Bücher mit dem Tag "emigration"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "emigration" gekennzeichnet haben.

189 Bücher

  1. Cover des Buches Tschick (ISBN: 9783499256356)
    Wolfgang Herrndorf

    Tschick

     (2.808)
    Aktuelle Rezension von: BraDaPu

    In diesem Buch geht es um einen Roadtrip. Beim gemeinsamen Lesen in der Schule war ich leider die gesamte Zeit gelangweilt. Normalerweise lese ich längere Bücher, aber von diesem Buch würde ich mir keine längere Version antun. Eindeutig keine Empfehlung von mir. Da finde ich Conni Pixie-Bücher unterhaltsamer.

  2. Cover des Buches Bühlerhöhe (ISBN: 9783471351260)
    Brigitte Glaser

    Bühlerhöhe

     (149)
    Aktuelle Rezension von: abuelita

    was zur Zeit Adenauers so passierte.

    Rosa Silbermann ist eine deutschstämmige Jüdin. Im Auftrag des israelischen Geheimdienst 1952 reist sie nach Deutschland um ein Attentat auf Bundeskanzler Konrad Adenauer zu verhindern. Da Rosa bereits als Kind im Schwarzwald war und sich dort auskennt, scheint sie gut geeignet dafür. Allerdings hat sie null Erfahrung als Agentin und das Nobelhotel Bühlerhöhe verunsichert sie genauso wie die Tatsache, dass ihr angeblicher Ehemann, der diese Mission leiten soll, erst mal gar nicht ankommt ….

    Die Zeit der damals noch ganz jungen Bundesrepublik beschreibt die Autorin sehr gut. Manche Handlungsstränge aber wären wirklich nicht nötig gewesen und auch die vielen Personen kann der Leser eher mühsam im Blick behalten.

    Mir gefiel es ganz gut, aber die Spannung fehlte. Von daher auch nur 3 Sterne.

     

     

     

  3. Cover des Buches Am Ende bleiben die Zedern (ISBN: 9783827013026)
    Pierre Jarawan

    Am Ende bleiben die Zedern

     (126)
    Aktuelle Rezension von: jenvo82

    „Du kannst nach weiteren Straßen suchen, und ich bin sicher, du wirst sie finden. Du kannst diese Straßen sogar entlanggehen. Aber immer, wenn du an ihr Ende kommst, wirst du merken: Du stehst wieder an derselben Kreuzung, von der aus du gestartet bist.“

    Inhalt

    Als Samir gerade einmal 8 Jahre alt ist, verschwindet sein Vater spurlos. Aber was treibt ihn von seiner Frau und den beiden gemeinsamen Kindern fort, wo ihm doch erfolgreich die Flucht aus dem Bürgerkrieg im Libanon gelungen ist? Samir ist der festen Überzeugung, dass sein Vater wiederkommt, auch wenn er aus freien Stücken gegangen ist und seither keinerlei Kontakt pflegt. Die Spurensuche nach seinem geliebten Geschichtenerzähler, mit dem ihm so viel verbunden hat, wird für Samir zur Passion, er kann einfach nicht loslassen und verpasst derweil sein Leben in der Gegenwart, wenn es ihm nicht endlich gelingt mit seiner Vergangenheit Frieden zu schließen. Mit fast 30 Jahren begibt er sich erstmals in den Libanon, mit der Hoffnung dort endlich Antworten auf seine drängendsten Fragen zu finden und vielleicht gelingt es ihm ja doch, jenen Entschwundenen aufzuspüren, den er schon so lange und intensiv sucht.

    Meinung

    Dieser Roman hat tatsächlich schon 6 lange Jahre in meinem Regal geschlummert, bevor ich es nun geschafft habe, ihn zu lesen. Damals habe ich ihn mir auf Grund zahlreicher positiver Leserstimmen zugelegt und ihn dann doch immer mehr aus den Augen verloren. Die Kombination aus einer berührenden Familiengeschichte und dem dramatischen Schicksal des Nahen Ostens, wie es der Klappentext verspricht, klangen sehr vielversprechend, weil ich es mag, literarisch den Spuren einer Geschichte zu folgen und mich mit Menschen zu identifizieren oder ihre Hintergründe kennenzulernen. Nur leider, war meine Erwartungshaltung an diese Story eindeutig zu hoch. 

    Sprachlich liest sich der Text angenehm, hegt aber keine besonderen Ansprüche, was auch daran liegen mag, dass im ersten Drittel des Buches ein Achtjähriger der Erzähler ist. Doch auch auf den folgenden Seiten bleibt der Anspruch, welchen ich hatte, auf der Strecke. Generell zwar eine interessante Geschichte, die hier aber mehr und mehr ihren Reiz verliert. 

    Meine Kritikpunkte beziehen sich im Wesentlichen auf den gewählten Fokus, der ganz tief in die Seele eines Betroffenen eindringt, um seine Handlungen deutlich zu machen und alle Beweggründe offenzulegen. Zunächst sind es nur grobe Pinselstriche, die geführt werden, doch dann bekommt der Leser die Scheuklappen aufgesetzt und muss sich fast zwanghaft in die Suche nach dem Vater ergeben, denn mehr Handlungsspielraum bleibt ihm nicht. 

    Ich habe eindeutig eine zweite Perspektive vermisst, gerade weil sich der Erzähler so zum Träumer mausert und fanatisch seinen verpassten Chancen nachtrauert – so wenig Entwicklungspotential für einen jungen Menschen, dass erscheint mir etwas weltfremd, zumal ich selbst in diesem Alter meinen Vater verloren habe, doch da war meine Gedankenwelt mit 30 Jahren eine ganz andere.

     Der Text wird immer pathetischer und hat mich irgendwann verloren, da hilft es dann leider auch nicht, wenn man sehr gute Einblicke in die politische Situation der damaligen Zeit bekommt und gut nachvollziehen kann, welche Alternativen den betroffenen Familien eigentlich blieben.

    Fazit

    Leider werden es hier nur 3 Lesesterne für eine durchaus lesenswerte Geschichte, die aber um die Hälfte des Textes hätte gekürzt werden können, weil sich die Gedanken immer nur um ein und dieselbe Sache drehen.

     Menschlich betrachtet konnte mich die dominante Erzählfigur nicht überzeugen und sie nimmt der Hintergrundgeschichte ihren Reiz, weil die Gegenwart in Anbetracht der traurigen Vergangenheit nur wenig Augenmerk erhält. Samir trauert seinem Vater hinterher, dessen einfühlsamen Geschichten, die wie er später herausfindet, nicht nur der Phantasie des Erzählers entspringen.

     Er setzt sich intensiv mit den Begriffen Heimat und Identität auseinander und verfehlt doch eine konkrete Aussage. Irgendwie hatte ich immer das Gefühl, der Protagonist möchte Mitleid beim Leser erwecken, doch damit kann dieser Roman nicht wirklich bei mir punkten.

