Bücher mit dem Tag "briefwechsel"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "briefwechsel" gekennzeichnet haben.

30 Bücher

  1. Cover des Buches Zwischen Welten (ISBN: 9783442774241)
    Juli Zeh

    Zwischen Welten

    (151)
    Aktuelle Rezension von: Maggi201

    „Zwischen Welten“ ist ein moderner Briefroman von Juli Zeh und Simon Urban über die Kluft in unserer Gesellschaft und ob diese überwindbar ist. Das Buch liest sich nicht wie ein fiktionales Werk, sondern fast wie ein Protokoll der Realität. Thematisiert werden unter anderem Klimapolitik, Gendersprache, Rassismus und Unterdrückung von Minderheiten.

    Die beiden Protagonisten Stefan und Theresa treffen sich nach zwanzig Jahren zufällig wieder und starten daraufhin ihre Kommunikation per E-Mail, später auch WhatsApp und Telegram. Im gemeinsamen Studium vor vielen Jahren noch miteinander verbunden, interessiert an Martin Walser und Literatur, ist Stefan mittlerweile Redakteur bei einer großen deutschen Zeitung und Theresa Landwirtin in der Provinz. Es trennt sie weit mehr, als sie verbindet, trotzdem bricht der Kontakt nicht ab und intensiviert sich immer mehr. Wer hier jedoch eine Liebesgeschichte vermutet, liegt falsch. Vielmehr geht es um die Frage, ob zwei Menschen die Gräben, die aus unterschiedlichen Meinungen, Werten und Weltanschauungen bestehen, im Sinne ihrer Freundschaft überwinden können.

    Ich muss ehrlich gestehen, dass mir die ersten zweihundert Seiten des Romans sehr schwer gefallen sind. Ich habe selten so ein anstrengendes Buch gelesen. Auf der einen Seite steht Stefan, der Besserwisser, der Theresa immer wieder vorhält, was richtig und was falsch ist. Der glaubt zu wissen, was man machen darf und was nicht. Und auf der anderen Seite Theresa, die Stefan gegenüber ständig gemein und zynisch ist. Für keine Figur konnte ich so richtig Sympathie empfinden, überraschenderweise noch am ehesten für Theresa, die Stefan oft die Grenzen seines eigenen Mikrokosmos aufzeigen konnte. Erst als ein Witz von Stefans Vorgesetztem Flori Sota die gesamte Gesellschaft empört, beginnt sich das Blatt langsam zu wenden und ich habe mit Spannung weitergelesen. Die Geschichte war so echt, dass es teilweise weh getan hat. So viel Gegenwart gibt es tatsächlich selten in der deutschen Literatur, da muss ich dem Zitat auf dem Umschlag recht geben.

    Das Buch macht deutlich, wie unüberwindbar die Gräben in unserer Gesellschaft sind. Was mir eindringlich im Gedächtnis bleiben wird: dass sich manche Gruppen „Probleme“ aneignen, die gar nicht die ihren und in Wahrheit vielleicht gar keine sind. Carla verlangt von Flori keine Entschuldigung für den Witz, die beiden sind im Reinen miteinander. Das Buch zeigt, dass Empörung oft von Menschen ausgeht, die selbst gar nicht betroffen sind. Hier findet ein Umdenken in Stefan statt, was mir sehr gut gefallen hat. Auch die Tatsache, dass so gut wie kein Diskurs mehr möglich ist, wird eindrücklich geschildert. Denn mit bestimmten Menschen redet Stefan einfach nicht, er spricht ihnen ab, eine eigene Meinung zu haben.

    Besonders interessant an „Zwischen Welten“ ist die literarische Form. Es gibt keinen Fließtext im klassischen Sinne, sondern seitenlange E-Mails oder kurze WhatsApp-Nachrichten. Manch einer könnte sagen, dass diese Form und insbesondere die Sprache der E-Mails nicht authentisch seien, jedoch kenne ich solch einen Austausch auch aus meinem persönlichen Umfeld, weshalb ich mich gut damit identifizieren konnte. Wie Missverständnisse entstehen, wenn nur per Text kommuniziert wird, hat der Roman eindeutig gezeigt. Juli Zeh und Simon Urban haben es geschafft, Theresa und Stefan einen ganz eigenen Stil zu geben, weshalb anhand des Textes stets klar war, wer hier schreibt.

    Abschließend war das ein bewegender Schlagabtausch zweier Menschen, der zwar sehr anstrengend, für mich aber auch erhellend war. Das Buch macht zwar nicht unbedingt Lust, in unserer heutigen Gesellschaft zu leben, ich empfehle es aber weiter, gerade weil es so anstrengend und fordernd war und zum Nachdenken anregt.

  2. Cover des Buches Schlafen werden wir später (ISBN: 9783596522033)
    Zsuzsa Bánk

    Schlafen werden wir später

    (64)
    Aktuelle Rezension von: Lucinda4

    Zwei langjährige Freundinnen, eine Lyrikerin und 3-fache verheiratete Mutter und eine von ihrem Mann verlassene Deutschlehrerin, die über Annette von Droste-Hülshoff forscht, tauschen sich in zahlreichen E-Mails über ihre Sorgen und Nöte aus. Probleme von Familienmutter wie Alleinstehender werden ehrlich angesprochen, das ist toll. Und eigentlich mag ich Zsuzsa Banks ruhige, stimmungsvolle Schreibe sehr, aber bei diesem Buch ist es einfach irgenwann zu viel Stimmung, zu viel vielsilbige Adjektive, zu viele kursiv gesetzte Literaturzitate. Als Briefwechsel zwischen Freundinnen ist es bestimmt wunderbar, als Buch mit fast 700 Seiten wird es irgendwann sehr zäh.

  3. Cover des Buches Briefe in die chinesische Vergangenheit (ISBN: 9783784436616)
    Herbert Rosendorfer

    Briefe in die chinesische Vergangenheit

    (197)
    Aktuelle Rezension von: Tilman_Schneider

    Aus dem Reich der Mitte will er per Zeitreise in das moderne China reisen. Es läuft aber einiges schief und er landet mitten in Bayern. Der totale Kulturschock und für uns Leser einfach nur köstlich, herrlich, witzig und tiefsinnig. Die Einfälle von Herbert Rosendorfer sind einfach klasse und haben nach all den Jahren nichts an Biss und Witz verloren.

