Bücher mit dem Tag "empire"
23 Bücher
- Jules Verne
Reise um die Erde in 80 Tagen
(550)Aktuelle Rezension von: meineweltauspapier𝐈𝐧 𝟖𝟎 𝐓𝐚𝐠𝐞𝐧 𝐮𝐦 𝐝𝐢𝐞 𝐖𝐞𝐥𝐭 𝐯𝐨𝐧 𝐉𝐮𝐥𝐞𝐬 𝐕𝐞𝐫𝐧𝐞
Übersetzung: Gisela Geisler | Erschienen am: 27.08.2021 | Verlag: Reclam Verlag | Werbung, selbstgekauft
Eben erst hat Jean Passepartout seinen Dienst bei seinem extrentrischen Herrn angetreten, als dieser ihn mit einer waghalsigen Unternehmung überrumpelt.
Im Reform Club hat Phileas Fogg bei einer leidenschaftlichen Partie Whist gewettet, er könne die Welt in 80 oder weniger Tagen umreisen. Der Wetteinsatz: 20.000 Pfund, das halbe Vermögen von Mister Fogg.
Und so bricht der englische Gentleman mit seinem französischer Diener und den restlichen 20.000 Pfund im Gepäck von London aus in östliche Richtung auf in ein Rennen gegen die Zeit.
▶︎Am Anfang läuft alles noch nach Plan für die zwei Reisegefährten, kein Wunder bei einem Mann wie Fogg, der die Pünktlichkeit liebt. Nach und nach aber stolpern die Zwei von einem Abenteuer in das nächste und werden sogar heimlich von Mister Fix, von der englischen Polizei verfolgt.
Die Charaktere sind mir während ihrer abenteuerlichen, temporeichen Geschichte ans Herz gewachsen. Wer vor Klassikern nicht zurückschreckt, sollte zupacken.
Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.
- Jane Austen
Kloster Northanger
(510)Aktuelle Rezension von: KarenAydinWorum geht es?
Catherine Morland ist eines von zehn Kindern eines Geistlichen. Sie ist weder arm noch reich, sie ist weder schön noch hässlich, weder klug noch ungebildet. Von einem so durchschnittlichen Mädchen aus einer durchschnittlichen Familie hätte wohl niemand erwartet, dass sie einmal zur Heldin eines Romans wird. Als die junge Liebhaberin von Gothic Novels (Schauerromanen) von den Tilneys auf den imposanten Familiensitz Northanger Abbey eingeladen wird, meint sie, einem düsteren Familiengeheimnis auf die Spur zu kommen.
Kritik
Catherine Morland ist ein junges, naives, aber absolut liebenswürdiges Mädchen, das mit jeder Menge Fantasie ausgestattet ist. Sie hat alle Romane gelesen, die zu dieser Zeit „in“ waren, vor allem die der Ann Radcliffe (zum Beispiel die „Mysteries of Udolpho“, 1794). Eingeladen nach Northanger Abbey, verteilt sie alle Rollen, die in einem solchen Roman anfallen. Sie ist die junge, strahlende Heldin, Henry Tilney ihr zukünftiger Ehemann, dessen Vater General Tilney der Schurke. Begeistert (ein wenig ängstlich, aber gerade genug, um richtig mutig zu sein) versucht sie, ein schreckliches Verbrechen aufzudecken. Doch dabei schlägt sie ziemlich über die Stränge. Ein Plädoyer für den Realismus, mit dem Jane Austen sich in ihren Romanen von anderen der Zeit absetzt? Vielleicht auch, aber nicht nur.
Mit ihrem feinsinnigen Humor, aber einem Augenzwinkern ohne jede Bitterkeit, spottet Jane Austen über die naive Begeisterung für Gothic Novels. Ihre Heldin Catherine muss erwachsen werden. Sie setzt dadurch, dass sie Fakt und Fiktion nicht sauber voneinander trennen kann, ihre ganze Zukunft aufs Spiel. So wird der Roman auch durchaus (wie eben die Gothic Novels auch) spannend. Natürlich gibt es auch einen Rivalen, und natürlich gibt es auch ein anderes junges Mädchen, von dem sie sich deutlich abgrenzt, und natürlich gibt es auch eine bezaubernde Liebesgeschichte.
Der Roman ist voller cleverer Dialoge und liebevoll und detailliert gezeichneter Charaktere. Auch wenn für mich immer „Persuasion“ von der Liebesgeschichte her unter den Jane Austen Romanen an erster Stelle stehen wird, Northanger Abbey folgt direkt danach, weil er einfach so witzig ist und weil ich mich auch ein bisschen mit Catherine identifizieren kann. Auch ich suche immer noch ein bisschen nach dem Aufregenden, Mysteriösen und Ungewöhnlichen in der Welt.
Gesamt
Für mich ist dieser Roman für Austen-Fans absolut ein Buch, das man gelesen haben sollte, weil es in Qualität bekannten Werken wie „Stolz und Vorurteil“ in Nichts nachsteht. Für alle Fans von Gothic Novels (und ich liebe den in diesem Roman erwähnten schockierenden „Monk“) natürlich auch, aber es ist auch insgesamt eine heitere und leicht zu lesende Lektüre für düstere Winterabende (an denen ja auch das eine oder andere passieren kann).
- Jane Gardam
Ein untadeliger Mann
(192)Aktuelle Rezension von: liebesleserBeim Lesen dieses Romans habe ich mich über weite Strecken gefragt, warum mich die Geschichte eigentlich nicht abholt, warum sie mich nicht fesselt. Denn das Buch beginnt stark, das Kapitel mit der Begegnung der alten Männer, ehemals Feinde, nun Nachbarn, ist grandios. Es erinnert in seiner Lakonie bei gleichzeitiger Tiefe an Richard Ford und ließ auf Großes hoffen.
Jane Gardam verschießt ihr erzählerisches Pulver früh, das Wichtigste wird schon zu Beginn erzählt, und mit jeder Rückblende wird die Story weniger interessant, weil die Episoden, die man nachgereicht bekommt, einem unwesentlich erscheinen angesichts dessen, was man schon weiß oder auch ahnt. Viele Zufälle machen die Geschichte nicht spannender, eher absurder: ausgerechnet der Erzkonkurrent zieht in einer einsamen Gegend ins Nachbarhaus; bei einem Ausflug landet Old Filth, die Hauptperson in einem Hotel, das früher der Versammlungsort seiner Kollegen war - und wo auch jetzt noch einer von ihnen rumhängt; er trifft überhaupt wichtige Personen immer unvermittelt wieder, und ein spielendes Kind findet im Garten die dort versteckten Perlen seiner untreuen Frau…
Wie am Ende das entscheidende Drama des Lebens abgehandelt wird, entbehrt jeglicher Glaubwürdigkeit: ein lebenslang gehütetes, traumatisches Geheimnis wird in einem Dreiergespräch mit einem Geistlichen mal eben in aller Ausführlichkeit ausgebreitet, - eher so, als sei man es dem Leser schuldig, nicht als Ringen, als Versuch der Befreiung, als Auflösung einer Qual, die es ja sein sollte.
- Jane Gardam
Eine treue Frau
(120)Aktuelle Rezension von: Stefan_G_WolfZweiter Teil einer Romantrilogie (1. "Ein untadeliger Mann"; 3. "Letzte Freunde"), die die Auswirkungen der britischen Kolonialpolitik auf das Familienleben, die Karrieren und das Seelenleben der gehobenen Mittelschicht des Empire schildert. "Eine treue Frau" setzt den Fokus auf Betty, die Ehefrau des inzwischen 80jährigen Rechtsanwalt Edward Feathers, die ihre Jugend (und Liebe) in Hongkong nicht vergessen kann. Gardam zeichnet ihre Figuren und deren Handlungen und Gedanken mit feiner Ironie und distanzierter Freundlichkeit. Das Leben der Protagonisten in Wohlstand und Behaglichkeit steht in starkem Kontrast zu den zuweilen aufblitzenden Scheußlichkeiten, Verletzungen und persönlichen Tragödien. Zurecht zählt die Trilogie zu den wichtigsten Beiträgen zur englischen Literatur des 20. Jahrhunderts.
