieses schon gar nicht.

    Bücher wie "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis" tun gut, auch wenn man sich durch sie durchkämpft. Auch dann, wenn man die Handlungen der Figuren nicht versteht. Nicht versteht, wie sie oft nicht zufrieden sein können, wenn sie doch ein Leben leben, das ich auch gerne hätte. Aber jeder kämpft mit seinen Geistern, auch das lehrt uns Oz. Manchmal sind sie auch zu stark, dies zeigt das prägende Erlebnis des Todes der Mutter, das an unterschiedlichen Stellen thematisiert wird.

    Ein eindrückliches Buch mit starkem Charakter. Ein Buch, das sich nicht so leicht unterkriegen lässt, trotz aller Unwirtlichkeiten. Deshalb prädestiniert wie kein zweites, um Israel zu repräsentieren.
  2. Cover des Buches Zauber der Stille (ISBN: 9783596523887)
    Florian Illies

    Zauber der Stille

    (74)
    Aktuelle Rezension von: Hubertus_Feldmann

    Die Superlative reichen kaum aus, um dieses Buch angemessen zu würdigen. Von Beginn an nimmt es den Leser gefangen, nimmt in mit auf eine Wanderschaft durch das Leben des großen Malers, eingebettet in historische Ereignisse jener Zeit, mit Schlenkern bis in die Jetztzeit, die mit einer Liebe zelebriert werden, die einzigartig ist. Das gilt sowohl für die Person Friedrichs als auch für seine Bilder. Man spürt, hier hat jemand den innigen Kontakt zu „seinem Thema“ gesucht, denn nur so ist ein derartiges Werk möglich.

    Es ist nicht nur eine persönliche Lebensreise, die hier so spannend wie eindrücklich geschildert wird, es sind auch die verschiedenen Reisen der Bilder, von ihrer Entstehung/Entwicklung bis zu den oft vielseitigen Besitzverhältnissen, während der sie entwendet verkauft, weiter-vermacht, verschenkt oder ergaunert werden, wie das Bild „Ansicht eines Hafens“. Bilder, die verschwinden und wieder auftauchen – um dann teils endgültig unterzutauchen oder zerstört zu werden (vorzugweise durch Feuer) – oder als sogenannte Beutekunst möglicherweise das eine oder andere russische Zimmer ziert.

    Die Beschreibungen einzelner Werke sind so eindrücklich, dass man, auch ohne diese Bilder jemals zu Gesicht bekommen zu haben, sich diese lebhaft vorstellen kann. Und im Übrigen, auch das wird hier deutlich, entsteht ja ein je unterschiedliches Bild im Kopf des jeweiligen Betrachters, versehen mit wechselnden Bezügen, angepasst an dessen oder deren Erfahrungen. 

    Oft werden Emotionen geweckt, die tief berühren, die tief hinabreichen, angereichert durch eigene Gedanken, in die Beweggründe allen Seins, hier beispielhaft skizziert am Bild „Mönch am Meer“: „‘Der Mönch am Meer‘“ ist das Bild eines verzweifelten Mannes. Gnadenlos lastet der düstere Himmel auf den Schultern des einsamen Mönchs am dunklen Wasser, er steht verloren auf einem kleinen Sandhügel am Rande des finsteren Ufers. Es formuliert letztlich die Paradoxie des Glaubens: eine Aufrechterhaltung der Hoffnung im Wissen um deren Aussichtslosigkeit. Friedrich malt das Bild, als er kurz hintereinander erst seine Schwester und dann seinen Vater verloren hat, das Bild ist von Monat zu Monat dunkler und radikaler geworden, wie wir von den Besuchern seines Ateliers wissen. Nie zuvor ist das Zweifeln an Gott, die Nichtigkeit des Einzelnen und seine Verlorenheit angesichts der Urkräfte der Natur kompromissloser dargestellt worden.“

    Offensichtlich möchte Friedrich dem emotionalen Ringen, dem Widerstreiten ganz unterschiedlicher Gefühle, den persönlichen Belastungen und Enttäuschungen etwas entgegensetzten, was ihm Fundament und Halt gibt im täglichen Leben. So verwandelt er seine sehnsüchtige Melancholie, seinen Schmerz sowie seine inneren Visionen, zu herzergreifenden Pinselstrichen. Was für ein Glück für uns …

    (4.2.2024)

  3. Cover des Buches Ich, Heinrich VIII. (ISBN: 9783732598236)
    Margaret George

    Ich, Heinrich VIII.

    (97)
    Aktuelle Rezension von: Sternenstaubfee

    Heinrich VIII interessiert mich schon seit der Schulzeit. Nun habe ich es endlich geschafft, diesen Wälzer zu lesen. Gute vier Monate habe ich gebraucht, nicht weil das Buch langweilig war, sondern weil es so intensiv war. Ich wollte es genießen, und das habe ich. 

    Es ist eine Art Biografie in Tagebuchform, und dieses Buch hat mir Heinrich VIII noch mal ganz anders gezeigt. Irgendwie menschlicher. 

    Wer sich für die englische Geschichte interessiert, dem kann ich dieses Werk auf jeden Fall empfehlen!

    10.07.2025

  4. Cover des Buches Und Marx stand still in Darwins Garten (ISBN: 9783548290614)
    Ilona Jerger

    Und Marx stand still in Darwins Garten

    (146)
    Aktuelle Rezension von: Madamebiscuit

    Zuerst hatte ich befürchtet, dass es viel um die Theorien der beiden gehen würde, die zwar wirklich spannend und interessant sind, aber nicht zwingend leicht zu lesen. Aber die Autorin hat genau das nicht getan, sie hat die beiden älteren Herren - vor allem Darwin - in den Fokus gestellt. Dabei beschreibt sie beide so liebenswürdig, schrullig und exzentrisch, dass es ein absolutes kurzweiliges Lesevergnügen war. Ihr flüssiger Schreibstil und der bildliche Sprachstil brachten sie mir zusätzlich nahe.
    Ich habe so einiges über die beiden Männer und ihr Leben erfahren, zum Beispiel, dass beide aus gläubigen Familien kamen. Im Laufe ihres Lebens ihren Glauben allerdings verloren haben, was maßgeblich ihre beider Werke beeinflusst hat. 

    Auch meine Wissenslücke über das Paarungsverhalten von Regenwürmern konnte ich schließen. 🤭

    Auch wenn es das besagte Dinner in der Realität nie gab, ist gerade das eine der amüsantesten Szene mit einem herrlichen rhetorischen Schlagabtausch. 

    Von mir gibt es eine Leseempfehlung für alle, die Lust auf einen kurzweiligen Roman haben.

