Bücher mit dem Tag "doppelagent"

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46 Bücher

  1. Cover des Buches James Bond - Casino Royale (ISBN: 9783864250705)
    Ian Fleming

    James Bond - Casino Royale

     (88)
    Aktuelle Rezension von: Holden
    Der Auftakt zur Bond-Reihe von Ian Fleming, und das Buch, mit dem die Filme mit Daniel Craig begannen: Bond wird beauftragt, sich nach Royale-les-Eaux in Nordfrankreich zu begeben, um es dem Sowjetagenten Le Chiffre zu verhindern, daß dieser sich am Bakkarattisch bereichern kann. Das Geld benötigt dieser dringend, um die Gewerkschaftskasse der kommunistischen Gewerkschaft auszugleichen auszugleichen, die dieser zuvor geplündert hatte. Sehr spannend und die Geburtsstunde einer Filmfigur für die Ewigkeit. Ich fände eine wortgetreue Verfilmung interessant, mit Le chiffre als Agent der UdSSR und Vesper als MWD-Agentin, aber natürlich ohne Bonds Sexismen.
  2. Cover des Buches Der Sympathisant (ISBN: 9783896675965)
    Viet Thanh Nguyen

    Der Sympathisant

     (38)
    Aktuelle Rezension von: leselea

    Den Inhalt von Viet Thnah Nguyens Roman Der Sympathisant zusammenzufassen, fällt alles andere als leicht: Der namenlose Protagonist ist ein Spion, ein Doppelagent, der für die Republik Südvietnam arbeitet, seit seiner Jugend aber der kommunistischen Bewegung aus dem Norden angehört. Als Saigon 1975 fällt, flieht er zusammen mit anderen Mitgliedern der vietnamesischen Elite in die USA. Das Leben im Exil fällt ihm anders als vielen seiner Landsleute leichter, wohl auch da er aufgrund seines Status – er gilt als Bastard einer vietnamesischen Mutter und eines französischen Pfarrers –, selbst im eigenen Land nie wirklich dazugehörte. Obwohl er dem westlichen Lebensstil nicht gänzlich abgeneigt ist, fühlt er sich weiterhin den Gedanken des Kommunismus verpflichtet und beschließt – natürlich erneut unter Tarnung – nach Vietnam zurückzukehren. Doch seinen Genossen kommt er nach der langen Zeit im Westen verdächtig vor, sodass er nach seiner Einreise in einem Umerziehungslager des Vietcongs landet. Sein Aufenthalt hier stellt den Ausgangspunkt des Romans dar, von dem er aus rückblickend sein Leben zusammenfasst, bis er schließlich voller Zweifel selber nicht mehr weiß, an was er glauben soll.

    Diese Zusammenfassung macht vielleicht schon deutlich, wie dicht und komplex Nguyens knapp 530 Seiten langer Roman ist, für den er 2016 den Pulitzer-Preis erhielt. Die Geschichte vereint Elemente des Spionagethrillers, des Politromans, aber auch der Sozialkritik und des Entwicklungsromans. Zur inhaltlichen Fülle gesellt sich zudem ein ausufernder Erzählstil: Der doppelsichtige Protagonist erweist sich schon auf den ersten Seiten als sehr wortgewandt, benutzt viele Metaphern und bildhafte Vergleiche und neigt dazu, seinen Wortschwall in einen sehr hypotaktischen Satzbau zu verpacken. Hinzu kommt, dass seine Erzählung für viele westliche Leser nicht immer leicht zugänglich ist: Gerade zu Beginn und zum Ende des Romans, wenn der Protagonist sich in Vietnam aufhält und die politische Situation der 1960er bis 1970er Jahre nachzeichnet, erscheint die Geschichte wie ein wortreiches Dickicht, durch das man sich durchkämpfen muss – und dabei definitiv Wikipedia an seiner Seite braucht.

    Gerade dieser letzte Punkt macht es mir unheimlich schwer, das Buch angemessen zu bewerten. Ich habe während der Lektüre durchaus viel gelernt, Der Sympathisant erhält viele interessante und erhellende Schilderungen, nicht nur über den Vietnamkrieg, sondern auch über die vietnamesische Gesellschaft und was es mit ihr macht, wenn die komplette Elite flieht. Vor allem die Passagen, die von den Integrationsbemühungen in den Vereinigten Status und den Traumata des Flüchtlingsstatus handeln, sind von beeindruckender Zeitlosigkeit und machen meiner Meinung nach die große Stärke des Romans aus. Zudem besticht der Roman trotz aller (oder gerade wegen?) erzählerischer Komplexität mit eindrucksvollen, beinahe filmreifen Szenen; die Geschichte ist dank des spöttischen und distanzierten Erzähltons der Hauptfigur gleichzeitig nicht ohne Witz und Leichtigkeit.

    Dennoch war mir Nguyens Mammutwerk insgesamt zu überbordend und, ja, auch zu langatmig. Die ständige Distanz zur Geschichte, die sich einerseits durch die Erzählhaltung ergibt, aber beispielsweise auch durch die fast komplette Namenlosigkeit aller handelnden Figuren, hat mich nie richtig in der Geschichte ankommen lassen. Die Suche nach dem roten Faden, der mir hier und da einfach zu fehlen schien, ermüdete auf Dauer; vor allem die letzten Kapitel im Umerziehungslager haben mich schließlich als Leser verloren und mir stellte sich immer wieder die Frage, was mir der Protagonist hier eigentlich erzählt und warum.

    Der Sympathisant ist zweifellos ein sehr lehrreiches und literarisch durchaus gekonntes Werk, das eine konzentrierte Lektüre verlangt und auch verdient. Deswegen rate ich trotz meiner 3 Sterne auch nicht von dem Roman ab und bin weit davon entfernt, ihn als schlecht zu bezeichnen. Ich habe mich im Endeffekt aber über zu viele Seiten gequält, dass ich mit einem guten oder befriedigten Gefühl aus der Geschichte hinaustrete. Vielleicht geht es anderen Lesern jedoch anders, das hoffe ich sehr!

