Bücher mit dem Tag "dtsch.bpreis-longlist"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "dtsch.bpreis-longlist" gekennzeichnet haben.

30 Bücher

  1. Cover des Buches Das flüssige Land (ISBN: 9783608964363)
    Raphaela Edelbauer

    Das flüssige Land

     (106)
    Aktuelle Rezension von: Kajani

    Ich habe mich in den letzten Tagen bis etwa Seite 180 mehr oder weniger durchgequält, es gab für mich recht interessante Passagen, aber auch weniger interessante Passagen, die für mich den Großteil ausmachten. 

    Ich fand die genutzte Sprache und vieles irgendwie einfach merkwürdig und konnte mich nicht so recht darauf einlassen.

    Das Buch war aufgrund mancher Wortschöpfungen für mich nicht ganz flüssig zu lesen. 

    Das Konzept fand ich generell aber sehr spannend, hätte für mich aber vermutlich anders geschrieben sein müssen, leider. 

  2. Cover des Buches Widerfahrnis (ISBN: 9783627002282)
    Bodo Kirchhoff

    Widerfahrnis

     (92)
    Aktuelle Rezension von: gst

    Reither hat sich auf seinen Altersruhesitz im Weißbachtal zurückgezogen. Seinen Verlag hat er verkauft, weil er feststellte, „dass es allmählich mehr Schreibende als Lesende gab“ (Seite 10). Noch hat er sich alte Gewohnheiten erhalten: er liebt nach wie vor Bücher, überlegt bei jedem Satz, ob er druckreif ist und spricht dem Rotwein zu. Als er ein Büchlein aus der hauseigenen Bibliothek mitnimmt, wird er von Leonie Palm, der Leiterin des Lesekreises, beobachtet. Da sie es geschrieben hat, wüsste sie gerne sein Urteil. Deshalb besucht sie ihn abends, um für den nächsten Tag einen Termin zu vereinbaren. Doch es kommt anders als gedacht. Zwischen den beiden entwickelt sich ein Gespräch, das sie noch in der Nacht zu einem Ausflug an den Achensee aufbrechen lässt. Der erhoffte Sonnenaufgang ist noch weit und zum Warten darauf ist es zu kalt, also geht die Fahrt weiter. Die beiden kommen sich zögernd näher und das späte Glück scheint zum Greifen nah zu sein.

    Ich habe die beiden gerne auf ihrer Reise über den Brenner und durch Italien begleitet. Ich spürte richtig, wie es nach und nach wärmer wurde und die kalten Tage im Gebirge in den Hintergrund rückten. Die im Alter der Protagonisten ungewohnte Spontanität lud mich zum Träumen ein. Vor allem in der zweiten Hälfte des Buches häuften sich die Überraschungen und ich wollte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.

    Fazit: Kirchhoff ist ein begnadeter Erzähler.

  3. Cover des Buches Winterbienen (ISBN: 9783406739637)
    Norbert Scheuer

    Winterbienen

     (88)
    Aktuelle Rezension von: ysmn

    Natur und Krieg. Bienen und Menschen. Leben und Tod.

    All dies verwebt Norbert Scheuer auf großartige und einfühlsame Weise in seinem Roman „Winterbienen“. Er erzählt in Tagebuchform über das Leben des Imkers Egidius Arimond in der Eifel, der während des Zweiten Weltkriegs Juden in seinen Bienenstöcken bis zur belgischen Grenze schmuggelt. Das Fortschreiten des Krieges, die Frauengeschichten des Protagonisten und seine Epilepsie, die immer schlimmer wird, weil er sich keine Medikamente mehr besorgen kann und schließlich die zunehmend gefährlicher werdenden Fahrten mit den Flüchtlingen führen dazu, dass die Situation beklemmender und bedrückender wird.

    Bevor die Geschichte jedoch an Rasanz zunimmt, gelingt es Scheuer, über den Krieg, der „doch immerzu anwesend [ist]; ein schrecklicher Dämon, der seit Menschengedenken existiert, versteckt in einem Winkel lauert und jederzeit unerwartet hervorkommen kann, um blindwütig die Natur und ihre Kreaturen zu schänden”, eindrücklich zu erzählen. Denn er stellt ihn dem Leben der Bienen und ihrem Rhythmus gegenüber, verbindet beides sprachlich miteinander und schafft so einen Kontrast, aber auch ein Nebeneinander.
    Einerseits sind die Bienen untrennbar mit den Schrecken des Krieges verbunden und beschützen nicht nur die Flüchtlinge in den Bienenkästen, indem sie sich wie eine Traube um die Menschen legen, sondern auch die Notizen Egidius’ und eine Notration seines Medikaments, die in den Kästen der Bienen sicher aufgehoben sind. Auf einer metaphorischen Ebene lassen sich außerdem die abstürzenden Flugzeuge, die an der Front gefallenen Soldaten, von denen lediglich die Särge den Weg zurück in die Eifel finden, mit einer Krankheit vergleichen, die die Bienen ihres Orientierungssinns beraubt. Sie finden nicht mehr in den Stock zurück und sterben. Ein anderes Bild sind die Menschen im Bunker, die sich wie ein Bienenschwarm zusammenfinden: „Im hintersten Winkel des großen Bunkers in der Bahnhofstraße hängt der ganze Ort gleichsam wie eine zitternde Menschentraube zusammen.”
    Andererseits aber, stehen die Bienen in ihrem Verhalten für all das, was der Krieg nicht ist. Sie arbeiten zusammen, sorgen besonders im Winter füreinander und verteilen “Wärme im Staat”, damit die Larven nicht erfrieren, während der Krieg Hass und Kälte im von menschlicher Hand geführten Staat verteilt. Der ewige Rhythmus der Bienen stellt sich dem Hass, dem Töten und der Zerstörung gegenüber. Sie bleiben vom Krieg unberührt: „Der Lärm der Angriffe scheint den Bienen nichts auszumachen; sie leben in einer anderen, wie es scheint, friedlichen Welt, sie interessiert der Krieg nicht.” Erst als Soldaten auf die Bienenstöcke schießen und diese mutwillig zerstören, hält der Krieg der Menschen selbst in der Bienenwelt Einzug.

    Scheuers Roman ist wie der Tanz der Bienen, wie ihr „Sprachballett”. Er wird den Schrecken des Kriegs gerecht und schafft es gleichzeitig, dass diese nicht die Überhand gewinnen. Er bahnt sich erzählerisch einen Weg durch das Jahr 1944, indem er die Innenansichten des Protagonisten, historische Fragmente, Naturbeschreibungen der Eifellandschaft und den Rhythmus und das Leben der Bienen zu einem Gesamtbild verknüpft. Nicht zuletzt hat Scheuer Egidius Arimond mit diesem Roman ein ihm würdiges Denkmal gesetzt.

    Ein absolut lesenswertes Buch!

  4. Cover des Buches Der Sommer meiner Mutter (ISBN: 9783406734496)
    Ulrich Woelk

    Der Sommer meiner Mutter

     (56)
    Aktuelle Rezension von: renee

    Dieses Buch ist ein intensiver und auch berührender Blick auf den misogynen Mief einer vergangenen Zeit und ebenso eine Coming of Age Geschichte und auch ein Blick auf die Schuld. 

    Köln im Sommer 1969. Der elfjährige Tobias bewohnt mit seinen eher konservativen Eltern ein Haus und ist von der kommenden Mondmission und der Physík/Astronomie begeistert. Im Nachbarhaus ziehen ein linkes und politisch engagiertes Ehepaar und dessen dreizehnjährige Tochter Rosa ein. Nun wird das Leben der Familie von Tobias auf den Kopf gestellt. Tobias ist mehr und mehr von Rosa fasziniert, er wird älter und übersieht dabei auch andere Veränderungen in seiner Familie. Denn die Familien beeinflussen sich gegenseitig und aus der anfänglich positiven Entwicklung wird leider bald eine traumatische. Tobias Vater ist von der Nachbarin ganz hingerissen und Tobias Mutter wird von dem Ehepaar getriggert ihr Leben zu verändern. Doch die Mutter von Tobias und auch der Vater schlittern in eine für sie unbekannt gewordene Welt der Gefühle. Und diese Welt der Gefühle lässt das fragile Gefüge der Familien auseinanderbrechen. Und auch Tobias trägt eine schwer zu verkraftende Schuld. 

