Bücher mit dem Tag "blessing"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "blessing" gekennzeichnet haben.

16 Bücher

  1. Cover des Buches Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra (ISBN: 9783453418455)
    Robin Sloan

    Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra

     (519)
    Aktuelle Rezension von: Maza_e_Keqe

    Die Rezession meint es nicht gut mit Programmierer und Webdesigner Clay Jannon. Er befindet sich mitten in einer „wirtschaftlichen Großwetterlage“ und braucht dringend einen Job. Also wird er Nachtschicht-Buchhändler bei Mr Penumbra, der eine Mischung aus Verkauf und Ausleihe führt.

    Ein Roman über eine Buchhandlung klang für mich als Viel-Leserin spannend. Allerdings scheint der Beruf des Protagonisten dem entgegen zu stehen und so langeweilte ich mich etliche Seiten lang über seine hingebungsvolle Beschreibung von Quellcodes, Programmiersprachen, Visualisierung und digitalen Modellen. Erstaunlicherweise hat zumindest letzteres eine Bedeutung für die Handlung. Nebenbei gibt es noch die unausweichlichen Rollenspiel-Assoziationen. Clay ist ein Nerd (Achtung, Flachwitz), wie er im Buche steht.

    Ich-Erzähler Clay hat einen leichten und flüssige Erzählstil bis auf ein paar eingestreute Fremdwörter, die den Text stellenweise ein wenig holpern lassen. Er beschreibt auf oft amüsante Weise, die mich regelmäßig schmunzeln und grinsen ließ. Auch finde ich einzelne Sätze zitierungswürdig. Es macht wirklich Spaß ihm zu folgen.

    Ich konnte mich zwischen den Seiten beim Lesen zwischenzeitlich „verlieren“. Auch die Rollenspielformulierungen störten irgendwann etwas weniger. Wer ist denn Krieger, Schurke oder Zauberer in diesem Szenario?

    Clays Entscheidungen und Handeln kann ich größtenteils nicht nachvollziehen, aber das Ergebnis…?

    Gestört haben mich die überdeutlichen und reichlichen „Produktplatzierungen“, die wie Werbung von Sponsoren ins Buch einfließen.

    Es geht um Bücher, um Computerprogramme, Verschlüsselungen, jahrhundertealte Geheimnisse… aber auch um Freundschaft, Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung.

    Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich die Verknüpfung von alten Büchern und Buchdruck mit moderner Technik und Medien genial oder grauenhaft finde. Das muss wohl jeder Lesende selbst entscheiden. Von mir erhält das Buch 3,5 Sterne, die ich auf 4 aufrunde.

     

  2. Cover des Buches Blutschatten (ISBN: 9783896676214)
    Kathy Reichs

    Blutschatten

     (74)
    Aktuelle Rezension von: Mary2

    Der Auftakt zu einer neuen Reihe aus der Feder der Erfolgsautorin Kathy Reichs (Tempe-Brennan-Romane)

    Im Mittelpunkt steht die junge Sunday Night, eine ehemalige Polizistin mit traumatischer Vergangenheit. Nur wenige Menschen haben Zugang zu der verschlossenen, aber ausgesprochen professionellen Sunday, die zurückgezogen auf einer Insel wohnt.

    Ihr Vater-Ersatz Beau hat einen Auftrag für Sunday, mit dem er sie aus ihrer Isolation locken möchte: Sie soll ein nach einem Attentat verschwundenes Mädchen aufspüren. Dabei ist nicht einmal sicher, ob die verschwundene Stella überhaupt noch lebt…

    Auf knapp 400 Seiten wird die geheimnisumwitterte Protagonistin vorgestellt und ein komplexer Vermisstenfall aufgerollt.

    Als Leser ist hier Konzentration gefragt, um keine Information zu verpassen.

    Rätselhaft bleiben lange die eingefügten, kurzen Kapitel, die aus der  Perspektive einer jungen Gefangenen berichten.

    Der Sprachstil entspricht genau dem, was der Leser von Kathy Reichs gewohnt ist: Kurze Sätze, interessante Bilder und gerne eine Portion Sarkasmus bei den Protagonisten. Die Erzählweise ist es dann auch, die meine Motivation bis zum Ende aufrechterhalten hat. Denn bis zum Showdown im letzten Teil plätschert die Handlung erst einmal vor sich hin und Sunday Night ist nicht gerade als Sympathieträgerin geeignet.

    Viele Fragen klären sich am Ende, aber ganz offensichtlich ist die Sunday-Night-Reihe auf mehrere Teile angelegt, denn es bleiben genügend Fragen offen, um die Geschichte weiter zu erzählen.

    Für mich ein typischer erster Band einer neuen Reihe, der es einfach schwer hat, gemessen an der beliebten Tempe-Brennan-Reihe.

    Ich werde Sunday Night weiter verfolgen, schon, weil ich Kathy Reichs mag.

    Es gibt aber noch Luft nach oben!

    Von mir gibt es vier Sterne.

