Bücher mit dem Tag "entwicklungsroman"
125 Bücher
- Jane Austen
Stolz und Vorurteil
(4.071)Aktuelle Rezension von: AnirahJane Austens Stolz und Vorurteil ist weit mehr als nur ein klassischer Liebesroman; es ist eine brillante Gesellschaftssatire, die mich von der ersten bis zur letzten Seite begeistert hat.
Was mir besonders gefallen hat:
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Humor und Ironie: Austens Schreibstil ist ein Genuss. Ihr trockener Humor und die feine Ironie, mit der sie die steifen Konventionen ihrer Zeit aufs Korn nimmt, haben mich oft zum Schmunzeln gebracht. Besonders die Dialoge sind messerscharf und intelligent konstruiert.
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Farbenfrohe Charaktere: Die Figuren sind das Herzstück des Buches. Sie fühlen sich trotz des historischen Settings erstaunlich realitätsnah an. Von der schlagfertigen Elizabeth Bennet über den (zunächst) unterkühlten Mr. Darcy bis hin zur herrlich anstrengenden Mrs. Bennet – Austen zeichnet ihre Charaktere mit so viel Tiefe und Menschlichkeit, dass man das Gefühl hat, sie persönlich zu kennen.
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Hilfreicher Kontext: Ein großes Lob verdient auch die Aufbereitung dieser Ausgabe. Den Anhang und die Schlussbemerkungen fand ich extrem hilfreich. Sie werfen ein Licht auf die historischen Hintergründe und gesellschaftlichen Feinheiten, die einem modernen Leser sonst vielleicht entgehen würden, und runden das Leseerlebnis perfekt ab.
Fazit: Ein absolutes Muss für jeden, der kluge Unterhaltung, starke Frauenfiguren und eine ordentliche Portion Wortwitz liebt. Dieses Buch beweist, dass Klassiker alles andere als staubig sein müssen!
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- Thomas Mann
Der Zauberberg
(576)Aktuelle Rezension von: Buchfreundin55Der Zauberberg, erstmals 1924 veröffentlicht, gilt als eines der zentralen Werke der deutschen und europäischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Thomas Mann, der den Roman in einer Zeit zunehmender politischer und kultureller Umbrüche schrieb, entfaltet auf über siebenhundert Seiten ein dichten Netz aus Philosophie, Psychologie, Politik und Geschichte. Zentrales Moment des Romans ist der Aufenthalt des jungen Ingenieurs Hans Castorp in einem Sanatorium in Davos, der sich zunächst als Besuch zu einer kurzen Zeit erweist, doch durch eine Reihe von Begegnungen, Gesprächen und inneren Bewegungen sich zu einer langen Existenz innerhalb der kurativen Welt der Bergwelt verdichtet.
Die Nacherzählung der Ereignisse erfolgt mit einer Mischung aus nüchterner Detailtreue und dichterischer Verdichtung. Der Roman verwebt multiple Ebenen: die konkrete Handlung im Sanatorium, die intellektuelle Auseinandersetzung der Figuren untereinander, und eine meta-narrative Reflexion über Zeit, Krankheit und Sterblichkeit. Die Chronik des Berg- und Sanatoriumslebens wird durch eine Vielzahl von Dialogen getragen, in denen sich philosophische, politische und medizinische Diskurse begegnen.
Hans Castorp entwickelt sich im Spannungsfeld von Begehren, Zweifel und intellektueller Neugier. Sein Wandel ist eher graduell als dramatisch: Von einem oberflächlich neugierigen, nahezu unentschlossenen Jüngling wird er zu einem Individuum, das die existenzielle Frage nach Zeitlichkeit, Krankheit und Lebensstil ernsthaft sondiert. Die übrigen Figuren fungieren als Doppelgänger und Katalysatoren für Castorps Selbstdeutung. Ihre Stimmen und Ideen stehen in Gegensatz zueinander: Humanismus versus Rationalismus, Aufklärung gegen existentielle Erkenntnis, Lebenskunst gegen asketische Askese. Der Dialog wird so zum Motor des Romans: Er dient nicht nur der Charakterisierung, sondern dient als Feld, in dem sich Ideen gegenseitig testen, widerlegen oder bestätigen.
Ein weiteres zentrales Thema ist die Krankheit als Metapher. Krankheit wird nicht bloß als medizinischer Zustand beschrieben, sondern als Zustand des Denkens und des Lebensstils. Als solcher fordert sie die Zeitgenossen heraus, die Grenzen von Gesundheit, Normalität und Freiheit neu zu definieren. Der Roman verhandelt die Frage, ob Krankheit eine Art Lehrmeister für das Bewusstsein sein kann oder vielmehr eine Bedrohung, die den Blick verengt. Manns Darstellung der Krankheiten – einschließlich der Tuberkulose, der als politische Metapher fungieren kann – bietet eine vielschichtige Perspektive auf Gesellschaft und individuelle Verantwortung. Der Zauberberg ist unauflöslich mit den politischen und philosophischen Umbrüchen seiner Epoche verbunden.
- Delia Owens
Der Gesang der Flusskrebse
(1.453)Aktuelle Rezension von: phantastische_fluchtenEs ist Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre. Die kleine Kya lebt mit ihrer Familie in den Marschlanden, nahe der Küstenstadt Barkley Cove. Ihr Vater ist ein gewalttätiger Alkoholiker, der seiner Frau einmal den Himmel auf Erden versprochen hatte. Bekommen hat sie eine Hölle.
Als Kya sechs Jahre alt ist, verlässt die Mutter die Familie. Das kleine Mädchen steht Monate lang jeden Abend an der Tür der verrotteten Hütte, die sie ihr zuhause nennt, und wartet auf die Rückkehr der Mutter. Doch diese bleibt fort.
Nach und nach verlassen auch die Geschwister die Marschlanden. Als letztes ihr Lieblingsbruder Jodie, der ihr noch Tipps gibt, wie sie die Anzeichen erkennen kann, dass der Vater zur Gewalt greifen wird, und wie sie dem brutalen Vater aus dem Weg gehen kann.
Dann geht auch Jodie und das kleine Mädchen bleibt alleine mit dem Vater zurück. Isoliert von der Welt, einsam, lernt sie die Marschlanden und ihre tierischen Bewohner zu lieben. Sie kann weder lesen noch schreiben, doch sie kennt alle Tier und Pflanzen beim Namen. Sie führt dem Vater den Haushalt und lernt zu kochen, zu waschen und zu putzen. Ihre ersten Versuche fordern den Zorn des Vaters heraus aber es gibt auch rührenden Momente der Annäherung.
