Bücher mit dem Tag "buchhändler"
50 Bücher
- Carlos Ruiz Zafón
Der Schatten des Windes
(5.836)Aktuelle Rezension von: Christian_FisDer Roman beginnt äusserst vielversprechend. Dem Leser eröffnet sich die Komplexität der beiden fein miteinander verwobenen Handlungsebenen: die Geschichte von Daniel Sempere und jene von Julián Carax, dem Schriftsteller, dessen Bücher auf mysteriöse Weise verschwinden und offenbar von einer Figur aus seinen eigenen Romanen verbrannt werden.
Dies mag zu Beginn etwas verwirrend sein. Ein Personenverzeichnis hilft dabei, die zahlreichen Figuren auseinanderzuhalten, insbesondere, weil die beiden Handlungsebenen und ihre Figuren im Verlauf der Geschichte zunehmend miteinander verschmelzen.
Leider greift Zafón im «Bericht über Erscheinungen» von Nuria Monfort zu einem recht plumpen Stilmittel. Er verlässt die Perspektive des Ich-Erzählers Daniel und erklärt darin das Geheimnis beinahe vollständig. Damit geht viel von der zuvor so wirkungsvoll aufgebauten mystischen und unterschwelligen Spannung verloren.
Der Schluss wirkt schliesslich geradezu hollywoodesk und überladen. Schade – hier hat Zafón meines Erachtens eine Chance vergeben, einen wirklich grossen Roman zu schreiben. Dennoch habe ich den Roman sehr gerne gelesen. Seine dichte Atmosphäre, die starken Figuren und der gelungene Einstieg machen ihn trotz dieser Schwächen zu einer lohnenden Lektüre.
- Carlos Ruiz Zafón
Das Spiel des Engels
(1.415)Aktuelle Rezension von: Christian_FisIm zweiten Teil des Zyklus «Der Friedhof der Vergessenen Bücher» erzählt David Martín seine Lebensgeschichte. Die Handlung spielt zwischen 1917 und 1930 und damit eine Generation vor «Der Schatten des Windes». Erneut bildet das düstere, geheimnisvolle Barcelona die atmosphärisch dichte Kulisse.
Zafón erzählt konsequent aus der Perspektive David Martíns; eines alles andere als zuverlässigen Ich-Erzählers. David leidet an einem Gehirntumor. Realität, Wahn und möglicherweise Übernatürliches verschwimmen zunehmend. So bleibt trotz zahlreicher überraschender Wendungen stets die Frage: Was ist tatsächlich geschehen und was existiert nur in Davids Wahrnehmung?
Darin liegt für mich die grosse Stärke des Romans. Gerade weil Zafón auf eine eindeutige Trennung zwischen Realität und Einbildung verzichtet, behält das Werk bis zum Schluss seine rätselhafte Logik. Widersprüche und Mehrdeutigkeiten bleiben bestehen. Das mag manchen Leser stören, verleiht dem Roman aber eine faszinierende Tiefe und Vielschichtigkeit.
Gerade im Vergleich zu «Der Schatten des Windes» zeigt sich hier eine erzählerische Weiterentwicklung. Während dort der späte Bericht von Nuria Monfort die offenen Fragen für meinen Geschmack durch einen abrupten Perspektivenwechsel eher plump ausräumte, verzichtet Zafón diesmal auf eine solche vollständige, erzwungene Auflösung.
Bei alledem ist «Das Spiel des Engels» ein echter Pageturner. Der Roman entwickelt einen enormen Sog, liest sich leicht und hat kaum Längen. Zafóns Sprache ist erneut atmosphärisch dicht. Bemerkenswert ist die dramaturgische Dynamik: Das Buch besitzt zur Mitte hin einen regelrechten Kipppunkt. Es bricht radikal mit dem anfänglichen historischen Erzählton und wandelt sich überraschend in einen surrealen Mystery-Thriller. Ich mag diesen harten «From Dusk Till Dawn»-Moment sehr.
Eine klare Leseempfehlung – vorausgesetzt, man kann sich auf einen unzuverlässigen Erzähler und eine Geschichte einlassen, die nicht auf jede Frage eine eindeutige Antwort gibt.
- Mariana Leky
Was man von hier aus sehen kann
(992)Aktuelle Rezension von: ArtVandaleyZunächst hatte ich gedacht, es handele sich um eine Art Dorfchronik und ein Portrait diverse liebenswerter Charaktere. Wirklich relevant wurde das Buch dann, als den Portraitierten eine Reihe von Schicksalsschlägen erteilt, die alle auf eine harte Probe stellen. Mariana Leky schreibt in ihrer typischen Art und lässt uns daran teilhaben, wie ihre Charaktere die Herausforderungen des Lebens meistern. Dies ist mein zweites Leky-Buch nach "Erste Hilfe" und ich finde, es ist wesentlich besser gelungen.
- Carsten Henn
Der Buchspazierer
(650)Aktuelle Rezension von: Fantasie-FeeIch wußte nicht was mich erwartet, aber dieses Kinderbuch ab 9 Jahren ist sehr schön geschrieben.
Die Geschichte hat Höhen und Tiefen und bringt die Kids zum nachdenken und auch zum schmunzeln.
Schascha ein kleines Mädchen das sich mit einem älteren Mann ,den Buchspazierer, jeden Tag trifft um Bücher auszutragen.
Es ist schön zu lesen was Sie erleben und wie eine echte Freundschaft beginnt.
Es wird aber auch gezeigt dass das Leben nicht nur lustig ist und auch mal etwas passieren kann.
Und wie wichtig es ist Menschen zu helfen und für Sie da zu sein.
Ich fand die Geschichte so schön und konnte Schascha so richtig vor mir sehen.
Bin wirklich begeistert und kann das Buch nur weiter empfehlen.
Auch die Bilder sind wunderbar zum bestaunen und man lernt die Figuren in diesem Buch kennen.
Das Cover ist auch sehr schön gestaltet und lädt sofort zum lesen ein. - Nina George
Die Passantin
(612)Aktuelle Rezension von: MirarimMEINUNG
Selten formuliere ich mein Missfallen so deutlich, aber hier hat mir der Schreibstil wirklich gar nicht gefallen. Es mag ein literarischer Stil sein, ich bin aber gar nicht damit klar gekommen. Unendlich verschachtelte Sätze, die nicht mehr aufgehört und noch schier in den Wahnsinn getrieben haben.
Das Buch ist in drei Teile unterteilt, die alle unterschiedliche Erzählstimmen haben. Ich persönlich fand Teil 1 (erzählt von Jeanne Patou) am schlimmsten. Danach war es etwas flüssiger zu lesen.
Vom Thema her war es natürlich eine schreckliche und auch Geschichte. Ich mochte das Haus der Frauen, was im Laufe der Geschichte eine wichtige Rolle spielt. Ich fand es spannend deren Geschichten zu lesen. Ich fand es auch sehr interessant was Jeanne Patou zwischen 2015 und 2019 widerfahren ist bzw was sie ganz grundsätzlich tut.
Ich mochte auch, dass die Geschichten anderer Frauen in das Buch gefunden haben und damit ein Zusammenhalt geschaffen wurde. Ich mochte das drastische aufzeigen des Zuhörens.
Aber ich mochte nicht, dass vor allem am Anfang vieles ständig wiederholt wurde. Ich mochte nicht, dass ständig ein Bezug zum Sex gesucht wurde. (Auch wenn die Gewalt darin natürlich Thema war!) Ich mochte nicht, das Gefühl zu haben, die Hälfte vom Buch nicht kapiert zu haben und das alles einhergehend mit der Aneinanderreihung von Worten.
Für mich war es leider nichts. Ich hatte mir mehr erhofft - aber vielleicht findet jemand anderer ja mehr Gefallen daran, die Bewertungen sprechen dafür.
KLAPPENTEXT
Die gefeierte Filmikone Jeanne Patou erfährt aus dem Fernsehen, dass sie für tot gehalten wird. Für Jeanne ist es die Chance, unterzutauchen und so ihrem Ehemann zu entkommen, der gleichzeitig ihre größte Obsession und ihre fatalste Leidenschaft ist. Sie verschwindet in die Anonymität – und in einen Kosmos der untergetauchten Frauen, mit denen sie ein altes Haus in Barcelona bewohnt. Während sie ihre Schicksale kennenlernt, wird ihr auch ihr eigenes immer deutlicher.
Viereinhalb Jahre später streift Jeanne über die La Rambla, eine Passantin unter vielen, als sie plötzlich ihrem Mann begegnet. Ihr ist klar: Sie muss sich stellen – ihrem Mann, aber vor allem sich selbst.
- Carlos Ruiz Zafón
Das Labyrinth der Lichter
(266)Aktuelle Rezension von: Christian_Fis«Das Labyrinth der Lichter» ist der vierte und letzte Band des Zyklus «Der Friedhof der Vergessenen Bücher». Richtig Fahrt nimmt der Roman auf, sobald Alicia Gris auftritt. Von da an entwickelt die Geschichte einen starken Sog: Die zahlreichen Handlungsfäden entwirren sich allmählich, das Gesamtbild wird klarer, ohne jedes Geheimnis vollständig preiszugeben. Auch die Einbettung in das Spanien der 1960er-Jahre gelingt überzeugend. Zafón erzählt aus verschiedenen Perspektiven und verknüpft den Roman mit zahlreichen intertextuellen Bezügen – manchmal fast etwas zu viele, was stellenweise selbstgefällig wirkt. Seine facettenreiche, atmosphärische Sprache bleibt eine grosse Stärke.
Weniger überzeugt hat mich das Ende. «Julians Buch« hätte Zafón sich sparen können. Wie schon in «Der Schatten des Windes» versucht er, möglichst alles aufzulösen, wodurch das Ende unnötig langatmig wird. Hinzu kommen einige fragwürdige Metaphern und Altherrenwitze, die sich nicht nur auf Fermín beschränken und eher als Eigenheit von Zafóns Stil erscheinen.
Trotz dieser Schwächen ist «Das Labyrinth der Lichter» ein sehr lesenswerter Abschluss der Reihe. Ob der Roman tatsächlich für sich allein funktioniert, bezweifle ich allerdings – eine Frage, die sich mir bereits bei den beiden Vorgängerbänden gestellt hat.
- Kai Meyer
Die Spur der Bücher
(257)Aktuelle Rezension von: anilaDie Spur der Bücher von Kai Meyer hat mir ausgesprochen gut gefallen. Das Buch bietet von Anfang bis Ende eine spannende Handlung, die mich immer wieder zum Weiterlesen motiviert hat. Langeweile kommt hier definitiv nicht auf – die Geschichte ist voller Action und entwickelt ein hohes Tempo, ohne dabei den roten Faden zu verlieren. Es ist auch super leicht und flüssig zu lesen, obwohl es recht viele Anspielungen und Andeutungen zu Die Seiten der Welt gibt. Ich glaube tatsächlich, dass man die Bücher vorher gelesen haben sollte. Dann macht es noch mehr Spaß :)
Besonders überzeugt haben mich die Figuren. Sie sind vielschichtig, sympathisch und glaubwürdig gezeichnet, sodass man gerne mit ihnen mitfiebert. Ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte macht sie noch interessanter und verleiht der Handlung zusätzliche Tiefe. Die Protagonistin hat mir sehr gut gefallen und auch die "Nebencharaktere" haben einiges zu bieten.
Kai Meyer gelingt es außerdem, Spannung und Atmosphäre gekonnt miteinander zu verbinden. Die Mischung aus Geheimnissen, Abenteuer und Wendungen sorgt dafür, dass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte.
Insgesamt ist Die Spur der Bücher für mich ein rundum gelungener Roman mit einer fesselnden Handlung, starken Charakteren und jeder Menge Action. Eine klare Leseempfehlung für alle, die spannende Geschichten mit interessanten Figuren mögen.
- Joël Dicker
Das Verschwinden der Stephanie Mailer
(350)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannIm Allgemeinen lese ich immer mehrere Bücher parallel. Zum ersten Mal hatte ich keine Chance dazu. Insofern ist es empfehlenswert, die Lektüre dieses Buches auf ein Wochenende zu legen, ein möglichst störungsfreies dazu.
Nachdem Joel Dicker mit seinem Erstlingswerk „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ eine Steilvorlag im Bereich der Spannungsliteratur gelungen war, dann mit seinem zweiten Roman, „Die Geschichte der Baltimores“, etwas nachgelassen hatte, ist er jetzt wieder zurück: ein fulminantes, ein großartiges Werk für Freunde guter Kriminalliteratur.
Das Buch hat nicht nur die Qualität eine Pageturners, es empfiehlt sich nachgerade, diesem Sog nachzugeben, denn die hier miteinander verquickten Handlungsstränge (Aktuell und zwanzig Jahre zuvor) erfordern das ganze Hirn. Aber keine Sorge, durch die geschickte Erzählweise wird man immer wieder „in die Spur gebracht“, sodass sich quasi zwangsläufig dieser Lesefluss ergibt, die einen guten Roman auszeichnen.
Kurz: Es ist ein Genuss, sich diesem Buch zu überlassen.
(7.4.2019)
- Shaun Bythell
Tagebuch eines Buchhändlers
(221)Aktuelle Rezension von: sannes_bookshelfBeim ersten Versuch vor 3 Jahren bin ich gar nicht reingekommen. Jetzt beim zweiten Versuch besser und anfangs war es auch recht amüsant, hin und wieder hab ich auch laut gelacht, doch mit der Zeit wurde es langweilig. Immer dieselben Abläufe, keine spezielle Handlung, Millionen Figuren, die eigentlich auch keine sind. Ich frage mich, wie man auf den Gedanken kam, dieses Tagebuch veröffentlichen zu müssen. Was ich gut finde: ich habe jetzt drei Bücher mehr auf meiner Wunschliste und ich habe einen Einblick bekommen, mit was für aktuellen Bedingungen sich ein Buchhändler rumschlägt. Der abschließende Epilog war für mich dann am interessantesten, was zwei Jahre später aus den Figuren wurde.
- Petra Hartlieb
Meine wundervolle Buchhandlung
(329)Aktuelle Rezension von: nessaboDieses Buch empfand ich als eine echte Umarmung - nicht nur als Buchliebende, sondern auch als Teehändlerin, der der unabhängige Einzelhandel am Herzen liegt. Diese Orte haben eine ganz besondere Wichtigkeit und sind innerhalb eines kapitalistischen Systems für mich langfristig die einzige Option, um diese Wirtschaftsform lebenswert zu gestalten.
Petra Hartlieb erzählt in ihrem Roman sehr flüssig und mit nüchternem Humor von ihrem Leben als Buchhändlerin - und von allem, was auf dem Weg dahin passierte. Als einzigen Kritikpunkt möchte ich anmerken, dass mir ihre Privilegiertheit ein wenig zu unreflektiert behandelt wurde. So gut vernetzt, dass der Bekanntenkreis mal eben eine fünfstellige Summe leihen kann oder so gut situiert, dass Kredite relativ problemlos vergeben werden, sind wohl nur wenige Menschen.
Abgesehen davon spricht Hartlieb aber über vielfältige Themen, schneidet die Problematik des großen A* deutlich an und gibt uns einen ehrlichen Einblick in den unabhängigen Einzelhandel - mit allen Absurditäten und Liebenswürdigkeiten. Ganz klar getragen wird die Geschichte nämlich auch von den Menschen der Buchhandlung. Ob Kund*in oder Händler*in - hier werden sicher viele eine sanfte Erinnerung daran erhalten, dass wir nun einmal soziale Wesen sind und Freundlichkeit sowie Hilfsbereitschaft von unermesslichem Wert. Wie in Hartliebs Buchhandlung ausgeholfen wird, kam mir manchmal fast unglaubwürdig vor, aber ich möchte sehr gern daran glauben, dass es dieses Maß an Unterstützung gibt.
Bei den Schilderungen zum Weihnachtsgeschäft haben mir direkt die Füße geschmerzt, aber diese Ambivalenz von Erschöpfung und großer Verbundenheit durch das gemeinsame Arbeiten und viele tolle Begegnungen trifft es für mich auf den Punkt. Ich habe die Geschichte also sehr genossen und wurde neben einigen Lachern auch einfach exzellent unterhalten.
4,5 ⭐️
- Garth Nix
Die magischen Buchhändler von London
(234)Aktuelle Rezension von: knuddelbackeNach vielen Krimis und Thrillern hatte ich mal wieder Lust auf etwas Fantasy. Da mich „Bücher über Bücher“ interessieren, fiel meine Wahl auf die Dilogie
Ein leicht verständlicher Schreibstil machte es mir einfach mich in die magische Welt der Londoner Buchhändler einzutauchen. Neben vielen magischen Elementen und Figuren gibt es auch einige Obskuritäten zu entdecken. Ein bisschen erinnerte mich das Buch an Steam Punk, wieso kann ich gar nicht so genau sagen. Vielleicht ist es die Verschmelzung der neuen Welt mit der alten Welt. Oder die Tatsache, dass einer der Buchhändler einen ausgeprägten modischen Geschmack hat und immer wieder mit aufwendiger Garderobe daher kommt.
Neben den ganzen magischen Begebenheiten geht es in diesem Buch aber auch um Selbstzweifel und Selbstfindung, denn die junge Susan macht sich auf die Suche nach ihren eigenen Wurzeln , ihrem Vater und gerät dabei nichtsahnend hinein in eine magische Gesellschaft. Nichts ist wie es scheint, und alles ist anders als bisher .
Das Buch ist spannend und unterhaltsam. Auch wenn das typische Gut gegen Böse hier eine zentrale Rolle spielt, kommen witzige Dialoge nicht zu kurz. Dennoch hätte ich mir etwas mehr Tiefgang , sowohl bei der Gestaltung der Charaktere, als auch bei der Handlung gewünscht. Ich konnte das Buch in einem weg lesen, es gab keinerlei anspruchsvolle Verknüpfung der Handlungen oder Ebenen, was das ganze Konstrukt dann doch sehr seicht wirken lies. Dennoch eine nette Abwechslung für Zwischendurch. Im Genre gibt es jedoch um Längen bessere Reihen.
- Nina George
Das Bücherschiff des Monsieur Perdu
(136)Aktuelle Rezension von: PunktundKommaDer Roman ist die vielfach gefeierte Fortsetzung des Bestseller-Romans »Das Lavendelzimmer«, den ich bereits vor einiger Zeit auf meinem Buchblog besprochen habe. Das Bücherschiff und sein buchverliebter Kapitän mussten aus den dort genannten Gründen zunächst auf die nächste große Fahrt warten. Doch jetzt wurde der Anker gelichtet … ️
Worum es geht: Jean Perdu lebt nun einige Jahre zusammen mit der Bildhauerin Catherine in der Provence, umgeben von seinen lieben Freunden und Verwandten. Das Bücherschiff hat er seinem Freund Cuneo überlassen, der daraus ein schwimmendes Bistro gemacht hat.
So richtig angekommen scheint Perdu jedoch nicht zu sein, was spätestens dann offensichtlich wird, als ihn der Brief des Schriftstellers Saramago mit dessen letztem Willen erreicht. Wie in »Das Lavendelzimmer« sträubt sich Perdu, den Brief ohne Weiteres zu öffnen. Seine Freunde überreden ihn schließlich dazu, noch einmal die Reise mit dem Bücherschiff anzutreten, dieses Mal hinauf nach Norden, nach Paris, um endlich die Rastlosigkeit und Unruhe zu überwinden.
Was mir gefallen hat: das französische Flair, emotionale Momente und die literarischen Liebeserklärungen sowie weiterhin die Idee zum schwimmenden Buchladen auf Reisen.
Was mir gefehlt hat: echte Überraschungen. Die Handlung bleibt vorhersehbar, Figuren wirken oft zu glatt, Konflikte verlaufen allzu sanft. Wer Tiefgang sucht, könnte enttäuscht werden.
Fazit: Für alle, die dem Alltag entfliehen wollen und sich nach literarischer Leichtigkeit sehnen – mit ein paar Längen, aber viel Atmosphäre. Eben ein Roman für Fans von Wohlfühllektüre mit Romantik und einer Prise Lebensphilosophie.
Mehr zu meinem Leseempfinden und warum für mich das Buch eben kein literarisches Highlight ist, liest man hier: https://www.buchleserin.de/2025/09/26/das-buecherschiff-des-monsieur-perdu/ 📚
- Ross King
Das Labyrinth der Welt
(43)Aktuelle Rezension von: TheSaintLondon, Mitte des 17. Jahrhunderts: Der mit Asthma und Kurzsichtigkeit gestrafte und mit einem Klumpfuss beeinträchtigte Buchhändler Isaac Inchbold lebt ein zurückgezogenes und bescheidenes Leben in seinem kleinen Laden "Nonsuch Books". Von dem lärmenden London draußen nimmt er wenig Notiz - lieber vergräbt er sich in seine Arbeit und die Bücher. Ein Brief von Lady Alethea Marchamont mit einer Einladung nach Pontifex Hall lockt den Bücherwurm aus seiner sicheren Umgebung und die Erteilung eines Suchauftrages nach einem mysteriösen Pergament hinein in ein labyrinthisches Verwirrspiel voller Gefahren und Geheimnisse. Dieses mystifizierte Schriftstück ist Bestandteil des "Corpus Hermeticum", eines von der Kirche als ketzerisch verrufenen und konfiszierten Buches. Im Laufe der detektivischen Spurensuche wird Inchbold immer klarer, dass es noch andere Parteien gibt, denen eine Beschaffung dieses Schriftstücks mit dem Titel "Das Labyrinth der Welt" mit allen Mitteln Recht ist. Es beginnt eine spannende Jagd nach diesem Schriftstück, dessen Inhalt Kirche und Staat bei Veröffentlichung erschüttern würden...
Ross King (* 1962) offeriert mit seinem zweiten 1998 erschienenen Buch eine wahre Ode an das Buch. Hier liegt ein Roman vor, der an Ecco's "Der Name der Rose" denken lässt und ein Werk über Bücher schlechthin ist - über ihre Entstehung und Geschichte. King erzählt in zwei Handlungssträngen, die er dann ineinander fließen lässt, einerseits von Inchbold's Suche in England um 1660 und andererseits von den Hintergründen jener Bücher, die von Kirche und Staat verboten waren. Der Leser erfährt vom Prager Fenstersturz, dem 30jährigen Krieg sowie über das England Cromwell's und den spanisch-englischen Auseinandersetzungen. Der gesundheitlich Mitgenommene findet sich inmitten von rücksichtslosen Katholiken und Protestanten, von Spionen, Buchhändlern und -schmugglern... der Leser sich konfrontiert mit Informationen über Alchemie, Astronomie, Kartographie, Esoterik und religiösem Fanatismus.
Der Roman ist für Leser, die Zeit haben. Die Geschichte eignet sich nicht zum drüber lesen... man muss sich hineinfallen und sich von der Schwelgerei über Bücher mitreißen lassen. Hier wird nicht nur die Auseinandersetzung der Kirche mit Galilei und anderen vermeintlichen Ketzern geschildert, sondern Ross bietet auch eine kleine Bibliographie zu verschiedenen Lebensbereichen. Es wird eine Welt dargeboten, in welcher ein Buch noch die Welt zu verändern vermochte. Für bibliophile, geographisch und historisch interessierte Leser ein unvergleichlicher Genuss!
- Joël Dicker
Das Verschwinden der Stephanie Mailer
(42)Aktuelle Rezension von: binesbuecherweltDa das Hörbuch einige Stunden läuft habe ich viele Wochen gebraucht um es zu hören.
Ich finde, durch die ausführliche Ausarbeitung des Falls zieht sich alles sehr in die Länge. Aber andererseits hat es das auch wieder sehr gut gemacht, denn besser kann man so eine Geschichte kaum durchdenken. Und auch die Protagonisten sind absolut realistisch. Das Buch besteht fast durchgehend aus Ermittlungsarbeiten. Außerdem gibt es zwei Zeitebenen. In der Vergangenheit erfährt man über die Morde am Bürgermeister und seiner Familie, in der Gegenwart geht es zunächst um Stephanie Mailer. Alles hängt miteinander zusammen und wird bis ins kleinste Detail erklärt. Der Leser/Hörer spekuliert zusammen mit den Ermittlern, wer der Mörder sein könnte. Viele Protagonisten werden durch und durch beleuchtet und vieles aus ihrem Leben wird erklärt. Manchmal war das dann doch einfach ein bisschen zu viel. Der Autor versucht natürlich, den Leser durch die vielen Informationen auf die falsche Fährte zu locken, was oft auch gelingt, denn bis zum Ende weiß man nicht, wer der Täter ist. Und das ist eben die andere Seite des Buches, es ist viel zu gut konstruiert um es schlecht zu finden. Aber ein paar Seiten weniger Privatleben der Charaktere hätte dem Buch meiner Meinung nach auch gut getan. Wer ruhige Thriller mit sehr gut ausgearbeiteten Protagonisten mag, der macht mit diesem Buch auf jeden Fall nichts falsch. Für Fans von flotten Thrillern ist das hier aber eher nichts. - Helene Hanff
84, Charing Cross Road
(320)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderHelene Hanff ist Bühnenschrifstellerin und sie liebt Bücher und ist immer auf der Suche nach besonderen Ausgaben und kostbaren Literaturerlebnissen. In den 40er Jahren kommt sie zu einer Adresse, von einem kleinen Buchladen in London. sie schreibt und hofft auf Buchnachschub. Der kommt und auch ein Antwortschreiben und sie beginnt ein Austausch von Büchern und es entwickelt sich eine Freundschaft, die über viele Jahre geht und die Anfangs nur die Liebe zur Literatur und den Büchern teilt und dann immer intensiver und inninger wird. Ein großartiges Buch und auch ein Zeitzeugnis der 50er und auch 60er Jahre. Eine Kostbarkeit und zeitlos schön. Auch immer ein tolles und besonderes Geschenk.
- Jürgen Seibold
Schneewittchen und die sieben Särge
(58)Aktuelle Rezension von: MarieLauraFür mich war dies einer der schlechtesten Krimis die ich gelesen habe. Der ehemalige Geheimagent ist mir einfach nicht sympathisch. Ich frag mich auch, wieso er noch so viele Zugangscodes aus seinem alten Beruf hat. Die einzigen Personen die mir sympathisch waren, waren der Gehilfe und das Mädchen, in das dieser heimlich verliebt ist. Die Handlung ist stellenweise zu gewollt und unglaubwürdig. Lustig fand ich das Buch auch nicht unbedingt.
- Asne Seierstad
Der Buchhändler aus Kabul
(50)Aktuelle Rezension von: AleksandraKlappentext: "Als die Journalistin Åsne Seierstad von Sultan Khan, einem Buchhändler aus Kabul, eingeladen wird, für fünf Monate bei ihm und seiner Familie zu leben, ahnt sie nicht, was sie erwartet. Seit mehr als zwanzig Jahren trotzt Sultan Khan den Autoritäten ob Kommunisten oder Taliban , um die Bevölkerung von Kabul mit Büchern zu versorgen. Er wurde verhaftet und musste mit ansehen, wie seine Bücher auf offener Straße verbrannt wurden. Dennoch hat er seine Leidenschaft für das Lesen nie aufgegeben und Licht in einen der dunkelsten Orte der Welt gebracht, während er gleichzeitig mit harter Hand seinen Haushalt führte. Dies ist das intime Porträt eines Mannes und seiner Familie zwei Ehefrauen, fünf Kinder und viele Verwandte und ein einzigartiger Einblick in ein Land der extremen Widersprüche."
Tatsächlich habe ich mir etwas ganz anderes vorgestellt, als mir dieses Buch geboten hat. Ich ging eher von einer nett dargestellten, leicht kulturellen Erzählung. Dieses Buch ist weitaus mehr als das. Es ist Dokument, ein Bericht einer anderen Welt.
Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, leicht und flüssig. Die Kapiteln handeln immer über eine andere Personen, die aber mit der Hauptfamilie auf irgendeine Art und Weise verbunden ist. Anfänglich hat der Leser das Gefühl, dass die einzelnen Kapiteln keinen eigentlichen Zusammenhang haben, aber schnell merkt man, dass sie sich zu einer Geschichte zusammen fügen.
Die Hauptprotagonisten sind der Sultan und seine Familie. Schwer zu sagen, wen ich am meisten mochte. Denn die eigene Kultur hält alle Fest im Griff. Die Beschreibung, durch die Handlungen und Geschichten, zeigt uns den Wesen der einzelnen Familienmitglieder. Letztendlich mochte ich Leila am meisten ...
Kulturell ist dieses Buch ein Meisterwerk. Es ist völlig objektiv geschrieben, ohne Vorurteile und Anschuldigungen. Jede einzelne Entscheidung wird aus der Sicht desjenigen, der sie trifft, erklärt bzw. beschrieben. Jede einzelne Geschichte ist spannend, und geht anders aus als man sich denkt. Wie oft habe ich gehofft und dann verzweifelt. Es werden sehr offen die Umstände, in denen die Afghaner leben, dargestellt. Umstände, die wir uns kaum vorstellen können. Sie leben anders, sie denken anders, falls sie sich das trauen, sie handeln anders. Dabei war das Volk früher, nicht viel anders als wir ...
Eine klare Empfehlung, vor allem für diejenigen, die neugierig sind. Allerdings keine leichte Kost.
- Nicolas Barreau
Die Frau meines Lebens
(440)Aktuelle Rezension von: GeerthiIn Nicolas Barreaus Roman «Die Frau meines Lebens» begleiten wir den Buchhändler Antoine, der in einem Café auf die Frau seines Lebens trifft. Es ist Liebe auf den ersten Blick, doch seine Nervosität hindert ihn daran, sie anzusprechen. Als dann auch noch ein Rivale am Tisch der Angebeteten auftaucht, scheint Antoines Herz gebrochen zu sein. Doch am Ende belohnt die mysteriöse Schöne ihn mit ihrem Namen, ihrer Telefonnummer und einer geheimnisvollen Botschaft, bevor sie wieder verschwindet.
Antoine ist voller Vorfreude auf ein Wiedersehen und eine gemeinsame Zukunft mit Isabelle, bis ein Vogel den Zettel mit ihrer Telefonnummer beschädigt. Eine Ziffer der Nummer ist unleserlich geworden und Antoine begibt sich auf ein unterhaltsames Abenteuer, um Isabelle wiederzufinden.
Dieses Buch bietet eine charmante und unterhaltsame Geschichte, die Leser:innen begeistern wird. Nicolas Barreau hat mich mit seinem emotionalen und humorvollen Schreibstil von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt und zum Lachen gebracht. Ich habe das Buch genossen und gebe ihm 4 von 5 ⭐️, auch wenn das Ende vorhersehbar war.
- Thomas Kniesche
Büchermorde – Mordsbücher
(13)Aktuelle Rezension von: Igelmanu66»Im Detektivroman muss es ganz einfach eine Leiche geben, und je toter sie ist, desto besser.«
Dieses Buch nimmt den Leser mit auf eine Reise in die Welt der Büchermorde. Hierbei handelt es sich nicht nur um Morde, die in Büchern geschehen, sondern auch um solche im Umfeld von Büchern, beispielsweise in Bibliotheken. Ebenfalls zählen zu den Büchermorden solche, die wegen eines Buchs verübt wurden oder bei denen das Buch selbst in irgendeiner Art zur tödlichen Waffe wurde.
Der Autor, ein in den USA lehrender Professor of German Studies und leidenschaftlicher Krimi-Leser, hat sich ausführlich mit dieser Thematik befasst. Der Leser kann sich auf seine Ergebnisse freuen, die in passende Kapitel unterteilt sind. Da heißt es zum Beispiel „Warum Bibliophile morden“, „Buchhändler sind die besten Detektive“, „Das Buch als Waffe“ oder „Bildung schützt vor Blutdurst nicht“. Die einzelnen Kapitel können unabhängig voneinander gelesen werden, bauen nicht aufeinander auf. Das hat den Vorteil, dass man sich immer mal zwischendurch eins gönnen kann ;-)
Ich habe einiges Neue erfahren, beginnend bei den verschiedenen Erscheinungsformen der Bibliomanie (ich hatte zuvor noch nie von „Bibliotaphen“ gehört) bis zu Berichten über Menschen, die für ein Buch bereit waren zu töten. Jede seiner Ausführungen begleitet der Autor mit reichlich Belegen, was beim Lesen eine Fülle von Literaturtipps nach sich zieht. Im Anhang werden alle besprochenen Bücher noch mal aufgeführt und außerdem gibt es Empfehlungen für weiterführende Sachliteratur zu den einzelnen Themenbereichen. Das Buch selber ist mit gerade mal 144 Seiten so umfangreich ja nicht, kann aber gut als Ausgangspunkt für eine weiterführende Recherche genutzt werden.
Kleiner Kritikpunkt von meiner Seite: Die vorgestellten Bücher werden manchmal so ausführlich besprochen, dass eine Lektüre eigentlich nicht mehr notwendig ist. Als Beispiel möchte ich hier „Die Akademiemorde“ aufführen. Alle wichtigen Handlungsstränge werden aufgezählt einschließlich der Auflösung – ich war froh, dass ich es bereits gelesen hatte. Auch zu „Der Name der Rose“ wird die Auflösung verraten, allerdings weist der Autor schon in der Einleitung darauf hin, dass er sich manchmal gezwungen sah, dies zu tun. Daher hier meine Empfehlung: Wer „Die Akademiemorde“ noch nicht kennt, meide das Kapitel 3. Und bei wem „Der Name der Rose“ noch auf der Leseliste steht, das Kapitel 4.
Fazit: Dieses Büchlein ist ein Fest für Bibliophile. An einigen Stellen sorgt nur der Sachbuchcharakter dafür, dass zu viel gespoilert wird.
»Am Ende schließt sich der Kreis, der eingeleitet wurde mit der Frage nach der Popularität von Büchermorden im Zeitalter des Büchertodes. Glaubt man … kann dieser Büchertod nie absolut sein, das Buch kann zwar durch andere Datenträger ergänzt und vielleicht auf weite Strecken ersetzt werden, es kann aber nicht mehr gänzlich aus unserem Leben verschwinden. Das Buch wird uns weiter faszinieren, es wird weiter – und jetzt erst recht – ein Objekt der Begierde sein, es wird weiter fatale Leidenschaften auslösen und weiter auf die verschiedensten rätselhaften Weisen in Mordgeschichten verwickelt sein.«
- Garth Nix
Die magischen Buchhändler von London - Die geheime Karte
(35)Aktuelle Rezension von: BookwuermchenDiesmal geht es um Statuen, 🗿 die zum Leben erwachen. Gemeinsam stellen sich Susan, Vivian und Merlin dieser ungewöhnlichen Bedrohung!
Umso größer war leider meine Enttäuschung über den zweiten Teil. Der von mir gelobte Schreibstil aus Band eins, schlägt hier eine spürbar andere Richtung ein und die Geschichte wirkt deutlich oberflächlicher als zuvor.
Dabei ist die Grundidee nach wie vor großartig, die Mischung aus Realität und Magie 🪄 & " Serien Charakter" sind spürbar. Aber ich hätte mir hier eigentlich mehr Tiefe gewünscht.🙈
Lieblingszitate :
" Rock'n' Roll! "
" Und war seid ihr nicht schon drinnen und kocht mir eine schöne Tasse Tee? "
" Diesmal sind es verdammte Gargoyles."
- Bernhard Schlink
Die Enkelin
(15)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderHans Zischler und die großartige Nina Petri lesen das große Buch von Bernhard Schlink. Mit ihren fabelhaften Stimmen verleihen sie allem einen besonderen Zauber. Kaspar ist Buchhändler aus Leidenschaft und seine Frau Birgit ist schon lange zu Hause. Meist trinkt sie ein Glas oder zwei oder eine Flasche bis er nach Hause kommt und dann ist sie tot. Hat ihn verlassen und nun wartet niemand mehr auf ihn. Er schaut ihre Sachen durch und ihr Verleger fragt, ob er nicht den versprochenen Roman findet und so kommt er an ihre Arbeiten, taucht in ihre Geschichten ein und findet Spuren. Sie war ja damals aus der DDR zu ihm geflohen und hat ihr altes Leben hinter sich gelassen und in diesem Leben gab es eben auch eine Tochter. Diese Spuren nimmt Kaspar auf und macht sich auf den Weg und der gebildete und sehr blesene Mann, kommt plötzlich in Kreise, die er nur aus der Literatur kennt. Ganz rechts, ganz extrem und ganz eigen und doch ist da ja Birgit irgendwie drin und so nimmt sich Kaspar Zeit und Mut und lernt dann die Enkelin kennen und sieht Birgit in ihr. Bernhard Schlinks neuer Roman ist eine Wucht! Er fängt so traurigan und bleibt ruhig, aber dann gehen wir mit Kaspar auf die Suche nach der Vergangenheit und der Wahrheit und entdecken die finsteren Seiten des Landes und die Menschen, die am Rand leben und ganz eigene Ideale verfolgen. Aufrüttelnd, traurig, tragisch, aber doch mit viel Mut und Liebe erzählt Bernhard Schlink diese Geschichte und hat damit ein gewaltiges Stück Deutscher Literatur verfasst. Er kann es einfach, geschichtliche Ereignisse mit in seine Romane zu verpacken.
- Laurence Cossé
Der Zauber der ersten Seite
(75)Aktuelle Rezension von: gst„Es ist herrlich, viele Bücher zu haben, aber man muss sie auch lesen“ (Seite 447)
Welche Leseratte kennt das nicht: Man entdeckt ein Buch mit einem interessanten Titel und das Cover spricht einen auch noch an. Was tun wir: Das Buch aufschlagen, einmal kurz schnüffeln, ob der Geruch passt und schon sind wir entweder in die Geschichte vertieft oder legen sie wieder beiseite …
Bei diesem Buch war es der Titel, der mich gefangen nahm. Ja, ich liebe Bücher, die einen von Anfang an fesseln. Zwar gelang es diesem Buch nicht auf Anhieb, aber die Story schien spannend zu werden. Gleich in den ersten Kapiteln wurden Schriftsteller verfolgt; sie erlitten Unfälle. Warum, wieso?, fragte ich mich. Und plötzlich hatte ich schon 50 Seiten gelesen…
Die 1950 geborene Französin Laurence Cossé beschreibt im ersten Teil ihres Romans die Unfälle, im zweiten erläutert sie, wie sie zusammenhängen. Alle Verunglückten gehören einem geheimen Komitee an, das den Buchladen „Der gute Roman“ berät. In diesem Laden werden kaum Neuerscheinungen verkauft, sondern speziell ausgewählte Bücher, die den Lesern im Laufe ihres Lebens besonders im Gedächtnis geblieben sind. Viele der Romane sind schon in die Jahre gekommen und nur noch schwer aufzutreiben. Die Auswahl kommt bei den Kunden sehr gut an. Allerdings dauert es nicht lange, da werden die Organisatoren diffamiert. Dass der Laden so einen besonderen Ruf hat, scheint irgendjemandem nicht zu gefallen. Da helfen nicht einmal Ausrufe wie: „Wir wollen Bücher, die wir am Tag nach einer Beerdigung lesen können, wenn wir vor lauter Weinen keine Träne mehr haben“ oder „Wir wollen Bücher, die weder der menschlichen Tragik ausweichen, noch den täglichen Wundern“. Die verbalen Angriffe häufen sich ebenso wie die Unfälle der Komitee-Mitglieder.
Leider verlief das Ende mehr oder weniger im Sand. Irgendwie schien es, als seien der Autorin zum Schluss die Ideen ausgegangen. Trotzdem hat es mir nicht leid getan, dieses Buch in die Hand genommen zu haben. Denn als Vielleserin (auch älterer Bücher) sprachen mich die zahlreichen Hinweise auf gute Romane an, die verstreut im Buch auftauchten. Zur Übersichtlichkeit sind viele der Vorschläge am Ende auf acht Seiten zusammengefasst. Das eine oder andere davon werde ich mir im Laufe der Zeit sicherlich noch einverleiben.
Fazit: eine außergewöhnliche Idee, deren Umsetzung nicht so ganz gelungen ist. Ich vergebe dreieinhalb Sterne und runde großzügig auf vier auf. - Petra Hartlieb
Ein Winter in Wien
(120)Aktuelle Rezension von: sansolWien, im Dezember 1911. Marie arbeitet als seit kurzem als Kindermädchen im Haushalt des Schriftstellers Arthur Schnitzler. Sie ist noch jung, kommt vom Lande und hatte keine glückliche Kindheit daher ist sie sehr froh über ihre aktuelle Stelle. Als sie ein Buch abholen muss lernt sie den jungen Buchhändlergehilfen Oskar kennen.
Es handelt sich um ein kurzes Buch (176 Seiten), das wie ich finde den Charme der Zeit wiederspiegelt. Besonders gefallen haben mir die historisch korrekten Schilderungen um Arthur Schnitzler und Wien. Die Charaktere waren sympathisch und authentisch dargestellt, der Schreibstil sehr angenehm zu lesen.
Ein sehr nettes Buch für zwischendurch und der Auftakt einer kleinen Reihe.
- Akram El-Bahay
Henriette und der Traumdieb - Broschur
(72)Aktuelle Rezension von: FavoleSHenriette kann sich jeden Morgen ganz genau daran erinnern, was sie in der Nacht geträumt hat. Doch eines Morgens ist da plötzlich nichts, nicht einmal eine winzige Ahnung von einem Traum. Als es auch am nächsten Morgen wieder keine Erinnerung gibt, ist sich Henriette sicher, dass ihr jemand ihre Träume stiehlt.
Dieses besondere Buch entführt seinen Leser tief in die Welt der Träume. Denn Henriette ist eine Wunschträumerin und kann wach durch ihre Träume gehen und auf diese Einfluss nehmen. Bei ihrem Problem erhält sie Hilfe von dem Buchhändler Herrn Anobium und ihrem Bruder Nick, der eigentlich gar nicht an all diesen Quatsch glaubt, aber eines Nachts in seinen Träumen durch eine besondere Tür in Henriettes Traum gerät und live miterlebt, wie der Dieb ihren Traum stiehlt. Von nun an steht er ihr jede Nacht zur Seite und es entsteht ein wagemutiger Plan, wie man den Traumdieb aufhalten könnte.
Akram hat hier eine wunderbare Welt der Träume geschaffen, die nicht nur die guten Träume, sondern auch die schlechteren enthält. Einige Traumcharaktere helfen Henriette bei ihrem gefährlichen Abenteuer, denn es geht hier auch ins dunkle Reich der Albträume. Gerade diesen sogenannten Nachtschattenwald fand ich besonders faszinierend. Dieser ist ein Ort mit eigenen Regeln und gefährlichen Bewohnern. Doch auch das Traumkabinett ist ein wahrlich faszinierender Ort. Hier wird eigentlich bildhaft dargestellt, wie unser Verstand oder unsere Psyche Erinnerungen verarbeitet und archiviert. Dabei wirkt hier immer alles so realistisch und man kann sich irgendwie gut vorstellen, dass es im eigenen Kopf genauso abläuft.
Nick und Henriette machen im Laufe der Geschichte eine starke Entwicklung durch und lassen ihre unschuldige Kindheit hinter sich, denn das Abenteuer verlangt viel Mut und Waghalsigkeit. Außerdem schweißt es die Zwillinge enger zusammen. Im Lauf der Geschichte stellt man ganz langsam seine eigenen Vermutungen an und ist dann doch sehr erstaunt, wie alles zusammenhängt. Denn nicht immer ist der offensichtliche Feind die wirkliche Bedrohung.
Am Ende wird auch gut vermittelt, dass es nicht nur schwarz und weiß gibt und Rache nicht immer die Lösung ist. Denn auch Vergebung und Verständnis für gewisse Handlungen können zum Sieg führen.























