Bücher mit dem Tag "deutscher"
368 Bücher
- Juli Zeh
Unterleuten
(683)Aktuelle Rezension von: renateliestgerneEigentlich sind viele der Hauptfiguren aus diesem Raum weniger sympathisch. Aber Juli Zeh schafft es, ihre Beweggründe nachvollziehbar zu machen. Es entsteht ein Bild eines Dorfes, in dem vieles völlig schief läuft und die Egoismen einzelner Personen die Gemeinschaft zerstören. Dadurch baut sich eine Spannung auf und man kann das Buch nicht aus der Hand legen.
- Mariana Leky
Was man von hier aus sehen kann
(987)Aktuelle Rezension von: AnirahMariana Lekys Roman ist wie ein modernes Märchen für Erwachsene – voller schräger Charaktere, dörflicher Idylle und einer Prise magischem Realismus. Die Geschichte rund um Selma, die den Tod eines Dorfbewohners voraussieht, sobald sie von einem Okapi träumt, ist sprachlich wunderschön und mit viel Feingefühl für das Zwischenmenschliche erzählt.
Was mir gefallen hat:
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Der Schreibstil: Leky findet Bilder und Vergleiche, die man so noch nie gelesen hat. Man fliegt förmlich durch die Seiten.
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Die Atmosphäre: Das Dorf Westerwald wird so lebendig beschrieben, dass man sich sofort als Teil dieser kauzigen Gemeinschaft fühlt.
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Die Charaktere: Besonders der Optiker und seine unterdrückten Gefühle sind herzzerreißend und wunderbar beobachtet.
Kritikpunkte: Obwohl die einzelnen Szenen glänzen und die Melancholie des Buches sehr einnehmend ist, fehlte mir am Ende der rote Faden, der alles zu einem bedeutsamen Ganzen verknüpft. Viele Handlungsstränge bleiben eher anekdotisch, und manche philosophischen Ansätze wirken zwar charmant, gehen aber nicht wirklich in die Tiefe.
Fazit:
Es ist mitreißend zu lesen, aber leider kommt dabei nichts Großes dabei heraus. Ein schönes Buch für zwischendurch, das durch seine Sprache besticht, mich aber emotional nicht so nachhaltig bewegt hat, wie ich es bei der Grundidee erwartet hätte.
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- Caroline Wahl
22 Bahnen
(1.166)Aktuelle Rezension von: Lesens_werte_Eigentlich schwimmt Mathematikstudentin Tilda im Freibad immer ihre 22 Bahnen. Aber die plötzliche Anwesenheit des geheimnisvollen Viktors bringt sie dazu, von ihrer Gewohnheit abzuweichen. Ihre kleine Schwester Ida bekommt sie an den Hochsommertagen sowieso nicht ins Bad, schwimmen gehen die Schwestern nur bei Regen gemeinsam. All das sind für Tilda genauso feste Bestandteile ihres Alltags wie die Alkoholsucht ihrer Mutter, die ihre Welt bisher keineswegs zum Einstürzen bringen konnten - Viktor und ein Promotionsangebot in Berlin dagegen schon.
Was beginnt wie ein leichter Sommerroman, stellt sich schnell als extrem vielschichtige und feinsinnige Geschichte einer jungen Frau heraus, die viel zu früh erwachsen werden und Verantwortung übernehmen musste. Tilda ist nicht nur intelligent und diszipliniert, sondern vor allem pflichtbewusst. Für ihre kleine Schwester gibt sie alles und ist dabei bereit sich selbst in den Hintergrund zu stellen. Durch Viktor aber wird sie von der Vergangenheit eingeholt, die ihr nicht nur ihre Mutter schwer gemacht hat, sondern in der sie auch einen guten Freund verloren hat. "22 Bahnen" hat mich mit diesem unerwarteten Blick hinter die augenscheinlich normalen Fassaden eines durchschnittlichen Studentenlebens tief berührt und gleichzeitig durch seine Schnörkellosigkeit verzaubert. - Dörte Hansen
Altes Land
(763)Aktuelle Rezension von: Renate1964Ein Buch, welches sich mit vielen Fragen auseinandersetzt. Eine Hauptfigur ist Vera,ein ehemaliges Flüchtlingskind.Ihre Mutter war aus Ostpreußen vertrieben auf einem Hof im alten Land gestrandet,hatte den kriegsversehrten Hoferben geheiratet und für einen anderen verlassen. Bei der nun alten Vera zieht nach einer unglücklichen Liebe die Nichte Anne mit Sohn Leon ein. Neben der berührenden Familiengeschichte gibt es Städter mit idyllischen Vorstellungen, Generationskonflikte und viel mehr. Es ist sehr ironisch und realistisch, aber auch zum Nachdenken
- Eckart von Hirschhausen
Die Leber wächst mit ihren Aufgaben
(721)Aktuelle Rezension von: Crazygirl1Das Buch ist absolut nicht witzig! Ganz im Gegenteil, ich habe mich zu Tode gelangweilt. Und informativ war es natürlich auch nicht....
