Bücher mit dem Tag "blutig"
175 Bücher
- Jay Kristoff
Das Reich der Vampire
(390)Aktuelle Rezension von: Doscho„Das Reich der Vampire“ erzählt die Geschichte des Silberwächters Gabriel de León, von seinem Aufstieg zu einem der mächtigsten Wächter aller Zeiten bis zu seinem tiefen Fall und Absturz.
Maßgebend für eine Bewertung ist zu einem Teil ja auch die Einstellung, mit der man an ein Buch herangeht. Jay Kristoff mochte ich bislang sehr gerne – dank seiner Illuminae-, Aurora- und der Nervernight-Reihe. Was kann also schon passieren? Leider, wie man an meiner Bewertung erkennen kann, schon sehr viel.
Zunächst mal der Erzählstil. Die Rahmenhandlung ist im Wesentlichen, dass Gabriel einem Untoten seine Lebensgeschichte erzählt. Vielleicht bin ich ja naiv, aber für mich ergibt es am meisten Sinn, da bei der Geburt, bzw. der ersten wichtigen Erinnerung anzufangen und sich dann zum jetzigen Standpunkt vorzuarbeiten. Gabriel sieht das jedoch etwas anders. Wie kann man bei einer Lebensgeschichte derartige Sprünge machen? Ich versteh es nicht und auch der Untote kommt mehrmals in der Handlung nicht mehr mit. Daraufhin reagiert Gabriel stets damit, dass er seine Geschichte so erzählt, wie er sie erzählen will.
Was mich zum zweiten Problem bringt: Gabriel selbst. Gott, ist der Typ unsympathisch. Ich finde Antihelden bzw. gefallene Helden eigentlich durchaus reizvoll. Und ja, Gabriel ist tief gefallen und hat allen Grund, seinen Kummer zu betäuben, was er ja dann auch regelmäßig tut. Doch auch wenn man vorsichtig mit diesem Begriff sein sollte, das erste Wort, das mir bei Gabriel einfällt, ist: dissozial.
Die Handlung erschien mir auch in weiten Teilen erschreckend eintönig. Zusammenfassend kann man an vielen Stellen des Romans sagen: Die Guten laufen vor den Bösen weg oder kämpfen gegeneinander. Das ist wenig spannend und so konnte ich mich nur an den wenigen Stellen festhalten, in denen Gabriel – zusammen mit anderen – daran forscht, wer er ist und warum die Welt in „Das Reich der Vampire“ gerade so ist, wie sie ist. Diese rar gesäten Stellen waren für mich, zusammen mit dem Plot Twist am Ende, die Highlights des Romans.
Und leider muss ich noch auf ein Lowlight eingehen: Die Schicksalsgemeinschaft, der sich Gabriel relativ zu Beginn des Romans anschließt. Alle haben ihre Geheimnisse, keiner sagt was und wenn Gabriel nachfragt heißt es sinngemäß: „Geht dich nichts an.“ Ich frage mich: Wie soll ich als Leser denn Ahnung von der Handlung haben, wenn sie mir verheimlicht wird? Klar ist es genauso langweilig, alles auf dem Silbertablett vorgekaut zu bekommen. Aber man weiß als Leser nur das, was der Autor bereit ist zu schreiben. Und wenn der Autor gar nichts verrät, weil es den Leser ja nicht zu interessieren braucht, was weiß dann der Leser? Eben.
So war „Das Reich der Vampire“ für mich hauptsächlich mal ein Lehrstück darin, mit dem Begriff „Lieblingsautor“ vorsichtig zu sein. Wie gesagt mochte ich bislang alles von Jay Kristoff – dieser Roman jedoch war nichts für mich. Wirklich schade und enttäuschend, aber es sollte wohl nicht sein. Diese Reihe werde ich nicht weiterlesen.
- Jay Kristoff
Nevernight - Die Prüfung
(726)Aktuelle Rezension von: Klaus_MIch habe selten ein Buch gelesen, das mich durch seine bloße Wortgewalt so gefesselt hat. Kristoff schreibt nicht einfach nur eine Geschichte – er zelebriert sie mit einer cineastischen, bildgewaltigen Sprache. Wer düstere Storys, Auftragskiller-Akademien und einen außergewöhnlichen Erzähler sucht, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Ein absolutes Jahreshighlight!
- Sebastian Fitzek
Der Augenjäger
(2.250)Aktuelle Rezension von: Buchsucht_deEin rückwärts nummeriertes Buch. Ein verzweifelter Vater. Ein entführtes Kind. Ein Serienmörder auf der Flucht. Ein zweiter Verdächtiger im Verhör. Und ein Countdown, der unaufhaltsam auf null zuläuft. Sebastian Fitzek liefert mit „Der Augenjäger“, Band 2 der Alexander-Zorbach-Reihe, einen seiner intensivsten Thriller.
Wichtig vorab: Das Buch ist die direkte Fortsetzung von „Der Augensammler“. Wer Band 1 noch nicht kennt, sollte unbedingt dort beginnen. Zorbach ist am Ende. Der Augensammler Frank Lahmann hat seine Frau Nicci getötet und seinen Sohn Julian entführt. Von Lahmann fehlt jede Spur, ein neues Ultimatum läuft, Stunde um Stunde, Minute um Minute. Parallel wird die Polizei zu einem anderen Fall gerufen: Der Berliner Augenchirurg Dr. Zarin Suker steht unter Verdacht, mehreren Frauen die Augenlider entfernt zu haben, um sie zu zwingen, ihre eigene Vergewaltigung zu sehen. Auge um Auge. Suker wird festgenommen, schweigt aber. Als sich beide Fälle auf unerwartete Weise verbinden, wird klar, dass die Wahrheit noch viel dunkler ist, als Zorbach ahnt.
Das absolute Herzstück sind die Wendungen und der finale Twist. Sebastian Fitzek ist der ungeschlagene Meister des Psychothriller-Twists in Deutschland, und „Der Augenjäger“ liefert in Bestform. Er versteckt seine Twists nicht in einem einzigen Enthüllungsmoment, sondern baut sie schichtweise auf. Was zuerst die Wahrheit zu sein scheint, wird revidiert. Die Revision wird revidiert. Und dann wird auch diese Wahrheit auf den Kopf gestellt. Als Leser:in wird man immer wieder in die Irre geführt, ist wütend auf sich selbst und beeindruckt von Fitzeks handwerklicher Präzision zugleich. Der finale Twist gehört zu Fitzeks stärksten und hallt tagelang nach.
Ein erzählerischer Geniestreich ist die rückwärts laufende Seitennummerierung. Das Buch beginnt mit hohen Zahlen und läuft langsam auf null zu. Dieser Countdown-Effekt ist kein Gimmick, sondern integraler Bestandteil der Geschichte. Julian wird sterben, wenn Zorbach nicht rechtzeitig Lahmann findet. Mit jedem Umblättern schrumpft die Zahl. Diese haptische Erfahrung intensiviert den Suspense enorm. Ich habe das Buch in einer Nacht durchgelesen, schlaflos, mit Herzklopfen, unfähig, es aus der Hand zu legen.
Alexander Zorbach ist eine wirklich starke Hauptfigur. Kein übermenschlicher Ermittler, sondern ein zerbrochener Mann am Rande des mentalen Zusammenbruchs. Seine Frau wurde ermordet, sein Sohn entführt, er trägt die Schuld. Und trotzdem muss er funktionieren, weil Julian ihn braucht. Diese Kombination aus emotionaler Zerstörung und pflichtbewusstem Handeln macht ihn authentisch. Für Eltern besonders eindringlich zu lesen. Auch Alina Gregoriev, die blinde Physiotherapeutin und Medium aus Band 1, kehrt zurück und wird clever eingesetzt. Ihre Blindheit steht im spannenden Kontrast zu den beiden augenbesessenen Tätern. Fitzek lässt bewusst offen, ob ihre Visionen echt hellseherisch oder psychologisch zu erklären sind.
Ganz wichtig ist mir eine ehrliche Warnung. „Der Augenjäger“ gehört zu Fitzeks brutalsten Büchern. Die Verstümmelungen durch den Augenjäger, die Bedrohungssituation für den entführten Sohn, der detailliert geschilderte Sadismus des Augensammlers: all das ist extrem. Wer bei brutalen Thrillern schnell an Grenzen kommt, sollte das Buch besser weglegen. Die Themen Kindesentführung, sexuelle Gewalt und Verstümmelung können massiv triggern. Selbstfürsorge ist wichtiger als Genre-Prestige. Bei Belastung sind die Hilfetelefone (Telefonseelsorge 0800 111 0 111, Hilfetelefon Sexueller Missbrauch 0800 22 55 530) rund um die Uhr erreichbar.