  4. Cover des Buches Drachenläufer (ISBN: 9783833308116)
    Khaled Hosseini

    Drachenläufer

     (1.929)
    Aktuelle Rezension von: Malka_Draper

    An einem eiskalten Wintertag des Jahres 1975 wurde ich – im Alter von zwölf Jahren – zu dem, der ich heute bin.

    S. 7 (Erster Satz)


    Khaled Hosseini führt uns in das Afghanistan der Vergangenheit. Amir reist mit uns zu seinen frühen Erinnerungen an seine Heimatstadt Kabul in den 70er Jahren. Er erzählt von seinem besten Freund Hassan, von seiner eigenen Flucht und beschwerlichen Reise in die USA und den schwierigen Start im neuen Land, der neuen Kultur mit einem Vater, dessen Herz an der Heimat hängt. Amir lässt und teilhaben an seinen schönsten und schlimmsten Erinnerungen, aber auch seinen größten und schrecklichsten Entscheidungen.


    Für dich – tausendmal!

    S.75


    Das Buch entspricht eigentlich nicht meinem regulären Genre und hätte ich vermutlich nicht in die Hand genommen, hätte ich den Autor nicht gekannt.

    Ich habe bewusst zu dem Buch gegriffen: Gerade durch die aktuelle Situation und schrecklichen Fernsehbilder. Weil Afghanistan und seine Kultur so fern wirken, aber durch dieses Buch menschlich so nah! Der Schreibstil, der bewusst aus einer autobiografischen Perspektive erzählt, und der nicht chronologische Verlauf der Geschichte waren erst einmal ungewohnt für mich. Insbesondere die Ich-Perspektive hat die Geschichte aber authentischer und realer werde lassen, weshalb sie auch an manchen Stellen vor geschilderter Grausamkeit kaum auszuhalten war.

    Durch die langsame Entwicklung der Geschichte und den biografischen Stil hatte das Buch auch seine Längen. Es wurden teils viele Worte für nicht sehr viele Ereignisse verloren, denn wie im Leben gibt es mal spannendere und weniger spannendere Phasen. Doch Hosseini hat es geschafft, eine authentische Lebensgeschichte zu entwerfen, die man nicht unterbrechen möchte. Man hat das Gefühl, in einen Dialog mit dem Erzähler zu treten, der so viel erlebt hat und erleben musste, so viel gefühlt hat und fühlen musste, dass man sich selbst klein fühlt und zurücknimmt. Man kann nur mit großen Augen und weitem Herzen der Geschichte lauschen und sie vollends aufnehmen.

    Denn es ist eine unglaublich wichtige Geschichte, die hier entworfen wird. Eine Geschichte von Entscheidungen, Handlungen und Worten, die man zeitlebens bereut, eine Geschichte über Freundschaft, Liebe und Versöhnung. Eine Erzählung über das Vergessen-Wollen, aber nicht Vergessen-Können und die schwierige Herausforderung, sich selbst zu vergeben. Gleichzeitig werden wichtige Fragen über Heimat(losigkeit), Kultur und Flucht aufgeworfen und in einer besonderen Weise thematisiert, ohne sie zu lösen.

    Am Ende des Tages sind wir alle Menschen, die das Leben vieler anderer prägen, verändern und beeinflussen. Die Fragen, die wir uns aber stellen sollten, sind: Wer möchte ich sein? Und wie möchte ich sein?

  5. Cover des Buches Die Wand (ISBN: 9783548288123)
    Marlen Haushofer

    Die Wand

     (852)
    Aktuelle Rezension von: _sternenguckerin_

    Plötzlich ist die Wand da. Sie schneidet die Protagonistin von der ganzen Aussenwelt ab und lässt sie völlig allein zurück. Obwohl: Allein ist sie nie. 

    Luchs ist dabei, der Hund und eine Katze. Schliesslich findet irgendwann eine alleingelassene Kuh zu der Protagonistin und das Leben geht weiter. Das Leben geht weiter, obwohl alle Menschen plötzlich weg sind. Obwohl die Protagonistin auf sich allein gestellt ist. Obwohl das Leben nicht mehr so ist, wie es mal war. 

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    Ein sehr ergreifender und doch ruhiger Roman mit viel Tiefe. Besonders gefallen hat mir der liebevolle und verständnisvolle Blick der Protagonistin auf die Tierwelt und die Natur. Gerade in dieser Stille, die sich durch die eher eintönige Handlung ergibt liegt wahnsinnig viel Kraft und die zahlreichen unbeantworteten Fragen scheinen vom Leser oder der Leserin wissen zu wollen, was denn im Leben nn wirklich zählt.

  6. Cover des Buches Americanah (ISBN: 9783596521067)
    Chimamanda Ngozi Adichie

    Americanah

     (176)
    Aktuelle Rezension von: Eva-H

    Erweitert den Horizont. Wie engstirnig man als Weiße doch sein kann. Die Sicht ändert sich. Sehr "amüsant"  aber auch der Vergleich des Lebens in Amerika und dann zuhause in Nigeria. Dort gibt es auch eine falsche Sicht auf das jeweils andere Land. Die Menschen haben genauso Vorurteile oder falsche Vorstellungen. Kann ich nur empfehlen.

  7. Cover des Buches Die Tochter des Malers (ISBN: 9783746631820)
    Gloria Goldreich

    Die Tochter des Malers

     (62)
    Aktuelle Rezension von: Diiana

    Der Roman aus der Bücherserie "Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe" handelt von dem Leben der Familie Chagall. Der berühmte Maler Marc Chagall, seine Frau Bella und seine Tochter Ida leben, nach der Flucht aus Russland, in einem sehr ansehnlichen Haus in Paris. Sehr behütet wächst Ida in diesem Haus auf. Als sie den Studenten Michel kennenlernt, verschlechtert sich die einst innige Beziehung zu ihrem Vater. Dann wird Frankreich von den Deutschen besetzt und der Familie droht Gefahr. Sie fliehen in die Vereinigten Staaten und bauen sich dort ein neues Leben auf, das jedoch viel Veränderung und viele Probleme mit sich zieht. 

    Ich habe schon ein paar Bücher aus dieser Reihe gelesen und war ziemlich begeistert. Deshalb war ich sehr interessiert an diesem Buch, vorallem weil ich mit Marc Chagall zunächst nicht viel anfangen konnte. Das Buch hat ganz gut angefangen, als in der Familie noch alles ziemlich friedlich war. Doch mit der Zeit wurde es teilweise sehr langweilig und langatmig. Sätze waren zu detailliert, denn viele Informationen waren unwichtig. Vieles hat sich wiederholt, weshalb wenig spannendes hinzukam. Die Person Marc Chagall war teilweise sehr nervig, aber auch Ida und andere Figuren waren oft unsympathisch. 

    Deshalb hat mich dieser Roman leider nicht überzeugt.

