Bücher mit dem Tag "diogenes"
153 Bücher
- Patrick Süskind
Das Parfum
(10.264)Aktuelle Rezension von: MaggieMausHabe ich in der Schule gelesen. War eines der wenigen Bücher die ich wirklich zu Ende gelesen habe!!
Ist nicht für schwache Nerven, sehr bildhafter Schreibstil, viele Umschreibungen kann man förmlich riechen!
Aber ich kann verstehen, wenn es dem ein oder anderen zu bildhaft ist :D ich fand es sehr gut gelungen
- Benedict Wells
Hard Land
(661)Aktuelle Rezension von: einbisschenbuechereiDiese Coming-of-Age-Geschichte fängt die Essenz des Erwachsenwerdens ein, mit all seinen Facetten: der ersten Liebe, den typischen Abenteuern der Jugend, Mutproben, Alkohol und Ärger. Auch der Tod spielt eine Rolle und verleiht der Geschichte eine traurige, aber auch schöne Note. Mir fehlte jedoch etwas, das den Roman von anderen Coming-of-Age-Geschichten abhebt, ein Alleinstellungsmerkmal. Trotzdem war es ein sehr schönes Buch.
- John Irving
Gottes Werk und Teufels Beitrag
(1.028)Aktuelle Rezension von: Fynn_AugustusFinde das Buch wirklich sehr gut. Vielschichtige Personen, die die Handlung schon fast unwichtig machen. Der Erzählstil ist sehr langsam, was ich persönlich sehr gerne mag wenn es gut gemacht ist. Es geht um die Personen, ihre Beziehungen zueinander und zu ihrer Umwelt, ihre Persönlichkeiten und ihre Leben. Die Abtreibungsdebatte wird humanisiert. Rassismus ist kein Hauptthema, aber trotzdem weißt der Autor auf einige Probleme hin.
Ich kann das Buch grundsätzlich jedem empfehlen, nicht geeignet ist es meiner Meinung nach für Lese(wieder)einsteiger, da eben wenig passiert und das für Leute, die nicht viel lesen, öde sein kann, vor allem, da das Buch über 800 Seiten hat.
- Ian McEwan
Abbitte
(921)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannOder: Gibt es eine klar definierte Altersgrenze für Verstehen und Einsicht in die Folgen des eigenen Handelns? Und falls es diese gibt, ist sie möglicherweise individuell unterschiedlich und an welchen Kriterien ist dies gegebenenfalls zu erkennen? In der Juristerei ist dies klar definiert, aber bildet das auch die Lebenswirklichkeit ab? Gerade in einer Zeit, in der das Gehirn noch einmal massiv umgebaut wird, die Handlungsweisen der Pubertierenden oft kaum nachvollziehbar erscheinen, sollten diese Fragen mit höchster Sensibilität und im Zweifel im Sinne des Heranwachsenden beantwortet werden. Denn zu viel steht auf dem Spiel: im Zweifelsfall ein ganzes Menschleben – mindestens.
1935 ist keine gute Zeit für solche Überlegungen. Nicht weil ein weiterer Weltkrieg vor der Tür steht, sondern weil über solche Fragen mit einer anderen Skala „gerichtet“ wird. Und mit 13 Jahren, in einem Alter des Ausprobierens, macht man zwangsläufig Fehler, auch wenn diese nicht immer so drastisch ausfallen wie in diesem grandiosen Roman von Ian McEwan geschildert. Das Hineintauchen in persönliche Verfehlungen, die vielschichtig aufbereiteten Folgen, vor einem ohnehin fragilen Hintergrund, die dramatischen Zuspitzungen in den Ereignisfolgen, aber auch die zarten Bande von Liebenden, die durch diese Ereignisse eine besondere Intensität erhalten, sind solcherart gesetzt, dass man nur bewundernd sein Haupt neigen kann.
Die Geschichte beginnt also 1935, ist im längsten Kapitel dieses Buches untergebracht, obwohl sie nur gut einen Tag umfasst. Aber dieser Tag hat es in sich, ist entscheidend für das Leben der Betroffenen, ein sogenannter „Kipppunkt“, wie man wohl heute zu formulieren pflegt. Ein Punkt jedenfalls, nach dem die Welt dieser Menschen eine andere ist – und zwar nachhaltig, und wohl kaum reparierbar, und wenn, dann höchstens in Teilen. Dazu bedürfte es sowohl einer Einsicht als auch den Mut dies zu tun. Sicher eine Überforderung für ein junges Leben. Was möglich wäre, zumindest im Nachklang, wäre eine Form von „Abbitte“, also sehr viel mehr als eine Entschuldigung. Die Möglichkeiten sind zunächst begrenzt, zumal der II. Weltkrieg mit Macht das Leben der Menschen nicht nur in Unordnung, sondern auch in Lebensgefahr bringt: als Soldat in Nord-Frankreich oder als Krankenschwester in einem Hospital (Inhalt des zweiten und dritten Kapitels, die etwas zu langatmig geraten sind; man/ich mag sich einfach nicht mehr so intensiv mit den Gräueln des Krieges auseinandersetzen …).
