Bücher mit dem Tag "dialog"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "dialog" gekennzeichnet haben.

121 Bücher

  1. Cover des Buches Sprache und Sein (ISBN: 9783446265950)
    Kübra Gümüsay

    Sprache und Sein

     (103)
    Aktuelle Rezension von: oceanlover

    Sprache und Sein berührte mich schon auf den ersten Seiten; solch schöne, treffende Worte findet die Autorin. Eine Liebeserklärung an Sprachvielfalt und zugleich das Hadern mit der Vielsprachigkeit, der Nicht-Übersetzbarkeit von Empfindungen - ich fühlte mich verstanden und fand zugleich zu neuen Erkenntnissen; "ach stimmt"-Momenten. Für mich hat das Buch einen gefühlvolleren und einen politischen Teil (wobei auch der emotional ansprechend ist; nur eher wütend denn zart); beide konnten mich auf ganz unterschiedlichen Ebenen überzeugen. Ein sehr persönlicher Beitrag zur Macht der Sprache, zu den großen politischen Fragen und dazu, wer eigentlich gehört, gesehen und wahrgenommen wird - und wer nicht. Sehr lesenswert.

  2. Cover des Buches Gottlos (ISBN: 9783734102110)
    Karin Slaughter

    Gottlos

     (1.060)
    Aktuelle Rezension von: Jenni078

    Jeffrey und Sara stolpern während eines Spazierganges über ein Rohr, das aus der Erde ragt. Sara merkt beim Sturz auf den Boden, das unter ihr ein Hohlraum ist. Schnell wir beiden klar, dass hier irgendwas nicht stimmt und sie fangen an zu graben und machen eine grausige Entdeckung. Eine junge Frau, die scheinbar erstickt ist, liegt unter der Erde, in einem selbstgemachten Sarg.

    Auch dieses Buch von Karin Slaughter konnte ich nicht aus der Hand legen. Schon nach den ersten paar Seiten, war es so spannend, dass ich mit dem Lesen nicht aufhören konnte. Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich sehr gut lesen, der Einstieg in die Geschichte fiel mir sehr leicht. 

  3. Cover des Buches Kaschmirgefühl (ISBN: 9783709934562)
    Bernhard Aichner

    Kaschmirgefühl

     (131)
    Aktuelle Rezension von: Mira123

    Du, Mira, wann kommt denn eigentlich deine Rezension zu "Kaschmirgefühl" von Bernhard Aichner? Ich bin schon gespannt, was du dazu sagst."

    "Ach, die ist schon online. Schon seit ein paar Wochen."

    "Hä? Bin ich blind?"

    Nein. Die Freundin, mit der ich dieses Gespräch geführt habe, war nicht blind. Stattdessen habe ich es irgendwie geschafft, eine falsche Erinnerung in meinem Kopf abzuspeichern, in der ich die Rezension schreibe und hochlade. Offensichtlich ist sie aber nie online gegangen und ich habe sie scheinbar auch nie geschrieben. Ich habe diesen Roman nur einmal auf diesem Blog erwähnt und das war im Zuge einer anderen Rezension. Die ist tatsächlich vor einigen Monaten online gegangen. Und scheinbar hat das mein Gehirn dazu gebracht, diesen Roman in meinem Kopf ins Regal "gelesen und rezensiert" einzuordnen. Ups?

    Aber ich will meinem Gehirn nicht zu böse deswegen sein. Ich habe mir das Buch angehört, während ich die Kisten für den Auszug aus meinem ehemaligen Studentenheim gepackt habe. Gleichzeitig wurde ich wahrscheinlich auch wieder mit Geigenmusik von meiner ehemaligen Mitbewohnerin zwangsbeglückt. Ich finde, da darf dann auch mal Chaos entstehen. Bin ich froh, dass ich jetzt in einem anderen Studentenheim wohne, ohne Mitbewohner:innen.

    Hier war es so, dass ich den Buchinhalt eigentlich schon vor dem Lesen kannte. Ein paar Wochen bevor 2020 das alles mit Corona losging, hatte ich nämlich das Glück, diesen Text auf der Bühne sehen zu können. Die zwei Schauspieler haben super gut gespielt und ich habe die Aufführung sehr genossen. Auch während ich das Buch anhörte, hatte ich die beiden wieder vor Augen.

    In diesem Roman geht es um Gottlieb, der bei einer Sexhotline anruft. Am anderen Ende der Leitung ist Marie. Doch statt Telefonsex entwickelt sich zwischen den beiden ein Gespräch über ihr Leben, ehemalige Liebschaften, Gott und die Welt. Und eigentlich wissen wir als Leser:innen des Texts nie so genau, was die beiden sich gerade ausdenken und was sie erfinden, um die andere Person zu verwirren, abzuschrecken oder beim jeweils anderen Interesse zu wecken.

    Genauso wie das Theaterstück vor ein paar Jahren hat mir auch das Hörbuch viel Freude bereitet. Es hat mir viel Freude bereitet, diese Geschichte nochmal neu zu entdecken. Und das Hörbuch hatte für meine Zwecke auch die perfekte Länge. Es war nur ein paar Stunden lang und die konnte ich durchhören, da ich eh grade meine Kisten packte und nebenher eh nichts anderes tun konnte.

    Mein Fazit? War als Theaterstück super und funktioniert auch als Hörbuch total gut.

  4. Cover des Buches Picknick im Dunkeln (ISBN: 9783446265707)
    Markus Orths

    Picknick im Dunkeln

     (62)
    Aktuelle Rezension von: Aischa

    Gleich mal vorneweg eine Warnung: Wer nach dem Verlagstext "eine aufregende philosophische Reise, eine urkomische und todernste Geschichte über die großen Fragen des Lebens" erwartet, wird wahrscheinlich etwas enttäuscht sein.

    Das hat dieser kluge, kurze Roman jedoch nicht verdient. Leider werden die Klappentexte jedoch auch hierzulande immer reißerischer, keine Ahnung, was sich die Marketing-Abteilungen davon versprechen. Jedenfalls habe ich in "Picknick im Dunkeln" keine urkomischen Passagen gefunden, wohl aber fein dosierten Wortwitz. Und ja, es geht um den Tod, darum ob und wenn ja was uns danach erwartet, und die philosophischen Betrachtungen sind durchaus ernst, aber deswegen nicht gleich todernst.

    Der Plot mutet zunächst mystisch-skurril an: Stan Laurel, bekannt vor allem als Komiker des legendären Filmduos "Laurel und Hardy"/"Dick und Doof", trifft in einem zappendusteren Gang auf den rund 700 Jahre vor ihm geborenen Thomas von Aquin, seines Zeichens dominikanischer Theologe und Philosoph. Autor Markus Orths schafft eine unterhaltsame und lehrreiche Melange aus einer Doppelbiografie und einem philosophischen Spaziergang. 

    Ich habe das Buch zwei Mal gelesen und kann dies nur empfehlen: Es steckt voller sprachlicher Kleinode, besonders die witzig-beschreibenden Neologismen, wie etwa "Schneckenfühlerfingerchen" haben es mir angetan. Für das bessere Verständnis manch philosophischen Gedankengangs hätten mir etwas mehr einschlägige Vorkenntnisse wohl geholfen. Sehr bereichernd fand ich hingegen die wahre Flut an biografischen Details, vor allem zu Stan Laurel. Daneben ist der Roman aber vor allem auch eine Geschichte über zwei Männer, die aus völlig unterschiedlichen Erfahrungs- und Glaubenswelten stammen, und die dennoch in einen wirklichen Dialog treten. Die den Gesprächspartner erzählen lassen und ihm aufmerksam zuhören, versuchen, ihn zu verstehen, auch das, was zunächst fremd erscheint, ins eigene Denken zu lassen.

