Bücher mit dem Tag "deutsche geschichte"
198 Bücher
- Ken Follett
Sturz der Titanen
(1.305)Aktuelle Rezension von: shrimpdumplingIch fand den Prolog so dermaßen toll, dass ich einfach nicht aufhören konnte zu lesen. Er hat mich direkt in die Geschichte gezogen und dafür gesorgt, dass ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht.
Am meisten geliebt habe ich, wie verstrickt die Charaktere und ihre Geschichten miteinander sind. Obwohl es so viele verschiedene Figuren gibt, hatte ich nie Probleme, den Überblick zu behalten. Im Gegenteil: Ich fand es unglaublich spannend zu sehen, wie sich ihre Wege immer wieder kreuzen und wie ihre Schicksale miteinander verbunden sind.
Mein Lieblingscharakter war definitiv Billy. Seine Geschichte hat mich am meisten interessiert und ich habe mich immer besonders auf seine Kapitel gefreut.
Außerdem fand ich es faszinierend, historische Ereignisse durch die Augen so vieler unterschiedlicher Menschen zu erleben. Dadurch wirkte die Geschichte lebendig und nie wie trockener Geschichtsunterricht.
Der einzige Punkt, der mich manchmal etwas ausgebremst hat, waren die sehr detaillierten Beschreibungen einiger Kriegsszenen. Diese Passagen waren mir stellenweise etwas zu lang, sodass ich eher darüber geflogen bin, weil mich die Figuren und ihre persönlichen Geschichten deutlich mehr interessiert haben.
Insgesamt hat mir das Buch aber unglaublich gut gefallen. Die Mischung aus Geschichte, Politik, Krieg und den miteinander verwobenen Lebensgeschichten der Charaktere hat mich komplett überzeugt, und ich freue mich schon darauf, die weiteren Bände der Reihe zu lesen.
- Susanne Abel
Stay away from Gretchen
(617)Aktuelle Rezension von: Japanophilie„Stay away from Gretchen – Eine unmögliche Liebe“ von Susanne Abel erzählt die Geschichte des Fernsehmoderators Tom Monderath, dessen Mutter Greta an Demenz erkrankt. Während Tom sich zunehmend um sie kümmern muss, kommen verdrängte Erinnerungen aus ihrer Vergangenheit ans Licht.
In Rückblicken erfährt man von Gretas Jugend in der Nachkriegszeit. Sie verliebt sich in den afroamerikanischen US-Soldaten Bob, doch ihre Beziehung stößt auf Rassismus, gesellschaftliche Ablehnung und politische Grenzen. Für Greta hat diese Liebe schwere Folgen, die ihr weiteres Leben prägen und lange verschwiegen bleiben.
Gelesen habe ich „Stay away from Gretchen – Eine unmögliche Liebe“ eigentlich nur, weil sich der Titel auf dem Kindle meiner besten Freundin befand, den sie mir ausgeliehen hat. Schon der Titel sprach mich zunächst nicht besonders an, weil er für mich nach einer eher klassischen Liebesgeschichte klang. Doch dann gab ich mir einen Ruck – und ich bin sehr froh, dass ich den Roman gelesen habe.
In dieser Geschichte laufen zwei traurige und berührende Zeitebenen nebeneinander. In der Gegenwart ist Greta eine ältere Dame, die langsam an Demenz erkrankt. Durch ihre Gedanken und ihr Verhalten merkt man, wie sie zunehmend abbaut. Während ihr Kurzzeitgedächtnis immer schwächer wird und sie sich teilweise kindlicher verhält, vor allem beim Essen, sind die Erinnerungen an ihre Jugend noch sehr lebendig und detailliert. Gleichzeitig kann sie diese Erinnerungen nicht mehr richtig mit den aktuellen Ereignissen verbinden.
Ihr Sohn Tom ist ein bekannter Journalist und Nachrichtenmoderator. Durch seinen beruflichen Stress und die Erkrankung seiner Mutter gerät er immer stärker unter Druck. Er möchte seine Arbeit perfekt erledigen, muss aber gleichzeitig auf Greta achten, die immer unberechenbarer wird. Nach kurzer Zeit merkt er, dass er beide Aufgaben nicht allein bewältigen kann und auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen ist. Tom wirkt dabei nicht immer sympathisch, da er meiner Meinung nach häufig unfreundlich reagiert und auch seine Kolleginnen und Kollegen anschreit. Gerade dadurch erscheint er aber auch menschlich und überfordert.
Gretas Vergangenheit ist auf eine ganz andere Weise emotional. Hier geht es um Kriegsflüchtlinge, die alles verlieren, um eine zerrissene Familie und um eine Liebe, die in dieser Zeit nicht sein darf. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber Greta erlebt grausame Dinge, die sie ihr Leben lang begleiten und auch einen Schatten auf die Beziehung zu ihrem Sohn werfen.
Susanne Abel beschreibt die dramatischen Szenen packend und emotional, ohne sich in zu verschnörkelten Beschreibungen zu verlieren. Sie verwandelt ihre Figuren nicht in Heldinnen und Helden. Es sind Menschen, die Fehler machen, falsche Entscheidungen treffen und trotzdem versuchen, ihr Glück zu finden. Genau dadurch wurden die Charaktere für mich glaubwürdig und menschlich.
Während des Lesens kamen mir oft die Tränen. Die beiden Zeitebenen haben mich auf unterschiedliche Weise sehr berührt, und das Ende ist voller Hoffnung und einfach wunderbar. Jedes Buch, das mich ehrlich zu Tränen rührt, bekommt von mir fünf Sterne, wenn auch der weitere Rahmen passt.
Ich empfehle „Stay away from Gretchen – Eine unmögliche Liebe“ allen Leserinnen und Lesern, die emotionale Familiengeschichten mögen und sich für Romane interessieren, die persönliche Schicksale mit historischen Themen verbinden. Wer eine leichte, reine Liebesgeschichte erwartet, wird hier vielleicht überrascht sein. Wer aber eine berührende, ernste und trotzdem hoffnungsvolle Geschichte lesen möchte, sollte diesem Buch unbedingt eine Chance geben.
