Bücher mit dem Tag "brd"
95 Bücher
- Sven Regener
Herr Lehmann
(1.220)Aktuelle Rezension von: winniccxx"Herr Lehmann" ist das erste große Werk des Autoren Sven Regener. Es handelt vom gleichnamigen Protagonisten, der seinen Alltag in Berlin bewältigen muss, und dem dabei allerlei absurde Geschichten passieren. Die handelnden Personen sind meiner Meinung nach sehr schön beschrieben, sowohl die zentralen Hauptpersonen als auch die Nebencharaktere, die immer wieder auftauchen. Die Protagonisten haben alle ihre Ecken und Kanten, Herr Lehmann wirkt bisweilen sogar unsympathisch, aber dennoch waren die handelnden Figuren sehr passend für das Buch. Dabei gibt es zwar wenig spannende Handlung, doch das will das Buch auch gar nicht erreichen, vielmehr geht es um viele kleinere Episonden aus dem Leben des Protagonisten, etwa die Begegnung mit einem Hund, Schichten in seiner Kneipe oder der Besuch der Eltern in West-Berlin. Diese Episoden sind meist sehr humorvoll und stimmig zueinander, sodass sich ein gutes Gesamtbild ergibt. Dazu werden viele stilistisch lange Schachtelsätze verwendet, die aber für mich auch sehr gut zum Stil des Buchs passen.
Das Buch zeichnet sich dadurch aus, dass man immer wieder lachen oder schmunzeln muss, und ist dadurch für mich eine gute Abwechselung zu der Literatur, die ich sonst lese gewesen. Aufmerksam geworden auf das Buch bin ich übrigens durch einen Ausschnitt aus dem Literarischen Quartett, in dem Marcel Reich-Ranicki ähnliches berichtet. Ich habe das Buch in kurzer Zeit gelesen und direkt weiter empfohlen. Von mir gibt es also 5 von 5 Sterne!
- Saša Stanišić
Vor dem Fest
(197)Aktuelle Rezension von: EmmaWinterIn Fürstenfelde steht das jährliche Anna-Fest bevor. Der Erzähler, der in dem "wir" der Dorfgemeinschaft aufgeht und namenlos bleibt, berichtet in der Nacht vor dem Fest vom hier und jetzt in Fürstenfelde, von gestern und von vielen Jahrhunderten zuvor. Bizarre und schräge Typen alle Couleur bevölkern das Dorf, das sich auf dem absteigenden Ast befindet, aber nicht aufgibt und zudem voll ist von kuriosen Geschichten.
"Wir trinken in Ullis Garage, weil nirgends sonst Sitzgelegenheiten und Lügen und ein Kühlschrank so zusammenkommen, dass es für die Männer miteinander und mit Alkohol schön und gleichzeitig nicht zu schön ist. Nirgends, wo nicht Zuhause ist, gibt es überdacht und in Laufdistanz Pils und Sky Bundesliga und Rauchen und Unter-sich-Sein." (S. 19)
Hinter jeder Straßenecke und hinter jedem Fenster entdecken wir neue Figuren und Teile ihrer Biografie. Wir hören eine Weile zu und gehen weiter, lesen ein Kapitel und treffen neue Menschen oder alte Bekannte, wie Herrn Schramm, "ehemaliger Oberstleutnant, Förster, Rentner", der eigentlich nur eine Zigarette rauchen will und dann mit einer Pistole seinem Leben ein Ende setzen möchte.
Der Roman hat mich sehr überrascht. Er ist skurril, witzig, traurig und absolut ungewöhnlich. Es gibt keine wirkliche, stringente Handlung im herkömmlichen Sinne. Immer wieder gibt es hingegen Einschübe aus der alten Dorfchronik, aus der sich auch Figuren verselbständigt haben, die immer wieder im Roman auftauchen. Mythen, vermeintlich historische Ereignisse haben immer noch ihren Platz in der Gegenwart, ebenso wie die Fähe, die Füchsin. Dass die "historischen" Textpassagen entsprechend ihrer Zeit in Frühneuhochdeutsch verfasst sind, macht diese Abschnitte nochmal so interessant.
Insgesamt hatte ich große Freude an diesem ungewöhnlichen Roman, der vor Einfällen des Autors nur so sprüht. Leseempfehlung für alle, die sich auf unkonventionelles Erzählen einlassen.
- Ben Aaronovitch
Der Oktobermann
(140)Aktuelle Rezension von: BuchtagebuchAls Fan der Flüsse von London-Reihe war ich sofort neugierig: Ein deutscher Peter Grant? In Trier? Mit Weinbergen und alten Bräuchen? Und ja, Ben Aaronovitch liefert genau das und Christine Blum macht mit der Übersetzung die deutsche Version rund und lebendig.