    So gesehen ein wichtiges Buch, gerade in einer Zeit, in der sich vorgefasste Meinungen schnell zementieren und Diskussionen oft zum reinen Schlagabtausch statt zu wirklichem Dialog verkommen.

  5. Cover des Buches Wie wir uns aus Versehen verliebten (ISBN: 9783570158012)
    Kristen Tracy

    Wie wir uns aus Versehen verliebten

     (111)
    Aktuelle Rezension von: hatschivy

    Inhaltsangabe:


    Als Lucy die falsche Nummer wählt, landet sie ausgerechnet bei Highschoolflirt James Rusher in der Leitung. Auf Anhieb haben die beiden einen guten Draht zueinander: Was als Versehen begann, setzt sich mit Anrufen von früh bis spät fort. Im wirklichen Leben sind sich Lucy und James nie begegnet. Doch bald vertrauen sie sich Dinge an, die nicht einmal ihre engsten Freunde wissen. Als James endlich ein Treffen vorschlägt, willigt Lucy zögerlich ein - und dann versetzt James sie ...


    Meinung:


    Ich habe mich entschieden das Buch zu lesen, weil der Klappentext vielversprechend klang und ich meine Portion Kitsch nötig hatte. Positiv überrascht hat mich, dass Lucy die Protagonistin viel lieber telefoniert als schreibt (was die Mehrheit der Menschen die ich kenne nicht so unterschreiben könnten), sodass diese "Telefonfreundschaft" zwischen Lucy und James aus Anrufen und Sprachnachrichten auf der Mailbox besteht.

    Die Aufmachung mit der Anrufzeit fand ich sehr originell und passend. Sie wird durchgängig im Buch beibehalten.

    Die Idee der Geschichte hat sehr viel Potenzial und ich hatte hohe Erwartungen für dieses Buch, weshalb ich ein klein wenig enttäuscht von der Umsetzung war. Lucy, die mir als leicht spießerische Protagonistin im Gedächtnis geblieben ist, was keinesfalls negativ aufgenommen werden soll, denn auf ihre eigene Art und Weise bringt sie den ein wenig arroganten James auf den Boden der Tatsachen zurück. Leider hatte ich an manchen Stellen das Gefühl das der Konflikt zwischen Lucy und James provoziert wurde, zum Beispiel durch Überreaktionen, nur um das Geschehen voran zu bringen. Auch handelt es sich meiner bescheidenen Meinung nach nicht um ein Liebesgeschichtchen, wie es der Titel "Wie wir uns verliebten" vermuten lässt, sondern es ist eher ein "Young-Adult-Erwachsen-werden-und-mit-den-eigenen-Dämonen-klar-kommen-Genre". Ich habe mich am Ende des Romans wirklich gefragt, wo denn hier die Liebesgeschichte war, denn ich hatte eher das Gefühl, dass die beiden beste Freunde geworden sind, denn nicht nur haben sie sich ihre Vergangenheit und ihre Dämonen anvertraut, sondern sich auch dem anderen seelisch geöffnet. Aber deshalb das Ganze als eine Liebesgeschichte zu bezeichnen ist in meiner Auffassung ein wenig zu weit gegriffen.


    Fazit:

    Ich habe das Buch dennoch genossen, denn genau wie James wollte ich einfach nur noch raus finden, weshalb Lucy sich so mysteriös verhält. Ich kann das Buch für diejenigen empfehlen, die das Young-Adult-Genre lieben, denn es handelt sich hierbei einfach mehr um Young-Adult als Liebesgeschichte.

  6. Cover des Buches Schamlos (ISBN: 9783522305211)
    Amina Bile

    Schamlos

     (69)
    Aktuelle Rezension von: michellebetweenbooks

    Amina Bile, Sofia Nesrine Srour und Nancy Herz sind Bloggerinnen und Feministinnen. In diesem Buch erzählen sie von ihren Erfahrungen als Muslimas. Diese Frauen stammen aus streng gläubigen Familien und haben alleine dadurch schon viele extreme Erfahrungen gemacht. Doch nicht nur diese drei sprechen von ihren Erfahrungen die sie gemacht haben, sondern auch andere muslimische Frauen kommen hierbei zu Wort und bleiben dabei jedoch anonym. 

    Ich finde es mittlerweile unglaublich wichtig, auch Bücher über andere Kulturen und Religionen zu lesen. Gerade in der muslimischen Religion gibt es einige Dinge, die ich nicht nachvollziehen kann, weshalb ich es umso wichtiger finde, sie zu verstehen und mich mit diesen auseinanderzusetzen. Von daher habe ich den Anfang mit diesem Buch gemacht. Ich wollte wissen was hinter dieser Religion steckt und vor allem was einen dazu bewegt, seine eigene Religion zu verlassen.

    Ich möchte unbedingt großes Lob an diese drei Frauen aussprechen. Ich bewundere sie sehr für ihre Offenheit, ihre Ehrlichkeit und ihren Mut ihre Geschichten so mit der Welt zu teilen, wie sie es in diesem Buch machen. Wir bekommen einen Einblick in die Religion und können auch ein wenig hinter die ,,Kulisse‘‘ schauen, was uns einen Einblick in den Islam gibt, den man bisher noch nicht hatte. Aber es zeigt auch, dass man offene Augen für jede andere Religion haben und sich ein Bild machen sollte.

    Die Aufmachung des Buches hat mir richtig gut gefallen. Die Mischung die in diesem Buch gewählt wurde, hat mir wahnsinnig gut gefallen. Wir bekommen bewegende und anonyme Erlebnisse mit und tiefgründige Diskussionen zwischen den Autorinnen. Auch die Grafiken und Illustrationen haben mir richtig gut gefallen und haben die Aspekte zusätzlich unterstützt. Das sorgt dafür, dass das Buch nicht einseitig und langweilig wird, sondern dass man sich mit dem Buch auseinandersetzt. 

    Besonders mitgenommen haben mich die Briefe, die sich Amina, Sofia und Nancy an ihr jüngeres Ich geschrieben haben. Vielleicht sollte das jeder einmal machen, ich denke, dass könnte vielen helfen. Die drei jungen Frauen scheinen eine total positive Ausstrahlung zu haben und vor allem Zeug dazu, andere Mädchen und junge Frauen zu inspirieren und ihnen zu zeigen, dass es auch einen anderen Weg geben kann. Total authentisch und lebensecht dargestellt, hat mir sehr gut gefallen.

    Der Schreibstil von den drei jungen Frauen hat mir ebenfalls sehr gut gefallen. Jede Frau schreibt auf ihre Art und Weise und das fand ich gut. Daher konnte man die jeweiligen Geschichten sehr gut unterscheiden und sie zu den Frauen zu ordnen. Sie schreiben sehr flüssig und total angenehm. Trotz des schweren Themas ließ sich das Buch sehr schnell durchlesen und auch der Lesefluss wird hierbei nicht gestört.

    ,,Schamlos‘‘ ist ein sehr wichtiges Buch, bei dem ich nicht damit gerechnet habe, dass ich dieses Buch so sehr verschlingen werde. Ich war so sehr in dem Buch drinnen und wollte immer mehr über diese Frauen und ihr Leben erfahren. Das Buch schenkt einem Hoffnung und eine Menge Mut, etwas an seinem Leben zu verändern und das man auch das Recht dazu hat, etwas zu ändern, wenn man das möchte. Von mir gibt es für dieses Buch eine ganz klare Lese- und Kaufempfehlung!