Sie muss mit dem Veteranenscheck des Vaters auskommen, um ihn und sich selbst durch das Leben zu bringen. Ihr erster Ausflug in die Stadt ist für sie ein Kampf, hat sie doch nie gelernt, ihre Wünsche zu äußern oder sich mit fremden Menschen zu unterhalten. Sie kennt den Wert der Münzen nicht und hat keine Ahnung, wieviel etwas kostet. Die aufdringlichen Fragen der Verkäuferin verunsichern sie und die Hänseleien der Einwohner kränken sie, so dass sie sich immer mehr zurückzieht.
Als Vertreter des Schulamtes kommen, versteckt sie sich. Erst, als ihr gesagt wird, dass sie in der Schule ein kostenloses Mittagessen bekommt, ist sie bereit, einen Versuch zu starten. Der erste Tag in der Schule endet katastrophal und sie geht nie wieder dorthin. Da sie das Marschland kennt, ist es für sie ein leichtes, sich vor den Menschen zu verstecken, die sie abholen möchten.
Als sie ungefähr 15 Jahre alt ist, tritt Tate in ihr Leben und durchbricht die Isolation des Mädchens.
Er ist behutsam, denn er erkennt, dass Kya wie ein scheues Reh ist, das sofort weglaufen würde, wenn man sie bedrängt. Er bringt dem Mädchen lesen und schreiben bei und nun kann sie ihre Sammlung an Muscheln. Federn und Steinen endlich beschriften. Da sie ein Talent für das Zeichnen besitzt, fertigt sie wunderbare Illustrationen ihrer Schätze an.
Kya wächst dem Lesenden ans Herz und man wünscht ihr alles Glück der Welt, doch der Weg den sie gehen muss, ist schwer. Tate war mit Jodie befreundet und er hat das einsame Mädchen lange beobachtet, bevor er sich ihr nähert. Es entwickelt sich eine wunderbare Freundschaft zwischen den beiden aber der Lesende weiß, dass auch Tate das Mädchen irgendwann verlassen wird. Sie ist das Marschmädchen, dass in der Welt da draußen nicht existieren kann. Er möchte Biologie studieren, was bedeutet, dass er Berkley Cove verlassen muss. Durch seinen Weggang fühlt sich Kya verraten und wendet sich dem Womanizer Chase Andrews zu.
Das Buch macht einen wütend und traurig, obwohl diese Ausgrenzung von Menschen auch heute durchaus noch zum Alltag gehört. Die Geschichte wechselt zwischen 1969 und der Vergangenheit hin und her. Als Chase Andrews stirbt, geben alle die Schuld dem Marschmädchen. Obwohl nicht klar ist, dass es sich um einen Mord handelt, beginnt der Sherif zu ermitteln und nach und nachführen alle Spuren zu Kya.
Es gibt ein Lied „Schließ Dein Herz in Eisen ein“, und dieser Satz passt zu dieser eindringlichen und wunderbaren Geschichte. Denn Kya bleibt nichts anderes übrig, um zu überleben.
Fazit:
Mich hat lange kein Buch mehr so berührt wie dieses. Man möchte eingreifen, helfen, das Kind in den Arm nehmen und ihm die Liebe geben, die es von niemanden bekommt. Die Geschichte wird den Lesenden lange nicht loslassen. Ich meide normalerweise solche plakativ beworbenen Bücher aber dieses Buch hat jedes Lob verdient.
- Hermann Hesse
Das Glasperlenspiel
(286)Aktuelle Rezension von: Christine_NeumeyerHerr Hesse hat am Ende seiner Schaffenszeit eine Utopie geschrieben. Ein Gelehrter, ein Mönch, ein Regenmacher, ein Yogi, erzählen uns über die Veredelung des Menschen durch Meditation, geistige Bildung, Vertiefung. Diese Figuren sind sehr beseelt, sehr detailliert beschrieben. Wir werden Zeugen ihrer Gedanken, ihrer Schlussfolgerungen, welche oft zeitlos sind und auf die Probleme unserer Zeit übertragbar. Lesen und tiefe Konzentration veredeln den Menschen. Friede und Versöhnung für alle Menschen. An dieser Sehnsucht hat sich nichts geändert. Nicht allein die Geburt oder das Talent sind entscheidend. Talente ohne geistige Reife verkommen zu hochmütigen und an materiellen Dingen hängenden Menschen. Rivalität, Konkurrenz und Hass sind die Folge. Alles wunderbar. Aber leider dürfte Herr Hesse ein sehr distanziertes Verhältnis zu Frauen gehabt haben. Sie kommen über lange Strecken gar nicht vor. Erst zum Schluss schmücken sie seine Erzählungen, und bleiben dabei allzu oberflächlich beschrieben. Im besten Fall sind es kluge Ehefrauen und Mütter. Die in seiner Zeit traditonellen Rollenverteilungen stellt er in seiner Utopie nicht in Frage. Die Frauen bleiben im Hintergrund, als Mütter und Hausfrauen. Im schlimmsten Fall sind sie sogar die Ursache von Verirrungen und Hass. Keinesfalls sind sie zu geistiger Vertiefung fähig.
Ich schätze den Tiefgang von Hermann Hesse, aber dieses Werk ist in seiner Überlänge leider nicht zeitgemäß und aufgrund der veralteten Rollenbilder wenig empfehlenswert.
- Charles Dickens
Große Erwartungen
(242)Aktuelle Rezension von: MademoiselleMeow𝐆𝐫𝐨ß𝐞 𝐄𝐫𝐰𝐚𝐫𝐭𝐮𝐧𝐠𝐞𝐧 ist ein Roman den ich schon länger lesen wollte, seit ich den Trailer zu der Verfilmung von 2012 gesehen habe. Aber vor dem Film, erst das Buch, dachte ich mir. Ich finde Charles Dickens passt gut in die Weihnachtszeit und deswegen habe ich es mir für diesen Monat aus der Bücherei ausgeliehen.
In der Geschichte geht es um den Waisenjungen Pip und wie er durch einen unbekannten Gönner in den Genuss von Bildung und Aussicht auf Wohlstand kommt und dabei auf so manches Hindernis stößt.
