Bücher mit dem Tag "dänemark"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "dänemark" gekennzeichnet haben.

362 Bücher

  1. Cover des Buches Erbarmen (ISBN: 9783423212625)
    Jussi Adler-Olsen

    Erbarmen

    (4.221)
    Aktuelle Rezension von: ChrisGrimm

    Carl Mørck wird in den Keller abgeschoben, und das Beste daran: Er findet das gut. Kein Telefon, keine Kollegen, Ruhe. Dass ihm dann jemand einen Cold Case auf den Tisch legt und einen Assistenten namens Assad dazustellt, der zu viel redet und zu viel weiß, ist der eigentliche Plotmotor des Buchs. Der Fall selbst, eine Frau, die seit Jahren als tot gilt und es nicht ist, funktioniert solide. Die Auflösung packt. Aber Adler-Olsens echte Stärke liegt woanders: Er schreibt einen Ermittler, dessen Haupteigenschaft Faulheit ist, und macht das glaubwürdig spannend. Das ist schwerer als es klingt. Die Prosa ist Gebrauchssprache, kein literarischer Noir, kein Stilwille. Aber zwischen Mørck und Assad entsteht eine Dynamik, die das Buch von skandinavischer Massenware abhebt. Man liest weiter, weil man die beiden zusammen sehen will. Nicht wegen des Falls. Wegen des Kellers.

  2. Cover des Buches Erlösung (ISBN: 9783423214933)
    Jussi Adler-Olsen

    Erlösung

    (1.268)
    Aktuelle Rezension von: ScriptumFelicis

    Klappentext / Zusammenfassung:

    Ein rätselhafter Fund stellt Carl Mørck und sein Team vom Sonderdezernat Q vor eine erschütternde Aufgabe: In einer alten, verstaubten Flaschenpost, die vor über 15 Jahren angeschwemmt wurde, entdecken sie eine mit Blut geschriebene, kaum noch lesbare Botschaft – ein stummer Hilferuf zweier Jungen, die offenbar entführt wurden. Doch das mutmaßliche Verbrechen scheint nie angezeigt worden zu sein. Warum hat niemand diese Kinder vermisst?

    Die Ermittlungen führen das Team in ein Milieu aus religiösem Fanatismus, abgeschotteten Gemeinschaften und einem Netz aus Angst und Schweigen. Mit zunehmender Intensität verfolgt das Sonderdezernat Spuren, durchleuchtet Familienstrukturen, ideologische Abgründe und sektenähnliche Organisationen – bis es zu einem dramatischen und beklemmenden Höhepunkt kommt.

    Meinung:

    Für mich ist Erlösung bisher der spannendste Band der Reihe. Jussi Adler-Olsen gelingt mit dem dritten Fall für das Sonderdezernat Q ein düsterer, atmosphärisch dichter Thriller, der sich tief in psychologische Abgründe und das Thema manipulativer Machtstrukturen vorwagt. Die Geschichte bewegt sich in einem komplexen Spannungsfeld aus persönlichem Trauma und religiösen Dogmen.

    Die Handlung wird auf mehreren Zeitebenen erzählt. Die Ermittlungen in der Gegenwart werden ergänzt durch Einblicke in das Leben des Täters sowie Rückblenden in dessen Vergangenheit. Diese Erzählstruktur ist anspruchsvoll und erfordert Konzentration – verleiht dem Roman jedoch Tiefe und einen vielschichtigen Spannungsbogen.

    Adler-Olsen setzt nicht auf schnelle Action, sondern auf eine stetig wachsende Spannung, die sich manchmal zwar nur schleichend, aber unaufhaltsam verdichtet. Kleine Hinweise, scheinbar nebensächliche Details und psychologisch präzise gesetzte Szenen entfalten nach und nach ein erschütterndes Gesamtbild. Zwar ist der Aufbau stellenweise recht langsam – besonders dann, wenn sich die Ermittlungen festfahren –, doch gerade das wirkt authentisch und realitätsnah. Man braucht zu Beginn etwas Geduld, wird aber später mit einer dichten und intensiv erzählten Geschichte belohnt.

    Die Figuren sind – wie in den vorigen Bänden – vielschichtig und glaubwürdig. Carl Mørck bleibt ein ambivalenter Protagonist mit Ecken, Kanten und einem trockenen Humor, der ihn sympathisch macht, ohne ihn zu idealisieren. Assad ist nicht nur für sprachliche und kulturelle Reibungspunkte zuständig, sondern auch ein cleverer, aufmerksamer Beobachter, dessen Rolle im Team zunehmend an Bedeutung gewinnt. Doch seine Herkunft wirft immer mehr Fragen auf – wer ist er wirklich? Rose bringt mit ihrer kratzbürstigen, aber eigenständigen Art frischen Wind ins Team und offenbart neue Facetten ihrer Persönlichkeit.

    Besonders eindrucksvoll gelingt Adler-Olsen die Darstellung des Täters. Er wirkt über weite Strecken beinahe übermächtig – hochintelligent, manipulativ, mit einem perfekt ausgearbeiteten Plan und erschreckender psychologischer Kontrolle. Trotz (oder gerade wegen) dieser Überhöhung bleibt seine Figur fesselnd, weil ihre Beweggründe glaubwürdig aus einer gewalttätigen Kindheit und einem ideologisch geprägten Umfeld erwachsen.

    Der Schreibstil ist klar und hochgradig atmosphärisch. Adler-Olsen versteht es, Spannung aufzubauen, ohne in übertriebene Effekthascherei zu verfallen. Die Schauplätze sind greifbar, die Stimmung ist durchgehend beklemmend – und genau das verleiht dem Roman seine Wirkung.

    Fazit:

    Erlösung ist ein vielschichtiger, psychologisch intensiver Thriller, der durch seine durchdachte Konstruktion, seine beklemmende Atmosphäre und seine klug gezeichneten Figuren überzeugt. Jussi Adler-Olsen erzählt eine verstörende Geschichte über Schuld, Verdrängung und zerstörerische Machtverhältnisse – leise, aber nachhaltig. Wer Krimis mit Substanz, Tiefe und emotionaler Wucht schätzt, findet hier einen der stärksten Bände der Reihe.

  3. Cover des Buches Schändung (ISBN: 9783423214278)
    Jussi Adler-Olsen

    Schändung

    (1.588)
    Aktuelle Rezension von: LeseRolli

    Meine Rezension ist auf die angesprochenen Themen im Buch bezogen. Jede Autorin und jeder Autor, macht sich Gedanken, welche Themen im Buch angesprochen werden. Ich bin der Meinung, dass wir uns viel mehr mit diesen auseinandersetzen sollten.

    Jugendliche erleben eine Phase, in der sie sich unbesiegbar fühlen, als könnten sie die Welt erobern. In Gruppen verstärkt sich dieses empfundene Machtgefühl, was oft zu impulsiven und riskanten Entscheidungen führt. Sie stürzen sich in Abenteuer, ohne die möglichen Konsequenzen zu bedenken, und ignorieren diese komplett. Dieses Verhalten wird besonders gefährlich, wenn sie der Meinung sind, ihrem sozialen Umfeld überlegen zu sein.

    Wenn diese Jugendlichen aus einem Elternhaus kommen, indem die Eltern viel Geld verdienen und gesellschaftlich gut angesehen sind, kann dies das Fehlverhalten verstärken. Anstatt die Ursache für unangebrachtes Verhalten zu ergründen, greifen diese Eltern häufig zu finanziellen Mitteln, um die Situation zu bereinigen. Eine große Zuwendung an Geschädigte, soll dazu beitragen, dass der eigene Ruf nicht beschädigt wird.

    Diese Herangehensweise kann jedoch schädliche Folgen haben. Kinder oder Jugendliche lernen dadurch, dass Geld Probleme lösen kann, anstatt Verantwortung zu übernehmen. Sie entwickeln möglicherweise ein verzerrtes Selbstbild, geprägt von der Bedeutung finanzieller Mittel und moralischer Werte. Langfristig führt dieser Ansatz nicht nur zu einer Oberflächlichkeit in Beziehungen, sondern auch zu Entfremdung von Mitmenschlichkeit. Ein ausgewogenes Verständnis von Verantwortung und Wertschätzung ist unerlässlich.

