Bücher mit dem Tag "dd"

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38 Bücher

  1. Cover des Buches Kinder der Freiheit (ISBN: 9783404173204)
    Ken Follett

    Kinder der Freiheit

     (451)
    Aktuelle Rezension von: Monika_Brigitte

    Band III der Jahrhundertsaga

    „Wie ironisch, dachte George: Um die Türkei zu beschützen, müssen wir die Kernwaffen von dort abziehen. Außenminister Dean Rusk warnte: >>Die Sowjets können aber woanders aktiv werden, Sir, und zwar in Berlin.<< George nickte. Es war paradox, dass der amerikanische Präsident eine Karibikinsel nicht angreifen konnte, ohne die Auswirkungen zu berücksichtigen, die eine solche Entscheidung siebentausend Meilen entfernt in Mitteleuropa hätte. Die ganze Welt war für die beiden Supermächte zum Schachbrett geworden.“ (S. 362)

    Eine komplexe, vielschichtige Handlung vereint historische Eckpunkte aus 30 Jahren amerikanischer, deutscher, englischer und russischer Geschichte. Thematisch durchschreitet Ken Follett, der Stephen King des Historischen Romans, im dritten Teil seiner Jahrhunderttrilogie den Kalten Krieg von vorne bis hinten – beginnend mit dem Mauerbau 1961 (1. Kritikpunkt: Warum beginnt er nicht bei der Nachkriegszeit mit interessanten Ereignissen wie dem Aufstand vom 17. 06. 1953) über die Kubakrise und JFK, die Rassendiskriminierung in den USA und M. L. King, Ost-West-Flucht, Korruption und Intrigen im Kreml (2. Kritikpunkt: Wo bleibt die Aufarbeitung der Nazivergangenheit mit den Nürnberger Prozessen? Richtig. Nirgendwo. Auch zur Mondlandung hätte ich wenigstens eine Erwähnung erwartet) bis hin zu Glasnost & Perestroika und dem Mauerfall (3. Kritikpunkt: Bei Follett hört es sich so an, als wäre mit dem Einsturz einer betonierten Wand alles getan und alle Menschen springen in Blümchenkleidern zu >I’ve been looking for Freedom< über einen Regenbogen…Dass wir auch heute noch, zu einem Zeitpunkt, an dem die Mauer länger abgerissen ist, als sie stand, mit Ungleichheiten und Vorurteilen zwischen Ost und West zu tun haben, lässt er unbetrachtet).

    Ken Follett hat mit diesem Abschluss seiner Familiensaga des 20. Jahrhunderts wieder einen dramatischen Liebesroman kreiert. Alle Protagonisten finden wieder auf magische Weise zueinander von den USA über England und das geteilte Deutschland zur Sowjetunion. Die Stammbäume der beteiligten Familien im Anhang und in den Klappen haben wirklich geholfen mit den umfänglich vorhandenen Protagonisten umzugehen, dennoch kam ich einige Male raus. „Zu wem gehörst du jetzt? Ich dachte, du hast etwas mit dem anderen Typen am Laufen? Oh, ach ne, doch nicht.“ Nach kurzer Orientierung und vielleicht ein paar Seiten zurückblättern ging das bei mir aber wieder.

    Es muss Follett zugutegehalten werden, dass er einen komplexen historischen Zeitrahmen mit vielen politischen Strängen (mehr als in den ersten beiden Teilen der Trilogie) gut gemeistert hat. Er vereint die wichtigsten politischen Themen aus diesen 30 Jahren geschickt, immer ist ein Protagonist live im oder am Geschehen dran ganz wie bei Forest Gump – Montgomery-Bus-Boykott & Martin Luther King’s >I have a Dream<-Rede; JFK’s >Ik bin ein Berliner< -Rede & das Attentat, Vietnamkrieg, Mauerfall u.v.m.

    Die Leserinnen und Leser bekommen einen groben Überblick über politische Zusammenhänge des Ost-West-Konflikts im historischen Kontext. Die Umsetzung in Romanform erlaubt es dem Rezipienten in lockerer Atmosphäre Geschichte spannend und informativ zu erleben. Ich muss zugeben, dass ich mich mit diesem Zeitabschnitt weniger auskenne als das noch beim ersten und zweiten Teil der Fall war. Einfach, weil im Lehrplan besonderer Fokus auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts mit den beiden Weltkriegen gelegt wird, da wird nach hinten heraus die Zeit knapp. Jahrgänge nach 1990 wie ich kennen sich da weniger gut aus bzw. beziehen ihre Informationen von Eltern und Großeltern. Auch gibt es mehr filmische Adaptionen über die NS-Zeit als über den Kalten Krieg. Daher bewerte ich hier besonders die Auswahl der Eckdaten, die Follett getroffen hat, und deren Zusammenspiel positiv. Gerade zur Rassendiskriminierung und der damit verbundenen Polizeigewalt in den USA konnte ich in diesem Roman etwas lernen. Leider ein immer noch hoch brisantes Thema.

    Dennoch kann ich nicht mehr als drei Sterne vergeben. Wie im Vorgängerband macht Ken Follett einen entscheidenden Fehler, über den ich nicht hinwegsehen kann. Er denkt in Schwarz-Weiß-Schemen, am Ende wird alles gut, alle Protagonisten sind glücklich, gesellschaftliche Probleme werden ignoriert. Beispielsweise sind die Stasi-Mitarbeiter so gezeichnet wie die Nazis in Teil zwei – strunz dumm. Nur einer hat es auf die Familie abgesehen und benutzt seinen Gripps komplett nur zum Schikanieren der Protagonisten. Der Roman suggeriert außerdem, dass die gesamte DDR-Bevölkerung in den Westen will, die Grenzsoldaten werden als handelnde und nicht denkende Schachfiguren bewegt. Was ist denn mit den regimetreuen intelligenten Bürgern und Funktionären? Was ist mit den Ängsten bei der Wiedervereinigung? Follett legt den Fokus besonders auf die Swinging Sixties. Das Jahrzehnt erstreckt sich auf fast 900 der 1200 Seiten, dadurch werden die anderen zwei Jahrzehnte sehr gedrängt.

    Ein großer Kritikpunkt in den Vorgängerbänden war die Häufigkeit von romantischen Bettgeschichten. Hier hat sich das etwas gelegt, Follett lässt vieles nur angedeutet. Es gibt zwar ein kleines Durcheinander, wer mit wem und wann, aber der historische Rahmen mit den Ereignissen überwiegt.

    Fazit

    KINDER DER FREIHEIT ist der Abschluss der Familiensage über das 20. Jahrhundert von Ken Follett. 30 Jahre Weltgeschichte drängen sich auf 1200 Seiten, da können nicht alle Details abgebildet werden. Als dramatische Liebesromane im historischen Setting ist die Reihe gut zu lesen. Ich empfehle, die Erwartungen nicht zu hoch zulegen. Die Leserinnen und Leser finden in diesem dritten Band einen soliden, zufriedenstellenden Abschluss.

     

    KINDER DER FREIHEIT| Ken Follett| Bastei Lübbe| 2014| 1208 Seiten| 29,99€ (Hardcover nicht mehr erhältlich; als Taschenbuch für 17,00€

  2. Cover des Buches Die Sturmrose (ISBN: 9783548286686)
    Corina Bomann

    Die Sturmrose

     (233)
    Aktuelle Rezension von: Walli_Gabs

    Corina Bomanns Roman „Die Sturmrose“ handelt von der Werbefachfrau Annabel Hansen, die mit ihrer fünfjährigen Tochter Leonie nach Binz zieht, weil sie auf Rügen ein neues Leben beginnen will. Nachdem die beiden ihr Traumhaus bezogen haben, entdeckt Annabel im Sassnitzer Hafen auch noch ihr Traumschiff: die titelgebende „Sturmrose“, einen alten Kutter, der demnächst versteigert wird. Für Annabel ist es Liebe auf den ersten Blick, doch schnell stellt sich heraus, dass sie einen äußerst entschlossenen Mitbieter hat. Christian Merten trägt einige Geheimnisse mit sich herum, doch auch die „Sturmrose“ hat eine bewegtere Geschichte hinter sich, als Annabel ahnt.

    Als Ich-Erzählerin lässt Annabel die Lesenden an jedem kleinsten Gedanken, jeder aufkeimenden Gefühlsregung teilhaben. Ich habe mir oft gewünscht, dass dem nicht so wäre, bewegt sich doch alles eher auf Soap-Niveau. Besonders fiel das auf, als drei andere Charaktere kapitelweise zu Wort kamen und ihre Geschichte erzählten: Der Stil blieb stets der gleiche, Gedanken und Dialoge waren einfach platt und so wirkten diese anderen Protagonisten ähnlich naiv wie die Hauptfigur, was mich beim Lesen doch ziemlich störte.

