Bücher mit dem Tag "dichtung"
25 Bücher
- Johann Wolfgang von Goethe
Faust I
(3.431)Aktuelle Rezension von: LuliaIm Zentrum der Handlung steht der wissensdurstige Gelehrte Heinrich Faust, dem in einer Sinnkrise der Teufel Mephisto erscheint und ihm grenzenlose Erfahrungen im Austausch für Fausts Seele anbietet, falls dieser je einen Moment erlebt, den er festhalten möchte, was letztlich in Schuld, Tod und moralischem Zerfall endet. Die teilweise ausschweifende Handlung wechselt zwischen Dialog, Monolog, Lyrik und dramatischen Szenen und weist eine sehr hohe philosophische Tiefe auf, die an manchen Stellen überladen wirkt.
Bei den Protagonisten steht Faust im Mittelpunkt der Handlung und wird facettenreich und komplex dargestellt. Nebenprotagonisten, wie z.B. Mephisto oder Gretchen, sind ebenfalls Figuren mit hoher psychologischer Tiefe und treiben die Handlung voran.
Wer stille Klassiker mit psychologischer Tiefe/Spannung und sprachlicher Schönheit mag, wird hier fündig.
Der Schreibstil ist in sehr origineller Versform aufgebaut, was dem Text Eleganz verleiht, im Zugang jedoch anspruchsvoll ist.
Minuspunkte: Sowohl die teilweise ausschweifende Handlung als auch die anspruchsvolle Sprache mindern den Lesespaß. - Charles Baudelaire
Die Blumen des Bösen
(123)Aktuelle Rezension von: Trishen77"Mir ist, als hätte ein Jahrtausend ich geschaut.
Nie barg ein Schrank, darin der Akten Flut gestaut,
Wo Liebesbriefe sich, Urkunden, Blätter schichten,
Mit Haaren, die verpackt in Scheine, mit Gedichten,
Mehr Heimlichkeiten als mein Hirn, mein müdes, kennt.
Es ist ein Königsgrab, ein Riesenmonument;
Nicht eine Massengruft bedeckt so viele Leichen."
Vorweg: Wem diese Rezension zu umfangreich ist, der findet eine Kurzfassung im ersten Kommentar, wo ich auch auf die Problematik der Übersetzungen eingehe.
Die Blumen des Bösen, die "les fleurs du mal", werden, übergreifend, von nahezu allen westlich-europäischen Ländern als der Beginn der modernen Dichtung angesehen; von Arthur Rimbaud bis Paul Celan reicht die Spanne der von diesem Werk inspirierten und beeinflussten; Gedichte wie "Der Albatros" und "Die Katze", "Das schöne Schiff" oder "An eine rothaarige Bettlerin" gehören zum Kanon des Allgemeinwissens in Puncto Lyrik und die kunstvoll finstren, ornamentenen Wendungen und Reime des Werkes haben, inhärent, Worte wie "Poetisch" und "Lyrisch" auf ewig für sich eingenommen und geprägt. Und bei aller Kritik, die sich mit der Zeit gegen jedes Werk aufbauen wird - die Blumen des Bösen waren mehr als nur der Schritt in eine neue Art von Dichtung. Sie waren auch der erste Versuch mit intellektueller Erfassung weltlichen Fragen in Reimen nahezukommen - eine Tradition unter der beinah die ganze bedeutende, moderne Lyrik steht.
"Zwei Krieger stürzen aufeinander; ihre Klingen
Durchstieben rings die Luft mit Funken und mit Blut.
Dies Spiel, dies Klirren ist das lärmerfüllte Ringen
Der Jugend, die verzehrt von wilder Liebesglut."
Wenn man heute davon spricht, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, bedeutet das meistens, dass man nicht bei Gelegenheit kein Blatt vor dem Mund nimmt, sondern immer und prinzipiell.
Charles Baudelaire, Dandy und Dichter, opiumsüchtig und in Frankreich neben eigenen Werken auch berühmt für die Entdeckung und Übertragung der Werke Edgar Allen Poes, lehrt einem in diesem Werk hier, was es wirklich heißt, kein Blatt vor den Mund zu nehmen - es heißt nämlich die Akzente richtig zu setzten, das Gefühl der Offenheit zu vertiefen und zu verschleiern, es nicht zu beantragen und trotzdem subtil, allumfassend aufzutun, in seiner Nacktheit, seiner Dunkelheit, seiner Boshaftigkeit und seiner Schönheit. Denn der Reiz aller Dinge, das weiß Baudelaire, ist oft zwischen den Krallen des Seins und den Händen des Scheins in einer Art von Vermeintlichkeit gefangen.
"Denn klarer kann sich, Herr, kein Zeugnis offenbaren,
Das unserm innern Wert je eine Stimme leiht,
Als dieser glühnde Schrei, der rollt von Jahr zu Jahren
Und sterbend untergeht am Rand der Ewigkeit."
Das Leben, für beinahe jeden Dichter heute der Dreh- und Angelpunkt seines Werkes, das Ding für das es Metaphern, Bilder und Sinn zu finden gilt, für das Gebilde selbst und für all seine Stellvertreter, durch die hindurch man das Leben aus dem Augenwinkel oder exemplarisch wahrnehmen und spüren kann - Baudelaire besingt es hier in vier Zeilen, er wirft es hin und her zwischen Eindrücken und Feststellungen.
"Unendlichkeit seh fahl ich durch die Fenster strahlen,
Und meine Seele, die es schwindelt, füllt mit Neid
Das wesenlose Nichts in seiner Einsamkeit.
O! niemals mehr sein als Geschöpfe und als Zahlen."
Die Blumen des Bösen mögen oft als Gesänge des Unmuts, der Lüsternheit und der Verkommenheit angesehen werden. Doch das erklärt nur den einen Teil ihres Titels. Und auch wenn der Teil mit den Blumen sich weniger gut (Im Gegensatz zum Bösen) aus dem Französischen übertragen lässt - wer sich in die erst wirr und trunken anmutenden Verse einliest, wird schnell herausfinden, dass sie sich eigentlich im Zentrum des Sturms befinden, da wo es am ruhigsten ist. Klagen, Sehnsucht und Angst, oft treten sie zu uns im Fell der Wut und der Begierde, dem Hass und der Flucht nach vorn. Baudelaire versteht es dieses schwierige, psychologische Erbe zu erzählen - natürlich mit Vorliebe auch durch das Erotische, so in diesen Zeilen, in denen er auf die Zweischneidigkeit der Weiblichkeit hinweist:
"Ihr magres Schlüsselbein umschmiegen leichte Spitzen,
Gleich einem üppigen Bach, der sich am Felsen reibt,
Und sittsam bergen sie vor possenhaften Witzen
Den unheilvollen Reiz, der tief verborgen bleibt."
Die Blumen des Bösen sind ein Gedichtband, der wegweisend war und auch heute noch wunderschöne Wendungen an Reimen und Eindrücken zu bieten weiß und auch immer noch lehrreich ist für die Begegnung mit der psychologischen Tiefe von Leben und vom Bösen. Zweifelsohne ist es schwierig in diesem dunklen Meer zu baden, ohne sich zu fragen, warum es immer wieder ins Abgründige umschlägt. Aber dass ist die Eigenschaft des Meeres: Es ist weit, groß, schön und immer abgründig, je mehr, desto weiter man sich hinauswagt; und darin schwimmen heißt stets bis zum Hals über dem Abgrund zu schweben.