    Verlieren Jugendliche den moralischen Kompass, laufen sie Gefahr, dass sie denken, dass sie im Erwachsenenalter genauso weiter handeln können. Sie vergessen dabei, dass Gewalt, die anderen zugefügt wird, oft tiefgreifende körperliche und emotionale Narben hinterlässt. Die Betroffenen erfahren nicht nur den Schmerz des Augenblicks, sondern kämpfen oft ein Leben lang mit den traumatischen Erinnerungen.

    Diese Erwachsenen, die niemals eine Lektion für ihr Handeln erfahren haben, machen vor nichts halt. Sie befinden sich häufig in einem Raum ohne Ordnung, in dem persönliche und gesellschaftliche Grenzen infrage gestellt werden. Um diese Dynamik zu durchbrechen, ist es wichtig, dass Erwachsene die Verantwortung für ihr Handeln übernehmen und die Verbindungen zwischen den Menschen, die uneinsichtig sind, beenden. 

    Schließlich ist niemand davor sicher, dass einen irgendwann die Schuldgefühle einholen. Die Einsicht, dass es Zeit ist, die Konsequenzen für sein Handeln zu tragen, zeugt von Stärke und, dass man sich selbst reflektieren kann. Dadurch wächst man nicht nur emotional, sondern auch persönlich.

  4. Cover des Buches Narbenkind (ISBN: 9783442484959)
    Erik Axl Sund

    Narbenkind

    (470)
    Aktuelle Rezension von: martina400

    Inhalt:
    Die bisherigen Ermittlungen werden auf Eis gelegt, als ein Geschäftsmann ermordet wird. Jeanette Kihlberg wendet sich bei der Psychologin Sofia Zetterlund um Hilfe für die Erstellung eines Täterprofils zu. Immer mehr Morde geschehen auf und Victoria Bergmann scheint zugleich verschollen, aber irgendwie doch in aller Munde zu sein. Zeitgleich kämpft Sofia immer häufiger mit ihren Gedächtnislücken.

    Cover:
    Das Cover ähnelt dem des ersten Teils und man sieht eine karge Landschaft, die auf nichts deuten lässt.

    Meine persönliche Meinung:
    Der 2. Teil packte mich von Anfang an. Das Thema Kindesmisshandlung finde ich immer noch schlimm und werde dieses Reihe deshalb auch sicher nicht noch einmal lesen. Der 2. Teil ist wirklich ein 2. Teil und man muss den ersten gelesen haben, um such auszukennen. Es ist blutig und grausig und viele Leichen. Aber wirklich grandios gelungen ist, sind die Sprünge zwischen den Leuten, den Persönlichkeiten, früher und heute und wie alles nach und nach raus kommt, ohne dass man etwas geahnt hätte oder etwas unstimmig wirkt. Noch nie habe ich ein Buch gelesen, das so ausgeklügelt ist und vor allem auch so vielfältig. Es ist absolut kein typischer Thriller und kein Klischee oder sonstiges. Vermutlich gelingt so etwas auch nur jemanden, der wirklich wie hier als Duo schreibt. Ich bin wirklich begeistert von diesem Teich im Sinne der Arbeitsleistung und der Spannung, die bis zur letzten Seite anhielt.

    Fazit:
    Ein unsagbar spannender und bewundernswert ausgeklügelter 2. Teil.

  5. Cover des Buches Erwartung DER MARCO-EFFEKT (ISBN: 9783423216203)
    Jussi Adler-Olsen

    Erwartung DER MARCO-EFFEKT

    (637)
    Aktuelle Rezension von: marysfavouritebooks

    Ich habe die Reihe bis zu diesem Band förmlich verschlungen. Aber hier hatte ich wirklich Mühe. Ich hatte das Buch bereits zwei Mal angefangen und wieder abgebrochen. Irgendwie kan ich leider überhaupt nicht rein. Jetz habe ich es endlich im Rahmen meiner SUB Abbau Challenge geschafft. Zwischenzeitlich war es sehr langatmig - das war ich mir von seinen anderen Büchern nicht gewohnt. Das liegt vielleicht auch daran, dass Bandenkriminalität, Clans und Korruption generell Themen sind, die ich nicht besonders interessant finde. Ich bin froh, ist es durch. Gegen Ende wurde es aber dann doch noch einigermassen spannend. Jetzt freue ich mich auf die restlichen Bücher.

  6. Cover des Buches Verachtung (ISBN: 9783423215435)
    Jussi Adler-Olsen

    Verachtung

    (939)
    Aktuelle Rezension von: til_tomasko9

    Kurzbeschreibung:

    Eine Frau verschwand spurlos in den 1980er-Jahren. Die Spur führt zu einem ehemaligen Heim für schwer erziehbare Mädchen und zu geheimen Programmen zur Zwangssterilisation. Parallel wird aus der Perspektive einer Frau erzählt, die in der Gegenwart unter falscher Identität lebt und verfolgt wird. Die Ermittlungen decken Verbindungen zwischen Politik, Medizin und Justiz auf. 

    Der Autor: 

    Ich bin ein absoluter Fan von Jussi Adler-Olsen und seiner Reihe um das Sonderdezernat Q. Sein Schreibstil ist unglaublich packend, und doch ist er sich nicht zu Schade mit etwas Humor zu schreiben. Ich würde wirklich gerne mal Einblick in sein Gehirn bekommen um zu verstehen wie er auf diese absolut abnormalen Fälle zu kommen. Er hebt sich definitiv von den meisten Krimiautorinnen und -Autoren ab und schriebt sich in eine eigene Liga.

    Meine Meinung:

    Ich bin sowieso ein absoluter Fan dieser Reihe, doch dieses Buch ist für mich von den bisherigen Fällen das Beste! Klar, es ist definitiv nicht für alle etwas, da es wirklich grausame Fälle sind. Nichts für schwache Nerven oder Hoffen auf ein Happyend. Doch für alle die etwas spezielles in der Krimiwelt suchen, ein absolutes Muss zu lesen. Ich empfehle jedoch stets die Reihe in der chronologischen Reihenfolge zu lesen und dieses Buch eben als 4.Band zu lesen, auf den man sich definitiv freuen kann. Ich freue mich schon auf den 5.Band der Reihe!

  7. Cover des Buches Verheißung Der Grenzenlose (ISBN: 9783423216845)
    Jussi Adler-Olsen

    Verheißung Der Grenzenlose

    (523)
    Aktuelle Rezension von: Ulrike_Ozdemir

    Der sechste Fall von Carl Morck und seinem Team versprach zunächst wieder eine gute Kombination aus Spannung, Humor und Charakterstudie. Leider ziehen sich die beiden Hauptstränge, in denen einerseits die Polizeiarbeit, andererseits eine gescheiterte Frau, die einer vor 17 Jahren gegründeten Sekte vorsteht, so in die Länge, dass man irgendwann nur noch hofft, dass Carl, Assad und Rose endlich kapieren, was man selbst schon vor gefühlt tausend Seiten verstanden hat. 

    Die Umsetzung der Idee hätte wirklich gut sein können, aber leider hat sich der Autor in seinen eigenen Netzen verfangen. 

  8. Cover des Buches Der Kastanienmann (ISBN: 9783442492367)
    Søren Sveistrup

    Der Kastanienmann

    (331)
    Aktuelle Rezension von: Julianchen

    Dieser Thriller ist wohl einer der besten, den ich in den letzten Monaten, wenn nicht im letzten Jahr gelesen habe. Ein absolut spannender Fall, vielschichtige, facettenreiche Ermittler, Wendungen, die nicht an den Haaren herbeigezogen sind, sondern absolut logisch erscheinen und damit umso erschütternder sind. Im Mittelpunkt stehen mehrere Morde an Müttern, die ihre Kinder vernachlässigen oder sogar misshandeln. An jedem Tatort findet sich eine kleine Kastanienfigur. Die Frauen sind fürchterlich entstellt und wurden gequält. Das Buch ist hart, die Schilderung der Taten sehr brutal. Doch das Buch driftet an keiner Stelle, ins Voyeuristische ab. Der Schreibstil ist vielseitig und niveauvoll, durch die kurzen Kapitel äußerst spannend und kurzweilig. Schnell stoßen die Ermittler auf Parallelen zu einem Fall von Kindesentführung an einer Politikertochter. Der Fall scheint aufgeklärt, doch nach und nach verdichten sich die Indizien, dass die Lösung wohl doch nicht so einfach war wie gedacht. Das Thriller ist wirklich bis zum Ende spannend und hält die ein oder andere Überraschung bereit. Ich hoffe, dass es noch weitere Fälle, der etwas eigenwilligen und doch sehr menschlichen und sympathischen Ermittler geben wird. Ich bin Fan und freue mich schon auf den nächsten Teil. Eine absolute Leseempfehlung für Fans von Spannungsliteratur.