Das Buch war ein ganzes Stück Arbeit.
Es umfasst etwa 600 Seiten und das ist lang für einen Klassiker. Die lesen sich nie schnell weg und ich wollte zwischendurch lieber andere Bücher lesen. Aber bei Klassikern muss man am Ball bleiben.
Dabei enthält der Roman allerlei interessante Figuren und Themen.
Da hätten wir die geisterhafte Miss Havisham. Am Hochzeitstag verlassen, vegetiert diese in ihrem Brautkleid vor sich hin und verlässt nie ihre Villa, die noch immer für den großen Tag vorbereitet ist. Unter Spinnenweben und Schimmel, versteht sich.
Pip’s Leben beginnt sich zum Guten zu wenden, als er zu Miss Havishams Unterhaltung eingeladen wird. Dort trifft er auf die gleichaltrige Estella, in die er sich sofort verliebt. Aber Estella ist kaltherzig und arrogant.
Auch ein entflohener Sträfling, den Pip unter Nötigung geholfen hat, spielt immer wieder ein Rolle, genauso wie der furchterregende Anwalt Mr. Jaggers.
Aber unsere Hauptfigur ist Pip, den wir durch verschiedene Lebensphasen begleiten. Er steigt auf und fällt, wird sich im klaren darüber was im Leben wirklich zählt, leistet Wiedergutmachung und beweist sein gutes Herz.
Nicht ganz nachvollziehbar fand ich seine Liebe zu Estella, die allein auf ihrer Schönheit beruht und die allenfalls Ehrlichkeit und die Loyalität gegenüber Miss Havisham als gute Eigenschaften zu bieten hat. Das hat allerdings einen sehr interessanten Grund.
Was mich aber überzeugen konnte, waren die warmherzigen Männerfreundschaften in dieser Geschichte.
Leider fand ich, dass der Roman einige Längen aufweist und recht ausschweifend geschrieben ist. Manche Figuren waren aufgrund ihrer Ausdrucksweise derart schwer zu lesen, dass ich diese Zeilen, manchmal nur überflogen habe.
Abgesehen davon ist es aber eine sehr schöne Geschichte über Moral mit geradezu märchenhaften Passagen, einigen Überraschungen und einem wunderbaren, versöhnlichen Ende. Sicher nicht mein letzter Charles Dickens Roman.
- Benjamin Myers
Offene See
(441)Aktuelle Rezension von: KaaathiMan begleitet Robert auf seinem Weg zur Küste – und vor allem zu sich selbst. Die Begegnung mit Dulcie und die vielen kleinen Momente am Meer erzeugen eine ganz ruhige, warme Stimmung. Die Atmosphäre bleibt dennoch kraftvoll, geprägt von der anschaulichen Schilderung der wilden Küstenlandschaft und der geheimnisvollen Vergangenheit von Dulcie.
Herausragend ist auch die Sprachgewalt des Romans, bei dem man sich am liebsten jeden zweiten Satz markieren würde.
Absolute Empfehlung für Liebhaber klassischer Literatur, Poesie und atmosphärischen Geschichten, die nicht viel Action brauchen, um zu wirken. - Charles Dickens
David Copperfield
(270)Aktuelle Rezension von: SuzDie Lebensgeschichte von David Copperfield verlangt viel Geduld und Ausdauer. Charles Dickens schafft es, die Figuren so zu gestalten, dass man trotzdem wissen möchte, wie es mit ihnen weitergeht. Selten ist das Buch wirklich fesselnd, eher ist es geprägt von langatmigen Passagen; die sich leider nicht nebenbei lesen lassen. Und dennoch: wer genug Zeit hat, dem empfehle ich dieses Buch von Charles Dickens zu lesen, da man leicht Sympathie mit dem Protagonisten aufbauen kann.
- Ewald Arenz
Zwei Leben
(141)Aktuelle Rezension von: MeinbuecherregalZwei Leben von Ewald Arenz aus dem #dumontverlag
❤️🩹
Roberts kommt nach einer Lehre aus der Stadt zurück. Gertrud träumt von einem Leben in der Stadt. Wilhelm ist für die eine der Freund aus Kindertagen und der Sohn der anderen.
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Die Geschichte fängt an, einen einzulullen. Es wird entspannt erzählt und ich mag das sehr gerne. Vom Alltag zu lesen. Die Figuren zu begleiten ohne künstliche Dramatik. Die Protagonisten kennenzulernen, zu verstehen und zu mögen.
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Ein liebevolles Buch, eine Geschichte, die ans Herz geht. Ich vergebe 5 Sterne ⭐️
- Gail Honeyman
Eleanor Oliphant Is Completely Fine (deutsche Ausgabe)
(391)Aktuelle Rezension von: Seelion_Gerit„Eleanor Oliphant“ ist kein Liebesroman im klassischen Sinne – was man anhand von Cover und Beschreibung zunächst vermuten könnte. Stattdessen erzählt das Buch die Geschichte einer ungewöhnlichen, introvertierten Frau, die sich langsam aus ihrer selbstgewählten Isolation löst. Obwohl meine Erwartungen daher in eine andere Richtung gingen, hat mich die einfühlsame und stellenweise humorvolle Figurenentwicklung dennoch positiv überrascht. Lesenswert – aber eben weniger romantisch, als der erste Eindruck vermuten lässt.
- Jeff VanderMeer
Autorität. Auslöschung. Akzeptanz.
(173)Aktuelle Rezension von: HenrikeSchwennNach einer unerklärlichen Katastrophe ist die Area X ein Sperrgebiet unter der Aufsicht der Southern Reach, einer geheimnisvollen Behörde. Alle Versuche, Licht ins Dunkel zu bringen, sind ins Leere gelaufen.
Der erste Band folgt einer namenlosen Biologin auf einer der zahlreichen Expeditionen in die Area X. Schon bald stößt das Team auf einen Tunnel, der sich ins Erdreich schraubt, und rätselhafte Botschaften aus Pilzsporen. Nach und nach werden die Forscherinnen dezimiert.
Im zweiten Band wechselt die Perspektive zu John Rodriguez, genannt Control, dem neuen Direktor der Southern Reach. Er versucht, sich in der Behörde zurechtzufinden, doch scheitert an unerklärlichen Vorkommnissen und Intrigen.
Im dritten Band laufen die Handlungsstränge zusammen und man erfährt mehr über die Entstehung der Area X, die Southern Reach und das Schicksal der Figuren.