Sprachlich zeigt Fitzek seinen Signature-Style in Bestform. Kurze Kapitel, schneller Perspektivwechsel, Cliffhanger, präzise Wortwahl. Die 432 Seiten fühlen sich wie 200 an. Zum Ende hin werden die Kapitel immer kürzer und verstärken den Countdown. Berlin dient dabei nicht als touristische Kulisse, sondern in seiner dunklen, abgründigen Version.
Für Fans absolute Pflicht.
- Sebastian Fitzek
Flugangst 7A
(1.430)Aktuelle Rezension von: Hari_T_Sebastian Fitzek wird seinem Ruf als Großmeister des Psychothrillers mit Flugangst 7A mehr als gerecht. Der Roman besticht durch einen hervorragenden dramaturgischen Aufbau und hält das Spannungsniveau durchgehend auf höchstem Niveau. Die unvorhersehbaren Plot-Twists greifen perfekt ineinander. Zwar grenzen einige Passagen für meinen persönlichen Geschmack an das Quälende und Brutale, was nicht jedermanns Sache sein dürfte, doch das tut dem hervorragenden Gesamteindruck kaum Abbruch. Ein durchweg fesselndes Leseerlebnis.
- Jilliane Hoffman
Cupido
(2.850)Aktuelle Rezension von: RS1971Die 24-jährige Chloe steht kurz vor ihrem Anwaltsexamen als sie eines Nachts überfallen, gefoltert und grausam vergewaltigt wird. Zum Sterben zurückgelassen wird sie am nächsten Morgen von einer Kommolitonin gefunden und ins Krankenhaus gebracht.
Zehn Jahre später kommt es in Miami Florida zu einer Reihe von brutalen Morden an jungen blonden Frauen. Der Mörder wird von der Presse Cupido getauft, denn er schneidet seinen Opfern bei lebendigem Leib die Herzen heraus. C.J. arbeitet als Staatsanwältin eng mit dem Sonderkommando zusammen, dass diesen Fall bearbeitet.
Bei einer Polizeikontrolle wird im Kofferraum des kontrollierten Wagens die Leiche einer weiteren Vermissten mit einem fehlenden Herzen gefunden. Der Fall scheint klar und C.J. übernimmt die Anklage. Doch als sie dem Verdächtigen im Gerichtssaal begegnet muss sie erkennen, dass es sich bei diesem um ihren Vergewaltiger handelt, als sie noch Chloe hieß …
Der Hype um diesen Thriller ist ewig her, und ich meine ewig in der heutigen Zeit. Ich erinnere mich noch daran, wie man dieses Buch überall antraf, doch damals war ich noch nicht interessiert in Thriller, gleich welcher Art, und ließ das ganze an mir vorübergehen. Dank Second-Hand-Büchern allerdings gelang es mir, mir jetzt ein Exemplar zu sichern, denn mittlerweile interessierte es mich doch, was dort geschrieben steht.
Die Handlung ist spannend geschildert. Wer einen Gerichtsthriller erwartet, der wird hier enttäuscht, denn es dreht sich um C.J. und deren Handlungen und ihr Schicksal. Als Vergewaltigungsopfer hat sie schwer mit Posttraumatischem Stress zu kämpfen, etwas, was ich nur zu gut kenne. Dazu kommen Flashbacks, zu Beginn so gut wie jedes Mal, wenn sie auf ihren Vergewaltiger trifft. Etwas, was ich auch nur zu gut unterstreichen kann. Bei mir allerdings wurde der erste durch einen Geruch ausgelöst. Der Geruch des Deos, was mein Vergewaltiger an jenem Tag trug.
Hoffman ist selbst Anwältin und schreibt aus ihrer Sicht der Dinge. Wie weit würde man gehen, um einen Straftäter hinter Gittern, oder in diesem Fall, auf den Elektrischen Stuhl zu bringen? C.J. geht sehr weit und biegt die Regeln, zerbricht sie aber nicht.
Die psychische Belastung durch den Fall und ihre Vergangenheit sind in diesem Roman herausragend geschildert, ich kann es nicht oft genug wiederholen. Auch wenn ich es selbst nie erlebt habe, aber allein mir vorzustellen, diesem Mann noch einmal gegenüber zu stehen lässt den kalten Schweiß ausbrechen. C.J. muss sich ihren Dämonen stellen – und zerbricht beinahe daran.
Was ich hervorragend gelöst fand in diesem Roman, dass die Spannung und die Twists quasi bis zur letzten Seite anhalten. Es bleibt spannend, selbst nach der Verurteilung. Denn es ist nicht alles so wie man denkt. Vielleicht war der eine Einschub ein kleines bisschen zuviel, andererseits war der Twist am Ende wirklich hervorragend.
Auch die Einsicht in die Arbeit einer Staatsanwältin und vor Gericht waren sehr gut geschildert und nachvollziehbar. In den USA läuft es anders als bei uns hier in Deutschland, doch fand ich einige Details überlappen sich in beiden Ländern.
Zum Schmunzeln hatte man zudem C.J. Sekretärin, mit der sie quasi in einer Dauerfehde lebt. Das ganze las sich immer wieder humorvoll und auch nachvollziehbar. Auch der eigene LoveInterest in dem Special Agent Dominick war gut geschildert, wenn er auch wahrlich eine Engelsgeduld mit C.J. bewies, die vermutlich die wenigsten Männer aufbringen würden. Dennoch gab es Chemie zwischen den beiden Figuren, was ihr langsames Vorankommen Richtung Beziehung nachvollziehbar und natürlich machte für mich als Leser.
Alles in allem ein packender und spannender Thriller, der das Innenleben eines Opfers von sexueller Gewalt beschreibt und ihren Weg, um einen Täter hinter Gitter zu bringen. Wirklich empfehlenswerter Roman.
- BROM
Der Kinderdieb
(635)Aktuelle Rezension von: PegasuffDer Kinderdieb hat mich sofort gepackt, weil Brom die bekannte Geschichte von Peter Pan in ein düsteres, brutales und zugleich faszinierendes Märchen für Erwachsene verwandelt. Die bekannten Elemente sind noch da, aber in einer Welt, die schonungsloser und gefährlicher ist. Da stehen Moral und Überleben oft im Konflikt. Die bildgewaltige Sprache und die intensiven Illustrationen verstärken die unheimliche Atmosphäre, und die Charaktere wirken komplexer und vielschichtiger als in anderen Versionen. Ein echt fesselndes Buch für alle, die klassische Geschichten gern mal aus einer finsteren Perspektive neu entdecken wollen.
Ich werde mir wohl auch die anderen Bücher des Autors mal anschauen.
- Khaled Hosseini
Tausend strahlende Sonnen
(1.281)Aktuelle Rezension von: KarinJMich hat das Buch schnell in Bann geschlagen durch die Erzählweise und das Thema. Es ist keine Geschichte, die einem häufig begegnet wäre, und auch der Schauplatz Afghanistan ist eher ungewöhnlich. Sie ist zudem überaus glaubwürdig erzählt und die Erzählung der Handlung wurde geschickt verflochten mit Beobachtungen, Erinnerungen und Gedanken. Das Leiden der beiden Frauen Mariam und Laila war sehr gut nachvollziehbar, ohne dass es übermässig geschildert worden wäre. Eine Szene reicht, um dem Leser zu vermitteln, wie die nächsten 20 Jahre, die übersprungen werden, für Mariam gestaltet werden. Mir hat nicht gefallen das Verständnis der Mutterrolle. Unklar blieb mir, ob der Autor nur Mariams und Leilas Geschichte erzählte oder auch zum Leser gesprochen hat und ihre Haltung als Ideal darstellt. Als Ideal sehe ich nämlich die Idee des Aushaltenmüssens als problematisch. Ein wenig gestört haben mich die vielen fremdsprachigen Vokabeln. Man kann sich zwar deren ungefähre Bedeutung leicht erschliessen, sie haben aber etwas den Lesefluss gehemmt. Zusammengefasst bewerte ich diesen Roman mit 5 Sternen.
- Christina Henry
Die Chroniken von Alice - Finsternis im Wunderland
(680)Aktuelle Rezension von: jess_nixxDas war eine überraschend brutale und blutige Angelegenheit. Nur gut, dass mir sowas nichts ausmacht. Dennoch wäre für manche Menschen eine Triggerwarnung am Anfang sicherlich nicht verkehrt.
Ich mochte den Schreibstil sehr gerne, der mich trotz der düsteren Grundstimmung und der häufig vorhandenen Gewalt, sehr flüssig und leicht durchs Geschehen gebracht hat.
Obwohl sowohl Alice als auch Hatcher eher unnahbare Charaktere sind, hat mir das hier erstaunlich wenig ausgemacht. Irgendwie passte das für mich so ins Geschehen und zu ihrer beider Vergangenheit. Einziges Manko war die Liebe, die zwischen ihnen aufkommt. Das war mir etwas zu wenig und kaum nachvollziehbar.
