Bücher mit dem Tag "bloomsbury group"

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37 Bücher

  1. Cover des Buches Orlando (ISBN: 9783458175384)
    Virginia Woolf

    Orlando

     (96)
    Aktuelle Rezension von: Beust

    Ich habe keine Angst vor Virginia Woolf. Aber mit ihrem Namen verbinden sich ein paar kraftvolle Assoziationen. Wahrscheinlich lag es an meinen mangelnden Vorkenntnissen, meinen seltsamen Vorurteilen, dass mich „Orlando“ enttäuscht hat.

    Woolf erzählt die Geschichte des Landadligen Orlando im elisabethanischen England, der schwer in sich und die Natur verliebt ist, sich für die Frauen - vor allem die stürmische Sasha - interessiert und für die Literatur, ja sogar selbst poetische Ergüsse fabriziert; derer schämt er sich später, als ein bösartiger Kritiker sie zu Gesicht bekommt, weshalb Orlando alle vernichtet bis auf den ‚Eichenbaum‘. Erst von der Welt enttäuscht, dann wider ihr zugewandt sogar Gesandter am Hof in Istanbul wird. Die blutige Revolte in der Stadt verschläft Orlando in einem rätselhaften siebentägigen Schlaf, aus dem er als Frau erwacht. Orlando reist wieder heimwärts und erlebt einige Abenteuer - bei den Zigeunern und auf See -, in denen  die Ambivalenz schon aufscheint, dass Orlando nun in einem Frauenkörper steckt, aber ein Vorleben als Mann besitzt. Daheim angekommen, muss sie um vor Gericht ihr Erbe kämpfen, da sie für tot erklärt war und für einen Mann gehalten worden ist, es gelingt ihr aber, den Sitz ihrer Ahnen wieder zurückzuerhalten. Orlando sucht die Nähe von Literaten ihrer Zeit, spricht viel über Literatur und was sie bedeutet. Und immer wieder erprobt sie sich als Frau in einer Männerwelt oder als Frau gegenüber Frauen. Besonders intensiv erlebt sie die Beziehung mit ihrem späteren gatten, dem Kapitän Marmaduke Bonthrop Shelmerdine, in dem sie dessen weiblichen Seiten erkennt. Am Ende des Romans ist Orlando eine weitestgehend ungebundene, selbstbewusste Frau, die sie immer gewesen ist, die mit ihrem gereiften ‚Eichenbaum‘ immerhin zu den ernsthaften Literaturschaffenden gezählt wird und die - mit der Zeit gehend - die Fahrt mit ihrem Automobil schätzt.

    Und überhaupt: die Zeit. Der Roman spannt sich vom elisabethanischen England bis in das Jahr 1928, in dem „Orlando“ erschienen ist, ohne im wesentlichen das Älterwerden Orlandos zu thematisieren, Auch andere Figuren - etwa der Kritiker Greene - leben die Jahrhunderte, was weder erklärt noch hinterfragt wird. Die Jahre ist aufgehoben, es gilt nur ein Vorher und Nachher, denn Woolf benötigt die Jahrhunderte, um Orlando in ihnen die beiden großen Anliegen spiegeln zu lassen, um die es geht: um die Stellung der Frau (in der Gesellschaft und zu sich) und die Literatur.

    Wie Orlando als Frau denkt, sich vom Mannsein in das Frausein bewegt (und wieder zurück, zumindest gedanklich); wie sie Unterschiede entdeckt, Grenzen berührt und überschreitet, Geschlechterspezifisches erkennt, benennt und übersteigt - das sind die starken Momente dieses ansonsten leider arg in die Jahre gekommenen Romans. Hier verbirgt sich der zeitlose Wert „Orlando“ hinter einer Sprache, die altertümlich wirkt (meine deutsche Ausgabe ist von 1964) und heutige Leser wohl nicht mehr erreicht. Die Gedanken über die Literatur hingegen haben mit ihren Namen Staub angesetzt, auch wenn bis heute gilt, was am Schreiben das Schwierigste ist: „Das Leben? Die Literatur? Eins ins andere zu verwandeln?“ (S. 253)

    Auf mich wirkte „Orlando“ nicht mehr wie in Literatur verwandeltes Leben, weshalb ich, der ich mit großen Erwartungen in die Lektüre gestartet war, in folgendem Satz auf der letzten Seite die Figur Orlando selbst widererkannte: „Alles war erleuchtet, wie für die Ankunft einer toten Königin.“ (S. 292)