  3. Cover des Buches Nach dem Winter (ISBN: 9783896676139)
    Guadalupe Nettel

    Nach dem Winter

     (29)
    Aktuelle Rezension von: Hopeandlive
    In diesem fast humorvoll beginnenden Buch reisen wir mit den beiden Protagonisten Claudio und Cecilia nicht nur auf verschiedene Kontinente, sondern erleben alles durchdringende Melancholie und tiefen Schmerz.
    Guadalupe Nettel schreibt in einer wunderschönen Sprache und nimmt den Leser mit auf die Reise in die Seele der Menschen sowie mit in die Städte wo sie leben.
    Claudio arbeitet als Lektor in einem Verlag und lebt seit vielen Jahren in New York, nachdem seine erste große Liebe in Havanna starb und ihn dort nichts mehr hielt.
    Cecilia studiert in Paris uns stammt ursprünglich aus Mexiko. Sie hat seit ihrer Kindheit ein besonderes Faible für Friedhöfe und liebt es, zwischen den Gräberndes Pere - Lachaise spazieren zu gehen.
    Als Claudio und Cecilia sich über gemeinsame Freunde kennenlernen, verlieben sie sich ineinander obwohl sie noch in jeweils anderen Beziehungen verwickelt sind.
    Die Beiden tauschen über die Distanz E-Mails und erzählen sich ihre tiefsten Gedanken, schicken sich Gedichte, tauschen selbst zusammengestellte CDs aus  und alles wirkt sehr romantisch und wirkt echt.
    Doch dann besucht Cecilia ganz überraschend Claudio in New York und alles entwickelt sich ganz anders.....

    Ein sehr gewöhnungsbedürftiger Roman mit sehr eigenwilligen Protagonisten , die es einem nicht immer leicht machen , sie zu mögen. Sie mögen sich selbst auch nicht immer , sie mögen auch nicht alle Menschen und sehnen sich doch nach dem einen der oder die sie versteht und so nimmt wie sie sind und stehen sich letztendlich selbst im Weg, das gemeinsame Glück zu finden.
    Auch wenn es sehr melancholisch und sehr traurig war , dieses Buch zu lesen , hat es mich doch gefesselt nicht zuletzt der schönen Sprache von Guadalupe Nettel und ihren wunderbaren Beschreibungen von Paris.
    Auch wenn es nicht das klassische Happy End gibt, erscheint zumindest für eine Person wieder ein Hoffnungsstreifen am Horizont und ich habe mich auf eine stille und melancholische Weise in Paris verliebt.
    Es lohnt sich auf jeden Fall dieses Buch zu lesen!
  4. Cover des Buches Fahr zur Hölle (ISBN: 9783896673251)
    Kathy Reichs

    Fahr zur Hölle

     (135)
    Aktuelle Rezension von: Nala73

    Bist du stärker als der Hass? Bist du schneller als das Böse? Bist du bereit für die Wahrheit? In Charlotte, Tempe Brennans Heimatstadt, ist die Hölle los. 200.000 Motorsport-Fans sind auf dem Weg zum Charlotte Motor Speedway und dem großen NASCAR-Rennwochenende. Auf einer Müllhalde nahe der Strecke werden in einem Teerfass menschliche Überreste gefunden. Das Mitglied eines NASCAR-Teams wendet sich an die Forensikerin und erzählt ihr, dass seine Schwester Cindi vor zwölf Jahren verschwunden ist - zusammen mit ihrem damaligen Highschoolfreund Cale Lovett. Lovett hatte Verbindungen zu einer rechtsextremen Gruppe namens Patriot Posse. Könnte die Leiche Cindis sein? Oder Cales? Zum Zeitpunkt ihres Verschwindens interessierte sich das FBI für die beiden. Doch die Suche wurde früh eingestellt. Sollte da etwas vertuscht werden? Wollte das Paar mit der paramilitärischen Gruppe in den Untergrund gehen? Oder hat Cale Cindi auf dem Gewissen? Tempe Brennan arbeitet fieberhaft daran, den Fall schnell aufzuklären. Doch gerade sie weiß: Das Böse holt dich immer ein.

  5. Cover des Buches Die unglaubliche Entdeckung des Mr. Penumbra (ISBN: 9783641140656)
    Robin Sloan

    Die unglaubliche Entdeckung des Mr. Penumbra

     (50)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    "Die unglaubliche Entdeckung des Mr. Penumbra" gilt als die Vorgeschichte des Romans "Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra" und ist sogar am Ende einiger Ausgaben dieses Romans verankert.

    Ich persönlich empfand es als gewöhnungsbedürftig eine Vorgeschichte am Schluss eines Buches zu lesen, konnte mich dennoch schnell darauf einlassen.
    Sie beinhaltet eine kurze Zusammenfassung vom Leben des Protagonisten Ajax Penumbra und wie es ihn nach San Francisco und in die Buchhandlung verschlagen hat. Ich würde die Geschichte einfach als nett bezeichnen, da sie auf mich nicht sonderlich spannend, aber auch nicht vollkommen uninteressant wirkt. Es ist schlicht und ergreifend eine nette Zusatzinformation, aber nichts, was man braucht um die andere Geschichte zu verstehen.

