Bücher mit dem Tag "diogenes"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "diogenes" gekennzeichnet haben.

247 Bücher

  1. Cover des Buches Die Enkelin (ISBN: 9783257071818)
    Bernhard Schlink

    Die Enkelin

     (163)
    Aktuelle Rezension von: holle77

    Ich weiß nicht so recht, was ich schreiben soll, einerseits und andrerseits...
    Die Thematik ist wichtig, von den völkischen Siedlern habe ich schon gehört und gelesen, weil mal das Gerücht herumschwirrte, hier im Kreis habe sich eine solche Gemeinde angesiedelt, was zum Glück wohl wirklich nur ein Gerücht war.
    Ich habe das Buch gerne gelesen, aber öfter hatte ich doch das Gefühl, dass etwas dick aufgetragen wurde, dass vor allem Sigrun ein wenig zu intelligent, zu begabt, zu erwachsen dargestellt wurde.
    Kaspar fand ich sehr sympathisch, ebenso Paula.
    Ich habe das Buch zwar zu Ende gelesen, aber ich bin mit ihm noch nicht wirklich fertig, deshalb auch dieser etwas stockende Eintrag.

  2. Cover des Buches Wenn ich wiederkomme (ISBN: 9783257071702)
    Marco Balzano

    Wenn ich wiederkomme

     (190)
    Aktuelle Rezension von: Tilman_Schneider

    Daniela ist eine der vielen Frauen aus Osteuropa, die nach Italien kommt und hier Arbeit findet um so ihre Familie zu Hause zu unterstützen. Liebevoll und voller Hingabe widmet sie sich dem alten Mann als Pflegerin und dann wird sie Kinderfrau und sieht die Kinder heran wachsen. Ihre eigenen Kinder aber sind zu Hause ohne Mutter. Angelica kommt besser damit zurecht und muss doch als Mutterfigur für ihren Bruder Manuel her halten. Manuel vermisst die Mutter schmerzlich und nach dem Tod des geliebten Großvaters findet er keinen Halt mehr. Angelica freut sich, dass sie studieren kann, denn Daniela schickt das Geld dafür, aber die Mutter ersetzt das nicht. Dann passiert etwas furchtbares, ein Unfall und Manuel liegt im Krankenhaus und da muss sich Daniela entscheiden und sie muss ihre Familie wieder finden. Das Buch von Marco Balzano ist ein ganz wunderbares Werk und auch sehr wichtig wegen seines Themas. Viel zu oft verliert man sich und denkt, wenn man wieder kommt, dann ist wieder alles beim Alten, aber die verlorene Zeit kann man einfach nicht nach holen. Marco Balzano hat ein großartiges Gespür für seine Figuren und schreibt mit viel Gefühl und in einer wunderbaren und unaufgeregten Sprache. Dieses Buch bietet viel zum nachdenken und ist auch super für Lesekreise geeignet.      

  3. Cover des Buches Der große Fehler (ISBN: 9783257071917)
    Jonathan Lee

    Der große Fehler

     (178)
    Aktuelle Rezension von: mabo63

    Er gilt als der Vater des Central Parks in New York und Initiant des Museum of Modern Art in New York. Andrew Haswell Green.

    Eine allseits anerkannte Persönlichkeit die am Freitag dem 13. November 1903 im Alter von 83 vor seiner Haustüre erschossen wird.

    Aus ärmlichen Verhältnissen stammend arbeitete er sich stetig hoch, wird unter anderem zum Anwaltspartner von Samuel Tilden, einem zukünftigen US Präsidentschaftskandidaten.


    Beleuchtet wird in diesem Roman von Jonathan Lee die schwierige Beziehung zwischen Green und Tilden. Green musste in jener Zeit unter allen Umständen seine Homosexualität verheimlichen was ihn natürlich sehr belastete.

    Ein anderer Strang leuchtet zurück in die Kindheit von Green und ebenfalls erfährt der Leser wie Inspector McClusky versucht dem Hintergrund des Mordes auf die Spur zu kommen.


    Was wäre das für ein Plot!

    Leider wurde ich enttäuscht, was nicht zuletzt dem Schreibstl geschuldet ist. Seltsam emotionslos kommt es aus der Feder, zu viele, in meinen Augen unbedeutende Nebenschauplätze zerstören den zwischenzeitlich aufblitzenden sprachlichen Fluss.

    Ich hätte allzu gerne mehr erfahren wie es denn genau z.B. zur Planung und Ausführung des Central Parks kam, was für Hindernisse es zu überwinden gab.


    'Der beste amerikanische Roman des Jahres' schreibt The Guardian.

    Kann ich nicht nachvollziehen.

  4. Cover des Buches Kindeswohl (ISBN: 9783257243772)
    Ian McEwan

    Kindeswohl

     (266)
    Aktuelle Rezension von: gst
    „Was hatte sie denn getan? Sich in die Arbeit vergraben, ihren Mann vernachlässigt, sich von einem langwierigen Fall ablenken lassen?“ (Seite 100)

    Fiona ist total aus der Bahn geworfen, als sich ihr 60jähriger Mann nach langer Ehe ihre Erlaubnis für eine Affäre mit einer jungen Frau holen will.

    „Richterkollegen lobten Fiona Maye, selbst in ihrer Abwesenheit, ob ihrer klaren, beinahe ironischen, beinahe warmherzigen Prosa und der Knappheit, mit der sie einen Streitfall darzulegen mochte.“ (Seite 20)

    Nun überschatten ihre Erinnerungen an eine glückliche Ehe, das Nachdenken über ihre Kinderlosigkeit und wie die zustande gekommen war, die Berufstätigkeit der 59jährigen. War das die Strafe, sich alleine – ohne die Unterstützung erwachsener Kinder - der Katastrophe stellen zu müssen?