- Jennifer Alice Jager
Empire of Ink 2: Die Macht der Tinte
(37)Aktuelle Rezension von: Minchen1987Mit „Empire of Ink 2: Die Macht der Tinte“ ist dieser Zweiteiler leider auch schon wieder zu Ende.
Doch bis zum finalen Happy End passiert noch so einiges.
Zunächst befinden wir uns mit Scar und Finn in der Tintenwelt, dem so genannten Empire.
Die beiden mussten vor den Soldaten der Gutenberg Organisation fliehen und einzige Weg führte ins Empire. Dank Scars Vater Lance hat das ganze auch funktioniert.
Nun können Finn und Scar mit eigenen Augen festellen, was das Handeln der Organisation für Auswirkungen auf die Tintenwelt hat.
Wie sich herausstellt, waren die Befürchtungen der Freunde nicht unbegründet. Das Empire schrumpft in sich zusammen und die Hexe Morgain, die Verkörperung des Bösen im Tintenreich, erlangt immer mehr Macht.
Doch was kann man noch dagegen tun?
Gibt es überhaupt noch eine Möglichkeit das Empire zu retten?
Auf der Suche nach einer Lösung, kommen ein paar Überraschungen auf Scar, aber auch auf Finn zu. Denn dieser ist nicht einfach nur Finn. Er ist das Gute des Tintenreiches, der König des Empire. Somit ist er ein Teil dieser Welt und muss in ihr zurückbleiben. Auch als sich schließlich ein Lösungsansatz bietet, schickt er Scar mit der Aufgabe das Empire zu retten in ihre Welt zurück. Ein schwerer Abschied für beide.
Und so geht das Abenteuer in einer völlig veränderten Welt weiter. Scar, und zu ihrer großen Verwunderung auch Lance, können ihren Augen kaum glauben. Es ist nichts mehr wie es war. Der Untergang des Empires hat fürchterliche Auswirkungen auf die Menschheit. Niemand kann mehr träumen, die Fantasie ist tot. Keiner kümmert sich um den anderen, es sei denn, es gibt eine Schlägerei, einen Unfall oder ähnliches. Dann mutieren plötzlich alle in der Umgebung zu Schaulustigen. Aber das war es auch schon wieder.
Scar sieht sofort, dass es so nicht bleiben darf und macht sich auf die Suche nach ihren Freunden, den anderen Madheads. Zusammen muss es doch möglich sein, eine Lösung für das Problem zu finden und das Reich der Tinte zu retten.
Aber das ist alles andere als leicht.
Außerdem gibt es immer noch die Gutenberg Organisation, die alles daran setzt, die Madheads von ihrem Vorhaben abzubringen und ihre eigenen Pläne weiter zu verfolgen, nämlich die komplette Fantasie der Menschen, sprich das Empire, für immer zu vernichten.
Was alles passiert, ob das Empire gerettet werden kann, wie es zu dem versprochenen Happy End kommt, wie dieses aussieht und für wen es überhaupt ein Happy End ist, verrate ich nicht weiter.
Wer es also wissen möchte, muss „Empire of Ink: Die Macht der Tinte“ schon selbst lesen, was ich aber nur empfehlen kann.
Mir hat bereits der erste Teil sehr gut gefallen, die Idee, dass durch die Fantasie der Menschen eine eigene Welt entsteht. Mit all den verschiedenen Kreaturen und Orten.
Und jetzt im zweiten Teil lernt man diese Welt etwas besser kennen. Einfach toll, wenn auch leider etwas zu kurz nach meinem Geschmack.
Hier hätte ich mir gerne noch einen dritten Teil gewünscht, der ausschließlich im Tintenreich spielen würde.
Aber so ist es auch in Ordnung.
Der perfekte Abschluss und gleichzeitig ein Neuanfang. Schön.
Vom Schreibstil her hat sich nichts verändert. Frau Jager schreibt einfach spannend und unterhaltsam. Man möchte gar nicht aufhören zu lesen und ich kann einfach nur sagen: Bitte weiter so, Frau Jager! Ich freue mich schon auf Ihr nächstes Werk.
Für den zweiten „Empire of Ink“-Teil „Die Macht der Tinte“ vergebe ich volle 5 von 5 Sternen. - Kathi Unterberg
The Girl in the Library - Historischer Liebesroman: An almost historical Romance
(15)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerDie junge Lady Harriet wäre eigentlich im perfekten Alter, um zu heiraten. Noch dazu ist sie adelig, hübsch, und kommt aus einer reichen Familie. Doch sie hat für sich beschlossen, keine Ehe einzugehen, da sie ein aufregendes Leben und keines als Hausfrau führen möchte. Schließlich stimmen ihre Eltern zu, dass Harriet zu ihrer Tante Lydia nach Oxford ziehen darf. Um sich die Zeit zu vertreiben, sucht Harriet nach einer Arbeit, doch die üblichen Dinge für Frauen interessieren sie nicht. Sie würde viel lieber in der Bibliothek arbeiten, die sowieso jemanden als Unterstützung sucht. Nur blöd, dass für diesen Beruf keine Frauen erlaubt sind. Und dann beginnt es zwischen ihr und dem mürrischen Bibliothekar Geoffrey Holmes auch noch ordentlich zu knistern…
Die Figuren
Harriet mochte ich sehr, sie ist unglaublich taff und lässt sich nichts anschaffen. Das hat mir imponiert. Trotzdem hat auch sie ihre sensible und empfindliche Seite, vor allem, wenn sie sich um andere sorgt. Durch diese Kombination empfand ich sie als besonders authentisch und sympathisch.
Holmes ist wie der typische Bad Boy, nur in einem historischen Roman. Er ist verschlossen, mürrisch und lässt kein weibliches Wesen an sich heran, für unverbindliche Liebeleien ist er aber durchaus offen. Bitte nicht falsch verstehen, er gibt den perfekten männlichen Protagonisten für diese Geschichte ab, da er ähnlich stur wie Harriet ist. Trotzdem erinnerte er mich in seinen Verhaltensweisen sehr an die typischen Bad Boys aus New Adult-Büchern, nur eben im Jahrhundert davor.
Die Geschichte
Mir hat gut gefallen, wie sich die Lovestory zwischen Harriet und Holmes entwickelt. Ohne jetzt spoilern zu wollen, hat sie sich ganz anders entwickelt, als ich es erwartet hätte und das hat mir besonders gut gefallen. Klar war es jetzt keine hochspannende Geschichte mit absolut unvorhersehbaren Wendungen und vielen dramatischen Passagen, aber das habe ich von Anfang an gar nicht erst erwartet. Denn es ist einfach kein Fantasy, Krimi, Thriller, oder sonst was Actionreiches, sondern ein leichter historischer Liebesroman für Zwischendurch.
Der Schreibstil
Er passt einfach perfekt zur Geschichte: locker, leicht, humorvoll und einfach nur unterhaltsam für Zwischendurch.
Das Cover
Es gefällt mir, haut mich aber ebenfalls nicht so richtig vom Hocker. Mich persönlich spricht es jetzt nicht so hundertprozentig an, ich finde es aber trotzdem schön. Besonders gefällt mir die „Teilung“ in der Mitte, weil es mich an ein auseinandergerissenes Blatt Papier und somit an die Bibliothek erinnert. Auch die filigranen Details in Gold finde ich sehr schön.
Fazit
„The Girl in the Library“ ist ein sehr lockerer und unterhaltsamer historischer Roman, der perfekt für Zwischendurch ist. Obwohl mich die Geschichte nicht so wirklich vom Hocker hauen konnte, habe ich mit dem Buch einige tolle Stunden gemeinsam mit Harriet im Oxford des 20. Jahrhunderts verbracht.
