Bücher mit dem Tag "chopin"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "chopin" gekennzeichnet haben.

18 Bücher

  1. Cover des Buches Die Reinheit des Todes (ISBN: 9783442374922)
    Vincent Kliesch

    Die Reinheit des Todes

     (386)
    Aktuelle Rezension von: trollchen

    Die Reinheit des Todes

    Herausgeber ist Blanvalet Taschenbuch Verlag (10. Mai 2010) und es hat 320 Seiten. 

    Kurzinhalt: Er sieht aus wie ein Engel. Er hat viele Namen. Und er mordet, ohne Spuren zu hinterlassen …

    Ein Serienmörder treibt in Berlin sein Unwesen. Sein drittes Opfer, eine ältere Dame, wird in einem weißen Leinenhemd aufgebahrt auf ihrem Esstisch gefunden. Die Wohnung ist klinisch rein geputzt – ein Albtraum für jede Spurensicherung. Die letzte Hoffnung des LKA, den »Putzteufel- Mörder« zu finden, ruhen auf Julius Kern. Schon einmal konnte er einen grausamen Massenmörder fassen. Doch Kern ist daran fast zerbrochen. Während er nur langsam zu seiner alten Form zurückfindet, hat sein Gegner bereits das nächste Opfer im Visier …
     Ein Serienmörder in Berlin – und ein Kommissar, der nichts so gut kennt wie das Böse!

    Meine Meinung: Diesmal ist es gar nicht so leicht, dem Täter auf die Spur zu kommen, denn er macht immer alles akribisch sauber, bis er aber dann doch mal einen Fehler macht. Gleich am Anfang ist man mitten im Geschehen drin und wird gleich mitgezogen von der Spannung. Lustig fand ich, als Julius Kern den Täter nahe kommen wollte und auch seine Wohnung so akribisch geputzt hat, denn das hat ihn mächtig angestrengt, denn mal muss schon sehr viel beachten. Auch werden viele Fragen wieder sehr gut beantwortet, denn vieles weiß man nur so halb, wenn man nicht vom Fach ist. Der Schreibstil ist locker und es gibt viele Wendungen, die die Spannung anfachen. Auch die Verknüpfung mit seinem alten Fall Tassilo hat mir gut gefallen. Die Personen und Handlungen wurden so gut beschrieben, dass das Kopfkino immer was zu tun hatte. Selbst Tassilo war mir sehr sympathisch.

    Mein Fazit: Ein toller Thriller, der spannend von Anfang bis zum Ende war. Ich vergebe 5 Sterne und kann das Buch weiter empfehlen.

     

  2. Cover des Buches Das Geisterhaus (ISBN: 9783518463857)
    Isabel Allende

    Das Geisterhaus

     (793)
    Aktuelle Rezension von: Mikki44

    Das Buch erzählt vom Patriarchen Esteban Trueba und seiner hellsichtigen Frau Clara, alle den zusammenhängenden Erlebnissen und Schicksalen, politischen Umbrüchen über viele Generationen hinweg.

    Ich habe mir viel von dem Klassiker von Isabel Allende erhofft und wurde doch etwas enttäuscht. Allendes Schreibstil ist dicht verwoben und passt irgendwie auch perfekt zur Geschichte. Sie nimmt sich Zeit für Details, ohne dabei zu überladen zu wirken. Und dennoch bin ich nicht warm geworden mit dem Buch. Ich bin eigentlich nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen bei beschriebenen Gewalttaten in Büchern, aber hier war ich es irgendwann Leid. Vielleicht gebe ich dem Film nochmal eine Chance.

  3. Cover des Buches Der Grund (ISBN: 9783499268823)
    Anne von Canal

    Der Grund

     (56)
    Aktuelle Rezension von: Naibenak

    Wow, welch ein Paukenschlag aus Tragik, Trauer, Überlebenskampf! Dieser Roman geht einem an die Nieren und ans Herz. Sehr intensiv beschreibt die Autorin das Bild eines Mannes, dem nach über 40 Jahren des Kampfes langsam die Luft ausgeht. 40 Jahre Kampf gegen elterliche "Fürsorge", 40 Jahre geprägt vom Anpassen, von einschneidenden Enttäuschungen und von Trauerbewältigung. Aber auch Liebe und Glück darf Laurits Simonsen erfahren - vielleicht sind es jene Momente und Jahre, die ihn aufrecht gehalten haben.

    Einen großartig komponierten Roman liefert uns Anne von Canal. Eingebettet in die Gegenwart, in welcher Laurits alias Lawrence Alexander auf einem Kreuzfahrtschiff für gute Klavierunterhaltung sorgt und Tagebuch schreibt, erfahren wir in Rückblenden von den wichtigen Ereignissen in seinem Leben. Und da kommt es sogar vor, dass eine Rückblende von seiner beeindruckend dargestellten Aufnahmeprüfung am Konservatorium (meine Klaviermusikerinnenseele hat sich sehr wohl gefühlt^^) erneut Rückblenden hervorruft. Wir erfahren vom gut betuchten Elternhaus mit dominantem, strengen Vater und unterdrückter Mutter, die eigentlich immer eine Maske trägt. Wir erleben Laurits als glücklich verheirateten Familienvater und Gynäkologe. Wir werden Zeuge von Verrat und furchtbar tragischen Ereignissen. Ich frage mich immer wieder, wie ein Mensch das alles aushält. Sollte er sich nicht eigentlich Hilfe suchen?

    Ob Laurits dies tut und wie er nun weitere Entscheidungen treffen wird, bleibt wage am Ende. Zumindest eine längst überfällige Entscheidung hat er getroffen und in die Tat umgesetzt, und das allein ist ein winziger Hoffnungsschimmer.