Sorry aber das war so dermaßen schlecht, dass dies das zweite Buch in meinen Leben ist welches ich abgebrochen habe
- Frank Schätzing
Nachrichten aus einem unbekannten Universum
(286)Aktuelle Rezension von: Hoffe63Einfach nur toll geschrieben, glatte 1
- Frank Schätzing
Die Tyrannei des Schmetterlings
(176)Aktuelle Rezension von: JosseleDer Roman, mittlerweile der achte des Autors, erschien 2018 und beschäftigt sich im Gewand eines Thrillers mit den Möglichkeiten, Risiken und Gefahren von Künstlicher Intelligenz (KI). Im Geäst eines Baumes über einer Schlucht wird eine Frauenleiche gefunden. Die Ermittlungen führen den Undersheriff Luther Opoku zur „Farm“, einem Gelände, auf dem die Firma Nordvisk mit KI experimentiert. Und was dann passiert, hätte sich der Polizist in den kühnsten Träumen nicht vorstellen können.
Und genau das ist auch ein Problem des Romans: es passieren zu viele Dinge, die man sich in den kühnsten Träumen nicht vorstellen kann, die völlig abwegig sind und die deshalb irgendwie die Spannung zerstören, weil einfach alles möglich ist, bis hin zu unendlich vielen Paralleluniversen. Schätzing geht in seinen Gedankenspielen aus meiner Sicht zu weit. Er spricht das sogar im Buch selbst an, wenn er den Chef-Programmierer Elmar Nordvisk zur neuen Mitarbeiterin Pilar Guzmán über das „Tor“ sagen lässt „Alles, was du bisher gesehen hast, wenn du in deinem Kopf gereist bist – dort ist es real! Plus ein paar Sachen, auf die dein Kopf nie kommen würde.“ (Fischer Tb, Oktober 2019, S. 448) Zwar wird das Klonen von Menschen, das ebenfalls thematisiert wird, vermutlich in naher Zukunft möglich sein und die KI wird Dinge realistisch machen, die man sich jetzt noch nicht vorstellen kann, aber auch mit KI geht eben nicht alles.
Hinzu kommt, dass sich der Roman sehr zäh liest, fast alles, was passiert wird ausführlichst geschildert und breitgetreten, teilweise aber so, dass man sich als Leser nicht wirklich etwas darunter vorstellen kann, was ebenfalls nicht zur Spannung beiträgt, weil es sehr wirr daherkommt.
Schätzing bedient sich stellenweise eines humorvollen, spöttischen Sarkasmus, der mir gefällt. Ein Beispiel: „Die kleine Disponentin wiegt sich in den Hüften, über denen ein knallenger Jeansrock um den Erhalt seiner Nähte kämpft.“ (ebd., S. 461) Das ist ein Pluspunkt.
Leider driftet der Roman dann bisweilen auch viel zu sehr in das Fantasy-Genre ab und aus der realen und zukünftigen KI und ihren Möglichkeiten wird pure Märchenerzählerei.
Insgesamt aus meiner Sicht eines der schwächsten Werke, die ich von Frank Schätzing gelesen habe. Die ausgedehnten Phantasmen im letzten Kapitel haben mir dann den Rest gegeben, auch und gerade, weil die Diskussion zwischen Elmar und Jaron über die Konsequenzen aus der Existenz einer dem Menschen haushoch überlegeneren Maschine furchtbar oberflächlich bleibt. Ein Stern.
- Joachim Meyerhoff
Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war
(381)Aktuelle Rezension von: deidreeDer Roman von Joachim Meyerhoff konnte mich leider nicht wirklich erreichen. Ja, es gab Szenen, die ganz witzig beschrieben sind. Auch stelle ich es mir ganz und gar nicht einfach vor, als Kind in einer Psychiatrie aufzuwachsen, weil der Vater dort Direktor ist.
Doch die eher lose aneinandergehängten Begebenheiten waren mir irgendwann zu flach. Sie sind sehr wohl in einer Zeitlinie erzählt, aber ich hatte das Gefühl, dass mir dazwischen Verbindungsstücke fehlten.
Es ist ein Roman und der Titel „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ impliziert für mich, dass einiges erdacht oder ausgeschmückt wurde. Also in meinen Augen keine Biographie.
Ob der Autor jetzt vom 40igsten Geburtstag seines Vaters erzählt, vom Besuch einer hohen Persönlichkeit, oder wie ein Vogel gegen die Wohnzimmerscheibe fliegt, sein Vater beginnt Sport zu treiben, ein Patient die Angst vor dem Familienhund und den Wunsch diesen zu streicheln immer wieder durchgehen muss, oder erzählt wie Weihnachten in der Psychiatrie gefeiert wird, all das mag berühren. Trotzdem habe ich keinerlei Zugang gefunden. Mir waren die Geschichten zu geradlinig im Sinne von ohne Höhen und Tiefen.
Für mich ist dies ein Buch, das man lesen kann, aber nicht muss.
- Nina George
Die Passantin
(611)Aktuelle Rezension von: MirarimMEINUNG
Selten formuliere ich mein Missfallen so deutlich, aber hier hat mir der Schreibstil wirklich gar nicht gefallen. Es mag ein literarischer Stil sein, ich bin aber gar nicht damit klar gekommen. Unendlich verschachtelte Sätze, die nicht mehr aufgehört und noch schier in den Wahnsinn getrieben haben.
Das Buch ist in drei Teile unterteilt, die alle unterschiedliche Erzählstimmen haben. Ich persönlich fand Teil 1 (erzählt von Jeanne Patou) am schlimmsten. Danach war es etwas flüssiger zu lesen.
Vom Thema her war es natürlich eine schreckliche und auch Geschichte. Ich mochte das Haus der Frauen, was im Laufe der Geschichte eine wichtige Rolle spielt. Ich fand es spannend deren Geschichten zu lesen. Ich fand es auch sehr interessant was Jeanne Patou zwischen 2015 und 2019 widerfahren ist bzw was sie ganz grundsätzlich tut.