  7. Cover des Buches Kosmetik des Bösen (ISBN: 9783257234756)
    Amélie Nothomb

    Kosmetik des Bösen

     (143)
    Aktuelle Rezension von: Nicole_Sutter

    Amélie Nothomb ist wieder ein böses Buch gelungen. Ein Protagonist, der einen in den Wahnsinn treibt.

    Jérôme und Texel lernen sich am Flughafen kennen. Das Kennenlernen ist aber ein ganz besonderes Kennenlernen, denn Texel redet ohne Punkt und Komma und Jérôme würde am liebsten lesen, aber dazu bleibt ihm keine Gelegenheit, denn sein Gegenüber ist so penetrant, dass es ihn fast wahnsinnig macht. Als Jérôme droht, dass er sich gleich auf der Flughafentoilette einschliessen wird, um seine Ruhe zu haben, teilt Texel ihm mit, dass er ihm folgen wird und da die Toiletten oben nicht geschlossen. Spätestens jetzt dachte ich - was für ein Roman. Kaum vorstellbar, wenn einem das passieren würde. 

    Ein Roman mit einer wahnsinnigen Wende und einem sprachlos machenden Ende.

  8. Cover des Buches Emma (ISBN: 9783959671156)
    Jane Austen

    Emma

     (1.123)
    Aktuelle Rezension von: bingereading

    Ich hatte schon vor einem Jahr versucht, „Emma“ zu lesen- und nach 100 Seiten abgebrochen. Die Übersetzung, die ich mir aus der Bücherei besorgt hatte, war uralt und durch die geschwollene Sprache machte das Lesen überhaupt keinen Spaß. Ich war danach lange felsenfest überzeugt, dass Jane Austens Bücher langweilig sein und habe sie ignoriert. Als ich dann doch im März diesen Jahres „Stolz und Vorurteil“ gelesen habe, mit geringen Erwartungen, war ich wie elektrisiert. Die neuere Übersetzung hat dazu geführt, dass das Buch mich verzaubert hat und ich schließlich doch noch ein großer Jane-Austen-Fan geworden bin. Also habe ich beschlossen, auch „Emma“ eine zweite Chance zu geben. Ich habe mir eine moderne Übersetzung besorgt und- ob ihr es glaubt oder nicht- das hat dazu geführt, dass ich dieses Buch, dass ich vorher für langatmig hielt, jetzt liebe.

    „Emma“ ist in vielerlei Hinsicht das genaue Gegenstück zu „Stolz und Vorurteil“ und hat doch haben die beiden Bücher viel gemeinsam. Die Protagonisten sind von Stolz und Oberflächlichkeiten verblendet, und erst im Lauf der Geschichte erkennen sie, was wirklich wichtig ist. Sowohl Mr. Darcy und Elizabeth Bennet als auch Mr. Knightley und Emma ergänzen sich ideal. Auch die lustigen, teils sogar albernen Nebenfiguren sind eine Gemeinsamkeit und natürlich das Setting auf dem englischen Land.

    Ein großer Unterschied ist jedoch, dass in „Emma“ die Charakterentwicklung wesentlich mehr im Vordergrund steht als die eigentliche Handlung. Im Vergleich zu „Emma“ ist „Stolz und Vorurteil“ so handlungsreich wie jeder Action-Film. Vor allem die Protagonistin Emma selbst macht eine bewundernswerte Entwicklung durch, die ich auch wesentlich nachvollziehbarer fand als z.B. die von Mr. Darcy in „Stolz und Vorurteil“, der plötzlich von Grumpy Cat zu einem aufmerksamen, liebevollen jungen Mann mutiert. Ich meine, dass kann ja durchaus passieren (unterschätzen wir nicht die Kraft der Liebe) aber Emmas Entwicklung ist viel glaubhafter.

    Außerdem ist Emma vielschichtiger aufgebaut als Elizabeth Bennet. Sie ist stolz, materialistisch und mischt sich in das Leben anderer Leute ein. Nicht gerade sympathisch, nicht wahr? Ja. Und nein. Denn zugleich ist Emma eine treue Freundin, eine liebevolle Tochter und  eigentlich eine intelligente junge Frau- auch wenn ihr Scharfblick sie in Liebesdingen manchmal verlässt. Ich bin recht schnell mit Emma warm geworden, auch wenn ihr hochnäsiges Standesbewusstsein mir durchgängig auf die Nerven ging. Doch viele andere Leser*innen können sie von der ersten bis zur letzten Seite nicht ausstehen, manche sicher auch, weil Emma ihnen zu ähnlich ist. Sie hat Schwächen, die viele sich selbst nicht eingestehen wollen und sie ist nicht die vollkommene Heldin, die wir in vielen anderen Romanen finden. Aber gerade das macht sie für mich so interessant und gewissermaßen auch liebenswert.

    Das männliche Gegenstück zu Emma ist Mr. Knightley, ein intelligenter, ruhiger Mann mit festen Grundsätzen und einem guten Herzen. Er ist der einzige, der Emma Kontra gibt und ihr, die von ihrem Vater und ihrer ehemaligen Lehrerin Mrs. Weston vergöttert wird, auch mal sagt, wenn etwas nicht so gut gelaufen ist. Doch das macht er nicht, um sie zu belehren oder zu ärgern, sondern gerade, weil er sie liebt. Das fand ich wirklich wunderschön, ich denke, viele von uns wären besser dran, wenn sie einen Mr. Knightley in ihrem Leben hätten.

    Die Beziehung zwischen Mr. Knightley und Emma ist ein klassisches Beispiel für „Friends to Lovers“, ein weiterer Grund, warum „Emma“ und „Stolz und Vorurteil“ so unterschiedlich sind. Anstatt sich zu hassen, wie Lizzy und Mr. Darcy zu Beginn, sind Emma und Mr. Knightley seit vielen Jahren enge Vertraute, denen erst nach einer Zeit auffällt, dass sie noch mehr für einander empfinden als bloße Freundschaft. An dieser Stelle war Emma weniger dramatisch als „Stolz und Vorurteil“, aber nicht weniger schön.

    In Sachen Protagonisten kann „Emma“ es also locker mit „Stolz und Vorurteil“ aufnehmen, ist vielleicht sogar noch besser. Was mich bei „Emma“ aber hin und wieder gestört hat, waren die trivialen Monologe einiger Nebenfiguren, allen voran die der Nachbarin Miss Bates, die detailliert über drei Seiten wiedergegeben wurden. Das sollte wohl zeigen, wie nervig Miss Bates ist, aber die Hälfte ihrer ausschweifenden Reden hätte es auch getan. „Emma“ ist ein Buch voller geschliffener, wunderschöner Dialoge, aber an einigen Stellen hätte man kürzen können.

    Dennoch bin ich froh über einige liebenswerte, lustige Nebenfiguren wie Mr. Woodhouse, Emmas Vater. Der Gute ist ein herzensguter Mensch, aber auch ein starker Hypochonder, der ständig alle davon überzeugen möchte, wegen der Gesundheit zum Supper nur eine Schale Haferschleim zu essen- was samt und sonders abgelehnt wird. Zudem bleibt er gern in seiner Komfortzone, hasst Veränderungen und kann Hochzeiten deshalb nicht ausstehen. Auch Frank Churchill, der Emma zeitweise aus fadenscheinigen Gründen den Hof macht, mochte ich eigentlich ganz gern- auch wenn er einige Dinge tut, mit denen ich genauso wenig einverstanden bin wie Mr. Knightley. Aber ich will nicht spoilern.

    Abschließend kann ich euch „Emma“ nur wärmstens ans Herz legen, würde euch aber bitten, als erstes Jane-Austen-Buch immer noch „Stolz und Vorurteil“ zu lesen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ihr mit der Protagonistin schneller warmwerdet, ist einfach höher. Wer aber vielschichtige, schwierige Figuren mag, wird auch „Emma“ einfach lieben.

