Bücher mit dem Tag "bosnien"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "bosnien" gekennzeichnet haben.

27 Bücher

  1. Cover des Buches HERKUNFT (ISBN: 9783442719709)
    Saša Stanišić

    HERKUNFT

    (287)
    Aktuelle Rezension von: Trishen77

    Saša Stanišić ist ein Autor, der sich, ähnlich wie bspw. Kazuo Ishiguro, viel Zeit für seine Romane lässt. Zwischen dem ersten Roman „Wie der Soldat das Grammofon repariert“, der ihn zu einem Shootingstar der deutschen Literaturszene machte, und dem zweiten Roman „Vor dem Fest“ lagen acht Jahre, zwischen dem zweiten und dem dritten Roman „Herkunft“ dann immerhin auch noch fünf (wobei hier in der Zwischenzeit auch ein schmaler Band mit Erzählungen erschien).

    Diese Langsamkeit hat etwas Sympathisches und lässt die Romane schon vor der Lektüre wie etwas Kostbares (und auch wie etwas sehr Gewissenhaftes) erscheinen. Möglicherweise ist es diesen Erwartungen und dem Sympathievorschuss geschuldet, dass ich mich mit „Herkunft“ ein bisschen schwergetan habe. Aber vielleicht zunächst zum Inhalt, auch wenn er wohl bereits jeder/m an dem Buch Interessierten durch Klappentext und andere Besprechungen bereits bekannt sein dürfte:

    Der Roman liest sich wie eine fiktionalisierte und mit Ausschmückungen versehene Biographie des Autors, mit speziellem Fokus auf die Beziehung zu seiner Großmutter und den Jahren nach der Flucht aus dem ehem. Jugoslawien in der neuen „Heimat“ Deutschland. Die einzelnen Kapitel sind kurz und Stanišić bedient sich immer wieder unverhofft schöner Sprachkapriolen, statt einfach nur einen gelungenen Stil zu pflegen und springt viel in der Zeit hin und her, was manchmal einen etwas übereifrigen Eindruck macht.

    So entsteht aus der Schilderung eines Lebens ein Gestrüpp/Geflecht von sich überlagernden Empfindungswelten, das zwar immer wieder beeindruckende Muster hervorbringt, aber auch genauso oft zu leichten Verhedderungen in der Wahrnehmung führt, zumindest bei mir war es so. Stanišić greift auf viele Register und Stilmittel zurück, sein Roman ist ein sehr agiles Konstrukt, aber manchmal wirkt es dabei nicht nur bravourös, sondern wie auf allzu flüchtigen Ideen erbaut.

    Was dabei vor allem verloren geht, ist die Anschaulichkeit. In vielen Momenten hatte ich das Gefühl, das Stanišić einem wichtigen Detail viel Mühe angedeihen lässt, dabei aber über das Ziel hinausschießt, weil das Anschauliche eben eine Frage der Balance und nicht der Kompensation ist. Es mag vermessen wirken, dass ich über einen hochverdienten Autor solch eine Kritik verhänge, aber auch wenn ich viele meiner Eindrücke relativieren kann, dieser Eindruck bleibt doch bestehen.

    Dabei ist Stanišićs Sprache keineswegs ohne Prägnanz. Vielmehr hat sie alles: Witz, Prägnanz, Ruhe, Dynamik, nur eben manchmal in für mich unpassenden Verhältnissen/Ausprägungen. So schwingt viel mit, aber wenig verdichtet sich zu einem Begriff, einem Verstehen, in das man sich begeben kann. Vielleicht ist die Erwartung, die aus dieser meiner Auseinandersetzung hervorscheint, auch einfach fehl am Platze. Vielleicht haben diese meine Erwartungen etwas mit der oben bereits genannten Aura der Sorgfalt zu tun, die (für mich) Stanišićs Romane umgibt. In jedem Fall ist „Herkunft“ ein wichtiges Buch, das mitunter auch blendend unterhält, aber auch einige Längen hat.

  2. Cover des Buches Wie der Soldat das Grammofon repariert (ISBN: 9783442741694)
    Saša Stanišić

    Wie der Soldat das Grammofon repariert

    (129)
    Aktuelle Rezension von: Tilman_Schneider

    Aleksandar wächst im bosnischen Visegrad auf.Früh fällt den Lehrern auf, dass er eine ausgeprägte Phantasie hat und in seinen Aufsätzen die tollsten Geschichten erzählt. Familienfeiern, Musikfeste, Kriminalfälle und vieles mehr. Als der Bürgerkrieg ausbricht verändert sich seine Welt vollkommen. Der Unterricht nimmt andere Formen an und Freunde und Familien fliehen aus dem Land. Eines Tages packt auch seine Familie die Koffer und es geht auf nach Deutschland und Aleksander nimmt seine Geschichten mit und erzählt weiter von einem Leben, dass es so oft nicht gab.  Eines der meist gelobtesten Debuts der letzten Jahre. Sasa Stanisic versteht es wunderbar eine eigentlich traurige Geschichte voll Leben, Spaß und Witz zu erzählen. 1978 geboren und schon so ein großer Schreiber.

  3. Cover des Buches Dschihad Online (ISBN: 9783473585137)
    Morton Rhue

    Dschihad Online

    (41)
    Aktuelle Rezension von: c.bookscorner


    Das Buch handelt vom Zerplatzen des amerikanischen Traums und die langsame Zuwendung zweier Brüder zum radikalen Islam. Der Schreibstil ist wie gewohnt flüssig und die Handlung gut durchdacht. Man kann dem roten Faden der Geschichte sehr gut folgen und merkt auch, wie der Autor gut für das Buch recherchiert und tolle Argumente bringt. Für beide Seiten der Argumentation. In der heutigen, teilweise sehr fremdenfeindlichen Situation ist es wichtig, dass man sich mit dem Islam und auch dem radikalen Islam auseinandersetzt. Der Autor ergreift keine Partei, nimmt weder Märtyrer in Schutz, noch lässt er den Westen verschont, er erhebt nur das Wort gegen den Krieg. Er hält der westlichen Welt gnadenlos den Spiegel vor das Gesicht und bringt den Leser dazu, Dinge zu hinterfragen.


    Das Buch ist sehr dynamisch, obwohl sich die Story behutsam und überhaupt nicht hastig entwickelt. Dieser Widerspruch gibt dem Buch etwas Besonderes. Seine Aktualität ist nahezu erschreckend und zeigt dem Leser ungeschönt, wie leicht man sich doch von Dingen und grade seinem Umfeld beeinflussen lässt. Daher ist es umso wichtiger, sich eigene Gedanken zu machen.

    Die Personen sind realistisch, die Dialoge authentisch. Es gibt nur wenige spannende Szenen. Dafür nimmt man das Buch umso ernster, da es eben kein fiktiver Actionroman ist, sondern so wirklich hätte stattfinden können.


    Spoiler! Das Ende ist kein typisches Heile Welt - alles ist gut! Ende, sondern realistisch und das mag ich gerne. Auch wenn man sich als Leser sicherlich für Khalil gewünscht hätte.


    Auch wenn es eher ein Jugendbuch ist, kann ich es auch wirklich ans Herz legen, da die Thematik sehr gut umgesetzt wurde.

    5/5 ⭐


  4. Cover des Buches Einmal mit der Katze um die halbe Welt (ISBN: 9783833871238)
    Martin Klauka

    Einmal mit der Katze um die halbe Welt

    (72)
    Aktuelle Rezension von: Lauras_bunte_buecherregal

    Ich liebe Reisebücher und ich bin sehr kritisch, was Reisen mit Katzen angeht. Aber meine Lieben ich durfte Mogli bei der Lesung kennenlernen und hatte im Buch einen tollen Einblick in die Beziehung der Beiden. Anders als bei dem ein oder anderen Buch über Reisen mit Katzen bin ich fest überzeugt, dass in diesem Fall das Wohl der Katze im Vordergrund steht und stand. 

    Der Schreibstil war toll und ich konnte mir die Route gut vorstellen. In einigen der Länder war ich selbst bereits. Es war eine gute Mischung an Beschreibungen und lebhaften Geschichten. Teilweise war das Buch spannend geschrieben und ich habe wirklich mitgefiebert, was als Nächstes passiert.


    Für alle die auf Reisen gehen möchten, ohne den Lesesessel zu verlassen, eine absolute Empfehlung. Von mir kriegt das Buch 5 von 5 Sterne. 