    Ulrich Woelk vermag diese Geschichte ruhig zu erzählen, aber das Erzählte wirkt nicht kühl oder distanziert. Der Autor schafft es mich zu beeindrucken und die Charaktere gehen mir nahe. Sie zünden mich nur nicht an. Aber hier fehlt wirklich nicht viel. Schade!

  5. Cover des Buches Nicht wie ihr (ISBN: 9783218011532)
    Tonio Schachinger

    Nicht wie ihr

     (28)
    Aktuelle Rezension von: mariameerhaba

    Gleich im ersten Satz wird mir vorgeworfen, dass ich das Gefühl von Ivo nicht nachempfinden kann, weil ich kein Bugatti besitze. Das ist ein grausamer Anfang, der meine Gehaltsklasse beleidigt.

    Das Buch versucht das Wienerische IN zu machen, indem es halt ein paar Wörter dazwischen streut. Ich bin zwar mit dem Wienerischen aufgewachsen, sei es Oida, Beidl, Schiacha, aber hier wurde ich nicht warm damit, sondern es fühlte sich wie ein Effekt an, der sich nicht entfalten konnte. Es liegt vielleicht daran, dass einige Sätze so dermaßen dumm sind, dass Kopfschütteln allein nicht genügte: "Aber es ist nicht sein Schwanz, der hart wird, sondern seine Brust oder sein Herz." Das ist so, als würde man versuchen, einem echt dummen Menschen Liebe zu erklären.

    "Sie sind wie geriffelte Chips" - wie kann man bloß denken, dass das eine schöne Beschreibung für zwei Personen sind, die miteinander schlafen?

    "Ivo sind Worte egal, er weiß, dass sie nichts bedeuten." Außer natürlich man nennt ihn einen Tschuschen, dann haut er sofort zu. Solche Widersprüche kommen ständig in der Geschichte und ruinieren damit die Glaubwürdigkeit der Figur. Hier fühlte es sich sogar so an, als würde der Autor sich über die eigene Figur lustig machen.

    Die Dialoge sind kurzgehalten, als hätte der Autor absolut keine Lust gehabt, sich damit auseinander zu setzen. Wenn sie doch miteinander reden, dann mit dem Wiener Dialekt und der Ghettosprache, in der sie sich gegenseitig als Bruder bezeichnen.

    Manchmal ist ein Absatz eine ganze Seite lang, als wollte der Autor nicht, dass der Leser sich beim Lesen irgendwie unterbricht. Das ist unschön und schadet dem Lesefluss ungemein.

    Die Handlung ist für den Autor nebensächlich. Sie ist wie eine nervige Angelegenheit, von dem sich der Autor liebend gern distanzieren würde, um sich gänzlich den Gedanken Ivos zu widmen. Die wiederum sind dermaßen langweilig, dass ich es bis zur hundertsten Seite schaffte, aber danach nicht mehr weiterlesen wollte, weil es sich anfühlte, als würde es meinem Intellekt, was nicht gerade berauschend hoch ist, schaden.

    Ivo ist keine interessante Figur. Ivo ist eindeutig ein dummer Fußballer, der sich tiefgründig gibt, ohne es zu sein, der lieber denkt als spielt und dafür sorgt, dass ein Fußballstar wie die schlimmste Schlafpille aller Zeiten wirkt. Definitiv keine Empfehlung. Tonio Schachinger kann nicht schreiben und ich finde es eine Schande, dass ein Verlag das hier veröffentlicht hat.

  6. Cover des Buches Hool (ISBN: 9783746633954)
    Philipp Winkler

    Hool

     (132)
    Aktuelle Rezension von: rkuehne
    Philippe Winklers Geschichte von Hannover 96 Fan und Hooligan Heiko und seinen Jungs ist brutal, schnell, kalt und gleichzeitig herzerwärmend und zutiefst menschlich. Winkler zeigt mit seinem tiefen Blick in die Szene von Hooligan-Schlachten, Fitnessstudios, Drogen, Rockern, Nazis und Hundekämpfen, dass auch hinter dieser kalten und brutalen Welt Menschen mit einer Geschichte, mit seelischen Schmerzen stecken. Winkler zeigt wieviel Freundschaft und Zusammenhalt in der Szene stecken und erklärt so, was sie so attraktiv macht, entzaubert sie und entdämonisiert sie. Ein trauriges, schmerzhaftes, gutes Buch.
  7. Cover des Buches Wie hoch die Wasser steigen (ISBN: 9783446258150)
    Anja Kampmann

    Wie hoch die Wasser steigen

     (17)
    Aktuelle Rezension von: raveneye

    Waclaw und Mátyás arbeiten zusammen auf einer Ölbohrplattform, doch bei einem Unwetter geht Mátyás über Board und für Waclaw bricht eine Welt zusammen.


    Der Klappentext des Buches war vielversprechend und hat mich neugierig gemacht auf das Buch, nur konnte ich leider mit der Umsetzung nicht viel anfangen. Leider.


    Ich habe an sich nichts dagegen wenn die Sprache eines Buches etwas anspruchsvoller ist solange die Geschichte im Gesamten stimmig ist und ich mich von sich überzeugen kann. Dies kann ich von „Wie hoch die Wasser steigen“ leider nicht sagen. Der Mangel an Redezeichen ist hier eher nebensächlich, denn damit hätte ich leben können, aber Sprache und Satzbildung haben hier schon einige Hürden für einen guten Lesefluss bereitgehalten.

    Die Autorin arbeitet mit einer sehr bildhaften Sprache, die recht schwer daherkommt und nicht immer auf Anhieb verständlich wirkt. So dass das Kopfkino zwar anspringt, aber keine zusammenhängenden Bilder erzeugt, weil man nur Fragmente des Geschriebenen wirklich zu fassen bekommt. Was auch teilweise an den Sätze liegt, die versuchen diese Geschichte zusammenzusetzen. Sie machen oft einen ungelenken Eindruck und klingen seltsam oder holperig. Die Geschichte läuft nicht rund, kann man sagen.

    Und auch die Charaktere und der zugrundeliegende Ton des Buches konnten mich nicht im geringsten für sich einnehmen.


    Ich habe einfach keinen Zugang zur Geschichte gefunden und deswegen ist das Buch für mich leider ein Leseflop gewesen.

