Bücher mit dem Tag "ch: niveau 2016"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "ch: niveau 2016" gekennzeichnet haben.

46 Bücher

  1. Cover des Buches Die Blechtrommel (ISBN: 9783423138192)
    Günter Grass

    Die Blechtrommel

     (541)
    Aktuelle Rezension von: Lorenz1984

    Danke Herr Grass für diesen längeren Ausflug in die Welt von Oskar Matzerath. 

    Dieses Buch kann ich definitiv mit nichts vergleichen was ich bisher gelesen habe... 

    Jedem zu empfehlen der Lust auf etwas unkonventionelles hat! 

  2. Cover des Buches Die Rettung des Horizonts (ISBN: 9783100022165)
    Reif Larsen

    Die Rettung des Horizonts

     (7)
    Aktuelle Rezension von: sursulapitschi
    Dieses Buch ist erstaunlich in jeder Hinsicht. Ich habe es gerne gelesen, auch wenn ich es nicht verstanden habe. 

    Reif Larsen schreibt toll, eloquent und humorvoll mit viel Liebe zu seinen Figuren. Hier lernt man jeden ganz genau kennen. Tatsächlich benötigt das Geschehen am Ende drei Hauptprotagonisten, die wirklich außergewöhnliche Menschen sind und deren Familiengeschichte über drei Generationen rückwirkend ausgerollt wird. Man tummelt sich ausführlich in Amerika, Norwegen, Serbien und Kambodscha bis man sich zum großen Showdown in Afrika versammelt.

    Letztendlich geht es wohl um Kunst, vielleicht auch die Kunst zu leben. Radar Radmanovic und seine Kollegen Otik und Lars sind Überlebenskünstler, Ausnahmemenschen, Getriebene mit genialen Begabungen, die an Magie gemahnen und mit Visionen, die wahnhaft anmuten. All das werfen sie in einen Pool, um DAS große Projekt zu realisieren, von dem sie selbst bis zum Schluss nicht so recht wissen, was es genau ist. Auf jeden Fall sind zauberhafte mechanische Vögel in Massen erforderlich.

    Dieses Buch ist dick und ein dickes Rätsel. Bis zum Schluss weiß man nicht so recht, worum es hier wirklich geht und auch am Ende ist das nicht hinlänglich geklärt. Es erzählt mehrere absonderliche Familiengeschichten, die sich immer wieder streifen, aber eins gemein haben: Hier treffen sich Menschen mit besonderen Begabungen und Passionen aus unterschiedlichsten Bereichen, die in physikalische Grenzbereiche vorzudringen scheinen, bis etwas leicht morbide Magisches entsteht. Es fesselt durchaus, amüsiert auch oft und unterhält auf jeden Fall nur wirklich verstehen kann man es nicht. Wahrscheinlich ist es tatsächlich eine Grenzerfahrung. 
  3. Cover des Buches Der Fall Meursault - eine Gegendarstellung (ISBN: 9783462050608)
    Kamel Daoud

    Der Fall Meursault - eine Gegendarstellung

     (11)
    Aktuelle Rezension von: JoBerlin

    Kamel Daouds Gegendarstellung zum Fall Meursault bezieht sich auf das Buch „Der Fremde“ von Albert Camus. In diesem Roman mit Handlungsort Algerien wird ein Araber getötet. Es gibt keine wirkliche kriminalistische Untersuchung, der Täter Meursault, ein algerischer Franzose, ist schnell gefasst, er leugnet nicht. Ein Exempel soll statuiert werden, der Staat fordert die Todesstrafe.


    „Der Fall Meursault“ ist nicht die erste literarische Replik auf Camus – das ist verständlich, ein so sinnloser Mord wie hier geschildert, provoziert geradezu die Weiterbeschäftigung mit der Untat.
    Kamel Daoud möchte dem Gemordeten ein Gesicht, eine Geschichte, einen Namen geben. Dabei wird impliziert, dass sein Zuhörer, also sein Leser, sozusagen der gegnerischen Gruppe der verhassten Kolonialherren angehört, er wird süffisant-sarkastisch mal als „Herr Kommissar“, mal als „Herr Literaturwissenschaftler“ tituliert. Die Überheblichkeit, die der Erzähler der Leserschaft unterstellt ist jedoch nicht stimmig, vielmehr entsteht der Eindruck, als möchte er sich als Rechtsanwalt seiner selbst erhöhen. Und hat er nicht vielmehr eigene, ganz private Gründe für seinen Hass auf den Mörder und seinen Autor Albert Camus? „Während ich nach Spuren meines Bruders suchte, fand ich mich selbst wiedergespiegelt und entdeckte mich fast als Doppelgänger des Mörders“. 


    Interessant und wichtig ist die Darstellung von Frauengestalten, denn eine Frau war die Auslöserin der tödlichen Auseinandersetzung im Roman Camus‘. Doch ihre Persönlichkeit, ihre Leiden interessieren Daoud nicht und werden also auch nicht weiter untersucht. Frauen sind entweder Mütter oder Schwestern oder eben Huren. Und doch ist da eine zum Verlieben - „sie gehörte zu einer Art von Frauen, die es heute in diesem Land nicht mehr gibt: frei, bereit sich erobern zu lassen und zu erobern, niemanden unterworfen sein und ihren Körper als Gabe zu leben und nicht wie eine Sünde oder Schande“ – doch sie verlässt ihn, selbstbewusst und frei eben.


    So werden nach und nach Motive aus „Der Fremde“ abgearbeitet: die ungeliebte Mutter, die unglückliche Liebe, die hoffnungslose Religion. Auch wenn Daoud behauptet „das ist keine banale Geschichte von Vergeltung und Rache, das ist ein Fluch, eine Falle“ wiederholt sich in seiner Roman-Spiegelung beständig und ermüdend der grundsätzliche Vorwurf: Der Mord an einem namenlosen Araber durch einen blasierten Franzosen. 