     

  9. Cover des Buches Alle sieben Wellen (ISBN: 9783442472444)
    Daniel Glattauer

    Alle sieben Wellen

     (2.204)
    Aktuelle Rezension von: DoraLupin

    Also mir hat dieses Buch wahnsinnig gut gefallen! Man glaubt gar nicht, das e-mails soooooo viele Gefühle und sooo viel Liebe wecken können. Dem Autor ist hier ein Buch gelungen, das wirklich fasst alle Leser begeistern kann, da es so romantisch und toll geschrieben ist.

    Nur ein kleiner Stern abzug, da mir der erste Teil "Gut gegen Nordwind" noch einen Tick besser gefallen hat...

  10. Cover des Buches Trotzdem (ISBN: 9783630876580)
    Ferdinand von Schirach

    Trotzdem

     (33)
    Aktuelle Rezension von: EllaEsSteff

    🦠👨‍⚖️ 

    𝘋𝘢𝘴 𝘊𝘰𝘳𝘰𝘯𝘢-𝘝𝘪𝘳𝘶𝘴 𝘩𝘢𝘵 𝘶𝘯𝘴 𝘢𝘯 𝘦𝘪𝘯𝘦 𝘡𝘦𝘪𝘵𝘦𝘯𝘸𝘦𝘯𝘥𝘦 𝘨𝘦𝘣𝘳𝘢𝘤𝘩𝘵. 𝘉𝘦𝘪𝘥𝘦𝘴 𝘪𝘴𝘵 𝘫𝘦𝘵𝘻𝘵 𝘮𝘰𝘦𝘨𝘭𝘪𝘤𝘩, 𝘥𝘢𝘴 𝘚𝘵𝘳𝘢𝘩𝘭𝘦𝘯𝘥𝘦 𝘶𝘯𝘥 𝘥𝘢𝘴 𝘚𝘤𝘩𝘳𝘦𝘤𝘬𝘭𝘪𝘤𝘩𝘦.


    Ist der aktuelle Shutdown unserer Gesellschaft auch ein Shutdown unserer Grundrechte? Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge gehen der Frage nach, was die Corona-Pandemie für unsere Gesellschaftsordnung und unsere bürgerliche Freiheit bedeutet.


    💭

    19 Tage nachdem die WHO Corona zur Pandemie erklärte führten Schirach und Kluge Gespräche über einen Instant-Messaging-Dienst. Demnach „erzählen“ die beiden Abwechselnd von ihren Gedanken. Das wirkt an einigen Stellen aber recht merkwürdig, da dort Sätze offen gelassen werden, damit der andere sie dann vervollständigt. 

    Das ist schon… 

    …irgendwie sonderbar.


    Sonst werden grundlegend interessante Aussagen bezüglich des Shutdowns und die Einschränkung der Grundrechte getroffen. Vor allem wenn man dies nun 2 Jahre später liest kann man an diesen Stellen gut für sich selbst Vergleiche ziehen. 

    Zur Analyse der Zeitenwende werden Beispiele aus der Geschichte, wie das Erdbeben in Lissabon 1755, herangezogen, um darzulegen wie die Menschen damals diese Ereignisse zur gesellschaftlichen Entwicklung nutzten. Hier scheinen sich die Beiden aber zu verlieren. Es wird erzählt, wann welcher König was getan und was gesagt hat ohne danach den Mehrwert für die aktuelle Situation zu liefern. 

    Während die einen den „Shutdown unserer Grundrechte“ befürchten, vertraut Schirach auf die Demokratie, es müsse immer noch ein Parlament entscheiden, führt aber zugleich an, dass sich autoritäre Strukturen verfestigen könnten, da sich Menschen daran gewöhnen könnten. 


    Unterm Strich enthält „Trotzdem“ gute Denkanstöße, aber für mich driftet es zu oft zu sehr ab. Schade.


  11. Cover des Buches Hier sind Drachen (ISBN: 9783827013484)
    Husch Josten

    Hier sind Drachen

     (21)
    Aktuelle Rezension von: bluesjj
    Kennt ihr das? Ihr habt ein Buch beendet und fragt euch nach den letzten Zeilen: Was will mir dieses Buch sagen? So erging es mir mit „Hier sind Drachen“ von Husch Josten. Ich muss zugeben, erschlossen haben sich mir letztendlich nicht alle Handlungsstränge. Und so blieben große Fragezeichen und etwas Enttäuschung. Dabei sind die Thematik und der Aufbau des nur 160 Seiten dünnen Buches durchaus spannend und bieten Potenzial.
    Husch Josten erzählt von der Journalisten Caren, die einen Tag nach den Pariser Terroranschlägen (Herbst 2015) auf das Bataclan, das Stade de France und mehrere Bars und Cafés auf dem Weg in die Metropole ist, um von den Geschehnissen zu berichten. Bereits ihr bisheriges Leben ist von früheren Anschlägen gezeichnet, so hat sie sowohl den 11. September als auch den Anschlag auf den Bosten Marathon durch glückliche Fügungen überlebt. Am Flughafen Heathrow wird sie von einem Mann, den sie Wittgenstein nennt, in ein philosophisches Gespräch über Zufälle und unerzählte Geschichten verwickelt. Währenddessen wird der Start ihrer Maschine verschoben, Sicherheitskräfte riegeln das Terminal ab und Passagiere werden kontrolliert. Ist das alles nur Zufall?

    Allerdings ist damit nur ein Bruchteil der Geschichte erzählt. Es geht um eine Dreiecksbeziehung, die die Beteiligten bei genauer Betrachtung alles andere als glücklich macht, Carens traumatischen Erlebnissen und deren Folgen, ihre unterdrückte Sehnsucht nach Geborgenheit und Liebe, die Rolle der Medien, die Bedingungen und Grenzen des Geschichtenerzählens, Zufall, Schicksal, Bestimmung, Schuld, die Frage nach dem Warum… Und letztendlich auch um das Unmögliche. Und vielleicht ist es genau das, was die Geschichte unglaubwürdig erscheinen lässt und sie überfrachtet. Hinzu kommt, dass ich die Anfänge des philosophischen Gesprächs mit Wittgenstein einfach viel zu lang und ermüdend fand – vor allem, da in der ersten Hälfte des Buches eh kaum eine Handlung vorhanden ist.














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  12. Cover des Buches Für immer vielleicht (ISBN: 9783899408652)
    Cecelia Ahern

    Für immer vielleicht

     (145)
    Aktuelle Rezension von: SamSunflower23

    Ein unglaublich toller Schreibstil und eine tolle Geschichte über wahre Freundschaft und die ganz große Liebe, auch wenn man dies nicht gleich immer erkennt