    Insgesamt scheinen komplexe Charaktere nicht Bomannns Sache zu sein; es gibt viel Gut, etwas Böse und kaum Schattierungen. Der schmierige Ex-Stasi-Mitarbeiter, der verantwortungslose Exmann, die überaus patente Adoptivmutter und die so goldige wie pflegeleichte Fünfjährige – alle wirkten wie aus dem Bilderbuch. Und auch die Handlung mit ihren dramatischen Wendungen und ein paar unglaubwürdigen Zufällen überzeugte mich nicht, da wurde einfach viel zu viel zwischen die Buchdeckel gepresst: deutsch-deutsche Geschichte, Republikflucht, Adoption, Trennungsdrama, Liebesgeschichte, Schiff-Restaurierung … weniger wäre hier mehr gewesen, auf allen Ebenen. „Die Sturmrose“ konnte mich leider so gar nicht überzeugen.

  3. Cover des Buches Der Herr der Ringe. Bd. 2 - Die zwei Türme (Der Herr der Ringe. Ausgabe in neuer ÜberSetzung und Rechtschreibung, Bd. 2) (ISBN: 9783608939828)
    J. R. R. Tolkien

    Der Herr der Ringe. Bd. 2 - Die zwei Türme (Der Herr der Ringe. Ausgabe in neuer ÜberSetzung und Rechtschreibung, Bd. 2)

     (1.027)
    Aktuelle Rezension von: Schiebelini

    Es geht weiter beim Herrn der Ringe und ich bin weiterhin maßlos enttäuscht und gelangweilt.

    Nachdem sich Frodo und Sam von der Gruppe getrennt haben, wird im ersten Kapitel direkt so emotionslos wie es nur geht, der Tod Boromirs abgehandelt. Eine Szene, die mich im Film stark bewegt hat, umfasst hier gerade so eine Dreiviertelseite und endet mit den tiefgründigen Worten Aragorns: "Oh weh."

    Ja, oh weh, was für eine Grütze. Nachdem ich jetzt zwei Drittel dieses angeblich so tollen Epos gelesen habe, frage ich mich wirklich, wie die Filme es geschafft haben, doch so gut zu werden. Ich war nie ein Riesenfan dieser meist ja sehr langen Blockbuster, aber je mehr ich vom Buch lese, desto besser finde ich die Filme, weil sie alles so viel besser machen. Denn die eben beschriebene Emotionslosigkeit findet man ständig im Buch. Keine Freude wird beschrieben, keine Furcht, keine Traurigkeit. Das höchste der Gefühle ist, wenn statt "sagte er" mal "brummte er" oder "wimmerte er" nach einem gesprochenen Satz steht.

    Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt. Während im ersten Teil der Kampf gegen Isengart abgearbeitet wird, folgt man in Teil zwei Frodo und Sam, die sich nach Mordor durchschlagen wollen. Im zweiten Teil wird es mit der Beschreibung der Gefühle etwas besser, aber auch nicht wirklich zufriedenstellend. Meistens bleibt es hier auch bei Sorgen, Angst und Misstrauen, die mal am Rande erwähnt werden.

    Zugegeben: Der zweite Teil dieses Buches hat mich etwas besser unterhalten, was ich erstaunlich fand, da ich die Szenen mit Frodo und Sam in den Filmen meistens als die schwächeren empfand. Das Positive liegt vor allem an Gollum, der durch seine geteilte Persönlichkeit durchaus einen interessanten Charakter darstellt. Allerdings nervt seine Art zu reden auf Dauer etwas und außerdem bin ich mir nicht sicher, ob ich nicht durch die Filme etwas zu positiv voreingenommen bezüglich Gollum bin.

    Ohnehin habe ich das Gefühl, dass ich viele Szenerien und Abläufe bestimmter Szenen nur so bildlich im Kopf habe, weil ich die Filme gesehen habe. Vor allem bei Helms Klamm und dem Weiher, in dem Gollum planscht, ist mir das aufgefallen. Tolkien beschreibt zwar viel und ausführlich, aber allein dadurch schaffe ich es nicht, mir die Szenerie bildhaft vorzustellen. Helms Klamm war ohnehin eine herbe Enttäuschung. Die epischste Schlacht der Trilogie ist in nur 10 Seiten abgehandelt. Der zweite Film hat sich fast 40 Minuten für diese Schlacht Zeit gelassen. Im Buch steht das dann ungefähr so da:

    Aragorn und Eomer kämpfen, bis sie müde sind und auch dann kämpfen sie noch weiter. Legolas und Gimli tauschen emotionslose und erstaunlich unlustige Deathcounts aus. Die Orks sind zahlreich. Aragorn und Eomer sind müde ... ah ne, hab ich ja schon gesagt. Legolas und Gimli tauschen ... shit ... ähm ... Die Orks werden nicht weniger und ... ach fuck it! Gandalf kommt und abakadabra, ich bin ein Zauberer und mache zauberhafte Dinge. Schlacht vorbei, wir haben gewonnen, Auf Eorlingas oder so.

    Ich war maßlos enttäuscht. Ich hatte richtig auf dieses Kapitel hingefiebert und dann war es so ein Reinfall. Fast noch besser ist da die "Schlacht" der Ents gegen Isengard. Die bekommen wir nämlich nur etwas lapidar erzählt von Pippin und Merry, beim drölften Frühstück versteht sich, denn die Hobbits können offensichtlich nur ans Essen denken.

    Was mich zu den Charakteren bringt, die allesamt einfach nur flach bleiben - zugegebenermaßen habe ich da keine großen Offenbarungen erwartet. Zu keiner Zeit scheint sich ein Charakter von einem anderen abzuheben (erneut mit der Ausnahme von Gollum). Und die Hobbits regen mich mit jedem Teil mehr auf. Dummheit und Naivität scheinen nicht auszureichen, diese Rasse zu beschreiben. Eine gefährlich aussehende Glaskugel? Muss berühren! Gollum endgültig aus der Welt schaffen, damit man seine Ruhe hat? Quatsch, lass ihm mal komplett vertrauen. Ein Geheimnis bewahren? Den Begriff kenne ich nicht. Alles, wirklich alles Schlimme dieser Trilogie ist auf die Unfähigkeit dieser Hobbits zurückzuführen.

    Ich musste mich teilweise zwingen dieses Buch weiterzulesen. Und natürlich hilft es nicht, wenn man am Ende der Seite den Anfang schon wieder vergessen hat. Denn das Wort "Spannungsaufbau" hat Tolkien vermutlich niemals gehört. Das gesamte Buch wird damit zäh, eintönig und (wie in Teil 1) mehr ein Bericht als irgendetwas anderes. Ich wollte eine Geschichte, eine Erzählung lesen - nicht die eintönigen Texte aus dem Schulgeschichtsbuch.

  4. Cover des Buches Schuld (ISBN: 9783791516349)
    Grit Poppe

    Schuld

     (43)
    Aktuelle Rezension von: Annemarie_Bruhns

    Kennt ihr den Ausdruck negativ-dekadenter Jugendlicher ? Mir stellen sich da sofort die Nackenhaare auf und dieses Gefühl hat mich während des Lesens häufig begleitet.

    Schuld erzählt die Geschichte von Jana und Jakob. Die Tochter aus gutem Hause, die vom Staatsfeind verführt wird. Jedenfalls ist das die Sichtweise von Janas Vater.

    Trotzdem entwickelt sich im ersten Teil eine zaghafte Beziehung, in der Jana erste Zweifel an ihrer heilen, kleinen Welt kommen. Der zweite Teil hat heftige und düstere Passagen, in denen Jakob die Konsequenzen seines Regimefeindlichen Denkens zu spüren bekommt.

    Ein schonungsloser und aufwühlender Einblick in eine dunkle Seite der DDR.

  5. Cover des Buches Die Töchter des Roten Flusses (ISBN: 9783746632704)
    Beate Rösler

    Die Töchter des Roten Flusses

     (48)
    Aktuelle Rezension von: Joenna

    Die Töchter des Roten Flusses

    Von Beate Rösler, 592 Seiten erschienen im Aufbau TB 

    Das Cover sieht wunderschön aus.

    Tuyet findet nach dem Tod der Stiefmutter Briefe von ihrer Mutter ungeöffnet an ihren Vater. Ihre Stiefmutter hat diese Briefe ihrem Vater vorenthalten und versteckt. Wollte ihre Mutter doch Kontakt mit ihr? Tuyet hat 100 Fragen. 

    Sie beschliesst eine Reise nach Vietnam zu machen und ihre Fragen zu klären. An der alten Adresse ihrer Mutter wohnt ihre Schwester. Die ist aber gar nicht gut auf  Tuyet zu sprechen und will auch nicht den Kontakt zur Mutter herstellen. Zum Glück lernt sie Linh kennen ihre Mutter hat auch in der DDR gearbeitet. Können diese zwei ihr bei der Suche weiterhelfen?