"Und es erschrak mein Herz, manch Armen zu beneiden,
der glühnden Eifers stürzt zum Abgrund des Gerichts,
Und der, von seinem Blut berauscht, die grimmsten Leiden
dem Tode vorzieht und die Hölle selbst dem Nichts." - Nancy H. Kleinbaum
Dead Poets Society
(262)Aktuelle Rezension von: GingerteabooksEin Englischlehrer animiert seine Schüler frei zu denken, woraufhin eine Gruppe von Jungs den Club der toten Dichter wiederaufleben lassen und in einer Hölle heimlich sich gegenseitig Lyrik vorlesen. Neils und Todds Storylines und Charakterentwicklungen habe ich am besten verstanden. Charlie war irgendwann einfach nur noch nervig. Knox auch. Cameron habe ich bis zum Ende des Buches fast vergessen und Meeks war eigentlich unwichtig für die Handlung. Auch Mr Keating hatte keine wirkliche Storyline. Er war nur der Auslöser, der die Handlung zum rollen gebracht hat.
- Axel Scheffler
Der Grüffelo
(336)Aktuelle Rezension von: blackburnious„Der Grüffelo“ gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Bilderbüchern überhaupt – und das völlig zu Recht. Die Geschichte rund um eine clevere kleine Maus, die sich im Wald behaupten muss, begeistert seit Jahren Kinder und Erwachsene gleichermaßen.
Im Mittelpunkt steht die Maus, die auf ihrem Weg durch den Wald verschiedenen Tieren begegnet, die sie gerne fressen würden. Doch mit viel Einfallsreichtum erfindet sie kurzerhand eine furchteinflößende Kreatur – den Grüffelo. Das Besondere: Plötzlich steht dieses Wesen tatsächlich vor ihr. Was folgt, ist eine ebenso spannende wie humorvolle Wendung, bei der die Maus erneut beweist, dass Mut und Köpfchen oft wichtiger sind als Größe und Stärke.
Die Geschichte lebt von ihrem eingängigen Reimstil, der sich wunderbar vorlesen lässt und schnell im Ohr bleibt. Kinder lieben es, die wiederkehrenden Passagen mitzusprechen, was das Buch zu einem interaktiven Erlebnis macht. Gleichzeitig vermittelt die Geschichte auf spielerische Weise wichtige Botschaften über Selbstvertrauen, Mut und kluges Handeln.
Ein echtes Highlight sind die Illustrationen von Axel Scheffler. Mit viel Liebe zum Detail erschafft er eine lebendige Waldwelt, in der es immer wieder Neues zu entdecken gibt. Der Grüffelo selbst ist dabei gleichzeitig ein wenig unheimlich und doch sympathisch – genau die richtige Mischung für junge Leser.
„Der Grüffelo“ ist ein Buch, das man nicht nur einmal liest. Es wird schnell zum festen Bestandteil im Kinderzimmer und begleitet Familien über viele Jahre hinweg.
Ein humorvolles, klug erzähltes Bilderbuch mit hohem Wiederlesewert, das Kinder spielerisch begeistert und auch Erwachsene zum Schmunzeln bringt.
- Hans Pleschinski
Wiesenstein
(54)Aktuelle Rezension von: HansDurrerHans Pleschinski, geboren 1956, als freier Autor in München lebend, nimmt sich in diesem Roman Gerhart Hauptmanns an, der zusammen mit Thomas Mann (über den Pleschinski den ganz wunderbaren Roman „Königsalleee“ geschrieben hat) zu den grossen Figuren der deutschen Literatur (beide sind Nobelpreisträger) zählt. „Wiesenstein“ beginnt im März 1945 mit dem Aufbruch des greisen und pflegebedürftigen Hauptmann und seiner Entourage (inklusive Masseur) vom Sanatorium Dr. Weidner im eben zerstörten Dresden nach Schlesien, in seine Villa „Wiesenstein“, einem prächtigen Anwesen im Riesengebirge.
Ich staune, welche Ehrerbietung die Leute dem Dichter Hauptmann, der offenbar lange schwankte „zwischen der Poesie und dem Wunsch, ja, ein neuer Michelangelo zu werden“ entgegenbringen. Ja, ich staune überhaupt, dass einem Dichter einmal Ehrerbietung entgegengebracht worden ist – solche Zeiten sind lange her. Allenthalben wird er „Herr Dr. Hauptmann“ genannt, der vielfach Geehrte, der nun mit einem Pfleger auf dem eisigen Bahnhof steht. Es ist höchst beeindruckend wie es Hans Pleschinski gelingt, die damalige Simmung zu vermitteln.
Von Propagandaminister Dr. Goebbels (wieder ein Doktor) war Hauptmann zwar wenig geschätzt, von dessen Widersachern auf der Kulturbühne dafür (und auch deswegen) um so mehr. Und wie fürstlich der Mann gelebt hat! „Ein Lebenshöhepunkt – von Galadiners gerahmt – waren natürlich die Gerhart-Hauptmann-Festspiele in Breslau gwesen: vierzehn Stücke en suite füllten damals, in den Zwanzigerjahren, die Theater.“
Dem Dichter war offenbar eine heftige Radikalität eigen. So lässt Hans Pleschinski die Sekretärin Annie Pollak sagen: „Vor dieser Lebensberuhigung hatte Hauptmann, pardon, wenn ich’s so ausdrücke, gesoffen, randaliert. Jetzt wurde er – man kennt solche Umschwünge – zum strikten Abstinenzler.“ Worauf der Masseur Paul Metzkow meint: „Ich glaube, der Wunsch meldet sich beim Menschen und in der Geschichte regelmässig. Heute hui, morgen pfui. Erst Schwung durch Schnaps, dann Prohibition. Und dann wieder andersrum.“
Dass Hauptmann, im Gegensatz zu seinem Nobelpreiskollegen Mann („Der eine, Mann, war eher zerebral, der andere, Hauptmann, oft vulkanisch. – Gut, dass wir beide haben! Das ist ein geistiger Reichtum“, so Hans Pleschinski in einem Gespräch mit seinem Lektor Martin Hielscher), nicht ins Exil ging, bedeutet nicht, dass er ein Nazi war, schon von seinem ganzen Wesen her, konnte er gar keiner sein. „Hauptmann sagt: Selbst wenn ich Antisemit wäre, so müsste es mich doch stutzig machen, dass Gott soviele Juden mit so zauberhaften Gaben beschenkt hat.“ Doch die Privilegien, die Hauptmann geniesst, sind nicht gratis. Natürlich benutzen ihn die Nazis für ihre Zwecke und scheuen auch nicht davor zurück, sinnentstellend in seinen Dresden-Appell, der das Kultur-Verbindende hervorhob, einzugreifen und in eine parteiische Beschuldigung der Alliierten umzuwandeln.