Und es braucht schließlich 59 Jahre, bis das „Auftragspaket“, die Versöhnung mit dem Leben, eine geeignete Passform erhalten konnte. Aber was für eine. Wenn nach rund 530 Seiten, quasi auf der letzten Seite Tränen fließen, dann hat sich die Lektüre, die dafür aufgewendete Zeit auf jeden Fall gelohnt. Auch wenn der Trigger nur als Worte gesetzt wurde, so werden hier doch Emotionen ausgelöst, die sich vermutlich auch aus den Erfahrungen und der Bedürftigkeit des Rezipienten speisen.
(10.4.2023)
- Paulo Coelho
Veronika beschließt zu sterben
(3.165)Aktuelle Rezension von: culejuleVeronika hat eine Entscheidung getroffen: Sie will sterben. Doch ihr Suizidversuch scheitert, und sie erwacht in einem Krankensaal der psychiatrischen Einrichtung Villete. Der Arzt teilt ihr mit, dass ihr Herz unwiderruflich geschädigt sei. Die Prognose: fünf Tage, vielleicht eine Woche. Was tun mit dieser letzten Zeit?
Villete ist ein Ort für Menschen, die von der Gesellschaft als „anders“ betrachtet werden. Nach und nach lernt Veronika die Bewohnerinnen und Bewohner kennen – ihre Geschichten, ihre Verletzungen, ihre Hoffnungen. Es entstehen unerwartete Freundschaften und tiefe Verbindungen. Zum ersten Mal seit Langem spürt Veronika wieder etwas: Lebensfreude, Neugier, Sehnsucht. Bereut sie ihren Entschluss? Vielleicht. Doch angeblich bleiben ihr nur wenige Tage. Oder doch nicht?
Ich habe mir viele Stellen markiert, denn ich habe mich von der ersten Seite an auf diese Geschichte eingelassen. Sie wirft große Fragen auf: Was ist der Sinn des Lebens? Wofür lohnt es sich zu kämpfen? Der Autor überzeugt erneut mit seinen philosophischen Gedanken und seiner Fähigkeit, existenzielle Themen zugänglich zu machen.
Das Buch ist keine leichte Kost und sollte in einer stabilen Verfassung gelesen werden. Die 226 Seiten haben mich jedoch sehr berührt – und ich empfehle es gern weiter.
- Benedict Wells
Vom Ende der Einsamkeit
(1.116)Aktuelle Rezension von: autor_bjoern_schoellDie Psychologie des Lesens beginnt bereits beim Erwerb des Buches. Dieses habe ich geschenkt bekommen. Da bin ich tatsächlich noch ein wenig kritischer als ohnehin, weil ich es mir nicht selbst ausgesucht habe.
Doch ich wurde keineswegs enttäuscht!
Es ist einer der stimmungsvollsten Romane, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Im Laufe der Geschichte wurde ich fast ein wenig süchtig nach der eindringlichen Atmosphäre.
Dem Autor genügen wenige Worte, um plastische Bilder im Kopf des Lesenden entstehen zu lassen.
Die einfache und doch elegante Sprache sorgt für einen perfekten Lesefluss. Doch gleichzeitig fiel es mir schwer, in die Gefühlswelt der Charaktere vollständig einzutauchen.
Irgendwann kam mir die Szene einer Busfahrt durch eine atemberaubende Landschaft in den Sinn. Den ganzen Tag ist man berauscht, doch bereits am Abend beginnen die Erinnerungen langsam zu verblassen. Nur wenn man aussteigt, zu Fuß geht und sich vielleicht sogar ein wenig verläuft, bleiben die Eindrücke lange im Kopf.
So ist es offenbar auch beim Lesen. Es braucht das perfekte Verhältnis zwischen fließenden und verknoteten Gedanken. Zumindest ist es bei mir so. Hier war es eher eine Fahrt mit nur wenigen, kurzen Stopps.
Doch das Buch ist keinesfalls banal. Ganz im Gegenteil, es steckt voller Weisheit.
Und zum Ende hin wurde ich doch noch etwas melancholisch und nachdenklich.
- Spannung/Thrill 4/5
- Beziehungen/Gefühle 4/5
- Handlungsverlauf/Aufbau 5/5
- Charaktere/Dialoge 5/5
- Humor 3/5
- Erkenntnis/Moral 4/5
- Sprache/Stil 5/5
- Benedict Wells
Die Geschichten in uns
(82)Aktuelle Rezension von: petitpapillonWir brauchen die Geschichten in uns, aber auch die von anderen, weil wir in ihnen unser Menschsein erkennen; das Vertraute und Fremde, das Gute und die Abgründe.
Benedict Wells beschreibt in seinem Buch sehr schön, wie verletzlich Autor:innen sich mit ihren Romanen machen. Viele Geschichten sind eng verwoben mit den eigenen Erinnerungen und Gefühlen, deren Intensität uns letztlich so sehr berührt.