  4. Cover des Buches Kein guter Mann (ISBN: 9783755805151)
    Andreas Izquierdo

    Kein guter Mann

    (211)
    Aktuelle Rezension von: Svenjas_BookChallenges

    Als buecher.berge mich letztes Jahr zu Weihnachten mit „Kein guter Mann“ von Andreas Izquierdo überrascht hat, wusste ich, dass es das perfekte Buch für die Adventszeit ist und habe es mir ganz bewusst ein Jahr lang aufgehoben. Und das war genau richtig so, denn „Kein guter Mann“ passt ganz wunderbar in eine Zeit, in der wir einerseits näher zusammenrücken und unsere Herzen öffnen, andererseits aber auch unsere Beziehungen und unser eigenes Verhalten Revue passieren lassen und mehr an andere denken. Denn im Mittelpunkt von Andreas Izquierdos Roman steht der 60-jährige Walter, ein kauziger, bisweilen ruppiger und nicht sehr beliebter Postbote, der lieber für sich ist und seit Jahren kein gutes Verhältnis zu seiner Familie hat.

    Das zumindest ist die Fassade, die er den Menschen zeigt, aber als Walter in die Christkindfiliale der Post strafversetzt wird und dort auf den verzweifelten Brief des kleinen Ben stößt, offenbart sich Walters großes Herz. Er schlüpft in die Rolle von Gott und antwortet Ben, dessen Mutter seit der Trennung von ihrem Mann unter schweren Depressionen leidet. Es ist eine Geschichte über Hoffnung und die Macht der kleinen Gesten, die mich ganz unvorbereitet mitten ins Herz getroffen hat. Denn sie zeigt, dass man den Menschen eben nur bis vor den Kopf schauen kann und dass sich dahinter viel mehr verbergen kann, als man vielleicht auf den ersten Blick vermuten könnte.

    Genauso ist es bei Walter, der eben nicht nur ein sturer, verbohrter Querulant, sondern auch ein sensibler und feinfühliger Mann ist, der seine wahren Gefühle tief in seinem Inneren vergraben hat. Bens Brief an Gott holt sie hervor und das ist wahnsinnig berührend zu lesen. Zusätzlich lässt Andreas Izquierdo uns in Walters Vergangenheit eintauchen und zeigt so, welche Schicksalsschläge und Erlebnisse sich hinter der Fassade des verschlossenen und unzugänglichen Postboten verbergen.

    „Kein guter Mann“ ist damit eine wundervolle und emotionale Geschichte über Verlust, Trauer und Einsamkeit, aber auch über Großherzigkeit und Nächstenliebe – und über zweite Chancen, die jede*r von uns verdient hat. Dabei findet Andreas Izquierdo ganz wundervolle Worte für Walters Geschichte, sodass ich mich Seite für Seite ein wenig mehr in sie verliebt habe. Am Ende hat sie mir sogar ein kleines bisschen das Herz gebrochen, aber mir dabei auch so unfassbar viel gegeben. Also wenn ihr Walter noch nicht kennt – schnappt euch dieses Buch und legt Taschentücher bereit!

  5. Cover des Buches Der Himmel in deinen Worten (ISBN: 9783959671644)
    Brigid Kemmerer

    Der Himmel in deinen Worten

    (103)
    Aktuelle Rezension von: spozal89

    Endlich bin ich auch mal dazu gekommen, diese Buch zu lesen und ich muss sagen, es hat mich sehr berührt. Ein toller und sehr emotionaler Schreibstil und eine Story, die sich so ganz anders entwickelt, als man erwartet. Die Charaktere waren gut ausgearbeitet, einzig das Ende ging dann ein wenig zu schnell. Aber ansonsten wirklich sehr zu empfehlen, wenn man ein tiefgründiges Buch sucht.

  6. Cover des Buches 84, Charing Cross Road (ISBN: 9783455650747)
    Helene Hanff

    84, Charing Cross Road

    (321)
    Aktuelle Rezension von: Msche

    Leider ist es etwas dünn geraten, denn die Briefe von Fräulein Hanff sind wirklich sehr witzig. Ihr Lesegeschmack wäre zwar nicht meiner aber ihre Meinung dazu ist absolut köstlich. Ich hätte da locker das dreifache von Lesen können. Das ist jetzt sicher schon der dritte Briefroman der mir gefällt. Vielleicht sollte ich mich doch mal an 'Deine Juliet' wagen.  Es ist auf jeden Fall schön, dass es dieses Buch noch gibt. Leider gibt es die Buchhandlung schon lange nicht mehr. Das wäre eine Pilgerreise wert.....

  7. Cover des Buches Kafkas Puppe (ISBN: 9783401511115)
    Gerd Schneider

    Kafkas Puppe

    (38)
    Aktuelle Rezension von: lovelylarki

    Als ich den Klappentext gelesen hatte, dachte ich sofort an den Hasen Felix, den ich als Kind so gerne mochte. Die Geschichte ähnelt sich auf jeden Fall: Eine Puppe geht verloren und schreibt der jungen Besitzerin von ihren Reisen. Hinter den Briefen steckt jedoch Franz Kafka, welcher durch die Begegnung mit dem kleinen Mädchen neue Lebensfreude gewinnt. Er lässt  keinen Tag aus, um die Illusion der lebendig gewordenen Puppe aufrecht zu erhalten und sich neue Abenteuer für die Puppe einfallen zu lassen.

    Das Buch hat einen besonderen, zur Zeit der Story passenden Stil. Manche Passagen waren für mich ein wenig zu träumerisch.. Die wörtliche Rede war nicht immer klar abgegrenzt, sodass ich manche Textstellen nicht ganz einordnen konnte. Insgesamt las ich das Buch trotzdem gerne und war ganz gespannt auf die neuen Briefe der Puppe. 

    Da sich das Buch an der Biografie von Franz Kafka orientiert, kommt es zu einem tragischen Ende der Geschichte. Zum Schluss erfährt man noch ein paar interessante Informationen über das Leben des Schreibers. Wie sich herausstellte, ist nicht alles an der Geschichte des Mädchens und ihrer Puppe erfunden.

    Ich empfehle das Buch insbesondere Kafka-Fans, aber auch allgemein Literaturbegeisterten, die sich gerne auf eine kleine Fantasiereise einlassen.