    Somit würde ich dieses Buch nicht unbedingt als einzelne Lektüre empfehlen, sie kann zwar durchaus als eine Art Auflockerung zwischen zwei anspruchsvolleren Werken dienen oder als eine Art Lückenfüller; ich persönlich jedoch würde empfehlen, diese Geschichte im Zusammenhang mit dem anderen Roman zu lesen.
  6. Cover des Buches Aufstieg und Fall des Wollspinners William Bellman (ISBN: 9783896675255)
    Diane Setterfield

    Aufstieg und Fall des Wollspinners William Bellman

     (24)
    Aktuelle Rezension von: FeFu

    Joa, was soll ich sagen.
    Es ist nichts was man in Erwägung zieht mehrfach zu lesen.
    Es ist teils etwas langatmig. Es gibt teils krasse Zeitsprünge, die man nicht registriert, wenn man den Satz in dem es erwähnt wird zu flüchtig liest.
    Ich denke es ist in sich auch nicht immer ganz rund und stimmig.

    Dennoch ist die Geschichte interessant, leicht fesselnd und hat viele auf und abs. Aber es fehlt die richtige Tiefe. Es erscheint mir vieles zu oberflächlich.

  7. Cover des Buches Weine nicht (ISBN: 9783896675644)
    Lydie Salvayre

    Weine nicht

     (10)
    Aktuelle Rezension von: AlexanderPreusse

    Ein schweres Thema - Spanischer Bürgerkrieg - auf mehreren Ebenen erzählt, Zeitsprünge und die Autorin mischt direkt mit, kommentierend, sehr frei im Umgang mit Interpunktion. Und dennoch so leicht. Wunderbar! 

    Es gehört einigen Mut, über den Krieg zu schreiben. Vor allem über einen Bürgerkrieg vom Ausmaß des Spanischen, der zwischen 1936 und 1939 tobte. Am Ende haben Francos Faschisten militärisch den Sieg errungen, mit hilfreicher Unterstützung Italiens und des so genannten Dritten Reichs. Das Regime ist erst Mitte der 1970er Jahre nach Francos Tod einer Demokratie gewichen.  

    Mut ist nötig, um sich dem Thema zu stellen, denn Francos Gegner wurden nicht nur von potenziellen Alliierten im Stich gelassen, wie Frankreich, Großbritannien und den USA, sondern auch von dem einzigen Unterstützer gespalten und auf brutalste Weise auf Linie gebracht: Stalin schickte Waffen und Terror nach Spanien, dem mehrere zehntausend Menschen zum Opfer gefallen sind. Auch auf der anderen Seite wurden unzählige Menschen bereits während des Krieges exekutiert. 

    Die große Stärke des Romans, für den die Autorin mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet wurde, liegt darin, dass diese Schattierungen des Krieges allesamt in der Erzählung verarbeitet worden sind. Salvayre nutzt dazu Perspektivwechsel. Neben der Hauptfigur, Montserrat, und ihrem Bruder, die sich den Verteidigern der Republik anschließen, wird auch einem konservativen Katholiken über die Schulter geschaut. 

    Trotz des gewaltigen Grabens, der sich zwischen diesen beiden Seiten auftut, wird die übergreifende Desillusionierung deutlich, der Krieg an sich, sein barbarischer Alltag, lässt die Ideale zerplatzen, als sie menschenverachtender Ideologie weichen. 

    Sie Autorin tritt selbst in Erscheinung, kommentiert die Erzählungen der alt gewordenen Montserrat, ihrer Mutter, und ihren eigenen Schreibprozess. 

    Neben diesen räumlichen und zeitlichen Brüchen gibt es auch formelle. Mit der Interpunktion wird frei umgegangen, was den Lesefluss jedoch nicht stört, zugleich aber den Übergang zwischen fiktionaler Erzählung, historischen Fakten und Dokumenten enorm geschmeidig werden lässt. Es ist erstaunlich, wie gut das funktioniert. 

    "Weine nicht" ist mit einer wunderbaren Leichtigkeit erzählt, was auch daran liegt, dass ihr im Kern eine (tragische) Liebesgeschichte als Leitfaden eingewoben wurde. Montse zieht mit ihrem Bruder zu den Revolutionären, erlebt eine kurze Phase der Freiheit und flammender Liebe, ehe alles in ein langes, würgendes Desaster mündet - wie der Bürgerkrieg an sich. 

    Besonders wertvoll macht diesen Roman der Umstand, dass er schön die Entwicklung aufzeigt, der die Haltung der Bevölkerung in Montserrats Heimatort gegenüber Revolution und dem sich abzeichnenden Sieg der Franco-Seite unterworfen ist. Wer von Umstürzen träumt, sollte hier genau lesen und zuhören, denn so einfach ist die Sache nicht, auch wenn zu Beginn einer Umwälzung die Begeisterung groß ist. 