Schade finde ich auch, dass wir nichts von der Magie erfahren. Weder wie sie aufgebaut ist, noch wie man sie nutzt und was sie kann. Das gleiche gilt für den Weltenaufbau. Zwei voneinander getrennte Städte, reich und arm, hell und dunkel. Wir halten uns nur in der alten Stadt auf, im elendsviertel, wo Grausamkeiten und Gewalt zum Alltag gehören und jeder jeden jederzeit entführen, Vergewaltigen und umbringen könnte. Wir erfahren weder wie und warum diese Trennung vonstatten ging, noch was außerhalb dieser beiden Orte passiert.
Trotzdem war es durchweg spannend, weil wir ohne Pause von einer Situation in die nächste rutschen und nicht wissen was jetzt wieder passieren wird. Dabei ist ihr weg gepflastert von Blut und Gewalt. Also wirklich nichts für schwache Nerven. Ein bisschen Mau fand ich die Kämpfe gegen die Bosse und auch der "Endkampf" war sehr schnell und einfach abgehandelt.
Und trotz meiner doch vielen Kritikpunkte, habe ich dieses Buch wirklich gerne gelesen und konnte es kaum aus der Hand legen.
- S.J. Kincaid
Diabolic / Diabolic (1). Vom Zorn geküsst
(408)Aktuelle Rezension von: Nicole_ThoeneDer Anfang des Buches hat mich wirklich gepackt. Die Geschichte nimmt sich Zeit, die verschiedenen Familien und ihren teilweise ziemlich komplexen Hintergrund vorzustellen, ohne dabei gehetzt zu wirken. Besonders gelungen fand ich, wie erklärt wird, was Diabolics überhaupt sind, wie sie erschaffen werden und wie ihre Prägung funktioniert. Dadurch ist die Beziehung zwischen Nemesis und ihrer Schutzbefohlenen Sidonia von Anfang an nachvollziehbar – da musste später nichts mehr mühsam nachgereicht werden. Auch Nemesis' Vorbereitung auf ihren Aufenthalt am imperialen Hof hat mir ausgesprochen gut gefallen. Hier hatte ich das Gefühl, dass auf etwas Großes hingearbeitet wird.
Genau deshalb war die Enttäuschung danach umso größer. Für mich verlor die Geschichte spürbar an Spannung. Die Intrigen, auf die der imperiale Hof eigentlich hinauszulaufen schien, bleiben erstaunlich blass. Es gibt Machtspiele, ja – aber sie wirken eher wie Dekoration als wie der Motor der Handlung. Und dann ist da noch die Liebesgeschichte. Dass Nemesis Gefühle für Tyrus entwickelt, konnte ich zu keinem Zeitpunkt wirklich nachempfinden. Die Entwicklung blieb für mich zu sprunghaft und emotional zu wenig greifbar. Entsprechend hat mich dieser Teil der Geschichte kaum berührt.
Dabei liegt genau hier eigentlich die spannendste Idee des Romans. Eine künstlich erschaffene Diabolic sollte nur einen einzigen Menschen lieben: die Person, auf die sie geprägt wurde. Dass Nemesis dieses Grundprinzip durchbricht, ist innerhalb dieser Welt etwas völlig Neues. Eigentlich ein Gedanke, der viele Fragen aufwerfen müsste – über Identität, freien Willen oder darüber, was Liebe überhaupt ausmacht. Das Potenzial ist riesig. Leider macht der Roman daraus für meinen Geschmack viel zu wenig.
Und dann das Ende. Dass es relativ offen gehalten ist, hat mich gar nicht gestört. Irritiert hat mich vielmehr, dass sich am Ende kaum noch echte Fragen stellen. Nachdem ich später gelesen habe, dass das Buch ursprünglich als Einzelband geplant war, ergab das plötzlich Sinn. Genau so fühlt sich der Abschluss nämlich auch an: rund genug, um für sich allein zu stehen.
Für mich endet die Geschichte deshalb genau hier. So, wie sie ursprünglich offenbar auch gedacht war.
- Anonymus
The Bourbon Kid - Das Buch ohne Namen
(647)Aktuelle Rezension von: WelpemaxWhat the Fuck … abgedreht, ideenreich und einfach genial!
"Das Buch ohne Namen" ist ein packender, düsterer und zugleich herrlich unterhaltsamer Thriller, Western, Fantasy und Horror, welcher von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Der Roman von Anonymus spielt mit den Elementen eines modernen Noir-Abenteuers, verbindet Spannung, Gewalt, schwarzen Humor und eine angenehm filmische Erzählweise (bei der man eindeutig an Quentin Tarantino erinnert wird) zu einem mitreißenden Leseerlebnis.
Im Zentrum steht der rätselhafte Bourbon Kid, eine geheimnisvolle, beinahe unaufhaltsame Figur, die mit ihrer eiskalten, stoischen Art sofort im Gedächtnis bleibt. Ebenfalls stark sind die übrigen Hauptfiguren, allen voran Sanchez, der als etwas schräger, aber sympathischer Gegenpol für viele der komischen und menschlichen Momente sorgt. Auch andere Protagonisten stellen bedrohliche und faszinierende Killerfiguren dar, was enorm zur düsteren Atmosphäre beiträgt. Gerade das Zusammenspiel dieser ganzen Figuren macht den Reiz des Buches aus: Jede wirkt eigenwillig, überzeichnet und zugleich genau richtig für diese irre Geschichte.
Der Inhalt ist ebenso abgedreht wie spannend: In einer abgelegenen Kleinstadt namens Santa Mondega häufen sich mysteriöse Morde, während dunkle Mächte, Gangster, Killer und seltsame Geheimnisse immer weiter eskalieren. Was zunächst wie ein klassischer Krimi beginnt, entwickelt sich schnell zu einem wilden, actiongeladenen Ritt voller überraschender Wendungen. Man weiß nie genau, was als Nächstes passiert, und genau das macht das Buch so stark.
Besonders gelungen ist der Stil: locker, schnell, ironisch und voller Tempo. Wer ungewöhnliche Thriller, skurrile Charaktere und eine Story mit hohem Unterhaltungswert mag, wird dieses Buch sehr wahrscheinlich lieben. Für mich definitiv ein originelles, extremes und absolut lesenswertes 5-Sterne-Buch.
- Andreas Gruber
Todesfrist
(1.010)Aktuelle Rezension von: Karandi
Dies ist der Auftakt der Todesreihe von Andreas Gruber. Ich habe tatsächlich alle acht Bände geschenkt bekommen und sie lange Zeit vor mir hergeschoben, aber nun den ersten Schritt gewagt – und ich muss sagen, ich bin zufrieden. Mir liegen diese Art von Thrillern etwas mehr, denn sie erzählen eine deutlich tiefgründigere Geschichte.
Es geht nicht einfach nur um einen Serienmörder, der wahllos Menschen abschlachtet, sondern letztendlich um einen Menschen, der schwer misshandelt wurde und bei dem weggeschaut wurde. Einem Menschen, dem hätte geholfen werden können, dem aber nicht geholfen wurde. Man kann sich nur schwer in die Gefühle anderer Menschen hineinversetzen. Mord scheint niemals eine Lösung zu sein, aber solange man nicht selbst Opfer ist, weiß man nie, wie sehr einen eine Straftat – vor allem im Kindesalter – belasten kann.
Ich sehe den Täter hier nicht als einen wahllos mordenden, kranken Psychopathen, der eine Gefahr für seine Umwelt darstellt, sondern vielmehr als ein Opfer, für das seine Umwelt die eigentliche Gefahr war und das letztendlich versucht, diese Welt auf seine Weise davon zu „bereinigen“. Vielleicht ist das eine kontroverse Meinung, dennoch denke ich, dass es unglaublich wichtig ist, genauer hinzusehen, bevor man den Täter einfach verteufelt.
Ich bin gespannt darauf, wie sich die Charaktere Sabine Nemez und Maarten S. Sneijder in den nächsten sieben Bänden entwickeln werden. Ihre Charaktere stellt Andreas Gruber unglaublich gut dar. Ich werde die Bücher der Reihe zwar nicht direkt hintereinander lesen, aber der Auftakt ist gemacht, und ich bin jetzt schon fast überzeugt davon, dass mir die anderen Teile ebenfalls gefallen werden – vorausgesetzt, sie sind mit derselben Qualität geschrieben wie der erste Band.
Man sollte Autoren eigentlich nicht miteinander vergleichen, da jeder individuell ist. Trotzdem muss ich sagen, dass Andreas Gruber für mich eher in die Richtung von Andreas Winkelmann geht als in die von Sebastian Fitzek. Für Thrillerfans auf jeden Fall eine absolute Empfehlung.