  13. Cover des Buches Die Herzlichkeit der Vernunft (ISBN: 9783630875910)
    Ferdinand von Schirach

    Die Herzlichkeit der Vernunft

     (14)
    Aktuelle Rezension von: Sigismund
    Ich gebe gern zu, dass es mir ohne eine umfassende humanistische Allgemeinbildung nicht immer leicht fiel, diesen beiden klugen Köpfen Alexander Kluge und Ferdinand von Schirach in ihren fünf Gesprächen über "Die Herzlichkeit der Vernunft", als kleines Büchlein im DIN A6-Format mit nur 187 Seiten im Oktober vom Luchterhand-Verlag veröffentlicht, bis in die letzten Ecken ihrer Gedanken, Überlegungen und Schlussfolgerungen zu folgen. Aber es war in jedem Fall eine literarische Wohltat, in dem sonst überbordenden Angebot leichter und seichter Unterhaltungsliteratur mal wieder ein derart geistig anregendes Werk lesen zu dürfen. Alexander Kluge und Ferdinand von Schirach, beide Juristen und beide Schriftsteller, tauschen darin ihre Ideen und Gedanken über Sokrates oder das Glück der Bescheidenheit aus, über Voltaire oder die Freiheit durch Toleranz, über Kleist oder das Wissen um den Menschen, über Terror oder die Klugheit des Rechts, über Politik oder das Lob der Langsamkeit. Sie ergänzen sich oft, widersprechen sich auch gelegentlich, werden sich nicht immer einig. Auch wenn man als Leser nicht jedes Zitat aus der Originalschrift kennt, nicht jeden im Gespräch genannten Philosophen oder Schriftsteller gelesen hat, um mit urteilen zu können, ist es doch anregend, den beiden Diskutanten bei ihrem "Kamingespräch" über Grundfragen des Rechts und der Gesellschaft, über Theater und Literatur, über die Gefahren der direkten Demokratie und der sozialen Medien und was den Menschen im eigentlichen Sinn menschlich macht zu folgen. Vielleicht sollte man dieses kleine, äußerlich so unscheinbare Büchlein tatsächlich zwei- oder sogar dreimal lesen, um endlich allen Gedankengängen Kluges und Schirachs wirklich folgen und das Gesagte verstehen zu können. Beim Lesen dieses Buches ist es gewiss keine Schande, für sich den altgriechischen Philosophen Sokrates zu zitieren: "Ich weiß, dass ich nicht(s) weiß." Zumindest hat man nach der Lektüre etwas dazugelernt.
  14. Cover des Buches Der Stechlin (ISBN: 9783730607886)
    Theodor Fontane

    Der Stechlin

     (92)
    Aktuelle Rezension von: Monika_Brigitte

    Stechlin, Brandenburg, 1890er Jahre: Der verwitwete Landadelsmann Dubslav von Stechlin wartet auf seinen Sohn Woldemar, welcher seinen und den Besuch zweier Kammeraden aus seinem Regiment durch Telegrafie ankündigte. In der Folge gibt es viele Unterhaltungen, Menschen lernen sich kennen, tauschen sich aus, vertreten ihre Meinungen. „Zum Schluss stirbt ein Alter und zwei Junge heiraten sich, - das ist so ziemlich alles, was auf 500 Seiten geschieht.“ Mit diesen Worten beschreibt Fontane selbst die Handlung seines Werks.

    „>>Aber der Stechlin! Was ist der Stecklin?<<
    >>Das ist ein See.<<
    >>Ein See. Das besagt nicht viel. (…) Aber was hat der Stechlin?<<
    >>Er hat Weltbeziehungen, vornehme, geheimnisvolle Beziehungen, und nur alles Gewöhnliche (…) hat er nicht. (…) Und wenn es in Java oder auf Island rumort oder der Geiser mal in Doppelhöhe dampft und springt, dann springt auch in unserm Stechlin ein Wasserstrahl auf, und einige (wenn es auch noch niemand gesehen hat) , einige behaupten sogar, in ganz schweren Fällen erscheine zwischen den Sprudeln ein roter Hahn und krähe hell und weckend in die Ruppiner Grafschaft hinein.“ (S.145)

    Diese Sage vom Hahn im Stechlinsee ist ein brandenburgischer Mythos. Wen es heute an den Stechlinsee zieht, kann sich neben einem großen roten Hahn aus Holz fotografieren und die ohrenbetäubende Ruhe der Mecklenburgischen Seenplatte in sich aufnehmen. So ruhig wie der mit 70 Metern tiefste See Brandenburgs mit seinem beeindruckend klarem Wasser ist auch der von der Rezeptionsgeschichte als Fontanes erzählerisches Hauptwerk bezeichnete Gesellschaftsroman.

    Die, in den Unterhaltungen, welche dem Roman seinen Grund und Boden geben, diskutierten Themen Konservativismus vs. Sozialdemokratie und preußischer traditionalistischer Landadel vs. Großstadtökonomie lassen sich auf den Grundkonflikt Alter vs. Jugend hinunterbrechen. Der alte Stechlin vertritt die traditionellen Werte, während sein Sohn als Vertreter der neuen Generation den Fortschritt und den Aufbruch in ein modernes, technologisiertes Jahrhundert repräsentiert. Der Roman versäumt es eine befriedigende Lösung für diesen Konflikt aufzuzeigen. Einerseits fasst Fontane den Entschluss: „Nicht so ganz unbedingt mit dem Neuen. Lieber mit dem Alten, soweit es geht, und mit dem neuen nur, soweit es muss.“( S.372), andererseits lässt er die Verkörperung der alten Generation zum Schluss sterben und das junge Glück triumphiert. Eine neue Generation der Stechline ist gesichert und „es lebe der Stechlin.“ (S.416)

    Die Gediegenheit des Romans entschleunigt den Rezipienten und unterhält, aber meiner Meinung nach, muss man den Stechlin nicht gelesen haben. Einen Aktualitätsbezug kann man dem Roman schlecht abgewinnen. Er beeindruckt im Hinblick auf seine kulturhistorische Einordnung in die literarische Strömung des Realismus und seiner Kraft im gesellschaftlichen Diskurs des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Doch, wer weder Literaturwissenschaftler noch Historiker oder Stechliner ist, kann dem Roman keinen Erkenntnisgewinn entlocken.

    So wie sein Protagonist Dubslav erlebte auch Fontane nicht den Übergang in ein neues Jahrhundert. Er starb wenige Monate bevor sein letzter Roman in Buchform erschien. In Anbetracht der historischen Ereignisse des frühen 20. Jahrhunderts vielleicht kein schlechtes Schicksal. Wer weiß, was Fontane dann geschrieben hätte.

    DER STECHLIN| Theodor Fontane| Fischer Taschenbuch| Fischer Klassik| 2008| 429 Seiten| 8,50€

  15. Cover des Buches Die Reinheit des Mörders (ISBN: 9783257060096)
    Amélie Nothomb

    Die Reinheit des Mörders

     (95)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    >>Pretextat Tach, dreiundachtzigjährig und Nobelpreisträger für Literatur, hat laut Aussage der Ärzte nur noch zwei Monate zu leben. Als dies bekannt wird, bemühen sich Medienleute aus der ganzen Welt um ein Interview. Fünf Journalisten dürfen bei ihm vorsprechen ...<<
    „Die Reinheit des Mörders“ von Amelie Nothomb – ein Buch, was einen so so anstrengenden Protagonisten hat... das ist der Wahnsinn! Monsieur Tach ist einfach furchtbar anstrengend, respektlos, herablassen, aufmüpfig,... eine unglaublich ätzende Persönlichkeit! Innerhalb der Gespräche mit den ausgewählten Journalisten kann man das ziemlich schnell herausfinden und ich muss sagen, das gestaltete sich für mich ein bisschen zäh... denn erst als die Journalistin Nina ihr Gespräch mit Tach antritt wird es sehr interessant! Mehr möchte ich an dieser Stelle auch nicht verraten, denn ganz nach Amelie Nothombs Art gibt es gerade zum Ende wieder eine „kleine“ Überraschung, die ich persönlich so nicht erwartet hätte. Das Gespräch zwischen Nina und Tach gestaltet sich übrigens mitunter sehr amüsant und zeigt, dass eine herablassende Fassade, wie die von Pretextat Tach durchaus gebrochen werden kann...
    Ein wie ich finde sehr interessantes Buch, auch wenn es zu beginn eben etwas Länge hat.

