Bücher mit dem Tag "entfremdung"
46 Bücher
- Franz Kafka
Die Verwandlung
(1.853)Aktuelle Rezension von: DoerthePuh, ich habe es geschafft, die Verwandlung zu beenden.
Ziemlich unbedarft habe ich mir das Buch "für Zwischendurch " ausgesucht. Ich muss zugeben, ich dachte zunächst: 'Was für ein Blödsinn!'😅.
Erzählt wird die Geschichte von Georg Samsa und seiner Familie. Georg wacht eines Morgens als Käfer auf und Lesende erfahren, wie er und die Familie mit diesem Umstand umgehen.
Dass dieses Buch in Schulen als Schullektüre dient, kann ich verstehen. Genauso gut verstehen kann ich allerdings Schüler:Innen, die dieses Buch furchtbar finden.
Letztendlich macht es Sinn, sich vor oder nach dem Lesen des Buches mit der Zeit, in der die Geschichte spielt, auseinander zu setzen. Hierdurch versteht man den Hintergrund und die Ideen, die Kafka mit dem Buch ausdrücken wollte.
Nach Lesen der Hintergrundinformationen kann ich für mich sagen, dass ich immer noch froh bin, das Buch beendet zu haben. Es wird nicht zu einem Lieblingsbuch werden, aber es hat seine Bedeutung in der Literatur.
Und ich bereue nicht, es gelesen zu haben
Es kann gern Schullektüre bleiben, allerdings dann erst für spätere Schuljahre, wie einem Deutsch-LK oder gern auch im entsprechenden Studienlehrgang.
Für jüngere Schüler:Innen gibt es mit Sicherheit zeitgemäßere Literatur.
- Henning Mankell
Mörder ohne Gesicht
(1.012)Aktuelle Rezension von: Alina35„Mörder ohne Gesicht“ hat mich von der ersten Seite an gepackt. Der Fall ist spannend aufgebaut, atmosphärisch dicht und entwickelt eine stetige, fast unheimliche Sogwirkung. Die Ermittlungen wirken realistisch, die Figuren sind glaubwürdig gezeichnet und die Wendungen sitzen genau an den richtigen Stellen. Besonders beeindruckt hat mich, wie konsequent und präzise die Spannung gehalten wird – kein Durchhänger, kein unnötiger Ballast. Für mich ein fesselnder Krimi auf hohem Niveau, der zeigt, warum dieses Buch als Klassiker gilt.
- Arthur Schnitzler
Traumnovelle
(389)Aktuelle Rezension von: AQuaWieder eine Verfilmung von Schnitzlers Traumnovelle - und neugierig machte mich nicht der neue Film, sondern der Originaltext, der scheinbar in der heutigen Zeit nicht an Anziehungskraft verloren hat.
Faszinierend ist der Blick auf die triebgesteuerten, unzensierten Sehnsüchte des Mannes, auf den Wunsch, allen Begierden nachzugehen und auf den naiven Egoismus, dafür über Leichen zu gehen. Die Figur des Fridolin empfinde ich als zutiefst abstoßend und opportunistisch, zugleich überraschend menschlich. Der ganze Text lässt mich in einem Zwiespalt zurück, einem Ärger über die patriarchalische Organisation und das männliche Begehren nach einer Verfügbarkeit des lustvollen Frauenkörpers, dessen hohen Preis die Frauen selbst zu bezahlen haben. Gleichsam ein Text, der nicht verleugnet, dass dieser Wunsch machtvoll und vorhanden ist und der aufzeigt, in wie vielen Konstellationen Frauen Spielball der Männer sind, sei es als Verlobte, die einen Mann heiraten muss, den sie nicht liebt, als Dirne, als Tochter (deren Lust durch den Vater reguliert wird), als Ehefrau, die still die nächtlichen Eskapaden des Mannes verzeiht. Und warum verzeiht sie ihm? Weil sie sich einredet, dass diese nächtlichen Abenteuer nicht seinem wirklichen Wesen entsprechen, anstatt ihn wirklich als den zu erkennen, der er ist: "...ich ahne, dass die Wirklichkeit einer Nacht (...) nicht zugleich auch seine innerste Wahrheit bedeutet."
Es bleibt ein Unwohlsein darüber, dass all diese Frauen nicht aufbegehren, sondern sich in die Strukturen fügen, vielleicht hier und da nach kleinen Eskapaden Ausschau halten, aber das System nicht in Frage stellen, bis hin zur Aufopferung des eigenen Lebens für die Ehrenrettung des Mannes.
Ein eigentlich nicht zeitgemäßer Text, dessen Wiederaufleben nachdenklich stimmt.
- Stephen King
Dead Zone – Das Attentat
(388)Aktuelle Rezension von: KayuriJohn Smith hat als Kind einen Unfall. Nun kann er zwischendurch Sachen vorher erahnen oder sehen. Jahre später, als sich weder er noch seine Eltern an den Unfall erinnern schlägt das Schicksal zu. Nach einem Jahre andauernden Koma wacht er auf und sieht plötzlich zu vieles voraus.
Die Geschichte ist hierbei wirklich gut geschrieben. Dennoch hatte sie einige Längen die irgendwie wenn ich das Ende betrachte nicht so recht gut gelungen sind. Die Szenen in denen die Geschichte wirklich voran getrieben wurde waren gut und einnehmend gestaltet.