    Die Geschichte ist in zwei Zeiten geschrieben und man erfährt auch viel  vom Vietnam Krieg. Eine Interessante Geschichte über Vietnam und seine Einwohner.

    Von mir 4 von 5 Sternen

  6. Cover des Buches Preiselbeertage (ISBN: 9783499291449)
    Stina Lund

    Preiselbeertage

     (48)
    Aktuelle Rezension von: Sternenstaubfee

    Das war okay. Anders als erwartet, aber durchaus interessant. 

    Generell lese ich gerne über Familiengeheimnisse, und um das geht es in diesem Buch auch. 

    Gut gefallen hat mir, dass es verschiedene Zeitebenen gibt. Einmal sind wir in der Gegenwart, einmal gehen wir zurück ins Jahr 1988/1989 kurz vor dem Mauerfall. 

    Eine kurzweilige Familiengeschichte, die mir gut gefallen hat, allerdings wohl nicht lange im Gedächtnis bleiben wird. Aber eine schöne Unterhaltung war es auf jeden Fall! 

  7. Cover des Buches Stumme Wasser (ISBN: 9783954517107)
    Anja Behn

    Stumme Wasser

     (29)
    Aktuelle Rezension von: Seehase1977

    Kunsthistoriker Richard Gruben reist nach dem Hilferuf eines Freundes kurzfristig an die winterliche Ostsee. Genau weiß er nicht, wie er helfen kann, sein Freund und Maler hat in seinem Brief nur vage Andeutungen zu einem Gemälde gemacht. Doch als er in Fahrenende eintrifft, ist der Mann tot. Erschlagen von einem Unbekannten. Zusammen mit Johanna, der Enkeltochter des Ermordeten sucht Gruben nach den Hintergründen zu der Tat und nach dem geheimnisvollen Bild. Im vorweihnachtlichen Fahrenende stößt er nicht nur auf verschwiegene Dorfbewohner, sondern auch auf ein altes Geheimnis…

    Meine Meinung:

    Meine erste Begegnung mit Kunsthistoriker Richard Gruben hatte ich im dritten Teil der Reihe, „Kalter Strand“. Anja Behn konnte mich seinerzeit mit ihrer Art zu schreiben und einem packenden Ostsee-Krimi, der gut ohne Vorkenntnisse zu lesen war, überzeugen. Die Neugier auf die anderen Bände der Reihe war groß, weshalb ich mir nun Band 1 „Stumme Wasser“ einverleibt habe. Auf nicht mal 200 Seiten ist es der Autorin gelungen, eine atmosphärische und spannende Geschichte zu erzählen, deren Anfänge in der Vergangenheit liegen. 

    Mit einem dramatischen Prolog, startet Anja Behn ihre Geschichte und kitzelt damit sofort an meiner erwartungsvollen Neugier. Es geht spannend, kurzweilig und tiefgründig weiter, je weiter die Story fortschreitet, desto tiefer steigt man in die komplexen Zusammenhänge ein, erfährt mehr über Hintergründe und Personen. Man stößt, ebenso wie Richard Gruben, auf ein Gemälde das Rätsel auf seine Herkunft aufgibt, auf schweigende Dorfbewohner und auf ein Geheimnis aus der Vergangenheit. 

    Hin und wieder sind mir die vielen Informationen und die Einblicke in die Kunstszene fast ein bisschen zu viel, aber Anja Behn versteht es trotz allem, hier ein gesundes Maß zu finden und nicht zu sehr abzuschweifen. Unglaublich gut beherrscht die Autorin die stimmungsvollen und authentischen Beschreibungen der winterlichen Ostsee. Nebel, kalter Wind und eine aufreibende See die man fast hören und riechen kann. Man spürt förmlich, wie der beißende Wind an den Kleidern zerrt und kleine Nadelstiche auf der Haut hinterlässt. Diese besonderen Eindrücke verleihen dem Krimi, neben der Handlung, eine ganz besondere und ihm eigene Stimmung. 

    Interessante Charaktere, teils warmherzig und offen, teils verschlossen und unnahbar. Für mich eine gelungene Mischung, auch die wirren Familienverhältnisse, die am Ende gut aufgelöst werden, haben mir gefallen, es hat Spaß gemacht, eigene Vermutungen anzustellen und mitzurätseln, wie alles zusammenhängt. Richard Gruben, klar, beherrscht und sympathisch, hat mir in diesem ersten Teil aber nicht ganz so gut gefallen.

    Mein Fazit:

    Ein gelungener Reihenauftakt mit einer spannenden, atmosphärisch geschriebenen Krimihandlung vor der Kulisse der winterlichen Ostseeküste. Schön zu lesendes, empfehlenswertes Krimidebüt.

  8. Cover des Buches Am kürzeren Ende der Sonnenallee (ISBN: 9783126757195)
    Thomas Brussig

    Am kürzeren Ende der Sonnenallee

     (311)
    Aktuelle Rezension von: kekskruemeline

    ,,Klein aber fein", ein Zitat, welches das Buch Am kürzeren Ende der Sonnenallee von Thomas Brussig ziemlich genau beschreibt, wenn nicht sogar auf den Punkt bringt. 

    In knappen 157 Seiten schreibt der damals 35-jährige Author über die DDR und alles, was dazu gehört. Sie werden sich jetzt denken: ,,Klasse, ich bin aber nicht zu einer Geschichtsstunde hierher gekommen". Hand aufs Herz, so ging es mir am Anfang auch, die typische Schullektüre eben, doch Am kürzeren Ende der Sonnenallee ist einfach was ganz Anderes und eigen für sich.

     

    Zusammen als ,,Das Potential", welches aus Micha (Protagonist), Wuschel, Mario, Brille und dem Dicken besteht, haben die Jugendlichen nicht nur ordentlich Spaß, sie bauen auch das eine oder andere mal ziemlichen Mist. So bringen sie den ABV mit verbotener Musik auf die falsche Spur und blamieren sich in den Tanzstunden beim Tanzen. 

    Doch was wäre ein Jugendroman ohne die typische Lovestory?

    In Am kürzeren Ende der Sonnenallee liegt die Liebe praktisch in der Luft und wird durch Miriam, welche laut Micha das schönste Mädchen der Welt sei, zum typischen Handlungsteil, der sich durch das ganze Buch hindurch zieht.

    Was jedoch beim Lesen besonders auffällt, ist Brussigs Schreibstil. An Komik, Späßen und lustigen Geschehnissen wird hier nicht gespart. Durch ihn klingt der ,,Todesstreifen" doch gleich viel harmloser. 

    Tatsächlich ist dies jedoch bei den meisten Lesern der größte Kritikpunkt. Die DDR sei gar nicht so harmlos gewesen und würde in Brussigs Buch nicht ernst genommen werden. Doch so soll es auch gar nicht sein. Gerade dadurch will Brussig eine andere Seite der DDR zeigen und versucht, das Positivste aus der Sache zu ziehen.

    Meine Freude über dieses Buch hält sich in Grenzen. Ständige aus dem Kontext heraus gerissene Szenenwechsel erschweren das Lesen und auf einmal befindet man sich nicht mehr in Michas Zimmer, sondern in der Vergangenheit bei irgendwelchen Verwandten von ihm. Dennoch kann man nicht anders als zu schmunzeln und lachen, wenn man das Buch liest. Hat man einen guten Sinn für Humor und eventuell auch ein Interesse an der deutschen Geschichte, so ist Am kürzeren Ende der Sonnenallee mehr als empfehlenswert.

  9. Cover des Buches Berlin – Beirut (ISBN: 9783863270360)
    Gitta Mikati

    Berlin – Beirut

     (15)
    Aktuelle Rezension von: vicky_1990
    Das Cover sieht sehr gewaltig und beeindruckend aus. Die Farben des Bildes und der Texte sind super aufeinander abgestimmt. BERLIN BEIRUT springt einem sofort ins Auge und zwingt einen (fast) dazu sich das Buch genauer anzusehen!

    Der Schreibstil und der Aufbau des Romans gefallen mir sehr gut. Der Roman ist leicht zu lesen und man kommt dadurch gut voran! Durch die Beschreibungen der Autorin kann man sich alles gut vorstellen auch wenn man, so wie ich, noch nie in Berlin war. Die Figuren sind gut ausgearbeitet, nur Maria war mir irgendwie zu sprunghaft.

    Der 'Prolog' im Jahr 2011 ist ein interessanter Einstieg in den Roman, obwohl dann der Großteil der Geschichte ab dem Jahr 1977 spielt und die Kapitel in der Gegenwart nur zwischendurch eingestreut werden. Es wird im Prinzip aus der Sicht von Maria erzählt, welche in der Gegenwart ihrer Tochter von ihrer Vergangenheit berichtet.
    Der Großteil des Romans spielt in Berlin, aufgrund des Titels 'Berlin - Beirut' hätte ich mir allerdings ein eher ausgewogeneres Ergebnis bezüglich der Handlungsorte erwartet. Deswegen muss ich auch einen Stern abziehen, meine Erwartungen an das Buch hinsichtlich des Titels wurde da leider nicht zur Gänze erfüllt. Außerdem bleiben meiner Meinung nach zu viele Fragen offen, deswegen noch ein Stern Abzug.