  16. Cover des Buches Der Geschmack von Glück (ISBN: 9783551315861)
    Jennifer E. Smith

    Der Geschmack von Glück

     (392)
    Aktuelle Rezension von: Isaquisa

    Meinung:

    Dieses Buch hat mir sehr gut gefallen und hat in mir so ein wohlfühl Gefühl in mir ausgebreitet! Das Buch war aus beiden Sichten geschrieben und zwischen durch gab es immer so ein paar email Ausschnitte von Ellie und Graham was mir sehr gut gefallen hat! Es war eine sehr süße Geschichte und auch sehr fesselnd! Die Charaktere waren mir auch alle sehr sympathisch. Das Cover ist auch mega schön, und das Mädchen darauf sieht sehr sympathisch aus!

    Inhalt:

    Ein kleiner Tippfehler der Emailadresse und schon beginnt eine süße Geschichte!

    Als der berühmte Teenie Filmstar Graham Larkin außversehen an das Dorfmädchen Ellie eine email schreibt beginnt eine Konversation zwischen den beiden. Es entsteht eine Email-Freundschaft, sie können mit einander über alles schreiben, außer darüber wer sie in Wirklichkeit sind. Graham will Ellie unbedingt kennen lernen und da er weiß in welchem Dorf sie wohnt, schlägt er das Dorf als den nächsten Drehort vor. Und schon stehen sie vor einander. Doch für Ellie ist es ein Schock als sie erfährt wer Graham wirklich ist, denn sie hat ein Geheimnis was auf garkeinen Fall die Presse erfahren darf! Doch trotz der Schwierigkeiten kommen sie sich immer näher und entwickeln Gefühle für einander!

    Fazit:

    Mir hat das Buch außerordentlich gafallen und ich kann es nur weiter empfehlen!

  17. Cover des Buches Madame Rosella und die Liebe (ISBN: 9783442749348)
    Tuna Kiremitci

    Madame Rosella und die Liebe

     (20)
    Aktuelle Rezension von: Ninasan86
    Zum Inhalt:

    Das hier sagt das Buch selbst über sich:

    Der herzerwärmende Bestseller aus der Türkei.
    Frau Rosella, was machen wir hier eigentlich?
    Wir unterhalten uns, Mademoiselle. Aber ich verstehe Ihr Befremden. Schließlich müssen Sie sich mit einer alten Schachtel unterhalten. Weil Sie auf die Intrige einer alten Frau hereingefallen sind, sind Sie jetzt hier.
    Na, dann mal los!
    Dies ist die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft. Ein anrührendes Gespräch über Lügen und Familiengeschichten. Über Religion und Hoffnung, über Liebe, Sex und geheilte Herzen.


    Und das hier sagt der Verlag über das Buch:

    "Dies ist die Geschichte der Berliner Jüdin Rosella Galante, die während des Krieges nach Istanbul flüchtete. Und die Geschichte der jungen Türkin Pelin, die sich ihr Studium finanziert, indem sie sich mit der 88-jährigen Rosella unterhält. Einfach nur reden, Woche für Woche. Das ist es, wofür die exzentrische Rosella sie angestellt hat. Über die Vergangenheit in Istanbul. Aber auch über wehmütige Erinnerungen, geplatzte Träume, Liebschaften und sogar Sex. Es ist die Geschichte einer ganz und gar ungewöhnlichen Freundschaft zwischen zwei Frauen. Eine aufwühlende Reise durch Europa und Asien. Ein humorvolles, anrührendes Gespräch darüber, was wirklich zählt im Leben."


    Über die Autorin:

    "Tuna Kiremitçi wurde 1973 in Eskişehir, Anatolien, geboren. Er studierte Filmwissenschaften an der Mimar Sinan Universität der schönen Künste in Istanbul. Schon während seiner Schulzeit veröffentlichte er Gedichte. Für seine Kurzfilme wurde er vielfach ausgezeichnet. Er arbeitet als Kolumnist, komponiert Musik, schreibt Drehbücher und tritt als Solist auf. Seine Romane sind allesamt Bestseller in der Türkei."


    Und nun mein Fazit und meine Rezension:

    Ich halte ein für meine Verhältnisse dünnes Buch in den Händen. Das Cover hat mir auf Anhieb gefallen, verrät nicht wirklich etwas über die Geschichte, doch der Titel macht schon sehr neugierig. Als ich dann auch noch den Klappentext und die Lesestimmen von anderen Bloggerinnen und Lesern recherchiere, weiß ich: DAS muss ich einfach lesen!
    Und ich durfte es auch.
    Die Kapitel sind kurz und prägnant gehalten, tun der Geschichte als solche aber keinen Abbruch. Im Gegenteil, sie fördern den Lesefluss ungemein - ich beispielsweise, habe das Buch innerhalb von einem Tag ausgelesen.

    Als Leser wird man direkt in die Szene eingebaut. Man betritt neben Pelin das Haus von Madame Rosella und führt zunächst einmal ein "Bewerbungsgespräch", doch schnell findet man heraus, dass es sich hier nicht um ein Gespräch für eine gewöhnliche Anstellung handelt, sondern um etwas Besonderes. Madame Rosella ist alt und krank, ihre Familie hat sie auf die ein und die andere Weise verlassen. Sie ist einsam und um genau dieser Einsamkeit entgegenzuwirken, tut sie das, was sich wohl viele Menschen denken - es aber leider nicht in die Tat umsetzen! Madame Rosella gibt eine Zeitungsannonce auf, um Gesellschaft zu haben. Sie möchte gemeinsam mit ihrer neuen Gesprächspartnerin die alten Zeiten aufleben lassen. Ein besonderer Augenmerk legt sie allerdings auf die Sprache, denn am glücklichsten war Madame Rosella, als sie in der Türkei war.
    Man merkt bereits am Anfang, dass es sich hierbei nicht um eine gewöhnliche Geschichte handelt. Es wird nicht nur herunter erzählt, Fakten an Fakten gereiht, was die alte Dame alles erlebt hat, nein, man wird regelrecht mit in diese Erzählung eingesogen. Der Erzählstil von Madame Rosella ist so mitreißend und romantisch, dass man gar nicht anders kann und gemeinsam mit Pelin von Treffen zu Treffen fiebert. Zu Beginn dachte ich, dass die beiden Frauen nicht gut miteinander auskommen würden - trafen hier doch Welten aufeinander! Pelin ist türkischstämmig und ist sich der Sitten und Gebräuche ihrer Landsmänner bewusst, doch ist sie auch durch und durch Studentin und eine junge, ehrgeizige Frau, die weiß, was sie möchte. Mehr als einmal treffen die beiden mit ihren unterschiedlichen Ansichten aufeinander, doch so schnell sich die Gemüter erhitzen, genauso schnell legt es sich auch wieder.
    Insbesondere die Geschichten der beiden Frauen haben es mir angetan! Von Madame Rosella erfährt man viele Geschichten bzw. Erinnerungen, die sie ausgeschmückt mit Pelin teilt. Ab und an meint man wirklich, dass die alte Dame etwas zur Übertreibung neigt, doch auch wenn dem so sein sollte - ihr Erzählstil ist und bleibt wunderbar und fesselnd bis zum Schluss.
    Aber auch Pelin ist kein unbeschriebenes Blatt. Die junge Studentin floh regelrecht vor ihrem Vater und baut sich ein eigenes Leben mit Selbstbestimmungscharakter auf. Pelin ist stark und mutig und das schätze ich an ihr. Doch auch sie verbirgt das ein oder andere Geheimnis und so erfährt man im Laufe der Geschichte nicht nur etwas von Madame Rosella und ihre Liebe, sondern auch über die junge Pelin und ihr Leben.
    Alles in einem kann ich sagen: mich hat das Buch sehr gefesselt und an einigen Stellen emotional mit sich gerissen - im positiven Sinne! Ich kann das Buch nur weiterempfehlen!