  5. Cover des Buches Lauf, Mädchen, lauf! (ISBN: 9783806245493)
    Mirsada Simchen-Kahrimanovic

    Lauf, Mädchen, lauf!

    (21)
    Aktuelle Rezension von: InesD

    "Lauf, Mädchen, Lauf" ist nicht nur eine fesselnde Geschichte, sondern auch eine wichtige Erinnerung an die Stärke und den Überlebenswillen von Menschen in Zeiten der Not. Dieses Buch hat mich nachhaltig beeindruckt und wird noch lange in meinen Gedanken verweilen.

    Eine absolute Empfehlung und verdiente fünf Sterne!

  6. Cover des Buches Der Attentäter (ISBN: 9783404179039)
    Ulf Schiewe

    Der Attentäter

    (86)
    Aktuelle Rezension von: JanaS74

    Am Anfang ist es schwierig, in die Geschichte reinzukommen, denn bei den vielen Figuren, die in dem Roman vorkommen, ist es nicht einfach, sich jeden Namen zu merken. Sobald diese Hürde jedoch überwunden ist, entpuppt sich "Der Attentäter" allerdings als ein echter Geheimtipp. Der Autor beleuchtet verschiedene Perspektiven und betrachtet die jungen Attentäter nicht als die Bösen, sondern einfach als Opfer einer Ideologie, die ihnen eingeredet wurde. Es gibt Figuren, die versuchen, das Unglück zu verhindern, dabei jedoch auf taube Ohren stoßen und obwohl ich den geschichtlichen Hintergrund kenne, habe ich mich doch dabei erwischt, wie ich auf einen positiven Ausgang gehofft hatte. Besonders gefällt mir an dem Buch, dass die Realität nicht verfälscht, sondern nur durch einige fiktive Figuren erweitert wurde.

  7. Cover des Buches Nalas Welt (ISBN: 9783404617111)
    Dean Nicholson

    Nalas Welt

    (73)
    Aktuelle Rezension von: Blintschik

    Das Buch lässt sich gut und flüssig lesen und doch war ich am Anfang skeptisch, weil sehr viel auf wenig Seiten erzählt wird und es so schwer ist die Abenteuer richtig mitzuverfolgen. Aber das legt sich schnell und es liest sich alles so als ob der Autor vor einem sitzt und seine Geschichte erzählt. Dabei werden die Gefühle und Gedanken ziemlich gut beschrieben, sodass man echt gut mitfiebern kann. Außerdem kommt dabei auch echt Spannung auf und ich wollte das Buch garnicht mehr weglegen, weil ich mir Sorgen um die Zwei gemacht habe. Aber man erfährt auch viel darüber wie es ist auf Reisen und mit social media und so ehrlich wie hier alles beschrieben wird, muss man die Zwei einfach mögen. Mir hat das Buch deshalb seht gut gefallen. Es ist nicht nur sehr süß und sympathisch, sondern auch interessant und sorgt für Spannung und gute Unterhaltung.

  8. Cover des Buches Briefe aus Sarajewo (ISBN: 9783453069541)
    Anna Cataldi

    Briefe aus Sarajewo

    (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  9. Cover des Buches Phantome (ISBN: 9783548290874)
    Robert Prosser

    Phantome

    (10)
    Aktuelle Rezension von: himbeerbel
    Die Buchbeschreibung dieses Romans, der es auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2017 geschafft hat, verrät:
    „Robert Prosser schildert intensiv ein fast vergessenes Kapitel der jüngeren Geschichte: Der Jugoslawienkrieg, der die letzte große innereuropäische Flüchtlingswelle in den 1990ern auslöste, dessen drastische Verbrechen bis heute nicht aufgearbeitet sind und weit in die Generation der Kinder der Geflüchteten nachwirken.
    Anisa flüchtet 1992 aus Sarajewo nach Wien. In den beginnenden ethnischen Säuberungen hat sie ihren Vater zurückgelassen – und wird ihn nie wiedersehen. Auch von ihrem Freund Jovan, einem bosnischen Serben, der zum Militärdienst eingezogen wurde, konnte sie sich nicht verabschieden. Jahrzehnte später reist Anisas Tochter Sara auf den Spuren ihrer Mutter nach Bosnien-Herzegowina.“
    Dieser Text machte mich neugierig und ich versprach mir von diesem Buch einen besseren Einblick in die damaligen Geschehnisse zu bekommen – in einen Krieg, der gar nicht so weit weg von uns stattfand und von dem ich das Gefühl habe, eigentlich kaum etwas darüber zu wissen. Stattdessen führte mich das Buch im ersten Drittel in die Graffiti-Szene Wiens ein. Auch lernte ich etwas über die Sprayer-Szene Bosniens, über die der Ich-Erzähler – der Freund von Anisas Tochter Sara – bei seinem dortigen Besuch ebenso berichtet, wie über die Gedenkstätten und den heutigen Umgang mit den Greueltaten des Krieges. Der Ich-Erzähler schreibt, wie er zu sprechen scheint. Liest man den Text und stellt sich dabei einen österreichischen Akzent vor, fühlen sich Satzbau und einzelne Begrifflichkeiten stimmiger an, auch wenn sie sich für mich teilweise nicht flüssig lesen lassen. Hinzu kommen Graffiti-Ausdrücke und der wohl übliche Slang, den ich nicht mochte und der mich zudem überhaupt nicht interessierte. Das nahm mir den Lesespaß und auch mein Interesse an der Jugoslavien-Thematik reichte nicht aus, um dem Buch weiterhin unvoreingenommen zu folgen. Ein ums andere Mal überlegte ich, das Buch einfach abzubrechen – einzig die Tatsache, dass es sich dabei um ein Rezensionsexemplar handelt, bewog mich weiter zu lesen.
    Beinahe aus dem Nichts heraus endet schließlich dieses erste Buchdrittel und statt des Ich-Erzählers, folgt plötzlich eine personale Erzählweise, bei der im Wechsel die Kriegserlebnisse von Anisa und Jovan geschildert werden. Während Jovan den Krieg hautnah durchlebt, versucht Anisa als Flüchtling in Wien ihr Auskommen zu finden. Berührende und erschütternde Szenen, die so bildhaft und einfühlsam mitsamt sprachlicher Schönheit geschildert werden, dass sie beeindrucken und unter die Haut gehen. Und doch überwiegen die Passagen, die langatmig sind und sich einfach nur sperrig lesen lassen. Aber oft regt das Gelesene auch zum nachdenken an und man findet gedanklichen Anschluss bei den Flüchtlingen jüngeren Datums. Immer wieder stellte sich mir die Frage, was diese alles erleben mussten und noch müssen.
    Der letzte Teil des Buches spielt wiederum im Jahr 2015 und zeigt die Überlebenden in der Gegenwart. Nachdem ich im Anschluss die Danksagung des Autors gelesen hatte, wünschte ich mir wieder einmal, dass diese gleich zu Anfang des Buches gestanden hätte. Sie hätte mich vielleicht besser durchs Buch geführt, das sich für mich wie aus mehreren Federn geschrieben und ungelenk zusammengeführt anfühlte.
  10. Cover des Buches Die Legende der Luna Levi (ISBN: 9783990122976)
    Gordana Kuić

    Die Legende der Luna Levi

    (11)
    Aktuelle Rezension von: buecherwurm1310

    Im Jahre 1492 werden per kaiserlichem Erlass die Juden aus Spanien vertrieben. Wer nicht rechtzeitig außer Landes ist, auf den wachtet der Scheiterhaufen. Unter ihnen ist die 17jährige Blanka, die nach dem Tod des Großvaters alleine dasteht. Ihr Großvater hat allerdings dafür gesorgt, dass sich jemand um Blanka kümmert. Es ist ein junger Mann, der Inquisitor war und sich nun mit den vertriebenen Juden auf einem Schiff nach Istanbul bringen lässt. In Istanbul werden sie von der dortigen jüdischen Gemeinde aufgenommen. Blanka kennt Solomons Geheimnis. Solomon macht in Istandbul Karriere, aber die Schatten der Vergangenheit lassen sich nicht so einfach vertreiben.

