Bücher mit dem Tag "dirigent"
18 Bücher
- Donna Leon
Venezianisches Finale
(458)Aktuelle Rezension von: JulianchenIch bin großer Venedig-Fan, die Bücher um Guido Brunetti habe ich bisher aber noch nicht gelesen. Nun habe ich einen erneuten Besuch in meiner Lieblingsstadt zum Anlass genommen, den ersten Teil zu probieren. Ich muss sagen, ich bin sehr positiv überrascht. Ich hatte etwas Sorge, dass die Handlung recht langsam erzählt ist und wie in den szenisch sehr schön inszenierten Verfilmungen etwas die Spannung fehlt. Doch diese Angst ist unbegründet. Die Autorin beschreibt sehr packend und ohne den Täter vorweg zu nehmen, die Ermittlungen rund um den Mord an einem Stardirigenten. Feinde und Neider hatte er viele, doch wer hasste ihn genug, um ihn zu vergiften. Nach und nach enthüllen sich Geheimnisse aus der Vergangenheit und es bietet sich ein Bild des Grauens. Die Figuren sind sehr schön beschrieben und auch die kleineren haben Profil. Die Schauplätze der Stadt und das besondere Flair sind wunderbar eingebunden. So spaziert man gemeinsam mit Brunetti durch die Lagunenstadt. Mein erster, aber sicher nicht mein letzter Brunetti.
- Robert Seethaler
Der letzte Satz
(222)Aktuelle Rezension von: CCCIch habe 4 von 5 Sternen vergeben, denn Seethaler überzeugt mit einer imposanten Sprache und einer klar strukturierten Komposition, die mich tief bewegt hat.
In der Rahmenhandlung sitzt Gustav Mahler, gezeichnet von Krankheit, im April 1911 auf dem Dampfer Amerika auf dem Weg von New York nach Europa. Eingehüllt in Decken, fiebrig und schwach, lässt er sein Leben noch einmal Revue passieren . Diese stille Reise öffnet den Raum für innere Monologe – gegenwärtige Eindrücke treffen auf Erinnerungen an Kindheit, Jugend, die glanzvollen Wiener Jahre, seine revolutionäre Arbeit an der Hofoper, den tragischen Tod seiner Tochter Maria, die komplexe Beziehung zu Alma, die brisanten Affären und sogar Freud-Besuche.
Seethaler erzählt in schnörkelloser, fast knapper Prosa, die dennoch voller Emotionen und Klang ist – eine Art literarische Symphonie, in der jedes Motiv sitzt (z. B. der Tee mit dem Schiffsjungen, das Zwiegespräch mit Alma) . Ich fühlte mich nah an Mahler, spürte sein Ringen mit Krankheit, Versagen und Ruhm. Doch ebenso spürte ich Respekt, wie behutsam Seethaler den sterbenden Giganten portraitiert – die Sprache atmet die Würde der Figur.
Die Komposition des Romans – zwei Tage auf See mit Rückblenden in Mahlers Leben – wirkt wie ein musikalisches Werk mit Themen, Variationen und einem leisen Rückzug ins Unausgesprochene. Für mich eine sehr gelungene Struktur.
Seethaler verzichtet bewusst auf ausführliche Musik‑Analysen oder detaillierte biografische Daten. Mahler selbst sagt: „Man kann über Musik nicht reden, es gibt keine Sprache dafür“ . Das fand ich mutig: Der Fokus liegt auf dem Menschen hinter dem Genie, nicht auf der Kunst als solche. Das lässt Raum zum Nachdenken – perfekt für eine gute Buchclub‑Diskussion.
Punkteabzug?
Ich hätte mir gelegentlich etwas mehr Tiefe in den Dialogen gewünscht – manche Szenen wirkten fast wie filmische Skizzen, eindrücklich, aber etwas kurz entfaltet. Auch die bewusste Reduktion auf das Wesentliche mag Lesende, die mehr Fleisch um die Knochen erwarten, irritieren.