  5. Cover des Buches Der Apfelbaum (ISBN: 9783548060866)
    Christian Berkel

    Der Apfelbaum

    (183)
    Aktuelle Rezension von: Marw

    In diesem Buch reist Christian Berkel, deutscher Schauspieler, weit in die Zeit zurück,ca 100Jahre und erzählt die Lebensgeschichten und Abschnitte seiner Familie.
    Zusammen mit seiner dementkranken Mutter versucht er die Geschichte aufzuschreiben und zusammenzufügen.

    Gerne lese ich Geschichten und Geschehnisse aus dem 2ten Weltkrieg, auch in diesem kleinen Epos wurde ich zeitweise in die Geschichte gesogen,wurde dann aber wieder rausgerissen,wenn ich zurück in die Gegenwart musste.
    Auch die Wortwahl,war für meinen Lesefluß nicht optimal,aber das ist ja Gott sei dank ansichtssache.Viele Metaphern führten mich aufs Glatteis und ich musste den Absatz wiederholt lesen.

    Vielleicht war nicht der richtige Zeitpunkt und manchmal passen Autor und Leser nicht zusammen,trotzdem gab es in diesem Buch Zeiträume, in denen ich mitgefiebert habe oder mich tief in Gedanken befunden habe.

    Kein Buch für mal eben zwischendurch.

  6. Cover des Buches Wiesenstein (ISBN: 9783406700613)
    Hans Pleschinski

    Wiesenstein

    (54)
    Aktuelle Rezension von: HansDurrer

    Hans Pleschinski, geboren 1956, als freier Autor in München lebend, nimmt sich in diesem Roman Gerhart Hauptmanns an, der zusammen mit Thomas Mann (über den Pleschinski den ganz wunderbaren Roman „Königsalleee“ geschrieben hat) zu den grossen Figuren der deutschen Literatur (beide sind Nobelpreisträger) zählt. „Wiesenstein“ beginnt im März 1945 mit dem Aufbruch des greisen und pflegebedürftigen Hauptmann und seiner Entourage (inklusive Masseur) vom Sanatorium Dr. Weidner im eben zerstörten Dresden nach Schlesien, in seine Villa „Wiesenstein“, einem prächtigen Anwesen im Riesengebirge.

    Ich staune, welche Ehrerbietung die Leute dem Dichter Hauptmann, der offenbar lange schwankte „zwischen der Poesie und dem Wunsch, ja, ein neuer Michelangelo zu werden“ entgegenbringen. Ja, ich staune überhaupt, dass einem Dichter einmal Ehrerbietung entgegengebracht worden ist – solche Zeiten sind lange her. Allenthalben wird er „Herr Dr. Hauptmann“ genannt, der vielfach Geehrte, der nun mit einem Pfleger auf dem eisigen Bahnhof steht. Es ist höchst beeindruckend wie es Hans Pleschinski gelingt, die damalige Simmung zu vermitteln.

    Von Propagandaminister Dr. Goebbels (wieder ein Doktor) war Hauptmann zwar wenig geschätzt, von dessen Widersachern auf der Kulturbühne dafür (und auch deswegen) um so mehr. Und wie fürstlich der Mann gelebt hat! „Ein Lebenshöhepunkt – von Galadiners gerahmt – waren natürlich die Gerhart-Hauptmann-Festspiele in Breslau gwesen: vierzehn Stücke en suite füllten damals, in den Zwanzigerjahren, die Theater.“

    Dem Dichter war offenbar eine heftige Radikalität eigen. So lässt Hans Pleschinski die Sekretärin Annie Pollak sagen: „Vor dieser Lebensberuhigung hatte Hauptmann, pardon, wenn ich’s so ausdrücke, gesoffen, randaliert. Jetzt wurde er – man kennt solche Umschwünge – zum strikten Abstinenzler.“ Worauf der Masseur Paul Metzkow meint: „Ich glaube, der Wunsch meldet sich beim Menschen und in der Geschichte regelmässig. Heute hui, morgen pfui. Erst Schwung durch Schnaps, dann Prohibition. Und dann wieder andersrum.“

    Dass Hauptmann, im Gegensatz zu seinem Nobelpreiskollegen Mann („Der eine, Mann, war eher zerebral, der andere, Hauptmann, oft vulkanisch. – Gut, dass wir beide haben! Das ist ein geistiger Reichtum“, so Hans Pleschinski in einem Gespräch mit seinem Lektor Martin Hielscher), nicht ins Exil ging, bedeutet nicht, dass er ein Nazi war, schon von seinem ganzen Wesen her, konnte er gar keiner sein. „Hauptmann sagt: Selbst wenn ich Antisemit wäre, so müsste es mich doch stutzig machen, dass Gott soviele Juden mit so zauberhaften Gaben beschenkt hat.“ Doch die Privilegien, die Hauptmann geniesst, sind nicht gratis. Natürlich benutzen ihn die Nazis für ihre Zwecke und scheuen auch nicht davor zurück, sinnentstellend in seinen Dresden-Appell, der das Kultur-Verbindende hervorhob, einzugreifen und in eine parteiische Beschuldigung der Alliierten umzuwandeln.

    Ausser dem „Bahnwärter Thiel“, den wir in der Schule durchgenommen hatten (und ich nicht erinnere), habe ich von Gerhart Hauptmann nichts gelesen. Von seinem Stück „Die Weber“ habe ich gehört. Anders gesagt: „Wiesenstein“ war für mich eine Einführung in Leben und Werk dieses Mannes, der ganz offensichtlich weltweit wahrgenommen wurde (sogar James Joyce übersetzte Stücke von ihm) und zwar eine, die mich auch Einiges über das Leben lehrte. „Man möchte sagen, seine Seele öffnete sich der unberechenbaren Vielfalt der Schöpfung.“

    Hans Pleschinski ist ein begnadeter Erzähler. „Dorn mochte jede Jahreszeit. Der Sommer, dieser Brüllaffe, heizte allem ein, was kreuchte und fleuchte, die Käfer schossen über den Stein, die Ameisen schleppten, was sie konnten, aber ein wohliges Ächzen erfüllte die Natur. Im Herbst durften alles und jeder ermattet sein, Gärtner Dorn rechte Laub und Nadeln, liebte die Abkühlung im Gesicht, den kräftigen Duft aus der Erde und freute sich auf den Winter, wenn das Dunkel ruhiger machte, die Schlitten vorfuhren und der Atem dampfte. Schon um fünf Uhr früh schippte er dann den Fussweg von Schneewehen frei, liess die Frostluft willig an ihm beissen, fühlte umso mehr seine Lebenswärme. Und wenn er danach die Brotkante in den Malzkaffee stippte, den ersten Schluck getrunken hatte, kam er sich wie neugeboren vor. Bohnenkaffee war den Herrschaften vorbehalten. Er träumte dann am Küchentisch, liess die Frauen schwatzen und lauschte dem Klappern der Töpfe und Pfannen.“