  8. Cover des Buches Lichter als der Tag (ISBN: 9783895614088)
    Mirko Bonné

    Lichter als der Tag

     (16)
    Aktuelle Rezension von: Xirxe
    Raimund Merz, um die 50, Familienvater, Ehemann und lustloser Angestellter einer Wochenzeitung, sieht eines Tages überraschend von Weitem seine Jugendliebe Inger. Dies löst Ereignisse mit ungeahnten Konsequenzen aus, die Raimunds Leben vollständig auf den Kopf stellen. Nichts scheint mehr Bestand zu haben und nach einem intensiven Abtauchen in die Vergangenheit fasst er einen radikalen Entschluss.
    Was mich an diesem Buch wirklich begeistert hat, ist die wunderbare Sprache des Autors. Ja, stellenweise klingt sie etwas gestelzt und bemüht, doch das ist nicht allzu häufig wie ich finde. Meist fand ich seinen Stil herrlich poetisch und die Bilder, die er heraufbeschwört, sehr aussagekräftig (zum Beispiel "... war er überzeugter gewesen, dass was er aus den Flaschen so lange weltvergessen in sich hineingoss, bis es wieder aus ihm herausfloss, gar nicht Wein war, sondern in Wahrheit Tränen."). Wenn jetzt noch die Geschichte gestimmt hätte, wäre dies ein grandioses Buch.
    Aber mich haben fast alle der Mitwirkenden schlicht genervt. Dass Menschen eine falsche Entscheidung treffen und in dieser aus den unterschiedlichsten Gründen verharren - keine Frage, das ist garantiert keine Seltenheit. Aber was hier an den unterschiedlichsten Personen dargestellt wird, ist doch wirklich kaum glaubwürdig. Praktisch heiraten Alle in vollem Bewusstsein den falschen Menschen, den sie entweder nicht lieben oder genau wissen, dass er jemand andern sein Herz geschenkt hat. Der Protagonist harrt über Jahrzehnte in endloser Lethargie aus und ergeht sich in Selbstmitleid, seine Ehefrau holt sich ihre Befriedigung in der Karriere und züchtet ihre Wut; die wahre Liebe des 'Helden' ist traumatisiert und weiß deshalb nicht so recht, was sie will; und deren Ehemann muss das haben was er will, damit es kein Anderer bekommt. Wunderbar - und dann macht man noch einen auf Friede Freude Eierkuchen und gute Freundschaft. Was für ein Blödsinn! Aber immerhin alles in einer wirklich schönen Sprache.
    Tja, damit ist es ein bisschen besser als der Durchschnitt (guter Stil ist nicht so häufig wie eine gute Geschichte, finde ich ;-)), aber nicht wirklich des Lesens wert.
  9. Cover des Buches Cherubino (ISBN: 9783552059498)
    Andrea Grill

    Cherubino

     (15)
    Aktuelle Rezension von: SusanneEichholz

    Dieser Roman ist sehr facettenreich und fasziniert durch seinen Blick hinter die Kulissen ebenso wie durch die Schilderung des Alltags einer Profisängerin. Auch beschreibt Grill die emotionale Erfahrung der Schwangerschaft für die späte Mutter durchaus gelungen. Ich würde diesen Roman, der mir zu meinem nachträglichen Erstaunen von einem Mann ans Herz gelegt wurde, noch viel ausdrücklicher empfehlen, wenn ich noch mehr über die Oper und etwas weniger über Liebesszenen in Hotelzimmern hätte lesen können.

  10. Cover des Buches Die Witwen (ISBN: 9783990270882)
    Dagmar Leupold

    Die Witwen

     (12)
    Aktuelle Rezension von: Arietta

    Meine Meinung zum Buch und Autorin:



    Ich muss sagen es ist wirklich ein Abenteuerlicher Roman. Voller Witz, Charme, tiefgründiger Wahrheiten mit viel Humor. Er hat die Qualität einer sehr Guten Mosel Auslese mit Goldmedaille.


    Es geht um die vier Frauen beste Freundinnen von Kindesbeinen an, sie halten zusammen wie Pech und Schwefel, man kann sie wie ein Kleeblatt vergleichen. Sie leben an der Mosel in einem verträumten Ort der in der Moselschleife liegt.

    Penny, die seit ihrer Hochzeit mit Otto dort lebt und das Weingut und das Lokal mit ihrer Schwiegermutter führt. Die drei anderen Beatrice, Dodo und Laura sind ihr von Berlin dort hin gefolgt, und sich in ihren Berufen erfüllt fühlen. Aber eines fehlt dem Kleeblatt ein Mann, sie fühlen sich wie Witwen, obwohl das auf keine zutrifft. Bei Penny vielleicht, Otto ist von einer Geschäftsreise nicht zurückgekehrt. Sie sind eine lustige Gesellschaft für jeden Spaß und Blödsinn zu haben. Sie Planen in einer Weinseeligen Laune auf Reisen zu gehen, aber dafür muss ein Chauffeur her, die Wahl fällt auf Bendix, schwer einzuschätzen, ein Eigenbrötler mit Macken.

    Es wird wirklich eine Abenteuerliche Reise auf der man sie begleitet, bis zur Mündung der Mosel und weiter.

    Es gibt so manche Pannen, bei der größten wo der Wagen streikt, haben sie viel Zeit in sich zu gehen, So erzählt jeder von den Fünfen seine Lebensgeschichte. Ihre Erinnerungen sind Humorvoll, aber auch teilweise von tiefgründiger Traurigkeit überschattet. Ich musste oft schmunzeln über diese Gemeinschaft, ihre Reise die begleitet ist von Witz, Charme und Humor. Ihnen wurde so einiges klar auf dieser Reise, ohne genauen Plan wo sie eigentlich hingehen sollte


    Zur Autorin:

    Sie hat mit viel Einfühlungsvermögen, Witz, Charme, Humor und einem Augenzwinkern, eine sehr spannende Lektüre über das Leben und eine Planlose Abenteuerliche Reise geschrieben, man kam an so viele Orte, lernte neues kennen. Erfährt viel über ihre Protagonisten, ihr Seelenleben und ihre Liebenswerte Macken. Den Schreibstil fand ich sehr mitreißend, tiefgründig , Humorvoll und temporeich, es kam nie Langeweile auf. Ein Roman voller überraschender Wendungen über die Dinge des Lebens.


    Eine Lektüre die ich mit Begeisterung gelesen habe, sie ist wie ein guter Alter Wein, den man genießt.

  11. Cover des Buches Nach Onkalo (ISBN: 9783827013149)
    Kerstin Preiwuß

    Nach Onkalo

     (17)
    Aktuelle Rezension von: Thomas_Lawall
    Matuschek ist allein. Die ungewohnte Stille macht ihm zu schaffen. "Es gibt keine Geräusche mehr außer seinen." Eigentlich hätte sie längst mit dem Besenstiel an die Decke klopfen müssen. Verschlafen hat er deshalb, und das Frühstück ist auch noch nicht fertig. Die Heizung ist kalt und ein Anflug von Panik macht sich breit.

    Die gewohnte Ordnung der Dinge ist erheblich gestört. Vierzig Jahre alt ist er und wohnt immer noch bei seiner Mutter. Seine Sachen für die Arbeit sind nicht gepackt und die Tauben auch noch nicht gefüttert. Stattdessen liegt sie im Bett, "macht aber immer noch keine Anstalten aufzustehen...".

    Matuschek versteht das nicht. Deshalb geht er rüber zum Russen, obwohl er nicht weiß, was er ihm sagen soll. Igor versteht ihn trotzdem und kommt mit in sein Haus. Matuscheks Mutter ist tot. Einfach so gestorben. Ohne Warnung und Vorzeichen.

    Kerstin Preiwuß schildert mit einfachen Worten ein ebenso einfaches Leben, erzielt damit aber eine große Wirkung und Nachhaltigkeit. "Nach Onkalo" ist wie ein Film mit langen Einstellungen und kommt ohne jede Spezialeffekte aus. Die braucht es auch nicht, denn mit ihren simplen Sprachkonstruktionen weiß sie zu berühren und das Leben an wesentlichen Punkten zu treffen.

    Matuschek ist kein großer, starker Held. Er sehnt sich wie jeder Mensch nach Glück, doch in wesentlich kleinerem Rahmen. Bescheidenheit ist für ihn eine ganz normale Sache. Zum Leben braucht es nicht viel. Mit Irina, der Cousine von Igors Frau, viel Sonne und den frisch aufgebackenen Brötchen vom Vortag scheint sein Glück ganz aktuell besiegelt zu sein.

    Die Autorin zelebriert kein großes Theater. Im kleinen Rahmen sieht sie keinen Platz für verschachtelte Weisheiten und komplizierte, existenzielle Suchspiele. Wenn Matuschek einmal tot ist, will er "ins Wasser zu den Fischen", nicht auf den Friedhof. "Teuer ist das und für nichts."