  8. Cover des Buches Das Versprechen, dich zu finden (ISBN: 9783959674010)
    Anne Youngson

    Das Versprechen, dich zu finden

    (92)
    Aktuelle Rezension von: gagiju

    Diese Buch hat mich wirklich für sich eingenommen, gerade weil es so unspektakulär und ruhig ist. Es ist sicherlich kein Pageturner, aber es hat mich durch schwere Tage begleitet, und ich habe mich jeden Tag darauf gefreut, es wieder in die Hand zu nehmen und ein paar Seiten zu lesen.

    Bereits das Cover finde ich wunderschön und sehr zum Inhalt passend. In Rosé, Rosenholz und Bordeaux gehalten, zeigt es die Zeichnung einer Frau, alterslos und auf dezente Art hübsch, mit sanften Gesichtszügen, die an einem Geländer lehnt, die Arme verschränkt, den Blick in sich gerichtet.

    Die Geschichte der beiden älteren Menschen, als Briefroman verfasst, hat mich sehr berührt. Langsam und ohne große Dramen lernen sie sich kennen, vertrauen sich, werden sich immer wichtiger, verlieben sich aus der Distanz.

    Das ist wunderschön erzählt, mit vielen interessanten Gedanken und philosophischen Einschüben, aber auch sehr pragmatischen alltäglichen Szenen. Gerade diese Mischung macht für mich den Reiz aus.

    Das Buch braucht keine riesigen Konflikte, kein Geschrei, um spannend zu sein.

    Eine absolute Leseempfehlung für Menschen, die gerne die leisen Töne haben,


  9. Cover des Buches 17 Briefe oder der Tag, an dem ich verschwinden wollte (ISBN: 9783522504522)
    Karolin Kolbe

    17 Briefe oder der Tag, an dem ich verschwinden wollte

    (65)
    Aktuelle Rezension von: phoenixfire8

    Line hat Probleme. Ihr ganzes Leben engt sie ein und sie möchte einfach nur weg. Ihre Mutter, ihre Schwester und sie haben nur noch Angst vor ihrem Vater und in der Schule wird sie gemobbt. Nur ihr Orakel steht an ihrer Seite. Doch schließlich erhält sie eine Nachricht von ihrem Orakel, von dem die nicht weiß, ob sie sich daran halten kann. Also schreibt sie einen Brief, um sie mit ihren Gedanken auseinanderzusetzen, und versteckt diesen.

    Doch dann wird der Brief gefunden. Von Anton. Er ist sehr beliebt in der Schule, doch hat ebenfalls starke häusliche Probleme. Er trägt eine Maske und traut sich nicht er selbst zu sein. Der Brief von Line macht ihn neugierig und so antwortet er. 


    Das Buch hat mich entspannt und zum Lächeln gebracht. Es ist gut geschrieben mit dem genau der richtigen Liebe zum Detail. Mit seinen knapp 186 Seiten ist es gut für zwischendurch geeignet.


    Jedoch kriegt es von mir nur drei Sterne. Und zwar stört es mich, dass die Geschichte es so aussehen lässt, als würde alles gut werden solange man nur ehrlich ist und an sich selber arbeitet. Line wird gemobbt. Doch sobald sie sich selber traut, sich nicht nur zu verstecken, wird sie plötzlich "gesehen". In dem Roman ist die Rede davon, dass "es doch normal ist Außenstehende zu meiden". Davon, dass "Honig im Rucksack und Klamotten verstecken" kindisch sei. Das ist es eventuell sachlich gesehen oder aus einer Sicht einer erwachsenen oder sogar beteiligen Person. Nicht aber aus einer realen Sicht. Das ist Mobbing. Und Mobbing ist schlimm und macht etwas mit der betroffenen Person. Aus meiner Sicht wird dies hier sehr heruntergespielt. 


    Auch finde ich es etwas seltsam, dass die Kinder erwachsener sind als die Eltern. Ja klar, es handelt sich auch um sehr fragwürdige Eltern, aber dass die Kinder dann so den Durchblick haben, finde ich etwas seltsam. Vielleicht liegt es daran, dass beide schon 18 sind.



    Allgemein finde ich es sehr gut, dass das Buch dazu aufruft an sich selber zu glauben und seinen eigenen Weg zu gehen. Dass es sich lohnt zu kämpfen (aus meiner Sicht stimmt dies nicht immer) und man sich auch mal gegen seine Eltern stellen muss. Allerdings muss ich mich entsinnen mir dieses Buch nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen, da viele Sachen, aus meiner Sicht, heruntergespielt werden.



  10. Cover des Buches Briefe aus New York (ISBN: 9783455005653)
    Helene Hanff

    Briefe aus New York

    (41)
    Aktuelle Rezension von: Radagast

    Dieses Buch ist ein Lese Schmaus! Für Leser gedacht, die eine Momentaufnahme einer Stadt haben möchte die es so nicht mehr gibt und bis heute viele Mythen in sich verbirgt. Sie  erzählt aus ihren Alltag, wie sie arbeitet und welcher Schlag Mensch in New York in den Jahren 1978 bis 1983 in ihren Miethaus leben. Sie schreibt fesselnd und lädt somit ein an ihren bescheidenden Lebensstil kurzweilig teil zu nehmen. Auch fand ich die kurzen Exkurse in die Geschichte von New York sehr erfrischend und lehrreich. Ein Buch das zum Geschichten schreiben animiert und mein Kopfkino angeregt hat. 

  11. Cover des Buches Herzzeit (ISBN: 9783518730904)
    Bertrand Badiou

    Herzzeit

    (45)
    Aktuelle Rezension von: riraraffi

    Quelle relation

    Die Briefe, die Ingeborg Bachmann und Paul Celan als große Poeten sich gegenseitig als private Kommunkation geschrieben haben sind so weit von dem, wie wir heute kommunizieren. Jedes Wort wirkt klug gewählt, obwohl sie selbst sagen, dass dem nicht der Fall sei. Ihre Beziehung bleibt so zaghaft angedeutet und es ist beeindruckend, wie sie trotz der unregelmäßigen Abstände irgendwie stets in Kontakt bleiben,, sich gegenseitig Gedichte widmen, Briefe schreiben (und sie nicht abschicken).

