Bücher mit dem Tag "burundi"
7 Bücher
- Nora Bossong
Schutzzone
(31)Aktuelle Rezension von: reneeEin Buch aus der Longlist des Deutschen Buchpreises von 2019. Kann gut sein. Oder auch nicht. Am Anfang dachte ich nur: Was für eine wirre Schreibe! Immer wieder springt die Handlung recht zusammenhanglos zu verschiedenen Geschehnissen im Leben des Hauptcharakters Mira. Und dann diese Sprache. Ellenlange Schachtelsätze. Schwierig zu lesen. Und insgesamt zu sehr gewollt! Denn diese Gestaltung macht dieses Buch in meinen Augen nicht besser, eher viel schlechter! Dann klang es anfangs so, als würde die UNO in den Himmel gehoben werden. Will ich das hören? Nach den damaligen Geschehnissen in Ruanda! Den zähen Verhandlungen damals in der UNO, wo es einzig darum ging die Geschehnisse in Ruanda jetzt Völkermord zu nennen oder halt nicht !?!?!? Und in Ruanda starben Menschen, viele Menschen! Das macht mich heute noch wütend!!! Aber nach und nach ändert sich das Geschriebene. Das Buch wird zu einem Blick auf die Natur des Menschen und einem Blick auf die UNO und ihre Taten, ein nach dem Sinn fragender Blick. Einerseits steckt ja ein guter Gedanke hinter der UNO, andererseits ist es aber auch ein Aufspielen, man darf ja auch die wirtschaftliche Macht des Westens nicht vergessen. Und dann kommt der mit Fehlern behaftete Mensch dazu und seine fehlerhaften Erinnerungen. Hier noch die Verbindung zu Mira und ihren Gefühlen, ihren Gefühlsverirrungen und -wirrungen zu ziehen, ist ebenso ein kluger Gedanke. Insgesamt ist also das Buch thematisch nicht schlecht gemacht. Allerdings stößt man auf diesen Sinn im Buch erst recht spät, etwas zu spät in meinen Augen. Vorher quält man sich durch eher unwegsames und holpriges Terrain. Dennoch kommt eigentlich nichts wirklich Neues und dann die Longlist ??? Bei diesem wirren Aufbau und dann dieser sehr eigenen Sprache. Nun ja. Einigen gefällt dieses Buch ja, also auch der Aufbau. Denn den Inhalt fand ich nach und nach auch gut, er verdient eigentlich vier Sterne. Aber der Aufbau und die sprachliche Gestaltung minimiert leider diese Bewertung. Denn mehr als drei Sterne werden es bei mir hier leider nicht.
- Chris Bradford
Bodyguard - Der Hinterhalt
(61)Aktuelle Rezension von: RonjaKingKapitel 63:
Ein entsetzliches, schauriges Knurren. Messerscharfe Krallen, die sich in sein Fleisch gruben. Ein unglaubliches Gewicht, eine todbringende Schwere krachte auf seine Schultern, drückte ihn unter sich zu Boden. Amber unter ihm, schreiend. Klauen, die ihm den Rücken zerfetzten. Fauchende, gierige Zähne, die sich in den Rucksack schlugen und ihn zerrissen. Schmerzen, heiß, weißglühend wie Feuer, blendend ... und dann dunkles Nichts ...
- Beate Dölling
Du bist sowas von raus - Echte Geschichten aus der Arche
(6)Aktuelle Rezension von: MoWilliams„Seit dem Brand geht Papa gezielt vor. Sie spürt seine Unruhe und weiß, sie kann ihm nicht entkommen. Er findet immer etwas, wofür er sie bestrafen kann. Sie muss dann mit ihm ins Wohnzimmer, dort schließt er sich er mit ihr ein, damit sie nicht abhauen kann wie ihre Mutter, das Miststück. Aber wegrennen bringt er nichts, weil er dann das nächste Mal brutaler zuschlägt. Man muss ihm sein Ritual lassen, wenn man einigermaßen durchkommen will.“ – S.183, © 2013 bei Gabriel Verlag
Inhalt
„Du bist sowas von raus!“ von Beate Dölling erzählt „Echte Geschichten aus der Arche“ und schildert damit, wie schwer es manche Jugendliche und Kinder haben. Authentisch und sehr genau schreibt die Autorin über neun Jugendliche, die nicht verschiedener sein könnten. Angefangen bei den finanziellen Sorgen, weiter mit depressiven, unreifen Eltern, die stets ihren Kindern die Schuld an allem geben, bis hinzu denen, die missbraucht werden. Tiefberührende Geschichten, die einem in Erinnerung rufen, dass man nie über Menschen vorschnell urteilen sollte. Erst recht nicht, wenn man ihre Hintergründe nicht kennt.