    Solche Sätze schärfen meine Wahrnehmung – und das ist einer der Gründe, weshalb ich Bücher lese. Wie auch diese, die mich die Dinge neu (der Gedanke ist mir nicht neu, ihn so wohlwollend auszudrücken hingegen schon) sehen lassen. „Das unentschiedene Schwanken scheint eine Spezialität von ihm zu sein. Nun gut, wer wankt, gewahrt vielleicht mehr als derjenige, der stur geradeaus schreitet.“ Oder dieser: „Nichts auf Erden kann zufriedenstellen.“

    Eindrücklich auch, wie Pleschinski den Einmarsch der Sowjetarmee nördlich von Görlitz schildert. Oder die Plünderungen und Enteignungen am Kriegsende. Man glaubt, sich selber mittendrin zu befinden. Überhaupt hat mich Vorstellungskraft und Einfühlungsvermögen des Autors, der den Krieg ja nicht selber erlebt hat, verblüfft, erstaunt und tief beeindruckt. Ganz wunderbar auch sein Witz und seine Formulierungsgabe. „Madame hingegen wirkte gelegentlich, einer selbst auferlegten Fasson halber, ein wenig indigniert. Da dies zumeist keine Konsequenzen zeitigte, blieb es, wenn sie ihre Lippen kurz spitzte, eher bedeutungslos. Oft sah sie auch nur schlecht.“

    „Wiesenstein“ ist ein tief beeindruckendes, rundum grossartiges Werk!

  7. Cover des Buches Orbáns Ungarn (ISBN: 9783218012614)
    Paul Lendvai

    Orbáns Ungarn

    (14)
    Aktuelle Rezension von: Bellis-Perennis

    "Am Beispiel Viktor Orbáns zeigt sich, wohin es führen kann, wenn nationalistische Rechtspopulisten einmal an der Macht sind." 

    Quo vadis Ungarn? 

    Der langjährige ORF Korrespondent, Paul Lendvai, ein angesehener Osteuropa-Experte, hat den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán und seine Politik ins Visier genommen. 

    Mit einer Vielzahl durch Quellenangaben gestützter Fakten gelingt ihm eine kurzweilige Charakterisierung Orbáns. 

    Lendvai schildert den Werdegang des aus einfachsten Verhältnissen stammenden Orbán nicht ohne Respekt. Ist der junge Orbán doch gegen den Sozialismus auf die Barrikaden gestiegen. Wie kann es allerdings sein, dass eine solche Kehrtwende durchgemacht hat? Was treibt ihn an? 

    Mit seinem gnadenlosen Streben nach Macht und Einfluss, einer militanten Kampfbereitschaft und strategischen Wendigkeit hat Orbán sich und seine Partei in die heutige Position bringen können. Er prangert die Korruption der ehemaligen sozialistischen Regierungen an und bedient sich gleichzeitig aus den Kassen des Staates. Er lässt Freunde an die Futtertröge der Macht und lässt sie, sobald sie nicht mehr nützlich erscheinen, einfach fallen bzw. lässt sie verfolgen. Er spielt mit den nationalistischen Gefühlen der Menschen, wie es ihm gerade passt. Orbàn ist Nutznießer des Zerfalls und der Uneinigkeit der anderen Parteien, die seinem Aufstieg nur hilflos zusehen (können). Seine Hauptinteressen sind Vermehrung von Macht und Geld sowie Fußball.

    Aufkeimende Opposition erstickt er im Keim. Selbst die ihm bislang nützliche rechtsradikale Partei „Jobbik“ überholt er durch seine ausländerfeindliche Politik. Und hier ist noch gar nicht seine Flüchtlingspolitik gemeint, sondern „Strafsteuern und „Strafzölle“ für ausländische Unternehmen, die in Ungarn Geschäfte machen woll(t)en. Beginnend mit den Lebensmittelkonzernen wie REWE oder Spar und diversen Banken. Auf den Millionär George Sörös, der einige Universitäten sponsert, hat er eine regelrechte Hexenjagd entfacht. 

    Zahlreiche Weggefährten werden, nachdem sie ihre Schuldigkeit getan haben, auf ein Abstellgleis gestellt. So wird János Lázár entmachtet und erhält den Posten eines „Staatssekretärs für Nichtraucherschutz“. Echt, so etwas gibt es in Ungarn.  

    Was will Orbán mit seiner doppelbödigen Politik bezwecken? Die Rückkehr zu einem totalitären Staat wie einst unter den Kommunisten? Wiedererrichtung des Horthy-Regimes? 

    Das vorliegende Buch ist die 2020 aktualisierte Ausgabe des 2016 erschienenen Buchs und eine exzellent recherchierte Analyse der ungarischen Politik seit 1989. Einiges hat sich inzwischen weiter zugespitzt und Viktor Orbàns Populismus hat leider zahlreiche Nachahmer gefunden. Die eifrigen Kopisten von Orbáns Politik in Österreich sind inzwischen Geschichte.

    „Die Seele des (ungarischen) Volkes wird mit Hass und Furcht vergiftet.“ (Agnes Heller (1929-2019)).

     Fazit: 

    Das vorliegende Buch ist die 2020 aktualisierte Ausgabe der 2016 erschienenen Biografie Viktor Orbáns und eine exzellent recherchierte Analyse der ungarischen Politik seit 1989. Hier gebe ich eine Leseempfehlung und 5 Sterne.

     

  8. Cover des Buches In jedem Augenblick unseres Lebens (ISBN: 9783608983128)
    Tom Malmquist

    In jedem Augenblick unseres Lebens

    (73)
    Aktuelle Rezension von: uli123

    Diesen autobiografischen Roman über einen eigenen Schicksalsschlag sollte besser nur lesen, wer gesundheitlich stabil ist, damit er nicht runtergezogen wird.

    Toms hochschwangere Lebensgefährtin Karin verstirbt urplötzlich an Leukämie. Ihre gemeinsame Tochter Livia überlebt die Kaiserschnittgeburt. Über die nachfolgenden Monate der Trauer, die über den Tod hinaus fortbestehende Liebe und das Zusammenleben mit seiner kleinen Tochter schreibt der Autor, immer wieder unterbrochen durch Rückblicke auf seine Jugend, als er ein vielversprechender Eishockey-Spieler war, sein Studium, seine Neigung zum Schreiben, das Kennen- und Liebenlernen Karins, die schon mehrere schwere Krankheiten durchgemacht hat.

    Die Geschichte ist nicht einfach zu lesen. Wörtliche Reden werden weder durch Anführungszeichen noch Spiegelstriche kenntlich gemacht, sondern stehen nebeneinander, so dass sich die jeweiligen Sprecher manchmal nur schwer ausmachen lassen. Auch die Zeitsprünge geschehen unvermutet und es lässt sich nicht immer nachvollziehen, in welchem Jahr wir uns befinden. Einige Insider-Informationen werden nur schwedische Leser verstehen, wie den Wettskandal oder die Arbeitsweise der Behörden. Dem Thema Trauer widmet sich der Autor jedoch wirklich gelungen. Er als der Trauernde durchläuft alle Phasen – Verzweiflung, Wut, Unverständnis, Müdigkeit, Leere. Berührend sind auch die kleinen Kämpfe, die er mit seinen Schwiegereltern über die Verstorbene und das hinterbliebene Baby austrägt. Als Lehre vermittelt das Buch, dass man schwere Schicksalsschläge überleben kann.