- Jennifer Alice Jager
Empire of Ink 1: Die Kraft der Fantasie
(75)Aktuelle Rezension von: LiviaaScarlett ist eine junge Frau, deren Fantasie größer ist als ihr Alltag. Und ich habe mich sofort erwischt dabei, wie ich mit ihr mitfühlte, als würde ich durch die Seiten hindurch träumen. Die Idee, dass Worte und Tinte magische Welten erschaffen können, fand ich faszinierend und die Umsetzung überraschte mich positiv.
Der Übergang zwischen der gewohnten Welt und dem Reich, das hinter der Tinte liegt ist schön. Man spürt förmlich, wie viel Mut Scarlett braucht, um sich auf dieses Abenteuer einzulassen. Ich mochte ihre Art sehr und sie wächst über sich hinaus.Auch die Nebenfiguren bleiben im Kopf: Freundschaften, Geheimnisse und schräg-intelligente Mitstreiter sorgen dafür, dass man der Geschichte folgt.
Der Schreibstil war für mich ein Genuss. Ich habe Seiten gelesen, ohne es zu merken, weil die Bilder so klar im Kopf waren: Räume, Schatten, Magie in Form von Tinte, Risse zwischen Welten erschien lebendig. Gleichzeitig gibt es Emotion und Dramatik, ohne dass das Ganze übertrieben wirkt. Diese Balance gefällt mir sehr.
Ein kleiner Bonus: Ich hatte beim Lesen Freude daran, wie die Fantasie-Elemente nicht nur Spielerei sind sondern mit Nachdruck wirken. Szenen, in denen Scarlett plötzlich erkennt, dass ihre Träume real sein könnten, fand ich richtig gut.
Fazit:
Ein glänzender Auftakt in eine Welt voller Möglichkeiten. Wer Fantasie liebt, wer gerne in alternative Realitäten eintaucht, wer Charaktere sucht, mit denen man mitfiebert , hier ist ein Buch, das ich mit voller Überzeugung weiterempfehle. - Frank Esser
Wenn Märchen sterben
(74)Aktuelle Rezension von: Sternenstaubfee4,5 Sterne
Der zweite Band dieser Thriller-Reihe hat mich sehr fesseln können. Zwei Frauenleichen werden kurz nacheinander entdeckt. Beide Tote hat der Mörder wie Figuren aus einem Märchen hergerichtet, nachdem er sie äußerst gewaltsam getötet hat.
Ich mochte die Ermittlungsarbeit der Kommissare und das Rätselhafte an dieser ganzen Geschichte. So blieb die Spannung immer hoch. Das Motiv des Täters liegt in der Vergangenheit, und diese Spurensuche, die bis weit in die Vergangenheit hineinreicht, mag ich grundsätzlich immer gerne.
Für mich ein sehr gelungener, spannender und rätselhafter Thriller, der auch unter die Haut geht.
30.07.2024
- Yaa Gyasi
Heimkehren
(14)Aktuelle Rezension von: GwhynwhyfarDer Anfang: «In der Nacht, als Effia Otcher in der nach Moschus riechenden Hitze von Fante-Land geboren wurde, wütete ein Feuer durch den Wald direkt vor dem Compound ihres Vaters. Es breitete sich rasch aus, zog tagelang eine Schneise. Es speiste sich von Luft; es schlief in Höhlen und versteckte sich in Bäumen; es brannte, loderte auf und schlug sich durch ohne Rücksicht auf die Verwüstungen, die es hinterließ, bis es zu einem Asante-Dorf kam. Dort verschwand es, wurde eins mit der Nacht.»
Dieser berührende Roman ist episodenhaft geschrieben, fügt das Schicksal einer schwarzen Familie über Generationen zusammen. Die Geschichte zieht den Leser sofort hinein, bildgewaltig. Effia und Esi sind Halbschwestern, lernen sie sich jedoch nie kennen, denn ihre Lebenswege verlaufen von Anfang an getrennt. Im Ghana des 18. Jahrhunderts wird Effia mit einem Engländer verheiratet, der im Sklavenhandel zu Reichtum und Macht gelangt. Esi dagegen wird als Sklavin nach Amerika verkauft. Während Effias Nachkommen über Jahrhunderte sowohl als Opfer als auch Profiteure des Sklavenhandels werden, fristen Esis Kinder und Kindeskinder ihr Leben zunächst auf den Baumwoll-Plantagen der Südstaaten.
«Ja, mein Mann hat meiner Mutter zehn Pfund gezahlt, und das vor fünfzehn Jahren! Stimmt schon, Schwester, es ist gutes Geld, aber ich für meinen Teil bin froh, dass meine Tochter einen Fante geheiratet hat. Selbst wenn mir ein Soldat zwanzig Pfund bieten würde, wäre sie doch nicht die Frau eines Häuptlings. Und schlimmer noch, sie müsste in der Festung leben, weit weg von mir. Nein, nein, es ist besser, einen Mann aus dem Dorf zu heiraten, damit deine Tochter in deiner Nähe bleibt.»
Effias Stiefmutter behandelt sie hart, und sie verwendet einen Trick, um sie loszuwerden: Sie redet ihr ein, dass sie zu ihrem Vorteil nur ihr verraten soll, wenn ihre Monatsblutung einsetzt, ansonsten darüber schweigen muss. Effia die Schöne, ist Abeeku versprochen, den sie liebt. Doch weil ihr die Mutter verbietet, zu verkünden, dass sie zur Frau gereift ist, hält man sie für unfruchtbar. Eines Tages erscheint James Collins, der neu ernannte Gouverneur der Festung von Cape Coast – der weiße Häuptling – hält bei Baaba um Effias Hand an. Die Stiefmutter rät ihrem Mann, sie den Weißen zu verkaufen, denn das Mädchen sei verflucht und der weiße Häuptling wisse ja nicht, dass sie unfruchtbar ist. Aus dem Dorf wird sie sowieso niemand nehmen. Ein prächtiges Brautgeld wird ausgehandelt, eins dass Abeeku nicht zahlen kann ... Zum Abschied erhält Effias «einen schwarzen Stein, der schimmerte, als wäre er mit Goldstaub überzogen.» In der Festung von Cape Coast, an der Goldküste, werden im Keller unter bestialischen Verhältnissen die Sklaven eingesperrt, bevor sie weitertransportiert werden. Der Auftakt der Erzählung.
«Esi war seit zwei Wochen in einem Frauenverlies der Festung von Cape Coast. ... An ihrem vierzehnten Geburtstag war sie noch im Herzen von Asante-Land gewesen, im Compound ihres Vaters, des Großen Mannes. Er war der beste Krieger des Dorfes, und alle waren gekommen, um der Tochter, die mit jedem Tag schöner wurde, ihre Aufwartung zu machen.»
Drei Jahrhunderte, sieben Generationen und zwei Kontinente: der Aschanti-Fante-Krieg, Sklaverei, der Amerikanische Bürgerkrieg, die sogenannte «Große Migration», die Kohleminen Alabamas, bis ins 20. Jahrhundert, zu den Jazzclubs und Drogenhäusern Harlems führt uns der Roman durch die Epochen. Schwarze als Menschen zweiter Klasse ... Sklaverei, brutale Ausnutzung von Arbeitskraft, Willkür, ungerechte Behandlung durch die Justiz; das Buch fasst alles Leid zusammen, das die weiße Welt beschert. Macht und Gier im Kolonialismus, Ketten und Peitschen, immer wieder unerträgliche Gewalt. Auf der anderen Seite die Sklavenfänger in Afrika, die Sklavenhändler, die Mithilfe der verfeindeten Stämme, die lieber andere auslieferten, als selbst gefangen zu werden, beteiligt waren – etwas, das gern unter den Tisch gekehrt wird. Das Aschantireich streckte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts über nahezu das gesamte Staatsgebiet des heutigen Ghanas mit Ausnahme eines schmalen Küstenstreifens, der von den Fante-Staaten gebildet wurde.
«Weil sein Körper bereits wusste, was seine Gedanken noch nicht ganz zusammengesetzt hatten: dass du in Amerika nichts Schlimmeres sein konntest als ein schwarzer Mann. Das war schlimmer als tot, du warst ein lebender Toter.»