    "Die ersten Wochen nach Mutter" gestalten sich schwierig. Unlösbar scheint das zunächst alles zu sein. Doch manchmal ist die Lösung einfacher als man denkt. Igor meint, dass man Dinge aussprechen muss, "damit sie vor einem stehen und man ihnen in die Augen sehen kann". Ob das vielleicht ein Weg ist?

    So ein Buch ist ein Glücksfall. Die Geschichte von Matuschek und einer handverlesenen Auswahl von Nebenfiguren, wie er selbst eine ist, erzählt vom Leben am Rand der Welt. Man müsste einmal den Inhalt von Bücherregalen prüfen. Vielleicht sollten die ganzen halben Sachen raus und Perlen wie "Nach Onkalo" hinein.
  12. Cover des Buches 89/90 (ISBN: 9783442714650)
    Peter Richter

    89/90

     (32)
    Aktuelle Rezension von: Wonni1986
    Titel: "89/90"
    Autor: Peter Richter
    Verlag: btb
    Seitenzahl: 411

    Cover:
    Unscheinbar in sommerlichen Farben gehalten und es ist ein Softcover. 

    Schreibstil:
    Es liest sich sehr flüssig und alles was unverständlich geschrieben wurde, wurde mit Fußnoten erklärt. Man merkt richtig, dass es dem Auto wichtig ist, dass zu erzählen was ihm wichtig ist. Es ist ihm gelungen. Handlungen, Personen und Gegenständen wurden so beschrieben und erzählt das man es sich sehr gut vorstellen kann. Er schreit aus der ich und allgemeinen Perspektive.

    Inhalt:
    Das Lebensgefühl einer rebellischen Generation am Ende der DDR Sie sind der letzte Jahrgang, der noch alles mitmachen darf – damals in Dresden vom Sommer vor der Wende bis zur Wiedervereinigung: die lauen Freibadnächte und die Ausweiskontrollen durch die »Flics« auf der »Rue«, die Konzerte im FDJ-Jugendklub »X. Weltfestspiele« oder in der Kirche vom Plattenbaugebiet, wo ein Hippie, den sie »Kiste« nennen, weil er so dick ist, mit wachsamem Blick Suppe kocht für die Punks und ihre Pfarrerstöchter. Sie sind die Letzten, die noch »vormilitärischen Unterricht« haben. Und sie sind die Ersten, die das dort Erlernte dann im Herbst 89 erst gegen die Staatsmacht anwenden. Und schließlich gegeneinander. Denn was bleibt dir denn, wenn du zum Fall der Mauer beiträgst, aber am nächsten Tag trotzdem eine Mathe-Arbeit schreiben musst, wenn deine Freundin eine gläubige Kommunistin ist und die Kumpels aus dem Freibad zu Neonazis werden? Von der Unschuld des letzten Sommers im »Tal der Ahnungslosen« bis zu den Straßenschlachten rund um die deutsche Einheit: Peter Richter beschreibt in seinem autobiografischen Roman das chaotische Ende der DDR aus der Sicht eines damals Sechzehnjährigen – pointiert, authentisch und sprachlich brillant. Coming of Age im Schatten von Weltgeschichte.

    Meinung
    Ich bin ein kleiner DDR Fan, ja richtig gelesen. Ich mag diese Zeitepoche, warum? Alles hatte seinen Platz, es gab alles was man benötigte und keine wirklich keiner wurde zurückgelassen. Sicherlich musste man Abstriche machen, aber das müssen wir heute auch, oder? Ich mag dieses wir Gefühl. Und dieses Buch beschreibt es einfach auf den Punkt! Wenn man es liest, und diese Zeit auch noch erlebt hatte, wird man sich definitiv wieder finden…und auch AHA-Momente haben…oder auch die Flashbacks. Ich hatte es so schnell durchgelesen, dass ich total überrascht war. Ich könnte jetzt stundenlang weiterschwärmen und euch erzählen, dass zu dieser Lektüre Hallorenkugeln oder Knusperflocken hervorragend passen und auch noch viele andere (auch inhaltliche Dinge), aber lest es selber und ihr landest mit 100% Wahrscheinlichkeit zurück im Sommer 89/90….
    Nur möchte ich gerne wissen wer dieser S. ist…hm…
  13. Cover des Buches Kintsugi (ISBN: 9783596704927)
    Miku Sophie Kühmel

    Kintsugi

     (65)
    Aktuelle Rezension von: textwerkbremen

    Max und Reik sind ein Traumpaar. In ergänzender Gegensätzlichkeit lieben sie sich intensiv und rückhaltlos. Nach zwanzig Jahren leben sie eine perfekt-harmonische Beziehung. Scheinbar.

    Das Berliner Paar verbringt ein Wochenende in seinem Häuschen am See. Sie erwarten Reiks Jugendfreund Tonio und dessen erwachsene Tochter Pega. Die drei Männer haben Pega gemeinsam großgezogen. Alle vier sind trotz Widrigkeiten eng miteinander verbunden. Scheinbar.

    Das Zusammensein am entlegenen Ort löst schnell alle scheinbaren Ordnungen auf. „Das Haus stellt die Dinge scharf. Wie unter einer Schneekugel. Jedes Ding, jedes Objekt, jede Geste, jede Situation und jeder unausgesprochene Satz“, stellt Reik symptomatisch fest.

    Die Autorin Miku Sophie Kühmel wählt ein geschicktes Erzählprinzip, um unter die vermeintlich glänzende Oberfläche zu blicken: Der Lesende taucht kapitelweise in die einzelnen Figuren ein und bricht so die äußere Momentblase auf. Unmittelbar lesen wir über die verwirrenden Gefühle der Personen, blicken tief in ihre Seelen. Die Innenperspektiven pendeln zwischen der Jetztsituation und vergangenen Erinnerungspunkten, verdeutlichen eine komplexe Verbindung von Sehnsüchten, Brüchen, Ängsten und Wünschen. Den Perspektivwechsel zur nächsten Person bereiten jeweils kurze Intermezzi vor. In diesen findet sich das Quartett am Küchentisch ein und wird wie in einem reduzierten Kammerspiel gleichwertig distanziert beschrieben.

    Eine japanische Teekanne spiegelt kunstvoll Aufbau sowie Gesamtthematik des Romans. Als Inbegriff eines Feng-Shui-Perfektionismus verrückt Reik diese bereits beim Betreten des Hauses. Was als eine kleine Boshaftigkeit gegen Max‘ Ordnungswahn gedacht war, führt am Ende des Wochenendes zu einem kompletten Scherbenhaufen. Es bleibt offen, ob das zerbrochene Porzellan und die Lebensbruchstellen wie beim Kunsthandwerk #Kintsugi tatsächlich mit Gold zu reparieren sind.

    Ein starker #Debütroman, der trotz seiner äußeren Konstruiertheit ganz dicht an die vier Protagonisten führt. Jede Figur ist subjektiv-tiefgründig beschrieben und liebenswert durch ihre Sehnsüchte nach Individualität und Gemeinsamkeit.

    [selbstgekauft, unbezahlte Werbung]

  14. Cover des Buches Drehtür (ISBN: 9783596298891)
    Katja Lange-Müller

    Drehtür

     (27)
    Aktuelle Rezension von: wbetty77

    Der Roman „Drehtür“ ist 2016 beim Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen.

    Asta Arnold ist 63 Jahre alt und kehrt nach jahrzehntelangem Einsatz als Krankenschwester für diverse Hilfsorganisationen zurück nach Deutschland. Die Sprache ist ihr fremd geworden sowie auch der normale zwischenmenschliche Umgang.