  9. Cover des Buches Selfies (ISBN: 9783423217712)
    Jussi Adler-Olsen

    Selfies

    (398)
    Aktuelle Rezension von: Daniela_Beilner

    "Selfies" ist der 7. Teil der Reihe rund um das Sonderdezernat Q - dieses Mal erfahren wir endlich mehr über den Hintergrund zu Rose - dazu warum sie ist wie sie ist und was sie alles erlebt hat und erdulden musste und warum sie immer wieder wie eine durchgeknallte wandelnde Zeitbombe wirkt. Nach diesem Buch habe ich Verständnis für Rose, ich hatte Mitleid mit ihr, war wütend und geschockt und jetzt hoffe ich für sie dass alles wieder gut wird - soweit das überhaupt möglich ist ... aber das erfahren wir wohl erst im nächsten Teil

    Der Fall um den es in diesem Buch geht ist wie gewohnt verzwickt und es gibt mehrere Handlungsstränge die am Ende zusammenfinden und ein großes Gesamtbild ergeben. Normalerweise beginnt das Sonderdezernat Q in einem Cold Case zu ermitteln und dann ergibt sich die Verknüpfung zu einem aktuellen Fall - dieses Mal ist es umgekehrt ... durch einen aktuellen Fall ergibt sich eine vage Verbindung zu einem Cold Case und Carl, Assad und co beginnen zu ermitteln

    Parallel dazu erschüttern mehrere Fälle von Unfällen mit Fahrerflucht Kopenhagen und als Leser bekommt man hier die Sicht aus Tätersicht zu lesen 

    Das Ende was die Fälle angeht fand ich sehr gelungen und ich musste sogar schmunzeln - wie sagt man so schön "Karma schlägt zurück"

    was Rose angeht ist das Ende relativ offen und ich hoffe sehr dass man im nächsten Teil noch einiges erfährt - und wenn es vielleicht nur in Form von einem "Rückblick" ist

  10. Cover des Buches Smillas Gespür für Schnee (ISBN: 9783446286405)
    Peter Hoeg

    Smillas Gespür für Schnee

    (694)
    Aktuelle Rezension von: Favole

    Smilla, halb Grönländerin, halb Dänin, ist eine verletzlich aggressive, über große Strecken unsympathische und für mich kaum nachvollziehbare Protagonistin. Sie erinnert in Ihrer Art an die Klischees von Autismus, auch wenn es wohl nicht so ist. 

    Dazu kommt eine langsam vorangehende Handlung in drei Abschnitten (Die Stadt, Das Meer, Das Eis), die vor allem in der ersten Hälfte des Buches ständig durch Rückblenden in Smillas Kindheit, ihre Auseinandersetzung mit Geschichte und Kultur Grönlands, durch zusätzliche Zeit- und Ortssprünge in der Gegenwart und durch philosphische und naturwissenschaftliche Betrachtungen und Erklärungen unterbrochen wird. Das macht das Lesen langsam und anstrengend. Ich habe sicher nicht alles verstanden, wenn auch die Handlung mit Tathergängen und Motiven durchaus klar herausschaut. 

    Es hat nicht viel gefehlt und ich hätte das Buch abgebrochen. Ich bin dran geblieben und vor allem nach der guten Hälfte des Buches, ab dem Meer-Abschnitt, wurde es spannender, auch weil vor allem die Rückblenden und Unterbrechungen deutlich weniger wurden. Ich hatte es sehr auf ein erlösendes und rundes Ende gehofft, aber irgendwie wäre das dem Buch wohl nicht gerecht geworden. Es ist nicht gänzlich offen. Der Fall ist in gewissem Maße abgeschlossen und doch bleibe ich als Leser ein wenig ratlos im kalten Eis zurück. 

    Alles in allem ist es kein schlechtes Buch. Es ist anspruchsvoll und das macht es per se nicht einfacher, es zu mögen. Ich bin froh, dass ich bis zum Ende durchgehalten habe, kann aber nicht sagen, ob und wem ich es empfehlen würde.

  11. Cover des Buches Das große Los (ISBN: 9783328110859)
    Meike Winnemuth

    Das große Los

    (257)
    Aktuelle Rezension von: Schlumpfine-02

    Das große Los“ von Meike Winnemuth ist ein humorvoller, inspirierender Reisebericht über ein Jahr in 12 Städten weltweit, finanziert durch einen Gewinn bei „Wer wird Millionär?“ In Briefen teilt sie Aha-Erlebnisse, Kulturschocks und innere Veränderungen – ein Plädoyer für Mut und Möglichkeiten, das nie langweilig wird.

  12. Cover des Buches After Work (ISBN: 9783736305595)
    Simona Ahrnstedt

    After Work

    (306)
    Aktuelle Rezension von: ReiShimura

    Das Cover des Buches ist normalerweise kein Thema bei meinen Rezensionen, da ich die Beurteilung des Inhalts des Buches als wichtiger erachte. In diesem Fall mache ich aber eine Ausnahme. Denn das Cover stößt mir ein wenig sauer auf. Auf den ersten Blick passt es ja wirklich gut zum Titel des Buches, aber leider nur bedingt zum Inhalt. Denn die Themen Gewicht, body shaming und falsche Schönheitsideale in der Werbung sind zentrale Punkte in der Geschichte. Und trotzdem tappt der Verlag hier in die gleiche Falle und wählt ein ausnehmend schlankes Model für das Cover. Sehr schade.

    Mit Lexia Vikander konnte ich mich recht schnell anfreunden und mich auch in sie hineinversetzen. Ihre Unsicherheiten und Unzulänglichkeiten sind manchmal ein wenig anstrengend und nervig, machen sie auf der anderen Seite aber auch realistisch, menschlich und sympathisch. Ähnliches gilt für Adam Nylund. Bei ihm war meine Sympathie sehr stark davon abhängig welche seiner vielen Seiten er gerade gezeigt hat. Den harten Hund in geschäftlichen Dingen fand ich nicht immer sympathisch, konnte seine Handlungen aber verstehen. Nicht nachvollziehen konnte ich seine Gedanken bezüglich seiner Exfreundin, diese waren für mich völlig aus der Luft gegriffen und haben für die Geschichte keinen Mehrwert geliefert. Außer die Seitenzahl zu erhöhen und das Ganze ein wenig in die Länge zu ziehen.

    Autorin Simona Ahrnstedt spricht in ihrem Buch sehr viele wichtige Themen an. Manche davon sind heute nicht mehr ganz so relevant. Die Werbung ist in den letzten Jahren, das Buch ist immerhin bereits 2018 erschienen, durchaus vielfältiger und diverser geworden. Andere Themen werden wahrscheinlich nie an Aktualität verlieren, auch wenn es wünschenswert wäre. Body positivity wird zwar überall propagiert, so ganz ist das in den Köpfen der Menschen aber noch nicht angekommen. Fälle von body shaming und Mobbing wegen eines von der Norm abweichenden Aussehen sind ist gerade in den sozialen Medien noch immer gang und gäbe.

    Bei mir hinterlässt das Buch ein wenig das Gefühl, dass die Autorin es mit den "schwierigen" Themen ein klein wenig übertrieben hat. Da wurde für meinen Geschmack zu viel reingepackt, vor allem Dinge, die für die Geschichte keinen Mehrwert bringen, sondern nur dazu dienen, dass das Buch politisch korrekt ist und sich jede und jeder mitgemeint fühlt. 