Ich mochte auch, dass die Geschichten anderer Frauen in das Buch gefunden haben und damit ein Zusammenhalt geschaffen wurde. Ich mochte das drastische aufzeigen des Zuhörens.
Aber ich mochte nicht, dass vor allem am Anfang vieles ständig wiederholt wurde. Ich mochte nicht, dass ständig ein Bezug zum Sex gesucht wurde. (Auch wenn die Gewalt darin natürlich Thema war!) Ich mochte nicht, das Gefühl zu haben, die Hälfte vom Buch nicht kapiert zu haben und das alles einhergehend mit der Aneinanderreihung von Worten.
Für mich war es leider nichts. Ich hatte mir mehr erhofft - aber vielleicht findet jemand anderer ja mehr Gefallen daran, die Bewertungen sprechen dafür.
KLAPPENTEXT
Die gefeierte Filmikone Jeanne Patou erfährt aus dem Fernsehen, dass sie für tot gehalten wird. Für Jeanne ist es die Chance, unterzutauchen und so ihrem Ehemann zu entkommen, der gleichzeitig ihre größte Obsession und ihre fatalste Leidenschaft ist. Sie verschwindet in die Anonymität – und in einen Kosmos der untergetauchten Frauen, mit denen sie ein altes Haus in Barcelona bewohnt. Während sie ihre Schicksale kennenlernt, wird ihr auch ihr eigenes immer deutlicher.
Viereinhalb Jahre später streift Jeanne über die La Rambla, eine Passantin unter vielen, als sie plötzlich ihrem Mann begegnet. Ihr ist klar: Sie muss sich stellen – ihrem Mann, aber vor allem sich selbst.
- Julia Franck
Die Mittagsfrau
(409)Aktuelle Rezension von: Lesekatze22Ich lese viel, gern und äußerst unterschiedliche Genre, aber dieses Buch "Die Mittagsfrau" von Julia Franck hat mich fast die Flinte ins Korn werfen lassen.
Mir fehlen Anführungszeichen und in weiten Teilen finde ich den Roman einfach zu langatmig.
Das Buch beginnt mit einem Prolog, der es in sich hat. Eine Mutter lässt ihren Sohn am Bahnsteig zurück.
Es folgt die Lebensgeschichte der Mutter, die mit ihrer Schwester bei ihrer eigenartigen Mutter aufwächst, während der Vater im 1. Weltkrieg kämpft und später eigentlich nur zum Sterben nach Hause kommt.
Man erfährt mehr von den Mädchen, der damaligen Zeit.....
Es folgt ein Epilog, der sich wieder mit dem zurückgelassenen Jungen beschäftigt.
Man findet im Netz einige Informationen zu Beweggründen dieses Buch zu schreiben.
Traurig und heftig.
- Andreas Eschbach
NSA - Nationales Sicherheits-Amt
(366)Aktuelle Rezension von: Hanns_Steffen_RentschlerAndreas Eschbach hatte eine geniale Idee.
Also wirklich.
Was wäre, wenn die Nazis schon Computer gehabt hätten?
Eine dieser Fragen, bei denen man als Leser das Popcorn fallen lässt und denkt:
„Holy shit – das wird böse.“
Aber was kommt?
Ein Roman wie ein eingeschlafener Systemadministrator.
Eschbach öffnet die Hölle – und macht dann erstmal ein Backup.
Er ersetzt Goebbels durch Google, Himmler durch Hashwerte und den totalen Krieg durch eine sehr gründliche Datenbankpflege.
Widerstand? Fehlanzeige.
Konsequenz? Abgemildert.
Technologischer Impact?
So revolutionär wie eine Fritzbox im Reichstagsbunker.
Denn wer glaubt, man könne dem Dritten Reich digitale Macht geben, ohne die Welt gleich mit in den Abgrund zu ziehen, der schreibt nicht spekulativ – der schreibt feige.
Statt einer rasenden Neuinterpretation der Geschichte gibt’s kleinteiliges Hackerpathos, moralisches Rumschleichen und ein bisschen Metaethik auf Unterhaltungsniveau.
Eschbach will warnen – aber bitte so, dass es niemandem den Schlaf raubt.
Die Vision bleibt brav. Die Dystopie harmlos.
Die Pointe?
Technik ist gefährlich.
Danke. Das wussten wir schon.
Eschbach zeigt mal wieder wie ungefährlich Literatur bleibt –
wenn sie ihre eigenen Ideen nicht zu Ende denkt.
Stell dir vor, Hitler hat Zugriff auf Big Data – und Eschbach macht daraus einen Roman über Datensparsamkeit.
- Andreas Eschbach
Ausgebrannt
(404)Aktuelle Rezension von: blackburniousAusgebrannt ist ein fesselnder und zugleich beklemmender Thriller, der eine zentrale Frage stellt: Wie geht unsere Welt weiter, wenn das Öl – unser wichtigster Rohstoff – zur Neige geht? Andreas Eschbach zeichnet ein erschreckend realistisches Szenario, das gerade in der heutigen Zeit aktueller wirkt denn je.
Mit viel Detailreichtum und einem starken Gespür für gesellschaftliche Zusammenhänge zeigt der Autor, wie abhängig unser Alltag vom Öl ist – und wie schnell ein globales System ins Wanken geraten kann. Die Handlung ist spannend, stellenweise hochdramatisch und regt immer wieder zum Nachdenken an.