     
    Im Fazit muss sein Roman als misslungen bezeichnet werden, geht seine Gegendarstellung komplett an Sinn und Inhalt von „Der Fremde“ vorbei und kann Camus mit seiner Kritik niemals erreichen. Camus geht es gar nicht um Schuld und Sühne eines Mordes, noch um Dispute zwischen Arabern und Franzosen , sondern um die Darstellung der Gleichgültigkeit der Welt. Hinter unseren Taten, unseren kleinen Leben, steht kein tieferer Sinn. Der Mensch steht nicht im Einklang mit Gott oder mit der Natur. Er steht allein und kann nur selbstbestimmt für sich eine Sinnhaftigkeit des Daseins schaffen.
    Daoud hat dazu nichts zu sagen. Absurd.

  4. Cover des Buches Wir kommen (ISBN: 9783746633596)
    Ronja von Rönne

    Wir kommen

     (65)
    Aktuelle Rezension von: Buchstabenliebhaberin
    Nora ist so passiv, dass es weh tut. Dass ich sie schütteln möchte. Ich mag solche Menschen nicht, die immer abwarten, was andere sagen, die ihr Fähnchen in den Wind hängen, die mitmachen, die reagieren. Die niemals agieren, vorangehen, eigene Entscheidungen treffen. Furchtbar!

    "Wir kommen" ist aus der Sicht von Nora geschrieben. Nora arbeitet beim Fernsehen, ist jung, erfolgreich, attraktiv. Sie ist etwas besonderes, denn sie lebt polyamor mit Karl, Jonas und Leonie. Eine Viererbeziehung. Allerdings nicht ihre Idee, Karl ist der Macher, die treibende Kraft und Kontrollinstanz dieser Beziehung. Die drei anderen trudeln mit. Aber irgendwie ist die Luft raus. Ein Aufenthalt im Haus am Meer soll frischen Wind in die angeschlagene Beziehung bringen.

    "Selbst das Strandhaus versprach nichts, als wir schließlich ankamen, sondern stierte uns nur ratlos an."(S.59)

    "Der Tag lag leer vor mir herum, nur notdürftig strukturiert von Grundbedürfnissen."(S.132)

    Parallel dazu erzählt Ronja von Rönne Szenen aus Noras Kindheit, ihre Freundschaft mit der wilden Maja, die Farbe und Action in ihr schon damals sehr ödes, stilles Leben bringt. Maja, Tochter einer alleinerziehenden Alkoholikerin, schlägt ständig böse über die Stränge und weiß genau, was sie will. Nora folgt ihr, dankbar, dass endlich jemand Leben in ihr Leben bringt.

    Später löst der Junge Karl Maja ab, bis Leonie in Karls junges Erwachsenenleben tritt. Karl beschließt allerdings, dass er beide Frauen behalten will, und die beiden ordnen sich unter. Für Nora wird der missmutige Jonas hinzugefügt, der aber lieber mit Leonie und ihrem Kind Emma-Lou seine Zeit verbringt. Kein idealer Zustand, aber besser als nichts, außerdem lässt sich diese Konstellation als außergewöhnlich und besonders verkaufen. Keine gewöhnliche, langweilige Zweierbeziehung, hurra. Und gegen die Langeweile wird eine große Party ausgerichtet, um sich und den anderen zu beweisen, wie toll man doch ist.

    Ronja von Rönne beschreibt das Innenleben von Nora auf eine fantastische Art und Weise. Als Paniktagebuch. Jede Nacht wird Nora von der Panik geweckt. Kein Grund für sie, nicht wie gewohnt weiterzumachen, etwas anderes hat sie nie kennen gelernt. Einfach abwarten, ob sich etwas von alleine ändert oder ein anderer die Richtung ändert. Das gesamte Buch wartet sie auf eine Nachricht von Maja - obwohl sie weiß, dass keine kommen wird? Oder doch?

    Ich mag es, wenn mir die Protagonistin so zutiefst unsympathisch ist. Wenn mir jemand Charaktere und deren Beweggründe (tolles Wort für passive Menschen!), die herrlich idiotisch und sich selbst in die Tasche lügend sind, so begreiflich machen kann. 


  5. Cover des Buches Frühstück mit den Borgias (ISBN: 9783351050269)
    DBC Pierre

    Frühstück mit den Borgias

     (39)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    INHALT: Ariel Panik, ein noch junger Informatik-Professor an der Boston University, ist auf dem Weg nach Amsterdam, um dort auf einem Kongress über Künstliche Intelligenz zu sprechen. Das ist aber nicht sein einziges Ziel: Es wartet dort auch Zeva, eine seiner Studentinnen und seine Geliebte, um mit ihm ein vergnügliches Wochenende zu verbringen. Dummerweise wird Ariels Flug wegen dichten Nebels nach London umgeleitet, von wo er von einem mürrischen Taxifahrer bis an die Steilküsten von Suffolk und in ein altmodisches Hotel gefahren wird: »The Cliffs«.

    Dort gibt es weder Handyempfang noch WLAN, selbst der Fernseher in seinem Zimmer und zeigt nur ein verrauschtes Programm in schwarz-weiß. Für Ariel, der sein gesamtes Leben im Netz plant und organisiert und für den Fortschritt und Technik die einzigen Religionen sind, ist das Cliffs eine einzige Zumutung. Der Hotelmanager und sein Kompagnon wirken nicht sehr zutraulich und dann gibt es da noch diese seltsame Familie, die Borders, die in der Lobby sitzen, Ariel einen Drink nach dem anderen spendieren und sich erstaunlich gut mit Quantenmechanik auskennen. Als am nächsten Morgen die Polizei das Hotel umzingelt und Ariel eines Verbrechens verdächtigt wird, das nie benannt wird, ahnt er, dass er so schnell nicht nach Amsterdam kommen wird und im The Cliffs festsitzt. Währenddessen bekommt Zeva in Holland eine SMS nach der anderen (angeblich von Ariel), die sie an seiner Zurechnungsfähigkeit zweifeln lassen…

    FORM: DBC (dirty but clean) Pierre hat mit FRÜHSTÜCK MIT DEN BORGIAS einen Roman geschrieben, der anfänglich die Nachteile einer durchdigitalisierten Welt und die sozialen Defizite der netzabhängigen Jugend zum Thema hat, relativ schnell aber in einen waschechten Gruselkrimi kippt. Die Geschichte wirkt locker aus dem Handgelenk geschrieben, ist spannend und voller kauziger Charaktere und Cliffhanger – wohl ein sogenannter Pageturner. Und auch wenn sich bei mir im letzten Drittel eine gewisse Verwirrung einstellte, weil ich dem Ganzen nicht mehr so recht folgen konnte (ich will aber nicht zu viel verraten), entschädigte mich das Buch mit einem Aha-Effekt-Finale, das viele Fragen löst.