    Die Liebesgeschichte zwischen Lexia und Adam würde ich als glaubwürdig bezeichnen, was für mich persönlich immer sehr wichtig ist. Die pikanten Szenen kommen natürlich vor, sind aber durchaus akzeptabel formuliert und nehmen nicht zu viel Raum ein.

    Der Erzählstil der Autorin gefällt mir und sie konnte das Gefühlschaos der Protagonisten glaubwürdig transportieren. Leider sind viele der Nebencharaktere nur platte Randfiguren. Da wird tief in die Klischeekiste gegriffen und wie oben bereits erwähnt, versucht möglichst viele Randgruppen und Minderheiten auch noch zu integrieren. Einige der Personen hätten auch Potential gehabt, kamen in der Geschichte aber ein wenig zu kurz.

    Alles in allem war es ein angenehmes, teilweise aber auch langatmiges Leseerlebnis. Ich hätte aber auch nichts dagegen einzuwenden gehabt, wenn der eine oder andere Handlungsstrang gefehlt hätte.

  13. Cover des Buches Kruso (ISBN: 9783518466308)
    Lutz Seiler

    Kruso

    (131)
    Aktuelle Rezension von: jerazi

    „Ughhh … das Buch ist wie ein endloser innerer Monolog in einem schlecht beleuchteten Umkleideraum – nur ohne die Hoffnung, dass irgendjemand jemals rauskommt oder wenigstens ein Handtuch reicht.“

    Ich begann zu lesen. Ich las das Bernstein-Kapitel - und weiter. Ich suchte Handlung. Ich fand: Sediment. Sprachlich verdichtete Erstarrung. Keine Bewegung, keine Flucht, keine Konsequenz. Stattdessen: ein Mann, der abwäscht. Ein anderer, der sich zum Inselpriester stilisiert. Und eine Insel, die nicht Ort der Sehnsucht ist, sondern Endpunkt des Landgefängnisses DDR – ein Rand, an dem sich Hoffnung in Stillstand verwandelt.

    Ich erwartete Fluchtbewegungen. Ich bekam Introspektion. Ich erwartete Handlung. Ich bekam Sprachnebel. Ich erwartete Konsequenz. Ich bekam: nichts. Und das über Hunderte von Seiten. Ich fragte mich: Verlange ich zu viel?  Leise würde ich noch hinzufügen:
    „Ich hätte lieber 300 Seiten lang einem Fuchs beim Denken zugehört.“

    Die Fiktion der Freiheit als Verhöhnung

    Seiler konstruiert eine „Gemeinschaft der Herausgefallenen“. Eine Art Inselutopie. Eine Männergemeinschaft, die sich dem System entzieht, ohne verfolgt zu werden. Ohne Konsequenz. Ohne Realität. Diese Gemeinschaft hat es nie gegeben. Sie konnte es nie geben. In der DDR bedeutete „herausfallen“: Überwachung. Repression. Gefängnis. Fluchtversuch bedeutete: Tod.

    Was Seiler hier entwirft, suggeriert eine Form von literarischer Freiheit,  was angesichts der realen DDR-Repressionen historisch falsch und schmerzhaft wirkt. . Es ist, als würde man den Inhaftierten von Bautzen zurufen: Ihr hättet euch nur poetischer verhalten müssen. Es ist, als würde man den Ertrunkenen in der Ostsee vorwerfen, sie seien nicht metaphysisch genug geschwommen. Ist Kruso eine Erzählung – oder eine Verhöhnung des realen Leids?

    Sexismus, Sprachnebel, Preisvergabe

    Die Frauen in Kruso? Sie sind Staffage. Beilagen. Narrative Ressourcen für männliche Selbstverwirklichung. Der „Klausner“ ist kein Ort der Gemeinschaft, sondern ein männlicher Rückzugsraum, eine literarische Sauna, in der sich Männer gegenseitig ihre Bedeutung zuschwitzen. Dass dieser Roman 2014 den Deutschen Buchpreis erhielt, zeigt, wie tief der deutsche Literaturbetrieb in (patriarchalen) Mustern verhaftet bleibt – und wie blind er gegenüber struktureller Gewalt ist.

    Ich stand am Grab von Daniel Defoe in Bunhill Fields. Weiß ich, was eine Robinsonade ist, was sie leisten kann? Was Seiler liefert, ist keine Robinsonade – eher eine literarische Nebelspur durch das Gedächtnis.

    Ins Regal der Enttäuschung

    Kruso steht jetzt in meinem fiktiven Regal neben Helianth. Neben dem Telefonbuch von Bielefeld. Nicht aus Spott. Diese Bücher sind Sedimente. Sie lagern sich ab. Sie bewegen nichts. Sie sprechen nicht. Sie sind die literarische Entsprechung jener Systeme, die einst Weltmaßstab waren und heute nur noch museal existieren wie die britische Automobilindustrie. 

    Ein Empire stirbt – nicht mit einem Knall, sondern mit einem Klappentext. Die Sprache, einst Trägerin von Weltdeutung, wird zur Pose. Der Kanon, einst Speicher kollektiver Erfahrung, wird zu bloßer Selbstbespiegelung. Kruso ist kein schlechtes Buch. Es ist ein Symptom. Es zeigt, wie weit sich die deutsche Literatur von der Welt entfernt hat. Wie sehr sie sich in ihren eigenen Sedimenten suhlt. Wie wenig sie noch wagt, zu berühren, zu riskieren, zu handeln.

    Ich denke: Das Buch ist fürs Feuilleton - aber womöglich nicht für Leser mit meiner Erwartungshaltung.

     

  14. Cover des Buches Hamlet (ISBN: 9783872911308)
    William Shakespeare

    Hamlet

    (620)
    Aktuelle Rezension von: HenriLMatos

    Hamlet wird als Zögerlichkeitsdrama missverstanden. Es ist ein Drama über die Unmöglichkeit, in einer Welt zu handeln, in der jede Gewissheit korrumpiert ist. Hamlets sogenannter Wahnsinn ist keine psychische Störung, er ist die einzig rationale Antwort auf ein System, das ihn zur Lüge zwingt. Die Frage „Sein oder Nichtsein" ist nicht existenziell, sondern politisch: Kann man existieren, ohne sich dem System anzupassen? Shakespeare hat diese Frage vor 400 Jahren gestellt. Sie ist nicht beantwortet.

  15. Cover des Buches NATRIUM CHLORID (ISBN: 9783423218900)
    Jussi Adler-Olsen

    NATRIUM CHLORID

    (205)
    Aktuelle Rezension von: koechl

    Zum neunten Mal ermitteln Carl Mørck und seine Kollegen vom Sonderdezernat Q bereits. Ihre Gebiet sind sogenannte Cold Cases - Fälle, die niemals aufgeklärt wurden. Oder - wie im vorliegenden Fall - noch nicht einmal als Mordfälle identifiziert wurden, da von einem Unfall oder Selbstmord ausgegangen wurde.
    Carls Vorgesetzter Marcus möchte nach dem Selbstmord einer Frau, dass das Sonderdezernat noch einmal einen alten Fall untersucht. Alles sah nach einem Unfall aus, doch ein Detail störte: Am Tatort fand sich ein Haufen Kochsalz. Das Team macht sich auf die Suche und entdeckt, dass ein Serienmörder seit Jahren unerkannt am Werk ist. Die Ermittlungen werden zu den bisher gefährlichsten und schwierigsten. Denn nicht nur Corona erschwert die Ermittlungen, auch die Vergangenheit holt Carl ein.
    Natriumchlorid liest sich - wie alle Bände der Serie - sehr gut, was natürlich auch wieder an dem besonderen Mitarbeitern des Dezernats liegt. Sie sind mir über die Jahre sehr ans Herz gewachsen. Der Fall ist spannend, auch wenn ich ihn streckenweise etwas konstruiert fand. Mir ging es mit den Ermittlungen teilweise auch etwas zu glatt und schnell: trotz aller Behinderungen ist der Täter schnell identifiziert, obwohl er davor wirklich jahrelang unerkannt war. Ich kann das für den Spannensaufbau natürlich verstehen, finde es aber doch ein wenig unrealistisch.
    Das Buch hat mir aber bei weitem besser gefallen als der Vorgänger (den ich am schlechtesten von der ganzen Reihe fand), es reicht aber dennoch nicht ganz an die früheren Titel heran.
    Auf den zehnten und leider letzten Band bin ich nun extrem gespannt.

