Bücher mit dem Tag "epikur"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "epikur" gekennzeichnet haben.

19 Bücher

  1. Cover des Buches Sofies Welt (ISBN: 9783423624213)
    Jostein Gaarder

    Sofies Welt

     (4.425)
    Aktuelle Rezension von: Lisa_Guarcello

    Die diverse philosophische Richtungen gehören zu unseren Dasein.. jeder, der sich dafür interessiert, sollte das Buch lesen: leicht und verständlich erklärt Gaarder die diversen Richtungen.

  2. Cover des Buches Das Spinoza-Problem (ISBN: 9783442748778)
    Irvin D. Yalom

    Das Spinoza-Problem

     (56)
    Aktuelle Rezension von: JulesBarrois

    Irvin Yalom wählt einen interessanten und vielversprechenden Ansatz für seinen „Roman“ – er bewegt sich auf zwei weit voneinander entfernten Spuren und kombiniert das Leben von Baruch de Spinoza, dem niederländischen Philosoph und Sohn jüdisch-portugiesischer Immigranten im 16. Jahrhundert mit dem Leben von Alfred Ernst Rosenberg, dem führenden NS-Ideologen im 20. Jahrhundert, über dessen jüdische Wurzel immer wieder gemunkelt wurde.

    Hier werden nicht nur grandios zwei Zeitebenen und Figuren miteinander verknüpft. Hier spiegeln sich auch die wahren Ab- und Hintergründe in unserer Vergangenheit wieder. Spiegelt Spinozas Leben, das Leben eines Intellektuellen und setzt ihm mit Rosenberg die Banalität des Bösen gegenüber. Hier der Freigeist Spinoza, der im klaren Denken und dem Mut zur Wahrheit Maßstäbe setzte, weil er die erkannten Wahrheiten über Rituale, Angst und autoritäre Traditionen, die nur dem Machterhalt dienen, nicht fallen lassen wollte. Und dort Rosenberg, der aus seiner Persönlichkeit heraus nichts mehr anstrebte, als sich zu binden. Der starre Dogmen und fanatische Behauptungen unreflektiert zu den Maximen seines Handelns machte. Und doch nur nach Liebe und Anerkennung strebt, diese aber wegen seiner eigenen inneren Abwehrhaltung auf seine Weise gar nicht finden konnte.

    „Das Spinoza Problem ", versucht nichts weniger, als eine zugängliche Einführung in Baruch Spinoza, der Rationalist aus dem 17. Jahrhundert, der das Fundament für die Aufklärung, und eine überzeugende Analyse legte. Und Alfred Rosenberg, der Ideologe, der die Theorien der rassischen Überlegenheit Hitlers artikulierte.

    Irvin Yalom präsentiert Spinozas Leben als eine Reihe von sorgfältig organisierter Gespräche. Die Gespräche, schaffen ein schönes Gefühl für den Charakter des Philosophen und eine klare Erklärung der großen Ideen dieses Mannes über die Natur, den freien Willen und Vernunft. Es ist aufschlussreich, schon vor 400 Jahre die Linien des modernen Säkularismus und des wissenschaftlichen Rationalismus festgelegt zu sehen.

    Die alternierenden Kapitel mit Rosenbergs Aufstieg zur Macht schüren eine andere Art von Faszination. Ein verhasster Mann, so pompös und pseudo-intellektuell, dass selbst Goebbels sich über ihn lustig macht: „Beinahe hätte es bei Rosenberg zum Gelehrten, zum Journalisten, zum Politiker gereicht, aber eben nur beinahe.“ (Seite 582)

    „Das Spinoza-Problem“ ist weit mehr als „nur“ eine romanhafte Doppelbiographie. Yalom versucht den Geist zu erreichen und sehen, wie er funktioniert - und, ja, wie er vielleicht geheilt werden kann. Es ist weniger die alte Geschichte aus dem 20. Jahrhundert, die Yalom interessiert. Er will die Macht von Spinozas philosophischen Erkenntnissen zeigen, die selbst den Geist eines erbärmlich kleinen Monsters, wie Rosenberg zu verunsichern mag. Philosophische Erkenntnisse von Euklid bis eben zu Bento Spinoza vermischen sich mit zwei Lebensgeschichten, psychotherapeutischen Sitzungen, der Darstellung der philosophischen und psychotherapeutischen Ziele von der inneren Freiheit des Menschen aus unguten Gebundenheiten und einer grundlegenden Kritik an religiösen Ritualen und nicht hinterfragten Traditionen oder Dogmen jedweder Art.