    Und das Ganze ausgerechnet in einer Zeit, in der ein besonders schwerer Fall ihr ganze Aufmerksamkeit erfordert: Ein 17 jähriger Leukämiepatient, durch seine Eltern bei den Zeugen Jehovas zu Hause, verweigert sich einer Bluttranfusion und will lieber sterben. Als sie Adam Henry im Krankenhaus besucht, trifft sie auf einen jungen Mann, der genau weiß, was er will.


    Ian McEwan hat sehr interessante Themen aufgegriffen. Allerdings hat er sich im zweiten von fünf Kapiteln so intensiv mit Fionas Selbstzweifeln beschäftigt, dass es schon langweilig wurde. Erst als sie Adam selbst kennenlernte, nahm das Buch Fahrt auf: Der beeindruckende Junge schreibt Gedichte und hat begonnen zu musizieren. Schließlich bleibt ihm nichts anderes übrig, als die wohl überlegte richterliche Entscheidung zu akzeptieren. Doch das hat Folgen, mit denen Fiona nur sehr schwer umgehen kann.

    Ab dem dritten Kapitel hat mich das Buch für sich eingenommen. Da hatte ich, im Gegensatz zum Beginn, plötzlich nichts mehr am Schreibstil des Autoren auszusetzen. Aus einem langweiligen Bericht wurde plötzlich ein mitreißender Roman, den ich gerne weiterempfehle.

  5. Cover des Buches Mitten im August (ISBN: 9783257300765)
    Luca Ventura

    Mitten im August

     (105)
    Aktuelle Rezension von: Textgemeinschaft

    Mich erinnert sie Konstellation in dem Buch etwas an die Rosenheim Cops. Aber ich mag den Schreibstil und auch die eigenwilligen Charaktere der einzelnen Protagonisten. 

    Zeitweise ist mir zuviel Infodump enthalten, vor allem was die Ozeanologie angeht. Tatsächlich habe ich den Täter in dem Moment erkannt als er das erste Mal erwähnt wurde, obwohl der Autor sich viel Mühe gibt, zu verwirren. 

    Mir gefällt Ventura!

  6. Cover des Buches Töte mich (ISBN: 9783257069891)
    Amélie Nothomb

    Töte mich

     (99)
    Aktuelle Rezension von: jenvo82

    „Sérieuse hatte ihn mit Agamemnon und Iphigenie geschlagen. Nun tauchten aus seinen rudimentären Erinnerungen an den Religionsunterricht Abraham und Isaak auf. Ein Hoffnungsschimmer streifte ihn, machte aber bald einem noch tieferen Schmerz Platz.“

    Inhalt

    Graf Henri Neville steckt in der Zwickmühle: Denn nachdem ihm eine Wahrsagerin prophezeit hat, dass er auf seiner letzten Garden Party auf seinem stattlichen Anwesens zum Mörder eines Gastes werden wird, überlegt er krampfhaft, wie so ein Mord standesgemäß ablaufen könnte und wer überhaupt das passende Opfer wäre. Ihn schreckt es nicht, dass er nach vollbrachter Tat ins Gefängnis gehen muss, denn er ist ohnehin verarmt und der Landbesitz eine einzige Schuldenfalle. Doch Graf Neville hat schon von Kindesbeinen an den Grundsatz der gehobenen Gesellschaftsschicht verinnerlicht: es spielt keine Rolle, welche Taten du verübst, solange sie moralisch vertretbar sind. Leider gibt es unter den geladenen Gästen zwar viele mögliche Opfer, aber keines scheint das geeignete. Als ihn seine  verschrobene jüngste Tochter Sérieuse das Angebot macht, doch sie zu töten, statt eines Fremden, eröffnen sich ganz neue Perspektiven. Wäre da nicht sein schlechtes Gewissen und die unsagbare Strafe, die es ihm nach der Tat bis ans Ende seines Lebens unmöglich machen würde, seine persönlichen Ansprüche zu erfüllen …

    Meinung

    Dieser kleine, feine Roman mit gerade mal 111 Seiten Umfang konnte mich sehr begeistern, denn die 1967 geborene belgische Diplomatentochter Amélie Nothomb, die bereits zahlreiche Romane veröffentlicht hat, spinnt hier ein diffiziles Kammerspiel, welches sich zum gedanklichen Schlagabtausch zwischen Vater und Tochter entwickelt. Einerseits ist dieses Buch zeitlos und universell, weil es nichts weiter als ein moralisches Gedankenexperiment ist, andererseits wirkt es märchenhaft-leicht und absolut unterhaltsam, weil es so ohne Rahmenhandlung und Kenntnis der näheren Umstände auskommt. Für die Entwicklung der Protagonisten bleibt wenig Raum, man erfährt als Leser nur ein paar Hintergründe, die nicht genügen, um die Motivation der 17-jährigen Tochter tatsächlich nachzuvollziehen. Stattdessen konzentriert sich die Autorin auf den Aspekt des Standesdünkels und so manch skurriler Begebenheit, die eine so haarsträubende Idee schließlich in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt. 

    Fazit

    Ich habe mich hier bestens unterhalten gefühlt und einen leichten, beschwingten Roman gelesen, der ein eigentlich unvorstellbares Dilemma auf die humoristische Art und Weise löst und vergebe gerne 5 Lesesterne. Sicherlich ist das keine besonders anspruchsvolle Lektüre mit Tiefgang, allerdings tut das dem Lesevergnügen keinen Abbruch, insbesondere wenn man sich auf dieses Experiment mit den Möglichkeiten und Unvorstellbarkeiten einlässt.

     Gerne hätte dieses Buch noch ein paar mehr Seiten haben dürfen und vielleicht noch einen kleinen Ausblick in das Beziehungsgeflecht der Familie Neville nach dem Ende der Garden Party liefern können, doch auch so passt es wunderbar. Von der Autorin werde ich gewiss noch weitere Bücher lesen – dieses hier hebt sich positiv von der Menge der Bücher ab, die ich sonst in den Händen halte und lässt jegliche Schwere vermissen, was für mich normalerweise immer ein Kritikpunkt ist, nicht jedoch, wenn so klar erkennbar ist, in welche Richtung eigentlich argumentiert werden soll.