    Wie wertvoll geschriebenes Wort war und dann auch noch von Zweien, die das geschriebene Wort zu ihrer Berufung machen. Und obwohl, wie auch im Nachwort erklärt, so oft sichtbar wird, wie sie um Worte ringen und mit ihnen kämpfen, beschränkt auf das, was sie einander in Entfernung schreiben, bleibt der romantisierende Gedanke im Kopf, dass alles einfacher war, als man nicht 24/7 über Whatsapp kommunizierte. Der Gedanke, dass sie vielleicht zueinander gefunden hätten, wenn sie Missverständnisse in einem 2-Minuten-Anruf geklärt hätten ist erschauderlich. Demütig blicke ich auf die Möglichkeiten der Kommunikation, die uns so viel erschweren, aber an sich auch so viel vereinfachen.

    Ich ringe selber mit den Worten, die ich für das Gelesene habe, möchte es aber jedem empfehlen, der sich eine Herzzeit wünscht.

    Und abschließend einige Worte zu Paul Celans Ehefrau Gisèle Lestrange:
    Il ne me reste qu'à exprimer mon admiration pour cette femme élégante, courageuse et sage. Pendant la lecture, j'avais tellement envie de lui envoyer une lettre du fond de mon cœur. Quelle dame ! 

  12. Cover des Buches Wir sind verdammt lausige Akrobaten (ISBN: 9783455404661)
    Ernest Hemingway

    Wir sind verdammt lausige Akrobaten

    (21)
    Aktuelle Rezension von: Bri

    Meine Liebe zur Literatur F. Scott Fitzgeralds ist ja nun in gewissen Kreisen – also auf jeden Fall hier – hinlänglich bekannt. Obwohl mir natürlich bewusst ist, dass er als Mensch, gerade in den Zeiten großer Trunksucht, ein ziemlicher Idiot sein konnte, hatte ich immer das Gefühl, dass er trotz allem eher zurückhaltend, unterstützend, aber eben durch die Umstände und sein Leben überfordert war. Schreiben zu wollen oder zu müssen, weil es Geschichten gibt, die aus einem heraus brechen, die man anderen Menschen mitgeben möchte, damit sie in ihnen nachhallen ist wohl das Ideal der Schriftstellerei. Zumindest stelle ich mir das so vor. Schreiben zu müssen, um Geld zu verdienen, nun ja, Fitzgerald konnte es wie kein anderer. Seine Stories hielten die Familie über Wasser, bezahlten später die Behandlungen Zeldas und waren für ihn die Möglichkeit, an Geld zu kommen, die sich schnell umsetzen ließ. Und was dabei rauskam, konnte sich immer sehen lassen.

    Was Ernest Hemingway betrifft, bin ich – voreingenommen und etwas unfair – nicht ganz so freimütig damit, ihm seine menschlichen Schwächen nachzusehen und mich bei der Lektüre davon nicht beeindrucken oder leiten zu lassen. Sicher gibt es Werke von ihm, die ich gerne gelesen habe: Paris, ein Fest fürs Leben, das zugegebenermaßen nicht eines seiner Glanzstücke ist, mich aber wegen Paris und der Tatsache, dass meine allerbeste Freundin ein Jahr lang dort lebte und ich sie mehrfach besuchen konnte, einfing oder Der alte Mann und das Meer – für mich tatsächlich sein Meisterwerk. Seine Stories waren gut, doch mir sprachlich zu klar, zu einfach, zu viel Macho?


    Verglichen habe ich die beiden Schriftsteller und ihre Werke nie, sind sie doch sowohl sprachlich, inhaltlich als auch konzeptionell einfach nicht vergleichbar und deshalb gehe ich mit der Einschätzung Hermingways zu Getrude Steins Vergleich der zwei Autoren über das Bild unterschiedlich genährter und deshalb auch unterschiedlich brennender Flammen d’accord: dieser ist tatsächlich und prinzipiell obsolet. Doch andererseits kann ich komplett nachvollziehen, was Stein mit ihrem Bild der einen Flamme, die hell leuchtet und ungehemmt brennt – Fitzgeralds Talent – und der anderen, die zwar nicht so hell brennt, dafür aber etwas kontrollierter oder kontinuierlicher – Hermingways Ehrgeiz – meinte. Während die Texte Fitzgeralds für mich immer mit leichter Hand dahingeworfen, dabei aber gut durchdacht schienen, meinte ich den Schriften Hemingways immer dessen Wunsch nach mehr Klarheit, stärkerer Schlichtheit zu entnehmen. Mit einem Beigeschmack von harter, fast körperlich anmutender, Arbeit, ja Schinderei.

    Bereits 2013 erschien ein schmaler, sehr liebevoll gestalteter und zusammengestellter Band, der Briefe, die sich Fitzgerald und Hemingway in der Zeit von 1925 bis 1937  schrieben, erstmals auf Deutsch vorlegt. Zumindest was die Zusammenstellung und was die Briefe Fitzgeralds angeht. Hemingways Briefe sind bereits 1984 von Werner Schmitz übersetzt bei Rowohlt in dem Band Glücklich wie die Könige erschienen. Fitzgeralds Briefe hat Lebert erst 2013 übertragen – und das wunderbar ganz im gewohnten Fitzgeraldischen Ton. Dazu hat er noch ein Vorwort, Anmerkungen und eine Zeittafel gepackt, die dem Leser weitere Orientierung geben. Liest man diese Briefe in der sehr gelungenen Zusammenstellung, gewinnt man von beiden Autoren, ihren Werken und ihrer Freundschaft einen durchaus auch überraschenden Eindruck.

    Zunächst sind die Briefe die sich Hem und Scott schreiben, geprägt von einem sehr freundschaftlichen Ton, der zuweilen ins spöttisch, selbstironische aber auch klatschhafte übergeht. Es geht buchstäblich um Gott und die Welt. Obwohl Scott nur drei Jahre älter ist als Hem, ist er derjenige, der dem aufstrebenden Jungautor mit Rat und Tat zur Seite steht. Er vermittelt Kontakte zu seinem Lektor Max Perkins bei Scribners, der seinem Ruf folgend sofort das Potential Hemingways erkennt. Ab und an schickt er auch Geld – auch wenn es nur 100 Dollar sind, die zu damaligen Verhältnissen ungefähr 1000 Dollar Wert besaßen. Und er liest Hemingways Texte so genau und kritisch, wie es auch ein Lektor täte. Anfänglich ist Hemingway auch für die Kritik, die ihm der bereits erfolgreiche Freund angedeihen lässt, dankbar und offen, doch als Fitz später sein Werk chirurgisch analysierend auseinanderpflückt – zwar offensichtlich, weil er weiß, dass Hem es noch besser kann – da kommt schon Unmut auf, der sich in der Bleistift – Randnotiz Leck mich am Arsch EH Bahn bricht. Dabei ist der letzte Satz, den Fitz unter die Analyse schreibt durchaus positiv: Ein wunderschönes Buch ist es.