    Dieser Roman ist still und einfühlsam. Gleichzeitig ist er aufgrund der wechselnden Perspektiven in der Erzählform und dem dringenden Wunsch zu erfahren, warum Laurits nun auf dem Kreuzfahrtschiff "endet" unglaublich soghaft und spannend.

    Fazit: Ein unendlich trauriges und intensives Bild einer gepeinigten Musikerseele liefert die Autorin in wunderbarer, sensibler Sprache und einer soghaften Erzählform. Vollkommen nachvollziehbar ist es, wie aus einem Menschen derjenige wird, der uns auf dem Kreuzfahrtschiff in der Gegenwart begegnet. Richtig gut!

  4. Cover des Buches Das Orchideenhaus (ISBN: 9783844544831)
    Lucinda Riley

    Das Orchideenhaus

     (72)
    Aktuelle Rezension von: lielo99

    Julia Forrester ist vom Schicksal gebeutelt und verkriecht sich in ein Schneckenhaus. Nichts und niemand kann sie davon überzeugen, dass das Leben trotz des großen Verlustes weiter geht. Sie reist in die Gegend und in ein Haus, wo sie während ihrer Kindheit sehr glückliche Tage erlebte. Der Erbe und heutige Besitzer des Hauses sieht ihren Schmerz und kümmert sich rührend um sie. Während ihres Aufenthaltes bekommt sie das Tagebuch ihres Großvaters zu lesen und dabei erfährt sie ein lang gehütetes Geheimnis, welches ihre Familie betrifft.


    Ja, Frau Rileys Romane sind stets nach einem bestimmten Schema verfasst. Sie beschreibt die Gegenwart der Akteure und lenkt aber auch immer wieder in die Vergangenheit ihrer Vorfahren. Nein, das ist nicht langweilig, da die Autorin sich intensiv mit der Geschichte des Landes befasst und diese in ihre Romane einfließen lässt. Die Vergangenheit berichtet von den Schrecken des Zweiten Weltkriegs und zeigt, in welcher Weise diese bis in die Gegenwart reichen. Das Heute zeigt, was echte Freundschaft bewirken kann und dass keineswegs detaillierte Bettszenen für den Erfolg eines Buches nötig sind. Ein sehr ansprechendes Hörbuch, das durch Simone Kabst perfekt gelesen wird.

  5. Cover des Buches Ein Winter auf Mallorca (ISBN: 9783730604694)
    George Sand

    Ein Winter auf Mallorca

     (30)
    Aktuelle Rezension von: aba
    Mallorquinische Tortur

    Es sieht so aus, als ob es immer einen Grund gegeben hat, um Mallorca zu hassen. Heutzutage – habe ich oft gehört und gelesen, das selber jedoch nicht erlebt, denn auf Mallorca war ich noch nie – sollen die deutschen Urlauber und ihr Verhalten der Grund sein, warum viele sich schwören, diese Insel niemals zu betreten. Vor 180 Jahren hingegen übten anscheinend die Mallorquiner persönlich diese "Tätigkeit", Mallorca unbeliebt zu machen.

    In "Ein Winter auf Mallorca" beschreibt George Sand die Via Crucis, die sie zusammen mit ihrer Familie auf der Insel durchgemacht hat.

    Nach Mallorca ging George Sand mit ihren Kindern und ihrem "Kranken". Auch wenn sie nie seinen Namen erwähnt, weiß man, dass es sich bei diesem Kranken um Frédéric Chopin handelt. Mit vielen Hoffnungen darauf, dass die Insel mit dem milden Klima ihm seine Gesundheit zurückgibt, kamen sie an, um ein neues Leben anzufangen.
    Leider haben sie die Rechnung ohne die Inselbewohner gemacht. Was sie erlebt haben, haben sie als reine Tortur empfunden. Und dabei waren noch nicht mal die Deutschen dort angekommen…

    In ihrem Buch erzählt Sand nicht nur über ihre eigenen Erlebnisse, sie zeichnet ein Porträt der Insel, in dem die Menschen und ihre Sitten, die typische Architektur und die wunderbare Natur ihren Auftritt haben. Und in dem die Insulaner alles andere als gut abschneiden. Als religionsfanatische Fremdenfeindliche werden sie dargestellt. Kaum ein gutes Wort verliert die Autorin über dieses Volk.

    Nachdem ich dieses Buch gelesen habe, habe ich das Gefühl, viel über Mallorca erfahren zu haben. Natürlich frage ich mich auch, inwieweit die Mallorquiner heute noch dasselbe Volk sind, die Sand in ihrem Buch beschrieben hat. Tatsache ist aber, dass die Mallorquiner Sand wenig übel nehmen. Im Gegenteil, sie scheinen stolz über die berühmten Gäste zu sein, sie pflegen ihre Erinnerung und profitieren davon. Ihre Aufenthaltsorte stehen in jedem Reiseführer und die Häuser, in denen sie lebten, sind Museen geworden. Musikfestivals und Plätze in Palma nach Chopin genannt.

    Schade, dass George Sand nicht mehr die Invasion der Deutschen auf Mallorca erlebt hat. Ich bin sicher, über diese Strafe hätte sie sich gefreut und diese als persönliche Genugtuung empfunden.
  6. Cover des Buches Sektion 3 Hanseapolis - Präludium (ISBN: 9783862821495)
    Miriam Pharo

    Sektion 3 Hanseapolis - Präludium

     (22)
    Aktuelle Rezension von: utaechl

    Die Welt im Jahr 2066 bietet immer noch genug Raum für Verbrechen. Und so heißt es zum dritten Mal für Kosloff und Marino, die Kriminellen hinter Gitter zu bringen. Was Chopins Präludium damit zu tun hat, ist eines der Geheimnisse.