    Ein Manifest der Aufklärung, auch so könnte man dieses Buch betiteln. Eine Darstellung der tiefen Spannung im Menschen, einerseits eigenständiges Wesen zu sein und andererseits ebenso stark Teil der Gemeinschaft sein zu wollen, Teil einer Tradition, eines Mythos, eben nicht herauszufallen aus der Gemeinschaft, der man angehört.

    Literarisch hochwertig führt Yalom dies Spannung zwischen Individualität, Freiheit und, damit einhergehend, auch Relativität und Unsicherheit als Gegenüber zum „Dazugehören“ aus, zur, nur vermeintlichen, dogmatischen Sicherheit. Und lässt zu keinem Zeitpunkt des Buches den Leser darüber im Unklaren, dass es schlichtweg dem Menschen zwar möglich, aber letztlich ein nicht wirklich gangbarer Weg ist, die Kraft des eigenen Denkens und der erkennbaren Wahrheiten an eine Religion oder eine andere Form des „Glaubens“ (wie den Rassenwahn) zu delegieren. Ein Weg, der in Destruktion und Unfreiheit endet.

    Das Buch ist sprachlich hervorragend formuliert, im Stil wunderbar zu lesen und ebenso tief lehrreich, wie es zur eigenen Reflektion fast schon zwangsläufig hinführt.

  3. Cover des Buches Wer bin ich - und wenn ja wie viele? (ISBN: 9783442313617)
    Richard David Precht

    Wer bin ich - und wenn ja wie viele?

     (647)
    Aktuelle Rezension von: Faidit

    Precht hat seine Abhandlung in drei Abschnitte eingeteilt. Den ersten Abschnitt könnte man zusammenfassen mit: Ich habe ein Gehirn, mit dem ich denke und fühle, also bin ich. Ob man seine Persönlichkeit nur auf diese graue Masse beschränken will, sei jedem selbst überlassen. Ich für meinen Teil sehe das nicht so. Aber es scheint, dass die Philosophie die Beantwortung der großen Fragen eines jeden sinnierenden Menschen ohnehin nicht endgültig beantwortet, sondern nur Anreize gibt, wie auch Precht in seinem Buch. Der Autor packt unter diesem sinnpr“e“chtigen Titel sämtliche anerkannten Größen der Philosophie und Psychologie sowie auch der Medizin im Bereich Hirnforschung mit kurzer Darstellung ihres Lebens und ihrer persönlichen Lehre zusammen, sodass dieses Werk eher zu einem Sachbuch der Historie der Geisteswissenschaften wird. Das Buch hat sich zur Mitte hin, als der Autor auch aktuelle Themen wie Sterbehilfe, Tierversuche usw. angepackt hat, sehr gesteigert, ist zum Ende hin aber leider wieder abgeflacht. Precht verpackt wissenschaftliche Inhalte höchst unterhaltsam. Da gibt es dann schon mal den einen oder anderen Lacher. Leider konnte ich von ihm keine persönlichen Einsichten, keine eigene philosophische Meinung zu den Fragen des Lebens finden, die er zumindest gegen Ende hätte äußern können, damit das Ganze nicht nur vergangene Größen aufzählt. Immer wieder kommt Precht auf die Hirnfunktionen des Menschen zu sprechen, von einer Seele und Geist wird kaum etwas erwähnt bzw. erwogen, dass der Mensch mit mehr denken und fühlen könnte als mit vergammelndem Fleisch. Die Frage nach dem Sinn des Lebens kann scheinbar überhaupt nicht beantwortet werden und wird darum zur sinnlosen Frage degradiert, die lt. Nietzsche und Freud nur stellen könne, wer eine körperliche oder geistige Schwäche habe. Das hat mich doch schon sehr verärgert, denn ich sehe den Sinn des Lebens eindeutig darin, Liebe zu geben und anzunehmen und Hass und Angst deshalb immer weiter aus unserem Leben „abzutrainieren“. Da kommt dann schon die nächste Frage auf, die der Autor ebenfalls nur körperbezogen beantwortet: Was ist Liebe wirklich? 

    Ist „ich denke, also bin ich“, die Antwort, die uns befriedigt? Wohl eher nicht, sonst würden wir nicht weitersuchen. Tatsächlich regiert unser vielgerühmter Verstand unser Leben nämlich nicht. Denn selbst nach Tausenden von Jahren funktioniert dieses Konzept ja noch immer nicht und die Menschen lernen aus ihren Fehlern nicht dazu.

