Bücher mit dem Tag "dostojewski"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "dostojewski" gekennzeichnet haben.

22 Bücher

  1. Cover des Buches Die Brüder Karamasow (ISBN: 9783746639000)
    Fjodor M. Dostojewski

    Die Brüder Karamasow

    (257)
    Aktuelle Rezension von: Malte_Hermann

    Bevor das Blut fließt, höre ich Stimmen. Fjodor Pawlowitsch Karamasow lärmt, seine Söhne antworten ungleich: Dmitri brennt, Iwan argumentiert, Aljoscha lauscht. Ich betrete ihr Haus nicht als Zeuge vor Gericht, sondern als Zuhörer in einer Welt, die nach Sinn sucht und doch an ihren Leidenschaften scheitert. (Mehr zum Buch: https://love-books-review.com/de/die-brueder-karamasow-von-fjodor-dostojewski/ )

    Aljoscha steht im Licht des Starez Sossima. In seiner Nähe verstehe ich, wie Sanftmut nicht Schwäche bedeutet, sondern eine schwierige Form der Tapferkeit. Iwan eröffnet mir das Labor des Zweifels. Seine Fragen nach Leid, Freiheit und Gottes Recht werfen lange Schatten, besonders in der „Legende vom Großinquisitor“, die ich als eisige Parabel lese. Dmitri jagt hinter Ehre, Geld und Liebe her. In ihm spüre ich das rohe Drängen des Lebens, das dennoch nach Gerechtigkeit ruft. Über allem bewegt sich Smerdjakow, der schweigende Vierte, Sohn im Halbdunkel, Meister der Zweideutigkeit.

    Der Mord an Fjodor Pawlowitsch zerreißt die Familie und die Stadt. Indizien, Affekte und alte Beleidigungen verketten sich. Dmitri wird verhaftet, während Iwan in Gesprächen mit einem höhnischen Teufel sein Denken zerfallen sieht. Aljoscha versucht zu verbinden und scheitert doch an Grenzen, die größer sind als guter Wille. Im Prozess bündeln sich Gerüchte, Redekunst und Moral. Ich spüre Empörung, weil Wahrheit und Wahrscheinlichkeit auseinanderdriften, und Mitleid, weil niemand unberührt bleibt.

    Zwischentöne tragen weit. Die Kinder um den kranken Iljuscha zeigen mir, dass Mitgefühl mehr bewirkt als Polemik. Sossimas Leichnam, der nicht wundertätig riecht, lehrt mich, dass Heiligkeit nicht auf Beweise baut, sondern auf Haltung. Am Ende gibt es keine endgültige Lösung. Dmitri plant Flucht, Iwan taumelt, Aljoscha spricht von Verantwortung und Hoffnung. Ich schließe das Buch bewegt und nicht beruhigt. „Die Brüder Karamasow“ bleibt für mich ein Prüfstein: Freiheit ohne Liebe verödet, Liebe ohne Wahrheit verflacht, Wahrheit ohne Barmherzigkeit verletzt. Zwischen diesen Polen beginnt menschliche Würde.

  2. Cover des Buches Schuld und Sühne (ISBN: 9783458646563)
    Fjodor Michailowitsch Dostojewski

    Schuld und Sühne

    (494)
    Aktuelle Rezension von: Trishen77

    Ich zitiere eigentlich gern in Rezensionen, hab es aber in diese Rezension sein lassen, weil: es gäbe einfach zu viele potenzielle Kandidaten.

    Soll ich Fritz J. Raddatz über die hostiendünne Breite einer verbliebenen Freundschaften resümieren lassen, was gleichsam traurig und lustig wäre, oder doch lieber was Schönes von André Heller oder was sattsam Dunkles von Wolf Biermann nehmen? Soll ich ein schlüpfriges Zitat nehmen, um die voyeuristischen Leser*innen anzulocken oder lieber ein hochphilosophisches, um dem Esprit des Titels und der Aufmachung die nötige Tiefe an die Seite zu stellen?

    Ich muss es wohl dabei belassen, zu sagen: von allem ist hier was dabei. Das ist keine Übertreibung, keine Überhöhung, es ist wirklich (was auch mich ein klein wenig überraschte) ein ungemein reichhaltiges Buch und nicht nur eine belanglose Plauderstundenaufzeichnung, mit Exhibitionismus-Einlagen, reißerischen Tendenzen und Fremdschäm-Freuden (so manches Buch mit Gesprächen ist halt nur das).

    Es gibt viele zutiefst menschliche, existenzielle Aussagen, oft behutsam aufgegriffen und weiterverfolgt. Der Interviewer ist natürlich indiskret, aber meist auf eine unverrohte und nahbare Art und Weise. Für die besten Interviewmomente bei Michaelsen gilt daher dasselbe wie für die schönsten Gespräche von André Müller: nur Schweigen wäre schöner.

  3. Cover des Buches Sternstunden der Menschheit (ISBN: 9783150206393)
    Stefan Zweig

    Sternstunden der Menschheit

    (213)
    Aktuelle Rezension von: Timo_Janca

    Manch ausgewähltes Ereignis mag bekannt sein, jedoch versteht es Stefan Zweig die Geschichten emotional und mit tiefer Anteilnahme zu begleiten. Ihn interessieren die persönlichen Beweggründe und was die Betroffenen in der Stunde des Schicksals empfunden haben. Detailverliebte Beschreibungen und dramatische Sprache lassen u.a. die Entdeckung zweier Ozeane oder eine Episode aus Goethes Leben vor dem geistigen Auge lebendig entstehen.  