  8. Cover des Buches All dies ist nie geschehen (ISBN: 9783896676344)
    Olivier Norek

    All dies ist nie geschehen

     (7)
    Aktuelle Rezension von: renee

    Dieses Buch ist ein Tipp. "All dies ist nie geschehen" ist ein differenzierter Blick auf den Dschungel von Calais, auf seine Bewohner und ihre Unterschiede, auf die exekutive Gewalt und ihre Probleme und Sichtweisen, auf Flüchtlings- und Hilfsorganisationen und ihr Handeln, auf die Wirtschaft der EU und ihre Bedeutung für die EU und die Auswirkungen auf die Flüchtlinge, auf die französischen Bewohner von Calais und ihre Sichtweisen zu dem Dschungel und ebenso auf den französischen Staat und seinen Umgang mit dem Thema Flüchtlinge und hier speziell mit dem Dschungel von Calais. Wobei diese differenzierte Betrachtung des Themas durchaus auch auf andere Staaten der EU und ihre Flüchtlingsproblematik angewendet werden könnte. "All dies ist nie geschehen" ist auch ein Blick auf die Flüchtlinge und etwaige Fluchtursachen, etwas, was auch genauer und differenziert betrachtet werden sollte. Denn was treibt Menschen wohl auf einen Weg, der ihren Tod bedeuten kann? Ich kann mir nicht helfen, aber wirtschaftliche Gründe sehe ich hier nicht als vordergründig, auch wenn es viele Menschen in europäischen Landen gibt, die genau das tun. Leider! "All dies ist nie geschehen" ist allerdings ebenso ein Blick auf den Menschen, auf seine positiven, wie auch negativen Seiten und auch durch diesen Blick ist dieses Buch so einschlagend für mich. "All dies ist nie geschehen" ist insgesamt eine wirklich interessante, spannende und wendungsreiche Geschichte, sehr differenziert und ebenso sehr ergreifend/dunkel/düster/bedrückend. Gut gemacht, Olivier Norek!!! Man merkt ihm seine Erfahrungen an, hat er doch für Pharmaciens sans frontiéres und als Police Lieutenant in Seine-Saint-Denis gearbeitet. Gerade diese beiden Informationen  machen dieses Buch noch interessanter! Sprechen sie doch für ein Wissen Noreks, quasi aus erster Hand und das verleiht dem Buch noch mehr Wichtigkeit. Olivier Norek hat ein interessantes, wie auch ein sehr aufwühlendes Buch geschrieben!



    Wer sind die Protagonisten? Einmal die syrische Familie Sarkis, Adam Sarkis, der Vater, arbeitet gegen Assad im Untergrund. Die Situation wird für ihn brenzlich und deswegen schickt er seine Frau Nora und seine Tochter Maya auf den Weg zum Dschungel von Calais. Adam kommt dann etwas später nach und will sich in Calais wieder mit seiner Familie vereinigen. Und dann die französischen Millers, Bastien Miller, ein Kommissar, lässt sich aus Sorge um seine Frau Manon nach Calais versetzen, mit dabei ist noch ihre Tochter Jade. Adam, der seine Familie in Calais nicht gleich findet, kümmert sich erst einmal um ein sudanesisches Kind und dies ist etwas, was die Millers bald auch tun und diese, ihre Menschlichkeit trägt Früchte. 

  9. Cover des Buches Nacht über Tanger (ISBN: 9783453423640)
    Christine Mangan

    Nacht über Tanger

     (17)
    Aktuelle Rezension von: Lesenisttoll
    Alice und Lucy lernen sich an ihrem ersten Tag im College an der Ostküste der USA kennen. Sie teilen sich ein Zimmer und werden beste Freundinnen. Beide haben in jungen Jahren ihre Eltern verloren und fühlen eine große Verbundenheit. Bald jedoch wird Alice durch Lucys ständige Gegenwart und Aufmerksamkeit erdrückt, während Lucy es Alice übelnimmt, dass diese anfängt, sich mit einem jungen Mann zu treffen und Dinge ohne sie zu unternehmen.
    Dann geschieht ein schrecklicher Unfall, von dem der Leser erst im Laufe des Buchs Näheres erfährt. Alice verlässt das College und geht zurück nach England, wo sie bei einer Tante lebt. Über die Tante lernt sie Michael kennen und heiratet ihn. Es ist nicht die große Liebe, doch er eröffnet ihr ein neues Leben an seiner Seite in Marokko. Allerdings stellt sich das Leben in Tanger als ganz anders heraus, als sie sich vorgestellt hatte. Die fremden Gerüche, Eindrücke, Menschen und Soukhs machen Alice Angst. Bald verlässt sie die Wohnung nicht mehr, den einzigen Ort, an dem sie sich sicher fühlt.
    Eines Tages steht unerwartet Lucy vor ihrer Tür in Tanger. Nach dem anfänglichen Schock bietet Alice ihr an, für die Dauer ihres Aufenthalts bei ihr und Michael zu wohnen. Von Anfang an merkt man, dass das Verhältnis zwischen Alice und Lucy seltsam ist. Situationen werden abwechselnd aus Lucys und Alices Perspektive erzählt und oft unterscheiden sie sich sehr. Wer erzählt die Wahrheit, welcher der beiden soll man glauben? Auch Begebenheiten aus der Vergangenheit werden beleuchtet und das Puzzle fügt sich allmählich zu einem Bild.
    Der Roman ist unglaublich spannend und atmosphärisch dicht geschrieben. Man fühlt sich mittendrin in der Altstadt Tangers, der flirrenden Hitze und den Menschenmassen, den Gerüchen und einer unterschwelligen Bedrohung. Durch den Prolog weiß der Leser bereits, dass etwas Schlimmes passiert, und doch hofft man die ganze Zeit auf einen anderen, besseren Ausgang. Ich habe schon lange keinen Roman mehr gelesen, der mich so gepackt hat. 
  10. Cover des Buches Haltet euer Herz bereit (ISBN: 9783453408074)
    Maxim Leo