  16. Cover des Buches Dream Maker - Sehnsucht (The Dream Maker 1) (ISBN: 9783548290478)
    Audrey Carlan

    Dream Maker - Sehnsucht (The Dream Maker 1)

    (253)
    Aktuelle Rezension von: Susann82

    Nach den Büchern "Calendar Girl" und "Trinity" habe ich mich sehr auf die neue Reihe der Autorin gefreut. Dieses Buch ist aus der Sicht des Mannes erzählt, was ich mal sehr spannend, interessant und abwechslungsreich finde. Das erste Buch hat mich, genau wie die bisherigen Bücher auch schon gefesselt und nicht enttäuscht. Dieses Genre ist nicht für Jedermann geeignet. Ich finde, es gibt nur zwei Möglichkeiten; entweder man liebt es oder eben nicht.

  17. Cover des Buches Oxen. Das erste Opfer (ISBN: 9783423217651)
    Jens Henrik Jensen

    Oxen. Das erste Opfer

    (310)
    Aktuelle Rezension von: Martinchen

    Der ehemalige, hochdekorierte Elitesoldat Niels Oxen nach etlichen Auslandseinsätzen schwer traumatisiert. Seinen Dämonen, die ihn nachts nicht schlafen lassen, begegnet er mit Joints und Alkohol. Dann gerät er unter Mordverdacht und bekommt das gut dotierte Angebot, den wahren Täter zu finden. Zusammen mit der Geheimdienstmitarbeiterin Margrethe Franck übernimmt er die Ermittlungen. Er fördert Erstaunliches zutage, kann letztendlich jedoch nichts beweisen – aus guten Gründen.

    Ich bekam den Band von einer Freundin, die sich sehr begeistert geäußert hat. Diese Begeisterung kann ich leider nicht teilen. Die ersten Seiten konnten mit überhaupt nicht überzeugen, sondern langweilten mich eher. Erst als Oxen zusammen mit Franck beginnt, nach Motiven und Tätern zu suchen, wurde der Thriller zunehmend spannender. Für mich allerdings zieht er die Spannung hauptsächlich daraus, dass ich wissen wollte, wer genau der Drahtzieher ist. Für mich gibt es auch einige Ungereimtheiten. So wie ich Oxen beschrieben habe, ist mir unklar, ob er wirklich so präzise, klar und strukturiert denkt. Seine körperlichen Fähigkeiten nehme ich ihm ab, denn er trainiert sie regelmäßig. Ich möchte jetzt nicht zu viel verraten, doch die fehlenden Beweise werden spurlos vernichtet. Dazu braucht es in der beschriebenen Art mehrere Personen, bei denen sichergestellt sein muss, dass sie absolut loyal sind.

    Den zweiten Band habe ich bereits begonnen, denn ich habe eine Vermutung, die ich gern bestätigt sehen möchte.

    Fazit: ein spannender Thriller, aber den Hype um Oxen kann ich nicht teilen





  18. Cover des Buches Nichts (ISBN: 9783423625173)
    Janne Teller

    Nichts

    (1.077)
    Aktuelle Rezension von: BooKLoVE

    Inhalt (übernommen)

    Als der 14-jährige Pierre Anthon seine Klasse mit den Worten verlässt »Nichts bedeutet irgendetwas, deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun«, stehen seine Mitschüler unter Schock. Denn kann es wirklich sein, dass nichts eine Bedeutung hat? Nicht die erste Liebe? Nicht das Lernen in der Schule? Nicht das Elternhaus, die Geschwister, der Glaube an Gott oder das eigene Land? Gemeinsam wollen die Schüler dem aufsässigen Pierre Anthon das Gegenteil beweisen und sammeln auf einem Berg der Bedeutung alles, was ihnen lieb und teuer ist. Doch was harmlos beginnt, wird bald zu einem Experiment, in dem es kein Halt und keine Grenzen mehr gibt – als selbst Tiere geopfert werden, ein Finger und die Unschuld eines Mädchens... 

    Meine Meinung zum Buch (enthält SPOILER)

    Das Cover des Buches ist sehr schlicht gehalten, da nur der Titel und die Autorin auf weißem Hintergrund zu sehen sind.
    Der Schreibstil der Autorin war nicht ganz mein Fall. Die Autorin hat viele Stilmittel mit in ihren Text eingebracht und aus der Sicht einer Erzählerin geschrieben. Im Buch werden einige eventuell triggernde Themen angesprochen, wofür es allerdings keine Triggerwarnung gibt. Diese hätte ich mir allerdings schon gewünscht. Die Kapitellänge hat mir immer sehr gut gefallen, da die Kapitel meist nur 4 Seiten lang waren. Durch den geringen Umfang der Geschichte hatte ich das Buch sehr schnell durchgelesen und empfand es auch als sehr spannend.
    Die Handlung hat mich zu Beginn ein wenig überrascht und ich hätte nicht gedacht, dass das Buch so tiefgründig sein wird.
    Den Sinn hinter dem Berg aus Bedeutung habe ich nicht so ganz verstanden und auch warum alle damit so geheimnisvoll umgegangen sind, war mir ein Rätsel. Manche Gegenstände waren einfach to much (Unschuld, Kopf des Hundes, Finger,…) und ich habe mich gefragt, ob es das nun wirklich gebraucht hat.
    Das Ende hat mich überrascht, da ich trotz des emotionslosen Umgang der Kinder untereinander nicht damit gerechnet hatte, dass sie so etwas tun würden. 

    Fazit

    Insgesamt fand ich das Buch spannend zu lesen, als Kinder- und Jugendbuch finde ich es allerdings nicht geeignet, da es wirklich eventuell triggernde Themen anspricht. Manche Stellen waren mir zu extrem.
    Ich vergebe 3 von 5 Sterne!

  19. Cover des Buches Opfer 2117 (ISBN: 9783423219648)
    Jussi Adler-Olsen

    Opfer 2117

    (233)
    Aktuelle Rezension von: Selfsoul

    In diesem Band der Reihe steht dieses Mal Assad im Mittelpunkt. 

    Im Laufe des Buchs erfährt man mehr über seine Vergangenheit und Geschichte. Insbesondere, dass er eine Familie hat. Seine Frau und beiden Töchter wurden aus Rache an ihm entführt. 

    Als plötzlich ein Foto von seiner Frau und einer seiner Töchter in der Zeitung zu sehen ist, wird ihm klar: sie leben und es muss Rache geben. 

    Sehr spannend! Rose kehrt zum Team zurück. 

    Der zweite Fall ist etwas too much, deshalb einen Stern Abzug. 

  20. Cover des Buches Das Flüstern der Raben - Ansuz (ISBN: 9783038800477)
    Malene Sølvsten

    Das Flüstern der Raben - Ansuz

    (91)
    Aktuelle Rezension von: valls

    Ich habe das Buch geschenkt bekommen und es landete erst einmal für lange Zeit in meinem Regal, da ich erstens generell keine Zeit und Ruhe zum Lesen hatte und ich relativ skeptisch war, dass mir die Geschichte zusagen würde. Die Länge von 800 Seiten haben mich auch nicht gerade motiviert.

    Jetzt, da ich mit dem Buch durch bin, kann ich nur sagen, dass ich immer wieder froh bin, Büchern eine Chance zu geben, da man oft sehr positiv überrascht wird. Die 800 Seiten sind ab etwa einem Drittel des Buches nur so dahingeflogen, weil immer etwas passiert ist und der Schreibstil sehr einfach gehalten war (im positiven Sinne). Insgesamt gebe ich dem Buch 4,5 Sterne und erzähle euch nun, wie diese Bewertung zustande kommt.