    Ich bin eigentlich ein Fan von historischen Romanen, aber noch nie habe ich mich so schwer getan. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass es sich um ein Sachbuch handelt und nicht um einen Roman. So viele historische Fakten prasselten auf mich ein und der Schreibstil war so nüchtern und komplex, dass die Geschichte um Blanka und ihre Familie für mich ins Hintertreffen geraten ist. Daher waren auch die Figuren nicht farbig genug dargestellt, ihnen fehlte einfach Tiefe in der Darstellung. Sie blieben mir dadurch fremd und ich konnte mich nicht mit ihnen identifizieren und nicht mit ihnen fühlen. Die titelgebende Figur Luna wurde auch nicht unbedingt hervorgehoben, sondern eher Solomon.

    Die Autorin hat bestimmt sehr gut recherchiert und wollte diese Informationen weitertragen, aber sie sind bei mir vielleicht angekommen, aber nicht hängengeblieben. Es gab eine Menge Information über das Judentum, das auch mit anderen Religionen verglichen wurde.

    Wer auf viele Informationen aus ist, dem wird diese komplexe Geschichte bestimmt zusagen. Ich bin mit falschen Erwartungen an das Buch herangegangen und nun enttäuscht.

  11. Cover des Buches Balkankrieg (ISBN: 9783853718414)
  12. Cover des Buches Absolute Gewinner (ISBN: 9783734850080)
    Christoph Scheuring

    Absolute Gewinner

    (20)
    Aktuelle Rezension von: MissStrawberry
    Luca ist ein Einzelgänger und liebt es, auf dem „Günni“, dem Basketballplatz seiner Schule, Moves zu üben und Bälle zu werfen. Als eines Tages der Hausmeister auf die Idee kommt, ihn und weitere Kids als Team zu trainieren und beim „Night Move“ mitzumachen, glaubt Luca, dass das eine verrückte Idee ist und niemals funktionieren kann. Aber er lässt sich auf das Abenteuer ein, da Jana auch im Team ist und er sie sehr mag. Kurz vor einem wichtigen Spiel verschwindet der Trainer und die Kids müssen, um weiterzukommen, eine Lösung finden. Doch dann kommt alles anders, als sie je gedacht hätten …

    Wer weder Interesse noch auch nur ein klein wenig Ahnung von Basketball hat, wird über ein paar Begriffe stolpern und manche Stellen nicht so ganz verstehen, wenn es um Spielzüge und Taktiken geht. Doch ich vermute, damit tun sich Erwachsene wohl schwerer, als die eigentliche Zielgruppe der Leser zwischen 12 und 15 Jahren. Als Kind und Teenager habe ich auch viel Zeit auf dem Basketballplatz verbracht, aber seither sind so einige Jährchen ins Land gezogen. Trotzdem – das Buch hat mich problemlos zurückgebeamt und ich stand mit Luca, Jana, Heinrich und den anderen auf dem Platz.

    Zu Beginn ist es eine leicht ironische Geschichte über das Teenager-Sein an einer Schule, mit all den Gedanken und Problemen, die man in dieser Zeit so hat. Hier plätschert es so vor sich hin. Nicht uninteressant, aber auch nicht besonders spannend. Das ändert sich dann aber, sobald die Kids auf dem Platz sind. Eine Handvoll Einzelgänger, die sich mehr oder weniger selbst als Außenseiter und Loser sehen, treffen aufeinander und erkennen, dass im Grunde alle ganz ähnliche Probleme haben. Sie wachsen immer mehr zusammen, respektieren aber auch Regeln und Abstände. Das ist nicht zuletzt ihrem Trainer zuzuschreiben, der, das merkt man recht schnell, eine besondere Rolle einnimmt. Wie besonders, kommt erst spät zum Tragen, dafür aber umso effektvoller.

    Die Sprache, die Scheuring Luca, dem Ich-Erzähler, gibt, ist altersgemäß. Ich musste oft schmunzeln, wenn Einschübe kamen, wie „Sag ich jetzt mal so.“. Ich empfand nichts als extrem übertrieben, sondern alles recht realitätsnah. So geschrieben, dass die Zielgruppe Spaß daran hat, aber eben nicht hanebüchen.

    Gut gelungen ist auch, wie der Autor die Kriege in und um Jugoslawien bzw. Kroatien, Serbien und Bosnien eingebaut und beschrieben hat. Hier wird den Kids gut und angepasst vor Augen geführt, was Kriege bedeuten und bewirken. Das recht kurz und knapp, aber auch ohne erhobenem Zeigefinger – die Kids kommen ganz allein drauf, was das heißt.

    Ein klein wenig Krimi plus „Emil und die Detektive“ in modern kommen noch obendrauf. Es macht also wirklich riesig Spaß und wird nie langweilig. Der Wert von Freundschaft, Ehrlichkeit, Treue, Zusammenhalt kommt klar raus. Gefällt mir. Gefällt mir außerordentlich gut. Deshalb gibt das dann in Konsequenz auch fünf Sterne!
  13. Cover des Buches Flucht in die Schären (ISBN: 9783462053418)
    Viveca Sten

    Flucht in die Schären

    (90)
    Aktuelle Rezension von: abuelita

    ….denn der „Bösewicht“ steht von Anfang an fest. Andreis Kovac gilt als Kopf der Stockholmer Drogenszene. Aber er ist aalglatt und nicht zu fassen. Nora Linde, Chefanklägerin der Behörde gegen Wirtschaftskriminalität, klagt ihn wegen Steuerhinterziehung an, denn nur dafür gibt es Beweise.

    Mina ist die junge Frau von Andreis und wird von ihm seit Jahren geschlagen. Sie dachte es würde nach der Geburt des Sohnes Lukas besser werden, aber weit gefehlt. Als er sie fast totprügelt, versucht Nora sie zu überzeugen, gegen ihren Mann auszusagen. Das will sie nicht, aber sie ist einverstanden, sich vor ihm zu verstecken.   

    Andreis aber würde alles tun, um seine Frau und das Kind zurück zu bekommen und er schreckt wirklich vor nichts zurück….

    Als dann ein Mord geschieht, wird auch Thomas Andreasson in den Fall hineingezogen. Bei ihm hat sich im Laufe dieser Jahre etwas verändert – seine Frau hat Karriere gemacht und ist ausgezogen, was ihm schwer zu schaffen macht.

    Bisher dachte ich immer, Schweden wäre so eine Art Land, wo „Milch und Honig“ fließen – nun wurde ich durch die Autorin eines Besseren belehrt und das interessiert mich nun so sehr, dass ich mich da noch näher damit befassen werde.

    Zugleich sind wir nicht nur in Schweden, sondern auch in Bosnien, wo Andreis geboren ist. Der Leser erlebt einen Teil des schrecklichen Krieges dort hautnah mit.  Andreis, sein Bruder Emir und seine Mutter können sich nach Schweden retten.

    Die Kapitel sind kurz und knackig und aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Es ist so spannend, dass man fast nicht aufhören kann zu lesen, einfach weil man immer weiter wissen will, was nun geschieht…..

    Nora fühlt sich schuldig, weil sie es nicht geschafft hat, Andreis gleich festsetzen zu lassen und engagiert sich deshalb doppelt so stark für Mina. Ob es etwas nützt – werde ich Euch natürlich nicht verraten.

  14. Cover des Buches Zombie Wars (ISBN: 9783813506976)
    Aleksandar Hemon

    Zombie Wars

    (2)
    Aktuelle Rezension von: M.Lehmann-Pape
    Wenn der soziale Sprengstoff zündet

    Wie nun Joshua Levin, im Hauptberuf Englisch Lehrer für Migranten, darauf kommt, dass er eine wie immer geartete Begabung zum Verfassen von Drehbüchern besitzt, so richtig gezündet hat das noch nicht.

    Und auch, was er als „neuen Zombie-Film“ aktuell in seinen Fantasien vor sich ablaufen lässt (und was im Buch immer wieder als Seiten dieses neuen Drehbuches dem Leser mit präsentiert wird, so richtig neu, anders, auch nur spannend, ist das alles nicht.

    Vielleicht sollte Levin sich sein eigenes Leben zum Drehbuch nehmen? All die Leute, die ihn umgeben, auf die er trifft, zu Helden eines noch nicht gedrehten Films gestalten?

    Denn da liegt schon genügend Stoff bereit, um zumindest den aktuellen Zustand der Welt, zumindest die individuelle und damit auch die gesellschaftliche Entwicklung Amerikas mal näher zu beleuchten.

    „Keine Erinnerung aus irgendwelchen Filmen konnte ihm sagen, was er tun sollte, wenn sich tatsächlich jemand in seinem Schlafzimmer befand. Und so erstarrte er bloß, als er den Mann entdeckte, der auf dem Fußboden kniete“.

