Bücher mit dem Tag "deutsches reich"
22 Bücher
- Ken Follett
Sturz der Titanen
(1.305)Aktuelle Rezension von: shrimpdumplingIch fand den Prolog so dermaßen toll, dass ich einfach nicht aufhören konnte zu lesen. Er hat mich direkt in die Geschichte gezogen und dafür gesorgt, dass ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht.
Am meisten geliebt habe ich, wie verstrickt die Charaktere und ihre Geschichten miteinander sind. Obwohl es so viele verschiedene Figuren gibt, hatte ich nie Probleme, den Überblick zu behalten. Im Gegenteil: Ich fand es unglaublich spannend zu sehen, wie sich ihre Wege immer wieder kreuzen und wie ihre Schicksale miteinander verbunden sind.
Mein Lieblingscharakter war definitiv Billy. Seine Geschichte hat mich am meisten interessiert und ich habe mich immer besonders auf seine Kapitel gefreut.
Außerdem fand ich es faszinierend, historische Ereignisse durch die Augen so vieler unterschiedlicher Menschen zu erleben. Dadurch wirkte die Geschichte lebendig und nie wie trockener Geschichtsunterricht.
Der einzige Punkt, der mich manchmal etwas ausgebremst hat, waren die sehr detaillierten Beschreibungen einiger Kriegsszenen. Diese Passagen waren mir stellenweise etwas zu lang, sodass ich eher darüber geflogen bin, weil mich die Figuren und ihre persönlichen Geschichten deutlich mehr interessiert haben.
Insgesamt hat mir das Buch aber unglaublich gut gefallen. Die Mischung aus Geschichte, Politik, Krieg und den miteinander verwobenen Lebensgeschichten der Charaktere hat mich komplett überzeugt, und ich freue mich schon darauf, die weiteren Bände der Reihe zu lesen.
- Andreas Eschbach
NSA - Nationales Sicherheits-Amt
(366)Aktuelle Rezension von: Hanns_Steffen_RentschlerAndreas Eschbach hatte eine geniale Idee.
Also wirklich.
Was wäre, wenn die Nazis schon Computer gehabt hätten?
Eine dieser Fragen, bei denen man als Leser das Popcorn fallen lässt und denkt:
„Holy shit – das wird böse.“
Aber was kommt?
Ein Roman wie ein eingeschlafener Systemadministrator.
Eschbach öffnet die Hölle – und macht dann erstmal ein Backup.
Er ersetzt Goebbels durch Google, Himmler durch Hashwerte und den totalen Krieg durch eine sehr gründliche Datenbankpflege.
Widerstand? Fehlanzeige.
Konsequenz? Abgemildert.
Technologischer Impact?
So revolutionär wie eine Fritzbox im Reichstagsbunker.
Denn wer glaubt, man könne dem Dritten Reich digitale Macht geben, ohne die Welt gleich mit in den Abgrund zu ziehen, der schreibt nicht spekulativ – der schreibt feige.
Statt einer rasenden Neuinterpretation der Geschichte gibt’s kleinteiliges Hackerpathos, moralisches Rumschleichen und ein bisschen Metaethik auf Unterhaltungsniveau.
Eschbach will warnen – aber bitte so, dass es niemandem den Schlaf raubt.
Die Vision bleibt brav. Die Dystopie harmlos.
Die Pointe?
Technik ist gefährlich.
Danke. Das wussten wir schon.
Eschbach zeigt mal wieder wie ungefährlich Literatur bleibt –
wenn sie ihre eigenen Ideen nicht zu Ende denkt.
Stell dir vor, Hitler hat Zugriff auf Big Data – und Eschbach macht daraus einen Roman über Datensparsamkeit.
- Robert Harris
Vaterland
(373)Aktuelle Rezension von: FelixLibrisIn “Vaterland” von Robert Harris, einem alternativen Geschichtsroman, hat Deutschland den Zweiten Weltkrieg gewonnen. Die Handlung folgt einem SS-Ermittler, der einen Mordfall aufklärt, während er auf dunkle Geheimnisse des Nazi-Regimes stößt.
Thematisch erinnert das Buch mich an „NSA“ von Eschbach. Eine unbedingte Leseempfehlung. Besonders an alle „Recht und Ordnung“ Fanatiker.
- Sabine Ebert
Schwert und Krone - Der junge Falke
(62)Aktuelle Rezension von: Thommy28Einen Blick auf die Handlung ermöglicht die Kurzinfo hier auf der Buchseite. Meine persönliche Meinung:
Der zweite Band der Reihe Schwert und Krone schliesst sich inhaltlich und zeitlich direkt an den ersten Band an. Er befasst sich mit den frühen Jahren des erwachsenen späteren Königs und Kaisers Friedrich Barbarossa. Ein Schwerpunkt der Geschichte ist der schrecklich gescheiterte zweite Kreuzzug der 1147 begann und mit vernichtenden Niederlagen endete. Ausserdem wird auf den sogenannten "Wendenkreuzzug" eingegangen, der nur vordergründig der Christianisierung galt und eher der Machterweiterung der deutschen Fürsten diente.
Das Buch vermittelt wieder einen tollen - manchmal auch sehr bedrückenden - Einblick in das Leben und Sterben zu damaligen Zeiten. Die geschickte Mischung aus realen historischen Begebenheiten und fiktiven Geschichten macht den großen Reiz dieses Buches aus.
Es gibt eine Vielzahl spannender Momente, nur gelegentlich schleichen sich ein paar Längen ein, die aber den Lesefluss nicht nachteilig stören.
Ein toller zweiter Band. Ich freue mich auf den nächsten Band!
- Robert Harris
Vergeltung
(28)Aktuelle Rezension von: RandberlinerNach seinem Roman „Der zweite Schlaf“ (2019), einem gelungenen Ausflug des britischen Erfolgsautors in eine dystopische Zukunft, in die die Menschheit angesichts der zunehmenden Fragilität unserer Gesellschaft schlittern könnte, kehrt Robert Harris zurück zu seinem Erfolgsrezept, wahre Geschichte durch fiktive Geschichten zu erzählen. Ging es in „München“ (2017) um eine Abrechnung mit der britischen Appeasement-Politik am Vorabend des zweiten Weltkrieges, thematisiert „Vergeltung“ (im englischen Originaltitel „V2“) in der Schlussphase des zweiten Weltkriegs den Kampf gegen die deutsche „Wunderwaffe“, die zwar militärisch völlig wertlos war, aber dennoch die britische Hauptstadt empfindlich terrorisierte.