Die Charaktere gefallen mir nicht zu 100%. Dennoch kann ich beispielsweise die Beweggründe von Johnny verstehen. Auch die Art wie die Geschichte zwischen verschiedenen Ereignissen springt war gut, da man so die anderen Charaktere besser verstand bzw. Die Geschichte die sich daraus ergab nachvollziehen konnte.
- Monika Zeiner
Die Ordnung der Sterne über Como
(101)Aktuelle Rezension von: BuecherfreundinimnordenNachdem der Erstling „Die Ordnung der Sterne über Como“, schon eine ganze Weile zurückliegt, widmet sich die Autorin in ihrem neuen Buch einer deutschen Familiengeschichte. Die Fincks sind in Nürnberg über die Jahrzehnte zu Geld gekommen. Eine einträgliche Möbelfabrik hat sie zu gut situierten Leuten gemacht. Doch Nikolaus, eher weniger erfolgreicher Drehbuchautor und Spross dieser Familie, glaubt nicht daran, dass Geld und guter Ruf seiner Verwandten auf ehrenwerte Weise erworben wurden. Die jüdische Familie Stein musste unter den Nazis das Land verlassen. War da nicht vielleicht etwas?Die Suche nach der Antwort auf die Frage, ob es bei der Übernahme der Steinschen Fabrikation anständig zuging, hätte spannend sein können. Leider überfrachtet die Autorin ihren Text mit moralischen, religiösen, geschichtlichen und philosophischen Fragen, die in meinen Augen nicht immer erkennbar Bezug zur Geschichte hatten. So mancher Exkurs fühlt sich gewillkürt und belehrend an, zumal diese seitenlangen Ergüsse auch die Handlung enorm ausbremsen. Kommt hinzu, das Nikolaus mir weder sympathisch war, noch schien er mir interessant genug, um seinen Monologen über mehr als 600 Seiten zu folgen. Guter Ansatz, aber die Ausführung fand ich nicht gelungen.
- Jan Weiler
Kühn hat zu tun
(106)Aktuelle Rezension von: Lilli33Taschenbuch: 320 Seiten
Verlag: Rowohlt Taschenbuch (21. Mai 2016)
ISBN-13: 978-3499266829
Preis: 11,00 €
Spannender Krimi und mehr
Inhalt:
Kriminalhauptkommissar Martin Kühn, verheiratet mit Susanne, zwei Kinder, stolzer Besitzer eines Eigenheims, schwirrt der Kopf. In seiner Wohnsiedlung geht es drunter und drüber. Irgendwas stimmt mit dem Baugrund nicht, Neonazis bilden eine Bürgerwehr, ein kleines Mädchen ist verschwunden und hinter Kühns Garten liegt eine Leiche, aufs Übelste zugerichtet.
Meine Meinung:
Dies ist der Auftaktband der Reihe um den Münchner Polizisten Martin Kühn. Er hat mir in seiner Vielseitigkeit ausgesprochen gut gefallen. Dicht an der Seite des sympathischen, aber auch ein bisschen verschrobenen Protagonisten erleben wir einige turbulente Tage mit polizeilichen Ermittlungen, aber auch einigen privaten Problemen, wobei sich alles irgendwie vermischt.
Besonders Kühns innere Monologe vermögen zu fesseln und bringen auch die Ermittlungen voran. Was den Täter angeht, hatte ich zwar schon früh den richtigen Riecher, doch was genau dahintersteckt, hat mich letztendlich doch sehr überrascht und fasziniert.
Von mir gibt es eine unbedingte Leseempfehlung für diesen tollen Kriminalroman.
Die Reihe:
1. Kühn hat zu tun
2. Kühn hat Ärger
3. Kühn hat Hunger
★★★★★
- Zeruya Shalev
Mann und Frau
(110)Aktuelle Rezension von: AngiBinzDie Beziehungsromane von Zeruya Shalev sind wohl auch deshalb so brillant, weil sie so düster und wahr sind. "Mann und Frau" ist nichts für Leute, denen der Sinn nach guten Gefühlen und Happy Ends steht. Dafür durchaus was für an tieferen psychologischen Auseinandersetzungen und sehr realistischen Geschichten interessierten Leser. - Matthias Brandt
Blackbird
(135)Aktuelle Rezension von: JorokaMorten strengt sich altersentsprechend für die Schule nicht besonders an, erlebt die Trennung seiner Eltern und geht die erste „Beziehung“ ein – allerdings nicht mit seiner ersten großen Liebe, die ihn bei einem gemeinsamen Kinobesuch beschämt und ist er dabei, seinen besten Freund an den Krebs zu verlieren.
Ich habe das Buch von Freunden empfohlen bekommen, die auf einer Lesung des Autors gewesen sind. So weiß ich auch, dass es sich um den Sohn des ehemaligen Bundeskanzlers handelt.
Ihm ist eine berührende Geschichte aus der Jugendzeit gelungen, die zwar den drohenden Tod im Fokus hat, aber trotzdem nicht eine gewisse Leichtigkeit und ihren Humor verliert. Natürlich zeichnet sich Morten nicht unbedingt dafür aus, über seine Gefühle zu reden, doch er beschreibt sie (soweit der Roman autobiografische Züge aufweist), wovon ich eigentlich ausgehe. Ich bin in einer ähnlichen Zeit jugendlich gewesen und vieles, was vom zeitlichen Rahmen her beschrieben wurde, kam mir sehr vertraut vor.
Hatte gewisse Einstiegsschwierigkeiten, doch der Handlungsbogen steigert sich aus meiner Sicht bis zum Schluss hin nochmals so, dass ich nun doch gerne den 5. Stern vergebe.