Einziger kleiner Kritikpunkt: An manchen Stellen wirken die technischen Erläuterungen etwas umfangreich. Dennoch bleibt die Geschichte durchweg packend und atmosphärisch dicht erzählt.
Fazit: Ein intensiver, beunruhigender Zukunftsthriller, der lange nachhallt und aktueller kaum sein könnte. 4 von 5 Sternen.
- Fatma Aydemir
Dschinns
(389)Aktuelle Rezension von: izzy_books„Dschinns“ von Fatma Aydemir erzählt vom plötzlichen Tod eines Vaters, der eine deutsch-kurdische Familie in Istanbul zusammenführt. Aus verschiedenen Perspektiven werden verdrängte Konflikte, Traumata und Fragen nach Identität sichtbar. Der Roman überzeugt durch emotionale Tiefe und vielschichtige Figuren. Insgesamt ein kraftvoller Familienroman.
- Daniel Speck
Bella Germania
(215)Aktuelle Rezension von: VeeziIch konnte dem Buch leider nicht so viel abgewinnen. Die Charaktere sind alle entweder toxisch oder aufgrund ihrer Entscheidungen todunglücklich. Einfach furchtbar. Ich glaube, es gab keine schöne Szene in diesem Buch - durchgängig Drama und Streit. Fehlende Kommunikation, Lügen gibt es zuhauf - echt nicht meins :(
- Jean-Luc Bannalec
Bretonische Brandung
(265)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannWer die Bretagne kennt, wird diesen Krimi mögen, da er neben einer passablen Geschichte auch einiges über diesen Landstrich und seine Bewohner erzählt. Dass hier die vorgelagerte Inselwelt (Glénan-Inseln) im Focus steht, bringt noch einen zusätzlichen Schauerfaktor ins Spiel (Schiffsuntergänge eingebettet in Gruselgeschichten sowie Mythen und Sagen). Dass es gleich drei Tote (Ertrunkene, die nicht nur einfach über Bord gegangen sind) und im weiteren Verlauf zwei Vermisste gibt wäre schon spektakulär genug, doch die Ermittlungen ergeben gleich vier Motive, die jedes für sich stimmig zu sein scheint.
Insofern ergibt es ein weites Feld für die Ermittlungen der Crew rund um den Kommissar Georges Dupin vom Commissariat de Police Concarneau. Da die Mannschaft überschaubar ist und zunächst in schlüssigen Handlungsabfolgen vorgeht, ist ein unangestrengtes Lesen (und Genießen) möglich. Man fühlt sich bei den Ermittlungen mitgenommen, den Personen und der Landschaft recht nah, was allein schon ein Qualitätsmerkmal ist. Doch bei fortschreitender Lektüre werden die Zusammenhänge komplexer, sodass man dem Kommissar mit der eigenen Expertise kaum zur Seite stehen kann.
Die Stimmigkeit der Geschichte zusammen mit teils herausragenden Landschafts- und Mentalitätsbeschreibungen („Der Archipel bringt die Menschen zwar eng zusammen – und doch ist letztlich jeder für sich allein.“) macht diesen Krimi äußerst lesenswert.
- Cornelia Funke
Das Labyrinth des Fauns
(609)Aktuelle Rezension von: Silla_GuHach, ich weiß gar nicht so genau, was ich sagen soll…Ich habe den Film damals schon geliebt und kann selbst gar nicht so genau erklären warum 😅 Das Buch hat es mir mindestens genauso angetan wenn nicht noch mehr! Die Geschichte ist düster, bedrückend, brutal und im Endeffekt einfach nur tragisch…Mein Herz ist an so vielen Stellen für Ofelia gebrochen und ich habe so mit ihr gelitten das am Ende sogar ein paar Tränchen liefen 😢 Das Buch beweist, dass nicht nur Filme auf Büchern basieren können sondern das es auch ganz wunderbar andersherum funktioniert. Cornelia Funke hat diese besondere Geschichte von Guillermo del Toro fantastisch in Buchform gebracht! Ich hatte das Gefühl ich konnte im Buch der Geschichte sogar noch besser folgen und habe Zusammenhänge besser verstanden als beim Film. Ich liebe auch die Illustrationen sowie die Gestaltung des Umschlags und des Buches an sich, wunderschön! (Ich habe eine andere Ausgabe als die hier abgebildete Version)
Allen die den Film kennen und ihn mochten kann ich das Buch auf jeden Fall empfehlen, bei allen anderen wird es ganz bestimmt Geschmacksache sein, wie beim Film eben auch (wie viele schauen mich schräg an wenn ich sage das ich den Film liebe 😂). Ich bleibe mit einem schwermütigen Gefühl zurück und hoffe für Ofelia und ihre wunderbare Familie einfach nur, dass es Magie eben DOCH gibt! ✨ - Eckart von Hirschhausen
Wohin geht die Liebe, wenn sie durch den Magen durch ist?
(119)Aktuelle Rezension von: Itsnotabout_Happyendings
In diesem Buch verbindet Hirschhausen gekonnt medizinisches Fachwissen mit seinem charakteristischen Humor, um die Zusammenhänge zwischen Liebe, Ernährung und Gesundheit zu erklären. Der Titel ist dabei typisch Hirschhausen: ein cleveres Wortspiel, das zugleich eine ernsthafte Frage aufwirft.