    Fazit:
    Der Autorin Gitta Mikati ist alles in allem betrachtet ein guter Roman gelungen. Die aufgegriffenen Themen wie Flüchtlinge und Schleußer sowie Ausbeutung und Unterdrückung sind gerade auch in der heutigen Zeit (wieder) aktuell. Schlimm dass es immer wieder Leute gibt welche sich am Leid anderer bereichern und moderne Sklavenhaltung betreiben, ich finde diese Tatsachen vermittelt die Autorin in einem spannenden Roman.
  10. Cover des Buches Ab jetzt ist Ruhe (ISBN: 9783100044204)
    Marion Brasch

    Ab jetzt ist Ruhe

     (82)
    Aktuelle Rezension von: jannehanne

    Schreibt leicht über das Schwere, feine Psychologie, nimmt den Leser emotional mit. 

    S.64 "Doch dieses Weihnachtsfest war anders. Ich spürte schon am Vormittag, dass irgendetwas faul war. Oder besser ich hörte es. Aus der Küche klang schlechtgelauntes Tellerklappern, Töpfe lähmen auf dem Herd, und das Besteck ließ sich beleidigt in den Besteckkasten fallen. Meine Mutter war sauer."

  11. Cover des Buches Schwarzes Gold aus Warnemünde (ISBN: 9783746632827)
    Harald Martenstein

    Schwarzes Gold aus Warnemünde

     (19)
    Aktuelle Rezension von: parden
    EIN SATIRISCHER GEGENENTWURF...

    Im Herbst 1989 wird nahe der DDR-Ostseeküste ein riesiges Ölvorkommen entdeckt. Die DDR überlebt nicht nur - sie ist sogar plötzlich das reichste Land der Welt. Alles ist Gold. Wirklich alles? Nein! Zwei unerschrockene Undercover-Reporter - der Westdeutsche Martenstein und der systemkritische DDR-Bürger Peuckert - entlarven die Schattenseiten des Petro-Sozialismus. Ganz oben und ganz unten.

    Hier wird der Lauf der Geschichte einfach umgeschrieben: das Buch erzählt von einer DDR, die 1990 nicht untergegangen ist, sondern als reiche Ölnation weiterexistiert. Westdeutsche Gastarbeiter erledigen die Drecksarbeit, und das Leben vieler Prominenter ist ein bisschen anders verlaufen: Angela Merkel floh nach New York, nachdem sie in Bautzen inhaftiert war - ihr größtes Problem in der DDR war, dass es dort keinen vernünftigen Joghurt gab. Karl-Theodor Guttenberg legte seinen Adelstitel ab, um Wirtschaftsminister in Ost-Berlin werden zu können. Hartmut Mehdorn lehnte den Posten als Vorsitzender der Deutschen Bahn in der BRD ab und wurde statt dessen Vorsitzender des Computerkonzerns Robotron in Dresden. Gregor Gysi kümmert sich als Kulturminister des SED-Staats um die Neuverfilmung von DDR-Klassikern (wie beispielsweise 'Paul und Paula' mit Leonardo DiCaprio und Kate Winslet) und gibt unterhaltsame Interviews, in denen er im Grunde nichts sagt. Und Kati Witt präsentiert sich als männermordender Vamp mit einem Näschen fürs große Geld und moderiert gemeinsam mit Kai Pflaume das Ost-Dschungelcamp auf Kuba.


    "Erdöl ist der Betriebsstoff der modernen Zivilisation, der sagenhafte Goldschatz im Untergrund, die Quelle des großen Weltenbrandes. Wegen ihres Ölreichtums ist die DDR heute in gewaltige Entscheidungsschlachten involviert. Entfesselte Naturenergie contra zähmend-maßvolle Menschenkraft, weltenstürzende Besitzgier versus weltenbauende Liebe. Aber das Land will von all dem nichts wissen." (S. 177 f.)


    Die erste Enttäuschung beim Lesen kam bereits realtiv zu Beginn des Buches. Denn hier handelt es sich nicht wie von mir erwartet um einen Roman, sondern eher um eine Aneinanderreihung loser miteinander verknüpfter Beiträge in der Art einer Zeitungskolumne. Positiv zu vermerken ist, dass man den beiden Autoren attestieren muss, dass sie über ein hohes Maß an Phantasie verfügen und ihren satirischen Gegenentwurf zur Entwicklung nach dem Mauerfall konsequent durchdacht haben. Selbst die Vita der Autoren wurde auf die veränderten Ereignisse hin abgestimmt. Manche der geschilderten Ereignisse und Begegnungen waren auch ganz unterhaltsam, doch den Großteil der Berichterstattung fand ich eher anstrengend oder auch langweilig zu lesen (s. auch das Zitat). So legte ich das Buch auch nach jedem Kapitel erst einmal wieder weg, wodurch sich die Lektüre ungewohnt in die Länge zog.

    Erwartet hatte ich eine intelligente Satire. Bekommen habe ich  weniger eine Vision von etwas, sondern eher eine lose Anhäufung von Gags, die großteils von ihrem (berühmten) Personal leben à la 'Was wurde aus der und dem in der dieser DDR'? Vereinzelt wären die Artikel ganz unterhaltsam gewesen, aber in der Summe war es einfach too much. Sorry.


    © Parden

  12. Cover des Buches Jenseits der blauen Grenze (ISBN: 9783734882012)
    Dorit Linke

    Jenseits der blauen Grenze

     (50)
    Aktuelle Rezension von: Laurada11

    Hanna und Andreas passen nicht in das System der DDR und wagen deshalb im Sommer 1989 die Flucht in den Westen. Und das schwimmend durch die Ostsee.

    Die Geschichte wechselt zwischen den aktuell stattfindenden Szenen der Flucht und der Hintergrundgeschichte aus der Jugend der beiden Protagonisten in der DDR. Wir begleiten Hanna, Andreas und ihren Freund Jens (welcher während der Flucht bereits im Westen lebt) im Schulalltag und erleben das System der Unterdrückung hautnah mit. 

    Während der Szenen auf dem offenen Meer hat man das Gefühl selbst mit auf der Flucht zu sein, sodass der Perspektivenwechsel sehr passend zum "Luftholen" ist.

    Mich hat dieses Buch von der ersten Seite an gefesselt und wird mich sicher auch noch einige Zeit beschäftigen.

  13. Cover des Buches Drehtür (ISBN: 9783596298891)
    Katja Lange-Müller

    Drehtür

     (27)
    Aktuelle Rezension von: wbetty77

    Der Roman „Drehtür“ ist 2016 beim Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen.

    Asta Arnold ist 63 Jahre alt und kehrt nach jahrzehntelangem Einsatz als Krankenschwester für diverse Hilfsorganisationen zurück nach Deutschland. Die Sprache ist ihr fremd geworden sowie auch der normale zwischenmenschliche Umgang.

    Als sie am Münchner Flughafen landet, führt ihr erster Weg hinaus durch die Drehtür, um zu rauchen. Asta ist Kettenraucherin. Sie steckt sich eine Zigarette nach der anderen an und schaut dabei durch die Scheibe in das innere das Flughafengebäudes. Sie sieht die Menschen kommen und gehen, sitzen und liegen. Dabei entdeckt Asta Personen, die auf irgendeine Weise Leuten ähneln, die in ihrem Leben eine Rolle gespielt haben. So erinnert sie sich, während sie rauchend vor der Drehtür steht, an Fragmente ihres unsteten Lebens. Doch sind ihre Erinnerungen wahrhaftig?


    Erinnert man sich tatsächlich nach vielen Jahren noch ganz genau? Dichtet die eigene Fantasie nicht manchmal etwas hinzu, um Erlebtes zu verschönern oder zu verdrängen. Asta blickt zurück auf ihr bewegtes Leben. Sie denkt über das Helfen nach, das sie zu ihrem Beruf gemacht hat. Ist Helfen in Wirklichkeit nur ein Reflex, der bei manchen Menschen nur stärker ausgeprägt ist.


    Beim Lesen lernt an Asta besser kennen, doch man kommt ihr nicht nah. Allerdings ist niemand Asta jemals nah gekommen, das begreift man im Laufe des Buches. Die deutsche Sprache ist der Figur fremd geworden. Einzelne Wörter fallen ihr ein und sie seziert sie auf das Genauste. „Urlaub“, die Zusammensetzung scheint für sie trostlos; altes Laub, moderig, schimmelnd.


    Es ist ein kurzweiliges Buch. Eine Momentaufnahme einer bisher rastlosen Frau, deren Leben zwischen Vergangenheit und ungewisser Zukunft schwebt, da sie keine Ahnung hat, wie ihre weiteres Leben als Rentnerin aussehen soll. Es ist eine melancholische, nachdenkliche Geschichte über eine einsame Frau.