Die besondere Buchgröße empfand ich als drollig.
Fazit: Leichtigkeit trotz schwerer Themen – Ein bewegendes Jugendporträt
- Delphine de Vigan
Loyalitäten
(208)Aktuelle Rezension von: SimonaiDas Buch erzählt aus drei verschiedenen Perspektiven, aus drei verschiedenen Familien, von drei verschiedenen Leben. Was alle eint, ist die Loyalität. Es erzählt davon, wie sehr die Loyalität in den Vordergrund rückt, wenn das Leben aus der Bahn gerät. Wie sehr Loyalität belasten und ausbremsen kann.
- Jenny Rogneby
Leona
(66)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderLeona ist in Stockholm bei der Polizei tätig und bekommt einen neuen Fall. Es wurde eine Bank überfallen, aber von einem kleinen Mädchen! Was ist da los? Und wer hat das Tonband besprochen, dass das Mädchen abgespielt hat? Leona beginnt zu ermitteln und muss sich gegen neidische Kollegen, den all zu strengen Chef und vor allem, gegen ihre eigenen Dämonen durch setzen. Immer mehr dringt der Fall in ihr Leben ein und dann steckt sie mitten drin und muss sich entscheiden.
Ein großartiges Debut. Jenny Rogneby macht Hoffnung auf viele weitere Topp Thriller!
Mir als Malta Fan, hat besonders der Urlaub dort gefallen . - Han Kang
Deine kalten Hände
(110)Aktuelle Rezension von: KarandiIch muss sagen, Han Kang hat den Literaturnobelpreis wirklich verdient. Drei ihrer Werke habe ich bis jetzt gelesen und für mich sind alle eine fünf von fünf. Han Kang zeigt sehr schön wie der gesellschaftliche Druck zum Thema Schönheit und auch Verhalten innerhalb der Norm einen Menschen zerbrechen kann. In diesem Buch treffen zwei Menschen aufeinander, die jeweils auf ihrer eigene Art und Weise ein Problem behaftetes Leben führen, was sie zu bezwingen erachten. Meiner Meinung nach würde ich es schon in Richtung Gesellschafts Drama einordnen. Ich kann auf jeden Fall nur jeden Han Kang mit besten Gewissen empfehlen.
- Cecilia Lyra
Schwestern für einen Sommer
(92)Aktuelle Rezension von: Eva_GCassie und Julie sind Halbschwestern, die sich erst mit neun Jahren kennengelernt haben. Während Cassie mit ihrer alkoholsüchtigen und tablettenabhängigen Mutter und ihrem gewalttätigen Vater zusammengelebt hat, war Julie mit ihrer Mutter allein. Denn ihr gemeinsamer Vater konnte nur hin und wieder bei Julie und ihrer Mutter sein, da er sich nicht von seiner Ehefrau trennen wollte. Doch damals, mit neun Jahren, haben sie einen Sommer in Montauk bei ihrer Großmutter Nana verbracht. Dieser Sommer endete mit einer sehr guten Freundschaft zwischen den beiden Mädchen. Aber seit fünfzehn Jahren sprechen sie nun schon nicht mehr miteinander. Begonnen hat alles mit dem Selbstmord von Cassies Mum, denn für Cassie war die andauernde Affäre ihres Vaters Schuld daran. Und auch Julie macht sich seither große Vorwürfe, hat sie sich doch immer eine intakte, normale Familie gewünscht, allerdings nicht auf Kosten ihrer Halbschwester. Umso unvorstellbarer ist es nun für Beide, einen Monat im Haus ihrer verstorbenen Großmutter zusammen zu leben, damit sie ihr Erbe antreten können. Werden sie wieder zueinander finden können oder sind die Geheimnisse, die zwischen ihnen stehen, schon zu übermächtig?
Cicilia Lyra hat einen flüssigen Erzählstil, der durch die eher kurzen Kapitel und Perspektivwechsel zwischen Cassie und Julie unterstützt wird. Dank vieler Rückblicke in die Vergangenheit der beiden mittlerweile Einunddreißigjährigen, gewinnt die Handlung immer mehr an Tiefe und macht neugierig auf das Zusammenleben und die Ursachen, die zu diesem Bruch geführt haben.
Da ich mich gerade bemühe, meinen SuB abzubauen, habe ich nun spontan zu diesem Buch gegriffen. Ohne Erwartungen habe ich zu lesen begonnen und war positiv überrascht vom Schreibstil der Autorin, dem Schicksal der beiden jungen Frauen und den Missverständnissen, die lange wie eine Mauer zwischen ihnen stehen. Anfangs hätte ich mir noch etwas mehr Spannung gewünscht, denn diese kam erste ab dem zweiten Drittel, danach hat mich der Roman aber gepackt und ich habe, am liebsten ohne Unterbrechung, immer weiterlesen wollen.