Ausser dem „Bahnwärter Thiel“, den wir in der Schule durchgenommen hatten (und ich nicht erinnere), habe ich von Gerhart Hauptmann nichts gelesen. Von seinem Stück „Die Weber“ habe ich gehört. Anders gesagt: „Wiesenstein“ war für mich eine Einführung in Leben und Werk dieses Mannes, der ganz offensichtlich weltweit wahrgenommen wurde (sogar James Joyce übersetzte Stücke von ihm) und zwar eine, die mich auch Einiges über das Leben lehrte. „Man möchte sagen, seine Seele öffnete sich der unberechenbaren Vielfalt der Schöpfung.“
Hans Pleschinski ist ein begnadeter Erzähler. „Dorn mochte jede Jahreszeit. Der Sommer, dieser Brüllaffe, heizte allem ein, was kreuchte und fleuchte, die Käfer schossen über den Stein, die Ameisen schleppten, was sie konnten, aber ein wohliges Ächzen erfüllte die Natur. Im Herbst durften alles und jeder ermattet sein, Gärtner Dorn rechte Laub und Nadeln, liebte die Abkühlung im Gesicht, den kräftigen Duft aus der Erde und freute sich auf den Winter, wenn das Dunkel ruhiger machte, die Schlitten vorfuhren und der Atem dampfte. Schon um fünf Uhr früh schippte er dann den Fussweg von Schneewehen frei, liess die Frostluft willig an ihm beissen, fühlte umso mehr seine Lebenswärme. Und wenn er danach die Brotkante in den Malzkaffee stippte, den ersten Schluck getrunken hatte, kam er sich wie neugeboren vor. Bohnenkaffee war den Herrschaften vorbehalten. Er träumte dann am Küchentisch, liess die Frauen schwatzen und lauschte dem Klappern der Töpfe und Pfannen.“
Solche Sätze schärfen meine Wahrnehmung – und das ist einer der Gründe, weshalb ich Bücher lese. Wie auch diese, die mich die Dinge neu (der Gedanke ist mir nicht neu, ihn so wohlwollend auszudrücken hingegen schon) sehen lassen. „Das unentschiedene Schwanken scheint eine Spezialität von ihm zu sein. Nun gut, wer wankt, gewahrt vielleicht mehr als derjenige, der stur geradeaus schreitet.“ Oder dieser: „Nichts auf Erden kann zufriedenstellen.“
Eindrücklich auch, wie Pleschinski den Einmarsch der Sowjetarmee nördlich von Görlitz schildert. Oder die Plünderungen und Enteignungen am Kriegsende. Man glaubt, sich selber mittendrin zu befinden. Überhaupt hat mich Vorstellungskraft und Einfühlungsvermögen des Autors, der den Krieg ja nicht selber erlebt hat, verblüfft, erstaunt und tief beeindruckt. Ganz wunderbar auch sein Witz und seine Formulierungsgabe. „Madame hingegen wirkte gelegentlich, einer selbst auferlegten Fasson halber, ein wenig indigniert. Da dies zumeist keine Konsequenzen zeitigte, blieb es, wenn sie ihre Lippen kurz spitzte, eher bedeutungslos. Oft sah sie auch nur schlecht.“
„Wiesenstein“ ist ein tief beeindruckendes, rundum grossartiges Werk! - William Shakespeare
William Shakespeare - Prachtausgabe
(17)Aktuelle Rezension von: LaxWilliam Shakespeares Dramen sind trotz ihres Alters von über vierhundert Jahren noch immer Aktuell und sprühen voller leichtem Witz, trauriger Schicksale und Dialogen, die nichts von ihrer Frische verloren haben. Shakespeares Dramen lassen sich in Tragödien, Römerdramen, Königsdramen bis hin zu Schau- und Lustspielen einteilen. Viele dieser Stücke dürften den meisten aus diversen Theateraufführungen und Verfilmungen bekannt sein, e.g. Romeo und Julia; Othello; Macbeth; Der Kaufmann von Venedig, Richard III. Deshalb wird sich mancher fragen, ob er die Stücke überhaupt noch lesen sollte. Die Antwort kann nur lauten: Ja. Ein Lesetrip durch die Werke von William Shakespeare bedeutet eine alte Sprache zu genießen - hier in den gelungenen Übersetzungen aus dem neunzehnten Jahrhundert von August Wihlelm von Schlegl, Wolf von Baudissin, Ludwig Tieck und Dorothea Tieck – und durchweg tragische, witzige und spannende Werke zu genießen. Los geht es mit den Tragödien, in denen es hauptsächlich um Liebe, „Was ist ein Name? Was uns Rose heißt, Wie es auch hieße, würde lieblich duften,“ Eifersucht, „Sei wirksam, Gift, Sei wirksam! Also fängt man gläub' ge Narren“, falsche Freunde, Wahnsinn, Schicksal, „Keiner Trau dem Gaukelspiel der Hölle, die uns mit doppelsinniger Rede äfft“, und Machtgier geht. „Der Rest ist Schweigen.“ In den Römerdramen werden die historischen Figuren Julius Cäsar, Kleopatra und Antonius verarbeitet und bieten neben dem bekannten Spruch des erstochenen Cäsar, „Et tu Brute“ auch das grausame, traurige Stücke von „Titus Andronicus.“ Dessen Tochter vergewaltige wird und ihr nachher die Zunge und beide Hände abgeschnitten werden, damit sie keinem Menschen davon jemals berichten kann. Die Königsdramen bieten viele weitere historische Figuren an, wie Richard III, „Ein Pferd! Ein Pferd! Mein Königreich für' n Pferd!“, Richard Löwenherz, Jean d' Arc und die Verarbeitung der Rosenkriege zwischen den Familien Lancaster und York. Es macht einfach Spaß so in die Weltgeschichte einzutauchen und sich zu fragen, was ist Realität und was entsprang Shakespeares Einfallsreichtum? Nachdem alle Tragödien durchlebt wurden, kann sich der Leser bei den Schau- und Lustspielen an dem Witz von Shakespeare erfreuen. „Laßt uns ein volles Pfund von Eurem Fleische zur Buße setzen, das ich schneiden dürfe, Aus welchem Teil von Eurem Leib ich will.“ Die Stücke spielen mit Verwechslungen und natürlich wie in fast jedem Drama von der Liebe, „Komm, laß uns hier auf Blumenbeeten kosen!“, doch diesmal enden die Stücke in Wohlgefallen. Obwohl die Stücke über vierhundert Jahre alt sind, haben sie nichts von ihrer Lebendigkeit eingebüßt. Shakespeares Sprache vibriert förmlich auf der Zunge und ihm gelingt es in die Dialoge alle Emotionen einzubauen und seine Plots sind stets spannend und enden manchmal mit überraschenden Wendungen. „Mein Leben ist gefeit, kann nicht erliegen einem vom Weib geborenen.“ Der Dichter William Shakespeare wurde am 26.04.1564 in Stratford-upon-Avon geboren. Mit achtzehn Jahren heiratete er die ältere Anna Hathaway, mit der er drei Kinder hatte. Da Aufzeichnungen fehlen, ist nicht bekannt, wie Shakespeare zum Theater kam, ob er dort als Schauspieler, Dramatiker oder Schauspieler begonnen hat. Auch kann das Entstehungsdatum einige Stücke nicht bestimmt werden. Deshalb wird angezweifelt, ob Shakespeare seine Stücke alle selbst geschrieben hat. Er verstarb am 23.08.1616. - Forrest Leo
Der Gentleman
(58)Aktuelle Rezension von: HerbstroseLondon, Mitte 19. Jahrhundert. In seinem Haus am vornehmen Pocklington Place lebt der Adlige Lionel Savage in der Überzeugung, er sei ein toller Hecht und ein begnadeter Dichter. Er ist 22 Jahre jung, sieht gut aus, ist sehr kultiviert aber auch sehr faul und lebt gerne über seine Verhältnisse. So muss ihm sein treuer Butler Simmons eines Tages mit Bedauern mitteilen, dass das Geld ausgegangen sei. Nun hat Lionel zwei Möglichkeiten, zu arbeiten oder eine reiche Frau heiraten. Ersteres kommt für den Gentleman ja nicht infrage, also bleibt nur der zweite Weg aus dem Desaster. Eine passende junge Dame aus vermögendem Hause ist bald gefunden, es wird geheiratet und Vivien zieht in das Haus am Pocklington Place ein.