    Als sie am Münchner Flughafen landet, führt ihr erster Weg hinaus durch die Drehtür, um zu rauchen. Asta ist Kettenraucherin. Sie steckt sich eine Zigarette nach der anderen an und schaut dabei durch die Scheibe in das innere das Flughafengebäudes. Sie sieht die Menschen kommen und gehen, sitzen und liegen. Dabei entdeckt Asta Personen, die auf irgendeine Weise Leuten ähneln, die in ihrem Leben eine Rolle gespielt haben. So erinnert sie sich, während sie rauchend vor der Drehtür steht, an Fragmente ihres unsteten Lebens. Doch sind ihre Erinnerungen wahrhaftig?


    Erinnert man sich tatsächlich nach vielen Jahren noch ganz genau? Dichtet die eigene Fantasie nicht manchmal etwas hinzu, um Erlebtes zu verschönern oder zu verdrängen. Asta blickt zurück auf ihr bewegtes Leben. Sie denkt über das Helfen nach, das sie zu ihrem Beruf gemacht hat. Ist Helfen in Wirklichkeit nur ein Reflex, der bei manchen Menschen nur stärker ausgeprägt ist.


    Beim Lesen lernt an Asta besser kennen, doch man kommt ihr nicht nah. Allerdings ist niemand Asta jemals nah gekommen, das begreift man im Laufe des Buches. Die deutsche Sprache ist der Figur fremd geworden. Einzelne Wörter fallen ihr ein und sie seziert sie auf das Genauste. „Urlaub“, die Zusammensetzung scheint für sie trostlos; altes Laub, moderig, schimmelnd.


    Es ist ein kurzweiliges Buch. Eine Momentaufnahme einer bisher rastlosen Frau, deren Leben zwischen Vergangenheit und ungewisser Zukunft schwebt, da sie keine Ahnung hat, wie ihre weiteres Leben als Rentnerin aussehen soll. Es ist eine melancholische, nachdenkliche Geschichte über eine einsame Frau.

  15. Cover des Buches Die Leben der Elena Silber (ISBN: 9783596704149)
    Alexander Osang

    Die Leben der Elena Silber

     (75)
    Aktuelle Rezension von: ingaburg


    Familiengeschichte vereint mit 100 Jahre russischer Geschichte haben mich in den Bann gezogen – 617 Seiten sehr gut geschriebene Literatur von Alexander Osang.

     

    Worum geht es?

     

    Es geht um die bewegte Lebensgeschichte von Jelena, die 1902 in Russland geboren wurde, um ihre Familie und um diverse Umsiedlungen. Auf einer zweiten Zeitebene begleitet man ihren Enkel Konstantin, der mehr über die Vergangenheit seiner Familie erfahren möchte. Die Geschichte der Elena Silber wird eingekreist und von verschiedenen Seiten beleuchtet. Man durchlebt Kriege und Revolutionen, Stalins Geburtstag, radikale Umbrüche voller Brutalität, einen Urgroßvater, der als Revolutionär von Befürwortern des Zaren umgebracht wird, eine Großmutter, die fünf Töchter großzieht und vieles mehr.

    Meine Meinung: 

    Ein lesenswerter Schmöker mit einer Portion Witz und Leichtigkeit, der mir auch inhaltlich gut gefällt. Insgesamt ein sehr vielschichtiges Buch über das Erinnern und das Vergessen und über das Begreifen der eigenen Familiengeschichte. 

  16. Cover des Buches Isabel (ISBN: 9783596032006)
    Feridun Zaimoglu

    Isabel

     (18)
    Aktuelle Rezension von: HEIDIZ

    Ich habe den Autor auf der Buchmesse in Leipzig getroffen. Es war ein unvergessliches Erlebnis. "Isabel" hatte ich vorher schon gelesen und möchte nun meine Gedanken zum Buch zusammenfassen.

     

    ·  Taschenbuch: 240 Seiten

    ·  Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 1 (22. Oktober 2015)

    ·  Sprache: Deutsch

    ·  ISBN-10: 3596032008

    ·  ISBN-13: 978-3596032006

    ·  Größe und/oder Gewicht: 12,5 x 1,4 x 19 cm

     

    PREIS: 9,99 Euro

     

    Die Geschichte ist eine Geschichte einer geendeten Liebe, der von Isabel, die ihren Freund verlässt, um ihr Leben neu zu gestalten. Dann ist da noch Marcus, der aus dem Krieg zurück kehrt. Die beiden lernen sich kennen. Es sind die menschlichen Beweggründe, die der Autor thematisiert.

     

    Das Buch umfasst "nur" 236 Seiten, dennoch hat es soooo viel Inhalt, der auf den Punkt - und an Stellen, wo man es sich als Leser wünscht, detailliert - dargestellt ist. Durchweg ist Spannung gegeben und man kann sich sehr gut in die Gefühlswelt der Charaktere hinein versetzen. Zaimoglu schreibt literarisch interessant und lebendig fesselnd. Er greift seine fiktiven Charaktere so auf, dass man sie dem Autor abnimmt, meint, genauso müsse es passiert sein. Er geht in die Tief ohne langatmig zu werden und hat mich mit diesem Buch - mit dieser Geschichte - zu 100 Prozent überzeugt.

     

    Randfiguren einer Gesellschaft nach dem Krieg - offen und auch mal ungemütlich dargestellt. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, sowohl vom literarischen Stil als auch vom Inhaltlichen.

  17. Cover des Buches Winters Garten (ISBN: 9783518466650)
    Valerie Fritsch

    Winters Garten

     (31)
    Aktuelle Rezension von: LenaSilbernagl
    Darum geht's: 
    Winters Garten, so heißt die idyllische Kolonie jenseits der Stadt, in der alles üppig wächst und gedeiht, in der die Alten abends geigend auf der Veranda sitzen, die Eltern ihre Säuglinge wiegen und die Hofhunde den Kindern das Blut von den aufgeschlagenen Knien lecken.
    Winters Garten, das ist der Sehnsuchtsort, an den der Vogelzüchter Anton mit seiner Frau Frederike nach Jahren in der Stadt zurückkehrt, als alles in Bewegung gerät und sich wandelt: die Häuser und Straßenzüge verfallen, die wilden Tiere in die Vorgärten und Hinterhöfe eindringen und der Schlaf der Menschen schwer ist von Träumen, in denen das Leben, wie sie es bisher kannten, aufhört zu existieren. 

    Das Buch:
    Das Buch ist aus der personalen Er-Perspektive geschrieben und erzählt die Geschichte von Anton Winter. 
    Zunächst wird der Leser in die Idylle von Winters Garten eingeführt. Hier scheint zunächst alles perfekt zu sein, obwohl einige Missstände herrschen. 
    Sofort wird der Leser in eine Welt eingeführt, die nicht mit unserer derzeitigen identisch ist. Das merkt man auch sofort, auch wenn dies nicht direkt angesprochen wird. 
    Zunächst erfährt man viel über die Kolonie selbst, aber auch über das Leben dort. Auch über Anton und seine Familie erfährt man einiges. 
    Alles in allem erfährt man ziemlich viel über die Protagonisten und die Welt, obwohl es nur wenig Seiten sind. In diesen wenigen Seiten werden sehr viel Information verpackt. 
    Sprachgewaltig und sehr detailreich erzählt Fritsch vom Leben in der Gartenidylle. Die später von der Stadt verdrängt wird und sehr viel später wieder zurückkehrt. 
    Denn Anton geht später in die Stadt. Diese wird nicht näher genannt, jedoch gut beschrieben. Sie ist heruntergekommen und nicht mehr als eine Ruine. 
    Fritsch versteht es, die Garten-Idylle und die Stadt-Ruine gegeneinander zu stellen. Dabei bleibt im Hintergrund die dystopische Welt nicht im Rückstand. 
    Obwohl das Buch sich sehr schnell lesen lässt und man nicht sagen kann, dass es langweilig wäre. So ist es dennoch etwas enttäuschend, denn der tatsächlich Untergang der Welt lässt etwas auf sich warten. Trotzdem kann Fritsch mit ihrer Sprache und ihrem Ton überzeugen. Auch wenn es vielleicht nicht dieses Buch ist.  
       