    FAZIT: Für die volle Punktzahl reicht es nicht, da fehlt es mir an Relevanz. Dennoch ist FRÜHSTÜCK MIT DEN BORGIAS ein gelungener kleiner Schmöker der zu unterhalten weiß und mir vier Sterne inklusive Leseempfehlung wert ist.

    *** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

  6. Cover des Buches Mit leichtem Gepäck (ISBN: 9783423280761)
    Laurent Mauvignier

    Mit leichtem Gepäck

     (0)
    Noch keine Rezension vorhanden
  7. Cover des Buches Mädchen für Morris (ISBN: 9783813505719)
    Roman Graf

    Mädchen für Morris

     (4)
    Noch keine Rezension vorhanden
  8. Cover des Buches Fließsand oder Eine todsichere Anleitung zum Scheitern (ISBN: 9783421046819)
    Steve Toltz

    Fließsand oder Eine todsichere Anleitung zum Scheitern

     (8)
    Aktuelle Rezension von: melanieliest
    Hierbei handelt es sich um ein kostenloses Rezensionsexemplar. Weder wurde ich für die Rezension bezahlt noch wurde meine Meinung in irgendeiner Weise beeinflusst.

    Gefällt dir mein Video? Über ein Abo würde ich mich freuen! http://youtube.com/melanieliest
  9. Cover des Buches Rebecca (ISBN: 9783458744825)
    Daphne Maurier

    Rebecca

     (374)
    Aktuelle Rezension von: Elisabeth_Rettelbach

    "Rebecca" ist eines meiner Lieblingsbücher, das ich immer wieder lese. Oft wird die Geschichte in die gruselig-romantische Schublade gesteckt. Ich habe sie aber nie so erlebt. Die Beziehung zwischen der zweiten Mrs. de Winter und ihrem Mann ist toxisch. Die oft angepriesene "Geistergeschichte" ist nicht-existent, sondern die naive junge Frau leidet klar unter Verfolgungswahn und interpretiert alle Geschehnisse um sich herum in dem Bewusstsein, nicht gut genug zu sein. Dies gefällt mir aber, denn die Art, wie du Maurier diese krankhafter Unsicherheit zwischen den Zeilen subtil einbaut, ist meisterhaft.

    ((Es wird jetzt ein klein wenig gespoilert ...))

    Über die Rolle der Rebecca hab ich lange nachgedacht. Für mich ist die Auflösung der Sache am Ende nicht ganz so einfach, wie sie oft gesehen (und vermutlich auch von du Maurier gedacht) wird. Wir haben NUR Maxims Wort, dass Rebecca ihr Schicksal verdient hat (ohne jetzt zu viel zu spoilern), und er hat ein Interesse daran, die Ereignisse auf seine Weise zu erzählen, daher halte ich ihn nicht für einen verlässlichen Erzähler. Was aber auch den Reiz der Handlung für mich ausmacht. Für mich ist Rebecca ein Symbol dafür, wie ein Frau nicht sein darf oder damals nicht sein durfte. Einen Mann hätte man für die Dinge, die Rebecca (angeblich) angestellt hat, bei weitem nicht so abgestraft. Gesellschaftlich „unkonventionelle“ Frauen sind ja schon ein wiederkehrendes Thema bei du Maurier. Andererseits gibt es auch eine Menge internalisierte Misogynie bei ihr, und ich denke, dass sie den Doppelstandard hier tatsächlich nicht gesehen und Maxim als traumatisiertes Opfer intendiert hat. Meine Interpretation geht also vermutlich weg von der Autorenabsicht. Dennoch weiche ich nicht davon ab. ;-) 

    Die Handlung ist mitreißend und spannend. Es gibt viele Träumereien, aber keinerlei Sentimentalitäten und kein Mitleid. Das mag ich. Es ist kein Kitsch.

  10. Cover des Buches Die Köchin von Bob Dylan (ISBN: 9783871347092)
    Markus Berges

    Die Köchin von Bob Dylan

     (6)
    Aktuelle Rezension von: BettinaR87

    Eigentlich ist Jasmin gerade erst nach Hause zurückgekehrt. Mission: Sesshaft werden. Nur ruft dann eine Exfreundin an, die jetzt schwanger ist. Ob Jasmin ihren Job haben wolle? Naja, eigentlich nicht. Aber obwohl... Wie oft hat man schließlich die Gelegenheit, die Köchin von Bob Dylan zu werden? Und so fliegt sie zu ihrem ersten Einsatz: Odessa. Dort erhält sie einen merkwürdigen Anruf - ein alter Mann habe einen Anfall erlitten und spreche seither nur noch Deutsch. Und er behauptet, dass sein Name Florentinius Malsam sei - und damit auch Jasmins Großvater, der offiziell seit '43 als verschollen galt.

    Die Kritik

    Wo kommen wir her? Wie sehr definiert uns unsere Herkunft? In einem Europa, in dem aktuell das Flüchtlingsthema durch die Köpfe schwappt, kommt dieses Buch gerade richtig. Denn es erinnert an ein Europa, wie es heute unendlich fern scheint: Zerrissen, Nationalitäten bunt gemischt und durch den Krieg brutal verloren. Ein Europa, in dem mal eine Bevölkerungsgruppe an der Macht ist und andere blutig unterdrückt. Im nächsten Jahr sind die Opfer an die Spitze gerückt und nehmen blutige Rache. Wie auch der allgegenwärtige George RR Martin es nannte: Ein blutiges Rad des Machtspiels. Doch hier gibt es keine Daenerys, die dieses Rad zerbrechen möchte. Hier gibt es das Ende eines Kriegs, der vor Jahrzehnten auch Familien zerrissen hat - was sich trotz all des tollen Friedens in den letzten Jahren immer noch auswirkt. An all diese innereuropäischen Flüchtlinge darf sich unser Kontinent durchaus mal erinnern.