  2. Cover des Buches Das Lesebuch (ISBN: 9783100925886)
    Virginia Woolf

    Das Lesebuch

     (12)
    Noch keine Rezension vorhanden
  3. Cover des Buches Das rote Schaf der Familie (ISBN: 9783596034246)
    Susanne Kippenberger

    Das rote Schaf der Familie

     (5)
    Noch keine Rezension vorhanden
  4. Cover des Buches So geheim und vertraut (ISBN: 9783518458266)
    Susanne Amrain

    So geheim und vertraut

     (6)
    Aktuelle Rezension von: Sokrates
    Ich dachte vor dem Lesen dieses Buches nicht, dass es noch sehr viel über die Beziehung von Virginia Woolf und Vita Sackville-West zu erzählen gibt. Aber hier habe ich mich sehr geirrt. . Susanne Amrain arbeitet primär mit den Tagebüchern und Briefwechseln beider Frauen und rekonstruiert so die gut 20 Jahre währende Beziehung zweier Frauen, die nach außen hin ein traditionell-konservatives Eheleben führten, inoffiziell jedoch ihr Glück in die eigenen Hände nahmen – zumindest Vita Sackville-West, die von beiden die Aktivere war. Deutlich wird, dass beide Frauen homosexuell waren, diesen Umstand jedoch entweder ein Leben lang (Virginia) oder erst relativ spät (Vita) anerkannten und öffentlich auslebten. Man lebte eine konventionelle Ehe, stellte fest, sexuell mit dem Partner nicht wirklich etwas anfangen zu können, definierte die Ehe lieber als einen Ort intellektuell-freundschaftlicher Nähe, ohne von ‚Liebe‘ im klassischen Sinne sprechen zu wollen. Während sich Vita schon recht bald gleichgeschlechtliche Liebschaften suchte, verblieb Virginia passiver, zurückhal-tender, und widmete sich stattdessen der Schriftstellerei. . Susanne Amrain stellt bereits zu Beginn ihres Buches fest, dass alle bislang (sie veröffentlichte das Buch 1994) publizierten Biographien über Virginia Woolf und/oder Vita Sackville-West von den homosexuellen Neigungen beider wenig berichten. Quentin Bell beispielsweise hält sich arg bedeckt, wenn er die Beziehung charakterisieren will. Auch Virginias sexuelle Einstellung kann er (oder will er?) nicht eindeutig charakterisieren. Inwieweit der Missbrauch durch die Stiefbrüder stattfand, will Bell auch nicht wirklich hinterfragen, obwohl es sich hier vielleicht um einen für das Gesamtproblem wichtigen Baustein handelt. Ob die Beziehung zwischen Virginia und Vita aktiv-sexuell war, kann und will er auch nicht sagen, obwohl ihm gleichermaßen Tagebücher und Schriftwechsel vorlagen und eine eingehende Untersuchung so doch möglich war. Ähnlich bedeckt äußern sich jedoch auch andere Biographien (Die in jüngerer Zeit schienene Biographie von Hermione Lee über Virginia Woolf versucht ein bisschen deutlicher über die neuralgischen Punkte in Virginias Biographie zu sprechen, bleibt aber auch – so meine Erinnerung – hinter den Erwartungen zurück). Susanne Amrain hat sich nun zur Aufgabe gemacht, das Unausgesprochene anhand der schriftlichen Hinterlassenschaften genauer zu benennen. Dies gelingt ihr sehr gut: sprachlich und stilistisch liest sich dieses Buch „von alleine“ und ist für mich daher seit langem eine nicht nur interessante sondern auch entspannende Leselektüre.
  5. Cover des Buches Die Herausforderung (ISBN: 9783596106554)
    Vita Sackville-West

    Die Herausforderung

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  6. Cover des Buches Elisabeth und Essex. Eine tragische Historie. (ISBN: B0000BOBO4)
    Lytton Strachey

    Elisabeth und Essex. Eine tragische Historie.