    Fitzgerald ist ernsthaft daran interessiert, seinem Freund mitzuteilen, was er literarisch anders machen würde. Und er tut es unglaublich genau, unglaublich überlegt, gut konzipiert, so dass der Eindruck, dass er selbst einfach ein durch übermäßiges Talent gesegneter literarischer Leichtfuß war, verflüchtigt. Auch er musste und wollte hart arbeiten, wollte perfekt sein. Doch wie kann man das, wenn man ein Kind hat und eine Frau, deren Gesundheitszustand sich permanent verschlechtert? Schriftsteller brauchen Kontinuität – man denke nur an Thomas Mann und seine Arbeitsgewohnheiten – und doch benötigen solch kreative Köpfe, vor allem solch scharfsinnige und großartige Beobachter wie Fitzgerald den Input von außen. Ein Dilemma, dem man kaum entkommen kann und Fitzgerald erst recht nicht.

    Es kommt wie es kommen muss, die Freundschaft geht dahin, die Briefe werden spärlicher und zum Schluß zeigt sich, dass die unterschiedliche Art zu schreiben, sich nicht vereinend auswirkt. Voreingenommen oder nicht, Fitzgeralds Argumentation ist überzeugend und stringent, als er in seinem Brief vom 01. Juni 1934 seine Art der Fiktion und seine Konzeption von Zärtlich ist die Nacht darlegend, folgendes anmerkt:


    „[…] eine Theorie, die ich Conrads Vorwort von Der Neger entnahm. Dass nämlich der Zweck eines geschriebenen Werks darin besteht, auf den andauernden Nachhall im Geiste des Lesers einzuwirken. Im Unterschied zu – sagen wir mal – dem Zweck der Rhetorik an sich oder der Philosophie, die die Menschen jeweils in einer kämpferischen oder gedankenvollen Stimmung zurücklassen. […] dass ich mich daran erinnerte, dass Du einmal beim unmittelbaren Ende von In einem anderen Land versucht hast, etwas herauszuarbeiten, was ganz im Sinne einer solchen Theorie stand. […] Und vielleicht erinnerst Du Dich an meinen Vorschlag, Deinen Hang zum Wortschwall, überall wo er in diesem Buch auftaucht, herauszustreichen und damit aufzuhören. Du warst gegen diese Idee, da Du der Ansicht warst, die Richtlinie eines belletristischen Werkes müsste sein, den Leser in emotionale Höhen zu führen, ihn dann zu enttäuschen bzw. wieder zu erlösen. Du hast keine ästhetischen Argumente dafür geliefert, aber nichtsdestotrotz konntest Du mich überzeugen.“


    Das angenehm persönliche Vorwort von Benjamin Lebert macht klar, er will keinem der beiden Autoren den Vorzug geben. Ich kann das auch nach der Lektüre dieses erhellenden Briefwechsels nicht. Für mich ist und bleibt Fitzgerald der Meister der Meister, ein Ästhet. Wenn gar nichts mehr geht, ich aus welchen Gründen auch immer keine Leseruhe finden kann oder mich kein neues Buch einlässt, dann wird es immer eines seiner Werke sein, das mich da rausholt. Allen voran Zärtlich ist die Nacht und Der große Gatsby, die meine Bibeln sind. Aber auch die wunderschönen Kurzgeschichten, wie zum Beispiel Der Riffpirat, die mit ihrem romantischen Kern und den leicht schrägen aber unglaublichen Bildern schon fast etwas von einem Wes Anderson Film haben … was für ein Glück, dass ich diese Schätze habe.

    Wir sind verdammt lausige Akrobaten sollte jede Hemingway und / oder Fitzgerald Sammlung vervollkommnen, genauso wie manch anderes Buch, das ich in nächster Zeit noch lesen werde oder bereits gelesen habe und das sich mit einem der beiden beschäftigt. Mit dem Ästheten und dem Boxer, wie ich sie ab jetzt in Gedanken nenne.

  13. Cover des Buches Schlafen werden wir später (ISBN: 9783958620186)
    Zsuzsa Bánk

    Schlafen werden wir später

    (4)
    Aktuelle Rezension von: naninka
    Eins vorweg: fertig gehört hab ich das Audiobuch nur, um die Challenge zu beenden. Das war die einzige Motivation... Marta und Johanna, sind um die 40 und beste Freundinnen. Sie tauschen sich über ihr Leben und Sorgen aus, stützen und bestärken sich. Es ist ein Briefroman. Da sie an verschiedenen Orten leben, tauschen Sie sich fast täglich per E-Mail über alles aus. Die eine hat Kinder, die andere nicht. Die eine schreibt (oder versucht es nebst ihrem Familienfrauen-Dasein),die andere ist Lehrerin und hilft nebenbei in einem Blumenladen aus. Beide leben ein komplett anderes Leben und sind sich doch ähnlich. - Die Ausgangslage wäre vielversprechend! Und obwohl ich mit vielem identifizieren kann (3 Kinder, über 40, also eigentlich Ende 40, die beste, gleichaltrige, kinderlose Freundin im Ausland, Höhen und Tiefen im Eheleben, etc etc), so fand ich dieses Buch einfach nur ätzend! Ein ewiges Lamento. Das Gefühl, das Leben ab 40 sei schon vorbei. Dieses tägliche melancholische Resignieren.... Nein, das ist so gar nicht meins. Einziger Lichtblick war, als der Ehemann der Blumenladen-Inhaberin (und Freundin der beiden) auf sehr tragische Weise stirbt, sie merkt, dass sie schwanger ist und auf schöne Weise durch ihre Freundinnen und Mitarbeiterin getragen wird. Sprich der Moment, in dem wirklich etwas tragisches passiert und auf unaufgeregte und schöne, natürliche Weise aufgefangen wird. Ansonsten fand ich dieses Hörerlebnis als deprimierend, langweilig, schwulstig, frustrierend, humorlos und einfach nur ätzend.... Und auch die ständig wiederholenden Wendungen haben mich sprachlich nur genervt. 3 x genervt, genervt, genervt. Von mir gibts 1.5 Sterne. Um nett zu sein, runde ich auf.
  14. Cover des Buches Die Odyssee eines Outlaw-Journalisten: Gonzo-Briefe 1958-1976 (ISBN: 9783453677029)
    Hunter S. Thompson

