Bücher mit dem Tag "btb"
82 Bücher
- Pascal Mercier
Nachtzug nach Lissabon
(1.389)Aktuelle Rezension von: LuliaIm Zentrum der Handlung steht der introvertierte Altphilologe Raimund Gregorius dessen Alltag aus Ritualen, Büchern und seiner Tätigkeit als Lehrer besteht. Ein zufälliges Treffen mit einer geheimnisvollen Frau auf dem Weg zur Schule und ein portugiesisches Buch voller existenzieller Gedanken, die er zufällig in einer Buchhandlung entdeckt, reißen ihn aus dieser Ordnung heraus und er begibt sich auf die Spuren des Autors ebendieses Buches, was ihn nach Lissabon führt. Die Handlung liest sich wie eine Reise durch Lissabon mit seinen Stationen, die einzeln für sich eine weitere neue Facette sowohl des Autos Prado als auch Gregorius‘ freilegen. Hierbei wechseln sich Passagen mit Schilderungen Nahestehender Prados über ebendiesen, Passagen seines Buches und innerer Empfindungen und Gedanken Gregorius‘ ab. Die stille und langsame Handlung lebt vor allem von der Atmosphäre, den inneren Bewegungen und den Begegnungen.
Bei den Protagonisten stehen sowohl Gregorius als auch Prado klar im Mittelpunkt. Besonders hervorzuheben ist die Entwicklung, die die beiden im Verlauf des Buches vollziehen. Aber auch relevante Nebenprotagonisten erleben eine nachvollziehbare und schöne Entwicklung, die der Geschichte eine zusätzliche Facette und Tiefe verleiht. Wer stille und tiefgründige Romane mit philosophischem Tiefgang und existenziellen Fragestellungen mag, wird hier fündig.
Der Schreibstil ist philosophisch, klar und teils anspruchsvoll, was gut zur Handlung passt.
Minuspunkte: Das bereits erwähnte langsame Handlungstempo war an einigen Stellen sehr zäh und der philosophische Einschlag war mancherorts ein wenig zu anspruchsvoll.
Insgesamt kann ich das Buch empfehlen. - Maja Lunde
Die Geschichte der Bienen
(1.080)Aktuelle Rezension von: ratherbehappythandignifiedEndlich habe ich mich an dieses so hochgelobte Buch herangetraut und hatte anfangs wirklich meine Schwierigkeiten damit.
"Die Geschichte der Bienen" wird in drei Erzählebenen näher gebracht. Wir erfahren von William, der in der Vergangenheit versucht, ein neuartiges Forschungsprojekt zu entwickeln.
In der Gegenwart folgen wir George bei seiner Imker-Tätigkeit. Dessen Sohn hat leider nicht den Ansporn, den Hof irgendwann zu übernehmen.
In der Zukunft treffen wir auf tao, die als Arbeiterin die Blüten von Hand bestäubt, denn Bienen gibt es schon lange nicht mehr.
Ich hatte keine Probleme in die Geschichte einzutauchen, doch ich hatte Probleme damit, mein Interesse aufrecht zu halten. Glücklicherweise hatte ich eine lange Zugfahrt vor mir, sodass ich einen Großteil der Geschichte in der Bahn lesen konnte. Ich wüsste nicht, wie sich mein Interesse ohne diese Rahmenbedingungen hinentwickelt hätte. Den Schreibstil fand ich super, das war es also nicht, aber die Geschichten waren nicht ergreifend genug und doch lag eine Schwere in den Seiten. Das Bienensterben allein ist schon tragisch, aber auch die menschlichen Geschichten hatten nie einen positiven Beigeschmack. Alles war dunkel, ohne dass es mich richtig bewegt hätte und das sollte es allerdings durchaus tun. Denn das Thema ist sehr wichtig.
Das Positive am Buch war, dass es mein Interesse an den Bienen geweckt hat. Ich vermute, dass geht Vielen beim Lesen so. Ich habe nebenher ein paar Dokus angesehen und werde mit Sicherheit mich noch mehr freuen, wenn ich nächsten Frühling/Sommer ein paar Bienen zu Gesicht bekomme.
Außerdem fand ich das Ende schön. Wie sich alle drei Geschichten und somit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verflochten haben. Nur war es bis dahin sehr zäh.
Ich weiß nicht, ob ich das Buch wirklich empfehlen könnte. Vielleicht gibt es bessere Romane über Bienen, geschadet hat es mir aber auch nicht. Nur hat mich das Buch nicht wirklich mitgerissen und meine Lesefreude hielt sich in Grenzen.
- Juli Zeh
Unterleuten
(677)Aktuelle Rezension von: LidenDatum : 07.11.2025
✨Handlung✨
Unterleuten ist ein kleines 200 Einwohner Dorf in der alten DDR. Nun sollen Windräder in dem Dorf errichtet werden - Konflikte entstehen und alte Reibereien werden hochgeholt. Ein Gesellschaftsroman über Moral und Egoismus.
✨Protagonisten✨
Es wird aus vielen, unterschiedlichen Sichten geschrieben - und jeder davon war kein riesengroßer Sympathieträger, dafür waren die Charaktere vielschichtig, verletzbar und vor allem eins: menschlich. Sie haben Fehler gemacht, haben sich mal mehr, mal weniger reflektiert und auch wenn man bei manchen Dingen dachte: Was stimmt nicht mit dir ?, so war es nie artifiziell sondern immer passend oder glaubwürdig. Ich musste so oft an Menschen aus meinem Umfeld denken und welche Gemeinsamkeiten sie mit den jeweiligen Protagonisten haben (mich selber eingeschlossen). Am meisten Mitleid hatte ich wohl mit Frederik Wachs und Elena Gombrowksi.
PS: Manfred Gortz (Linda Franzen ihre „Bibel“) ist ein rein fiktiver, satirischer Charakter genauso wie sein Buch „Dein Erfolg“. Keine Nachahmung bitte xD
✨Setting✨
Die Geschichte spielt sich in Brandenburg ab, Unterleuten, ein fiktives kleines Dorf mit alteingesessenen Einwohnern und frisch zugezogenen Personen. Meinungsverschiedenheiten sind vorprogrammiert und auch die Manier, wie diese geklärt werden.
