Bücher mit dem Tag "davos"
16 Bücher
- Thomas Mann
Der Zauberberg
(573)Aktuelle Rezension von: SeitenwindZu den geistig-vertieften ausführlichen Gesprächsrunden kann ich nicht viel sagen. Die sind mir zu verkopft, wenn auch wirklich gut verfasst.
Den Alltag in der Klinik sowie die Ausflüge und Beweggründe von Hans Castorp fand ich aber hervorragend beschrieben. Besonders der Skiausflug bleibt mir aufgrund der Schilderung bestens in Erinnerung. Aber auch der sachliche Monolog über den menschlichen Körper kommt mir wieder in den Sinn.
Leicht hat man es aber insgesamt als Leser nicht und ich würde empfehlen, manche Passagen aufgrund der sehr verkomplizierten, redundanten Cicero-gleichen Nebensatz-Verschachtelungen, die es, wenn man einmal - so empfinde ich es, darüber nachdenkt, garnicht unbedingt - mit Verlaub- braucht, zu überfliegen.
- George R. R. Martin
Das Lied von Eis und Feuer 03
(1.617)Aktuelle Rezension von: Daniela_FranzelinIch liebe die GOT Reihe. Für mich ist dieses Buch aber tatsächlich eines der schwächeren. Ich hatte das Gefühl, dass es irgendwie nur ein Übergang vom zweiten zum vierten Buch war. Es hat sich alles gesammelt, viel Strategie steckt dahinter, damit dann im vierten Teil alles geballt wieder passieren kann. Von daher nur 4 Sterne. Denn insgesamt ist es natürlich immer noch ein Teil von einem Meisterwerk - und dafür ist der nächste Teil eben wieder stärker.
- George R. R. Martin
Das Lied von Eis und Feuer 04
(1.379)Aktuelle Rezension von: Booknerd232Im vierten Band der epischen Reihe Das Lied von Eis und Feuer entfaltet sich die Geschichte weiter mit noch mehr Spannung und Komplexität. Die politischen Intrigen am Hof von König Joffrey Baratheon eskalieren, während Robb Stark im Norden seine Herrschaft festigen muss. Gleichzeitig wächst die Bedrohung durch die Weißen Wanderer, und Daenerys Targaryen sammelt in Essos Verbündete für ihren Anspruch auf den Eisernen Thron. George R. R. Martin gelingt es meisterhaft, verschiedene Handlungsstränge miteinander zu verweben und die Charaktere in moralisch komplexe Situationen zu bringen. Die düstere Atmosphäre und die unerwarteten Wendungen machen dieses Buch zu einem fesselnden Erlebnis für alle Fans von epischer Fantasy. ⚔️👑💰
- Ulrike Renk
Die Jahre der Schwalben
(115)Aktuelle Rezension von: anne_foxIm zweiten Teil der Familien-Saga geht es um Frederike die mit Ax einem Gutsbesitzer verheiratet wird. Man hat ihr verheimlicht das ihr Mann sterbenskrank ist und sich statt um sein Gut kümmern zu können, ist er jahrelang in diversen Sanatorien, darunter auch in Davos. Frederike ist gezwungen das Gut zu leiten. Da sie eine schlaue und wissbegierige Frau ist schafft sie das auch. Doch nach dem Tod ihre Mannes ist sie ganz alleine bis sie ihren neuen Ehemann Gerald kennenlernt. Alles spielt sich in de Zeit des heraufkommenden Zweiten Weltkrieges ab, der Friderike und der ganzen Familie viel abverlangen wird.
Fazit:
Etwas langatmige Handlung, hoffe der dritte und letzte Teil wird besser.
- Sibylle Barden-Fürchtenicht
Der Honiganzeiger
(15)Aktuelle Rezension von: SusanD2028. Die Europäische Vision gibt es nicht mehr; die EU ist aufgelöst, der Euro abgeschafft. Allein Geld regiert die Welt und ein paar mächtige Oligarchen teilen die Märkte unter sich auf; die Finanzmärkte brechen zusammen. Um Deutschland als souveränen Staat zu retten, schickt der Deutsche Kanzler den bisher erfolgreichen, aber unscheinbaren Diplomaten Till von Herlichingen auf eine Mission: Er soll beim Weltwirtschaftsforum in Davos, an der Wall Street in New York und im Casino Monte Carlo lernen, wird schließlich offizieller Botschafter in London - im Hintergrund immer beeinflusst von manipulativen Politikern, mörderischen Oligarchen und schönen Frauen - und muss sich schließlich selbst entscheiden, wie weit er gehen will.