    Die Story:

    Nach einem zugegebenermaßen etwas klischeehaften und oftmals etwas unlogischen Anfang, bei dem ich meine anfänglichen Befürchtungen schon bestätigt gesehen habe, ging es steil bergauf.

    Am Anfang hat mich gestört, dass Anne, ohne wirklich etwas dafür zu tun, plötzlich Freunde findet, die sich ihr förmlich aufzwingen, obwohl sie aufgrund ihrer Kindheit mehr als abweisend ist. Alles kam einfach zu gelegen. Auch der Job beim Frank´s, gerade als sie einen braucht. Das fand ich ziemlich unrealistisch, auch wenn es sich im weiteren Verlauf des Buches zumindest teilweise erklären lässt. Dass Nebencharaktere Anne entweder hassen oder sofort mögen, war ebenfalls realitätsfern, dafür gab es später jedoch eine Erklärung. Hier gab es aber auch ein paar logische Unstimmigkeiten, weil einige Personen davon ausgenommen waren.

    Auch die ständigen Beschreibungen von der Schönheit der Charaktere haben mich gestört. 

    Beim plötzlichen Auftauchen von Varnar in gefährlichen Situationen aus dem Nichts wurde nie erklärt, wie er wusste, wo Anne war (später kennt man den Grund) und Anne hat auch in den jeweiligen Situationen nie nachgefragt. Jeder normale Mensch würde sich wundern.

    Sehr unlogisch fand ich auch, dass dem Diner, in dem einige Szenen des Buches spielen, nicht direkt die Gäste ausbleiben, nachdem im Hinterhof jemand ermordet wird und dass der gesamte Bereich nicht abgesperrt wird, da auch im Folgenden immer wieder etwas in diesem dunklen Hinterhof passiert, weil sich natürlich immer wieder irgendwer dorthin begibt wie in einem schlechten Horrorfilm.

    Jetzt kommen wir aber zu den positiven Seiten des Buches, die eindeutig überwiegen.

    Zusammenfassend kann man sagen, dass man sich erst einlesen muss, bis man das Buch und seine Hauptprotagonistin zu mögen anfängt, dann ist man aber voll dabei und fiebert mit.

    Ich war nie ein großer Fan von Skandinavien, Büchern, die dort spielen und habe mich nie wirklich mit der nordischen Mythologie auseinandergesetzt. Dieses Buch hat es allerdings wirklich geschafft, mein Interesse zu wecken und mich mit seinem nordischen Charme einzulullen.

    Das Gesamtbild hat gestimmt. Die Autorin hat die Mythologie gekonnt mit den landschaftlichen Charakteristiken des Landes und den Charakteren verwoben, sodass beim Lesen eine fast greifbare Atmosphäre entstand und Dänemark plötzlich als super spannendes und mystisches Land erschien. Auch die dänischen Namen haben absolut gepasst z.B. "Svidur".

    Die Buchwelt und die Einfälle der Autorin waren super originell. Es gab einige lokale Fixpunkte wie zum Beispiel die Schenke "Bootsmann", Annes vermachtes Haus Odinshöhe, die Schule und Frank´s Diner, an denen sich die Geschichte hauptsächlich abspielte. Das Setting des Bootsmanns fand ich super spannend und originell beschrieben, wie er am Kliff thront und die Tatsache, dass er trotz seiner Abgeschiedenheit immer gut besucht und sogar berühmt war, unterstrich die etwas magische Atmosphäre des Buches. Man konnte sich alles bildlich vorstellen.

    Da es viele verschiedene Charaktere gab, ist immer etwas passiert, daher wollte man immer weiterlesen. 

    Ein großer persönlicher Pluspunkt war, dass ich oftmals auf eine falsche Fährte gelockt wurde. Natürlich entwickelt jeder Leser unterschiedliche Theorien, aber mehrere meiner Vermutungen vom Anfang stellten sich später als falsch heraus, unter anderem, wer Annes Vater ist und was genau Mathias und Od für Wesen sind. Es war nicht alles offensichtlich. Das hat die Spannung gesteigert, weil man hin und her gerätselt hat und unbedingt herausfinden wollte, was Mathias ist. Bei Luna und ihren Eltern war es dagegen einigermaßen vorhersehbar. Auch, dass es zwei Mörder gab, hat noch mal zusätzlich Verwirrung gestiftet.

    Auch was den zweiten Mörder angeht, hatte ich zuerst eine andere Vermutung als später. Allerdings habe ich ab ungefähr der Hälfte des Buches geahnt,  wer es stattdessen sein könnte und lag am Ende richtig. Das ist aber sehr individuell und sicher hat es den einen oder anderen überrascht. Ich achte immer sehr stark auf Hinweise, die Autoren streuen und viele überlesen diese aber. Die Autorin hat meiner Meinung nach zumindest nicht zu viel verraten.

    Auch der Showdown war noch mal richtig spannend … ich sage nur, Elias Ampulle. 

    Einige Fragen sind nach wie vor offen geblieben und man hat selbst versucht, die Charaktere mit der Mythologie in Einklang zu bringen. Sind Anne und Serén wie die Raben Odins Hugin und Munin? Was wird Anne in Hrafnheim erwarten? Wie werden Anne und ihre Mutter Thora aufeinander reagieren und wird es zwischen diesen beiden willensstarken Charakteren zu Konflikten kommen?

    Zu den Charakteren:

    Ein fettes Lob an dieser Stelle. Die meisten Charaktere waren sehr dreidimensional und gut ausgestaltet, sodass man sie schnell liebgewonnen hat. Besonders Mathias und Luna mochte ich, aber auch andere Charaktere, die einem zuerst auf die Nerven gingen und eher eindimensional und einfach gestrickt wirkten wie Elias, zeigten im Verlauf des Buches sehr viel Tiefe und ein gewisses Etwas.

    Ein weiterer wirklich großer Pluspunkt ist, dass die Charaktere sehr divers sind, ohne dass es zu gewollt rüberkommt, als müsste man eine Quote erfüllen. Das trägt dazu bei, dass sie sehr originell und wenig klischeehaft wirken. Beispiele sind Lunas Eltern, Rebecca fast weißhaarig und Ben dunkelhäutig und mehrere Sprachen sprechend. Die Kombination von nordischer und afrikanischer Mythologie in ihrer Hexenkunst war wirklich interessant und glaubhaft. Ein weiteres Beispiel ist die Beziehung zwischen Aella und Serén. Oder die Tatsache, dass Mathias super gut schminken und frisieren kann. Auch Hakim Murr, der Polizist, der in dem dänischen Kaff eigentlich wie ein Fremdkörper wirken müsste, scheint dort hinzupassen wie die Faust aufs Auge. Er war ein sehr toller Charakter und fällt genau wie Luna am Anfang etwas aus der Reihe in der dänischen Kleinstadt. Ich fand ihn um einiges greifbarer und sympathischer als die eigentliche Love Interest Varnar. Auch fand ich, dass er im Gegensatz zu Varnar Anne wirklich "gesehen" hat, also alle Aspekte ihres Charakters. Im sind viele Details aufgefallen. Zum Beispiel meinte er einmal, dass sie ist wie ein Chamäleon, zurechtgemacht auf dem Ball und dann wieder in Hoodie. 

    Varnar dagegen schien sie gleich von Anfang an gut zu finden und man hat nie eine Erklärung bekommen, warum. Bei Hakim war es eher ein Prozess (zuerst mochte er Anne ja nicht oder fand sie zumindest dubios) und daher kamen einem seine Gefühle realistischer vor.

    Selbst Elias Gefühle für Anne fand ich glaubhafter als die von Varnar.

    Zu Varnar hab ich bis zuletzt keinerlei Verbindung aufbauen können. Ich mochte die Abschnitte mit ihm nie und wollte immer, dass es schnell vorbeigeht. 