- Suzanne Collins
Die Tribute von Panem L. Der Tag bricht an
(580)Aktuelle Rezension von: Ria266Da der Film bald herauskommt, wollte ich unbedingt vorher das Buch lesen. Mich hatte es nämlich schon beim letzten Mal geärgert, dass ich das nicht getan hatte. In der Handlung stehen die 50. Hungerspiele an, zu deren Anlass es doppelt so viele Tribute gibt. Haymitch ist einer von ihnen, und in diesem Buch wird seine Geschichte erzählt.
Für mich hatte das Buch seine Längen, besonders in der ersten Hälfte. Vieles wirkt künstlich aufgedehnt. Zudem hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass unbedingt viele bekannte Figuren vorkommen mussten, worunter die eigene Identität des Buches leidet. Es ist leider nicht so gut eingewebt. Man merkt beim Lesen direkt, wenn die Autorin auf eine bekannte Person hinweisen möchte. Das hat mich oft abgelenkt, weil ich darüber nachdenken musste, wer das nun ist. Da die Haupttrilogie bei mir schon eine Weile her ist und ich mich nicht mehr an alles erinnere, hat mich das immer mal wieder herausgerissen.
Ab der Hälfte geht es schließlich in die Arena. Diese ist wieder fies, gefährlich und vor allem tödlich, vollgepackt mit vielen neuen und fantasievollen Mutationen. Das Buch schafft es, dass man mit den Tributen mitleidet und jeden betrauert, denn sie sind alle Opfer. Es bietet schockierende Wendungen und brutal inszenierte Tode, wie man es aus den anderen Bänden kennt. Um Haymitch hatte ich allerdings nie Angst, da ich aus der Hauptserie bereits weiß, was mit ihm geschieht, was nicht heißt, dass ich nicht trotzdem mit ihm getrauert habe. Das Capitol und Snow werden hier noch grausamer dargestellt. Man verfolgt die Geschichte eines Teenagers, der gebrochen wird, wodurch das gesamte Buch voller Hoffnungslosigkeit und Trauer steckt.
Das Ende kam mir allerdings abgehackt vor, fast so, als müsste man Haymitch einfach noch viel Schlimmes antun. Im Schnelldurchlauf geht man seine Jahre bis zur Hauptreihe und sein Leben danach durch. Leider hat Haymitch für mich nach seinen und Katniss' Spielen keine Entwicklung mehr gemacht. Er bleibt immer der Selbe. Da hätte man mehr herausholen können.
Ich habe beim Lesen ein Crossover mit dem Hörbuch gemacht, da mir die Buchausgabe für unterwegs zu unhandlich war. Der Sprecher macht seine Arbeit wirklich gut und ist angenehm anzuhören. Das Buch selbst ist gut geschrieben und lässt sich flüssig lesen, weshalb ich gut durchgekommen bin. Die Story ist solide, aber für mich hätte es sie nicht zwingend gebraucht. Ob ich den Film im Kino sehen werde, weiß ich noch nicht. Den Film im Stream zu schauen reicht wahrscheinlich auch, wenn mir mal nach etwas Deprimierendem ist. Für absolute Panem-Fans ist es aber ein definitives Muss. Ich würde so oder so empfehlen, die Trilogie vor diesem Buch zu lesen, da vor allem das Ende die Hauptgeschichte spoilert.
Ab hier ein Spoiler zur Trilogie:
Sollte es wieder ein Buch in dieser Welt geben, würde mich am ehesten eine Geschichte über die allerletzten Hungerspiele interessieren. Das hätte auf jeden Fall das Potenzial, spannender zu sein und neue moralische Fragen aufzuwerfen.
- Chris Carter
Jagd auf die Bestie (Ein Hunter-und-Garcia-Thriller 10)
(396)Aktuelle Rezension von: SBA„Jagd auf die Bestie“ knüpft nahtlos an die vorherigen Bände der Reihe an und liefert erneut genau das, was man von Chris Carter erwartet: kompromisslose Spannung, brutale Details und einen konstant hohen Erzählrhythmus. Auch dieser. Carter versteht es wie kaum ein anderer, eine düstere Atmosphäre aufzubauen und seine Figuren in extreme Situationen zu treiben.
Allerdings merkt man nach mittlerweile zehn Bänden deutlich, dass sich sein Schreibstil und der grundsätzliche Aufbau der Geschichten kaum verändert haben. Für Leserinnen und Leser, die die gesamte Reihe kennen, wirkt die Handlung daher stellenweise vorhersehbar. Die vertrauten Muster – rasantes Tempo, grausame Täterprofile, Cliffhanger – funktionieren zwar weiterhin, überraschen aber weniger als früher.
Trotz dieser leichten Abnutzung bleibt die Reihe für mich fesselnd. Carter liefert solide Thrillerkost, die zuverlässig unterhält und immer wieder für Gänsehaut sorgt. Auch wenn ich zwischendurch etwas Abwechslung in Form anderer, gerne auch etwas „schräger“ Thriller brauche, werde ich die kommenden Bände definitiv weiterlesen. Die Mischung aus Tempo, Härte und psychologischer Tiefe macht einfach süchtig.
- Christina Henry
Die Chroniken von Alice - Die Schwarze Königin
(317)Aktuelle Rezension von: stefan182Vorab: “Die Schwarze Königin” ist der zweite Band der “Die Chroniken von Alice”-Reihe von Christina Henry. Da die Handlung des zweiten Bandes direkt an diejenige des ersten anschließt, ist es sinnvoll, die Bände chronologisch zu lesen.
Inhalt: Nachdem Alice und Hatcher sich an dem Kaninchen rächen und den Jabberwock bannen konnten, begeben sie sich auf die Suche nach Jenny, der Tochter von Hatcher, die vor Jahren entführt worden ist. Doch dafür müssen sie nicht nur eine verbrannte Ebene durchqueren, sondern auch das endlose Reich der Weißen Königin, in dem sich Schauriges zuträgt…
Persönliche Meinung: “Die Schwarze Königin” ist ein Fantasyroman mit Horrorelementen von Christina Henry. Erzählt wird die Handlung, wie schon der Vorgänger, hauptsächlich aus der personalen Perspektive von Alice. Die Struktur der Handlung folgt einem Abenteuerroman: Alice und Hatcher müssen unterschiedliche Missionen bestehen, wie z. B. der Gang durch einen dunklen Wald, ehe sie an ihr Ziel gelangen. Dabei ist die Handlung - in Abgrenzung zum Vorgänger - losgelöster von dem “Alice im Wunderland”-Stoff und kann sich dadurch freier entwickeln. Tatsächlich hat mir “Die Schwarze Königin” auch besser gefallen als “Finsternis im Wunderland”: Die Handlung ist abwechslungsreicher, vielfältiger sowie zielgerichteter und die (für mich zu) drastischen (und monotonen) Szenen des ersten Bandes sind atmosphärisch geschriebenen Horrorszenen gewichen. Auch der Grundkonflikt des Romans, den ich hier aber nicht spoilern möchte, ist durchdachter und komplexer als noch im ersten Band. Ein Wermutstropfen bleibt allerdings: Mehrere Missionen können nur durch eine Deus ex Machina gelöst werden, wobei sich der externe Konfliktlöser recht willkürlich bzw. unmotiviert regt. Gleichzeitig führt dies dazu, dass Alice teilweise lediglich von einer Mission in die nächste stolpert und in Bezug auf die Konfliktlösung eher passiv bleibt. Der Schreibstil von Christina Henry ist anschaulich und flüssig zu lesen. Insgesamt ist “Die Schwarze Königin” ein kurzweiliger Fantasyroman mit einigen atmosphärischen Horrorszenen, der allerdings für mich in Bezug auf die Konfliktlösungen etwas zu eintönig verlief.
- Markus Heitz
Wédora - Staub und Blut
(203)Aktuelle Rezension von: KrautexperteMarkus Heitz hat in den letzten Jahren einige schlechtere Werke rausgebracht.
Hier dieses Buch ist aber noch eines der guten Fantasy. Die Stadt Wedora ist interessant, voller eigenartiger Figuren, Geschichten und Spannung. Der Werk dorthin wäre gar nicht zwingend notwenidg gewesen, deswegen fand ich den Anfang des Buches nicht ganz überzeugend und hatte überlegt einen Stern abzuziehen. Aber alles in allem hat es mich doch einfach gefreut, wieder ein gutes Buch von Heitz zu lesen :) - Tess Gerritsen
Die Chirurgin
(2.026)Aktuelle Rezension von: MarigoldMit „Die Chirurgin“ hat Tess Gerritsen mich von der ersten Seite an gepackt. Die Geschichte ist spannend, düster und stellenweise nichts für schwache Nerven. Die Morde werden detailliert beschrieben, was die Atmosphäre sehr intensiv macht, ohne dabei die eigentliche Handlung zu überlagern.