    Besonders gelungen ist dabei der Wechsel der Erzählzeiten: Mal begleiten wir Jasmin auf ihrem Weg in die Vergangenheit ihrer Familie. Mal stehen wir neben Florentinius Malsam und erleben, wie die Sowjets das Dorf in Beschlag nehmen, dann die Deutschen, dann die verbliebene Bevölkerung. Und Florentinius? Dessen Lebensweg gleicht in den Grundprinzipien seiner unbekannten Enkeltochter - mal läuft das Leben so, mal anders. Und irgendwo dazwischen stellt man fest: Es ist eigentlich ganz okay so.

    Auch die Haptik und die Gestaltung des Covers sollte nicht unerwähnt bleiben - sehr cool geworden! Und ganz nebenbei kann der Leser mit auf dem Steak gewordenen Tschechow-Gelände lustwandeln.

    Fazit: Hochinteressant, nicht arrogant, liest sich flüssig, gibt zu denken, macht neugierig darauf, was damals mit den Menschen in der Ukraine passiert ist - was kann ein Leser mehr wollen? Richtig, ein geschlossenes Ende. Das gibt es bei Die Köchin Von Bob Dylan nämlich nicht - entsprechend bleibt da emotional ein kleines Vakuum übrig.

  11. Cover des Buches Der Hydrograf (ISBN: 9783866482623)
    Allard Schröder

    Der Hydrograf

     (20)
    Aktuelle Rezension von: lesestunden
    Insgesamt habe ich die Geschichte als unterhaltsam empfunden, wurde aber vom Buch nicht mitgerissen oder begeistert. Dazu ist Franz ein zu farbloser Mensch und auch die anderen Passagiere sind einem nicht wirklich sympathisch. Nennenswerte Spannung hat die Geschichte ebenfalls nicht. Die Darstellung des Meeres und den Bezug, den Schröder immer wieder zu Franz Innenleben herstellt, ist hingegen sehr gut gelungen. Die Stärke von diesem Roman liegt in der Charakterisierung eines durchschnittlichen Menschen, die sich durchaus echt anfühlt und mit dem geschilderten Lebensweg, Gedanken und Gefühlen sehr gut eine Persönlichkeit portraitiert. Als kurzweilige Zwischenlektüre zur Zerstreuung ist das Buch durchaus empfehlenswert, große Gefühle, Emotionen oder eine packende Liebesgeschichte erwarten hier den Leser allerdings nicht.

    Ausführliche Rezension:  http://www.lesestunden.de/2017/02/der-hydrograf-allard-schroeder/
  12. Cover des Buches Die Verflüchtigten (ISBN: 9783827012227)
    Thomas Reverdy

    Die Verflüchtigten

     (6)
    Aktuelle Rezension von: JulesBarrois
    Die Verflüchtigten von Thomas Reverdy (Autor), Brigitte Große (Übersetzerin), 320 Seiten,Berlin Verlag (1. März 2016), 19 €, ISBN-13: 978-3827012227

    Wer hat nicht schon mal den Wunsch verspürt oder zumindest eine flüchtige Idee, den verrückten Wunsch für immer zu verschwinden, alles hinter sich zu lassen und nie mehr zurückzukehren? Einfach sehr langsam zu verdunsten, wie Morgentau unter dem warmen Atem einer aufgehenden Sonne. Seit dem Tsunami und der Atomkatastrophe im Jahr 2012, sehen viele Japaner keine andere Möglichkeit, als diese Form des Exils. Sie werden "Johatsu", die Verflüchtigten genannt. Rezession, Schulden bei kriminellen Organisationen, die Krise, Arbeitslosigkeit und das Ausmaß der Katastrophe in Fukushima, haben diese alte Praxis aus der Edo-Zeit als Diebe und Kriminelle sich zu den warmen Quellen am Fuße des Fuji auf machten, um sich zu reinigen und dann in dem warmen Wasserdampf verschwanden.

    Diese Möglichkeit wählt auch Kazehiro (Kaze), ein ehrlicher Banker, nach dem skandalösen Spekulationen bei der großen Investmentgesellschaft, für die er arbeitet. Als er irgendwielästig wird, wird er ins Abseits gedrängt und entlassen. Bedroht durch die Unterwelt, ist ihm klar, dass er, um seine Frau zu schützen und sein Leben zu bewahren, jetzt einer der vielen Namenlosen werden müsse.

    Als seine Tochter Yukiko die Nachricht von seinem Verschwinden erfährt, fliegt sie, die seit zehn Jahren in den Vereinigten Staaten lebt, sofort nach Japan. Sie wird von ihrem ehemaligen Partner, Detective Richard begleitet, der sich, in der Hoffnung sie zurück zu gewinnen, bereit erklärt hat, ihren Vater für sie zu finden.

    Während Yukiko zu ihren Wurzeln zurück kehrt, entdeckt Richard die Komplexität einer interessanten und faszinierenden Welt. Während seiner anonymen Wanderschaft kreuzen Kazes Pfadesich mit Akainu - einem Jungen, der seine Familie im Chaos des Tsunami verloren hat.

    Richard, Kaze, Yukiko, Akainu, diese vier Figuren, verkörpern jeder auf seine Weise eine Form der Flucht, zwischen Hoffnung und Angst, auf der Suche nach Liebe, Gerechtigkeit oder Herkunft. Gleichzeitig öffnet uns das Buch die Türen zu einem Land voller Charme undEinzigartigkeit und zum Herzen einer Gesellschaft in ständiger Balance zwischen Tradition und Moderne, auf der Bruchlinie zwischen der Raffinesse und Eleganz und den Regeln der Gewalt r, zwischen der ursprünglichen sozialen Codes und der Attraktivität der Moderne. Wir erleben zwei parallele Universen, die sich überlappen, die miteinander koexistieren, die sich vermischen, ohne jemals völlig zu verschmelzen.