    Die Frage im Buchtitel des Autors würde ich persönlich mit „Alles“ beantworten. Weshalb? Darüber kann sich jeder selbst seine Gedanken machen. Doch da unser ICH nicht zu erfassen in der Lage ist, ist es wichtig zu wissen, dass man nichts weiß…

  4. Cover des Buches Wer bin ich - und wenn ja, wie viele? (ISBN: 9783837109276)
    Richard David Precht

    Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?

     (35)
    Aktuelle Rezension von: Bommerlinda
    Ja, ich bin eine Spätzünderin, bzw. eine Spätleserin.

    Fünf Jahre steht die philosophische Reise des Herrn Prechts bereits in meinem Bücherregal, aber ehrlich gesagt, habe ich nie so richtig Lust verspürt, dieses Buch zu lesen, warum auch immer. Das hat sich nun geändert und so schlimm, wie ich es mir zeitweise ausgemalt habe, ist es dann doch nicht zu lesen.

    Der Inhalt des Buches gibt auf unterhaltsame Art und Weise Antworten auf Fragen, mit denen sich Philosophen so im Allgemeinen beschäftigen müssen. Hier besitzt Herr Precht die Fähigkeit, manch tiefgreifende Erkenntnis so prägnant auf den Punkt zu bringen, dass viele Philosophen noch etwas lernen können.
    Allerdings behandelt Precht vor allem die modernen Philosophen des 19. und 20. Jahrhundert. Wer einen wirklichen Überblick über die wichtigen Philosophen haben möchte, der kommt um andere Bücher nicht drumrum, so wird beispielsweise Sokrates, der Begründer der Philosophie, nur kurz erwähnt. 

    Übersichtlich und kompakt umfasst jedes Kapitel um die zehn Seiten. Die Sprache ist verständlich, und jedes Thema wird sehr klar dargestellt und fast immer mit einem Beispiel aus dem heutigen Alltag belegt, so dass die Gedanken Prechts sehr anschaulich vermittelt werden.
    Der Autor bietet dem Leser einiges, nämlich die drei Pfeiler der Philosophie: die Ethik die Erkenntnistheorie sowie die Metaphysik.
    So gesehen ist die philosophische Reise mit Precht zwar unterhaltend und lehrreich, meines Erachtens führt sie aber letztendlich in ein Nirgendwo.

    Wer sich allerdings nur für Zusammenhänge aktueller ethischer Fragen interessiert, für den ist dieses Buch sicherlich spannend, aufschlussreich und durchaus lesenswert.
  5. Cover des Buches In die Sonne schauen (ISBN: 9783442738380)
    Irvin D. Yalom

    In die Sonne schauen

     (14)
    Aktuelle Rezension von: paperlove

    Meine Rezensionen findet ihr auch auf https://mrspaperlove.blogspot.com

    Von dem Buch habe ich mir vorgängig einerseits hilfreiche (fachliche und praxisrelevante) Inputs für meine Arbeit mit Patient:innen mit terminalen Erkrankungen erhofft, die auf Yaloms Erfahrungen seiner langjährigen psychotherapeutischen Tätigkeit beruhen. Andererseits hatte ich auch erwartet, dass sich das Buch vielleicht als Empfehlung zur Selbsthilfe für meine Patient:innen eignen würde.

    Zunächst muss gesagt werden, dass Yalom zweifellos ein sehr kluger Mensch ist, der einen grossen Erfahrungsschatz in der Psychotherapie mitbringt. Sein Wissen reduziert sich aber nicht allein auf die Psychologie, sondern auch auf weltbekannte Literatur und Philosophie. Und diese Themenbereiche verknüpft er auch in seiner Arbeit als Psychotherapeut, was auch sehr stark in dem vorliegenden Buch zum Ausdruck kommt. Yalom präsentiert im Buch einige philosophische Ansätze in Bezug auf das Sterben und den Tod und stellt dadurch alternative, hilfreiche Sichtweisen zur Verfügung, die nicht so angstbesetzt sind, wie die Ungewissheit, die mit diesen Themen einhergeht. Am ansprechendsten fand ich davon die Vorstellung, dass jeder Mensch einen Welleneffekt auf seine Mitmenschen und Generationen nach ihm hinterlässt, die einem vielleicht nicht direkt bewusst sind und sich oftmals auch noch viele Jahre nach dem eigenen Tod zeigen. Diese Perspektive verschafft dem eigenen Dasein eine Bedeutung und wirkt beruhigender, als die angstbesetzte Vorstellung, vergessen zu werden.
    Ich kann mir vorstellen, dass das Buch vor allem Leser:innen anspricht, die empfänglich für philosophische Ansätze sind, es aber vermutlich auch Menschen gibt, die mit Yaloms Erklärungsansätzen nichts anfangen können.