- Bernard MacLaverty
Schnee in Amsterdam
(68)Aktuelle Rezension von: BuecherfreundinimnordenIch wollte dieses Buch schon lange lesen und bin jetzt ein wenig unschlüssig, denn ich möchte fair bewerten. Es ist ohnehin kein leichtes Thema, das Bernhard MacLaverty sich vorgenommen hat: ein älteres Paar in einer tiefen Krise, sie trägt sich mit Trennungsabsichten, er hat ein heftiges Alkoholproblem. Eine Reise von Glasgow nach Amsterdam soll retten, was noch zu retten ist - nur hat Stella dabei etwas völlig anderes im Sinn als Gerry, der Ehemann. Doch, es gibt eine Überraschung gegen Ende der Story und wir erfahren auch einiges über deny Hintergrund dieser Ehe, die sich in einer Sackgasse befindet: nur dauert das alles leider teilweise furchtbar lange und las sich manchmal eher quälend. Der Strom der Gedanken beider Hauptfiguren entfernt sich manchmal für meinen Geschmack recht weit vom eigentlichen Thema. Auch empfand ich es als ausgesprochen schwierig, mitzuerleben, wie wenig Alkoholiker Gerry sich seiner Situation bewusst ist- aber das ist vielleicht bei Suchtkranken einfach so. Deprimiert hat mich dann noch mal der Schluss: ein eher halbherziges „Wir bleiben zusammen“ , dem bereits die Gefahr innewohnt, dass sie weiter nebeneinanderher leben wie bisher: ohne rechte Freude, ohne Aufbruch. Bis Gerry in die Entzugsklinik muss?Oder Ins Altersheim? Das ist alles sehr wahrhaftig und glaubwürdig, aber auch unglaublich traurig. Ich hoffe nur, MacLaverty schreibt hier nicht aus eigenem Erleben... - Tina Ger
Das Angeln von Piranhas
(9)Aktuelle Rezension von: sabatayn76‚Nichts ist okay. Mein ganzes Leben ist total in sich verhakt. Da kocht etwas in mir, und das will raus.‘ (Seite 68)
Schon seit Wochen interessiert sich Luca - verheiratet mit Johanna, 2 Kinder, Wohnung im Prenzlauer Berg - für die Brasilianerin Yara, die als Bedienung in der Kneipe ‚Lass uns Freunde bleiben‘ arbeitet.
Nach einer einzigen miteinander verbrachten Nacht, die Lucas Leben vollkommen auf den Kopf stellt, verschwindet Yara spurlos: Sie ist aus ihrem WG-Zimmer ausgezogen, hat den Job in der Kneipe aufgegeben, hat ihren Flug in die brasilianische Heimat umgebucht.
Luca ist nichts von ihr geblieben, und das Leben, wie er es bisher kannte, entgleitet ihm nach und nach. Schließlich macht er sich auf den Weg nach Brasilien, um vor Ort nach Yara zu suchen, und lässt sein Berliner Leben und seine Familie hinter sich.
‚Das Angeln von Piranhas‘ ist in drei Teile untergliedert, wobei der erste Teil in Berlin spielt und mir am besten gefallen hat, der zweite Teil den Leser mit ins brasilianische Fortaleza mitnimmt und die Handlung des dritten Teils im brasilianischen Hinterland angesiedelt ist. Jeder einzelne Teil ist in einem anderen Stil geschrieben, erzählt auf unterschiedliche Weise von Lucas Zweifeln und seinen Sehnsüchten, lässt den Leser so gekonnt in die verschiedene Lebenswelten Lucas eintauchen.
Ich empfand die Figuren als sehr lebensnah und authentisch gezeichnet, wodurch ich vor allem für Luca beim Lesen regelrecht Gefühle entwickelt habe - auch wenn diese durchweg negativ waren.
Auch fand ich, dass Tina Ger in ihrem Roman zwar viele Themen anspricht, aber so geschickt miteinander verwebt, dass ‚Das Angeln von Piranhas‘ nie überfrachtet oder überladen wirkt. Gelungen fand ich auch, dass die Geschichte, die wie eine harmlose Alltagsgeschichte eines egozentrischen, fremdgehenden Mannes begann, zu einem wahren Albtraum wird, der emotional und psychologisch überzeugend beschrieben wurde.
Neben all den positiven Aspekten habe ich jedoch auch ein paar kleinere Kritikpunkte. So waren mir die Ausführungen bezüglich der Religionsgemeinschaft ‘United for God‘ stellenweise etwas zu dominant und zu ausufernd. Auch empfand ich die Sprache bisweilen als etwas zu schwülstig und blumig, vor allem beim Beschreiben der (sehr vielen) Sexszenen im Roman.
- Alice Adams
Als wir unbesiegbar waren
(101)Aktuelle Rezension von: wbetty77Eva, Benedict, Lucien und Sylvie lernen sich Mitte der 1990igern Jahre an der Universität kennen. Bis zum Studienabschluss sind die vier unzertrennlich, doch dann trennen sich ihre Wege. Voller Hoffnung stolpern sie in ihre Leben, müssen aber nach einigen Jahren erkennen, dass das Leben oftmals anders verläuft, als sie es sich vorgestellt haben. Auch wenn die vier Freunde ganz unterschiedliche Wege einschlagen, halten sie den Kontakt zueinander. Es ist die jahrelange Freundschaft, die jedem einzelnen schlussendlich den Halt und die Zuversicht gibt, das Leben so anzunehmen, wie es ist.