  3. Cover des Buches Vamps and the City (ISBN: 9783899415179)
    Kerrelyn Sparks

    Vamps and the City

     (62)
    Aktuelle Rezension von: Akemi_Ramona_Grimm_Kaulfu_

    Lest das Buch selber! Ich bin begeistert davon.

  4. Cover des Buches Ruhelos (ISBN: 9783833305368)
    William Boyd

    Ruhelos

     (116)
    Aktuelle Rezension von: Filzblume

    Als Ruth sich mit ihrem fünfjährigen Sohn Jochen zum Cottage ihrer Mutter in die englische Provinz fährt, ahnt sie noch nicht, das sie erfährt, das der Name ihrer Mutter Eva Delektorskaja lautet. Erst denkt sie das Mama Sall durcheinander ist, doch ihre Mutter gibt ihr in zeitlichen Abständen immer einen Umschlag mit, in dem Ruth die Vergangenheit ihrer Mutter in Form von Berichten und Ereignissen liest. Nichtsahnend läßt sich die Tochter, die in Oxford wohnt, und Studenten Sprachhilfe gibt, auf die von der Mutter gelegten Fährte ein. 


     Doch Vergangenheit und Gegenwart verknüpfen sich hier, Geschickt und manipulativ versucht die Mutter durch ihre Tochter an die Wahrheit zu kommen. Die ruhelose Mutter, die schon fast paranoid, vorsichtig und vorausdenkend, ihre Tochter in ihre Vergangenheit einbindet, hat nur ein Ziel - eine Abschluss mit den Ereignissen im 2. Weltkrieg zu finden.  

    Die Ich-Erzählerin Ruth beginnt im Jahre 1970 an zu erzählen, als sich ihre Mutter offenbarte. Die Manuskripte, die sie erhält beginnen im Jahre 1939 und verteilen sich bis Kriegsende über verschiedene Aufenthaltsorte ihrer Mutter. 

    Denn Eva, die viele Namen hatte, wurde angeworben...

    Zitate:

    »Suchen Sie sich einen sicheren Unterschlupf. Wo auch immer. Überall, wo Sie sich für eine gewisse Zeit aufhalten, brauchen Sie Ihren persönlichen Zufluchtsort. Den dürfen Sie nicht mir, den dürfen Sie keinem verraten. Einfach ein Ort, zu dem Sie immer Zugang haben, wo Sie anonym bleiben, wo Sie sich, wenn nötig, verstecken können.«


    die wichtigste Regel, Regel Nummer eins, die man nie vergessen darf.«

    »Welche wäre?«

    »Traue niemandem«, 

    Manchmal hatte sie dieses ewige Misstrauen, die ständige Wachsamkeit gründlich satt – wie kann man überhaupt so leben?, fragte sie sich. Immer auf der Hut sein, alles beargwöhnen und ständig in Angst, verraten zu werden, aufzufliegen.

    Ein sehr spannendes Buch, ein Agententhriller und Roman zugleich. Boyd gelingt es die Mutter-Tochter Beziehung authentisch zu erzählen im Rahmen der Ereignisse zu Beginn und Ende des 2. Weltkrieges. 

     Ein sehr flüssiger Schreibstil mit viel Gefühl für die Protagonisten ohne in Klischees greifen zu müssen. Klare Leseempfehlung.

  5. Cover des Buches West of Liberty (ISBN: 9783570103012)
    Thomas Engström

    West of Liberty

     (20)
    Aktuelle Rezension von: ChrischiD

    Ludwig Licht schlägt sich mehr schlecht als recht in Berlin durch, besitzt eine Bar und schuldet einer windigen Persönlichkeit eine nicht unerhebliche Summe. Da kommt der Auftrag der CIA – mit denen er bereits in Zeiten des Kalten Kriegs kooperierte – gerade recht, auch wenn Licht ahnt, dass vieles ungesagt und im Dunkeln bleibt. Im Grunde bleibt ihm aber sowieso keine Wahl, wie hoch die Gefahr auch immer sein mag, bestimmt lässt sich auch noch einiges Wissen aus dem damaligen, aktiven Agentendienst abrufen…

    „West of Liberty“ ist der Auftakt einer Thriller-Serie rund um den Ex-Agenten Ludwig Licht. Der Grundgedanke liest sich gut und lässt viel Raum für eigene Interpretationen, die Umsetzung jedoch gestaltet sich anders als erwartet und ernüchtert zunehmend. Startet das Geschehen noch ziemlich rasant, mit viel Elan und vollem Einsatz aller Seiten, wird das Tempo im weiteren Verlauf immer mehr gedrosselt, die Handlung somit fast schon künstlich in die Länge gezogen. Auch den Charakteren scheint relativ schnell die Luft auszugehen, bei denen der Leser ohnehin tiefgründige Einblicke vermisst. Sicherlich unterliegt einiges der Geheimhaltung, nichtsdestotrotz hätte ein bisschen mehr Persönlichkeit der ein oder anderen Figur keineswegs geschadet. Mitunter fragt man sich natürlich, ob es sich hier nicht vielleicht um eine Taktik des Autors handelt, der auf einen besonderen Kniff hinarbeitet, um den Leser grundlegend zu überraschen. Ob die Hoffnung sich jedoch erfüllen wird, steht in den Sternen.