Trotz aller Brutalität ist der Roman unterhaltsam, gibt Einblick in die Familien, in deren Leben, das in großartigen Bildern. Yaa Gyasi hat gut recherchiert und schreibt eine Familiengeschichte entlang von historisch korrekten Ereignissen, gibt berührend authentisch die jeweilige Epoche wieder. Selbst als nach dem Bürgerkrieg die Slaverei aufgelöst wird, ist Freiheit nur ein Traum: «So was wie einen freien Nig... gibt es nicht.» Traumata, die sich durch die Generationen ziehen, eine Kette mit einem schwarzen Stein, die weitergereicht wird, eine Verknüpfung zur nächsten Generation. Zwei parallele Erzählstränge. Yaa Gyasi sagt in einem Interview, sie habe sich gezwungen, jeder Figur nur 20 bis 30 Seiten zu geben. Nicht das ganze Leben einer Person wird auserzählt, lediglich wichtige Stationen werden episodenhaft eingeschoben. Nach je einem Kapitel zu jedem Strang beginnt eine neue Generation. Das Feuer spielt eine wichtige Rolle. Effia wurde während eines Feuers geboren, dass Unglücks ihrer Geburt. Ebenso sind ihre Kinder und Kindeskinder vom Feuer geprägt; Brandmale, Narben der Peitschenhiebe, Hautfarbe, alles brennt sich in die Seele. Innere Narben der Identität. Trotz der kurzen Kapitel blättern sich im Kopf mit allen Sinnen die Szenerien breit aus und auch die Charaktere sind klar und mitreißend geschildert. Eine vielschichtige Erzählung, ein historischer Abriss der Afroamerikaner, eine berührende Familiengeschichte. Meine Empfehlung!
«Warum sollte ein Schwarzer schwimmen wollen? Der Boden des Ozeans sei übersät mit schwarzen Leichen»
Yaa Gyasi wurde 1989 in Ghana geboren. 1991 zog sie mit ihrer Familie in die USA und lebte zunächst in Illionois und Tennessee. Von ihrem zehnten Lebensjahr an wuchs sie in Alabama auf. Sie hat Englische Literatur an der Stanford University studiert und einen Abschluss des Iowa Writers’ Workshop. Ihr Roman wurde mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Pen/Hemingway Award for Debut Fiction und dem «5 under 30» Award 2016 der National Book Foundation. Heimkehren ist ihr erster Roman. Die Autorin lebt in den USA.
https://literaturblog-sabine-ibing.blogspot.com/p/heimkehren-von-yaa-gyasi-rezension.html
- Meghan March
Sinful Prince
(134)Aktuelle Rezension von: libriamoooreSinful Prince startet ohne Umwege direkt mit Spice und ja das war schon beim Hören wirklich hot. Ich war sofort drin in der Geschichte und total neugierig auf den geheimnisvollen Mann, mit dem wir es hier zu tun haben. Holy Moly, der macht wirklich heißen Shit.
Besonders im Hörbuch kommen Emotionen und Stimmung richtig gut rüber. Die Sprecher haben das super umgesetzt und haben für mich viel zur Atmosphäre beigetragen.
Allerdings ging mir an manchen Stellen alles etwas zu schnell. Ich hätte mir hier mehr Tiefe bei den Charakteren und ihren Hintergründen gewünscht. Bei einer Laufzeit von nur etwas über fünf Stunden war das aber fast schon zu erwarten.
Das Ende hat mich kurz sprachlos zurückgelassen. Ich wusste, dass da noch etwas kommt, aber dieser letzte Satz hat gesessen. Jetzt bin ich extrem gespannt auf Band zwei und hoffe auf mehr Antworten.
Insgesamt ein sehr unterhaltsamer Auftakt mit viel Spannung, viel Spice und einem starken Cliffhanger.
- Julia Baird
Queen Victoria
(65)Aktuelle Rezension von: JollymareQueen Victoria – Julia Baird
Biographie, wbg Theiss, 598 Seiten
Inhalt:
Sie wächst als zukünftige Königin in absoluter Abgeschiedenheit auf. Ihr Onkel sitzt auf den englischen Thron und hat keine Nachfolger. Daher ist es ihr Schicksal die nächste Königin von England zu werden.
Das einsame Kind träumt sich durch die Kindheit und entwickelt einen sehr ausgeprägten Eigensinn, der ihr auch im vorgeschrittenen Alter nicht abhandenkommt. Als sie früh den Thron besteigen muss sind viele anscheinend Wohlmeinende Personen in ihrer Nähe. Doch erst durch die Heirat mit Albert von Sachsen-Coburg und Gotha kann sie sich von ihrer Übermutter und den politischen Ratgebern distanzieren. Die Ehe der jungen Königin mit Albert steht unter einem guten Stern. Sie bekommen viele Kinder und bis zum frühen Tod ihres Mannes kann sie das Eheleben genießen. Obwohl die die Königin über das halbe Weltreich ist, bestimmt in der Familie Albert das Geschehen und sie ordnet sich freiwillig unter.
Nach dem frühen Tod ihres Mannes betreibt sie eine zukunftweisende Heiratspolitik bei der sie die führenden Königshäuser zusammenführt. Deutschland, Russland, Dänemark. In vielen Beispielen werden die politischen und familiären Ränkespiele der Herrscherin verdeutlicht.
Eine große Frau ihrer Zeit und ein Vorbild bis heute.
Cover:
Nicht besonders Originell aber trotzdem sachdienlich. Die Verarbeitung ist wie immer gut. Ein Lesebändchen wäre bei einem solch umfangreichen Buch noch von großem Vorteil gewesen.
Fazit:
Eine Biographie nach meinem Geschmack. Keine Königin hat ihrer Zeit mehr den Stempel aufgedrückt als diese imposante Frau. Diese Biographie erfüllt alle Ansprüche. Historisch Detailliert hat Julia Baird das Leben, die politischen und historischen Personen sowie der Kontext in der Geschichte zusammengeführt. Nur an wenigen Stellen wird der Erzählfaden nicht spannend genug gehalten. Dokumentiert durch die Bilder entsteht beim Leser ein Roter Faden, dem man gerne durch die Epoche folgt. Damit gehört diese Queen Victoria Biographie für mich zu den besten der letzten Jahre. - Gillian Hobbs
Die neue Nachbarin
(101)Aktuelle Rezension von: SophieRunnerDas Cover und der Klappentext haben mich eigentlich relativ schnell überzeugt. Die Geshichte war durchgehend mega spannend und einem wurde nie langweilig. Scarlet ist so eine coole Protagonistin. Gefühlt auf jeder Seite ist dann auch noch etwas neues passiert, das Buch hat echt viel Spass gemacht zu lesen.
Ich fand es sehr angenehm, dass es mal ein kürzere Buvh war, will jetzt aber unbedingt den nächsten Band und weiss nicht, wo ich en auftreiben kann 🥲
- Heidi Troi
Ein letztes Opfer
(64)Aktuelle Rezension von: nadine230398Ein paar Ohs und Schmunzeln kamen mir während des Lesens über die Lippen. Heidi schreibt super tolle Gespräche zwischen den Charakteren.
Die Story und der Hintergrund der Geschichte sind super spannend und lassen einen weiter lesen wollen.
Was steckt hinter dem Kerl? Und wer ist wirklich der Mörder?
Zwei fragen die ich mir während des Lesens die ganze Zeit gefragt hatte.
Dennoch habe ich mir anfangs mit dem Schreibstil und der Erzählersicht zwecks der vielen Chraktere schwer getan, aber ich denke das liegt eher an mir.
Und wer es dann im Endeffekt war, hätte ich nicht gedacht
- Jane Gardam
Letzte Freunde
(63)Aktuelle Rezension von: M.Lehmann-PapeLiebevoll, skurril und treffend gestaltete Figuren
Nicht wenige der im Buch auftretenden Personen haben „die letzte Kurve“ ihres Lebens durchaus vor Augen, bereits erreicht, oder, bei den beiden eigentlichen Hauptfiguren, bereits hinter sich gelassen (Terry Veenering und Edward Feathers, über die längste Zeit ihres Lebens hervorragende Anwälte des britischen Rechts, mit einem Faible für die gleiche Frau versehen und einander, bis (fast) zum Schluss in herzlicher Abneigung und Feindschaft verbunden, beide sind gerade gestorben im Abstand von einem Jahr).