In üblicher Erzählmanier erfolgreicher britischer Historienromane handeln die Protagonisten stellvertretend und im Schatten der großen Akteure der Weltpolitik und leisten ihren bescheidenen, aber zuweilen entscheidenden, jedoch immer fiktiven Beitrag zur Weltgeschichte. Natürlich sind die historischen Ereignisse und Personen wieder exzellent recherchiert. Und so wird der Leser von der britischen Offizierin Kay Caton-Walsh und dem deutschen Raketenspezialisten Rudi Graf auf eine, wenngleich an erzählerischen Höhepunkten armen, aber dennoch fesselnde und informative Reise durch eines der interessantesten Kapitel des zweiten Weltkrieges mitgenommen. Nur rund 150 Kilometer voneinander entfernt brennt die junge Britin im belgischen Mecheln darauf, die Startplätze der Raketen in den Wäldern von Scheveningen ausfindig zu machen, von denen unter Aufsicht von Rudi Graf die todbringenden Raketen auf London abgefeuert werden.
Damit wären wir auch beim eigentliche Hauptthema des Romans und der Figur, die im Roman die heimliche Hauptrolle spielt: Wernher von Braun. Der deutsche Raketenpionier, dessen Person und Lebensweg vor allem durch die Erinnerungen seines Freundes und Weggefährten Graf reflektiert werden, steht wie kaum ein zweiter für den Typ des Wissenschaftlers, der von einer visionären Idee beseelt ist und bei der Verwirklichung dieses Traums vor keiner technischen, finanziellen und moralischen Hürde zurückschreckt. Eigentlich will er mit seiner Rakete zum Mond fliegen, aber von Braun ist nicht nur charismatischer Visionär, sondern auch ein zuweilen eiskalter Realist, der weiß, dass ohne das Geld der Militärs und der Vision von einer unschlagbaren Waffe er sein Projekt nie verwirklichen kann. Wie Jahrzehnte später die weltweite Vernetzung von Milliarden Menschen durch das Internet in den geheimen Labors der Militärs ihren Anfang nahm, sah von Braun mit skrupellosem Weitblick, dass der Weg zum Mond über die Heeresversuchsanstalten in Kummersdorf bei Berlin und Peenemünde auf der Insel Usedom führt.
Er steht dabei stellvertretend für eine Vielzahl von begnadeten Wissenschaftlern, die sich an die jeweils Herrschenden verdingt haben, um ihre wissenschaftlichen Träume zu verwirklichen. Mit moralischen Kategorien ist das kaum zu bewerten und so kümmert es von Braun nicht, wenn er die schwarze SS-Uniform anzieht, 20.000 Zwangsarbeiter bei der Produktion der Raketen umkommen oder seine Raketen Tod über London und Amsterdam bringen. Und als es mit Hitlerdeutschland zu Ende geht und die Geldquellen für seine Forschungen zu versiegen drohen, zögert er keine Sekunde, neue, diesmal amerikanische Geldquellen zu erschließen. Wenn von Braun zu seinem inzwischen desillusionierten Mitstreiter Rudi Graf sagt: „Wenn ich Adolf Hitler überzeugen konnte, fünf Milliarden Reichsmark für Entwicklung und Bau der Rakete springen zu lassen, glaubst du nicht, dass ich auch einen amerikanischen Präsidenten davon überzeugen könnte, zum Mond zu fliegen?“, mag das zynisch und moralisch verkommen klingen, aber jeder weiß aus dem Geschichtsunterricht, dass von Braun letztendlich diesen seinen Traum verwirklicht hat. Gibt die Geschichte Wernher von Braun also Recht oder wiegt der Blutzoll auf den Weg dorthin nicht vielleicht schwerer?
Damit weist Robert Harris auch auf den janusköpfigen Charakter von Wissenschaft und Technik hin. Die gleiche Rakete, die mit ihrem tödlichen Sprengkopf Leid und Zerstörung bringt, kann auch Satelliten in den Weltraum schießen, die der Menschheit von großem Nutzen sind. Es sind letztendlich die Menschen und die Gesellschaft, die bestimmen, ob eine neue Technik zum Guten oder zum Bösen eingesetzt wird. Von Braun ist mit sich und seiner Vision im Reinen. Sein Mitarbeiter Graf droht an der moralischen Dimension seiner Forschungsergebnisse zu zerbrechen. Big Data, Gentechnik und künstliche Intelligenz lassen grüßen
Warum gebe ich dem neuen Werk von Robert Harris nur vier von fünf Punkten? Am Thema liegt es nicht, wenngleich mich das Thema des zivilisatorischen Untergangs im Roman „Der zweite Schlaf“ mehr berührt hat. Jedoch hat „Vergeltung“ die gleichen erzählerischen Schwächen wie andere Bücher von Robert Harris. Vielleicht liegt es auch an der Übersetzung, aber der Erzählstil ist zum Teil farblos und arm an Spannung. Gern würde man der Handlung an der einen oder anderen Stelle mehr Spannung und Dramatik wünschen. Einen gelungenen erzählerischen Schluss findet man bei Harris selten und so vermag die Zusammenführung der beiden Erzählstränge am Ende des Buches nicht wirklich zu überzeugen.
Aber ungeachtet der Schwächen ist Robert Harris wieder ein lesenswerter, hervorragend recherchierter und zumindest in Teilen spannender Roman gelungen. - Hanni Münzer
Marlene
(142)Aktuelle Rezension von: Azyria_SunWorum geht’s?
Marlene arbeitet als Spionin. Sie tut alles, um gegen Hitlers Regime anzukämpfen. Doch ihre Tarnung fliegt auf und sie wird nach Auschwitz deportiert. Dort hat sie unter grausamen Bedingungen täglich um ihr Überleben zu kämpfen. Um ihr Überleben und das der ihr nahestehenden Frauen.
Meine Meinung:
Mit „Marlene“ endet schon die Honigtot-Dilogie von Hanni Münzer. Und wie auch der erste Teil ist dieses Buch wieder unheimlich eindrucksvoll geschrieben. Die Autorin erschafft Bilder mit Worten, erzeugt Grauen und schreibt die Geschichte tief unter die Haut ihrer LeserInnen.
In diesem Teil begleiten wir Marlene, die wir schon im ersten Teil kennenlernen durften. Sie hatte mir bereits damals gefallen und umso mehr habe ich mich darauf gefreut, über ihr Leben lesen zu dürfen. Marlene ist wirklich eine eindrucksvolle Person. Auch einigen alten Bekannten begegnen wir wieder, u.a. Deborah, die im ersten Teil eine Hauptrolle hatte. Ernst, den ehemaligen Liebhaber von Marlene. Und Ottilie, für die ich mich am Ende besonders gefreut habe. Auch Wolfang dürfen wir wiedersehen und daneben lernen wir viele weitere, starke Charaktere kennen, wie z.B. Jolanta und Olga.