    Die Adaption als Mini-Serie mit durchaus namhaften Schauspielern erscheint leider in ähnlichem Licht. Positiv anzusehen ist selbstverständlich die Nähe zur Buchvorlage wie auch das Einfinden der Darsteller in ihre jeweiligen Rollen. Dennoch können sie ihnen leider ebenfalls nicht die notwendige Tiefe geben, um zumindest im Nachhinein ein besseres Verständnis für die Ereignisse zu vermitteln. Die Geschichte an sich mag klug durchdacht und mit kleineren unvorhersehbaren Wendungen gespickt sein. Von der erwarteten packenden Erzählung und dem undurchsichtigen Netz eines Spionage-Thrillers ist man jedoch noch ein gutes Stück entfernt.

    Nach einigem Abwägen, Vergleichen und Reflektieren kommt man zu dem Schluss eine solide Leistung – Buch wie Film – vor sich zu haben, die auf der Bewertungsskala im mittleren Bereich anzusiedeln ist. Ausgewogen, aber mit deutlich Luft nach oben und einigem ungenutzten Potential.

  6. Cover des Buches Dunkle Ernte (ISBN: 9783442475988)
    Simon Mockler

    Dunkle Ernte

     (2)
    Aktuelle Rezension von: simonfun
    Ein junger Bursche, intelligent, aber faul, Spieler und Verlierer, streitsüchtig und mit schlechter Kindheit verliert beim Pokern an der Uni viel Geld und verdingt sich als Versuchskaninchen. Dummerweise wacht er zu früh auf, erlebt die Exekution aller anderen Versuchskandidaten und kann fliehen. Die medizinischen Versuche mit den Wunderwaffen werden recht schnell abstrus und zweitrangig; erstrangig geht es in diesem Roman ums nackte überleben. Verschiedene Waffenhändler, Geheimdienste, Spione und Doppelagenten versuchen sich gegenseitig auszustechen, Vorteile zu ergaunern, viel Geld zu verdienen und Macht aufzubauen. Alle gehen dabei  irgendwie über Leichen und versuchen den Helden für sich einzuspannen.
    Dieses Durcheinander hat der Autor in seinem Debütroman zu einer spannenden und gut durchdachten Geschichte verschwurbelt und dabei seinen Helden vom Depp zum (fast) Superhelden verwandelt.
    Schreibstil ist sehr gut, Handlungsfaden logisch, Spannung immer wieder gut und sogar ein bisschen Herzschmerz wurden sensibel eingearbeitet.
    Doch trotz guter Einleitung ist der Roman eher als oberflächliche gute Unterhaltung zu verstehen. Hintergrundrecherche ist knapp und ein paar Logigfehler lenken von der wundersamen Heilung des Helden ab. Die Geheimdienstarbeit samt schneller Eingreiftruppe ist wie in einem Blockbuster formuliert und die Verwandlung des Vaters vom Säufer zum Helden legendär.
    Der Verdacht einer Fortsetzung kommt schnell und ich würde mich sogar auf diese freuen.
    Eigentlich vier Sterne; den fünften gebe ich für das Talent des Autors, mich an das Buch kleben zu lassen.
    Wie auch immer - lesenswert, Respekt und Daumen hoch!
  7. Cover des Buches Flavia de Luce - Tote Vögel singen nicht (ISBN: 9783734100772)
    Alan Bradley

    Flavia de Luce - Tote Vögel singen nicht

     (195)
    Aktuelle Rezension von: gleanserendipity

    Endlich erfahren wir was mit Flavias Mutter passiert ist, ebenso nimmt das Buch ein überraschendes Ende.

    Dann bleibt mir noch eine Frage: 

    Warum heißt der Titel "Tote Vögel singen nicht" bzw. was hat das mit dem Inhalt des Buches zutun? Für was steht das?

  8. Cover des Buches Der Friedhof in Prag: Roman von Eco. Umberto (2011) Gebundene Ausgabe (ISBN: B00FNATFNU)

    Der Friedhof in Prag: Roman von Eco. Umberto (2011) Gebundene Ausgabe

     (6)
    Aktuelle Rezension von: Jari
    Dieses Jahr ist das Jahr der enttäuschenden Lieblingsautoren. Nun also auch Umberto Eco. Dabei war dieses Buch als Ferienlektüre in Prag gedacht - ich meine, welches meiner Bücher hätte besser gepasst?
    Anfangs war ich noch neugierig, auch die Hauptfigur fand ich interessant. Grundsätzlich finde ich ja unsympathische Helden interessant. Die Sprache war für einen Eco sehr einfach gehalten, fast schon zu einfach. Als wolle Eco sich an die breite Masse wenden.
    Doch mehr und mehr enervierte ich mich über den Inhalt des Buches. Waren die Vorurteile und der Antisemitismus anfangs noch ziemlich unterhaltsam, so war es doch nach Seite 200 nur noch lästig. Was man hier an Antisemitismus und Schmähreden geliefert bekommt, ist unglaublich. Jeder andere Autor hätte sich sowas niemals leisten dürfen, auch nicht unter dem Argument, dass dies die Ansichten seiner Figur seien und nicht zwingend die des Schreibenden.
    Ich fand an keiner Stelle den richtigen Zugang zu diesem Werk. Nur die Szene, in der Alexandre Dumas auftaucht, fand ich wirklich gut. Auch dieses Hin und Her bezüglich der zu erledigenden Aufträge fand ich irgendwann nur noch langweilig.
    Nein, das war eindeutig kein Buch für mich. Aber zwei Sternchen bekommt es für die wunderschöne Aufmachung mit den tollen Bildern. Den Rest kann man von mir aus Literatur nennen, aber für mich war es eher eine Zeit- und Nervenverschwendung.
  9. Cover des Buches Tod von oben (ISBN: 9783744891028)
    Jürgen Ehlers

    Tod von oben

     (19)
    Aktuelle Rezension von: Eulensammlerin
    War nicht übel,aber bei so viel verschiedenen Karakteren verliert man schnell die Lust am lesen. Hat leider länger gedauert es durch zu lesen. Schade.
  10. Cover des Buches Die Stimmen des Flusses (ISBN: 9783518467008)
    Jaume Cabré