Mein Fazit: „Stay away from Gretchen – Eine unmögliche Liebe“ ist keine kitschige Liebesgeschichte, sondern eine Erzählung von Krieg, Verlust und tiefem Schmerz – aber auch von Liebe, Erinnerung und Hoffnung. Mich hat das Buch emotional vollkommen erreicht und lange beschäftigt. Deshalb ist es für mich eine klare Leseempfehlung und verdient 5 von 5 Sternen.
- Dörte Hansen
Altes Land
(763)Aktuelle Rezension von: Renate1964Ein Buch, welches sich mit vielen Fragen auseinandersetzt. Eine Hauptfigur ist Vera,ein ehemaliges Flüchtlingskind.Ihre Mutter war aus Ostpreußen vertrieben auf einem Hof im alten Land gestrandet,hatte den kriegsversehrten Hoferben geheiratet und für einen anderen verlassen. Bei der nun alten Vera zieht nach einer unglücklichen Liebe die Nichte Anne mit Sohn Leon ein. Neben der berührenden Familiengeschichte gibt es Städter mit idyllischen Vorstellungen, Generationskonflikte und viel mehr. Es ist sehr ironisch und realistisch, aber auch zum Nachdenken
- Rebecca Gablé
Das Haupt der Welt
(342)Aktuelle Rezension von: anilaMir hat das Buch insgesamt gut gefallen. Tugomir ist ein spannender Protagonist und ich habe seine Abenteuer gerne und mit Spannung verfolgt. Auch die anderen Charaktere haben mir in ihrer Ausarbeitung gut gefallen.
Das einzige, was ich etwas schade fand, dass die Geschichte hier und da etwas vor sich hinplätschert und wiederholt und nicht so richtig voran geht. Besonders am Ende habe ich Seiten übersprungen.
- Stefan Aust
Der Baader-Meinhof-Komplex
(312)Aktuelle Rezension von: Igel_IsidorEine ausgesprochen spannend geschriebene Übersicht zu Entstehung, Wirken und Untergang der RAF. In der aktualisierten Ausgabe werden dem Leser die Inhalte und Personen durch einige Bilder zusätzlich näher gebracht. Die hohe Seitenzahl wirkte zunächst abschreckend auf mich, mit Ausnahme von ein bis zwei Passagen hatte das Buch aber keinerlei Längen für mich, ich blieb durchweg gebannt. Für mich ist es diese Mischung aus anfänglicher Solidarität, Betroffenheit und fortschreitend ansteigender Abscheu und Entsetzen, welche die Faszination der Geschichte der RAF auf mich ausübt. Besonders interessant ist auch der regelmäßige Blick hinter die Kulissen der politischen Bühne, Situationen werden vielschichtig und aus unterschiedlichen Perspektiven beschrieben, sodass der Leser einen umfangreichen Einblick in die damalige Zeit und verschiedene Köpfe erhält. Ein wirklich großartiges Buch!
- Jussi Adler-Olsen
Das Alphabethaus
(560)Aktuelle Rezension von: Catarina90„Das Alphabethaus“ von Jussi Adler-Olsen erzählt die Geschichte zweier britischer Piloten, die sich im Zweiten Weltkrieg als SS-Offiziere ausgeben und in einer Nervenheilanstalt untertauchen. Die Grundidee ist stark und gut recherchiert, besonders der erste Teil im Krieg bietet spannende Ansätze. Allerdings wirkt die Handlung stellenweise konstruiert, langatmig und nicht immer ganz plausibel – vor allem im späteren Teil, der Jahrzehnte danach spielt. Man merkt, dass es sich um ein Frühwerk handelt: interessant, aber erzählerisch noch nicht auf dem Niveau der späteren Thriller. Insgesamt lesbar, aber eher Durchschnitt – daher 3 von 5 Sternen.
- Charlotte Link
Sturmzeit
(434)Aktuelle Rezension von: AnneSusanneEingewoben in die Irrungen und Wirrungen der deutschen Geschichte Anfang des 20. Jahrhunderts hangelt sich Charlotte Link mit ihrer Protagonistin Felicia gewohnt stilsicher durch Ostpreußen, Berlin, München, St Petersburg und wieder zurück. Die Saga ist packend erzählt, aller paar Seiten prasseln Tod, Drama, Hass und Liebe auf einen ein - es wird dem Leser etwas schwindlig mit den vielen Namen, Orten und Wendungen. In Deutschland und Europa passiert viel, und so auch in Felicias Leben und Familie. Der Roman ist ein Prosa gewordenes Geschichtsbuch. Dennoch wird man mit Felicia nicht warm, sie ist doch eher schlecht als recht, das Happy End bleibt aus, am Ende bleibt ein fahler Beigeschmack. Was ist Moral oder woher kommen Überzeugungen? Sind berechnende Menschen die erfolgreicheren? Gibt es keine Liebe? Brauchen wir Familie? Charlotte Link lässt diese Fragen offen und das macht das Buch zwar zu einen sehr guten runden historischen Roman, aber gestaltet die emotionale Entwicklung ihrer Protagonisten doch ein wenig schwach und gegen Ende mit heißer Nadel gestrickt.
Für alle mit Sinn für große Familiendramen vor historischer Kulisse, ohne Zwang zu Happy End, dennoch zu empfehlen.
- Gudrun Pausewang
Die Wolke
(955)Aktuelle Rezension von: Perse- Details:
Ausgabe: Taschenbuch
Erscheinungsjahr: 1987
Altersempfehlung: ab 12 Jahren
Verlag: Ravensburger
Genre: Jugendliteratur
Seitenanzahl: 223
- Inhalt:
Was niemand wahrhaben wollte, passiert: Deutschland erlebt einen atomaren Unfall. Die 14-Jährige Janna-Berta verliert ihre Familie und ist auf sich allein gestellt.
- Wie das Buch zu mir gefunden hat:
Das Buch hat mich über ein Verschenkeregal gefunden. Ich habe damals den Film im Schulunterricht gesehen und wollte schon immer das Buch dazu gelesen haben, jetzt habe ich es endlich getan...