Meine Meinung
Der Titel allein hat es mir schon angetan. „Du bist sowas von raus!“ hat mich sehr neugierig gemacht und ich wurde in keiner Weise enttäuscht, wohl eher überrascht. Überrascht von der Ehrlichkeit, vielleicht sogar kalten Skrupellosigkeit, mit der diese Geschichten erzählt werden. Was mich beeindruckt hat, ist, dass es auch literarisch ziemlich gut gelungen ist. Auch hätte ich nicht damit gerechnet, dass die Jugendgespräche so authentisch sind, von ihrem flüssigen Schreibstil und der Art, wie sie Geschehnisse schildert, einmal abgesehen. Eine äußerst begabte Schriftstellerin, auf die man nicht verzichten sollte.
Als ich mit der ersten Geschichte „Nie zu spät“ begonnen hatte zu lesen, war ich nach kurzer Zeit sehr betroffen. Nachdem ich ein Mädchen aus der Mittelschicht bin, in der Stadt wohne und zwar in einem Vorort, der mehr als nur als „Ghetto“ verschrien ist, dachte ich eigentlich nie daran, was die „asozialen“ Kinder für ein Leben haben könnten. Im Nachhinein finde ich es beinahe naiv von mir, dass ich noch nie darüber nachgedacht habe, dass diese Kinder/Jugendliche womöglich vier kleine Geschwister zu Hause haben, um die sie sich selbst kümmern müssen. Einen Vater, der nur darauf wartet, sie schlagen zu können oder aber eine Mutter, die tief depressiv ist oder sich aufführt, als wäre sie die Pubertierende und bei der man selbst die Mutterrolle übernehmen muss. Mir haben alle neun Geschichten gut gefallen, ich habe keinen wirklichen Favoriten, weil sie so unterschiedlich sind, dass ich sie eigentlich gar nicht vergleichen kann.
Ich bin mir nicht sicher, ob das so beabsichtigt war, da das das erste Buch für mich von Beate Dölling war, aber hin und wieder fehlte mir doch eine kleine Spur an Tiefe, vielleicht auch Feinfühligkeit. Letztlich, meistens dann, wenn ich die jeweilige Geschichte zu Ende gebracht hatte, war ich froh bzw. erleichtert, dass es nicht zu tief war. Denn die meisten sind mir erst richtig unter die Haut gefahren, wenn ich genau wusste, worum es geht. Beate Dölling hat eine großartige Arbeit geleistet und ihre Recherchen in der Arche für mich sehr wahrheitsgemäß widergespiegelt.
Vielleicht gehört es nicht wirklich zu einer Rezension dazu, aber da ich einfach nur meine Meinung preisgebe, finde ich, dass man das Schlusswort der Gründer der Arche nicht außer Acht lassen sollte. Besonders, da die Arche etwas erreichen möchte und wirklich für jeden da zu sein scheint; sie hilft, dass Jugendliche und Kinder lernen, an sich selbst und ihre Fähigkeiten zu glauben. Daran, dass sie etwas schaffen können, wenn sie nur hart genug dafür arbeiten und etwas Unterstützung von jemanden bekommen. Wenn sie wissen, dass sie nicht alleine sind.
Ich hoffe, dass es die Arche noch sehr lange gibt und wünsche ihr auch, dass sie noch lange Kindern, Jugendlichen und deren Familien mit Rat und Tat zur Seite stehen kann.
Fazit
Es gibt keine Altersbeschränkungen für dieses Buch, erst recht keinen bevorzugten Typ. Von diesen Geschichten sollte sich jeder mitreißen lassen, egal, von wo man herkommt und wer man ist. Denn genau das ist der Punkt; auch wenn wir noch so verschiedenen sind, haben wir Ziele, Träume und Hoffnungen, die wir umsetzen wollen. Und hoffentlich auch alle erreichen.