  8. Cover des Buches Schiffbruch mit Tiger (ISBN: 9783596196982)
    Yann Martel

    Schiffbruch mit Tiger

     (1.014)
    Aktuelle Rezension von: Adrian00021

    Worum geht's

    Pi Patel, der Sohn eines indischen Zoodrektors und praktizierender Hindu, Moslem und Christ erleidet mit einer Hyäne, einem Orang-Utan, einem verletzten Zebra und einem 450 Pfund schweren bengalischen Schiffbruch. Bald stehen sich nur noch zwei gegenüber - Pi und der Tiger

    Cover

    Ein schönes Cover, wobei ich die ältere Ausgabe des Covers schöner finde.

    Meine Meinung

    Eins vorweg: Ich habe dieses Buch bei Seite 280 abgebrochen. Ich hatte so meine Probleme mit diesem Buch, was 1.) daran lag, dass die ersten 120 Seiten nur über Zoo und Religion geredet wird und dadurch 2.) kaum Spannung in diesen ersten 120 Seiten und auch in den folgenden ist kaum Spannung vorhanden. Yann Martel schreibt alles so genau, was mich bei einigen Sachen einfach gar nicht interessiert. Auch seine Vergleiche mag ich nicht.

    Fazit

    Ich empfehle dieses Buch nicht, da sich das Vorgeplänkel einfach sehr lange zieht und der eigentliche Schiffbruch (worum es ja eigentlich geht) eher Nebensache in diesem Buch ist.

    1 von 5 Sternen!


  9. Cover des Buches Blauschmuck (ISBN: 9783518425107)
    Katharina Winkler

    Blauschmuck

     (72)
    Aktuelle Rezension von: buchjunkie

    Diese Geschichte ist mir sehr nah gegangen! Entsetzlich und unfassbar traurig , was Filiz erleiden musste.


    „Blauschmuck“ bekam sie zuerst von ihrem Vater, später von ihrem Ehemann Yunus, mit dem sie drei Kinder bekommen hat und von einem kurdischen Dorf nach Ôsterreich gezogen ist.

    Nach einer Eskalation der Gewalt gelingt Filiz das vermeintlich Unmögliche: die Befreiung aus psychischer und physischer Abhängigkeit und ein Leben ohne Gewalt für sich und ihre Kinder.


    Der Roman beruht auf wahren Begebenheiten und ich bin wirklich froh, dass Filiz noch ein gutes Leben in Ôsterreich hat.


    Die Sprache ist eindringlich ,zuweilen poetisch.  Die Aussagekraft der Sätze ist gewaltig, An manchen Stellen bekam ich Gänsehaut und musste erst mal Pause machen. Aber trotzdem zog es mich an wie ein Sog .


    Ein Roman voller Gewalt und Unterdückung  , aber wirklich großartig geschrieben und unbedingt lesenswert!

     

    Mir wird er sicher lange im Gedächtnis bleiben!

  10. Cover des Buches Der Koch (ISBN: 9783257239997)
    Martin Suter

    Der Koch

     (471)
    Aktuelle Rezension von: Madl10

    "Der Koch" war mein erstes Buch von Martin Suter und hat mich sehr begeistert.

    Maravan ist ein absolut liebenswerter Charakter, durch den ich viele interessante Einblick in seine Heimat und seine Kultur bekommen habe. Aber auch Themen wie Einwanderung, Krieg, die Wirtschaftskrise, Waffenschieberei, Moral und natürlich die Liebe spielen große Rollen.

    Martin Suter schafft es gekonnt die unterschiedlichsten Themen, Charaktere und deren Leben miteinander zu verweben. Und das auf eine sehr tiefgründig, aber auch humorvolle Art.

    Aber das Hauptthema ist und bleibt in diesem Roman das Essen. Der Autor beschreibt mit einer wahnsinnigen Leidenschaft sehr ausführlich die Zubereitung der Speisen. Und das so detailliert, dass ich öfters hungrig an den Seiten hing. Am Ende des Buches findet man auch noch die Rezepte zum Nachkochen. Nur leider hatte ich keinen Spitzenkoch an meiner Seite, der mir diese Gerichte genauso verführerisch zubereitet wie Maravan. 

    "Der Koch" ist eine Geschichte, die mich durch seine außergewöhnliche, vielfältige und mitreißende Art auf ganzer Linie überzeugen und unterhalten konnte.

    Daher gebe ich sehr gerne eine Leseempfehlung.

  11. Cover des Buches In Zeiten des abnehmenden Lichts (ISBN: 9783498057862)
    Eugen Ruge

    In Zeiten des abnehmenden Lichts

     (237)
    Aktuelle Rezension von: gst

    Eugen Ruge erzählt 50 Jahre einer interessanten Familiengeschichte zwischen Mexiko und der DDR. Er macht uns Leser mit vier Generationen vertraut und beleuchtet jedes Familienmitglied im Kontext zur Zeit. In unterschiedlichen Episoden springt er vor und zurück, wobei sich das Familienbild wie bei einem Puzzle immer stärker verdichtet.

    Besonders zu Beginn gefiel mir die Schreibweise sehr gut. Die Sätze lasen sich so geschmeidig wie weiche Butter. Doch nach dem Einlesen stolperte ich über diverse Längen, die das Buch allerdings nicht uninteressant machten. Vor allem der immer wieder eingestreute Humor hielt mich problemlos bei der Stange.

    In meinen Augen hat Ruge die Eigenheiten der Menschen sehr treffend eingefangen. Egal, ob es sich um die vornehme Charlotte handelt, die Ende der Dreißiger Jahre nach Mexiko emigrierte und später mit dem parteitreuen Wilhelm in die DDR zurückkehrte oder Kurt, ihren Sohn, der den Krieg in Russland überlebte und von dort seine Frau Irina mitbrachte. Deren Sohn Alexander genoss seine Unabhängigkeit, die dazu führte, dass sein eigener Sohn Markus ohne Vater aufwachsen musste. Immer wieder kehrt Ruge in seinen Erzählungen zu Wilhelms 90. Geburtstag zurück, der die gesamte Familie erschütterte.

    Das Buch ist für jeden, den die jüngere Zeitgeschichte interessiert, sehr lesenswert.

  12. Cover des Buches Der Russe ist einer, der Birken liebt (ISBN: 9783423142465)
    Olga Grjasnowa

    Der Russe ist einer, der Birken liebt

     (182)
    Aktuelle Rezension von: Lesegezwitscher



    *Klappentext*

    Mit kühler Ironie und beeindruckender Prägnanz erzählt Olga Grjasnowa die Geschichte der höchst eigenwilligen jungen Mascha, die keine Grenzen kennt. In ihrer Welt kommen viele Kulturen und viele Traditionen zusammen. Sie könnte überall leben. Doch eine Heimat hat sie nicht.

    (©dtv_verlag )


    *Meinung*

    Wow, dieses kurze Buch beinhaltet so viele Themen. Mascha ist traumatisiert von dem Bürgerkrieg in ihrem Geburtsland Aserbaidschan und erfährt in Deutschland eine Retraumatisierung durch einen schweren Schicksalsschlag. 