    Neben diesen positiven Aspekten, die leider nicht eine so grossen Teil des Buches ausmachen, wie es erwartet hätte, gab es aber auch viele Punkte, die mich nicht begeistern konnten. Zum einen fand ich den Erzählstil des Buches etwas unstrukturiert und teilweise auch ohne ersichtlichen roten Faden, selbst wenn der Autor versucht hat, seine Erzählungen in spezifische Kapitel zu gliedern. Yalom mischt oben genannte Erklärungsansätze und Zitate bekannter Schriftsteller:innen mit vielen Erfahrungsberichten von Patient:innen, mit denen er zusammengearbeitet hat, sowie auch seiner eigenen Auseinandersetzung mit dem Tod. Gerade die Berichte von Patient:innen haben für meinen Geschmack einen etwas zu grossen Teil eingenommen. Es war zwar interessant zu lesen, welche Entwicklungen seine Patienten:innen (in Zusammenhang mit ihren Ängsten vor dem Tod) machen konnten, aber letztendlich konnte ich daraus nur wenig für meine eigene Arbeit mitnehmen. Viele Erfahrungsberichte beruhen auf Träumen, die Yaloms Patient:innen hatten und in der Therapie symbolisch aufgearbeitet wurden. Nur decken sich diese Erfahrungsberichte für mich ehrlich gesagt wenig mit meinem Arbeitsalltag, in denen es bisher kein einziges Mal vorgekommen ist, dass praktischerweise ein Traum vorgekommen wäre, den ich dazu nutzen konnte den Patient:innen zu helfen, ihre Todesängste zu überwinden. Ich befürchte, dass sich das Buch deshalb auch nicht unbedingt als Literaturempfehlung für meine Patient:innen eignen würde, da ich nicht den Eindruck hatte, dass sie sich darin wiedererkennen würden.
    Und das führt mich zum nächsten Kritikpunkt: Yalom möchte mit seinem Buch bewusst ein breites Publikum ansprechen. Es soll für Fachpersonen, sowie auch für Betroffene oder einfach interessierte Leser:innen eignen. Das hört sich in der Theorie schön und gut an, hat aber beim Lesen zu Verwirrung geführt, da nicht jedes Kapitel jede Zielgruppe anspricht, sodass das Buch für mich letztendlich nichts Halbes und nichts Ganzes war. Egal ob das Buch für Fachpersonen oder Betroffene geschrieben worden wäre, ich hatte den Eindruck, dass es für beide zu wenig Fleisch am Knochen hatte. Yaloms Gedankengänge sind zwar interessant zu lesen, aber wirklich konkret mitnehmen konnte ich weder für mich, noch für meine Patient:innen etwas Handfestes. Selbst am Ende des Buches, als Yalom verspricht, dass nun einige hilfreiche Inputs zur Arbeit als Psychotherapeut folgen würden, folgte wieder nur eine eher allgemeine Feststellung, wie wichtig die Therapiebeziehung für den Therapieprozess ist - etwas, das die Wissenschaft unlängst in zahlreichen Studien nachweisen konnte und somit nicht neu sein sollte, wenn man Psychologie studiert hat.

    Alles in allem muss ich abschliessend sagen, dass meine oben erwähnten vorgängigen Erwartungen leider nicht annähernd erfüllt werden konnten. Für mich hält das Buch leider nicht das, was es im Untertitel verspricht, denn Strategien, wie man die Angst vor dem Tod überwindet, findet man hier definitiv zu wenig. Und deshalb hat mich das Buch letztendlich enttäuscht zurückgelassen.