    Haltet euer Herz bereit

     (28)
    Aktuelle Rezension von: Bellis-Perennis

    Maxim Leo ist ein 1970 in Ost-Berlin geborener Journalist, der seine Familiengeschichte erforscht hat und dabei Ähnlichkeiten mit der DDR entdeckt hat. Er bezeichnet sein Familie als „DDR im Kleinen“.  

    Sowohl der Großvater väterlicher als mütterlicherseits haben sich der DDR verschrieben, wenn auch aus völlig unterschiedlichen Motiven. Der eine entwickelt sich vom jüdischer Flüchtling zum Partisanen in Frankreich, der andere ist ein Mitläufer im Nazi-Regime. Die Erfahrungen beider in der Diktatur lassen sie auf den neuen deutschen Staat hoffen. Erst die Kinder und Enkel lassen ihre Zweifel am Arbeiter- und Bauernstaat aufkommen. Die Bindung an die Ideale der DDR wird von Generation zu Generation schwächer. Es ist schwer zu begreifen, dass der Staat befindet, wer eine höhere Schulbildung bekommen darf, und wer nicht.  

    Witzig finde ich diese Sequenz:  

    Mit siebzehn spielt Maxim Leo mit seinen Berufsschulkollegen „Westler“. „Unser Westen ist ein Land, in dem die Menschen gut angezogen sind, bequeme Autos fahren, wo es überall so riecht wie im Intershop. Das völlige Gegenteil der grauen Ärmlichkeit, die Anti-DDR.“ 

     

    Meine Meinung: 

    Im Gegensatz zu vielen anderen Büchern über die DDR rechnet Maxim Leo nicht mit dem Regime ab. Er beschreibt in eindringlichen Worten, wie sich eine gute Idee in die falsche Richtung entwickelt hat. Er schildert die Hoffnungen und die Enttäuschungen, die der Staat geweckt und dann nicht erfüllen konnte.  

    Einiges kenne ich schon aus seinem aktuellen Buch „Wo wir zu Hause sind“.  

    Sein amüsanter Schreibstil lässt die Seiten nur so dahin fliegen. Obwohl er auch über die Schattenseiten der DDR berichtet, ist sein Buch nicht wertend. Ebenso verzichtet er auf die oft übliche „DDR-Romantik“ und „Schwarzmalerei“. Der Autor lebt nach wie vor in Berlin. 

    Fazit: 

    Die gelungene Darstellung einer vergangenen Lebensweise ohne DDR-Romantik oder Schwarzmalerei. Gerne gebe ich für dieses Familiengeschichte, die sich über drei Generationen zieht, 5 Sterne.

     

  11. Cover des Buches Tage in Cape May (ISBN: 9783453424166)
    Chip Cheek

    Tage in Cape May

     (32)
    Aktuelle Rezension von: gedankenbuecherei

    MEINE MEINUNG:
    Liebesroman könnte meiner Meinung nach nicht unpassender für die Beschreibung dieses Romans sein. Viel mehr ist es doch ein Buch über Selbstfindung und Selbstentdeckung, eine Geschichte über das, was die Protagonisten Effie und Henry für die Liebe halten.

    Das frisch verheiratete Ehepaar reist in die Flitterwochen nach Cape May und allein an der Tatsache, dass Effie nach nur einer Woche in dem ruhevollen Örtchen am Strand bereits langweilig wird und sie lieber wieder die Heimreise antreten würde lässt erahnen, dass sie doch noch sehr jung ist und sich nach Erfahrungen und Erlebnissen sehnt, die ihr noch bevorstehen. Henry scheint schwer verliebt und versichert seiner frischgebackenen Ehefrau immer wieder aufs Neue, wie sehr er sie liebt, dennoch erkennt man auch bei ihm schnell die junge Naivität. Beide sind sie schließlich erst 18 und 20 Jahre alt und fühlen sich nun nach der Heirat vollständig erwachsen. Besonders Henry ist darauf bedacht, ein guter Ehemann zu sein, der seiner Familie Ehre und Stolz bringen würde. Der Leser wird eingeführt in eine prüde wirkende Ehe und der Erwartungshaltung gegenüber dem Leben in den 50er Jahre. 