Im ersten Teil nimmt uns Wells mit in seine Vergangenheit, beschreibt den steinigen Weg zum veröffentlichten Autor und mündet schließlich in inspirierenden Einblicken in seinen Schreibprozess - mit spannenden Literaturverweisen.
Da ich Wells Schreibstil bewundere und selbst auch schreibe, habe ich dieses Buch verschlungen.
"Die Geschichten in uns" kann ich all denjenigen empfehlen, die Benedict Wells als Autor schätzen und gerne einen tieferen Blick wagen möchten. Aber auch an all diejenigen, die den Mut brauchen, ihren eigenen, inneren Geschichten eine Stimme zu geben.
- John Irving
Das Hotel New Hampshire
(746)Aktuelle Rezension von: ReadingWitchRezension "Das Hotel New Hampshire"
Zum Abitur schenkten mir meine Eltern nicht etwa ein Laptop oder gar ein Auto, wie es andere bekamen. Nein sie schenkten mir die Sammlung klassischer Literatur des 20sten Jahrhunderts zusammengestellt von der Redaktion der Süddeutschen Zeitung. Nun gut, einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Es handelt sich dabei um 100 ausgewählte Romane der Weltliteratur. Hin und wieder hole ich eines davon aus dem Regal und beginne zu lesen.
So kam ich zum Roman "Das Hotel New Hampshire" von John Irving. Der Autor erzählt die Geschichte der Familie Berry, die etwa 1940 mit dem Kennenlernen der Protagonisten Mary und Winslow (Win) Berry beginnt und in den 1970er Jahren endet. Hauptthema ist dabei das Leben der fünf Kinder, Frank, Franny, John, Lilly und dem Jüngsten, Egg, im Schatten der Träume des Vaters. John nimmt die Rolle des Beobachters und Erzählers ein. Aus seiner Perspektive berichtet er zunächst über die erste Begegnung seiner Eltern während eines Ferienjobs im Hotel Arbuthnot im Sommer 1939. Eine Attraktion dieses Hotels ist der Bär State o` Maine, welcher dem österreichischen Juden Freud gehört. Freud macht diesen Bären Winslow Berry zum Geschenk und besteht darauf, dass die zwei Verliebten so schnell wie möglich heiraten. Mit den Auftritten des Bärs finanziert sich Winslow sein Studium und nach der Heirat bekommen er und Mary kurz nach einander ihre Kinder.
Wins Traum ist es ein eigenes Hotel zu führen. Die erste Chance bietet sich ihm, als die Schule an der er nach seinem Studium als Lehrer arbeitet, schließt. Dort eröffnet die Familie ihr erstes Hotel. Diesem werden noch einige weitere folgen. Dabei lässt Irving seine Charaktere vieles durchmachen. Franny fällt einer Gruppenvergewaltigung zum Opfer, bei Lilly wird Kleinwüchsigkeit festgestellt, Frank kämpft mit seiner Homosexualität und Win muss den Tod seiner Frau und seines Jüngsten verkraften.
Es ist eine nicht vorhersehbare Geschichte, in einen interessanten Sprachstil gehalten, in dem mitten im Plot Rückblenden verpackt werden, die nichts mit dem aktuell Erzählten zu tun haben, ohne dass es deplatziert wirkt. Für meinen Geschmack allerdings ist der Autor an manchen Stellen zu detailversessen und in seiner Ausdrucksweise zu vulgär und an anderen Stellen ist die Erzählweise einfach langweilig und langatmig.
Zu Beginn sind die Charaktere tiefgründig und vielschichtig gezeichnet, und ihre Entwicklung im Laufe der Handlung ist bemerkenswert. Doch nach kurzer Zeit überzeichnet der Autor seine Figuren und die Handlung enorm. Ihm gelingt es meisterhaft, die Dynamik und die Beziehungen innerhalb der Familie darzustellen, wobei er sowohl die humorvollen als auch die tragischen Aspekte des Familienlebens einfängt. Was allerdings auffällt, ist das Trauer und Schmerz in dieser Familie nie wirklich ausgesprochen werden. Einzelne Familienmitglieder überstehen folgenschwere Schicksalsschläge, scheinen aber keine nennenswerte psychische Belastung zu verspüren.
Die Handlung ist voller unerwarteter Wendungen und überraschender Ereignisse, aber ohne jegliche Spannung. Die Geschichte plätschert so dahin zwischen skurrilen Personen und absurden Situationen, ohne dass für den Leser ein richtiger Plot ersichtlich wäre. Irving kreiert eine einzigartige Atmosphäre, die sehr mitreißen hätte sein können, aber kurz bevor die Aufregung kommt, wird eine vollkommen verrückte Szene eingeschoben. Beim Humor gab es tatsächlich ein paar Höhepunkte, die mich zum lauten Auflachen brachten, aber diese Augenblicke sind zu selten. Viel auffälliger waren hier die ständigen Wiederholungen gewisser Sätze, wie: "Kummer schwimmt obenauf." und "Bleib weg von offenen Fenstern!".