    Insgesamt durchaus lesenswert.

  9. Cover des Buches Ada (ISBN: 9783550200465)
    Christian Berkel

    Ada

    (140)
    Aktuelle Rezension von: dodo2025

    Es ist das erste Buch was ich von Christian Berkel gelesen habe und bin ganz begeistert. Er schreibt aus der Sicht von Ada und das sehr einfühlsam und ich finde es bewundernswert, wie er als Mann die  Sicht einer Frau so toll erzählen kann. Es geht um Ada die im Wirtschaftswunder erwachsen wird. Man erfährt viel über die damals politische Lage und wie es jungen Menschen damals ging, gegen was sie sich versucht haben zu wehren. Ada wächst mit einer Mutter auf die Jüdin ist und mit ihr als Kind nach Argentinien flüchtet, als sie wieder zurück nach Berlin kommt, ist Ada 9 Jahre und lernt ihren Vater erst da kennen, bis ihr Zweifel kommen. Christian Berkel beweist sich als  mitreißender Erzähler und ich finde das Buch ist sehr wichtig und lesenswert, da es auch um Ambivalenz geht und das wird gut beschrieben. Da man auch viel aus der damaligen politischen Zeit erfährt.

  10. Cover des Buches Ich, Adrian Mayfield (ISBN: 9783836957328)
    Floortje Zwigtman

    Ich, Adrian Mayfield

    (87)
    Aktuelle Rezension von: Tilman_Schneider

    London im Jahre 1884. Hier arbeitet der siebzehn jährige Adrian Mayfield als Lehrjunge für eine Maßschneiderei. Alles läuft ganz gut, aber dann verliert er seinen Job. Um ihn vor der Straße zu retten, stellt der Maler Augustus Trops ihn als Modell an. Er darf auch bei ihm wohnen und so kommt Adrian in eine neue Welt. Er findet nicht nur Freundschaft und eine neue Aufgabe, sondern er entdeckt auch, dass er Männer liebt. Dieses neue Gefühl gefällt ihm und bringt eine neue Welt zum Vorschein und er fühlt sich wohl in der oberen Gesellschaft und lernt interessante Menschen und Weggefährten in Soho kennen.

    Floortje Zwigtman hat mit Ich , Adrian Mayfield ein großartiges Buch geschrieben und kommt ohne unnötigen Klischees aus und hat ein feines Gespür für seine Figuren und das Thema.

  11. Cover des Buches Noah – Von einem, der überlebte (ISBN: 9783328108443)
    Takis Würger

    Noah – Von einem, der überlebte

    (72)
    Aktuelle Rezension von: Jana_hat_buecher

    Nachdem ich endlich wieder Mitglied bei der Stadtbibliothek München bin, musste ich natürlich gleich die Onleihe ausprobieren (auf dem iPad zu lesen macht keinen Spaß) und habe mir dieses Buch ausgesucht. Ehrlich gesagt hatte ich bis dahin noch nichts davon gehört und das ist eigentlich schade, weil es wirklich gut war. Man hat gemerkt, dass der Autor sich intensiv mit Noah beschäftigt hat und seinem Leben und Wirken eine unverfälschte Stimme verleiht. Angefangen als Kind zu Beginn der Nazi-Zeit, über seinen damaligen Mut (den er nie zu verlieren schien). Über das jugendliche und erwachsenen Alter, welche unfassbare Dinge er mit- und selbst erleben musste, wie er gerettet wurde und sein Leben dem gewidmet hat, was wichtig ist - daran zu erinnern und zu mahnen, dass dies nicht wieder passieren darf. Ein tolles, wenn auch sehr grausames Buch und die Erinnerung zu was Menschen fähig sein können.

  12. Cover des Buches Das Haus Wittgenstein (ISBN: 9783596182282)
  13. Cover des Buches Als Hemingway mich liebte (ISBN: 9783455000443)
    Naomi Wood

    Als Hemingway mich liebte

    (49)
    Aktuelle Rezension von: walli007

    Im Jahr 1926 weilen Ernest Hemingway und seine erste Frau Hadley in Paris. Sie sind nicht reich, aber mit ihrem kleinen Sohn recht glücklich. Doch bald spürt Hadley, ihr Mann interessiert sich für eine andere. Um ihre Ehe zu retten, lädt sie Fife ein, mit nach Antibes zu kommen. In einem Ferienhaus der Fitzgeralds wollen sie den Urlaub verbringen. Partys und das schöne Leben, es soll Hemingway wieder an Hadley binden, doch die Ehe zerbricht. Hemingway und Fife heiraten, doch nach einigen Jahren taucht wieder eine andere auf. Wieder wird geheiratet und noch einmal geschieht das Gleiche.


    Hemingway und seine Ehefrauen, das Muster gleicht sich. Die große Liebe, die Heirat, dann der Betrug mit vielen, mit der einen, der nächsten und wieder wird geheiratet und das Muster wird erneut durchlaufen. Gerade in der Zeit der 1920er Jahre, in der die Boheme sich in Frankreich trifft, ist dennoch eine relativ gute Zeit. Die Hemingways werden von den Freunden unterstützt und sie haben ein begünstigtes Leben. Doch wie es eben so ist, obwohl Hemingway behauptet, sich nicht trennen zu wollen, kann er doch von anderen Frauen nicht lassen. Und bald kann Hadley es nicht mehr mit ansehen und sie trennt sich.


    Vielleicht hat man am Anfang ein wenig Mühe, in das Buch hineinzukommen, denn einige Beschreibungen kann man als etwas langatmig empfinden. Hat man die anfänglichen Schwierigkeiten überwunden, wird man von mitreißenden Szenen aus verschiedenen Ehen zumindest hin und wieder gepackt. Nach eingehender Recherche und Sichtung der Aufzeichnungen Hemingways und seiner Frauen hat die Autorin einen Roman vorgestellt, der sich wahrscheinlich recht genau an die Überlieferungen hält. Obwohl ein begnadeter Schriftsteller wirkt Hemingway als Mensch nicht sonderlich sympathisch. Und so sind es die Frauen, die vernünftigerweise die Reißleine ziehen. Bis auf Mary, die vierte und letzte Frau, sie bleibt und hält aus. Aus heutiger Sicht nicht ganz verständlich weshalb. Mit diesem durchaus lesenswerten Roman bekommt man einen überraschenden Einblick in den Charakter eines Schriftstellers und die Beziehungen zu seinen vier Ehefrauen. 