    Die Stimmen des Flusses

     (185)
    Aktuelle Rezension von: Flamingo
    Die „Stimmen des Flusses“ ist eine spannende Familien- und Dorfsaga mit einer großen Portion spanischer geschichtlicher Politik. Auf 666 Seiten verwebt Cabré rd. 90 Jahre spanische Geschichte mit der Geschichte eines Dorfes und einer Familie. Aktueller Aufhänger ist eine Lehrerin, die im Jahr 2002 das Tagebuch eines Lehrers aus den 1940ern findet.
    Geschrieben ist dies in Cabrés üblichem affektiertem Stil, der im Wesentlichen von Leserunfreundlichkeit geprägt ist. Er hat sich allerdings weiter entwickelt von seinem 1996 geschriebenen (aber erst jetzt in 2018 veröffentlichten) Roman „Eine bessere Zeit“. Allerdings muss man immer noch sehr genau lesen, der Autor macht es einem nicht leicht. Manchmal schien es mir auch, er wusste selber nicht, ob er einen anspruchsvollen zeitgenössischen Roman schreiben will oder eine Sex-Schmonzette, die man am Bahnhof kauf. Da kommt für mich sehr ein lüsterner alter Mann durch. Die erzählte Geschichte aber belohnt den Leser und im Grunde bleibt es bis zur letzten Seite spannend.
    Die volle Zahl an Sternen war leider nicht nicht möglich, da der Roman doch teilweise sehr viele Längen hat. Es sind einfach zu viele Baustellen. Selbst die Lehrerin Tina, die im Grunde der Katalysator für die Erzählung ist, hat unglaublich viele Baustellen: Eheprobleme, der Sohn gescheitert, eine Erkrankung und einen Erfinder, der sie permanent dick nennt mit sechs Kilo Übergewicht.
    Man merkt, dass Cabré ein alter Mann ist, der vermutlich ein Frauenbild hat, welches noch sehr tief im vorherigen Jahrhundert verwurzelt ist. Eigentlich werden alle Frauen als Huren oder Flittchen dargestellt. Schade, dass ihm hier nicht eine moderne Frauenfigur gelungen ist, die auch zu mehr Identifikation mit zumindest dieser weiblichen Leserin geführt hätte. Eines der großen Probleme von „Eine bessere Zeit“ war mMn, dass es nicht eine einzige sympathische Figur gab, auf deren Seite man sich schlagen konnte. Hier, in „Die Stimmen des Flusses“ hätte es Tina sein können, aber leider reduziert Cabré sie auf ihre Probleme und ihr Gewicht. Schade.
    Aber trotz diverser Unzulänglichkeiten und eines gewöhnungsbedürftigen Erzählstils ist es ein toller Spanienroman, der gerade in unserer heutigen Zeit an Aktualität nicht zu übertreffen ist. Wer sich z.B. wundert, dass in den USA die evangelikalen Christen einem Abschaum wie Trump immer noch die Treue halten, findet hier die Antwort. Alles, was der Vernichtung der Horden des Bösen (hier konkret Möder, Kommunisten, Atheisten, Freimaurer, Juden, separatistische Katalanen) beiträgt, ist Gott dem Herrn gefällig (lol dass ich als überzeugte Atheistin so einen Schwachsinn schreibe). Und solange Trump der Vernichtung jeglicher liberaler Agenda dienlich ist, wird er für die religiöse Rechte ein guter Christ sein. Und dieses Thema zieht sich auch durch „Die Stimmen des Flusses“. Überhaupt ist das Thema Macht, Macht der Kirchen, Macht des Geldes sehr zentral. Auf alle Fälle ein Roman, der zum Nachdenken anregt.
    P.S.: Ein Mini-Bonus-Pünktchen gibt es für das Lesezeichen mit Personenregister und DEM zentralen Zitat (über den Fluss) des Romans. Das Personenregister hat mich teilweise echt gerettet. 
  11. Cover des Buches Top Spione (ISBN: 9783442127252)
    Guido Knopp

    Top Spione

     (4)
    Aktuelle Rezension von: Jens65
    Der Autor dieses Buches ist in Deutschland vielen Menschen bekannt aus historischen Sendungen im öffentlich-rechtlichem Fernsehen Deutschlands. Er hat es sich zur Aufgabe gesetzt, komplexe historische Zusammenhänge in einer einfachen und verständlichen Art und Sprache einer breiten deutschen Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wobei Knopp nicht auf die angebrachte Exaktheit verzichtet. In diesem Sinne ist auch das hier zu besprechende Buch entstanden, daß erstmalig 1994 in Deutschland erschien. Das Buch beschäfftigt sich mit einer sehr interessanten aber in seinen exakten Details wenig bekannten Gischichte der Spionage zur Zeit des Kalten Krieges. Anhand der Schicksale von sechs Top-Agenten aus Ost und West zerstört er geschickt den Mythos des Superagenten James Bond. Er zeigt eindeutig, es handelt sich um scheinbar ganz normale Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen bereit sind ihr Heimatland zu verraten und dann zum Selbstschutz eine scheinbar unüberwindliche Lebenslüge aufbauen und letzten Endes immer scheitern.
  12. Cover des Buches The Moneypenny Diaries (ISBN: 0312383185)
    Kate Westbrook

    The Moneypenny Diaries

     (1)
    Aktuelle Rezension von: TheSaint
    Dies ist die erste Veröffentlichung der Tagebücher von Jane Moneypenny, der loyalen und überaus tüchtigen und auch mutigen persönlichen Sekretärin für mehr als 30 Jahre von Miles Messervy - besser bekannt als "M" -, Leiter des Secret Intelligence Service (MI6) durch ihre Verwandte Kate Westbrook.