Besonders gut gefallen hat mir die Ermittlungsarbeit. Die Suche nach dem Täter war durchgehend interessant und hat dafür gesorgt, dass ich ständig mitgerätselt habe. Auch die medizinischen Hintergründe wirken authentisch und verleihen der Geschichte zusätzliche Glaubwürdigkeit.
Für mich war dieses Buch ein rundum gelungener Thriller mit hohem Spannungsfaktor. Nach der letzten Seite stand direkt fest, dass ich die Reihe unbedingt weiterlesen möchte. Wer spannende und eher düstere Thriller mag, sollte diesem Buch eine Chance geben.
- Jay Kristoff
Nevernight - Das Spiel
(403)Aktuelle Rezension von: Klaus_MJay Kristoff legt noch eine Schippe drauf! Nevernight – Das Spiel übertrifft den Auftakt in Sachen Spannung, Bildgewalt und düsterem Humor mühelos. Mia Corvere kämpft sich kompromisslos durch eine Welt voller Intrigen und Blut.
Das fulminante Ende schlägt wie eine Bombe ein und hinterlässt ein absolutes Gefühl von Buch-Kater. Wer Band 2 beendet, muss Band 3 einfach direkt aufschlagen – ein absolut episches Meisterwerk!
- Chris Carter
Totenkünstler
(800)Aktuelle Rezension von: StorysammlerinIn ,,Totenkünstler" von Chris Carter wird Detective Robert Hunter gemeinsam mit Carlos Garcia erneut mit einem besonders grausamen Fall konfrontiert. Ein Serienkiller hinterlässt seine Opfer in makabren Inszenierungen, die wie Kunstwerke wirken – und stellt die Ermittler vor ein schwieriges Rätsel.
Auch der vierte Band der Hunter-und-Garcia-Reihe konnte mich wieder komplett fesseln. Die Geschichte startet direkt spannend und bleibt bis zum Ende sehr intensiv. Der Schreibstil ist, wie gewohnt, flüssig und leicht zu lesen, gleichzeitig aber auch sehr packend.
Besonders interessant fand ich die Art des Täters und die „inszenierten“ Tatorte, die dem Fall eine zusätzliche düstere Atmosphäre verleihen. Robert Hunter und Carlos Garcia arbeiten wieder sehr gut zusammen und ergänzen sich perfekt bei den Ermittlungen.
Wie immer ist der Thriller nichts für schwache Nerven, da er sehr brutal und detailliert ist, aber genau das macht die Reihe für mich so besonders.
Ich liebe die Bücher von Chris Carter einfach und bin gespannt auf den nächsten Teil.
- Søren Sveistrup
Der Kastanienmann
(339)Aktuelle Rezension von: katiandbooksAuf einem Spielplatz in Kopenhagen wird die verstümmelte Leiche einer Frau gefunden, darüber hängt ein gebasteltes Kastanienmännchen, auf dem die Fingerabdrücke eines vor einem Jahr ermordeten Mädchens haften. Könnte es sein, dass das Mädchen, dessen Leiche nie gefunden werden konnte, doch noch lebt? Naia Thulin, die eigentlich so schnell wie möglich die Mordkommission verlassen will, und der von Europol geschasste Mark Hess sehen zunächst keine Verbindung und gehen von einer Beziehungstat aus. Doch dann wird eine weitere Frau ermordet. Am Tatort: ein Kastanienmann.
Wir schreiben das Jahr 2021. Ganz Kopenhagen hat keine Ahnung von Polizeiarbeit. Ganz Kopenhagen? Nein! Ein einzelner Polizist namens Mark Hess macht mal ab und zu die Augen auf und sieht offensichtliche Dinge. Doch leider hat er es mit einem Haufen Volltrotteln zu tun.
Ja, da war dann am Schluss der Ärger über diese geballte Dummheit größer als die Spannung, die ich eigentlich trotz der Länge des Buches wirklich gut fand. Schon ganz am Anfang kommt man aus einer gewissen Oh-krass-Stimmung gar nicht raus, und auch die Kombi aus zwei Ermittler*innen, von denen keiner Bock auf Mordkommission hat, mochte ich sehr. Ich kam gut durch, und im Buddyread habe ich mich selbst nach weit über der Hälfte zu dem Kommentar hinreißen lassen: „Ich finde das Buch überhaupt nicht schlecht, aber ich glaube, dass der Autor teilweise absolut keine Ahnung hat.“
Eins der Probleme war nämlich das, dass ich tatsächlich das Gefühl hatte, man hätte wohl ein bis zwei Dinge besser recherchieren können und/oder einfach logischer denken können. Wenn man nämlich einmal bemerkt hat, wie dumm die ganze Kopenhagener Polizei durch diese Ermittlungen walzt, dann fällt einem auch alles andere auf: sie sehen sich das Foto einer Frau an, auf der sie 26 Jahre alt ist. Mittlerweile sind die Haare länger und „das Gesicht älter“. Turns out: jetzt ist sie gerade mal 28. Also, sorry. Wer sieht denn bitte mit 28 so merklich älter aus wie mit 26? Oder das zentrale Thema Kastanien: sieht man da nicht mit einem Blick, ob so eine Kastanie frisch oder vom letzten Jahr ist? Die Kopenhagener Polizei jedenfalls nicht.
Nicht mal Mark Hess. Der ist ansonsten noch der Fähigste seiner Zunft, aber keiner will ihm zuhören. Schlimmer noch: die haben alle mal ganz gepflegt Gegenteiltag. Absolut alles, jedes kleine Bisschen, auch der letzte Zipfel deutet auf Lieschen Müller als Täterin hin? Prima, dann muss es wohl Max Mustermann gewesen sein! Und davon sind sie nicht einmal überzeugt, nicht zweimal, sondern die ganze Zeit über. Das Argument? Meistens ein trotziges: „Nö, das haben wir jetzt so beschlossen, das bleibt jetzt so.“
Fazit: Eigentlich ist es gut. Eigentlich ist es trotz der Länge wirklich spannend. Und auch, wenn ich mit dem nüchternen Schreibstil von den Skandinavier*innen eigentlich noch nie einen Vertrag hatte, liest es sich sehr gut. Aber es tut mir leid, aber die haben in diesem Kopenhagen einfach allesamt ihren Beruf verfehlt. Und das nervt wie Hulle. Von mir bekommt „Der Kastanienmann“ leider nur 2,5**.
- S.T. Abby
Secret – Du sollst mich fürchten
(404)Aktuelle Rezension von: BeaSwissgirlMein Leseeindruck subjektiv, aber spoilerfrei ;)
Ich habe den Hype um diese Bücher länger ignoriert, vor allem deshalb, weil sie oft als Dark Romance beworben wurden. Meiner Meinung nach ist dies nicht korrekt. Wir haben hier nämlich ganz klar keine toxische Dynamik zwischen den beiden Hauptfiguren! Ja die Thematiken sind recht düster, brutal und explizit, dies passiert jedoch auch in x anderen Thrilllern. Wir folgen hier sogar der klassische Struktur Profiler jagt Serienmörder....
Die Autorin schreibt zwar einfach, schnell, direkt und unkompliziert, tatsächlich jedoch überhaupt nicht plump, dies hat mich positiv überrascht. Durch diese flüssige Schreibweise und die kurzen Kapitel mit oft fiesen Cliffhängern fliegt man nur so durch die Seiten. Erzählt wird in der ICH Perspektive abwechslungsweise aus der Sicht von Lana und Logen. Am Anfang des Kapitels gibt es immer noch ein Zitat von Albert Einstein mit weisser Schrift auf schwarzem Hintergrund was ich irgendwie cool fand.
Durch die gewählte Erzählform lernen wir in diesem ersten Band Lana und auch Logan schon recht gut kennen. Zusätzlich gibt es am Anfang des Buches eine Charakter- Beschreibung der Beiden, das fand ich eine originelle Idee. Ich jedenfalls hatte so direkt eine Verbindung und auch Bilder in meinem Kopf. Ich mag Logan echt gerne und auch Lana ist mir tatsächlich trotz ihrer verwerflichen Handlungen durchaus sympathisch, irgendwie erinnerte sie mich immer wieder an Blum aus " Die Totenfrau". Auch die Anziehung zwischen den Beiden gefiel mir und den Spice fand ich bisher angepasst ;)
Natürlich halten wir hier keinen total ausgefeilten, tiefgründigen, hochkomplexen, total logischen Thriller in den Händen und ja manchmal nervte mich Superwoman Lana, denn was kann diese Frau eigentlich nicht....