    3,5 Sterne

  14. Cover des Buches Westlich des Sunset (ISBN: 9783499269370)
    Stewart O’Nan

    Westlich des Sunset

    (33)
    Aktuelle Rezension von: TheSaint

    Stewart O'Nan schildert mit diesem Roman die letzten Lebensjahre des amerikanischen Schriftstellers Francis Scott Key Fitzgerald (1896-1940), der als 23jähriger den Roman "This Side Of Paradise" ("Diesseits vom Paradies") veröffentlichte und damit binnen kurzer Zeit zu großer Berühmtheit gelangte.

    Von der Zeit des Kennenlernens Zelda Sayre's und den turbulenten Ehejahren mit ihr von 1918 bis 1934 erfährt der Leser nur fragmentarisch in Rückblenden. O'Nan konzentriert sich auf die Zeit, als die Schulden- und Alkoholflaschenberge des Schriftstellers zu gefährlichen Dimensionen anwachsen und seine Beziehung zu der britisch-stämmigen Klatschkolumnistin Sheilah Graham (1904-1988) den einzigen sicheren Hafen in den stürmischen Gewässern einer sich in einer Nervenklinik befindlichen Ehefrau und der gemeinsamen entfremdeten Tochter Frances, genannt "Scottie", darstellt. O'Nan erzählt von den mühsamen Versuchen Fitzgerald's, sich vom Misserfolg seines Romanes "Tender Is The Night" ("Zärtlich ist die Nacht", 1934) zu erholen und endlich einen Roman zu schaffen, der seinem Wunsch, ein so bedeutender Autor zu werden wie Ernest Hemingway oder William Faulkner, gerecht wird. Doch die immensen Schulden zwingen ihn immer wieder zu Kurzgeschichten und zu Lohnarbeiten in  den Hollywood-Studios... Erst 1939 beginnt er mit "The Last Tycoon"... kann diesen Roman aber nicht mehr vollenden. Er stirbt 44jährig nach zwei Herzinfarkten im Dezember 1940.

    Stewart O'Nan hat eine intensive Recherche betrieben und schildert (im Gegensatz zum Protagonisten) nüchtern und ereignislos den zähen und schwierigen Kampf um die Geldbeschaffung zur Begleichung der Klinik- und Internatskosten sowie des eigenen Lebensunterhalts und des Bestrebens, endlich einen von Kritik und Leserschaft anerkannten und bedeutenden Roman zu verfassen. O'Nan setzt eine gewisse Vorkenntnis über Fitzgerald's Leben voraus, denn in dem Roman verweist er oft nur mit Vornamen auf wichtige Bezugspersonen im Leben dieses Schriftstellers. So muss man selbst nach den Beziehungen zu Dorothy Parker, zu Ernest Hemingway oder zu seinem Literaturagenten Harold Ober oder dem Lektor Perkins forschen, um zu erfahren, dass die letzten beiden Herren sehr oft mit Vorschüssen und Darlehen zu Hilfe eilen mussten.

    "Der große Gatsby" war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung ein moderater Erfolg... Zu einem weltweiten Megaseller wurde dieser 1925 erschienene Roman erst in den 1970ern aufgrund der Verfilmung mit Robert Redford und Mia Farrow. Eine perfekte Ergänzung zu "Westlich des Sunset" sind die Amazon-TV-Serien "The Last Tycoon" sowie "Z: The Beginning Of Everything".

  15. Cover des Buches Der Mensch und die Macht (ISBN: 9783570554999)
    Ian Kershaw

    Der Mensch und die Macht

    (4)
    Aktuelle Rezension von: Lelels

    Hitler, Stalin, Adenauer, Thatcher. Namen und Persönlichkeiten die unbestreitbar Spuren in der Geschichte hinterlassen und das letzte Jahrhundert und Europa positiv oder negativ geprägt haben. In seinem neuen Buch widmet sich der Historiker Ian Kershaw europäischen FührerInnen des 20. Jahrhunderts und was diese an die Macht gebracht hat.

    Dabei enthält die Fallstudie keine reinen Biografien, sondern widmet sich Charakterzügen, Umständen und Strukturen, die die jeweilige Machtübernahme ermöglichten. Ian Kershaw verfällt nicht in einen Historismus, der die Rolle Einzelner überhöht, sondern ordnet das Handeln ein, wobei er persönliche Eigenschaften nicht außen vorlässt, sondern sie als einer von vielen Faktoren einbezieht.  Gerade die Thematisierung der Bedingungen und Strukturen, die die Macht ermöglichten, hat mir sehr gut gefallen. Kershaw geht auf die Wirtschaft, Geographie, internationale Beziehungen und Konflikte ein, die Machtausübung befördert oder beschränkt haben. Er folgt der Annahme, dass Geschichte durchaus von Einzelnen geprägt werden kann, wobei aber Umstände dafür sorgen, dass sie überhaupt in der Lage sind, Macht auszuüben.

    Die einzelnen Texte sind unabhängig voneinander lesbar und klar strukturiert. Die Analysen und Interpretationen des Autors waren interessant, differenziert und reflektiert. Nicht nur habe ich einiges über die thematisierten Personen gelernt, sondern auch über die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse und welchen Einfluss diese hatten.

    Ian Kershaw legt mit „Der Mensch und die Macht“ ein anregendes Werk vor, ohne in einen Historismus zu verfallen, hebt die Leistungen einzelner Persönlichkeiten hervor und ordnet diese ein. Eine Empfehlung für alle Geschichtsinteressierten.

  16. Cover des Buches Keyserlings Geheimnis (ISBN: 9783462053357)
    Klaus Modick

    Keyserlings Geheimnis

    (18)
    Aktuelle Rezension von: Viv29

    Das Buch besticht von der ersten Seite an durch eine ausgesprochen schöne Sprache und die bildhafte Schilderung der Szenerie. Wenn wir mit Keyserling durch Schwabing schlendern, dann sieht man es alles geradezu vor sich, ebenso wie die später vorkommenden Orte – das Haus am See in der Sommerfrische, die einfache Hinterhofwohnung in Wien, das kurländische Schloß. So wie Keyserling in seinen Werken eine damals schon am Rande des Unterganges entlangbalancierende Welt auferstehen läßt, gelingt es auch Modick, uns in diesem Buch in die Belle Époque mitzunehmen. Seine elegante Sprache paßt hier sowohl zur Zeit wie auch zum feinsinnigen Keyserling selbst. Die Handlung ist eher zweitrangig, besonders viel passiert auch gar nicht und doch war ich beim Lesen gebannt und konnte in die Atmosphäre ganz eintauchen.