Mich hat die Reihe sofort in ihren Bann geschlagen, wenn auch keine der Figuren sehr zugänglich oder sympathisch war. Man wird abrupt in die Handlung geworfen und bekommt erst nach und nach mehr Informationen über die Charaktere, was es schwer macht, eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Man muss sich einfach auf die Stimmung im Sperrgebiert einlassen: Die scheinbar paradiesische, unberührte Natur, in der jedoch nichts so ist, wie es scheint. Weder der Tier- und Pflanzenwelt noch den anderen Expeditionsteilnehmern ist zu trauen.
Der Wechsel vom ersten zum zweiten Band bildet einen harten Kontrast, nicht nur in der Erzählperspektive, sondern auch vom Schauplatz her. Aus der fremdartigen Wildnis kommt man plötzlich in eine kafkaeske Behörde voller Bürokratie, Geheimnisse und Wahnsinn. Ich kann mir vorstellen, dass das manchen Leser stört, mir hat es aber nichts ausgemacht. Dadurch werden die Parallelen zwischen der bedrohlichen Wildnis und der bedrohlichen Behörde deutlich.
Die Trilogie wird von den grundlegenden Themen Einsamkeit, Misstrauen und Kontrollverlust durchzogen. Im Angesicht einer unbegreiflichen Bedrohung hat die Menschheit eine ebenso unbegreifliche und bedrohliche Behörde errichtet. Man kann nichts und niemanden trauen und nichts ist, wie es scheint. Welche Motive haben die Figuren? Erleben sie gerade wirklich etwas oder wurden sie nur hypnotisiert? Ist eine Mauer wirklich eine Mauer oder ein lebender Organismus? Warum ist der einzige Überlebende der ersten Expedition so versessen darauf, immer neue Expeditionen in die Area X zu schicken? Sind die Figuren überhaupt noch sie selbst oder wurden sie durch Doppelgänger ersetzt?
Langsam bauen sich Spannung und immer stärkeres Unbehagen auf, was vor allem an kleinen Einzelheiten liegt. Woher kommt der ekelhaft süßliche Geruch, den nur Control wahrnimmt? Ist es der gleiche Geruch, den der frührere Leuchtturmwärter in der Area X wahrgenommen hat, kurz bevor die Katastrophe ausbrach? Was hat es mit der harmlos aussehenden Pflanze auf sich, die aus der Area X in die Southern Reach gebracht wurde, und die scheinbar unsterblich ist? All diese Details vermitteln das Gefühl einer unbegreiflichen, unaufhaltsamen Macht, die sich langsam ausbreitet. Man kann sie nicht verstehen und nicht bekämpfen, man kann sich nur mit ihr arrangieren.
Am Ende bleiben die meisten Fragen offen. Ich kann mir vorstellen, dass man dieses Buch am besten mehrmals liest, um alle Einzelheiten zu erfassen.
- Emma Cline
The Girls
(295)Aktuelle Rezension von: NinaVeronikaDer düstere Roman „The Girls“ von Emma Cline, welcher bereits 2016 erschien, erstrahlt nun mit einem neuen Cover bei Hanser Literatur. Die Geschichte rund um Evie, Suzanne und die vielen anderen Mädchen, orientiert sich stark an dem Fall der Manson Familie, die durch zahlreiche Straftaten und Morde Bekanntheit erlangte.
So wie die Manson Familie, ist auch die Formation im Buch eine sektenartige Kommune, welche vom Anführer Russel geleitet und manipuliert wird. Dabei zeigt das Buch auf wie Sekten gezielt nach Menschen Ausschau halten, die sich in einer schweren Lebensphase befinden um diese für ihre eigenen perfiden Interessen anzulocken. So gerät auch Evie immer tiefer in einen gefährlichen Strudel aus Gehirnwäsche, Gewalt und Abkapslung vor der „anderen Welt“. Der verzweifelte Wunsch nach Zugehörigkeit und Freundschaft, verwässern die Realität und binden Evie immer stärker an eine Gruppe, die schon bald ihre ganze Grausamkeit entlädt.
Wow! Die Geschichte hat mich ab Seite 1 so sehr gefesselt, dass ich das Buch kaum weglegen konnte. Der Schreibstil war dabei zwar oft herausfordernd, weil er alles andere als einfach verständlich ist, aber hat für mich auch den Charme der Geschichte ausgemacht. Emma Cline schreibt so detailliert, intensiv und stellenweise wirklich düster, dass eine ganz bestimmte Atmosphäre erzeugt wird. Es war durchgehend spannend und durch den Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit fühlte sich die Story noch greifbarer an. Dieses Buch war definitiv ein Highlight für mich!
Dieses Buch thematisiert grausame Taten und auch sexuelle Gewalt, daher möchte ich an dieser Stelle eine Trigger Warnung für das gesamte Buch aussprechen.
- Hans Fallada
Kleiner Mann – was nun?
(241)Aktuelle Rezension von: BeustHans Falladas 1932 erschienenen Roman „Kleiner Mann - was nun?“ ist nicht nur mit seinem Titel bis in die heutige Zeit bekannt und aktuell. Der ganze Roman - die ersten gemeinsamen Jahre von Johannes Pinneberg und seiner Frau Emma „Lämmchen“ erzählt eine Geschichte von zeitloser Bedeutung. Die Pinnebergs kommen aus der schlesischen Provinz, wo sie in der kärglichen Engstirnigkeit der Kleinstadt zueinander finden und in ein Leben starten, das lauter Widrigkeiten aufhäuft, die gelichwohl niemals übertrieben, sondern vielmehr im Gegenteil als zeittypisch erscheinen. Die Hilflosigkeit Pinnbergs gegenüber seinen Chefs und später gegenüber dem Staat - ja: dem Teil des Staates, der für die Fürsorge zuständig wäre - ist schreiend ungerecht. Die Realitätsnähe dieser Ungerechtigkeiten, die plastischen Auswüchse der Hilflosigkeit, der sorgsam bewahrten Anständigkeit und der bis zum Schluss aufrecht erhaltene Wille, alles richtig zum machen, sind glaubwürdig, rührend und immer wieder auch gallenbitter komisch. Fallada hat ein Gespür für plötzlichen Witz - und muss ihn auch haben, weil sonst die Geschichte des fortwährenden Misserfolgs der liebenden Eheleute Pinneberg und Lämmchen mit ihrem „Murkel“ kaum erträglich wäre.
