Bücher mit dem Tag "deutsche literatur"
170 Bücher
- Timur Vermes
Er ist wieder da
(3.405)Aktuelle Rezension von: deidreeDas Buch lag schon lange auf meinem Regal und jetzt weiß ich auch warum ich es von mir geschoben habe. Ich finde einfach keinen Zugang zu dieser Art von Humor, falls da irgendwo einer versteckt sein sollte.
„Er ist wieder da“ löst bei mir eher Bauchweh aus. Die Vorstellung jederzeit könnte sich ein ähnliches Szenario wiederholen ist weder witzig noch wünschenswert. Leider ist die Möglichkeit nicht völlig auszuschließen.
In meinen Augen hat Timur Vermes wohl eine Satire erschaffen wollen. Bei mir kam diese Bemühung nicht an. Zu lesen fand ich die Geschichte einfach, aber emotional hat sich bei mir alles auf Abwehr gestellt.
Zugutehalten möchte ich den Versuch aufzuzeigen, dass eben jederzeit wieder ein Mensch mit gefährlicher Ideologie auftauchen könnte und wir aufgerufen sind, gut hinzusehen. Auch ist der Schreibstil flüssig und flott zu lesen.
- Michael Ende
Die unendliche Geschichte
(7.069)Aktuelle Rezension von: Hari_T_Klar 😊 Hier ist die Rezension mit einem passenden Titel:
🌟 Eine Reise in die Welt der Fantasie – Rezension zu Die unendliche Geschichte
Die unendliche Geschichte von Michael Ende ist ein faszinierender Fantasy-Roman, der Leser jeden Alters in eine magische Welt voller Abenteuer und tiefgründiger Botschaften entführt. Im Mittelpunkt steht der schüchterne Junge Bastian Balthasar Bux, der ein geheimnisvolles Buch entdeckt und schließlich selbst Teil der Geschichte wird.
Besonders beeindruckend ist die fantasievolle Welt Phantásien, die mit außergewöhnlicher Kreativität beschrieben wird. Figuren wie Atréju oder der Glücksdrache Fuchur bleiben lange im Gedächtnis. Gleichzeitig behandelt das Buch wichtige Themen wie Mut, Selbstvertrauen und die Kraft der Fantasie.
Ein zentrales Motiv ist das „Nichts“, das die Fantasiewelt bedroht. Es kann als Symbol für den Verlust von Fantasie und Hoffnung in der realen Welt verstanden werden und gibt der Geschichte eine tiefere Bedeutung.
Der Schreibstil ist lebendig und bildhaft, sodass man sich leicht in die Handlung hineinversetzen kann. Besonders originell ist die Idee, dass Leser und Geschichte miteinander verschmelzen – das macht das Buch einzigartig.
Insgesamt ist Die unendliche Geschichte ein zeitloses Werk, das nicht nur spannend ist, sondern auch zum nachdenken anregt.
- Frank Schätzing
Limit
(601)Aktuelle Rezension von: Malte_HermannFrank Schätzings Roman spielt in einer nahen Zukunft, in der Raumfahrt, Energiehunger und Überwachung ineinandergreifen. Ich begleite eine Reise zum Mond – Prestigeprojekt und Versuchslabor –, während auf der Erde Konzerne, Dienste und Hacker um die Vorherrschaft über Energien ringen. Helium-3 gilt als Heilsversprechen, doch je höher die Visionen steigen, desto sichtbarer werden Abhängigkeiten, Spannungen und Grenzen der Machbarkeit. (Mehr: https://love-books-review.com/de/limit-von-frank-schaetzing/ )
Mich reizt die Doppelstruktur: Lunar-Tour und ein bodennahes Ermittlungsnetz, das über globale Schauplätze führt. Die Kapitel wirken filmisch, mit Beschreibungen von Technik, Interfaces und Räumen; ich spüre die Kälte der Algorithmen und den dünnen Atem der Mondoberfläche. Während Drohnen, Daten und Deals den Takt bestimmen, geraten die Figuren in moralische Engpässe: Wie weit darf Fortschritt gehen, wenn seine Kosten Menschen verschleißen?