    Zehn Jahre nach dem Tod ihrer Tante Jane Vivien Moneypenny erhält Kate Westbrook durch den Anwalt der Verstorbenen drei Pakete mit Tagebüchern. Über fünf Jahre bringt Westbrook damit zu, diese interessanten Tagebücher auf ihre Stichhaltigkeit und Akkuratesse hin zu überprüfen.
    Nun publiziert sie mit diesem Buch das nicht nur für die ganze Welt höchst turbulente Jahr 1962, sondern auch für Moneypenny und ihren Lieblings-00-Agenten Bond...

    Der kalte Krieg spitzt sich dramatisch zu, als die Amerikaner feststellen, daß die Sowjetunion heimlich Atomlenkwaffen auf Kuba stationiert.
    Die CIA hat einen Doppelagenten namens Caballo in Castro's Reihen, doch Robert Kennedy möchte sich von unabhängiger Seite davon überzeugen, ob Caballo's Informationen echt sind und er für die Vereinigten Staaten arbeitet. Sein Bruder John F. Kennedy kann sich während der prekären Weltlage - der 3. Weltkrieg scheint nicht ausgeschlossen - keine Fehlentscheidungen leisten.
    So kommt der MI6 und einer seiner favorisierten Top-Agenten ins Spiel.

    James Bond soll nicht nur Caballo überprüfen, sondern sich auch ein eigenes Bild von der Situation auf Kuba machen. Er wird nach einem halben Jahr tiefster Trauer über den Verlust seiner Frau Tracy di Vicenzo auf eine gefährliche und über das Wohl der Menschheit entscheidene Mission geschickt... Auf welcher Jane Moneypenny als "Guardian Angel" im wahrsten Sinne des Wortes eingreifen muss, um den Weltfrieden wiederherzustellen.

    Auch Moneypenny verlebt ein sehr turbulentes Jahr 1962: Ihre Romanze mit Richard Hamilton wird überschattet von Heimlichkeiten und Verdächtigungen. Ihr Job verbietet es ihr, ihrem Freund reinen Wein einzuschenken, der daraufhin mißtrauisch wird und hinter ihr her zu spionieren beginnt. Als er dabei ertappt wird, zieht er sich zurück und lässt sich nach Berlin versetzen, wo er bald in den Verdacht gerät, mit den Russen zu kooperieren.
    Moneypenny's Vater Hugh kam während des 2. Weltkriegs um, doch plötzlich werden durch Hamilton und später durch einen neuen Verehrer - David Zach - Zweifel am Tod des so schmerzlich vermissten Vaters geweckt. Man versucht die loyale Sekretärin des Chefs des MI6 zu korrumpieren und sie dazu zu bewegen, den Russen wichtige Dokumente als Gegenleistung für Informationen über den Verbleib von Hugh Moneypenny zu übergeben.
    So kämpft diese vermeintliche stille und im Hintergrund agierende Frau nicht nur gegen ihre Emotionen, sondern auch gegen die "Roten" und eilt obendrein 007 zu Hilfe, damit dieser seine Berichte schnell und effizient weiterleiten kann.

    Samantha Weinberg schreibt als Kate Westbrook im Auftrag der Fleming-Erben einen wunderbaren 007-Roman - der eigentlich keiner ist. Die Handlung ist liebevoll und präzise recherchiert und eingebettet zwischen den zwei Ian Fleming-Romanen "Im Geheimdienst Ihrer Majestät" und "Man lebt nur zweimal". Die Figuren aus den beiden Romanen werden mit dieser sehr spannenden Geschichte um die Stationierung von Atomwaffen auf Kuba (Sowjetunion) und in der Türkei (Vereinigte Staaten) im Jahre 1962 verwoben. Weiters schafft es Weinberg zwischen den Tagebucheinträgen Moneypenny's als Kate Westbrook wunderbare Biographien der Familie Moneypenny und auch von sich selbst zu vermitteln.
    Fiktion trifft auf Realität: In ausführlichen Fußnoten werden die echten Menschen und Ereignisse dieser "heißen Tage" erläutert. Weinberg schafft eine wunderbar authentische Geschichte ohne Hänger und Längen und lässt Wahrheit und Erfundenes spielend ineinander fließen.
    Man fiebert bei der Agentengeschichte mit und man leidet mit Bond wegen seines Verlustes. Sehr gut und bar des Kitsches beschreibt Weinberg nicht nur Bond's emotionale Welt, sondern auch die von Moneypenny selbst, die aufgrund ihrer Geheimdiensttätigkeit so vieles vor ihr geliebten Menschen zu verbergen hat.

    Ein sehr zu empfehlender Roman... Buch 1 der "Moneypenny Diaries"-Trilogie.






  13. Cover des Buches Schwestern des Mondes: Vampirliebe (ISBN: 9783426412565)
    Yasmine Galenorn

    Schwestern des Mondes: Vampirliebe

     (101)
    Aktuelle Rezension von: ManuelaBe

    Vampirliebe ist der sechste Band der Schwestern des Mondes Reihe der Autorin Yasmine Galenorn. Dieser Band wird wieder aus der Sicht der jüngsten D'Artigo-Schwester Menolly erzählt. Den besonderen Reiz der Reihe macht es für mich aus, das die Bände in wiederholender Abwechslung aus der Sicht einer der Schwestern erzählt wird. Den Reigen eröffnet Camille, die älteste des Trios, welche eine Hexe ist. Dann folgt Delilah, die Werkatze und den Abschluss bildet Menolly, die zu einem Vampir gewandelt wurde. Die Charaktere sind sehr unterschiedlich angelegt und jeder Band trägt den Stempel der Erzählerin. Camille ist die sinnlichste der Schwestern, Delilah die gefühlvollste und Menolly eher rational und rauer.