  4. Cover des Buches Der Spieler (ISBN: 9783458645832)
    Fjodor Michailowitsch Dostojewski

    Der Spieler

    (293)
    Aktuelle Rezension von: Jacky_liest

    Mit Der Spieler legt Fjodor M. Dostojewski einen schmalen, aber inhaltlich dichten Roman vor, der sich kompromisslos mit Spielsucht, Macht, Abhängigkeit und zerstörerischer Liebe auseinandersetzt. Der Text trägt spürbar autobiografische Züge und genau diese Nähe zur eigenen Erfahrung verleiht der Geschichte ihre schonungslose Intensität.


    Im Zentrum steht ein junger Mann, innerlich zerrissen zwischen seiner obsessiven Liebe zu Polina und der berauschenden Verheißung des Roulettetisches. Das Glücksspiel ist hier weit mehr als bloße Kulisse: Dostojewski beschreibt den Ablauf, die Atmosphäre und vor allem die Sogwirkung des Spiels mit beklemmender Präzision. Man spürt förmlich das fiebrige Hoffen, das nervöse Kalkulieren und den jähen Absturz, bis klar wird, dass der Protagonist längst nicht mehr spielt, sondern selbst gespielt wird.


    Sprachlich ist der Roman anspruchsvoll und kritisch, stellenweise bewusst provokativ. Die häufig eingestreuten französischen Passagen, leider ohne Übersetzung, können irritieren und ein Gefühl von Distanz erzeugen, beeinträchtigen das grundsätzliche Verständnis jedoch nicht. Auch die Figuren werden zu Beginn recht überfallartig eingeführt, was kurzfristig Orientierung verlangt. Doch Dostojewski gleicht dies aus, indem er Beziehungen und Abhängigkeiten immer wieder aufgreift und vertieft. Mit jeder Seite fügt sich das Beziehungsgeflecht klarer zusammen.


    Besonders gelungen ist der Tonfall, mit dem Dostojewski Tragik und grotesken Humor verbindet. Die moralische und seelische Dekadenz der Figuren ist erschütternd und zugleich stellenweise bitterkomisch überzeichnet. Ein echtes Highlight ist das Auftreten der Tante: ihr Verhalten, ihr Glück (oder vielmehr Unglück) am Roulette und ihre respektlose Direktheit bringen eine fast absurde Leichtigkeit in die ansonsten düstere Erzählung.


    Fazit:

    Der Spieler ist ein psychologisch präzises, sprachlich starkes Werk über Liebe, Geld und Sucht, über Menschen, die glauben zu handeln, und doch längst getrieben sind. Anspruchsvoll, stellenweise sperrig, aber insgesamt sehr eindrucksvoll.

  5. Cover des Buches Weiße Nächte (ISBN: 9783150142370)
    Fjodor M. Dostojewski

    Weiße Nächte

    (209)
    Aktuelle Rezension von: HenriLMatos

    Weiße Nächte ist Dostojewskis kürzestes und vielleicht ehrlichstes Werk. Der namenlose Träumer lebt in einer inneren Welt, die reicher und vollständiger ist als die Wirklichkeit um ihn herum — bis die Wirklichkeit kurz hereindringt, in Form von Nastenka, und dann wieder verschwindet. Was bleibt, ist keine Tragödie, sondern etwas Subtileres: die stille Erkenntnis, dass das Bewusstsein sowohl das schönste als auch das einsamste Zuhause ist, das ein Mensch haben kann.

  6. Cover des Buches Schuld und Sühne (ISBN: 9783730607978)
    Fjodor M. Dostojewski

    Schuld und Sühne

    (27)
    Aktuelle Rezension von: HenriLMatos

    Schuld und Sühne ist kein Kriminalroman. Es ist eine Untersuchung des Bewusstseins unter dem Druck der eigenen Tat. Raskolnikow ist sein eigener Richter, Staatsanwalt und Henker — lange bevor das System ihn erreicht. Dostojewski hat verstanden, dass die interessanteste Frage nicht ist, ob jemand bestraft wird, sondern was mit dem Bewusstsein eines Menschen passiert, der versucht, eine moralische Grenze mit intellektuellen Argumenten zu überschreiten. Die Antwort ist keine tröstliche.

  7. Cover des Buches Rock Me, Dostojewski! (ISBN: 9783038486985)
    Markus Spieker

    Rock Me, Dostojewski!

    (12)
    Aktuelle Rezension von: 65_buchliebhaber

    Ich nehme es voraus, das Buch ist absolut empfehlenswert. Mit der ungewöhnlichen Art, eine Biografie mit den Werken des Schriftstellers zu verbinden, sticht es hervor. Viele Zitate aus seinen Büchern, Notizen und umfangreicher Korrespondenz unterstreichen die von den Autoren ausgewählten Aspekte. Man lernt Fjodor Michailowitsch Dostojewski von vielen Seiten kennen und wird in sein Denken hineingezogen. Sein ereignisreiches Leben, sein Privatleben und seine Ansichten, all das wird detailreich und unterhaltsam erzählt. Was sich sehr gut herauslesen lässt: er war seiner Zeit voraus. Er war eine bemerkenswerte Persönlichkeit, was die Autoren mit diesem Buch auf den Punkt bringen. Schon der Titel weckt Neugierde, denn wie das ganze Buch ist er ungewöhnlich. Der Untertitel beschreibt die Aspekte dieses Buch bestens.

    Die Gestaltung des Buches gefällt mir ausgesprochen gut. Insbesondere der Umschlag hebt sich von herkömmlichen Büchern ab. Die unterschiedlichen Schrifttypen bei Kapitelüberschriften und Text sind gelungen, ebenso die Zitate als Einschübe. Bei der Aufteilung der Kapitel gilt zwar eine chronologische Abfolge, die aber innerhalb der Abschnitte nicht ganz so streng erfolgt wird, was die Texte extrem auflockert. Die Sprache ist modern und doch angepasst. Man merkt sehr gut, dass die Autoren sich dem Schriftsteller, dem sie zum 200. Geburtstag hier ein Denkmal gebaut haben, schon lange verbunden fühlen. Dieses Buch bringt dem Leser Fjodor Michailowitsch Dostojewski menschlich und literarisch näher – ein sehr gelungenes Werk.