    Inhalt:
    Während des venezianischen Karnevals versucht Aldo Farouche Kristalle zu stehlen, tötet einen Hehler und muss nach Hanseapolis fliehen. Seine Leiche wird wenig später gefunden und Elias Kosloff und Louann Marino stehen vor der Frage, wie alles zusammenhängt. Sie erfahren von mysteriösen Präludien, die möglicherweise das eigentliche Objekt der Begierde sind. Es gibt viele Interessenten und die Ermittler geraten immer tiefer in die Sache hinein und laufen selbst Gefahr, Opfer der Jagd nach dem Diebesgut zu werden.

    Setting und Stil:
    Das Jahr 2066 scheint gar nicht so weit entfernt zu sein und so finden sich auch trotz massiver Veränderung der Umwelt durch Kriege, Technik und den Menschen an sich genug Bezugspunkte zu unserer Zeit. Miriam Pharo präsentiert mit viel Liebe zum Detail eine Variante der Zukunft, die durchaus möglich zu sein scheint. Noch spielt der Mensch trotz all der technischen Fortschritte eine entscheidende Rolle und die Ermittlungsmethoden sind somit altbewährt.
    Interessant und innovativ finde ich die immer mal wieder auftretenden Info Breaks von Yahoogle, die Zusammenfassungen neuer Thematiken bieten.
    Der Science Fiction Krimi ist flüssig und fesselnd geschrieben. Die Handlung geht zügig voran und der Einblick in die Sichten der unterschiedlichen Gegenspieler bietet ein umfassendes Bild der Handlung.
    Miriam Pharo hat sich mit den 24 Kapiteln an den 24 Préludes Chopins orientiert. Die Kapitelüberschriften drücken somit auch den Grundton der darauffolgenden Seiten aus und es ist faszinierend zu versuchen, sich sowohl dem Buch als auch Chopins Musik gleichzeitig zu nähern. Alle nicht so musikbegeisterten können der Handlung natürlich auch ohne diese Hintergrundinformation folgen.

    Charaktere:
    Besonders gelungen finde ich, dass Elias und Louann immer noch Neues an sich entdecken können. Sie sind das perfekte Team, das auch nicht durch Sonderaufträge ihrer Chefs auseinander gebracht werden kann. Sie ergänzen sich gut und es bringt Spaß, mit ihnen gegen die übermächtig scheinenden Gegner anzugehen.
    Ihre Gegenspieler sind zahlreich und reichen vom Kleinkriminellen bis zum versierten Auftragskiller. In der Zukunft geht es definitiv nicht friedlich zu.
    Eine sehr interessante Mischung, die sehr gut beschrieben wird und lebensnah agiert. Hanseapolis ist definitiv ein Megakomplex, der lebt und atmet.

    Geschichte:
    Was als kleiner Mord beginnt, wird schnell zu etwas viel größerem. Aber genau wie der Fall wächst, wachsen auch die Ermittler über sich hinaus und sie zeigen Seiten, die man an ihnen nicht vermuten konnte. Die Science Fiction Elemente fügen sich perfekt in die Handlung und erweitern die Aktionsmöglichkeiten der Charaktere, gleichzeitig passen sie in die uns relativ nahe Zeit und sind eine logische Weiterentwicklung dessen, von dem wir heute schon umgeben sind.
    Der Krimi ist spannend und überraschend und ich habe gerne mit Kosloff und Marino mitermittelt und versucht, die undurchsichtigen Hintergründe zu durchleuchten.

    Fazit:
    Ein Science Fiction Krimi, der für jeden Fan des Genres ein Genuss sein dürfte. Da er gar nicht so weit in der Zukunft liegt, können ruhig auch andere Krimifans einen Blick wagen. Der musikalische Hintergrund macht das Buch zu etwas besonderem und so sollte man bei Gefallen ruhig auch noch die anderen Bände der Serie lesen. Ein gelungener Ausflug in die nahe Zukunft, in der Chopins Präludium immer noch eine Rolle spielt.
  7. Cover des Buches Martha Argerich (ISBN: 9783570580233)
    Olivier Bellamy

    Martha Argerich

     (3)
    Aktuelle Rezension von: Wedma

    Die Biographie von Martha Argerich aus der Feder von Olivier Bellamy habe ich sehr gern gelesen. Ich habe nicht nur eine spannende Persönlichkeit und eine äußerst talentierte Künstlerin, sondern auch ihre nicht weniger spektakulären Freunde und Familie kennengelernt. In Marthas Gesellschaft fühlte ich mich sehr wohl, konnte ihre Beweggründe prima nachvollziehen, bin gerne durch die wichtigsten Ereignisse ihres Lebens gegangen, der Unterhaltungsfaktor ist dabei kaum auf der Strecke geblieben.

    Martha stammt, wie auch Hannah Arendt, Daniel Barenboim, uvm. von den russischen Juden ab. Ihre Mutter, allg. als Juanita bekannt, wurde „in eine Familie russischer Juden hineingeboren, die Ende des neunzehnten Jahrhunderts vor zaristischen Pogromen nach Argentinien geflohen war…“ S. 16. Der Vater war halb Kroate, halb Katalane. Es gibt ein Dorf in Kroatien, das Argeric heißt.