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Fazit:
Seethalers imposante, scheinbar zurückhaltende Sprache und die fein gesetzte Komposition machen „Der letzte Satz“ zu einem kurzweiligen, dennoch tief berührenden Porträt eines großen Künstlers. Er hat eine literarische Mini‑Sinfonie geschrieben, die mich zum Nachdenken über Leben, Tod, Kunst und Erinnerung gebracht hat. Klug, ehrlich, rhythmisch – ein würdiger Abschied
- Wolfgang Rögner
tacet: Aus dem Tagebuch eines Kapellmeisters
(4)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerDas Buch „Tacet: Aus dem Tagebuch eines Kapellmeisters“ von Wolfgang Rögner illustriert von Christian Schöppler erzählt aus dem Leben eines Kapellmeisters.
Das Buch ist total schön illustriert und die Erzählungen und Anekdoten sind zum Teil sehr lustig. Es gibt außerdem viele Gedichte, die zum Teil sehr schön, und die Rezepte hören sich sehr lecker an. Außerdem gibt es noch zwei Zusatzkategorien: Songtexten und Kalendersprüche.
Mich hat dieses Buch leider nicht überzeugt und auch nicht erreicht. Mir waren es dann doch zu viele Gedichte und damit zu viele Unterbrechungen in der eigentlichen Geschichte. Ich finde, der Autor hat einem das Leben eines Kapellmeisters ganz gut nahe gebracht und ich hatte einiges zu schmunzeln. Die Illustrationen haben mir sehr gut gefallen.
Alles in allem gebe ich diesem Buch vier Sterne!
- Robert Seethaler
Der letzte Satz
(15)Aktuelle Rezension von: Jana_hat_buecherGustav Mahler, der weltbekannte Musiker, befindet sich auf einem Schiff zwischen New York und Europa. Hier lässt er seine Gedanken in die Vergangenheit schweifen. Zu seiner großen Liebe, seinen zwei Töchtern (eine von ihnen ist früh gestorben) und seiner persönlichen Erfolge. Doch diese Schifffahrt wird seine letzte sein.
Um ehrlich zu sein, kannte ich Gustav Mahler bis zum Zeit des Hörbuchs nicht, da mich diese Art der Musik nicht anspricht. Die Erzählung hat mir gefallen, allerdings nicht wirklich überzeugen können. Die Sprünge in der Geschichte zwischen Vergangenheit und Gegenwart habe ich ab und zu nicht nachvollziehen können und die Geschichte an sich nicht in ihren Bann. Eventuell geht es Mahler-Kennern anders.
- Tatjana Kruse
Glitzer, Glamour, Wasserleiche
(66)Aktuelle Rezension von: Brockenhexe-1976Die Möglichkeit Krimi mit Komödie zu verbinden, gelingt Tatjana Kruse wahnsinnig gut. Die beiläufig erwähnten Beschreibungen mancher Situationen sind Lachgarantien.
Ich liebe es einfach!
Pauline Miller lässt einfach kein Fettnäpfchen aus, nur um ihrem Boston Terrier zu retten. Als Diva, gar nicht mal so einfach.
- Hans van der Geest
Das Kuckuckskind
(9)Aktuelle Rezension von: valle87Das Kuckuckskind, leider wird beim Klappentext schon sehr viel veraten. Und ein "Roman" ist es auch nicht.
Es ist mehr eine Erzählung und diese sehr ausführlich. Im ersten Teil lernen wir Paul kennen und zwar von klein auf, so geht es dann weiter mit den wichtigen Charakteren.
Dennoch vergebe ich hier 4 Sterne. Ich habe mir unter dem Buch was anderes vorgestellt, aber es lässt sich dennoch sehr gut lesen.