  14. Cover des Buches Gemeinschaft der Glückssüchtigen (ISBN: 9783955140090)
    Slov ant Gali

    Gemeinschaft der Glückssüchtigen

     (8)
    Aktuelle Rezension von: ulrikeDi
    Ich weiß nicht, wie man das nennen soll: Es ist Autobiografisches drin und Gedichte, Philosophie, Ökonomie, Science Fiktion, Chemie und mehr. Also ich verstehe es. Weil wir heute das Internet haben und Unmengen Daten verarbeiten können, könnten wir Kommunismus haben.
    Kommunismus ist etwas extrem Individuelles, wo jeder mitbestimmen kann, Demokratie für jeden der will. Weniger Arbeit. Deshalb welche, die mehr Spaß macht. Keiner der Macht hat, weil keiner ein Machtmittel zur Erpressung der Anderen hat. Geld muss nicht sein, weil die Bedürfnisse, die jeder hat, weniger materielle sind und klügere. Wer weder Hunger noch Angst hat, ist glücklicher und geht deshalb freundlicher mit seinen Mitmenschen um und die sind es wieder mit ihm usw.
    Eine solche schöne Utopie begründet der Autor mit dem Marxismus, dass also Produktionsverhältnisse mit dem Entwicklungsstand der Produktivkräfte zusammenhängen. Es gibt mehrere Beispiele, wie das funktioniert. Pillen und Musik und Piraten und Ameisen und Verkehr und Supermarkt.  Richtig spannend, das mal auszuprobieren. Aber wie kommen wir da hin?
  15. Cover des Buches Drei Haselnüsse für Aschenbrödel (ISBN: 9783473544752)
    Maike Stein

    Drei Haselnüsse für Aschenbrödel

     (36)
    Aktuelle Rezension von: Nicole_Thoene

    Als ich gesehen hatte, das dieses Buch für 99 Cent zu kaufen gab, musste ich gleich zuschlagen. Jedes Jahr zu Weihnachten kommt der Fil. Im Fernsehen und jetzt habe ich es auch als Buch. Seit dem Tod ihres Vaters muss Aschenbrödel die Putzfrsu für die Stiefmutter und die Stiefschwestern spielen. Als sie auf den Prinzen trifft, kann sie ihn etwas vernatzen, aber eigentlich brauche ich gar nichts von dem Inhalt erzählen.

    Das Buch ist super gut geschrieben, also Filmgetreu. Es liest sich sehr flüssig, so das sogar jüngere Leser gut mitkommen. Schön ist auch, das am Ende des Buches original Film immer zu finden sind. Ein richtig klasse Buch.

  16. Cover des Buches Heul doch, Wessi (ISBN: 9783359024491)
    Holger Witzel

    Heul doch, Wessi

     (4)
    Aktuelle Rezension von: Lesefreude
    Das Buch hat mir alles in allem recht gut gefallen. Es sind immer wieder lustige Szenen dabei, bei denen man schmunzeln muss. Im Allgemeinen ist es aber eher recht politisch gehalten. 
    Als Ossi - nicht als Wessi wie ich es bin - macht es vielleicht mehr Spaß es zu lesen, das es doch eher auf Ossis ausgelegt ist ;)
    Hab mich aber nicht irgendwie angegriffen gefühlt durch das Buch, ist ja doch schon wieder eine Zeit her jetzt und man sollte sich nicht zu lange an altem aufhängen wenn doch schon neues in Sicht ist :)
    Der Autor hat die Situation aber doch recht passend an den meisten Stellen dargestellt. 
    Werde das Buch aufallefälle meiner Ossi Kollegin mal zu lesen weitergeben, mal sehen was sie dazu sagt ;)
  17. Cover des Buches Neustadtzauber: Eine Geschichte voller Magie (Schattenseiten-Trilogie 2) (ISBN: B01G8H5Z3K)
    Vanessa Carduie

    Neustadtzauber: Eine Geschichte voller Magie (Schattenseiten-Trilogie 2)

     (12)
    Aktuelle Rezension von: Honigmaus
    Neustadtzauber schließt direkt an die Handlung von „WG mit Biss“ an. Mein Rat ist, auch zum besseren Verständnis, zuvor „WG mit Biss“ zu lesen, auch wenn man der Geschichte wahrscheinlich auch so folgen kann.

    Nachdem ich von „WG mit Biss“ so begeistert war, waren meine Erwartungen hier entsprechend hoch. Sie wurden aber nicht enttäuscht. Neustadtzauber hat mir genauso gut gefallen wie sein Vorgänger. Die Geschichte verlief nur nicht so, wie ich angenommen hatte.

    Valeria und Konstantin konnte ich ja bereits in „WG mit Biss“ kennenlernen. Neugierig war ich, wie es nun mit ihnen weitergeht.

    Valeria ist eine selbstbewusste junge Hexe. Sie zeigt aber auch ihre verletzliche und unsichere Seite. Das jedoch ist nachvollziehbar, wenn man bedenkt, was ihr angetan wurde.

    Der Vampir Konstantin wirkt als Vollstrecker des Rates nach außen gefühlskalt, auch wenn ihn seine Arbeit nicht kalt lässt. Valeria hat etwas an sich, das ihn berührt und sein bisheriges Leben überdenken lässt. Einfühlsam schafft er eine Vertrauensbasis zu Valeria.

    Natürlich trifft man auch Erika und Fabian wieder. Es war, als hätte ich sie erst gestern gesehen. Vanessa Carduies Charaktere sind lebendig – ja, auch die Vampire mit ihrem nicht vorhandenen Herzschlag - und sympathisch. Man fühlt sich einfach wohl mit ihnen.

    Zur Geschichte selbst möchte ich nicht viel verraten. Die Liebesgeschichte zwischen Valeria und Konstantin steht im Vordergrund. Erotische Szenen sind der Handlung angemessen, brenzlige Situationen sorgen für Spannung und erfrischende Dialoge für eine gute Unterhaltung.

    Das Ende von Neustadtzauber hört irgendwie mitten in der Geschichte auf. Aber dennoch, es fühlt sich richtig an, die Geschichte hier zu unterbrechen. Ich bin jetzt gespannt, wie es in Wolfsblues weitergeht. Wer genau im Fokus stehen wird, weiß ich noch nicht. Ich habe aber so meine Vermutungen.

    FAZIT: Neustadtzauber wartet mit einer romantischen Geschichte, frechen Dialogen, liebevollen Charakteren und reichlich Magie auf. Von mir gibt es auch hier 5 Sterne.
  18. Cover des Buches Die letzte Instanz (ISBN: 9783442487400)
    Elisabeth Herrmann

    Die letzte Instanz

     (83)
    Aktuelle Rezension von: Maritahenriette
    Die letzte Instanz von Elisabeth Herrmann 

    Die ältere Frau,  Margarethe Altenburg schießt auf einem älteren Mann. Spontan übernimmt Joachim Vernau als Rechtsanwalt den  Rechtsbeistand. Frau Altenburg ist im Endstadium erkrankt und kommt nach der Tat ins Krankenhaus. Vernau fährt zum Haus der Frau, um ihr Kleidung zu holen. Dort stößt er auf eine alte Zigarrenschachtel voller vergilbter Zeitungausschnitte und eine komplett eingerichtetes und nie genutztes Kinderzimmer. 
    Als weitere Morde geschehen wird schnell deutlich das alle Opfer etwas mit dem Landgericht Berlins zu tun haben....

    MEINE MEINUNG:

    Das dritte Buch mit dem Rechtsanwalt Joachim Vernau war ebenfalls spannend und hat mich gefesselt. 
    Der Schreibstil der Autorin konnte ich gut lesen,  den Handlungsstrang folgen und mir sowohl Personen als auch Schauplätze vorstellen. Die Autorin schafft es, mit ihren teilweisen überspitzten Beschreibungen der Personen und Situationen,  mich trotz ernstem Thema auch mal schmunzeln oder den Kopf schütteln zu lassen. Die Anzahl der Personen waren ein wenig viel um nicht ab und zu durcheinander zu geraten. 
    Die Idee des Krimis ist gut durchdacht und der Anwalt Vernau hatte wieder genug zu tun. Die Aufklärung hauptsächlich aus der Sicht des Rechtsanwaltes und deren Staatsanwaltschaft hebt Elisabeth Herrmanns Kriminalroman von anderen Krimis ab. Natürlich darf die Liebe nicht fehlen. 

    Des weiteren erfährt man viel aus dem Privatleben Vernaus und seinem Umfeld. Das gefällt mir persönlich und gerade bei mehreren Bänden hat man einen Wiedererkennungswert. Die Aufklärung ist zum Ende hin abgeschlossen,  sodass man beim lesen nicht unbedingt die Reihenfolge einhalten muss.  Die Protagonisten Vernau und seine Mutter sind auch hier eindeutig meine Lieblingspersonen. 