    Was nun sich zunächst liest wie ein Teil eines Thrillers, einer Verschwörung, zumindest eines gefährlichen Einbruchs entpuppt sich als die Suche nach gebrauchten Männerunterhosen. Zu einem bestimmten Zweck natürlich.

    Und schon hier, in einer der frühen Szenen des Romans zeigt sich, wie genau Hemon beobachtet, was mit den Menschen in seinem Umfeld, in Amerika passiert und das er ebenso die Gabe besitzt, dies in surreal wirkenden Handlungen und Szenen packend niederzulegen. Denn anscheinend reicht der Alltag noch nicht mal für einen ordentlichen Einbruch, sondern zeugt auch in solchen Momenten nur von der Verwirrtheit der einzelnen Personen im Roman. Zeugt von einer Art „insulären Lebens“, bei dem nur noch die eigene Sicht, die eigenen Verschrobenheit als Mittelpunkt der Welt gesehen werden können.

    Wie auch der (eher selbsternannte) Leiter des Drehbuchseminars schon an hier und da auftretenden roten Flecken erkennen lässt, dass in ihm die ein oder andere Sicherung nicht mehr richtig geschaltet ist. Und natürlich nicht eher damit zu tun hat, dass er nicht in Hollywood sitzt. Sondern „die da“ und überhaupt seine freie Entscheidung.

    Da scheint die Freundin Joshuas die einzige Konstante, der einzige Lichtblick mit festem Stand zu sein. Kimmy, Kinderpsychologin, die Joshua aus ihm (und auch aus den Augen des Lesers) eher unerfindlichen Gründen zu ihrem Auserwählten gewählt hat.

    Aber ist sie wirklich die stabile und klare Person, die sie scheint? Und warum riskiert Joshua sein Glück mit einer seiner Schülerinnen (zumindest in der Fantasie), wenn er doch froh sein könnte, Halt zu finden bei all dem, was da den Bach hinuntergeht im Land.

    Aktionen Joshuas, die Folgen haben werden und ihn selbst zu einem Verfolgten machen.

    Und so passt es wieder, dass in Joshuas Kopf ein Zombie Film abläuft, denn nichts Anderes ist dieses Genre ja als eine blutige Darstellung der Aufweichung und Zerstörung allen Gewohnten, aller Abläufe, aller Sicherheiten, aller gesellschaftlich sichernder Rahmungen.
    Mit einigen Längen versehen ist die Geschichte des Joshua Levin allerdings gerade im Mittelteil des Buches, da, wo der Leser sich zum einen im Universum der sehr eigenartigen Figuren zurechtgefunden hat und bevor die Ereignisse wirklich Fahrt aufnehmen, denn ebenso wie seine erdachte Hauptfigur sich gegen eine Zombie-Invasion zu stellen hat, sieht sich auch Joshua realen Verfolgungen und Gefahren gegenüber, die nicht einfach von der Hand zu weisen sind.

    Auch wenn die Welt sich darstellt wie jene „Fahrradständer, die austauschbar vor sich hin rosten“, in einer Welt voll bunter Vielfalt an Angeboten und Kulturzugehörigen, die alle ziemlich matt und müde wirken, teils schliche Wut ausstrahlen oder „in ihren Zombiemobilen saßen und ihr madenfreundliches Fleisch mit Kaffee verbrühten“.

    Da spürt der Leser auch Wut hinter den Zeilen auf eine lethargisch untergehende Welt, auf egomanischen Menschen, auf das Verstörende eines „mit sich allein gelassen Werdens“, das Hemon lesenswert, aber nicht durchgängig ohne Längen und manche Verwirrung beim Leser diesem vor Augen führt. Spielerisch und dennoch mit einem latent harten Blick auf die Welt der Gegenwart.
  15. Cover des Buches Der Lügenpresser (ISBN: 9783218011075)
    Livia Klingl

    Der Lügenpresser

    (21)
    Aktuelle Rezension von: Biest
    Inhalt:

    Der Herr Karl im Jahr 2018: Ein Zeit- und Sittenbild

    EU, Migranten, Flüchtlinge, Roboterisierung, Social Media, die Krise der Politik und der Zeitungen: Boulevardjournalist Karl Schmied sieht schwarz für die Zukunft, auch wenn er sich in seinem kleinen Kosmos durchaus wohlfühlt. Doch zwei unerwartete Nachrichten bringen sein sorgfältig zurechtgezimmertes Selbstbild krachend zum Einsturz – und der vermeintlich Besonnene greift zu einem drastischen Mittel.

    Dr. Karl Schmied, 62, ist verliebt. In Sonja aus Moldawien. Weil die Zukunft verheißungsvoll ist, schaut der Journalist und studierte Historiker auch in die Vergangenheit zurück. Aus kleinen Verhältnissen stammend, hat er etwas aus sich und seinem Leben gemacht. Mit vielen Veränderungen im Land ist er zwar durchaus zufrieden, aber das man keinen "Mohr im Hemd" mehr bestellen darf und gleichgeschlechtliche Paare jetzt auch noch heiraten wollen, geht ihm dann doch zu weit.

    Mit spitzer Feder und hintersinnigem Witz taucht Livia Klingl in ihrem ersten Roman tief in die österreichische Seele ein. Sie schickt Karl Schmied auf eine Reise durch das Gestern, das Heute und das zu erwartende Morgen und blickt hinter die Fassade eines Menschen, der, wie so viele andere auch, das Gefühl hat, aus dieser unberechenbaren Zeit gefallen zu sein.

    Meine Meinung:

    Karl erzählt hier aus seinem Leben, seinem bevorstehenden und dem vergangenen, über seine Sorgen, Ängste und Befürchtungen und über die Pläne für seine Zukunft.
    Beim Lesen kam es mir so vor, als würde er mich direkt ansprechen, was wie ich finde, ein tolles Gefühl ist und man ist sofort mittendrin.

    Ich habe mir während dem Lesen sehr viele Gedanken über das Geschriebene gemacht und ich muss sagen, es steckt doch sehr viel Wahrheit in diesem Buch.

    Karl hat mir als Protagonist sehr gut gefallen. Er hatte Ecken und Kanten und seine Gedanken und Beweggründe ließen sich super nachvollziehen, weil er sie bis ins kleinste Detail mit seinen Lesern teilt.

    Ein überraschendes und absolut gelungenes Ende runden den Roman perfekt ab.

    Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen und ließ sich trotz des Dialekts sehr flüssig und flott lesen.
    Auch das Cover gefällt mir unheimlich gut. Es passt perfekt zur Story.

    Fazit:

    Eine ganz klare Leseempfehlung für diesen tollen Debütroman, der so voller Wahrheit steckt. 
  16. Cover des Buches Meeresstille (ISBN: 9783423141307)
    Nicol Ljubic

    Meeresstille

    (10)
    Aktuelle Rezension von: mariameerhaba

    Es ist wirr, durcheinander und unheimlich schwer, der Geschichte zu folgen. Die Handlung wird ständig von Erinnerungen unterbrochen. Manchmal findet der Szenenwechsel mit dem nächsten Satz statt, sodass es sich anfühlt, als hätte man eine ganze Seite übersprungen. Manchmal drängen sich seine Gedanken zwischen die Handlung und ziehen sich so in die Länge, dass man die Handlung vergisst. Und manchmal wechselt er einfach die Perspektive, was unangenehm überrascht.

    Das Thema ist heikel. Man lernt nicht ganz, wie der Krieg zwischen Moslems und Serben stattfand. Es passierte halt, wobei die Serben kollektiv als Bösewichte abgestempelt werden. Der Erzähler selbst ist zwar auch ein Serbe, doch er ist in Deutschland geboren, dort aufgewachsen, kennt nicht einmal die eigene Muttersprache und ist dermaßen von seinem Vaterland abgekoppelt, dass er keinen Bezug darauf hat. Das macht ihn zu einem Opfer von einem Krieg, das absolut nichts mit ihm zu tun hat. Das ist etwas, worüber man nachdenkt beim Lesen und natürlich tut er einem Leid.

    Der Anfang ist wirklich interessant. Im Gerichtssaal schildert eine Frau über ihre Erfahrungen und wie sie nicht nur ihr Heim verlor, sondern einfach alles. Wie der Krieg vielleicht stattfand, wie die Serben einfach so die eigenen Landsleute wegen ihrer Religion getöteten und vertrieben.