Die Geschichte von Marlene und den anderen ist wirklich intensiv. Es war fast noch emotionaler und erschreckender, als der erste Band. Hier lässt uns die Autorin die dunklen Seiten des Krieges wirklich hautnah miterleben. Es ist erschreckend, wieviel Grauen wir hier erleben müssen. Wir kommen nach Auschwitz. Erleben eine Deportation mit. Ein Bombenattentat. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll und ich möchte auch nicht spoilern, daher nur so viel: Die Mischung von Fakten und Fiktion ist wieder absolut perfekt. Dieses Buch ging mir total unter die Haut! Es hat mich in meinen Träumen verfolgt und das Grauen, das die Menschen damals erleben mussten, erschreckende Realität werden lassen. Auch das Kriegsende erleben wir mit und wie Marlene und ihre Freundinnen sich durchgeschlagen haben. Hunger, Verlust, Ängste, Vergewaltigungen. Aber auch Freude dürfen wir miterleben. Hoffnung. Neuanfänge. So schrecklich die Schicksale in diesem Buch sind, so viele schöne Momente bekommen wir doch auch. Es ist grausam, diese vielen Szenen mitzuerleben und gedanklich mit zu durchleben. Und umso mehr konnte ich mich am Ende mit Marlene, Jolanta und all den anderen freuen. Ein intensives Buch, das es wirklich in sich hat und das den Krieg erschreckend und beängstigend real werden lässt. Von mir eine klare Leseempfehlung und ich freue mich schon auf die nächsten Bücher der Autorin, die bereits lesebereit neben mir liegen.
Fazit:
Mit „Marlene“ hat mich Hanni Münzer wirklich umgehauen. Wir treffen liebgewonnene Personen wieder und insbesondere Marlene, die mich schon im ersten Teil der Dilogie beeindruckt hat, dürfen wir näher begleiten. Dabei erleben wir viele intensive, erschreckende und grausame Szenen mit. Aber auch, wie Hoffnung und Liebe in den Menschen wieder erstarken. Das Buch ging mir wirklich unter die Haut und hat mich in meinen Träumen verfolgt, aber es war auch schön zu lesen, wie gerecht das Schicksal am Ende mit allen Personen war. Fakt und Fiktion waren wieder perfekt vermischt und ich habe das Buch regelrecht verschlungen.
5 Sterne von mir und ich bin mir sicher, dass mich Marlenes Geschichte noch eine Weile verfolgen wird.
- Barbara Tuchman
August 1914
(8)Aktuelle Rezension von: ThomasMajhenTuchman beleuchtet in diesem Buch die ersten 30 Tage des Ersten Weltkriegs. Sie behandelt sowohl das politische Geplänkel der Großmächte, als auch die strategischen Überlegungen der Armeeführung, solange dieser Krieg noch ein Bewegungskrieg war. Für alle Geschichtsinteressierten, die sich näher mit der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts auseinandersetzen wollen, ein unbedingtes Muss. - Hartmut Maurer
Staatsrecht I
(3)Aktuelle Rezension von: HoldenMaurers Buch zum Staatsrecht, mit Staatsrecht beginnend und der Arbeit und Zuständigkeiten von Verfassungsorgane wie Bundestag und Bundestag, mit allen wichtigen Streitigkeiten, die in Klausur und Hausarbeit vorkommen können, bis zur Arbeit des Bundesverfassungsgerichts und dessen Arbeit in den verschiedenen Sorten von Verfahren (Normenkontrolle, Verfassungsbeschwerde, Parteiverbote usw). Eine meiner Lieblings-Jurabuch-Reihen, insgesamt eher für Anfänger gedacht bzw. zur kurzen und knappen Rekapitulation vor den Examina. Für Anfänger also rundheraus zu empfehlen, für Examenskandidaten eher so mittel.
- Franziska Hauser
Die Gewitterschwimmerin
(40)Aktuelle Rezension von: BuchstabenliebhaberinDas Leben in ihrer exzentrischen Familie hat Tamara hart gemacht, sie geht bei Gewitter in ihrem geliebten See schwimmen und hätte nichts dagegen, vom Blitz getroffen zu werden. Manchmal kann sie sich selbst nicht leiden, wenn sie um ihre geliebte Schwester trauert, die sich zu Tode gesoffen hat.
Nach außen hin ist bei den Hirschs alles schillernd und aufregend, eine jüdische Familie, angesehen und renommiert, Großvater Friedrich, Mathematikprofessor, flüchtete vor den Nazis nach England, sein Sohn Alfred war aktiv im Widerstand in Frankreich, entschied sich anschließend für ein wildes, ausschweifendes Künsterleben. Dominante Herren, denen sich die Frauen unterordneten, die depressive Ilse an Heinrichs Seite, die unberechenbare, scheinbar sexuell hörige Adele an Alfreds Seite.
Adele kann mit ihren Töchtern nichts anfangen und macht keinen Hehl daraus, Haushälterin Irmgard ist eine Art Mutterersatz für die beiden Mädchen, die erst den sexuellen Übergriffen des Vater ausgesetzt sind, und später auch denen der Mutter, die alles mitmacht was Alfred vorlebt. Und den Freunden der Familie bei den tabulosen Künstlerparties im Haus. Entsetzlich!
Franziska Hauser kann schreiben! Man hat förmlich vor Augen, wie alle im Hause Hirsch nackig durch die Gegend laufen. Wie die Stimmung immer schnell und unerwartet kippt. Eine Familie, die zusammen hält, durch die tiefe Risse gehen, die von niemanden benannt werden dürfen. Traumen, die von Generation an Generation weitergegeben werden. Schrecklich.
Als Leser*innen allerdings erfahren wir alles. Es ist einfach, Adele zu hassen, die ungebildete ehemalige Krankenschwester, die nur für und mit Alfred sein kann, die nichts eigenes besitzt und immer bösartiger wird. Und Tamara, ihrer Tochter, blüht das gleiche Schicksal, und sie sieht und weiß es, und kommt nicht wirklich dagegen an. Ihr Leben hat sie hart gemacht, und das hat sie überleben lassen. Warum hat niemand den Lebemann Alfred gestoppt? Weil es damals nicht üblich war. Das Thema Missbrauch hat heute einen ganz anderen Stellenwert, das macht das Buch auch sehr deutlich. Früher waren die Kinder damit allein, kaum jemand hat es gewagt sich einzumischen. Oder sah es überhaupt als Problem an.
Anfangs hatte ich etwas Schwierigkeiten, die Personen einander zuzuordnen. Vor allem Ilse, Irmgard und Irene hab ich gern durcheinander geworfen. Es hat etwas gedauert, bis ich wusste wer zu wem gehört.
Es ist ein dickes Buch, was mich sofort in seinen Bann zog und schneller als erwartet ausgelesen war. Meine Leseempfehlung!