Sibylle Barden, Journalistin, Publizistin und mit eigenen Erfahrungen in der Deutschen Botschaft, verfügt über ein enormes Wissen und hat tiefschürfend recherchiert; somit ist sie in der Lage, viele Fakten und Hintergründe nachvollziehbar zu erklären. In "Der Honiganzeiger" entwirft sie ein erschreckendes Szenario von unserer Welt in nicht allzu ferner Zukunft, das den Leser aufrüttelt und zum Nachdenken und Hinterfragen anregt. Alleine durch die geschilderten Möglichkeiten - und die zeitliche Nähe - bekommt dieses Buch eine gänsehauterregende Spannung.
Leider lässt sich diese Spannung nicht auf die Handlung um den Protagonisten Till von Herlichingen übertragen: Als Hauptperson bleibt er eher blass und unsympathisch und sein Tun ließ für mich einige Fragen aufkommen bis hin zu einem doch offenen, recht unbefriedigendem Ende.
Durch die immer wieder auftauchenden realen Personen und das Zeitgeschehen bekommt der Roman noch eine weitere Brisanz, denn der Leser kann die Handlung nicht als reine Fiktion abtun.
Lange Erklärungen über die Sachverhalte (die jedoch nie abgehoben sind) erinnern mehr an ein spannendes Sachbuch als an einen sich zuspitzenden Thriller und der Leser ist in seiner Aufmerksamkeit stark gefordert.
Auch "Nebenkriegschauplätze" wie die Tatsache, dass der fiktive Kanzler nun endlich das Beamtentum abschaffen will, was aber einem politischen Selbstmord gleichkäme, nehmen viel Raum ein, der nichts mit dem eigentlichen Thriller zu tun hat.Für mich ist "Der Honiganzeiger" ein wichtiges Buch, das mich noch lange beschäftigt hat, das jedoch nicht das halten konnte, was ich mir von ihm versprochen hatte.
- Rose Tremain
Und damit fing es an
(136)Aktuelle Rezension von: BuecherfreundinimnordenGustav hat es schwer, er wächst in der Nachkriegszeit auf, als Halbwaise an der Seite einer offenbar höchst verzweifelten Mutter. Nach und nach enthüllen sich dem Leser die Umstände ihrer unglücklichen Ehe, die - zumindest auch - Opfer politischer Verwicklungen im Zweiten Weltkrieg wurde. Ein interessanter Blick in die jüngere Schweizer Geschichte, zumal man ja allgemein glaubt, die Schweiz hätte im Krieg nicht viel auszustehen gehabt - Hitler hat sie verschont.dass es dennoch jede Menge Konfliktstoff gab, zeigt dieses Buch. Was mich daran störte, war, dass die Autorin meiner Meinung nach ziemlich viel hineinpackt - Erzählsstränge ,die nicht auserzählt sondern nur angerissen wurden. Für mich wäre die Story jeder Generation für sich hier ein eigenes Buch wert gewesen. So ging es oft hin und her und das Ende kam für mich ein bisschen zu überraschend: ein Liebespaar sollen sie also sein, die beiden inzwischen sehr gereiften Herren, die zu Beginn noch Kinder waren? Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, aber so richtig schlüssig schien mir das auch nicht. Ich war nicht ganz überzeugt, von daher „nur“ drei von fünf Sternen. - Luca Brosch
Bevor die Welt sich weiterdreht
(78)Aktuelle Rezension von: anne_foxDie Handlung spielt in der neutalen Schweiz in Davos im Ersten Weltkrieg in einer Kuranstalt. Hier lebt Johanna eine Krankenschwester, die im Krieg viel schlimmes erlebt hat und auch ihre große Liebe an der Front verloren hat. Ihrem Vater gehört das Kurhaus und er und ihre Schwester wollen sie mit einem sympathetischen Mann verheiraten, der reich ist, da ihr Haus rote Zahlen schreibt. In der Antstalt tummeln sich Spione herum in die Johanna mit der Zeit immer mehr hineingezogen wird, dabei gerät sie immer wieder zwischen die Fronten
Fazit:
Interessante Geschichte, wie man in dieser Zeit dort in Saus und Braus gelebt hat.