    Kurz vor ihrer vorzeitigen Abreise treffen die beiden auf eine alte Bekannte Effies aus Kindertagen. Clara genießt ihr dekadentes Leben in vollen Zügen und verbringt ihre Zeit in Cape May mit ihrem Liebhaber Max und dessen distanzierter, beinahe schon desinteressierten Schwester Alma. Drei Charaktere aus dem luxuriösen New York, die es gewohnt sind, zu tun was sie wollen, stets begleitet vom Genuss des Alkohols. Henry und Effie bekommen Einblicke in eine Welt, die ihnen zunächst völlig fremd und schockierend erscheint. Ganz anders hatte sich Henry das idyllische Leben mit seiner Frau ausgemalt. Aber besonders er ist es letztendlich, der Gefallen an dem Leben findet, das die drei New Yorker ihm vorleben und zu dem er immer mehr dazugehören will.

    Henry und Effie erscheinen in Chip Cheeks Roman als sehr naive Charaktere, die sich schnell zu Dingen verleiten lassen, die normalerweise nicht zu ihrem Alltag gehören würden. Sie werden mutig, entdecken sich selbst und lernen viel über die Liebe und vor allem über die Macht der Verführung. Dabei scheinen sie die Veränderungen nicht einmal richtig zur Kenntnis zu nehmen. Fasziniert von dem Lebensstil der drei, werden Effie und Henry in einen Strudel gesogen, der große Auswirkungen auf ihr restliches Leben und ihre Beziehung nehmen wird. Wir begleiten die Protagonisten auf ihrer grundlegenden Entwicklung, die nicht einmal zwei Wochen braucht. Sie werden wagemutig und offener. Chip Cheek regt zum Nachdenken an, über Entscheidungen die binnen Sekunden getroffen werden und dennoch Auswirkungen auf den Rest des Lebens haben.

    Einen großen Teil des Romans machen geschilderte Liebesszenen aus sowie erotische Beschreibungen, die immer wieder auf Henrys Gedanken hinweisen. Diese bleiben jedoch so dezent, dass der Leser das Gefühl bekommt, in Henry selbst zu stecken, der sich diese Gedanken nicht eingestehen will.

    Chip Cheek beschreibt in einer Sprache, die die Leser zurückversetzt, in eine Zeit, die längst vergangen ist und in lebhaften Bildern, die das Geschehen genau vor Augen führen. Auch wenn diese Geschichte eher Alltagssituationen beschreibt, konnte sie mich vollends in ihren Bann ziehen. Hier geht es weniger um die Handlungen an sich, sondern um das, was diese auslösen, die Gefühle, die Verwirrung und letztendlich die Konsequenzen.

    FAZIT:
    Chip Cheeks Roman fasziniert durch Klarheit. Zwei junge Erwachsene, die Entscheidungen für ihr Leben treffen und sich dessen nicht einmal bewusst sind, stehen in dieser Geschichte im Vordergrund. Das Buch konnte mich absolut überzeugen, so gewaltig waren die Handlungen, Entscheidungen und ihre Konsequenzen geschildert.

  12. Cover des Buches Solo (ISBN: 9783833309861)
    William Boyd

    Solo

     (22)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    In Windeseile durchgeritten. War auch nicht schwer. Las sich flüssig von der Hand weg. Was irgendwie auch schon der Kritikpunkt ist…

    INHALT: Die Story ist ein waschechter Bond-Plot auf drei Kontinenten: lakonisch, zum Teil sehr brutal und bis ins Detail durchgestylt. Bond kann alles, Bond weiß alles, Bond schafft alles. Er beendet einen Bürgerkrieg in Westafrika, gerät zwischen die Fronten mehrerer Interessengruppen und zieht nach dem Verlust seiner Angebeteten auf eigene Faust ein blutigen Rachefeldzug durch. Beim Lesen hatte ich die ganze Zeit Connery vor Augen, der passte am besten zum 60er-Jahre-Kolorit.

    FAZIT: Stilistisch orientiert sich William Boyd sehr stark an Flemings alter Schreibe. Never change a running system, kann man da sagen. Ich aber meine, der Agententhriller hat in den letzten fünfzig Jahren so einiges an Entwicklung durchgemacht, was in SOLO komplett fehlt. Fleming war zu seiner Zeit ohne Frage ein Meister, das ist aber auch schon ewig her. Für einen Roman von 2013 reicht das vorn und hinten nicht. Zu klassisch, zu glatt, zu abgedroschen. Keine Haken, kein Fortschritt, kein Gewinn. Das macht das Ganze nur mäßig spannend – 2 Sterne.

    *** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

  13. Cover des Buches Solo (ISBN: 9780099578970)
    William Boyd

    Solo

     (20)
    Aktuelle Rezension von: Dominik_Hellenbeck

    Wer vom Werbetext der Taschenbuchausgabe ausgeht und ein „brisantes und hochaktuelles Bond-Abenteuer“ erwartet, wird herb enttäuscht werden. Zum einen handelt der Roman in den 1960ern – soviel zu „hochaktuell“, zum anderen ist es mitnichten ein „klassischer“ Bond-Roman.

    Vielmehr besteht die Story zur Hälfte aus einem durchschnittlichen 60er-Jahre-Afrika-Roman mit den genreüblichen Komponenten (Teil eines kolonial kreierten afrikanischen Staates will sich nach Fund von Bodenschätzen unabhängig vom Rest des Landes machen, dazu werden Söldner angeworben und Waffen gekauft). Etwas Biafra-Story, etwas Katanga-Sezession, heruntergekommene Schreiberlinge im postkolonialen Ambiente einer angegammelten Bar, etwas London-Kolorit der „swinging sixties“ samt „Jensen FF“.
    Alles schon anderswo und besser gelesen.