- Achim Zygar
Tod eines Musikers - Haverbeck ermittelt und lernt eine merkwürdige Welt kennen
(2)Aktuelle Rezension von: sansolDieser Krimi ist in wirklich flüssigem Stil geschrieben und gehört trotz seiner beiden Todesfälle in die unblutige Kategorie. Leider ist die ganze Geschichte über keine wirkliche Spannung aufgekommen. Vieles war unlogisch, die Polizisten benehmen sich schonmal wie Deppen, ein Anwalt verplappert sich in einem Gespräch mehrfach und der Mörder präsentiert alles auf dem Silberteller, ja klar…
Die Charaktere sind schlüssig beschrieben (bis auf eine Ausnahme) und das Milieu rund um das Orchester hat mir auch gefallen. Was ich allerdings als absoluten Negativpunkt anführen möchte sind die Titel der Kapitel. Die nahmen an manchen Stellen doch vieles vorweg.
Die für mich sehr plötzliche und in der Richtung überraschende Wandlung von Marietta war meiner Meinung nach nicht nachvollziehbar. Ein Epilog in der Form dass Marietta nun diese drei Frauen als Freundinnen hat und mit ihnen feiert wäre gut und passend gewesen – so war das letzte Kapitel in meinen Augen leider absolut unnötig und deplaziert, es zog die unterhaltende Geschichte deutlich nach unten. Schade.
Eine weitere Chance für Haverbeck? Wohl eher nicht.
- Peter Stangel
Was macht das Horn im Wald?
(1)Aktuelle Rezension von: mabuerele„...Wenn viele Leute gemeinsam singen, nennt man es Chor. Wenn sie zusammen Musik machen, indem sie auf Instrumenten spielen, dann heißt es Orchester...“
Mit dem Kinderbuch wollen die Autoren einen Überblick über die Instrumente des Orchesters geben. Das Eingangszitat stammt aus der Einleitung. Hier erfahren die Kinder, welche vier Instrumenten-Familien es gibt.
Danach werden die Streichinstrumente, die Holzblasinstrumente, die Blechblasinstrumente, die Schlaginstrumente und außerdem die Harfe vorgestellt.
Der Aufbau ist für jede Instrumentenfamilie der gleiche. Zuerst werden die Instrumente genannt und ihre Gemeinsamkeiten hervorgehoben.
Danach wird das erste Instrument auf einer Doppelseite beschrieben. Die rechte Hälfte beinhaltet die Abbildung mit Spieler oder Spielerin. Wesentliche Teile des Instruments sind beschriftet. Links erfährt das Kind in Worten, wie es aufgebaut ist, wozu die einzelnen Teile dienen und wie es gespielt wird. Es gibt eine einzige Ausnahme. Der Geige werden drei Doppelseiten gewidmet.
Die letzten Seiten des Buches erhalten Informationen zur Aufgabe des Dirigenten und zum Ablauf eines Konzertes. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass wichtige Instrumente fehlen, weil sie meist nicht im Orchester gespielt werden, so die Orgel.
Der Aufbau der Seiten ist sehr schön gestaltet. Der Name des Instruments steht groß in Notenzeilen. Grundlegende Begriffe werden im Text rot hervorgehoben. Die Abschnitte sind kurz. Der Inhalt ist für die Zielgruppe leicht verständlich formuliert.
In einer Art grau unterlegten Notizzetteln gibt es Zusatzinformationen, zum Beispiel diese.
„...Das mit den Stimmen ist bei den Instrumenten wie bei den Menschen: Meist haben die kleinsten die höchsten und die größten die tiefsten Stimmen...“
Dem Buch beigelegt ist eine CD. Darauf stellt die Taschenphilharmonie die einzelnen Instrumente mit ihrem Klangbild anhand ausgewählter Stücke vor. Die Trackliste befindet sich auf der hinteren Umschlagseite innen. Ein Sprecher führt durch die CD, indem er wesentliche Dinge aus dem Buch wiederholt.
Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Ich könnte es mir als Sachbuch nicht nur in den Familien, sondern in jedem Kindergarten vorstellen.