Tobi Winter, der deutsche Pendant zu Peter Grant, arbeitet beim BKA in der Abteilung für „komplexe und diffuse Angelegenheiten“ (sprich: Magie). Er ist clever, sympathisch, ein bisschen bodenständig, aber immer mit dem nötigen Augenzwinkern. Die Mischung aus Humor, kriminalistischer Spannung und übernatürlichen Vorkommnissen macht die Geschichte von der ersten Seite an packend. Ich wollte ständig weiterlesen, um herauszufinden, wie die alten Bräuche, die Weinberge und die Mosel in die Magie verstrickt sind.
Kleine Kritikpunkte: Manche historischen Exkurse ziehen sich ein wenig, und die Struktur der Magie unterscheidet sich von der britischen Version. Das kann beim ersten Vergleich leicht irritieren. Doch das sind wirklich nur marginale Details.
Alles in allem ist Der Oktobermann ein rundum gelungenes Buch: charmant, spannend und liebevoll gestaltet. Fans von Peter Grant werden Tobi Winter lieben, und alle anderen bekommen einen magischen Einstieg in deutsche Kriminal- und Zauberwelten. Ich freue mich schon jetzt auf weitere Fälle von Tobi Winter!
- Heinrich Böll
Die verlorene Ehre der Katharina Blum
(870)Aktuelle Rezension von: caro_linIch fand die Bericht-Form in der es geschrieben ist irgendwie ziemlich zäh, und die verschiedenen Nebencharaktere zu verwirrend, um bis zum Schluss durchzublicken. Vielleicht hätte ich es zügiger durchlesen müssen, aber wie man sieht hat es mich dafür nicht genug gepackt.
Die Story ist ganz nett, mal was anderes, da man das Ende schon kennt, aber irgendwie auch einfach frustrierend. - Konrad Jarausch
Zerrissene Leben
(16)Aktuelle Rezension von: SatansbratenDas Buch schafft, was Geschichte sonst oft fehlt, es es ist lebendig, zum Anfassen, verstehbar, nachvollziehbar. Es erzählt anhand von konkreten Schicksalen die Geschichte des letzten Jahrhunderts. Die Befragten Menschen haben unterschiedliche Hintergründe, der Sohn wohlhabender Juden, das Kind eines Pastors, andere aus Arbeiter Familien, kommunistischen Familien. Sie erleben daher die Vorkriegszeit sehr unterschiedlich, auch die Zeit des Krieges und die Jahre danach sind neben den politischen Ereignissen auch durch persönliche Entscheidungen geprägt. Gleichzeitig wird auch sehr viel erklärt, das wichtig ist, um Hintergründe und Geschehnisse besser einordnen zu können. Mir hat das Buch erstaunliche Einblicke in diese Zeit gegeben, selbst wenn man mit den geschichtlichen Fakten vertraut ist, bringt diese Herangehensweise ganz neue Einsichten! Lesenswert ! - Wolfgang Schorlau
Die schützende Hand
(65)Aktuelle Rezension von: Buchfreundin55Der NSU-Krimi "Die schützende Hand" mit dem Privatermittler Dengler (Typ: anständiger Ex-Polizist, eigenwillig und kantig, man muss ihm Anerkennung zollen). Gerechtigkeit und Ehrlichkeit gehen ihm über alles, sogar über seine Karriere. Nach einem Vertuschungsvorfall beim BKA („er war der Beste“) zieht er selbst die Konsequenzen, quittiert den Dienst und macht sich als Privatermittler in Stuttgart (!) selbstständig.
Von einem unbekannten Auftraggeber bekommt er den Auftrag, die Vorfälle über die mysteriösen Todesfälle der Neonazis Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in ihrem Camper in Erfurt-Stregda 2011 aufzuklären. Es gibt viele Ungereimtheiten und ungeklärte Fragen. Wurden etwa Spuren zum NSU absichtlich vernichtet? Und wer will diese Spuren verwischen? Ist es der amerikanische Geheimnis oder etwa der thüringische Verfassungsschutz? Wer hat von den Morden des NSU gewusst? Wie weit reicht das Netzwerk von Neonazis, bis in welche politischen Ebenen? Wer ist die schützende Hand, die über das Morden des NSU über Jahre Bescheid wusste? Gab es beim NSU einen Spitzel?