Pinnebergs Courage hält bis fast zur letzten Seite, doch dann ist die Sohle erreicht: „Ordnung und Sauberkeit: Es war einmal. Arbeit und sicheres Brot: Es war einmal. Vorwärtskommen und Hoffnung: Es war einmal. Armut ist nicht nur Elend, Armut ist auch strafwürdig, Armut ist Makel (…).“ (S. 546) Spätestens hier ist man froh über die sozialen Leistungen, die in Deutschland seit Kriegsende, insbesondere durch die deutsche Sozialdemokratie, erreicht wurden.
Ich war über die Frische des Textes, über die Farbkraft des Zeitdokumentes erstaunt, das mit unverstelltem Erzählfluss die Vergangenheit heraufbeschwört und dabei das Zeitlose transportiert. Ich freue mich auf die nächsten Romane von Fallada, die hier schon auf mich warten.
- Simone Lappert
Der Sprung
(288)Aktuelle Rezension von: Sanni_KozDas Buch "Der Sprung" von Simone Lappert handelt von einer Frau (Manu) die auf einem Dach steht und sich weigert herunterzukommen. Niemand weiß, was in ihr vorgeht und ob sie womöglich springen möchte.
Im Buch werden 3 Tage behandelt, der Tag davor und Tag 1 & Tag 2 - die Erzählweise erinnert an einen Episodenfilm mit unabhängigen Geschichten, die sich dann zum Ganzen verweben. Jeder Tag wird aus den unterschiedlichen Sichten von 10 Figuren erzählt, die mehr oder weniger mit Manu zu tun haben - hier merkt man, welche Auswirkungen Manus Verhalten auf eine Stadt hat. Der Detailreichtum überzeugt bis zum Schluss und fesselt einen ans Buch - man spürt im Buch, dass sich die Autorin jede Charaktere hat wachsen lassen mit dem Buch und der Handlung.
Dadurch, dass es viele verschiedene Sichtweisen, von den unterschiedlichen Personen gibt, ist das Buch etwas kompliziert zu lesen. Es empfiehlt sich Notizen beim Lesen zu machen, um die Zusammenhänge zwischen den Personen zu begreifen und nicht durcheinander zu kommen.
Das Buch ist mit viel Feingefühl und Empathie geschrieben.
- Elif Shafak
Der Architekt des Sultans
(86)Aktuelle Rezension von: carathis"Die Wahrheit fällt nicht vom Himmel. Sie entspringt der Erde, entspringt harter Arbeit."
Diesem Sinnspruch folgend, begleiten wir Sinan, den Hofarchitekten im Istanbul des 16. Jahrhunderts und seinen Schülern in diesem Roman. Elif Shafak erzählt nuancenreich vom Elefantenführer Jahan und seinem Elefanten Chota, wie sie in den Sultanspalast kommen und sich dort emporarbeiten. Diese beiden liebenswerten Hauptfiguren, erleben einige unangenehme Prüfungen und stolpern von einer kuriosen Aufgaben zur nächsten. Sie erleben Krieg, prachtvolle Auftritte, aber auch stolze Momente als Erbauer historischer Monumente.
Jahans Naivität lässt ihn oft tollpatschig wirken, doch seine Ehrlichkeit und sein offenes Herz leiten ihn. Dieses Herz fügt ihm gleichzeitig Schmerzen zu. Die emotionale Tiefe lässt sich gut anhand eines Zitats darlegen, welches Jahans Mutter ihm mitgab:
Was immer du tust, füge nie jemandem Leid zu und lass dir selbst von niemandem wehtun. Sei weder ein Herzensbrecher noch lass dir dein Herz brechen."
Nun, ich überlasse es euch selbst herauszufinden, ob er dem Rat seiner Mutter gefolgt ist.
Die Geschichte beginnt ruhig und sanft. Doch sollte man sich nicht über die leisen Stiche hinwegtäuschen. Ein feines Netz aus Intrigen wird gesponnen, dessen Ursprung sich erst am Ende zeigt.
Shafak erzählt die Geschichte Istanbuls über fast 100 Jahre entlang des Lebens von Jahan und Chota, das die Herrschaft dreier Sultane überspannt. Die Stadt war und ist ein buntes Sammelsurium von Menschen unterschiedlichster Herkünfte und Religionen. Diese leben mal mehr, mal weniger friedlich miteinander. Es zeigt sich, dass bereits früher gern Sündenböcke für diverse Katastrophen gesucht wurden, die zum Beispiel Schuld daran sein sollen, dass die Pest wütet.
Neben diesen eher grausamen Episoden in der Geschichte und auch im Leben der Hauptfiguren, spielt die Kunst, die Architektur und die Meisterwerke Sinans und seiner Schüler eine gewichtige Rolle. Trotz offensichtlichem Drang nach Perfektionismus hinterlässt er doch in den fertigen Bauwerken immer einen Fehler, "denn nur Gott kann perfekt sein". Der Roman zeigt, dass durch hingebungsvolle und harte Arbeit gewaltiges, Jahrhunderte Überdauerndes geschaffen werden kann. Vielleicht wird in Summe die Errichtung eines Bauwerks zu viel dargestellt, wodurch es zu ein paar wenigen Längen kommt.
Die letzten hundert Seiten spannen abschließend noch einen erkenntnisreichen und atemraubenden Bogen über die Erlebnisse des Jahan. Sodass mir am Ende nur zu sagen bleibt, dass es sich lohnt, diesen bildgewaltigen Roman zu lesen. Schon allein viele literarische Weisheiten zu sammeln.
Wenn du etwas aus ganzer Seele tust, spürst du einen Fluss in dir, eine Freude.