- Thomas Mann
Der Zauberberg
(25)Aktuelle Rezension von: PongokaterThomas Manns philosophisches Panorama der Zeit um den Ersten Weltkrieg ist ein Mammutwerk, das nicht jeder lesen kann und will. Wer die Essenz in (relativ) kompakter Form mitbekommen möchte, dem ist mit diesem Hörspiel gedient. Die Hauptcharaktere sind stimmlich passend besetzt, deren Gedankenwelt wird klar, ohne dass man beim Zuhören den roten Faden verliert. Mehr als ein Lektüreersatz!
- Dina Casparis
High Heels - Heisse Mode
(21)Aktuelle Rezension von: Bonvin_ChristineIn der Modebranche geht es hinter den Kulissen nicht so glamourös zu wie auf dem Laufsteg. Dieser Krimi hat mich in eine mir unbekannte Welt geführt. Der Roman mit den Hintergründen zur Herstellung von Textilien, Nachhaltigkeit in der Modeindustrie und die taffe Anwältin Tara Bernhard, haben mich mitgerissen.
- Silvia Götschi
Jakobshorn
(9)Aktuelle Rezension von: OkioAllegra Cadisch, Jurastudentin, befindet sich an der Beerdigung Ihres Vater, doch sie hat Zweifel ob dessen plötzlicher Tod doch nicht erzwungen wurde, sie glaubt an Mord. Schwierig macht es das verworene Familienverhältnis und ihres Vaters Geschäftspartner. Da ihr Vater ein extravaganter Milionär war dem es nur um Eigennutz ging. Sie beginnt zu bohren und die Todesursache zu hinterfragen, gerät so aber immer wie mehr hinter Familiengeheimnisse bald beginnt Sie die Situation zu bereuen.
Es beginnt spannend, jedoch zieht sich ab dem ersten Viertel bis hin zum letzten drittel, die Geschichte in die Länge ohne, dass etwas gross passiert. Dannach wirds wieder spannend und das Ende ist zwar nicht gross überraschend, ist aber von der Idee her genial umgesetzt. Gute 4 Sterne. - Ulrike Moser
Schwindsucht: Eine andere deutsche Gesellschaftsgeschichte
(1)Noch keine Rezension vorhanden - Daniela Holsboer
Der Zauber des Berges
(19)Aktuelle Rezension von: KlugscheisserDer Zauber des Berges von Daniela Holsboer
Kurzrezension
Der Roman Der Zauber des Berges ist der im Jahre 2024 erschienene Debütroman von Daniela Holsboer ohne deren persönliche Liebesgeschichte es dieses Buch nicht geben würde, denn die Hauptfigur, der Holländer Willem Jan Holsboer, ist der Urgroßvater ihres Ehemannes.
Viel zu früh stirbt Willems große Liebe Margret. Letzter Hoffnungsanker war ein Aufenthalt in der Höhenluft des damals noch unbekannten Bauerndorfes Davos. Nach ihrem Tod will Willem den Ort nicht mehr verlassen, denn nur dort fühlt er sich seiner verstorbenen Frau nahe. Willem, durch und durch ein Entrepreneur im besten Sinne, hat eine Vision. Er will die mondäne Welt, die seine Frau so geliebt und in Davos so vermißt hat, dorthin nach oben in die Berge bringen und so erschafft er einen Ort, der mehr Luxushotel, als Sanatorium ist. Eine luxuriöse Lungenheilstätte für den Geldadel wie wir sie aus Thomas Manns Zauberberg kennen und sonderbarerweise, ja fast groteskerweise, lieben gelernt haben. Immer angetrieben von der nicht erlöschenden Liebe zu seiner verstorbenen Frau kann Willem nichts bremsen und so wird der Ort immer luxuriöser und das Leben der Patienten zunehmend mondäner. Die Anreise erfolgt später bequem in der von Willem gebauten Rhätischen Bahn. Und so wollen viele, auch genesen, den Ort nicht mehr verlassen – sie erliegen dem Zauber des Berges.