✨Schreibstil✨
Die kurzen Kapitel der jeweiligen Protagonisten lässt einen durch das Buch fliegen. Jeder hatte auf seine Art und Weise irgendwie Recht gehabt und auch die Motive waren nachvollziehbar, wenn auch nicht moralisch korrekt. Die Sympathie zu den einzelnen Personen hat geschwankt und auch die Spannung um die jeweilige Geschichte.
✨Fazit✨
Das Soziogramm eines Dorfes. Hier ist nicht die Polizei die Judikative. Juli Zeh hat ein Werk geschrieben, welches mich nachdenklich zurücklässt, wie alle ihre Bücher. Ich freue mich, noch mehr Bücher von ihr zu lesen !
- Haruki Murakami
Kafka am Strand
(1.115)Aktuelle Rezension von: entspanntesLesenKafka Tamura verlässt Nakano und macht sich auf den Weg über die große Brücke. Er lässt zurück seinen Vater, mit Sack und Pack, hofft Abstand zu gewinnen und vielleicht seine Mutter und Schwester irgendwo da draußen zu finden. Währenddessen passieren in Nakano und rundherum surreale Dinge - mittendrin Nakata, ein Sechzigjähriger, der mit Katzen sprechen kann und anders denkt.
Meine Meinung:
Murakami erbaut Welten, die nebeneinander existieren. Ich kannte seinen Stil schon durch das zuletzt erschienene Buch "Die Stadt und ihre ungewisse Mauer".
Das Buch arbeitet tief mit Symbolik, erklärt nicht und lässt Zugang über die Gefühle des Lesers selbst.
Da Murakami zu fließend erzählt, entsteht dieser meditative Sog - ohne laut zu sein und Effekte zu provozieren.
Die Kapitel wechseln ab, es gibt 2 Wege und verschiedene Konstellationen, welche sich zum Teil spiegeln. Zu einem ist da der 15 jährige Kafka, Oshima als Leitfigur und Saeki, die Bibliotheksleiterin. Zum anderen Nakata auf seinem Weg mit Hoshino, um etwas zu tun, wofür es keine Zeit und keinen konkreten Rahmen gibt.
Der Roman war eine Wucht für mich und bewegte mich, weitere Murakami Romane auf meine Leseliste zu setzen.
Es kann bewegen, spiegeln, zeigen oder einfach eine Geschichte sein, die magisch anhaftet.
- Kathryn Stockett
Gute Geister
(704)Aktuelle Rezension von: HopeandliveWie befinden uns in Jackson, Mississippi im Jahr 1962 und werden mit hineingenommen in die Atmosphäre und die Stimmung, die dieses Land zu dieser Zeit geprägt hat. Da ist zum einen die junge Skeeter, eine schlacksige junge Frau, die sich nicht so ganz dem herrschenden Zeitgeist der damaligen Zeit unterordnen möchte, der besagt, dass junge Frauen doch nach dem College möglichst schnell heiraten und Kinder bekommen sollen. Skeeter träumt davon zu schreiben, sie möchte Autorin werden und nachdem sie unter Mühen ein Volontariat bei einer regionalen Zeitung ergattert hat und einen Buchvertrag mit einem Verlag in New York in Aussicht hat, beginnt sie heimlich eine Geschichte zu schreiben, die das Potential hat in der damaligen Zeit für ziemlich viel Unruhe zu sorgen.
Doch diese Geschichte kann Skeeter nicht alleine schreiben, es ist nämlich kein erfundener Roman, sondern eine teils bittere und traurige und auf der anderen Seite humorvolle Geschichte. Die wirklichen Autoren dieser Geschichte sind Aibileen und Minny und viele andere Frauen. Ihnen ist es nicht erlaubt ihre Geschichten zu veröffentlichen, denn das würde sie in wirkliche Lebensgefahr bringen, sie und ihre Familien, denn Aibileen und Minny sind farbige Frauen, die als Dienstmädchen für weiße Familien arbeiten, den Haushalt machen, jeden Tag kochen und putzen und ihre Kinder hüten. Jedes weiße Kind des gehobenen Mittelstandes ist zu dieser Zeit mit einer farbigen Nanny aufgewachsen. Die weißen Familien vertrauen den fleißigen farbigen Frauen ihre Kinder an, lassen sie von ihnen herzen und liebkosen, verbieten ihnen jedoch die gleiche Toilette wie sie selbst zu benutzen, das könnte ja gesundheitsschädlich sein. Das ist eine Episode von vielen, die einen mehr als den Kopf schütteln lässt während des Lesens.
Es entsteht zwischen diesen so unterschiedlichen Frauen erstmal eine Zweckgemeinschaft, Skeeter möchte eine wahre Geschichte über die Dienstmädchen schreiben, die in fast jedem Haus im Süden der USA arbeiten, sie sehnt sich nach ihrer alten Nanny Constantine, die einfach verschwunden ist und von deren Verbleib ihre Mutter nichts sagen möchte. Sie lernt das private Leben von Aibileen und Minny kennen und sie erkennt, dass es in ihrem Land zwei verschiedene Welten gibt, etwas mit dem sie aufgewachsen ist, dass sie jedoch mehr und mehr nicht mehr gutheißen kann. Aibileen hat ihr ganzes Leben die Kinder weißer Leute aufgezogen und denkt noch oft mit inneren Schmerzen und Traurigkeit an ihren Son Treelore und das Versprechen, dass sie ihm gegeben hat. Sie wird nicht müde den Kindern drei wichtige Sätze für ihr Leben mitzugeben, du bist lieb, du bist gescheit, du bist wichtig und vielleicht sagt sie es auch zu sich selbst. Minny hingegen gleicht einem rollenden Vulkan mit dem Herzen auf dem rechten Fleck und einer sehr großen Mundwerk, welches bei den weißen Damen, für die sie arbeitet nicht wirklich gut ankommt und so sieht sich Minny immer wieder herausgefordert eine neue Arbeitsstelle zu suchen. Auf dieser Suche begegnet sie Miss Celia, einer sehr jungen und blonden Lady, die irgendwie auch das Herz auf dem rechten Fleck hat, doch wird der Leser und die männlichen und weiblichen Protagonisten doch sehr von ihrem offenherzigen Anblick abgelenkt. Zwischen diesen beiden so verschiedenen Frauen, die nicht nur in der Hautfarbe begründet sind, entwickelt sich eine wirklich herzliche Beziehung, wie sie sich halt entwickelt, wenn ein Vulkan auf Naivität trifft und wenn eine Frau der anderen versucht das Kochen beizubringen. Somit nimmt die Geschichte ihren Lauf und das Buch wird veröffentlicht. Skeeter freut sich, Aibileen, Minny und die anderen Frauen sind in Angst, denn sie wissen, was auf sie zukommen könnte, doch Minny hat eine listige Rückversicherung in ihre Geschichte mit eingebaut und nun darf der Leser mehr als gespannt sein, wie es weitergeht....