    Meine Bewertung: 5 von 5 Punkten
  18. Cover des Buches Lichtgespenster (ISBN: 9783740712396)
    Claudia Täubner

    Lichtgespenster

     (9)
    Aktuelle Rezension von: BiancaRitter

    Ein wunderbares Buch, das mir geholfen hat, mich auf eine neue Weise kennenzulernen und den Kontakt zu mir über meine Träume zu verstärken. Interessanterweise konnte ich allein durch das Lesen des Buches  mich morgens immer deutlicher an meine Träume erinnern. Sehr geholfen hat mir bei der Verarbeitung mein Ritual, jeden Morgen 3 Seiten zu schreiben, das ich mir aus dem Buch „Der Weg des Künstlers“ angeeignet hatte. Das war eine wunderbare Kombi. Obwohl ich zugeben muss, dass ich häufig meine Träume, wirr und grotesk, nicht verstanden habe, hat das Bewusstwerden dessen trotzdem etwas verändert.

    „Lichtgespenster“ ist leicht und angenehm zu lesen. Ich konnte mich gut hineinversetzen und mit der Hauptfigur mitfühlen. Durch die vielen Beispiele aus der persönlichen Lebensgeschichte verwoben mit den Traumerfahrungen fühlt es sich mehr wie eine Geschichte als wie ein klassisches Sachbuch an und ich fand es spannend, die Entwicklung Schritt für Schritt mitzuerleben und zu erkennen, wie unser Innerstes versucht uns im Leben stets zu helfen, zu warnen  und den Weg zu weisen. Alles, was wir lernen müssen ist uns zu lauschen und uns zu vertrauen. So verzweifelt wir doch manchmal im Außen nach Antworten suchen, tragen wir doch alles, was wir brauchen längst in uns.

    Danke liebe Claudia Täubner!

  19. Cover des Buches "Nee, wir haben nur freilaufende Eier!" (ISBN: 9783453601758)
    Felix Anschütz

    "Nee, wir haben nur freilaufende Eier!"

     (74)
    Aktuelle Rezension von: melli.die.zahnfee
    Gut zusammengestellte Beiträge von der Internetseite belauscht.de.Kein sehr gehaltvolles Buch, aber eins was sich wunderbar weglesen lässt . Auf dem Örtchen oder bei einer Magen-Darm Verstimmung. Die kurzen Kapitel laden zum Häppchenlesen ein und man muss keinesfalls nachdenken beim Lesen.Sorgen macht mir nur das Bildungsniveau unseres Landes .Ich hatte direkt vorher ( leider ) "darauf bin ich algerisch" gelesen und so waren sehr viele Begebenheiten doppelt oder schon bekannt.Ich werde aber auf jeden Fall die " passionierten Tomaten " auch lesen.
  20. Cover des Buches Die Buchliebhaberin (ISBN: 9783442726691)
    Tom Petsinis

    Die Buchliebhaberin

     (20)
    Aktuelle Rezension von: Kopf-Kino

    »Hast du gelernt, die Welt zu akzeptieren, Paul?«
    »Ich habe die Poesie nicht aufgegeben.«
    »Ein Märtyrer des Lebens«, gab er lächelnd zurück.
    »Nein, Arthur, einfach ein Dichter.«

    'Die Buchliebhaberin' Sonya wagt den Sprung in die Selbstständigkeit und erfüllt sich einen Lebenstraum: ein eigenes kleines Antiquariat, um gänzlich in den geliebten Bücherkosmos versinken zu können. Aufgrund der allgemeinen Rezession bleiben jedoch in Bälde die Kunden fern. Als wäre das nicht bereits schlimm genug, eröffnet in ihrer Straße auch noch die Billig-Kette 'Bücher kiloweise' eine Filiale. Als Sonya eines Tages einen goldenen Briefumschlag, der ein handschriftliches Manuskript enthält, in ihrer Buchhandlung findet, spendet ihr die Geschichte sowohl Trost als auch Flucht vor den Existenzsorgen. Der Brief enthält ein Gespräch zwischen zwei Büsten - Marx und Moses diskutieren darin über Religion und den Vergleich zu Kapitalismus/Kommunismus -, aber keinen Hinweis auf dessen Autor. Schon bald taucht die nächste anonyme Geschichte auf...

    Tom Petsinis' Roman ist ein wahrer Ausflug in die Kulturgeschichte gelungen. Die fiktiven Dialoge, die im Laufe des Romans zwischen Schriftstellern, Philosophen und anderen Größen der Geschichte stattfinden, behandeln große Themen, wie Moral, Religion, Literatur, Wahrheit und natürlich die Liebe. Die geistreichen Gesprächspartner, die innerhalb der anonymen Manuskripte aufeinander treffen, reichen von Sokrates bis Kafka, um lediglich zwei zu nennen. Die Gespräche sind stellenweise recht komplex und erfordern beim Lesen eine gute Portion Konzentration ab, da sie den meisten Raum des Romans einnehmen. Somit ist das Buch kein Schmöker für zwischendurch oder nebenbei. Der Autor regt tiefgreifend zum Nachdenken an.

    Wenn eine Kultur noch jung und stark sei, hätten die Künstler keine Angst, tief in ihre Seele zu blicken. Indem sie unsere Ängste ausdrückten, würden sie ihnen etwas von ihrem Schrecken nehmen; indem sie unsere Albträume auf die Bühne brachten, würden sie uns befreien, das Licht des Tages zu genießen. Die Tragödie sei letztendlich die Konfrontation des Menschlichen mit dem, was darüber hinausweise, mit der Freiheit als Belohnung.

    In der Rahmenhandlung schaut der Leser der 30-jährige und schüchterne Sonya über die Schulter, wie sie mit Koffern bewaffnet die Flohmärkte abklappert, Bücher verschenkt, beklaut wird und sowohl vor ihrem Vermieter als auch dem Bankangestellten zittert, die sich die regelmäßig die Klinge in die Hand geben. Zudem begleitet man sie auf der Suche nach dem Unbekannten, der stets mysteriöser wird – er scheint Sonya unbemerkt zu beobachten. Ob Sonya einen Weg findet, sowohl den Urheber zu finden, als auch ihrer misslichen Lage zu entkommen, müsst ihr natürlich selbst herausfinden.

    Der Himmelsschreiber besudelt kostbar öffentlichen Raum! Sonyas Empörung wächst, während er seinen ersten Buchstaben, ein B., vollendet. Inserenten haben schon die Erde mit ihren Wurfsendungen verschmutzt, nun verunreinigen sie auch noch den Himmel, korrumpieren das Alphabet und erniedrigen das Wunder des Lesens, indem sie es dazu missbrauchten, ihre Produkte zu verkaufen. Es sollte zwei Alphabete geben, denkt sie plötzlich. Eines für Texte, die aufklären, das andere für Reklame.

    Der Schreibstil des Autors ist flüssig und weist lediglich innerhalb der Dialoge längere Schachtelsätze auf, die ich generell sehr schätze. Je nachdem zwischen wem der jeweilige Dialog bzw. Disput stattfindet, passt sich der Autor zart der dazugehörigen Sprache, Thematik und Berufung an. Somit fällt beispielsweise die Unterhaltung zwischen Rimbaud und Verlaine recht poetisch aus.

    Die Geschichten innerhalb der Geschichte waren mein persönliches Highlight. Jeder Dialog war für mich ein kleines Meisterstück. Natürlich fand ich den einen interessanter als manch anderen – summa summarum jedoch sagten sie mir alle zu. Manche Thematiken wiederholen sich, werden jedoch je nach Kontext der Dialoge anders beleuchtet.