- Jürgen Theobaldy
Mein Schützling
(1)Aktuelle Rezension von: SebastianGarthoffMarus Lorbert ist ein Meister seines Fachs – und als solcher haben es diejenigen nicht leicht, die unter der Fuchtel des brillanten Dirigenten stehen. Nur sein Agent kommt mit dem Genius in Jürgen Theobaldys Novelle „Mein Schützling“ klar. Doch eine „unerhörte Begebenheit“ stellt auch diese Verbindung auf die Probe. Theobaldys schildert all das in mitunter atemlosen Sätzen, bei denen sich die Gedanken gelegentlich überschlagen. So stellt man sich Gespräche inmitten einer zuweilen affektierten Hochkultur vor. Doch so amüsant sich das stellenweise liest, so strengt es auch an. Man wünschte sich, Theobaldy hätte hin und wieder einen Punkt eingefügt, um den Gedanken- und Erzählfluss zu verlangsamen und dem Lesenden eine kurze Verschnaufpause zu gönnen.
- Henri Pose
Mord an der Alster
(10)Aktuelle Rezension von: Franco1809Inhalt:
Privatdetektiv David Brügge wurde von seiner Freundin verlassen und auch beruflich sieht es nicht sehr rosig aus. Dann wird bei einem Abendessen sein bester Freund und Dirigent des Hamburger Orchesters ermordet. David beginnt zu ermitteln. Dabei trifft er immer wieder auf die Reporterin Maria, die mehr zu wissen scheint, als sie zunächst zugibt. Zwischen den beiden funkt es und sie beschließen eine Zusammenarbeit. Als sie sich jedoch auf den Maskenball einer verdächtigen Unternehmergruppe einschleichen, werden sie Zeugen eines Angriffs und geraten schließlich selbst ins Visier ...
Meine Meinung: Das Buch liest sich schnell und flüssig, der Stil ist schnörkellos und gefiel mir sehr gut. Die Charaktere haben mir mit ihren Hintergrundgeschichten zum großteil sehr gut gefallen. Es war eine schnelle, spannende Lektüre mit einem ziemlich schockierenden Ende. Ich freue mich auf weitere Bücher des Autors! - Gabriela Hesz
Wenn die Liebe Funken schlägt
(7)Aktuelle Rezension von: Sorriso1966Die Geschichte um Leni, Michel, Ben und Anatol bescherte mir kurzweilige, vergnügliche Lesestunden!Oft brachten mich die Schilderungen über Lenis loses Mundwerk zum Schmunzeln. Leni ist eine Frau, die ihr Herz auf der Zunge trägt. Die sich nicht um Konventionen schert.
Dass sie damit nicht immer auf Gegenliebe stößt, ist unumgänglich.
Nur so ist es auch zu erklären, dass sie mit Michel Lorenz, dem berühmten Stardirigenten der Salzburger Festspiele aneinandergerät. Immer wieder kreuzen sich ihre Wege, immer wieder gibt es einen verbalen Schlagabtausch.
Leni erliegt nach und nach dem Charme des Weiberhelden und verliebt sich in ihn. Aber da gibt es ja auch noch Ben, Michels Bruder. Leni mag Ben, doch Liebe empfindet sie nur für Michel.
Als Leserin konnte ich diese emotionalen Irrungen und Wirrungen von Leni nicht verstehen. „Warum bist du so blind? Nimm Ben!“ hätte ich Leni am liebsten zugerufen.
Für mich war das Ende der Geschichte so wie es ist, keineswegs absehbar!
Von einem Buch erwarte ich, dass es mich gut unterhält und das ist der Autorin mit Wenn die Liebe Funken schlägt vom Anfang bis zum Ende gelungen!
- Janne Mommsen
Mein wunderbarer Küstenchor
(55)Aktuelle Rezension von: Engelchen07Der Roman "Mein wunderbarerer Küstenchor" von Janne Mommsen entführt uns dieses mal nicht, wie vom Autor gewohnt auf eine Insel, sondern an die Küste Mecklenburgs, nach Klütz.