     (1)
    Aktuelle Rezension von: Sokrates
    Beschwingt erzählt der Essayist und Literaturkritiker Lytton Strachey das Leben der Königin Elisabeth I. von England. Keine klassische Biographie, sondern eher eine wertende, kritische und an vielen Stellen humorvoll-ironische biographische Erzählung.
  7. Cover des Buches Engel und Narren (ISBN: 9783485006538)
    E. M. Forster

    Engel und Narren

     (2)
    Noch keine Rezension vorhanden
  8. Cover des Buches Maurice (ISBN: 9783596158997)
    E. M. Forster

    Maurice

     (46)
    Aktuelle Rezension von: Sokrates
    'Maurice' erzählt das (jugendliche) Leben des Hauptdarstellers Maurice, im spätvictorianischen England seine Ideale und Lebensvorstellungen mit der engen, konservativen und snobistischen Gesellschaft in Einklang zu bringen. Problematisch gestaltet sich sein Unterfangen insbesondere deshalb, weil Maurice homosexuell ist und mit dieser 'Eigenart' überhaupt nicht gesellschaftliche Akzeptanz erfährt, sondern vielmehr als 'Kranker' auf Ablehnung stößt. Erst als er an die Universität Cambridge kommt, kann er seinen Neigungen nachgehen, trifft dort auf Gleichgesinnte. Zwar versucht er in einer Beziehung zu einem anderen Mann sein Glück zu finden, als sich dieser jedoch - dem gesellschaftlichen Druck beugend - eine Heirat anstrebt, kommt es zum Bruch mit Maurice. Interessant ist, dass E. M. Forster den Roman dennoch mit einem Happy End enden lässt, selbst wenn das Ende arg konstruiert erscheint. Maurice findet zwar sein Glück mit einem Wildhüter, den er im letzten Teil des Romans kennenlernt, allerdings erscheint das Ganze nicht wirklich plausibel. Irgendwie konstruiert, als sollte der Leser bei all dem Missglückten vorher nun doch noch eine positive Wende erfahren. Das dieses Ende auch so wirklich nicht in die gesellschaftlichen Rahmenvoraussetzungen passen will, an denen Maurice schon vorher im Romen regelmäßig kläglich gescheitert ist, hat Forster beim Schreiben seines Endes offensichtlich wenig Magenschmerzen bereitet. Der Roman endet so - klassisch versöhnlich - mit einem positiven Ausgang.
  9. Cover des Buches Virginia Woolf (ISBN: 9783596105663)
    Louise DeSalvo

    Virginia Woolf

     (3)
    Aktuelle Rezension von: Sokrates
    Die Autorin, selbst Dozentin für Literaturwissenschaft in den USA, hat nach gut 15 Jahren intensiver Arbeit an Virginia Woolfs Werk dieses Buch geschrieben. Sie beschäftigt sich mit einer Frage, die bislang in der Forschung wenig diskutiert wurde: welchen Einfluss hatten sexuelle Belästigung und sexuelle Gewalt auf das Leben von Virginia Woolf? Louise DaSalvo geht davon aus, dass – auch folgend aus der viktorianischen Sexualmoral – in der Familie Stephen, die nach der Heirat von Virginias Eltern immerhin 11 Personen zählte, sexuelle Übergriffe mehr oder minder starker Intensität an der Tagesordnung waren. Dies wäre auch durch die Familienmoral und Erziehungsethik bedingt gewesen; hinzu kam eine restriktive Rolle der Frau in der patriarchalen Familie. So waren Vanessa und Virginia zeit ihres Lebens zurückgesetzt, spielten nur eine untergeordnete Rolle, latent depressiv. Die Rolle zweier älterer Schwestern (Laura und Stella) waren Beispiel genug für eine Familienordnung, die auf die Stephen-Schwestern erdrückend, beängstigend, entwürdigend wirkte. . Allerdings – und dies ist erschreckend – wurden sämtliche Anzeichen und Indizien in Biographie und Schaffen beider Frauen bislang völlig falsch interpretiert. Sämtliche Biographen taten sich schwer, das von Repressalien und Zwängen geleitete Familienklima richtig zu deuten; der sexuelle Missbrauch durch die Duckworth-Söhne an den Stephen-Mädchen wurde – selbst von Quentin Bell – nie ernst genommen. Erst Louise DeSalvo erkennt richtig, dass die vielen literarischen Metapher und stillen Andeutungen Virginias anders gedeutet werden können und ihr Selbstmord auch eigentlich keine andere Deutung zulässt. Vordergründig hat sie sich vielleicht wegen der weltpolitisch bedrohlichen Lage 1941 das Leben genommen, eigentlich jedoch waren ihre Probleme und der Wunsch, aus dem Leben zu scheiden, eine seit der Kindheit immerfort gärende Problematik. . Das Buch sollte man als letztes biographisches Werk über Virginia Woolf lesen, so mein Eindruck. Beginnen sollte man mit den klassischen Biographien, hier vor allem zu nennen Quentin Bell oder Hermione Lee. Beide Autoren, insbesondere die letzte jedoch, sind recht aktuelle Biographien, die die Thematik des sexuellen Missbrauchs zumindest ansprechen, allerdings auch ungenügend problematisieren. Louise DeSalvo ist dann als Abschluss zu lesen: es korrigiert das von allen Biographen er-zeugte Bild der konfliktfreien, romantischen großbürgerlichen Familie Stephen, wo die Töchter Zugang zu Bildung hatten und ein harmonischer Umgang gepflegt wurde. Außerdem hinterfragt keiner der bisherigen Biographien die ständig wiederholte Meinung, dass Virginias psychische Auffälligkeiten krankheitsbedingt waren; selbst Quentin Bell meint, sie hätte an einer Gehirnerkrankung gelitten. Louise DeSalvo räumt mit diesem Mythos auf, bedingt durch die Psychologie der Alice Miller, die mittlerweile zulässt, dass man akzeptiert, sexueller Missbrauch und familiäre Situationen bringen entsprechende psychische Auffälligkeiten hervor. . Zum Schreibstil der Autorin sage ich wenig: sehr gut geschrieben, flüssig, problemlos zu lesen und zu verstehen. Ein Text, der sich auch dem Laien erschließt, ob bei biographischen oder psychologischen Fakten.
  10. Cover des Buches Literary Essays (ISBN: 0156527812)
    Lytton Strachey