- Gaël Faye
Kleines Land
(5)Aktuelle Rezension von: buch_katiGäel Faye erzählt in seinem Roman über seine Kindheit Anfang der 90er Jahre in Burundi,genauer in der Hauptstadt Bujumbura. (Burundi grenzt an den Kongo, Tansania und Ruanda). Seine Mutter stammt aus Ruanda, der Vater ist Franzose. Gäel hat eine glückliche Kindheit, seine Familie scheint wohlhabend zu sein, da diese Angestellte haben. Sein Leben spielt sich zwischen Schule, Freundschaft und der so genannten Sackgasse (der Straße in der seine Familie wohnt) ab. Als 1994 der Bürgerkrieg in Ruanda ausbricht, schwappt dieser schnell auf Burundi über und nichts ist wie zuvor. 1995 verlässt Gäel das Land und kehrt später nach Ruanda zurück.
Gäel erzählt die Geschichte aus der Sicht eines Kindes was oft sehr bedrückend ist. Insgesamt ein sehr interessantes Buch über ein trauriges Thema. - Angela Krumpen
Nur Versöhnung kann uns retten
(10)Aktuelle Rezension von: peedeeBurundi gilt als das drittärmste Land der Welt. Allein das wäre schon eine Tragödie, aber in Burundi starben hunderttausende Menschen während des Völkermordes und die politischen Unruhen dauern bis heute an. Erzbischof Simon Ntamwana stammt selbst aus Burundi, wo über hundert seiner Familienmitglieder getötet wurden. Nach seiner Ausbildung in Rom kehrte er in seine Heimat zurück, um sich vor Ort für die Versöhnung einzusetzen: „Nur Versöhnung kann uns retten.“
Erster Eindruck: Ein zweigeteiltes Cover auf dem Schutzumschlag (ich bin kein Fan von Schutzumschlägen); oben Erzbischof Simon und unten ein Landschaftsbild aus Burundi – schön. Das Layout des Buches gefällt mir, insbesondere, da die Quellenangaben gleich als Fussnoten eingearbeitet sind. Die Fotos in der Mitte des Buches bereichern diesen Bericht sehr.
Der Untertitel heisst „Der furchtlose Einsatz von Erzbischof Simon Ntamwana für Frieden in Burundi“. Wer nun denkt, dass er der Einzige sei, der sich dafür einsetzt, täuscht sich. Der charismatische Erzbischof ist jedoch die wahrscheinlich einzige, über die Landesgrenzen hinaus bekannte Person, die mit vollster Überzeugung für Versöhnung lebt und das Werk „Vie Nouvelle pour la réconciliation“ („Neues Leben durch Versöhnung“) aufgebaut hat. Die meisten Personen, die für ihn arbeiten und damit auch für Versöhnung und Frieden einstehen, bleiben der Öffentlichkeit unbekannt. Doch ein paar Weggefährten erzählen von ihrer persönlichen Geschichte und lassen mir zuweilen den Atem stocken. Sie haben Grauenhaftes erlebt und trotzdem haben sie Vergebung ausgesprochen! Es sei der einzige Weg… das macht mich sprachlos!
„Zwei einfache Wahrheiten: Es gibt nichts, was nicht vergeben werden könnte. Und es gibt niemanden, der keine Vergebung verdient hätte.“ (Desmond Tutu)
Das Besondere in diesem Buch: Die Autorin lässt nicht nur Opfer zu Wort kommen, sondern auch Täter. Die leidvollen Geschichten berichten z.B. von Adèle, die mit eingeschlagenem Kopf und fast abgetrenntem Arm in ein Massengrab geworfen wurde und das eine ihrer beiden Kinder auf abscheuliche Weise verlor oder von Josiane, die als 16-Jährige durch Vergewaltigung schwanger und von der Familie verstossen wurde. Oder von Täterseite berichtet z.B. Emmanuel, der mehrere Menschen ermordet hat, ins Ausland flüchtete, aber später zurückkam, im Gefängnis sass und nun auch für das Versöhnungswerk arbeitet. Die porträtierten Menschen beeindrucken mich sehr: sie haben unendlich viel Leid erfahren und sind doch voller Hoffnung! Auch der Erzbischof, der seit Jahren in Lebensgefahr schwebt und darum speziell beschützt werden muss, gibt nicht auf, seinen Landsmännern und -frauen immer wieder Versöhnung anzubieten… DAS ist gelebter Glaube in Höchstform! Vielen Dank und Gottes Segen für die Autorin und alle an diesem Buch Beteiligten. - Gaël Faye
Kleines Land
(40)Aktuelle Rezension von: gstGabriele ist zehn, als er beginnt aus seinem Leben zu erzählen. Er lebt mit seinen Eltern und seiner drei Jahre jüngeren Schwester in Burundi. Seine Mutter ist eine in Ruanda geborene Schönheit, sein Vater ein Bauunternehmer aus Frankreich. Sehr plastisch beschreibt er das Leben im Vielvölkerstaat mir den vielen unterschiedlichen Sprachen. Vor allem seine Jugendstreiche sind recht amüsant zu lesen.