  8. Cover des Buches Der Doppelgänger (ISBN: 9783869712383)
    Fjodor M. Dostojewski

    Der Doppelgänger

    (13)
    Aktuelle Rezension von: xdexx7

    Kurzbeschreibung: Bei diesem Buch handelt es sich um eines der ältesten Werke von Fjodor Dostojewski. Es beschreibt den psychologischen Ausnahmezustand eines russischen Staatsbeamten namens Jakow Petrowitsch Goljadkin, welcher im Verlauf des Buchs immer weiter dem Wahnsinn verfällt. Dieser glaubt nämlich, dass es einen Doppelgänger seiner seits gibt und dieser soll seiner Meinung nach versuchen ihn aus seinem Leben zu drängen. Somit entsteht ein Schlagabtausch zwischen echt und nicht echt und welcher den nun der bessere ist und welcher in die noble Gesellschaft hinein passt.


    Meinung: Als ich das Buch kaufte, wusste ich dass Dostojewski mich nicht enttäuschen würde. Ich hatte davor schon "Der Spieler" von ihm gelesen also wusste ich ungefähr auf was ich mich einlassen würde. Jedoch hatte ich nicht damit gerechnet, dass diese Erzählung mich so zum Nachdenken bringen würde. Auch wenn es sich um ein Buch aus dem Jahr 1846 handelt, lässt sich in das Geschriebene die aktuellen Geschehnisse der Welt interpretieren. Der Doppelgänger von Herrn Goljadkin lässt kein gutes Haar am Protagonistin um die Allgemeinheit davon zu überzeugen dass der echte Goljadkin nicht ihn die Gesellschaft hinein passt. Dieser ist auch anders und schafft es nicht die Manipulierten vom Gegenteil zu überzeugen. Allein dieser Handlung beschreibt meiner Meinung nach sehr gut die aktuellen Geschehnisse in dieser Welt, um so beeindruckender ist es also, dass dieses Buch schon über 180 Jahre hat. Meiner Meinung nach ein erdendes Buch welcher einem klar macht wie schnell man jemanden aus seinem inneren Kreis ausstoßen kann und wie dieser darunter leidet. Die Magie des Buches setzt sich aus der Frage "Ist er der Doppelgänger nun echt oder nicht?" und der malerischen Beschreibung der russischen alten Welt zusammen 


    Fazit: Es spinnt sich eine schöne Erzählung in den geschriebenen Bildern von Dostojewski, welcher schon in diesem frühen Werk beweist wie gut er das Erzählen und Beschreiben beherrscht. Ein muss für jeden Dostojewski-Fan, zumal sich auch noch heute viele Lehren aus dem geschriebenen ziehen lässt. Erwarten sie keine aufblühende spannende Geschichte, sondern einen Klassiker, welcher sie für eine paar Tage zum nachdenken bringen wird.

  9. Cover des Buches Die Dämonen (ISBN: 9783866478640)
    Fjodor M. Dostojewski

    Die Dämonen

    (3)
    Aktuelle Rezension von: KaterinaFrancesca
    In einer russichen Provinzstadt brodelt es. Der Nihilist Nikolai Stawrogin, Sprössling einer reichen und einflussreichen Generalswitwe und der amoralische Pjotr Werschowenski, seines Zeichens Sohn des Protegees der Generalswitwe, sind in revolutionöre sozalistische Bestrebungen verstrickt und wiegeln auf diese Weise die leichtgläubigen und manipulierbaren Sympathisanten des Sozialimsuses auf. Ihre verbrecherischen und tollen Handlungen halten die Stadt in Atem und schrecken auch vor Mord nicht zurück.

    Der Einstieg in Die Dämonen  ist mir sehr schwergefallen, da es einige Kapitel in Anspruch nimmt, ehe die Geschehnisse um die beiden jungen Männer in den Mittelpunkt rücken. Im Zentrum steht am Anfang hingegen Stepan Werchowenski, Pjotrs Vater. Er ist eine denkbar anstrengende Figut, hat in seiner Jugend einst sozialistische anmutenden Vorlesungen gehalten und hält sich daher für wichtig. Sein pathetisches Auftreten ist eine Strapaze für die Nerven, in seinen Ergüssen fällt er immer wieder ins Französische und redet ohne Punkt und Komma. Die Beziehung zu seiner Gönnerin Wawara (Nikolais Mutter) ist denkbar komisch, da sie eisern über ihn herrscht und seit 20 Jahren für seinen Unterhalt aufkommt und ihn vor allem Unbill der Wirklichkeit abschirmt. Zentral ist er auch deshalb, weil er mit einer liberalen Halung das einzige Rollenvorbild für Nikolai und in geringem Maße für Pjotr war, von dem er lange Jahre getrennt lebte. Die revolutionären Agitationen, die vor allem von Pjotr initiiert werden nehmen in der Folge die unglaublichsten Formen an. Die fanatischen Theorien der Verschwörer bilden einen Mix aus Atheismus, blutiger Revolution, märtyrerhafter Selbstaufopferung und münden in ihrem Kreis in absolute Anarchie. Dabei konnte ich mir kaum einen Reim auf die Motive der beiden Protagonisten machen. Nikolai ist scheinbar ein Nihilist, dem alles egal ist, während Pjotr auch kein übereugter Sozialist ist, sondern viel mehr ein Spötter, der es liebt, Chaos zu stiften und der andere Menschen wie die Marionetten für sich tanzen lässt.
    Dennoch gibt der Roman ein eindrückliches Bild von den geistigen Strömungen, ja Verwerfungen, des 19 Jahrhunderts. Die liberale und dabei völlig weltfremde und unselbständige Haltung Stepans steht in völligem Widerspruch zu den Intrigen und Verbechen seines Sohnes oder der vollkommenen Indifferenz Nikolais.
  10. Cover des Buches Die Lebenstricks der Meister (ISBN: 9783945788035)
    Ralf Lengen