    Sie kann fünf Sprachen und hat verschiedene Wurzeln. Sie ist Jüdin, Russin, Deutsche.

    Es geht um Zugehörigkeit und um die Frage, wie sehr wir uns mit unserer Herkunft identifizieren (müssen?) und in wie fern sie uns ausmacht. 

    🌳🌳🌳🌳🌳🌳

    Die Geschichte wurde gegen Mitte etwas zäh und das zog sich bis zum Ende hin. Der Roman lebt nicht davon, DASS die Geschichte erzählt wird, sondern WIE.

    Die Autorin hat es aber sehr gut geschafft, das "Innere" der Protagonisten nach Außen zu bringen und es gleichzeitig geschafft, dass sie uns fern bleibt, weil sie einfach niemanden an sich ran lässt.


    *Fazit*

    Für mich ein gutes Buch, welches wichtige Themen anspricht, mich aber ab der zweiten Hälfte nicht mehr richtig packen konnte.

    Hätte ich es nicht empfohlen bekommen, wäre es mir aufgrund des (meiner Meinung nach) nicht gelungen Covers wohl nicht aufgefallen. 

  13. Cover des Buches Die Vermessung der Welt (ISBN: 9783499332708)
    Daniel Kehlmann

    Die Vermessung der Welt

     (3.392)
    Aktuelle Rezension von: buchstabenwald


    Daddy sorgt dafür, dass Kathi guten Lesestoff bekommt. So mögen wir das, bester Papa. 

    .

    Daniel Kehlmann erzählt in diesem biographischen Roman die Lebensgeschichte zweier bedeutender Wissenschaftler: Alexander von Humboldt, dessen Name wahrscheinlich vielen bekannt ist: wissbegieriger und empirischer Naturforscher deluxe, der für seine Expeditionen quer über den Planeten gereist ist. Carl Friedrich Gauß, theoretischer Mathematiker, Astronom, blitzgescheit und Stubenhocker vom feinsten. 

    Der Schreibstil des Buches ist ansprechend, aber gewöhnungsbedürftig. Hier wird nichts beschönigt: mit trockenem Humor und einer guten Portion Zynismus beschreibt Daniel Kehlmann die beiden Persönlichkeiten und ihren Werdegang, was für viele Schmunzler zwischendurch sorgt. Jeder bekommt sein Fett weg. Im Gegensatz zu den positiven Eigenschaften der Herren Forscher werden deren negativen übertrieben dargestellt - was für einen gewissen Unterhaltungsfaktor sorgt. So ist Gauß ein engstirniger sturer Kauz und Humboldt ein prüder Naivling. Beschrieben wird ihr Weg zur Forschung, Ausbildung, wissenschaftlichen Errungenschaften sowie die distanzierte, aber doch freundschaftliche Beziehung der beiden. 

    Die Bedeutung des Titels hat sich mir erst gegen Ende hin erschlossen - Kathi mit Brett vor dem Kopf: da hätte ich auch früher draufkommen können. Die Welt wird natürlich nicht wortwörtlich vermessen, viel eher zeigt der Autor durch die Darstellung der Lebensgeschichten die beiden unterschiedlichen Herangehensweise um die Vorgänge der Natur zu verstehen. Der eine erkundet, erforscht, misst, notiert - der andere berechnet, kalkuliert, denkt. Beide kommen so jedoch zu ihrer Wahrheit. 

    Eine tolle Geschichte - doch trotz des positiv ungewöhnlichen Schreibstils und dem biographischen Ansatz konnte mich das Buch leider nicht gänzlich abholen.


  14. Cover des Buches Brooklyn (ISBN: 9783423086493)
    Colm Tóibín

    Brooklyn

     (73)
    Aktuelle Rezension von: CocuriRuby

    Gleich mal vorweg, hierbei handelt es sich um ein ruhiges Buch, ohne großes Drama – das fand ich sehr angenehm. Trotzdem ist es nicht uninteressant und vor allem ist es gut geschrieben. Es fängt die Stimmung bzw. die Atmosphäre der Geschichte sehr gut ein.

    Auch die Stimmung der Protagonistin, wie sie sich eher unfreiwillig auf die große Reise macht und wie es ihr in der großen, fremden Stadt geht, fängt das Buch gut ein.

    Auch die jeweiligen Kulissen sind sehr schön eingefangen, egal ob es ein überfüllter kleiner Laden in der Provinz ist, ein dunkler enger Raum auf einen Schiff oder die Wohngemeinschaftsverhältnisse in New York.


    Die Charaktere sind gut ausgearbeitet. Jede Figur die auftaucht hat seine Eigenarten und diese werden (meist) charmant inszeniert.

    Ich mochte die Protagonistin und bin ihr sehr gerne durch ihre Geschichte gefolgt (außer zum Ende, aber dazu später mehr).

    Sie ist ein normales Mädchen, sie hat auch Ängste, lässt sich von diesen aber nicht einnehmen. Sie geht irgendwie ihren Weg – das hat mir wirklich gut gefallen.


    Viele Themen werden eher unterschwelliger behandelt, wie z.B. Rassismus. Trotzdem wird alles mit einer gewissen Ernsthaftigkeit und Respekt behandelt.

    Auch solche Themen wie Heimweh tauchen auf oder wie es ist in einer neuen Stadt (in einem neuen Leben) alleine klar kommen zu müssen.

    Das Buch erzählt die Geschichte von Eilis, wie sie von zu Hause weggeht und das erste Mal auf eigenen Beinen stehen muss. Demzufolge ist es irgendwie auch ein Buch über das erwachsen werden.


    Obwohl es auch um Liebe geht, ist das Buch diesbezüglich nicht unbedingt nüchtern, aber auch nicht gerade euphorisch. Es ist nicht gänzlich unemotional, aber auch nicht wirklich emotional, sondern fast schon abgeklärt. Das hat mir gelegentlich Schwierigkeiten bereitet.

    Das Buch hat Charme und auch einen gewissen unterschwelligen, leisen Witz. Das hat mir sehr gut gefallen.


    Das Buch ist in vier Teile untergliedert und die ersten drei haben mir wirklich richtig gut gefallen – im letzten Teil musste ich mich jedoch sehr über die Protagonistin ärgern.

    Es missfiel mir, sie beim selbstbelügen zu beobachten und wie sie sich die Tatsachen verdreht und einfach nicht ehrlich zu sich oder anderen ist.

    Ich fand es zwar gut dargestellt, wie sie nach langem wieder nach Hause zu Besuch kommt, wie schnell sie in alte Rollen verfällt, wie vertraut und anders sich das alte zu Hause anfühlt.

    Und dennoch, ich muss sagen, dass mich das Buch auf diesen letzten Seiten verloren hat. Es wirkte auch wie im Zeitraffer verfasst – es wurde mir als Leser keine Zeit gegeben, den Verlauf und Eilis Umschwung nicht nur zu lesen, sondern zu verfolgen und somit zu verstehen.