Obwohl die vier Freunde Eva, Benedict, Lucien und Sylvie während des Studiums unzertrennlich sind, geht jeder von ihnen nach dem Universitätsabschluss seinen eigenen Weg. Eva entscheidet sich für eine Karriere in der Londoner Finanzwelt, Benedict träumt als Physiker am CERN zu arbeiten und das Geschwisterpaar Sylvie und Lucien reist erst einmal um die Welt. Eva wird schnell zur hart arbeitenden Karrierefrau, die sehr viel Geld verdient. Auch bei Benedict läuft es gut. Er kann seinen Traum wahr machen und geht mit seiner schwangeren Frau in die Schweiz ans CERN. Der Frauenheld Lucien organisiert derweil Partys in Londoner Clubs. Nebenbei dealt er mit Drogen, was ihm eines Tages zum Verhängnis wird. Seine Schwester Sylvie hingegen möchte eine gefragte Künstlerin werden, schlägt sich nun mit schlecht bezahlten Jobs durch und trinkt zu viel Alkohol. Diese ungleichen Lebensweisen sorgen für Schwierigkeiten innerhalb der Freundschaft, denn sie führen zu Neid und Vorwürfen. Vor allem die Freundschaft zwischen dem Familienvater Benedict und den anderen gestaltet sich kompliziert, ebenso wie zwischen der karrierebewussten Eva und der desillusionierten Sylvie. Doch in den ca. 10 Jahren, in denen wir Leser die vier Freunde begleiten, muss jeder von ihnen einen Rückschlag hinnehmen. Schlussendlich können sich die Freunde aufeinander verlassen und geben einander den nötigen Halt.
Der Roman erzählt beginnend in den 1990igern Jahren die Geschichte von vier Freunden, die unterschiedlicher nicht sein können und doch eine unzertrennliche Gemeinschaft bilden. Sie starten mit den verschiedensten Erwartungen in das Leben nach der Universität. Manche Träume erfüllen sich, manche Gefühle werden nicht erwidert, aber ihre Freundschaft übersteht einige Höhen und Tiefen. Der Roman handelt von den Erwartungen, die man ans Leben stellt und was davon übrigbleibt, wenn man die erste Strecke hinter sich hat. Es ist eine wahrhaftige Geschichte über Freundschaft, Liebe und das Leben, welches sich nie an Pläne hält. Die Charakteren sind unterschiedlich gezeichnet. Lucien und Sylvie erscheinen zunächst sehr oberflächlich, doch nach einigen Kapiteln erfährt man mehr über die beiden und versteht sie besser. Ich konnte mich gut mit den Figuren identifizieren. Eine Freundschaft über Jahre und auch über Ländergrenzen hinweg aufrecht zu erhalten, ist schwierig. Wenn zudem auch die Lebensplanungen weit auseinander driften, wird es häufig unmöglich. Ich denke, die Zielgruppe des Romans beginnt ab 35 Jahren, da es auch ums Scheitern von Lebensentwürfen geht. Die Geschichte dieser Vier ist toll erzählt und ich konnte mich darin wieder finden. - Dilek Güngör
Vater und ich
(34)Aktuelle Rezension von: Co_WintersteinDas Buch handelt von Ipek (Journalistin in Berlin), die nach längerer Zeit ihren Vater (als türkischer Gastarbeiter in den Siebzigerjahren nach Deutschland gekommen) besucht. Die Mutter, die sonst das Bindeglied der Familie darstellt, ist auf Reisen. Ipek liebt ihren Vater und möchte verstehen, wie es zu der von ihr gefühlten Entfremdung kommen konnte. Sie versucht die sprachliche Distanz zu ihrem Vater zu überwinden, sich anzunähern, doch das Schweigen zwischen ihnen ist allgegenwärtig.
Eine bereichernde Lektüre! Mich hat Folgendes besonders beeindruckt:
* Die sehr gelungene Darstellung der Sprachlosigkeit und beklemmenden Stille, die sich seit der beginnenden Pubertät Ipeks zwischen Vater und Tochter ausgebreitet hat.
* Die Wärme mit der Güngör ihre Figuren behandelt, der Blick auf den sprachlosen Vater ist voller Zuneigung.
* Die Schilderung, wie es ist, in vielen Sprachen zuhause zu sein.
* Das Format, denn der Text ist wie ein innerer Monolog an den Vater geschrieben.
Eine berührende Erzählung, in der die zwei Protagonisten in verschiedenen Welten leben und doch verbunden sind.
- Sarah J. Naughton
Ich soll nicht lügen
(116)Aktuelle Rezension von: PrinzesschnAls die Anwältin für Wirtschaftskriminalität Mags erfährt, dass ihr Bruder Abe im Koma liegt, macht sie sich sofort auf den Weg ins Krankenhaus. Dabei trifft sie auf seine Verlobte Jody, die der Polizei erzählt, dass es sich um einen Suizidversuch handelte. Auch wenn Mags ihren Bruder seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hat und auch nur sporadisch über Postkarten ein Minimum an Kontakt zu ihm hielt, ist sie nicht davon überzeugt, dass ihr Bruder depressiv oder sogar suizidgefährdet gewesen ist. Sie macht sich auf die Spur und deckt dabei das eine oder andere Geheimnis auf, das lange Zeit unter der Oberfläche schlummerte.
Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven, zum Beispiel aus der Sicht von Mags, Jody oder einer Nachbarin, geschildert. Ebenso wird auf den Zeitebenen gesprungen, um einen besseren Überblick zu geben und das Bild nach und nach aufzudecken.
Ich bin schnell in die Geschichte reingekommen und hatte keine Schwierigkeiten am Ball zu bleiben, weil ich direkt zu Beginn wissen wollte, was das alles auf sich hat und wer nicht die Wahrheit erzählt. Ich wurde auf viele falsche Fährten gelockt und war deswegen bis zum Schluss angespannt, was die Auflösung betrifft.