Geld ist zwar nun vorhanden, doch Lionel ist seiner Angetrauten bald überdrüssig. Er empfindet sie als geistlos und nörglerisch, verachtet und hasst sie. Zu allem Übel kommt noch seine Schreibblockade hinzu, er kann nicht mehr dichten und ist verzweifelt. Als einzigen Ausweg sieht er seinen Selbstmord, doch die Umstände, die er seinem treuen Butler dadurch machen würde, halten ihn zunächst davon ab. Während er noch nach einer Lösung sucht, beehrt ihn ein eleganter Gentleman mit seinem Besuch, der sich selbst als Teufel vorstellt. Die beiden unterhalten sich freundschaftlich – und als der Teufel gegangen ist, ist auch plötzlich Vivien verschwunden …
Der US-amerikanische Autor Forrest Leo wurde 1990 in Alaska geboren, wo er auch aufwuchs und mit dem Hundeschlitten zur Schule fuhr. Später machte er einen Bachelor in Schauspiel an der New York University und arbeitete in verschiedenen Berufen. Er war erst 27 Jahre alt, als er sein Debüt „Der Gentleman“ schrieb, das von dem 1973 in Göttingen geborenen Literaturwissenschaftler Cornelius Reiber ins Deutsche übersetzt wurde.
Mit viel Witz und spöttischer Ironie werden wir in die Gepflogenheiten der Londoner Oberschicht im viktorianischen Zeitalter eingeführt – oder was man sich heute darunter vorstellt. Wie am Schluss des Buches zu lesen ist, wurde die Geschichte zunächst als Theaterstück konzipiert, was besonders in der furiosen Schlussszene, in der sämtliche Akteure noch einmal zusammenkommen, zu merken ist. Eine Besonderheit ist auch, dass die Geschichte von Lionel Savage selbst erzählt wird und der Herausgeber des Werkes, Mr Hubert Lancester, ein Verwandter von Savage, in zahlreichen Fußnoten seinen Kommentar dazu abgibt bzw. dessen Aussagen richtigstellt.
Eine Figur nach der anderen betritt die „Bühne“, rasch wechseln die „Kulissen“, es werden allerlei Abenteuer erlebt, Duelle ausgefochten und witzige, schlagfertige Dialoge ausgetauscht. Wir machen die Bekanntschaft mit dem besten Butler Großbritanniens, mit einem Erfinder von Flugmaschinen, mit einem gutaussehenden, kräftig gebauten Abenteurer, mit Lizzie, der quirligen jüngeren Schwester von Lionel, mit Vivien, Lionels schöner und intelligenter Frau – und nicht zuletzt mit dem Teufel, der sich als Buchliebhaber und Literaturkenner entpuppt und Dante Alighieri bei sich zu Hause als Gärtner beschäftigt.
Fazit: Eine intelligente Boulevardkomödie mit viel Witz, selbstverständlich leicht übertrieben, aber immer mit Stil – sehr unterhaltsam und äußerst amüsant.
- Jodi Picoult
Wir schreiben unseren Namen in den Wind
(19)Aktuelle Rezension von: KerstinnIJodie Picoult schriebt über zwei Heldinnen die nicht nur ihre Verwandtschaft miteinander verbindet sondern auch der feste Wille für ihre Worte und Gehör zu finden- beide stoßen dabei auf Widerstände, ausgelöst von Männern. In Emilias Fall, im Jahrhundert, geprägt durch die gesellschaftlich Kultur und der Tatsache, dass Frauen nach gesellschaftlicher Meinung nichts zu sagen haben und den Männern gehören. Und dennoch kämpft Emilia, ihr ganzen Leben lang für ihre Liebe, für ihre Stimme und auch dafür, schreiben und veröffentlicht zu werden.
Viele Jahre stößt Melina auf die Spuren ihrer Vorfahrin Emilia und die Vermutung, dass diese im 17. Jahrhundert Theaterstücke veröffentlicht hat. Nur nicht unter ihrem eigenen Namen, sondern mit Hilfe von niemand geringerem Als William Shakespeare. Melina, selbst studierte Theaterautorin schreibt ein neues Stück um es bei einem Wettbewerb einzureichen. Leider ist die Jury in der Männerdominierten Theaterwelt dafür bekannt, vor allem männliche Autoren zu berücksichtigen...
Mich hat dieses Buch sehr begeistert- aus ganz vielen Gründen: Zum einen schätze ich einfach Jodie Picoult und viele ihrer Bücher habe ich verschlungen. Sie schreibt spannend und erschafft Protadonisten, die ich schnell ins Herz schließe- ich leide und freue mich aus ganzem Herzen mit ihnen. Sie machen Wandlungen durch, die ich fühle und ihr völlig abnehme. Und so war es auch in diesem Fall.
Wir wechseln im Buch immer zwischen Melina und Emilia, also zwischen dem 17. Jh. und der Gegenwart- und trotzdem scheint sich die Welt manchmal gar nicht so sehr verändert zu haben. Noch immer müssen Frauen für ihre Anerkennung kämpfen- wenn auch nicht mehr ganz so hart aber dennoch auch in der Gegenwart spürbar. Emilia kämpft Zeit ihres Lebens. Ich war in den wenigen Momenten des Glücks mit ihr Glücklich und habe mit ihr gefiebert wenn sie verhandelte und wenn sie ihre Freunde, Familie oder Wegbegleiter betrauerte.
Selbiges mit Melina in der Gegenwart- die ebenfalls kämpfen muss, wenn auch auf andere Weise aber sich dennoch immer wieder die Frage stellt: Ist es nur wichtig, dass mein Stück auf die Bühne kommt oder ist es wichtig, dass meine Name genannt wird? „Es war einmal ein Mädchen, das unsichtbar wurde, damit ihre Worte es nicht waren“ - daß trifft es einfach wundervoll.
Ich habe es genossen, dass sich viele Titel von Shakespeare (oder Emilia) in diesem Buch wiederfinden. So viele Aspekte aus dem Leben Emilas finden sich in den Stücken wieder- Jodie Picoult hat diese Fäden in ihrem ROMAN wunderbar zusammengeflochten, so dass ich als Leserin mir wirklich wünschte, es würde alles so stimmen. Die Autorin erklärt im Nachwort ausführlich, wo Wahrheit und Fiktion aufeinandertreffen, wo sie interpretiert hat und wie sie recherchierte. Alles aufschlussreich. Zeitgleich schafft sie es auf beeindruckende Weise die Geschichte in die Gegenwart zu holen und den Diskurs um die Gleichberechtigung als Thema in die New York Times zu bringen.
Mir waren die Zweifel daran ob Shakespear wirklich der Autor vieler seiner Stücke ist bekannt, diese Zweifel wurden nun verstärkt. Was bleibt sind wunderbare Tragödien und Komödien mit der Frage, wer seinen Namen in den Wind geschrieben haben könnte.
- Wilhelm Busch
Das große farbige Wilhelm Busch Album
(10)Aktuelle Rezension von: sommerlese"Das große farbige Wilhelm Busch Album" erschien im September 2016 als gebundenes Hardcoverbuch im Bassermann Verlag, inzwischen gibt es die 3. Auflage.
Die humorvollen Werke Wilhelm Buschs haben Kultstatus und gelten als Klassiker, wer kennt sie nicht: die fromme Helene, die Streiche der Buben Max und Moritz oder den likörliebenden Raben Hans Huckebein. Sie alle sind dem begnadeten Zeichner und Versdichter Busch zu verdanken. Seine Bildergeschichten zeigen menschliche Schwächen und Wünsche und provinzielle Selbstgefälligkeit und diese farbige Ausgabe bietet eine vergnügliche Lektüre.