    Dieser Roman ist atemberaubend in mehr als einer Hinsicht. Es ist ein Roman mit einem geheimnisvollen Zauber, ein Roman von Dämmerung, Traum und Wirklichkeit. Denn die Geschichte ist in eine zarte und abklingende Atmosphäre getaucht, wo in der Dämmerung die Süße und die Kraft der Verzauberung durch einen bittersüßen Traum durchscheint.

    Der Autor beschreibt sehr gut die Entwicklung von Japan nach dem Tsunami, der alles, was ihm im Weg stand wegspülte, nicht nur materielle Güter, sondern auch die Lebensweise, Kultur, ja, eine komplette Zivilisation. Die Menschen, die alles verloren haben, werden Flüchtlingein ihrem eigenen Land.Ohne Melancholie, aber empfindsam auf den höchsten Punkt zeichnet Thomas Reverdy ein Porträt des zeitgenössischen Japan, dämmerig, gequält, in endlosen Krisen, Natur- und Nuklearkatastrophen, der Griff der Yakuza auf die Wirtschaft, die Korruption der Eliten.

    Der Roman prangert die unerhörte Ausbeutung menschlicher Not und Elend der Opfer nach der Katastrophe an. Er prangert auch die Korruption der Beamten und den japanischen Staat an, wegen seiner Nähe zur japanischen Mafia „Yakuza“.

    Der Stil des Autors ist wie eine schöne, glatte Schrift, sensibel und poetisch, zart und nicht ohne Ironie, klar und wohlklingend, einfach schön, wie ein fein geschliffener Opal. Thomas Reverdy zeichnet sich vor allem in der Technik von Aphorismen aus. Es gelingt ihm zweifellos in ein schönes Porträt des zeitgenössischen Japan zu liefern, diese "moderne“ Japan, das nur ein schwacher Abglanz des „tradionellen“ Japans ist.

    Die Verflüchtigten lässt sich sehr gut zu lesen und scheint mir für alle geeignet, die gerne in total andere Vorstellungswelten eintauchen möchten.


    Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Berlin Verlages

    http://www.berlinverlag.de/buecher/die-verfluechtigten-isbn-978-3-8270-1222-7

    Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

  13. Cover des Buches Stockmans Melodie (ISBN: 9783426304389)
    João Tordo

    Stockmans Melodie

     (7)
    Aktuelle Rezension von: miss_mesmerized
    Hugos Flucht nach Kanada hat ihn auch nicht wirklich weitergebracht. Zwar hat er dort den Kontrabass und Jazz Musik für sich entdeckt, aber schließlich zieht es ihn doch mittel- und perspektivenlos in die portugiesische Heimat zurück. Auf einem Konzert des berühmten Pianisten Luiz Stockman meint er sich verhört zu haben: hat dieser Musiker gerade genau die Melodie gespielt, an der er seit Jahren komponiert? Wie ist er an die Noten gekommen? Und warum sieht Stockman aus wie sein toter Zwillingsbruder? Eine irrwitzige Verfolgung beginnt. Tordo gelingt es in seinem Roman den typisch portugiesischen Fardo einzufangen. Die Geschichte wird von einer schwer greifbaren, aber stets präsenten Melancholie überlagert. Das macht sie nicht schwer, aber traurig. Man wünscht sich ein Happy-End für Hugo, oder zumindest eine Erklärung. Diese wird der Figur vorenthalten, aber dem Leser präsentiert. Der Bruch ist ungewöhnlich, der vermeintliche Autor, der sich direkt an den Leser wendet und seine Sicht der Dinge schildert - man liest dies selten und ist irritiert bis verwundert. Aber es erlaubt auch die zweite Perspektive, die von genauso viel Traurigkeit und Einsamkeit geprägt wird. Ein emotional aufgeladenes Buch, das tief berührt ohne jedoch zu verstören.
  14. Cover des Buches Das Pfingstwunder (ISBN: 9783518468418)
    Sibylle Lewitscharoff

    Das Pfingstwunder

     (6)
    Aktuelle Rezension von: Aliknecht
    Sibylle Lewitscharoff spricht in Interviews  spontan und offen und wirkt deshalb sympathisch. Zudem erschien die Idee zu ihrem letzten Roman attraktiv. Im " Pfingstwunder" treffen sich Wissenschaftler aus aller Welt auf einem Kongress über die Göttliche Komödie in Rom. Die führenden Dante-Experten konferieren im Saal der Malteser auf dem Aventin. Sie interpretieren und diskutieren die Divina Commedia und geniessen in den Kaffee-Pausen den einzigartigen Blick über Rom. Sibylle Lewitscharoff hat sich tief in den Stoff eingearbeitet. Sie kennt die lange Übersetzungs- und Interpretationstradition und der Leser erfährt darüber so manches. Dann läuft die Geschichte auf einen merkwürdigen Höhepunkt zu: ein neues Pfingstwunder bricht über die Tagungsteilnehmer herein. "Ein sonderbar tiefer Ton mit pulsierendem Rand" lässt sie verstummen. Es war ungeheuerlich. Einer nach dem anderen klettern sie auf die Fensterbretter und fliegen davon. Nur ein einziger Frankfurter Romanist bleibt zurück. Ohne ihn hätten wir  von dem Vorfall nie erfahren, denn er erstattet beim Verhör auf der Questura Bericht und verfasst die vorliegenden Conference Proceedings. 

    Das Pfingstwunder ist ein enttäuschendes Buch. Man hätte doch viele Aspekte aus dem echten Leben verwenden können. Ein Tagungsverlauf mit alten Platzhirschen, die versuchen die Newcomer niederzuhalten, Streit um die Reihenfolge von Vorträgen, Kampf verschiedener Schulen um Interpretationshoheit, Modethemen, die bald wieder verschwinden, wenige erstaunliche Koryphäen, breites solides Mittelmaß und ein paar völlig Unterbelichtete, persönliche Animositäten, seit Jahren immer gleich wiederholte Vorträge, ein paar Highlights, kumpelhafte US-Amerikaner, in unverständlichem Englisch radebrechende Spanier, die überdies ihren heiligen Landestraditionen folgend immer eine halbe Stunde zu spät kommen und Chinesen, die hauptsächlich für Kollegen, die nicht mitreisen durften, entschädigende Souvenirs beschaffen müssen, elegante Italiener und Deutsche in Trainingshosen.  