Der Spannungsbogen wurde gut aufgebaut und erreichte gegen Ende dann seinen Höhepunkt, um aber leider direkt abzufallen. Die Autorin hat sich so viel Mühe gegeben, ein raffiniertes Psychospiel aufzubauen, das sich immer weiter nach oben schaukelte, um dann zwar mit einem kleinen Twist aufzuwarten, der aber relativ schnell und unspektakulär daher kam.
Nichtsdestotrotz haben mir die Charaktere wirklich gut gefallen. Ich mochte Mags, die mir anfangs so unglaublich unsympathisch gewesen ist, aber immer menschlicher wurde. Auch Jody fand ich total faszinierend, interessant und unfassbar tragisch. Von Dan hätte ich zu gern mehr gesehen, da er die Geschichte nur kurz begleitete und sein Investment dadurch nicht wirklich deutlich wurde.
Alles in allem ein kurzweiliges Psychospiel, das sich stetig aufbaut, am Ende leider ein wenig enttäuschend zurückblieb.
- Erich Fromm
Wege aus einer kranken Gesellschaft
(7)Aktuelle Rezension von: SokratesErich Fromm, geboren 1900, Psychoanalytiker und Sozialphilosoph, beschäftigt sich in dem vorliegenden Buch mit der westlichen Gesellschaft und ihren möglichen Problemfeldern. Die Originalausgabe wurde 1955 erstmals in den USA veröffentlicht; für das Lesen muss man beachten, dass Fromm für seine Analysen eine Gesellschaft vor Augen hatte, die 50 Jahre zurückliegt. Seine Überlegungen und Feststellungen haben indes nichts an Aktualität eingebüßt. Fromm stellt fest, dass unsere westlichen Zivilisationen krank sind. Hierbei definiert er zunächst einen „normalen“ Zustand, der das Idealbild dessen darstellt, mit dem Fromm jetzt Ist-Zustand vergleicht. Die aktuellen – bereits in den 1950er Jahren in den USA zu beobachtenden – Entwicklungen hält Fromm in ihrer Gänze für krank und wider die Natur des Menschen. So wäre der Gesellschaftscharakter einer, der dem Individuum zwar größtmöglichen Raum gibt, der Kapitalismus hingegen würde die Individuen wiederrum einengen, ausbeuten, Frustrationen auslösen. Als Folge hiervon käme es zu einer allgemeinen gesamtgesellschaftlichen Entfremdung und zu einer seelischen Erkrankung. Zuletzt entwirft Fromm das Ideal einer Gegengesellschaft, nämlich der des „kommunitären Sozialismus“, seine Antwort auf alle bisherigen Gesellschaftsmodelle des Kommunismus, Sozialismus, Kapitalismus und Totalitarismus. Fromm ist bekannter Anhänger sozialistischer Ideen und dem Ideal der Humanität des Menschen. Aus diesem Blickwinkel heraus entwirft er Utopien und analysiert die bestehende gesellschaftliche Situation. An den Grundcharakteristika der westlichen Gesellschaften hat sich seit der ersten Veröffentlichung dieses Buches wenig verändert; man wird leicht die aktuelle gesellschaftliche Situation widerfinden. Interessant sind Fromms Deutungen und Analysen; interessant auch seine Lösungsvorschläge, die zwar nicht jeden ansprechen oder überzeugen müssen, denen man sich aber nicht verschließen sollte. Das Buch ist auch für einen weniger geübten Leser geeignet. Ein wenig Grundvokabular der soziologischen oder psychologischen Literatur sollte allerdings vorhanden sein. - Debra Johnson
Von A wie allein bis Z für zusammen
(63)Aktuelle Rezension von: Yuria-
"Wir haben alle unsere Dämonen, Schatz", sagte sie bei solchen Gelegenheiten und steckte einem abgerissenen Typen mit einem Hund an der Leine ein Scheinchen zu. "Bei manchen Leuten sind sie nur offensichtlicher als bei anderen."
"Von A wie allein bis Z für zusammen" ist ein rührender "Frauenroman" mit Schwerpunkt Trauer von der englischen Autorin Debra Johnson. Nicht nur der Titel und das Cover sind wundervoll, sondern auch die Werte, die das Buch vermitteln.
Inhalt: Als Andrea die traurige Nachricht erhält, dass sie innerlich von Krebs zerfressen ist und nur noch wenige Woche zu leben hat, weiß sie nicht wie sie von ihren beiden geliebten Töchtern Abschied nehmen soll. Rose und Poppy sind schon seit Jahren zerstritten und Andrea wünscht sich nichts mehr, als die Beiden wieder vereint zu sehen. Also bereitet sie ihren Abschied mit einem Alphabet vor: 26 Aufgaben von A-Z, um die beiden Schwestern sowohl bei ihrer Trauer, als auch beim Verzeihen zu unterstützen.
Cover und Design: Ich liebe die Aufmachung des Buches. Sowohl das Cover als auch der Titel übermitteln wundervolle Vibes und sind ein Ode an das Leben. Ich finde die Farbgestaltung als auch das Design des Covers wunderschön und auch passend zur Geschichte. Denn obwohl das Buch das Thema Trauer behandelt, übermittelt es lebensbejahende Werte. Das Design des Covers erinnert an den Frühling nach einem kalten Winter, das wiedergefundene Glück nach einer Trauer. Lediglich die Innenseiten der Klappenbroschur wirken leer und hätten mir farblich gestaltet besser gefallen.