    Die Odyssee eines Outlaw-Journalisten: Gonzo-Briefe 1958-1976

    (1)
    Aktuelle Rezension von: cloverleaf
    Mehr als 20.000 Briefe verfasste Kultfigur Hunter S. Thompson, die er in weiser Voraussicht sorgfältig aufbewahrte und archivierte. Nur ein kleiner Teil davon aus dem Zeitraum 1958 bis 1976 ist in dieser Buchausgabe enthalten. Doch dieser Ausschnitt aus Thompsons Korrespondenzen vermag es, ein tiefgründiges und aufrichtiges Bild des Schriftstellers zu zeichnen, HST der Rebell, literarisches Genie und Begründer des Gonzo-Journalismus.

    Wer war Hunter S. Thompson? Diese Frage kann die Lektüre der gesammelten Briefe fast besser beantworten als jedes seiner anderen Werke. Zweifellos war Hunters Leben geprägt von zahlreichen Reisen, einer gewissen Rast- und Ruhelosigkeit, Geldsorgen und zahlreichen Drogenexzessen. Thompson zeigt sich als journalistischer Literat mit unverwechselbarem Schreibstil. Von dezent humorvoll bis überspitzt ironisch, meist äußerst scharfzüngig, stilistisch herausragend mit einer gehörigen Portion Gesellschaftskritik, mal unterschwellig, mal radikal direkt. Thompson, dessen journalistische Laufbahn als Sportreporter begann, gilt als Erfinder des Gonzo-Journalismus. Gonzo stellt den Journalisten und seine Recherchen in den Mittelpunkt und dies auf radikale und subjektive Weise. Ausgangspunkt ist die Idee William Faulkners, die beste Fiktion sei wahrer als jede Art von Journalismus es sein könne. Eine sachliche journalistische Distanz hält Thompson weder für möglich, noch für erstrebenswert.

    „Der Niedergang der amerikanischen Presse war schon lange abzusehen, und mir ist meine Zeit zu schade, um sie mit Anstrengungen zu vergeuden, die auf den ‚Mann auf der Straße‘ abzielen, mit dem täglichen Quantum an Klischees… Doch es gibt eine andere Art von Journalismus… eingraviert auf einer Bronzetafel an der südlichen Ecke des Times Tower in New York“, schrieb HST an den Herausgeber der puerto-ricanischen Zeitung „San Juan Star“, William J. Kennedy, als er sich um eine freie Stelle bewarb. Kennedy lehnte ab, doch zwischen den beiden entwickelte sich eine beständige Brieffreundschaft.

    Mit der Grundidee und Bedeutung des amerikanischen Traums beschäftigt er sich intensiv. Was steckt hinter diesem abstrakten Begriff? Wo findet man den amerikanischen Traum, worin manifestiert er sich? Mehr und mehr wird er sich des Scheiterns dieses Traums, vielleicht auch seines persönlichen Scheiterns, bewusst, was er literarisch im Roman „Angst und Schrecken in Las Vegas“ darlegt. Viele der späteren Korrespondenzen aus den 70ern sind stark politisch geprägt. Thompson äußert sich ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen über die intriganten und exzessiven politischen Machtkämpfen einer turbulenten Zeit. Dabei wirft er einen schonungslosen Blick auf den Präsidentschaftswahlkampf und spart nicht mit Kritik am „größten Dreckskerl“ Nixon und dessen „verbrecherischen Wesens“.

    Die gesammelten Briefe bieten einen ehrlichen und autobiografischen Einblick in Thompsons Leben und in die unterschiedlichen Facetten seiner Persönlichkeit. Hinter der Fassade eines unangepassten Qutlaw-Journalisten steckt eine durchaus sensible und nachdenkliche Seite. Mit Verlagsleuten schreibt er über neue literarische Ideen und Projekte, wobei er sich häufig selbstkritisch und nicht ohne Zweifel über seine Projekte äußert. Auch zu Autoren und Redakteuren hält er regen Kontakt, beispielsweise zu Tom Wolfe (Schriftsteller, Mitbegründer des New Journalism), Carey McWilliams (Hrsg. des Magazins „The Nation“), Allen Ginsberg (Dichter der Beat Generation) und Bob Woodward (Journalist, der die Hintergründe der Watergate-Affäre aufdeckte), um nur einige zu nennen. Einen privaten Einblick in Thompsons Leben bieten die Briefe an Familie und Freunde. Häufiges Thema in den Briefen an seine Mutter Virginia, eine Bibliothekarin aus Louisville, sind die Geldsorgen, die Hunter trotz erfolgreicher Publikationen begleiten. Auch den damaligen Präsidenten Lyndon B. Johnson kontaktiert Thompson, um sich für einen Posten zu bewerben.

    Kurz und knapp: Die Briefe sind ein Zeitdokument von unschätzbarem Wert. I-Tüpfelchen dieser Buchausgabe sind die unveröffentlichten Artikel Thompsons. David Letterman stellte Thompson, der die Ehre hatte, Gast seiner Sendung zu sein, als den  „genaueste[n] und am wenigsten faktengetreue[n] Reporter Amerikas“ vor. Treffendere Worte kann man nicht finden. Schade, dass HST nicht mehr unter uns weilt, wäre es doch sehr interessant, was er zur aktuellen politischen Situation Amerikas zu sagen, oder besser, zu schreiben hätte. Welche Worte hätte er wohl für Donald Trump gefunden?