Die Saison in Klütz ist vorbei, das Hotel in dem Britta arbeitet schließt seine Türen über die Wintermonate, da dort keine Touristen erwartet werden. Jetzt freut sich Britta auf die Chorproben mit ihrem mitgegründeten gemischten Chor. Sie wollen unbedingt an einem Wettbewerb im finnischen Städtchen Tampere angemeldet und sind schon fleißig am Proben, Planen und einheitliche Kleidung gestalten.
Doch dann kommt die Hiobsbotschaft schlechthin. Der Chorleiter muß berufsbedingt in den Süden ziehen und kann den Chor nicht mehr weiterleiten. Dann springen auch noch 2 Männerstimmen ab und aus dem gemischen Chor wird schnell ein reiner Frauenchor, doch das will Britta so nicht einsehen.
Sie bemüht sich sehr um einen neuen Chorleiter, schließlich ist der Chor viel mehr als nur eine Singstunde für Britta. Für Britta ist der Chor schon fast wie eine Famiile. Kurzerhand beschließt Britta den Chor selber zu leiten und versucht noch 2 früher Männerstimmen wieder mit ins Boot zu holen um den Chor in Finnland gut dastehen zu lassen.
Ein amüsanter, witziger, unterhaltsamer und schöner Roman aus dem Hause Mommsen. Mir hat er wieder gut gefallen. Ich habe mich in der Chorgemeinschaft sehr wohl gefühlt und man konnte die gute Stimmung beim Singen tatsächlich aus den Seiten herauslesen.
- Erich Kästner
Das doppelte Lottchen SA (CD)
(8)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderDie Zwillingsmädchen werden bei der Geburt getrennt, weil sich auch die Eltern der Mädchen trennen. So wächst eines der Mädchen bei dem Vater auf, während das andere Mädchen bei der Mutter aufwächst und ihr zu Hause findet. In einem Ferienlager lernen sich die Beiden Mädchen kennen und finden dann bald heraus, dass sie Geschwister sind. Nun wird es natürlich schon im Ferienlager ein großer Spaß für die Mädchen. Am Ende wird es aber noch abenteuerlicher. Nun geht jede zu dem Elternteil, wo vorher das andere Mädchen war. Bald wundern sich die Eltern über die Mädchen, weil plötzlich so viel anders ist, aber optisch doch alles im Reinen ist. Erich Kästners Das doppelte Lottchen ist ein absoluter Klassiker und ist immer wieder wunderbar zu lesen und ist einfach zeitlos.
- Urs Widmer
Der Geliebte der Mutter
(72)Aktuelle Rezension von: ClaudiasWortwelten„Heute ist der Geliebte meiner Mutter gestorben“, lautet der erste Satz von Urs Widmers 2000 erschienenem Roman Der Geliebte der Mutter, in dem der Sohn, der Ich-Erzähler, die Geschichte der lebenslangen, unerfüllten und selbstzerstörerischen Liebe seiner Mutter Clara zu dem egozentrischen Dirigenten Edwin aufzeichnet."Die Mutter liebte ihn ihr ganzes Leben lang. Unbemerkt von ihm, unbemerkt von jedermann."
Clara, die vom Erzähler stets nur „die Mutter“ genannt wird, stammt aus wohlhabendem Haus und ist jung, reich und schön als sie den talentierten aber mittellosen Dirigenten Edwin kennenlernt. Nach dem frühen Tod ihrer Mutter muss sie sich alleine um den Haushalt und ihren Vater kümmern, der seine Tochter tyrannisiert und immer wieder demütigt und erniedrigt. Zerstreuung findet sie lediglich in der Musik und bei regelmäßigen Konzertbesuchen des neu gegründeten „Jungen Orchesters“. Sie ist voller Bewunderung für den jungen Dirigenten, der vor allem neue, verpönte und unkonventionelle Musik spielt, und verliebt sich unsterblich in ihn. Hingebungsvoll unterstützt sie das „Junge Orchester“, wird zum „Mädchen für alles“ und investiert nicht nur ihre Arbeitskraft, sondern auch ihr Geld, um Edwin zu ersten Erfolgen zu verhelfen.