Sehr britische Menschen sind es dabei, die den Roman bevölkern, einerseits Rückschau halten auf ihre lange Strecke an Leben, andererseits, in diesem Leben, wenig an den Beziehungen untereinander wurde verändert (so dass der hochbetagte Fiscal-Smith immer noch nicht, und sei es aus alter Verbundenheit heraus, ein herzliches Verhältnis gerade zu Dulce, der uralten Bekannten, immer noch nicht erwiesen bekommt.
„„Sie sind ganz schön arrogant, Fiscal-Smith““.
„“Ich sage nur, wie es ist“, sagte er“.
Selbst wenn man gemeinsam in der alten Dorfkirche bei kühlen Temperaturen eingeschlossen wird, warm und nahe kommt man sich immer noch nicht. Eine Distanz, wenn auch eher eine vermeintliche, die in britischer Tradition jenes unterkühlte, distanzierte miteinander Umgehen ebenso treffend auf den Punkt bringt, wie die Tatsache, dass hinter all jener Distanz und den trockenen, ironischen Sprüchen, durch welche diese Distanz äußere Form findet, doch noch Tiefen der Gefühle zu finden sein werden. Gut verborgen, aber wichtig.
Denn auch Veenering und Feathers hatten da etwas aneinander entdeckt auf ihre alten Tage, was dem Roman einen soliden Spannungsbogen beschert und dem Leser Seite für Seite die Verbundenheit hinter den kühlen Fassaden und verletzend scheinenden Worten mehr und mehr vor Augen führt.
Ein Roman, mit dem Jane Gardam ihre Reihe über jenen „Old Ffith“ Edwart Feathers beendet und in dem sie seinem „Gegenpart“ Veenering viel Raum einräumt. Und damit die Personen der vorhergehenden Romane wunderbar abrundet. Was nicht zuletzt daran liegt, dass es Gardam gegeben ist, mitten aus dem Leben heraus (mit klarer Beobachtungsgabe und ebenso dem Talent, das Menschliche treffend in Worte zu fassen) zu schreiben und den Leser mühelos in das Leben im kleinen Ort und auf den vielen Stationen des gemeinsamen Schicksals der beiden Hauptpersonen emotional mitzunehmen.
Wie Gardam ebenso Längen vermeidet, ein Werk aus einem Guss und mit Tempo (ohne Hast, natürlich) vorlegt, dass in der Tiefe und in jeder der liebevoll gestalteten Szenen (wie das „Historienspiel“ in jener kalten Kirche) ein leicht erscheinendes und doch prägnant treffend psychologisches Einfühlungsvermögen an den Tag legt.
So verliert der Leser in keiner Phase der Lektüre den Überblick trotz der vielfachen Erzählebenen und des häufigen Wechsels der Perspektiven durch die verschiedenen beteiligten Personen hindurch und kommt zudem in den Genuss einer typisch britischen Atmosphäre, die im Personal des Romans bestens zum Leben erweckt wird.
Eine anregende und empfehlenswerte Lektüre. - Ellis Peters
Der Raga vom gewaltsamen Tod
(2)Aktuelle Rezension von: kassandra1010Anjli Kumar hat Sehnsucht nach ihrem Vater. Der weilt weit weg in Indien und für das junge Mädchen scheint diese Reise nicht möglich.
Die Sehnsucht ist jedoch so groß, dass Kriminalinspektor Felse seinen Sohn Dominic bittet, Anjli auf deren Reise nach Indien zu begleiten.
Gemeinsamt mit Dominics Freundin Tossa reist das Trio nach Indien.
Doch in Dehli angekommen, ist Anjlis Vater spurlos verschwunden. Dominic und Tossa machen sich große Sorgen. Wie kann ein reicher und sehr bekannter Mann einfach so spurlos verschwinden?
Endlich in dessen Haus angekommen, stolpert Dominic über eine Leiche. Der Tote macht das Umfangen noch schwieriger als gedacht, da es sich bei dem Toten um einen heiligen Bettler handelt. Die Zeiten stehen auf Sturm. Misstrauen und Feindseligkeit wird den jungen Engländern entgegengebracht und Anjlis Vater auch noch Mord unterstellt.
Das kann Dominic natürlich nicht so stehen lassen und beginnt selbst mit den Ermittlungen.
Ellis Peters ist das Pseudonym von Edith Pargeter und ein Garant für klassische Kriminalromane fernab ihrer Heimat Wales. Wer einmal einen Krimi, egal aus welcher Reihe in die Hand genommen hat, kann nicht aufhören.
- Ian Doescher
William Shakespeare's The Phantom of Menace
(14)Aktuelle Rezension von: JaninezachariaeAls Shakespeare - Fan war ich irritiert. Natürlich kenne ich die Filme (außer den aktuellen) von Star Wars, aber eine Mischung aus beidem?
Interessant ist es.
Shakeapeareisch geschrieben auch.
Ab und zu fand ich es etwas zu sehr gewollt oder befremdlich. Aber es war mit Sicherheit keine leichte Arbeit beides zu vermischen.
Da dieses Jahr der 400. Todestag von Shakespeare ist, ist es keine schlechte Idee auch Menschen für den Engländer zu begeistern, die abseits des ganzen eigentlich sind. - Lotte R. Wöss
Die Frau auf Sylt
(63)Aktuelle Rezension von: lucycaMarie und Hanna sind beste Freundinnen seit ihrer Kindheit. Vor einigen Monaten verschwand Hanna und brach jeglichen Kontakt zu Marie ab. In einer Zeitschrift entdeckt Marie ein Foto, auf welchem Hanna mit einem fremden älteren Mann abgelichtet ist. Dieses Foto entstand auf der Insel Sylt und speziell nach ihrem Verschwinden. Marie ist in heller Aufregung und reist umgehend nach Sylt, um Hanna zu suchen.
Lotte R. Wöss hat einen sehr einnehmenden Schreibstil, der mich umgehend gepackt hat. Auf Sylt lernt Marie ein paar Freunde kennen und speziell David. Die beiden verlieben sich umgehend und ohne Vorbehalt. Das Ganze wird nur getrübt durch das nicht Auffinden von Hanna. Plötzlich erhält Hanna einen Hinweis, den sie ohne länger nachzudenken nachgeht. Dies bringt sie und später ihre Freunde in sehr grosse Schwierigkeiten.
Anfänglich mehr Liebesroman der sich ab der Hälfte in einen schrecklichen und brutalen Kriminalfall entwickelt. Die Spannung steigert sich von Kapitel zu Kapitel. Der Schluss wartet noch mit ein paar Überraschungen auf.
Ich habe schon Bücher von Frau Wöss gelesen, die alle insgesamt sehr spannend waren. Auch «die Frau auf Sylt» reiht sich sehr gut in die Reihe ein. Vier Sterne und eine Leseempfehlung sind verdient.
das vergnügen, dekadent zu sein. von der kunst, in england zu leben. aus dem englischen von dr. klaus machold
(1)Aktuelle Rezension von: HoldenGoerge Mikes ist England-Zugereister ungarischer Herkunft und beschreibt das den Übrigen-Länder-Angehörigen seine neue Wahlheimat. MAn befindet sich Ende der 70er Jahre in einer veritablen Wirtschaftskrise, das pound sterling liegt am Boden, aber gleiehwohl bseteht kein Grund zur Panik, oder eben the british way. Man beschwert sich nie (NIEMALS!), steht brav Schlange an, wer das nicht tut, muß Ausländer sein, und Homosexuelle haben bekanntermaßen keinen Humor. Mit letztgenannter Aussage würde der Autor heutzutage einen ziemlichen Shitstorm auslösen, aber nichts anmerken lassen (wieder very british). Mir fehlen noch die Teppichböden in den englischen Bädern, darüber kann man sich auch trefflich amüsieren. Ein schönes Portrait des "typisch" Englischen, dazu empfehle ich die Fotos von Martin Parr (RIP).