- Marie Benedict
Die Mitford Schwestern
(143)Aktuelle Rezension von: Unser_BücherGartenVor längerer Zeit hatte ich das Buch „Die Mitford-Schwestern“ gewonnen und nun aus meinem SUB hervorgeholt. Mir waren diese „berühmt-berüchtigten“ Schwestern aus Großbritannien, die die politische und kulturelle Szene zwischen den Weltkriegen geprägt haben, unbekannt. Also ging ich auch völlig unbefangen ans Lesen.
Im Buch „Die Mitford-Schwestern“ stehen drei von sechs der Mitford-Geschwister im Mittelpunkt: Nancy, Diana und Unity. Diana und Unity sind vom Faschismus, insbesondere von Hitler, schwer beeindruckt. Unity gelingt es sogar, Hitler sehr nahe zu kommen. Die Schriftstellerin Nancy beobachtet das Verhalten ihrer Schwestern genau und gerät in einen Loyalitätskonflikt, als sie beunruhigende Gespräche belauscht und sogar wichtige Dokumente findet. Sie muss sich zwischen ihrer Familie und dem Schutz ihres Vaterlandes entscheiden.
Anfänglich tat ich mir mit der Lektüre schwer: wir lernen eine reiche und aristokratische englische Großfamilie kennen. Eine Schwester schöner und exzentrischer als die andere. Zudem gaben sich die Familienmitglieder Spitznamen, sodass ich etwas gebraucht habe, das Familiengefüge zu verstehen. Keine Figur war mir sympathisch, die Geschichte zog sich. Doch zum Glück blieb ich dran. Denn ganz langsam kristallisiert sich heraus, dass Diana und Unity Mitford große Anhängerinnen des Faschismus sind. Insbesondere Unity Mitford ist begeistert von Hitler und reist nach München, um an ihn heranzukommen. Es gelingt ihr tatsächlich, seine Aufmerksamkeit zu erlangen und wird im engen Nazikreis aufgenommen. Hier muss ich der Autorin ein großes Lob aussprechen. Es muss sehr schwer sein, ein Monster wie Hitler aus der Sicht von Unity und Diana zu beschreiben. Als Leserin hinterließen die Szenen, in denen Hitler als Gentlemen dargestellt wurde, ein mulmiges Gefühl. Diese Schwärmereien waren schwer zu ertragen. Gut, dass die Kapitel entsprechend kurz sind. So konnte ich das Gelesene besser „sacken lassen“. Ab der zweiten Hälfte fesselte mich diese Geschichte und ich konnte es kaum weglegen. Da ich die tatsächliche Geschichte der Mitford-Schwestern nicht kannte, wollte ich unbedingt wissen, ob und wie es Nancy gelingt, ihre Schwestern zur Vernunft zu bringen bzw. wie weit Diana und Unity mit/für Hitler gehen würden.
Die Autorin versetzt sich in alle drei Schwestern hinein und erzählt aus der jeweiligen Perspektive. Als Leser bekommt man einen differenzierenden Gesamteinblick und kann gewisse Verhaltensweisen verstehen. Man kann sehr gut beobachten, wie sich die Schwestern schleichend radikalisieren und das Familiengerüst aufgrund der verschiedenen politischen Meinungen ins Wanken gerät. Mutig ist hier das Verhalten der Schriftstellerin Nancy Mitford, die sehr früh die Entwicklungen ihrer Schwestern bemerkt und mithilfe der Literatur versucht, sich Gehör zu verschaffen. Viele Dialoge und Diskussionen innerhalb der Familie können nicht aktueller sein.
Fazit:
Wer historische Romane, insbesondere über die Zeit zwischen den Weltkriegen, mag, dem kann ich „Die Mitford-Schwestern“ empfehlen. Die Autorin hat gut recherchiert und die Protagonisten differenziert dargestellt. Der Text liest sich gut und ist ab der zweiten Hälfte sehr spannend. Marie Benedict hat eine gut lesende und informative Romanbiographie geschrieben. Dieses Buch hat mich nun auf ihre weiteren Romanbiographien, die den Titel „Starke Frauen im Schatten der Weltgeschichte“ tragen, neugierig gemacht.
- Klaus Berndl
Neue Globalgeschichte
(2)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerKlappentext:
„Komplexe Zusammenhänge der Weltgeschichte – einfach erklärt: Mit 960 Seiten und ca. 1.000 farbigen Abbildungen und Karten, teils über Doppelseiten, lädt dieses Geschichtskompendium zum Stöbern ein! Historische Persönlichkeiten und wichtige geschichtliche Ereignisse von der Antike bis in die Gegenwart werden so leichter greifbar. Die »Neue Globalgeschichte« präsentiert einen grandiosen Gesamtüberblick über die Menschheitsgeschichte in Wort und Bild. Sie ist ein Lesebuch für Kulturinteressierte und ein praktisches Kompendium für alle, die auf kurzweilige Art und Weise ihr Geschichtswissen auffrischen möchten!“
Es ist ein Schwergewicht dieses Buch und das ist auch gerechtfertigt! Wenn man 10.000 Jahre auf knapp 1000 Seiten „quetscht“ muss es auch ein gewisses Gewicht mit sich bringen. Dieser besondere Bildband zeigt sehr detailliert und anschaulich die oben beschriebenen Zeitenspanne auf und die kurzweiligen und knackigen präzisen Texte geben das gekonnte Umfeld dafür. Alles wirkt anschaulich, ja zum Teil sogar spannend und der Lessr wird hier keineswegs müde beim durchblättern, ganz im Gegenteil. Neben der evolutionären Veränderung des Menschen und dem technischen Fortschritt zeigen sich auch gesellschaftliche Themen als große Veränderung der Zeit. Von Apartheid bis hin zum Klimawandel bis hin zu Kurzbiographien besonderer Menschen ist hier alles und jedes wichtige Welt-Detail notiert.
Ich muss zugeben, ich liebe solche Bücher, da sie die Zeitgeschichte festhalten und in vielen Jahren später ein gewisser Anhaltspunkt sind und aufzeigen, wie es mal war…
Ein Buch, welches auch für Jugendliche sehr zu empfehlen ist! 5 von 5 Sterne hierfür!
- Wylie Overstreet
Adam ist jetzt mit Eva befreundet
(43)Aktuelle Rezension von: HoldenEine interessante Idee: Was wäre passiert, wenn Mark Z. (bzw. die Winklevoss-Zwillinge) Facebook viel früher erfunden hätten, was hätte man damals nicht alles schon im Vorraus wissen können? Schön ironisch-humorvolle Gedankenspielereien, bei dem einem auch manchmal das lachen im Halse stecken bleibt, zB wenn Hitler Nationalismus bereits 1920 für eine "gute Idee" hält. Sehr amüsant so für zwischendurch, durchaus weiterzuempfehlen. - Robert Harris
München
(15)Aktuelle Rezension von: Buechergarten》INHALT:
München, September 1938: Der Weltfrieden ist bedroht - mit Hitler, Chamberlain, Mussolini und Daladier trifft eine Auswahl führender europäischer Politiker zu einer kurzfristig anberaumten Krisensitzung zusammen. Mit ihm Gefolge sind Hugh Legat, Privatsekretär Chamberlains aus dem Außenministerium, und Paul von Hartmann, aus dem Auswärtigen Amt in Berlin. Die beiden verbindet eine Freundschaft aus vergangenen Tagen und Oxford, die nun auf die Probe gestellt wird. Wie weit wagen sie zu gehen, um den drohenden Krieg abzuwenden?