    In Band sechs werden die Ereignisse wieder turbulent und die Kämpfe gehen weiter. Neue Protagonisten werden eingeführt und fiese Gegner müssen ausgeschaltet werden. Die Bücher folgen dabei einem gleichen Muster, neue Gefahren und Gegner tauchen auf, neue Verbündete werden gefunden und letztendlich werden die Gegner meist besiegt. Wobei nicht jeder lebend davon kommt. Die verschiedenen Wesen werden gut vorgestellt und trotz gleichem Musterns bleibt die Reihe interessant und spannend. Erotische Szenen kommen in jedem Buch vor, wobei dieses Szenen gut eingebaut werden und geschmackvoll beschrieben sind. Der Schreibstil ist angenehm und gut lesbar, die Spannungsbögen werden gut gesetzt und die alltäglichen Szenen sind gut platziert. Die Kämpfe könnten für mich persönlich gerne etwas straffer erzählt werden. Ein Glossar am Ende des Buches gibt gute Informationen wenn man etwas vergessen hat.

  14. Cover des Buches Eine Falltür für den Henker (ISBN: 9783548018874)
    Andrew York

    Eine Falltür für den Henker

     (2)
    Noch keine Rezension vorhanden
  15. Cover des Buches Transcription (English Edition) (ISBN: 9781409043768)
    Kate Atkinson

    Transcription (English Edition)

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  16. Cover des Buches Tokio Killer (ISBN: 9783596509621)
    Barry Eisler

    Tokio Killer

     (68)
    Aktuelle Rezension von: Niklas_J_Wingender
    Barry Eisler zieht einen mit einem scharfsinnigen Blick fürs Detail, für das politische Ausmaß und der Sicht eines Killers mit Gewissen in den Bann. Die Reihe ist furios und sehr gut recherchiert. Die Kampfszenen sind realistisch und nicht zu überzogen. Das Leben des einsamen Rächers wird nicht glorifiziert, sondern in all seinen Konsequenzen dem Leser gezeigt.
    Der vielleicht beste Thriller den ich kenne!
  17. Cover des Buches Die andere Seite des Schweigens (ISBN: 9783548101507)
    Ted Allbeury

    Die andere Seite des Schweigens

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  18. Cover des Buches Das Schwarze Manifest (ISBN: 9783442457526)
    Frederick Forsyth

    Das Schwarze Manifest

     (41)
    Aktuelle Rezension von: gra
    Russland 1999. Das Land wird nach dem Zusammenbruch des Kommunismus von aus dem Boden schießenden Verbrecherbanden beherrscht. Inflation und Korruption sind allgegenwärtig. Abhilfe verspricht Igor Komarow, Kopf einer politischen Partei, die zwar ziemlich weit rechts steht, jedoch die einzige Hoffnung zu sein scheint, um das Land zu einen und die Probleme in den Griff zu bekommen. Komarows wahre Pläne sind allerdings eher mit denen der Nazis zu vergleichen: er will zurück zum Einparteienstaat, Minderheiten ausrotten und die GULAGs wieder einführen. Seine Pläne schreibt er in einem geheimen Dokument, dem "schwarzen Manifest" nieder. Durch puren Zufall gerät dieses Dokument dem britischen Geheimdienst in die Hände. Obwohl absolute Einigkeit besteht, dass Komarow gestoppt werden muss, können sich die westlichen Regierungen nicht dazu durchringen, offizielle Schritte einzuleiten. Ein einzelner Agent, Jason Monk, wird nach Russland eingeschleust, um den Demagogen durch gezielte Gegenpropaganda in Misskredit zu bringen und seine Wahl zu verhindern.

    Das Buch fängt selbst für Forsyths Verhältnisse sehr langsam an. Zunächt wird ausführlich beschrieben, wie das Dokument aufgefunden wird, und die Lebensgeschichte Jason Monks wird in vielen Rückblenden erzählt. Hierdurch fiel es mir zunächst auch etwas schwer, der Geschichte immer zu folgen, da sie auf verschiedenen Zeitebenen spielte und sehr viele Charaktere auftauchten. Nichtsdestoweniger war das Buch sehr kurzweilig und besonders im zweiten Teil spannend, da sich Komarow und seine Getreuen mit sämtlichen Mitteln gegen ihre politische Niederlage wehren.

    Ein gutes Buch aber nicht eines der stärkeren Werke des Autors.
  19. Cover des Buches Absolute Freunde (ISBN: 9783548605470)
    John le Carré

    Absolute Freunde

     (16)
    Aktuelle Rezension von: Duffy
    Ted Mundy und Sascha sind Freunde und diese Freundschaft begründete sich zu Zeiten der Studentenbewegung in Berlin. Ted ist ein Reisender des Britsh Council geworden und verbindet seine kulturellen Betreuungen englischer Künstler in Osteuropa mit einem Engagement für den Geheimdienst. Sascha ist als Aktivist in die DDR ausgewandert und vom dortigen Dogmatismus enttäsucht worden. Der Fall der Mauer führt die Freunde zusammen, doch die ideologischen Gräben stellen nicht nur die Freundschaft auf die Probe, sondern lösen noch ganz andere Probleme aus.
    John Le Carré, dessen Agentenromane nicht nur weitsichtig und spannend, sondern aus eigenen Anschauungen der Materie im Diplomatischen Dienst mit vielen Fakten unterfüttert sind, liefert auch hier wieder hervorragende Arbeit ab. Nicht nur die Verstrickungen von Macht und Politik werden hier verwendet, sondern auch der ideologische Unterbau, der sich in den unteren Reihen der Spionagetätigen als Antrieb geriert. Wie eine Spinne webt Le Carré sein Netz und genauso vielschichtig wie die Mechanismen des Agentenbetriebes schildert er die Verstrickungen von Interessen auf allen Seiten, ausgetragen auf dem Rücken der beiden Protagonisten. Dass der Autor in der Realität sein bestes Material findet, verwundert nicht. Beklemmend ist die Deutlichkeit, in der er operiert und dass die Wirklichkeit fast noch unglaublicher als die Fikiton sein kann. Ein weiteres atemberaubendes Werk vom Meister des Spionageromans.
  20. Cover des Buches Das Schachbrett des Teufels (ISBN: 9783864891496)
    David Talbot

    Das Schachbrett des Teufels

     (1)
    Aktuelle Rezension von: wsch

    Manche 'Schweinereien' des CIA gehören ja heute bereits zum Allgemeinwissen. Beispielsweise die mehrfach erfolglosen Versuche, Kubas Revolutionsführer namens Fidel Castro zu beseitigen. Am Bekanntesten sicher das 'Schweinebucht"-Vorgehen.