- Meinung:
Das Thema dieses Buches ist unheimlich intensiv. Gudrun Pausewang erzählt die Geschichte klar, hart und absolut authentisch. Beim Lesen trifft einen der ungeschönte Realismus dieser Welt mit voller Wucht. Das Buch zeigt schmerzhaft, dass in unserer Gesellschaft und Politik eben nicht immer alles "Friede, Freude, Eierkuchen" ist.
- Fazit:
Zu Recht den Jugendliteraturpreis 1988 gewonnen. Dieses Werk gehört für mich zur Pflichtlektüre!
- Empfehlung:
Für alle, die qualitativ hochwertige Jugendliteratur suchen und/oder Fans von Gudrun Pausewang sind.
Eine Kauf- und Leseempfehlung von mir!
- Tipp:
Schaut euch den gleichnamigen Film von 2006 an.
- Lieblingszitate:
"Kein Ton von den Herren, die so gerne reden."
Prolog - Seite 7
"Versagen ist menschlich. Mit Versagen nicht zu rechnen, ist verantwortungslos und unmenschlich.''
Prolog - Seite 9
"»Ruhe ist die erste Bürgerpflicht.«"
Kapitel 1 - Seite 23
"»Handeln Sie mit Verantwortungssinn!«"
Kapitel 2 - Seite 33
"Das also würde der neue Unterschied zwischen Arm und Reich sein."
Kapitel 8 - Seite 127
"»Die Leute fangen schon wieder an zu vergessen«,..."
Kapitel 10 - Seite 153
"»Menschen sind zu allem fähig«,..."
Kapitel 10 - Seite 154
- Alena Schröder
Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid
(405)Aktuelle Rezension von: DankeAnke⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️/5
Mit „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ hat Alena Schröder einen Roman geschaffen, der mich von der ersten bis zur letzten Seite vollkommen gefesselt hat.
Wir begleiten vier Frauen aus vier Generationen – und genau das hat dieses Buch für mich so besonders gemacht. Jede einzelne Geschichte hatte ihre eigene Tiefe, ihre eigenen Wunden, Hoffnungen und Entscheidungen. Ich fand es unglaublich spannend, in jede dieser Frauen eintauchen zu dürfen und mitzuerleben, wie eng ihre Schicksale miteinander verknüpft sind.
Manche Leser empfinden das Buch vielleicht als traurig oder bedrückend, doch für mich war es vor allem faszinierend. Es zeigt auf eine sehr ehrliche und menschliche Weise, wie unterschiedlich Menschen sind und wie sehr das Leben prägen – und manchmal auch verbittern – kann. Trotzdem werden die Figuren nie einfach als „böse“ dargestellt. Gerade diese Vielschichtigkeit hat mich sehr berührt.
Der Schreibstil war warm, intensiv und voller Gefühl. Ich konnte komplett in die Geschichte abtauchen und habe jede Seite genossen. Für mich ist dieser Roman absolut gelungen und ein Buch, das noch lange nachhallt.
✨ Mein Fazit:
Eine bewegende Familien- und Lebensgeschichte über Generationen hinweg, voller Emotionen, Verbindungen und menschlicher Tiefe – ein Buch, in das einzutauchen sich absolut lohnt. 😉🙂
- Eugen Ruge
Pompeji oder Die fünf Reden des Jowna
(296)Aktuelle Rezension von: Ruth
Kann man einen spannenden Roman schreiben, wenn jeder das Ende schon kennt? Ja, kann man. Eugen Ruge hat mit seinem neuesten Werk den Beweis dafür geliefert.
Allerdings hat er keinen typischen historischen Roman geschrieben, sondern aus einer in der Vergangenheit angesiedelten Geschichte eine satirische Parabel auf die Gegenwart gemacht.
„ Vergiss, lieber Leser, alles, was du jemals über Pompeji gehört hast. …Vergiss und lies. Dies ist der wahre Bericht vom Untergang Pompejis und seiner Bewohner.“ So stimmt uns der namenlose Erzähler auf das Kommende ein. Er, ein „ beschämter Überlebender“ hat alles auf achtzehn Schriftrollen festgehalten und in einer Amphore verschlossen für die Nachwelt. Allerdings hat er seine Zweifel, ob diese wohl die Zeichen deuten können und daraus etwas lernen werden.Die Handlung setzt ein einige Jahre vor dem Vulkanausbruch. Die Stadt hat sich noch nicht ganz von den Folgen des Erdbebens im Jahr 62 v.Chr. erholt.
Jowna oder Josse, wie er genannt wird, Sohn einer armen Migrantenfamilie, wächst hier auf. Er schämt sich für die Armut und Bedeutungslosigkeit seines Vaters, doch Ehrgeiz entwickelt er keinen. Stattdessen bricht er früh die Schule ab und wird Anführer von einer Bande von Herumtreibern. Bei einem zufällig gehörten Vortrag eines „ externen Referenten“ erfährt er, dass die Stadt auf vulkanischem Boden steht und dass der Vulkan durch das große Beben zum Leben erwacht sei.
Diese Gefahr ist der Anlass für Josse aufzustehen und zu seiner ersten Rede anzusetzen. Noch linkisch und keineswegs wortgewandt lässt er die anderen an seiner Erkenntnis teilhaben. Da der Berg sich wohl kaum von der Stelle bewegen wird, so sollten das die Menschen tun.
Josse wird zum Anführer einer Gruppe Gleichgesinnter, die abseits der Stadt eine neue Siedlung gründen. Es ist ein buntes Völkchen hier am „ Fenster des Meeres“. Die einen berauschen sich an Fliegenpilzsud und wildem Sex, die anderen führen endlose Diskussionen über den zukünftigen Regierungsstil, über die Abschaffung des Privatbesitzes und die Gleichbehandlung der Geschlechter, über richtiges und falsches Bewusstsein.
Doch die Aussteiger werden mit Misstrauen beobachtet von der Elite in Pompeji. Dort will man nichts von der drohenden Gefahr wissen, fürchtet Massenpanik und Abwanderung und in Folge davon den Fall der Immobilienpreise.