    Die 438 Seiten werden in 6 Bereichen unterteilt. Durch die vielen Abschnitte war es zwischendurch möglich das Buch aus der Hand zu legen um später relativ gut in die Geschichte wieder abzutauchen. 

    Der Titel ist mit dem  Inhalt stimmig und gleichzeitig kommt die gleichnamige Lokalität als Schauplatz in diesem Buch oft vor. 

    FAZIT:

    "Die letzte Instanz " von Elisabeth Herrmann wird durch den Goldman  - Verlag herausgegeben. 
    Die Autorin hat mir  mit diesem Krimi unterhaltsamen Lesestunden bereitet. Krimifans kann ich bis jetzt die komplette Vernau  - Reihe empfehlen und vergebe hier 5 von 5 Punkte. 
  19. Cover des Buches Zielstern Beteigeuze. (ISBN: B002VP6PBU)
    Karl-Heinz Tuschel

    Zielstern Beteigeuze.

     (3)
    Aktuelle Rezension von: buchwanderer
    „Was sie suchten, hatten sie nicht gefunden, was sie fanden, hatten sie nicht gesucht.“ (S.5)

    Zum Inhalt: Auffälligkeiten im astrophysikalischen Verhalten des Sternes Beteigeuze rücken diesen in den Fokus der Forschung in einer Zukunft, in der es den Menschen gelungen ist, bemannte Raumfahrt auch über dermaßen große Distanzen möglich zu machen. Ein Crew bestehend aus Hirosh – Arzt und Koch -, Atacama – der ursprünglichen Leiterin der Expedition und Astrophysikerin -, Kiliman – einem Gesellschaftswissenschaftler -, Woleg – einem Raumfahrttechniker -, Delawara – einer Astronomin und Pilotin -, dem Ehepaar Rila und Gibralt – Meßtechniker und Piloten -, den Zwillingen Vienna und Kerala – den Basistechnikerinnen – und Elber – dem Planetologe- wird in Richtung des Sternes auf Kurs gebracht. In einem weitestgehend autark agierenden Raumfahrzeug gelangen sie wohlbehalten in ihr Zielgebiet, um dort festzustellen, dass die vorgefundenen Konstellationen weit mehr Rätsel bereithalten, als ursprünglich angenommen. Der vorgezeichnete wissenschaftliche Plan der Expedition und deren inhaltliche Zielsetzung müssen mehr und mehr hinterfragt werden, zumal niemand mit der Entdeckung eindeutiger Spuren einer Zivilisation gerechnet hatte, und schon gar nicht auf einen ersten Kontakt zu hoffen wagte. Die teils verwirrenden Antworten auf die unzähligen Fragen muss die Gruppe der Raumfahrer dabei dem  System rund um den Zentralstern Beteigeuze in mühevoller und spannender Weise abringen. Dass diese Antworten sich nicht stets in rein naturwissenschaftlichen Zusammenhängen, mathematischen Modellen und mit noch so ausgefeilten technischen Apparaturen finden lassen, wirft die Mitglieder der kleinen Gruppe – jeden auf seine ganz individuelle Art und Weise – auf den Kern des Menschseins und dessen kosmische Bestimmung zurück.

    Fazit: Im Untertitel dem Genre des wissenschaftlich-phantastischen Romans zugeordnet weist der Text eine beinahe archetypische Klarheit in puncto Thematik, stilistischer und thematischer Aufbereitung, sowie sprachlicher Gestaltung auf. Dabei geht es weniger um den Aufbau einer reißerischen Spannung mit epischen Raumschlachten, apokalyptisch hereinbrechenden Unbilden oder charakterlich flach gezeichneten Aliens. Der raumfahrende, forschende Mensch steht mit seiner Sinnsuche im Zentrum des Geschehens. Längst sind Lichtjahre-weite Reisen kein Thema, auch Gravitationsmanipulation im eingeschränkten Maße möglich und dennoch bewegt stets die Frage nach dem Zweck des Daseins der Menschheit als Gesamtes und der Aufgabe des Individuums in diesem Kollektiv, sowie im kosmischen Kontext, den Forschergeist. Nicht nur einmal schneidet Tuschel in höchstem Maße gesellschaftsphilosophische Fragen an. („Die Philosophen haben gelehrt: In der Gesellschaft wird sich die Natur ihrer selbst bewußt.“ S.295) ), es ist auch das Kollektiv en miniture der Mannschaft, die in ihrer fast abgeklärt wirkenden wissenschaftlichen Distanz ihre zwischenmenschlichen Probleme exemplarisch zu lösen imstande ist. Man ist versucht darin eine Art Entwurf einer Idealgesellschaft zu sehen, deren fiktionale Bühne Tuschel zur Ausgestalltung sozialer Szenarien verwendet. Vielfach spielen dabei Technik und Wissenschaft eine tragende Rolle, immer jedoch auf dem Hintergrund eines zutiefst positiven Menschenbildes welches genau dieses Mensch-Sein als Kern der Stärken einer räumlich und zeitlich expandierenden Menschheit versteht. („»Ach, Junge«, sagte Hirosh seufzend, »unsere Mittel reichen weder aus, die Vermutung zu beweisen, noch, sie zu widerlegen. Sie ist bloß gegenwärtig grade mal nicht in Mode. Lebe noch ein bißchen länger, und du merkst, in der Wissenschaft gibt es auch Moden. Hat es schon immer gegeben.«“ (S.125)). Faszinierend ist auch auf diesem Hintergrund die Herausarbeitung gruppendynamischer Aspekte die nie konstruiert wirken, sondern sich organisch aus dem stimmigen Agieren der Protagonisten ergeben, dabei aber stets auch für den Leser nachvollziehbar bleiben. (Beispielhaft sei hier die Ablöse in der Leitungsfunktion der Expedition erwähnt.)



  20. Cover des Buches Mein Jahr als Mörder (ISBN: 9783499239328)
    Friedrich Christian Delius

    Mein Jahr als Mörder

     (14)
    Aktuelle Rezension von: Bouggo
    Packt Dich nicht auch manchmal die Wut, wenn Du von Schweinereien erfährst, die Menschen Menschen antun? Hast Du nicht auch schon einmal davon geträumt, einen, wenigstens einen dieser Übeltäter zu beseitigen?
    Dann liegst Du mit Delius auf einer Wellenlänge. Dann packt auch Dich die Mordlust am "Richter" des "Volksgerichtshofs" (Anführungsstriche, weil das Verbrecher in einer Verbrecherorganisation waren), der Georg Groscurth zum Tode verurteilte. Du willst auch gleich den Henker und seine Gehilfen mit ins Jenseits befördern und die Sachbearbeiter des Berliner Senats, die seiner Frau ein paar Jahre später die Witwen- und seinen Kindern die Waisenrente streichen, gleich mit.
    Die Lektüre des Buches bringt Dich dem Widerstandskämpfer und seinem Kreis, der "Europäischen Union, EU" (welche Weitsicht!) näher und den Verhältnissen der hysterischen Nachkriegszeit mit ihrem vorherrschenden Antikommunismus, oft getragen und geschürt von Leuten, einschließlich Juristen, die mit den Nazis ihr Süppchen gekocht hatten.
    Du liest das Buch wie einen spannenden Krimi - gehst immer wieder ins Internet und stellst fest: Alles ist wahr.
    Alles vielleicht nicht. So sei dahingestellt, ob der Ich-Erzähler wirklich den Ex-"Richter" Hans-Joachim Rehse observiert hat zum Zwecke des geplanten Attentats und ob seine Freundin auf einer Mexiko-Reise wirklich umkam. Diese Details könnten zusätzliche Pfefferkörner sein in diesem literarischen Gericht (durchaus doppeldeutig gemeint). Sie tragen jedenfalls dazu bei, dass diese Kost während der Einverleibung den Appetit noch steigert. Man kann (ich konnte) das Buch nicht weglegen. Doch es sind schwere Brocken eingearbeitet.

    Am Schluss mordet man nicht - aber man könnte sich übergeben.
  21. Cover des Buches Der Preis der Freiheit (ISBN: 9783499631764)
    Volker G. Heinz

    Der Preis der Freiheit

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Wedma

    Klappentext fasst den Inhalt prima zusammen: „Berlin 1966. Seit fünf Jahren teilt eine Mauer die Stadt, die unzählige Familien und Paare getrennt hat. Der westdeutsche Jura-Student Volker G. Heinz möchte helfen, diese Menschen wieder zusammen zu bringen und sucht mit einer Gruppe von Fluchthelfern fieberhaft nach Wegen von Ost nach West. Die Suche endet am Checkpoint Charlie, dem bestbewachten Grenzübergang des Kalten Krieges. Über sechzig DDR-Bürgern verhelfen sie erfolgreich zur Flucht, versteckt im Kofferraum eines Diplomatenautos. Doch dann kommt ihnen die Stasi auf die Schliche, Volker Heinz wird verhaftet und monatelang im Untersuchungsgefängnis in Hohenschönhausen verhört. Derweil nimmt der politische Tauschhandel mit Gefangenen zwischen Bonn und Ost-Berlin Fahrt auf. Es kommt zu einem spektakulären Coup: Heinz wird gegen zwei Spione freigetauscht. Ein packendes Stück erlebte Zeitgeschichte über Fluchthilfe und Gefangenenaustauch im Kalten Krieg, über Freiheitswillen und Zivilcourage.“

    Es ist ein spannender Erfahrungsbericht, der die Realien des kalten Krieges vor Augen führt. Dabei stehen der Autor selbst, Volker Heinz, der 23-Jähriger Idealist aus guter Familie, und seine Erfahrungen „im Freiheitsgeschäft“ im Vordergrund.