    Literary Essays

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  11. Cover des Buches Auf der Suche nach Indien (ISBN: 9783945386132)
    E. M. Forster

    Auf der Suche nach Indien

     (11)
    Aktuelle Rezension von: Sokrates
    Der Roman, auch häufig als "Reise nach Indien" genannt, erzählt die Geschichte der Adela Quested, die nach Indien kommt und dort mit der anderen, der englischen völlig entgegengesetzten Kultur konfrontiert wird. Eine angestrebte Heirat wird schwierig, es kommt zu Konflikten in der jungen Partnerschaft. Forster beschreibt in gelungener Weise die Situation Indiens in den 1920er Jahren, also zu einer Zeit, in der noch das britische Commonwealth die indische Politik bestimmte, der Kolonialismus staatsleitend war. In diese, der viktorianischen Gesellschaft völlig entgegengesetzten Welt taucht Adela ein. Insbesondere Liebe, Partnerschaft, Erotik erhalten im indischen Kulturkreis eine andere Bedeutung, die völlig konträr zu dem Englischen steht. Der Roman ist ein gelungenes Sittengemälde des kolonialen Großbritannien in Indien. Es zeigt offen die bestehenden gesellschaftlichen, politischen und intellektuellen Verwerfungen zwischen dem sich emanzipierenden Indien und dem noch an der Macht klammernden Großbritannien. Erste Ablösungstendenzen werden sichtbar. Forster schrieb aus der Erfahrung: einige Mitglieder des Bloomsbury Kreises waren als Reisende oder Staatsangestellte für eine gewisse Zeit in Indien / Ceylon - so bspw. Leonard Woolf, der spätere Ehemann von Virginia Woolf und enger Freund von E. M. Forster. Der Roman ist deshalb nicht nur wegen seiner Dramatik und der Beziehungen der Protagonisten ein wichtiger Klassiker, sondern eben gerade wegen seiner eindringlichen und realistischen Schilderungen aus dem Indien der 1920er Jahre. Nicht zu vergessen ist auch die überaus gelungene Verfilmung von Regisseur David Lean (1984).
  12. Cover des Buches Vita Sackville-West (ISBN: 9783627100094)
    Victoria Glendinning