    Dadurch hat auch die Protagonistin bei mir sämtliche Sympathien verloren. Denn dadurch wurde mir klar, dass sie eine schwache Person ist. Sie ist wankelmütig, hat eigentlich bis zu Letzt keine Entscheidung aus eigener Kraft getroffen und hat sich nie für irgendein Verhalten verantwortet und das ist feige. Es ist nicht mal gänzlich unnachvollziehbar, vielleicht ist es sogar menschlich, aber für einen Roman hätte ich mir etwas anderes/mehr gewünscht.

    Kurzum, das Ende war totaler Rotz und hat mir fast das ganze Buch kaputt gemacht. Ich habe mir aber fest vorgenommen, von den paar Seiten, nicht das ganze Buch madig zu machen – aber leicht fällt mir das nicht.


    Wer sich übrigens nicht spoilern lassen möchte, sollte auf gar keinen Fall den Klappentext lesen! Der erzählt den kompletten roten Faden des ganzen Buches.


    Fazit

    Das Buch hat mir über weite Strecken sehr gut gefallen. Es ist ruhig, aber schön erzählt. Wenn nur das katastrophale Ende nicht wäre, was mir fast das ganze Buch kaputt gemacht hätte.

    (Wobei ich mit ihrer leider eben nicht ganz selbst getroffenen Entscheidung leben kann)

  15. Cover des Buches Die hellen Tage (ISBN: 9783596512737)
    Zsuzsa Bánk

    Die hellen Tage

     (303)
    Aktuelle Rezension von: malins_dagbok

    Ich weiß nicht so richtig, wie ich dieses Buch bewerten soll. Der eher ungewöhliche Stil alles anhand innerer Monole zu erzählen, ohne jegliche Konversation zwischen den Protagonist*innen, hat es mir am Anfang erschwert in die Geschichte reinzufinden. Auch ist bis Seite 200 wirklich wenig passiert und ich hatte das Gefühl die Erzählungen würden sich häufig wiederholen. Ich habe öfter überlegt, das Buch nicht zu beenden und es eine Weile weggelegt. Irgendwann passieren dann doch einige Dinge, man erfährt mehr über die Vergangenheit (das hätte ich mir viel früher gewünscht) und die Beziehungen zwischen den Charakteren vertiefen sich. Bis zum Schluss wusste ich jedoch nicht wirklich, wo jetzt mal der Höhepunkt oder ein wirklicher Twist kommt. Jede "dramatischere" Sache am Ende wurde nicht wirklich vertieft, es läuft eher so weiter. Die Nachrichten, die das Buch mitgeben soll, finden sich eher zerstreut immer mal wieder. Vielleicht ist das aber auch das besondere an dem Buch, es hat seine Höhen und Tiefen, wie das Leben so spielt. 

    Man hätte den Text vielleicht kürzen können, es war teilweise wirklich langatmig.

    Im Kern geht es um die drei Freunde Seri, Aja und Karl, die alle früh in ihrer Kindheit etwas schlimmes durchgemacht haben. Seris Vater starb, Ajas Vater kommt nur einmal im Jahr zu Besuch und Karls kleiner Bruder ist verschwunden und taucht nie wieder auf. Auch zwischen den Müttern dieser drei entwickelt sich irgendwann eine Freundschaft und sie holen sich gegenseitig ins Leben zurück, helfen sich und versuchen die jeweils anderen glücklich zu machen. Die Beziehungen zwischen den Müttern haben mich persönlich auch mehr berührt, als die der Kinder und waren für mich rückwirkend der beste Grund das Buch zu lesen.

  16. Cover des Buches Das Haus zur besonderen Verwendung (ISBN: 9783492272650)
    John Boyne

    Das Haus zur besonderen Verwendung

     (169)
    Aktuelle Rezension von: tragalibros
    Mit gerade einmal siebzehn Jahren, wird der junge Georgi, nach einem Zwischenfall in seinem Heimatdorf, an den Hof des Zaren nach Sankt Petersburg gerufen. Er soll als Leibwächter des einzigen Sohnes des Zares dienen. Georgi trifft hier auch die schöne Anastasia und die beiden verlieben sich ineinander. Noch ahnen die beiden nicht, das diese Liebe auf eine harte Probe gestellt wird und welches Schicksal die beiden erwartet...

    Mit diesem Buch beweist John Boyne einmal mehr, dass er ein wunderbarer Autor ist. Der historische Roman, der das Leben der letzten Zarenfamilie aus der Sicht eines jungen Leibwächters beschreibt, kann mit viel Liebe zum Detail, Gefühl und wunderbarer Wortwahl punkten. 

    Auch die Charakterdarstellung der verschiedenen Personen ist ihm wieder wunderbar gelungen, sodass man schnell in die Geschichte eintauchen kann und gebannt den Ereignissen folgt, die hier beschrieben werden. 
    Jeder seiner Protagonisten ist mit viel Liebe gestaltet und wirkt rasch sympathisch, da viele Emotionen mit in die Beschreibung eingeflossen sind. Man möchte zusammen mit dem Protagonisten lachen, weinen und leiden. 

    Dieser fesselnde und schöne Erzählstil setzt sich auch bei den Landschaftsbeschreibungen fort. Die Örtlichkeiten sind detailliert und ansprechend zu Papier gebracht worden, sodass die Umgebung wunderbar bildhaft wirkt. Ich konnte mir alles sehr gut vorstellen. 

    Meine Bewertung fällt daher wie zu erwarten sehr gut aus. Ich bin wieder einmal begeistert, von dem eingängigen, fesselnden Schreibstil des Autors, den man schnell lesen kann, ohne den Zugang zur Handlung zu verlieren. 
    "Das Haus zu besonderen Verwendung" ist für mich eine Empfehlung wert!


  17. Cover des Buches Ein seltsamer Ort zum Sterben (ISBN: 9783499230868)
    Derek B. Miller

    Ein seltsamer Ort zum Sterben

     (86)
    Aktuelle Rezension von: twentytwo
    Sheldon Horowitz, 82 Jahre jung, hat sich entgegen seiner inneren Überzeugung, von seiner Enkelin dazu überreden lassen seinem Heimatland den Rücken zu kehren undihr nach Oslo, in das für ihn unbekannte Norwegen zu folgen. Kurz darauf und ohne ihm eine Chance gelassen zu haben sich einzuleben, nimmt das Schicksal seinen Lauf und er wird in einen Anschlag mit tödlichem Ausgang verwickelt. Zurück bleibt ein kleiner schwer traumatisierter Junge, dessen Rettung für Sheldon Mission und Sühne zugleich bedeutet. So wird die Flucht vor den Verfolgern letztendlich zu einer gedanklichen Zeitreise, die sich zwischen Zukunft und Vergangenheit bewegt, bevor sie in einem dramatischen Showdown ihr Ende findet.