    Dennoch wird das Buch seinem Anfang nicht gerecht. Für die meiste Zeit bleibt alles ein deprimierendes Geheimnis, das bloß aus Schattierungen von Schwarz zu bestehen scheint und das wird mit jedem Satz so dermaßen verstärkt, als gäbe es nichts anderes auf dieser Welt als Leid. Das hat dazu geführt, dass sich die Traurigkeit der Figur überspitzt anfühlt, als wollte er den Leser zwanghaft zum Weinen bringen.

    Schließlich nimmt das Buch dem Leser das, was am wichtigsten ist: Hoffnung. Und ohne diese wird das Lesen zu einer richtigen Qual. Irgendwo in der Mitte habe ich schon geahnt, dass das Ende nichts Schönes haben wird und diese Ahnung macht das Buch schlecht. Ich habe mit keinem Happyend mehr gerechnet, mit keiner einzigen Wendung. Sobald sich alles endlich lichtet, taucht auch kein Konflikt mehr aus und das Buch endet ziemlich genau so, wie ich es erwartet habe. Das macht das Buch schlecht.

    Außerdem habe ich lange Zeit nicht gewusst, welche Figur aussagt. Am Anfang dachte ich, die Zeugin am Zeugenstand wäre das Mädchen, in das er sich verliebt hat, danach dachte ich, er wäre der Sohn des Angeklagten und schließlich stellt es sich heraus, dass die Geliebte die Tochter des Angeklagten ist. Wenn ich beim Lesen so lange darüber nachdenken muss, verliert die Geschichte an Kraft.

    Es sind schöne Sätze drinnen, das bestreite ich nicht, am Anfang gab es sogar richtig tolle Sätze, die ich mehrmals gelesen habe, um jedes einzelne Wort zu genießen. Doch bleibt es ein Buch, das ich kein zweites Mal lesen würde und nicht empfehlen kann.

  17. Cover des Buches Die Hochzeitsgabe (ISBN: 9783442773978)
    Geraldine Brooks

    Die Hochzeitsgabe

    (43)
    Aktuelle Rezension von: Kiara

    "Die Hochzeitsgabe" von Geraldine Brooks ist kürzlich als Neuauflage im btb Verlag erschienen. Ursprünglich wurde der Roman bereits 2008 - ebenfalls im btb Verlag - veröffentlicht. Da ich Anfang des Jahres mit großer Begeisterung den aktuellen Roman der Autorin las (“Das Gemälde”), war ich nun sehr gespannt darauf zu erfahren, ob mich dieses frühere Werk genauso in seinen Bann zu ziehen vermag.

    Im Zentrum des Geschehens steht die berühmte Haggadah von Sarajevo, eine mittelalterliche bebilderte hebräische Handschrift, die im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Abenteuer und Widrigkeiten überstanden hat. Die Konservatorin Hanna wird im Auftrag der UN nach Sarajevo geschickt, um dieses kostbare Stück Zeitgeschichte zu bewahren. Ihre Geschichte bildet die Rahmenhandlung des Romans. Denn dieser macht immer dann, wenn Hanna etwas Auffälliges wie zum Beispiel einen Schmetterlingsflügel oder einen Blutfleck entdeckt, einen Zeitsprung in die Vergangenheit und deckt so ein kleines Stück des bewegenden Lebenslaufs der Haggadah auf. So wechselt die Erzählung also kontinuierlich zwischen Gegenwart und Vergangenheit. 

    Geraldine Brooks hat wieder einmal unglaublich intensive Recherchearbeit geleistet. Das Wissen, das sie uns über den Beruf des Konservators, über Geschichte im Allgemeinen und die des jüdischen Volkes im Besonderen vermittelt, ist sehr beeindruckend. Mir persönlich - das gebe ich ehrlich zu - war es mitunter etwas zu theoretisch und detailreich für einen Unterhaltungsroman. Man sollte sich vor dem Lesen also durchaus bewusst sein, auf wie viel Theorie man sich einlässt. Aber die Autorin hat diese Fakten so schön in all ihre kleinen Kurzgeschichten einfließen lassen, dass ich dennoch interessiert blieb, mehr über die abenteuerliche Vergangenheit dieses besonderen Schriftstücks zu erfahren. 

    Hanna ist ein interessanter Hauptcharakter. Unabhängig, intelligent, aber mit einer eigenen problembehafteten Kindheit belastet. Sie macht während ihrer Recherchearbeit eine ganz eigene Entwicklung durch, die ich sehr gerne verfolgt habe. Die Figuren aus den Rückblenden konnten zwar verständlicherweise nicht so detailliert herausgearbeitet werden wie Hanna, aber auch sie wurden überaus menschlich beschrieben, so dass die Darstellung der historischen Begebenheiten durch sie lebendiger wurde.

    Fazit: In "Die Hochzeitsgabe" webt Geraldine Brooks gekonnt historische Fakten in eine interessante Geschichte. Sie weiß zu unterhalten und gleichzeitig Wissen zu vermitteln, so dass die Lektüre eine echte Bereicherung darstellt.

  18. Cover des Buches Ich bin ein Mädchen aus Sarajevo (ISBN: 9783785707319)
    Zlata Filipovic

    Ich bin ein Mädchen aus Sarajevo

    (21)
    Aktuelle Rezension von: Lottie1

    Im Frühling 1992 wurde Sarajevo von Truppen der bosnisch-serbischen Armee umzingelt. Geschütze und Panzer wurden auf den Hügeln rund um die Stadt stationiert, der internationale Flughafen in Ilidža eingenommen. Damit begann die längste Stadtbelagerung des 20. Jahrhunderts mit dramatischen Folgen für ihre Bevölkernung. Ohne Heizung, Strom und Nahrungsmittel, abgeschottet von der Außenwelt und unter ständiger Bedrohung durch Bombenangriffe, Scharfschützen auf den Hügeln und Heckenschützen in der Stadt wurde das Leben in der Stadt zu einem zähen Überlebenskampf. 

    Die junge Zlata Filipović begann ihr Tagebuch in einer Zeit, als ihre Welt noch von den Freuden und Sorgen eines normalen Mädchens geprägt war – Sommerferien, Schulbeginn, Geburtstagspartys. Doch als die Belagerung von Sarajevo begann, wandelte sich das Tagebuch schnell von einem gewöhnlichen Kindheitserlebnis zu einem erschütternden Zeugnis des Krieges.

    Was das Tagebuch so besonders macht, ist die Art und Weise, wie Zlata das Grauen um sie herum in einfachen, aber eindringlichen Worten beschreibt. Die Veränderung in ihren Einträgen spiegelt den plötzlichen und brutalen Bruch mit der Kindheit wider. Die heile Welt eines elfjährigen Mädchens wird durch die Realität des Krieges ersetzt: Bombenangriffe, der Verlust von Freunden und Familie, ständige Angst und der tägliche Kampf ums Überleben.

    Trotz des allgegenwärtigen Leids zeigt Zlata eine beeindruckende innere Stärke und eine Reife. Ihr Tagebuch ist nicht nur ein Bericht über die Schrecken des Krieges, sondern auch ein Zeugnis der Widerstandskraft des menschlichen Geistes. Trotz der andauernden Gewalt hält Zlata an ihrer Hoffnung und dem Wunsch nach Normalität fest. Immer wieder findet sie kleine Lichtblicke im Alltag: wenn der Strom für ein paar Stunden zurückkehrt, ein Geburtstag ohne Bombenangriffe gefeiert werden kann, oder ein seltenes Lebenszeichen von Freunden, die ins Ausland geflohen sind, durchkommt.

    Das Tagebuch endet kurz vor der Flucht der Familie nach Paris im Jahr 1993, die Zlata schließlich vor dem anhaltenden Horror bewahrt –  die Belagerung wird noch zwei weitere Jahre dauern und insgesamt 11.000 Menschen das Leben kosten. Doch Zlatas Aufzeichnungen bleiben ein wichtiger Mahnruf gegen die Grausamkeit des Krieges und erinnern an die Zerbrechlichkeit und den unschätzbaren Wert des Friedens.

  19. Cover des Buches Die letzte Zeugin (ISBN: 9783751708821)
    Glenn Meade

    Die letzte Zeugin

    (28)
    Aktuelle Rezension von: Tanja_Wue

    Dieses Buch ist insgesamt keine einfach Kost. Carla verliert erst ihren Mann und muss dann feststellen, dass sie als Mädchen in einem Lager war, wo wirklich schreckliche Dinge passiert sind.