    Der 08/15-Söldnergeschichte folgt im 2. Teil - da Bond „solo" arbeitet - ein durchschnittlicher Roman über einen Auftragskiller. Vom getarnten Auskundschaften der Gewohnheiten der Zielperson im gewollt auffälligen Outfit über die genaue Schilderung der Observierungseinzelheiten bis zum problemlosen Vermöbeln von Straßenräubern wirkt alles wie bei Barry Eislers "Tokio- Killer" abgeschrieben und seltsam leblos aneinander gereiht. Ob das Besorgen eines zerlegbaren Gewehrs , ob die Schilderung eines optimalen Beobachtungspunktes – alles weder neu noch originell.

    Am Schluß gibt es ein eher peinliches Moralisieren nach dem Motto "Politik ist ein schmutziges Geschäft" und ein äußerst lahmes Ende - das war's.

    Was dies alles mit einem James-Bond-Roman zu tun hat?
    Ziemlich wenig, 007, M und Co. wirken, wie irgendwie nachträglich eingefügt, denn es fehlt bezeichnenderweise alles, was die Bond-Story aus den 1960ern ausmachte: es gibt keinen diabolischen Mastermind-Gegenspieler, keine Verbrecher-Geheimorganisation, keinerlei Gadgets. Statt Laserstrahl aus der Uhr oder der Bombe im Füllfederhalter nutzt Bond eine Socke mit Kupfermünzen als Totschläger.
    Alles in allem ein mißglückter Genre-Mix, als „Bond“-Roman absolut verzichtbar. 

  14. Cover des Buches Keegan's Lady by Catherine Anderson (2005-01-25) (ISBN: B01K3KVCGC)
    Catherine Anderson

    Keegan's Lady by Catherine Anderson (2005-01-25)

     (1)
    Aktuelle Rezension von: Mimabano
    Von Catherine Anderson habe ich schon viele Bücher gelesen und mit diesem bin ich auch wieder zufrieden.Der Anfang war zwar etwas zu ausgedehnt aber dann kam ich gut durch die Seiten.Die Protagonisten waren mir auch sympathisch wobei ich zum Teil etwas erstaunt war , das Ace zum Beispiel nichts sagte,nachdem Caytlin's Katze ihm den Hut mit dem grossen Geschäft vollgemacht hatte.Auch verstand ich nicht das Patrick,Caytlin's Bruder eine Katastrophe nach der anderen verursachte und nicht zu vergessen sie schlecht behandelte und sie ihn immer in Schutz nahm.Das nervte mich schon zeitweise.Sonst wie gesagt hat die Autorin wieder einen sehr gefühlvollen Roman geschrieben mit netten Charakteren.Klappentext 📖 Caitlin O'Shannessy's late father left her with many things : a colorado ranch ,enduring memories of pain and sadness,an unshakable mistrust of men...and an adversary. Ace Keegan has returned to No Name , too late to enact a rightful vengeance on his most hated enemy.The man who put a hole in Ace's life is dead, leaving a daughter behind to run the familiy enterprise.Though proud and strong as well as beautiful,caitlin is caught off guard when Ace's calculated anger inadvertendly destroys her good name.but ace keegan is a man of honor, determined to make amends by marrying the enchanting lady he wronged - and to nurture with patience and love the light she guards in her damaged heart until it blazes with the power of a thousand suns.
  15. Cover des Buches London Stalker (ISBN: 9783453439276)
    Oliver Harris

    London Stalker

     (31)
    Aktuelle Rezension von: Das_Lisbeth
    Das war jetzt der dritte Nick-Belsey-Roman, den ich in diesem Jahr gelesen habe, und meiner Meinung nach kann er leider nicht mit den beiden Vorgängern mithalten. 

    Darum geht's in dem Buch: Belsey ist suspendiert und übernachtet in dem vor Kurzem geschlossenen Polizei-Revier von Hampstead. Plötzlich steht eine ältere Dame vor der Tür, die ihren verschwundenen Sohn sucht. Belsey findet schnell heraus, dass der junge Mann offenbar die Sängerin Amber Knight gestalkt hat - und schafft es, sich innerhalb weniger Stunden auf seine übliche Nick-Belsey-Art (mit ein paar geschickten Lügen und Dreistigkeit) in den engsten Kreis der gefeierten jungen Musikerin vorzuarbeiten. Er begleitet sie als Security auf eine hippe Promi-Party, amüsiert sich und unterhält sich mit einer Mode-Designerin, die in der gleichen Nacht stirbt. Er findet sich daraufhin in einem immer abstruser werdenden Fall mit einer wachsenden Anzahl von Toten wieder, in der er auch selber in den Fokus der Ermittlungen gerät. 