Der Autor schafft es, komplexe wissenschaftliche Erkenntnisse über Hormone, Verdauung und deren Einfluss auf unsere Gefühlswelt verständlich und unterhaltsam zu vermitteln. Besonders gelungen sind die Passagen, in denen er die Verbindung zwischen Darm und Gehirn erklärt - das berühmte "Bauchgefühl" bekommt hier eine wissenschaftliche Grundlage.
Hirschhausen würzt seine Erklärungen mit persönlichen Anekdoten und humorvollen Beobachtungen, ohne dabei den wissenschaftlichen Kern aus den Augen zu verlieren. Er schlägt gekonnt die Brücke zwischen Unterhaltung und Aufklärung, zwischen Comedy und Medizin.
Das Buch ist allerdings mehr als nur eine Sammlung von Fakten und Witzen. Es regt zum Nachdenken an über unseren Umgang mit Ernährung, Beziehungen und Gesundheit. Hirschhausen plädiert für einen bewussteren Lebensstil, ohne dabei den erhobenen Zeigefinger zu schwingen.
Kritisch anzumerken ist lediglich, dass manche Themen etwas oberflächlich behandelt werden und einige Witze sich wiederholen, wenn man andere Bücher von ihm kennt.
Fazit: Eine gelungene Mischung aus Wissenschaft und Humor, die sowohl unterhält als auch bildet. Empfehlenswert für alle, die mehr über die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Körper und Psyche erfahren möchten - und dabei auch noch lachen wollen.
- Jean-Luc Bannalec
Bretonische Verhältnisse
(612)Aktuelle Rezension von: SatoIn Port Aven, einem idyllischen Künstlerort an der bretonischen Küste, wird ein hochbetagter, angesehener Hotelier erstochen. Dupin, ein aus Paris strafversetzter Kriminalkommissar, übernimmt die Ermittlungen. Überall trifft er dabei auf die Spuren der bekannten Malerkolonie die den Ort einst berühmt gemacht hat. Der bekannteste von ihnen, Gauguin, wohnte einst in dem Hotel, das nun ein Tatort ist. Und es bleibt nicht bei diesem einen Mord.
Das Buch ist eine überzeugende Liebeserklärung an die Bretagne, die wundervolle Landschaft, der etwas eigene Menschenschlag, die Kultur und vor allem die hervorragende Küche. Dieser Lobgesang ist in einen spannend geschriebenen Krimi verpackt mit Dupin als etwas unkonventionellen Ermittler, welcher von interessant aufgebauten Protagonisten umgeben ist. Die Geschichte wird flüssig erzählt, kommt ganz ohne Action und Hektik aus, ist jedoch an keiner Stelle langweilig. Ein toller Einstieg in eine Krimireihe der ich gern folgen werde.
- Petra Hülsmann
Wenn Schmetterlinge Loopings fliegen
(491)Aktuelle Rezension von: VinnyDer Schreibstil war super, ich bin einfach durch die Seiten geflogen.
Mit Karo konnte ich mich gut identifizieren, aber zwischendurch hat mir ihr Verhalten nicht gefallen.
Die Liebesgeschichte von Saskia war etwas nervig.
Weidi war zunächst etwas unsympathisch, aber hat sich gebessert.
Eine Leseempfehlung für zwischendurch.
- Andreas Izquierdo
Der Club der Traumtänzer
(252)Aktuelle Rezension von: MamaSandraInhalt:
Gabor ist ein gerissener Geschäftsmann und sehr erfolgreich als Unternehmensberater. Er scheint ein wunderbares Leben zu führen. Bis er eines abends die Direktorin einer Förderschule über den Haufen fährt und diese ihn für ihre Zwecke einspannt. Gabor kann sich aufgrund ungünstiger Verstrickungen nicht dagegen wehren, sonst verliert er seinen Job samt Reputation. Das will er unbedingt vermeiden. Aus diesem Grund lässt er sich darauf ein eine kleine Gruppe lernbehinderter Teenager im Tango zu unterrichten. Und nach und nach will er viel mehr als das...Mein Einschätzung:
Mir hat vor allem die Direktorin Katrin gefallen. Sie hat eine wundervolle Art an sich gehabt und ich konnte sie förmlich vor mir sehen mit ihren trickreichen Argumenten.
Der Autor hat jedem Kind ein oder mehrere Kapitel bzw. Seiten geschenkt, damit man sie kennenlernt. Man erfährt etwas über ihren Hintergrund, die Familie, warum sie so sind, wie sie sind. Und letztlich sind sie ganz normale Kinder / Jugendliche, die vielleicht etwas Pech hatten. Eine Lernschwäche ist nicht gleich eine Behinderung. Und trotz Schwächen, gibt es ganz viele Stärken, die man nicht in der Schule messen kann. Und wie oft fragt auch niemand nach den Hintergründen? Dass der Autor sich einer solchen Story angenommen hat, finde ich ganz wunderbar. Das hatte ich so gut wie noch nie in Büchern.
Sehr gut gelungen ist dem Autor zudem die Entwicklung von Gabor. Der Mann ohne Gefühle oder Vorgeschichte, dafür mit knallhartem Business-Pokerface hat plötzlich doch eine Vergangenheit. Stück für Stück brökelt seine Fassade und der Kokon, den er sich mühevoll erschaffen hat. Und genau das lässt ihn wieder Mensch werden und sehr sympathisch.
Das Buch gibt einem nicht nur einen Einblick in die besondere Menschengruppe, die diese Kinder darstellen, sondern auch in Menschen wie Gabor.