    Fazit
    Eine beeindruckende Geschichte, die sowohl politisch wie auch philosophisch gesehen, alles andere als leichte Kost ist und für zahlreiche Denkanstöße sorgt.
  18. Cover des Buches Die Tochter des Zauberers - Erika Mann und ihre Flucht ins Leben (ISBN: 9783746635811)
    Heidi Rehn

    Die Tochter des Zauberers - Erika Mann und ihre Flucht ins Leben

     (39)
    Aktuelle Rezension von: Eliza08

    Eine Frau voller Kreativität, voller Hoffnungen aber auch voller Zweifel begegnet der Stadt der “unbegrenzten” Möglichkeiten. Ein sehr schöner Roman über eine Frau, welche leider häufig im Schatten ihres fast schon übermächtigen Vaters stand, obwohl sie auch eine ganz besondere Persönlichkeit war.

    Das Cover ist bunt gestaltet. Man erkennt eine junge Frau in einem schwarzen Hosenanzug, welche Gedankenverloren durch den Central Park in New York City streift. In der Geschichte geht es um die junge Erika Mann, Tochter des berühmten Schriftstellers und Nobelpreisträgers Thomas Mann, welche mit ihrem Bruder Klaus Mann nach New York reist. Beeinflusst durch die Flucht ihrer Eltern aus Deutschland und der dort zunehmend bedrückenden politischen Verhältnisse versucht sie den amerikanischen Traum zu leben. Dabei eröffnet sich ihr eine Stadt, welche sie sich in ihren künstlerischen und lebenstechnischen Träumen kaum vorstellen konnte. Dennoch trügt der schöne Schein bald muss sie feststellen, dass doch einiges anders als in ihrer alten Heimat ist. Zusammen mit ihrem wichtigsten Menschen, ihrem Bruder Klaus Mann versucht sie zwischen Beziehungschaos und künstlerischem Durchbruchssinn ihren Weg zu gehen. Ob sie ihn wohl finden wird?

    Die Hauptprotagonistin ist eine Künstlerin wie sie im Buche steht. Lebensfroh sehr offen in allen Fragen des Lebens und stets an Veränderungen interessiert ist sie eine Frau von Welt. Sie ist leidenschaftlich und fokussiert in allen Dingen, welchen sie sich verschrieben hat. Leider muss sie dabei einige Menschen vor den Kopf stoßen und gerät manchmal an die Grenze ihres eigenen Lebenswandels. Als wesentliche Nebenfiguren der Geschichte sind ihr Bruder Klaus Mann, der Arzt Martin Gumpert, der sehr reiche Unternehmer Maurice, sowie ihre beste Freundin Theresa zu nennen. Am besten gefallen hat mir neben Klaus Mann ihre beste Freundin Theresa. Sie ist eine typische Frau aus Bayern und nicht auf den Mund gefallen. Sie wirkt sehr authentisch da sie eher das einfache Leben als das großspurige Jet Set Leben ihrer “Freundin” und Liebhaberin Erika Mann bevorzugt. Klaus Mann ist ein Mensch voller Widersprüche. Stets an der Seite von Erika ist er innerlich zerrissen. Zwischen dem innigsten Wunsch mit seinem Roman “Mephisto” aus dem großen Schatten seines Vaters zu treten hat er mit persönlichen Problemen, sowie dem Konsum von Rauschmitteln zu kämpfen.

    Der Aufbau der Geschichte ist sehr stringent und es sind keine wesentlichen Zeitsprünge zu verzeichnen. Die Geschichte spielt im Wesentlichen in den “Vorkriegsjahren” in den USA mit einem kurzen Abstecher nach Frankreich und ist somit für den Leser sehr gut einordbar. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig, gehoben und sehr gut lesbar. Die Spannung der Geschichte lebt von der Entwicklung der beiden Protagonisten und man hat als Leser nicht das Gefühl, das es langatmig wird.

    Als Zielgruppe des Romans kommen Freunde der 30iger Jahre, Anhänger der Stadt New York, sowie alle Freunde von starken Persönlichkeiten in Frage. Das Fazit ist für mich sehr positiv. Der Autorin ist es gelungen um die starke Persönlichkeit einen sehr facettenreichen Roman aufzubauen. Gerade die sehr detailverliebte Beschreibung der künstlerischen Vielfalt von New York City mit seinen vielen Theatern, Restaurants, Bars und Distrikten hat mir sehr gut gefallen. Da ich schon mehrmals in New York war und auch schon mal dort sogar kurz gelebt habe, konnte ich das Flair sehr gut nachvollziehen. Umso mehr konnte ich mich in die Geschichte hineinversetzen und ein wenig verstehen warum gerade Erika so fasziniert aber auch so zerrissen manchmal war.

  19. Cover des Buches Der Menschenräuber (ISBN: 9783453435254)
    Sabine Thiesler

    Der Menschenräuber

     (204)
    Aktuelle Rezension von: Engelchen07

    Oh wow, was für ein spannendes Buch. Von der ersten bis zur letzten Seite war ich total in den Bann gezogen.

    Jonathan verliert nach einem Unfall seine Tochter, dann seinen Job und weil er mit der Situation nicht klar kommt auch noch seinen Frau.

    Er beschließt in Deutschland die Zelte abzubrechen und erstmals nach Italien zu gehen um sich dort eine Auszeit zu nehmen. In einem einsamen Bergdorf macht er Halt und kommt in einer ziemlich heruntergekommenen Pension unter.

    Dort trifft er auf die junge, blinde Sophia und mit ihr beginnt er ein neues Leben. Doch eines Tages holt in seine Vergangenheit ein und der sympathische Jonathan wird aus Wut und Zorn  zu einem Mörder.

     

    Ein super Schreibstil. So fesseln und spannend geschrieben, dass ich das Buch tatsächlich nicht aus der Hand legen konnte. Jonathan ist so ein sympathischer Charakter. Man fühlt mit ihm egal, in welcher Situation.

    Die Handlung hat mir gut gefallen, sie war schlüssig und nicht zu übertrieben.

    So gefällt mir das!

  20. Cover des Buches Charlotte (ISBN: 9783328100225)
    David Foenkinos

    Charlotte

     (80)
    Aktuelle Rezension von: petraellen
    1. Autor

    David Foenkinos geboren 1974, lebt in Paris. Er ist Schriftsteller und Drehbuchautor. Sein Roman Charlotte erschien 2014. 


    „Rein zufällig“ gerät der Schriftsteller 2004 in eine Gemäldeausstellung mit dem Titel »Leben? Oder Thea­ter?«. 


    Eine Bekannte macht ihn auf eine Sonderausstellung aufmerksam als er gerade an ein „literarische Projekt“ über den Kunsthistoriker Aby Warburg (1866 – 1929) arbeitete. 


    Ich sah in Leben? Oder Theater? alles, was ich an Kunst mag. 