    Marthas außergewöhnliche Begabung wurde früh genug wahrgenommen und von den Eltern aus allen Kräften befördert. Sie bekommt mit drei Jahren ein Klavier und wird zu den besten Lehrern geschickt. Zu Hause wird sie von ihrer Mutter zu endlosen Übungen motiviert. Mit fünf Jahren bekommt die einen neuen Lehrer Vincenco Scaramuzza, der ihr v.a. Lampenfieber eingeprägt hat.

    Später in Wien, als 14-Jährige, lernt sie eine Zeit lang bei Friedrich Gulda, der sie auf einer Augenhöhe wahrnimmt und entspr. mit ihr umgeht.

    Was Marthas Spiel betrifft, so liest man auf S. 91: „Man begeisterte sich für ihr ‚kindliches Lächeln‘, ihr ‚unbewegtes Gesicht‘, und einer der Kritiker beendete seinen Artikel gar mit den Worten: ‚Ich habe keine Frau erlebt, die Klavier spielt, sondern eine Künstlerin, die sich aus ihrem Innersten heraus die Musik verzehrt.‘“ Oder auch: „… er hatte das Gefühl, in Marthas Spiel den Pulsschlag des Universums zu vernehmen. Sie ‚spielte‘ nicht Bach – nein, sie ließ die Sonne über dem Erdball aufgehen.“ S. 126.

    Zugegeben, ist in dieser Bio der Kindheit recht viel Raum gegeben.  Ab dem 20-sten Lebensjahr, spätestens nach hundert Seiten wird es richtig spannend, da Marthas Persönlichkeit zutage tritt.

    Marthas Hilfsbereitschaft und Nichtvoreingenommenheit von ihrem eigenen beachtlichen Talent kamen sehr sympathisch und für heutige Zeig vllt überraschend rüber. Sie förderte auch viele Künstler durch ihre Beziehungen in der Szene, ließ sie Kontakte knüpfen, bei den bedeutenden Förderern auftreten, auch bei sich im Haus wohnen, denn sie hatte eine andere Vorstellung vom Familiären leben. Vllt durch die Ehe ihrer Eltern von der trauten Zweisamkeit abgeschreckt, mietete sie größere Häuser, in denen die befreundeten Künstler wohnten, und ihre Freunde ein- und ausgehen konnten, wie es gerade gut für sie erschien. Auch als Martha ihre Töchter bekam, alle drei von verschiedenen Vätern: einem Chinesen, einem Franzosen, dem bekannten Dirigenten Charles Dutoit und einem Kroaten, dem Pianisten und Dirigenten Stephen Kovacevich, änderte sich kaum etwas daran.

    Martha ist auch eine außergewöhnliche Mutter:„Außerstande, ihr eigenes Leben und ihre Karriere zu steuern, unternahm Martha nicht einmal den Versuch, ihren Kindern gegenüber als Autoritätsperson aufzutreten.“ S. 187.

    Etwas zu kurz kamen die Töchter in dieser Bio insgesamt. Zu gerne hätte ich gewusst, was aus ihnen geworden ist. Aber gut, sie haben ihr Privatleben und wollen ihre Ruhe haben.

    Auch Marthas Krebserkrankung in der zweiten Lebenshälfte und wie sie damit umging, kam im letzten Drittel anschaulich zur Sprache. Nur eine mutige, durch und durch starke Person konnte den Schicksalsschlägen auf diese Art begegnen.

    Martha hat ihre Meinung und vertritt diese auch konsequent. Sie ist im Juri von diversen Klavier-Wettbewerben, die manchmal auch einen Eklat mitbringen. Z.B. Marthas Mut und Selbstlosigkeit, das Festival in Buenos Aires finanziell allein zu stemmen,  haben leider keine Chance gegen die Fehler des Systems gehabt. „In Stich gelassen von der High Society von Buenos Aires, verkündete Martha, dass sie den Festivaljahrgang 2005 aus eigener Kraft stemmen wolle. Schließlich kam es für sie nicht in Frage, diese Niederlage hinzunehmen und sich von der Arroganz des Geldes bestimmen zu lassen. Im Jahr darauf musste sie eine weitere böse Überraschung erleben. Unzufrieden mit ihren Arbeitsbedingungen und mageren Löhnen, begannen die Orchestermitglieder und Techniker des Teatro Cólon ausgerechnet am Abend ihres Auftritts mit Charles Dutoit zu streiken. Martha wurde an ihrer linken Flanke angegriffen, von denjenigen, deren Loyalität sie sich stets so gewiss gefühlt hatte. Sofort schlug sie sich auf die Seite der Streikenden und unterstützte ihre Forderungen im Fernsehen. Doch in ihrem tiefsten Innern war sie verletzt.“ S. 260-261.

    Die Biographie lässt sich insgesamt gut und leicht lesen. Die Seiten fliegen nur so dahin. Manches ist weniger chronologisch geradlinig dargelegt worden, da nach Themen geordnet, sodass man in den Zeiten vor und zurückspringt. Aber es tut dem Lesevergnügen keinen großen Abbruch.

    Es gibt auch Fotos, die Martha als Kind, mit Juanita im Meer, in jungen Jahren mit ihrem Vater und Bruder, und auch mit ihren Töchtern, und extra Fotos mit ihren Männern zeigen. Ein klarer Pluspunkt.

    Was diese Bio auch so lesenswert macht, sind die Zusammenfassungen von Lebensläufen der Künstler, die in Marthas Leben eine Rolle gespielt haben, die Namen s.o. So wird auch deutlich, in welchem Netzwerk sie agiert hat, welche Menschen einen Einfluss auf ihr Leben und Schaffen genommen haben, etc.