Info:
Wilhelm Busch (1832–1908) studierte Malerei in Düsseldorf und Antwerpen. Sein Talent als Karikaturist und Zeichner wurde Ende der 1850er Jahre in München entdeckt, wo er als Mitarbeiter der "Fliegenden Blätter" und des "Münchner Bilderbogens" mit seinen "Bilderpossen" weltberühmt wurde. Buschs Prosa entstand erst gegen Ende seines Lebens, "Der Schmetterling" 1895.
"Einszweidrei, im Sauseschritt, läuft die Zeit, wir laufen mit." Zitat Seite 230
In diesem durchgehend farbig bebilderten und reich ausgestatteten Hausbuch gibt es ein Wiedersehen mit den schönsten Geschichten von Wilhelm Busch.
Es enthält einige der bekanntesten und schönsten Bildgeschichten, wie die Streiche von Max und Moritz, Plisch und Plum, Maler Klecksel, Hans Huckebein und Fipps dem Affen und einige andere. Es ist zum Vorlesen und Anschauen geeignet und man möge bedenken, dass diese Geschichten vor fast 150 Jahren entstanden sind.
Wilhelm Busch hat mit Witz und teilweise satirischer Überzeichnung Geschichten geschaffen, die faszinieren. Er zeigt aber auch menschliche Schwächen, Wesenszüge von bösen Charakteren, Weiberhelden und echte Plagegeister, die manch harmlosen Bürger zum Opfer werden lassen.
Dabei bedient er sich einer treffend formulierten Verssprache und seinen wunderbaren Zeichnungen, die Situationen einfach unglaublich treffend darstellen. Mich erstaunt sein geübter Blick auf das Menschliche, auf das Fehlerhafte immer wieder aufs Neue.
Ich würde sogar behaupten, Wilhelm Busch kann man als den Urahn von Comics bezeichnen. Auf jeden Fall ist er ein unübertroffenes Genie der Zeichenkunst und seine Gedichte erstaunen immer wieder. Witzige Formulierungen und treffende Reime über menschliche und tierische Charakterzüge von Mensch und Tier sorgen für vergnügliche Geschichten und damit hat sich Wilhelm Busch durchaus einen Namen gemacht.
Dieser Künstler ist ein Teil unserer Kultur und auch wenn er in einer vergangenen Epoche lebte und eine vergangene Gesellschaft und andere Ansichten beschreibt, so ist es doch interessant und sein Humor zeigt sich auf vielfältige Weise. Er ist grotesk, er karikiert und wirkt sogar satirisch und makaber, aber er trifft immer genau den Punkt des Üblen und zeigt Gut und Böse auf.
Am Ende des Buches befindet sich eine Spruchsammlung in alphabetischer Reihe und ein Nachwort von Friedrich Bohne zum Leben und Werken Wilhelm Buschs.
Ein wunderbares Buch mit bekannten und nicht so bekannten Geschichten, die begeistern und gut unterhalten und das große Zeichen- und Vers-Talent Wilhelm Buschs zeigen.
- Rosemarie Doms
Wenn es Winter wird in meinem Garten …
(2)Aktuelle Rezension von: Bücherfüllhorn-BlogWahre Größe kommt von innen und so konnte ich hier nach dem Lesen meine erste, anfängliche und schnelle augenscheinliche Skepsis in das nur Postkartengroße Büchlein hinter mir lassen.
Denn, als ich das Buch aufschlug, fielen mir als erstes die Illustrationen und Fotos auf. Im ersten Moment, ich gestehe es, war ich enttäuscht, denn diese erschienen mir altmodisch. Das lag daran, dass ich mir etwas ganz anderes unter diesem Buch vorgestellt hatte. Ich dachte, es wäre in Landlust/Servus-Zeitschrift Manier ausgestattet. Und das war es nicht, im Gegenteil. So wirken die Illustrationen und Fotos dann doch eher beruhigend, auch wenn ich denke, dass manche eine Gratwanderung zwischen altbacken /altmodisch und modern sind. Im Endeffekt, und im Kontext mit dem Text, konnten sie mit ihrer ruhigen Ausstrahlung dann doch noch überzeugen. Es passt, und wahrscheinlich hätte das moderne und stylische hier nicht zu den reinen und winterlichen Natur-Impressionen gepasst.
Der Schreibstil ist auch etwas Besonderes. Ich habe zwar entfernt ähnliches schon in Gartenzeitschriften gelesen, aber ich finde, da nimmt man sich nicht so die Muse dafür. Dafür sind die Zeitschriften zu schnelllebig. Aber hier, mit einem Büchlein in der Hand, ist es eine andere Sache. Die Beschreibungen des winterlichen Gartens erinnerten mich vor allem an englische und amerikanische Dichter/Lyriker, so schön, verschnörkelt, poetisch, ja auch irgendwie nostalgisch, und dennoch auch so klar. Weiter oben im Text habe ich ein paar Zitate heraus geschrieben, es fiel mir schwer, mich auf diese paar zu beschränken. Denn es finden sich viele Inspirations-Quellen, für alle, die gerne mit Worten spielen. Manche Sätze sind so schön, dass ich sie mir auf einer entsprechenden Postkarte gut vorstellen könnte.
Am besten genießt man den Text in Häppchen, lässt ihn sich auf der Zunge vergehen. Am besten im Winter, wenn es drinnen warm und behaglich ist.
Alles in allem: Es ist ein bibliophiles und lyrisches Buch zugleich. Dennoch aber auch ein „schwieriges“ Buch, nicht jedem werden sich die Worte und Beschreibungen über die winterlichen Impressionen erschließen. Und ich habe leider manchmal das Gefühl, dass die Menschen, die solche Bücher lieben und verstehen immer weniger werden.
Sterne:
Ich gebe fünf von fünf Sternen, weil mich das Buch auf vielen Ebenen überzeugt hat. Nicht sofort, das gebe ich zu, aber spätestens nach ein paar Seiten des Lesens. Es ist manchmal wie schönes Gedicht aus alter Zeit. Es wäre sinnvoll, sich vor dem Erwerb des Büchleins die Leseprobe auf der Verlagsseite anzuschauen.
- Birgit Zotz
Tibets Sachse: Ernst Hoffmann wird Lama Govinda
(1)Aktuelle Rezension von: WaldviertlerErst jetzt bin ich dazu gekommen, dass ich dieses schon im vergangenen Jahr erschienene Buch lese. Es ist von einer Autorin herausgegeben, die aus meiner Region stammt und von der ich alles lese, sobald ich Zeit finde. Diesmal hat es sich wieder sehr gelohnt. Birgit Zotz beschreibt im ersten Kapitel des Buchs das Leben eines wirklich interessanten Europäers. Er heißt Ernst Lothar Hoffmann (1898-1985) und war ein Deutscher, ein Sachse, der schon 1928 nach Indien auswanderte und dort indischer Staatsbürger, Tibetforscher und ein beachteter buddhistischer Philosoph und Kunstmaler wurde. Zuvor führte er ein abenteuerliches in Italien und Afrika. In unseren Zeiten der Migration ein hoch aktuelles Buch. Hoffmann wurde unter dem Namen "Lama Anagarika Govinda" weltbekannt. Viele Menschen haben seinen Bestseller "Der Weg der weißen Wolken" gelesen. Auch die Artikel der anderen Autoren im Buch "Tibets Sachse" sind sehr lesenswert, darunter ein Artikel von dem Tibetforscher Peter van Ham. - Kollektiv Aviole
Gedichtbände von Aviole / Aviole Teil 2
(1)Aktuelle Rezension von: GiuliaPatrunoIm Gedichtband Aviole Teil 2 teilen 18 Autor:innen ihre Gedanken und Erfahrungen aus dem Jahr 2021. Die ursprüngliche Idee des Kollektivs auf Instagram war, unterschiedlichste Poetinnen und Poeten mit all ihren Realitäten und Wahrnehmungen abzubilden und sichtbar zu machen. Die Gewinne des Buches gehen vollständig an die Stiftung Ambulantes Kinderhospiz München.