    Vita Sackville-West

     (4)
    Aktuelle Rezension von: Sokrates
    Wem der Name Vita Sackville-West nichts sagt, dem sei zunächst erklärt, dass es sich hier um eine englische Schriftstellerin handelt, deren Werk in heutiger Zeit eher vergessen scheint. Anders steht es allerdings um ihren Garten – Sissinghurst Castle – der mit zu den schönsten Gärten Englands gezählt wird. Kennern hingegen ist Vita Sackville-West durch ihre Freundschaft / Liebschaft (?) zu Virginia Woolf ein Begriff. . Mir persönlich war Vita irgendwie immer unsympathisch. Diesen Eindruck konnte die vorliegende, sehr gut recherchierte Biographie auch nicht revidieren. Vita ist dank Adel und guter Heirat begütert, hat Geld, kann sich durch Schreiben problemlos ihren Lebensunterhalt „hinzuverdienen“. Ihr Mann ist Diplomat und für die englische Krone in der ganzen Welt unterwegs, so auch im Orient, wo ihm Vita einige Male hin folgt – es entstehen bekannte Reisebeschreibungen. Irgendwann lernt sie Clive Bell kennen, Ehemann von Vanessa Bell, geb. Stephen, Schwester von Virginia Woolf. Zu diesem Zeit-punkt hat sie mit ihrem Ehemann bereits zwei Kinder. Nichtsdestotrotz ist Vita weniger Frau denn „Mannsweib“; grob, derb, tiefe Stimme mit einer Neigung zum Doppelkinn. Bereits unmittelbar nach der Geburt ihres zweiten Kindes geht sie eine gleichgeschlechtliche Beziehung zu Violet Trefusis ein, die Ehe mit ihrem Mann wird im beiderseitigen Einvernehmen zu einer „offenen Ehe“. So sucht in Zukunft jeder außerhalb der eigentlichen Ehe seine sexuelle bzw. emotionale Befriedigung. Vita wird – auch von Virginia – als emotional sprunghaft beschrieben. So hart und raubeinig, wie sie durch Briefe und Beschreibungen ihrer Zeitgenossen vor dem inneren Auge des Lesers erscheint, so scheint sie tatsächlich auch gewesen zu sein; und gerade mit dieser Raubeinigkeit kann beispielsweise eine feinfühlige Virginia Woolf nichts anfangen. Vitas literarische Ambitionen sind erfolgversprechend: sie kann eine Reihe gutgehender Romane publizieren, erarbeitet sich schließlich einen Namen in der englischen Literatur der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mir jedoch konnten ihre Werke (drei habe ich bislang gelesen) nur bedingt Lob entlocken. Sie bleibt mir zu trivial, zu oberflächlich. . Victoria Glendenning hat durch den jüngsten Sohn von Vita Sackville-West die Möglichkeit eingeräumt bekommen, das umfangreiche Familienarchiv für ihre Recherchen nutzen zu können. So hatte sie Zugang zu diversen, bislang noch unveröffentlichten Briefe oder Manuskripten. All dies hat sie in ihrer stattlichen Biographie verarbeitet. Mir jedoch blieb das Buch zu trocken. Sprachlich bleibt es recht hölzern, wobei dies auch einer ungenügenden Übersetzung geschuldet sein kann. Leider fehlen dem Buch auch Abbildungen, obwohl eine Menge verfügbar gewesen wären. Insgesamt daher nur ein mittelmäßiges Leseerlebnis.
  13. Cover des Buches Blau & Grün (ISBN: 9783596105533)
    Virginia Woolf

    Blau & Grün

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Sokrates
    Blau und Grün enthält als Sammelband von Erzählungen Virginia Woolf eine Reihe kürzerer und längerer Kurzgeschichten, so bspw. Ein Verein, Ein Frauencollege von außen, Mrs Dalloway in der Bond Street, Glück, Vorfahren, Die Faszination des Teichs, Drei Bilder oder Der Badeort. Der Band enthält einen Querschnitt all desjenigen Schaffens, dass Virginia Woolf nach 1918 schuf. Vermischt mit Tragik, Komik, Ironie, sind die Kurzgeschichten eine gelungene Unterhaltung für Zwischendurch; wehmütig, märchenhaft, glücklich, traurig, tiefgründig.
  14. Cover des Buches Die Fahrt hinaus (ISBN: 9783104904870)
    Virginia Woolf

    Die Fahrt hinaus

     (7)
    Noch keine Rezension vorhanden
  15. Cover des Buches Mann im Zoo (ISBN: 9783442717187)
    David Garnett

    Mann im Zoo

     (2)
    Aktuelle Rezension von: schnaeppchenjaegerin

    John Cromartie ist mit seiner Freundin Josephine Lackett gemeinsam im Zoo und erklärt ihr, dass er sie gern heiraten würde. Für Josephine kommt dies nicht in Frage. Sie möchte sich nicht nur an ihn binden und hat Angst um ihre Freiheit. Es kommt zum Streit, in dem sie ihm ein barbarisches Verhalten vorwirft und meint, er gehöre zu den Tieren im Zoo. John ist enttäuscht, dass seine Liebe so abgeschmettert wurde und beschließt, ihrer Idee Folge zu leisten. Er schreibt einen Brief an den Zoo und zieht anschließend in das Affenhaus. 

    Das Buch ist bereits 1924 erschienen hat aber nichts von seiner Aktualität verloren. Es ist eine Novelle über die Liebe und über das Infragestellen der Konzeption Ehe. Dabei enthält die kurze Erzählung aber noch viel mehr Anspielungen auf das widersinnige Verhalten der Menschen. 