    Bei Sibylle Lewitscharoff ist jeder Vortrag gut, jede Präsentation wird beklatscht und gelobt, es gibt nahezu keine Kontroversen, kaum Eitelkeiten und wenig nationale Eigenheiten. Es ist eher wie in der Epoche Himmel, Hölle, Fegefeuer an einer Waldorfschule. Solche Konferenzen gibt es nicht. Tagungsteilnehmer fliegen auch nicht durch Fenster davon, sondern fliegen in der Regel mit ihren nationalen Airlines zurück nach Hause. Man sollte einen Roman nicht wegen mangelnder Realitätsbezüge kritisieren. Aber warum muss Fiktion langweiliger als Realität sein? Märchenhafte Züge können manchmal bezaubern, aber hier verstehe wer will, was das soll mit dieser wunderbaren Himmelfahrt und einem Aderlass auf Expertenebene. 

    Ausgabe: Sibylle Lewitscharoff Das Pfingstwunder Suhrkamp Berlin 2016 Erstausgabe (gelesen im Dezember 2016)
  15. Cover des Buches Die Füchsin spricht (ISBN: 9783905951813)
    Sabine Scholl

    Die Füchsin spricht

     (0)
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  16. Cover des Buches Eine Handvoll Sekunden (ISBN: 9783905951912)
    Peter Verhelst

    Eine Handvoll Sekunden

     (0)
    Noch keine Rezension vorhanden
  17. Cover des Buches Letzte Freunde (ISBN: 9783446252905)
    Jane Gardam

    Letzte Freunde

     (53)
    Aktuelle Rezension von: Yolande
    Jane Mary Gardam wurde 1928 in England geboren. Sie studierte Englisch am Bedford College der University of London. Nach dem Studium arbeitete sie als reisende Bibliothekarin für Krankenhausbibliotheken des Roten Kreuzes. Anschließend wechselte sie in den Bereich Lektorat des Weldon Ladies Journal und Time and Tide. Ihr erstes Buch veröffentlichte sie mit 43 Jahren.
    Sie erhielt zahlreiche Literaturpreise. Bisher wurden erst 4 ihrer Bücher ins Deutsche übersetzt. 
    2009 wurde sie zum Officer des Order of the British Empire ernannt. Jane Gardam lebt in Sandwich/East Kent.

    Inhalt (Klappentext): 
    Es ist Abscheu auf den ersten Blick, der Edward Feathers und Terry Veneering, die glänzendsten Juristen des Empire, ein Leben lang verbindet. Als ebenbürtig brillante Gegner in zahllosen Prozessen hassen sie einander schon, bevor sie sich in dieselbe Frau verlieben. Und es wird ein Leben lang dauern, bis sie bemerken, dass sie ebenso gut Freunde sein könnten. Was hat Feathers Frau Betty so angezogen an Veneering, dem Mann mit dem weißblonden Harr, der mit der schönsten Frau und Tochter der reichsten Familie Hongkongs verheiratet ist? Worum beneiden die erbitterten Feinde sich mit solcher Intensität?

    Ich war ja schon von den ersten beiden Bänden der "Old-Filth-Reihe" die wilden Zeitsprünge in der Erzählung gewohnt, aber in diesem Buch ist es so ausgeprägt, dass die Geschichte stellenweise wie ein wirres Geschreibsel wirkt. 
    Die stärksten Passagen waren diejenigen, die in der Kindheit und Jugend Terry Veneerings spielen. 
    Der Schreibstil von Jane Gardam ist ungewöhnlich und gefällt mir eigentlich gut, aber leider hat sie es dieses Mal etwas übertrieben.
    Manchmal hatte ich das Gefühl, sie wollte damit die Verwirrtheit und Konfusion der älteren Protagonisten deutlich machen: Die Vergangenheit ziemlich klar, die Gegenwart undeutlich und verwirrend. Ein interessanter Schachzug, aber es war mir dann doch etwas zuviel. Wenn ich nicht die beiden ersten Bände gelesen hätte, hätte ich dem Ganzen wohl ziemlich ratlos gegenüber gestanden. 
    Leider ein enttäuschender Abschluss :/




  18. Cover des Buches Die Haltlosen (ISBN: 9783943562552)
    Oguz Atay

    Die Haltlosen

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  19. Cover des Buches Zombie Wars (ISBN: 9783813506976)
    Aleksandar Hemon

    Zombie Wars

     (2)
    Aktuelle Rezension von: michael_lehmann-pape
    Wenn der soziale Sprengstoff zündet

    Wie nun Joshua Levin, im Hauptberuf Englisch Lehrer für Migranten, darauf kommt, dass er eine wie immer geartete Begabung zum Verfassen von Drehbüchern besitzt, so richtig gezündet hat das noch nicht.

    Und auch, was er als „neuen Zombie-Film“ aktuell in seinen Fantasien vor sich ablaufen lässt (und was im Buch immer wieder als Seiten dieses neuen Drehbuches dem Leser mit präsentiert wird, so richtig neu, anders, auch nur spannend, ist das alles nicht.

    Vielleicht sollte Levin sich sein eigenes Leben zum Drehbuch nehmen? All die Leute, die ihn umgeben, auf die er trifft, zu Helden eines noch nicht gedrehten Films gestalten?

    Denn da liegt schon genügend Stoff bereit, um zumindest den aktuellen Zustand der Welt, zumindest die individuelle und damit auch die gesellschaftliche Entwicklung Amerikas mal näher zu beleuchten.

    „Keine Erinnerung aus irgendwelchen Filmen konnte ihm sagen, was er tun sollte, wenn sich tatsächlich jemand in seinem Schlafzimmer befand. Und so erstarrte er bloß, als er den Mann entdeckte, der auf dem Fußboden kniete“.

    Was nun sich zunächst liest wie ein Teil eines Thrillers, einer Verschwörung, zumindest eines gefährlichen Einbruchs entpuppt sich als die Suche nach gebrauchten Männerunterhosen. Zu einem bestimmten Zweck natürlich.