     

  7. Cover des Buches Tiefes, dunkles Blau (ISBN: 9783257300918)
    Seraina Kobler

    Tiefes, dunkles Blau

     (157)
    Aktuelle Rezension von: Bajo

    Rosa ist Seepolizistin in Zürich und 37 Jahre alt. Eine langjährige Beziehung ist an ihrem Kinderwunsch gescheitert. Zu Beginn des Romans ist sie Single und lässt sich in einer Kinderwunschklinik Eizellen entnehmen und einfrieren. Der leitende Arzt der Klinik wird danach tot im Zürichsee gefunden und Rosa und ihr Kollege Martin ermitteln.
    Es werden Verbindungen zum Rotlichtmilieu, zur Hackerszene, zu einem mit Gentechnik befassten Startup und zur gescheiterten Ehe des Arztes aufgedeckt.
    Dies alles entwickelt sich gemächlich, aber dennoch ansprechend erzählt, so dass beim Lesen keine Langeweile aufkommt. Im Gegenteil : durch eine schöne bildhafte Sprache wird Zürich beschrieben, die Wohnung von Rosa in der Altstadt, ihr schöner Garten, der See, die Umgebung von Zürich und vor allem immer wieder sehr ausführlich Rosas Kochkünste, bebildert von leckeren Beschreibungen von Obst, Gemüse, Gerüchen.
    Hier wird eine sommerliche Atmosphäre geschaffen, in der man Zürich kennenlernen kann, auch mit den Schattenseiten u. a. des Nachtlebens ( Partys, Drogen,Müll ) und des Tourismus. Gegensätzlich zu der überwiegend geschaffenen Wohlfühlatmosphäre werden die Gefahren der Gentechnologie offengelegt und moralische Abgründe tun sich auf, auch durch die Verbindung zum Rotlichtmilieu. Die hier involvierten Personen verstricken sich in kriminelle Handlungen, alles um den perfekten, gegen Krankheiten gefeiten Menschen zu designen und hierdurch eigene egoistische Ziele wie wissenschaftliche Anerkennung oder existentielle Sicherheit zu erlangen.
    Ich kann den Krimi weiterempfehlen. Ich habe ihn gerne gelesen. Nur die ausgiebige Schilderung der Speisen und der Gartenkünste war mir manchmal zu dick aufgetragen. Ich vergebe 4 Sterne.

  8. Cover des Buches Die Geschichte von Blue (ISBN: 9783257243345)
    Solomonica de Winter

    Die Geschichte von Blue

     (150)
    Aktuelle Rezension von: gst
    „Solomonica de Winter, gerade siebzehn geworden, ist die Tochter des erfolgreichen niederländischen Schriftstellerpaars Leon de Winter und Jessica Durlacher. Sie ging in Los Angeles zur Schule und schrieb ihren ersten Roman auf Englisch.“

    Diese Zeilen waren im September 2014 in der Frankfurter Allgemeinen zu lesen und machten mich neugierig auf das Buch der sehr jungen Autorin.

    Es verging viel Zeit, ehe ich es endlich voller Vorfreude zur Hand nahm. Mitfühlend las ich, was die dreizehnjährige Blue ihrem Arzt aufschrieb. Sprechen konnte sie nicht, denn das hatte sie nach dem Tod des Vaters eingestellt. Sie beobachtete, wie die Mutter drogenabhängig wurde und ihre Welt immer mehr zerbrach. Als einziger Trost diente ihr „Der Zauberer von Oz“, ein Buch, das sie vom Vater geschenkt bekommen hatte und das sie seitdem ständig mit sich herumtrug, um jederzeit darin abtauchen zu können. Als sie auf einen jungen Mann stieß, der die Story ebenfalls sehr mochte, verliebte sie sich in ihn.

    Doch die Wut, die in ihr brodelte, nahm zu. Wut auf alle und alles um sie herum. Eine zerstörerische Wut. Wut, die sie Mordgedanken entwickeln ließ und mir das Lesen des Buches erschwerte. Meine anfängliche Begeisterung für den Schreibstil konnte mich kaum noch über den Abscheu, den das Gelesene in mir entfachte, hinweg tragen.

    Talent kann man der jungen Autorin nicht absprechen. Die Worte sind gewählt, der Aufbau der Geschichte passt, auch wenn manches zu ausführlich geschildert, zu überzeichnet dargestellt wird. Doch meine Begeisterung für das Buch hält sich ob der jugendlichen Hirngespinste sehr in Grenzen. Für mich ist es zu düster, zu traurig, zu negativ.

    Wer solche Geschichten mag, der wird auch von „Die Beichte einer Nacht“ von Marianne Philips (1886 – 1951) begeistert sein. Die erzählte in dem genannten, 1930 zum ersten Mal erschienenen, Buch ihre Geschichte einer Nachtschwester. Und genau daran hat mich auch Blues Geständnis erinnert.

    Fazit: Der Schreibstil entlarvt das Talent von Solomonica de Winter, doch die Geschichte an sich ist mir zu düster. Aus diesem Grund vergebe ich nur drei Sterne.

  9. Cover des Buches Lektionen (ISBN: 9783257072136)
    Ian McEwan

    Lektionen

     (92)
    Aktuelle Rezension von: evaczyk

    Der Titel "Lektionen" ist doppeldeutig: Das gleichnamige Buch von Ian McEwan beginnt in einem englischen Internat in den 60-er Jahren, mit einem Klavierunterricht, der für den da noch kindlichen Protagonisten Roland Baines noch weitreichende Folgen haben wird. Doch während der Autor seiner gleichaltrigen Romanfigur ein Leben lang folgt, bis in die Corona-Pandemie, da geht es eben auch um die Lehren eines langen Menschenlebens, um das, was Roland mitnimmt und das, was bleibt, von seinen Hoffnungen, seinen Lieben, seinen Erwartungen in sich selbst und den Erwartungen, die andere in ihn gesetzt haben.