Ich jedenfalls hatte meinen Spass an dieser rasanten, spannenden, soghaften Story, die sich anfühlte als würde ich eine Netflix- Serie anschauen ;)
Am Ende war klar ich muss Band zwei haben ;)
- Derek Landy
Demon Road (Band 1) - Hölle und Highway
(210)Aktuelle Rezension von: shinyJulieAmbers Eltern wollen sie essen, denn sie sind Dämonen. Also flüchtet Amber über die Demon Road quer durch die USA und versucht so, ihren Eltern zu entkommen. Gemeinsam mit Milo, dessen Auto ein bisschen zu gut funktioniert, um normal zu sein.
.
Protagonistin Amber ist noch eine Teenagerin, dementsprechend sind ihre Handlungen manchmal ein wenig impulsiv, aber ich fand sie wirklich sehr sympathisch und es ist nachvollziehbar, dass die ganze Situation ihr sehr zusetzt. Mein Liebling war aber auf jeden Fall Milo, weil er so super mysteriös dargestellt wird. Er gibt kaum etwas von sich preis, aber gleichzeitig tut er auch alles, um Amber zu unterstützen. Bei Glen war ich mir sehr lange recht unsicher, aber alles in allem lockert er die teilweise ernste Handlung durch seine Albernheit wieder auf. Die Handlung ist wirklich spannend aufgebaut und durch die wechselnden Städte liest es sich fast ein wenig episodenhaft. Mit den verschiedenen Fällen hat es mich positiv an Supernatural erinnert. Diese Reihe möchte ich auf jeden Fall weiterverfolgen. Auch der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. - Veit Etzold
Final Cut
(606)Aktuelle Rezension von: ShadyDie Thriller rund um Veit Etzold und die Ermittlerin Clara Vidalis gehören für mich klar in die Kategorie „nichts für schwache Nerven, aber genau deshalb so gut“. Die Geschichten sind düster, direkt und oft sehr schonungslos erzählt – genau diese Konsequenz macht aber auch den Reiz der Reihe aus.
Was mir besonders gefällt, ist das hohe Tempo. Kurze Kapitel, schnelle Szenenwechsel und immer wieder Cliffhanger sorgen dafür, dass man kaum aus dem Lesen rauskommt. Man denkt oft „nur noch ein Kapitel“ – und ist plötzlich mitten in der nächsten Eskalation.
Clara Vidalis selbst ist eine starke, glaubwürdige Figur, die sich durch die Fälle kämpft, ohne dabei überzeichnet zu wirken. Auch das Ermittlerteam und die kriminalistischen Hintergründe sind gut eingebunden und wirken solide recherchiert, ohne dass es trocken wird.
Inhaltlich bewegt sich die Reihe häufig im extremen Bereich: Gewalt, psychologische Abgründe und sehr harte Fälle stehen im Mittelpunkt. Genau das macht die Bücher so intensiv – gleichzeitig sollte man wissen, worauf man sich einlässt, wenn man zu dieser Reihe greift.
Insgesamt ist die Clara-Vidalis-Reihe für mich eine klare Empfehlung für alle, die kompromisslose, düstere und temporeiche Thriller mögen, die einen auch mal an die Grenzen des Erträglichen bringen.
- John Connolly
Das Buch der verlorenen Dinge
(277)Aktuelle Rezension von: Nyansha„Das Buch der verlorenen Dinge“ von John Connolly erschien am 3. Dezember 2009 im List Verlag. Es handelt sich um einen Roman, der 336 Seiten umfasst und in 33 Kapitel unterteilt ist, die den jeweiligen Inhalt in kurzen Überschriften zusammenfassen.
Für einen ersten Überblick über die Grundstimmung des Buches möchte ich folgende Textstelle zitieren:
Wer sich auf den Handel mit dem Krummen Mann einließ, indem er den Namen des Kindes nannte, war auf ewig verdammt. Er wurde ein Herrscher ohne Macht, stets verfolgt von dem Betrug an jemandem, der kleiner und schwächer war als er selbst, einem Bruder, einer Schwester, einem Freund, den er hätte beschützen sollen, der ihm vertraute, der zu ihm aufsah und der später, wenn aus den Kindern Erwachsene wurden, seinerseits für ihn da gewesen wäre. Und wenn der Handel erst einmal abgeschlossen war, gab es kein Zurück mehr, denn wie könnte jemand mit dem Wissen um diese schreckliche Tat in sein altes Leben zurückkehren? (S.283)
Ich habe das Buch unter folgenden Gesichtspunkten genauer betrachtet:
Schreibstil /LayoutDefinitiv gehoben, ich brauchte eine Weile, um mich in die zuerst nüchtern anmutende, aber durchaus scharfe Schreibweise des Autors zu gewöhnen. Oftmals ist die Andeutung des Grauens viel prägnanter als das Grauen an sich. Davids Reaktionen auf Erlebtes waren mir oftmals zu kontrolliert, gerade, wenn man bedenkt, dass aus Kindersicht erzählt werden soll. Die Darstellung der Charaktere ist wirklich gut gelungen, ich fühlte mich ihnen nah, obwohl wir oftmals nur Bruchstücke dessen erfahren, was sie sind oder sein könnten. Jeder von ihnen hat einen Platz in dieser Geschichte, der Schreibstil und die enthaltenen Dialoge sorgen für ein einfaches Erkennen, selbst ohne direkte Namensnennung.
Es kam kein langweiliger Moment auf. Die Geschichte wechselt zwischen bedeutsamen Reisemomenten, in denen tiefgründige Gespräche im Vordergrund stehen; und Gewaltszenen, die nichts für schwache Gemüter sind.
Das Layout ist schlicht, aber wertig. Die genaue Bezeichnung der Kapitel sorgt für einen guten Überblick. Ich hätte mir zusätzlich Abbildungen mancher Szenen gewünscht, vielleicht auch märchenartig.
Realität vs. Fantasy
Man kann nicht gerade behaupten, dass diese Fantasiewelt romantisiert werden kann. David versucht zwar mehrfach, Gründe dafür zu nennen, warum es an diesem Ort trotz allem besser als bei seiner Stiefmutter und seinem Halbbruder sein wird, dennoch sieht er die Umstände größtenteils sehr klar und gerät gar nicht erst in Versuchung, den düsteren Umständen und dem Lockruf des Krummen Mannes zu verfallen. In dieser Hinsicht hätte ich mir spannungstechnisch doch etwas mehr „Verführungskunst“ gewünscht, etwa, indem der Krumme Mann in einer Gestalt erscheint, die David zum (negativen) Umdenken bewegt hätte. Mit dem Förster und Roland hatte er zwei sehr starke, „gute“ Charaktere an seiner Seite, ein faszinierendes Gegengewicht fehlte mir diesbezüglich, beispielsweise hätte man aus Leroi noch mehr herausholen können.
Die nüchterne und ebenso grausame Realität, der David anfangs um jeden Preis entfliehen möchte, wird am Ende auf eine wirklich bedeutsame Weise wieder in ein Verhältnis gesetzt. Das Ende des Buches ist für mich ein absolutes Meisterstück. Während der Geschichte erkennt David auch durch direkte Hinweise immer wieder, wie gefährlich, kalt und nüchtern seine eigene Welt betrachtet werden muss. Dass er trotzdem durchweg zurückkehren möchte, ist ein starker, roter Faden, der für Ordnung in dem Chaos sorgt, dem er sich gegenübersieht. Der Krieg ist ein wiederkehrendes Motiv, das jedoch in beiden Welten vorkommt und als Mahnmal dafür gilt, dass keine Welt jemals ausschließlich friedlich sein wird, solange ihre Bewohner nicht im Einklang miteinander sind.
Lesende, die sowohl den Zauberer von Oz, als auch Narnia kennen, werden die Unterschiede zu Davids Erzählung sicherlich ebenso interessiert verfolgen und persönliche Schlüsse daraus ziehen können. Denn tatsächlich wird die Flucht in eine Fantasiewelt zu keinem Zeitpunkt ernsthaft romantisiert, David braucht lediglich seine Zeit, um deren Finsternis zu erkennen und seine Schlüsse daraus zu ziehen. Diese Art der mentalen Reise empfinde ich als höchst gelungen.
Besonders spannend ist auch die Existenz des Buches der verlorenen Dinge. Während David sich in die Fantasiewelt flüchtet, ist das Buch der verlorenen Dinge eine Art Rettungsanker für den gealterten König, der seine heile Welt inzwischen mit seinem Leben in der ehemaligen Realität verbindet. Auch dies ist eine Form der Flucht, die nur auf umgekehrte Seite funktioniert. Psychologisch definitiv spannend zu betrachten!