"Das Hotel New Hampshire" war mein erster Roman von John Irving und nach dem Lesen habe ich mich gefragt, was ich im Text übersehen oder nicht begriffen hab. Den ganzen positiven Kritiken und Rezensionen kann ich mich mit meiner Einschätzung nicht anschließen. Dieser Autor hat einen eigenen unverkennbaren Schreibstil, mit dem er Szenen gut erfasst und anschließend mit ordinären Extremen zerreißt. In meiner Einschätzung kann ich mich nicht so recht entscheiden, ob in diesem Roman "dem amerikanischen Traum" gehuldigt werden soll oder ob es eine satirische Überzeichnung amerikanischer Vorstellungen ist. Schmerz und Verlust werden ignoriert und es wird weiter gemacht, bis man umfällt. Vielleicht war dieses Buch zum Einstieg in Irvings Welt unglücklich gewählt, aber von mir gibt es dafür keine Leseempfehlung.
https://www.readingwitch.com/post/das-hotel-new-hampshire
- Martin Suter
Elefant
(316)Aktuelle Rezension von: mxchellex678Elefant von Martin Suter ist definitiv kein typisches Buch – und genau das macht es so besonders.
Der Einstieg war für mich erstmal etwas ungewohnt, vor allem wegen des Schreibstils. Ich musste mich erst daran gewöhnen, aber sobald ich drin war, hat mir der Anfang trotzdem gut gefallen und ich konnte mich auf die Geschichte einlassen.
Die Hauptfigur wirkt auf den ersten Blick vielleicht ungewöhnlich – ein obdachloser Mann – aber genau das macht ihn irgendwie sympathisch. Trotz seiner Situation hat er etwas Warmes an sich, das man schnell spürt.
Die Grundidee mit dem Elefanten ist erstmal total absurd, aber gleichzeitig auch unglaublich schön. Gerade die Momente zwischen ihm und dem Elefanten sind mir besonders im Kopf geblieben – sie haben dem Buch eine ganz eigene, fast magische Atmosphäre gegeben.
Insgesamt ist die Geschichte eher ruhig erzählt, mit einzelnen spannenderen und auch leicht unbehaglichen Momenten. Trotzdem hatte ich beim Lesen durchgehend ein wohliges Gefühl, was ich gar nicht erwartet hätte.
Der Schreibstil bleibt besonders: gewöhnungsbedürftig, aber gleichzeitig auch sehr schön und passend zur Geschichte. Man muss sich darauf einlassen, dann funktioniert er richtig gut.
Das Tempo war insgesamt angenehm, auch wenn es kleine Längen gab. Aber das hat für mich nicht wirklich gestört, weil das Buch eher vom Gefühl lebt als von Spannung.
Was ich allerdings sagen muss:
Ich habe die Botschaft nicht komplett greifen können – und auch das Ende hat mich etwas ratlos zurückgelassen. Trotzdem hat mir das Buch insgesamt gefallen, einfach wegen der Stimmung und der besonderen Art der Geschichte.Es ist definitiv kein Buch, zu dem ich normalerweise greifen würde – aber gerade deshalb war es eine spannende Erfahrung.
- George Orwell
Farm der Tiere
(996)Aktuelle Rezension von: Papercut„Farm der Tiere“ ist eine kurze, aber außerordentlich wirkungsvolle politische Parabel. In der scheinbar einfachen Geschichte eines Bauernhofs, auf dem die Tiere die Herrschaft der Menschen abschütteln, entlarvt Orwell mit scharfem Witz und bitterer Ironie die Mechanismen von Macht, Manipulation und Verrat an Idealen. Die anfängliche Hoffnung auf Gleichheit und Gerechtigkeit weicht Schritt für Schritt einer neuen Tyrannei – subtil, logisch und erschreckend plausibel erzählt.
Besonders eindrucksvoll ist Orwells Sprache: klar, zugänglich und dennoch vielschichtig. Die Tiere sind prägnant charakterisiert und stehen symbolisch für gesellschaftliche Gruppen, ohne dabei ihre erzählerische Lebendigkeit zu verlieren. Gerade diese Einfachheit macht die Allegorie so kraftvoll; sie erlaubt Leserinnen und Lesern jeden Alters, die Geschichte zu verstehen, während ihre politische Tiefe mit zunehmender Reflexion immer deutlicher wird.
Trotz seines historischen Bezugs wirkt das Buch zeitlos. Die dargestellten Strategien der Propaganda, die Umdeutung von Regeln und die schleichende Konzentration von Macht sind auch heute noch erschreckend aktuell. „Farm der Tiere“ ist daher nicht nur Pflichtlektüre im schulischen Kontext, sondern ein Werk, das zum kritischen Denken anregt und lange nachhallt.
- Benedict Wells
Die Wahrheit über das Lügen
(188)Aktuelle Rezension von: KarenAydinIn der letzten Zeit habe ich Kurzgeschichten zu schätzen gelernt, in ihnen können auch mal Geschichten erzählt werden, die vielleicht nicht für einen Roman tragen, Geschichten mit interessanten Gedanken, seltsamen Konstellationen, ungewöhnlichen Plots oder Figuren. Meistens sind es, wie in diesem Fall auch, Geschichten, die einen nachdenken lassen. Über das Leben, Ziele, aber auch zum Beispiel darüber, wie es wäre, wenn man in der Zeit reisen könnte und George Lucas die Idee für Star Wars klauen.