    Da scheint zunächs vieles unerfüllt: Der junge Roland galt als großes Klaviertalent, doch statt einer Pianistenkarriere verdingt er sich auch noch deutlich jenseits der 70 als Klavierspieler während des afternoon tea in einem Hotel - von Musikmampfe spricht er dabei. Die literarischen und journalistischen Ambitionen münden in Kalendersprüchen und Gedichten für Grußkarten. Auch ein Profi-Tennisspieler ist er nicht geworden, hat sich jahrelang treiben lassen, heiratete schließlich Alyssa, Tochter eines Deutschen und einer Engländerin und wird von ihr verlassen, als der gemeinsame Sohn Lawrence gerade mal sieben Monate alt ist.

    Plötzlich und unerwartet alleinerziehender Vater zu sein, zwingt Roland nicht nur zu Verantwortung und Struktur, er gerät auch vorübergehend in den Fokus der Polizei, die hinter dem Verschwinden Alissas ein Verbrechen vermutet. Und wer wäre da als Verdächtiger naheliegender als der Ehemann...

    Das Private und das Zeitgeschichtliche liegen in dem mehr als 700 Seiten langen Roman nah beieinander. Es ist die mit Fragen und Unsicherheiten, ja existenziellen Ängsten begleitete Kuba-Krise, die den 14-jährigen Roland zum Haus seiner ehemaligen Klavierlehrerin treibt, die ihn schon drei Jahre zuvor mit einem unerewarteten Kuss verwirrte. Was folgt, ist einerseits sexuelles Erwachen und andererseits - wie ihm erst Jahrzehnte später bewusst wird - sexueller Missbrauch. Es ist nicht zuletzt diese verbotene Affäre, die ihn später dazu treibt, die Schule zu schmeißen.

    Tschernobyl, der Fall der Mauer, die Thatcher Jahre, Brexit und schließlich Corona, aber auch Kriegserinnerungen aus deutscher und britischer Sicht, das Scheitern linker Träume und die Desillusionierung angesichts der Entwichlungen der Labour Party - "Lektionen" ist ein Kaleidoskp der vergangenen 70 Jahre, gespiegelt in einem Menschenleben. Roland hat Gelegenheit zu Konfrontationen mit der ehemaligen Klavierlehrerin und mit Alyssa, die als Schriftstellerin nicht nur ihren Ex weit in den Schatten stellt, sondern sich zur bedeutendsten deutschsprachigen Autorin und Nobelpreiskandidatin  entwickelt.  

    Roland findet in der langjährigen Freundin Daphne eine neue Liebe, die durch Daphnes Krebserkrankung viel zu kurz andauern darf, auch wenn die Patchworkfamilie liebevoll und generationsübergreifend zusammenhält. Geheimnisse, ja Lebenslügen gibt es aber auch in der eigenen Familie über seine Eltern zu entdecken - auch hier sind "Lektionen" für Roland enthalten, die Antworten geben auf Lebensfragen. Wie McEwan das Große und das Kleine, das Private und das Zeitgeschichtliche zu einem buchstäblich epochalen Roman verwebt, das ermüdet auch bei der Länge des Buches nicht. Und angesichts der langen Entwicklung des Protagonisten ist es fast, als sei Roland am Ende ein langjähriger alter Bekannter.


  10. Cover des Buches Krokodilwächter (ISBN: 9783257244809)
    Katrine Engberg

    Krokodilwächter

     (225)
    Aktuelle Rezension von: Nosimi

    Das Buch Krokodilwächter hat mich aufgrund des ungewöhnlichen Titels und des - sagen wir es ruhig - typischen Stils eines nordischen Krimis angesprochen. Eine junge hübsche Frau, gerade zum Studium nach Kopenhagen gezogen, wird Opfer eines brutalen und obskuren Verbrechens: sie wurde nicht nur brutal ermordet, ihr hübsches Gesicht ist von auffälligen Schnitten entstellt. Und ausgerechnet ihre Vermieterin, die selbst eine ungewöhnliche Person zu sein scheint, schreibt einen Roman über genau solch ein Verbrechen. Wie hängt das Manuskript der emeritierten Professorin mit dem klangvollen Namen Esther de Laurenti und der Mord an der jungen Studentin zusammen? 

    Zunächst liest sich das Buch wie ein typischer "Morden im Norden" Krimi, schön sind die Passagen, die sich später als das Manuskript herausstellen und Julie etwas besser charakterisieren. Auch die Charakterbeschreibungen von Esther de Laurenti und dem Kriminalsssistenten Jeppe Kørner gelingen gut und machen sie schön plastisch. Leider ist dies jedoch nicht bei allen der Haupt- und wichtiger Nebencharaktere der Fall. Gerade Kørners Partnerin, aber auch das zweite Mordopfer bleiben blass. Wer der Mörder ist, wird im Verlauf des Buches schnell absehbar und auch klar, dies ist auch nicht die dringendsten Frage, sondern eher die Frage nach dem Warum? Gerade das hat mich interessiert und gebannt, scheint doch jeder der Hauptcharaktere eine große Lebenslüge mit sich rumzutragen und damit zu kämpfen. Und daraus hätte man einen sehr spannenden Krimi schreiben können, nur hält sich bei mir die Spannung einfach nicht. Alles wirkt zu lang beschrieben, an jedem Kapitel hätte man kürzen können, um den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten. Selbst das Ende ist meiner Ansicht nach nicht gut gelungen. Ich dachte ich wäre am Ende und.hatte dann nochmal gut 25 Seiten zu lesen. Nach dem Buch stellt sich mit die Frage, ob  Esther de Laurenti auch in den weiteren Büchern eine wichtige Rolle einnehmen wird, so viel Raum wir sie in diesem Band eingenommen hat. 