    All das, was mich seit Jahren beschäftigte.

    Warburg und die Malerei. 

    Deutsche Literatur. 

    Musik und Fantasie. 

    Verzweiflung und Wahnsinn. 

    Alles war da. 

    Und leuchtete in schillernden Farben. (S.72)


    Sofort ist er von den Bildern eingefangen und die Künstlerin Charlotte Salomon lässt ihn nicht mehr los. 


    „Ich hatte dem merkwürdigen Eindruck, schon einmal hier gewesen zu sein.

    Das war meine erste Begegnung mit Charlottes Bildern.“ (S. 72)


    David Foenkinos fängt an, den Lebensweg von Charlotte zu rekonstruieren. Er braucht Jahre  dafür, denn nicht immer werden seine Recherchen wohl gesonnen aufgenommen. 


    In Villefranche-sur-Mer trifft er auf Kika Moridis-Frouté, der 1941 geborenen Tochter des Arztes Dr. Georges Moridis, der Charlotte Salomon und deren Großeltern behandelt hatte.

    Er trifft auf eine alte Frau, die weiß, wer Ottilie Moore war. Sie macht einen gereizten, verängstigen und verbitterten Eindruck. Sie ist nicht bereit, Auskunft zu geben, als er seine Fragen stellt. Er erfährt von anderen, dass es immer noch Leute gibt, die wissen, wer Charlotte Salomon 1943 denunzierte.

    Als wichtigste Quelle nennt David Foenkinos den autobiografischen Zyklus „Leben? Oder Theater?“ 

    David Foenkinos Roman „Charlotte“ mischt Fiktion und Fakten und bleibt, aber doch authentisch.


    1. Charlotte

    Als Charlotte Salomon am 16. April 1917 in Berlin geboren wird, ist ihr Vater Dr. Albert Salomon noch als Chirurg im Krieg. Ihre Mutter Franziska ist viel allein und leidet an Depressionen. Als Charlotte acht Jahre alt ist, nimmt sich die Mutter das Leben. 


    „Die Unberechenbarkeit der Mutter macht aus Charlotte ein braves Mädchen.

    Sie hält ihre eigene Melancholie im Zaum.

    Wird man so zu einer Künstlerin?

    Indem man sich an den Wahnsinn der anderen gewöhnt?“ (S.21)


    Ja, Charlotte wird es. Aber anders als sie es sich vorgestellt hat.


    Sie wächst einsam auf, aber findet Unterstützung bei ihrem Kindermädchen und Paula Lindberg, einer berühmten Mezzosopranistin, der zweiten Frau ihres Vaters.


    1. Das Schicksal der Familie Salomon


    • Erblast als Bürde


    „An einem Grab­stein lernt Charlotte ihren Namen lesen.“ (S.11)


    Der erste Satz zieht sich wie ein roter Faden durch Charlottes Leben. Eine Folge schwers­ter De­pres­sio­nen erschüttert die Familie über Generationen hinweg. Char­lottes Tante ging acht­zehn­jäh­rig ins Was­ser, Char­lot­tes Mutter Fran­ziska stürzte sich aus dem Fenster, ebenso wie Char­lottes Groß­mutter und deren Mutter und Bru­der, und auch die Groß­tante und deren Sohn haben ihrem uner­trägli­chen Leben mit der Krank­heit selbst ein Ende ge­setzt. 

    Die Wahrheit über den Tod ihrer Mutter erfährt Charlotte erst spät, aus Angst, dass auch Charlotte die Veran­lagung geerbt habe, ver­schweigt man das fa­mi­liäre Drama, so­lange es geht. Sie glaubt, ihre Mutter wohne als Engel im Himmel und schreibe ihr bald einen Brief. 


    • Nationalsozialistischen Machtergreifung


    „Charlotte glaubt nicht, dass der Hass nur eine vorübergehende Erscheinung ist.“


    Der Nationalsozialismus breitet sich immer weiter aus. Der Druck auf die Lebensumstände Juden spitzt sich immer mehr zu.

    Charlottes Vater wird von der Gestapo abgeholt und ins Arbeitslager gebracht. Paula schafft es,  ihn herauszuholen, doch er war nicht mehr derselbe. 

    Zu viel hatte er im Arbeitslager gesehen, weshalb er nun darauf bestand, dass Charlotte Deutschland so schnell wie möglich verlassen soll. 

    Charlotte flieht nach Frankreich zu ihren Großeltern und lebt dort im Exil. 


    • Charlotte und die Malerei


    Ihre Großeltern sind kunstbegeistert und nehmen Charlotte auf eine große Bildungsfahrt nach Italien mit. 


    „Diese Reise wird zu einem einschneidenden Ergebnis“ (S. 60) 


    Charlotte entdeckt die Malerei, während die Nationalsozialisten in den Alltag des Volkes eingreifen, menschliches Leben verabscheuen, jüdisches, individuelles und künstlerisches insbesondere.

    An der „Staatsschule für Freie und Angewandte Kunst“ in Berlin nimmt sie ihr Studium auf. 

    doch schon zwei Jahre später verließ sie die Schule wieder, weil sie als Jüdin den ersten Platz eines Wettbewerbs, den sie gewonnen hatte, nicht annehmen durfte.


    Charlotte geht ins Exil nach Villefranche bei Nizza zu ihren Großeltern, die bei einer Amerikanerin, Ottilie Moore, untergekommen sind .Ottilie Moore lebt auf einem großzügigen, naturnahen Grundstück. Charlotte arbeitet dort wie eine Besessene. Rückschläge lassen sie nicht davon abhalten weiterzumachen.

    Die Erinnerungen an ihr Leben, ihre Familie, Liebesglück, Erlebnisse mit der Kunst, Erfahrungen mit Leben und Tod malt sie wie einen Roman. Es entsteht ein Werk aus Bildern und Text, ihr Leben. 

    Das letzte Bild zeigt Charlotte von hinten am Meer sitzend „Der Titel Leben. Oder Theater?“.

    Ihr fertiges Projekt vermacht sie Ottilie Moore, die durch sich zuspitzende politische Lage nach Amerika zurückgekehrt ist. Daher über­gibt Charlotte den Koffer treu­hän­de­risch an ihren Arzt Dr. Moridis mit den Worten: „C’est toute ma vie“ (»Das ist mein ganzes Leben«).


    1. Sprache und Stil

    Die Form des Romans erscheint als Lyrik. Der Satzaufbau ist linksbündig ausgerichtet. Jeder Satz beginnt mit einer neuen Zeile, und kein Satz ist länger als eine Zeile, was einem Epos gleichkommt. Nach zwei bis vier Sei­ten beginnt ein neuer num­me­rier­ter Abschnitt, nach fünf bis zwölf Seiten fängt ein neues Kapi­tel an, ins­ge­samt acht und ein Epi­log.