- Lutz Seiler
Stern 111
(53)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderZwei Tage nach dem Mauerfall verkündet das Ehepaar Bischoff ihrem Sohn Carl, dass sie weg gehen. Weg aus ihrem alten Leben, ihrer Heimat und drüben ein neues Leben anfangen wollen. Carl soll zurück bleiben und das Haus hüten und nach dem rechten schauen und sie wollen in Kontakt bleiben. Die Reise der Eltern führt sie durch Auffanglager und verschiedene Arbeite und sie wollen zu ihrem Geheimnis gelangen. Endlich, nach Jahrzehnten! Carl wiederum hat andere Pläne und die Liebe seines Lebens weiß nichts von seinen Gefühlen und vielleicht wird es ja was, oder doch nicht. Er schließt sich einer Gruppe an, die sich verschanzt, selbst befreit und ihren eigenen Weg gehen möchte und auch Carl will selbst laufen lernen, endlich, jetzt. Der Inhalt klingt gut und mit viel Ost Verwandschaft war es für mich auch sehr reizvoll. Lutz Seiler hatte mir in Kruso schon einiges abverlangt und leider, wurde es jetzt auch in Stern111 nicht viel anders. Was aufregend und spannend klingt vom Inhalt her, dass verliert leider viel Blut. Es tröpfelt so dahin und plätschert und ist leider deswegen zum großen Teil bedeutungslos. Die Figur der Mutter gefällt mir da noch am besten und es ist am spannendsten, wie sie im neuen Leben Fuß fassen möchte. Carl ist einfach lahm, sorry, aber ich wollte immer schreien zieh den Stock aus dem Arsch und werde endlich locker. Sprachlich ist das Buch zum Teil echt großartig und begeistert, aber dann reihen sich wieder Metaphern aneinander, die einfach nur Nerven und die Geschichte auch nicht interessanter macht. Literatur ist Gott sei Dank immer Geschmacksache, aber mein Geschmack ist Stern111 leider nicht und die große Überraschung bleibt für mich aus und der ewig lange Epilog ist ein Zeugnis für das Buch, einfach viel zu lang, für so wenig Leben im Buch.
- Eugen Ruge
Pompeji oder Die fünf Reden des Jowna
(296)Aktuelle Rezension von: Ruth
Kann man einen spannenden Roman schreiben, wenn jeder das Ende schon kennt? Ja, kann man. Eugen Ruge hat mit seinem neuesten Werk den Beweis dafür geliefert.
Allerdings hat er keinen typischen historischen Roman geschrieben, sondern aus einer in der Vergangenheit angesiedelten Geschichte eine satirische Parabel auf die Gegenwart gemacht.
„ Vergiss, lieber Leser, alles, was du jemals über Pompeji gehört hast. …Vergiss und lies. Dies ist der wahre Bericht vom Untergang Pompejis und seiner Bewohner.“ So stimmt uns der namenlose Erzähler auf das Kommende ein. Er, ein „ beschämter Überlebender“ hat alles auf achtzehn Schriftrollen festgehalten und in einer Amphore verschlossen für die Nachwelt. Allerdings hat er seine Zweifel, ob diese wohl die Zeichen deuten können und daraus etwas lernen werden.Die Handlung setzt ein einige Jahre vor dem Vulkanausbruch. Die Stadt hat sich noch nicht ganz von den Folgen des Erdbebens im Jahr 62 v.Chr. erholt.
Jowna oder Josse, wie er genannt wird, Sohn einer armen Migrantenfamilie, wächst hier auf. Er schämt sich für die Armut und Bedeutungslosigkeit seines Vaters, doch Ehrgeiz entwickelt er keinen. Stattdessen bricht er früh die Schule ab und wird Anführer von einer Bande von Herumtreibern. Bei einem zufällig gehörten Vortrag eines „ externen Referenten“ erfährt er, dass die Stadt auf vulkanischem Boden steht und dass der Vulkan durch das große Beben zum Leben erwacht sei.
Diese Gefahr ist der Anlass für Josse aufzustehen und zu seiner ersten Rede anzusetzen. Noch linkisch und keineswegs wortgewandt lässt er die anderen an seiner Erkenntnis teilhaben. Da der Berg sich wohl kaum von der Stelle bewegen wird, so sollten das die Menschen tun.
Josse wird zum Anführer einer Gruppe Gleichgesinnter, die abseits der Stadt eine neue Siedlung gründen. Es ist ein buntes Völkchen hier am „ Fenster des Meeres“. Die einen berauschen sich an Fliegenpilzsud und wildem Sex, die anderen führen endlose Diskussionen über den zukünftigen Regierungsstil, über die Abschaffung des Privatbesitzes und die Gleichbehandlung der Geschlechter, über richtiges und falsches Bewusstsein.
Doch die Aussteiger werden mit Misstrauen beobachtet von der Elite in Pompeji. Dort will man nichts von der drohenden Gefahr wissen, fürchtet Massenpanik und Abwanderung und in Folge davon den Fall der Immobilienpreise.
Da tritt Livia auf, die führende Unternehmerin der Stadt. Sie hat sich mit dem Wiederaufbau eine goldene Nase verdient und gerade die Volksthermen für einen symbolischen Preis gekauft und in Betrieb genommen. So eine lässt sich doch nicht von ein paar verrückten Apokalyptikern das Geschäft verderben.