    Die Lebenstricks der Meister

    (9)
    Aktuelle Rezension von: abetterway
    Inhalt:
    "Das Leben ist eines der härtesten. Leichter wird es mit den Lebenstricks von Clara Schumann. Und von Knigge lernen können Sie hier auch, zwar nicht für den Umgang mit Messer und Gabel, sondern mit - Menschen.
    Nach Schreiben, Reden und Managen ist jetzt das Leben dran: Der Lebenstricks-Fächer enthält wie seine Gewschwister je drei Tricks von zehn verschiedenen Meistern: Sie lernen unter anderem von Clara Schumann, auf Sport wert zu legen. Von Knigge, verlässlich zu sein. Und von Salomo, einfach mal zu genießen. Von Dostojewski, nee, lesen Sie selber nach!"

    Meinung:
    Der fächer ist sehr interessant, allerdings finde ich es nicht ausführlich genug. Allerdings ist es nicht besonders ausführlich. Ich finde es nett gestaltet aber ich glaube der Fächer ist nur mit anderen Büchern gut nutzbar. Aber eine nette Idee.

    Fazit:
    Der Fächer ist interessant, aber leider nicht ausfürhlich genug für die Anwendung.
  11. Cover des Buches Der Idiot. Roman in vier Teilen. Deutsch von Hartmut Herboth. (Gesammelte Werke in zwanzig Bänden) (ISBN: B00597UEN2)
  12. Cover des Buches Die Dämonen Band II (ISBN: B00NBUS7QK)
    Dostojewski

    Die Dämonen Band II

    (0)
    Noch keine Rezension vorhanden
  13. Cover des Buches Aufzeichnungen aus einem Totenhaus: In der Übersetzung von Alexander Eliasberg (ISBN: 9783843096454)
    Fjodor M. Dostojewski

    Aufzeichnungen aus einem Totenhaus: In der Übersetzung von Alexander Eliasberg

    (35)
    Aktuelle Rezension von: Molks
    Alexánder Petrówitsch Gorjántschikow wird nach dem Mord an seiner Ehefrau in ein Gefängnislager nach Sibirien deportiert. Als Mann adliger Herkunft hat er von Beginn an einen schweren Stand unter den Insassen. Dostojewski schildert das Leben im Lager streckenweise autobiographisch anhand seiner eigenen Erfahrungen. Eine tolle Erzählung in der die verschiedenen Charaktere und Schwierigkeiten im Gefängnis großartig beschrieben werden.
  14. Cover des Buches Die Sanfte (ISBN: 9783866475014)
    Fjodor M. Dostojewski

    Die Sanfte

    (79)
    Aktuelle Rezension von: lili_1302

    Die Sanfte ist ein tiefgründiges, psychologisch intensives Werk von Fjodor Dostojewski, das sich ganz auf die innere Welt seiner Figuren konzentriert. Die Geschichte wird aus der Perspektive eines Mannes erzählt, der versucht, das Verhalten seiner verstorbenen Frau zu verstehen – und dabei auch sich selbst. Es ist eine stille, aber eindringliche Erzählung über Macht, Ohnmacht, Stolz und die Tragik menschlicher Beziehungen.

    Das Buch ist definitiv keine leichte Lektüre. Dostojewskis Sprache und Gedanken sind anspruchsvoll, und man merkt schnell, dass man zwischendurch Pausen braucht, um zu verarbeiten, was er einem da eigentlich sagen will. Aber genau das macht es auch so besonders: Es ist kein Buch, das man einfach konsumiert – es fordert einen heraus, lässt einen innehalten und nachdenken.

    Ich finde, Die Sanfte ist ein Klassiker, den man gelesen haben sollte. Nicht, weil er leicht zugänglich ist, sondern weil er eine Tiefe hat, die heute selten geworden ist. Wer bereit ist, sich auf die psychologische und emotionale Komplexität einzulassen, wird mit einem Werk belohnt, das lange nachwirkt.

  15. Cover des Buches Die Hessin auf dem Zarenthron (ISBN: 9783806234367)
    Marianna Butenschön

    Die Hessin auf dem Zarenthron

    (12)
    Aktuelle Rezension von: Ladybella911

    Eine hessische Prinzessin heiratet aus Liebe den Thronfolger von Russland und wird zu einer mächtigen, vom Volk verehrten und geachteten Kaiserin Russlands.

    Was mit einer Liebesheirat begann sollte 40 Jahre Bestand haben, aber glücklich wurde Maria Alexandrowna, wie sie nach ihrer Heirat genannt wurde, nicht, obwohl sie ihrem Mann acht Kinder gebar.

    In unserem Bewußtsein ist sie nicht verankert, sie war eine Frau, die mehr im Hintergrund agierte, was einerseits ihrer Schüchternheit andererseits der Tatsache, dass am Zarenhof ein äußerst strenges Hofzeremoniell herrschte, zuzuschreiben ist.

    Sie scheint ihren Mann, der als Zar Alexeander II. In die Geschichte einging, sehr geliebt zu haben, negierte sie doch seine Affären und langjährige Geliebten.

    Es ist eine ungeheure Fülle an Informationen, die uns die Autorin, Marianna Butenschön, hier präsentiert, und man ist oftmals verwirrt beim Lesen, vor allem was die vielfältigen verwandtschaftlichen Beziehungen angeht, sehr oft begegnen uns die gleichen Namen , aber es sind unterschiedliche Personen.