Kann Dengler diesem Staat noch vertrauen? Er bekommt über Kontakte (Ehemalige Kollegin, verliebt in Dengler, unerwidert) Zugang zu vertraulichen Ermittlungsakten, die ihm die Haare zu Berge stehen lassen. Mit an Bord ist seine attraktive Freundin Olga, die ihm als IT-Spezialistin und zusammen mit den gemeinsamen Kumpels mit ihrem gesunden Menschenverstand unterstützt Im Text sind immer wieder Ermittlungsakten eingestreut, die auch beim Leser große Zweifel über den Tod der Neonazis aufkommen lassen. Am Anfang noch ganz interessant, habe ich das Buch zuletzt nur mit wenig Begeisterung zu Ende gebracht.
Zu sehr in die Länge gezogen, die Figuren Dengler, Olga und seine Freunde nervig klischeeartig. Am Ende: Was ist Fiktion, was Wahrheit? In Zeiten wie heute halte ich solche Verschwörungstheorien, wo sich Realität und Fiktion vernetzen, für sehr fragwürdig und umstritten. - Andreas Kieling
Ein deutscher Wandersommer
(37)Aktuelle Rezension von: Marie_Luise2406Sehr individuelle Geschichten aus den verschiedensten schönen Ecken entlang der alten innerdeutschen Grenze - keine Touristenabklatschorte. Man lernt beim Lesen viel neues Wissen über die Tierwelt in Deutschland und auch die DDR Geschichte kommt nicht zu kurz. Macht Lust in die Wälder zu ziehen und unser schönes Deutschland zu entdecken. Vom Süden bis zur Ostsee. Nicht zu vergessen die lustige Anekdoten und Berichte, welche den Leser das ein oder andere Mal zum Schmunzeln bringen. Danke Herr Kieling
- Wladimir Kaminer
Russendisko
(534)Aktuelle Rezension von: StolliRussendisko von Wladimir Kaminer, die Musik kann ich nicht ertragen, da bin ich mal gespannt auf das Buch, nun es ist sehr unterhaltsam, selten ein Buch so schnell “verputzt“.
Der übliche lockere Schreibstil von H. Kamine, viele Episoden allerdings sicher sehr übertrieben dargestellt aber im Grunde wundert man sich über nichts.
- Saša Stanišić
Wie der Soldat das Grammofon repariert
(129)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderAleksandar wächst im bosnischen Visegrad auf.Früh fällt den Lehrern auf, dass er eine ausgeprägte Phantasie hat und in seinen Aufsätzen die tollsten Geschichten erzählt. Familienfeiern, Musikfeste, Kriminalfälle und vieles mehr. Als der Bürgerkrieg ausbricht verändert sich seine Welt vollkommen. Der Unterricht nimmt andere Formen an und Freunde und Familien fliehen aus dem Land. Eines Tages packt auch seine Familie die Koffer und es geht auf nach Deutschland und Aleksander nimmt seine Geschichten mit und erzählt weiter von einem Leben, dass es so oft nicht gab. Eines der meist gelobtesten Debuts der letzten Jahre. Sasa Stanisic versteht es wunderbar eine eigentlich traurige Geschichte voll Leben, Spaß und Witz zu erzählen. 1978 geboren und schon so ein großer Schreiber.
- Cora Stephan
Ab heute heiße ich Margo
(100)Aktuelle Rezension von: JulianchenDieses Buch wartete schon etwas länger im Regal darauf, gelesen zu werden. Es hat sich gelohnt. Auf den Spuren von Margo, eigentlich Margarete, begibt sich der Leser auf eine Reise durch die deutsche Geschichte von 1936 bis zur Jahrtausendwende. Margo ist eine selbstbewusste Frau, für die Eigenständigkeit und Selbstbestimmung sehr wichtig sind. Während der Naziherrschaft ist sie eine Mitläuferin, hat keine politischen Interessen und keine politische Haltung. Sie ist fleißig, tatkräftig und mutig und hält sich nicht mit Emotionalitäten auf. Nach dem Krieg gelingt es ihr mit ihrem Mann Henri, ein neues Leben im Wirtschaftswunder Westdeutschlands aufzubauen. Sie ist pragmatisch, kreativ und zukunftsgerichtet. So wird sie schnell erfolgreich und erarbeitet sich eine eigene Karriere. Henri, der auch als Richter seinen Platz gefunden hat, kocht und kümmert sich hingebungsvoll um den Garten. Ein sehr moderner Mann in der damaligen Zeit. Seine Figur rührt mich sehr. Seine Liebe zu Margo hält auch Betrug und Seitensprünge aus. Neben Margo wird die Handlung auch aus der Perspektive von Helene, einer ehemaligen Kollegin Margos und Alard, eines Adeligen erzählt. Die drei verbindet ein Geheimnis aus den letzten Kriegsjahren. Helene ist eine sehr zwiespältige Figur. Anfangs gefällt sie mir sehr gut mit ihrem Mut und ihrem Aufbegehren. Auch ihre Liebe zu Alard, die sich bis auf wenige Tage im Krieg nicht entfalten kann, ist sehr gut eingefangen. Ihre Wandlung zur Spionin der DDR und ihre emotionalen Intrigen werfen dann aber ein anderes Licht auf sie. Mir bleibt ihre Figur bis zum Ende etwas fremd und unnahbar. Dennoch ist die wechselseitige Perspektive aus Ostdeutschland und Westdeutschland, durch Helene und Margo sehr gut gesetzt. Die Geschichte der beiden Töchter, Leonore und Clara bzw. Emma ist angerissen, wird aber im Nachfolgeroman tiefer erzählt. Am Ende geht es dann etwas schnell und wirkt stellenweise konstruiert. Auch das Geheimnis um die verschwundenen DDR-Millionen hätte es für mich nicht unbedingt gebraucht. Doch der Roman berührt mich, interessiert mich und die Figuren sind sehr facettenreich gezeichnet. Daher absolut empfehlenswert.