》EIGENE MEINUNG:
Das Hörbuch zu „München“ umfasst die gekürzte Lesung auf 6 CDs mit einer Gesamtspielzeit von ca. 8 Stunden. Als Sprecher konnte dabei Frank Arnold vollständig überzeugen. Im Gegensatz zu anderen Stimmen habe ich die „Kürzung“, auch wenn ich sie bei meinen Hörbüchern immer zu vermeiden versuche, nicht als präsent wahrgenommen. Das Cover ist in den Farben Rot, Schwarz und Weiß gehalten, was auf mich bereits sehr eindringlich und auch auf gewisse Weise gefährlich wirkt!
Die Geschichte bezieht sich auf das, tatsächlich 1938 stattgefundene, Münchner Abkommen.
Die Meinung einiger Rezensenten zum Thema „Politik ja, Thriller nein“ kann ich absolut nicht nachvollziehen. Ich war im Hörbuch durchgehend angespannt, habe mitgefiebert und den Ausgang genauso herbeigesehnt, wie gefürchtet. Natürlich weiß man wie die Ereignisse in geschichtlicher Hinsicht geendet haben, aber auch die beiden – mehr oder weniger fiktiven - Protagonisten Legat und von Hartmann sind mir im Laufe der Zeit ans Herz gewachsen. Dabei basiert von Hartmann auf der echten Person von dem der von den Nazis ermordete Adam von Trott zu Solz. Sehr spannend war für mich auch Harris Sicht auf den englischen Premierminister Neville Chamberlain sowie die jeweiligen Beweggründe der handelnden Personen. Durch wechselnde Sichtweisen zwischen Legat und von Hartmann geht die Geschichte zügig und harmonisch voran. Man taucht in die Positionen, Verhandlungen und Ziele der einzelnen Seiten ein. Zum Schluss hatte ich fast das Gefühl die Personen nun zu kennen, so detailreich und lebendig sind sie gezeichnet. Extrem wichtig fand ich auch die Einblicke in die Reaktionen des deutschen bzw. englischen Volkes – die Stimmung wurde perfekt eingefangen.
Robert Harris ist es laut einem Interview wichtig, dass seine Geschichte genau so hätte passiert sein können. Und so fühlte es sich für mich auch zu jederzeit an. Ich habe mich neben dem Hörbuch viel mit der Geschichte um das Münchner Abkommen, Chamberlain, der Sudetenkrise etc. beschäftigt. Harris versteht es perfekt reale Geschichte mit Fiction zu verweben, ohne dem Stoff seinen wahren Kern zu nehmen.
Besonders fasziniert bin ich davon, wie der Autor das Ende seiner Geschichte gewählt hat. Als Leser weiß man, dass der Krieg durch das Münchner Abkommen „nur“ verschoben wurde, rechnet also mit dem Schlimmsten. Man bereitet sich vor, auch auf den Abschied von Legat und von Hartmann. Ich würde nichts daran ändern und hatte auch nie das Bedürfnis im Hörbuch von der Realität abzuweichen, um mehr Fiction zu erfahren. Für mich: Eine perfekte Mischung!
》FAZIT:
Ich empfinde dieses Hörbuch, sowohl den fiktiven Teil als auch das Wissen um die historischen Fakten darin, als absoluten Gewinn! Ich war, von den wenigen, detailgetreu beschriebenen Tagen, durchgehend gefesselt und muss sagen: Das war zwar mein erstes Buch von Robert Harris, aber sich nicht mein Letztes!
- Helmert, Heinz - Usczeck, Hans-Jürgen
Preußischdeutsche Kriege von 1864 bis 1871. Militärischer Verlauf
(0)Noch keine Rezension vorhanden - Oliver Henkel
Kaisertag
(8)Aktuelle Rezension von: karatekaddIm Oktober 2014 schrieben wir eine Rezension zu einem Buch, welches für den Deutschen Phantastik Preis nominiert war. Es ging um Zeitreisen im Zusammenhang mit der deutschen Geschichte im sogenannten Dritten Reich.
Mich hat das Thema wieder eingeholt. Zum einen mit dem eBook WALKÜRENRITT von Heiger Osttag und zum anderen mit KAISERTAG von Oliver Henkel. Um das letztgenannte Buch aus dem Jahr 2014, welches den Deutschen Science-Fiction-Preis gewonnen hat geht es hier, WALKÜRENRITT sei schon mal angekündigt.
Wir bleiben damit schön in der zeitlichen Reihenfolge, denn KAISERTAG spielt zwar 1988, die Rückblenden reichen bis zum 1. Weltkrieg zurück. Was wäre gewesen, wenn der habsburgische Thronfolger, Erzherzog Ferdinand. gar nicht Opfer des bekannten, scheinbar den ersten Weltkrieg auslösenden Attentats geworden wäre?
Also ich gehe mal davon aus, dass es dann ein Paralleluniversum ohne diesen mörderischen Krieg gegeben hätte. Nein, nein, ich glaube eigentlich nicht an solche Fantastereien. (Übrigens, es geht nicht um Zeitreisen.) Ob Oliver Henkel daran glaubt weiß ich nicht, aber eins ist sicher, wir haben es mit einer etwas anderen Art von Science-Fiction zu tun.
Science-Fiction [ˌsaɪəns ˈfɪkʃən̩] (engl. science „Wissenschaft“, fiction „Fiktion“) ist ein Genre der Literatur und des Films, aber auch anderer Bereiche wie etwa der bildenden Kunst oder der Videospiele, das den Einzelnen, die Gesellschaft oder die Umwelt in (oft radikal) alternativen Konstellationen betrachtet. Science-Fiction entwirft – häufig in die Zukunft verlegte, teilweise auch räumlich entfernte – Konstellationen des Möglichen und beschreibt deren Auswirkungen. Dabei werden reale wissenschaftliche und technische Möglichkeiten mit fiktionalen Spekulationen angereichert. [1]
Zukunft. Aha. Meist jedenfalls. Wir aber schauen mit Henkel zurück. Zuerst einmal in das Jahr 1914. Also. Ferdinand ist nicht ermordet wurden, Weltkrieg 1 und 2 fanden nicht statt. Das Dritte Reich war auch kein Thema, dafür regiert im Jahr 1988 Kaiser Wilhelm V. – ziemlich jung auf den Thron geraten, Vater, älterer Bruder und Großvater segneten zu schnell das Zeitliche.