Das war aus dieser Sammlung nicht einer meiner Favoriten, aber ich könnte mir gut vorstellen, dass diese Geschichte vielen gefällt. Nichtsdestotrotz habe ich alle Geschichten gern gelesen, was zum einen daran liegt, dass sie sprachlich leichtfüßig geschrieben sind, und zum anderen, dass sie interessante und ungewöhnliche Situationen beleuchten. Mir haben „Die Wanderung“ und „Die Muse“ am besten gefallen, das ist aber rein subjektiv. Insgesamt sind alle völlig unterschiedlich.
Wells erzählt bedächtig, eindrücklich-eindringlich, es kommt ihm auf die Inhalte und die Charaktere an, die Situationen entwickeln sich, er zieht keinen abenteuerlichen Plottwist wie Kaninchen aus dem Hut. Man muss schon genauer hinhören. Wer Spannung erwartet, der wird vielleicht nicht ganz so glücklich mit ihnen sein. Die wird eher aus den moralischen Konflikten, den Entscheidungen oder der Zuspitzung von Situationen generiert.
- Doris Dörrie
Leben, schreiben, atmen
(50)Aktuelle Rezension von: GaydoensIch habe einen Workshop zum Thema Journaling besucht und bin dort auf dieses Buch gestoßen.
Irgendwie mag ich ja Dörries Geschichten (kenne bisher nur Filme von ihr) und somit ist das mein erstes Buch von ihr.
Es ist nicht nur eine Einladung zum autobiografischen Schreiben, es ist auch eine Art Autobiografie zu ihr selbst - und zwar nicht in der Reihenfolge ihres Erlebens, sondern von Erinnerungsstücken. Natürlich zieht sich ein Roter Faden durch das Leben und zum ersten Mal habe ich selbst auch den Eindruck, nicht nur irgendwie zu leben, sondern dass da noch viel mehr ist, das ich auch bei mir sehr viel intensiver wahrnehmen kann und möchte.
Für mich eine pure Inspiration.
- Benedict Wells
Becks letzter Sommer
(459)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannEs ist eine Binse und dennoch bestimmt diese unser Leben: Letztlich sind es die Zufälle und die daraus entstehenden Möglichkeiten, die unser weiteres Leben bestimmen. Man kann noch so ein begnadeter Künstler sein, wenn dieses Talent nicht entdeckt und gefördert wird, versandet es im Ungefähren. Diese Zusammenhänge werden in diesem Roman auf eine interessante und gleichwohl in Teilen traurig stimmende Weise dargestellt. Wie sich schlussendlich doch alles fügt, da Erfahrenes, Erlebtes eben nicht spurlos an einem vorüberzieht und immer wieder neue Chancen entstehen sind die tröstenden Gewissheiten, die durch dieses Buch gespeist werden – auch wenn es gilt Träume mit der Realität zu konfrontieren und Abschiede in ihrer Konsequenz oft brutal und schmerzhaft sind. Schlussendlich sind es die Erinnerungen, die darüber entscheiden, ob man sein Leben nicht verschwendet hat: „‘[…] Wenn ich alt bin, werde ich mir davon [Erinnerungen] leider nichts kaufen können. Jedenfalls nichts, was mich noch glücklich machen könnte, wenn ich – mal pathetisch gesagt – im Rollstuhl sitze oder im Bett liege. Das Einzige, was ich dann noch habe, sind meine Erinnerungen. Und, tut mir leid, aber wenn ich tatsächlich irgendwann mal meinen Enkeln von meinem Leben erzählen sollte, dann will ich nicht die Geschichte eines Mannes erzählen, der nur deshalb Lehrer gewesen ist, weil es halt so bequem und sicher für ihn war.‘“
Keine Bange, so getragen geht es in diesem Roman nicht nur zu. Es sind auch zahlreiche spaßige Elemente darunter, die in Verbindung mit den Fragen an das Leben dieses Buch zu einem besonderen Buch machen: es unterhält, ohne banal zu sein. Dafür sind die zentralen Punkte zu sehr am Leben orientiert: Es geht ums Altern, um den Sinn des Lebens, um Ziele und Träume, um Chancen und Entscheidungen – und darum, an diesen Fragen nicht zu scheitern. Dies alles wird in eine Geschichte gebettet, die zwei große Themen miteinander verbinden: Musik und Liebe. Und was in diesem Zusammenhang passieren kann, wird hier an menschlichen Beziehungen dargestellt, die es in sich haben: ein Lehrer, der lieber Musiker geworden wäre, ein Farbiger, der an seinen Gefühlen (ver)zweifelt, ein Heranwachsender, der die Musik im Blut hat, aber der Liebe hinterherläuft – und eine Fahrt durch den halben Kontinent, in der diese verschiedenen Charaktere mit ihren unterschiedlichen Befindlichkeiten enger zueinanderfinden und doch auch immer wieder auseinandergerissen werden.