    Um ehrlich zu sein, interessierte ich mich im Laufe der Geschichte weniger für die Rahmenhandlung, sondern umso mehr für die spannenden Geschichten. Mit 'spannend' beziehe ich mich ausschließlich auf die Spannung zwischen den Wortgefechten und Interaktionen der Beteiligten. Somit könnte manch einem der Roman zu langweilig sein – ich fühlte mich gut unterhalten.

    Ich gebe dem Roman 4 Sterne, da bspw.. manche Figuren, die in der Rahmenhandlung auftreten, zwar charakterisiert werden, dafür jedoch schnell und klanglos von der Bildfläche verschwinden. Manchmal blieb mir Sonya mit ihren Entscheidungen etwas fremd. Wer ein rein detailliertes Buch über das Leben einer Buchhändlerin und deren Liebe zur Literatur erwartet, könnte hier enttäuscht werden - die Dialoge und Gedankenspiele nehmen (zu meinem Glück) den meisten Platz ein. Die Manuskripte bzw. Dialoge sind jedoch erstklassig und raffiniert! Allein deswegen möchte ich diesen Roman wärmstens empfehlen.

    »Das Feuer der Jugend!«, sagte Arthur. »Manche macht es milder und willensstärker, eine Schule des Charakters. Andere verbrennen zu Asche.«

  21. Cover des Buches Was hilft Psychotherapie, Herr Kernberg? (ISBN: 9783451602665)
    Manfred Lütz

    Was hilft Psychotherapie, Herr Kernberg?

     (4)
    Aktuelle Rezension von: alex_we

    Sehr gutes Buch aus dem man viel lernen kann. Es streift an allen wichtigen Themen und für jeden Laien verständlich und als Psychotherapeut umso wichtiger es gelesen zu haben. 

  22. Cover des Buches Alte Liebe (ISBN: 9783596512027)
    Elke Heidenreich

    Alte Liebe

     (134)
    Aktuelle Rezension von: literat

    Ich habs geliebt. Es lebt nicht von viel Bewegung und viel Handlung aber die Sprache zwischen den beiden Protagonisten, dem Ehepaar, ist einfach toll, liebevoll, mitfühlend, aufmerksam. Und ich kann am Ende Harrys Trauer sooooo fühlen.

  23. Cover des Buches Miteinander reden 1 (ISBN: 9783644446410)
    Friedemann Schulz von Thun

    Miteinander reden 1

     (72)
    Aktuelle Rezension von: Ratzifatz

    Ich gebs zu, ich war skeptisch. Ich lese keine Ratgeber, und dieses Buch war so ziemlich das einzige, das noch irgendwie in die Kategorie Ratgeber passt, ohne mich allzu negativ zu stimmen. Es gab aber auch noch einen anderen Aspekt, der mich skeptisch machte. Da ich seit Jahren an Sprachphilosphie interessiert bin, und mich mit allen möglichen Richtungen dahingehend beschäftigt habe, die die Philosophiegeschichte hergibt, nahm ich - rückblickend gar nicht so falsch - an, dass Schulz von Thun weder ein Wittgenstein, noch ein Searle, Austin oder Heidegger ist, und mir die Sache irgendwie zu banal werden würde. Das ist ein bisschen herablassend, ich weiß, aber was soll man denn schon groß lernen, wenn man schon vom "heimlichen König" aus Meßkirch erfahren hat, dass die Sprache das "Haus des Seins" ist?


    Und ganz richtig, Schulz von Thun orientiert sich an der praktischen Verwendung von Kommunikationspsychologie: er möchte, dass die Leser es schaffen, bessere "Ohren" zu entwickeln, um ihre Kommunikation im Beruf oder im Privatleben besser zu bewältigen. Dabei greift er einerseits auf eingängige Schemata zurück, die es auch im Alltag erlauben, Dimensionen der einfachen Aussage zu erkennen, die sonst vielleicht überhört werden (Stichwort: Kommunikationsquadrat und "Die vier Ohren des Empfängers"), andererseits vermittelt er aber auch psychologische Grundlagen, die manchmal die therapeutischen Aspekte ala Lebenshilferatgeber unübersehbar und seine theoretischen Lehrer erkennbar machen (Adler, Ruth Kohn, ...). Zweiteres führt aber auch zu dem sympathischen Nebeneffekt, dass Schulz von Thun der oft ziemlich seichten und unglaubwürdigen Kategorie der Coaching- und Erfolgsliteratur entgeht, die jedem Leser in der Regel das Blaue vom Himmel verspricht, "Erfolg in Liebe, Leben und Leiden" prophezeit oder oft sogar mit negativen Machtmitteln wirbt, der Eingeweihte würde die Macht der Manipulation und psychischen Programmierung erwerben. Schulz von Thun unterlässt derartige Dinge, seine Theorien sind brauchbar, aber keine Allheilmittel, und sein Humor ist angenehm leise, was übrigens dem erwähnten sympathischen Grundton des Buches entspricht. An die fast liebenswerte Naivität mancher Beispiele und Illustrationen gewöhnt man sich schnell; im Gegenteil, sie machen das Buch glaubwürdiger.  


    Sollte es noch andere "Ratgeber" dieser Qualität geben, schraube ich meine Skepsis gerne zurück. 
  24. Cover des Buches Schach von Wuthenow (ISBN: 9783257610215)
    Theodor Fontane

    Schach von Wuthenow

     (40)
    Aktuelle Rezension von: sKnaerzle
    Fontane schildert einen dekatenten Staat und eine dekadente Gesellschaft kurz vor ihrem Untergang - bloß man merkt es nicht. Preußen steht kurz vor der verheerenden Niederlage von Jena und Auerstett, aber das wird mit keinem Wort erwähnt, man muss es sich aus den wenigen historischen Hinweisen zusammenreimen.

    Auch dass die Gesellschaft verkommen ist, merkt man kaum Na gut, die Sexualmoral ist ein bisschen locker, aber es wird am Ende ganz anständig geheiratet. Der Prinz redet in Männergesellschaft über seine Geliebte und erkennt Napoleons Genie nicht - aber dafür ist er schließlich ein Prinz. Und die Frauen gehen in ein Theaterstück, dass ihren religiösen Grundsätzen widerspricht und entschuldigen sich damit, dass sie eben Frauen sind. Und das soll den Keim des Untergangs in sich tragen?

    In der Handlung geht es um den Rittmeister Schach von Wuthenow, der nicht tut, was Ehre und Gewissen ihm gebieten, weil er nicht über Tagesfragen erhaben ist und nicht merkt, wo die Ehre endet und der Dünkel beginnt und weil er um eine Karriere fürchtet, die nur in seinen Augen glänzend wäre.

    Obwohl Fontane Schach als negatives Beispiel benutzt, ist er doch menschlich interessant, und trotz und wegen seiner Schwächen auch sympathisch.

    Genial ist aber der Aufbau des Romans. Wir haben einen Erzähler, der für den Leser alles hübsch arrangiert, Salongeplauder und Spazierfahrten, Briefe und Gespräche. Man glaubt, man schaut den Figuren jederzeit über die Schulter und manchmal auch in die Köpfe.  Am Ende aber weiß man gar nichts. Der allwissene Erzähler war nur eine Pose. Er hat uns gar nicht erzählt, wie es wirklich war. Er stellt uns Zeugen vor, die alle nur einen Ausschnitt der Wahrheit kennen und deren Blick durch Parteilichkeit getrübt ist. Unser Urteil über Schach müssen wir schon selber fällen, über die Zeiten hinweg.

    Und für unsere Zeit ist die Erinnerung an Pflicht und Bindung durchaus provokativ.

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