    Das Setting und die Handlung sind nicht uninteressant, konnten mich jedoch (anders als bei London Underground) nicht so recht reinziehen und mitreißen. Mir fehlt einfach Tiefe in der Geschichte. Vieles geht einfach zu schnell. Gerne würde ich besser verstehen, was in Amber Knight und Mark Doughty vor sich geht, doch dafür bleibt gar keine Zeit, wenn Belsey im Roman von einer Wendung zur nächsten hetzt. 

    Am Ende bleiben viele Feinheiten der Auflösung der Vorstellungskraft des Lesers überlassen. Das muss nicht schlecht sein, macht die Charaktere für mich bei diesem Fall aber etwas zu oberflächlich. Trotzdem bleibt "London Stalker" ein solider Thriller. Und ich persönlich mag den eigentlichen unsympathischen kaputten Ermittler. 

    Daher mein Punkte-Fazit: drei von fünf Punkten.
    Am Ende bleiben viele Feinheiten der Auflösung der Vorstellungskraft des Lesers überlassen. Das muss nicht schlecht sein, macht die Charaktere für mich bei diesem Fall aber etwas zu oberflächlich. Trotzdem ist "London Stalker" ein solider Thriller und ich persönilDaher nur drei von fünf Punkten. 
  16. Cover des Buches Die Verängstigten (ISBN: 9783896676276)
    Dima Wannous

    Die Verängstigten

     (8)
    Aktuelle Rezension von: Alais

    „Meine Mutter, die dort auf dem Sofa saß, las seit Tagen die Seite vierundzwanzig. […] Zwar war sie über Nacht gealtert, aber jetzt saß sie ganz ruhig auf dem Sofa und las Seite vierundzwanzig.“ (S. 74/75)

    Ein stiller Roman, in dem Traumbilder und Gefühle, Gedanken und Geschichten aus Syrien, die wahr oder sogar autobiographisch sein oder auch symbolisch für das Leiden vieler stehen können, im Mittelpunkt stehen. Auf sehr eindrucksvolle Weise gelingt es der in Damaskus geborenen Autorin, das Leben in Syrien unter dem Assad-Regime und die Risse, die unter dem Staatsterror durch die Familien gehen, fühlbar zu machen. 

    Die Last, die das Leben den Menschen in diesem Roman aufbürdet, ist enorm – von Unfällen, unglücklichen Ehen, schweren Krankheiten, Tod des Vaters bis hin zu den späten Folgen des Hama-Massakers (1982), ständiger Angst vor Verfolgung, Beobachtung und Verhaftung und einem Bruder, der verschwindet und von dem man wünscht, er sei tot, weil selbst das besser wäre, als ihn in langer Folter zu wissen ... Und immer wieder die Angst sowie die Angst vor der Angst. Das Angstthema wird ohne große dramatische oder blutige Szenen so anschaulich vermittelt, dass es mir während des Lesens definitiv nicht gut ging.

    Was macht wohl diese Angst mit den Menschen und gibt es überhaupt eine richtige Art, mit ihr umzugehen – angstlösende Medikamente, Entwicklung von Ticks, innere Emigration, Auflehnung, die mit dem Leben bezahlt wird, sind einige der Folgen für die Handlungsfiguren ... Die Geschichte ist umso trauriger und erschütternder, da sie so authentisch wirkt.

    Dabei spielt gerade die Frage der Fiktion und der individuellen Geschichten, die für die Geschichte so vieler stehen, eine große Rolle in diesem Roman, in dem sich die Hauptfigur Sulaima in den Schriftsteller Nassim verliebt, dem sie im Wartezimmer eines Arztes begegnet, den beide wegen ihrer Angststörung aufsuchen. Eines Tages, die Liebesgeschichte (die ich leider nicht ganz nachvollziehen konnte, aber das geht mir bei Liebesgeschichten leider oft so) scheint bereits ein frühes Ende gefunden zu haben, findet sie ein Manuskript von Nassim, das von einer anderen Frau zu handeln scheint und doch auch ihre eigene Geschichte erzählt ... Und auch die reale Geschichte der Autorin Dima Wannous scheint zumindest als Inspirationsquelle für diesen Roman gedient zu haben.

    Der Schreibstil ist sehr zart, poetisch und packend zugleich. Dabei ist der Erzählstil eher bildreich und weniger handlungsbasiert. Er ließ mich mitfühlen und weckte in mir immer wieder den Wunsch, die Figuren tröstend zu umarmen (dabei bin ich generell kein Fan von Umarmungen). Das ist natürlich auch der Übersetzerin Larissa Bender zu verdanken, die nicht nur für eine schöne, elegante deutsche Version gesorgt hat, sondern auch in einem Nachwort viele wissenswerte Informationen zur jüngeren Geschichte Syriens und zur Autorin zusammengetragen hat.

    Auch die Covergestaltung hat mich überzeugt, weil sie anscheinend (und das ist ja leider nicht immer der Fall) in Kenntnis der Erzählung entworfen wurde. So meine ich auf dem Cover jene herumwirbelnde arabische Buchstaben zu erkennen, in die sich für Sulaima Nassims Worte auflösen, wenn sie mit ihm telefoniert.

    Nicht einfach zu lesen, aber auf jeden Fall lesenswert!

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