- Michael Nast
Vom Sinn unseres Lebens
(18)Aktuelle Rezension von: Die_ParalleleleMichael Nast weiss mit seinem Schreibstil und seiner Sprache alleine schon zu überzeugen. Humorvoll - ich konnte mich an einigen Stellen zum Verdruss meiner Busmitfahrer kaum halten -, stilistisch auf höchstem Niveau und absolut mit dem Inhalt harmonierend lässt uns dieser Wortkünstler nur so durch die Seiten schweben. Er versteht es mit Worten zu jonglieren und zaubert so Texte aufs Papier, welche mich als Leser nicht nur in ihren Bann zogen, sondern auch mit vielen offenen und neuen Gedanken weiterziehen liessen.
Auch der Inhalt steht dieser Schreibkunst in Nichts nach: Mit einer Mischung aus Anekdoten, Erzählungen, Erinnerungen, Gesellschaftskritik und Zukunftsgedanken stellt er einen Inhalt zusammen, welcher von brisanten und treffend gewählten Themen wimmelt. Doch es ist nicht Ein Buch welches nur die 08/15 Themen unserer Zeit aufgreift. Mit unerwarteten Inhalten weiss er passend zu ergänzen und bewegt sich mit diesem Buch künstlerisch und sicher zwischen Klischee, Vorurteil und Realität, Erinnerung, und zwischen Schlechtmalerei und Lob. aus seiner eigenen reflektierten Sicht zieht er auch den Leser ohne jegliches Vorwissen über die DDR oder das Verhältnis von dazumals und heute zwischen Ost und West tief in die Geschichte hinein und weckt nicht nur das Interesse an der Geschichte selbst, sondern vor allem an den Personen und den Menschen, welche dahinter stehen. Dabei werden auch noch Bezüge zu unserer heutigen Zeit (Massenkonsum, Fotowahnsinn, Selbstoptimierung...) auf wunderbare Art und Weise gezogen und so dient dieses Buch nicht nur simpler Unterhaltung, denn das tut es trotzdem, sondern lässt den Leser gleichzeitig in sich gehen und über sich selbst und die Mitmenschen nachdenken.
Dieses Buch ist wertvoll für alle möglichen Menschen. Egal ob sie schon Bezug zur DDR oder zu Deutschland haben, oder fern abseits nicht einmal das Land auf einer Karte benennen könnten, denn es geht weit über die Unterschiede zwischen den beiden Teilen Deutschlands hinaus. Es lässt uns den Menschen als Mensch sehen und uns unsere Unterschiedlichkeit zu akzeptieren.
- Anja Baumheier
Kranichland
(113)Aktuelle Rezension von: EmmaWinterKranichland ist ein Sehnsuchtsland; dorthin ziehen die Kraniche im Herbst und Marlene beneidet sie um diese Freiheit. Sie hat 1968 in Ost-Berlin nicht die Möglichkeit zu reisen, wohin sie möchte. Gemeinsam mit ihrem Freund Wieland plant sie die Flucht über Prag, dort werden sie jedoch von der Stasi abgefangen.