Ich habe diese Geschichte geliebt zu lesen. Kathryn Stockett nimmt den Leser in verschiedenen Erzählperspektiven mit hinein in diese für farbige Menschen so gefährliche Zeit der Rassentrennung in der USA und wir erleben welche Revolution diese Geschichte verursacht hat. Mit teilweise lachendem, ich kann keine Schokolandentarte mehr anschauen ohne an Minny zu denken, und einem weinenden Auge, wenn diese vielen fürchterlichen Ungerechtigkeiten dieser Zeit erzählt werden. Auch für weiße Menschen, die nicht dem damaligen Narrativ entsprachen, war diese Zeit nicht einfach. Die persönliche Entwicklung der Protagonistinnen und auch die Flair dieser 60er Jahre sind einfach wunderbar beschrieben und ich bin auch von der Verfilmung sehr begeistert.
Absolut lesenswert!
- Jane Austen
Überredung
(492)Aktuelle Rezension von: Malte_HermannIch dachte, ich kenne Jane Austen. Stolz, Vorurteil, Witz und Wortgefechte. Doch dann kam Anne Elliot – und alles fühlte sich anders an. Still. Reifer. Tiefer. (Mehr über Jane Austen: https://love-books-review.com/de/rezensionen-nach-autor/jane-austen/)
Anne ist keine strahlende Heldin, die auf jedem Ball glänzt. Sie ist zurückhaltend, klug und trägt ihre Gefühle mit Würde – auch wenn sie weh tun. Acht Jahre zuvor hat sie ihre große Liebe aufgegeben: Captain Wentworth. Aus Pflichtgefühl. Aus Vernunft. Und jetzt steht er wieder vor ihr.
Was mich gepackt hat, war nicht nur die leise Spannung zwischen den beiden, sondern dieses stille Ringen in Anne selbst. Wie sie beobachtet, zuhört, hofft – ohne sich zu verlieren. Jane Austen zeigt hier nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern ein Porträt von innerer Stärke.
Die Sprache ist wie immer elegant, aber hier auch zärtlich und voller Melancholie. Ich habe oft Sätze zweimal gelesen, weil sie so viel Gefühl trugen – ganz ohne große Gesten.
Und dann kommt dieser Brief. Dieser eine Brief. So ehrlich, so schön, so auf den Punkt. Ich habe ihn mehrmals gelesen und jedes Mal Gänsehaut bekommen.
Anne Elliot ist ein Roman für alle, die an zweite Chancen glauben. Für alle, die wissen, dass wahre Gefühle manchmal Zeit brauchen – aber niemals verschwinden. Ein leises Meisterwerk mit großem Herzen.
- Maja Lunde
Die Geschichte des Wassers
(398)Aktuelle Rezension von: MayaBIch habe das Buch jetzt in zwei Tagen verschlungen, und einerseits fand ich es unglaublich spannend und bewegend und richtig gut, andererseits auch sehr deprimierend und hoffnungslos, und ich weiß gar nicht so recht, wohin mit diesen ganzen Gefühlen. Ich habe mit nichts anderem gerechnet, weil ich meine, dass Die Geschichte der Biene auch eher niederschmetternd ist (das habe ich nie in den Händen gehalten, aber Leute haben davon erzählt) und nach den ersten zwei Kapiteln habe ich erst recht nicht mehr mit einer "schönen" Geschichte gerechnet, aber das ganze hat mich noch mal viel mehr runtergezogen als so viele andere Bücher, und ich kann es gar nicht so richtig verstehen.
Aber vermutlich, weil die Geschichte so realistisch ist (nicht zwingend auf eine "das wird auf jeden Fall so eintreffen"-Art, sondern eher, dass es auf jeden Fall so kommen könnte). Es liest sich nicht wie eine fantasievolle Geschichte, oder irgendein Thriller, es liest sich nicht mal wie Blackout, das ja auch eher realistisch war, wo immer dieser kleine Hoffnungsschimmer war, dass am Ende alles noch gut werden kann. Es liest sich einfach nur sehr endgültig, und als wäre von Anfang an klar, dass es egal ist, was passiert, weil die Lage so aussichtslos ist, dass es dann doch keinen Unterschied macht.
Und das ganze mit in meinen Augen durchaus realistischen Figuren. Nicht zwingend Allerwelts-Leute, von denen es überall unglaublich viele gibt, aber eben solche, die es auch gibt, und so normalen Menschen dabei zuzusehen, wie sie in dieser Welt leben/zu überleben versuchen, war schon irgendwie ziemlich ... tragisch?
Was nicht heißt, dass das Buch komplett grauenhaft endet, oder dass alles nur immer schlechter wird, ich würde sogar behaupten, dass gewisse Hoffnungsschimmer auf jeden Fall vorhanden sind, nur für mich persönlich ist die Situation am Ende irgendwie doch nur die gleiche wie am Anfang, und ich habe einfach nicht das Gefühl, dass irgendwas einen Unterschied machen würde. Zumindest nicht 2041.
Fand ich die Figuren sympathisch? Nicht wirklich. Aber kamen sie mir mit ihren Fehlern und Ansichten und ihrem Handeln menschlich vor? Zu 100%. Und ich glaube, genau das trägt auch dazu bei, wie sehr mich das alles mitgenommen hat, einfach weil ich denke, das tatsächlich alle so gut gehandelt haben, wie sie konnten, und könnte ich es besser? Nein. Und würde es einen Unterschied machen? Auch nein.
Es gab im Buch auf jeden Fall einige Handlungsstränge oder Dinge, die ich persönlich nicht gebraucht hätte, und ich fand auch auf jeden Fall nicht alles super, was den Stil oder die Geschichte anging, aber die Geschichte im großen und ganzen, und wie laut sie auf ein Wasser-Problem aufmerksam macht, und wie egal es Menschen ist, was um sie herum in der Welt passiert: das hat mich wirklich sehr bewegt, und (vermutlich auch weil ich nicht so viel besser bin, auch wenn ich mir Gedanken mache) mitgenommen.