Da tritt Livia auf, die führende Unternehmerin der Stadt. Sie hat sich mit dem Wiederaufbau eine goldene Nase verdient und gerade die Volksthermen für einen symbolischen Preis gekauft und in Betrieb genommen. So eine lässt sich doch nicht von ein paar verrückten Apokalyptikern das Geschäft verderben.
Sie umgarnt Josse mit ihren weiblichen Reizen und den Verlockungen der Macht und schafft es so, ihn zu einer Kehrtwende zu bewegen. Plagen ihn anfangs noch Skrupel ( „ Wie kehrt man um, ohne zu wenden? Wie übt man Verrat, ohne Verräter zu sein?“) , wird Josse kurz darauf zum Vorsitzenden des Vulkanvereins. Statt Pompeji zu verlassen, gilt nun ein „ Leben mit dem Vulkan“.Der Autor scheint beim Schreiben großes Vergnügen gehabt zu haben. Er geht spielerisch mit seinem Stoff um, packt jede Menge Begriffe aus der Gegenwart in den Text und schreibt spöttisch über die verschiedenen Denkrichtungen und Ideologien. Es fallen Anachronismen wie „ Mauerspechte“ und „ blühende Landschaften“. Bei einer der Reden Josses will jemand den Satz gehört haben „ Wir schaffen das“, ein anderer „ Das Büffet ist eröffnet“. Die Aussteiger aus der Siedlung erinnern an Hippiekommunen oder an linke Gruppierungen mit ihren Grundsatzdiskussionen.
Ruge lässt alle Gesellschaftsschichten der damaligen Zeit auftreten und alle bekommen ihr Fett ab. Der Neureiche, der sich vom freigelassenen Sklaven zum Bauunternehmer hochgearbeitet hat, der korrupte Politiker ebenso wie gierige Kapitalisten und bestechliche Priester. Kaum eine der Figuren entwickelt sich zum Sympathieträger, auch die Hauptfigur nicht. Ein Wendehals, der sich von der Macht verführen lässt, der sich vom Warner zum Demagogen entwickelt.
Auch historisch verbürgte Figuren treten auf, so z.B. Plinius der Ältere. Ihn zeichnet Ruge als typischen Buchgelehrten, der sein immenses Wissen nicht durch Exkursionen oder eigene Forschungen gewonnen hat, sondern durch das Studium anderer Bücher. Plinius ist mittlerweile eine Karrikatur seiner selbst, fett, unbeweglich und leicht senil. Und auch er glaubt nicht an einen drohenden Vulkanausbruch. Tragisch, dass er später dabei selbst zu Tode kommt.
Besonderes Vergnügen machte mir das Kapitel, in dem Josse Unterricht bekommt in Rhetorik. Hier lernt er alles, was eine gelungene Politikerrede ausmacht. Wie schafft man Vertrauen und welche Bedeutung haben leere Versprechen ? Wie kann man Versäumnisse als Verdienst ausgeben ? Nutze die verbindende Kraft von Feindbildern! Und manches mehr.
Bei all dem Gegenwartsbezug merkt man dem Roman aber auch die intensive Recherchearbeit des Autors an, denn der Leser erfährt viel Wissenswertes über das Leben in jener Zeit.
Doch mich hat beim Lesen weniger die historische Komponente interessiert, sondern seine aktuelle Fragestellung. Wie gehen Menschen mit zukünftigen Bedrohungen um? Sind sie bereit, darauf angemessen zu reagieren oder ignorieren sie die Warnzeichen oder leugnen sie gar?
Viele Szenen weisen einen hohen Wiedererkennungseffekt auf und man fragt sich, was der Vulkanausbruch unserer Zeit ist. Für mich ist das eindeutig der Klimawandel, aber auch bei der Corona-Pandemie gab es die gleichen Verhaltensmuster.
Auch wenn manche Rezensenten Parallelen zwischen der Hauptfigur Josse und Joschka Fischer ( ähnlicher Vorname, der Vater von beiden war Metzger) zu erkennen glauben, so hat Ruge meiner Ansicht nach keinen Schlüsselroman geschrieben. Vielmehr ging es ihm um allgemeine Tendenzen und Entwicklungen in Gesellschaft und Politik.
Eugen Ruge, studierter Mathematiker und Erdbebenforscher, debütierte 2011 mit seiner ( eigenen) Familiengeschichte „ In Zeiten des abnehmenden Lichts“, für das er den Deutschen Buchpreis erhielt. So große Ehre wird seinem neuesten Werk nicht zuteil werden, doch ihm ist mit „ Pompeji“ ein zwar vergnüglich zu lesender, doch nachdenklich stimmender Roman gelungen.
- Charlotte Roth
Als wir unsterblich waren
(243)Aktuelle Rezension von: Amber76Ein beeindruckender historischer Roman, in dem die wechselvolle Geschichte der deutschen Sozialdemokratie mit wichtigen, um nicht zu sagen den Kern ihrer Identität berührenden Konflikten wie beispielsweise ihrer Haltung in der Abstimmung zu den Kriegskrediten im ersten Weltkrieg an zwei Hauptfiguren erzählt wird, die ebenso sehr miteinander wie mit ihrer Überzeugung ringen. Man könnte sagen, die Bruchlinie zwischen verschiedenen Parteiflügeln zieht sich in einer Zeit, in der das mehr als nur hitzige Auseinandersetzungen in Familien- oder Freundeskreis bedeutet, mitten durch eine Liebe. Man sieht und erlebt, wie in einer Zeit, in der der Glaube vorherrschte, dass der Mensch dem Lauf der Geschichte seinen Stempel aufzudrücken hat, die Geschichte den Menschen überrollt.
Der Roman ist sehr gut recherchiert und informativ aufgebaut. Indem ganze historische Diskurskomplexe an zwei Hauptfiguren gebunden werden, wird die Möglichkeit eröffnet, das zugrundeliegende Konfliktpotential rational wie emotional wahrzunehmen und sich damit auseinanderzusetzen. In manchen Teilen des Romans wirkt die Darstellung dadurch etwas vereinfacht, verkürzt . Vielleicht spielt auch der Zufall eine etwas zu bedeutende Rolle. Aber man fühlt sich trotzdem ebenso gut informiert wie unterhalten.