Die Texte im Buch stammen unter anderem von Jonas Kloker, Sonja Crone, Mattis Paul Ackner, Andreas Freiherr Mattes von Rothenstein, Leonard Kuhnen, Anna Leonie Riegraf, Karolina C. Ros, Leah Kratschmann, Hannah Ramone, Giulia Patruno, Nico Welker, Sofie Morin, Dorothe J. Seitz, Sophie Scheffel und Jutta v. Ochsenstein. - Giulia Patruno
An Zweigen hängt die Melancholie: Gedichte, Lyrik, Kurzprosa, Poesie
(5)Aktuelle Rezension von: Andrea_Maria_KerstingerAn Zweigen hängen Äpfel oder Birnen, Stein- oder Kernobst und manchmal auch die Melancholie. Was passt da besser zur Stimmung, die man im Altweibersommer empfindet, wenn die warme Jahreszeit sich schön langsam zurückzieht und die Kälte aus allen Poren drängt, als Gedichte!
In ihrem Lyrikband "An Zweigen hängt die Melancholie" fängt Giulia Patruno ebendiese Atmosphäre ein, beschreibt Gefühle und Befindlichkeiten, erzählt von Liebe, Vergänglichkeit und Einsamkeit. Vom Großstadtlärm bis zum Waldfarn, vom Langgedicht bis zu freien Versen findet man in dieser Anthologie ganz unterschiedliche Spielarten von Lyrik.
Und wenn man - so wie ich in den letzten zwei, drei Wochen - nicht zum Lesen kommt, weil das Leben gerade anderes mit einem vorhat: Ein Gedicht geht immer! Daher danke für den Lyrikband, liebe Giulia, der gerade zur richtigen Zeit kam!
- Rachel Corbett
Rilke und Rodin
(5)Aktuelle Rezension von: YukBookRilke und Rodin sind zwei Künstler, die ich bisher nicht in Verbindung gebracht, geschweige denn eine Freundschaft zwischen ihnen vermutet hätte. Wobei es wohl eher eine einseitige Verehrung und Idealisierung war, wie ich in der Doppelbiografie von Rachel Corbett erfahren konnte.
Der Weg zum Ruhm ist für beide steinig. Rodin führt ein karges Leben, für ihn zählt nur harte Arbeit. Mit dieser Einstellung wird er zum Vorbild für den 36 Jahre jüngeren Rilke, der eine Monographie über ihn schreibt. Die Autorin taucht tief in ihr Seelenleben ein, so dass ich ein immer klareres Bild der so gegensätzlichen Persönlichkeiten bekam mit all ihren Eigenheiten, Ambitionen und Schaffenskrisen. Nun weiß ich auch, wie Rilkes berühmtes Gedicht „Der Panther“ entstanden ist.
Nicht nur ihre enge Zusammenarbeit in Rodins Villa in Meudon und ihre spätere Entfremdung, auch das kulturelle und künstlerische Umfeld wie die Weltausstellung im Jahr 1900 in Paris, die Künstlerkolonie Worpswede oder das Treiben im Hotel Biron, dem heutigen Musée Rodin, werden zum Greifen nahe. Rachel Corbett beschreibt viele Szenen, indem sie aus Rilkes Werken zitiert und fängt die Stimmung gut ein. Für Kunst- und Literaturinteressierte ist das Buch ein informatives und kurzweiliges Leseerlebnis.
- Jennifer Hilgert
DichtBlick
(4)Aktuelle Rezension von: Lupina15DichtBlick ist kein normales Buch. Es ist ein Kunstwerk, das Poesie und Bildkunst vereint, wie es mir ncoh nie zuvor begegnet ist.
Man wird hineingeworfen in eine bunte, manchmal aber auch triste Welt, die man mit der eigenen Fantasie füllen kann. Denn DichtBlick ist auch ein interaktives Buch, dass dazu aufruft, selbst aktiv zu werden und Pinsel oder Stift in die Hand zu nehmen.
Die Gedichte sind wunderschön formuliert, man kann darin eintauchen und sich in den Worten wieden, wie auf einer Welle. Die Autorin weiß, mit Worten umzugehen und zu verzaubern.
Die Bilder sind einzigartig- oft schwer zu verstehen, aber nicht langweilig. Es gibt eine ganze Bandbreite verschiedener Bilder, und die Künstlerin bleibt ihrem ganz eigenen Stil treu.
Eine Leseempfehlung für alle Kunstbegeisterten. - Thomas Gsella
Hereimspaziert
(2)Aktuelle Rezension von: Thomas_Lawall"Hereimspaziert"? Ja gerne, denn kaum hat man sich von dem originellen Buchtitel anlocken lassen, ist man bereits (schon wieder) dem Dichterfürst auf den Reim gegangen. Gerne erinnert man sich an "Ich zahl's euch reim" (2021), "Personenkontrolle" (2019) oder "Saukopf Natur" (2016), sowie die unterstellende Vermutung, jene Titel würden keine Nachfolger mehr dulden oder gar von einem weiteren übertroffen werden können.
Weit gefehlt und selten macht es so einen großen Spaß, sich geirrt zu haben. Was der Ex-Chefredakteur der "Titanic" hier wieder aus dem Ärmel schüttelt, dürfte ein weiteres Mal seinesgleichen suchen. Geflunkert wird auf dem Cover allerdings schon ein wenig, denn so neu sind die Sachen teilweise gar nicht, sondern zwischen 2016 und 2024 erschienen. Sich in Buchform zu präsentieren ist aber eine Premiere.
Lustig wird es bereits, bevor es richtig losgeht. Im Inhaltsverzeichnis lesen wir von einem Vorwort. Auf Seite sieben lesen wird dann, dass es gar keines ist. Verfasser Max Uthoff hat sich eher für eine "Huldigung" entschieden, am Ende verbunden mit einer unmissverständlichen "handfesten Drohung".
Hat sich Thomas Gsella im zuletzt erschienenen Band zu einem politischen Rundumschlag entschlossen, zeigt er hier ein sehr privates Gesicht. Detailverliebt spannt sich der Bogen dieses Mal von profanem Alltagsgerät bis hin zu den großen menschlichen Katastrophen, wie beispielsweise Fußball oder gar Liebe.
Hierbei geht er mit aller Sorgfalt und dichterischer Präzision vor, was jedoch nicht bedeutet, dass er hier und da an der Orthografie herumschraubt, also frei nach dem Motto "Reim komm raus, du bist umzingelt" handelt. Give Reim a chance! Das besonders schräge Exemplar eines erweiterten Substantivs finden wir am Ende von "Weg mit den Brückentagen!" auf Seite 69.
Apropos schräg. Potentielle Leserinnen und Leser aufgepasst. Mit Gedichten kennt ihr euch alle sicherlich bestens aus. Aber wie viele Dichterinnen und Dichter kennt ihr, die eine Handvoll ihrer wohldosierten und fein abgewogenen lyrischen Wortwahl zu den Themen rund um Tee, Brillen, Altglas, Flaschenöffner oder gar Tischkerzen formuliert haben? Na? Keine? Ja, auf was wartet ihr dann?