Entsprechend ein in meinen Augen ziemlich fantastisches Buch, aber trotzdem nicht die beste Lese-Erfahrung, egal wie sehr ich's mochte, weil ich glaube, für meine Psyche hätte ich es vermutlich nicht alles an zwei Tagen verschlingen sollen, das war doch sehr viel deprimierendes auf einmal. - Maja Lunde
Die Letzten ihrer Art
(185)Aktuelle Rezension von: ArtVandaleyIm dritten Teil ihres Klimaquartetts widmet sich Maja Lunde den Wildpferden und zieht in drei Erzählsträngen einen weiten Bogen über die Entdeckung und den Fang bis zu einer Zeit in der Zukunft im Jahr 2064 in der es um die Natur - man kann es erahnen - schlecht bestellt ist. Das gilt auch für die Pferde.
"Die Letzten ihrer Art" ist mit über 600 Seiten der längste Teil ihres Quartetts. Das gibt uns Gelegenheit, tief in die Charaktere einzutauchen, mit ihnen zu fiebern oder vor allem zu leiden. Dadurch das auch menschliche Schicksale dargestellt werden, wird deutlich, das auch Mensch und Tier sich am Ende doch ähnlicher sind, als mancher wahrhaben will. Das ist ein weiterer neben vielen anderen Gründen, die Natur zu respektieren und zu schützen.
- Chloe Benjamin
Die Unsterblichen
(233)Aktuelle Rezension von: PunktundKommaWas wäre, wenn du wüsstest, wann dein Leben endet? Genau damit beschäftigt sich dieser Roman – eine berührende Familiengeschichte über Schicksal, Entscheidungen und die Suche nach Kontrolle im Ungewissen.
Worum es geht:
New York im Sommer 1969. Um der Langeweile zu entgehen, auf der Suche nach einem Abenteuer, besuchen vier Geschwister – Varya, Daniel, Klara und Simon – eine geheimnisvolle Wahrsagerin, die angeblich das genaue Todesdatum eines Menschen vorhersagen kann. Einzeln und der Verschwiegenheit verpflichtet, betreten sie die Räume der seltsamen Frau. Hinterher ist plötzlich alles anders. Diese Begegnung hinterlässt bei jedem Einzelnen einen tiefen Eindruck und bleibt nicht ohne Folgen, denn dieses Erlebnis beeinflusst jede ihrer Lebensentscheidungen auf dramatische Weise.
So entfaltet der Roman sich über mehrere Jahrzehnte hinweg und bespielt die zentrale Frage: Wie verändert sich das Leben, wenn man glaubt zu wissen, wann es enden wird?Zum Buch:
Chloe Benjamin überzeugt mit starken Figuren, tiefgründigen Fragen und einer ruhigen, eindringlichen Erzählweise, die noch lange nachhallt.
Der Aufbau Benjamins Roman »Die Unsterblichen« ist so gestaltet, dass jedem Geschwisterkind ein eigener Abschnitt gewidmet ist. Beginnend bei Simon, dem jüngsten Kind der Familie. Die Autorin überzeugt besonders durch ihre feinfühlige und glaubwürdige Figurenzeichnung. Jedes der vier Geschwister wird mit großer psychologischer Tiefe und individueller Stimme dargestellt – ihre Ängste, Hoffnungen und Widersprüche wirken authentisch und greifbar.
Ein starkes Buch, das zum Nachdenken anregt, aber durch seine ruhige Erzählweise dennoch die Distanz zum Lesenden bewahrt.
Perfekt für alle, die Geschichten lieben, die zum Nachdenken anregen und dabei emotional berühren. Denn in dem Roman wird keine heitere Familiengeschichte erzählt. Vielmehr schildert die Autorin in ihrem Buch eindringlich und berührend das Spannungsfeld zwischen freiem Willen und Vorhersehung – eingebettet in eine Familiengeschichte voller Verlust, Bindung und der tiefen Sehnsucht, das eigene Schicksal lenken zu können.Keine leichte Kost, aber für mich ein starkes Buch, das man nur schwer aus der Hand legen kann.
Mehr dazu hier: https://www.buchleserin.de/2025/08/07/die-unsterblichen/
- Sue Monk Kidd
Die Erfindung der Flügel
(298)Aktuelle Rezension von: PondofwordsDie Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Handful und aus der Sicht von Sarah erzählt und man begleitet deren Leben für mehrere Jahrzehnte. Ich fand es unglaublich spannend zu sehen, wie sich beide zu starken Frauen entwickeln, die trotz ihrer unterschiedlichen Situationen versuchen sich von den Zwängen ihrer Zeit zu befreien.
Was ich auch sehr toll fand war, dass Sarah nicht als die weiße Heldin dargestellt wurde die Handful rettet. Beide Frauen sind alleine stark und stehen für sich ein.
Beeindruckend fand ich auch, dass der Roman auf der Geschichte der Grimké Schwestern beruht, die die ersten Pionierinnen der Bewegung gegen die Sklaverei waren.
Alles in allem kann ich das Buch nur jedem ans Herz legen. Es ist spannend geschrieben und trotz des doch eher schweren Themas und manchen Szenen leicht zu lesen und an vielen Stellen auch unterhaltsam. Ich bin nur so über die Seiten geflogen und für mich gehört es zu meinen Jahreshighlights! 😊
- Melanie Raabe
Die Wälder
(275)Aktuelle Rezension von: Alison_Sauer"Die Wälder" ist ein atmosphärischer Thriller, der weniger durch Action als durch emotionale Tiefe und psychologische Spannung überzeugt.
Der Roman punktet meiner Meinung nach mit seiner düsteren Stimmung und regt zum nachdenken an.
Wer stille Abgründe, intensive Figurenzeichnungen und literarisch ambitionierte Thriller schätzt, wird hier fündig.