Dies ist mehr ein märchenhafter Liebesroman und dieser wird so eher die Herzen der weiblichen Leser erobern und ich kann also dieses Buch guten Gewissens allen empfehlen, die gerne Liebesgeschichten lesen. Wer sich allerdings ein kulturgeschichtlich reichhaltiges und analytisches Werk mit detaillierten Hintergrundinformationen über die Genese von Davos oder zu Manns Zauberberg erhofft, wird eher enttäuscht werden.
Dies Buch mit 356 Seiten großer Schrift und breitem Rand ist zu genießen wie eine Packung Raffaello. Leicht und beschwingt tänzelt weibliche Nonchalance über die Seiten und so manche, mehr Tiefgang erfordernde, Feststellung hinweg.
Das Buch erhält von mir vier von fünf Sternen.
Ausführliche Rezension
Der Roman Der Zauber des Berges beschreibt, wie der Holländer Willem Jan Holsboer (1834–1898) im ausgehenden 19. Jahrhundert ein kleines Bergdorf in den Schweizer Alpen zu einem der mondänsten und berühmtesten Kurorte der Welt macht - Davos.
Sein starker Antrieb rührt von seiner großen Liebe zu seiner in Davos jung verstorbenen Frau Margret her, mit der er den hochgelegenen Ort des Klimas wegen in letzter Hoffnung aufsuchte. Seine Liebe und sein Schwur motivieren ihn auch noch nach Jahrzehnten sein Projekt voranzutreiben bis hin zum Bau der einzigartigen Rhätischen Bahn deren Teilstrecke der Albula- und Berninalinie der im Jahr 2008 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen wurde, die Davos erst bequem erreichbar machte und der Entwicklung des Ortes stärkeren Auftrieb gab. So hat Willem Jan Holsboer den Ort und das Milieu geschaffen, an dem Thomas Manns weltberühmter Roman Der Zauberberg spielt.
Der Titel von Daniela Holsboers Buch „Der Zauber des Berges“ ist selbstredend genial, weckt aber auch große Erwartungen bei den Lesenden, beflügelt noch durch den Button auf dem Cover mit der Aussage „Die wahre Vorgeschichte zu Thomas Manns Zauberberg“. So hatte ich mir schlichtweg mehr Thomas Mann und mehr Zauberberg erwartet.
Aber dies ist eben in erster Linie die Geschichte des Willem Jan Holsboer. Doch versucht die Autorin die Zauberberg-Begeisterten mit Parallelen zu erfreuen. So gibt es eine Liebelei zwischen Willem und einer russischen Patientin, die sehr an Hans Castorps Besessenheit von Clawdia Chauchat erinnert, bis hin zum metaphorischen Stift der ausgetauscht wird, wobei Daniela Holsboer dieser Metapher einen Mehrwert verschafft, den diese unbedingt verdient.
Auch machen sowohl Hans Castorp, als auch Willem Jan Holsboer bei einem unüberlegten Ausflug in die Berge, dem Erfrierungstod nahe, jeder seine eigene existenzielle spirituelle Erfahrung.
Schon die Entstehungsgeschichte von Daniela Holsboers Roman wäre ein eigenes Buch wert, denn in einer lauen Sommernacht verliebt sie sich in den Urenkel von Willem Jan Holsboer, als dieser ihr die Geschichte seines Urgroßvaters erzählt und so wird der Same zu dem nun vorliegenden Werk in Danielas Herz gepflanzt.
Und daher fällt es mir auch so verdammt schwer dieses Buch zu beurteilen und eine Sterne-Bewertung abzugeben.
Darüber hinaus ist dies Daniela Holsboers Debütroman und bei Debütantinnen muß man immer nachsichtig sein. Andererseits ist sie promovierte Literaturwissenschaftlerin und muss wissen, worauf sie sich da eingelassen hat und ich hoffe sie ist in der Lage auch ihr eigenes Werk aus Sicht des Kritikers mit der notwendigen professionellen Distanz zu sehen. Doch ist und bleibt es natürlich ihr „Baby“ und da schmerzt die Mutter auch die geringste Kritik.
Wenn ich einer Heranwachsenden Befangenheit erklären müßte, dann würde ich es anhand dieses Romanes und der Darstellung des Protagonisten durch die Autorin tun. Doch sie ist Autorin und keine Richterin und es ist ihr gutes Recht , befangen zu sein und so würde ich das entstandene Werk eher als Märchen bezeichnen, denn als Roman oder vielleicht besser als märchenhaften Roman, eine Kategorie in die man die meisten Liebesgeschichten einordnen könnte.