- Gillian Hobbs
Du lügst. Du stirbst.
(49)Aktuelle Rezension von: Evelyn_ZiebuhrScarlett Dyer, wie sich Olivia Lewis nun nennt, hat eine ganze Stadt ins Chaos gestürzt. Um das, was in dem kleinen Küstenstädtchen St. Pit passiert ist hinter sich zu lassen, zieht sie mit ihrem Mann Jacob ins beschauliche Woodnock am Rande der schottischen Highlands. Dort wollen die beiden ein neues Leben beginnen. Es scheint auch gut zu funktionieren, denn hier wimmelt es nur so vor Touristen, neugierige Nachbarn gibt es nicht, und zum ersten Mal scheint es, als könne Scarlett endlich ein ruhiges Leben führen.
Sie freundet sich mit Bridget Thompson an. Noch ahnt Scary, wie sie gerne genannt werden möchte, nicht, dass sie es hier eigentlich mit Aleen Gibbs und ihrer Vergangenheit in St. Pit zu tun bekommt. Diese verhilft auch Jacob zu seinem eigenen kleinen Spielzeugladen, von dem er schon immer geträumt hat. Warum unterstützt Bridget Scarlett und Jacob?
Es scheint so, als wären sie endlich angekommen und können ein friedliches Leben leben. Doch schon bald wird Scarlett von ihrer Vergangenheit eingeholt. Zuerst bezichtigt man sie des Diebstahls und dann legt ihr jemand ihr noch unvollendetes Manuskript, welches sie in St. Pit zurückgelassen hat, vor ihre Haustür. Wer hat es ihr vor die Tür gelegt? Wer hat es auf sie abgesehen und will ihr was Böses? Als dann auch noch ihrem Mann Jacob vorgeworfen wird, kleinen Jungen nachzustellen, schwört sie Rache. Doch, wer hat hier was gegen sie? Eigentlich dürfte sie niemand kennen. Oder etwa doch….?
Fazit / Meinung:
Das Buch hat 320 Seiten und ist in 18 Kapitel plus Epilog eingeteilt. Die Länge der Kapitel sind genau richtig. Der Schreibstil ist locker, flüssig und super spannend zugleich. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Es ist spannend bis zum Schluss.
Ich war sehr positiv überrascht. Denn Band 1 hat mich schon gefesselt und ich dachte, das kann man nicht toppen. Aber ich habe mich geirrt, man konnte es sehr wohl toppen. Eine sehr gelungene Fortsetzung. Anfangs könnte man meinen, Scary ist nun vernünftig und „lieb“ geworden. Hat keinerlei Rachegelüste mehr. Aber je mehr man sich gegen sie und Jacob stellt, desto mehr kommt die wahre Scary wieder zum Vorschein. Ich bin total begeistert und freue mich nun auf das Finale und stelle mir dabei die Frage: wie kann man die beiden Bände nun noch toppen….?
Von mir gibt‘s eine klare Leseempfehlung und 5 Sterne!!
Alexander the Great Failure: The Collapse of the Macedonian Empire (Hambledon Continuum) by John D Grainger (2009-08-11)
(1)Aktuelle Rezension von: AdmiralDer Titel in der Bibliothek hatte es mir sofort angetan: "Alexander the Great Failure. The Collapse of the Macedonian Empire" (2007) von John Grainger.
Ihr kennt diesen Mann bestimmt: nicht den Autor, nein, sondern Alexander den Großen. "der Große" ist ein Namenszusatz, der stets von großen Taten und großem Erfolg zeugt. Doch der Autor dieses Buches macht daraus einen unerwarteten Gegensatz. Denn indem er den Zusatz zu "der große Fehlschlag" erweitert, baut er sofort einen Kontrast auf und verrät uns direkt seine These, die sich durch das gesamte Buch zieht: Alexander war ein Fehlschlag für Makedonien und die ganze damals bekannte Welt.
Auf knapp 240 Seiten reinterpriert Grainger nun die makedonische und alexandrinische Geschichte, während er jedoch nicht mit Alexander beginnt und auch nicht mit ihm endet. Grainger erweitert die Perspektive sogar noch mehr als es Johannes Engels in seinem Buch "Philipp II. und Alexander der Große" tut. Denn Grainger beginnt mit der Darstellung des Landes Makedonien in seiner Konstitution zwischen 370 und 359. Makedonien war ein gescheiterter Staat: geschüttelt von inneren Krisen und bedroht von äußeren Gefahren.
Erst Philip II. (Alexanders Vater) konnte in vielen Kriegen und durch jahrelange Diplomatie mit vielen politischen Heiraten (ja, das ist kein Formulierungsfehler: Philipp II. hatte ca./min. 7 Frauen, von denen einige gleichzeitig seine Ehefrauen waren) das makedonische Reich festigen, stabilisieren und erweitern (S. 23-67).
Und erst jetzt auf Seite 67 des Buches erhält Alexander eine wirkliche Einführung und wird zum Handlungsträger, als er Philipps Nachfolger wird. Hier auf Seite 67 beginnt nicht mal ein neues Kapitel, was entweder ein Seitenhieb gegen Alexander sein soll oder auch zeigt, dass der Fokus von Grainger tatsächlich mehr auf strukturellen Prozessen, denn auf Alexander liegt. Erstere These wäre zwar amüsant, ich tendiere jedoch eher zur zweiten. Immerhin bekommt Alexander einen eigenen Absatz zugewiesen, wobei er jedoch noch nichtmal namentlich genannt, sondern umschrieben wird mit "a 20-year-old boy". Das alles heißt, dass Alexander hier in einen sehr großen Kontext gestellt wird. Die Seiten des Buches, die sich ausschließlich auf seine eigene Person und seine eigenen Regierungsjahre beziehen, sind sogar recht wenige: S. 67-92, bei 193 Seiten reinem Fließtext !
Auf Seite 67 wird Philipp II. ermordet, heißt im Jahr 336. In diesem Jahr war ein Feldzug gegen das Perserreich geplant, doch Alexander übernahm nicht nur die Position seines Vaters, sondern führte auch diesen Perserfeldzug durch, wenn auch mit 2jähriger Verspätung. Denn mit dem Tod Philipps gab es in den Machtbereichen Makedoniens mehrere Unruhen, Revolten und Separationsbewegungen, wie eigentlich immer, wenn ein Hegemon stirbt oder gestorben wird. Viele haben wohl auch Alexander wegen seiner Jugendlichkeit unterschätzt. Denn diese 2 Jahre bis zum Perserfeldzug verbringt er nicht in Muße, sondern benötigt sie, um die makedonischen Einflusssphären zu restabilisieren. Unerwarteterweise hielt Philipps Konstruktion also nach seinem Tod (vor Philipp war nach jedem Herrschertod Chaos ausgebrochen) stand. Mit Flexibilität, einer rasenden Geschwindigkeit und dem gut ausgebildeten Heer unterdrückt Alexander all die Unruheherde und erhält sich seine Machtstellung. Nur an der Stadt Theben, eine der größten und einflussreichsten in Griechenland, statuiert er ein Exempel: er macht es dem Erdboden gleich, was andere Separationsbewegungen gewissermaßen abschreckt. In diesen ersten beiden Jahren seiner Herschaft zeigte Alexander direkt seine militärische Kompetenz und seine charismatische Ausstrahlung.
334 bricht er dann nach Kleinasien (gegen die Perser) auf. Zwar lässt er seine Besitzungen militärisch gesichert, doch politisch labil zurück. Denn die höchst sensible Frage der Nachfolge im Falle seines Todes lässt er völlig unberücksichtigt (entgegen dem eventuellen Ratschlag seiner Generäle; die Überlieferung ist hier recht unklar). Doch Grainger kommentiert das damit, dass Alexander ohnehin nie besonders große Sorgen für Makedonien zeigte. Daher sei es nicht verwunderlich, wenn er sich nicht um eine Nachfolgeregelung bemüht (S. 70). Noch im selben Jahr (334) beginnt Alexander mit der "Befreiung" ganz Kleinasiens von "der persischen Unterjochung". So lautet zumindest die propagandistische Legitimation Alexanders für seinen Feldzug.