Die Autorin öffnet ein Nähkästchen voller Geheimnisse und Schweigen in einer Familie, die an den sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat glauben möchte, jedoch letztlich daran zerbricht. Erst mit der Enkelgeneration wird das Schweigen gebrochen und nun müssen alle mit den Scherben leben. Dem Genre wird der Roman gerecht, er unterhält und hat durchaus spannende Momente. Leider hatte er für mich aber auch einige Schwächen. Die Charaktere sind recht platt und klischeehaft. Ich konnte mit keiner Figur richtig mitfiebern, sie blieben mir fremd. Es passiert viel, was ohne Bezug zur Handlung bleibt und dann einfach im Sande verläuft. Außerdem waren einige Szenen und Charaktere einfach nicht glaubhaft, da wird der gute Wille schon sehr strapaziert.
Interessant sind die Bezüge zur Geschichte der DDR, Fluchtversuch, Austausch politischer Gefangener etc. Das wird gut vermittelt. Von einer Bekannten habe ich mir sagen lassen, dass auch die häufig erwähnten Einrichtungsgegenstände absolut typisch gewesen seien, die hätten ihre Eltern auch gehabt, u. a. das Pastellgemälde des Wiener Schokoladenmädchens oder eine Vase aus Meißner Porzellan. Diese Objekte spielen im Roman eine wichtige Rolle und gerade die Symbolik der Vase ist wirklich gut gemacht.
Alles in allem ein Unterhaltungsroman, der mir etwas zu "leicht" in der Sprache war, stellenweise einfach unglaubwürdig und mit Geheimnissen und Verschwiegenheit überfrachtet. Geschmäcker sind bekanntlich verschieden und dieser Roman hat eine große Fangemeinde. Mir hat "Die Erfindung der Sprache" von der Autorin wesentlich besser gefallen, das Buch kann ich sehr empfehlen, es ist völlig anders geschrieben.
- Peter Richter
Blühende Landschaften
(11)Aktuelle Rezension von: Jens65Der Autor versteht es, wohlverpackt in seine erzählerische Weise, seine eigene Reise durch das wiedervereinigte Deutschland dem Leser nahezubringen. Dabei reitet "Blühende Landschaften" jedoch nicht, wie zu befürchten, auf der abflauenden Ostalgiewelle, sondern setzt da an, wo für Ostalgie kein Platz mehr ist: bei der Frage nach der Identität in einem zusammenwachsenden Land. - Peter Richter
89/90
(33)Aktuelle Rezension von: Wonni1986Titel: "89/90"
Autor: Peter Richter
Verlag: btb
Seitenzahl: 411
Cover:
Unscheinbar in sommerlichen Farben gehalten und es ist ein Softcover.
Schreibstil:
Es liest sich sehr flüssig und alles was unverständlich geschrieben wurde, wurde mit Fußnoten erklärt. Man merkt richtig, dass es dem Auto wichtig ist, dass zu erzählen was ihm wichtig ist. Es ist ihm gelungen. Handlungen, Personen und Gegenständen wurden so beschrieben und erzählt das man es sich sehr gut vorstellen kann. Er schreit aus der ich und allgemeinen Perspektive.
Inhalt:
Das Lebensgefühl einer rebellischen Generation am Ende der DDR Sie sind der letzte Jahrgang, der noch alles mitmachen darf – damals in Dresden vom Sommer vor der Wende bis zur Wiedervereinigung: die lauen Freibadnächte und die Ausweiskontrollen durch die »Flics« auf der »Rue«, die Konzerte im FDJ-Jugendklub »X. Weltfestspiele« oder in der Kirche vom Plattenbaugebiet, wo ein Hippie, den sie »Kiste« nennen, weil er so dick ist, mit wachsamem Blick Suppe kocht für die Punks und ihre Pfarrerstöchter. Sie sind die Letzten, die noch »vormilitärischen Unterricht« haben. Und sie sind die Ersten, die das dort Erlernte dann im Herbst 89 erst gegen die Staatsmacht anwenden. Und schließlich gegeneinander. Denn was bleibt dir denn, wenn du zum Fall der Mauer beiträgst, aber am nächsten Tag trotzdem eine Mathe-Arbeit schreiben musst, wenn deine Freundin eine gläubige Kommunistin ist und die Kumpels aus dem Freibad zu Neonazis werden? Von der Unschuld des letzten Sommers im »Tal der Ahnungslosen« bis zu den Straßenschlachten rund um die deutsche Einheit: Peter Richter beschreibt in seinem autobiografischen Roman das chaotische Ende der DDR aus der Sicht eines damals Sechzehnjährigen – pointiert, authentisch und sprachlich brillant. Coming of Age im Schatten von Weltgeschichte.