    Das Buch hat wieder einmal mein Mitgefühl für die Menschen zum Vorschein gebracht, die sowas miterlebt haben. So glaubhaft und authentisch wurde die Geschichte erzählt und auch der Zeitstrang am Anfang des Buches, fand ich wirklich gut. Weil über die Geschichte von Jugoslawien und dem Krieg war mir persönlich nicht viel erkannt.

    Die Geschichte kann ich wirklich jeden empfehlen. War sofort mittendrin. Was auch daran lag, dass die ersten Kapitel einen direkt anspricht. "Du gehst..., Du bist..." ich hatte noch kein Buch, dass mich so angesprochen hat. Mit dem ganzen Du hat es mich wirklich gehabt.

  20. Cover des Buches Lebe Sarajevo! (ISBN: 9783940296702)
    Bill Carter

    Lebe Sarajevo!

    (6)
    Aktuelle Rezension von: Arbutus
    Egal, wohin ich reiste, Laufen war immer der sicherste Weg, um Zugang zu den kulturellen Feinheiten zu bekommen. Ich muss die Bewegungen der Menschen sehen, die Form ihrer Häuser, die Art und Weise, wie sie 'Hallo' und 'Auf Wiedersehen' sagen. ... Ich bog in eine neue Straße ein und begann im Rhythmus der Fußgänger zu laufen. ...

    ... aber zunächst muss so ein kleiner Trupp von mittellosen Outlaws, um in den Krieg zu ziehen und dort Nahrungsmittel zu verteilen, erstmal in einem bosnischen Lebensmittelgeschäft Wodka, Kartoffelchips, Schokoriegel und Salami stehlen, um selber nicht vom Fleisch zu fallen. Aha, Robin Hood also...

    Je länger ich las, desto krasser fand ich diesen deutschen Buchtitel... anfangs habe ich ihn so aufgefasst, als hätte er ein Komma hinter dem Verb. Hat er aber nicht.

    Ein Autor mit einer schrecklichen Kindheit unter einem sadistischen Vater und einer tragisch ausgegangenen Liebesbeziehung hinter sich flieht vor sich selbst - in den Krieg nach Sarajevo. Behauptet die ganze Zeit, keiner von diesen Kriegstouristen zu sein, zelebriert aber genussvoll die Adrenalinstöße,  die die es auslöst, Zielscheibe serbischer Scharfschützen zu sein, beschreibt mit einer bewundernswerten Ausdauer die ekelerregenden hygienischen Zustände in der kriegsgebeutelten Hauptststadt, ergeht sich in Details seiner diversen Sexabenteuer mit kriegsmüden Bosnierinnen, die ich so genau auch wieder nicht wissen wollte und zitiert leidenschaftlich niveauloseste Flüche seiner Mitabenteurer und seiner selbst - schließlich ist Krieg, da darf man so etwas. Und zwischendurch reden er und seine Kumpels sich immer wieder ein, etwas Gutes für die Menschen dort zu tun, und vielleicht tun sie das ja auch, nur irgendwann bekommt der Leser nichts mehr davon mit... so geht es mir zumindest in der ersten Hälfte des Buches.

    Aber immer wieder gewinne ich auch Gefallen an dieser durchgeknallten Erzählung.

    Wo der Schreiber sich zum alternativen Reisebuchautor wandelt, finde ich angenehme Berührungspunkte, auch wenn - wie pervers ist das denn - ein Reisebuch über das Abenteuer Bosnien-Krieg? Hm... Aber dann ist es doch mehr als das.

    Gerade die Rückblenden, von denen man zunächst hofft, nicht baldigst genervt zu sein, überraschen mit einer emotionalen Tiefe, und man liest gespannt weiter, und plötzlich ist es egal, wie lange man auf die Fortsetzung des Sarajevo-Handlungsfadens warten muss.

    Dieses Buch ist krass. Mal bin ich abgestoßen von zynischem Stumpfsinn, unappetitilichsten Beschreibungen, unnötigem sexistischen Gedöns, einer unbändigen Fülle an Kraftausdrücken und dem leidigen Kiffen, ohne das keine billige Abenteuer-Schmonzette auszukommen scheint.
    Dann wieder bin ich fasziniert von einer plötzlichen Anmut im Umgang mit bildhafter Sprache, die man nach den verbalen Ausfällen kurz zuvor so nicht erwartet hatte. Leider wird die reibungslose Lektüre durch den ehrenamtlichen Übersetzer nicht gerade erleichtert, auch wenn immer wieder sprachlich gelungene, stimmungsvolle Sätze durchschimmern. Teils macht er seine Sache ganz gut; dann wieder gibt es Passagen, wo man sich genervt einen Profi samt fähigem Lektor herbeisehnt.

    Warum man am Ende dennoch an den Lettern klebt, begeistert, gerührt ist? Wohl, weil es so aufrichtig und konsequent zu Ende geht. Weil der Autor wirklich den Beweis angetreten ist, dass er eben kein Kriegstourist ist und auch keiner sein möchte. Weil das Buch tatsächlich endet wie der monumentale Reisebericht eines Weltreisenden und nicht wie der eines desillusionierten Kriegsberichterstatters. Und weil sich der Autor am Ende keine geballte Ladung an peinlichen Lebensweisheiten mehr zurechtphilosophiert, sondern weil das, was er schreibt, wirklich einen Sinn ergibt.

    Die plötzlich eingeblendeten Misshandlungsschilderungen aus der Kindheit sind drastisch. Unemotional und dabei authentisch und beklemmend. In diesen Augenblicken ist der Autor genial. Frappierend, wie er Parallelen zieht zwischen dem Empfinden des verwirrten, gequälten Kindes und den Bewohnern der kriegszerbombten Stadt.

    Ist es da wirklich schlimm, dass ich mich nicht überwinden konnte, mir auch noch das Nachwort von Herrn Kellner mit dem denkwürdigen Titel "Die fünf Geheimnisse von Sarajevo" einzuverleiben? Schon dessen Vorwort hätte nicht wirklich sein müssen. Dass das Buch mein Leben verändern würde, wusste ich schließlich schon von dem werbewirksamen Zitat auf dem Buchrücken. Braucht das arme verkannte Werk wirklich so eine Vorrede, um gelesen zu werden? Bill Carter hat es am Ende tatsächlich selber geschafft, mich auf seine Seite zu ziehen. Dabei soll es dann bitte auch bleiben.

    Ich war ein Ballon, aus dem langsam die Luft entweicht, auf seiner Reise zur gleißenden Sonne. Und während ich immer höher und höher flog, blickte ich auf alle Menschen der Erde herab. Sie sahen aus wie kleine Ameisen, die durcheinander umherwuselten. Und sie alle brauchten sich gegenseitig mehr, als sie es jemals erfassen könnten. Das war Schönheit.
  21. Cover des Buches Vielleicht dürfen wir bleiben (ISBN: 9783551316219)
    Ingeborg Kringeland Hald

    Vielleicht dürfen wir bleiben

    (22)
    Aktuelle Rezension von: Yoyomaus

    Zum Inhalt:

    Obwohl seine Flucht aus Bosnien schon fünf Jahre her ist, kann sich Albin noch genau an alles erinnern: an die Soldaten vor der Haustür, an das Blut auf dem Küchenfußboden, an den tagelangen Marsch durch den Wald, die Hitze und den Durst. Jetzt ist Albin elf und lebt in einem sicheren Land, doch wieder ist er auf der Flucht. Um die drohende Abschiebung seiner Familie zu verhindern, ist er abgehauen und versteckt sich in einem fremden Auto, das den Großeltern von Amanda und Lisa gehört. Die vier sind auf dem Weg in die Ferien …

     

    Cover:

    Das Cover ist jetzt ehrlich gesagt nicht so mein Fall. Zu sehen ist hier der Charakter Albin, wie er aus einem Fenster schaut. Das sagt erst mal nicht so viel aus, wer dann aber die Geschichte kennt, der weiß, dass das Albin in seinem Versteck darstellen soll.