Sie umgarnt Josse mit ihren weiblichen Reizen und den Verlockungen der Macht und schafft es so, ihn zu einer Kehrtwende zu bewegen. Plagen ihn anfangs noch Skrupel ( „ Wie kehrt man um, ohne zu wenden? Wie übt man Verrat, ohne Verräter zu sein?“) , wird Josse kurz darauf zum Vorsitzenden des Vulkanvereins. Statt Pompeji zu verlassen, gilt nun ein „ Leben mit dem Vulkan“.Der Autor scheint beim Schreiben großes Vergnügen gehabt zu haben. Er geht spielerisch mit seinem Stoff um, packt jede Menge Begriffe aus der Gegenwart in den Text und schreibt spöttisch über die verschiedenen Denkrichtungen und Ideologien. Es fallen Anachronismen wie „ Mauerspechte“ und „ blühende Landschaften“. Bei einer der Reden Josses will jemand den Satz gehört haben „ Wir schaffen das“, ein anderer „ Das Büffet ist eröffnet“. Die Aussteiger aus der Siedlung erinnern an Hippiekommunen oder an linke Gruppierungen mit ihren Grundsatzdiskussionen.
Ruge lässt alle Gesellschaftsschichten der damaligen Zeit auftreten und alle bekommen ihr Fett ab. Der Neureiche, der sich vom freigelassenen Sklaven zum Bauunternehmer hochgearbeitet hat, der korrupte Politiker ebenso wie gierige Kapitalisten und bestechliche Priester. Kaum eine der Figuren entwickelt sich zum Sympathieträger, auch die Hauptfigur nicht. Ein Wendehals, der sich von der Macht verführen lässt, der sich vom Warner zum Demagogen entwickelt.
Auch historisch verbürgte Figuren treten auf, so z.B. Plinius der Ältere. Ihn zeichnet Ruge als typischen Buchgelehrten, der sein immenses Wissen nicht durch Exkursionen oder eigene Forschungen gewonnen hat, sondern durch das Studium anderer Bücher. Plinius ist mittlerweile eine Karrikatur seiner selbst, fett, unbeweglich und leicht senil. Und auch er glaubt nicht an einen drohenden Vulkanausbruch. Tragisch, dass er später dabei selbst zu Tode kommt.
Besonderes Vergnügen machte mir das Kapitel, in dem Josse Unterricht bekommt in Rhetorik. Hier lernt er alles, was eine gelungene Politikerrede ausmacht. Wie schafft man Vertrauen und welche Bedeutung haben leere Versprechen ? Wie kann man Versäumnisse als Verdienst ausgeben ? Nutze die verbindende Kraft von Feindbildern! Und manches mehr.
Bei all dem Gegenwartsbezug merkt man dem Roman aber auch die intensive Recherchearbeit des Autors an, denn der Leser erfährt viel Wissenswertes über das Leben in jener Zeit.
Doch mich hat beim Lesen weniger die historische Komponente interessiert, sondern seine aktuelle Fragestellung. Wie gehen Menschen mit zukünftigen Bedrohungen um? Sind sie bereit, darauf angemessen zu reagieren oder ignorieren sie die Warnzeichen oder leugnen sie gar?
Viele Szenen weisen einen hohen Wiedererkennungseffekt auf und man fragt sich, was der Vulkanausbruch unserer Zeit ist. Für mich ist das eindeutig der Klimawandel, aber auch bei der Corona-Pandemie gab es die gleichen Verhaltensmuster.
Auch wenn manche Rezensenten Parallelen zwischen der Hauptfigur Josse und Joschka Fischer ( ähnlicher Vorname, der Vater von beiden war Metzger) zu erkennen glauben, so hat Ruge meiner Ansicht nach keinen Schlüsselroman geschrieben. Vielmehr ging es ihm um allgemeine Tendenzen und Entwicklungen in Gesellschaft und Politik.
Eugen Ruge, studierter Mathematiker und Erdbebenforscher, debütierte 2011 mit seiner ( eigenen) Familiengeschichte „ In Zeiten des abnehmenden Lichts“, für das er den Deutschen Buchpreis erhielt. So große Ehre wird seinem neuesten Werk nicht zuteil werden, doch ihm ist mit „ Pompeji“ ein zwar vergnüglich zu lesender, doch nachdenklich stimmender Roman gelungen.
- Marc-Uwe Kling
QualityLand (QualityLand 1)
(215)Aktuelle Rezension von: MinijaneOh je, die Zukunft, die Marc Uwe Kling in Qualityland beschreibt ist abschreckend und doch nur die Welt von heute ein Stückchen weitergedacht.
In dieser schönen, neuen Welt, werden den Menschen die Entscheidungen abgenommen, denn der Algorithmus weiß sowieso was jeder will.
Geschichte:
Peter ( Arbeitsloser) ist sauer, weil ihm „The Shop“ einen rosafarbene Delfin-Vibrator geschickt hat, den er sich wohl unbewusst gewünscht hat. Er versucht das Teil erfolglos wieder loszuwerden und scheitert immer wieder.
Doch Peter gibt nicht auf und fixiert sich immer mehr auf die Idee, den Gründer von „ The Shop“ persönlich zu behelligen.
Ein zweiter Handlungsstrang erzählt von dem Androiden - Präsidentschaftskandidaten John of us , der im Wahlkampf gegen den rechtsradikalen Kandidaten zu bestehen versucht.
Und auf einer 3. Erzählebene geht es um das Ehepaar Martyn ( Politiker) und Denise( Ehefrau und Mutter) . Martyn ist eifersüchtig auf den digitalen Freund seiner Frau.