    Und schon hier, in einer der frühen Szenen des Romans zeigt sich, wie genau Hemon beobachtet, was mit den Menschen in seinem Umfeld, in Amerika passiert und das er ebenso die Gabe besitzt, dies in surreal wirkenden Handlungen und Szenen packend niederzulegen. Denn anscheinend reicht der Alltag noch nicht mal für einen ordentlichen Einbruch, sondern zeugt auch in solchen Momenten nur von der Verwirrtheit der einzelnen Personen im Roman. Zeugt von einer Art „insulären Lebens“, bei dem nur noch die eigene Sicht, die eigenen Verschrobenheit als Mittelpunkt der Welt gesehen werden können.

    Wie auch der (eher selbsternannte) Leiter des Drehbuchseminars schon an hier und da auftretenden roten Flecken erkennen lässt, dass in ihm die ein oder andere Sicherung nicht mehr richtig geschaltet ist. Und natürlich nicht eher damit zu tun hat, dass er nicht in Hollywood sitzt. Sondern „die da“ und überhaupt seine freie Entscheidung.

    Da scheint die Freundin Joshuas die einzige Konstante, der einzige Lichtblick mit festem Stand zu sein. Kimmy, Kinderpsychologin, die Joshua aus ihm (und auch aus den Augen des Lesers) eher unerfindlichen Gründen zu ihrem Auserwählten gewählt hat.

    Aber ist sie wirklich die stabile und klare Person, die sie scheint? Und warum riskiert Joshua sein Glück mit einer seiner Schülerinnen (zumindest in der Fantasie), wenn er doch froh sein könnte, Halt zu finden bei all dem, was da den Bach hinuntergeht im Land.

    Aktionen Joshuas, die Folgen haben werden und ihn selbst zu einem Verfolgten machen.

    Und so passt es wieder, dass in Joshuas Kopf ein Zombie Film abläuft, denn nichts Anderes ist dieses Genre ja als eine blutige Darstellung der Aufweichung und Zerstörung allen Gewohnten, aller Abläufe, aller Sicherheiten, aller gesellschaftlich sichernder Rahmungen.
    Mit einigen Längen versehen ist die Geschichte des Joshua Levin allerdings gerade im Mittelteil des Buches, da, wo der Leser sich zum einen im Universum der sehr eigenartigen Figuren zurechtgefunden hat und bevor die Ereignisse wirklich Fahrt aufnehmen, denn ebenso wie seine erdachte Hauptfigur sich gegen eine Zombie-Invasion zu stellen hat, sieht sich auch Joshua realen Verfolgungen und Gefahren gegenüber, die nicht einfach von der Hand zu weisen sind.

    Auch wenn die Welt sich darstellt wie jene „Fahrradständer, die austauschbar vor sich hin rosten“, in einer Welt voll bunter Vielfalt an Angeboten und Kulturzugehörigen, die alle ziemlich matt und müde wirken, teils schliche Wut ausstrahlen oder „in ihren Zombiemobilen saßen und ihr madenfreundliches Fleisch mit Kaffee verbrühten“.

    Da spürt der Leser auch Wut hinter den Zeilen auf eine lethargisch untergehende Welt, auf egomanischen Menschen, auf das Verstörende eines „mit sich allein gelassen Werdens“, das Hemon lesenswert, aber nicht durchgängig ohne Längen und manche Verwirrung beim Leser diesem vor Augen führt. Spielerisch und dennoch mit einem latent harten Blick auf die Welt der Gegenwart.
  20. Cover des Buches Ein nachgelassenes Bekenntnis (ISBN: 9783717523666)
    Marcellus Emants

    Ein nachgelassenes Bekenntnis

     (4)
    Aktuelle Rezension von: Ashimaus

    Der Schreibstil verändert sich im Laufe des Buches. Anfangs hatte ich echt meine Probleme mit dem Schreibstil, die fehlenden Kapitel, der alte philosophisch gehobene Sprachgebrauch und ellenlangen Absätze haben da ihr übriges zugetan. Im späteren Verlaufe des Buches wird der Schreibstil dafür immer angenehmer, jedoch bin ich trotzdem kein Fan davon geworden. Besonders die philosophischen Schachtelsätze waren mir absolut zuwider. Auch das Nachschlagen der Fremdwörter (hierfür ist hinten im Buch extra ein „Kapitel“ Anmerkungen) empfand ich als nervig.

    Leider, finde ich, ist das Wort Spannung im Klappentext hier fehlgegriffen. Der Geschichte zu folgen war für mich wirklich eine wahre Höchstleistung. Das ganze Buch über herrscht eine regelrechte Langeweile. Der Protagonist erzählt von seiner lieblosen Kindheit und Jugend, stellt sich ständig als Opfer der Gesellschaft dar. Sympathie konnte ich dadurch keine für ihn aufbauen, da für mich alles einfach nur eine Selbstbemitleidung auf höchstem Niveau war.

    Obwohl ich sagen muss, dass sich meine Empfindung gegenüber dem Protagonisten  im Laufe seiner Ehe etwas veränderte. Denn in dieser war er zwar der „Täter“, aber im Grunde wusste er keinen anderen Ausweg mehr. Er tat mir leid, da er aus dieser Ehe raus wollte, jedoch in dieser Situation Opfer der Gesellschaft, des Gesetzes und vorallem das Opfer seiner Frau war! Daher konnte ich in diesem Stadium sogar Mitleid mit ihm empfinden.

    In der ersten Hälfte des Buches wirkt er ausserdem wie ein Soziopath. Er scheint keinerlei Gefühle zu haben, besonders drastisch wird dies dargestellt, als sein Kind stirbt. In der zweiten Hälfte, wird einem dann immer klarer, dass er sich gefühlsmäßig nicht weiterentwickelt hat aufgrund seiner lieblosen Erziehung und eigentlich nur auf der Suche nach wahrer Liebe, wahrer Erfüllung ist.

    Ein nachgelassenes Bekenntnis ist definitiv gehobene Literatur. Doch auch gehobene Literatur kann etwas spannender gestaltet sein in meinen Augen. Daher gibt es von mir 2,5 Sterne!