Schätzing verbindet Detail und Spannung zu einer Kritik am Glauben an grenzenloses Wachstum. Ich lese darin keine Flucht, sondern Erzählung über Verantwortung: Innovation braucht Regeln, sonst kippt sie in Raubtierlogik. Trotz des Tempos bleibt Raum für Staunen – über Ingenieurskunst und Sehnsucht, die Erde von außen zu sehen. Zugleich empfinde ich Beklemmung, weil Macht in Netzen zirkuliert, die niemand kontrolliert.
Limit hinterlässt mich elektrisiert und nachdenklich: ein Panorama aus Weltraumglanz und irdischer Schattenökonomie, das fragt, wo Fortschritt endet – und Menschlichkeit beginnen muss.
- Thomas Mann
Buddenbrooks
(2.426)Aktuelle Rezension von: HarryPlotterDie Buddenbrooks ist kein optimistischer Roman. Im Mittelpunkt stehen Johann Buddenbrook und später seine Kinder Thomas und Tony; am Ende bleibt nur noch Hanno. Man erlebt, wie die Familie nicht nur an gesellschaftlichem Ansehen verliert, sondern allmählich zerfällt.
Schon zu Beginn wird deutlich, dass alles auf einen Niedergang hinausläuft. Während sich gesellschaftliche Verhältnisse und Machtstrukturen verändern, versuchen Thomas und Tony, den Namen und die Würde der Familie zu bewahren – doch die neuen Zeiten sind unerbittlich. Viele Nebenfiguren verstärken dieses Bild einer Welt, die zunehmend überholt wirkt.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, auch wenn einige Passagen – besonders um Hanno – etwas schwerfällig waren.
- Hermann Hesse
Der Steppenwolf
(1.306)Aktuelle Rezension von: MetalfischchenHarry Haller ist so etwas wie ein „randständiger Bürgerlicher“, der mit seinen Mitmenschen hadert. Harry stellt sich immer vor, wie in ihm drin der zivilisierte Mensch mit dem wilden Steppenwolf kämpft. Im ersten Drittel hätte ich fast abgebrochen, denn nach dem gefühlt hundertsten Mal hatte ich es ja schon verstanden: Harry ist der einzig vernünftige Mensch in einer Horde aus Schlafschafen. Dabei hat er mit dieser Beobachtung im Deutschland der Zwanzigerjahre ja sogar recht.
Im zweiten Drittel taucht dann Hermine auf, welche Harry eine andere Perspektive gibt und das Buch für mich rettet. Die Leserschaft folgt von hier an Harry in eine Welt aus Musik, Partys, Drogen und Sex inklusive Bisexualität.
Das Ende ist ein wilder Drogentrip, in welchem Harry sich seinem zerrissenen Inneren stellt.
- Johann Wolfgang von von Goethe
Faust I
(3.430)Aktuelle Rezension von: NeuniWie man auch immer zu Goethe stehen mag, der Faust ist gewiss ein großes deutsches Sprachkunstwerk, zumindest den erste Teil der Tragödie kann man immer wieder auf deutschen Bühnen genießen. Goethe entwickelt aus der Faust Sage, die schon im 16Jhr verbreitet war, einen vieldeutigen und vielschichtigen Mythos in dessen Zentrum der Pack zwischen Faust mit dem Teufel steht. Zur Interpretation zitieren wir Faust himself: Da steh’ ich nun, ich armer Tor, und bin (nach der Lektüre) so klug als wie zuvor!
- Johann Wolfgang von von Goethe
Johann Wolfgang von Goethe, Die Leiden des jungen Werther
(1.669)Aktuelle Rezension von: franzi__Franzi_Ich habe bereits einige historische und literarisch wichtige Romane gelesen oder gehört. Goethe jedoch wollte ich ganz bewusst lesen. Mir Zeit nehmen. Zeile für Zeile habe ich Die Leiden des jungen Werther erlebt – und noch viel mehr.
Man begegnet den gesellschaftlichen Ansichten der damaligen Zeit, erkennt zugleich das moderne Denken Goethes. Man erlebt Landschaften, soziales Miteinander, Gefühle in ihrer ganzen Intensität. Eine Sprache, die uns heute nicht mehr alltäglich erscheint und in die man sich zunächst wieder einfinden muss.