"Vor den Proben stellte die Mutter die Stühle und Pulte bereit, zentimetergenau. Sie prüfte ob der Raum genügend geheizt war. Ob ein Gebläse rauschte. […]
Edwin merkte nicht einmal, daß er die Türen nicht mehr selber öffnete."Clara organisiert auch eine Gastspielreise nach Paris, auf der sie mit Edwin eine erste Liebesnacht verbringt. Während er sie nach wie vor nur beiläufig wahrnimmt, unterstützt sie ihn weiterhin bei seinem kometenhaften Aufstieg. Über Nacht verarmt Clara, verliert nach dem Tod ihres Vaters durch den Börsenkrach 1929 ihr gesamtes Vermögen, muss ihr Elternhaus verkaufen und bezieht ein kleines Zimmer. Dort besucht Edwin sie hin und wieder und zwingt sie, als sie schwanger wird, zur Abtreibung. Als sie ihm nicht mehr nützlich sein kann, bricht er den Kontakt stillschweigend ab und heiratet die reiche Alleinerbin einer Maschinenfabrik – nur zufällig erfährt Clara von der Hochzeit ihres Geliebten. Rücksichtslos und unaufhaltsam verfolgt Edwin seine Karriere, zu der sie ihm verholfen hatte, avanciert nicht nur zu einem berühmten Dirigenten, sondern auch zu einem erfolgreichen Unternehmer und zum reichsten Mann der Schweiz, während die Mutter allein und leidend zurückbleibt. Auch sie heiratet eines Tages, bekommt einen Sohn, den Erzähler, verharrt aber weiterhin in einer zum Kult ausartenden Leidenschaft zu Edwin.
"Irgendwann aber hatte sie ihren Text gefunden, und der war: Edwin, Edwin, Edwin, Edwin. Jede Faser des Körpers der Mutter rief Edwin. Bald sangen alle Vögel Edwin, und die Wasser glucksten seinen Namen."
Nachts geht sie mit ihrem kleinen Sohn durch den Wald zum See und starrt hinüber ans andere Ufer zu Edwins Villa. Jahrelang erhält sie von ihm zum Geburtstag eine Orchidee und eine Karte, doch das erledigt Edwins Sekretariat, wie der Erzähler später erfährt. Eines Tages besucht sie wieder eines seiner Konzerte, doch er beachtet sie nicht und sieht sie nur ungerührt an – die Mutter bricht zusammen.
"In dieser Nacht saß die Mutter auf der Couch, biss in ein Kissen und rief: “Ich kann nicht mehr.” Sie schlug den Kopf gegen die Wand. Sie konnte nicht mehr. Ein Arzt wurde geholt, und sie wurde weggeführt, ein wimmerndes Bündel mit dem Pelzkragenmantel um die Schultern."
Die Mutter wird in eine Heilanstalt gebracht und mit einer Elektroschocktherapie behandelt. Als sie entlassen wird, geht sie nicht mehr zum See, besucht aber immer wieder Konzerte des Jungen Orchesters. Wiederholt versucht sie sich umzubringen und will auch ihren kleinen Sohn mit in den Tod nehmen. Hitler und Mussolini erobern Länder, es herrscht Krieg und Naziterror, aber all das zieht ungeachtet an ihr vorbei, hat keine Bedeutung in ihrem Leben, das ausschließlich von ihrer Liebe und besessenen Leidenschaft zu einem einzigen Mann geprägt ist. Im Alter von 82 Jahren stürzt sie sich aus dem Fenster eines Altersheims auf das Dach eines Fiat 127.