Aus diesem Wechselspiel der Gefühle ergibt sich ein stimmiges Bild aus Lebensentwürfen, die an ihren jeweiligen Realitäten gemessen werden. Dies geschieht in stimmungsvollen Episoden und zahlreichen Repliken auf die Musikszene. Und wie hier Musik beschrieben und hörbar gemacht wird, ohne sie hören zu können, gehört mit zum Besten, was ich je gelesen habe. Und wie hier der Autor quasi eine Statistenrolle übernimmt und zum Gesprächspartner (in zeitlicher Distanz) wird, ist sowohl in ihrer Anlage als auch Ausführung brillant.
(21.3.2025)
- Martin Suter
Der Koch
(499)Aktuelle Rezension von: rkuehneEin wirklich solides Buch um einen tamilischen Koch der eine Kreation entwickelt, die unerwartet aphrodisierend wirkt und daraus ein Geschäftsmodell macht. Angenehm geschrieben, hat ein gutes Tempo und liest sich gut weg. Die Rezeptdetailliertheit war mir an manchen Stellen zu viel und die Parallelgeschichte um das Drama der Tamilen in Sri Lanka hat für mich nie die Distanz zur Hauptgeschichte überwinden können. Aber gute Unterhaltung.
- Martin Suter
Melody
(337)Aktuelle Rezension von: lilalisaDie ersten 50 Seiten bin ich erst nicht so richtig ins Buch reingekommen, aber ab da fand ich des Buch super. Es ist wirklich gut geschrieben und lässt einen richtig in die Geschichte eintauchen. Er bauscht die Spannung dabei nicht künstlich auf sondern hält das Buch über gleichbleibend die Spannung aufrecht und enthüllt nach und nach die Geheimnisse. Rundum bis auf den Anfang deswegen nur 4 Sterne fand ich das Buch super, eine wirklich schöne Geschichte.
- Benedict Wells
Fast genial
(466)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannNicht nur Roadtrip quer durch die USA bis nach Mexiko hinüber, sondern auch ein Trip durch das Seelenleben eines Heranwachsenden, der sich nichts sehnlicher wünscht, als seinen leiblichen Vater kennenzulernen – verbunden mit der Chance, dass sich hierdurch sein Leben grundsätzlich ändern könnte. Denn dieses scheint bereits in jungen Jahren (kaum 18 Jahre alt) eine desaströse Richtung eingenommen zu haben. Die Mutter krank, der Schulabschluss gefährdet, die Zukunft mehr als ungewiss. Ein Ereignis bietet die notwendige Sprengkraft, um dem eigenen Leben eine bessere Zukunft zu geben. Es trifft sich gut, dass er dabei auf seinen besten Freund, ein wenig schräg, dafür hoch begabt und mit wohlhabenden Eltern gesegnet, sowie eine erst kürzlich kennengelernte junge Frau, mit einer ebenfalls nicht einfachen Geschichte, diese waghalsige Reise unternehmen kann.
Das klingt erst einmal nach einem gewöhnlichen Roman, in denen ein paar Dinge passieren, die so oder so ausgehen können, bei dem aber schlussendlich ein gutes Ende vorprogrammiert ist. Beim Lesen dieses Romans wünscht man sich sogar gelegentlich, dass diese Geschichte gut ausgehen möge, denn zu sehr wachsen einen die Romanfiguren „ans Herz“. Im besten oder schönsten Fall fühlt man sich an eigene Entwicklungen und Ereignisse erinnert, schaut zurück auf eine Zeit, in der die Welt noch zig Möglichkeiten bereithielt, wenn man nur den Mut hatte (gehabt hätte), sich dieser Möglichkeiten zu bedienen. An Mut fehlt es den Dreien nicht. Aber da ihre (kurzen) Lebensgeschichten alle mit einem gewissen Handicap verbunden sind, oder gleich mit mehreren, wie bei der Hauptfigur des Romans.
Allerdings gibt es Episoden oder Räume, in denen die Unterschiede aufgehoben scheinen. Sei es in einer Psychiatrie, in der die Mutter von Francis mit einer schizoaffektiven bipolaren Störung liegt, einer Parallelwelt in der die Unterschiede, welcher Art auch immer verschwinden; die Krankheit bestimmt das Leben. Oder sei es an einem Spieltisch in Las Vegas an dem die Kugel rollt und ein Ziel ansteuert, unbeeinflusst von Macht oder Ohnmacht, Reichtum oder Armut der einzelnen Mitspieler. Zum Schluss dieses Buches entscheidet sich die Zukunft von Francis tatsächlich an einem Spieltisch – und wird hier geradezu grandios wiedergegeben. Das ist Spannung pur – aber auch Leiden pur …
Denn wann setzt man alles auf eine Karte? Genau, wenn man verliebt ist. Und diese Liebe zeigt sich hier in den unterschiedlichsten Facetten. Es ist ein Buch, das tief berührt …
- Martin Suter
Montecristo
(173)Aktuelle Rezension von: Stephan58Welchen Preis bist du bereit für die Verwirklichung deiner Träume zu zahlen?