- Ferdinand von Schirach
Die Würde ist antastbar
(163)Aktuelle Rezension von: palzbuecher24"Das schulden wir den Mördern. Und wir schulden uns es selbst" - nur ein knapper Einblick in das Themenspektrum, das Schirach uns in diesem Erzählband präsentiert. Er beleuchtet, wie so oft, allerlei Themenbereiche mit faszinierender Präzision und zeigt die realen Brüche im Bild der unantastbaren Menschenwürde. Seine Essays handeln unter anderem von Politik, Gerichten, Büchern, Toleranz, Folter und der Pressemacht - stets mit lehrhaften und weisen Worten verfasst. Schirach spricht über die Grenzen unseres Systems, wird dabei persönlich und spricht Themen an, die unmittelbar unseren Alltag betreffen. Die Geschichten versprechen eine Menge Stoff zum Philosophieren und konfrontieren uns mit den großen und kleinen Fragen des Lebens: Wie weit darf der Staat gehen? Wo endet Toleranz? Und woran messen wir Schuld? - 13 absolut lesenswerte Geschichten von Schirach!
- Ragnar Jónasson
DUNKEL
(458)Aktuelle Rezension von: Nicola89Eine junge Frau suchte Sicherheit, doch was sie fand, war der Tod…
Hulda Hermannsdóttir, Kommissarin bei der Polizei Reykjavík, soll frühzeitig in Ruhestand gehen, um Platz für einen jüngeren Kollegen zu machen. Sie darf sich einen letzten Fall, einen cold case , aussuchen – und sie weiß sofort, für welchen sie sich entscheidet. Der Tod einer jungen Frau wirft während der Ermittlungen düstere Rätsel auf, und die Zeit, um endlich die Wahrheit ans Licht zu bringen, rennt. Eine Wahrheit, für die Hulda ihr eigenes Leben riskiert …"Dunkel" ist der erste Teil dieser Reihe und hat mich von Beginn an gefesselt, sodass ich nur so durch die Seiten geflogen bin.
Die Protagonistin Hulda hat als einzige Frau in ihrer Dienststelle mit dem Patriachat zu kämpfen und scheint auch bei so mancher Beförderungsmöglichkeit übergangen worden zu sein. Gleich zu Beginn der Geschichte wird man Teil eines von ihr geführten Verhörs und ihre dabei getroffene Entscheidung lässt sie einerseits empathisch wirken, andererseits ist dieser Weg absolut falsch. Trotz so vieler Jahre Berufserfahrung wirkt sie im Verlauf der Ermittlungen manchmal doch etwas leichtgläubig.
Das Buch wurde in drei Teile gegliedert: erster Tag, zweiter Tag und letzter Tag. Im mittleren Teil bekommt man mehr und mehr Einblick in Huldas bisheriges Leben, was für den Ausgang der Geschichte durchaus relevant ist. Zudem bekommt man Einblick in die Geschichte einer weiteren Person, die mit dem Fall in Verbindung steht. Hier möchte ich aber nicht spoilern und gehe deshalb nicht weiter darauf ein.
Das Ende war absolut unerwartet, aber irgendwie auch sehr passend und konsequent.
Wie ich aus den Klappentexten der Folgebände entnehmen konnte, scheint Huldas Leben bzw. ihre Karriere rückwärts erzählt zu werden und endet quasi mit ihrem ersten Fall. Diese Erzählweise ist mal etwas ganz anderes und macht mich sehr neugierig.
- Melanie Raabe
Die Falle
(656)Aktuelle Rezension von: lucatrkis„Die Falle“ hatte schon sehr lange auf meiner Leseliste gestanden, ehe ich nun zu dem Buch griff. Wie erwartet, war der Erzählstil eher ein wenig dehnend und recht gedankenbetont, obgleich es der Geschichte dennoch gelang, mich zu fesseln. Zeitweise flog ich sogar durch die „Seiten“ (ich habe den Roman als E-Book gelesen, weswegen es natürlich keine echten Seiten gab), was unter anderem mit Lindas sympathischer und doch mysteriöser Art zusammenhing.
Störend fand ich hingegen, dass regelmäßig Kapitel aus ihrem „Thriller“ (laut Lindas Verleger Norbert eine als Thriller verkleidete Liebesgeschichte) über den Mord ihrer Schwester Anna in den Plot eingewoben wurden. Zwar war dies eine innovative Art, Vergangenes zu berichten, doch hätten einige Stellen ohne Probleme weggelassen werden können, zumal die Schrift im fiktiven Roman deutlich kleiner war als im normalen Erzähltext.
Zu dem Interview – der im Klappentext und Titel versprochenen Falle – mit dem Journalisten sowie vermeintlichen Mörder Victor Lenzen kam es erfreulicherweise bereits im ersten Drittel, und trotz der Tatsache, dass sich Linda und er dabei einige Male im Kreis drehten, wurde es aufgrund des raschen Dialogwechsels nicht langweilig.
Kurz vor dem Schluss versuchte Melanie Raabe noch eine falsche Fährte zu legen (SPOILER), indem sich Linda unter Drogeneinfluss daran zu erinnern meinte, ihre Schwester Anna selbst ermordet zu haben (SPOILER ENDE), das wurde aber sehr schnell als solche aufgeklärt und abgekauft hatte ich ihr das auch nicht wirklich. Überraschend war die Auflösung somit kaum, gerade weil sie so offensichtlich war, hatte ich vorher jedoch nicht daran glauben mögen (SPOILER), dass Lenzen tatsächlich der Mörder war.
Nur nebenbei erwähnt, war mir der Gärtner, der Lenzens Schauspiel während des Interviews durch Pfeifen des für Linda so traumatischen Beatles-Songs aufdecken konnte, extrem sympathisch, weshalb ich gern mehr von ihm gelesen hätte – Gleiches galt für Charlotte.
Nach Lenzens vorher so gerissenen Art enttäuschte es mich, dass er am Ende alles matt und unter Tränen gestand, wenngleich der obligatorische Versuch, die Zeugin (Linda) umzubringen, dann doch nicht fehlen durfte. (SPOILER ENDE) Hier hätte ich mir ein spannenderes Finale erhofft.
Fazit: „Die Falle“ ist wahrlich nichts Besonderes, kann als Thriller aber durchaus für ein wenig Unterhaltung sorgen. Das Buch bediente sich vieler klassischer Elemente eines Spannungsromans, setzte diese meiner Ansicht nach indes nicht immer besonders gut um.