    Einige Aspekte haben mich an ihm gestört. Erstens hat er sich meiner Meinung nach extrem unreif verhalten. Ich fand es sehr unglaubwürdig, dass er immer etwas sagen will und dann einfach verschwindet oder dass er so tut, als hätte er kein Interesse an Anne, obwohl es offensichtlich ist. Im weiteren Verlauf wird zwar erklärt, warum er sich so verhalten hat, aber die Erklärung fand ich ehrlich gesagt ziemlich klischeehaft. Das alles sollte natürlich die Spannung erhöhen, war aber nicht realistisch. Dass er sie nicht an sich heranlassen wollte, weil er geschworen hat, keine Frau zu haben wegen Taten in seiner Vergangenheit und sie dann natürlich verlässt, weil sie sich für ihn in Gefahr bringt, das haben wir alle genau so schon in tausenden Teenie-Romanen gelesen. Bitte nicht! Gerade weil der Rest des Buches und alle anderen Charaktere so originell waren, fand ich das sehr schade, da ja der Schwarm der Hauptprotagonistin nicht gerade eine unwichtige Figur ist.

    Was mich in diesem Zusammenhang auch genervt hat, war, dass Anne geglaubt hat, er mag sie nicht so, wie sie ihn mag und ständig darüber nachgegrübelt hat, obwohl es für den Leser bereits vorhersehbar war, dass er sie sehr wohl toll findet.

    Es wurde meiner Meinung nach bei Varnar zu viel Wert auf die Beschreibung des Aussehens gelegt (nicht nur bei ihm) aber man hat fast nichts über seinen Charakter erfahren außer, dass er sehr diszipliniert, durchtrainiert und eine Kampfmaschine ist (natürlich!). Das kam einerseits, weil er super wenig geredet und natürlich nie irgendwas über sich preisgegeben hat. Ganz nach dem Klischee des mysteriösen Bad Boys. Puh! Wie soll man da als Leser Gefühle für ihn entwickeln? Und wie soll es glaubwürdig sein, dass Anne diese Gefühle entwickelt? Auch seine Backstory fand ich nicht wirklich spannend dafür, dass man die ganze Zeit zappeln gelassen wurde, etwas über ihn zu erfahren.

    Kommen wir dann gleich zu dem nächsten Kritikpunkt beim Thema Liebesgeschichte. Es wollten eindeutig zu viele Männer etwas von Anne. Bei manchen war man sich zwar nicht ganz sicher, ob diese Liebe eher väterlich war, wie zum Beispiel bei Od, bei dem auch immer Anspielungen gemacht wurden, aber trotzdem war mir das ganz gehörig zu viel und ich fand es zwar einerseits aufregend, weil man sich natürlich für die Protagonistin freut und sich zu einem gewissen Grad mit ihr identifiziert aber gleichzeitig auch extrem unrealistisch. Die von allen geliebte oder gehasste Mary Sue lässt grüßen.

    Manchmal sind ihre Verehrer sogar gleichzeitig vor Ort, wie Varnar und Hakim, was irgendwie total komisch war. Dann auch noch Elias, der sich natürlich nach so langer Lebenszeit ausgerechnet in Anne verguckt, obwohl sie und auch der Leser zuerst denkt, er ist einfach nur extrem opportunistisch.

    Ein weiterer Punkt, der wirklich auffällig war: Die ständigen Beschreibungen der Schönheit der männlichen Charaktere (die etwas von Anne wollen). Elias mit seinen grauen Locken und graublauen Augen. Od mit seiner übermenschlichen Schönheit und wirbelnden grünen Augen. Hakim, bei dem bei jeder Gelegenheit beschrieben wird, wie die Frauen sich nach ihm umdrehen, wenn er lächelt. Zugegeben, da ich eine Frau bin, hat es mir teilweise auch gefallen, aber eigentlich war es sehr oft einfach zu viel. Natürlich sind alle von Annes Verehren intelligent und gutaussehend. Allgemein gab es zu viele Beschreibungen dazu, dass Leute wunderschön sind (Demigötter hin oder her), nicht nur bei den männlichen Charakteren.

    Kommen wir nun zur Hauptfigur selbst. Nach einem etwas ruppigen Start, da Anne am Anfang relativ abweisend ist, gewinnt man sie sehr schnell lieb. Ich fand es gut, dass sie aus schwierigen Verhältnissen kam und für sich selbst einstehen konnte, das war mal etwas anderes. Sie bleibt sich in jeder Situation treu, behält ihre rotzige Art und fällt nie aus der Rolle. Sehr witzig fand ich sie im Umgang mit Elias, der Schlagabtausch zwischen den beiden war super, weil er sich bei jedem Mal vor Frechheit gesteigert hat. Manchmal fand ich ihr respektloses Verhalten allerdings überzogen und unangebracht, zum Beispiel im Umgang mit Od, der dann immer noch nett zu ihr ist. Und am Ende wird sie kurz etwas hochmütig und unsympathisch (als Mads erfahren will, was er ist).

    Zusammengefasst:

    Alles in allem ein verdammt tolles Buch, in das eindeutig sehr viel Konzeption und Überlegung geflossen ist. Die Charaktere waren lebhaft und man hat fast alle sehr lieb gewonnen. Die Seiten flogen nur so dahin, weil es ungefähr ab einem Drittel des Buches durchgehend spannend war.

    Allerdings hatte das Buch ein paar Schwächen in der Lovestory, weswegen ich einen halben Stern abziehe.

    Eine dicke Leseempfehlung trotzdem von mir!

    P.S.: ein Song, den ich während des Lesens gehört habe, finde ich, passt super gut zu der Atmosphäre. Cosmic Love von Florence and the Machine.

  21. Cover des Buches Minus 18 Grad (Ein Fabian-Risk-Krimi 3) (ISBN: 9783548290737)
    Stefan Ahnhem

    Minus 18 Grad (Ein Fabian-Risk-Krimi 3)

    (221)
    Aktuelle Rezension von: VeronikaGruenschlag

    Der Thriller verbindet mehrere beklemmende Handlungsstränge zu einem hochspannenden Gesamtbild: Tote tauchen plötzlich wieder auf, Identitäten werden gestohlen, gelangweilte Jugendliche überschreiten gefährliche Grenzen, und selbst Mobbing am Arbeitsplatz entwickelt eine zerstörerische Dynamik.

    Ahnhem gelingt es, diese zunächst lose wirkenden Elemente zu einem packenden Plot zu verweben, der nicht nur fesselt, sondern auch mit einer schlüssigen und realistischen Auflösung überzeugt. Die Spannung steigert sich kontinuierlich und hält bis zur letzten Seite an.

    Eine klare Empfehlung – allerdings mit einem kleinen Vorbehalt: besser nicht allein spätabends oder nachts lesen 😊

  22. Cover des Buches Der Kuckucksjunge (ISBN: 9783442498345)
    Søren Sveistrup

    Der Kuckucksjunge

    (111)
    Aktuelle Rezension von: lesen_hoeren_rezensieren

    Wow, das war spannend und am Ende völlig unerwartet. Das Ganze beginnt mit dem verschwinden einer geschiedenen Mutter, nach und nach kommt raus, dass sie ein Stalkingopfer gewesen ist. Der Stalker schickt immer wieder Kinderreime und Fotos… Naia und Mark, müssen ungewollt in diesem Fall zusammenarbeiten und es tauchen immer weitere Fälle mit dem Abzählreim auf.

    Die Story fängt langsam an und steigert sich dann zum letzten viertel kontinuierlich. Sveistrup legt viel Wert auf die Beschreibung der Probleme seiner Ermittler und auch die der Opfer. An der ein oder anderen Stelle für meinen Geschmack etwas langatmig, anderen wird das sicher gefallen. Die Ermittler stoßen immer wieder auf weitere Opfer und es ist klar, nicht nur die toten sind die Opfer. Was macht ein Mord mit den Angehörigen, wie verarbeitet man so etwas und wie kann das Leben weitergehen. Das kommt wirklich gut rüber.

    Nach und nach beginnt man zu ahnen, wer der Stalker und Mörder ist und am Ende wird es wirklich spannend, sicherlich nicht 100% realistisch aber mit Tempo und Spannung werden die ganzen losen Enden der Story verwoben.    

    Fazit:
    Spannend und temporeich mit kleinen Längen, hat mich das Buch gut unterhalten. Fans von Scandi Crime Thrillern sind hier auf jeden Fall richtig.