  15. Cover des Buches Die Rückkehr der Störche (ISBN: 9783864760969)
    Gabrielle C. J. Couillez

    Die Rückkehr der Störche

    (9)
    Aktuelle Rezension von: Aischa
    Das Buch hat es mir anfangs nicht leicht gemacht. Weniger wegen der zahlreichen wörtlichen Reden im badischen bzw. fränkischen Dialekt - im Gegenteil, das wirkt sehr authentisch und erfrischend auf mich. Aber die ersten Kapitel sind voller Längen und Wiederholungen: Wilhelm unterstützt nicht nur seine verarmte und dem Alkohol verfallene Mutter, sondern auch seinen älteren Bruder Karl immer wieder finanziell. Er fühlt sich so sehr für das Wohl der Familie verantwortlich, dass er seine eigene Leidenschaft für die Naturwissenschaften hintenan stellt und nach der Drechslerlehre zunächst zum Militär geht.
    Seite um Seite lesen zu müssen, wie Wilhelm ausgenutzt wird und leidet hat es mir sehr schwer gemacht, den Roman zu genießen. Aber mein Durchhaltevermögen wurde belohnt: Denn im letzten Drittel nimmt die Geschichte deutlich an Fahrt auf. Ein verständnisvoller Vorgesetzter ermöglicht Wilhelm das Studium. Er kann auf abenteuerliche Forschungsreise durch Europa gehen und lernt echte Freundschaft kennen. Nur mit der Liebe hat er weiterhin kein Glück.
    Autorin Couillez hat für den vorliegenden Roman umfangreich recherchiert, das merkt man unter anderem an den zahlreichen fundierten Details zu Zeitgeschehen, gesellschaftlichen Verhältnissen und Kultur. Die Sprache ist anspruchsvoll und unterhaltsam zugleich.
    Ich bin sehr gespannt auf die Fortsetzung und vergebe 3,5 Sterne.
  16. Cover des Buches Der Briefwechsel 1957-2003 (ISBN: 9783359024590)
    Kai Köhler

    Der Briefwechsel 1957-2003

    (1)
    Aktuelle Rezension von: Buchdrache

    Anlässlich des 20. Todestages von Peter Hacks am 28.08.2023 († 28.08.2003 im Alter von 75 Jahren) ist endlich diese Erstveröffentlichung des gesamten Briefwechsels von 1957 bis zum Tod von Hacks 2003 zwischen dem 1955 in die DDR übergesiedelten deutschen Dichters aus München Peter Hacks und dem der breiten Öffentlichkeit kaum bekannten Köllner „Theatermanns“ – und so viel mehr: André Müller sen. 

    Ein dicker, edler Brocken Buch! Die zwei Lesebändchen machen schon wegen des umfangreichen Anhangs mit Anmerkungen Sinn. Die Hemmschwelle, die man vielleicht bei dieser umfangreichen Korrespondenz entwickelt, mit dem Lesen anzufangen, verfliegt allerdings schnell bei den ersten Zeilen. Die Gefahr besteht eher, wie bei Michael Endes „Die unendliche Geschichte“ zu tief ein- und abzutauchen. Der Briefwechsel zieht einen in Bann. Es tuen sich unzählige Themen, Anspielungen und Assoziationen auf. Ich bin durch viele Gedankentüren gegangen, bin hier und da abgebogen und bin doch flott allein durch den sarkastisch-lakonischen Sprachwitz der Korrespondenz wieder eingefangen und weiter vorangetrieben worden. Und wie bei jedem guten Buch: Man kann es immer wieder lesen und es wird immer wieder Neues zu entdecken und Entschlüsseln geben – über die ost-west-deutsche Kunst, Literatur, Politik und Geschichte über die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts hinaus.

    Ich hatte das Glück, bei der Buchpremiere in Berlin dabei zu sein und konnte der Lesung von Gunter Schoß und den Ausführungen der beiden Herausgeber und des Verlegers lauschen.

  17. Cover des Buches Sophie Scholl - Wie schwer ein Menschenleben wiegt (ISBN: B09SLWQD98)
    Maren Gottschalk

    Sophie Scholl - Wie schwer ein Menschenleben wiegt

    (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  18. Cover des Buches Briefe des Fräulein Ninon de Lenclos an den Marquis de Sevigné (ISBN: B00XKACF96)
  19. Cover des Buches Deine Juliet (ISBN: 9783839893906)
    Mary Ann Shaffer

    Deine Juliet

    (51)
    Aktuelle Rezension von: Tilman_Schneider

    Juliet ist ein junge und sehr umtriebige Schriftstellerin und lebt in London Ende der vierziger Jahre. Mit ihren Freunden, dem Verleger und Bekannten hält sie regen Briefkontakt und eines Tages bekommt sie einen sehr netten Brief eines Bauern, der ein Buch von ihr erworben hat und sie hat ihre Adresse vorne im Buch eingetragen. Sie schreibt zurück und es entwickelt sich ein interessanter und intimer Briefwechsel und sie erfährt von dem Buchclub der von Dawsey gegründet worden ist. Juliet sucht immer nach neuen Geschichten und Ideen für ihre Bücher und vielleicht ist auch die Liebe für sie dabei.

    Ein schöner Briefroman mit einer tollen Liebesgeschichte und viel Liebe zur Literatur.

  20. Cover des Buches Ein Weihnachtsgeschenk für Walter (ISBN: 9783841503596)
    Barbara Wersba

    Ein Weihnachtsgeschenk für Walter

    (73)
    Aktuelle Rezension von: Tilman_Schneider

    Walter ist eine Ratte und kann von Geburt an lesen. Außergewöhnlich, aber er kann es. Bei Miss Pomeroy hat er ein Zuhause gefunden, auch wenn sie nichts davon weiß. Er liest ein Buch nach dem Anderen von ihrer Bibliothek und dann entdeckt er, dass sie selbst Bücher geschrieben hat, aber über Mäuse! Er beschließt ihr einen Brief zu schreiben und sie aufzuklären und da fängt eine Geschichte an zu rollen... einfach wunderschön und zauberhaft.

  21. Cover des Buches Die Witwe der Brüder van Gogh (ISBN: 9783869741963)
    Camilo Sánchez

    Die Witwe der Brüder van Gogh

    (3)
    Aktuelle Rezension von: Daphne1962

    Vincent van Gogh (1853-1890) war einer der bedeutensten Maler des letzten Jahrhunderts und wurde leider erst nach seinem tragischen Selbstmord berühmt. Zu Lebzeiten hatte er kaum von seiner Malerei leben können und war auf die Almosen seines Bruders Theo und dessen Frau Johanna van Gogh-Bonger angewiesen.  