- Yrsa Sigurdardottir
DNA
(357)Aktuelle Rezension von: Mia80„DNA“ ist der erste Fall der Krimireihe um Kommissar Huldar und die Kinderpsychologin Freya. Schon im Prolog hatte Yrsa Sigurdardottir meine volle Aufmerksamkeit, denn eine Frau wird auf eine äußerst brutale Art mit einem Staubsauger ermordet. Das Szenario hat mich völlig schockiert, weil die Mordmethode jede Vorstellungskraft übersteigt. Auch die weiteren Todesfälle, zu denen es im Verlauf des Thrillers kommt, befinden sich auf einem ähnlich heftigen Niveau. Trotz der Brutalität ist „DNA“ grundsätzlich kein reißerischer Krimi. Abseits von den Mordfällen wird keine graphische Gewalt dargestellt, stattdessen wird die Ermittlungsarbeit der Polizei detailliert beschrieben. Der Fall ist eine harte Nuss. Als Leser hat man durch den Prolog eine Ahnung, was Ursache für die Verbrechen ist, aber wie genau alles zusammenhängt, hat sich erst auf den letzten Seiten entfaltet.
Ich fand den Thriller außerordentlich spannend mit einem originellen Plot. Die Idee, dass ein Amateurfunker geheime Botschaften erhält, fand ich sehr gelungen. Dadurch, dass eine wichtige Zeugin ein Kind ist, gewinnt die Geschichte zusätzlich an Emotionalität. Die Auflösung und die Enthüllung der menschlichen Fehlentscheidungen, die zu all dem geführt haben, sind erschütternd.
Das war ein sehr lesenswerter Thriller! - Bernhard Aichner
Bösland
(292)Aktuelle Rezension von: Janika_CyrillaBösland hat mich absolut überzeugt. Der Schreibstil ist angenehm schlicht, was das Lesen sehr flüssig macht – aber inhaltlich steckt eine Menge drin. Die Geschichte ist spannend, die Themen sind gut recherchiert und mit Tiefe umgesetzt, ohne überladen zu wirken.
Besonders beeindruckt hat mich der Plot-Twist, der wirklich stark und überraschend kam – genau so, wie man es sich von einem guten Thriller wünscht. Aichner versteht es einfach, Spannung aufzubauen und dabei immer wieder unerwartete Wendungen einzubauen, die einen nicht loslassen.
Für mich war Bösland ein weiteres Beispiel dafür, warum es immer wieder eine Freude ist, Bücher von Aichner zu lesen. Packend, clever und atmosphärisch – sehr empfehlenswert!
- Elizabeth Strout
Mit Blick aufs Meer
(204)Aktuelle Rezension von: Kathi_MoEin stilles Meisterwerk! Elizabeth Strout erzählt mit feinfühliger Tiefe vom menschlichen Miteinander, voller leiser Emotionen und kluger Beobachtungen. „Mit Blick aufs Meer“ berührt ohne Pathos! ein Buch, das lange nachhallt und zum Innehalten einlädt.
Die Figuren wirken so echt, dass man das Gefühl hat, ihnen im echten Leben begegnet zu sein. Ein wunderbares Buch für alle, die das Zwischenmenschliche lieben.
- Leïla Slimani
Dann schlaf auch du
(336)Aktuelle Rezension von: HerbstroseAls die Mutter nach Hause kommt, sind ihre beiden Kinder tot und die Nanny liegt schwer verletzt im Koma. Was war geschehen, wie konnte es zu dieser Tragödie kommen? --- Um wieder in ihrem Beruf als Juristin arbeiten zu können, beschließen Myriam und Paul für ihre beiden kleinen Kinder eine Nanny einzustellen. Louise erweist sich dabei als vermeintlicher Glücksfall. Liebevoll versorgt sie die beiden Kleinen, kocht für die Familie und hält auch ganz nebenbei noch den Haushalt in Schuss. Bald ist sie unentbehrlich, kommt immer früher und geht abends später, so dass Myriam bedenkenlos ihre Karriere vorantreiben kann. Sie behandeln Louise als willkommenes Familienmitglied, kümmern sich aber nicht um ihr Privatleben, um ihre Einsamkeit, ihre finanzielle Notlage und ihre heimlichen Sorgen --- bis es zur Tragödie kommt.
Leila Slimani, geb. 1981 in Rabat/Marokko, ist eine französische Schriftstellerin und Journalistin mit marokkanischen Wurzeln. „Dann schlaf auch du“, 2019 Luchterhand, („Chanson douce“ 2016 Éditions Gallimard) ist ihr zweiter Roman, für den sie den 2016 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet wurde. 2021 zog die Autorin mit ihrer Familie nach Lissabon, um dort in Ruhe an ihrer Romantrilogie „Das Land der Anderen“ zu arbeiten. Im Jahr 2025 wurde sie beim 78. Filmfestival von Cannes als Jurymitglied ausgewählt.
Weil der Roman mit dem Ende beginnt, ahnen wir bereits, wer die beiden Kinder ermordet hat. Das erzeugt hohe Spannung weil man wissen will, wie es dazu kommen konnte. In flüssigem Schreibstil und in eher nüchternen Worten, ohne psychologische Ausschweifungen, lässt die Autorin chronologisch die Ereignisse Revue passieren. Die Perspektive wechselt stetig zwischen den Eltern, der Nanny und einigen Nebenfiguren. Dabei kommen auch etliche gesellschaftskritische Themen zur Sprache, z.B. wie sich Beruf und Kinderbetreuung vereinbaren lassen und ob es gerechtfertigt ist, einer Angestellten so zu vertrauen und sie als Familienmitglied zu behandeln. Karrierestreben und Klassenunterschiede sind weitere, für das Geschehen relevante, Motive.
Fazit: Kein klassischer Krimi sondern eher eine Analyse, wie es zu der Tragödie kommen konnte. Meine Empfehlung!
- Melanie Raabe
DIE WAHRHEIT
(420)Aktuelle Rezension von: KarenAydinWorum geht es?
Philipp Petersen verschwindet auf einer Geschäftsreise in Südamerika spurlos. Nach sieben Jahren erhält seine Frau Sarah eine Nachricht. Philipp ist am Leben und auf dem Weg nach Hamburg. Mit ihrem gemeinsamen Sohn Leon wartet sie am Flughafen auf die Rückkehr des Ehemanns und Vaters. Doch der Mann ist ein Fremder. Wer ist er? Und warum reagieren alle so, als wäre es Philipp? Sie gehen nach Hause und die Situation wird immer bedrohlicher.
Kritik
Die Ausgangssituation ist spannend. Was würde man in einem solchen Fall machen? Zur Polizei gehen? Was soll die tun? Was, wenn es keine gemeinsamen Freunde gibt, die man sieben Jahre zuvor hatte? Wer kann einem helfen?