Das Kaiserreich hat sich ziemlich langsam entwickelt. Es gibt noch Autos mit mechanischen Blinkern, äh, Winkern. Kutschen, Pferdefuhrwerke sind auch noch allgegenwärtig. Die Soldaten tragen immer noch den unbequemen Waffenrock und die Pickelhaube. Das Offizierskorps scheint immer noch ziemlich abgehoben zu sein. Zeppeline sind das Reisemittel, z.B. in die Kolonien.
Den Privatdetektiv Friedrich Prieß sucht eine junge Dame auf, deren Mann, ein Oberst des Reichsministeriums für Aufklärung (Militärgeheimdienst) sich das Leben genommen haben soll. Sie glaubt nicht richtig dran und da das Entgelt ansprechend ist, sagt Fritz zu. Der Hamburger muss also nach Lübeck. Und diese Hansestadt weist eine Besonderheit auf. Sie hat nämlich eine Polizeipräsidentin. Unverheiratet. Protegiert von einem Senator. Alexandra ist die Ex-Verlobte von Fritz. Und wegen der endete seine Militärkarriere bereits als Leutnant. Denn (zukünftige) Offiziersgattinnen hatten, bzw. haben nicht zu arbeiten. Punkt. Andernfalls müsse er den Dienst quittieren. Er quittiert, denunziert von einem Kameraden.
Wie gesagt, das Deutsche Kaiserreich ist ziemlich entschleunigt wurden. Die Polizeipräsidentin, in der Beschreibung verfügt sie aber nur über den Personalbestandes eines kleinen Reviers, hat eine gewaltige Aufgabe: Der KAISERTAG steht bevor. Seine Majestät besucht die Freie und Hansestadt Lübeck. Und plötzlich steht der Fritz wieder vor ihr. Der erste Abend geht schrecklich aus. Da der Oberst aber wohl tatsächlich ermordet oder zum Selbstmord gezwungen wurde, kommt es zu einer Zusammenarbeit der beiden, die nicht so richtig in die vorherrschende Gesellschaft zu passen scheinen. Das ungleiche Pärchen sticht in ein Wespennest: Zwei geheime Gruppen bekämpfen sich im Deutschen Kaiserreich, das gerade mitgeteilte, dass es die Atombombe entwickelt hat. Testgebiet – man hat ja Kolonien. Und Krieg ist der Vater aller Dinge. Oder so. Und Großmachtstreben gibt’s auch.
Was kann ich noch verraten?
Diverse Namen kommen schon vor. Ein E. Presley leitet die New Yorker Philharmonie. Generalfeldmarschall Erwin Rommel ist ein Graf von Kai-Feng, er hat den Großen China-Krieg gewonnen. Das war im Jahr 1944. Der greise Held tritt selten in die Öffentlichkeit. Alexandra Dühring vernimmt einen gewissen Feldmann, der durch Bildergeschichten das deutsche Handwerk „verunglimpft“. Freunde würden ihn „Brösel“ nennen, erklärt er in der Vernehmung. Die Bildergeschichten sind in der Jugend ziemlich beliebt…
Arno Wyzniewski[2] spielt im Kino immer den Großen Friedrich, ein Bürokopierer kostet 4000 Mark. Soviel wie ein Opel-Benz. Nein, ich habe mich nicht verschrieben. Autos sind teuer, die Bürger sollen nicht so viel rumkutschen. Geschickter Weise hat Henkel das Jahr 1988 gewählt. Computer waren damals noch nicht so sehr verbreitet ;) – Hier verzichten wir gleich mal ganz darauf.
Ein General Göring hat vor Jahrzehnten das Maul zu voll genommen, so gewann der militärisch-industrielle Zeppelin-Komplex das Rennen und Jagdflugzeuge braucht man zwar, aber besonders wichtig scheinen sie nicht. Bomben kann man auch mit Luftschiffen.
Und diverse weitere Anspielungen, die einen schmunzeln lassen.
* * *
Am Ende ist es ein spannender Spionagekrimi und weniger ein Science-Fiction-Roman der Marke WAS WÄRE WENN? Aktuell der Umstand, die Türkei mischt ein klein wenig mit. Für Verschwörungstheoretiker ist das Buch auch eine Fundgrube. Antisemitismus diverser unangenehmer Personen ist gelegentlich vorhanden.
Verblüffend ist letztlich, dass, so wie die Gesellschaft beschrieben wird, diese Alexandra Dühring tatsächlich Polizeichefin einer Hansestadt werden kann. Vorbotin einer neuen Zeit ist sie damit noch nicht. Da fällt auch schon mal der Begriff „Suffragette“. Das Ende erinnert an Robin Hood. Den mit Sean Connery als König Löwenherz.
Oliver Henkel hat sich auch schön selbst auf die Schippe genommen. Der Friedrich Prieß findet bei der Alexandra einen Roman. Von Richard Harris. Vaterland. Und schüttelt den Kopf ob der Frage, wer sich denn solch abstrusen Unsinn ausdenken konnte: „Ein Regime massenmordender rassistischer Wahnsinniger, angeführt ausgerechnet von einem messiasartig verehrten österreichischen Postkartenmaler, der nicht nur den [2.] Weltkrieg vom Zaun gebrochen hatte, sondern auf dessen Befehl hin auch Millionen von Menschen in monströsen Tötungslagern ermordet worden waren.“ (Seite 182)
Aber auch wenn dies auf dieser Zeitebene nicht stattgefunden hatte: Verbrechen sind auf der Skala nach oben wohl keine Grenzen gesetzt. Auch nicht unter Wilhelm V. im Jahr 1988.
So eben fand ich in der Beschreibung eines weiteren Buches von Oliver Henkel, Die Fahrt des Leviathan, einen Begriff, den wohl der Atlantis-Verlag für solche Bücher geprägt hat: Alternativwelt-Roman. Das gilt auch für den Roman Die Zeitmaschine Karls des Großen. Ebenfalls von Henkel. Der Verlag hat sich auf Science Fiction und Fantasy spezialisiert und ist bestimmt eine Fundgrube für Liebhaber solcher Geschichten.
Wenn Geschichte auf SF oder Fantasy stößt, dann finde ich dies schon mal interessant. Hier zum Beispiel. Und hier.
Henkel wurde im Jahr 1973 in Lübeck geboren. In der Informatikbranche arbeitend verblüfft die Computerlosigkeit seiner Geschichten. Zweimal wurde er mit dem Deutschen-Science Fiction-Preis ausgezeichnet. Seine Bücher handeln alle in derartigen Alternativwelten. Sicher eine seltene Form von Geschichtsrezeption, aber diese könnte mir gelegentlich gefallen.