    Man erlebt die geschilderten Geschehnisse hautnah mit, u.a. wie die Fluchtwillige über die Grenze aus der DDR transportiert wurden. Man trifft auch den Kopf der Gruppe, Wolfgang Fuchs, der das Ganze organisiert und nicht gerade wenig Geld für die Überführungsdiente kassiert hat. Man erfährt auch, welche Vorbereitungen zuvor getätigt wurden, wie die Organisation funktionierte, etc. Und: dass hinter diesen Aktionen die US Geheimdienste steckten.

    Aber das war dem Autor damals nicht bekannt. Mit seinen 23 Jahren hatte er Handlungsmaximen, die u.a. auf dem Glauben beruhten: Die USA und ihre Ideologie sind „die Guten“, die Sowjets „die Bösen“.  Er sah sich vielmehr als einen Helden, wie übrigens auch seine Mutter, der etwas Gutes tat, wohl kaum als eine unmündige Ausführungskraft im Spiel der Mächtigen.

    Heinz wollte den  Menschen helfen, die aus der DDR wegwollten. Er tat alles unentgeltlich: All die Gefahren, die Ängste, die er auch sehr anschaulich beschreibt, all den Stress, parallel zu seinem Jurastudium, dem er dann doch nicht nachkommen konnte, auf sich genommen, nur weil er helfen wollte.

    Als er dann im Knast in der DDR landete, war es dann nicht mehr so abenteuerlich und er musste die Realien des Lebens von einer ganz anderen Seite kennenlernen. „Die Monotonie, die Sinnentleerheit eines solchen Daseins, die fehlende Orientierung und die mangelnde freie Sicht nach draußen – all das begann mich zu zermürben. Es gab keine Musik, anfangs auch kein Buch, nichts, was unser Leben annehmbarer gestaltet hätte.“S. 136.  Seine Gedanken über den Aufenthalt dort, über die Verhöre, etc. sind eine Bereicherung und lassen einen das Ganze zum Greifen nah miterleben.

    Auch unter diesen Umständen benimmt sich Volker Heinz heldenhaft und versucht, sich sinnvoll zu beschäftigen. Er lernt Russisch. Währenddessen versucht seine Familie, ihn frei zu bekommen.

    Die Infos zum Tausch der Spione, die Haltung von CDU/CSU zur Ostpolitik, wie auch „das Geschäft mit der Freiheit“ insg., z.B. wie viel Geld geflossen war, was die Bundesregierung gezahlt hat, um die politischen Häftlinge zu befreien, sowie die Geschichte um Jürgen Vogel, der hart daran gearbeitet hat, den jungen Heinz frei zu bekommen, sind wahre Zeugen der damaligen Zeit. Sehr spannend. Auch die Reflexionen des Autors aus heutiger Sicht über das, was er getan und warum er es  getan hat. Seine veränderte  Sicht auf W. Fuchs, als sie sich nach Heinz‘ Knastaufenthalt mal getroffen hatten, uvm.

    Fazit: Ein sehr lesenswertes Buch. Gekonnt, leichtfüßig, sehr anschaulich erzählt, liest sich wunderbar. Der Stoff an sich ist aber keine leichte Kost. Der Begriff Flüchtlinge bekommt hier eine ganz andere Bedeutung als heute üblich. Wer sich für das Thema interessiert, ist hier genau richtig. 5 wohl verdiente Sterne und eine klare Leseempfehlung!

     

  22. Cover des Buches Der Wassermann (ISBN: 9783776682205)
    Sandra Prechtel

    Der Wassermann

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  23. Cover des Buches Karin. Glück ohne Ende. (ISBN: 9781490462110)
    Rainer Schneider

    Karin. Glück ohne Ende.

     (14)
    Aktuelle Rezension von: Babajaga

    Das Buch: 

    Es handelt sich hier um den 2. Teil der großartigen Lebenswege-Reihe von Rainer Schneider. Er kann unabhängig von allen anderen Teilen gelesen werden, da die Geschichte in sich abgeschlossen ist. Zu seinem Vorgänger „Anna. Sehnsucht.“ brauchte ich zunächst ein Lesepause, weil einem diese Geschichten wirklich ans Herz gehen und man einige Zeit braucht um aus ihnen wieder aufzutauchen und sich auf eine andere Geschichte dieser Art einlassen zu können. 

    Worum geht’s?

    Die 16jährige Karin beginnt 1984 in Ostberlin eine Lehre als Schuhfacharbeiterin. Sehr bald bemerkt sie, dass sie gar nichts an diesem Beruf interessiert. Vielmehr macht sie sich Gedanken darüber, wie sie die nächsten 40 Jahre bis zur Rente überstehen soll, wenn sie Tag ein Tag aus Schuhe nähen und kleben soll, die ihr noch nicht einmal gefallen. Während sie sich über ihre Zukunft Gedanken macht, verplant ihr Freund Hartmut gemeinsam mit seinen Eltern bereits eben diese Zukunft ohne je danach zu fragen, was Karin eigentlich will. Dann trifft Karin Martin – den Schnösel, den Diplomatensohn. Mit der Beziehung zu ihm glaubt sie den Schlüssel für alles in den Händen zu halten. Sie wird lebendig, hat plötzlich Pläne, aber immer wieder scheitert sie und steht am Ende mit nichts und einem Kind da, dessen Vater sie nie wiedersieht und dem sie irgendwie eine Zukunft schaffen will. 

    Die Stimmung:

    Einmal mehr denke ich, dass niemand es so wie Rainer Schneider schafft, die Farbe Grau zu beschreiben ohne das Wort grau jemals zu verwenden. Bereits auf den ersten Seiten skizziert er die Umstände in denen Karin groß geworden ist und in denen sie jetzt lebt so präzise, dass ich mir ihren Umgang und ihr Leben sehr gut vorstellen kann. Besonders treffend fand ich die Passage darüber, dass sich doch der Staat um alles kümmert und wie grausam es auf Karin herein prasselt, als ihr die Lügen bewusst werden. Sie trinkt bereits sehr früh viel Alkohol, raucht und ist schon mit 16 so voller Hoffnungslosigkeit. Beim Lesen baut sich vor meinem inneren Auge ein ziemlich genaues Bild auf. 

    Ebenso geht es mir bei den Szenen in Marzahn. Hierzu habe ich einen noch deutlicheren Bezug, da ich die Wohnungen kenne. Ich hatte Bekannte, die in solch spartanisch eingerichteten Wohnungen lebten und nur allzu gut kann ich mir Karin vorstellen, die davon träumte, in einer gemütlichen Wohnung zu  leben und eine kleine Familie zu haben, die sich dann aber einmal mehr unterordnet, sich an Martin anpasst und wieder enttäuscht ist. Der Grauschleier über ihrem Leben will sich einfach nicht heben. 

    Die Charaktere:

    Zitat S. 70: Karin versuchte sich zu erinnern, aber bisher hatte sie eigentlich nie etwas getan, weil sie es wollte. Sie ließ sich immer irgendwo hinstellen.

    Genau dieser Satz beschreibt Karins Leben sehr treffend, wie ich finde. Bis zum Schluss der Geschichte ist sie auf der Suche nach ihrer eigenen Identität. Es gibt nur wenige Momente, in denen sie tatsächlich selbst aktiv wird, weil sie etwas will. Und wann immer so ein Moment passiert, scheitert sie. Bisweilen habe ich das auf eine gewisse Naivität geschoben. Sie hatte sich z.B. in den Kopf gesetzt zur Schauspielschule zu gehen. Dass dies schief gehen musste, war irgendwie offensichtlich – oder habe ich es einfach schon nicht mehr erwartet, dass ihr etwas glücken könnte? Es war eine Idee aus einer Laune heraus geboren, es war wie ein Strohfeuer. Das war der Grund, warum ich nicht erwartet hatte, dass sie hier Erfolg haben könnte. 