Trotz dieser sehr guten Idee hat mir dieser Roman bislang am wenigsten gefallen. Dies liegt zum einen an dem Stil, den ich als etwas anders empfunden habe als in den anderen Romanen von Raabe, die ich bislang gelesen habe. In der Werbung stand „atemlose Spannung“. Atemlos war für mich die Prosa. Knappe, kurze Sätze, viele Ellipsen, was einen stakkatoartigen Effekt erzielt. Das kann man machen, in den Situationen, in denen es dramatisch wird und die Ich-Erzählerin die Kontrolle über die Situation verliert. Hier war es mir eindeutig zuviel und ich hatte manchmal eher das Gefühl, dass die Autorin die Kontrolle über die Erzählung verloren hat, sich zu sehr hat von dem Verlangen tragen lassen, hübsche und ungewöhnliche Sprachbilder zu erzielen. Viele Sätze hintereinander, die gleich beginnen und gleich aufgebaut sind, die ein bisschen an meinen Nerven gezerrt haben, Bilder und Überlegungen, die für mich nicht so gut funktioniert haben.
„ob es das gibt, die Liebe? Ich frage mich, wo sie hingeht, wenn wir aufhören zu lieben, verpufft sie in der Kälte des Weltalls, sickert sie in unsere Zellen und verändert unser Erbgut?“
Auch ist die Auflösung für mich eher unbefriedigend gewesen, das ist aber nun sehr subjektiv, grundsätzlich ist schon alles sehr stimmig und von Beginn an vorbereitet.
Die beiden zentralen Charaktere, Sarah und der Fremde sind befremdlich, aber schon ungewöhnlich und stimmig gezeichnet. Sie neigt zu impulsiven, unüberlegten Aktionen, die überhaupt keinen Sinn machen, aber so ist das nunmal, man macht halt immer mal etwas, was blödsinnig ist; er ist seltsam, ein bisschen grausam und sein Verhalten ist erst logisch nachvollziehbar, wenn man bis zum Ende durchgehalten hat.
Also, alles in allem ist es schon ein solider Psychothriller, der nicht langweilig ist, für mich aber kein Vergleich zu „Schatten“ oder „Falle“.
- Franzobel
Das Floß der Medusa
(96)Aktuelle Rezension von: Eva_ReichmannIch hatte einen "historischen Roman" befürchtet - aber das war es nicht: bekommen habe ich etwas, das ich sprachliches Kunstwerk nennen möchte, und zwar deshalb, weil es Franzobel durch seine Art der Beschreibung gelingt, dass ich den Hafen von Rochefort (und das ländliche Frankreich) und die Kombüse und die engen Quartiere au dem Schiff förmlich riechen kann. Das gelingt ihm, obwohl der Erzählton durchaus etwas Ironisches hat.
Riechen und Spüren konnte ich auch die letzten Tage auf dem Floss - mit allen Schrecklichkeiten. Ja, das Buch ist grauslich - genauso wie die reale Situation, um die es geht. Die Vorgeschichte, wie es dazu kam (ein Versagen vieler Menschen auf vielen Ebenen) ist grotesk und ebenso brilliant erzählt.
Ein Buch, dass ich mit Sicherheit irgendwann wieder lesen werde!
- Salih Jamal
Das perfekte Grau
(75)Aktuelle Rezension von: ErikHuyoffIn der letzten Zeit habe ich auch "Das perfekte Grau" von Salih Jamal gelesen. Der Roman ist der Gegenwartsliteratur zuzuordnen und in der mir vorliegenden Ausgabe 2024 im btb Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen, zuvor wurde das Buch bereits 2021 unter gleichem Titel im Septime Verlag veröffentlicht. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.
Eine junge Frau, eine ältere Dame, ein afrikanischer Flüchtling und ein Tagedieb treffen in einem heruntergekommenen Hotel an der Ostsee aufeinander. Sie sind wie das Hotel renovierungsbedürftig und versuchen ihre Risse zu kaschieren. Und alle sind sie auf die eine oder andere Weise auf der Flucht, vor den inneren Dämonen oder der Polizei. Als sie sich tatsächlich gemeinsam auf eine Reise ins Ungewisse begeben, offenbaren sich ihre Geheimnisse. Aus dem gegenseitigen Mitgefühl entsteht Fürsorge und letztendlich Freundschaft.
"Das perfekte Grau" stand 2021 auf der Hotlist der besten Neuerscheinungen der unabhängigen Verlage. Dabei lässt sich der Roman eher schwierig einem Genre zuordnen, ist er doch - wie auch auf dem (neuen) Cover beworben - ein literarisches Road Movie. Gleichermaßen ist er irgendwie aber auch, trotz des fortgeschrittenen Alters, Coming of Age, ist Entwicklungs- und Schicksalsroman. Zusammenfassend würde ich das Buch daher der Gegenwartsliteratur zuschlagen, eine Eingruppierung, die sich auch auf Verkaufsportalen finden lässt.
Die Handlung ist durchaus spannend und komplex, verknüpft der Roman doch vier verschiedene, schwierige Schicksale miteinander. Allerdings kommt der Roman hier nur sehr langsam ins Rollen, ein leicht späterer Start hätte hier sicherlich gut getan. Und auch das Ende vermag nicht zu überzeugen, endet der Roman doch völlig offen und schließt keine Handlungsstränge ab, sieht man mal - mit Wohlwollen - von Mimis ab. Erzählt wird der Roman aus der Ich-Perspektive von Dante, was durchaus gelungen ist - auch wenn ich mir manchmal gewünscht hätte, auch in Novelles Kopf schauen zu können, um eine noch innigere Bindung zur stärksten Figur des Romans herstellen zu können.
Das Setting überzeugt im Wesentlichen. So nimmt der Autor die Leser:innen mit auf einen Roadtrip von der Küste bis hin nach Österreich, über Erdbeerfelder, durch Seen und Sümpfe - mit Zwischen- und Endstopps in Berlin und Altötting. Und auch wenn es Salih Jamal hier gelingt, durchaus wichtige gesellschaftliche Themen anzusprechen - egal ob Flucht, Arbeitsausbeutung in der Saisonarbeit oder die Verdrängung kleinerer landwirtschaftlicher Betriebe -, fehlt es schlussendlich jedoch an einem moralischen Kompass, an einem Korrektiv, zieht das Protagonist:innenquartett doch einem Verbrechersyndikat ähnlich durch die Lande, nur um Straftat nach Straftat zu begehen - die allesamt ungesühnt bleiben.