Die heute ungewohnte Sprache verlangt Geduld und Aufmerksamkeit. Sie erlaubt kein flüchtiges Lesen, sondern zwingt zur Entschleunigung: Man liest nicht „drüber“, sondern hinein. Anfangs sperrig, entwickelt sie nach und nach eine unerwartete, fast intime Wirkung.
„Übrigens befinde ich mich hier gar wohl, die Einsamkeit ist meinem Herzen köstliches Balsam in dieser paradiesischen Gegend, und dieser Jahreszeit derJugend wärmt mit aller Fülle mein oft schauderndes Herz. Jeder Baum, jede Hecke ist ein Strauß von Blüten, und man möchte zum Mainkäfer werden, um in dem Meer von Wohlgerüchen herumzuschweben und alle seine Nahrung darin finden zu können.“
(Johann Wolfgang von Goethe, Die Leiden des jungen Werther)
- Caroline Wahl
22 Bahnen
(1.134)Aktuelle Rezension von: frischelandluftSehr guter Roman um eine Anfang 20jährige in prekären Verhältnissen – die Ich-Erzählerin meistert ihr Leben mit ihrer kleinen Schwester um ihre launische, gewalttätige, suizidale und alkoholabhängige Mutter herum. Ich kann gut verstehen, dass der Roman so erfolgreich ist, ich konnte ihn nicht aus der Hand legen. Die Protagonistin erzählt ihre Geschichte sehr ehrlich und realistisch. Ich mag den nahen Erzählstil, aufgelockert durch einige Dialoge, sehr reflektiert, sehr über die Protagonistin fokusiert. Die Frau und das Mädchen leben in zwei Bubbles – die eine ist ihre Beziehung zueinander, sie bauen mit viel Liebe ein Zuhause füreinander auf; die andere Bubble ist die unberechenbare Dreierbubble mit der Mutter, die sie durch eine Reihe von Plan-B-Routinen managen. Mir ist die Geschichte nah gegangen, ich habe mir sofort den zweiten Band ‚Windstärke 17‘ gekauft.
- Friedrich Nietzsche
Also sprach Zarathustra
(252)Aktuelle Rezension von: NeuniLiterarische Begabung entschuldigt keine Philosophie die das Böse in so vielen Menschen moralisch entfesselt. Nur ein geistesschwacher (oder geisteskranker) Mensch verachtet den Geist und unsere Möglichkeit der Erkenntnis des Guten. Es ist bedauerlich aber Nietzsche ist noch nicht einmal in der Lage seine (eigentlich interessante) zyklische Idee der Zeit rational zu explizieren ; was bleibt ist geistloses Gewäsch. .
- Theodor Fontane
Effi Briest
(1.834)Aktuelle Rezension von: MC_NeleDer Autor schildert das Leben von Effi Briest so eindrucksvoll, dass ich bereits als Jugendliche die Träume, Wünsche und Gefühle von Effi Briest mitempfinden konnte. Gesellschaftliche Zwänge stehen im krassen Gegensatz zu Entfaltung und selbstbestimmtem Leben.
Auch wenn sich Vieles gravierend verändert hat, ist es noch heute aktuell und ein lesenswerter Klassiker.
- Bernhard Schlink
Der Vorleser
(5.814)Aktuelle Rezension von: ReadingFoxySehr schöne Neuauflage
Ich denke, die meisten kennen das Buch oder haben den Film schon einmal gesehen.
Doch finde ich, sollten Klassiker (denn es ist mittlerweile 30 Jahre alt) in keinem Schrank fehlen und gerade dieses Buch ist in der heutigen Zeit wieder sehr wichtig.
Und hier hat der Diogenesverlag eine wirklich schön gestaltete Neuauflage des Buches veröffentlicht.
Das Buch erzählt in drei Teilen die Lebensgeschichte von Michael Berg und seine Beziehung zu Hanna Schmitz, vor dem Hintergrund der deutschen NS-Vergangenheit. Es wird aus der Ich-Perspektive von Michael Berg erzählt. Es verbindet eine Liebesgeschichte mit der Auseinandersetzung mit dem Holocaust und der Schuldfrage.
Es ist sicher keine leichte Kost, aber dennoch wichtig zu lesen und zu verstehen.