Meinung
Ich bin ein kleiner DDR Fan, ja richtig gelesen. Ich mag diese Zeitepoche, warum? Alles hatte seinen Platz, es gab alles was man benötigte und keine wirklich keiner wurde zurückgelassen. Sicherlich musste man Abstriche machen, aber das müssen wir heute auch, oder? Ich mag dieses wir Gefühl. Und dieses Buch beschreibt es einfach auf den Punkt! Wenn man es liest, und diese Zeit auch noch erlebt hatte, wird man sich definitiv wieder finden…und auch AHA-Momente haben…oder auch die Flashbacks. Ich hatte es so schnell durchgelesen, dass ich total überrascht war. Ich könnte jetzt stundenlang weiterschwärmen und euch erzählen, dass zu dieser Lektüre Hallorenkugeln oder Knusperflocken hervorragend passen und auch noch viele andere (auch inhaltliche Dinge), aber lest es selber und ihr landest mit 100% Wahrscheinlichkeit zurück im Sommer 89/90….
Nur möchte ich gerne wissen wer dieser S. ist…hm… - Peter Prange
Unsere wunderbaren Jahre
(90)Aktuelle Rezension von: Lesefee2305„…die Sache mit den Talenten, und was man daraus macht. Als wir damals anfingen, jeder mit seinen vierzig Mark, hatten wir doch alle ziemlich klare Vorstellungen, was wir damit im Leben anfangen wollen.“
„Unsere wunderbaren Jahre“ von Peter Prange liegt schon ziemlich lange auf meinem SuB. Schätzungsweise seit mindestens 2019 - eventuell länger.
Obwohl es mich eigentlich total angesprochen hat, habe ich mich einfach nicht ans Lesen getraut. Warum?
Weil der Roman nahezu 1000 Seiten lang ist. Das Papier ist dünn wie Pergament und ja, das hat mich tatsächlich abgeschreckt.
Glücklicherweise habe ich den Roman jedoch in unseren Urlaub mitgenommen und hatte so viel Zeit zum Lesen! Und ich habe es nicht bereut!
Der Schreibstil des Autors ist wunderbar flüssig und so macht es unglaublich viel Freude die Figuren über mehrere Jahre ihres Lebens zu begleiten.
Fiktion und Realität liegen dabei dicht beeinander, historische Aspekte werden in die Handlung eingebaut und alles startet und endet mit der D-Mark. Eine spannende Zeit auf vielen Ebenen, Freud und Leid liegen eng beeinander. Das Leben nimmt seinen Lauf. Der Leser darf erleben, wie die sechs Hauptfiguren ihr Leben meistern und es wird in keiner Minute langweilig!
Gleichzeitig ist es wohl einer der persönlichsten Romane des Autoren, den er selbst und sein Heimatort haben ebenfalls eine Rolle…
Ich habe den Roman also in unserem Urlaub durchgelesen und vergebe klare 5 von 5 Sternen.
- Loel Zwecker
Vom Anfang bis heute
(19)Aktuelle Rezension von: WolfhoundLoel Zwecker komprimiert uns hier die Weltgeschichte auf unter 500 Seiten.
Dabei schafft er es durch seinen Schreibstil, aber auch durch vereinzelt eingestreute unnütze Anekdoten, den manchmal doch recht trockenen Geschichtsaspekt aufzulockern. An einigen Stellen konnte ich mir ein Schmunzeln oder auch Lachen nicht verkneifen.
Die Themen sind gut aufgearbeitet und machen auch Spaß. So bekommt man einen schönen knackig kurzen Einblick in vielen Aspekte unserer Geschichte.
Jedoch werden auch hier (unvermeidbare?!) Schwerpunkte wie z. b. die französische Revolution gesetzt und andere Bereiche werden nur angerissen. So werden Jahrhunderte der afrikanischen Geschichte nur wenige Seiten.
Auf der anderen Seite sind so schwierige Themen wie Rassismus und die Kolonialisierung meiner Meinung nach gut dargestellt und aufgearbeitet.
Leider ist der lockere, moderne Stil des Buches auch auf einigen Strecken etwas anstrengend und die Coolness und der Humor wirken zu gewollt, was mir zum Ende hin den Lesespaß etwas verhagelt hat. Dennoch ist es ein absolut lesenswertes Buch, aus dem man einiges mitnehmen kann und das mein Wissen in einigen Belangen doch wieder sehr aufgefrischt hat
- Robert Krause
Dreieinhalb Stunden
(143)Aktuelle Rezension von: Vreni_liest3½ Stunden von Robert Krause
Dieser Roman war dermaßen spannend, dass ich ihn in einem Rutsch gelesen habe. Die einzelnen Schicksale sind in kurzen Kapiteln erzählt und gehen zutiefst unter die Haut. Allein der Gedanke, dass sich solche Szenen in der Wirklichkeit tatsächlich ähnlich zugetragen haben , lässt sich kaum in Worte fassen.