Selbstverständlich gibt es auch Indirektuelleres für jene Klientel, welche sich einen fundamentaleren Tiefgang erwarten. Das wäre dann das weite Feld der "Klassenjustiz", ein Freispruch an die letzte Generation, eine literarische Ohrfeige für Herrn Musk, ebensolche für die "Ampel", Trump und Raser, oder klare Worte an die leider allzu bekannten "Hetzer & Schwätzer", und ihre Galionsfiguren:
"Doch aus dem, der Tag und Nacht unflätigt,
Fallen Fladen wie aus einer Kuh."
Von bitterböse bis saulustig ist also alles vorhanden. Auf den Tag folgt die Nacht. Auf die Nacht folgt der Tag. Auf das Licht wieder die Dunkelheit und so weiter. Manchmal könnte man meinen, es wäre alles verloren. Aber:
"Welt, ich würde dich vermissen,
Wenn du morgen untergehst."
- Gunnar Decker
Rilke. Der ferne Magier
(2)Aktuelle Rezension von: Thomas_Lawall
1886 kommt René auf eine Kadettenschule in St. Pölten, gemäß dem Willen seines Vaters. Vielleicht könnte ja sein Sohn den Rang eines Offiziers erreichen, was ihm selbst, wegen einer chronischen Erkrankung, verwehrt war. Schließlich quittierte er gar, weil die Beförderungen ausblieben, seinen Dienst, wohl aus Enttäuschung, Resignation und vielleicht auch aus stummem Protest. Sein Sohn sollte schon deshalb gleich in jungen Jahren auf jene Schienen gelenkt werden, die ihm das ermöglichen sollten, was ihm verwehrt war.
Mit seiner Mutter und ihrem Traum, eine große Schriftstellerin zu werden, verhielt es sich ähnlich, weshalb sie, wo sie konnte, gegensteuerte. So ist auf der Rückseite eines Fotos aus jener Schule eine Notiz seiner Mutter erhalten geblieben, die den elfjährigen René in einer Uniform zeigt, und sie diesen Aufzug als sein "Gefängnis" bezeichnet.
"René" übrigens deswegen, weil dies sein wirklicher Vorname war. Genauer gesagt "René Karl Wilhelm Johann Josef Maria". Elf Jahre später kam Lou Andreas Salomé, "seine ersatzmütterliche Geliebte", auf die Idee, ihn Rainer zu nennen. Schließlich würde René zu sehr nach "Salon und Parfüm" riechen. Mit der Änderung seines Vornamens solle er auch gleich seinen oft ausufernden, oftmals die Grenzen der schönmalerischen Wallungen überschreitenden Schreibstil radikal ändern ...
Und da sind wir schon bei einem gewissen Problem des Buches angekommen, zumindest aus der bescheidenen Sicht des Rezensenten. Die verschachtelten Strukturen gestalten die Biografie, zumindest in den ersten Kapiteln, etwas unübersichtlich, verwirrend und nicht selten wiederholend. Wird Vaters misslungene militärische Laufbahn erstmals erwähnt, sowie sein Wille, René deshalb die Kadettenschule in St. Pölten besuchen zu lassen, wird dies zwölf Seiten später wieder thematisiert.
Dazwischen gibt es immer wieder Verweise auf künftige oder vergangene Ereignisse, nur um dann wieder auf den jeweiligen Stand der Dinge zurückzukehren. Wer sein späteres Studium und seinen Lebensunterhalt finanziell unterstützt, darf man beispielsweise ebenfalls mehrmals nachlesen, oder die katastrophalen Eindrücke, die er in Paris gewann, sowie die niederschmetternde Charakterisierung seiner Mutter.
Der Wechsel der Zeitebenen ähnelt einem Hürdenlauf in verschiedene Richtungen. Würde man eine Biografie von Anfang an chronologisch gestalten, wären solche Wiederholungen, die wahrlich nicht die einzigen sind, nicht möglich (der Umfang des Buches ebenfalls nicht) was aber andererseits vielleicht zu einseitig wäre. Was also hier und da fast ein wenig ärgerlich stimmt, machen die zahlreichen Zitate Rilkes locker wieder wett.
Hier kommt "der ferne Magier" zum Zug und entschädigt für alles. Auch wenn es an die Substanz geht. Das ebenso komplizierte wie gestörte Verhältnis zu seiner Mutter wird in einem Brief an Lou klar, in welchem er u. a. ihren "eigensinnigen Glauben" beklagt:
"... diesen Verzerrten und Entstellten, daran sie sich gehängt hat, selber leer wie ein Kleid, gespenstisch und schrecklich."
Der nicht erklärbare Zauber, der von ihm und seinen Worten ausgeht, deutet sich bereits in der eingangs erwähnten Schule mit deutlichen Vorzeichen an. Mitglied einer Clique zu werden ist genauso unmöglich wie Hänseleien oder gar ein Auslachen jenes jungen Menschen, den eine "Aura der Distanz" schützt. Die Klasse schweigt, wenn der Deutschlehrer seine ersten Gedichte vorliest.
Leserinnen und Lesern ergeht es nicht anders. Insbesondere wenn es ernst wird. Nicht wenige werden aber an ihre Grenzen stoßen, denn Verse wie
"Über uns hinüber / spielt dann der Engel. Sieh, die Sterbenden, / sollten sie nicht vermuten, wie voll Vorwand / das alles ist, was wir hier leisten. Alles / ist nicht es selbst."
faszinieren zwar wie seit eh und je, doch das Verstehen derselben steht auf einem völlig anderen Blatt. Es muss wirken oder zumindest irgendwann ankommen, oder es tut es nie. Aber selbst das Unverständliche kann scheinen und strahlen und scheint zudem gegen jedes Vergessen immun zu sein.
Wie dem auch sei, muss man ohne den geringsten Zweifel dem Autor ein bis zwei Lobeshymnen singen, denn dieses gewaltige Werk verlangte wohl das Studium unzähliger Zeitdokumente, insbesondere Rilkes zahlreiche Briefwechsel mit wichtigen oder auch nicht so wichtigen Zeitgenossinnen und -genossen. Wie sonst könnte man beispielsweise ein derart genaues Licht auf die unglückliche Ehe mit Clara werfen, auf seine Nicht-Vaterrolle für seine Tochter Ruth, Lou Andreas Salomés zentrale Bedeutung oder sein schwer gestörtes Verhältnis zu seiner Mutter, welcher er 25 Jahre Briefe schrieb, die allein 1500 Seiten umfassen.
Das Ergebnis dieser Fleißarbeit, lesbar durchaus auch für literarisch ungeübte Leserinnen und Leser, entführt mit nachhaltigem Eindruck in die Gedankenwelt Rilkes, die (nicht nur) in "Malte Laurids Brigge" und den "Duineser Elegien" ihren Höhepunkt erreichten. Gunnar Decker legt ein opulentes Wortgemälde der rätselhaften Existenz Rilkes vor, welches trotz der ganzen Vielfalt von Nebenstraßen, den vielen Reisen, Eindrücken, Bekanntschaften, Beziehungen und der ewigen Suche nach so etwas wie einer Hauptstraße, den "notorisch Einzelnen", der alle Fäden in der Hand zu haben schien (um sie gleich wieder zu verlieren), nicht übersieht.
Und immerhin, was wäre der Existenzialismus ohne seinen "Metaphernlieferanten"?