Das Buch ist recht neutral und nüchtern geschrieben. Es werden keine direkten Wertungen der Handlungen vorgegeben. Der Leser selbst muss sich hier eindenken und sich seine eigene Meinung bilden. Man muss sich mit einigen, auch schwierigen, Fragen auseinandersetzen und die Geschichte für sich selbst bewerten.
ISBN: 978-3257073690
Autor: Bernhard Schlink
Verlag: Diogenes
ET: 19.11.25
Umfang: 208 Seiten
- Alfred Döblin
Berlin Alexanderplatz
(295)Aktuelle Rezension von: NeuniBerlin Alexanderplatz von Alfred Döblin ist der herausragende deutsch Großstabsroman der klassischen Moderne. Anhand der Geschichte des Totschlägers und proletarischen Gefühlsmenschen Franz Biberkopf entwickelt Döblin ein experimentelles literarisches Kaleidoskop des wilden Berlin der 20er Jahre. Der Roman ist das deutsch Pardon zu großen wegbereitenden Romanen der Moderne wie dem Ulysses von Joyce oder Manhattan Transfer von Dos Passos.
- Hermann Hesse
Das Glasperlenspiel
(286)Aktuelle Rezension von: Christine_NeumeyerHerr Hesse hat am Ende seiner Schaffenszeit eine Utopie geschrieben. Ein Gelehrter, ein Mönch, ein Regenmacher, ein Yogi, erzählen uns über die Veredelung des Menschen durch Meditation, geistige Bildung, Vertiefung. Diese Figuren sind sehr beseelt, sehr detailliert beschrieben. Wir werden Zeugen ihrer Gedanken, ihrer Schlussfolgerungen, welche oft zeitlos sind und auf die Probleme unserer Zeit übertragbar. Lesen und tiefe Konzentration veredeln den Menschen. Friede und Versöhnung für alle Menschen. An dieser Sehnsucht hat sich nichts geändert. Nicht allein die Geburt oder das Talent sind entscheidend. Talente ohne geistige Reife verkommen zu hochmütigen und an materiellen Dingen hängenden Menschen. Rivalität, Konkurrenz und Hass sind die Folge. Alles wunderbar. Aber leider dürfte Herr Hesse ein sehr distanziertes Verhältnis zu Frauen gehabt haben. Sie kommen über lange Strecken gar nicht vor. Erst zum Schluss schmücken sie seine Erzählungen, und bleiben dabei allzu oberflächlich beschrieben. Im besten Fall sind es kluge Ehefrauen und Mütter. Die in seiner Zeit traditonellen Rollenverteilungen stellt er in seiner Utopie nicht in Frage. Die Frauen bleiben im Hintergrund, als Mütter und Hausfrauen. Im schlimmsten Fall sind sie sogar die Ursache von Verirrungen und Hass. Keinesfalls sind sie zu geistiger Vertiefung fähig.
Ich schätze den Tiefgang von Hermann Hesse, aber dieses Werk ist in seiner Überlänge leider nicht zeitgemäß und aufgrund der veralteten Rollenbilder wenig empfehlenswert.
- Friedrich Schiller
Kabale und Liebe
(1.218)Aktuelle Rezension von: birarnolIch kann mir vorstellen, dass das Stück auf der Bühne gut funktioniert. Stark überzeichnete Gefühle, viel Epos.
Insgesamt gefällt mir die Geschichte nicht wirklich gut. Reicher Jüngling liebt armes Mädchen, Probleme sind vorprogrammiert, Intrigen, um die beiden auseinanderzubringen, werden dicht gesponnen. Aber gut - so lautet ja auch der Titel.
Was mir gut gefallen hat, sind die Ansätze, die Klassenunterschiede überwinden zu wollen. Doch letztendlich waren es nicht die äußeren Widrigkeiten, welche die Liebe verhinderten, sondern die Denkweisen und Schwächen der einzelnen Personen.