- Jan Weiler
Der Markisenmann
(227)Aktuelle Rezension von: Lesehonig„Der Markisenmann“ von Jan Weiler
Kim ist 15 Jahre alt. Die Schule und ihre Zukunft interessiert sie überhaupt nicht. In ihrer Familie fühlt sie sich eher wie ein Fremdkörper, da sie ja „nur“ das Stiefkind von Heiko, dem Mann ihrer Mutter, ist. Und tief drin spürt sie, da gibt es noch eine viel größere Geschichte, die ihr aber nicht erzählt wird. Um die Lage in der Familie zu entspannen, soll sie die Sommerferien, bei ihrem, ihr völlig unbekannten Vater in Duisburg verbringen. Es verschlägt sie in eine trostlose Gegend zu einem Mann, dem man die Erfolglosigkeit meilenweit ansieht. Denn dieser versucht potthässliche Markisen aus DDR-Restbeständen an den Mann zu bringen. Dieses Buch war mein absolutes Lesehighlight im Frühjahr. Jan Weiler zeichnet die Figuren mit so viel Liebe, dass einem ganz warm ums Herz wird. Die Geschichte ist so unglaublich anrührend und doch überhaupt nicht sentimental oder kitschig. Sie handelt von einem Schicksal, wie es wohl viele in der Nach-Wende-Zeit gab. Bewegt hat mich die tiefe Zufriedenheit und Dankbarkeit von Kims Vater. Eine Figur, die nicht jammert oder klagt, sondern ihr Schicksal annimmt und das Leben liebt, wie es ist. Er macht das Beste aus dem was ihm geboten wird und er nimmt die Menschen wie sie sind ohne sie verstehen oder verändern zu wollen. Wie man es von Jan Weiler gewöhnt ist, ist diese Geschichte aber auch von vielen komischen Elementen geprägt, die mich oft zum Schmunzeln gebracht haben. Gerade diese Mischung macht das Buch zu einer Liebeserklärung an das Leben. Absolut lesenswert!
- Paulo Coelho
Schutzengel
(127)Aktuelle Rezension von: JoxannaBei dem Magier handelt es sich um niemand anderen als um den Autor selbst: Paulo Coelho. Das Buch basiert laut eigenen Aussagen auf wahren Begebenheiten und ist vor allem deswegen so faszinierend. Es ist mein erstes Buch von Coelho, daher weiß ich nicht, ob es in all seinen Büchern üblich ist, dass er von sich selbst erzählt.
Es handelt sich also gleichzeitig um einen Entwicklungsroman als auch um einen Teil seiner Autobiografie.
Auf Anraten seines Lehrers begibt sich Paulo gemeinsam mit seiner Frau auf eine Reise zu einem Bekannten in die Wüste. Took soll ihm zeigen, wie er mit Engeln sprechen kann. Seine Frau Chris kam nur als Unterstützung mit und hatte bisher wenig Interesse an dem Magier-Dasein ihres Mannes. Nach einer langen Anreise trafen sie Took mitten in der Wüste bei seinem Wohnwagen. Doch die erhoffte Erleuchtung blieb aus, so einfach war es also doch nicht. Stattdessen wurde Chris gelehrt, das zweite Bewusstsein zu kontrollieren. Er war stolz auf seine Frau und in ihm stieg die Vermutung auf, dass sie etwas mit der Erfahrung zu tun haben könnte.
Vielleicht sprach auch zu diesem Zeitpunkt sein Engel schon zu Paulo.
Die Reise ging insgesamt 40 Tage lang und als Leser begleiten wir Paolo und Chris dabei. Es ist eine spirituelle und religiöse Geschichte, die die Anwesenheit von Engeln untermauert. Ich bin kein gläubiger Mensch in dem Sinne, bin also nicht christlich. Aber ich glaube an das Universum. Und meine Oma glaubt an Engel und Schutzengel, und jetzt glaube ich, das ist dasselbe.
Ein wunderschönes Buch, welches inspiriert, zum Nachdenken anregt, den Blick auf die Welt verändert, das zweite Bewusstsein näher bringt und den positiven Effekt von Meditation hervorhebt.
- Adalbert Stifter
Der Nachsommer
(31)Aktuelle Rezension von: glowinggloomUm nicht von vornherein an diesem Roman zu verzweifeln, empfiehlt es sich, zuerst das Nachwort zu lesen. Dort erfährt man von Stifters Weltekel, einer Wirklichkeitsflucht, der Entwicklung eines idealen Menschentums durch Ästhetisierung des Lebens, dem Streben nach Konfliktfreiheit, einer unendlich beruhigten, auf Stillstand zulaufenden Erzählbewegung. Ohne Kenntnisse des Weltbildes und des literarischen Konzeptes des Autors, kann man diesen hochgradig redundanten, unglaublich langweiligen und abstoßenden Eskapismus für Besserverdienende schwerlich über 700 Seiten ertragen.
- Daniel Grey Marshall
No Exit
(185)Aktuelle Rezension von: MoidlvomberchDas Buch hörte sich unglaublich gut und Interessant an, deshalb wollte ich es unbedingt lesen.
nun dass der Autor dieses Buch mit 15 schrieb merkt man tatsächlich doch sehr, wie ich finde.
Ebenso finde ich die Übersetzung etwas anstrengend, nach einigen Rechtschreibfehlern fiel es mir auch immer schwerer weiter lesen zu wollen.
Der Schreibstil ist sehr gewöhnungsbedürftig und nicht gerade meins, ich hab mich schwer getan es zu lesen und bin leider immer wieder abgeschweift...irgendwann wusste ich dann gar nicht mehr so richtig um was es jetzt in diesem Buch eigentlich gehen soll und was mir der Autor vermitteln möchte.
Ich habe dann nach einigen Seiten abbrechen müssen, weil ich einfach zu viele Probleme mit der Übersetzung und den Schreibstil hatte - ich denke aber bestimmt dass dieses Buch durchaus potential hätte und seine Geschichte bestimmt nicht einfach und dennoch lesenswert ist.
vielleicht probiere ich dieses Buch zu einem späteren Zeitpunkt nochmals.
Schade, hätte es sicherlich Interessant gefunden - Takis Würger
Der Club
(273)Aktuelle Rezension von: shizu_readsHans ist Boxer und wird von seiner Tante nach England geholt, um als Student ihrem College in einem Club zu "ermitteln". Zunächst weiß er nicht, worum es geht, und entdeckt nach und nach die dunklen Seiten des Clubs.
Gerade dieses Entdecken, sich Vortasten und Überlegen, worum es genau geht und wer Opfer oder Täter ist, macht einen großen Reiz dieses Buches aus. Ich habe dabei ständig mitgerätselt und meine eigenen Theorien aufgestellt.
Dazu kommen wirklich gut getroffene Charaktere, die im Wechsel und eher knapp Details und Merkmale von sich preisgeben. Das wirkt stellenweise lückenhaft, reicht aber völlig aus, um sich ein Bild zu machen – und macht es dadurch besonders. Sehr beeindruckt hat mich dabei die Zerrissenheit von Hans zwischen Freundschaft und dem Richtigen – das hat der Geschichte weitereTiefe gegeben.