    So werden die Besucherzahlen des Zoos enorm gesteigert, da die Menschen in Scharen einfallen, um den "Homo Sapiens" zu sehen. Die Affen um John reagieren eifersüchtig, da er die ganze Aufmerksamkeit auf sich zieht. Dieser erlangt bald einen Käfigkoller, erhält einen Karakal als "Schmusekatze" und Freund, während er sich von dem nebenan einziehenden "Neger" - der Zoo möchte ein ganzes "Menschenhaus" - errichten, belästigt fühlt. 

    Josephine besucht ihn mehrfach, als sie merkt, wie sehr sie John liebt, fühlt sich durch seine freiwillige Inhaftierung in den Zoo jedoch gedemütigt. Das durch den Käfig getrennte Paar streitet sich und niemand möchte nachgeben. Man selbst erkennt sich in Beziehungsfragen in der Unnachgiebigkeit und Sturheit der beiden wieder, was die skurrile Geschichte so lebensnah und unterhaltsam macht. Sie regt zum Nachdenken an über lebenslange Bindungen und wie man in einer Trennung die Chance für eine Gemeinsamkeit finden kann und ist überhaupt nicht altbacken, sondern mit einem Augenzwinkern geschrieben.

  16. Cover des Buches Die Jahre (ISBN: 9783104904900)
    Virginia Woolf

    Die Jahre

     (3)
    Aktuelle Rezension von: Sokrates
    Virginia Woolf erzählt in Die Jahre die Familiengeschichte der Pargiter, einer Londoner Familie der 1930er Jahre. Im Zentrum der Erzählung stehen die vier Schwestern Eleanor, Delia, Milly und Rose. Woolf reflektiert im Rahmen dieser Familie die die spätviktorianische Gesellschaft durchziehenden Veränderungen: während insbesondere die Männer der Familie traditionelle Rollenbilder erfüllen und in konservativ-angesehenen Berufen aufgehen und Karriere machen, rebellieren die Frauen mehr oder weniger heftig, jede auf ihre Weise. Den einen gelingt das Loskommen aus dem patriarchalisch geprägten Elternhaus, jedoch nicht, um nicht gleichzeitig wieder einer anderen Idee zu folgen, den Suffragetten. Typischerweise ist es die Jüngste der Schwestern, die sich für diesen radikalen Schritt entschließt; die Älteste bleibt traditionell und rebelliert noch am wenigsten. Der Roman ist damit ein Zeit- und Sittengemälde der sich auflösenden traditionell-konservativen englischen Gesellschaft zu Beginn der 1930er Jahre und insoweit auch eine gelungene kritische Auseinandersetzung einer Frau (Virginia Woolf) mit den aktuell in ihrer Gesellschaft und ihrem Bekanntenkreis reflektierten modernen Ideen, auch denen der Frauenemanzipation und dem aufbrechen klassischer Rollenbilder. Der Roman ist typisch für Virginia Woolf: minutiöse Beobachtung, viele Gespräche. Die Protagonisten werden gleichsam seziert. Es passiert nicht unbedingt viel in diesem Roman, betrachtet man jedenfalls die Handlungen. Viel passiert jedoch in den Menschen, zwischen ihnen. Dies ist genau die Genialität und Charakteristik der Literatur von Virginia Woolf; perfekt herausgearbeitet hat sie diesen Stil bereits mit Mrs Dalloway und in ihren Erzählungen.
  17. Cover des Buches Biographical Essays (ISBN: 0156126168)
    Lytton Strachey

    Biographical Essays

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  18. Cover des Buches Die Erbschaft des Peregrinus Chase (ISBN: 9783596295623)
  19. Cover des Buches Die Wellen (ISBN: 9783104904924)
    Virginia Woolf

    Die Wellen

     (30)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Die Wellen brechen sich ein letztes Mal und das war das Ende, der Tod. Ein Sog, ein Rausch, Wellen, die aus einem Meer kommen und zu einem Meer werden. Sechs Personen, Bernard, Louis, Perceivel, Rhonda, Susan und Jinny und ein Leben, das begleitet wird, das auseinanderstrebt und durch das Brechen der Wellen wieder eins wird. Pathetische Ode an was? An die Koexistenz, an das, was uns zu dem macht, was wir sind. Das Zusammenführen der Leben, die schon immer wie ein Organismus, ein Leben waren, wird genial durch die Sprache und das Schriftbild ausgedrückt. Einziger Kritikpunkt: Woolf hätte Platon weniger lesen und besser verstehen sollen, um den Unterschied von Sein und Dasein zu verinnerlichen.
  20. Cover des Buches Virginia Woolf (ISBN: 9783518372531)
    Quentin Bell