- Juli Zeh
Corpus Delicti: erweiterte Ausgabe
(591)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannWenn ein Buch in den Canon „zu lesender Bücher“ an Schulen Eingang gefunden hat, so ist davon auszugehen, dass es nicht nur um ein diskursiv zu bewältigendes Thema geht, sondern zugleich den Anspruch eines pädagogischen Mehrwertes (man könnte es im klassischen Sinne auch als Literatur bezeichnen) beinhaltet. Insofern gäbe es an dieser Stelle wenig oder aber, im Sinne einer Textanalyse, sehr viel zu sagen. Im ersten Fall scheint alles gesagt bzw. geschrieben zu sein, im zweiten Fall wurden und werden vermutlich bereits Doktorarbeiten über diesen Themenkreis vergeben. Insofern bleibt eigentlich nur noch der Hinweis eines beeindruckten Lesers: lesen – denken – sich Notizen machen.
Denn ohne Notizen, ohne An- und Unterstreichungen wird man diesem Buch nicht gerecht, oder, anders ausgedrückt, wird einem die Vielfalt möglicher Implikationen verborgen bleiben. Aber auch ohne diesen Anspruch kann man dieses Buch lesen, dann bleibt es allerdings blutleer auf der Strecke und spätestens am Ende wird man sich fragen: Was soll das denn jetzt? Wer also nur prickelnde Unterhaltung sucht, wird hier möglicherweise enttäuscht. Das heißt im Umkehrschluss allerdings nicht, dass es den nicht gäbe.
Wie auch immer, es ist ein Buch, das viele Themen berührt, das Fragen provoziert und bei den Antworten eine beeindruckende Vorstellungswelt entstehen lässt. Es geht um das Menschsein in (vielleicht gar nicht so) ferner Zukunft, in denen dieses einem einzigen Thema untergeordnet ist: der Gesunderhaltung – und zwar um jeden Preis. Die sich daraus ergebenden politischen und gesellschaftlichen Verwerfungen werden hier in Aufbau und Thematik mit eindrucksvollen Bildern wiedergegeben. Kurz gesprungen geht es sowohl um die Dialektik eines solchen Lebens, der Unterscheidung zwischen: passt oder passt nicht, gut oder schlecht/böse, als auch um ein Dazwischen, einem Schwanken, das solcherart mit der Metapher der auf einem Zaun sitzenden Hexe herausragend symbolisiert wird:
„‘Weißt du, was eine Hexe ist, Mia [ihr wird der „Prozess“ gewacht]?‘
Überrascht hebt die Angesprochene den Kopf und muss sich anstrengen, um ihre Konzentration auf den neuen Begriff zu richten.
‚Eine Hexe, mit Buckel und Besen? Die im Backofen oder auf dem Scheiterhaufen endet?‘
‚Das Wort kommt von Hagazussa. Die Hexe ist ein Heckengeist. Ein Wesen, das auf Zäunen lebt. Der Besen war ursprünglich eine gegabelte Zaunstange.‘
‚Was hat das mit mir zu tun?‘
‚Zäune und Hecken sind Grenzen, Mia. Die Zaunreiterin befindet sich zwischen Zivilisation und Wildnis. Zwischen Diesseits und Jenseits, Leben und Tod, Körper und Geist. Zwischen Ja und Nein, Glaube und Atheismus. Sie weiß nicht, zu welcher Seite sie gehört. Ihr Reich ist das Dazwischen.‘“
Nach der Lektüre des Buches war ich froh wieder im Hier und Jetzt angekommen zu sein, in einem Leben, welches von Widersprüchen durchzogen ist, und es solcherart zu einer Entdeckungsreise macht – auch mit all dem immunologisch bedenklichen Schmutz, der einer umfassenden Gesundheit, wie sie hier dogmatisch gelebt wird, hin und wieder ein Bein stellt.
(2.5.2023)
- Walter Moers
Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr
(329)Aktuelle Rezension von: Ms_ViolinPrinzessin Dylia, die sich selbst »Prinzessin Insomnia« nennt, ist die schlafloseste Prinzessin von ganz Zamonien. Eines Nachts erhält sie Besuch von dem alptraumfarbenen Nachtmahr Havarius Opal: Der ebenso beängstigende wie sympathische Gnom kündigt an, sie in den Wahnsinn treiben zu wollen. Vorher nimmt er die Prinzessin aber noch mit auf eine abenteuerliche Reise durch die Welt des Denkens und Träumens, die für beide immer neue und überraschende Wendungen bereithält, bis sie schließlich zum dunklen Herz der Nacht gelangen ...