Die Geschichten werden nebeneinander erzählt und ergeben nicht wirklich einen Zusammenhang. Trotzdem ist jede Situation, in die die Figuren geworfen werden sehr unterhaltsam und witzig.
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Ich würde sagen, alle die die Känguru Geschichten mochten, werden auch an Qualityland ihre Freude haben. Denn auch hier sprüht der Autor wieder vor Ideen und es macht einfach Spaß ihm zuzuhören.
- Judith Schalansky
Der Hals der Giraffe
(268)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerAuf Der Hals der Giraffe bin ich durch das Interview mit Carolin Hagebölling aufmerksam geworden. Leider kann ich ihre Begeisterung nicht in Gänze teilen, dazu ist das Leseerlebnis zu ambivalent. Es beginnt bereits mit dem Untertitel: Bildungsroman. Der ist schlichtweg irreführend, denn hier entwickelt sich niemand, nicht einmal der geneigte Leser. Und auch in einem übertragenen Sinne ist es kein Bildungsroman, also kein lehrendes Buch, denn dazu sind sowohl die vermittelten biologischen Grundlagen zu banal und vor allem teilweise schlichtweg überholt und damit falsch. Um dies zu erkennen, muss man allerdings schon minimale Kenntnisse in Biologie haben, womit sich das Vermitteln von Grundlagen aufheben würde. Hinzu kommt, dass der Roman ohne echte Handlung auskommt, was bereits nach wenigen Seiten zu einer gewissen Eintönigkeit führt. Und dann ist da noch die Protagonistin, deren Gedankenwelt dermaßen abstoßend ist, dass ich mich durchgängig gefragt habe, warum irgendjemand das überhaupt lesen wollen würde. Nun kommt aber leider hinzu, dass Judith Schalansky eine großartige Schriftstellerin ist. Leider? Ja, denn sonst hätte ich den Roman zerreißen können, was er inhaltlich auch verdient hätte. Aber sprachlich ist der Hals der Giraffe herausragend, so dass ein Verriss nicht im Ansatz in Frage kommt.
Ohne das sprachliche Vergnügen wäre es eine Tortur Inge Lohmark, Mittfünzigerin und Gymnasiallehrerin für Biologie und Sport im ländlichen Vorpommern, länger als ein paar Seiten zu begleiten. Nun mag man die drei Kapitel, die drei Tagen im Schuljahr entsprechen, als satirisch, spritzig oder gar witzig verklären, dazu muss man dann aber auch Vergnügen an Abwertung und Demütigung haben. Denn Lohmark, deren Gedanken wir ertragen müssen, macht nichts anders als andere Menschen in bester Misanthropie stereotyp wahrzunehmen und dann abzuwerten. Das macht in etwa so viel Vergnügen wie einem Wutbürger zu lauschen. Nun gut es gibt natürlich auch Menschen die finden Don Alphonso von der FAZ, Henryk Broder oder Dieter Nuhr witzig. Mir geht das ständige Erheben über andere, das „lustig machen“, was nichts anderes ist als Polemik und damit die Waffe der geistig Schwachen, ziemlich auf die Nerven.
Sprachliches Highlight – Inhaltliches Nogo
Natürlich sind dann schnell die wertkonservativen Verständigen zur Hand. Das ist doch eine psychologische Studie, die Schalansky hier vorlegt. Das will ich ja auch gar nicht in Abrede stellen. Das Psychogramm ist hervorragend und erschreckend real. Aber es bleibt dabei: Warum soll ich so etwas lesen? Was habe ich davon? Wer das unterhaltend findet, findet wohl auch GNTM spaßig. Bildet es mich? Nicht mehr als irgendwelche Äußerungen von AfD Anhängern. Ich fand auch Sarrazin oder Pirinçci weder bildend noch unterhaltsam. Geht es darum mein Mitgefühl zu schulen? Sollen wir Leser lernen die Sorgen und Nöte der „Abgehängten“ zu verstehen? Nun ja. Niemand wird gezwungen ein Sozialdarwinist und Chauvinist zu werden. Das würde diejenigen abwerten, die in den gleichen Verhältnissen leben und nicht zum Hassmenschen werden. Soll ich lernen wie solch „verknöcherte“ Persönlichkeiten mit mangelnder Sozialkompetenz zu dem werden, was sie sind? Das sei vorweggenommen, das lernt man nicht. Denn wie bereits erwähnt: es ist kein Bildungsroman. Lohmark ist, wie sie schon immer war.
Es gibt jedenfalls Grund genug, warum man sich das Lesen des Romans sparen kann. Wäre da nicht, ja, wäre da nicht dieses grandiose Sprachvermögen von Judith Schalansky. Ich habe selten diese Authentizität von Gedanken gelesen, inklusive assoziativer Abschweifungen. Wir sitzen im Kopf von Lohmark. Wir bekommen keine Essenz ihrer Gedanken geliefert, sondern das Rohmaterial. Es hätte eigentlich nur noch gefehlt, dass zwischendurch einfach nur gesummt wird oder die Gedanken kurz ganz weg sind. Diese sprachliche Meisterleistung verbunden mit der präzisen Einfühlung und Beobachtungsgabe von Schalansky (so sie sich denn hoffentlich nicht lediglich selbst beobachtet hat) macht aus einem langweiligen misanthropen Egotrip eines der außergewöhnlichsten weil ambivalentesten Bücher der letzten Jahre.