    Fazit: Ein solider Krimi, mit einer guten Storyidee, leider zu langatmig umgesetzt. 

  11. Cover des Buches In einer Person (ISBN: 9783257242706)
    John Irving

    In einer Person

     (132)
    Aktuelle Rezension von: rkuehne

    Mal wieder ein Epos von Irving, gute 700 Seiten, und mal wieder schafft er es, eine ganz eigene umfassende Welt aufzubauen. Hier die Welt von des bisexuellen William „Billy“ Abbott, den wir aus seinen Jugendjahren bis ins Pensionsalter, aus den 60ern in Neuengland bis ins Heute. Ich hab lange gebraucht für den Roman, das hat diverse Gründe. Einer ist in der privaten Freizeit gelegen, weil einfach weniger Freiräume waren und andere Dinge wichtig waren, der andere ist, dass es Irving hier in meinen Augen weniger geschafft hat, mich in seine Welt zu ziehen als bei anderen Werken. Trotzdem ist es ein bemerkenswertes Buch: Geschrieben vor zehn Jahren trifft es aktuell voll in die Debatte um Gendern und sexuelle Identitäten. Wir nähern uns Billy und vielen anderen Menschen seines Umfeldes intensiv und bekommen erst so einen Einblick und ein Gefühl dafür, wie ein Leben für Menschen mit einer nicht heteronormativen Sexualität viele Jahre lang ausgesehen hat und immer noch aussieht. Das ist bemerkenswert, tiefgründig, nah und erhellend. Lange bin ich geschwankt, ob ich hier 3 oder 4 Sterne vergeben soll, literarisch gefühlt eher drei, aber der Nachhall des Buchs macht dann doch eine vier.

  12. Cover des Buches Becks letzter Sommer (ISBN: 9783257609271)
    Benedict Wells

    Becks letzter Sommer

     (426)
    Aktuelle Rezension von: Tilman_Schneider

    Herr Beck ist mitte dreißig, Lehrer, aber sein Herz gehört eigentlich der Musik. Seine Band hatte sich seinerzeit zerstritten und seitdem hat er kaum noch Songs verfasst. Als er seinen 17jährigen Schüler Rauli im Musiksaal überrascht, ist er völlig hin und weg. Der Junge kann grandios Gitarre spielen, singt wie wenn er nie etwas anderes getan hätte und kann Songs zaubern die voll Kraft und Tiefgang sind. Er nimmt sich dem Au?enseiter an und hofft so noch im Musikgeschäft Fu? zu fassen. Rauli hat aber auch andere Probleme. Seine Familie hat einige ups and downs, er verliebt sich und er will wie sein Vorbild der beste Eiskunstläufer der Welt Alexei Yagudin den dreifachen Salchow schaffen. Becks alter Bandkollege Charlie muss dringend nach Istanbul und so setzen sich Rauli, Beck und der immer verwirrte Charlie ins Auto und machen sich auf die Reise ihres Lebens. Mit gerade mal dreiundzwanzig Jahren hat Benedict Wells ein furioses Debut geschaffen. Eine Geschichte mit viel Schwung, Dramatik, Musik und ungeheurem Tiefgang. Hoffentlich nicht Wells letzter Sommer

  13. Cover des Buches Abbitte (ISBN: 9783257261189)
    Ian McEwan

    Abbitte

     (883)
    Aktuelle Rezension von: mabo63

    [..Schlägt man nur lang genug Brennesseln nieder, stellt sich wie von selbst eine Geschichte ein, wesshalb Briony schon bald völlig in ihrem Tun aufging und auf grimmige Weise zufrieden war, obwohl jedermann bei ihrem Anblick geglaubt hätte, ein fürchterlich schlecht gelauntes Mädchen vor sich zu haben. Sie hatte von einer schlanken Haselnussrute die kleineren Äste abgestreift, und da es allerhand zu tun gab, machte sie sich unverzüglich ans Werk. Eine grosse Brennessel mit arrogantem Blick, den Kopf scheu gesenkt, die mittleren Blätter wie auf Unschuld plädierende Hände nach aussen gewandt - das war Lola, und obwohl sie um Gnade winselte, mähte die fast ein Meter lange Rute sie mit sirrendem Hieb in Kniehöhe ab und schleuderte den wertlosen Torso durch die Luft. Das war zu schön, um damit gleich wieder aufzuhören, und so waren die nächsten Brennesseln alle Lola; die da, die sich vorbeugte, um ihrer Nachbarin etwas ins Ohr flüsterte, wurde mit einer abscheulichen Lüge auf den Lippen dahingerafft...]

     Die Geschichte beginnt in England kurz vor dem Krieg, 1935, darin eingebetet die Liebesgeschichte von Cecilia und Robbie.

    Die blühende Fantasie von Briony der kleinen Schwester von Cecilia, und das prüde England dazumal,  wird den beiden liebenden zum Verhängnis.

    grosses Lesevergnügen.