Dieses persönliche Eingebundensein in die Geschichte, es ist ja quasi ein Teil ihrer Familiengeschichte, macht wiederum mich befangen in meiner Eigenschaft als Rezensent, doch ist es als solcher meine Pflicht den potentiellen Lesern ein Bild zu zeichnen, was sie erwartet.
Mit jedem Wort spürt man, daß dieses Buch von einer Frau geschrieben wurde. Die Idee der großen und unsterblichen Liebe ist der Rote Faden, der sich durch das ganze Buch zieht. Doch wie erkennen wir eine große, eine übergroße Liebe ? Machen wir letztendlich nicht immer nur einen Rückschluss von sichtbaren Äußerlichkeiten auf das Maß der Liebe ? Willem hätte sinngemäß seiner Margret gerne einen Diamant so groß wie ein Berg geschenkt ? Können wir daraus auf das Ausmaß seiner Liebe schließen ? Natürlich, wenn man liebt will man auch nach der „Bewerbungsphase“ seiner Liebe alles nur Mögliche zu Füßen legen, um diese glücklich zu machen. Doch gibt es viele andere Wege, wie sich Liebe äußert und manche Liebe äußert sich gar nicht, will heißen, sie ist von außen gar nicht zu erkennen. Und so gibt es den Mann, der seine Frau immer überreich beschenkt hat und der beim Flugzeugabsturz über sie hinwegtrampelt und es gibt den Mann der seiner Frau nicht einmal ab und zu Blumen mitbrachte und, als es darum ging, sein Leben für das Ihre opferte.
Liebe entzieht sich jeder Bewertung, es gibt kein groß oder klein, es gibt nur ein Vorhandensein oder eben nicht und alle Nuancen dazwischen. So ist Liebe nicht sichtbar und, wenn überhaupt, nur fühlbar. Und auch da kann man mannigfaltigen Täuschungen unterliegen und ich denke dies ist bei Willem teilweise der Fall. Man kann das eigene Gefühl des Liebens für Liebe halten.
Willem hatte keine Probleme, seine Liebe zu seiner verstorbenen Frau nach deren Tod ins Grenzenlose zu steigern. Bei den Lebenden scheint ihm das schon schwerer zu fallen. So hat Willems zweite Frau Ursula mehr die Funktion eines Ackergauls erfüllen müssen, während Willem seinem verstorbenen über alles erhabenen Rassepferd nachweint. Doch selbst das dient noch als Beweis für Willems übergroße Liebe zu seiner verstorbenen Frau, da er sie ja nicht durch eine ähnlich große Liebe ersetzt hat und es wird Willem noch auf die Habenseite gesetzt.
Doch beinahe kommt es soweit, als er bei einem ihm verordneten Kuraufenthalt an der Riviera Marguerite kennenlernt und sich fast soweit versteigt, zu denken, daß seine verstorbene Frau von dieser Besitz ergriffen hat, wozu auch sein Interesse für die um die Jahrhundertwende in Mode geratenen Séancen beiträgt. Praktischerweise ist diese auch dreißig Jahre jünger, als er.
Willem ist da ein wenig veranlagt wie manche Künstler, nicht nur jener Zeit, die eine Frau hatten, die ihnen verfallen war und sie über alles geliebt hat, die ganze Arbeit gemacht hat, während sich das Genie von sich abwechselnden, natürlich immer wesentlich jüngeren Damen hat „inspirieren“ lassen. Bei diesen folgte allerdings meist nach der Inspiration die Penetration, während es bei Willem, soweit geschildert, nicht so weit kam.
Es wird ja zunehmend üblich literarischen Werken sogenannte Trigger-Warnungen voranzustellen, die empfindsame Seelen davor schützen sollen, für sie unangenehme Schilderungen lesen zu müssen. So müßte man vielleicht auch diesem Buch eine solche voranstellen. Diese könnte lauten: Vorsicht, das Lesen dieses Buches kann bei jungen oder unerfahrenen Menschen zu falschen Vorstellungen vom Leben und der Liebe führen.