  18. Cover des Buches Kraft (ISBN: 9783442716616)
    Jonas Lüscher

    Kraft

     (48)
    Aktuelle Rezension von: misery3103
    Richard Kraft, Rhetorikprofessor in Tübingen, wird zur Teilnahme an einer wissenschaftlichen Preisfrage in die USA eingeladen. Er soll sich mit der Frage befassen, wie wir alles, was gut ist, noch besser machen können. Als Preisgeld winkt eine Millionen Dollar, die Kraft gut brauchen könnte, um sich aus seinem unglücklichen Leben freizukaufen. Doch die Antwort auf die gestellte Frage ist schwieriger als erwartet.

    Das Buch hat mir nicht wirklich gefallen. Es wird geredet und geredet und geredet, ohne dass bei mir etwas von dem Gesagten ankommt. Während Kraft sich mit der gestellten Frage beschäftigt, wird sein Leben erzählt. Während er in beruflichen Dingen durchaus erfolgreich ist, ist sein Privatleben eine Katastrophe, was mir – während ich seinem Geschwafel lausche – durchaus verständlich ist.

    Der Roman ist mir einfach zu hohl, alles nur Gerede und wenig Inhalt. Das Buch bietet durchaus viel Witz und Ironie, aber insgesamt kommt von der Geschichte wenig bei mir an. Ich war über weite Strecken einfach nur genervt von dem vielen Gerede und deshalb froh, das Buch endlich beenden zu können.

  19. Cover des Buches Oben ist es still (ISBN: 9783518467930)
    Gerbrand Bakker

    Oben ist es still

     (99)
    Aktuelle Rezension von: SigrunKunert
    Dieses Buch ist eine Geschichte über die Psychologie der Zwillinge Henk und Helmer. Henk, der als Bauer von seinem Vater hofiert wird ist der ungewollte Rivale seines Bruders Helmer, der in Amsterdam Literaturwissenschaft studieren will. Nachdem Henk mit seiner Freundin verunglückt und dabei ums Leben gekommen ist, versagt ihm sein Vater das Studium und verlangt, dass er den Hof weiter führt.
    Helmer, der unverheiratet bleibt, lässt sich jahrelang von seinem Vater beherrschen, auch nachdem die Mutter starb. Nun ist der Vater bettlägerig und auf die Hilfe seines Sohnes angewiesen, der jetzt endlich die Chance hat, seine eigenen Ideen zu entwickeln. Dazu verbringt er den Vater in ein Zimmer in der oberen Etage und richtet sich seine kleine Wohnung im Erdgeschoss ein. Das klingt zunächst herzlos, aber wir werden im Laufe der Handlung immer tiefer in die Vergangenheit durch Rückblenden geführt und erfahren mehr von der stillen Konkurrenz der Zwillinge, in der Helmer seine eigenen Lebensideen nicht verwirklichen durfte. Gleichzeitig erfahren wir von seinem Kampf mit sich selbst, den sicher alle Zwillinge führen, wenn einer der beiden nicht mehr da ist. Das ist wesentlich enger als normale altersunterschiedliche Geschwister. Der Autor führt uns das in vielen inneren Dialogen von Helmer vor Augen. Das Ganze bekommt einen weiteren Drive, als die ehemalige Freundin seines Bruders ihren Sohn auf den Hof bringt, damit er dort arbeiten soll. Die Kontakte gestalten sich schwierig, da Riet am Unfall beteiligt war und vom Hof verwiesen worden ist. Weitere Kindheitserinnerungen und Erlebnisse sollten dann dazu beitragen, dass Helmer zu guter Letzt aus seinem Trott ausbricht, als sich die Gelegenheit ergibt. Der offene Schluss lässt den Leser ein wenig ratlos zurück, aber das ist so gewollt, hier ist jetzt unsere Fantasie gefragt.
    Dieses leise Buch ist ausgezeichnet worden, zu Recht- es ist ein Zeugnis der Lebensweise vieler Menschen, die an Brüchen nicht scheitern, sondern irgendwann wachsen. Es ist dafür nie zu spät. Das Buch ist auch in einer sehr ansprechenden Pocketausgabe erhältlich, etwas Hübsches für den Bücherschrank.
  20. Cover des Buches Der Große Garten (ISBN: 9783957579645)
    Lola Randl

    Der Große Garten

     (21)
    Aktuelle Rezension von: reading_bumble_bee

    Brandenburg Pampa

    Die Protagonistin flieht aus der Stadt und zieht aufs Land. Dort beschließt sie ein Gartenbuch zu schreiben. Da sie sich mit dem Thema aber nicht sonderlich auskennt, beschließt sie erstmal ein eigenes Beet anzulegen. Und weil ein Beet zur vollen Naturerfahrung nicht reicht, kommen auch noch Tiere dazu. Ab hier dürfen wir dann über die gelungenen und misslungenen Versuche schmunzeln. Ebenso zieht sich ihre Therapie bzw. Therapiesitzungen durch das Buch. Natürlich ist sie nicht die einzige sinnsuchende Stadtgeflüchtete und so kommen immer mehr Stadtmenschen hinzu, die ihr Glück auf dem Land versuchen wollen.

    Das Buch liest sich wie ein Lexika. Die kurzen Absätze haben eine Überschrift, die dann erklärt wird und der dann eine kurze passende Geschichte folgt. Die vielen kleinen Geschichten ergeben dann sozusagen eine Gesamtgeschichte. Der Schreibstil ist trocken und liest sich leicht, wird aber auf Dauer anstrengend. Anfangs ist es jedoch sehr originell und hebt sich klar von anderen Büchern ab. Die Beschreibungen über die Natur, das Garten- und Tierleben haben mir sehr gefallen. Mit was ich weniger anfangen konnte war das Liebesleben der Hauptcharakterin. Für zwischendurch ist das Buch ganz ok.

  21. Cover des Buches Flammenwand. (ISBN: 9783103973853)
    Marlene Streeruwitz

    Flammenwand.

     (7)
    Aktuelle Rezension von: MikkaG

    Am Anfang. So während der ersten zwanzig. Dreißig Seiten. Fand ich den Schreibstil eine Zumutung. Unlesbar. Die Sätze sind meist kurz. Hektisch. Brechen manchmal mittendrin. Ab.


    ---

    "Sie wollte von ihm umfangen sein und ausgefüllt. In den ersten zwei Nächten war das so gewesen. Warum war das nicht. Nicht mehr. Nicht gelungen. Das sei plötzlich so gewesen, hatte er gesagt. Beim Duschen hätte er es bemerkt. Auf einmal. Geduld. Wenn es einmal gelungen sei, dann gelänge es auch wieder. Aber das war nicht so.


    Und seit da. Sie hatte keine Antwort gewusst. Und keine Frage. Wenn er sie liebte. Wenn er »Ich dich.« sagte. Sagen konnte. Er musste das verantworten. Es war er. Sein Körper."

    (Zitat)

    ---


    Ich fand erstmal keinen Halt in der Geschichte. Und irgendwann wurde mir klar, dass das Sinn macht. Weil auch die Protagonistin den Halt verloren hat. Die Schreibweise gibt perfekt wieder, dass alles, was ihr ihres Empfindens Sinn gab – und vielleicht sogar Glück –, von Spannungsrissen durchzogen wird. Eigentlich schon längst zerbrochen ist. Und sie läuft barfuß über die Scherben.


    Und da machte es dann »klick« und ich war drin. In der Geschichte. In den Gedanken der Heldin. In ihrem Wahn, ihrer Verzweiflung, immer wieder dem kurzen Aufbäumen der Hoffnung. Den Momenten, in denen sie sich weigert, es anzuerkennen. Das Ende einer Sache. Die Verlogenheit einer anderen.