Meine Meinung: Dieses Buch beinhaltet das Thema Trauer und Vergebung, aber ist trotz dieser Themen eine wundervolle Geschichte über Liebe, Glück und Lebensfreude. Eine liebende Mutter nimmt Abschied von ihren beiden Töchtern und zwar auf wundervoll lebensfreudige Weise. Sie gibt Poppy und Rose 26 Aufgaben quer durchs Alphabet und jede Aufgabe bringt die zerstrittenen Schwestern ein bisschen enger zusammen und erinnert die Beiden an Liebe und Familie. Gleichzeitig gibt Andrea mit ihren Aufgaben aber auch ihrem beeindruckenden Leben ein würdiges Revue und man spürt wie sehr sie ihr Leben genossen hat. Doch Freude und Glück ist begleitet von Reue und Zweifeln und natürlich dürfen auch diese nicht fehlen.
Der Schreibstil der Autorin war leicht, aber trotzdem stimmig und hatte etwas Einzigartiges. Im Präsens abwechselnd aus Poppys und Rose Sicht geschrieben, wird der Verlauf der Geschichte mit Briefen, Audio- und Videoaufnahmen von Andrea aufgepeppt. Das Alphabet durch Andreas Leben war sehr berührend und die Aufgaben gut überlegt um Poppy und Rose einen Weg zur Wiedervereinigung zu ebnen. Andrea war eine sehr beeindruckende Frau und ist würdevoll mit dem Thema Tod umgegangen, da sie ihr Leben aus vollen Zügen genossen und ausgekostet hat. Ihren beiden Töchtern geht es da anders: diese sind von Reue, Zweifeln und Selbsthass zerfressen und der Weg zurück ist schon lange versperrt. Es war sehr schön zu lesen, wie sich die Beiden durch Andreas Aufgaben langsam öffnen und die Freude fürs Leben zurückkehrt. Schlussendlich hat Andrea ihren Beiden Töchtern nicht nur vermittelt, wie sie gesund mit ihrer Trauer umgehen sollen, sondern auch wie sie das Glück finden können.Poppy und Rose sind, typisch für Schwestern, sehr unterschiedlich, ihre Herzen schlagen aber im gleichen Takt. Die Sympathien zu den beiden schwanken, je mehr wir über ihre Vergangenheit und den Grund ihres Zerwürfnisses erfahren, aber HEY wir machen doch alle Fehler und sich dieser Fehler einzugestehen ist schwerer als sie zu begehen. Das Thema Reue wurde genau so gut eingesetzt, wie die Vergebung und Beides wurde sehr realitätsnah dargestellt, ohne plötzlichen Gemütsschwankungen oder unvorhergesehenen Tobsuchtsanfällen. Man konnte sich in beide Schwestern sehr gut hineinversetzen, auch wenn sie sich charakterlich stark voneinander unterscheiden.
Auch wenn mir das Thema und die Aufgaben sehr gut gefallen haben, hatte das Buch ungefähr in der Mitte einige Längen und man kam gefühlt nicht wirklich voran. Man hätte aus den alphabetischen Aufgaben wohl noch mehr herausholen können. Auch das Thema "Übergewicht" und wie damit umgegangen wurde, ist mir persönlich viel zu oft und zum Teil auch falsch erwähnt worden. Dies überschattet aber keineswegs die wundervollen Botschaften, die dieses Buch vermittelt.
Natürlich wird die Geschichte immer berührender, je näher wir Andreas letzten Momenten kommen und am Ende hatte ich auch ein paar Tränchen im Auge. Trotzdem hat mich das Buch mit schönen Gefühlen zurückgelassen.Für Vergebung und Veränderung ist es nie zu spät und das Glück kennt bekanntlich kein Alter. Trotz des traurigen Hintergrunds sprüht dieses Buch über von positiven Gefühlen. Eine berührende Geschichte durch das Alphabet über Trauer, Vergebung und Glück. Ich kann das Buch sehr empfehlen, da es zwischen all den Liebesbüchern eine wunderschöne Abwechslung ist. Auch wenn es nicht perfekt ist, gibt es einen unperfekten Überblick über die wahren Werte des Lebens.
-
- Kristine Bilkau
Eine Liebe, in Gedanken
(110)Aktuelle Rezension von: EmmaWinterDie Ich-Erzählerin verliert ihre Mutter, nicht völlig unerwartet, denn Antonia hatte ein schwaches Herz. Vielleicht ein gebrochenes Herz? Den Tod der Mutter nimmt die Tochter zum Anlass, nach deren erster Liebe zu forschen. Edgar hieß der junge Mann, in den Antonia damals unsterblich verliebt war. Erzählungen und zahlreiche Postkarten und Briefe zeugen von dieser Liebe. Warum nur ist Antonia Mitte der 1960er Jahre nicht mit Edgar nach Hongkong gegangen?
In leisen Tönen spüren wir gemeinsam mit der Tochter dieser Liebe nach. Die Autorin wechselt dabei immer wieder von der Gegenwart in die 1960er Jahre und zeigt auf, wie sich junge Menschen im Nachkriegsdeutschland ihre Freiheit und Liebe erkämpfen mussten. Welche Träume sie hatten und welche Enttäuschungen ihnen entgegenschlugen. Antonia konnte Edgar ihr Leben lang nicht vergessen und die Tochter fragt sich, wie wäre das Leben ihrer Mutter verlaufen, wenn die beiden ein Paar geblieben wären. (Haben wir uns nicht alle schon mal diese oder eine ähnliche Frage gestellt? Wie wäre mein Leben verlaufen, wenn ...?)