- Hanni Münzer
Honigtot
(426)Aktuelle Rezension von: Azyria_SunWorum geht’s?
Nach dem Tod ihrer Großmutter Deborah finden Felicity und ihre Mutter unter den hinterlassenen Unterlagen ein auf Hebräisch geschriebenes Tagebuch. Ein Tagebuch, das tiefe Abgründe in Deborahs Vergangenheit offenbart und aus dem Felicity und ihrer Mutter vieles klar wird.
Meine Meinung:
Der historische Roman „Honigtot“ von Hanni Münzer ist der erste Teil der Honigtot-Saga, ein Buch, das es wirklich in sich hat. Ich war sofort im Schreibstil der Autorin drin, der zwar intensiv ist, aber auch packend und lebendig.
In dem Buch lernen wir am Anfang und am Ende kurz Felicity und ihre Mutter kennen, lesen aber hauptsächlich aus dem Tagebuch von Felicitys Großmutter Deborah, welches diese in Romanform verfasst hat. Deborah ist eine eindrucksvolle Frau, die im 2. Weltkrieg als Halbjüdin viel erlebt und durchlebt hat. Auch ihre Mutter Elisabeth und ihre Freundin und Vertraute Marlene lernen wir kennen. Ebenfalls starke Frauen, die alles für ihre Familie und ihre Freunde tun. Es war mir eine unglaubliche Ehre, diese Frauen kennenlernen zu dürfen!
Zunächst begleiten wir Elisabeth ein Stück, die nach dem Verschwinden ihres Mannes Gustav eine Ehe mit einem Obersturmbannführer eingeht, um ihre halbjüdischen Kinder vor dem Tod zu retten. Danach begleiten wir Deborah selbst, wie sie durch die Wirren des Krieges kommt. Und was wir hier lesen dürfen, ist wirklich spannend und anders. Ja, Elisabeth und Deborah sind wohlhabend und besser gestellt und haben daher sicher bessere Voraussetzungen als „normale“ Menschen in dieser Zeit. Dennoch gewährt uns die Autorin hier, basierend auf teils wahren Charakteren und vielen schrecklichen Fakten, grausame Einblicke in eine Welt, von der wir sonst eher wenig lesen. Wie rettet man sich vor der Verfolgung durch die Nazis? Wie hat man versucht, zu flüchten? Sich und andere zu retten? Und wie haben die Spione agiert, kommuniziert, sich unter die Nazi-Größen gemischt? Es sind wirklich außergewöhnliche und tiefgründige Einblicke, die wir hier in einer perfekten Mischung aus Fakt und Fiktion erleben dürfen. Es ist so lebendig, grausam, kalt und immer wieder hoffnungsvoll – ein unglaublicher Roman, der wirklich tief unter die Haut geht. Es ist fesselnd, spannend, emotional und ein Buch, das mich mitgerissen hat, hinein in eine grauenhafte Zeit. Und ein Buch, das es geschafft hat, mich beim Lesen so hineinzuziehen, dass auch ich das Gefühl hatte, helfen zu müssen, fortlaufen zu müssen, spionieren zu wollen! Ein wirklich tolles Buch, das man einfach gelesen haben muss! Ein Buch, das unglaublich spannende Eindrücke gibt und noch lange zum Nachdenken anregt!
Fazit:
Mit ihrem Roman „Honigtot“ nimmt uns Hanni Münzer mit in eine grauenvolle Zeit. Wir erleben, wie Elisabeth für ihre Kinder kämpft und welche Mittel sie hier hat und einsetzt. Wie Deborah zur Spionin wird. Wir bekommen Einblicke in Folter, Verfolgung und Spionagetätigkeit und ich habe so viel Neues erfahren und miterlebt, es war einfach unglaublich! Die Mischung aus Fakt und Fiktion war genial und hat ein so lebendiges Szenario erschaffen, dass ich nicht aufhören konnte zu lesen und selbst das Gefühl hatte, mittendrin im Geschehen zu sein.
5 Sterne von mir!
- Rebecca Gablé
Die fremde Königin
(216)Aktuelle Rezension von: raschke64951 im heutigen Italien. Die verwitwete italienische Königin Adelheid ist zusammen mit ihrer Tochter gefangen. Sie soll Berengar bzw. dessen Sohn heiraten, damit dieser offiziell die italienische Krone bekommt. Doch mit Hilfe von Gaidemar, einem deutschen Panzerreiter, gelingt ihr die Flucht und bald ist sie am Hofstaat von König Otto, der sie kurz danach heiraten wird. Damit ist sie die höchste Frau im deutschen und italienischen Reich. Doch die Macht muss verteidigt werden und es steht mehr als nur ein Krieg vor der Tür.
Das Buch ist wie immer bei der Autorin Geschichte pur. Dabei beschreibt sie die Vorgänge wunderbar nachvollziehbar und man ist sofort in den Kapiteln drin und möchte einfach nur mehr lesen. Die damaligen Zeiten - auch sehr grausame - sind realistisch beschrieben und man kann zumindest ansatzweise nachvollziehen, was die Leute damals dachten und warum sie so handeln. Von mir gibt es eine Leseempfehlung
- Annette Hess
Deutsches Haus
(239)Aktuelle Rezension von: PepaleFrankfurt 1963: Eva ist Dolmetscherin. Durch einen Zufall kommt sie an eine Job als Übersetzerin für Polnisch beim Auschwitz Prozess. Unbedarft und naiv stürzt sie sich in ihre Arbeit, ohne zu ahnen was sie dort erwartet. Die Berichte der Zeugen wie Juden ermordet, gedemütigt, gefoltert wurden, setzen Eva schwer zu. Evas Eltern hatten ihr abgeraten diesen Job zu übernehmen. Am Ende sind ihre Eltern in das ganze Geschehen verknüpft und die Familie zerstört.