    Sehr hilfreich sind daher die Bibliographie sowie eine Zeittafel und ein Glossar, welche sich im Anhang befinden, dies vereinfacht die Lektüre ungemein. Schön auch die Bilder in der Mitte des Buches, welche uns einen Eindruck der damals herrschenden Mode geben. Dass sich das Leben des Adels zur damaligen Zeit in äußerst prunkvoller Umgebung abspielte, ist hinreichend bekannt, und man weiß um die zunehmende Unzufriedenheit des Volkes, die sich diese verschwenderische Lebensart nicht länger ansehen wollte.

    Es ist der Autorin bestens gelungen, hier nicht nur ein wissenschaftliches Sachbuch zu schreiben, sondern auch, durch das Einflechten kleiner Anekdoten, die von Zeitzeugen berichtet wurden, ein sehr lebendiges Bild von der Kaiserin, ihrer Familie und ihrem Leben zu schaffen.


    Ein beeindruckendes Buch, welches ich Liebhabern, die gerne gut recherchierte Biographien lesen, ans Herz legen möchte.

  16. Cover des Buches Das Krokodil (ISBN: 9783717523628)
    Fjodor M. Dostojewski

    Das Krokodil

    (5)
    Aktuelle Rezension von: Minoo
    Die Gestaltung dieses kleinen Büchleins ist hervorragend. Ausgestattet mit einem Einband in Krokodillederoptik, einem passend grünen Lesebändchen und dem besonderen Format von 10 x 2,7 x 15,6 cm eignet es sich perfekt als Geschenk. Doch auch der Inhalt kann sich sehen lassen, denn dieses Buch umfasst nicht nur die Kurzgeschichte "Das Krokodil" sondern vier weitere Erzählungen sowie ein umfangreiches Nachwort des Herausgebers Eckhard Henscheid.

    Roman in neun Briefen (1847)
    Der "Roman in neun Briefen" wird durch den Briefwechsel zweier Männer erzählt. Zu Beginn bezeichnen sich die beiden als Freunde, doch der Ton verschärft sich von Brief zu Brief. Vorwürfe bestimmen den Ton und der Leser fühlt sich zwischen den beiden Männern hin- und hergerissen, kann die Beweggründe beider verstehen. Das an der Nase herumführen gelang Dostojewski mit dieser Erzählung hervorragend und mit einer ordentlichen Portion Humor.

    Das Krokodil (1865)
    "Das Krokodil" ist wahrscheinlich die absurdeste Geschichte dieses Sammelbandes. Jeder Charakter der Geschichte, versucht das Beste aus der Situation, in der Matwejitsch bei lebendigem Leibe von einem Krokodil verschluckt wird und in dessen Körper weiter lebt, zu machen. Die Reaktionen sind komisch, tragisch und bringen den Leser zum Schmunzeln.

    Eine peinliche Geschichte (1862)
    Mein Favorit ist ganz klar "Eine peinliche Geschichte". An Komik war diese Erzählung kaum zu überbieten. Die Geschichte, in welcher sich ein Mann hohen Ranges dazu entschließt durch Menschlichkeit und Nähe, die Liebe des niederen Volkes zu gewinnen und so ziemlich alles falsch macht, was man nur falsch machen kann, brachte mich nicht nur mehrfach zum Lachen, sondern auch zum Fremdschämen.

    Die Sanftmütige (1876)
    Die große Überraschung dieses Sammelbandes kam mit "Die Sanftmütige". Ich war darauf eingestellt auch hier eine komische Geschichte zu lesen, allerdings handelt diese Erzählung von der Geschichte einer Selbstmörderin. Wie es zu dem Selbstmord kommen konnte schildert ihr Ehemann, der an dem Unglück der Frau nicht ganz unbeteiligt war. Diese Geschichte ist weder komisch noch heiter, aber sehr spannend und eindringlich.

    Ein kleiner Held (1857)
    In „Ein kleiner Held“ (1857) blickt ein Mann zurück auf seine erste Schwärmerei mit elf Jahren. Dabei geriet er in die Irrungen und Wirrungen auf einem Gutshof. Diese Geschichte überraschte mich mit Dostojewskis Einfühlungsvermögen in die Gefühle eines pubertierenden Jungen. Auch in dieser Erzählung gibt es zwar einige witzige Stellen, doch die Geschichte wird vor allem durch den bildhaften Schreibstil und die Authentizität der Charaktere getragen.

    Abgerundet wird dieser Sammelband durch Fußnoten, Anmerkungen und einem interessanten Nachwort von Eckhard Henscheid.

    Fazit: Empfehlenswert für alle, die sich für russische Literatur interessieren. Egal, ob Dostojewski-Kenner oder Dostojewski-Neuling.
  17. Cover des Buches Die Dämonen. Roman in drei Teilen. Zwei Bände. (ISBN: B00NX6719G)
  18. Cover des Buches A Writer's Diary (ISBN: B01K3K34RM)
    Fjodor M. Dostojewski

    A Writer's Diary

    (1)
    Aktuelle Rezension von: RonjaEva
    Manch einer mag sich wundern, wie ich bei einem Autor, der von 1821 bis 1881 gelebt hat, zu der scheinbar wahnwitzigen Aussage komme, er sei der erste Blogger gewesen. Doch tatsächlich lässt sich das Unterfangen, was Fjodor Michailowitsch Dostojewski mit „Дневник писателя“, zu deutsch „Tagebuch eines Schriftstellers“ oder auf englisch „A writer’s diary„, unternommen hat, so am besten beschreiben, wie ich finde. Im Folgenden möchte ich erklären, warum und Dir gleichzeitig ein Buch vorstellen, das mich seit Februar in seinen Bann zieht und nun wohl zweifelsohne zu meinen Lieblingsbücher gehört.

    Kommentar, Chronik, Tagebuch, Kritik, Entwurf – ein Blog?