    Die Sprache eines Epos beruht auf ein Gleichmaß in der Reihung von Hauptsätzen (Parataxen) und in Wiederholungen. David Foenkinos schreibt in lockerer Versform nicht mit der Gleichmäßigkeit in den Versen. 

    Er gestaltet eine biografische Erzählung wie ein modernes Epos, als ob Charlottes Leben eine Odyssee wäre. Manche Zeilen ent­hal­ten nur syn­tak­ti­sche Frag­mente. 

    Die Epi­so­den aus Char­lotte Salo­mons Leben wechseln mit Be­rich­ten des Au­tors über seine Re­cher­chen, Ein­drücke und Re­fle­xio­nen.

    David Foenkinos gelingt mit dieser Form die Ver­zweif­lung und den Wahn­sinn der Zeit, das Leben und Schick­sal einer solch un­ge­wöhn­li­chen Frau, der es nicht ver­gönnt war, ihre kreati­ven Ta­lente in Frieden voll zu ent­falten, in Worte zu fas­sen.


    1. Fazit

    David Foenkinos erzählt eine Lebensgeschichte voller Intensität. Er schreibt Charlottes Lebensgeschichte tiefgründig, erschütternd. Seine Sprache bringt die Tragik mit aller Deutlichkeit hervor. 

    Ein würdiges Denkmal für eine bemerkenswerte Frau.


    Absolut empfehlenswert. Unbedingt lesen!


  21. Cover des Buches Adams Erbe (ISBN: 9783257242218)
    Astrid Rosenfeld

    Adams Erbe

     (228)
    Aktuelle Rezension von: beccaris

    Man mag daran zweifeln, ob es eine relativ junge Autorin vermag, das schwerwiegende Thema der Judenverfolgung angemessen zu erzählen und man staunt darüber, wie gut ihr das gelingt.

    Das Buch fängt äusserst amüsant und humorvoll an, wird dann etwas exaltiert und verschroben und endet zum Schluss sehr traurig und bitter. Drei Kapitel unterteilen den Roman in Gegenwart und Vergangenheit. Der junge Edward Cohen, der mit seiner Mutter und Grossmutter in einem Haushalt lebt, wird immer wieder auf die Ähnlichkeit mit seinem Onkel, welchen er selber nie gekannt hat, angesprochen. Erzählt wird das schrullige Zusammenleben der drei. Man fragt sich als Leser nach bald 100 Seiten, was es mit dieser Ähnlichkeit auf sich hat.

    Das zweite und längere Kapitel des Buches handelt dann von eben diesem Adam, dessen Suche nach seiner grossen Jugendliebe ihn ins Warschauer Ghetto führt und im drittel Teil eine geschickte Verknüpfung zum Anfang nimmt.

    Es handelt sich um einen sehr authentischen Bericht über ein Stück deutsch/polnische Vergangenheit, die sehr spannend erzählt wird und den Leser nachdenklich zurücklässt.

  22. Cover des Buches Die Glocke im See (ISBN: 9783869743332)
    Lars Mytting

    Die Glocke im See

     (35)
    Aktuelle Rezension von: walli007

    Astrid Hekne ist eine, die mehr will. Doch im kleinen Ort Butangen in Norwegen geht es nicht so schnell mit dem Fortschritt. Als im Jahr 1880 der neue Pfarrer Kai Schweigaard sein Amt antritt hofft Astrid auf eine andere Zukunft. Neue Ideen hat Schweigaard schon einmal. Er will die alte Stabkirche abbauen lassen und ein neues größeres und modernes Kirchengebäude errichten. Den Abbau überwachen soll der junge Architekturstudent Gerhard Schönauer. Und mit ihm weht der Wind des Unbekannten ins kleine Butangen. Astrid muss überlegen, wohin ihre Sehnsucht sie zieht. Sieht sie sich als Pfarrersfrau oder will sie lieber mit der Kirche ins ferne Dresden reisen.


    Die Hekne Familie hat eine enge Bindung zu der Stabkirche. Einer ihrer Vorfahren hat die Kirchenglocken gestiftet. Allerdings sind nicht nur die Heknes wenig begeistert, dass die Glocken mit ihrer Kirche ins ferne Deutschland reisen sollen. Da war der neue Pfarrer vielleicht doch etwas zu schnell mit dem Verkauf. Astrid dagegen will irgendwie beides, das Moderne und die Heimat. Wie soll sie sich entscheiden? Ihre Phantasie lässt sie nicht im Stich, sie wird sich etwas einfallen lassen, so dass alle zufrieden sind. Auch die Schwesternglocken? Das ist der Plan.


    Der Prolog dieses Romans ist spannend, dramatisch und tragisch. Wie kam es zu der Stiftung der Glocken? Und wieso werden sie die Schwesternglocken genannt? Welche Legenden ranken sich um sie? Dagegen verliert Astrids Geschichte fast zwangsläufig an Fahrt. Schließlich lässt sich der Autor viel Zeit sie zu entwickeln. Astrids forsche wissbegierige Art macht sie sehr sympathisch. Da hat es der Pfarrer mit seinen inneren Widerständen nicht nur bei den Dorfbewohnern schwerer zu punkten. Der angehende Architekt Schönauer wirkt dagegen wie ein frischer Wind, der um ein altes Gemäuer bläst. Auch ein gewisser Humor und die eigene Art zu sprechen der Leute aus Butangen runden die Geschichte ab. Auch wenn man das Gefühlt hat, die Handlung hätte eine gewisse Straffung vertragen, so ist sowohl die Geschichte der Schwesternglocken als auch die Astrids interessant und zum Ende hin ergreifend. Dieses vermag die Vorleserin Beate Rysopp bestens zu transportieren.


    3,5 Sterne

  23. Cover des Buches Mein Leben (ISBN: 9783570551868)
    Marcel Reich-Ranicki

    Mein Leben

     (243)
    Aktuelle Rezension von: Stephan_Belka

    Der Meister der Literaturkritik!
    Dieses Buch nehme ich gerne an!!!

  24. Cover des Buches Kind aller Länder (ISBN: 9783462048971)
    Irmgard Keun

    Kind aller Länder

     (34)
    Aktuelle Rezension von: stuff-books-pictures

    In dem Roman Kind aller Länder von Irmgard Keun, der während der NS-Zeit spielt, erzählt die zehnjährige Kully von ihrem Leben, dass durch die Flucht des Vaters aus Deutschland zu einer scheinbaren endlosen Reise mit vielen Länderwechsel wird. 

    Ich habe den Roman mit dem Hintergrund des Kosmopolitismus gelesen. Daher konnte ich ihm den einen oder anderen Gedanken abgewinnen. Alles in allem aber kein Buch, dass ich freiwillig gelesen hätte. Aber auch nicht „so schlimm“ wie viele andere Bücher die ich im Zuge meines Studiums lesen musste. Für mich nicht sein Geld wert.


    Randfakten:

    🌝🌝🌛/5  -  224 Seiten - HC: 17,99€ - von: Irmgard Keun

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