    Virginia Woolf

     (8)
    Aktuelle Rezension von: Sokrates
    Über Virginia Woolf gibt es nicht viele Biographien, aber Quentin Bell gehört zweifelsohne zu den bei-den Standardwerken, die genannt werden müssen (das andere Standardwerk ist m.E. Hermione Lee’s Biographie über Virginia Woolf). . Quentin Bell (* 1910) ist der Sohn von Vanessa Bell, geborene Stephen, Virginias Schwester. Er hat Virginia persönlich gekannt und erlebt und schreibt deshalb als unmittelbarer Zeitzeuge, nicht als ein solcher Biographienschreiber, der über sein Objekt erst recherchieren und interviewen musste. Und Quentin ist ein überaus humorvoller Mensch: bereits die eingangs beschriebene Familiengeschichte der Stephen verpackt er in so viel bissigen Humor, dass es sehr viel Spaß macht, sein Buch zu lesen. Darüber hinaus verfügt er über wirkliches Schreibtalent. Nebenbei ist die Biographie über Virginia Woolf ein Zeitdokument der Jahre 1920-1940 englischer Literatur- und Gesellschaftsgeschichte. So schreibt Bell auch über den berühmten Bloomsbury Kreis oder Oxford-Jahre der Stephen-Brüder; beides Stationen im Leben von Virginia Woolf, die auf ihre Persönlichkeit und ihr Schreiben einen massiven Einfluss hatten, allerdings auch auf die englische Kunst- und Literaturszene. . Ein wenig stört, dass Quentin Bell das scheinbare Idyll einer intakten Familie beschreibt. Nach Virginia Woolf – Die Auswirkungen des sexuellen Missbrauchs auf ihr Leben und Werk, geschrieben von der amerikanischen Literaturwissenschaftlerin Louise DeSalvo, kann man diesem heraufbeschworenen Idyll nicht mehr wirklich glauben. Außerdem widerspricht der harmonische Eindruck dem allgemein bekannten viktorianischen Familienverständnis, dass von patriarchalen Verhältnissen geprägt war und Frauen im Wesentlichen ein Leben lang eine untergeordnete Rolle zuordnete. Auf den von den Duckworth-Brüder ausgeübten sexuellen Missbrauch an den beiden Stephen-Schwestern geht Quentin Bell nur sehr knapp ein. Er bleibt vage, will sich nicht festlegen. Auch hier wird lieber eine idyllische Welt beschrieben und sich hinter Nebulösem verschanzt, anstatt eine klare – wenn auch streitige – Aussage zu treffen. Zur kritischen Auseinandersetzung ist daher DeSalvo’s Buch zu empfehlen und gibt auch dem literarischen Werk Virginia Woolf eine mitunter andere Ausrichtung.
  21. Cover des Buches Das Mal an der Wand (ISBN: 9783104904917)
    Virginia Woolf