Grainger zeichnet in ausführlichen Darstellungen den gewaltigen und gewaltig erfolgreichen Feldzug Alexanders nun in einem eigenen Kapitel nach ("6. The great campaign, 334-325 BC", S. 75-85). Der Fokus liegt auch hier wieder weniger auf der Person Alexanders als vielmehr auf der Ereignisgeschichte der Unternehmung.
Dabei schreibt er über alles ziemlich ereignishistorisch (die Erfolge in Kleinasien zählen nicht dazu, da diese Territorien geographisch und kulturell zu Griechenland zählen und Grainger sie somit bereits im vorigen Kapitel behandelte ["5. The conquest of Greece, 340-334 BC", S. 59-73]): Garnisonslegung in "befreite" (ihr erinnert euch: evtl. Propaganda) Städte; Einsetzung von Verwaltern; die Seegefechte gegen Memnon (Admiral des pers. Großkönigs Dareios); Heereszüge; militärische Manöver; Eroberung und Belagerung der phönizischen Städte (Tyros; Gaza); Verhandlungen mit Dareois; Sicherung und Aufenthalt in Ägypten.
Diese etwas langatmige Aufzählung will ich kurz (gleich gehts weiter. Versprochen !) unterbrechen, da Grainger hier die Administrationseinrichtungen Alexanders kommentiert. Denn sie funktionierten einfach nicht. Dass ich Euch, werten Lesern, hier diesen Kommentar Graingers mitanführe, scheint mir deswegen wichtig zu sein, weil Grainger solche Einzelfälle in die Gesamtinterpretetation Alexanders einfließen lässt: Politisch sei Alexander nämlich recht inkompetent gewesen. Dazu will ich später noch ausführlicher schreiben.
Unruhen im Heimtland Makedonien, die vom Regent Antipater unterdrückt werden; (die ereignishist. Liste geht übrigens weiter ;D); Schlachtensiege (zB die berühmte Schlacht bei Gaugamela); Aufenthalt in der pers. Hauptstadt Persepolis; die versehentliche Teilniederbrennung des Palastes bei einer Party; der Feldzug ins pers. Hinterland (Sogdien; Baktrien); Hinrichtung des Philotas (er war evtl. in eine Oppositionsverschwörung gegen Alexander verwickelt; Alexander lies hier auch gleich Philotas' Vater umbringen, der Alexanders Verwaltungstätigkeiten stellvertretend in Medien nachging); Hinrichtung des Kallisthenes (der berühmte Streit um die Orientalisierung der Politik Alexanders und um die Proskynese); die gescheiterte Expedition nach Indien.
Bereits vor der Schilderung der Indienexpedition wagt Grainger eine weitere Bewertung Alexanders. Dieser komme nämlich aus dem kleinen Makedonien mit seiner super ausgebildeten Armee und seiner überlegenen Kriegstaktik und gewinnt einfach alles. Er wagt die These, dass Alexander schlichtweg siegestrunken wird. Er verliert allmählich den Realitätsbezug ("escapism". S. 83), verwaltet seine bisherigen Eroberungen nicht, sondern zieht stattdessen immer mehr Garnisonen aus Makedonien ab, wodurch Makedonien immer wehrloser wird. Alexander hört also zum Schaden aller einfach nicht mit seinen Eroberungen auf und wird sogar für antike Verhältnisse grenzüberschreitend. Er vermag es zwar noch, seine Truppen mit Charisma an sich zu fesseln und zu motivieren, doch machen sich starke Brüche bemerkbar. zB entstehen Gegenpositionen oder Oppositionen innerhalb seines Generalstabs (zB die beiden bereits erwähnten Philotas und Kallisthenes), sogar die Truppen meutern schließlich in Indien und zwingen Alexander zur Aufgabe seines rücksichts- und vernunftslosen Eroberungswahns. Folgerichtig nennt Grainger das makedonische Heer unter Alexander dann auch "[t]he exuberant Macedonian invaders" (S. 81; auf Dt. etwa "die unbändigen makedonischen Invasoren"). Die menschlichen Verluste waren gewaltig und Alexander ließ seine Eroberungen destabilisiert zurück, ohne eine gescheite Verwaltung einzurichten. Ganz in diesem Sinne sieht Grainger Alexanders Indienfeldzug auch als völlig realitätsfern an. Der ganze Indienzug war eine reine Katastrophe mit Zerstörung und zahllosen Toten, ausgelöst durch Alexanders Eigensinn. Doch es wird noch schlimmer. Den Rückzug aus Indien habe Alexander so gestaltet, als wolle er sich an seinen Truppen rächen. Denn er wählt nicht denselben Weg zurück, sondern durchquert mit ihnen die gedrosische Wüste, wo seine Soldaten, die ohnehin bereits nur noch wenige waren, nochmal in Scharen sterben: Hunger, Durst, Hitze und Sturzfluten.
Seinem bisherigen Verhalten und seiner bisherigen Politik entsprechend, waren seine bisherigen Eroberungen dann auch politisch und administrativ noch unsicherer geworden, als er zurück ins persische Herzland kam. Viele werden auch gedacht haben, dass Alexander umgekommen sei (immerhin hatte er nach der Eroberung des Kernlandes weitere 5 Jahre für fortgesetzte Feldzüge genutzt). Als Alexander zurückkehrte, gab es eine Welle der Bestrafungen, ob sie nun gerechtfertigt waren oder nicht: Anklagen, Enthebungen, Hinrichtungen, Exekutionen, Dezimierungen (S. 87-89). Für Grainer handelte Alexander also nicht nur grob fahrlässig und unverantwortlich, sondern hat auch noch jegliche persische Staatsstruktur nicht verstanden und vertraute auch noch niemandem, obwohl es in Persien nötig war, Macht zu delegieren. So zogen in das persische Reich mit der Unkenntnis der Makedonen unter Alexander viele negative Veränderungen mit ein: Separationsbestrebungen, Unverständnis, Rechtsunsicherheit, Korruption, Machtmissbrauch und Missverständnisse (das steht hier nicht bei Grainger, aber ich meine mich an eine Stelle bei Plutarch zu erinnern, in der Alexander das pers. Zeremoniell des "Ersatzkönigs" missversteht und denjenigen zu Tode foltern lässt !).
Sogar in Alexanders Kernland Griechenland und Makedonien scheint er sich nun mehr Feinde zu machen, indem er dort Vefügungen erlässt, die auf Widerstand stoßen. Er will sich nämlich dort als Gott verehren lassen (für die Perser ist das mehr oder weniger Tradition, doch für Griechen und Makedonen ist das ein Unding !) und befiehlt, dass jede Stadt ihre Exilianten wiederaufnehmen soll (das würde innenpolitische Kriesenherde und evtl. sogar bürgerkriegsähnliche Zustände herauf beschwören).
Und inmitten all dieser Probleme, die einer Lösung bedürft hätten, plante Alexander schon wieder einen Feldzug. Diesmal sollte es nach Arabien gehen. Doch während der Vorbereitungen zu diesem Feldzug stirbt Alexander schließlich (im Jahr 323). Die Ursache ist wohl ein Fieber, das wahrscheinlich wegen seiner zu exzessiven Trinksucht spontan und unverhältnismäßig stark ausbrach. Natürlich gab es auch Theorien über Verschwörungen und Mord, doch stehen diese Theorien auf wackeligen Beinen.
Besonders diesen letzten Plan zu einem erneuten Feldzug sieht Grainger als Flucht vor der realen Problemen und charaktersiert Alexander als älter gewordenen Jugendlichen ohne Sinn für das Notwendige ("In many ways he was a perpetual adolescent", S. 92; auf Dt. etwa "in vielfältiger Weise war er ein ewiger Jugendlicher").