Zeitliche Umstände
Eine gewisse Bekanntheit der Geschichte des 2. Weltkriegs wird vorausgesetzt. David spiegelt die Denkweise der Briten um 1940 wider, er kommentiert auch bewusst, dass die Deutschen „die Bösen“ sind und dies „jeder“ weiß.
Obwohl David den Krieg anfangs nur aus einer Zuschauerperspektive erlebt (etwa durch Zeitungsartikel oder dem Verhalten der Erwachsenen um ihn herum), wird dieser mehr und mehr Teil seiner Wirklichkeit. Er zieht in eine ländlichere Gegend, einerseits aufgrund der geänderten Familienverhältnisse, aber auch aus Schutzgründen. Die Arbeit seines Vaters ist genauso mit dem Krieg verknüpft, wie sein eigener Alltag, denn er erlebt die Auswirkungen dieser schwierigen Zeiten durch die Emotionen seiner Familie.
Besonders schwierig aus heutiger Sicht ist wohl, wie schnell Davids Vater nach dem Tod der Mutter bereits mit einer anderen Frau zusammenkommt. Dies allein ist für einen Jungen sicherlich zu jedem Geschichtszeitpunkt schwierig, da ihm kaum Zeit bleibt, seine Trauer mit der einzigen Person zu durchleben, die ihm noch geblieben ist. Verlustängste werden zusätzlich dadurch geschürt, dass die neue Frau, die den Platz seiner Mutter in wenigen Wochen einnimmt, auch noch ein neues Kind, ebenfalls einen Jungen, zur Welt bringt. Betrachtet man, in welch kurzem Abstand David so viele Veränderungen erlebt, erklären sich viele andere Punkte von allein (Auftauchen des Krummen Mannes, psychische Instabilität). Aus der Sicht des Vaters gibt es für die frühe, erneute Heirat sicherlich viele, gesellschaftliche und wirtschaftliche Gründe, das Versorgtsein spielt dabei eine große Rolle. Aus heutiger Sicht ist dies alles natürlich höchstproblematisch und macht es leicht, mit Davids negativen Emotionen mitzufühlen.
Charaktere/Glaubwürdigkeit
Man muss an erster Stelle wohl sagen, dass David ein wirklich bemerkenswertes Kind zu sein scheint. Seine Seele wird auf viele, verschiedene Weisen in höchstem Maße gefordert und bewältigt diese Aufgaben mit einer Perfektion, die in mir oftmals die Frage erweckt haben, wie alt er denn nun eigentlich genau sein soll und was ihm vor den Geschehnissen des Buches schon widerfahren sein muss, um all dies ertragen zu können. Denn wenn ich ihn mit anderen, erwachsenen Personen vergleiche, kann man dahingehend nur den Hut vor ihm ziehen. David ist klug, offensichtlich belesen und seiner Zeit definitiv voraus.
Die erwachsenen Charaktere der Fantasiewelt, die David auf seinem Weg helfen, wirken nicht nur größtenteils vertrauenswürdig, sondern auch reflektiert und gefestigt. Es ist annehmbar, dass dies seine Wunschvorstellung von Erwachsenen darstellt. Die meisten von ihnen haben jedoch auch keine persönlichen Namen, sondern werden mit ihrem Berufsstand bezeichnet. Gerade der Förster tritt schon sehr früh als Vaterfigur auf und vermittelt David das, was er von seinem eigenen Vater nicht in ausreichendem Maße erhält: Zusammenhalt, Vertrauen und tatkräftige Unterstützung. Der König ist dagegen ein Spiegelbild für eine ältere Version Davids, die er höchstwahrscheinlich geworden wäre, wenn er an seinen negativen Gefühlen festgehalten hätte.
Insgesamt konnte ich jedem Charakter seine Rolle wirklich „abnehmen“ und empfand auch niemanden als überflüssig. Sie sind alle gut durchdacht und fügen sich angenehm in die Geschichte ein. Lediglich etwas Potential auf der Seite der Machthaber wurde in meinen Augen verschenkt, oftmals gewinnt David als Kind zu leicht.
Die Bedeutung des Aberglaubens/Vermeidbarkeit des Todes im Angesicht der Hilflosigkeit/Trauerbewältigung
Im Allgemeinen spricht man häufig von den fünf Phasen der Trauer. Verleugnung, Wut, Verhandeln, Depression und Akzeptanz. David durchlebt nach meinem Empfinden all diese Phasen während den Geschehnissen des Buches.
Beinahe durchgängig möchte er glauben, dass seine Mutter nicht gestorben, sondern nur in eine andere Welt übergegangen ist. Sie ist für ihn unerreichbar, ruft ihn jedoch, damit er sie rettet und sie wieder zusammen sein können. Dass David nicht loslassen kann, ist verständlich, wenn bedacht wird, auf welche Art sein Vater mit dem Verlust umgeht. David hat das Gefühl, dass seine Mutter ersetzt wird, er sieht die Freude seines Vaters über die neue Frau und das Kind, das ihn stets an seine eigene Vergangenheit mit Mutter und Vater erinnert. In einer erneut auftauchenden Phase magischen Denkens versucht er, mit seinen Emotionen umzugehen, gerät dabei aber schnell an seine Grenzen, was sich durch die Anfälle äußert. David versucht innerlich, mit dem Tod zu verhandeln, während seine Mutter auf dem Sterbebett liegt. Danach empfindet er Wut auf sich selbst, dass seine Gewohnheiten, von denen er sich einbildet, dass sie den Tod seiner Mutter hätten verhindern sollen, nicht nützlich genug waren und hat gleichzeitig Angst, aus dieser Zwangsspirale herauszutreten, da ihm sonst auch noch der Vater genommen werden könnte. Diese Wut überträgt sich auf Rose, die in seinen Augen alles dafür tut, erst seine Mutter und dann auch ihn durch das neue Kind zu ersetzen. Erst der Förster kann ihm helfen, mit dem Umdenken zu beginnen, indem er Davids magisches Denken durch die Ankunft von Vernunft und Realismus aushebelt.
„Wir haben alle unsere Regeln. Aber sie müssen einen Sinn haben und etwas bewirken, das wir sehen oder woraus wir Trost schöpfen können. Ohne das sind sie so nutzlos wie das ewige Auf und Ab eines Tieres im Käfig. Über kurz oder lang führen sie in den Wahnsinn.“ (S.96)
Verschiedene Anzeichen der Depressionsphase finden sich nach dem Tod der Mutter, gipfeln dann im Zusammenbruch beim Therapeuten und zeigen sich im Anschluss weiter in Davids Rückzug von allen Menschen seiner Umgebung. Die Phase der Akzeptanz erreicht er schleichend, nach und nach, unter anderem auch dadurch, dass er Rolands Umgang mit dem Verlust eines geliebten Menschen sehen und nachvollziehen kann. Statt ebenfalls daran zu zerbrechen, erkennt David schließlich, dass er dennoch nicht allein ist und seine Liebe auf mehr als eine Person ausweiten kann.
David kann seine wahren Gefühle jedoch lange Zeit weder gegenüber seinem plötzlich unerreichbaren Vater, der neuen Familie, oder dem Psychiater zulassen. Bei Letzterem befürchtet er sogar, in die Psychiatrie eingewiesen zu werden, wenn er sich zu sehr öffnet. Diese Angst und negative Verbindung zu psychiatrischen Einrichtungen hält bei vielen Menschen bis heute an und sorgt damit wohl erneut dafür, dass die lesende Person unweigerlich mit David mitfühlt.
Familienverhältnisse
Dieser Punkt war für mich ein Kernbereich des Buches, der auch mit den Emotionen der Lesenden spielt. Es ist wirklich leicht, Davids Grundstimmung zu übernehmen und Charaktere wie Rose und sogar Georgie an unterschiedlichen Punkten regelrecht zu hassen. Auch der Vater ist in meinen Augen absolut kein Sympathieträger, obwohl David häufig Entschuldigungen für ihn findet. Dass sich Familien auf diese Weise neu finden, ist nur natürlich, der Umgang mit solchen Umständen war gerade für David aber einfach wahnsinnig unglücklich. Hier fehlte mir die Empathie eines liebenden Vaters, betrachtet man aber die zeitlichen Umstände, muss wohl bedacht werden, dass die Menschen anders als heute nicht wirklich bereit waren, über Gefühle dieser Art zu sprechen, oder Schwäche zu zeigen. Was man gerade Rose aber durchaus vorhalten könnte, wie ich finde, ist, dass sie sich offensichtlich an einen Mann herangemacht hat, der seine Frau auf dem Sterbebett begleitete. Ich persönlich konnte den beiden nicht abnehmen, dass es sich erst danach „so ergeben“ hat. Ebenso hatte ich das Gefühl, dass Rose durchaus gerne den Vater ohne seinen Jungen gehabt hätte, oder es sich zumindest leichter vorgestellt hat. Sie sieht anfangs in meinen Augen nicht den Jungen mit Emotionen, sondern ein Accessoire, das sie in Kauf nehmen muss. Umso spannender finde ich die Auseinandersetzung der beiden, als die Situation eskaliert. Auch hier handelt Davids Vater in meinen Augen absolut falsch und zeigt seine Egozentrik.