    Obwohl ich Russisch in der Schule hatte (sogar bis zum Abitur), stand für mich schon vor dem Buchkauf fest: „Дневник писателя“ werde ich in der Übersetzung lesen. Nur welche Fassung, die deutsche oder die englische? Nach ein wenig Recherche, entschied ich mich für die englische Übersetzung von Kenneth Lantz. Der Grund? Der Herr ist Professor für Russische Literatur an der Universität für Toronto und die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts ist sein Steckenpferd. Anders als so mancher Verlagsübersetzer, der vieles einfach mal so in seine Muttersprache überträgt, haben wir es hier mit einem tatsächlichen Slawisten zu tun, das war mir wichtig. Obwohl mein Russisch bis heute locker dazu reicht, einen Tee zu bestellen, über das Wetter zu plaudern und sonst wie Smalltalk zu betreiben, traue ich mich an große Werke der Literatur in russischer Originalsprache dann doch nicht heran. Der Wetterbericht und Goethe sind ja auch zwei paar Schuhe, nicht wahr? Eben.

    Ein anderer Grund: Die Übersetzung von Kenneth Lantz, obwohl sie eine gekürzte Fassung ist, ist mit zahlreichen Anmerkungen und einem gut recherchierten Vorwort versehen. Bei diesem wohl brisantesten Buch von Dostojewski kommt man nicht umher, dem Leser im Vorhinein ein paar Hinweise und Denkanstöße mit auf den Weg zu geben. Da geht es um historische Kontexte und natürlich um die bekannte, leidige Kontroverse: War Dostojewski Antisemit?

    Tatsächlich werden im Buch zahlreiche Themen behandelt. Zeitgeschehen, von Kriminalfällen, die den Autor beschäftigt haben über kriegerische Auseinandersetzungen bis hin zu pamphletartigen Politbekenntnissen und nachdenklichen, theoretischen Überlegungen, wird fein säuberlich seziert. Ähnlich wenig zimperlich verfährt Dostojewski mit Schriftstellerkollegen und bespricht zum Beispiel „Anna Karenina“ von Leo Tolstoi. Dabei erstreckt sich das Buch über einen zeitlichen Rahmen von 1873 bis 1881 und befindet sich damit am Ende von Dostojewskis Schaffen. Es endet auch irgendwie abrupt und lässt die Frage offen, ob es, wäre Dostojewski nicht am 9. Februar 1881 gestorben, fortgesetzt worden wäre. Womöglich.

    Daneben finden wir im Buch zahlreiche Geschichtenskizzen und Figurüberlegungen, die wohl Einfluss auf sein späteres Werk „Die Brüder Karamasow“ gehabt haben dürften. Interessant ist außerdem, dass Dostojewski sich hin und wieder die Zeit nimmt, auf Leserbriefe und Zeitungskritiken zu antworten. Auch das finden wir in „A writer’s diary“, das weit mehr als nur ein Tagebuch ist, wie man bereits erahnen kann. Das Werk wurde monatsweise in mehr oder minder regelmäßigen Abständen (mit Unterbrechungen) in Zeitschriftenform veröffentlicht. Denn WordPress, Blogger & Co gab es damals ja noch nicht. Ansonsten wären diese Formate ideal für das chronologisch fortlaufende Werk gewesen, wie ich meine. Man muss sich jedoch einmal vor Augen führen, wie ausgefallen dieses literarische Konzept zur damaligen Zeit gewesen sein muss, so ganz ohne roten Faden, außer dass eben der Autor derselbe bleibt!

    Zu dem zunächst seltsam anmutenden Blog-Vergleich bin ich gekommen, als ich überlegte, wo eigentlich dieser Blog hier einzuordnen ist. Anders als mein Projekt Histamin-Pir.at gibt es auch hier, wie bei Dostojewskis Tagebuchprojekt, keinen offensichtlichen Zusammenhang zwischen den einzelnen Artikeln, oder doch?

    Eine Texter-Kollegin, die ich sehr schätze – Lilli Koisser – erklärt auf ihrem Blog für Texter sehr anschaulich und mit aller Deutlichkeit, was einen Texter-Blog ausmachen sollte. Er muss vor allem eins haben: Eine Nische. Und obwohl ich diese Seite hier auch zur Kunden-Akquise nutze bzw. um mich als Texter im Netz zu präsentieren, befolge ich diesen Rat ganz und gar nicht 🙂 Hier auf dem Blog geht’s tatsächlich um mich als Schreiberling (schweres Don’t!). Was beschäftigt mich? Was hilft mir im Berufsalltag? Was lese ich gerade? Irgendwie geht’s um Gott und die Welt. Schreiben als Tätigkeit und die Gedanken, die dem vorausgehen, spinnen den roten Faden der Website. Denn so sieht mein Berufsalltag aus: Er ist sehr vielseitig. Ich schreibe für Agenturen, für andere Blogs, für Ratgeberseiten und beginne dann auch noch eigene Projekte, nur für mich. Der lose Zusammenhang zeigt sich als Buchstabensalat.

    Und, war Dostojewski da so anders (nicht, dass ich behaupte, mit dem gleichen Talent gesegnet zu sein!)? Hat der sich seinen Kopf darüber zerbrochen, wie er sich marketingtechnisch, SEO-optimiert positionieren würde oder hat er einfach nur die ursprünglichste Form eines Blogs in der Auseinandersetzung mit seinem Umfeld geführt? Ging es ihm nicht einfach auch um Austausch? Schließlich war auch er nicht nur Autor, sondern auch Journalist. Allzu viele Blogs haben heute mit dem, wie Bloggen einst begonnen hat, nichts mehr zu tun. Sie schreiben den Leser nicht mehr an, sondern schreiben ihm etwas vor oder halten ihm Produkte unter die Nase, mit dem unmissverständlichen Tenor: Du brauchst das! Kauf es!