    Dass man das Abitur in der DDR auf der Volkshochschule nachmachen konnte, wusste ich allerdings nicht; auch nicht, dass dafür der Betrieb zustimmen musste. Diese Idee Karins gefiel mir nämlich gut, es hätte zu ihr gepasst, da sie sich in der Ausbildung ständig unterfordert fühlte und glaubte, dass sie mit dem Abi bessere Chancen haben würde. Dass die Ablehnung des Betriebes prompt kam, war hingegen (mal wieder) zu erwarten. In der Erklärung fand ich mich selbst wieder. Auch mein Bewerbungszeugnis war schlechter als alle anderen davor und danach… Insofern habe ich mit Karin gelitten und das obwohl mir Karin nicht besonders sympathisch ist. Ich habe sie als roh und ungebildet wahrgenommen, als jemanden, den ich mir nicht unbedingt als Freundin ausgesucht hätte. Nachdem ich länger über das Buch nachgedacht habe, stelle ich mir jedoch die Frage, wie wäre ich geworden, wenn ich so ein Elternhaus gehabt hätte?

    Absolut unverständlich ist es mir jedoch, dass sich Karin nie wirklich von Martin und Hartmut losgesagt hat. Nach dem Mauerfall hat sie Möglichkeiten zur Weiterbildung, die sie nutzt, sie hat gute Jobs und dennoch versperrt ihr ihre Erziehung, ihre Konditionierung offenbar den Weg. Statt sich ihr eigenes Leben mit ihrer Tochter aufzubauen, offen zu sein für Neues, ist sie immer noch in ihrer Vergangenheit gefangen. In einer Szene wird deutlich, wie sehr das System DDR sie beeinflusst hat. Sie traute sich nicht den Kopierer zu benutzen, weil es ihr niemand erlaubt hatte. 

    Hartmut mag ich nicht! Er ist überheblich. Er hält nicht viel von den Fabrikarbeitern – wohin Karin ja auch gehört – weil er mal in seiner eigenen Werkstatt arbeiten wird. Zudem scheint er Karin überhaupt nicht für voll zu nehmen. Sie hat gefälligst dankbar zu sein. Behandeln tut er sie Zitat S. 69/70 "... wie Geschirr, das man benutzt und zurück in die Schrankwand stellt." Dass Karin sich bei ihm unwohl fühlt, kann ich verstehen. Und dennoch hat sie Angst vor dem Alleinsein. Deshalb bleibt sie – zumindest bis sie Martin trifft. Aber auch später verschwindet Hartmut nie ganz aus ihrem Leben und als er ohne Arbeit dasteht, leben sie sogar zusammen. Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Was hat sie dazu bewogen? 

    Martin macht von Anfang an einen zwielichtigen Eindruck auf mich. Er ist aalglatt und selbstgefällig, stets auf seinen Vorteil bedacht – jedenfalls nehme ich ihn so wahr. Bedingt durch sein Elternhaus weiß er vielleicht vieles von dem Karin gar keine Ahnung hat; er hat immer diesen Hauch Unehrlichkeit an sich. Ausgerechnet Martins Vater besorgt Karin die Arbeit in der Bibliothek zum Preis, dass sie ihre Kollegen aushorchen soll. Sie tut es – nur um nicht länger in der Schuhfabrik arbeiten zu müssen. In gewisser Weise kann ich sie verstehen – insbesondere wenn ich mir den schrecklichen Heinig vorstelle. Karin ist davon überzeugt, dass sie dies für ihre Zukunft tut. In diesem Zusammenhang bin ich absolut ambivalent. Einerseits habe ich Verständnis für Karin, andererseits finde ich es ganz furchtbar, dass sie nur des eigenen Vorteils wegen, andere möglicherweise ans Messer liefert. 

    Als Martin die Flucht aus der DDR gelingt und Karin zurück bleibt, dachte ich: das passt. Es ist irgendwie typisch für Karins Leben. Und gerade deshalb verstehe ich es nicht, dass sie 20 Jahre später immer noch nach diesem Mann sucht, sich dafür sogar unter Wert verkaufen würde.

    Schreibstil: 

    In diesem Teil erzählt Rainer Schneider auf zwei Zeitebenen. Einerseits wird die Vergangenheit in der DDR erzählt, andererseits eine kurze Zeit 2008 in Hamburg. Karin ist zu einem Assessment Center hier, weil sie sich als Reiseleiterin beworben hat. Es gelingt ihm wundervoll darzustellen, dass sich die grundlegenden Eigenschaften Karins nicht verändert haben. Nach wie vor glaubt sie nicht an sich, weiß sie nicht, wer sie ist und was sie will und immer noch jagt sie ihrem Traum von einer Familie mit Martin hinterher. 

    Mit Formulierungen, die Bilder im Kopf entstehen lassen, beschreibt Rainer Schneider die Situationen im gestern und heute so gekonnt, dass man sich vorstellen kann, man stünde in eben dieser Situation neben den Protagonisten. Auf diese Art und Weise gelingt es ihm einmal mehr den Leser tief in seine Geschichte hinein zu ziehen, ihm klar zu machen, dass die DDR keineswegs nur aus der Stasi und der Mauer bestand. Selbst ein kleines Rädchen wie Karin wurde so massiv beeinflusst, dass dies ihr Leben auch weit nach dem Mauerfall noch beeinträchtigt. 

    Was mir besonders gefällt und mich zum Schmunzeln bringt, ist die Tatsache, dass Karin die Mädchen an der Schönhauser Allee sieht, die Mode und Schmuck verkaufen. Dass sie glaubt, dass diese Mädchen es geschafft hätten und ihnen niemand mehr reinreden würde, macht mich jedoch wieder nachdenklich. Anna und Karin hätten sich kennen können. Zwar unterscheiden sich ihre Schicksale aber dennoch ähneln sie sich so sehr. 

    Fazit: 

    Rainer Schneider zeigt hier einen neuen Lebensweg. Mit brillanten Worten und exzellenten Formulierungen beschwört er die DDR vor dem inneren Auge des Lesers herauf und es fällt schwer sich dem zu entziehen. Ein Buch, das nachdenklich macht, das Erinnerungen zurück bringt. Absolut lesenswert. 5 von 5 Sternen.

    Danke Rainer!

  24. Cover des Buches Auf Sendung (ISBN: 9783954002221)
    Beate Baum

    Auf Sendung

     (15)
    Aktuelle Rezension von: dorli
    Erfurt 1991. Kirsten Bertram und ihr Exfreund Andreas Rönn sind Kollegen beim Erfurter Tageskurier. Andreas hat schon seit einigen Wochen den Privatsender PLT im Visier und recherchiert das Verschwinden zweier junger Frauen. Die Siegerinnen einer recht freizügigen Fernsehshow sind von ihrem gewonnenen Marokko-Urlaub nicht zurückgekehrt. Als Andreas zu einem vereinbarten Termin mit dem Verantwortlichen der Sendung erscheint, liegt dieser ermordet neben seinem Schreibtisch. Andreas gerät unter Tatverdacht und Kirsten macht sich eifrig daran, Andreas aus diesem Schlamassel herauszuhelfen. Hierzu baut sie auf die Hilfe ihres neuen Freundes, des Privatdetektivs Dale Ingram…

    In „Auf Sendung“ nimmt Beate Baum den Leser mit auf eine Reise ins Erfurt des Jahres 1991 – und damit in spannende und turbulente Zeit, die von Umschwung und Neuerungen geprägt war. Es gelingt der Autorin ausgezeichnet, die Stimmung kurz nach dem Fall der Mauer zu vermitteln. Auch die ausführlichen Beschreibungen des damaligen Erfurts haben mich durchweg begeistert.
    Zwischen sanierungsbedürftigen Plattenbauten und einer kleinen, sich im Aufbau befindlichen Zeitungsredaktion bemüht sich das Ermittlertrio Licht in das Dunkel um die Ermordung von Manfred Haffmann zu bringen. Die eigentliche Spurensuche wird dabei leider sehr oft von der launenhaften Dreiecksbeziehung der Hauptfiguren in den Hintergrund gedrängt. Da es sich bei „Auf Sendung“ aber um die Vorgeschichte zu mehreren bereits erschienenen Dresden-Krimis mit Kirsten, Andreas und Dale als Ermittler handelt, ist der Fokus auf das Kennenlernen und das Miteinander der drei nachvollziehbar.
    Die Krimihandlung endet sehr undurchsichtig und auch die verschwundenen Mädchen werden nur noch beiläufig erwähnt. Hier hätte ich mir einen deutlicheren Schlussstrich gewünscht.

    Unbedingt erwähnenswert ist das Cover. Es ist den Covergestaltern des Sutton Verlags wieder einmal gelungen, mit ganz einfachen Mitteln ein ausdrucksstarkes und zum Inhalt passendes Cover zu entwerfen. Die abgebildete Schwingungskurve symbolisiert nicht nur das Auf und Ab der Handlung, sondern stellt mit den Umrissen der Turmspitzen von Dom und Severikirche auch einen Bezug zu Erfurt dar.

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