Dass David am Ende Frieden mit seinen Lebensumständen schließt, empfinde ich als überaus gelungen, denn es ist „nicht einfach alles gut“. Der Ausgang dieser Familienkonstellation war für meinen Geschmack absolut passend allen Beteiligten gegenüber, sogar die Art der jeweiligen Tode. David beweist insgesamt eine enorme, emotionale Stärke, obwohl er so oft an seine Grenzen gerät. Dies ist nicht nur inspirierend, sondern zeugt auch erneut von einem sehr guten Schreibstil insgesamt.
Homosexualität
Es lassen sich im Buch mehrere Stellen finden, an denen dieses Thema Erwähnung findet, auch im Zusammenhang mit Übergriffen. Ein Junge wird unbekleidet auf den Bahngleisen gefunden, ermordet. Was zuvor geschah, findet zwar nur eine Andeutung, die aber so direkt wie möglich formuliert wurde. Mit Romantik wird die Liebe zum gleichen Geschlecht zwar ebenfalls verknüpft, doch diese Verbindung endet offensichtlich im Verderben. Dies wird als „gerechte Strafe“ für ein Verhalten betitelt, das die Charaktere als ehrlos ansehen. Als David selbst mit der Möglichkeit konfrontiert wird, von einem Mann geliebt zu werden, reagiert er mit Ablehnung und Distanz. Erneut wird diese mögliche Zuneigung mit einem schändlichen Übergriff gleichgestellt, wenn dies auch nur angesichts von Davids Alter zu erahnen ist. Obgleich sich der betreffende Mann keinerlei unedles Verhalten zu Schulden kommen lässt, wird er aufgrund einer bloßen Andeutung eines nicht vertrauenswürdigen Charakters dazu gebracht, Roland zu misstrauen.
Wichtig zu bedenken ist wohl auch der geschichtliche Aspekt, denn bis in die 1050er Jahre hinein wurde Homosexualität in Großbritannien noch als Sittlichkeitsvergehen bestraft. Obwohl man denken könnte, dass die Karten in einer Fantasiewelt neu gemischt werden, muss hier einfach bedacht werden, dass diese Welt maßgeblich durch Davids eigene Gefühle beeinflusst wird. Sein Umgang und Rolands Existenz lassen sich also gut mit dem Vergleichen, was zu Beginn des Buches über den Umgang seiner Eltern mit dem Thema angedeutet wurde.
Hier empfand ich folgendes Zitat als sehr treffend: „Ich kann mir denken, was er dir über mich erzählt hat. Meine Gefühle für Raphael sind ganz allein meine Angelegenheit. Ich habe ihn geliebt, so viel kann ich dir sagen, um der Rest geht niemanden etwas an.“ (S. 232)
Sexualität als Tabuthema und sündigem Verhalten findet an mehreren Stellen im Buch Erwähnung, der Krumme Mann nutzt die Konfrontation eines Kindes mit dem Wissen darüber letztendlich sogar als Foltermethode.
Anfälle/Der Krumme Mann
An dieser Stelle kommt mir folgendes Zitat von Tucker Max in den Sinn:
„The devil doesn’t come dressed in a red cape and pointy horns. He comes as everything you’ve ever wished for.“
Auch wenn der Krumme Mann von Anfang an keine erkennbare Form annimmt und David ihn während ihrer Begegnungen stets als sehr abstoßend beschreibt, schwingen in Begegnungen mit ihm auch Hoffnungen mit, die offensichtlich dunkler Natur sind. Doch der Krumme Mann ist sowohl äußerlich, als auch innerlich abstoßend, er bewegt sich mit einer Leichtigkeit durch beide Welten, die seine Übermacht symbolisieren. David erkennt dies erst nach und nach, lange Zeit überwiegen sein Zorn und seine Traurigkeit, sowieso seine Egozentrik. Er empfindet zu unterschiedlichen Zeitpunkten Angst vor dem Krummen Mann und sucht zu Beginn auch noch die Hilfe seines ebenso egozentrischen und damit unerreichbaren Vaters. Allerdings wird ihm auch schnell klar, dass die Erwachsenen, die er auf seiner Reise trifft, lediglich Wegbegleiter sein können. In einer Welt, die von eigenen Ängsten und Emotionen erschaffen wird, können sie nicht mehr als Statisten sein, die ihm dabei helfen, sich selbst und seine Art von Frieden zu finden.
Die sogenannten Anfälle treten stets dann auf, wenn David von seinen Gefühlen überwältigt wird und glaubt, keinerlei Hilfe zu erhalten. Interessant ist, dass er in der Fantasiewelt, in die er eintaucht, gerade in diesen Momenten extreme, mentale Stärke zeigt, während er in vergleichbaren Szenen der Realität all seine psychische und physische Kraft einbüßt. Man spricht in solchen Momenten ja auch gerne mal von einem Neustart des Gehirns, oder der Flucht in einen Zustand des nicht mehr Realisierens. Für David werden diese Momente schließlich mit dem tatsächlichen Übergang in die andere Welt übernommen, denn es finden keine Anfälle dieser Art an diesem neuen Ort mehr statt.
Der Krumme Mann ist am Ende ein Sinnbild für menschliche Ängste und negativen Emotionen, für all das, was man sich nicht zu sagen traut (auch aufgrund gesellschaftlicher Konventionen), aber unter weniger strikten Umständen bereit wäre, an sich zu nehmen. Als David erkennt, dass das, was er so lange von sich gewiesen und verurteilt hat, gleichzeitig seine größte Schwäche sein kann und eine Art der Fantasie unnötig werden lässt, hat der Krumme Mann keinerlei Macht mehr. Als das angreifbare Kind zum Mann heranwächst, vergeht auch der Einfluss dieses Wesens, das sich an den Gefühlen derer genährt hat, die die größte Fantasie und Stärke besitzen.
Fazit
Es handelt sich in meinen Augen um ein Buch, das man gelesen haben sollte. Es ist ein zeitloses Meisterwerk, auf emotionaler Ebene aber auch nicht zu unterschätzen. Ich würde es daher frühstens für junge Erwachsene empfehlen. Persönlich vergebe ich 5/5 Sternen.
- Markus Heitz
Die Schwarze Königin I
(246)Aktuelle Rezension von: ElOlorDeUnLibroLen verbringt eine Busreise in Prag und lernt die Geschichte der ungarischen Königin Barbara kennen, die als "schwarze Königin' bezeichnet wurde und die als Vampirin in die Geschichte einging - dich schnell stellt sich heraus, dass auch Len und seine Vorfahren nicht die sind, die sie zu sein scheinen. Und auch die Mythen über die Blutsauger scheinen alle wahr zu sein...
Meine Meinung:
Hmmm, also ich fand dje Grundidee durchaus spannend, aber die Umsetzung hat für mich leider nicht funktioniert und das aus mehreren Gründen.
Erstens: Die Zeitsprünge habe ich ehrlich gesagt im Hörbuch nicht kapiert bis ich aufs Buch umgestiegen bin und auch das Glossar war für mich elementar wichtig, um die Geschichte zu verstehen - so war das Hörbuch schonmal für mich ungeeignet und ich konnte damit die Geschichte nicht verfolgen.
Zweitens: Da ich aber nun mit dem Hörbuch gestartet bin und die ersten 20% gehört habe, habe ich offensichtlich viele Infos zu Beginn nicht kapiert und wollte das Buch dann aber auch nicht nochmal von vorn beginnen - heißt, auch der Umstieg aufs Buch fiel mir schwer.
Drittens: Ich komme mit diesem gewollt altertümlichen Schreibstil nicht klar. Ja, ein Großteil der Handlung spielt im 15. Jahrhundert, aber das heißt nicht, dass ich die Sprache von damals dann auch so lesen will - machen historische Romanautoren wie zb Ken Follet ja auch nicht, dass es dann außerhalb der wörtlichen Rede immer noch altertümlich klingt.
Viertens: Mir waren es zu viele Charaktere - aber das lag vorrangig an der Problematik von erstens und zweitens...
Fazit: Ich konnte mich nicht in die Geschichte fallen lassen und wirklich abtauchen. Man merkt, es ist toll recherchiert und Heitz stellt in seiner Fiktion durchaus Bezüge zu realen historischen Ereignissen her - tolle Grundidee. Aber mich konnte leider die Umsetzung nicht überzeugen. Schade.