  23. Cover des Buches Der Besuch des Leibarztes (ISBN: 9783446242500)
    Per Olov Enquist

    Der Besuch des Leibarztes

    (116)
    Aktuelle Rezension von: Viv29

    "Der Besuch des Leibarztes" erzählt die wahre Geschichte des Johann Friedrich Struensee, der Ende des 18. Jahrhundert bemerkenswerte Reformen in Dänemark einführte, letztlich aber den Machtspielen am dänischen Königshof zum Opfer fiel. Als ich zum ersten Mal über diese tragischen Geschehnisse las, war ich geradezu erschrocken über die Zustände am Königshof, die Skrupellosigkeit einiger der Agierenden und die Ereignisse, die sich als Material für einen opulenten Roman geradezu anbieten. So war ich auf die Umsetzung dieses Romans natürlich sehr gespannt.

    Diese Ausgabe ist Teil der Fischer Taschenbibliothek, die ich aufgrund ihrer ansprechenden Gestaltung generell sehr erfreulich finde. Auch "Der Besuch des Leibarztes" ist gelungen - im ungewöhnlich kleinen Buchformat der Reihe, mit einem hochwertigen festen Einband und einem dezenten Titelbild. Haptisch angenehmes Papier und ein Lesebändchen vervollständigen die schöne Ausgabe.

    Der Schreibstil Per Olov Enquists ist gewöhnungsbedürftig, einige Aspekte fand ich nicht sehr angenehm. Er beginnt das Buch mit der Phase zehn Jahre nach Struensees Hinrichtung, beschreibt uns Personen und Geschehnisse lebendig, greift hierzu auch auch zeitgenössische Quellen zurück. Das geschieht im Buch häufig - inwiefern diese Quellen authentisch sind, läßt sich mangels Quellenangaben für mich nicht nachvollziehen, ich gehe aber davon aus, daß sie authentisch sind, und letztlich ist es ein Roman, kein Sachbuch. Sie komplementieren den Romantext sehr gut, wenn sie auch teilweise zu ausführlich wiedergegeben werden. Diese lebendige Schilderung am Buchanfang wird dann allerdings von recht langatmigen theoretischen Exkursen und Überlegungen abgelöst. Auch dies zieht sich durch das Buch. Einerseits sind wir durch farbige Erzählungen und gut dargestellte Charaktere ganz nah am Geschehen dabei, ich fühlte mich beim Lesen oft regelrecht in die Schauplätze hineinversetzt. Andererseits ergeht sich der Autor nur zu gerne in lange theoretische Passagen, die oft langweilig sind und das Geschehen zäh unterbrechen.

    Nach jenem ersten Teil geht der Autor in der Geschichte zurück und berichtet ab dann chronologisch von der Kindheit des dänischen Königs Christian bis zur Hinrichtung Struensees. Es gelingt hier sehr gut, Christian, der geisteskrank war und so zur Marionette der Machtgierigen am Hofe wurde, eindringlich und echt darzustellen. Wir erleben einen Jungen, später einen jungen Mann, der an der erbarmungslosen Erziehung bei Hofe unbeschreiblich leidet, der so gerne alles richtig machen möchte, aber das Rüstzeug dafür nicht hat und der trotz seiner Krankheit - die allen wohl bekannt ist - in die Rolle des von Gott gesandten absoluten Herrschers gesteckt wird. Sein Leid wird beeindruckend vermittelt und wirft ein klares Licht darauf, wie all diese Ereignisse möglich waren. Auch seine Frau Caroline Mathilde, eine englische Prinzessin, die Opfer der machtpolitischen Heiratsentscheidungen europäischer Königshäuser wird, wird von Enquist zum Leben erweckt. Ihre Ängste, ihre Einsamkeit und Sehnsüchte, stellen sich deutlich dar. Die seltsame Beziehung dieser beiden gezwungenen Eheleute ist ebenfalls sensibel dargestellt. Es ist meines Erachtens die größte Stärke dieses Buches, uns diese historischen Persönlichkeiten so menschlich nahezubringen. Struensee schließlich, der zum verhängsnisvollen Dritten in dieser unglücklichen Konstellation werden wird, gewinnt ebenfalls farbige Kontur, die - soweit ich das ermessen kann - mit der historischen Person gut übereinstimmt.

    Während also Charakterzeichnung und Atmosphäre stilistisch gelungen sind, stören nicht nur die oben erwähnten theoretischen Exkurse das Lesevergnügen. Auch die zahlreichen Wiederholungen haben mir gar nicht zugsagt. Sie sind als Stilelement beabsichtigt, das merkt man, aber sie sind kein erfreuliches Element, sind überflüssig, anstrengend. Auch die Faszination des Autors mit dem männlichen Unterleib nimmt manchmal überhand. Inwieweit es zur Geschichte beiträgt, wenn man bei manchen Szenen genauestens über jede Bewegung des männlichen Geschlechtsorgans informiert wird und die Notwendigkeit der ständigen Auslebung des Geschlechtstriebs des Königsvaters, des Fortpflanzungsaktes des Königs ausführlich und immer wieder besprochen und erwähnt wird, bleibt dahingestellt. Ich fand es so detailliert eher ermüdend und unnötig.

    So war ich beim Lesen hin- und hergerissen. Einige Szenen sind so tiefgehend berührend, daß ich ganz begeistert war. Viele Szenen sind so zäh und überflüssig, daß ich nur den Kopf schütteln konnte. Insgesamt ist der Schreibstil nicht unbedingt mein Fall. Allerdings ist die Geschichte um Struensee, Christian und Caroline so lebhaft geschildert, wird uns so nahegebracht, ist historisches Geschehen so farbig echt geworden, daß ich froh bin, das Buch gelesen zu haben.

  24. Cover des Buches Dein kompetentes Kind (ISBN: 9783644015715)
    Jesper Juul

    Dein kompetentes Kind

    (45)
    Aktuelle Rezension von: Sophiasticated

    Selten hat mich ein Buch so nachhaltig beeinflusst wie Dein kompetentes Kind von Jesper Juul. Es ist weit mehr als ein Erziehungsratgeber – es ist ein Appell an uns Erwachsene, Kinder als vollwertige Menschen wahrzunehmen. Von der ersten Seite an hat mich Juuls Sicht auf Kinder und Familienbeziehungen gepackt – sie ist so klar, so menschlich, so respektvoll, dass ich beim Lesen immer wieder dachte: Warum habe ich das nicht früher so gesehen?


    Was mich besonders berührt hat, ist Juuls zentrale Überzeugung, dass Kinder von Anfang an kompetent sind – nicht im Sinne von „alles können“, sondern im Sinne von „fähig, Beziehungen zu gestalten“. Diese Idee verändert alles. Sie fordert uns heraus, hinzuhören, ehrlich zu kommunizieren und unsere Macht als Erwachsene nicht zu missbrauchen, sondern verantwortungsvoll einzusetzen.


    Juul schreibt mit großer Wärme und Tiefe. Er urteilt nicht, sondern lädt zur Reflexion ein. Viele Gedanken haben mich zum Nachdenken gebracht – über meine Rolle als Elternteil, über die Sprache, die ich verwende, über das, was ich meinen Kindern eigentlich wirklich vermitteln möchte. Besonders seine Betonung von Gleichwürdigkeit hat mich tief beeindruckt: Das bedeutet nicht, dass Kinder und Erwachsene gleich sind, sondern dass beide dieselbe Würde verdienen. Eine scheinbar einfache Idee – und doch so grundlegend transformierend.


    Was ich an diesem Buch liebe, ist, dass es keine oberflächlichen Erziehungstipps gibt. Stattdessen geht es um Haltung, um Beziehung, um Authentizität. Es ist ein Buch, das in die Tiefe geht – und genau das macht es so kraftvoll. Es fühlt sich an wie eine Einladung, nicht nur anders zu erziehen, sondern auch selbst zu wachsen.


    Ich kann Dein kompetentes Kind wirklich jedem ans Herz legen, der Kinder begleitet – ob als Elternteil, Lehrer*in oder einfach als Mensch, der sich für gesunde Beziehungen interessiert. Für mich war es eine der wertvollsten Lektüren überhaupt.

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