  21. Cover des Buches Sehende Hände (ISBN: 9783896675651)
    Bi Feiyu

    Sehende Hände

     (13)
    Aktuelle Rezension von: killmonotony

    „Sehende Hände“ von Bi Feiyu hat mich zuerst mit seinem tollen Cover angesprochen, dann hat mir noch der Klappentext zugesagt und schwupp, wanderte es auf meinen SUB. Als ich zu lesen angefangen habe, war ich direkt begeistert von der Schreibweise – und auch von der sich entspinnenden Handlung! Ich konnte es gar nicht mehr aus der Hand legen, so sehr habe ich die Lebensgeschichten der blinden Tuina-Masseure genossen und so hat mich das Buch schließlich über drei Wochen begleitet, weil ich mich zur Langsamkeit gezwungen habe und das Leseerlebnis so länger angehalten hat. Und selbst jetzt, nachdem ich es vor einigen Tagen beendet habe, schwirrt es und die Geschichten der einzelnen (zahlreichen) Personen mir noch im Kopf herum. Noch eine kurze Erklärung: Tuina ist eine spezielle Art der Massage, bei der besonders die Akupressurpunkte des Rückens stimuliert werden sollen und die auch schmerzhaft sein kann.


    Aber mal zurück auf Anfang: Wang Daifu und seine Partnerin Xiao Kong ziehen gemeinsam nach Nanjing, eigentlich, um ein eigenes Tuina-Zentrum zu errichten, doch da Wang Daifu sich an der Börse verzockt hat, kehren die beiden dorthin zurück, um in dem Tuina-Zentrum eines alten Schulfreundes Wang Daifus, Sha Fuming, zu arbeiten. Die beiden sind blind, genau wie alle anderen Tuina-Masseure in China; für die Blinden ist es der einzige Job, bei dem sie ihren Stolz aufrecht erhalten und trotzdem Geld verdienen können. Denn in China gelten Blinde als Menschen zweiter Klasse: sie erhalten vom Staat monatlich 100 Yuan, damit dieser sich von seinem schlechten Gewissen freikaufen kann; sie erhalten keine Arbeitsverträge, da man als blinder Mensch quasi nicht existiert; Blinden-Hochzeiten werden grundsätzlich nicht abgehalten, da sich durch die Heirat zweier Blinder nicht die Qualität, sondern ausschließlich die Quantität der Menschen verändert und man so auch nicht an Ehre gewinnen kann. Beiyu hat für dieses Buch 25 Jahre lang recherchiert, um das Leben der Blinden in China detailreich wiedergeben zu können, und heraus kam dieses wahnsinnig gefühlvolle, herzzerbrechende und teilweise auch poetische Werk, das nicht zu Unrecht schon jetzt zu meinen Jahres-Highlights zählt.


    Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com
  22. Cover des Buches In der freien Welt (ISBN: 9783423146234)
    Norbert Gstrein

    In der freien Welt

     (8)
    Aktuelle Rezension von: HansPeterVertacnik
    Das Bild, das ein österr. Autor von einem von ihm verehrten Israeli zu haben glaubt, verändert sich, als der unter seltsamen Umständen in San Francisco erstochen wird. Irgendwann wird klar, dass es sich hier nicht um einen Zufallsmord handelt, der Österreicher recherchiert, und gerät zwischen die Fronten. Ein Buch, das man mit Muße lesen sollte, denn es nimmt relativ langsam Fahrt ab. Dann aber will man es nicht mehr weglegen....
  23. Cover des Buches Shark (ISBN: 9783455405453)
    Will Self

    Shark

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  24. Cover des Buches Das Zimmer (ISBN: 9783630874609)
    Jonas Karlsson

    Das Zimmer

     (33)
    Aktuelle Rezension von: himbeerbel
    Ein nicht ganz alltägliches Buchcover, stilvoll und beklemmend zugleich. Es lässt erahnen, dass man hier nicht einen lustigen Frauenroman in Händen hält. Stattdessen handelt das Buch von unausstehlichen Kollegen in einem Großraumbüro – einer auf den ersten Blick eher nicht so spannenden Thematik. Aber tatsächlich schafft es das Buch, mich bereits nach wenigen Seiten in seinen Bann zu ziehen.

    Der Autor lässt den Leser tief ins Innerste des Ich-Erzählers Björn blicken, einem Protagonisten, der davon regelrecht besessen zu sein scheint, sich mit eiserner Disziplin, strategischem Handeln und Abwesenheit jeglicher sozialer Kompetenz an die Spitze seiner Abteilung arbeiten zu wollen.

    Doch recht bald wird klar, dass sein Erleben und seine Wahrnehmung nicht mit der seiner Kollegen übereinstimmt. Denn kaum zwei Wochen, nachdem Björn seine neue Stelle in einem Großraumbüro bei der Behörde angetreten hatte, macht er eine geheimnisvolle Entdeckung: Zwischen der Toilette und dem Aufzug befindet sich eine Tür, die von seinen Kollegen offenbar gemieden wird. Sie führt in ein kleines fensterloses Büro.

    Mehr sollte man als Leser vorab eigentlich nicht wissen, um sich auf diesen knapp 176 Seiten umfassenden und auf seine Art fesselnden Roman möglichst unvoreingenommen einlassen und überraschen lassen zu können. Belohnt wird man mit einem Buch, das kunstvoll Einblick in eine ungewöhnliche Sichtweise und eine nicht alltägliche, aber gut dargestellte Psyche gewährt und auch groteske Situationen der Arbeitswelt inklusive Mobbing und Integration nicht ausklammert. Die Charaktere sind nicht einfach schwarz-weiß gezeichnet, sondern erzeugen beim Lesen Sympathie oder sogar Verständnis, aber auch Abneigung und Widerwillen. Langeweile kommt dabei nicht auf und die kurzen Kapitel laden zum immer weiterlesen ein. „Das Zimmer“ von Jonas Karlsson ist ein kurzweiliges aber auch intensives Lesevergnügen, das mich beeindrucken konnte.

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