    Und das tut weh, das quält beim Lesen, da geht auf dem heimischen Lesesofa jede Behaglichkeit verloren.


    Sympathieschmerz. Sympathieangst. Sympathiewut.


    Wie das oben genannte Zitat schon verrät, ist ein zentrales Thema die Beziehung zu einem Mann, der sie nicht nur emotional auf Abstand hält. Seine Impotenz wird zu einem immerwährenden Drama. Die Heldin fällt, wird hineingesaugt in eine Spirale der Verunsicherung und Selbstkasteiung.


    Und sie ist blind. So blind für das Offensichtliche. Weil die Wahrheit unerträglich ist. Er muss sie lieben, wie sie ihn liebt. Er muss einfach. Denn sie definiert sich und ihren eigenen Wert seit jeher über die Männer in ihrem Leben. Das fing mit dem Vater an, der sie (und ihre Mutter) nur als Erweiterung seiner selbst wahrnahm. Das setzte sich fort mit jedem Partner. Eine masochistische Annahme patriarchalischer Strukturen. Maskuliner Machtfantasien.


    ---

    "Nichts, was ihr geschah, konnte ihr diesen Ort in der Zeit geben, an dem sie von Belang gewesen wäre. Sie hatte diesen Ort von der Liebe erwarten müssen."

    (Zitat)

    ---


    Sie spürt, sie weiß auf einem gewissen Level, dass er, Gustav, sie manipuliert. Die Beziehung beginnt damit, dass er ihr sein persönliches Drama aufzwingt: den Tod seiner Mutter. Die Tatsache, dass er als Kind ihre Leiche fand. Und seine Mutter dafür hasst. Das ist kein Versuch, seinen eigenen Schmerz zu lindern. Das ist eine oft gespielte Trumpfkarte, die den Partner, den Gegner, von Anfang an in ein Ungleichgewicht bringt. So wie auch seine Impotenz eine Waffe ist. Und eine Lüge.


    Adeles innere Welt ist geprägt von Formen der Gewalt.


    Sie denkt über den Holocaust nach. Wie er sie belanglos macht. Über Massenvergewaltigungen im Krieg. Was das mit den Männern macht. Sie hat Wahnvorstellungen, meist verstörende, brutale. Manchmal reißt der Faden, der sie an die Realität bindet.


    Die aktuelle Politik ist als Hintergrundrauschen immer präsent. Österreich. Deutschland. Der allgemeine Rechtsruck. Adele nimmt wahr, hinterfragt jedoch nur zögerlich. Dass er, Gustav, gegen die AfD ist, aber auch gegen Ausländer. Dass das heute die Normalität ist, auch im Land des Holocausts. Da tut sie, Sprachlehrerin für Migranten, sich schwer mit. Aber nicht schwer genug. Um die Beziehung zu beenden.


    Die Fußnoten verwurzeln das Buch in den Absurditäten der türkis-blauen Regierung und geben ihm eine zweite Bedeutungsebene. Die Ibiza-Affaire fand jedoch erst nach Veröffentlichung statt – so passend ein Zusammenhang auch gewesen wäre.


    Adele kommt aus Wien. Gustav kommt aus Berlin. Das Drama des Buches spielt sich ab in Stockholm, wo sie sich eine Wohnung teilen. Ein Niemalsland, für eine Niemalsliebe.


    Erst im Nachwort wurde mir klar, dass sich die ganze Handlung im Rahmen von nur fünf Stunden abspult.

    Da darf man sich nicht täuschen lassen von den Datumsangaben. Diese spiegeln nicht die Handlungszeit wider, sondern die Schreibzeit: wann hat die Autorin dieses Kapitel geschrieben.


    Fünf Stunden also. In diesen fünf Stunden durchläuft sie, die Heldin, ein persönliches Inferno. Getrieben von ihren Dämonen wandert sie durch die Stadt. Reizt ihre empfundene Bedeutungslosigkeit aus, indem sie sich kleidet wie eine Roma und deswegen ausgegrenzt wird. Bis zu einem Ende, das überrascht und doch konsequent ist. Und im Grunde noch kein Ende.


    Es macht keinen Spaß, dieses Buch zu lesen.


    Es entfaltet jedoch eine ungeheure Sogwirkung. Der man sich als Leser. Kaum entziehen kann. Aber man muss sich darauf einlassen. Erst mal alles hinnehmen und glauben. Nicht hinterfragen: Ist das logisch? Ist das schlüssig? Das hat keinen Platz im Malstrom ihrer Emotionen. Der Heldin.


    Adele. Ihr Name ist Adele.


    Ich konnte ihr Verhalten kaum nachvollziehen. Aber die Emotionen dahinter. Die sind Zerrbilder der Emotionen, die jeder Mensch in einer unglücklichen Beziehung kennt. Oder allgemein einer schwierigen Situation. Wenn das eigene Leben aus irgendeinem Grund aus dem Ruder läuft.


    Würde ich das Buch empfehlen? Schwierig. Ja und nein. Ja, weil es außergewöhnlich ist. Einzigartig. Nein, weil dies kein Buch ist, das sich leicht lesen lässt. Oder nebenher. Das Buch hat Zähne und Klauen, das verlangt vom Leser sein Pfund Fleisch. Da muss man sich schon drauf einlassen, und weiß man, wem man das zumuten kann? Ich bin froh, es gelesen zu haben. Das zumindest kann ich mit Gewissheit sagen.


    Fazit:


    Nach den ersten Seiten habe ich den Schreibstil gehasst. Denn der. Ist geprägt von kurzen Sätzen. Von Satzfragmenten. So kurzen Bruchstücken dass man ständig rausgerissen wird. Aus dem Fluss. Aber das muss so sein. Das soll so. Denn die Heldin verliert gerade alles. Jeden Halt. Jede Gewissheit. Man steht als Leser daneben und beobachtet, wie sie sich mehr und mehr verstrickt in Wahn, Angst und Wut.


    Wenn man die Handlung zusammenfasste, käme dabei etwas raus wie: eine Frau ist besessen von ihrem impotenten Liebhaber und muss hinterfragen, ob er ein falsches Spiel treibt. Aber das ist nur die Oberfläche, unter der es brodelt.


    Der Titel ist sehr passend: Flammenwand. Bei Dante brennen darin die Wollüstigen. Letztlich müssen jedoch alle Sünder die Flammenwand durchschreiten, bevor sie den Läuterungsberg verlassen können. Ob es Marlene Streeruwitz‘ Heldin gelingt, ihre eigene Flammenwand zu durchschreiten, liegt im Auge des Betrachters.

    Diese Rezension erschien zunächst auf meinem Buchblog:
    https://wordpress.mikkaliest.de/rezension-marlene-streeruwitz-flammenwand/

  22. Cover des Buches Die Erziehung des Mannes (ISBN: 9783596195268)
    Michael Kumpfmüller

    Die Erziehung des Mannes

     (14)
    Aktuelle Rezension von: das_lesewesen

    ´Es ist die Geschichte des Komponisten Georg, die #michaelkumpfmüller in seinem Roman „Die Erziehung des Mannes“ erzählt. Der Titel macht schon deutlich, es geht um die verworrene Lage des männlichen Geschlechts im Hier und Jetzt. Kumpfmüller erzählt brillant, mit narrativen Vor- und Rückgriffen von Georgs Leben, vor allem das mit den Frauen. Da sind Therese, Katrin, Jule und Sonja. Frauen, die Georg zeigen, wo es langgeht, und er geht mit. Geräuschlos, ohne Widerstand, ohne Aufbäumen, er erduldet. Alles. Wer ist dieser Georg? Er erwacht nach der Scheidung von Jule, mit der er inzwischen drei Kinder hat. Es folgt: Dauerkrieg. Ein juristisches und menschliches Gemetzel. Und dann ist da auch noch Georgs Kindheit, geprägt durch den autoritären Vater.