    Die zahlreichen Bilder, geschätzte 864 sowie an die 1000 Zeichnungen des Malers, gingen in den Besitz seines Bruders Theo van Gogh über. Der rege Briefwechsel mit seinem Bruder Theo machte es möglich, einen tieferen Einblick in die Seele und Gedanken des Künstlers zu bekommen. Allerdings konnte Theo den Selbstmord des Bruders nicht
    verwinden, hatte Schuldgefühle die Tat nicht verhindert zu haben. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich zusehends, so das er nur ein halbes Jahr nach dem Tod Vincents verstarb und seine Witwe Johanna mit dem wenige Monate alten Sohn, ebenfalls Vincent alleine in Paris zurück ließ.

    Nach dem Tod von Theo van Gogh kehrte die Witwe Johanna zunächst zu ihrer Familie in den Niederlanden zurück. Allerdings schwebte ihr eine kleine Pension vor, die sie mit Hilfe ihres Vaters eröffnet und die Räume mit den Gemälden des Schwagers ausstattete. Nachdem sie die zahlreichen Briefe zwischen ihrem Mann und Schwager gesichtet und
    gelesen hatte, organisierte sie mit eigenen Mitteln ihre ersten Ausstellungen und veröffentliche später auch Auszüge daraus.
     
    Der Maler Emile Bernard war mit van Gogh befreundet und hatte nach seinem Tod versucht zuerst eine Ausstellung zu organisieren in Paris. Es blieb wohl bei dem Versuch. Als ich Gelegenheit hatte eine Emile Bernard Ausstellung in meiner Heimatstadt zu sehen vor ca. 2 Jahren, wurde den Besuchern vermittelt, van Gogh habe vom Künstler Bernard 
    Inspiration seines Freundes erhalten. Emile Bernard wird auch heute noch zu wenig Bedeutung beigemessen, denn er galt als der eigentliche Begründer der Moderne. 


    Diese vom Autoren Camilo Sanchez verfasste Biografie über van Gogh gibt dem Leser einen einzigartigen Einblick über die Bindung zu Vincents Familie. Die Sprecherin Doris Wolters macht das Hörbuch zu einem wahren Kunstgenuss. Gerne hätte ich noch länger in dieser tiefen Erzählung verweilt. Nun werde ich mich deshalb mal wieder mit dem Maler van Gogh befassen und meine Bildbände zur Hand nehmen.
  22. Cover des Buches Die Rose des Herzogs (ISBN: 9783426520222)
    Marita Spang

    Die Rose des Herzogs

    (40)
    Aktuelle Rezension von: TanjaJahnke

    1841. Wir treffen auf die Greisin Charlotte, die in Angesicht ihres baldigen Ablebens ihr Leben noch einmal Revue passieren lässt. So erleben wir an ihrer Seite den Zeitraum 1786 bis 1804; Jahre der Flucht, Angst, Krieges, Entbehrungen, Abschiede und Verlustes. Aber auch Jahre des Glücks, der Liebe und Hoffnung.
    Charlottes Leben war turbulent und geprägt von Hofart, der französischen Revolution und den daraus resultierenden Folgen für den einstmaligen französischen Adel.

    Marita Spang kredenzt eine Geschichte voller Bilder und Emotionen. Mehr als einmal standen mir die Haare zu Berge. Ich habe mehrfach mit Charlotte geweint, habe mit Louis-Antoine seinen Großvater und den Krieg verflucht, habe gelitten, getrauert, aber mich ebenso mit ihnen gefreut.
    Auch wenn mir bewusst war welche dramatisches Leben Louis-Antoine hatte, habe ich gefiebert und (auch gegen jede Vernunft) auf ein kleines Wunder gehofft.
    Eine wirklich eindrucksvolle Geschichte, die mich in ihren Bann zog und auch in meine Träume verfolgte.

    Man durchlebt an Charlottes Seite die wesentlichen Stationen ihres Lebens und blicken zuweilen auch anderen Figuren über die Schulter. Dabei vergehen zwischen den einzelnen Stationen auch mal einige Wochen, Monate oder sogar Jahre. Wobei die übersprungene Zeit adäquat in den Erinnerungen der Figuren zusammengefasst oder in Form von Briefen wiedergegeben wird und keinerlei Lücken entstehen und zugleich unnötige Längen vermieden werden.

    Kurz gesagt ein Buch, dass mich wirklich begeistert hat und ich jedem wärmstens ans Herz legen möchte.

    5 von 5 Rosen

  23. Cover des Buches Der Briefwechsel mit Reynaldo Hahn (ISBN: 9783150111703)
  24. Cover des Buches Gute Nacht, Fledermaus! Guten Morgen, Eichhorn! (ISBN: 9783765558504)
    Paul Meisel

    Gute Nacht, Fledermaus! Guten Morgen, Eichhorn!

    (1)
    Aktuelle Rezension von: Susanne_Degenhardt
    Freddy Fledermaus braucht ein neues Zuhause. Nach ein paar Absagen findet er eine perfekte Bleibe. Doch am nächsten Morgen stellt sich heraus: Es ist das Heim von Eddy Eichhorn! Dieser ist überhaupt nicht begeistert davon, plötzlich einen »Untermieter« zu haben, und schreibt ihm abends Briefe, Freddy möge bitte verschwinden. Beim Aufwachen findet Freddy die Nachrichten, versteht deren Inhalt jedoch jedes Mal falsch...

    Zugegeben: Dieses Bilderbuch war bei uns eher Liebe auf den zweiten oder dritten Blick. Beim ersten Vorlesen wollte der Funke noch nicht bei meinen Töchtern (4+6) überspringen. Dieses Missverstehen der Briefe, dass da bspw. mal ein Wort verdeckt war, war erklärungsbedürftig. Und es war auch eher die Sechsjährige, die sich dann darüber amüsierte. Ansonsten ist der Text recht übersichtlich, aber ich tendiere bei der Altersempfehlung eher zu 4 Jahren, mit Luft nach oben.

    Die Illustrationen muten ein bisschen herbstlich an mit den Blättern in Brauntönen. Sie sind nicht zu überladen und geben einen kleinen Einblick in das Leben von Eichhörnchen und Fledermäusen. So erfährt man nebenbei, was die beiden fressen und wie sie wohnen. Die Nachrichten zwischen den beiden Tieren werden auf Blätter, einen Pilz oder ein abgerissenes Blatt geschrieben. Das fand ich ziemlich kreativ.

    Nach mehrmaligem Vorlesen ist das Fazit meiner Töchter: »Schööön« und »Das ist lustig! Mir gefällt das!«


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