    Wir begleiten den schon an den Folgen seiner Syphiliskrankheit laborierenden Autor Keyserling im Sommer 1901, Aufhänger ist ein Sommeraufenthalt mit Künstlerkollegen am Starnberger See und das Gemälde, das Lovis Corinth in jenem Sommer von Keyserling malt. Das Gemälde ist vorne im Buch abgebildet, was ich sehr gelungen finde, ich habe auch immer wieder mal dahin zurückgeblättert. Auch der Sommeraufenthalt selbst, der Freundeskreis jener Männer, die alle aus dem Kurland (heute Lettland) stammen, ist interessant zu lesen. Schön, wie der Autor hier ab und an den Dialekt einflicht, den ich noch von einer Großtante kenne und der den Unterhaltungen eine gelungen lokale Note gibt. Im Rahmen dieses Sommeraufenthaltes denkt Keyserling immer wieder zurück an frühere Episoden in seinem Leben und so ist auch das Buch selbst episodisch.

    Modick bringt uns hier den tatsächlichen Lebensweg Keyserlings gut nahe, auch die Kollegen – wie zB der unerträglich großspurige Wedekind – sind gut getroffen und es werden auch einige Zitate gekonnt eingeflochten. Ja, so könnte es absolut gewesen sein, hier merkt man, daß sorgfältig recherchiert und der historische Hintergrund mit Geschick literarisch verarbeitet wurde. Auch das ansprechende Titelbild passt dazu.

    Während ich am Anfang von den sprachlich sehr schönen Naturbeschreibungen angetan war und auch manchen Satz mehrfach las, wurde dieser Kunstgriff der Beschreibungen rasch überbenutzt. Es werden doch gar zu viele Szenen mit solchen Beschreibungen eingeleitet, jede Tageszeitänderung, jedes Wetter, jede Jahreszeit wird so „verarbeitet“ und wenn die Beschreibungen zum Selbstzweck werden und bildhafte Vergleiche von Lichtmustern, säulenartigen Bäumen und dergleichen anfangen, sich ein wenig zu wiederholen, dann beeinträchtigt das leider die Wirkung. Hier wäre weniger mehr gewesen. Auch die Hingabe, mit der der Autor Aufzählungen benutzt, wirkte auf Dauer etwas anstrengend. Blumenarten, Farben, Eigenschaften – was irgendwie aufgezählt wird, wird auch aufgezählt. Die beiden Punkte waren für mich doch leichte Schwächen der ansonsten so wundervoll genutzten Sprache.

    Die Ausschnitte aus Keyserlings Lebensweg sind gut gewählt, um seinen Hintergrund, seine Motivation und auch sein eigenes Werk besser zu verstehen. Sein „Geheimnis“ ist dann rein fiktiv. Es gab zwar tatsächlich zu Keyserlings Studentenzeit einen Skandal, über den aber nichts Näheres bekannt ist. Modick schildert uns hier eine fiktive Geschichte, die inhaltlich durchaus als mögliche Erklärung passen würde. Allerdings wird im Buch der „Skandal von Dorpat“ schon vorher so oft erwähnt, daß diese ständigen Andeutungen irgendwann richtiggehend enervierend wurden. Es wäre in dieser häufigen Wiederholung nicht notwendig gewesen, denn so hatte ich von dem „Skandal“ schon genug, bevor er zum Ende des Buches dann Thema wird. So gut diese von Modick geschilderte Episode zu den tatsächlichen Geschehnissen passen könnte – sie wirkte auf mich eher wie ein Antiklimax. Ob das nun an den vorherigen ständigen Andeutungen liegt, oder daran, daß es eine Geschichte ist, die man in dieser Art schon so oft gehört oder gelesen hat und die – abgesehen von einer wirklich originellen Wendung zum Schluß – nichts Originelles hat, weiß ich nicht. Der Zauber des Buches hat für mich aber leider in diesem letzten Fünftel abgenommen.

    Trotzdem hat mich die gelungene Sprache, dieser Schreibstil, der mich in die Welt jener Zeit so völlig eintauchen ließ, in den Bann gezogen und das nächste Buch des Autors liegt hier schon bereit.

  17. Cover des Buches Yalla, Feminismus! (ISBN: 9783608501896)
    Reyhan Şahin

    Yalla, Feminismus!

    (17)
    Aktuelle Rezension von: Catastrophia

    Reyhan Şahin, wissenschaftliche und feministische Grenzgängerin, bezieht in diesem Buch klar Position. Die Themen Deutschrap, Islam und Wissenschaft stehen im Fokus und werden von ihr sowohl wissenschaftlich als auch aus eigener Erfahrung und Perspektive analysiert. Die Sprache eckt genauso an, wie es Şahin als Person tut, und gerade deshalb ist diese Sprache auch Ausdruck davon, dass in ihrer Person selbstermächtigender, sexualisierter Rap und fundierte Wissenschaft zusammentreffen.  

    Die drei Schwerpunktthemen sind nicht zufällig gewählt, sondern spiegeln das Spannungsfeld wieder, in dem sich Dr. Bitch Ray bewegt.  Im Bereich des Deutschrap analysiert sie die Problematik sexistischer und patriarchaler Strukturen, spricht sich für feministische Selbstermächtigung aus und dafür, dass insbesondere die interne Auseinandersetzung mit Problemen im Rap zunehmen muss, will man das Thema nicht ignorieren oder undifferenzierten und ideologischen Debatten überlassen.

    Als Wissenschaftlerin, die über die Bedeutung des Kopftuchs promoviert hat ebenso wie als Angehörige der religiösen Minderheit der Aleviten setzt sie sich für eine differenzierte und faktennahe Auseinandersetzung mit "dem Islam" ein, was einerseits bedeutet, anzuerkennen, dass es "den Islam" nicht gibt, andererseits, die Instrumentalisierung des Themas scharf zu kritisieren.  Sie kritisiert westliche, pauschalisierende Lesarten der Religion und des Kopftuchs als frauenverachtend und "primitiv" ebenso wie die umgekehrte unkritische Übernahme von Narrativen des Kopftuchtragens als per se feministisch. Şahin plädiert für einen Mittelweg, der die Existenz islamischer Feminismen ebenso anerkennt wie die Instrumentalisierung des Feminismus durch konservative Islamverbände und des Islam durch Feminist*innen der "zweiten Welle" des Feminismus wie bspw. Alice Schwarzer und Muslim*innen und Kopftuchträger*innen gleichberechtigt in die Debatte einbezieht. 

    Außerdem thematisiert sie die fortbestehenden Ungleichheiten im deutschen Universitätsbetrieb, die patriarchalen Hierarchien und impliziten Rassismen und kritisiert die mangelnde Bereitschaft von Wissenschaftler*innen, sich selbstkritisch und reflektiert mit diesen Themen zu befassen. 