Suter entwickelt eine fesselnde Story über einen Video-Journalisten, der eigentlich ein Filmemacher sein will, für das tägliche Überleben Life-Style-Stories dreht und sich plötzlich in den Ermittlungen zu einem kaum glaublichen Finanzskandal wiederfindet. Als ihm unverhofft die Verwirklichung seine Filmprojekts Montecristo ermöglicht wird, stellt sich die Frage, ob er bereit ist, dafür die anderen, politisch brisanten Recherchen fallen zu lassen. Psychologisch ein hochinteressanter Stoff. Nur das Ende, das für mich der Realisation einer Verschwörungstheorie nahekam, konnte mich nicht überzeugen.
- Benedict Wells
Spinner
(386)Aktuelle Rezension von: Isi_isra„Spinner“ war mein erstes Werk von Benedict Wells und wird mit Sicherheit nicht mein letztes gewesen sein.
Die erste Hälfte des Buches habe ich förmlich verschlungen, ich konnte nicht aufhören, Wells’ ungeschmückten und authentischen Schreibstil zu folgen. Jesper nimmt uns mit in eine ereignisreiche Woche seines Lebens und zeigt uns sein tiefstes und hässlichstes Inneres. Dabei ist er alles andere als gekünstelt, eher sogar ziemlich unsympathisch und nervig. Es war fast schon unerträglich zu beobachten, wie er sich stetig selbst Steine in den Weg legte. Immer wieder dachte ich mir beim lesen „bitte sprich einfach mal ehrlich über deine Gefühle oder geh in Therapie“, aber genau das macht diese Geschichte für mich besonders. Von außen ist es immer so einfach und offensichtlich (im Buch selbst denken die Charaktere auch teilweise ähnlich über Jesper), doch sich selbst einzugestehen, dass man kein Problem mit dem Rest der Welt, sondern womöglich mit sich selbst hat, ist nicht leicht.
Wells‘ Debütroman brachte mich zum Lachen, zum Weinen, machte mich wütend und wahnsinnig und berührte mich zutiefst.Von mir bekommt das Buch 4 Sterne.
- Elena Fischer
Paradise Garden
(336)Aktuelle Rezension von: Elina_moroEs ist ein überzeugender Coming-of-Age Roman, der die ewigen Themen behandelt, wie Suche nach den Wurzeln sowie nach sich selbst. Billie bevorsteht eine Reise, die ihre Fragen beantworten wird. Eine Reise der Unabhängigkeit, in der eine neue Erfahrung gesammelt und das Horizont erweitert wird. Die sozialen, psychologischen und emotionalen Aspekte der Hauptfigur sind in diesem Kontext sehr gut beschrieben. Tiefgründig und witzig, traurig und ernüchternd wird hier eine besondere Geschichte erzählt, die in Erinnerung bleibt.
- Paulo Coelho
Am Ufer des Rio Piedra saß ich und weinte
(338)Aktuelle Rezension von: qtchenDas Buch stammt aus der 7-Tage Reihe des Autors. Hierbei dreht es sich um das Thema Liebe.
Dabei geht es in dem Buch meiner Meinung nach viel über die Liebe zum Glauben und Gott und weniger als üblich um Selbstfindung. Dadurch konnte ich für mich selber nicht viel mitnehmen.
Dennoch ist es ein solides Buch und typisch für Coelho sehr einfach zu lesen.
- Simone Lappert
Der Sprung
(288)Aktuelle Rezension von: Sanni_KozDas Buch "Der Sprung" von Simone Lappert handelt von einer Frau (Manu) die auf einem Dach steht und sich weigert herunterzukommen. Niemand weiß, was in ihr vorgeht und ob sie womöglich springen möchte.
Im Buch werden 3 Tage behandelt, der Tag davor und Tag 1 & Tag 2 - die Erzählweise erinnert an einen Episodenfilm mit unabhängigen Geschichten, die sich dann zum Ganzen verweben. Jeder Tag wird aus den unterschiedlichen Sichten von 10 Figuren erzählt, die mehr oder weniger mit Manu zu tun haben - hier merkt man, welche Auswirkungen Manus Verhalten auf eine Stadt hat. Der Detailreichtum überzeugt bis zum Schluss und fesselt einen ans Buch - man spürt im Buch, dass sich die Autorin jede Charaktere hat wachsen lassen mit dem Buch und der Handlung.
Dadurch, dass es viele verschiedene Sichtweisen, von den unterschiedlichen Personen gibt, ist das Buch etwas kompliziert zu lesen. Es empfiehlt sich Notizen beim Lesen zu machen, um die Zusammenhänge zwischen den Personen zu begreifen und nicht durcheinander zu kommen.
Das Buch ist mit viel Feingefühl und Empathie geschrieben.