Mit ihrem Verlobten führt sie eine typische Beziehung, wie es in den 1960er Jahren verbreitet war, sie ordnet sich ihm unter. Das Gesellschaftliche Rollenbild sah es so vor, sonst galten Frauen als „unweiblich“.
Annegret, die ältere Schwester von Eva, leidet unter dem Helden-Syndrom (Profilneurose). Als Säuglingsschwester infiziert sie Babys mit Bakterien um sie hinterher wieder gesund zu pflegen und dafür Lob und Geschenke zu bekommen.
Die Autorin hat gut recherchiert.
Der Schreibstil ist leicht und flüssig. Die Geschichte ist fesselnd und bewegend. Die Protagonisten sind gut beschrieben und entwickeln sich weiter.
Es handelt sich um eine gelungene Geschichte.
- Zsuzsa Bánk
Der Schwimmer
(171)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderKata und Isti sind Kinder und sie sind verlassen. Während die Panzer durch Ungar rollen, flieht die Mutter und sie bleiben zurück mit dem Vater. Das Leben im Jahr 1956 ist schwer und während der Vater immer mehr abdriftet, entwerfen die Kinder ihre eigene Welt. Sie leben und erleben und sie tauchen ab. Sie schwimmen hinaus und tauchen ab und Isti liebt es und er tut dies nicht nur im Wasser, nein, er taucht auch in seine Gedanken ab und macht sich dort eine andere Welt, eine bessere. Kata und Isti finden ihren ganz eigenen Weg, mit dem Weggang umzugehen und sie schwimmen einfach hinaus ins Leben. Zsuzsa Banks Der Schwimmer ist ein großartiges Buch und es hat mich damals beim Erscheinen schon begeistert. Es wurde zurecht mit so vielen Preisen ausgezeichnet und es hat einen ganz besonderen Klang, seine ganz eigene Stimme. Banks Sprache ist toll und die Metaphern bestechend und sie entfacht so viele Gefühlswelten, dass eine Pracht und vor allem auch eine Wucht ist. Eine ganz große Literaturstimme.
- Peter Prange
Eine Familie in Deutschland
(114)Aktuelle Rezension von: VoldaronIch mag die Bücher von Peter Prange und somit wurde ich auch von diesem Roman nicht enttäuscht. Das Buch liest sich flüssig und flott und nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die Vergangenheit. Es erzählt die Geschichte einer Familie in den Jahren kurz vor dem zweiten Weltkrieg. Dabei werden die Schicksale der Familienmitglieder geschickt vor dem historischen Hintergrund erzählt. Da gibt es einerseits den Sohn, der seine Karriere in der Partei über alles stellt, die Tochter, die mit einem jüdischen Ehemann verheiratet ist, während die zweite Tocher eine Beziehung zu einer anderen Frau eingeht. Ein weiterer Sohn arbeitet fieberhaft an der Konstruktion des ersten Volkswagens und der Nachzügler muss aufgrund seiner Behinderung regelrecht versteckt werden. Geschickt sind all diese Schicksale miteinander verwoben. Die Geschichte hat mich recht schnell in ihren Bann gezogen und ich freue mich schon auf die Fortsetzung
- Mechtild Borrmann
Grenzgänger
(159)Aktuelle Rezension von: ChristineEDa ich genau hier lebe, wo der Roman spielt, und das Thema Schmugel durchaus zu den Orten und den Menschen hier gehört, musste ich das Buch lesen. Mützenich hat an der Grenze zu Belgien ein Schmugel-Denkmal - auch wenn es Kontroversen darüber gibt und die Meinunge geteilt sind- es gehört in diese Orte und in die Zeit. Das kleine Dorf an der Grenze heißt in dem Roman Velda - mhm - das gibt es nun nicht - auch nichts ähnliches ... aber die Geschichte ist so authentisch und gut, dass das egal ist. Das schwere Leben, der Alltag, die absolute Ungerechtigkeit, das Leid ... das Herz wird schwer bei manchen Passagen. Damals wie heute ... die Rückblende zu Henni, ihren Brüdern, der Tod der Mutter, der unmögliche Vater ... und dann steht Henni vor Gericht und ... wie geht es aus? Ein toller Eifel-Roman, den man lesen MUSS, wenn man hier lebt und die Geschichten kennt. Alle anderen dürfen das Buch auch gerne lesen!!! Sehr gut geschrieben! Danke an die Autorin!
- Claire Winter
Die geliehene Schuld
(161)Aktuelle Rezension von: Marina_ProkoppBerlin, 1949: Vera Lessing hatte es in den letzten Jahren nicht leicht: Der 2. Weltkrieg hat ihr ihren Mann und ihre Eltern genommen und jetzt liegt Deutschland in den Trümmern und ist mitten in der Nachkriegszeit. Gemeinsam mit ihrem Jugendfreund und Kollege Jonathan arbeitet sie bei einer Zeitung. Plötzlich stirbt Jonathan in Köln, er wollte dort etwas für seinen aktuellen Artikel recherchieren. Die Polizei geht von einem Unfall aus, aber Vera glaubt, dass mehr dahintersteckt. Als sie seine Unterlagen und eine Nachricht von ihm bekommt, die er kurz vor seinem Tod abgeschickt hatte, ist ihr klar, dass Jonathan an einer großen Sache dran war. Sie beginnt auf eigene Faust zu ermitteln und folgt seinen Spuren, die sie in die Vergangenheit und in Gefahr bringen ...
Die Autorin Claire Winter hat mit „Die geliehene Schuld“ wieder ein sehr packendes, vielseitiges, facettenreiches und emotionales Buch geschrieben. Der Roman fesselt von der ersten Seite und lässt bis zum Schluss nicht mehr los. Die Geschichte spielt in Deutschland in der Nachkriegszeit und die Autorin hatte die Lebensumstände der Menschen greifbar dargestellt und ihr bildhafter Schreibstil erweckt das Gefühl, dass man direkt dabei ist. In dem Buch wechseln die Zeiten, mal ist man in der Gegenwart und manchmal ein paar Jahre zurück in der Vergangenheit. Das sorgt aber nicht für Verwirrung, sondern macht das Buch noch ergreifender, emotionaler und tiefgründiger, da man den Verlauf der Geschichte immer wieder aus anderen Augen und Blickwinkel betrachten kann. Die Autorin hat sehr gut recherchiert und verknüpft ihre fiktive Erzählung mit realen Geschehnissen.