► DNB / Atlantis-Verlag / Stolberg 2014 / ISBN: 978-3-86402-105-3 / ca. 366 S.
© KaratekaDD
[1] Seite „Science-Fiction“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 27. Juli 2016, 06:23 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Science-Fiction&oldid=156492562 (Abgerufen: 1. August 2016, 14:16 UTC)
[2] Das hat er auch in „Sachsens Glanz und Preußens Gloria“ getan
- Heiger Ostertag
Walkürenritt
(1)Aktuelle Rezension von: karatekaddDie Walküren. Schlacht- und Schildjungfern. Weibliches Geistwesen aus den Gefolge Odins. Sie führen die ehrenvoll Gefallenen vom Schlachtfeld nach Walhall.
Operation Walküre. Oder Unternehmen Walküre. Plan der deutschen Wehrmacht zur Unterdrückung von Aufständen der Zivilbevölkerung. Der Plan wurde in Teilen verwendet bzw geändert für das Attentat auf Hitler am 20. Juni 2044.
Ritt der Walküren. Orchesterwerk von Richard Wagner. Vorspiel zum dritten Akt der Oper Die Walküre. Bekannt geworden auch aus dem Film Apocalypse Now, als Begleitmusik für einen Hubschrauberangriff auf ein vietnamesisches Dorf.
Walkürenritt: Alternativwelt-Roman von Heiger Ostertag.
Vorgestellte Alternativwelt-Romane auf unserem Blog:
Kaisertag von Oliver Henkel / Alles bleibt anders von Siegfried Langer.
Stellen wir uns vor: Unternehmen Walküre gelingt. Oberst Claus Graf Schenk von Stauffenberg platziert nicht nur die Bombe unter dem Tisch zur Lagebesprechung in der Wolfsschanze. Nachdem der Sprengsatz explodierte, läuft ihm der Führer vor die Pistole. Stauffenberg schießt und stirbt selbst. Der Führer ist tot. Witzleben, Goerdeler und die anderen übernehmen die Führung des Reiches. Aber weder Churchill noch Stalin wollen den Krieg beenden. Doch da gibt es noch den Professor Heisenberg. Drei V2 werden mit Atomsprengköpfen bestückt. Eine wird auf der Kanalinsel Jersey niedergehen. Eine andere trifft statt Minsk die sowjetische Hauptstadt Moskau. Die gesamte sowjetische Führungsspitze kommt um. Der Krieg ist aus. Deutschland ist um einiges größer als das Dritte Reich 1939. Wo eigentlich ist die dritte Atomwaffe abgeblieben?
Im Juni 2015 ist Europa in die westeuropäische Union und die großdeutsche Union geteilt. Für Europa wird die Türkei gefährlich. Ein neues osmanisches Reich? Nordafrika gehört schon dazu. Und der Staat Israel entstand, weil die Türken nach Rauswurf der Engländer aus Palästina, das Land den aus Europa geflüchteten Juden schenkte. Aber ist wirklich die Türkei der mächtige Feind?
In Berlin treffen sich die Staatsführer Europas. Mit Anschlägen der islamistischen Türkei ist zu rechnen. Aber für den jungen Oberst Harald Reithagen vom Reichsschutz wird es ein Walkürenritt. Als er die Führung einer Sondergruppe zum Schutz des Gipfels übernimmt, ahnt er nicht, wohin ihn das führen wird. Zum Beispiel zur Befreiung zweier seiner Gruppenangehörigen aus der Festung Spandau. Ein Kommandounternehmen.
* * *
Das geschilderte Deutsche Reich ist ein seltsames Reich. Sehr groß, einschließlich der Ukraine. Die Entnazifizierung fand so statt, wie man das, mit allen ihren Unzulänglichkeiten aus der Geschichte der Bundesrepublik kennt. Auch die ehemaligen Politikergrößen (Adenauer, Schumacher, Brandt…) werden in Rückblicken erwähnt. Das Militär spielt eine große Rolle. Die KSK ist auch im Inneren so etwas wie die GSG 9.
Ein gewaltiges „Durcheinander“ von Spionage, Gegenspionage, vermeintlichem und tatsächlichem Verrat, Verfolgung, Flucht, Totschlag, Verschwörung hat Dr. Heiger Ostertag hier präsentiert. Man sagt, Pläne, auch militärische, sollten nicht übermäßig kompliziert sein. Zu viele Fehlerquellen. Auch sagt man, dass ein solcher Plan kurz nach Beginn der Umsetzung nicht mehr stimmt. Aber spannend ist der Roman schon.
* * *
Interessant ist, dass der Autor, geboren im Jahr 1953, als Historiker in Forschung und Lehre tätig ist, der auch Fachliteratur veröffentlichte. Seine belletristischen Werke sind im Südwestbuch-Verlag erschienen. Außerdem weiß er wohl, von was er schreibt, als ehemaliger Oberstleutnant der Luftwaffe. Der Autor wird mich wohl weiter beschäftigen, seine Webseite zeigt sehr interessante Dinge auf. Außerdem ist die Anzahl seiner Veröffentlichungen enorm. Dazu zählen über zwanzig Romane, in denen nicht nur Militärgeschichte und Fiktionales eine Rolle spielt.
Ostertag allerdings schreibt nicht nur Geschichte „um“. Er, der sich in seiner Doktorarbeit mit dem Offizierskorps im deutschen Kaiserreich beschäftigte, scheint mit solchen Themen seinen schriftstellerischen Schwerpunkt gefunden zu haben.
Schon bei der Rezension zu KAISERTAG (O. Henkel) stieß ich auf den Begriff des Alternativweltromans. Ich glaube nicht, dass diese Art von SF-Literatur nun zum Hauptgegenstand meiner Buchbetrachtungen werden wird. Aber gelegentlich ist das Genre schon zu genießen.
► DNB / SWB-Verlag / Stuttgart 2014 / ISBN: 9783944264448
© KaratekaDD
- Oliver Pötzsch
Die Schwarzen Musketiere 2
(43)Aktuelle Rezension von: raschke64Der Dreißigjährige Krieg ist in vollem Gange. Auf Burg Lobenstein versuchen Lukas und seine Schwester Elsa, die Burg verteidigungsfähiger zu machen. Da besucht sie der Magier Senno, um sie zu überreden, nach Prag zu kommen. Dort sollen sie die Reichsinsignien finden und damit die Krönung des deutschen Kaisers sicherstellen. Denn wer diese Insignien hat, hat die Macht. Und auf diese hat es vor allem Elsas Vater, der Magier Waldemar von Schönborn, abgesehen.