“Edwin”, sagte sie. Dann sprang sie. Nun schrie sie, glaube ich. “Edwin.” In ihr drin das Tosen all dessen, was sie in zweiundachtzig Jahren erlitten hatte, oder das Brüllen der Anfänge. […]
Die Geschichte ist erzählt. Diese Geschichte einer Leidenschaft, einer sturen Leidenschaft. Dieses Requiem. Diese Verneigung vor einem schwer zu lebenden Leben."Im Epilog berichtet der Sohn, wie er Edwin nach dem Tod seiner Mutter eines Tages begegnet. Er möchte ihn zur Rechenschaft ziehen, doch der große Dirigent, die „Jahrhundertfigur“, erinnert sich kaum noch an Clara und verspottet ihren Sohn.
"Dann stand ich einfach nur so da und horchte seinen verhallenden Schritten nach. Seinem immer leiseren Gelächter. Eine Tür schlug zu, und es war wieder still."
Meine persönliche Meinung:Selten hat mich ein Buch so berührt, wie dieser schmale, nur 130 Seiten umfassende Roman von Urs Widmer, bei dem es sich nach eigenen Aussagen des Autors um ein biographisches Porträt seiner Mutter handelt. Es ist kleines und dennoch eines der größten Bücher, die ich kenne – ein Buch, das mich auch nach dem Lesen lange nicht loslässt. Ich habe den Roman mehrfach gelesen und bin jedes Mal aufs Neue zu Tränen gerührt. Man durchlebt und durchleidet an der Seite des Erzählers den Lebens- und Leidensweg einer Frau, die seit ihrer Kindheit unterdrückt wurde, der Anziehungskraft eines rücksichtslosen und egomanischen Mannes erliegt und schließlich in einer ohnmächtigen, stillen und unerwiderten Liebe und Leidenschaft zu diesem Mann verharrt und an ihr zerbricht. Man spürt die Wut des Erzählers, der um seine Kindheit und um seine Mutter betrogen wurde, aber dennoch ist der Text nie anklagend, sondern eine liebevolle und warmherzige Hommage auf eine Frau, die zeitlebens in ihrer unerfüllten Sehnsucht gefangen war, weil sie nicht anders konnte. Es ist ein Buch über verschmähte Liebe, die Ohnmacht der Gefühle und über die Selbstvernichtung einer Frau, die an der Machtbesessenheit eines egozentrischen Mannes zugrunde geht.
- Tamera Alexander
Rebekkas Melodie
(22)Aktuelle Rezension von: NelingRebekka eine junge Musikerin hat einen für ihre Zeit unmöglichen Traum. Sie möchte als Geigerin in einem Orchester auftreten. Doch das ist 1871 in Nashville / Amerika noch nicht möglich.....
Der Francke Verlag steht für gute christliche Romane und hat mit Rebekkas Melodie ein Buch verlegt, welches berührt und sehr gut unterhält. Das war mein zweites Buch der Autorin und es gefiel mir sehr gut. Ich erfuhr erst hinterher dass Rebekkas Melodie der 3. Teil einer Serie ist. Aber die Bücher sind in sich abgeschlossen, jeweils steht eine andere Protagonistin im Vordergrund. Rebekka war mir nicht gleichermaßen sympathisch, machte aber im Laufe des Romans eine positive Entwicklung durch. Besser gefiel mir der junge Maestro "Tate".Auch die Handlung nimmt in der zweiten Hälfte an Fahrt auf, wird richtig spannend. Grade der Abschnitt bei Tates Eltern in den Bergen gefiel mir ganz besonders und sprach mich sehr an. Da kommt auch die christliche Botschaft klar durch.Das gefiel mir gut, ebenso wie der histrische Hintergrund. Aber auch wer es gern ein wenig romantisch hat, kommt bei Rebekkas Melodie auf seine Kosten. So empfehle ich das Buch gern weiter und vergebe 5 von 5 Sternen.