Antonias Schicksal hat mich berührt, allerdings konnte ich ihre Liebe zu Edgar nicht so nachempfinden, wie ich es mir gewünscht hätte. Er erschien mir schlicht nicht liebenswert genug. Aber es war ja auch Antonias Liebe, wenn auch 50 Jahre nur in Gedanken.
- Selim Özdogan
Wo noch Licht brennt
(23)Aktuelle Rezension von: AischaÖzdogans letzter Teil der Trilogie rund um die Deutschtürkin Gül ist auch ohne Kenntnis der ersten beiden Bände gut zu lesen.
Gül kehrt nach einigen Jahren in der Türkei erneut nach Deutschland zurück, um wieder bei ihrem Mann Fuat zu leben. Die Familie ist verstreut, ihre bereits erwachsenen Kinder leben teils in Deutschland, teils in der Türkei. Wo sich Gül zu Hause fühlt ist lange unklar, sie scheint irgendwo zwischen der türkischen und der deutschen Gesellschaft zu hängen.
Özdogan schildert die Gefühlswelt seiner Protagonistin sehr einfühlsam und mit ungewöhnlichen Bildern. Seine Sprache ist blumig, geradezu poetisch. So werden etwa Gefühle mit Farben assoziiert, und man findet noch weitere Synästhesien, die jedoch nie ins Kitschige abdriften.
Gül wird von mehreren Schicksalsschlägen getroffen, ihr so sehr geliebter Vater stirbt in der Türkei, ohne dass sie ihn noch einmal sprechen kann, Güls Tochter wird jung Witwe. Gül muss nicht nur mit der Untreue ihres Ehemannes fertig werden, nein, er verspielt auch noch das gemeinsame Ersparte. Gül reagiert wenig, meist erträgt sie ihr Schicksal, sie ist gottergeben, bescheiden und doch sehr stark. Diese Stärke ist ihr selbst wohl kaum bewusst, sie ist zugleich in vielen Ängsten gefangen und begehrt nur selten auf.
Als Rentnerin geht sie wieder zurück in die Türkei, doch auch dort ist es nicht wirklich ein "nach Hause kommen".
Der Roman ist weniger eine Geschichte über kulturelle denn über individuelle Unterschiede. Ich habe sehr mit Gül gelitten, ihre Melancholie zieht sich fast wie ein roter Faden durch die Geschichte. Beeindruckt hat mich, wie sie ihr Schicksal anzunehmen vermag.
Ein großer Roman über eine leise Frau. - Fran Littlewood
Die unglaubliche Grace Adams
(97)Aktuelle Rezension von: MottelchenIch bin ein wenig unentschlossen, wie toll ich das Buch letztendlich fand.
Die Geschichte erzählt von Grace, von ihrem Mann und ihrer Tochter verlassen, die beschließt, am heißesten Sommertag zu Fuß quer durch London zu laufen, um ihrer Tochter Lotte zum 16. Geburtstag eine Torte zu bringen.
.
Mit Rückblenden erfährt man, wie das Leben von Grace war, bevor ihre Ehe kaputt gegangen ist. Die fand ich auch echt gut, doch zu Grace selbst konnte ich trotzdem irgendwie keinen Draht aufbauen. Ich fand sie zu großen Teilen eher anstrengend, was durch die Rückblenden aber ihren psychischen Zustand erklärt und verständlich gemacht wurde.
.
Die Geschichte greift nicht nur Eheprobleme, sondern auch Schwierigkeiten im Arbeitsleben und die immer größer werdende Distanz zwischen Mutter und Tochter auf. Es wurde stellenweise immer ein Problem umschrieben, das zu dieser zerrütteten Familie geführt hat und das am Ende dann auch aufgeklärt wurde (und es war echt schrecklich), doch dafür war es dann doch ein wenig zu schnell abgespeist.
.
Ich denke, dass hier viele, vor allem Eltern, mit Grace mitfiebern und mitleiden können. - Claire Messud
Das brennende Mädchen
(23)Aktuelle Rezension von: carowbrAufgrund des interessanten Plots habe ich zu diesem Buch gegriffen und wurde leider enttäuscht.
Es geht um das Auseinanderdriften einer Freundschaft, die bereits seit Kindesbeinen besteht. Es passiert jedoch nichts dramatisches, sondern beide gehen ihren eigenen Weg. Wohlgemerkt spielt sich diese Trennung in der siebten Klasse ab, eine Zeit an der auch ich wahrscheinlich ohne viel nachdenken mit meinen Kindheitsfreunden befreundet war, einfach weil sich vieles meist erst in der Teenagerzeit ändert. Wer auf einen großen Knall wartet, wird also enttäuscht. Die Story wird aus Julias Sicht geschildert, vieles erlebt sie jedoch nicht selbst sondern erfährt es von Freunden, Mitschülern und Nachbarn. Dadurch ist die Erzählung weniger intensiv, da sie Cassie meist nicht darauf anspricht und wenn doch, wiegelt diese alles ab. Irgendwie entwickelt sich also einfach nichts, beide werden älter ohne die jeweils andere. Dabei folgt man dann Julias Gedankengängen, in denen sie sich für etwas Besseres hält, sich jedoch für ihre Gedanken immerhin schämt.
Das waren nur einige meiner Kritikpunkte, insgesamt hat die Story für mich einfach zu nichts geführt.