    Fazit: Ich hatte viel Vergnügen und Freude, Martha Argerich und ihre Freunde kennenzulernen und durch die wichtigen Stationen ihres Lebens zu gehen. Martha ist eine großartige Person. Daniel Barenboim soll einmal über sie gesagt haben, sie sei ein wunderschönes Gemälde ohne Rahmen, S. 268. So stelle ich sie mir auch vor. Herrlich. Gerne lese ich weitere Bios und Ausführungen zu Marthas Leben und Schaffen, und vergebe für diese Bio sowohl die fünf wohl verdienten Sterne, als auch eine Empfehlung für die Liebhaber der Biographien, und für diejenigen, die es werden wollen.

  8. Cover des Buches Viva Polonia (ISBN: 9783492306737)
    Steffen Möller

    Viva Polonia

     (100)
    Aktuelle Rezension von: Forti
    Steffen Möller lebt seit 1994 in Polen und hat sein erstmals 2008 erschienenes Buch "Viva Polonia" nun überarbeitet und neu herausgegeben.

    Das Buch ist eine Mischung aus Autobiographie und Beobachtung. Steffen Möller schreibt von seinem Leben in und mit den Polen. Dabei sagt er selbst, dass seine Charakterisierung Polens subjektiv ist - es ist nun mal auch keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern ein unterhaltendes Sachbuch, das aber dennoch Gehalt hat. Ich finde es ein interessantes Buch, das sowohl Polen-Kenner als auch Neulinge mit Gewinn lesen können.

    Geschrieben ist das ganze sehr kurzweilig, intelligent und sympathisch.
  9. Cover des Buches Chopin (ISBN: 9783423347020)
    Eva Gesine Baur

    Chopin

     (3)
    Aktuelle Rezension von: michael_lehmann-pape
    Atmosphärisch dichte Lebensbeschreibung Ganz hervorragend nutzt Eva Gesine Baur in ihrer Biographie Chopins ihre sprachlichen Möglichkeiten der atmosphärischen Beschreibung. In Teilen wie ein bildkräftiger Roman versetzt sie den Leser „mitten hinein“ in das Leben des „Romantikers“, aber auch virtuosen Klavierkünstlers und ebenso durchaus auch „Charismatikers“ Frederic Chopin. Von der Kindheit in Polen an in gehobenen Verhältnissen über das frühe Schaffen, die großen Erfolge bis hin zu seinem Tod 1849 in Paris reicht der Reigen der Lebenseindrücke, die Eva Gesine Baur umfassend und kenntnisreich erzählt. Auch wenn von Chopin selber nicht allzu viele eigene Quellen vorliegen, in der Stimmung der Zeit, der inneren Entwicklung des Künstlers wirkt Baur durchaus „zu Hause“. Eines Mannes, der Zeit seines Lebens vor allem seine engen Beziehungen wert hielt. Auf dem Sterbebett ruft er dringlich seine Schwester aus dem fernen Warschau zu sich. „Wenn ihr könnt, dann kommt. Ich bin schwach und kein Doktor vermag mir so zu helfen, wie ihr“. Innere, enge Bindungen als wichtige und schützende „Lebensrahmung“ und ein freier Geist, versonnene Kompositionen und die Überschreitung von Grenzen, Melancholie und Empfindsamkeit, all dies kennzeichnet Chopin und findet Ausdruck im Buch, ebenso wie das entsprechende Zeitkolorit des endenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts atmosphärisch dicht in der Darstellung mitschwingt. Die eigenartige Konstellation eines oft kranken Körpers und eines wachen Geistes, der eben von „Sehnsucht“ nach einem nie zu erreichenden „Anderswo“ getrieben wurde, dies arbeitet Baur als Faszination der Person Chopin heraus. Wobei das reichhaltige Werk Chopins nicht den eigentlichen Schwerpunkt dieser Biographie bildet, hier wird vieles von Eva Gesine Baur doch eher am Rande erwähnt. Sie kreist erkennbar eher um die faszinierende, „Menschenfangende“ Persönlichkeit des Künstlers. Dieses Charisma deutlich herauszuarbeiten, seine Wirkung zu schildern und die Komplexität der Ausstrahlung Chopins zu benennen ist die eigentliche Stärke dieser Biographie. Ein Charisma, in das es gut hineinpasst, dass seine Schwester Ludwika nach seinem Tod sein Herz, den symbolischen Sitz eben jener „Stimmungen“, leibhaftig mit nach Hause nahm. Das sich speist aus wichtigen äußeren Verbundenheiten. Wie bedeutsam für Chopin z.B. seine „Behausung“ jeweils war, welch „elementare Bedeutung“ die jeweilige Wohnung hatte, wie schutzlos sich Chopin ohne jene wichtigen, äußeren Rahmungen fühlte, auch dies arbeitet Baur unter anderem im Blick auf Chopins Umzug nach Paris heraus. Solche Einblicke sind es, mit denen es Baur gelingt, dem Leser eine „Innenschau“ des Künstlers zu ermöglichen, die deutlich nachhaltiger ihre Wirkung entfaltet als vielfache Darlegungen und Interpretationen seines Werkes, die ahnen lassen, warum durchaus häufig die Moll-Tonart jene war, in der Chopin sich ausdrückte. Eine Wunderbare Biographie, die tatsächlich die Person und die Persönlichkeit, das innere Leben Chopins in den Mittelpunkt setzt und sich weniger im Äußeren der künstlerischen Hinterlassenschaft erschöpft. Mit großer, sprachlicher Ausdruckskraft bildet dieses Buch sicherlich die erste Wahl für jene, die sich eher dem Menschen Chopin als dem Kunstwerk Chopin annähern möchten.
  10. Cover des Buches Ewig dein ... (ISBN: 9783650400741)
    Hans-Georg Klemm

    Ewig dein ...