     

    Eigener Eindruck:

    Albin ist mit seiner Mutter und den kleineren Zwillingen aus Bosnien nach Norwegen geflohen, um dort ein besseres Leben führen zu können. Als die Familie wieder in die Heimat zurückkehren soll und an diesem Tag in einen der Busse einsteigen soll, rennt Albin in einem unachtsamen Moment der Mutter weg. Er schlägt sich bis zu einem fremden Auto durch, wo er sich im Kofferraum versteckt. Das Auto gehört dem Großvater der beiden Mädchen Amanda und Lisa, die auf dem Weg in den Urlaub bei den Großeltern sind. Albin schleicht sich immer wieder um das Haus der Familie herum und stiehlt hier und da Essen und dann wird er von den Mädchen entdeckt…

     

    Die Geschichte von Albin ist eine jener Geschichten die gefallen oder mit den Augen rollen lassen, das gleich einmal vorweg. Ein Klassiker unter den Büchern rund um Flüchtlingsliteraturen ist es allemal, weil es ein unerschöpfliches Thema aufgreift und immer wieder topaktuell ist. Wir haben hier eine Familie die abgeschoben werden soll und einen Charakter, welcher das nicht akzeptieren will. Das passiert hier in Form von Albin, welcher sich immer wieder fragt, warum die Mutter alles so einfach mit sich machen lässt. Außerdem erinnert er sich immer wieder an die Zeit, als sein Vater erschossen wurde und die Familie sich allein bis in den „sicheren Hafen“ durchschlagen musste. Das macht betroffen und nachdenklich. Schlimm, dass Menschen so etwas erleben müssen. Und es zeigt auch auf, dass nicht Flüchtling gleich Flüchtling ist. Albin als Charakter ist ein Kriegsflüchtling. Psychisch belastet, verschreckt und verängstigt, fast schon hoffnungslos. Ein Mensch der nicht etwa nur „Wirtschaftsflüchtling“ ist, sondern jemand, der um sein Leben bangen musste, jemand der durch Krieg geliebte Menschen verloren hat und vor dem absoluten NICHTS stand und wieder steht. Das tut einem in der Seele weh und man hofft, dass es für ihn ein gutes Ende nehmen wird. Dass er sich in das Auto schleicht, die Familie bestiehlt und hofft trotz der Kälte irgendwo durchzukommen, das fand ich weniger schön, aber es zeigt die Verzweiflung des Jungen. Das ist richtig gut gemacht.

     

    Fazit:

    Durchaus lesenswert, um sich einmal in die Situation von zugewanderten Familien hineinversetzen zu können. Das Buch macht betroffen und nachdenklich.

     

    Idee: 5/5

    Charaktere: 4/5

    Logik: 4/5

    Spannung: 3/5

    Emotionen: 4/5

     

     

    Gesamt: 4/5

     

    Daten:

    ISBN: 9783551316219

    Sprache: Deutsch

    Ausgabe: Flexibler Einband

    Umfang: 112 Seiten

    Verlag: Carlsen

    Erscheinungsdatum: 24.03.2017

     

  22. Cover des Buches Die verschlossene Tür (ISBN: 9783552052628)
    Ivo Andric

    Die verschlossene Tür

    (4)
    Aktuelle Rezension von: Samtpfote
    Beschreibung:
    Der weltweite Ruhm des Nobelpreisträgers Ivo Andrić geht zurück auf die beiden großen Chroniken, die er während des Zweiten Weltkriegs schrieb: "Brücke über die Drina" und "Wesire und Konsuln". Weniger bekannt ist, dass Andrić auch kürzere Prosatexte geschrieben hat, die in seiner Gegenwart, in der Ära der beiden Jugoslawien nach 1918 und nach 1945 spielen. Diese nuancierten, abgründigen und unerbittlichen Erzählungen gehören zum Besten, was Andrić geschrieben und was die Prosa des 20. Jahrhunderts zu bieten hat. Die von Karl-Markus Gauß besorgte Auswahl zeigt Andrić als meisterhaften Diagnostiker des modernen Lebens.

    Inhalt:
    Eine Sammlung von verschiedensten Kurzgeschichten des berühmten Schriftstellers Ivo Andrić finden in diesem wunderschönen Band zusammen und werden so zu einem eindrücklichen Ganzen. Von Liebe, Verrat, Betrug und natürlich auch von der Kultur und Geschichte aus seiner Heimat berichtet uns Andrić und lässt uns so an Gebräuchen und Traditionen teilhaben. Seine Erzählungen sind so vielseitig, wie der Autor selber. Berichte, Betrachtungen, Legenden und sogar ein Märchen bereichern diese Sammlung. Ein enttäuschter und aussichtsloser Autor sucht sehr bestimmt und aufdrunglich Rat bei einem Meister seines Faches, ein Gefangener verdurstet langsam im Keller eines Kommandanten, ein Lamm will gegen den Willen seiner Mutter Ballettstunden nehmen, ein Lehrer verliebt sich hoffnungslos in eine Primadonna, ein Paar fährt nichtsahnend in die Ferien und erfährt dort, wie zerbrechlich das Glück sein kann und ein legendärer und folgenschwerer Brief findet seinen enttäuschten Empfänger. Kritisch und sehr genau aber nicht wertend schreibt und beschreibt Andrić was er hört, sieht und erzählt bekommt. In seinen Berichten geht es also auch in sehr provokativer Manier um den viel diskutierten Hass in Bosnien, um die Rolle der Frau in der Gesellschaft und um die verschiedenen Religionen, welche auf engstem Raum zusammen leben und die Konflikte, welche zwangsläufig dabei entstehen. Dabei schreibt er häufig aus der Ich-Perspektive und "versteckt" sich so hinter einem fiktiven Erzähler, welcher diese Geschichten alle erlebt oder erzählt bekommen haben will. Dies führt dazu, dass sich der Leser dem Erzähler direkt gegenüber wähnt und dabei sehr tief in die Geschichte eintauchen kann.

    Meine Meinung:
    Wie der Herausgeber des Buches, Karl-Markus Gauss im Nachwort des Buches erwähnt, soll man, um den Balkan zu verstehen, mit Andrić beginnen und immer wieder zu Andrić zurück kehren. Dies scheint mir ein sehr guter Rat zu sein, verurteilt oder wertet der Autor doch nie direkt. Vielmehr schildert er Ereignisse, wie sie so oder ähnlich hätten stattgefunden haben können und zeigt nur ganz unterschwellig oder in Form einer Provokation den Ansatz einer Meinung zum Thema. Eine tiefe Liebe zu seiner Heimat lässt er aber durchschimmern, was den Erzählungen eine wunderbar persönliche Note verleiht und sie so fassbarer macht. Eine bedrückte Stimmung ist fast allen Geschichten eigen, was darauf hinweist, dass wohl einige der trotzdem fröhlich anmutenden Erzählungen tiefgründiger und düsterer sind, als sie auf den ersten Blick erscheinen. Leider wurde seine Literatur von oberflächlich denkenden und vorschnell urteilenden Menschen dazu missbraucht, den Jugoslawienkrieg und die teilweise blutige Geschichte des Balkans zu erklären und sogar zu rechtfertigen, dies wäre aber sicher nie im Interesse des Autors gestanden. Ganz im Gegenteil: plädierte er doch Zeit seines Lebens sehr offen und deutlich für den Dialog zwischen den Kulturen und fürgegenseitigen Respekt, und er bezeichnete sich selber auch immer als stolzer Jogoslawe, als Bürger von ganz Jugoslawien.
    Ich kann auch dieses Buch des Autors nur wärmstens empfehlen und auch hier lohnt es sich, ein wenig zu recherchieren und sich in weiterführende Literatur hinein zu lesen.

    Fazit:
    Eine in sich stimmige Auswahl verschiedenster Erzählungen verschmelzen in diesem Buch zu einer Sammlung von hohem literarischen Wert. Für alle Denker und für historisch interessierte Menschen, für Liebhaber von Geschichten und für Freunde von düsteren Stimmungen.
  23. Cover des Buches Die 18. Entführung (ISBN: 9783734113444)
    James Patterson

    Die 18. Entführung

    (17)
    Aktuelle Rezension von: detlef_knut

    In diesem Thriller stehen die tollkühnen Ermittlerinnen des Women’s Murder Club vor einer schockierenden Entführung, die alles auf den Kopf stellt. Lass uns gemeinsam in die Welt der packenden Ermittlungen eintauchen und herausfinden, was diese Geschichte so fesselnd macht!

    Nach einer gemeinsamen Nacht in einer Kneipe verschwinden drei Lehrerinnen ohne eine Spur zu hinterlassen. Als eine von ihnen ermordet aufgefunden wird, erkennt Detective Lindsay Boxer vom San Francisco Police Department, dass sie nur noch sehr wenig Zeit hat, um die beiden anderen Frauen lebendig zu finden.