Der leicht zugängliche, klare Schreibstil macht es einfach, schnell durch die Geschichten zu gleiten und doch hallen sie noch lange nach. Die Erlebnisse und Emotionen der Figuren beschäftigen mich auch nach dem Lesen weiterhin sehr.
Ein absolut empfehlenswertes und eindringliches Leseerlebnis.
- Maxim Voland
Die Republik
(122)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderChris ist Franzose und lebt in Paris. weil es der letzte Wille seines Vaters war, reist er zu dessen Beerdigung in die DDR. Er hat viele Vorurteile gegen dieses Land, aber die DDR hat sich in den Jahrzehnten zu einer großen Macht aufgebaut und vom ehemaligen Deutschland gibt es nur einen Teil von Berlin, der nicht zur DDR gehört. Christ trifft auf ein Land voll Macht und Intrigen und vielen Ungereimtheiten. Alicia lebt für den Staat und ist das schwarze Schaf ihrer Familie und sie hat eigene Pläne. Gustav ist mit Anfang 60 ein Stasioberhaupt und hat den Job gelebt und geliebt, aber mit den Jahren hat er zu viel Leid gesehen, zu viel, dass ihm nicht passt und er versucht das System auszuhöhlen, von innen heraus und bei manchem Goldbroiler macht er sich Gedanken. Harper ist beim Geheimdienst und mit ihren 27 Jahren, soll sie eine wichtige Rolle spielen. Denn es passiert etwas in der DDR, es gibt einen Anschlag und nichts ist mehr wie zuvor und alle sind alarmiert. Wer behält die Oberhand? Ich fand das Buch mega spannend! Die Idee, dass die DDR noch besteht und dass es so viel im Untergrund gibt, dass ist echt super und macht irre Spaß beim lesen und es wird eine tolle Spannung aufgebaut, aber es gibt auch lustiges und was fürs Herz. Super toll und spannend.
- Eva Völler
Die Dorfschullehrerin
(69)Aktuelle Rezension von: FineAndersDer zweite Teil der "Dorfschullehrerin" von Eva Völler hat mich leider genauso wenig überzeugt wie der erste Teil. Ich wollte gerne wissen, wie es weiter geht, da mich dieses schnelle Happy End das ersten Teils ein wenig ratlos zurückgelassen hatte. Naja, das Ende des zweiten Teils war noch kitschiger und noch mehr gestellt und erzwungen.
Helene war immer noch zu super und Marie ging mir ein bisschen auf die Nerven. Am liebsten mochte ich weiterhin Christa. Schön fand ich, dass man viel über Agnes erfahren hat. Mit dem Schreibstil hab ich mich inzwischen ganz gut angefreundet.
Es ist eine nette Geschichte und wenn man sich für die Lebensumstände und die Vergangenheit im geteilten Deutschland interessiert ist es auch empfehlenswert.
- Wolfgang Koeppen
Das Treibhaus
(43)Aktuelle Rezension von: NabilEin schlechter Roman über Intrigen im politischen Bonn der Fünfzigerjahre. - Frank Witzel
Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969 & Abschließende unwissenschaftliche Nachschrift
(26)Aktuelle Rezension von: fynnaSeit Weihnachten lag dieses Buch bei mir herum, ich hatte es mir gewünscht, nachdem es durch den Buchpreise 2015 so viel Aufmerksamkeit bekam und fand, dass es irgendwie interessant klang. Jetzt, im Sommer, habe ich entschieden, es auch mal zu lesen, und zwar im Urlaub (kann ich jedem empfehlen, man braucht echt Zeit), also den ganzen Tag nur am See rumliegen und sich auf dieses wirklich ... umfangreiche Werk, so kann man es wohl nennen, konzentrieren.
Um ehrlich zu sein, mit dem, was dann kam hab ich nicht gerechnet. So richtig viel hab ich mir nicht gedacht, als ich angefangen habe zu lesen, war nur nach ein paar Seiten schon sehr verwirrt. Denn eine Geschichte wird nicht erzählt, nicht stringent zumindest, schon gar nicht im herkömmlichen Sinne. Vielmehr aus gefühlt hundert Perspektiven und Formen des Schreibens.
Der Titel ist eigentlich ein großes Geschenk des Autors, denn er hilft anfangs ungemein, er fasst das ganze Buch gut zusammen und bietet zumindest einen Anhaltspunkt: Es geht um einen Jungen, zur Zeit der RAF, der sich allerlei zusammenfantasiert um sich selbst, seine Zeit zu verstehen. Denn da, wo die Logik und das Wissen aufhören, setzt eben die Imagination ein. Und was damals in der BRD so vor sich ging, die Stimmung im besagten Sommer 1969, Vergangenheit oder Zukunft, Katholizismus und RAF, die Beatles oder die Rolling Stones ... die lässt sich nur so beschreiben. In einem Interview sagte der Autor, er versuche sich einem Gefühl zu nähern, von allen Seiten, und das trifft es ziemlich gut.