    Und ich nutze sie auch – Affiliate-Links. Aber was immer da verlinkt ist, brauchst Du nicht. Das rede ich Dir auch nicht ein. Du wirst ohne nicht umkommen und mit nicht zum perfekten Menschen. Aber es gefällt mir und vielleicht auch Dir, so wie zum Beispiel das angesprochene Buch von Dostojewski. Es hat mir etwas gegeben und vielleicht auch Dir. Lass es mich wissen! Darum geht’s. Und es sind diese zwei Motive: Selbstreflexion und der Austausch mit der Leserschaft, die einen Blog und auch „A writer’s diary“, meiner Meinung nach, ausmachen. Also schauen wir mal rein.
    Food for thought: Zitate aus „A writer’s diary“

    Während ich das letzte halbe Jahr in „A writer’s diary“ bis Seite 533 gelesen habe, hat mich mein eigenes Notiz- und irgendwie auch Tagebuch stets begleitet. Einige Passagen habe ich mir direkt rausgeschrieben, andere lediglich mit bunten Klebezettelchen im Buch selbst markiert. Die Passagen, die mich besonders bewegt haben, gibt es im Folgenden als kleine Zitatesammlung:

    "We all know that entire trains of thought can sometimes pass through our heads in an instant, like sensations of some sort, without being translated into human language, never mind literary language."

    Das obige Zitat fand ich besonders interessant (der erste Eintrag in meinem Notizbuch). Das aus dem Munde des Mannes, der Meister des Kettensatzes ist, der manchmal keinen Punkt zu kennen scheint und überhaupt als Genie des Bewusstseinsstroms gilt! Da wird einem vieles klar oder nicht?

    "Reality is transfigured passing through art."

    Die Umgestaltung der Wirklichkeit durch Kunst ist die Aufgabe eines jeden Kreativen. Den Satz mal sacken lassen oder auf einem Streifen ins Federmäppchen legen! Vergiss es nie.

    An anderer Stelle plädiert Dostojewski dafür, aus dem gleichen Material mehr als nur ein Werk zu machen. Ich habe es bereits hier erwähnt: Es gibt Themen, die sich durch unser Schaffen ziehen und meist schöpfen wir immer wieder aus der gleichen Quelle für immer neue Ergebnisse. Ist so. Bei mir ist das u. a. Sterben, bei Dostojewski ist das u. a. Suizid, aber sicherlich aus völlig unterschiedlichen Gründen. Während Dostojewski durch das Studium der menschlichen Seele und von Zeitungsartikeln als schwer religiöser Mensch zu ergründen versucht, warum jemand den Wunsch verspüren könnte, sich umzubringen, geht es bei mir oft um das Prozessuale des Sterbens, um das Vergängliche im Leben – um die Frage, was bleibt und wo gehen wir hin?

    So ist Dostojewski beispielsweise der Meinung, der Teufel sei ein Agnostiker. Und scheint auf „mein Thema“ so zu antworten:

    "I am a happy man who isn’t satisfied with everything."

    Seine Charakterstudie eines Selbstmörders hält fest, dass diese Menschen meist von ungeduldiger Erschöpfung (impatient fatigue) geplagt werden und sich durch ein furchtbares, quälendes Ausmaß von angeekeltem und zynischem Unglauben (terrible, agonizing amount of disgusted and cynical unbelief) (in andere Menschen) auszeichnen. Somit haben sie offensichtlich jedes Vertrauen in Wahrheit und allen Glauben an Pflicht verloren und der Überdruss von Leben ermüdet sie. Das scheint vor allem auf wohlwollende, freundliche und ehrliche Menschen zuzutreffen. Doch Selbstmordgedanken machen noch keinen Suizid. So schreibt Dostojewski:

    "I think that many suicides and murders have been committed simply because the person had already taken the pistol into his hand."

    Wie sonst können die gleichen Umstände und Voraussetzungen zu unterschiedlichen Ergebnissen führen? Das wird zum Beispiel in „Crime and Punishment“ oder „Verbrechen und Strafe“ deutlich, als Raskolnikow nicht nur eine geizige Pfandleiherin umbringt, um der Frage nach einem „gerechtfertigten/erlaubten Verbrechen“ nachzugehen, sondern auch ihre zufällig erscheinende Halbschwester tötet, was weder geplant noch gewollt war, aber er hatte die Axt nun mal schon in der Hand und er hatte bereits getötet. Außerdem: Sie wäre eine Zeugin gewesen.

    Um den Roman „Verbrechen und Strafe“ zu verstehen, muss man übrigens unbedingt (!!!) den Epilog lesen. Sonst wird die Intention des Autors nicht klar.

    Noch eins zum Thema Selbstmord und dann werden wir politisch.

    "Only with faith in the immortality of the soul you can understand the sense of earthly being. Without that suicide becomes a necessity for any intellectual being."

    Einer der wichtigsten Sätze – insbesondere vor dem Hintergrund aktueller Geschehnisse in der Welt – ist der folgende, der offenbar auf das Phänomen „Ah, das ist weit weg …“ anspielt:

    "At what distance does love for humanity end?"

    Das Wort Kasino-Kapitalismus finden wir unweigerlich beim Autor von „Der Spieler“ in leichter Abwandlung wieder – „stock-exchange gambling“ – im 19. Jahrhundert. Ich werde nicht müde, darauf hinzuweisen, dass Dostojewski diesen Roman nicht (nur) aufgrund von etwaiger Spielsucht, sondern tatsächlich als Kritik am Finanzsystem geschrieben hat. Oh, und er hatte eine ausgesprochene Abneigung gegen Finanzen! Er war übrigens auch nur so hochverschuldet bzw. willig am Roulettetisch sein Glück zu versuchen, weil er einen riesigen Schuldenberg von seinem älteren Bruder vererbt bekommen hatte, der nun abbezahlt werden musste, ein Fakt, der nur allzu gern unterschlagen wird.

    Eine wunderbare Definition von „Kultur“ (lat. colere = pflegen, bebauen, cultura = Ackerbau, Pflege) liefert Dostojewski im Folgenden, auch wenn es nicht als Begrifferklärung hierfür explizit gemacht wird:

    "When a nation loses the urge for general individual self-betterment in that spirit in which it originated, then all „social institutions“ begin to die out, for there is nothing more to preserve."