Ich habe sehr lange überlegt, ob ich dieses Zamonienbuch überhaupt lesen möchte, da es extrem gemischte Meinungen hervorgebracht hat. Da ich aber unbedingt mal wieder nach Zamonien wollte und mir so langsam die neuen Abenteuer dort ausgehen, habe ich dann doch mal zugegriffen, um mir selbst ein Bild machen zu können.
Es fällt sofort auf, dass Moers dieses Mal nicht selber für die Illustrationen gesorgt hat. Das Bunte ist für Zamonien total ungewöhnlich, aber wirklich schön.
Allerdings konnte mich die Geschichte kaum packen.Obwohl wir schon von der ersten Seite an mit jeder Menge Wortakrobatik konfrontiert werden, hatte ich dieses Mal wirklich Mühe am Ball zu bleiben und fand sowohl Dylia als auch ihre Wortspielereien meist eher ermüdend. (Ernsthaft, wenn Dylia so sehr unter Schlaflosigkeit leidet, kann ich ihr dieses Buch wärmstens empfehlen, denn ich habe selten mehr als ein Kapitel geschafft, ohne eine Pause einlegen zu müssen, weil ich es dermaßen ermüdend fand.)
Dabei wird es im Verlaufe der Geschichte theoretisch wieder sehr abenteuerlich und gefährlich, aber ich habe mich trotzdem eher gelangweilt, da sich absolut alles immer so extrem in die Länge gezogen angefühlt hat.
Ich weiß nicht, ob es vielleicht daran lag, dass Moers wohl ursprünglich nur eine Kurzgeschichte über Prinzessin Dylia verfassen wollte und das Ganze dann zu sehr aufplustern musste, aber dass ich von den meisten Wortspielen eher irgendwann genervt war und nur noch ans Ende des jeweiligen Kapitels kommen wollte, habe ich bei keinem anderen Moers bzw. Zamonienroman bisher erlebt.
Kürzer wäre hier definitiv einmal besser gewesen.
Fazit: Ich tue mich wirklich ein wenig schwer dieses Buch zu bewerten, denn der Einfallsreichtum, die Wortakrobatik und auch die Illustrationen sind im Grunde wieder grandios, aber es hat sich auch extrem angestrengt und auch anstrengend angefühlt, sodass ich es meist kaum erwarten konnte das Ende eines jeden Kapitels endlich zu erreichen, was ich so noch nie bei einem Zamonienabenteuer erlebt habe. Daher muss ich meine eigentlich 3,5 Sterne ab- statt aufrunden.
- Franz Kafka
Die Verwandlung
(1.843)Aktuelle Rezension von: JordanbakerFranz Kafkas Die Verwandlung ist ein Werk, das mich nachhaltig erschüttert hat. Ich gebe volle 5 Sterne, weil diese Erzählung auf kaum mehr als 70 Seiten eine existenzielle Tiefe erreicht, die viele Romane nicht ansatzweise bieten.
Die Ausgangssituation ist so simpel wie verstörend: Gregor Samsa erwacht eines Morgens als „ungeheures Ungeziefer“. Was folgt, ist keine phantastische Abenteuergeschichte, sondern die schonungslose Zergliederung einer Familie, die unter dem Druck des Andersseins zerbröckelt. Kafka zeigt, wie aus anfänglicher Fürsorge mit der Zeit Ekel, Gleichgültigkeit und schließlich Erleichterung über die Last der Pflege werden.
Die Genialität liegt in der nüchternen, fast protokollarischen Sprache, mit der das Ungeheuerliche erzählt wird. Keine Erklärung für die Verwandlung, keine psychologische Auflösung – stattdessen die präzise Schilderung eines schleichenden Verlusts von Menschlichkeit, auf beiden Seiten. Die Verwandlung ist nicht nur die Gregors, sondern auch die seiner Familie: aus bürgerlicher Ehrbarkeit wird kalte Berechnung.
Dieses Buch hat mich sprachlos zurückgelassen. Es ist ein Meisterwerk über Entfremdung, Schuld und die Fragilität familiärer Bindungen. Absolute Leseempfehlung für alle, die Literatur suchen, die nicht oberflächlich bleibt, sondern bis ins Mark vordringt.