    Eine Frau Anna aus Bosnien, die seit der Flucht von dort in den USA lebt, erkennt bei sich in der Nähe einen serbischen Kriegsverbrecher. Der war zwar in Den Haag verurteilt worden, musste jedoch nicht in Haft sein. Sie hatte all die Jahre geglaubt, dass er tot wäre. Plötzlich steht er leibhaftig vor ihr. Anna versucht, ihm mit dem Fahrrad zu folgen, erleidet jedoch einen kleinen Unfall. Joe Molinari hilft ihr auf und erfährt ihre Geschichte. Er beschließt, ihr zu helfen.

    Deshalb arbeitet Lindsays Ehemann, Special Agent Joe Molinari vom Federal Bureau of Investigation an diesem scheinbar aussichtslosen Fall. Nachdem Anna ihm die Geschichte von sich und diesem berüchtigten Kriegsverbrecher aus Serbien berichtet hat, setzt er alles daran, um für sie Gerechtigkeit zu erwirken. Als Joes Informantin dann plötzlich ebenfalls zu den verschwundenen Frauen gehört, stoßen die beiden Fälle aufeinander. Joe, Lindsay und der Women’s Murder Club müssen erneut ihre Kräfte bündeln, um dieses Monster, das in der Stadt umgeht, aufzuhalten.

    In dieser Reihe ist die Variantenvielfalt der Plots mit ihren Unterschieden immer wieder für eine Überraschung gut. Während in vielen Bänden die unterschiedlichen Handlungsstränge durchaus unterschiedliche Fälle bleiben und jeder Fall einzeln innerhalb des jeweiligen Bandes gelöst wird, führen die beiden Stränge in diesem Band ganz gezielt zueinander hin. In dem Moment, als das bosnische Kriegsopfer verschwunden ist, tauchen die ersten Zeichen auf, dass sie von demselben Täter entführt wurde wie zuvor die drei Lehrerinnen.

    Der Aufbau dieses Romans ist mehr als passend gemacht. Im Prolog erleben die Leser Lindsay und Joe auf dem Weg in den Gerichtssaal in Den Haag. Danach geht es fünf Jahre zurück in die Vergangenheit und es wird geschildert, wie es dazu kommt, dass die beiden am Internationalen Gerichtshof sind. Ebenso wird dann am Ende des Buches im Epilog das Ergebnis des Prozesses in der Gegenwart weitererzählt. Mit Prolog und Epilog in der Gegenwart und der Handlung dazwischen in einer Rückblende wird eine tolle Klammer und die Jagd nach den Verbrechnern gebildet.

    Leider bleiben in diesem Teil die gemeinsamen Treffen des Clubs der vier Ermittlerinnen etwas auf der Strecke. Die Freundinnen treten hier nicht allzu oft in Erscheinung, ausgenommen, die Gerichtsmedizinerin. Wer mehr über diese Thriller-Reihe erfahren möchte, sollte sich unbedingt den Artikel Spannende Thriller-Reihe: Women’s Murder Club von Patterson auf diesem Blog anschauen.

    Das ist super gut gemachte Spannung und das Lesen dieses Thrillers gestaltet sich wie ein Film. Kein Wunder, dass mich die Thriller dieser Reihe an solche US-amerikanischen Polizeiserien wie Criminal Minds, The Mentalist oder FBI erinnern. »Die 18. Entführung« mit dem Bezug zum den serbischen Kriegsverbrechen in Bosnien ist fesselnd und empfehlenswert.

    © Detlef Knut, Düsseldorf 2025

  24. Cover des Buches Im Auftrag der Väter (ISBN: 9783832163136)
    Oliver Bottini

    Im Auftrag der Väter

    (38)
    Aktuelle Rezension von: sarahsbuecherwelt
    Der dritte Teil der Reihe „Kommissarin Boni“ beginnt mit einem spannenden Prolog, der den Leser den Atem anhalten lässt. Es beginnt alles mit einem verwahrlosten Mann, der im Garten eines Einfamilienhauses auftaucht. Statt zu reden hat er eine Pistole. Bevor jedoch die Polizei eingreifen kann, ist er spurlos verschwunden. Dafür kehrt er mitten in der Nacht zurück und die Bewohner auffordert innerhalb der nächsten sieben Tage das Haus zu verlassen. Den einzigen Hinweis den er hinterlässt ist sein russischer Akzent und die Anfänge eines Bibel-Psalms. Kommissarin Boni erhält den Auftrag den Mann aufzuspüren und gerät dabei immer mehr in die Verstrickungen von Flüchtlingen. In diesem Teil kommt eigentlich alles vor, was einen guten Krimi ausmacht. Eine interessante Kommissarin, brutaler Mord und einen Täter, den es zu fassen gibt. Dazu gibt es noch Brandstiftung und politisches Wissen, dass zusammen eine gelungene Idee ausmacht. Die Idee alleine reicht in diesem Fall jedoch nicht. Was nützt ein spannendes Thema, wenn dieses durch zahlreiche Ausschweifungen, einfach nicht spannungsgeladen vermittelt werden kann!? Es kommt leider viel zu häufig vor, dass sich die Kommissarin gerade in eine dramatische Situation begibt und dadurch den Leser regelrecht in den Bann zieht. Genau an diesen Punkten, besinnt sich die Protagonistin an frühere Fälle oder andere Situationen ihrer Vergangenheit. Zwar möchte jeder Leser eine bessere Verbindung zu einer Hauptfigur erlangen, und gerade bei einer Reihe ist es für den Quereinsteiger besonders hilfreich, wenn er noch genügend neue Informationen über die Figur sammeln kann, ohne das sich Kenner der vorherigen Teile langweilen. Es ist jedoch nicht gerade förderlich, wenn in einem mitreißenden Moment eine frühere Situation eingebaut wird, die sich über viele Seiten hinweg zieht. Oftmals musste ich überlegen, wie die Ausgangssituation war, bevor die Rückblende integriert wurde. Kurze Einblendungen über die Vergangenheit, ihre Gefühlswelt oder aktuelle Probleme wären nicht schlimm gewesen, aber durch die Masse, geht die eigentliche Geschichte deutlich unter. Die Haupthandlung zieht große Kreise und zeigt verschiedene Seiten der Thematik „Flüchtlinge“. Dabei geht Oliver Bottini auf die Flüchtlinge im zweiten Weltkrieg, aber auch auf aktuellere Ost-Flüchtlinge. Interessant versucht er diese Thematik zu vermitteln, ohne den Leser zu langweilen. Dies würde ihm gelingen, wären zwischendurch nicht wieder diese Rückblenden. Je weiter die Geschichte fortschreitet, desto mehr möchte man wissen, wie es ausgeht. Auf der anderen Seite hatte ich recht häufig den Wunsch gewisse Passagen einfach zu überspringen. Da ich jedoch nichts verpassen wollte, bin ich diesem Bedürfnis nicht nachgekommen. Am Ende der Geschichte war ich allerdings der Ansicht, dass die vielen Rückblenden dem eigentlichen Inhalt und dem Schluss im Grunde nichts beisteuern. Wer mit der Protagonistin vertraut ist, kann getrost die zahlreichen Rückblenden überspringen. Mir persönlich hätte es gefallen, wenn die Rückblenden um rund 100 Seiten gekürzt worden wären. Dadurch wäre die eigentliche Handlung deutlich anregender und aufwühlender gewesen. Der leicht ausschweifende Stil lässt sich nichtsdestotrotz leicht lesen, sodass ich die Geschichte nach zwei Tagen abgeschlossen hatte. Nachdem mir der vierte Teil bis auf Kleinigkeiten sehr gut gefallen hat, fand ich diesen zweifellos extrem langatmig. Wäre dies mein erster Boni gewesen, ich hätte Zweifel daran gehabt, warum die Reihe so erfolgreich ist. Dadurch, dass ich den vierten Teil schon gelesen hatte, kann ich sagen, dass dies eher ein schwacher Bottini ist. Er gehört zur kompletten Reihe und ist alleine durch die Thematik schon empfehlenswert, aber man sollte wissen, dass es durchaus langatmig werden kann. ===Bewertung=== Eine interessante Thematik, die durch zahlreiche Rückblenden seitens der Protagonistin einfach keine Spannung aufkommen lässt. Nachdem mitreißenden Prolog geht es sichtbar bergab, sodass ich am Ende auf drei Sterne komme. Diese bekommt es für die Idee und die ausführliche Psyche der Protagonistin. Für einen Krimi jedoch schwach.

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freund*innen und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber*innen und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks