Bücher mit dem Tag "bundeskanzler"
38 Bücher
- Helmut Schmidt
Außer Dienst
(69)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerHelmut Schmidt bestach durch seine herausragende Rhetorik, die auch in diesem Buch überlegt und besonnen aufscheint. Es wäre interessant zu wissen, wie er zu den heutigen Ereignissen steht, denn vieles von dem er schreibt ist immer noch aktuell. Sicherlich hat auch er nicht alles richtig gemacht und es waren auch Fehler wiedergutzumachen, doch Schmidt geht mit sich ehrlich ins Gericht. Seine Anforderung an den heutigen Politiker würde einigen Staatsdienern gut zu Gesicht stehen, die gerne Wasser predigen aber noch lieber den Wein trinken, den ihnen Lobbyisten und Großunternehmer einschenken. Auch der ehemalige Bundeskanzler war letztendlich nur ein Mensch, aber einer, der das Wohl seines Landes nie aus den Augen gelassen hat. Es wäre zu wünschen, dass sich mancher davon ein Scheibchen abschneidet oder wenigstens dieses Buch liest. Was Machiavelli für absolute Herrscher war, sollte Schmidt für Demokraten sein.
- Marc Raabe
Der Morgen (Art Mayer-Serie 1)
(313)Aktuelle Rezension von: TGerwert„Der Morgen“ von Marc Raabe: Ein Thriller-Feuerwerk, das die Nacht zum Tag macht!
Marc Raabes „Der Morgen“ ist der explosive Auftakt zur Art-Mayer-Reihe und hat mich von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen.
Als passionierter Thriller-Leser war ich auf der Suche nach einem Buch, das Spannung, Tiefe und unvorhersehbare Wendungen vereint – und genau das hat Raabe hier meisterhaft geliefert. Dieses Werk ist nicht nur ein Pageturner, sondern ein echtes Highlight im Genre!
Im Zentrum steht Art Mayer, ein Ermittler, dessen vielschichtige Persönlichkeit sofort fasziniert. Rau, verletzlich, unnachgiebig – ein Charakter mit Ecken, Kanten und Vergangenheit, der dennoch menschlich bleibt und dessen emotionaler Kern tief berührt. Es macht enorme Freude, ihn auf seinem Weg zu begleiten und Stück für Stück mehr über ihn zu erfahren. Man spürt schon jetzt: Diese Figur hat das Potenzial, zu einer der beliebtesten Ermittlergestalten der deutschen Thrillerlandschaft zu werden.Auch seine junge Kollegin Nele ist ein interessanter Charakter, sie ist neu im Job, aber sehr ehrgeizig und willensstark. Nach anfänglichen Anlaufschwierigkeiten werden Art und Nele zu einem guten Team deren Basis ein tiefes Verständnis füreinander ist Ich habe die beiden auf jeden Fall schon mal in mein Leseherz geschlossen.Bin gespannt wie sich die beiden in den folgenden Bänden weiterentwickeln.
Schon mit Tom Babylon hat Marc Raabe ja gezeigt, dass im tiefgründige Charaktere und deren Entwicklung sehr liegen. Der Kriminalfall im vorliegenden Buch ist ziemlich verwickelt und zunächst undurchschaubar. Der Leser begreift schnell, dass die Fälle der ermordeten Frauen mit den Ereignissen in der Vergangenheit zusammenhängen müssen, aber es dauert eine Weile, bis den Romanfiguren im fortlaufenden Handlungsstrang die Spitznamen der damaligen Jugendlichen zugeordnet werden können. Dabei legt der Autor geschickt falsche Fährten – und am Ende kommen Umstände ans Licht, die zuvor überhaupt nicht absehbar waren. Dementsprechend bleibt das Buch trotz des beachtlichen Umfangs von knapp 600 Seiten bis zum Schluss spannend.
Die Spannungskurve steigt dabei kontinuierlich, und die Twists kommen so clever platziert, dass ich mehrmals laut aufgestöhnt habe – vor Überraschung und Begeisterung! Besonders die Verknüpfung von aktuellen Themen wie Manipulation und Machtmissbrauch mit einer packenden persönlichen Geschichte macht das Buch zu etwas Besonderem.Raabes Stil ist gewohnt kraftvoll und präzise. Er versteht es meisterhaft, düstere Spannungskulissen aufzubauen, ohne je ins Klischee abzurutschen. Die Szenen sind plastisch, das Erzähltempo perfekt balanciert – mit intensiven, erschütternden Momenten, aber auch stillen Passagen, die einen mitten ins Herz treffen. Besonders beeindruckend ist, wie subtil Raabe gesellschaftliche und moralische Fragen einwebt, ohne den Lesefluss zu unterbrechen.
Fazit: „Der Morgen“ ist ein brillanter Thriller und ein Auftakt, der Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern übertrifft. Ein atmosphärisches Meisterwerk voller Tiefe, Dramatik und menschlicher Abgründe. Für Fans intelligenter Spannungsliteratur ein absolutes Muss – und für alle anderen die perfekte Gelegenheit, in eine neue, hochkarätige Thrillerreihe einzusteigen.
⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ – uneingeschränkte Leseempfehlung!
- Sarah Kuttner
Kolumnen
(213)Aktuelle Rezension von: HoldenDer erste Teil Kuttnerscher SZ- und Musikexpress-Kolumnen, schlagfertig und meinungsstark, mit Kommentaren zu winterlicher Bekleidung, Jungs-Indierock-Bands, Rudolf Mooshammer, aktuellen Politikern undundund, einige der erwähnten Rockbands kann man jetzt (wieder-)entdecken, weil vielen von ihnen ist damals kein rechter Erfolg vergönnt gewesen ist. Angela Merkels Hängegesichtigkeit und Karriereristenfresse waren schon derber Shit, und irgendwo hat man den Eindruck, als sei die gute Frau Kuttner auch ein kleines bißchen langweilig, weil sie sich aus so vielen Sachen gar nichts macht (Rockkonzerte bzw. -festivals, Karneval, Aprilscherze usw).
- Matthias Brandt
Raumpatrouille
(125)Aktuelle Rezension von: SM1Im Erzählband "Raumpatrouille" erzählt der Schauspieler Matthias Brandt von seiner Kindheit und Jugend in den 1970er Jahren als Sohn des damaligen Bundeskanzlers Willy Brandt. Dabei lässt er offen, welche der 14 kurzen Geschichten sich wirklich ereignet haben und welche nicht. Einen wahren Kern dürften allerdings alle enthaltenen Texte aufweisen.
Der Autor erzählt vor allem von den Menschen in seinem Umfeld, wobei ein Wachmann die gleiche Aufmerksamkeit bekommt, wie eine ehemaliger Bundespräsident.
Mit seinem großartigen Schreibstil schafft es Matthias Brandt, eine kindliche Sichtweise einzunehmen und gerade damit die Ereignisse für jedem Leser zum Leben zu erwecken.
- Gaea Schoeters
Das Geschenk
(218)Aktuelle Rezension von: AQuaDieses Buch lässt mich ratlos zurück. Nachdem mich und viele andere Leser:innen "Trophäe" sehr beeindruckt hat, sind die Erwartungen an das neue Buch der Autorin sehr hoch. Umso verwirrter war ich über die grobe Erzähltechnik, bei der es große Sprünge gibt und absurde Vorkommnisse nicht weiter erläutert werden. Der Text bleibt Behauptung, ein Gedankenspiel. Weder vermögen es die Figuren, mich in irgendeiner Art für sie einzunehmen, noch entfacht es ein Interesse, eine Lust am Weiterlesen. Gerade nach "Trophäe", was eine ganze Welt aufgemacht hat und die Lesenden selbst in moralische Fragen verwickelt hat, bin ich sprachlos. Es scheint wie ein Trick, bei dem die Autorin einfach ganz schnell etwas nachlegen wollte, um auf der Erfolgswelle von "Trophäe" weiter zu surfen. Und das ist ihr wohl auch gelungen. Seltsam. Warum höre ich bisher nichts darüber, wie schlecht das Buch eigentlich ist?
- Matthias Brandt
Raumpatrouille
(10)Aktuelle Rezension von: Claudia107Dieses Hörbuch besteht aus 3 CD's, hat eine Lauflänge von 3 Stunden, 16 Minuten (ungekürzte Lesung) und wird von dem Autor Matthias Brandt höchstpersönlich vorgetragen. Das hat er auch wirklich richtig gut gemacht, denn er weiß auch am allerbesten was er wann besonders betonen muss.
Matthias Brandt erzählt hier von seiner Kindheit als jüngster Sohn des damaligen Bundeskanzlers Willy Brandt, die auch oder trotzdem relativ normal abgelaufen ist. Wir werden hier zurückversetzt in die 70er Jahre von Matthias Gedankenspiele, Phantasie und Erlebnisse. Sein Vater schneidet bei diesen Erzählungen nicht wirklich gut ab, bei mir kommt er eher unsympathisch rüber.
Für alle die in den 70er Jahren großgeworden sind kann ich es wirklich empfehlen, ich habe mich auf jeden Fall zurückversetzt gefühlt und war viel am Schmunzeln, aber Matthias Brandt Erzählungen und Ausschmückungen sind einfach manchmal zu köstlich!
- Peter Kohl
Hannelore Kohl
(5)Aktuelle Rezension von: Imke_BrunnDas Leben von Hannelore Kohl wird von ihrem Sohn und eienr Journalistin von Geburt bis zu ihrem Tod nachvollzogen und zeigt das Bild einer sehr starken Persönlichkeit, die vielen Schicksalsschlägen begegnet (Krieg, Flucht, Nachkriegszeit, Angriffe, Tod, Terrorangst, Krankheit) und die große Herausforderung des Lebens an der Seite von Helmut Kohl und doch mit unabhängigen Engagements meistert.
Das Buch hat berührt, auch wenn ich mir etwas weniger Fokus auf die Politik gewünscht hätte, aber das war bei einer Frau in dieser Position und auch in der Zeit, als das Buch geschrieben wurde weder möglich, noch zu erwarten.
Wer die politische Entwicklung Deutschlands einmal aus einer der Perspektive einer Frau direkt neben dem Kanzler sehen möchte, dem kann ich das Buch nur wärmstens empfehlen. Es liest sich sehr angenehm.
- Hans-Joachim Noack
Helmut Schmidt
(10)Aktuelle Rezension von: MasauDas Buch bildet einen guten, kompakten Überblick über das Leben des ehemaligen Bundeskanzlers. Für jeden Laien und Interessierten ein guter Einstieg. Ich persönlich wäre sogar gern noch tiefer in das Thema vorgedrungen. Man begleitet Helmut Schmidt von seiner Kindheit über die Zeit als Wehrmachtsoffizier bis hin zu seiner Amtszeit als Bundeskanzler. Man bekommt ein besseres Verständnis zu seinen damaligen Handlungen und deren Hintergründe zur jeweiligen Zeit. - Ralf Langroth
Die Akte Adenauer
(103)Aktuelle Rezension von: Isar-12
"Die Akte Adenauer" ist der erste Band der Philipp-Gerber-Reihe von Rolf Langroth (einem Pseudonym des Autors Jörg Kastner). Es ist Wahlkampf 1953, Konrad Adenauer von der CDU möchte erneut zum Bundeskanzler gewählt werden. Einer seiner schärfsten Rivalen um die Stimmen für den Bundestag Herbert Wehner von der SPD. Doch erst wird in Bonn ein Ermittler vom noch jungen BKA hinterrücks erschossen und dann geraten die Politiker selbst ins Visier. Eine Organisation, die "Wölfe Deutschlands" scheinen eine Liste mit Todeskandidaten abzuarbeiten. Der junge Philipp Gerber, einst unter den Nazis mit seinen Eltern nach Amerika geflüchtet und dann für die Staaten im Krieg gewesen, wird von amerikanischen Geheimdienst CIC zum BKA berufen. Er soll die Hintergründe herausfinden und die Täter stellen. Gemeinsam mit der jungen Journalistin Eva Herden gerät er immer mehr in die Verstrickungen und muss den Fall lösen, denn die Zeit spielt gegen ihn. Der Autor nimmt den Leser in diesem Krimi mit auf die Reise in das Deutschland Anfang der 1950er Jahre. Die junge Bundesrepublik steht noch auf wackligen Beinen. Adenauer mit seinem proamerikanischen Kurs auf der einen Seite, die Sowjets als neue Gegenspieler der USA auf der anderen Seite. Aber es gilt auch mit der nationalsozialistischen Vergangenheit fertigzuwerden, denn viele sind nicht von heute auf morgen plötzlich aufrechte Demokraten. Diese Zeit fängt der Autor in diesem Roman gut ein, baut darin eine spannende Story rund um seinen Ermittler Phil Gerber auf. Bis auf das dieser etwas zu viele Raucherpausen einlegt, was für mich ein wenig störend war, gefällt mir Gerber doch in seinem Zwiespalt bzgl. seiner deutschen Herkunft und seiner Tätigkeiten für die Amerikaner. Ein klein wenig unverwundbar, aber dies sind Helden ja meist. Auf alle Fälle ist "Die Akte Adenauer" ein runder Auftakt dieser Reihe und las sich flüssig. Der Spannungsbogen ist gelungen und der Krimi ist kurzweilig. Genau das was man von einem gelungen Krimi erwartet. - Wolfgang Schüssel
Was. Mut. Macht.: Bemerkungen und Bemerkenswertes
(1)Aktuelle Rezension von: annlu*Sollte ich ähnliches versuchen? Beim Ordnen einer Schachtel privater Unterlagen fielen mir ein paar alte Fotos und Briefe ungewollt als „Entscheidungshilfe“ in die Hände...*
Über dreißig Jahre lang war das Leben von Wolfgang Schüssel von der Politik geprägt. Als österreichischer Bundeskanzler und EU-Ratspräsident gestaltete er die Zukunft mit. Inspiriert von den „Doppelmemoiren“ des französischen Diplomaten Jean Giraudoux hat er ein Buch geschaffen, das Biografisches samt privater und beruflicher Anekdoten mit Gedanken und Meinungen zu Politik, Wirtschaft und Kultur vermischt.
Wer und was prägt einen Bundeskanzler? In üblichen Biografien würde der Leser zeitlich linear dem Leben und Werdegang folgen. Hier hingegen finden sich Erinnerungen vermischt mit Aktuellem. In zweihundert Kapiteln, die wie kurze Splitter erscheinen, gibt Wolfgang Schüssel seine Gedanken wieder. Manchmal sind sie ergänzt mit eigenen Zeichnungen – schließlich wollte er einmal Karikaturist werden. Scheinbar unzusammenhängend durcheinander geworfen werden Gedanken, Meinungen und Erinnerungen wiedergegeben. Die kurzen einleitenden Worte haben in mir das Bild erschaffen, Wolfgang Schüssel sitze vor der Kiste mit den alten Fotos und Briefe und fische jedes Mal für den Leser ein neues Thema heraus.
Die Politik spielt in Herren Schüssels Leben eine wichtige Rolle. Entscheidungen, die in seiner Zeit als Bundeskanzler und EU-Ratspräsident gefällt wurden, werden auch hier angesprochen – manch unliebsame gar verteidigt. An Begegnungen mit anderen Politikern findet man solche, die schwierig waren, andere die durch Humor oder ein gemeinsames Ziel geprägt waren. Immer wieder sind es aber auch die Begegnungen abseits der politischen Bühne, die interessante Einblicke geben.
Würde man Herren Schüssel nur über seine Zeit als Politiker definieren, so täte man ihm Unrecht. Neben dem Biografischen und Familiären nimmt die Kultur (ich bin schon fast dazu geneigt, es „die Künste“ zu nennen) hier einen hohen Stellenwert ein. Seine Belesenheit wird nicht nur über die Auswahl der eingeflossenen Zitate ersichtlich. Die Liebe zur Musik wie zur Oper lässt ihn – neben den Politikern – eine (manchmal auch posthume) Hommage an jene Künstler schreiben, die ihn beeindruckt haben.
Mit seinen Meinungen hält er nicht über den Berg. Werte wie Glaube, Familie, Hoffnung und Gemeinschaft ziehen sich durch die Beiträge. Dass er in der EU ein starkes Mittel sieht (gesehen hat?) diese umzusetzen, wird ebenso ersichtlich, wie die Kritik an einigen jüngsten gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen.
Fazit: Ich fand hier vieles zum Nachdenken aber auch manches zum Schmunzeln. Die Art seine Biografie als Gedankensplitter wiederzugeben hat mir sehr zugesagt.
- diverse
SUPERMAN 21. SUPERBAND - SUPERBOY und die Legion der Superhelden ?!
(1)Aktuelle Rezension von: HoldenWie kann man Lana Lang, liebesbedürftige Jugendfreundin, nur so brüsk mit zwei fallenden Äpfeln außer Kraft setzen? Aber Clark in jung wird nach Metropolis ins 30. Jahrhundert gerufen, er weiß zu dem Zeitpunkt noch nicht, daß die Rückkehr von Brin LOndo ("Waldwolf") gefeiert werden soll, der quasi back from the dead ist. Wie konnte er die schwere Asteroidenexplosion überleben? Körperlich scheint mit ihm nichts geschehen zu sein, aber was ist mit seinem Geist, ist da auch alles supie sorry)?. ..In der Abwehr der interstellaren Gefahr wird Teamwork gepriesen, neben sexy Saturngirl ein schöner Nebeneffekt der Story.
- Miriam Hollstein
Miss Tschörmänie
(5)Aktuelle Rezension von: HoldenEin Biographiecomic über die erste deutsche Kanzlerin, überraschend tiefschürfend, so daß auch Randfiguren (sorry!) wie Eva Christiansen und Ronald Pofalla vorkommen. Die Lebensgeschichte DER Bundeskanzlerin bis ins Jahr 2009, als das Buch erschienen ist, vielleicht als Kontrastprogramm zu Merkels gerade erschienener Autobiographie "Freiheit", die angeblich wenig Neues und wenige tiefere Einblicke gewährt. Den besoffenen Sturz in den Swimmingpool findet man hier leider vergeblich, ansonsten kann man feststellen, wie A.M. sich Schritt für Schritt weiter nach vorne in der Politik geschoben hat, dabei ständig unterschätzt wurde und sich doch durchsetzen konnte, als sie in wichtigen Momenten ihrer Karriere Härte zeigte. Und es kommen wirklich alle Personen und Ereignisse vor, die für die Kanzlerin und für die CDU von Bedeutung waren, anders als man vielleicht vor Lesen des Buches erwartet hätte.
- Henning Venske
Lallbacken
(2)Aktuelle Rezension von: HoldenUnd ob man so was noch sagen darf! Venske stellt die Dummschwätzer und Windbeutel in der deutschen Politik und der Wirtschaft bloß, so intensiv geschrieben, daß man nur einige Seiten "auf mal" lesen kann. Lallbacke folgt auf Lallbacke, Inkompetenz folgt Ahnungslosigkeit, und auch die Partei der eigenen Präferenz geht nicht ungeschoren daraus hervor. Wunderbar "auf links" geschrieben, keiner der "deutschen Anführer" kann sich noch herausreden, man habe nichts gewußt. Wie sähe eine Neuauflage aus mit AFDlern und Friedrich Merz? Man kann es nur erahnen, lesen würde man es schon gerne.
- Heike Specht
Ihre Seite der Geschichte
(4)Aktuelle Rezension von: seschatHeike Specht gibt in ihrem Sachbuch den 18 Ehefrauen der deutschen Bundespräsidenten und Bundeskanzler der letzten 70 Jahre ein Gesicht. In die rein repräsentative Rolle wollten sich die wenigsten Gattinnen pressen lassen. Vielmehr wirkten sie nicht nur optisch auf ihre "Staatsmänner" ein, sondern agierten als wichtige Ratgeber, Vermittler oder Sparringspartner. Auch wenn viele Frauen den eigenen Beruf zum Wohle des Mannes aufgaben, so ließen sie sich nie ihre eigene Meinung verbieten. Specht schließt mit diesem Buch eine große Lücke innerhalb der deutschen Geschichte. Denn noch immer herrscht das männlich dominierte Geschichtsbild vor, das die starken Frauen außen vor lässt. M. E. ist es wichtig und richtig, dass nun endlich auch diese Seite der Geschichte beleuchtet wird (s. Buchtitel).
Ich habe Spechts wohl recherchiertes Sachbuch mit viel Freude gelesen, weil es unzählige neue Einblicke in das Leben der Kanzler und Bundespräsidenten und gerade auch in die Wirkmacht der Partnerinnen liefert. Dementsprechend war der persönliche Erkenntnisgewinn sehr hoch. Als besonders spannend empfand ich die Zitate bzw. Nacherzählungen der noch lebenden First Ladys oder die Berichte von ihren Nachkommen.
FAZITEin informatives, längst überfälliges Sachbuch, das sich zudem sehr flüssig liest. Auf dieses weibliche Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte sollte zudem von Universitäten und Geschichtsforschern stärker eingegangen werden.
- Thomas Montasser
Freitags um fünf
(8)Aktuelle Rezension von: claudi-1963"Wahre Freundschaften finden sich nur sehr schwer bei solchen Personen, die in Ämtern oder im öffentlichen Leben stehen." (Marcus Tullius Cicero)
Eigentlich ist es ein ungewöhnlicher Zufall, warum Bundeskanzler Ernst Meister auf die zehnjährige Emma trifft. Meister verläuft sich nämlich in seinem eigenen Kanzleramt und tritt durch eine Tür, die ihm völlig unbekannt ist. Plötzlich steht er draußen vor dem Gebäude und entdeckt Emma, die mit Murmeln spielt. Die beiden kommen ins Gespräch. Meister stellt fest, er hat sich an diesem Nachmittag noch nie so gut gefühlt wie mit Emma. Die beiden verabreden sich, erneut für Freitag um fünf. Allerdings bricht kurz davor Meister zusammen und muss mit Verdacht auf Herzinfarkt ins Krankenhaus. Meisters Bedenken, sie nicht wiederzusehen, sind unbegründet, denn Emma schreibt ihm eine Genesungskarte mit einem neuen Termin. Ihre Treffen werden für Meister immer wichtiger, sodass er sogar seine wichtigsten Termine als Kanzler vergisst. Plötzlich scheint Ernst Meister die Welt wieder mit Kinderaugen zu sehen.Meine Meinung:
Der Klappentext dieses Buches hat mich sofort angesprochen und so wollte ich unbedingt diese Geschichte lesen. Durch die Kürze lässt es sich auch recht schnell lesen. Selbst wenn mir einige Szenen gut gefallen und ich mitunter schmunzeln muss, fehlte es mir ein wenig an Tiefgang. Ich denke, es ist hauptsächlich den wenigen Seiten geschuldet. Bei nicht mal 200 Seiten kann man wichtige Themen nicht eben mal so abhandeln. Man erfährt zwar, dass Politiker oft den Kontakt zu den Bürgern und im Speziellen zu den Kindern verlieren. Allerdings war mir das zu wenig. Emmas Gedanken und Aussagen sind mir viel zu schwach in dieser Geschichte. Was sicher an Meisters Krankenhausaufenthalt liegt und sie dadurch wenig Kontakt hatten. Ich habe hier deutlich mehr erwartet, was Emma ihrem Bundeskanzler für gute Ratschläge