- Franz Kafka
Das Schloss
(319)Aktuelle Rezension von: HenriLMatosK. kämpft nicht gegen ein böses System, sondern gegen eines, das schlicht keine Eingangstür für ihn vorgesehen hat. Kafka radikalisiert hier seinen eigenen Ansatz aus dem Prozess: Der Antagonist hat kein Gesicht, keinen Namen, keine Absicht. Er ist einfach da, unzugänglich, vollständig und uninteressiert. Das Schloss ist Kafkas reifste Untersuchung der Frage, was Identität bedeutet, wenn das System sie nicht anerkennt.
- Friedrich Dürrenmatt
Der Besuch der alten Dame
(1.893)Aktuelle Rezension von: JordanbakerFriedrich Dürrenmatt hat mit Der Besuch der alten Dame ein Stück geschrieben, das mich auf eine Weise getroffen hat, wie es nur große Literatur kann. Ich gebe volle 5 Sterne, für eine Sprachgewalt, eine Zuspitzung und eine Gesellschaftsanalyse, die auch nach Jahrzehnten nichts von ihrer Schärfe verloren hat.
Die Ausgangslage ist so einfach wie perfide: Die Milliardärin Claire Zachanassian kehrt in ihr verarmtes Heimatdorf Güllen zurück und bietet eine Milliarde, für den Tod des Mannes, der sie einst als junge Frau verriet und um ihr Glück brachte. Was folgt, ist kein simples Rachedrama, sondern die sezierende Entlarvung einer ganzen Gemeinschaft. Die Bürger, erst empört, schleichen sich in moralischen Verhandlungen Schritt für Schritt an den Mord heran. Dürrenmatt zeigt, wie aus Prinzipien Handelspreise werden, und wie die menschliche Würde am Geld scheitert.
Die Figuren sind keine Helden, sondern Typen, die durch ihre Präzision erschreckend echt wirken. Claire Zachanassian selbst ist eine der großartigsten Bühnenfiguren: kalt, berechnend, unheimlich, und doch trägt sie einen Schmerz in sich, der sie fast tragisch macht. Dürrenmatts Sprache ist knallhart, seine Dialoge sitzen wie gezielte Schläge, und der schwarze Humor lässt einen selbst in den bittersten Momenten nicht los.
Dieses Stück ist keine Wohlfühlkost, sondern ein Spiegel. Es stellt die Frage, was aus Moral wird, wenn der Preis hoch genug ist und liefert eine Antwort, die wehtut. Für mich ein Meisterwerk der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur, das nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat. Absolute Leseempfehlung.
- Volker Kutscher
Der nasse Fisch (Sonderausgabe Ein Buch für die Stadt Köln 2023)
(455)Aktuelle Rezension von: Renate1964Das Cover passt gut und die Reihe mit Kommissar Gereon Rath von Volker kKuscher geht auch sehr fundiert auf die Zwischenkriegszeit ein. Die Kämpfe zwischen den politischen Parteien sowie alte Seilschaften werden sehr spannend beschrieben Gereon und Charlie verbinden gekonnt Berufliches und Privates
- Stefan Zweig
Die Welt von gestern
(116)Aktuelle Rezension von: itwt69Das Leben des Autors und Künstlers von den späten 1880-ern bis 1939: Es ist kaum verwunderlich, dass sich Stefan Zweig nach diesem ereignisreichen und niederschmetternden Erfahrungen das Leben nahm, weil er es nicht mehr ertragen konnte, was in seiner Heimat verbrochen wurde. Ein ehrlicher und intimer Blick auf die Kunstszene der ersten 4 Jahrzehnte des 20.Jahrhunderts liefert dieses Buche ebenso wie für mich neue Einblicke in die Psychologie der vom Krieg gebeutelten Menschen zwischen den Weltkriegen.
- Heinrich Böll
Ansichten eines Clowns
(473)Aktuelle Rezension von: Friedrich_SchoenhoffImmer wenn ich nicht begreife, warum ich so bin, wie ich bin, brauche ich nur das Buch zur Hand nehmen und mich an die Moral der Wirtschaftswunder-Gesellschaft erinnern. An Marie, die ihre Liebe Hans verlässt, weil er sich weigert, die Kinder, die sie bekommen könnten katholisch taufen zu lassen. Und Hans selbst, der, ohne sich hätte anstrengen müssen, in Wohlstand alt geworden wäre.