     (10)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Das Buch hätte so schön sein können. Denn der Autor hat die Wortgewalt einzulösen, was der Klappentext verspricht: "Was könnte schöner sein als die Liebe? Was bewegender als die Musik? Musik und Liebe sind, um es mit den Worten von Hector Berlioz zu sagen, die 'beiden Flügel der Seele'. In seinem neuen Buch vereint Hans-Georg Klemm diese beiden Seiten der Seele und zeigt, welche ›unsterblichen Geliebten‹ große Komponisten wie Beethoven, Berlioz, Chopin, Liszt oder auch Schumann zu ihren Meisterwerken inspirierten. Eingängig geschrieben und mit viel Einfühlungsvermögen setzt Hans-Georg Klemm den Frauen hinter den genialen Musikern, deren Namen und Schicksal nur wenigen bekannt sein dürfte, ein Denkmal. Ihr Einfluss auf das Schaffen der Künstler kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.Denn ohne die Leidenschaft, die sie in ihren Herzen entfachten, wäre so manches Meisterwerk wie Berlioz' ›Symphonie fantastique‹ oder Schumanns ›Fantasie C-Dur‹ wohl nie entstanden. Die beiliegende CD vereint die schönsten dieser unvergänglichen Kompositionen"

    Leider hat das Buch einen völlig wirren Aufbau. Es geht chronologisch vor, springt alle paar Absätze von einem Komponisten zum anderen und es ist jedes einzelne Mal ein Rätselraten, um welche Person es gerade geht! Da emotional dran zu bleiben, bei den Liebesgeschichten mitzufiebern wird durch diese Zerrissenheit in der Struktur unmöglich gemacht.

    So interessieren mich zwar weiterhin die Geschichten, bringe es aber seit Wochen nicht über mich über die Hälfte hinaus das Buch zu Ende zu lesen. Inhalt super. Aufbau katastrophal. Durchschnitt drei Sterne.
  11. Cover des Buches Die verschollenen Noten (ISBN: 9783945025390)
    Renata Thiele

    Die verschollenen Noten

     (11)
    Aktuelle Rezension von: mabuerele

    „...Er mochte keine resoluten Frauen...“

    Das Buch beginnt mit einem kursiv wiedergegebenen Traum von Nina.

    Dann geht es in das Jahr 1834. der vor drei Jahren nach Frankreich emigrierte Frederic Chopin ist zusammen mit Ferdinand Hiller auf den Weg nach Aachen um an den Niederrheinischen Musikfestspielen teilzunehmen. In Brüssel machen sie kurz Station.

    Dann wechselt die Geschichte in die jüngere Vergangenheit. In Brüssel kommt Gracyna Sawicka an. Die junge Polin wird bei Professor Claude Bonnet als Au - Pair - Mädchen arbeiten und gleichzeitig Musik studieren.

    Nina richtet in Aachen ihre erste Wohnung ein. Sie arbeitet als Stadtführerin.

    Die Autorin hat einen abwechslungsreichen Kriminalroman geschrieben. Das Buch lässt sich zügig lesen, auch wenn ich mir eine etwas größere Schrift gewünscht hätte.

    Im Vergangenheitsstrang verschenkt Chopin einige Notenblätter an Claudine, der Tochter des Tuchhändlers, deren Begabung er erkennt. Er hat sie mit dem Porträt der jungen Frau verziert. In den Wirren des zweiten Weltkriegs gehen diese Seiten verloren. Claude Bonnet ist ein Nachfahre und auf der Suche nach den Noten. Nina erfährt bei einer Veranstaltung in Aachen davon. Auch sie möchte die Noten finden, weil sie befürchtet, das ein alter Bekannter, den sie zur gleichen Zeit sieht, ein finsteres Spiel plant.

    Der Schriftstil des Buches ist hochwertig. Die Orte werden ausführlich beschrieben. Die Teile, die sich mit dem Aufenthalt von Chopin in Aachen beschäftigen, zeugen von intensiver und exakter Recherche. Obiges Zitat bezieht sich auf Chopin. Gleichzeitig werden dabei historische Entwicklungen gestreift, so die Besetzung Polens. Interessante Gespräche, die uns heute schmunzeln lassen, gibt es um die Zukunft der Eisenbahn.

    Auch in der Gegenwart lerne ich manche historische bedeutsame Stadt kennen. Ich denke insbesondere an Eupen. Als Stadtführerin zeigt mir Nina natürlich auch die Besonderheiten von Aachen. Für Humor und Auflockerung sorgen die Hausbewohner von Nina. Jeder ist auf seine besondere Art ein Unikum. Privatsphäre wird in dem Haus eher klein geschrieben. Nicht ohne Probleme ist Ninas Beziehung zu Dirk, dem Kriminalisten. Zwischen Grazyna und Nina entwickelt sich eine Freundschaft, die beiden nutzt. Nach und nach erhalte ich Einblicke in die Geschehnisse, die zum Verschwinden der Noten geführt haben.

    Ein ausführliches Postskriptum mit vielen Fotos ergänzt die Geschichte.

    Das Cover mit der jungen Frau vor den Noten, die zart die Säulenreihe schmücken, passt zum historischen Strang der Geschichte.

    Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Die Kombination von historischen Geschehen mit einem aktuellen Kriminalfall sorgt für Abwechslung und Spannung.