gibt. Etwas verwundert bin ich außerdem, wieso es im Kanzleramt eine Tür gibt, bei der jemand unbewacht nach draußen gehen kann. Was ja total unrealistisch ist, denn niemand kommt einfach so in unser größtes deutsches Amtshaus. Er hätte Emma ja durchaus im Krankenhaus antreffen können, wenn der Autor schon diese Herzinfarktsszene mit einbauen muss. So bleibt es doch eher unserer eigenen Fantasie geschuldet, ob wir dies alles nachvollziehen können oder es als reinen humorvollen Roman erleben. Selbst bei Ernst Meisters Charakter fällt es mir schwer, ihn mir als Bundeskanzler vorzustellen. Womöglich liegt der Grund darin, dass er völlig ausgebrannt und überarbeitet ist. Grandios dagegen finde ich seine Frau, die kein Blatt vor den Mund nimmt und ihm gerne ihre Meinung sagt. Was allerdings bei einem Bundeskanzler wie Meister nicht gerade schwer ist. Überhaupt habe ich das Gefühl, als ob sie mehr Power als ihr Ehemann hat. Auch bei Emma fehlt es mir ein wenig an der Aufklärung, warum sie so alleine ist. Dass sie sogar schon Freunde unter Erwachsenen sucht, ist eher außergewöhnlich. Also, wer dieses Buch liest, sollte nicht zu viel erwarten, stattdessen einfach mal lächeln. Von mir gibt es 3 1/2 Sterne dafür. - Helmut Dietl
Zettl - unschlagbar charakterlos
(1)Aktuelle Rezension von: HoldenDas Drehbuch zu Dietls letztem Film, mit einem Bericht des Co-Skriptautors Stuckrad-Barre im Anschluß. Manche der Figuren sind einfach belanglos-inhaltsleer und langweilig, ihrer hätte es in dem Skript (den Film kenne ich noch nicht) sicher nicht gebraucht. Unglaublich, bei so einem Hochbetrieb an namhaften Darsteller*innen. An manchen Stellen die übliche Politikerschelte-Soße, die Verlogenheit der Medien usw, schnell gelesen, schnell vergessen.
- Heribert Schwan
Vermächtnis. Die Kohl-Protokolle
(12)Aktuelle Rezension von: TanteGhostDas Streben nach Höherem und doch Mensch bleiben. Es scheint mir, Herrn Kohl ist das ganz gut gelungen.
Von Anfang an habe ich ich auf dieses Buch gefreut. Und es war so quälend weit unten auf meinem SuB. Ich glaube, deswegen habe ich in diesem Jahr auch so viele Bücher schon gelesen. es hat gezogen.
Gleich zu Anfang hatte es zwei Bilder von Heribert Schwan und Helmut Kohl. Man sah die zwei, wie sie im lockeren Gespräch saßen. - auf jeden Fall habe ich mich von Anfang an fest gelesen. Schon am ersten Abend konnte ich nicht mehr davon lassen.
Ich frage mich, was Herrn Kohl dazu bewogen hat, sich mit seiner zweiten Frau einzulassen. Diese Frau kommt in diesem Buch absolut gar nicht gut weg. Einmal mehr bin ich der Meinung, dass diese Person nur hinter dem Erbe des Herrn Kohl her war. - Also vom Inhalt her, war das Buch schon einmal mehr als interessant. Das Lesen hat Spaß gemacht.
Ich muss allerdings dazu sagen, dass es jetzt als Feierabendlektüre nicht unbedingt komplett entspannend ist. Helmut Kohl war ja nicht aus Dummland. Und deswegen sind auch die einen oder anderen Fachbegriffe gefallen. Auch in Schachtelsätzen wurde viel geschrieben. - Trotzdem habe ich es gelesen. Ich habe nicht jede Fußnote nachgelesen und auch den einen oder anderen Fachbegriff nicht verstanden. Aber im Gesamten habe ich begriffen worum es geht.
Seltsamer Weise hatte ich aber Bilder im Kopf, als ich gelesen habe. Bei einem Sachbuch recht ungewöhnlich. Aber ich habe Herrn Kohl gesehen, wie er damals leibhaftig vor mit stand, in dem Hotel, und einen Espresso bei mir bestellt hat. Deswegen hatte ich auch arge Probleme, mir vorzustellen, wie so ein sanft erscheinender Reise aufbrausend werden sollte.
Die geschwärzten Stellen im Text, haben wir unter anderem der zweiten Frau Kohl zu verdanken. Sie wirken leicht störend beim Lesen, da die Passagen mitunter ziemlich lang sind. Aber bei aufmerksamen Lesen ist es durchaus möglich, sich seinen eigenen Text da hin zu denken. - So ist weder Herrn Kohl, noch der gerade besprochenen Person, ein Gefallen getan.
Hier spreche ich ganz klar und deutlich eine Leseempfehlung aus. Für jeden, dem seine dreibändige Biografie zu viel ist, sind die Protokolle auf jeden Fall eine sehr gute Alternative.
Man lernt den Menschen Helmut Kohl etwas genauer kenne. Und ich habe mich echt gefragt, was das mit seiner 2. Frau gewesen sein soll. Liebe wohl kaum...
(Auszüge des des Textes sind auch auf meiner Website und in meinem Blog zu finden.) - Dirk Bathen
Zeitgruppe Null
(16)Aktuelle Rezension von: SaintGermainZwei Tage im Herbst. Ein Amoklauf in einem Hamburger Einkaufszentrum verschafft Felix Breidel eine zweifelhafte Premiere. Acht Tote. So viele hatte es noch nie gegeben, in fast 25 Jahren Polizeiarbeit nicht. Der Attentäter war Mitglied im Slow-Circle, einem Verein, der sich für ein bewussteres Lebenstempo in der schnelllebigen Gesellschaft einsetzt. Während Breidel mit den Ermittlungen seine Eheprobleme verdrängt, führt ihn die Spur zu BraInfluence, einem Pharma-Unternehmen, das eine besondere Methode entwickelt hat, leistungssteigernde Medikamente zu verabreichen. Im Wirtschaftsministerium stößt die Idee des optimierten Arbeitens auf großes Interesse. Aber die politischen Pläne haben nicht nur Befürworter ...