„Große Ferien sind schlimmer, als arbeitslos zu sein. Zwei Monate hingen wir im Viertel herum und versuchten, uns irgendetwas einfallen zu lassen, was wir mit dem öden Tag anfangen konnten.“ (Seite113)
Doch was sich so romantisch anlässt, ist alles andere als einfach. Zwar hat es Gaby mit seiner privilegierten Familie gut getroffen, doch ein Staatsstreich erschwert das Leben, der folgende Bürgerkrieg macht es gefährlich. Sogar die Kinder beginnen mit Waffen umzugehen.
„Völkermord ist ein schwarzer Sumpf, wer nicht darin untergeht, ist für sein Leben verseucht.“ (Seite 188)
Es ist einfach entsetzlich, was dieser sinnlose Krieg mit den Menschen macht! Kein Wunder also, dass der 1982 geborene Autor Gaël Faye 1994 ins Heimatland seines Vaters floh, wo er Wirtschaftswissenschaften studierte und nach zwei Jahren Arbeit als Investmentbanker in London heute als Musiker und Sänger arbeitet. Für diesen, seinen ersten Roman erhielt er den Prix Goncourt des Lycéens und zahlreiche andere literarische Auszeichnungen.
Das Buch lässt sich sehr gut lesen und gibt Einblicke in ein Land, von dem ich bisher nicht mehr als den Namen kannte.
- Joanna Glen
Die andere Hälfte der Augusta Hope
(23)Aktuelle Rezension von: Simone_081Der Klappentext von "Die andere Hälfte der Augusta" verspricht eine Geschwichster- bzw. sogar eine Zwillingsgeschichte mit einem tragischen Höhepunkt. Darum geht es primär aber gar nicht. Vielmehr spielt die Lebensgeschichte eines Flüchtlingsjungen aus Burundi eine ebenso große Rolle wie das Leben von Augusta Hope.
Ich muss ehrlich sagen, dass es mich immer nervt, wenn Klappentexte eine bestimmte Geschichte versprechen, diese sich aber in eine ganz andere Richtung entwickeln oder nur einen kleinen Teil der Handlung ausmachen. So wie hier. Hätte ich gewusst, dass es eigentlich um ganz andere Dinge in diesem Buch geht, hätte ich es nicht gekauft.
Die Idee, die beiden Handlungsstränge von Augusta und Parfait (der Junge aus Burundi) immer mehr zusammenlaufen zu lassen, finde ich grandios, nur die Umsetzung nicht.
Eigentlich bekommt man die Lebensgeschichte Augustas und Parfaits episodenhaft erzählt. Dies wäre nicht so schlimm, wenn tatsächlich auch mal etwas passieren würde, jedoch ist Augustas Leben sehr unspektakulär.
Der Tod der Schwester, wahrscheinlich der Höhepunkt, deutet sich aber schon sehr früh an und ist deshalb auch nicht wirklich überraschend oder interessant.
Verstärkt wird dies auch dadurch noch, dass die Charaktere entweder unsympathisch (Augusta, Augustas Eltern, Diego) sind oder einfach nur farblos (Julia, Parfait).Es fehlt einfach an Tiefgang und ja, auch an Spannung. Alles plätschert so vor sich ohne große Höhen und Tiefen. Man fiebert nicht mit, man lebt nicht mit, man will es einfach nur hinter sich bringen.
Wie gesagt, die Geschichte ist nicht schlecht, aber nichts jedermanns Sache.