- Maria W. Peter
Die Festung am Rhein
(176)Aktuelle Rezension von: Buchfresserchen1Auf dem Ehrenbreitstein wird eine Festungsanlage gebaut. Der Ingenieuer ist entsetzt. Baupläne wurden angeblich an die Franzosen weiter geleitet. Ein junger Rekrut wird verdächtigt und inhaftiert. Seine Schwester Franziska will nicht glauben, das ihr Bruder Christian in diese Angelegenheit involviert ist und macht sich auf die Suche nach der Wahrheit.
Ich habe das Buch ausgewählt, da ich schon oft in der Festungsanlage war und mich der Bau, mit seiner Lage mit Blick auf das Deutsche Eck in Koblenz, schon immer faszinierte.
Dank des Schreibstils konnte ich vollkommen in die Geschichte eintauchen und wandelte in den mir bekannten Gegenden, jedoch zu einer Zeit 200 Jahre zuvor.
Das Rheintal, das linksrheinisch, immer mal wieder unterschiedlichen Herren zu dienen hatte, war zur Zeit der Geschichte in preussischer Hand.
Die Protagonistin ist halb Französin. Ihr Vater fiel bei der Schlacht um Waterloo. Sie selbst kam danach mit ihrem Bruder von Cöln zurück nach Coblenz, um beim Bruder ihrer Mutter zu leben, da die Witwe ihre Kinder alleine nicht hätte durchbringen können.
Leider nutzte der Onkel nur die Arbeitskraft der Kinder aus und unterstütze sie in keinster Form, so dass Franziska ihr Heim verließ und versuchte im Alleingang die Wahrheit ans Licht zu bringen.
Wie gut das sie in Theres und ihrem Mann gute Freunde hatte, die sie dabei unterstützen konnten.
Es ist spannend zu lesen, was Franziska alles unternimmt, um ihren Bruder aus dem Gefängnis zu befreien.
Auch eine Liebesgeschichte ist mit an Bord, die sehr leise und heimlich angeschlichen kommt.
Mein Lieblingscharakter neben Franziska ist Fritz, der Rekrut mit dem Berliner Akzent, der dem Lieutenant unterstützend unter die Arme greift und so manches Mal kein Blatt vor den Mund nimmt. Seine Berliner Schnauze gibt seinem Chef oft zu denken, hilft ihm aber in zwischenmenschlichen Belangen oft weiter.
Mich hat der Roman sehr gut unterhalten und ich werde sicherlich noch weitere Bücher der Autorin lesen, denn ich liebe historische Romane mit starken Frauenfiguren wie dieser.
- Wolfgang Koeppen
Tauben im Gras
(238)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerHier geht's zur Kurzmeinung auf meinem Blog.
Kurzmeinung
+ beeindruckender Stil, vor allem die vielen Synonyme und bildhaften Umschreibungen, die sich auseinander entwickeln und in freien Assoziationsketten aneinander gefügt werden
+ fließende Übergänge zwischen den Perspektiven durch Verknüpfung über unvollständige Sätze oder identische Worte
+ starke Verflechtung der Perspektiven, indem die Figuren sich wechselweise begegnen
- sprachlich so komplex, dass es sehr viel Konzentration erfordert und anstrengend zu lesen ist
- fühlt sich ziellos an, auch wenn das Ziel, das München der Nachkriegszeit zu analysieren, durchaus erreicht wird
- Jenny Erpenbeck
Kairos
(87)Aktuelle Rezension von: Edgar_BernardiMit Kairos („günstiger Zeitpunkt“) beginnt die Geschichte nach dem Prolog, in dem sich die 18-jährige Katharina und der 34 Jahre ältere Hans 1986 zufällig in Ostberlin begegnen. Was folgt, ist zunächst eine Liebesgeschichte mit sprachlich einfühlsam beschriebenen Gefühlen, in denen man sich wiederfindet und an seine eigene erste wirkliche Liebe zurückversetzt fühlt und die es selbst bei dem Altersunterschied so romantisch geben kann. Hans mit Nazivergangenheit und Übergang in das geteilte Ostdeutschland und Katharina, in der DDR geboren. Lange Lesestrecken mag man den Vaterersatz vermuten, den Katharina in Hans sucht. Aber auch die Bewunderung von Hans' Intellekt als Schriftsteller scheint neben der körperlichen Liebe der Anziehungspunkt zu sein. Bis sich die schöne Liebe in die erste Sado-Maso-Szene mit Gürtelschlägen steigert, was mich befremdet hat. Auch, dass man sich hier an die ersten Tagen nach Mauerfall zurückversetzt fühlt, an dem die Ostberliner die Westberliner Beate-Uhse-Shops stürmten und der Westen hier wohl auf ein obszönes Niveau abgestuft wird. Es folgen unzählige zügellose Liebesszenen, welche die Geschichte langatmig machen und weitere abstossende Szenen. Durchsetzt bzw. unterbrochen wird der Text in Perspektivwechsel durch literarische oder Musikzitate und allseits bekannte Szenen aus der DDR-Zeit (Biermann-Ausbürgerung, Sturm der Zionskirche, etc.), die wohl in keiner DDR-Geschichte fehlen dürfen. Ebenso die Würdigung der unzähligen Jahrestage, an denen sich das Liebespaar stets in einer Bar oder einem Restaurant feiert, erinnert an die unzähligen Jubiläumsfeiern des DDR-Regimes. Erst mit dem "Fremdgehen" von Katharina mit Vadim beginnt klar zu werden, dass Hans das sozialistische System verkörpert, das junge Menschen wie Katharina manipuliert, die ihm in höriger Liebe folgen oder zu folgen haben. Hans generiert in Katharina ein Schuldbewusstsein und ihre eigene Überzeugung, dass ausgerechnet sie gelogen und betrogen hat. Die Methoden, die Vorwürfe mit besprochenen Kassetten und Aufzeichnungen festzuhalten, erinnert an Stasimethoden und tatsächlich wird am Schluss klar, dass Hans als IM Galilei aktiv war. Von dort an wird die Geschichte wieder spannend, während ich zwischendurch das Lesen nach der x-ten Liebes- und Sado-Szene abbrechen wollte. Die Moskaureise der Beiden trieft ein wenig von heroischer Darstellung der Errungenschaften des Sozialismus, immer wieder unterbrochen von zügellosen Liebesszenen, als würde darüber der Glaube an den real-existierenden Sozialismus eingeimpft.