Das Cover des Buches ist schlicht, passt aber zum Titel und dem Buch selbst; macht auch neugierig.
Der Schreibstil des Autors ist sehr wortgewaltig und ungewöhnlich. Dies hatte zur Folge, dass ich einige Zeit brauchte um in die Handlung hineinzufinden und mich an den Schreibstil einigermaßen zu gewöhnen. Leider blieb durch diesen sehr umschreibenden Schreibstil oft die Spannung auf der Strecke.
Das Thema des Buches selbst ist nah an unserer Realität, auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen.
Auch das doch nicht ganz abgeschlossene Buch, welches einige Fragen offen ließ, war für mich nicht befriedigend.
Fazit: Sehr gute Idee für ein Buch; leider konnte mich die Umsetzung aufgrund des Schreibstils nicht wirklich begeistern.
- Hellmuth Karasek
Vom Küssen der Kröten
(1)Aktuelle Rezension von: HoldenKaraseks Glossen aus der Berliner Morgenpost und dem Hamburger Abendblatt, schnwankend zwischen hochkulturell und persönlich-gaga, heutzutage ein schöner Rückblick auf die Mitte der Nullerjahre (2004-2008). Was macht man, wenn die Fußballliebe eine Familie zerteilt, wer ist Koch und wer Kellner im Verhältnis Schröder-Fischer, und immer noch besser von den beiden (ab)serviert zu bekommen als vom "lupenreinen Demokraten" Wladimir Putin (wegen Beresowski Litwinenko Politkowskaja Juschtschenko), da kann eine alptraumartige Essenseinladung schon mal zu schwißnassen Nächten führen. Und Laura Karasek kommt auch vor, liebe Grüße!
- Sebastian Thiel
Das Adenauer-Komplott
(22)Aktuelle Rezension von: TanteGhostMan könnte wirklich meinen, dass Sebastian Thiel hier ein Stück Lebensgeschichte von Konrad Adenauer erzählt. Aber…
Inhalt: Maximilian Engel, ehemaliger hoch dekorierter Flieger des zweiten Weltkriegs lässt sich im Suff gehen und macht Äußerungen, die im herrschenden Regime nicht wirklich gut ankommen. Er wird verhaftet und in einen mehr als menschenunwürdigen Knast gesteckt.
Im Gefängnis hat er eine Unterredung mit einer mehr als hübschen Frau, die ihm ein Angebot macht, dass er kaum fassen kann. Er, ausgerechnet er, soll einem anderen Mann zur Flucht verhelfen und bekommt am Ende nichts als seine Freiheit dafür.
Maximilian willigt ein und die Person, der er helfen soll ist niemand anders als Konrad Adenauer. Doch bevor sie frei kommen, erlebt er noch eine sehr harte Zeit in einem Konzentrationslager.
Am Ende ist es Konrad Adenauer, der Maximilan befreit und ihn dann auch aus Geldnöten befreit, indem er ihn in seinem Stab mit beschäftigt und ihm gutes Geld bezahlt.
Maximilian lernt die attraktive Frau besser kennen und lieben.
Die Geschichte zieht sich interessant und sich entwickelnd durch die letzte Zeit des zweiten Weltkrieges und die Jahre des Umbruchs und Aufbaus danach, um am Ende tragisch zu enden.Fazit: Mit dem geschichtlichen Hintergrund hat der Haftungsausschluss gleich am Anfang erst einmal aufgeräumt. Alle Personen und Handlungen sind frei erfunden. Aber alles spielt zumindest in einer sehr interessanten zeit. In die Kriegswirren kann man eine Menge Geschichten hinein schreiben. - Ich habe in jedem Fall auf Spannung gehofft.
Die Spannung war eine ganz eigene. Der Protagonist ist gleich zu Anfang in Schwierigkeiten geraten. Von Anfang an war ich komplett drin in der Geschichte und von Anfang an wurde ich das Gefühl nicht los, dass ich hier eine wahre Begebenheit lese und nicht irgendeine in die Zeit geschriebene Fiktion. Die ganze Zeit über hatte ich einen farbenfrohen Film in meinem Kopfkino laufen, der mich dann auch richtig gut bei der Stange hat bleiben lassen.
Zwischendrin wurde es dann ein bisschen ganz arg politisch. Dann hätte das genauso eine Biografie von Adenauer sein können, aber das war es nun einmal nicht. In dieser Phase hat mich dann die kleine Liebesgeschichte bei der Stange gehalten, die dann irgendwann eine sehr dramatische Wende nimmt. Erst ganz am Ende hat sich dann mein Verdacht bestätigt. - Was den Stoff angeht, hat der Autor hier wirklich alle Register gezogen. Weltkriegswirren, junge Liebe, der Vater bzw. Schwiegervater, der die Beziehung nicht will, politischer Umbruch und Neuanfang. Und da rein wurde die Geschichte geschrieben.
Die Story im Gesamten war sehr interessant und hat mich auf ihre Art gefesselt. Auch wenn dieses politische Gedöns zwischendrin war, hat es mich zwar etwas aufgehalten, aber im Gesamten hat es voll umfänglich in die Geschichte gepasst und ohne diesen Teil wäre die Geschichte ziemlich kurz gewesen, was mich mit Sicherheit auch wieder geärgert hätte.