Bei einer literarischen Gattung wäre dies fast immer nötig, wird aber nicht gemacht, beim Märchen. Und so denke ich, daß wir auch bei diesem Roman eine solche nicht brauchen. Denn genau genommen ist dieser Roman ein modernes Märchen und ich vermute, die Autorin will auch, daß ihr Buch genau als solches gesehen wird und das ist ihr gutes Recht, denn jeder Autor, jede Autorin sind Gott und Göttin in ihrem Reich.
Daniela Holsboers Der Zauber des Berges erscheint mir wie ein bunter lebensbejahender blauäugiger Vogel, der um Manns Zauberberg kreist und der bisweilen Gefahr läuft abzustürzen, wenn er mit seinen Flügeln zu nahe an der Steilwand des Kitsches entlang fliegt oder seichte Niederungen zu lange und zu knapp überfliegt. Ihm genügen die Dinge, wie er sie sieht. Mir persönlich fehlte es an Tiefe und Detailreichtum in diesem Buch, alle Beschreibungen schillern in Regenbogenfarben wie Öl auf einer Wasserfläche. Für mich ist das Buch eine Mischung aus Märchen, Biographie und Liebesroman, mit ein wenig Kulturgeschichte. Insofern muß ich meine anfängliche Kritik am Coverbild zurücknehmen, diese ergab sich aus meiner großen Erwartungshaltung. Doch nun, nachdem ich das Buch gelesen habe, muß ich konstatieren, daß das Bild dem Wesen des Buches doch sehr entspricht.
Noch ein wenig zum Stil. Die Königsdisziplin beim Schreiben ist für mich, nach wie vor, der Dialog. Viele Schreibende meinen, durch viele Dialoge ihrem Buch und ihren Figuren besondere Authentizität zu verleihen oder verleihen zu müssen. Das ist leider ein Irrtum, der umso schwerer wiegt, je weniger man in der Lage ist, seine Figuren in einer ihnen ganz eigenen, ihrem Charakter entsprechenden, Art und Weise zu Wort kommen zu lassen. Kaum jemand beherrscht diese Meisterdisziplin des Schreibens und so klingen in der Regel die direkten Reden der Dialoge als kämen sie alle aus ein und demselben Munde und die Lesenden können aus der Sprechweise nicht schließen, wer das Jeweilige nun gesagt hat. Alle Reden klingen gleich. Da bietet sich natürlich an, statt der direkten die indirekte Rede zu verwenden, um diese Fallgrube zu umgehen.
Eine weitere Gefahr beim Schreiben besteht darin zu viele Phrasen zu verwenden, nur weil diese auf den ersten Blick schön klingen, ohne diese zu hinterfragen und den Wahrheitsgehalt und die Gültigkeit hinter ihrem schönen Klang zu überprüfen, damit diese nicht zu Plattitüden verkommen. Man sollte also nicht zu viele davon unhinterfragt aneinanderreihen, damit sich die Lesenden nicht wie in einem schönfärberischen Esoterikseminar fühlen.
Das Konzept des Romanes finde ich gut und interessant. Für mich hätte es jedoch gerne wesentlich weniger Mode, Luxusanbetung und Shishi sein können und dafür mehr an Informationen und generell an Tiefe. Einige stilistische Mittel der Autorin haben mir aber sehr gefallen und vor allem der III. Abschnitt in dem man auch einiges über die Künstler erfährt, die sich in Davos aufhielten. Auch dem erklärenden Nachwort sei Lob gezollt. Und so bleibt mir am Ende nur, zu schreiben und dem Buch zu sagen: Schön, daß es dich gibt. In Anbetracht dessen, daß es sich um den Debütroman der Autorin handelt, gibt es daher von mir vier von fünf Sternen.
- Gabriela Kasperski
Zürcher Glut
(25)Aktuelle Rezension von: CrazycolorTigerZürcher Glut ist ein Schweizer Krimi, welcher, wie der Name sagt, zu einem grossen Teil in Zürich spielt. Bereits auf der ersten Seite wird Spannung geschaffen und durch die kurzen Sätze wird das Tempo gleich erhöht. Obwohl Krimis nicht ganz meinem Genre entsprechen, habe ich diesen Krimi sehr gemocht. Er war etwas ganz Anderes im Vergleich zu den Büchern, die ich ansonsten lese und brauchte daher ein bisschen, bis ich mich im Roman wiedergefunden habe.