Zusammengenommen ein kluger Plot, die Geschichte der DDR und des real existierenden Sozialismus in der Symbolik dieser Liebesgeschichte zu erzählen. Die Umsetzug allerdings für den Leser anstrengend, teilweise langatmig und auch abstossend. Lesenswert nur, wer seine gelesene Sammlung an DDR-Literatur, in dem Fall nach der Wende erschienen, vervollständigen will.
Der richtige Augenblick, die Gelegenheit beim Schopf packen (Kairos) - ein toller Start - dann doch eher Chronos, verlaufende Zeit! - Konrad Jarausch
Zerrissene Leben
(16)Aktuelle Rezension von: SatansbratenDas Buch schafft, was Geschichte sonst oft fehlt, es es ist lebendig, zum Anfassen, verstehbar, nachvollziehbar. Es erzählt anhand von konkreten Schicksalen die Geschichte des letzten Jahrhunderts. Die Befragten Menschen haben unterschiedliche Hintergründe, der Sohn wohlhabender Juden, das Kind eines Pastors, andere aus Arbeiter Familien, kommunistischen Familien. Sie erleben daher die Vorkriegszeit sehr unterschiedlich, auch die Zeit des Krieges und die Jahre danach sind neben den politischen Ereignissen auch durch persönliche Entscheidungen geprägt. Gleichzeitig wird auch sehr viel erklärt, das wichtig ist, um Hintergründe und Geschehnisse besser einordnen zu können. Mir hat das Buch erstaunliche Einblicke in diese Zeit gegeben, selbst wenn man mit den geschichtlichen Fakten vertraut ist, bringt diese Herangehensweise ganz neue Einsichten! Lesenswert ! - Anne Stern
Die weiße Nacht
(145)Aktuelle Rezension von: mabuerele„...Die tief verschneite Welt sah durch den Sucher von Lous Kamera kleiner und größer zugleich aus. Kleiner, weil der Blick der Leica einen Splitter aus der Unendlichkeit brach…“
Mit diesen Zeilen beginnt ein historischer Krimi, der sich durch einen hohen Spannungsbogen und einen fein ausgearbeiteten Schriftstil auszeichnet.
Lou lebt in Berlin im Jahre 1946. Sie hat harte Jahre hinter sich und kümmert sich auch um Bruno, einem Gefährten aus dem Widerstand.
Bei ihren Streifzügen durch die Ruinen findet sie die besonders drapierte Leiche einer Frau. Der Fall landet bei Kriminalkommissar Alfred König.
Der Roman zeichnet ein düsteres Bild der Lage in Berlin. Einen wichtigen Part in der Stadt spielt der Schwarzmarkt. Wer sich dort auskennt, hungert weniger.
„...Die Frage war nicht, ob, sondern nur, warum man am Ende krepierte. Am Hunger, an der Kälte, oder an beiden gleichzeitig…“
Der Fall erweist sich als schwierig. Das liegt auch daran, dass die Verhältnisse bei der Polizei sehr prekär sind. Man traut sich nicht über den Weg.
„...Es war ein kniffliges Puzzlespiel, einen Mordfall aufzuklären, noch dazu eine, die unter Zeitdruck geschah…“
Zeitdruck deshalb, weil ein anderes Kommissariat König informiert hat, dass es bei ihnen einen ähnlichen Fall gab. Nun rechnet er damit, dass dies nicht der letzte war. Doch alle Spuren verlaufen im Sand.
Zu den Höhepunkten gehören für mich die Gespräche zwischen Lou und König. Lou bringt ihre Gefühle auf den Punkt:
„...Es ändert ja nichts mehr. Aber ich finde es einfach unglaublich, dass wir alle durch die Welt gehen, als sei das nie geschehen, wenn doch die Lücken, die all diese Leute gerissen haben, überall zu spüren sind…“
Dann fällt Lou auf ihrem Foto von der Toten ein kleiner schwarzer Fleck auf. Sie glaubt an einen Fehler bei der Entwicklung, bis sie sich die Stelle mit der Lupe genauer ansieht…
Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen.
- Gregor Gysi
Ein Leben ist zu wenig
(29)Aktuelle Rezension von: Henri3tt3Ich habe noch nie die Linke gewählt, auch nicht die Vorgängerin PDS und für die SED war ich erstens zu jung und zweitens auf der falschen Seite der Mauer. Ich bin auch in einigen Punkten anderer Meinung als Gregor Gysi. Trotzdem ist er mein deutscher Lieblingspolitiker. Seine Reden kann man verstehen, weil er jedes Thema ohne eine Flut von Fremdwörtern oder Fachbegriffen und auch ohne verschachtelte Bandwurmsätze behandelt. Er hat eine feste Haltung und dadurch eine beneidenswerte Selbstsicherheit, die manchmal zu einer gewissen Selbstgefälligkeit führt, die ihm aber gegönnt sei. Im Gegensatz zu vielen anderen Politikern ist er nicht arrogant, sondern sehr nahbar, oft selbstironisch, schlagfertig, manchmal sogar frech, aber immer sympathisch. Seine Autobiographie ist sehr interessant, vor allem die Geschichte seiner Eltern, aber auch seine eigene Kindheit, Jugend, Schule, Studium und seine Arbeit als Jurist haben mich sehr beeindruckt. Mein Highlight ist, wie er sich um den Wehrdienst gedrückt hat. 😄