    Mich hat beim Lesen teilweise die Zentrierung auf ihre Person gestört, allerdings merkt Şahin selbst die Problematik an, dass sie aufgrund ihrer einzigartigen Position selbst auf ihre Errungenschaften und Pionierinnenarbeit hinweisen muss, da es sonst kaum jemand tut. Und dass sie diese Arbeit geleistet hat, steht außer Frage. Auch, wenn ich Rap nie viel gehört habe, konnte ich aus diesem Kapitel einiges mitnehmen. Gerade die Themen Kopftuch und Wissenschaft fand ich jedoch besonders spannend,  denn als Feministin, Studentin und in der Hochschulpolitik aktive Person kenne ich viele der Debatten aus beiden Bereichen und finde eine Differenzierung und öffentliche Benennung dieser Probleme, so wie sie Şahin vorschlägt, absolut wichtig. 


    Das Buch eignet sich einerseits, wenn man am Beispiel einer konkreten Person mehr über intersektionalen Feminismus lernen will, andererseits aber auch, um als bereits feministisch aktive Person innerfeministische Debatten im Bereich Islam besser einordnen zu können. Durch die lockere Sprache lässt sich das Buch gut lesen und sorgt für einige Lacher. 


  18. Cover des Buches Das Weltgeheimnis (ISBN: 9783492956987)
    Thomas de Padova

    Das Weltgeheimnis

    (13)
    Aktuelle Rezension von: Gulan
    „Nun aber, erfindungsreicher Galilei, preise ich deinen unermüdlichen Fleiß, wie er es verdient. Du hast alle deine Hemmungen beiseite geschoben, bist geradewegs darauf ausgegangen, deine Augen die Probe machen zu lassen, und hast, da nun durch deine Entdeckungen die Sonne der Wahrheit aufgegangen ist, alle jene Gespenster der Ungewissheit mit ihrer Mutter, der Nacht, vertrieben und durch die Tat gezeigt, was gemacht werden konnte. Unter der Kraft deines Beweises anerkenne ich die unglaubliche Feinheit der himmlischen Substanz.“ (S.81)

    Das Jahr 1609 ist ein herausragendes Jahr für die Wissenschaft und insbesondere für die Astronomie. In Venedig verbessert Galileo Galilei das kurz zuvor in den Niederlanden entwickelte Fernrohr, beobachtet den Mond, zeichnet die Mondgebirge und entdeckt kurze Zeit später die vier großen Jupitermonde. Zur gleichen Zeit veröffentlicht Johannes Kepler seine ersten beiden Planetengesetze in der „Neuen Astronomie“. Zwei Ausnahmewissenschaftler, die sich auf den Weg machen, das Weltbild zu verändern, aber auf so manche Widerstände stoßen. Zwei Wissenschaftler, die auch in einem Austausch miteinander stehen, die aber aufgrund ihrer unterschiedlichen Charaktere nie so richtig zusammenfinden.

    Autor Thomas de Padova hat dieses Buch in drei Teile unterteilt. Er beginnt den ersten Teil mit dem Jahr 1609 und den bahnbrechenden Entdeckungen der beiden Wissenschaftler. Im zweiten Teil holt er die Lebensläufe der beiden nach und erzählt von ihrer Kindheit und Jugend und ihrem Werdegang als Wissenschaftler. Schließlich werden im letzten Teil die teilweise dramatischen Ereignisse rund um Galilei nach 1609 erzählt.

    Wenn es um eine Neubestimmung der Grundbegriffe geht, sind die Erwartungen an wissenschaftliche Gipfeltreffen hoch. […]

    So wenig Kepler zunächst einer solchen Aufforderung bedarf, so sehr geht Galilei einem wirklichen Dialog aus dem Weg. Lebt Kepler für die Wissenschaft, macht Galilei in seinen Briefen deutlich, dass er auch von der Forschung lebt und diese weniger als kooperative, denn als kompetitive Angelegenheit betrachtet. Ihre Kommunikation scheitert an ihrem unterschiedlichen Temperamenten, ihren individuellen Ambitionen und wissenschaftlichen Fragestellungen. (S.266)

    Schon 1597, nachdem Kepler sein Erstlingswerk, „Das Weltgeheimnis“, veröffentlicht hat, kommt es zu einem ersten Briefwechsel zwischen den beiden Forschern. Dort versichern sich beide ihrer Anhängerschaft zum kopernikanischen Weltbild. Doch die Korrespondenz kommt ins Stocken. 12 Jahre später kommt es zur Wiederaufnahme der Briefwechsel, aber Keplers euphorische Begeisterung über Galileis Entdeckungen werden von diesem bestenfalls höflich beantwortet. Galilei will Karriere machen, wird Hofphilosoph der Medici und ist auch in Rom beim Papst hochangesehen. Kepler will den wissenschaftlichen Austausch, Galilei sieht sich eher in einem ständigen Wettbewerb. So überreizt er schließlich sein Blatt: Zunächst ergeht ein Dekret der Kirche gegen die Lehre des Kopernikus und 1633 wird er selbst von der Inquisition angeklagt.

    Eine auch für Laien der Astronomie und Physik gut lesbare Doppelbiografie von Galilei und Kepler. Sehr interessant auch immer wieder die Einbettung in die damalige politischen Verhältnisse kurz vor und während des Dreißigjährigen Krieges.

  19. Cover des Buches Der doppelte Erich (ISBN: 9783737101509)
  20. Cover des Buches "Das ganze Kind hat so viele Fehler" (ISBN: 9783499632211)
    Sandra Schulz

    "Das ganze Kind hat so viele Fehler"

    (11)
    Aktuelle Rezension von: lesenbirgit

    Nun ja es ist ja ein Tatsachen Roman. Es war schon sehr berührend es zu lesen. Mit zu leiden mit der Frau. Mit der Entscheidung für das Kind oder dagegen. Dies ist bestimmt nicht einfach. Aus der Ferne es zu lesen ohne selber betroffen zu sein, ist natürlich einfach. Eine klare Leseempfehlung gebe ich.

  21. Cover des Buches Der Sommer, in dem F. Scott Fitzgerald beinahe einen Kellner zersägte (ISBN: 9783992001521)
    Emily Walton

    Der Sommer, in dem F. Scott Fitzgerald beinahe einen Kellner zersägte

    (48)
    Aktuelle Rezension von: schokoloko29

    Dieses Buch handelt von Fitzgerald nach dem großen Roman "Der große Gatsby". Er erhoffte sich durch den Roman der neue Star der amerikanischen Literatur zu sein, doch die Verkaufszahlen sind nicht so hoch wie erwünscht und die Resonanz ist eher durchschniittlich. Er und Zelda ziehen zu den Murphys an die Riviera, um Abstand von Paris und dem Sauffreunden zu erreichen. Damit Fitzgerald an seinem neuen Roman arbeitet, Zelda zu Kräften kommt und sie sich wieder als Paar annähern.