- Ingrid Walther
Madame Beaumarie und die Melodie des Todes
(27)Aktuelle Rezension von: JudithaMadame Beaumarie kenne ich seit dem Krimi „… und der Winter in der Provence“, nicht jedoch als Hörbuch, sondern in gedruckter Fassung. Erst jetzt stelle ich fest, dass „Madame Beaumarie und die Melodie des Todes“ schon 2020 erschienen war. Umso überraschender, dass der Titel mir jetzt als Hörbuch begegnet. Und auch eine Freude, denn Madame Beaumarie hatte mir schon beim Lesen recht gut gefallen. Brigitte Carlsen als Erzählerin liest dieses Hörbuch so frisch und fesselnd, dass es eine Freude ist.
Die Story ist zwar nun nicht vollkommen überraschend, es gibt ja so unendlich viele Frankreich-Krimis, aber ich finde, für einen Urlaubskrimi, der in der Provence spielt, ist sie durchaus annehmbar und unterhaltsam.
Madame Beaumarie, eine frisch pensionierte Polizeikommissarin aus Paris, der sozusagen ein Ruf vorauseilt(e), trifft natürlich ohne zu zögern auf Mord- und Todschlagopfer. Der erste ist ein Dirigent, der mit nicht gerade anheimelnden Charaktereigenschaften aufwartet und im schönen Avignon auch nicht nur mit offenen Armen empfangen wird. Es kommt, wie es kommen muss in einem Krimi, er stirbt eines unnatürlichen Todes.
Madame Beaumarie macht derweil auch noch die Bekanntschaft mit Monsieur Florentine, wem das gefällt, der kann gern den Verlauf der sich möglicherweise anbahnenden Beziehung in den beiden Folgebänden nachlesen.
Ich erzähle über den Krimi nun nichts mehr, nur selbst lesen wird Sie auf die Spur bringen. Das Buch/Hörbuch hat einen einnehmenden Stil, es macht Spaß, mit Ingrid Walther die Provence zu bereisen.
Fazit: Ich empfehle das Buch allen, die eine angenehme, leichte und doch mörderische Krimilektüre zur Entspannung mögen. Gute 4 Sterne.
- Tatjana Kruse
Schampus, Küsschen, Räuberjagd
(36)Aktuelle Rezension von: Thommy28Einen kurzen Blick auf das Geschehen ermöglicht die Kurzinfo hier auf der Buchseite. Meine persönliche Meinung:
Der dritte Band der Reihe um die Operndiva Pauline Miller steht den beiden Vorgängern in nichts nach. Die Handlung wimmelt von komischen und verrückten Aktionen und Begebenheiten. Dazu kommen wieder herrliche Dialoge und köstliche Kabbeleien.
Der Spannungsanteil ist recht gering, aber in diesemGenre auch eher unter zu ordnen. Dafür vermag es die Autorin mit ihrer leichten und flüssigen Schreibweise den Leser zu fesseln.
Mir hat das Buch wieder sehr gut gefallen. Ob es wohl noch einen Nachfolgeband geben wird??
- Bianca Palma
Römische Ermittlungen
(11)Aktuelle Rezension von: Booky-72Die junge Geigerin Geraldine Dvorsky hat einen Unfall und verliert dadurch ihre vielversprechende Karriere. Der Schuldige am Unfall wird ermordet und die Geigerin gerät natürlich in Verdacht. Doch schon bald gibt es neue Hinweise, andere Verdächtige tauchen auf.
Ganz interessante Idee und die Umsetzung der Ermittlungsarbeit soweit gut, dass wir uns in Rom umtreiben und die Opernszene besser kennenlernen.
Ein bisschen mehr hatte ich mir aber an Spannung erwartet, die leider zu kurz kommt. Das eigentliche Thema verliert sich immer wieder. Die Bewertung kann daher nicht so hoch sein. Etwas kürzer gehalten wäre hier besser gewesen, denn erst im zweiten Teil steigerte sich die Spannung mit der Annäherung an die Aufklärung.
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