  14. Cover des Buches Die Zeit, die Zeit (ISBN: 9783257242614)
    Martin Suter

    Die Zeit, die Zeit

     (229)
    Aktuelle Rezension von: Tilman_Schneider

    Peter Taler, Anfang vierzig, ist seit kurzer Zeit Witwer. Der Verlust seiner Frau macht ihm schwer zu schaffen und er wandelt oft durch seine Wohnung, starrt aus dem Fenster und nimmt am Leben nicht mehr wirklich teil. Das seine Frau ermordet wurde und der Mörder immer noch frei herum läuft, dass lässt ihn einfach nicht los. Immer wieder sieht er den achtzigjährigen Krupp. Der Nachbar fotografiert viel, dokumentiert und scheint auch sonst sehr seltsam zu sein. Nach einer zufälligen Begegnung entwickelt sich eine anfangs merkwürdige Bindung zwischen den Männern. Krupp ist seit ganz vielen Jahren verwitwet und arbeitet an einem wahnsinnigen Projekt. Er will den Tag, an dem seine Frau starb, noch einmal aufleben lassen. Er will alles in den Urzustand bringen und ihr nochmals begegnen. Taler findet es seltsam, aber sein Schmerz ist so groß, dass er es verstehen kann und rechnet sich auch Chancen aus. Als von einem Antiquariat seiner verstorbenen Frau ein Buch zugeht wo es um die Zeit geht, bricht bei ihm endgültig der Zweifel und er steigt mit ein in das Projekt. Wird es gelingen? Was erwartet die Männer, wenn sie es wirklich hin bekommen sollten? Es stellen sich aber auch einige Probleme dar, den Taler ist in seinem Job unaufmerksam und bekommt schnell Probleme, aber mit der Hilfe einer neuen Kollegin findet er einen Weg das große Projekt voran zu bringen und weiter arbeiten zu können. Krupp kauft Pflanzen, bestellt Malerfirmen, alte Autos wie damals und mit seinen zahlreichen Fotos beginnt er alles wieder zu verwandeln. Taler findet aber in den Fotos noch eine Spur, nämlich die mögliche Spur zum Mörder seiner Frau und plötzlich wachsen ganz andere Gedanken in ihm und auch vor einem Mord, würde er nicht mehr zurück schrecken. Martin Suter wagt sich hier an ein ganz anderes Thema. Die Zeit, bzw. das nicht vorhanden sein der Zeit. Der Start ist Suter like mit einem etwas verschrobenen Helden, der einen schweren Verlust zu ertragen hat. Der Beginn mit dem Thema Zeit ist spannend, aber hat dann ein paar kleinere Längen, aber gewinnt dann wieder so an Fahrt, dass man einfach mitfiebert, vorbereitet und gestaltet. Martin Suter versteht es einfach flüssig und unterhaltsam zu schreiben, aber den literarischen Aspekt und den Anspruch nicht zu vergessen. Die Zeit vergeht dann irgendwann wie im Flug, oder gibt es sie nicht?

  15. Cover des Buches Spinner (ISBN: 9783257609288)
    Benedict Wells

    Spinner

     (330)
    Aktuelle Rezension von: Tilman_Schneider

    Mit 20 ist Jesper Lier nach Berlin gezogen und haust in einer kleinen Kellerwohnung. An der Uni schreibt er sich immer nur für Kurse ein, damit er mal draußen war, denn eigentlich sitzt er immer am Rechner und schreibt an seinem großen Werk  Die Leidgenossen.  Nebenbei verdient er sich etwas bei einer Berliner Zeitung und der Chef hat ihn eingestellt, weil er ein gewisses Talent besitzt. Ansonsten gibt es viel zu viel Alkohol, kaum Essen und außer Gustav und Frank, hat er keine Freunde. Die Liebe sucht er und lebt sie in exzessiven Sexszenen in seinem Buch aus, aber die Liebe findet ihn nicht, noch nicht? Als er Miriam in der Bahn begegnet ist es um Jesper geschehen, obwohl seine Freunde ihn warnen, dass er sich nicht in die Erste verlieben soll. Zum ersten mal erkennt Jesper wahre Gefühle und als ein guter Bekannter und Förderer stirbt, sein Buch von allen als schlecht befunden wird und Miriam sich einfach nicht mehr meldet, wacht Jesper auf. Was will er? Wo soll seine Reise im Leben hin gehen und was ist Glück? Benedict Wells ist ein weiteres, großartiges Buch gelungen. Nach dem gefeierten  Becks letzter Sommer , präsentiert er hier eine ganz andere Geschichte. Mit seiner großartigen Sprache und seinem enormen Gespühr für Details entführt er uns in das pulsierende Berlin und in das Leben eines tragischen Helden. Großartig!

  16. Cover des Buches Leben, schreiben, atmen (ISBN: 9783257070699)
    Doris Dörrie

    Leben, schreiben, atmen

     (32)
    Aktuelle Rezension von: steffi.liest

    Bei dem Buch handelt es sich um eine interessante Mischung aus Schreibratgeber und Biographie. Doris Dörrie schreibt kapitelweise aus ihrem eigenen Leben und am Ende jedes Kapitels gibt sie Schreibanregungen. Beispielsweise: "Schreib über Verlorenes. Wann ist etwas wirklich verloren? Was hast du verloren und wiedergefunden? Was ist für immer verloren? Was vermisst du?". Immer wieder bringt sie dabei auch hilfreiche Tipps mit ein.

    Bei den Schreibübungen geht es vor allem darum, einfach drauflos zu schreiben ohne Nachzudenken - was gar nicht so einfach ist. Ich hatte immer wieder innerlich den Drang, das zu bewerten, was ich schreibe. Aber genau das soll man nicht tun, sondern frei über das schreiben, was einem gerade in den Kopf kommt - und sei es noch so wirr und zusammenhanglos. Denn dadurch tauchen interessante Details auf, Erinnerungen, die man verloren geglaubt hat. Doris Dörrie macht das beispielhaft in ihren biographischen Kapiteln vor und so fällt es einem dann auch selbst ein bisschen leichter. Allgemein empfand ich Doris Dörries persönliche Erinnerungen sehr inspirierend, denn manchmal hat man Ähnliches erlebt und findet sich in ihren Geschichten wieder und es steigen neue Erinnerungsfetzen auf. 

    Ich kann dieses Buch nur wärmstens allen empfehlen, die sich mit dem autobiographischen bzw. mit dem freien Schreiben auseinandersetzen wollen und die bewusster Leben möchten. Denn durch das Schreiben beobachtet man genauer, man wird achtsamer und aufmerksamer. Zudem schreibt die Autorin einfach unheimlich toll - sehr mitreißend, offen, aber auch humorvoll. Ich möchte unbedingt mehr von ihr lesen. 