    Das Mal an der Wand

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Sokrates
    Das Mal an der Wand enthält als Band 1 der Gesammelten Werke von Virginia Woolf sämtliche Kurzprosa, die die Autorin je geschrieben hat. So finden sich Erzählungen, die noch zu Lebzeiten der Autorin von ihr zur Publikation vorgesehen und veröffentlicht waren sowie solche Erzählungen, die erst postum publiziert wurden. Insgesamt gliedert sich der Band in drei Abschnitte, die auch vom Titel und der Anordnung der Erzählungen weitgehend den Taschenbuchausgaben aus dem Fischer TB Verlag folgen. . Phyllis und Rosamond enthält die frühen Erzählungen Virginia Woolfs. So sind beispielsweise Der mysteriöse Fall von Miss V., Das Tagebuch der Mistress Joan Martyn oder Memoiren einer Romanautorin enthalten. Hinzu kommen drei Essays. Woolfs Erzählungen sind Kleinode der Sprache, blumig, reich an Metaphern, tiefgründig, sprachgewaltig, zweideutig. Von diesem Geschick im Umgang mit der Vieldeutigkeit der Wörter künden bereits die frühen Erzählungen, wenn ihnen auch noch – logischerweise – die Perfektion der späteren Erzählungen fehlt. Der Band ist schmal und eignet sich daher als kurze Lektüre für Zwischendurch. . Blau und Grün enthält als Sammelband von Erzählungen Virginia Woolf eine Reihe kürzerer und längerer Kurzgeschichten, so bspw. Ein Verein, Ein Frauencollege von außen, Mrs Dalloway in der Bond Street, Glück, Vorfahren, Die Faszination des Teichs, Drei Bilder oder Der Badeort. Der Band enthält einen Querschnitt all desjenigen Schaffens, dass Virginia Woolf nach 1918 schuf. Vermischt mit Tragik, Komik, Ironie, sind die Kurzgeschichten eine gelungene Unterhaltung für Zwischendurch; wehmütig, märchenhaft, glücklich, traurig, tiefgründig. . Der Band umfasst der frühen, zuerst veröffentlichten Kurzgeschichten Virginia Woolfs, die sie - meist zwischen ihren Romane - als kurzfristige Eingebung zu Papier brachte. So muss uns auch nicht wundern, wenn bspw. Figuren wie Clarissa Dalloway auftauchen. Der Band umfasst so bekannte Kurzgeschichten wie "Das Mal an der Wand" oder "Kew Gardens", mit einmaligen Beschreibungen des Kriechens von Schnecken oder des unentschlossenen Vor-und-Zurück grüner Krabbeltiere. Herrlich kurzweilig, wunderbare Literatur für Träumer, Fans des Kleinteiligen, des Beobachtens von Feinheiten!
  22. Cover des Buches Das Glück des Schreibens (ISBN: 9783894792923)
    Luise Berg-Ehlers

    Das Glück des Schreibens

     (6)
    Aktuelle Rezension von: Daniela8
    Das Buch ist schön illustriert und gibt interessante Einblicke in die Leben englischer Schriftstellerinnen. Sicherlich auch ein tolles Nachschlagewerk für eine Reise nach England auf den Spuren dieser Frauen und ihrer Lebensumstände! Macht Lust darauf mit einer großen Tasse Tee den Stift in die Hand zu nehmen und dem inneren Autor nachzugehen. 
  23. Cover des Buches Zwischen den Akten (ISBN: 9783596143412)
    Virginia Woolf

    Zwischen den Akten

     (5)
    Noch keine Rezension vorhanden
  24. Cover des Buches Erloschenes Feuer - Roman (Die Frau in der Literatur) [ungekürzte Ausgabe] (ISBN: B005H8EHCM)
    Vita Sackville-West

    Erloschenes Feuer - Roman (Die Frau in der Literatur) [ungekürzte Ausgabe]

     (1)
    Aktuelle Rezension von: Sokrates
    Erloschenes Feuer hinterlässt einen eigenwilligen Eindruck: nicht, dass der Roman schlecht ist oder sich nur schwer lesen lässt. Nein, Vita Sackville-West hat mit enorm ironisch-sarkastischen Unterton einen beißenden Roman über Konventionen, Vorurteile und verpasste Chancen geschrieben. Ein klein wenig hört es sich an wie die vergnatzte Abrechnung mit einer alten Welt, von der man sich nun endlich losmachen will. . Erzählt wird die Geschichte der Lady Slane, die mehr als 50 Jahre mit ihrem omnipräsenten Ehemann verheiratet war. Hinter oder neben diesem trat sie nie wesentlich in Erscheinung. Vita Sackville-West schreibt es treffend: „Ihr ganzes Leben lang hatte sie sich in anmutiger und sanfter Weise gänzlich untergeordnet, war mehr oder minder nichts anderes gewesen als ein – Anhängsel.“ Die Familie versucht nun der 68jährigen Mutter ein neues Leben zu organisieren, verteilt hierzu aber ohne deren Einverständnis allen Hausrat und das Immobilienvermögen. Systematisch wird die Mutter übergangen, sei scheint im Verständnis ihrer Kinder keine eigene Meinung zu haben. Die Gespräche der Kinder – im Beisein der Mutter – sind beißend, man macht keinen Kehl daraus, dass man ihr allenfalls den dekorativen Status zubilligt, nicht jedoch einen eigenen Willen, der nun nach dem Wegfall ihres Mannes einmal Raum zur Entfaltung haben könnte. . Doch Lady Slane schafft es auf recht leise, aber intelligente Art und Weise ihren Willen gegen die Kinder und Enkelkinder durchzusetzen. Diesen Weg beschreibt Vita Sackville-West auf sehr sympathische Art und Weise, der Erzählstil ist lebendig, einfallsreich und oftmals zum Schmunzeln. Ein Buch, bei dem man mitleiden und mitfiebern kann.

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