Den kompletten Rest des Buches weist Grainger der Nachgeschichte Alexanders zu: den Diadochen (S. 92-184). Die Diadochen kämpften nach dem Tod Alexanders gegen- und miteinander um die Vorherrschaft im gewaltigen "Reich" und wollten jeweils die Oberherrschaft an sich reißen. Doch da dies nicht mehr zur Person Alexanders gehört, werde ich darüber nicht mehr schreiben. Denn dieses Buch las ich eben mit dem fokussierten Blick auf Alexander.
Die Perspektive auf Alexander, die Grainger hier dem Leser eröffnet, ist sehr interessant und lohnt einer Überlegung. Engels hatte Alexander auch in einen größeren Kontext gestellt, nämlich in eine Reihe mit seinem Vater und den Einzelentwicklungen der griechischen Poleis. Diesen Weg wählt in ähnlicher Hinsicht auch Grainger, wählt jedoch einen ganz anderen Kontext. Er nimmt Makedonien als Reich und macht es zum Rahmen seiner gesamten Untersuchung. Denn erst durch die mühevolle Arbeit Philipp des II. wurde Makedonien nach jahrelanger Stagnation und Bedeutungslosigkeit wieder stabilisert. Alexander scherte sich dann jedoch nur noch um sich und seinen Ruhm und blieb Makedonien fern. Dementsprechend hat sich Alexander auch nicht um die höchst sensible und wichtige Frage der Thronfolge gekümmert. Die Folge waren erbitterte Kriege nach seinem Tod. Alexander habe also das, was sein Vater aufgebaut hat, unbeachtet gelassen (später wurde das geschwächte Makedonien von Galatern überrannt) und zusätzlich auch noch für das, was er selbst aufgebaut hat, keine Verantwortung übernommen. Denn Macht wollte er nicht wirklich delegieren, bestrafte Abfallerscheinungen aber drastisch und zuweilen unverhältnismäßig hart (dazu "Conclusion", S. 189-193).
Grainger schreibt mit einem sehr lockeren Stil und belegt (dem Wissenschaftlichkeitsanspruch folgend) seine Aussagen mit Quellen und anderer Literatur. Und auch wenn die Reinterpretation der gesamten Zeitgeschichte, die sich weit über das bloße Leben Alexanders hinaus ausdehnt (seht Euch dazu nur nochmal die Seitenverhältnisse an, die ich oben angeschnitten habe !), wertvoll und sehr ergiebig ist, ist das Buch doch evtl. zu eriegnishistorisch geworden. Zur Ereignishistorie würde ich sonst eher zu anderen Büchern greifen, doch trotzdem arbeitet sich der Autor intensiv an seiner These ab und legt ein fundiertes und gutes Buch ab. Denn in der Regel wird Alexander auf seine militärischen Leistungen reduziert. und diese sind (wer würde es leugnen ?) wirklich beeindruckend ! Alexander wurde und wird oft als Held und Weltenentdecker gesehen, gelobt und gefeiert. Doch Grainger erweitert unseren Blick und bezieht Punkte mit ein, die unumgänglich sind, wenn Alexander wirklich angemessen bewertet werden soll: Politik, Verwaltung, Menschlichkeit, Opferposition, Vorgeschichte und die nachträglichen Ereignisse. Und in diesen Bereichen hat Alexander insgesamt versagt.
Diese ganze These hat was. Doch sie hat auch schwerwiegende Schwachpunkte. Denn während die alexanderfreundliche Interpretation viele negative Aspekte ausklammert, bewertet Grainger Alexander mit Maßstäben, die unserer Zeit, aber nicht Alexanders Zeit entsprechen. Das wiederum heißt, dass Grainger die positivistische Sicht einfach umdreht und keine wissenschaftlich objektive (!) Haltung einnimmt, die versucht Alexander ohne übertreibende Moralisierung deskriptiv darzustellen (wie es zB Alexander Demandt in seiner monumentalen Alexanderbiographie zu tun versucht). Denn das Fazit zu Alexander fällt hier bei Grainger fast schon vernichtend aus. Er bewegt sich also in der üblichen Forschungstradition, dass jede Generation, jeder Kulturkreis, jede Nation und vielleicht auch jeder Forscher "seinen" Alexander sieht und für sich bewertet (und instrumentalisiert ?). Denn während Grainger Alexander tadelt, anklagt, angreift und auseinandernimmt, lobt er eine (zB ?) andere Person: Antipater, Alexanders Stellvertreter in Makedonien.
Wir als Leser müssen unbedingt darauf achten, nicht einfach Graingers negative Bewertung zu übernehmen, die vielleicht aus heutiger Sicht berechtigt sein mag, sondern im Hinterkopf zu behalten, dass wir es hier mit einer anderen Zeit, einer anderen Kultur und einer anderen Gedankenwelt zu tun haben.
Aber das, was Graingers Buch wirklich etwas seiner Lesewürdigkeit beraubt (auch wenn er hier ein detailreiches, gut lesbares und bereicherndes Buch abliefert), ist die Schwerpunktsetzung, die einfach am Titel und am Vorhaben ("Introduction", S. xvii-xix) vorbeigeht. Das Scheitern der Person Alexanders in Bezug auf fast alles führt er zwar an, aber oftmals (bes. bei der Nachgeschichte Makedonien und bei den Opferrollen) zu oberflächlich oder einfach unplausibel. zB ist die Invasion der Galater nach Makedonien wohl eher weniger Alexanders direkte Schuld. Denn zu dem Zeitpunkt hat Makedonien etwa 40 Jahre innere Zerrütung hinter sich. Vieles was Grainger in dem Abschnitt zu Alexander als Ursachen für Alexanders Scheitern anführt, ist etwas zu kurz geraten. Und dass der Abschnitt zu Alexander (vergleicht nochmal den Titel des Buches: "Alexander the great failure" !) so kurz geraten ist, spricht gegen das Buch, denn damit sind auch die Argumentationsgänge zu kurz geraten.
Wie üblich, will ich mit Euch, werte Leser, noch meine Sekundärliteratur teilen, die mir geholfen hat, das Buch besser zu verstehen. Diesmal ist es lediglich eine:
Rezension von Heckel, W., in: Bryn Mawr Classical Review 2008.09.30 (http://bmcr.brynmawr.edu/2008/2008-09-30.html).
Heckel zerreißt das Buch sogar noch mehr als ich. Seine Rezension beendet er witzigerweise mit "It can be summed up in one word: failure." Seine Rezension hat leider etwas zu viele Zitate, ist aber lesenwert.- Liz Rosen
Dark Empire
(27)Aktuelle Rezension von: seelenseitenDie erste Hälfe des Buches kann man noch als Bully-Romance bezeichnen, obwohl auch hier wirklich harmlos gemobbt wurde.
Harmlos im Vergleich zu anderen Bully-Romancebüchern.
Die zweite Hälfte des Buches war eher nur Romance.
Im Allgemeinen war die zweite Hälfte des Buches ansprechender. Zwar verliert Freya den Fokus ihres eigentlichen Anliegens, nähert sich dafür aber Matt deutlich an.
Die Chemie, die man seit der ersten Begegnung zwischen den beiden spürt, wird in dieser Hälfte sehr deutlich.
Es gibt einige Geheimnisse, die in dieser Hälfte des Buches enthüllt werden.
Ich finde, man kann es nicht wirklich als Geheimnis bezeichnen, wenn es quasi offensichtlich ist, aber gut.
Außerdem kam mir die Auflösung zu Theresa und dem Spiel auf den gefühlt letzten 20 Seiten etwas sehr schnell.
Zwar hat mich das Ende nicht wirklich überrascht. Dennoch hätte man dort gerne etwas früher anfangen können, sodass es nicht wirkt, als müsse man noch schnell alles auflösen, weil man die vorgegebene Seitenzahl von 336 nicht überschreiten darf.
Was mich aber überrascht hat, war, was genau hinter dem Spiel steckt und ich muss sagen: WTF?!
Für die oben genannten Punkte und für das gelegentlich nicht nachvollziehbare Verhalten einiger Personen gibt es von mir leider nur 2/5 Sternen.
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