  17. Cover des Buches Die Hochzeit der Chani Kaufman (ISBN: 9783257244304)
    Eve Harris

    Die Hochzeit der Chani Kaufman

     (109)
    Aktuelle Rezension von: allemeineendchen

    Dieses Buch stand schon lange in meinem Regal und ich bin so froh endlich zu der Geschichte gegriffen zu haben. Ich fand die Geschichten aller Protagonist:innen sehr interessant und fand es spannend die Parallelen und Unterschiede in ihren Lebenswegen, Vorstellungen und Weltbildern zu erkennen. Dabei stand bei allen eigentlich immer die Forderung nach Freiheit und Glück im Fokus und es war schön zu sehen, dass jeder und jede seinen oder ihren ganz eigenen Weg finden musste oder gefunden hat, um sich dafür Räume zu erschaffen. Obwohl das Buch relativ kurz ist, wurden die Konflikte und die Vielschichtigkeit der Charaktere sehr gut herausgearbeitet und die Bedeutung des Glaubens innerhalb dieser Gemeinschafft ebenfalls ausgiebig und vielseitig thematisiert. 

  18. Cover des Buches Die Seltsamen (ISBN: 9783257243314)
    Stefan Bachmann

    Die Seltsamen

     (161)
    Aktuelle Rezension von: Catastrophia

    Vor langer Zeit schloss sich ein Portal zwischen der magischen und der uns bekannten Welt. Seitdem sind Elfen, Feen, Gnome und andere magische Wesen in unserer Welt gefangen und man versucht, sich miteinander und mit den Menschen zu arrangieren. Vor diesem Hintergrund spielt "Die Seltsamen", der erste Band einer Fantasyreihe. 

    Der junge Bartholomew und seine Schwester Hettie haben keine normale Kindheit, denn sie sind "Seltsame", Mischlingskinder von Feen- und Menscheneltern. Damit gehören sie zu keiner der beiden Welten, werden verachtet und oft genug verfolgt. Im Viktorianischen England verschwinden nun einige Mischlingskinder und nicht nur Bartholomew sucht die Übeltäter, sondern auch ds britische Parlament. 

    Da ich sowohl Fantasy als auch Steampunk liebe, war das Setting für mich definitiv genau das richtige. Mit viel Witz und originellen Ideen erdenk Stefan Bachmann eine Welt, in der mechanische Vögel herumfliegen, Grünhexen im Wald leben und vor allem viele Feenausgebeutet werden und  in Slums leben. Somit ist das Thema des Romans durchaus ein ernstes und ermöglicht auch einen Blick auf die Industrielle Revolution mit einem "was wäre, wenn es damals Feen gegeben hätte"-Szenario. 

    Kriminalroman meets Fantasy meets Dampfmaschine meets Jugendbuch - einordnen lässt sich dieses Buch nicht so leicht. Etwas mehr Tiefgang hätte den Charakteren noch gutgetan, aber auch so sind sie fantasievoll, sympatisch und man fiebert mit ihnen mit.

  19. Cover des Buches Fast genial (ISBN: 9783257609295)
    Benedict Wells

    Fast genial

     (414)
    Aktuelle Rezension von: kaelle

    Nachdem Francis' Mutter von seinem Stiefvater verlassen wurde, leben Mutter und Sohn in einem Trailerpark. Francis geht es dort alles andere als gut: Er ist ein schlechter Schüler, hat kaum Freunde, seine Ringerkarriere ist vorbei, bevor sie richtig angefangen hat, seine Mutter hat wechselnde Männerbekanntschaften und ist vor allem manisch-depressiv. Dies führt dazu, dass sie immer wieder in einer Klinik landet. Dort versucht sie sich eines Tages umzubringen und schreibt Francis einen Abschiedsbrief. Darin verrät sie ihm, dass er ein Retortenbaby und sein Vater ein genialer Mensch mit extrem hohem IQ sei. Kurzerhand macht sich Francis auf die Suche nach ihm, einmal quer durch die USA, von der Ost- an die Westküste. Mit an Bord sind sein bester Freund Grover, Typ nerdiger Feigling, und Anne-May, die einen Suizidversuch hinter sich hat und darum in der gleichen Klinik liegt wie Francis' Mutter.

    Wie es für Roadtrips in Romanen üblich ist, macht die Reise etwas mit den drei jungen Erwachsenen. Sie verändern sich, öffnen sich, erkennen sich zum Teil selbst. Freundschaften werden auf die Probe gestellt. Das Thema Liebe taucht ebenfalls auf. Das ist alles ganz nett gemacht und für Jugendliche sicherlich nicht uninteressant.

    Überhaupt nicht gefallen hat mir der letzte Teil. Dort passiert im Zeitraffer sehr viel, was wohl besser etwas ausführlicher geschildert worden wäre. Das eigentliche Ende fand ich dann total doof. Den Grund dafür möchte ich hier jedoch nicht nennen, um nicht zu spoilern.

    Man merkt dem Buch an, dass es sich um eines der ersten von Wells handelt. Bis zu "Hardland" ist noch viel Luft nach oben.

  20. Cover des Buches Der Vater, der vom Himmel fiel (ISBN: 9783257069877)
    J. Paul Henderson

    Der Vater, der vom Himmel fiel

     (62)
    Aktuelle Rezension von: Jana_Kl
    Nachdem Gregs Vater Lyle durch eine dumme Verwechslung stirbt, wird klar, dass es nicht allzu viele Menschen in seinem Leben gab, die Anteil daran nehmen. 
    Doch nach und nach erkennen immer mehr Menschen, welchen Wert Lyle in ihrem Leben gespielt hat. 
    Lyle erscheint seinem jüngsten Sohn Greg eines Abend in dessen alten Haus und beauftragt ihn für ihn einige Dinge in der Familie zu klären, bevor er sich endgültig von ihm verabschieden muss. Daraufhin begibt sich Greg in die Geheimnisse seiner Familie. 