Der Stoff war in jedem Fall so gut beschrieben, dass ich die ganze Zeit ein sehr interessantes und echtes Kopfkino vor meinem geistigen Auge hatte. Ich war gefesselt und wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht und war auf jeden Fall sehr gut von der Realität abgelenkt. - Das ist für ein Buch immer gut. Alles war leicht zu lesen, gut verständlich, aber eben nicht immer leicht verdaulich. Über die Korruption und das falsche Spiel mancher Protagonisten hätte ich mich stundenlang aufregen können und hätte doch nichts ausgerichtet. - Nur gut, dass das eine ausgedachte Story war. Ansonsten hätte es mir um das Ehepaar mehr als leid getan. Es kann doch nicht sein, dass ein eigener Vater mit seiner Tochter so umgeht. Ein absolutes No-Go!!!Ich kann dieses Buch wirklich wärmsten Herzens empfehlen. Nicht nur, dass es einem ein Stück deutsche Geschichte näher bringt in einer ehrlichen Form, wie es ein Geschichtsbuch nie könnte, ist es auch noch spannend geschrieben und lässt es auch an Dramatik, Liebe und Korruption nicht fehlen. - Das ist genau der Stoff, aus dem Kriminalromane sein sollten.
- Tim Vogler
Stunde der Rache
(4)Aktuelle Rezension von: PeterHadTrappTim Vogler entführt uns in ein Berlin der nicht allzu fernen Zukunft, die nicht mal ein halbes Jahrhundert vor uns liegt.
Die Welt hat eine große Katastrophe überlebt, Berlin scheint eine Art selbständiger Stadt-Staat zu sein, der von einer eigenen Regierung verwaltet wird, an deren Spitze ein sogenannter Kanzler steht, welcher aber eher im Stile des Diktators einer "Bananenrepublik" agiert.
Die Stadt und ihre Geschicke werden gesteuert von einem übermächtigen Computerprogramm namens "Der Algorithmus", das mithilfe eines ausgeklügelten Überwachungssystems ständig die Handlungen und Emotionen der Bevölkerung auswertet und daraus autarke Schlüsse zieht. Diese werden sofort in Vorschriften, Maßnahmen und Interventionen umgesetzt. Geistiger Vater des "Algorithmus" ist der amtierende Kanzler, sodass virtuelle und personell ausgeübte Macht eine unheilige Allianz eingehen.
Doch damit nicht genug der düsteren Zukunftsvisionen. Die Stadt Berlin gliedert sich in verschiedene Viertel, die auch räumlich voneinander getrennt sind und ganz unterschiedliche Lebenswelten beherbergen. So existieren sogenannte "Kulissenviertel", deren Einwohner ganz dem Motto und der abzubildenden Epoche des Viertels unterworfen sind, also sich entsprechend kleiden und verhalten und auch die technische Ausstattung soll, zumindest dem ersten Eindruck nach, dem Mottoviertel entsprechen.
Es existieren ein "Mauer-Berlin" und ein "Wilhelminisches Viertel". Die Kulissenviertel mitsamt ihren Bewohnern dienen für Besucher aus der ganzen Welt als Touristenattraktionen und tragen so ein Gutteil zum Wirtschaftsleben der Stadt bei. Die Einwohner dürfen ihre Viertel prinzipiell auf legalem Wege nicht verlassen, ausgenommen sind Amtsträger oder andere Privilegierte.
In dieser Szenerie geschieht ein bizarrer Mord. Die Ermittlungen sind vielschichtig, kompliziert und verworren und kommen auf die Spur einer offenbar großen Verschwörung.
Der Autor entwirft in seinem Buch einen düsteren Ausblick auf eine nahe Zukunft. Er zieht dabei teilweise verblüffende Schlüsse aus aktuellen Trends und politischen Strömungen. Das Berlin in seiner Geschichte ist eine bedrückende Dystopie, die in ihrer Bildhaftigkeit sehr lebendig ist und greifbar beim Lesen vor dem inneren Auge erscheint. Die Szenarien und Schauplätze werden eindrücklich beschrieben sodass das ganze Buch eine sehr dichte und fühlbare Atmosphäre hat. Das Buch kennt keine "Hänger", vielmehr sieht sich der Leser durchgängig einer anhaltenden Atemlosigkeit gegenüber, die zum Teil von den Protagonisten des zusammengewürfelten Ermittlerteams in ihrer Gehetztheit erzeugt wird, die aber auch aus der schnellen Handlung mit ihren immer wechselnden Schauplätzen und ihren vielen Wendungen erwächst. Das Buch ist dabei spannend, ruhige Passagen nehmen nur einen geringen Teil der Geschichte ein. Die Personen des Ermittlerteams sind gut angelegt und allenfalls etwas überzeichnet. In ihren Charaktereigenschaften überzeugend und echt geschildert, liefern sie gute Identifikationsflächen. Die Einblicke in die Gefühlswelten und in die innere Zerissenheit der "Helden" bilden eine sehr gelungene Parallele zur zerissenen Stadt mit ihren unterschiedlichen Vierteln und deren scheinbar gänzlich unterschiedlichen Realitäten.
Im Buch mit eingebunden sind ausdrucksstarke Grafiken des Künstlers Cosimo Miorelli (url einfügen), die es mehr als wert sind, sie in farbiger Darstellung zu betrachten, die eInk-Displays des eines eReaders werden diesen Illustrationen nicht ansatzweise gerecht.
Mein Fazit:
Berlin Metropolis - Requiem für Sandersson hat mir wirklich gut gefallen. Es erzeugt einen düsteren Sog, der mich mehr und mehr in die Szenerie und in die Identifikation mit den vielschichtigen Figuren hineingezogen hat. Dazu trägt die überzeugende Schilderung der Plätze und Örtlichkeiten sehr viel bei, die Art wie Tim Vogler beschreibt und erzählt lässt dieses merkwürdige und bedrückende Berlin sehr lebendig und eindrücklich im Kopf des Lesers aufleben. Ich nahm großen Anteil an den Zerreißproben, denen die Ermittler ausgesetzt sind, an ihren Konflikten mit sich selbst, mit ihren Kollegen und mit der Welt in Dder sie leben und handeln. Der Bogen zwischen der Ohnmacht gegenüber der Kontrolle und Steuerung von außen einerseits und andererseits dem Willen sich dieser zu widersetzen und den Dingen auf den wirklichen Grund zu gehen wird sehr nachfühlbar gespannt. Hier liegen auch die Stärken des Autos. Lebendige Charaktere, beeindruckende Kulissen und Szenerien, die überzeugend beschrieben und gestaltet sind.