    Doch nichts dergleichen geschieht. Fitzgerald kann seine Energie nicht bündeln für den Roman lenkt sich mit Saufen und Streichen mit MacArthur. Sein Verhalten wird immer schlimmer, so dass er von seinen Freunden ausgegrenzt wird. Dabei versucht er durch negative Verhaltensweisen Aufmerkasamkeit zu erlangen, da Hemmingway der neue Star an der französichen Riviera ist.  Die Murphys wissen das Potenzial von Hemmingway zu schätzen und Fritzgerald tritt immer mehr in den Hintergrund der Aufmerksamkeit.

    Darüber hinaus wird die körperliche und geistige Gesundheit von Zelda immer schlechter. Sie kann kein zweites Kind bekommen. Sie leidet an undiffinierten Unterleibsbeschwerden und erhält eine Blinddarm- OP. Jedoch können ihre Beschwerden trotzdem nicht gelindert werden.

    Darüber hinaus wird in diesem Buch sehr ausführlich über das selbstzerstörerisches Verhalten /destruktives Verhalten des Ehepaars Fitzgerald porträtiert. Ich empfinde es schon extrems pathologisch und es wundert mich nicht, dass Scott Fitzgerald in die Depression abdriftet und Zelda in die Schizophrenie.

    Alles in allem habe ich von dem Buch zuerst etwas anderes erwartet. Es ist kein Roman. Es findet keine wörtliche Rede/ Dialoge statt. Sondern es wird alles eher nacherzählt. Als Leser merkt man, dass die Autorin sehr gut und intensiv recherchiert hat. Jedoch empfand ich das Buch stellenweise etwas trocken.

    Von daher kann ich es nur Fans empfehlen, die sich intensiver mit Fitzgeralds Leben auseinander setzen wollen.

  22. Cover des Buches Einmal werd ich wieder bei Euch sein!: Die Feldpostbriefe des Gefreiten Wilhelm Joch (Frontbriefe) (ISBN: 9783743118720)
    Volker W. Joch

    Einmal werd ich wieder bei Euch sein!: Die Feldpostbriefe des Gefreiten Wilhelm Joch (Frontbriefe)

    (1)
    Aktuelle Rezension von: LucyMoregan

    Ein wunderbares Buch, das in ergreifender Weise durch persönliche Briefe vom Schicksal eines Soldaten an der russischen Front erzählt. Ich muss gestehen, es fiel mir nicht immer leicht, weiterzulesen, da mich die Geschichte Wilhelms oft den Tränen nahebrachte. Seine Sehnsucht nach seiner Frau und den Kindern, die beständige Hoffnung auf Heimaturlaub, um für ein paar Wochen der Hölle zu entgehen und wieder bei seinen Lieben zu sein - dann das bittere Ende. Wilhelms Schicksal und das seiner Familie kennenzulernen, war definitiv eine Bereicherung. Klare Leseempfehlung!

  23. Cover des Buches Zeile für Zeile mein Paradies (ISBN: 9783492305150)
    Jutta Rosenkranz

    Zeile für Zeile mein Paradies

    (2)
    Aktuelle Rezension von: MissRose1989
    Judith Rosenkranz hat es sich zur Aufgabe gemacht, in ihrem Buch 18 bedeutende Schriftstellerin (darunter Virginia Woolf, Ingeborg Bachmann, Edith Södergran, Bettine von Arnim, Marie Luise Kaschnitz, Inge Müller u.a.) in den Zwängen ihrer Zeit zu zeigen und dabei auch aufzuzeigen, wie schwer es Frauen als Schriftstellerinnen hatten und welche Kämpfe sie ausfechten mussten. Dabei geht sie in ihrem Buch chronolgisch vor, beginnend bei Virginia Woolf mit dem Jahr 1521 bis fast in die Gegenwart zu Sarah Kane, die 1971 geboren (und leider schon 1999 verstorben) ist. Dabei geht sie auf jeden Lebensweg der Frauen individuell ein, beschreibt in ihren Texten lebensnah und emotional, wie es den Frauen teilweise erging und was ihnen das Leben in den verschiedenen Epochen schwer machte. Judith Rosenkranz zieht dabei auch soziale Aspekte mit ein und daran merkt man auch, dass die Autoren sich in Laufe der Zeit immer wieder anderen Herausforderungen stellen mussten, das auch der politische Rahmen immer wieder eine besondere Bedeutung in den Leben der Frauen hat. Dadurch wird das Buch wahnsinnig interessant, weil man auch den Texten anmerkt, dass sich Jutta Rosenkranz damit wirklich ausgiebig mit dem Leben und Wirken jeder einzelnen Frau beschäftigt hat.
  24. Cover des Buches Mann vom Meer (ISBN: 9783462002317)
    Volker Weidermann

    Mann vom Meer

    (26)
    Aktuelle Rezension von: Hubertus_Feldmann

    Was für eine großartige Idee sich dem Leben und Werk von Thomas Mann quasi monothematisch zu nähern. Und was für eine Freude, wenn man das Ergebnis sieht und sich mit neuem Blick dem Schaffen eines der größten (des größten?) Erzähler des vergangenen Jahrhunderts widmet. In keiner Sekunde kommt hier Langeweile auf. Das liegt im Wesentlichen daran, dass der Autor es versteht, Literaturfragmente aus dem Werk von Thomas Mann, so gekonnt mit dem Fließtext zu verbinden, dass damit ein Lebensgefühl entstehen kann, das den Leser, die Leserin davonzutragen vermag. Man wird Teil der Erzählung und wundert sich immer wieder, wie dieses Leben, von Leidenschaft und Zwängen jener Zeit gefesselt, doch in der Literatur von Thomas Mann die entscheidende Befreiung bringen kann.

    Lesend wird man nicht nur Teil der Lebensgeschichte dieser Familie Mann, sondern auch Teil jener Zeit, die von so vielen Umbrüchen gekennzeichnet war und dessen literarische Verarbeitung seinesgleichen sucht. Man muss schon stark an sich arbeiten, um seinen Gefühlen beim Lesen irgendwie passend (was ist schon im Anblick dieser Geschichten passend?) Paroli zu bieten, ihnen so zu begegnen, dass man weiterhin auch den feinen Nuancen des Dargestellten nachspüren kann.

    Das Meer als Sehnsuchtsort, als Heimat, als Möglichkeit, seinen inneren Befindlichkeiten Raum zu geben, den Zwängen des Tagtäglichen und der damaligen Zeit zumindest für gewisse Zeit zu entkommen, darüber nicht nur zu schreiben, sondern schreibend nach Lösungen zu suchen. Die Erzählung „handelt von diesem verführerischen Zauber. Sie handelt von der Liebe Thomas Manns zum Meer und wie er sie sich ein Leben lang bewahrte, aber auch davon, wie er in der Mitte seines Lebens einen Romanhelden erfand, der beinahe in den Tiefen des Schnees, in den Tiefen des Meeres verloren gegangen wäre [„Der Zauberberg“], […].“

    Besser kann man diese Liebe nicht darstellen; dieses Buch ist ein Juwel der deutschsprachigen Literatur.

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