    Ich muss ehrlicherweise zugeben, dass mich das Cover nicht direkt angesprochen hat. Auch dauerte es etwas, bis ich mich in die Geschichte eingelesen habe. Die Schreibweise ist sehr geprägt vom britischen Humor. Doch nach und nach freundet man sich immer mehr mit der beschriebenen Familie an. 

    Eine sehr herzergreifende, wenn manchmal auch strange Geschichte von eine alten Mann und dessen Familie, die durch den Tod des Vaters zum ersten Mal lernt sich zu zeigen, wie viel sich sich eigentlich bedeuten.
  21. Cover des Buches Böses Mädchen (ISBN: 9783257235524)
    Amélie Nothomb

    Böses Mädchen

     (161)
    Aktuelle Rezension von: Europeantravelgirl

     Dieses Buch kennt keine Grauzone, hier wird mit Schwarz und Weiß gearbeitet. Weiß, das ist (schon dem Namen nach) die sechzehnjährige Blanche. Ein unschuldiges, unerfahrenes, unbedarftes Mauerblümchen. Den Gegenpart übernimmt Christa - oder wie Blanche sie nennt: Antichrista. Denn Christa ist tatsächlich teuflisch böse, schlecht, egoistisch. Entsprechend geht es auch zur Sache. Es ist kein sich diffizil entwickelndes Verhältnis zwischen den beiden jungen Mädchen, das nach und nach schleichend toxische Züge offenbart. Nein, Christa ist das personifizierte Böse, und Blanche erkennt das auch schnell. Nicht so allerdings Blanches Eltern, die sich von Christa belügen und blenden lassen. Beim Lesen schmerzen daher nicht so sehr die Intrigen, sondern wie leicht und willig Blanches Eltern diesen zum Opfer fallen. Wie gesagt, das Buch kennt keine Grauzonen, sondern spielt mit dem ewigen Kampf von Gut und Böse. Spitz, amüsant und mit knapp 140 Seiten ausreichend lang. Mehr hätte ich auch nicht gebraucht. Die Lösung des Konflikts war nett, denn das Gute siegt zum Schluss ja immer, oder etwa nicht? Nach einer eher absurden Zuspitzung am Ende dann der allerletzte Satz eine Punktlandung - der hat es für mich noch einmal herausgerisssen.

  22. Cover des Buches In der Nacht (ISBN: 9783257243154)
    Dennis Lehane

    In der Nacht

     (97)
    Aktuelle Rezension von: dunkelbuch

    Einfach ein toller Krimi aus den Zeiten der Prohibition in den USA. Steht keinem Roman von Chandler oder Co nach. Gut geschrieben und recherchiert, keine Sekunde Langeweile, man möchte einfach weiterlesen. Allein der Beginn des ersten Kapitels ist grosse Klasse und mit einer schönen Prise Ironie gewürzt.

  23. Cover des Buches Small World (ISBN: 9783257261196)
    Martin Suter

    Small World

     (482)
    Aktuelle Rezension von: Tilman_Schneider

    Konrad Lang will ein Feuer machen und fackelt seine ganze Wohnung ab. Völlig aufgelöst kommt er auf eine Hochzeit. Der Sohn eines guten Freundes heiratet. Thomas war in Konrads Kindheit ein treuer Freund und Gefährte und Mama Vera, war immer sehr wichtig für ihn. Man entfernt ihn von der Party und ist peinlich berührt von dieser Szene. Die Braut aber interessiert sich für Konrads Schicksal und entdeckt in seiner Wohnung einen Plan wie er zum Laden kommt und wieder zurück zur Wohnung. Im Kühlschrank liegt seine Brieftasche. Er erzählt von schönen Geschichten aus Kindertage, aber sowohl Thomas als auch Vera blocken da ab. Nach einem weiteren Zwischenfall und der Diagnose Alzheimer wohnt Konrad Lang ab sofort im Gästehaus der Familie Senn. Irgendetwas scheint nicht zu stimmen und die junge Frau will hinter das Geheimnis kommen und tritt in ein Wespennest, wo es auch sehr gefährlich werden kann. Martin Suters Debut Roman ist ein Meisterstück und ein genialer Thriller. Eine Geschichte über Mut, Freundschaft, Familie, Gefahr und die Schatten der Vergangenheit. Großartig!

  24. Cover des Buches Reality-Show (ISBN: 9783257239430)
    Amélie Nothomb

    Reality-Show

     (147)
    Aktuelle Rezension von: daydreamin

    In dieser kurzen Erzählung steht eine Reality-TV-Show im Fokus, in der Gefangene in einem Konzentrationslager gehalten und von ausgewählten Kapos erniedrigt werden. Jeder ihrer Schritte wird von Kameras überwacht, die das Geschehen in die Welt übertragen. Im Laufe des Buches wird zu immer krasseren Methoden gegriffen, um die Quoten noch weiter zu steigern.

    Näher beleuchtet werden die Bewohnerin Pannonica und Kapo Zdena. Pannonica steht für Unschuld, Reinheit, Schönheit, Gerechtigkeit, fast schon Heiligkeit, aber auch Selbstbestimmung und Bewahrung ihrer Würde, so gut es unter den beschriebenen Umständen eben geht. Im Gegensatz dazu ist Zdena stolz auf ihre Ernennung und lebt die ihr gegebene Macht auch aus. Auf den ersten Blick scheint die Einteilung in Gut und Böse einfach, doch Amélie Nothomb versäumt es nicht, auch die riesige Zuschaueranzahl in die Verantwortung zu ziehen, die im Schutze der Anonymität nicht nur zum Erfolg der Sendung beiträgt, sondern auch aktiv wird. 

    Obwohl mir der Schreibstil und der Kern des Buches gut gefielen, hatte ich so meine Probleme mit den Figuren. Sie wirkten alle leider etwas platt und konnten mich nicht überzeugen, sodass ich leider auch glaube, dass mir das Buch insgesamt nicht sehr lange in guter Erinnerung bleiben wird. Mein letzter Roman der Autorin soll "Reality-Show" aber keineswegs bleiben.

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