    Oder Nicaragua. Oder Panama. Oder der Iran mit dem von der CIA angezettelten und finanzierten Aufstand gegen Mohammad Mossadegh im Jahr 1953. Um die iranischen Ölquellen nach wie vor ausbeuten und die draus resultierenden Gewinne in US-amerikanische und britische Taschen zu stopfen. Oder die sehr wahrscheinliche Ermordung von John F. Kennedy am 22. November 1963. Oder, oder, oder... 

    Die Liste liesse sich noch sehr lange fortsetzen! 

    Ohne dieses die Welt umspannende Sammelsurium an illegalen Aktivitäten des CIA, teils ohne Kenntnis, teils mit Kenntnis oder sogar auf Anweisung des jeweiligen POTUS (President of the United States) durchgeführt, sähe die Welt heute sicher anders aus.

    Wer weiss beispielsweise schon, dass der Vorläufer des CIA, der ja erst nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1947 gegründet wurde, eifrig dabei war, einigen Ultra-Nazis selbst aus der obersten Hierarchie der Diktatur des Dritten Reiches entweder zur Flucht oder zu entsprechenden Posten im Nachfolgestaat des Dritten Reiches, also der BRD zu verhelfen??? Da staunt der Fachmann und der Laie wundert sich...

    David Talbot fasst in seinem sehr gut zu lesenden Schreibstil all die 'Schweinereien' der heimlichen Regierung der USA, also des CIA unter Leitung von Allen Dulles zusammen. Kleine Zwischenbemerkung: sein Bruder John Foster Dulles war zur gleichen Zeit Außenminister der USA, oh Wunder, oh Wunder...

    Vor einiger Zeit habe ich mir die (schlechte) Angewohnheit zu Eigen gemacht, bei allen Seiten, von denen ich gegebenenfalls etwas zitieren oder nochmals nachlesen möchte, mit einem Eselsohr zu versehen. Beim "Schachbrett des Teufels" ist das Buch jetzt dank der vielen Eselsohren nahezu doppelt so dick wie beim Erwerb. Weil auf fast jeder Seite etwas steht, was mehrfach zu lesen mehr als Wert ist.

    Sollte jemand die Feststellungen von David Talbot anzweifeln: er belegt alles, was er beschreibt mit einem 38 Seiten starken, 1.078 Quellen umfassenden Verzeichnis!

    Einmal mehr das Urteil: PFLICHTLEKTÜRE!


  21. Cover des Buches Garbo, der Spion (ISBN: 9783492055833)
    Arne Molfenter

    Garbo, der Spion

     (2)
    Aktuelle Rezension von: R_Manthey
    Wenn sie nicht durch Dokumente und Personen belegt wäre, würde man diese Geschichte nicht glauben:

    Ein wenig erfolgreicher spanischer Hühnerzüchter versucht sich im 2. Weltkrieg dem britischen Geheimdienst in Madrid als Spion anzudienen. Er wird erst gar nicht zu den richtigen Leuten vorgelassen. Also versucht er es auf der anderen Seite bei den Deutschen. Die sind zunächst auch skeptisch, beißen aber dann aber zögernd an. Der Hühnerzüchter gibt an, nach England auswandern und dort Informationen einholen zu wollen. Das tut er aber zunächst nicht, sondern verkriecht sich irgendwo in Portugal. Von dort aus erfindet er irgendwelche Geschichten, so zum Beispiel, dass ein britischer Geleitzug von der Insel aus nach Malta unterwegs sei. Niemand in der deutschen Marine findet diese Schiffe, aber man glaubt dem vorgeblichen Spion dennoch weiter.

    Inzwischen ist die britische Abwehr auf diesen merkwürdigen Typen aufmerksam geworden. Enigma war bereits entschlüsselt, und man konnte mitlesen, was für Märchen die Deutschen glaubten. Das war so unfassbar, dass man diesen Komiker zu suchen begann und ihn schließlich fand. Wegen seines schauspielerischen Talents verlieh man ihm den Decknamen "Garbo", verfrachtet ihn nach London und band ihn in eine kaum zu glaubende Desinformationskampagne der britischen Geheimdienste MI5 und MI6 ein. Diese Geheimdienste schufen eine Gruppe, die alle Doppelagenten des Kriegsgegners führte und damit die Deutschen völlig in die Irre laufen ließ. Insbesondere erreichten die Briten dadurch, dass Ort und Zeitpunkt der alliierten Landung in Frankreich nicht von den Deutschen vorausgesehen werden konnten.

    Die Geschichte des Hühnerzüchters und dieser schier unglaublichen komplexen Irreführung wird in diesem Buch recht detailliert erzählt. Man fragt sich dabei immer wieder, warum das alles funktionierte. Saßen in der deutschen Spionageabwehr nur Vollpfosten? Leider geht der Autor dieses lesenswerten Buches dieser wirklich interessanten Frage nur beiläufig nach. Erst am Ende versucht er sich mit einigen Erklärungen.

    Eine davon besteht in der Arroganz, zu glauben, dass die deutsche Verschlüsselungstechnik niemals zu knacken sei. Das wiederum führte zu Fehlern in den Mitteilungen, etwa zu ständig gleichen Sätzen zu Beginn, aus denen man leicht die Tagesverschlüsselung entnehmen konnte, wenn man das System erst einmal verstanden hatte.