- Sy Montgomery
Rendezvous mit einem Oktopus
(69)Aktuelle Rezension von: AQuaSy Montgomery, die mir bisher kein Begriff war, wurde mir bei einer Gesprächsrunde über Lieblingsbücher im Deutschlandfunk Kultur wärmstens empfohlen. "Rendezvous mit einem Oktopus" ist mein erstes Buch von ihr. Vielleicht ist dieses Buch als Start mit der Autorin unglücklich, denn es wurde nicht ersichtlich für mich, wer sie überhaupt ist, außer jemand, der Tiere mag und grade eine Obsession für Oktopusse hat. Einmal wöchentlich fährt sie ins Aquarium und hält ihre Arme in den Tank, um sich von den Saugnäpfen des jeweiligen Tieres küssen und schmecken zu lassen. Dabei erfahren die Lesenden manches Interessantes über diese intelligenten Tiere. Der Blurb von Peter Wohlleben hatte mich jedoch etwas völlig anderes erwarten lassen: "Wer dieses Buch gelesen hat, versteht die Seele der Ozeane." Deswegen war ich sehr enttäuscht, dass es in erster Linie über Oktopusse in Gefangenschaft und die Begegnungen von Menschen und Tieren im Aquarium geht. Mir hat sich auf jeden Fall bei der Lektüre keine Seele des Ozeans offenbart. Schade.
- Marco Balzano
Ich bleibe hier
(280)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannEs gibt Regionen in Europa, die haben eine besonders dramatische, eine besonders leidvolle Geschichte. Süd-Tirol oder Alto Adige Sudtirolo (ital.) gehört sicher dazu. Die alternative Namensgebung verweist schon auf das politische, teils kriegerische Hin und Her in dieser inzwischen (1972) autonomen Provinz Italiens. Und zwischen den Mühlsteinen widerstreitender „Interessen“ reibt sich die Bevölkerung auf. Und nicht nur einmal stellt sich ihnen die Frage: Bleiben oder Fortgehen, Verharren oder Neuanfang?
„Bis zum Marsch auf Bozen [1922] verlief das Leben in den Grenztälern im Rhythmus des Jahreszeiten. Es schien, als käme die Geschichte nicht bis hier herauf.“ Doch dann sind es gleich zwei Großereignisse, die die Bevölkerung in der Nordostecke Südtirols nachhaltig beeinflussen: der Zweite Weltkrieg (den Faschisten Mussolinis trotzen oder dem „Gröfaz“ hinterherlaufen?) sowie ein gewaltiges Staudammprojekt (mit Umsiedlungen). In einer anrührenden Geschichte werden die daraus entstehenden Konflikte im Großen wie die persönlichen Kämpfe innerhalb einer Familie geschildert. Und über dieser ohnehin am Existenzminimum lebenden Familie schwebt, meist unausgesprochen, die Sehnsucht nach der in jungen Jahren fortgegangenen der Tochter (erzwungen oder freiwillig?).
Diese Sehnsucht bildet sich auch in der Erzählweise (Ich-Erzählerin) der Geschichte ab, die auch als eine Art Berichterstattung der Mutter an die Tochter gelesen werden kann – inklusive der immer wieder anbrandenden Gefühle: „Die wenigen Fotos, die ich noch [von dir] habe, hole ich nur selten hervor, mit der Zeit ist man nah am Wasser gebaut. Und ich hasse es zu weinen […], weil es mich nicht tröstet.“
In diesem Roman wird nicht nur eine bewegende Geschichte erzählt, sondern auch ein Stück Zeitgeschichte sichtbar gemacht – sowie eine, trotz aller Unbilden des Lebens, aufmunternde Lebenshaltung der Erzählerin: „Die einzige Möglichkeit weiterzuleben ist vielleicht, sich zu verändern und nicht zu erstarren.“
(9.4.2022)
- Dror Mishani
Drei
(275)Aktuelle Rezension von: NurayCesmeDas Buch „Drei“ erzählt die Geschichten von drei Frauen, die nichts miteinander zu tun haben. Jede von Ihnen hat ihr eigenes Leben und ihre Probleme. Doch im Laufe der Handlung wird klar, dass sie alle denselben Mann kennen und dass diese Begegnung ihr Leben stark verändert.
Besonders interessant ist, dass das Buch kein typische spannende Handlung mit viel Action hat. Stattdessen stehen die Gedanken und die Gefühle der Figuren im Mittelpunkt. Man erfährt, wie sie denken, was sie hoffen und wovor sie Angst haben. Dadurch entsteht eine eher ruhige, aber trotzdem spannende Atmosphäre.
Der Aufnau ist ungewöhnlich. Jede Frau bekommt ihren eigenen Teil der Geschichte. Erst nach und nach erkennt man die Zusammenhänge. Das sorgt dafür, dass die Spannung langsam wächst und man immer mehr verstehen möchte, was wirklich passiert.
Ein zentrales Thema des Buches ist Vertrauen. Es zeigt, wie leicht man sich in Menschen täuschen kann und wie schwie es ist, andere richtig einzuschätzen.