Wie auch immer, die Verführung zur "existenziellen Selbstbefragung" ist gelungen. Das Bild des Magiers aber bleibt voller Rätsel. Vielleicht auch ganz gut so, denn wem und wozu könnte eine "Lösung" wohl dienlich sein? - Peter Michalzik
Die Liebe in Gedanken
(5)Aktuelle Rezension von: Beate_KrausWährend der Briefwechsel zwischen Marina Zwetajewa, Boris Pasternak und Rainer Maria Rilke teilweise schwer zu verstehen und umständlich formuliert ist, wird in diesem Buch ein Überblick gegeben, der uns in eine turbulente Zwischen-Epoche mitnimmt. Die Geschichte zu Beginn des 20. Jahrhunderts beutelt die drei Dichter*innen ganz gehörig. Zwei von ihnen sind im Exil, der Dritte wird zuhause in Moskau nicht froh. Die alte Welt, die sie kannten, geht unter, während die neuen Zeiten nichts Gutes verheißen.
Zwischen Marina Zwetajewa und Boris Pasternak entsteht ein Schriftwechsel, der zögerlich beginnt, dann aber immer mehr an Fahrt aufnimmt. Nach einiger Zeit zieht die junge Frau auch Rilke mit in diese Konstellation hinein, wodurch sich wieder eine neue Dynamik entwickelt. Der Autor, Peter Michalzik, schildert all dies so spannend, dass man das Buch gar nicht aus der Hand legen mag.
Viele der Gedichte der drei Lyriker*innen lassen sich nach der Lektüre des Buches besser verstehen. - Übrigens kennt man Pasternak ja vor allem als Autor des "Doktor Schiwago", er selbst hat sich aber immer als Lyriker verstanden. Er hat sehr intensiv an der Frage geforscht, welche Art von Dichtung einem neuen Zeitalter gerecht wird. (Ob er die Aufgabe gut gelöst hat, wird hier nicht diskutiert, nur angeschnitten.)
Ziemlich genau 100 Jahre nachdem der Briefwechsel stattfand, ist es unglaublich spannend, über die Zeit und ihre Schriftsteller*innen zu lesen. Gerade jetzt, wo die Beschäftigung mit der Geschichte Russlands wieder interessant wird...
- Giulia Patruno
Meine Liebe ist anders
(2)Aktuelle Rezension von: Felix_Valentin_MartinGiulias Liebe ist süß wie Schokalade…Männer, hier kommt eine Prachtfrau für die ihr euch warm anziehen könnt. Liebe! Und sowieso schreibt Giulia viel über die Liebe…macht es aus ihr eine richtige Frau? Auf jeden Fall lassen die Gedichte die Welt fröhlicher stimmen, wenn die Welt bereit ist für ein Werk wie dieses…Seelenheil!
- Antonio Skármeta
Mit brennender Geduld
(53)Aktuelle Rezension von: winniccxxMit brennender Geduld, der wohl bekannteste Roman des chilenischen Schriftstellers Antonio Skármeta, ist eine semi-fiktionale Geschichte, die von Mario Jímenez handelt, der eine Stelle als Briefträger für den großen chilenischen Dichter Pablo Neruda annimmt. Dabei durchlebt er wichtige Teile der chilenischen Geschichte an dessen Seite, unter anderem die Wahl Allendes, die Verleihung des Nobelpreises für Literatur an Neruda und den Militärputsch durch Pinochet.
Besonders gut gefallen hat mir Skármetas Erzählstil, dieser ist sehr herzlich und mit subtilem Humor gespickt. Die Hauptcharaktere werden sehr sympatisch dargestellt, sodass es einem nicht schwer fällt, der Geschichte zu folgen. Von daher fand ich es eher schade, dass die Geschichte auf gerade einmal 150 (auch nicht sonderlich eng beschriebenen) Seiten erzählt wurde - an einigen Stellen hätte es für meinen Geschmack ruhig noch ein wenig ausführlicher sein können. Besonders gut hat mir allerdings auch das Einweben der historischen Ereignisse aus dem Leben Nerudas gefallen, genauso wie die sich langsam entwickelnde Beziehung zwischen Neruda und Mario Jimenez. Gerade im Vergleich dazu fällt die Liebesgeschichte zwischen Mario und Beatriz ab, diese ist zu schnell und vorhersehbar und, für meinen Geschmack, ein wenig zu übersexualisiert. Alles in allem ist es jedoch eine sehr nette Geschichte für zwischendurch, insbesondere bei Interesse für die chilenische Geschichte oder Nerudas Dichtkunst. So gibt es 4/5 Sterne!
- Ted Sylvester
Uncommon Poems, Dinggedichte & Lyrik-Collagen
(3)Aktuelle Rezension von: annluDas Werk vereint Gedichte und Lyrik der etwas anderen Art. Die Texte – die im übrigen im Appendix in gewohnter Form nachgelesen werden können – wurden zu Collagen, zu Bildern verformt und auch ihre Schriftart angepasst, sodass sie die Gedanken eindrücklicher wiedergeben.
Für mich war die Lektüre ein Experiment, hatte ich mich doch schon lange nicht mehr mit Lyrik auseinander gesetzt und mit diesem ein ungewöhnliches Buch dazu in die Hand genommen. Schon beim Cover fiel mir auf, dass die Grafik hier eine große Rolle spielt. Diese ist es auch, die beim Blättern durch das Buch als erstes ins Auge fällt, gleicht doch keine Seite der nächsten. Ich war überrascht davon, welche Bilder und Assoziationen entstanden, rein durch die unterschiedliche Verwendung verschiedener Schriftarten und Textanordnungen – besonders, da der bildhafte Eindruck hier auf die unterschiedliche Nutzung der Möglichkeiten eines Computerschreibprogramms basiert.
So machten die grafische Gestaltung und die ersten, bildhaften Wahrnehmungen vieler Werke einen sehr guten Eindruck auf mich. Bei manchen Gedichten wurde ich mir aber auch darüber bewusst, dass ich doch ein sehr textlastiger Mensch bin. So waren einige der aneinandergereihten Gedanken ein optischer Schmaus für mich, wenn ich dann aber näher über den Sinn dieser nachgedacht habe, und mich mehr auf die Inhalte konzentriert habe, konnte ich ihnen nicht immer etwas abgewinnen. In dieser Hinsicht muss ich mich wohl bei den konservativen Gedichtlesern einreihen, die so viel wie möglich aus diesen herauslesen wollen und damit auch alle Wörter in die Waagschale werfen. Mir jedenfalls ging es so, dass so manches Werk seine (von mir angenommene) Intention über die Gestaltung erreichte, nicht immer aber über den Text.
Mit fortschreitendem Stöbern und Lesen fielen mir aber auch Werke auf, die sehr wohl in der Lage waren, mich zu erreichen, Gefühle auslösten und mich zum Nachdenken brachten. Interessanterweise waren das meist die Gedichte, die in klassischer Reimform gehalten waren. So war es für mich eine Suche, ein Stöbern nach den Teilen der Sammlung, die mir zusagen.
Fazit: Das Buch vereint sehr viele Werke, die der Autor im Laufe der Zeit kreiert hat. Hier wurden sie in thematische Kapitel gegliedert. Während ich die grafische Gestaltung aller Gedichte interessant fand, konnten mich nicht alle Texte erreichen. Auf jeden Fall dies ein Buch, in dem ich immer mal wieder stöbern werde, dessen Werke ich in unterschiedlichen Stimmungen auf mich wirken lassen muss, um so die Spreu vom Weizen zu trennen und immer mal wieder eine Werk aufzufrischen, das mich zum Nachdenken bringt.