Die eher abgehackte, nicht lineare Erzählweise mit einigen Zeitsprüngen hat einen richtigen Sog erzeugt, sodass ich kaum aufhören konnte zu lesen. Gleichzeitig hat mich genau das auch immer wieder kurz innehalten lassen, um die Puzzleteile neu zusammenzusetzen.
Irgendwann wird klar, worum es geht, und doch schafft es der Autor, noch Unerwartetes einzubauen. Stilistisch wirklich gekonnt und mit viel Feingefühl geschrieben!
Ein starkes Buch mit aktuellen Themen und einer klaren Botschaft, sich zu wehren und nicht wegzusehen – eines, das bei mir definitiv Eindruck hinterlassen hat.
- Jojo Moyes
Ein ganz besonderer Ort
(31)Aktuelle Rezension von: AlinchenEin ganz besonderer Ort - dazu wird der Laden, den Suzanna in ihrer Heimatstadt eröffnet. Nicht nur für sie, sondern auch für ihre Mitarbeiterin Jessie und so manchen Bewohner der Kleinstadt. Dort ist Suzanna glücklich. Ihre Ehe mit Neil ist eher halbherzig, auch wenn er sich nichts sehnlicher wünscht als ein Kind. Das Verhältnis zu ihren Eltern, insbesondere zu ihrem Vater, ist angespannt, ihre leibliche Mutter hat sie nie kennen gelernt. Ein Jahr soll es den Laden geben, danach, so verspricht sie Neil, werden die beiden ein Kind bekommen. Doch in dem Jahr verändert sich so einiges.
Eigentlich liebe ich die Bücher von Jojo Moyes! Doch mit diesem bin ich bis zum Schluss nicht ganz warm geworden. Das liegt an mehreren Punkten.
1. Ich bin vor allem mit Suzanna nicht warm geworden. Sie ist 34, doch sie benimmt sich teilweise wie 24. Sie ist ziemlich egoistisch und denkt nur an sich. Sie hat mir Neil einen tollen Mann an ihrer Seite, doch das scheint sie nicht wahrzunehmen. Auch ihr Verhalten ihren Eltern gegenüber erscheint mir viel zu unreif für ihr Alter. Sie war mir einfach nicht sympathisch genug.
2. Suzanna ist zwar die Hauptperson, aber ihr Teil der Geschichte beginnt erst nach fast 100 Seiten. Zuvor wird eine Geschichte rund um Douglas, Vivi und Athene erzählt und man fragt sich automatisch, wer die drei sind, was sie mit Suzanna aus dem Klappentext zu tun haben und wann diese denn nun endlich auftauchen wird.
3. Das Buch wird aus mehreren Perspektiven erzählt. Sowas finde ich immer klasse! Doch leider gibt es keine großen Hinweise. Manches Mal ist es eindeutig, dann wieder nicht. Das hätte ich mir anders gewünscht.
Das soll jedoch auch nicht heißen, dass mir das Buch nicht gefallen hat - im Gegenteil! Es gibt nur einfach (für mich) schönere Bücher der Autorin!
- Jane Austen
Kloster Northanger: Roman (Reclam Taschenbuch)
(25)Aktuelle Rezension von: KlabauterKaddiDie (Liebes-) Geschichte spielt viel zwischen den Zeilen, soziales Leben, Freundschaft und das Denken/die Entwicklung von Catherine stehen im Mittelpunkt.
Dadurch habe ich das Lesen zeitweise als etwas zäh erlebt, weil nicht viel Spannendes passiert. Catherines erster Ausflug aus dem Dorf hinaus nach Bath dominieren die Handlung. Man begleitet sie dabei auf einer Entwicklung vom naiven Ja-Sager zu zunehmend mehr kritischer Wahrnehmung ihrer Mitmenschen.
Der Stil in diesem Buch ist angenehm ungewöhnlich, da Jane Austen immer mal wieder ihre eigenen Gedanken mitteilt und man der Geschichte dadurch quasi von aussen zuschaut, als eine Art Kommentar aus dem Off.
Die erhoffte Liebesgeschichte war - wie oben bereits erwähnt - leider mehr im Subtext zu finden und wurde nur den letzten Seiten deutlicher. Das fand ich sehr schade, weil ich es anders erhofft hatte.
Ich habe das Buch im Hardcore Sammelschieber und liebe die Haptik dieser Ausgaben.
- Joachim Meyerhoff
Die Zweisamkeit der Einzelgänger
(110)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannUnterhaltungsliteratur vom Feinsten? Kurzantwort: Geschmackssache. Etwas längere Antwort: Wer nicht als Gewächs vor dem Fernseher verkümmern, sich stattdessen alternativ an einem nicht unbedingt anspruchsvollen Roman versuchen möchte, wird hier gut bedient. Das Thema ist so banal wie ergiebig. Ein oft wankelmütiger männlicher Hecht (der Autor himself) wird schließlich im Biotop verschiedenster weiblicher Gegenexemplare fündig. Damit es auch spannend bleibt, sind es gleich zwei Frauen, die hier die Vorurteile und Fantasien der Männerwelt beglücken dürfen. Auf der einen Seite die nicht sehr schöne, dafür aber schön-geistige Gespräch garantierende Intellektuelle und auf der anderen Seite der den ganzen Kerl fordernde Vamp.