Passagen, in denen der Protagonist sich selbst als Mitglied der RAF erlebt, Halluzinationen und verquere Abhandlungen über den Nationalsozialismus, monströse Fußnoten, Fantasien über seinen Vater als herzlose Machtgestalt "der Fabrikant", wahrscheinlich fiktive Dialoge eines Verhörs, inzwischen erwachsen, Philosophie, scheinbar Zusammenhangloses, das sich erst später erklärt oder auch nicht, Abhandlungen, Biografien ... Dieses Buch hat so unglaublich viel zu bieten. Es ist stellenweise tief, philosophisch, dann wieder komplett skurril, scheinbar Nonsense, manchmal eine ganz normale Erzählung.
Und ich habe bei weitem nicht alles verstanden, schon gar nicht alle Anspielungen und Witze, weil ich diese Zeit nicht miterlebt habe. Aber ein paar. Und die fand ich super. Ich denke, das ist etwas, was man als potentieller Leser vorher wissen sollte: Man wird sich bestimmt langweilen, quälen, für dämlich und ungebildet halten und aufgeben wollen, doch man wird auch belohnt. Mit wunderschönen Sätzen und Poesie. Mit neuen Gedanken und bekannten, eigenen Gedanken, die man niedergeschrieben noch nie gelesen hat. Das ist das Schöne, es ist für jeden was da bei, dieses Buch ist eine Schatzkiste und es überrascht immer aufs neue. Es erreicht viel tiefere Ebenen als eine normal erzählte Geschichte, es dringt in die menschliche Psyche und beleuchtet jeden Gedanken, jede Assoziation und das ist etwas Besonderes.
Ich möchte dieses Buch jedem empfehlen, der sich für Literatur interessiert und Überraschungen mag. Am besten auch Zeit mitbringen und sich nicht abschrecken lassen. Denn als ich wieder im Alltag angekommen war und mir noch 200 Seiten fehlten haben die sich auf einmal unendlich gezogen. Ich denke auch nicht, dass ich wirklich in der Lage bin, dieses Buch zu bewerten, weil ich des öfteren nicht folgen konnte. Aber ich fand es trotz allem genial!
Der Deutsche Buchpreis war mit Sicherheit verdient und ich bin froh, durchgehalten zu haben. So etwas habe ich vorher nämlich noch nie gelesen. Also lasst euch drauf ein, lasst euch verwirren, amüsieren, bilden, sprachlos machen ...
- Patrizia Schlosser
Im Untergrund
(2)Aktuelle Rezension von: Vielhaber_JuergenBesonders seit 2016 ist die RAF nicht mehr nur Thema bei Rückblicken, drei mutmaßliche Mitglieder finanzieren sich mit Überfällen den Lebensabend. Gern von der Presse auf diesen Moment reduziert, setzt Patrizia Schlosser bei ihrer Recherche da an. Sie geht der Frage nach, wie und wann Klette , Staub und Garweg sich radikalisiert haben. Dabei entdeckt sie Zusammenhänge, die für diese Generation gar nicht so untypisch waren. Einige Wegbegleiter trifft Patrizia dann auch persönlich, sie scheinen aus der Zeit gefallen, in den Achtzigern steckengeblieben zu sein.
Schlosser hätte diese Menschen leicht vorführen können, und es gehört zu den Stärken dieses Buchs, das auch ganz gegensätzliche Punkte nicht abgewertet werden. Ein besonderer Aspekt ergibt sich im Zusammenspiel mit Guido, dem Vater von Schlosser. Es geht auch um das Aufeinandertreffenzweier Generationen, die nur auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben. Das macht die Geschichte über die Recherche hinaus so spannend und lesenswert.bemerkenswert auch, wie Patrizia Schlosser sich selbst zur Disposition stellt.
Es ist zu wünschen, das die angesprochene Recherche zum Olympia- Anschlag auch als Buch erscheinen wird.
Hier jedenfalls ein sehr spannender, lesenswerter Bericht, die jeden, der sich für Zeitgeschichte interessiert, begeistern wird - Frank Bösch (Hg.)
Geteilte Geschichte: Ost- und Westdeutschland 1970-2000
(0)Noch keine Rezension vorhanden