  12. Cover des Buches Ein Requiem für Frédéric Chopin (ISBN: 9783896671585)
  13. Cover des Buches Geschichte meines Lebens (ISBN: 9783458320135)
    George Sand

    Geschichte meines Lebens

     (6)
    Noch keine Rezension vorhanden
  14. Cover des Buches Mordmelodie (ISBN: 9783596320820)
    Sheldon Rusch

    Mordmelodie

     (42)
    Aktuelle Rezension von: sommerlese
    Der Thriller "*Mordmelodie*" von "*Sheldon Rusch*" erschien 2007 im "*Fischer Verlag*".

    In Illinois hält eine Reihe von Doppelmorden die Bewohner in Atem.   Special Agent Elizabeth Hewitt untersucht die Fälle. Auffällig ist, dass sie alle in der Nacht stattfanden, während im Radio eine bestimmte klassische Musik gespielt wurde: die Nocturne in Es-Dur von Frédéric Chopin. Bringt diese Erkenntnis Hewitt weiter?

    Mordmelodie fängt eigentlich recht vielversprechend als spannender Psycho-Krimi an. Aus der Sichtweise des Täters bekommt man eine packende Sicht seiner Denkweise und von seinem kranken Seelenleben präsentiert. Doch dann verläuft sich die Anspannung in belanglose Beschreibungen und Aktionen von Hewitt, die man als gerade noch solide bezeichnen kann.

    Dieser Thriller ist gut zu lesen, der Schreibstil ist mit witzigen Wortduellen gespickt, einige umständliche Passagen machen mir allerdings zu schaffen. Für einen Thriller hätte es etwas packender geschrieben sein können. Es gibt kurze Kapitel, die mit besonderen Tötungsmethoden überraschen und auch der Bezug zur klassischen Musik ist originell.

    Elizabeth Hewitt ermittelt und stösst auf einen alten Bekannten aus dem College. Ist er in die Sache verwickelt? Hier möchte ich nicht zu viel verraten. Auf jeden Fall ist Hewitt bestrebt, weitere Morde zu verhindern. Doch die Zeit drängt, die nächste Nocturne steht wieder auf dem Nachtprogramm.
    Die Charaktere hätte ich mir ausdrucksstarker gewünscht. Selbst Hewitt war etwas undurchschaubar und flach beschrieben. 
    Die Auflösung hat leider einen ziemlich konsturierten Effekt, der mir nicht gefallen hat.
     
    Ein Thriller, der mich nicht vom Hocker gerissen hat! Schade, das Potential mit dem interessanten Thema hätte besser umgesetzt werden können.
     
  15. Cover des Buches Franz Liszt (ISBN: 9783644541917)
    Barbara Meier

    Franz Liszt

     (4)
    Aktuelle Rezension von: Puzzeline
    Barbara Meier stellt in ihrem sorgfältig recherchierten Buch das Leben des Komponisten und Dirigenten Franz Liszt dar. Franz Liszt wird im 19.Jahrhundert geboren und wird musikalisch von seinem Vater früh gefördert. Durch Auftritte reist er schon in jungen Jahren viel und erlangt dadurch große Berühmtheit. Es entwickelten sich Freundschaften zu anderen berühmten Komponisten,wie Richard Wagner. Der Leser erfährt außerdem viel über Liszts Liebschaften und Persönlichkeit. Ich persönlich musste mich durch das Buch kämpfen. Denn Meier beschreibt nicht nur das Leben Liszts, sondern auch seine wichtigsten Musikstücke äußerst genau. Das ist teilweise sehr mühsam, da ich zwar grundlegende Kenntnisse in Musik besitze, aber nicht in dem Maße, wie es zum Verstehen des Buches nötig ist. Hier ein Beispiel: " Liszt verwendet gregorianische oder modale Melodien neben avancierter Chromatik, einfache diatonische neben kühner Alterationsharmonik." Dies alles hemmt den Lesefluss sehr und es macht keinen Spaß, sich durch drei Seiten musikalischer Fachliteratur zu lesen, bis man zu einer Seite kommt, die den Menschen Liszt beschreibt.
  16. Cover des Buches Chopin (ISBN: 9783442748068)
    Adam Zamoyski

    Chopin

     (3)
    Aktuelle Rezension von: Wedma

    Ich habe lange und ausdauernd nach einer vernünftigen Biographie von Chopin gesucht und bei dieser von Adam Zamoyski fündig geworden. Ich habe sie sehr gerne gelesen und kann sie wärmstens weiterempfehlen. So eine Bio, die mit so viel Hingabe geschrieben wurde, ist selten, und schon allein deshalb auf jeden Fall lesenswert.

    Dem Autor war es sehr wichtig, dass sein berühmter Landsmann so adäquat wie möglich in der Öffentlichkeit dasteht. Eine fundierte, bis ins kleine Detail gehende Recherche, die das Leben von Chopin und auch seiner Lebensgefährtin George Sand recht ausführlich schildert, macht dies möglich. Wenn man bspw. irgendwo früher gelesen hat, dass Chopin einen sehr seltsamen Charakter hätte und seine Schüler während des Unterrichts mit Stühlen zu bewerfen pflegte, dann gibt es hier plausible, gut nachvollziehbare Erklärungen für solche Vorfälle. Man erfährt, wie Chopin war und warum er so war, wie er war. Man kann sich während und erst recht nach der Lektüre seine Persönlichkeit sehr gut vorstellen: was ihn bewegt hat, was ihm peinlich erschien und warum. Viele Zitate aus Chopins Briefen zu seinen Freunden und Familie geben den Eindruck aus der ersten Hand, was und wie er dachte und was ihm wichtig erschien.