    Kumpfmüller zeichnet eine Vielzahl an inneren Konflikten. Keiner davon an den Haaren herbeigezogen. Im Gegenteil. Georg wirkt wie ein glaubwürdiger Stellvertreter seines Geschlechts. Der weder Macho noch Patriarch ist. Stattdessen einfühlsam, besorgt, aufopfernd. Der vor der Frage steht: Wie viel Testosteron ist denn gewünscht? Zu wenig? Dann bin ich ein Weichei. Zu viel? Dann bin ich ein sexistischer Macho.


    Der Roman verallgemeinert nicht, er bleibt im Detail. Es ist die Geschichte von Georg. Nicht der Männer allgemein. Es ist die federnde Sprache, die unangestrengten Konstruktionen, die unverblendete, nie kalte Sicht auf die Figuren, die dieses Buch so besonders macht. [Unbezahlte Werbung]


    Schaut doch gerne mal auf unserem Instagram-Blog vorbei 😊

    https://www.instagram.com/das_lese_wesen/

    Liebe Grüße,

    das_lese_wesen


  23. Cover des Buches Schutzzone (ISBN: 9783518471142)
    Nora Bossong

    Schutzzone

     (30)
    Aktuelle Rezension von: renee

    Ein Buch aus der Longlist des Deutschen Buchpreises von 2019. Kann gut sein. Oder auch nicht. Am Anfang dachte ich nur: Was für eine wirre Schreibe! Immer wieder springt die Handlung recht zusammenhanglos zu verschiedenen Geschehnissen im Leben des Hauptcharakters Mira. Und dann diese Sprache. Ellenlange Schachtelsätze. Schwierig zu lesen. Und insgesamt zu sehr gewollt! Denn diese Gestaltung macht dieses Buch in meinen Augen nicht besser, eher viel schlechter! Dann klang es anfangs so, als würde die UNO in den Himmel gehoben werden. Will ich das hören? Nach den damaligen Geschehnissen in Ruanda! Den zähen Verhandlungen damals in der UNO, wo es einzig darum ging die Geschehnisse in Ruanda jetzt Völkermord zu nennen oder halt nicht !?!?!? Und in Ruanda starben Menschen, viele Menschen! Das macht mich heute noch wütend!!! Aber nach und nach ändert sich das Geschriebene. Das Buch wird zu einem Blick auf die Natur des Menschen und einem Blick auf die UNO und ihre Taten, ein nach dem Sinn fragender Blick. Einerseits steckt ja ein guter Gedanke hinter der UNO, andererseits ist es aber auch ein Aufspielen, man darf ja auch die wirtschaftliche Macht des Westens nicht vergessen. Und dann kommt der mit Fehlern behaftete Mensch dazu und seine fehlerhaften Erinnerungen. Hier noch die Verbindung zu Mira und ihren Gefühlen, ihren Gefühlsverirrungen und -wirrungen zu ziehen, ist ebenso ein kluger Gedanke. Insgesamt ist also das Buch thematisch nicht schlecht gemacht. Allerdings stößt man auf diesen Sinn im Buch erst recht spät, etwas zu spät in meinen Augen. Vorher quält man sich durch eher unwegsames und holpriges Terrain. Dennoch kommt eigentlich nichts wirklich Neues und dann die Longlist ??? Bei diesem wirren Aufbau und dann dieser sehr eigenen Sprache. Nun ja. Einigen gefällt dieses Buch ja, also auch der Aufbau. Denn den Inhalt fand ich nach und nach auch gut, er verdient eigentlich vier Sterne. Aber der Aufbau und die sprachliche Gestaltung minimiert leider diese Bewertung. Denn mehr als drei Sterne werden es bei mir hier leider nicht. 

  24. Cover des Buches Mobbing Dick (ISBN: 9783906195834)
    Tom Zürcher

    Mobbing Dick

     (20)
    Aktuelle Rezension von: sleepwalker1303

    Also ich konnte mich am Anfang des Buchs „Mobbing Dick“ von Tom Zürcher sehr gut wiedererkennen. Abgebrochenes Jurastudium, schwierige Familienverhältnisse, Probleme mit dem Abnabeln und Erwachsenwerden – wer kennt das nicht? Und am Anfang ist das Buch auch durch viel Sprachwitz und absurde Vergleiche sehr lustig zu lesen. Aber leider entwickelte sich das Buch anders, als ich es erwartet hätte. Es wird fies und bissig und am Schluss fand ich fast alle Beteiligten einfach nur unsympathisch. 

    Über die Geschichte an sich kann man nicht viel sagen ohne zu spoilern. Sie deckt einen kleinen Zeitraum im Leben von Dick Maier ab, die Zeit zwischen seinem Studienabbruch, dem Arbeitsbeginn bei der Bank und seinem kompletten Absturz.

     

    Dick trägt diesen Vorname weil Dick Cheney für seine Mutter ein Held ist. Und das ist noch nicht das Seltsamste an Familie Maier, die in einem Genossenschafts-Reihenhaus lebt. Die Familie ist spießig und kleinbürgerlich. Sie wird dominiert vom Vater, dessen Meinung über allem steht. Nett ist, wen er nett findet, richtig ist, was er richtig findet. Gegessen wird pünktlich, das Unkraut wird gejätet und die Logik der Mutter über ihren Helden Dick Cheney ist so dümmlich-naiv wie bestechend:  „Er ist hart und ehrgeizig, hat jedoch das Herz am rechten Fleck. Wie sonst hätte er fünf Bypass-Operationen überstehen können?“

    Aus diesem Umfeld will Dick unbedingt raus, wird aber von der Familie aber kleingehalten (er muss zu Hause wohnen bleiben, da die Familie das Haus nur behalten darf, wenn mindestens drei Leute darin wohnen). In seinem Job zeigt er erst kaum Ehrgeiz (er vergisst beispielsweise ständig sein Passwort für den PC) und hat eigentlich auch keine Ahnung, was er da überhaupt tut. Allerdings ist sein großes Ziel, Prokurist zu werden. Bis zum großen Absturz verstrickt er sich nach allen Seiten in ein wildes Lügenkonstrukt, vor allem über seinen beruflichen Erfolg. 

    Anfangs kommt das Buch sehr lustig daher, aber dann kippt die Stimmung und der naive, unbedarfte Dick findet sich selbst in einem hässlichen Spiel von Mobbing, Skrupellosigkeit, Lügen, geheuchelter Loyalität und falscher Freundschaft wieder. Zuerst als Spielball für andere, dann als sein alter Ego Mobbing Dick als Täter. 

    Psychologisch interessant zwar, aber insgesamt fand ich das Buch extrem schwierig zu lesen. Der Autor verwendet keine Anführungszeichen für die wörtliche Rede und das Buch besteht praktisch nur aus Dialogen, fiktiven Dialogen und den Gedankengängen von Dick. Ein bisschen Psychogramm (das Verlangen, sich mit Essen zu trösten, Selbstverletzung, Geltungssucht, toxische Familienverhältnisse), ein bisschen Kapitalismus- und Gesellschaftskritik – aber alles in allem nichts Ganzes und nichts Halbes, gekrönt von einem völlig skurrilen und absurden Schluss. Ein Buch, das sich aufgrund der einfachen Sprache sehr flott durchlesen lässt, aber keinen nennenswerten Eindruck hinterlässt. Die Personen sind eher zwischen den Zeilen beschrieben, als offensichtlich und auch dann erfährt man vor allem etwas über ihren Charakter und ihre Eigenheiten, Aussehen oder Alter spielen in dem Buch praktisch keine Rolle. Anfangs durch den Sprachwitz noch ein bisschen lustig dann einfach nur absurd, fand ich das Buch nicht gut aber auch nicht völlig schlecht. Die Idee fand ich klasse, die Umsetzung mangelhaft und daher kann ich es mit sehr großen Einschränkungen empfehlen und gebe 2 Punkte. 

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