    Generell haben viele Passagen an Aktualität nicht verloren, sondern nur gewonnen. Manche Textstellen lesen sich erstaunlicherweise so als wären sie gestern geschrieben worden. Diese hier in ihrer Vollständigkeit wiederzugeben, würde jedoch den Rahmen sprengen. Wer diesen überraschenden und schockierenden Aha-Effekt erleben möchte (Was, das hat der Ende des 19. Jahrhunderts schon gesagt?!), liest am besten selbst mal rein.

    Bevor ich diesen Beitrag beende, gibt es jedoch noch eine Frage zu beantworten, die ich eingangs aufgeworfen habe. Was ist dran: Dostojewski und der Judenhass? Denn das ist ja, was heute gemeinhin mit Antisemitismus gemeint wird.
    Dostojewski und Antisemitismus

    Bereits in der Einleitung nimmt sich Kenneth Lantz dem Thema selbst an und weist auf ein paar, zugegebenermaßen sehr harsch formulierte Passagen im Buch hin. So würden die Juden, würden sie je über Russland herrschen, die Russen versklaven, massakrieren und komplett ausrotten, „as they did more than once with alien peoples in times of old in their ancient history“. Juden, Jiddisch, Israeliten – all diese Terme werden synonym durcheinandergeworfen und teils mit drastischen Zuschreibungen versehen. Dabei ist die Rede von einem abstrakten „Yiddism“, von einem gewissen Geist – selten von konkreten Menschen. Die auch heute noch allzu häufige Verknüpfung von Finanzwesen, Kapitalismus, Ausbeutung und Internationalisten mit Juden findet sich ebenso bereits bei Dostojewski. So streitbar das klingen mag, wäre es dennoch falsch, den Autor als Judenhasser per se abzustempeln. Warum?

    Wie bereits Lantz in der Einleitung anmerkt, ist Folgendes im Falle von Dostojewski hervorzuheben:

    "Dostoevsky does not draw the conclusion that those whom the Jews would enslave or exterminate would be justified in expelling or exterminating the Jews first."

    Er ruft also zu keinem Zeitpunkt zu Beschimpfungen, Gewalttaten oder sonstigem gegen Juden auf. Ein Kapitel im Speziellen beweist sogar so ziemlich das Gegenteil. Ich meine das Kapitel „The Funeral of ‚The Universal Man'“. Hier wird die Beerdigung eines deutschen Arztes beschrieben, der in M. praktizierte und Protestant war. Nun, warum erzähle ich das und was hat das mit der aufgeworfenen Frage zu tun? Dostojewski selbst erzählt von dieser Beerdigung auch nur, weil er einen Leserbrief erhalten hat, in welchem selbige beschrieben wird und zwar von einer Jüdin. Daran ist ja immer noch nichts Besonderes. Und doch soll diese Episode nicht unerwähnt bleiben. Denn was Dostojewski an diesem sehr gutherzigen Arzt so herausragend fand, war der Respekt, der ihm auf seinem letzten Weg entgegengebracht wurde. Die Leserin schreibt in ihrem Brief:

    "A pastor and a Jewish rabbi spoke at his [the doctor’s] graveside, and both wept; but he just lay there in his old, worn uniform coat with an old handkerchief tied around his head – that dear head; and it seemed that he was sleeping, so fresh was the color of his face …"

    Dostojewski selbst eilt Kritikern voraus und stellt selbst fest, es handle sich um einen „isolated case“. Am Ende nimmt er denselben isolierten Fall jedoch als Musterbeispiel dafür, wie unterschiedliche Religionsgruppen und Ethnien friedlich und glücklich miteinander leben könnten und schreibt:

    "All this is very simple; only one thing seems complicated: just to become convinced that without these same isolated instances you will never arrive at a total; everything may be about to fall apart, but it is these people who can bring it together. They are the ones who inspire ideas; they are the ones who give us faith; they provide a living example, and so a proof as well. And there’s certainly no need to wait until everyone, or at least very many people, are as good as they are: we need very few such people in order to save the world, so powerful are they. And if such is the case, then how can we not hope?"

    Jemand, der sich derart über das Zusammentreffen von Pfarrer, Rabbi und allen anderen Bewohnern eines ganzen Ortes bei der Beerdigung eines wohltätigen Menschen freut, der diese Verständigung als beispielhaft für Nächstenliebe, und mehr noch, als zukunftsweisend, beschreibt, der wirkt auf mich nicht wie ein Antisemit. Trotzdem sind auch die anderen angesprochenen Textstellen im Buch vorhanden.
  19. Cover des Buches Onkelchens Traum - Das Gut Stepantschikowo und seine Bewohner. (Gesammelte Werke in 20 Bänden, hg. von Gerhard Dudek und Michael Wegner). Deutsch von Günter Dalitz. OLnbd. mit OSU (berieben, leicht abgestoßen), obere Ecken etwas eingedrückt. - 489 S. (pages) (ISBN: B002HQNJ4E)
  20. Cover des Buches Der Doppelgänger - Weiße Nächte - Frühe Prosa 1 und 2. (ISBN: B00BJ8E8ZA)
  21. Cover des Buches Ich denke immer nur an Dich (ISBN: 9783351039288)
  22. Cover des Buches Eine verfängliche Frage. Aufsätze, Feuilletons (ISBN: 9783351005023)
    Fjodor M. Dostojewski

    Eine verfängliche Frage. Aufsätze, Feuilletons

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    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Enthält u.a. auch Texte von Dostojewski, die weder seinen Werken noch seinen Tagebüchern zuzuschreiben sind. Facettenreich. Informativ. mehr zu Dostojewski: http://dostojewski.npage.de
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