    Am Anfang deutlich gewordener Russenhass des Autors legte sich doch im weiteren Verlauf und ich konnte mich voll und ganz auf die Person Chopin konzentrieren. Die Kindheit, seine Eltern, v.a. der Vater, der seinen Werdegang maßgeblich beeinflusst hat, kamen wunderbar zur Geltung. Ich erfuhr viel Neues und recht Überraschendes über Chopin, z.B. dass er spöttisch war und gerne austeilte. Einige charakterliche Parallelen zu anderen hochtalentierten Musikern ließen sich gut erkennen: er war bescheiden, was sein Talent anging.

    In seinen jüngeren Jahren war Chopin gut mit Liszt befreundet – sie sind in etwa vom gleichen Alter. Einige Briefe aus jener Zeit sind hier enthalten, Schwerpunkte ihrer Freundschaft gekennzeichnet. Faszinierend war über die Abende zu lesen, an denen die beiden und noch paar andere bekannte Musiker miteinander nicht nur eine Mahltafel teilten, sondern mit und für einander musizierten, ihre neuen Werke vorführten, so ganz analog, live, ohne iPhones &Co. Wobei es wäre wirklich toll heute zu hören, wie Chopin selbst seine romantischen Werke spielte. Heute gibt es kaum einen nennenswerten Interpreten, der Chopin nicht im Programm hat, und auf bekannten Plattformen kann man frei wählen, wessen Darbietung einem am besten gefällt. Chopins Werke werden also auch heute, über hundertfünfzig Jahre nach seinem Tod, gerne gespielt. Noch zu seinen Lebzeiten wurde Chopin als Musikgenie anerkannt.

    Auch seine acht Jahre mit Georges Sand, inklusive die Reise nach Mallorca, wurden ausführlich beleuchtet. Über die Schriftstellerin erfährt man viele Dinge, die nicht mal in ihrer Bio (z.B. von A. Strohmeyer) stehen. Das Ganze ist mit den Quellen aus der Korrespondenz der beiden belegt, sodass keine Zweifel an der Richtigkeit der Darstellungen aufkommen.

    Über seine Musikstücke wird vglw. wenig gesprochen: Zwei-drei prägnante Sätze pro Stück.

    In der Mitte gibt es einige Fotos sowohl von Chopin als auch von seinen Freunden und Familie, auch einige Skizzen von seinen Zimmern, ein Foto von seinem Geburtshaus, etc.

    Zum Schluss ist rührend geschildert, wie seine Fans um ihn, ihr todkrankes Idol, gekümmert haben. Chopin hat sich bewusst und von langer Hand auf seinen Tod vorbereitet, seine Angelegenheiten weitestgehend selbst geregelt. Das Ende war tragisch und der Abschied von ihm, der gleich zu Anfang geschildert wurde, noch eindrucksvoller. Ich musste diese Seiten nochmals aufschlagen. Da wurde der Eindruck viel tiefer und nachhaltiger.

    Warum also diese Bio lesen? Um alte, schöne Zeiten vorm inneren Auge wieder lebendig werden zu lassen. Man ist hautnah dabei, wenn Berühmtheiten wie Chopin, Liszt, Berlios &Co. zusammen musizieren. Um den Genie persönlich kennenzulernen und ihm nahe zu sein. Man muss auch dabei sagen: Der Autor gibt zwar detaillierte Beschreibungen und Erklärungen, aber es bleibt immer ein Quäntchen Geheimnis, denn das Göttliche lässt sich nicht analysieren.

    Diese Bio ist ein Leseerlebnis, das spätestens nach hundert Seiten einen voll einnimmt und nicht mehr loslässt, auch lange nachdem die letzten Seiten umgeblättert wurden.

    Schade finde ich, dass man vom Autor dieser überaus beeindruckenden Bio leider zu wenig erfährt: bloß dass er, ein in 1949 in New York geborener Historiker ist, der in London und Polen lebt, und aus einem alten polnischen Adelsgeschlecht stammt, das mit der Familie Chopin bekannt war. Er hätte, so kleine Notiz, zahlreiche Sachbücher und Bios über polnische Persönlichkeiten geschrieben.

    Fazit: Wer eine sehr gute Bio von Chopin sucht und noch einige, u.a. pikante Details über George Sand erfahren will, ist bei Adam Zamoyski goldrichtig.                                                        

  17. Cover des Buches Scherzo furioso (ISBN: 9783462030891)
    Konrad Beikircher

    Scherzo furioso

     (3)
    Aktuelle Rezension von: petronella
    Folgt in der Qualität eins zu eins dem ersten Band, Andante Spumante. Wie an den tags zu ersehen ist, geht es hier in Richtung neuere Musik. Mit der neueren Musik hatte ich mich vorher nicht so sehr beschäftigt. Dieser Konzertführer hat mich dazu angeregt und ich habe einige Perlen entdeckt. Vielleicht wäre ein Kapitel Arnold Schönberg noch angebracht gewesen.
  18. Cover des Buches Szerzo furioso (ISBN: 9783936186383)
    Konrad Beikircher

    Szerzo furioso

     (1)
    Aktuelle Rezension von: petronella
    Genau wie die beiden Bücher und der CD Vorläufer - einfach Spitze. Dieser Führer geht mehr in Richtung neuere Musik, und da ich mich damit vorher nicht so beschäftigt hatte, waren ganz besonders hier die Hörbeispiele sehr hilfreich. Wie beim ersten Hörbuch Andante Spumante fehlen auch hier die Kapitel über die Komponisten, die im Buch vorhanden sind.
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