Statt dessen beschließt er, der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten, und Clown zu werden.
Er verachtet seine Eltern, die überzeugte Nazis waren und zeigt dem Spießertum erfolgreich den gestreckten Mittelfinger, bis Marie ihn verlässt
Nun wird er der traurigste aller Komödianten, ist völlig mittellos und blickt sentimental auf sein Leben zurück.
Das Buch reflektiert in Ansätzen eine Zeit, deren Macher mich groß gezogen haben, bis ich selbst gemerkt habe, wohin das Streben nach immer mehr führt und welchen Preis ich dafür bezahlen müsste.
Jeder ist ein Kind seiner Zeit und die, die folgen, bleiben Zeit ihres Lebens ein Stück Zeuge der Zeit, ob sie wollen oder nicht. Berührend und damals 1963 skandalös, als jemand sich traute, das Gesicht des Katholizismusses zu entlarven.
Der steht heute vor ganz anderen Problemen und löst sich gerade selbst auf
- Friedrich Schiller
Die Räuber
(677)Aktuelle Rezension von: Sandra197513. Januar 1782.
An diesem Tag wurde Schillers "Räuber" uraufgeführt.
Das zunächst als Lesedrama konzipierte Bühnenstück handelt von der Intrige des Franz gegen seinen Bruder Karl, um die Alleinherrschaft über die Güter der Adelsfamilie zu erhalten.
"Mein Geist dürstet nach Taten, mein Atem nach Freiheit", spricht Karl, nachdem der Vater den Verleumdungen des Franz auf den Leim gegangen war. Aus Rache schliesst er sich der Räuberbande an.
Wenngleich Schiller das Stück ursprünglich als „Der verlorene Sohn, oder die umgeschmolzenen Räuber“ betitelte und mit dem Untertitel "Ein Trauerspiel" versah, ist die Handlung doch klar an die biblische Intrige zwischen Jakob und Esau angelehnt. Man erinnert sich: Die von Jakob und der Mutter eingefädelte Intrige bringen Esau dazu, sein Erstgeburtsrecht gegen einen Teller Linsensuppe einzutauschen.
Interessant auch, wie Schiller hier das Motiv des edlen Wilden mit hineinwebt. Die ungehobelten Räuber gehen als Edle aus der Handlung hervor, dabei die gut betuchten Grossherren entthronend. Innerhalb der damaligen Feudalgesellschaft sorgte das Stück für einen Skandal.
Schiller wurde förmlich ausgebuht, man fiel in Ohnmacht, konnte die Kritik nicht aushalten.
Und gleichzeitig traf der Meister einen Nerv. Der Aufruhr gegen die feudalen Strukturen erreichte ihren Höhepunkt, Schiller wurde praktisch über Nacht berühmt.
"Mein Geist dürstet nach Taten, mein Atem nach Freiheit." Was für ein gewaltiger Satz.
Was für ein gewaltiges Stück.
- Hermann Hesse
Narziß und Goldmund
(711)Aktuelle Rezension von: Giant7Für mich ist Narziss und Goldmund eine wunderschön erzählte Geschichte über zwei mittelalterliche Männer, die auf unterschiedliche Weise nach dem Sinn des Lebens suchen. Sie begegnen sich jung im Kloster und schlagen später getrennte Wege ein: Narziss entscheidet sich für das geistige, spirituelle Leben, während Goldmund in die Welt hinauszieht. Trotz ihrer Gegensätze verbindet sie die gleiche Suche nach Wahrheit.
Ich schätze Hermann Hesses philosophischen Romane. Auch in diesem Werk greift er zentrale Themen wie Wirklichkeit, Illusion und Erkenntnis auf. Obwohl ich bereits andere Bücher von ihm gelesen habe, empfinde ich dieses als sein gelungenstes – sowohl erzählerisch als auch inhaltlich.
Besonders beeindruckt hat mich die harmonische Verbindung von Handlung und Philosophie. Die Gedanken über Kunst, Leben und das Zusammenspiel von geistiger und materieller Welt haben mich sehr angesprochen. Für mich ist dieser Roman Hesses bestes Werk, und ich empfehle ihn allen, die Freude an philosophischen Geschichten haben.