Die einzelnen Figuren sind dabei im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive, sind sie alle doch mit einer Hintergrundgeschichte versehen, die jeweils so problematisch ist, dass dies den Roman sogar - bei dessen Kürze - überfrachtet. Am stärksten begeistert hier noch Novelle. Salih Jamals Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und - nach kurzen Startschwierigkeiten am Anfang - das Kopfkino dann auch anlaufen.
Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind durchaus Kleinigkeiten durchgerutscht, die das Lesevergnügen aber nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist einfach aber fehlerfrei - auch wenn man auf die Kapitelüberschriften hätte verzichten können, die meistens aber spoilerfrei bleiben. Das Covermotiv ist unauffällig und beliebig und wird leider zum Buchrücken hin unterbrochen, der ganze Buchumschlag ist hierbei kein Eyecatcher, allerdings dennoch eine Verbesserung zum Cover der Erstveröffentlichung.
Mein Fazit? "Das perfekte Grau" ist ein durchaus spannendes, literarisches Roadmovie, das leider jedoch viel zu offen endet und dem etwas die moralische Einordnung fehlt. Für Leser:innen des Genres, die offene Enden tolerieren, dennoch zu empfehlen - ab einem Lesealter von 16 Jahren.
- Ragnar Jónasson
NEBEL
(155)Aktuelle Rezension von: LacunaFairyIch finde das Cover passt perfekt zu den anderen Bänden der Hulda Reihe. Der Titel ist auch sehr gut zum Inhalt ausgewählt. Er passt zum Wetter in dem Buch, aber auch zum Zustand/Gefühlslage mancher Personen im Buch.
Der Schreibstil hat mir wieder sehr gefallen. Meiner Meinung nach hat sich die Geschichte an vielen Stellen sehr gezogen, die Handlung plätscherte nur so vor sich hin. Aber trotzdem versteht der Autor es die Leser in den Bann zu ziehen. Man möchte unbedingt wissen was passiert und deswegen konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Auch die Natur Islands wird wieder toll beschrieben. Der ganze Schnee, kein Strom (gefangen im eingeschneiten Bauernhaus) konnte mir alles bildlich vorstellen. Somit passte die Stimmung zu dem Krimi. Die Kälte und Dunkelheit hat der Autor gut transportiert.
In diesem Buch erfährt man was mit der Tochter von der Kommissarin Hulda passiert ist. Es ist sehr traurig und erschreckend. Doch leider erfährt man nicht das "wieso, weshalb, warum". Das hat mich etwas gestört. Ich habe noch den Band "Dunkel" vor mir und hoffe dann endlich zu erfahren, was genau mit ihrer Tochter passiert ist.
Gleichzeitig macht sich Hulda auf dem Weg zu einem alten Bauernhofhaus zu einem kleinen abgelegenen Dorf, wo was Schlimmes passiert ist. Sie versucht den Fall zu lösen, obwohl es sich in ihrem Kopf oft wie Nebel anfühlt. Und sie immer an das Ereignis mit ihrer Tochter denken muss.
Es gibt wieder verschiedene Erzählstränge/ Gedanken und Kapitel von verschiedenen Charakteren. Das gefällt mir ganz gut. Manchmal wird etwas aus der Vergangenheit und dann aus der Gegenwart beschrieben. Das ist vielleicht nicht für Jeden etwas, für mich war es okay. In jedem Buch erfährt man mehr aus Huldas Vergangenheit und warum sie als "einsamste Kommissarin Islands" betitelt wird.
Es gibt verschiedene Morde, es scheint als gäbe es eine Verbindung. Bis kurz vor Schluss, wusste man nicht wie die Verbindung zueinander ist. Ich war überrascht und froh, dass es eine Auflösung gab. Ich habe noch einen Band vor mir und freue mich darauf. Die Bücher haben mir bisher alle spannende Lesestunden beschert.
- Terézia Mora
Die Liebe unter Aliens
(19)Aktuelle Rezension von: BlacksallyMeine Meinung:
Kurzgeschichten mag ich an sich sehr gerne. Bei Bänden mit Kurzgeschichten hat man meistens ein paar die man sehr gut findet und auch 1-2 die man nicht so mag.
Hier ging es mir etwas anders.
Leider bin ich mit dem Schreibstil der Autorin nicht wirklich warm geworden. Mir hat etwas gefehlt, und das waren nicht nur die Striche, wenn jemand etwas sagt.
Die Gefühle usw. sind gut rüber gekommen, wir haben hier insgesamt 11 Kurzgeschichten, die alle etwas melancholisch waren und zum Nachdenken anregen. Jedoch bin ich mit den meisten nicht wirklich warm geworden.
Ich hatte bei keiner der Geschichten das Gefühl das es einen richtigen Abschluss gab. Was sehr schade war.
Dennoch könnte ich mir vorstellen das der Schreibstil an sich, einigen Personen gefallen könnte. Für mich war dieses Buch leider nichts.
- Sue Monk Kidd
Die Bienenhüterin
(304)Aktuelle Rezension von: Daisys_bookcorner5/5 🌟 Weiter geht’s auf der Rory Gilmore Liste mit "Die Bienenhüterin". 🐝
Im Mittelpunkt steht Lilly, die aus Versehen ihre Mutter getötet hat. Ihr grausamer Vater macht ihr das Leben schwer. 😔 Nach dem Tod ihrer Mutter wird ein afroamerikanisches Kindermädchen eingestellt, das bereits auf der Pfirsichfarm des Vaters arbeitet. 🍑
In den 60ern, zur Zeit der Bürgerrechtsbewegung, fliehen Lilly und ihr Kindermädchen und finden Zuflucht bei drei weiteren schwarzen Frauen. Dort erfährt Lilly immer mehr über die Vergangenheit ihrer Mutter. 💔
Das Buch hat mich sehr berührt, und obwohl der Film deutlich schöner dargestellt ist als das Buch, ist er absolut sehenswert. 🎬 Taschentücher bereithalten – ich habe nur geheult! 😭 Nichts für schwache Nerven!
Xoxo Daisy 🌼