    Eine zweite (und wohl die wesentlichere) Erklärung besteht in der Tatsache, dass man einfach keine ausreichend große Zahl von Agenten in England besaß und man auch nicht mehr die Zuverlässigkeit der vorhandenen Spione testen konnte. Und drittens mussten die Agentenführer liefern, sonst wären sie ihren Posten losgeworden. Einem dubiosen Hühnerzüchter kritiklos zu einem der Hauptinformanten der deutschen Militärführung zu machen, zeugt darüber hinaus von Zerfallserscheinungen und fehlender Motivation im System der deutschen Spionage dieser Zeit.

    Der Text liest sich ausgezeichnet und lebt davon, dass man das Geschehen eigentlich gar nicht glauben kann. Natürlich wurde der dubiose Hühnerzüchter am Ende zum Helden erklärt und vom englischen Königshaus empfangen. Die wahren Genies saßen aber beim britischen Geheimdienst, denn ein komplexes System von zahlreichen Doppelagenten zu leiten, war keine einfache Aufgabe. Der Hühnerzüchter hingegen lebte gefahrlos im Warmen und hatte allenfalls Ärger mit seiner liebestollen und hysterischen Angetrauten, die beinahe die Weltgeschichte verändert hätte. Über des Hühnerzüchters Motive lässt sich der Autor dagegen weniger aus. Man muss allerdings zu dem Schluss kommen, dass sie rein finanzieller Natur waren. Dafür spricht auch, dass er nach dem Krieg mit enormen Geldbeträgen ins Vergessen abtauchte, seinen Tod vortäuschte und genau zu dem Zeitpunkt wieder ins Leben zurückfand, als seine Kohle weg war.

    Immerhin hat er uns dadurch seine geschönten Memoiren zurückgelassen und dafür gesorgt, dass der Nachwelt diese sonderbare Geschichte offenbart wurde. Nichts ist unglaubwürdiger als manche Wahrheit. Dafür ist dieses Buch ein wahres Lehrstück.
  22. Cover des Buches 007 James Bond und der stumme Zeuge (ISBN: B00AELYMQ8)

    007 James Bond und der stumme Zeuge

     (1)
    Aktuelle Rezension von: Holden
    James Bond mal in der Kurzgeschichtenversion, u.a. mit "Octopussy", wobei die Geschichte mit dem Spielfilm wenig zu tun hat, soweit ich mich recht erinnere: James Bond spürt den saufenden Ex-Major Smythe in Jamaika auf und bringt ihn dazu, einen vor Jahrzehnten aus Habgier begangenen Mord zu gestehen. Tolle Agentengeschichten, die immer noch ganz weit vorne im Thrillergenre stehen müßten, da können die meisten der aktuellen Autoren einpacken. Sehr gelungen!
  23. Cover des Buches Der Adler ist entkommen (ISBN: 9783570023242)
    Jack Higgins

    Der Adler ist entkommen

     (3)
    Noch keine Rezension vorhanden
  24. Cover des Buches Als wir Waisen waren (ISBN: 9783896676979)
    Kazuo Ishiguro

    Als wir Waisen waren

     (48)
    Aktuelle Rezension von: renee

    Der Londoner Meisterdetektiv Christopher Banks blickt in den Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts zurück nach China, nach Shanghai. In seiner Kindheit (1911/1912) verschwanden seine Eltern dort spurlos. Bis jetzt gibt es keine Lebenszeichen von ihnen. Er reist wieder nach Shanghai um Licht in das Dunkel damaligen Geschehens zu bringen. Ein gut situierter junger Mann versucht sich in der Erkundung des Fernen Ostens und fernöstlicher Mentalität und lässt einen etwas verklärten und verfärbten Blick erkennen. 

    Dabei ist dieser Hauptcharakter Christopher Banks in seinem ganzen Wesen ein immens egoistischer Mensch in meinen Augen. Ein Kind seiner Zeit und seiner Verhältnisse, ja, und er ist dazu gemacht worden, ja. Trotzdem darf man ja etwas erwarten, oder besser ausgedrückt, ein Mensch sollte lernfähig sein. Und genau dies kommt bei dem Hauptprotagonisten Banks etwas zu kurz. Er lernt dazu, ja, aber für einen gebildeten jungen Mann und einen guten Detektiv lernt er recht spät, aber vielleicht ist ihm dabei auch gerade seine gesellschaftliche Position im Weg. Ich fand aber auch die Art, wie er mit den ihn umgebenden Personen umgeht, extrem egoistisch und recht frech/unverschämt/kaltherzig.

    Aber vielleicht möchte der Autor mit der Person Banks auch etwas vermitteln. Vielleicht steht Banks ja auch sinnbildlich für die Kolonialmächte und ihr Handeln in den Kolonien.

    Auf jeden Fall vermittelt das Buch einen sehr interessanten Blick in ein anderes Land/auf eine andere Kultur und lässt gleichzeitig auch ein interessantes Stück Zeitgeschichte wieder lebendig werden. Nun liegt China nicht so sehr in meinem Fokus und gerade deshalb ist dieses Buch auch sehr interessant und lässt die Zeit des zweiten japanisch-chinesischen Krieges wieder lebendig werden, ermöglicht Einblicke in die Bedeutung des Opiums und in den Opiumhandel und die unrühmliche Rolle der europäischen Mächte dabei und gleichzeitig ermöglicht dieses Buch ebenso interessante Blicke in die politische Situation in China. 

    Ich fand dieses Buch sehr interessant und auch spannend gemacht, es hat einen recht starken Sog in meinen Augen und ich habe es sehr gern gelesen und bin gespannt auf weiteres aus der Feder Ishiguros.


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