Das Buch ist der zweite Teil der abenteuerreihe. Hier geht es noch viel mehr als im ersten Teil um Magie und Zauberei. Für mich persönlich hätte es das eigentlich nicht gebraucht, denn die Geschichten aus dem Dreißigjährigen Krieg sind brutal genug. Das mittelalterliche Prag ist gut eingebunden und am Ende wird erklärt, was man davon heute noch besuchen kann. Und das ist sehr viel. Auch die in Prag sehr bekannte Legende um den Golem wird gut eingearbeitet. Alles ist flüssig lesbar und birgt genügend Stoff, den dritten Teil auch wieder spannend werden zu lassen
- Jens Bühler
Der letzte Wohnsitz Gottes
(14)Aktuelle Rezension von: dunkelbuch„Der letzte Wohnsitz Gottes“ hat mich wirklich überrascht. Alternative Romane zum 3. Reich sind nicht selten, aber selten wirklich gut. Dieses Buch aber bietet gut ausgearbeitete Charaktere, realistische Lebensläufe in einem seit Jahrzehnten existierenden faschistischem Deutschland und vor allem eine Handlung der es gelingt, anfangs etwas zusammenhanglos wirkenden Geschehnisse in ein Finale zu bündeln, das einfach Sinn macht.
Keiner der Nazis ist dumpf böse, kein anderer Protagonist simpel gut. Jeder verfolgt eine Agenda, jeder ist von Erfahrungen und Einrücken seines Lebens gezeichnet und getrieben. - Mac P. Lorne
Das Herz des Löwen
(33)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerEine Kreuzzugsgeschichte für bekennende Afd-Wähler, ein unbesiegbarer Robin Hood und ein schlechter Schreibstil, der gleich im ersten Kapitel eine Lächerlichkeit bereithält ... wenn sie all das mögen, dann ran: Lesen!
Andernfalls - Finger weg!
Sherwood Forest 1189: Richard Löwenherz' Pferd nervt es mächtig, dass sein Herr von Robin Hood überfallen wird und sich die Männer einen Kampf liefern. Es sucht das Weite. Sollten die Menschen doch sehen, wie sie allein zurecht kamen. (Letzterer Satz steht da wirklich exakt so drin!) Nein. Auch wenn sie es nicht glauben mögen - Herr Lorne schildert tatsächlich die Szene aus der Sicht eines Pferdes! DAS ist an Lächerlichkeit schon nicht zu überbieten, doch was danach kommt, wird noch übler, wenn auch weniger lächerlich:
Denn der (natürlich alles könnende) Robin Hood schließt sich dem edlen Richard Löwenherz an und geht mit ihm auf Kreuzzug ins Heilige Land, um dort einen super gerechten Angriffskrieg gegen unglaublich boshafte Muslime zu führen - 3500 muslimische Männer, Frauen und Kinder vor den Toren Akkons abzuschlachten (hat Richard Löwenherz getan) ist eben nichts Schlimmes ... in Herrn Lornes Augen. Aber dummerweise gerät der gute Robin in die Gefangenschaft des Alten vom Berge (der ist der Schlimmste der ultrabösen Muslime, bei ihm ist die Darstellung allerdings noch halbwegs stimmig, denn der Assassinenanführer war ein Mistkerl, wenn auch kein schlimmerer Mistkerl als der edle Massenmörder Richard Löwenherz). Als die Assassinen des Alten vom Berge den "edlen" Löwenherz umbringen wollen, verfüttert dieser sie an die Schweine, damit sie in Form von Schweinekot ins Paradies einziehen müssen (was sich nur ein Atheist, der gar keinen blassen Schimmer von den Religionen hat, ausdenken kann - in dem Fall: Schuster bleib bei deinen Leisten, schreib über was, was du kennst.) Diese Art der Hinrichtung findet der Protagonist Robin ziemlich in Ordnung - und der Autor wohl auch, denn im Nachwort spielt er nochmals die Verbrechen Richard Löwenherz' runter und kommt zu dem Schluss, dass ja eigentlich Saladin der wahre Mistkerl war ... wie konnte er es nur wagen, sein Heimatland gegen einen Invasoren zu verteidigen?
Sehr geehrter Herr Lorne, ich denke in dem zuletzt angeführten Punkt teilt Wladimir Putin ihre Ansichten, was für Sie kein Lob sein sollte. Für Ihre Darstellung der Muslime würde Ihnen bestimmt die Afd ohne zu zögern eine Ehrenmitgliedschaft übertragen. Da kann man doch HERZLICH gratulieren!
Wie gesagt: Wer ein Afd-Bild vom Islam schätzt und gerne in die Gedankenwelt von Pferden abtaucht, wer Helden mag, die einfach IMMER gewinnen und wer gerne an der Seite eines edlen Richard Löwenherz edle Angriffskriege und gerechte Massenmorde erleben will, der möge zugreifen.
Wer ein realistisches Geschichtsbild und guten Schreibstil sowie differenziert ausgearbeitete Charaktere schätzt, der halte Abstand von Mac P. Lorne!
- Thomas Persdorf
Quintus und der Feuerreiter
(18)Aktuelle Rezension von: Rose75Obwohl ich das Cover nicht sehr gelungen finde, hat es mich trotzdem neugierig gemacht. Auf den ersten Blick habe ich mit einem historischen Mittelalter-Roman gerechnet. Erst durch den Klappentext wurde klar, dass es um die Zeit der Weimarer Republik geht. Mit dem Feuerreiter wird auf die apokalyptischen Reiter der Bibel angespielt. Ein durchaus passender Bezug.
Ich habe mehrere Anläufe für dieses Buch gebraucht, da ich nur schwer in die Geschichte gekommen bin. Der Autor 'zitiert' z.B. einen journalistischen Beitrag vom Hauptprotagonisten Quintus über viele Seiten, der für mich, nur schwer mit der Handlung zu verbinden war. Danach ( ab ca. Seite 50 ) ging es deutlich leichter und ich habe das Buch dann innerhalb von 2 Tagen gelesen. Die Sprache des Autors hat mir gut gefallen und er konnte bei mir wirklich ein Gefühl für diese Zeit entwickeln. Besonders gut fand ich die Stellen, an denen im Berliner Dialekt gesprochen wurde.
Die historische Figur Kurt von Schleicher spielt eine größere Rolle, weil Quintus für ihn arbeitet und wir daher viel von ihm mitbekommen. Er hat bis zuletzt versucht, die Machtergreifung Hitlers zu verhindern.
Dem Autor ist es geschickt gelungen, durch das Privat- und Arbeitsleben von Quintus Schneefahl, ein Bild der damaligen Zeit zu zeichnen.
Für mich wäre ein Personenregister und eine Datumsangabe am Anfang der Kapitel noch sehr hilfreich für die Orientierung gewesen. - 8
- 12
- 24





