Wenn ich Tim Vogler und seinem wirklich gelungenen Erstling Schwächen attestieren will, dann liegen diese eher im Bereich der Konstruktion bzw. der Anlage der Handlung und ihrer Stränge. Hier bleibt manches zu sehr an der Oberfläche und die Gehetztheit mit der die Szenen wechseln lässt an einigen Stellen doch Fragen offen. Die Schlüsse der Ermittler beruhen meiner Ansicht nach auch immer wieder auf zu viel Vermutungen und Intuitionen und zu wenig auf greifbaren "echten" Ermittlungsergebnissen. Vielleicht hätten die Handlungsfäden für zwei Bände gereicht aber es erscheint ein wenig so, dass Tim Vogler sich der Versuchung die eine oder andere Idee zu viel in das Buch zu packen, nicht erwehren konnte, schließlich ist es sein Debutroman. Ich wage zu behaupten, dass dies auch der Euphorie, die ihn meiner Ansicht beim Schreiben dieses Buches getragen hat, geschuldet ist. Deswegen ist auch die Auflösung am Ende zwar für sich soweit schlüssig, aber bei weitem nicht alle verbliebenen Fragen werden beantwortet und manche Aspekte bleiben sehr im vagen. Hier stellt sich mir die Frage, ob der Autor auf einzelne dieser Aspekte nicht vielleicht ganz hätte verzichten sollen, z.B. die Rolle der "Kalifatsbrüder".
Mich hat das Buch jedenfalls sehr fasziniert und wirklich in seinen Bann gezogen, an verschiedenen Stellen musste ich immer wieder an den SF-Film-Klassiker "Bladerunner" denken. Tim Vogler braucht dazu keine anspruchsvollen Exkursionen in technische oder (schein)wissenschaftliche Themenfelder, wie im klassischen SF-Genre üblich, sondern das Buch lebt von den Stimmungen, Szenerien und Persönlichkeiten sowie deren überzeugender Schilderung. Sehr treffend sagt eine der Hauptpersonen gegen Ende des Buches den eindrücklichen Satz: "Die Gewissheit, dass auch die Erkenntnis der Kulisse nur Kulisse ist ... "
Ich freue mich sehr auf einen Nachfolgeroman um wieder in dieses düstere absurde Berlin mit seinen Kulissen einzutauchen. - Hans-Peter Vertacnik
Öxit
(21)Aktuelle Rezension von: buecherwurm1310Reporterin Lou Sorko ist einer großen Sache auf der Spur. Ihr Artikel wird für ein Beben in Wien sorgen, denn ihre Informationen über den Kanzlerkandidaten Moritz Petrell sind sehr brisant. Nur soweit wird es nicht kommen, denn Lou stirbt. Die Ermittlungen werden durch Oberst Radek Kubica, Chef der Wiener Mordkommission, und seinem Kollegen Chefinspektor Franz Dvorak geführt. Sie glauben nicht an einen Unfall. Schon bald müssen sie feststellen, dass sie in einen Sumpf geraten. Sie stoßen auf ein Netzwerk, dem aus Machtgier jedes Mittel recht ist und das in allerhöchste kreise reicht.
Die Vorgängerbände habe ich noch nicht gelesen, aber „Öxit“ lässt sich auch alleine lesen.
Ich habe mich eine ganze Zeit etwas schwergetan, da es nicht einfach war, die vielen beteiligten Personen auseinander zu halten, zumal es auch noch einige Namensähnlichkeiten gibt. Der Schreibstil ist gut zu lesen, erfordert aber Aufmerksamkeit. Kurze Kapitel und häufige Perspektivwechsel sorgen für Tempo und Spannung. Die Örtlichkeiten sind schön dargestellt. Obwohl ich nicht so oft in Wien war, hatte ich doch alles gut vor Augen.
Aber auch die Charaktere sind gut und authentisch beschrieben. Die Ermittler sind beharrlich, sie wollen ihre Fälle lösen – selbst dann, wenn ihnen vom Vorgesetzten Knüppel zwischen die Füße geworfen werden. Sie machen weiter, auch wenn ihnen der Mörder das Leben schwermacht. Dazu bekommt es Radek auch noch mit persönlichen Problemen zu tun. Bei Petrell kommt zu der Skrupellosigkeit auch noch ein gewisses Charisma dazu, so dass er andere um den Finger wickeln kann.
Die Geschichte kommt sehr realistisch herüber, denn wenn wir uns in Europa und der Welt umschauen, kann man nicht übersehen, dass rücksichtslose Machtmenschen lügen und betrügen, um nach vorn zu kommen. Sie wurden als Vertreter des Volkes gewählt, doch das Volk ist ihnen nur so lange wichtig bis sie an der Macht sind. Eine Hand wäscht die andere und so reichen die Connections nicht nur nach oben, sondern auch in die Ordnungsbehörden.
Gerade weil es so realistisch erscheint, ist dieser Krimi, der eigentlich ein Politthriller ist, so erschreckend und macht einen wütend.
Es ist ein sehr spannender und komplexer Krimi mit einem überraschenden Ende.
- Peter Hereld
Der Belarus-Deal
(25)Aktuelle Rezension von: lucatrkisDer Schreibstil gefiel mir sehr gut, da ich mich nie langweilte. Tom war mir sympathisch. Als er von Minsk nach Hause kam, dachte ich, dass es jetzt nur noch langweilig werden würde, aber das war es ganz und gar nicht. Das Ende war auch sehr spannend. Bei manchen Stellen war es aber auch sehr brutal, deshalb sollten es Leute mit zarterem Gemüt eher nicht lesen. Trotzdem empfehlenswert.