Durch die Perspektive vieler Figuren erlebt man Zürich auf eine ganz neue Weise. Die Autorin vermischt in ihrem Roman Reales und Fiktives und nimmt die Lesenden somit auf eine aussergewöhnliche Reise mit. Durch viele Plottwists werden immer wieder neue Überraschungen geschaffen und bieten so ein nie langweilig werdendes Leseerlebnis. Besonders die Modernität des Schreibstiles hat mich positiv überrascht und mir die Geschichte gleich noch einmal näher gebracht. Auf einem schmalen Grad zwischen modern und traditionell wandert die Autorin und bietet somit ein Lesespass für jedes Alter.
- Silvia Götschi
Bärentritt
(7)Aktuelle Rezension von: eriSIn Davos findet das alljährliche WEF statt und es wurden alle möglichen Sicherheitskräfte aufgeboten. Allegra möchte ausgerechnet in dieser Woche Ferien in Davos verbringen, kommt aber bereits bei ihrer Anreise kurz nach Landquart in eine Sicherheitskontrolle. Da beschleicht sie das Gefühl, dass ihr unangenehme Ferien bevorstehen werden und sie dafür definitiv den falschen Zeitpunkt ausgewählt hat. Am Abend verschlägt es sie in das Postillion, wo sie auf den charmanten Araber Khalid trifft. Im Laufe des Abends erscheinen alte Bekannte von Allegra ebenfalls in der Bar und wollen anschliessend weiter zu einer privaten Party ziehen. Allegra und Khalid tanzen zusammen und geniessen die Party. Am nächsten Morgen erwacht sie bei Dario im Bett. Wie ist sie dahin gekommen? Sie hat einen kompletten Filmriss und weiss nicht mehr was zwischen Mitternacht und drei Uhr morgens passiert ist. Als Khalid vermisst wird und kurz später ermordet in der Bärentritt-Schlucht aufgefunden wird, gerät sie in Verdacht etwas damit zu tun haben. Doch sie kann sich einfach nicht erinnern was passiert ist. Sie ist einmal mehr gefordert ihre Unschuld zu beweisen und greift in die polizeilichen Ermittlungen ein.
‘Bärentritt’ ist der dritte Teil rund um Allegra Cadisch. Die Geschichte liest sich sehr spannend und das Thema WEF ist gut in Szene gesetzt. Als Leser kann man sich die Schauplätze gut vorstellen und versteht auch das Unbehagen von Allegra bzgl. den vielen Sicherheitskräften. Das sie diesmal selbst verdächtigt wird etwas mit dem Fall zu tun zu haben, macht die Geschichte noch spannender. Sie versucht mit allen Mitteln ihre Unschuld zu beweisen, was die polizeilichen Ermittlungen teilweise untergräbt und sie selbst in grosse Gefahr bringt. Das Ende bleibt leider eher offen, man kann sich als Leser denken wer dahinter steckt, bestätigt wird es jedoch nicht.
Die Entwicklung von Allegra ist rasant weitergegangen. Endlich hat sie ihr Studium erfolgreich beendet und hat auch mit Tomasz abgeschlossen. Nach langer Zeit lässt sie sich nun auf Dario ein. Dies hatte man ja schon in den Vorgängerbüchern gehofft, das knistern war immer vorhanden. Auch Valerio scheint endlich seinen Platz im Leben gefunden zu haben und bricht seine Zelte ab. Auch Ursina taucht wieder auf, sie hat sich überhaupt nicht verändert und lebt immer noch im selben Trott wie vor einem Jahr.
Wiederum ein sehr spannender Regionalkrimi mit Allegra in der Hauptbesetzung. Leider lässt das offene Ende einen fahlen Beigeschmack da.
- Arno Del Curto
Mit Köpfchen durch die Wand
(14)Aktuelle Rezension von: HexipexiDas Cover deutet deutlich auf den Inhalt hin.
Es handelt sich um eine spannende Biografie über Arno Del Curato.
Sie erlaubt Einblicke in das Leben, in den Eishockeysport, Anekdoten lockern es auf.
Es ist so geschrieben, dass es nicht nur für Fans interessant ist.
- 8
- 12
- 24