Damit wäre eigentlich schon genug gesagt, um sich dem Stakkato schön gedrechselter Sätze auf über 400 Seiten hinzugeben – oder eben nicht. Es sind nicht nur die sich zwangsläufig aus einer Doppelbeziehung ergebenden Situationskomiken, die den Laden am Laufen halten, sondern auch die durchaus lesenswerten wie beglückenden Metaphern („Ich kam mir vor, als wäre ich in ein hochprofessionelles Spiel eingewechselt worden, dessen Regeln ich nicht kannte.“) oder auch Vorurteilen: „Eine Mimose [Personencharakterisierung] mitten in Dortmund, ein zittriges exotisches Gewächs, verpflanzt in eine prollige Bier- und Fußballstadt. Vor allem aber sind es die feingeistigen Überlegungen, die die Lektüre dieses Buches empfehlenswert machen: „Genauso wie jeder Mensch ein paar Sätze mit sich herumträgt, die aus ihm herauswollen, genauso, dachte ich, gibt es ein paar Sätze, auf die ein Mensch wartet, Worte, von denen er nicht ahnt, dass sie auf ihn zutreffen könnten, und die ihm dann aber ermöglichen, sich selbst völlig neu zu denken. ‚Du bist ja so zerbrechlich.‘“
- Kate Atkinson
Die Unvollendete
(121)Aktuelle Rezension von: dunis-lesefutterDer 11. Februar 1910 ist ein wichtiger Tag in diesem. An diesem Tag wird Ursula geboren nicht einmal nicht zweimal sondern immer und immer wieder. Wir erleben jedes Mal den Schnee, die Mutter Silvey, die ihr Kind betrachtet und die Abläufe dieses denkwürdigen Tages. Ursula wächst heran und stirbt nicht einmal nicht zweimal sondern immer und immer wieder. Am Anfang ist es wirklich gewöhnungsbedürftig, einem Kind beim Sterben zuzuschauen. Gott sei Dank Ist der Tod des kleinen Mädchens nicht dramatisch beschrieben. Irgendwann fängt sie an „Dejavus“ zu haben . Sie ändert Kleinigkeiten und damit den Lauf der Welt.
Na, nach und nach folgen wir ihr bis in die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Wir erleben also historisches aber konzentrieren uns dabei immer auf den Kosmos der Familie tot in die Ursula immer wieder hineingeboren wird. Die Familie mit ihren wegen und Irrwegen spielt eine große Rolle. Besonders und Anders ist dabei ihre Tante Izzie.
Ich möchte nicht zu viel verraten. Ob Ursula irgendwann merkt, dass sie immer wieder geboren wird oder nicht das müsst ihr euch selbst erlesen. Es sei nur soviel gesagt sie kommt weit rum und ihr lebt verläuft alles andere als immer gleich.
Sprachlich ist diese Geschichte sehr süffig geschrieben. Wir haben Teil am Familienleben der Familie Todt, möchten wissen welchen Lebensweg die einzelnen Geo und was die kleinen Ahnungen, die Ursula dazu bewegen, etwas anders zu machen, verändern. Allerdings ist es mir zum Ende hin tatsächlich ein bisschen lang geworden. Der Spannungsbogen hat etwas nachgelassen, bevor er auf den letzten 100 Seiten wieder extrem angezogen ist. Ich wollte natürlich wissen, ob sich irgendwas aufklärt und welche Auswirkungen das hat, das hat mich bei Stange gehalten. Aber von mir aus hätte das Buch ruhig 200 Seiten kürzer sein können und dafür ein bisschen rasanter. Nichtsdestotrotz ist es ein gutes Buch, das man trotz der bewegten Zeiten, zu der es spielt, leicht lesen kann.
Wer von euch kennt das Buch? Schreibt es gerne in die Kommentare.
- Raffaella Romagnolo
Dieses ganze Leben
(83)Aktuelle Rezension von: Trishen77Die 15jährige Paola fühlt sich in ihrer Haut nicht sehr wohl: sie findet sie ist zu groß, zu unansehnlich, monströs geradezu; ein Erlebnis in der Schule hat sie vor kurzem noch mehr davon überzeugt, dass sie mit ihrer Statur und ihrem Wesen nirgendwo hineinpasst. Am liebsten verbringt sie Zeit mit ihrem körperlich beeinträchtigten Bruder Richie, mit dem sie das soziale Wohnviertel durchstreift, das an ihr eigenes gut betuchtes Viertel angrenzt. Paolas Familie ist nämlich reich – ihr Großvater hat viele Gebäude in der Stadt gebaut, unter anderem auch das soziale Wohnviertel.
Eines Tages ergibt sich dort eine Begegnung und ihr eigener Bruder freundet sich mit dem jüngeren Bruder eines Klassenkameraden an, die beiden beginnen Schach gegeneinander zu spielen. Auch zwischen ihr und dem Klassenkameraden bahnt sich eine neue, verwirrende Vertrautheit an, doch Paola will nach den letzten Erlebnissen in der Schule niemandem mehr vertrauen, auch wenn sie spürt, dass im Wohnviertel und der Gestalt Antonios ein ganz neues Leben auf sie wartet …
Gleich vorweg muss man sagen, dass Raffaella Romagnolo in ihrem Buch einen ungewöhnlichen Drahtseilakt wagt. „Dieses ganze Leben“ ist über weite Strecken ein Coming-of-Age-Jugendroman, in dem manche Beziehungen ein bisschen zu non-ambivalent dargestellt sind. Womit ich meine: die Charaktere zeigen wenig Entwicklung und Variation in ihrem Verhalten, sie bleiben ihrer Ausrichtung verhaftet. Manche Konflikte werden während der Handlung intensiviert, andere nur im passenden Moment mal aufgerufen, aber gar nicht wirklich thematisiert.
In manch anderen Punkten ist das Buch aber ambitionierter. So schildert die Autorin mitunter bewundernswert anschaulich das Innenleben der Protagonistin und man hat am Ende das Gefühl, das zwar vieles unbefriedigend offen/unverhandelt bleibt, aber die Entwicklung Paolas durchaus sehr stimmig und gelungen ist.
Der Knackpunkt ist halt, dass dadurch viele andere Figuren und Handlungselement zum Ornament verkommen. Man hat das Gefühl, alle Elemente der Story schlagen sich vor allem in Paola nieder und sind abseits davon oft relativ eindimensional. Jetzt kann man argumentieren, dass das doch das Verhältnis einer Teenagerin zur Welt gut wiedergibt: was sich nicht direkt auf sie bezieht (und sie erzählt ja die Geschichte) ist nun mal Beiwerk.
Das mag sein und ich glaube, dass es Leute gibt, die mit dieser Leseerfahrung dann auch zurecht sehr zufrieden sind. Mich hat es ziemlich genervt (auch das passt aber eigentlich zum Teenager-Tunnelblick), wie sehr die anderen Charaktere streckenweise ernstgenommen werden, aber trotzdem nie aus ihren Rollen ausbrechen, sondern immer schön der Definition der Protagonistin verhaftet bleiben, so als würde sie letztendlich alles durchschauen und immer Bescheid wissen.
„Dieses ganze Leben“ ist ein teilweise starker, teilweise aber auch ziemlich luftiger Roman. Als Geschichte schön und teilweise schlimm, als Roman zu wenig ausgearbeitet.