    Fazit:
    Yalom ist zweifellos ein kluger und erfahrener Psychotherapeut, der sein Wissen und seine Erfahrungen aus langjähriger Arbeitstätigkeit im vorliegenden Buch zum Ausdruck bringt. Leider bleibt es vor allem bei Erfahrungsberichten seiner eigenen Patient:innen und man erhält nicht - wie im Untertitel des Buches versprochen - praxisrelevante oder umsetzbare Strategien, die einem helfen, die Angst vor dem Tod zu überwinden. Einige Denkansätze sind zwar hilfreich als Diskussionsgrundlage mit Patienten über den Tod, aber insgesamt war mir das Buch dann doch zu unstrukturiert und letztendlich auch zu nichtssagend. Wer sich gerne mit philosophischen Denkansätzen auseinandersetzt, ist hier richtig. Für Fachpersonen oder Betroffene, die hilfreiche Inputs für den Umgang mit Todesangst erwarten, ist es eher nicht zu empfehlen.          

  6. Cover des Buches Die Wirklichkeit, die nicht so ist, ... (ISBN: 9783498058067)
    Carlo Rovelli

    Die Wirklichkeit, die nicht so ist, ...

     (4)
    Aktuelle Rezension von: PhilippWehrli
    Es mag für den Nicht-Fachmann nicht ohne weiteres zu erkennen sein, aber mit diesem Buch hält er einen wahren Schatz in der Hand. Carlo Rovelli ist einer der grossen Forscher der Loop-Theorie. Und die Loop-Theorie ist der zur Zeit hoffnungsvollste Ansatz, die Quantentheorie und die Relativitätstheorie zu vereinen.

    Rovelli setzt sich in diesem Buch das Ziel, die philosophischen Hintergründe dieses monumentalen Werkes allgemeinverständlich zu erklären, – was ihm über weite Strecken gelingt. Dabei geht er gründlich vor, nämlich von den Fragestellungen der antiken Philosophen, über die er in einer Lebendigkeit zu berichten weiss, wie ich sie in 6 ½ Jahren Lateingymnasium nicht erlebt habe.

    Ich mag sonst solche Abschweifungen in die Geschichte nicht, wenn ich eigentlich etwas über moderne Physik lernen will. Rovelli aber geht es nicht darum, mit Plaudereien die Seiten zu füllen. Vielmehr weiss der Autor genau, wo die philosophischen Fallstricke in den Fragen zu Raum, Zeit und Wirklichkeit verborgen liegen, weil er offensichtlich selbst jahrelang genau mit diesen Fragen gerungen hat. Und während er uns von Demokrit, Zenon, Newton und Einstein erzählt, zeigt er uns ganz nebenbei genau diese Fallstricke, die es in einer Beschreibung der Wirklichkeit zu vermeiden gilt.

    Und das Kernproblem bei der Vereinigung von Quanten- und Relativitätstheorie ist tatsächlich ausgerechnet eine der Fragen, mit denen schon die antiken Philosophen gerungen haben. Nämlich: Sind der Raum und die Zeit aus Atomen zusammengesetzt oder sind sie glatt? Kann der Raum in unendlich kleine Raumstücke zerlegt werden oder stossen wir irgendwann an eine Grenze?

    Nach der Relativitätstheorie ist der Raum glatt. In diesem glatten Raum können Teilchen theoretisch beliebig präzise lokalisiert werden. Aber wenn ein Teilchen beliebig präzise lokalisiert ist, dann hat diese Teilchen nach der Quantentheorie eine extrem hohe Energie. Und eine extrem hohe Energie –das ist nun wieder eine Aussage der Relativitätstheorie- krümmt den Raum so stark, dass da ein schwarzes Loch entsteht und die Zeit still steht.

    Man muss dies gar nicht alles verstehen. Der entscheidende Punkt ist: Die zwei Theorien funktionieren jede für sich ausgezeichnet. Aber irgendwie beissen sie sich gegenseitig. Und der Konflikt hängt damit zusammen, dass die Relativitätstheorie eine glatte Raumzeit beschreibt.

    Nun haben Physiker schon lange gemerkt, dass sie dieses Problem umgehen können, indem sie so tun, als wäre da nicht ein glatter Raum, sondern ein Gitter. Wenn sie die Formeln dann nur auf die Gitterpunkte anwenden, gibt es keinen Kollaps. Sie tricksen den glatten Raum sozusagen aus, indem sie nur die Gitterpunkte berechnen, das aber für ein so feines Gitter, dass das Gitter wie ein glatter Raum aussieht. So wie ein Computerbildschirm ein Bild in so feinen Pixeln zeigt, dass wir die Pixel gar nicht mehr sehen.

    Die Idee der Looptheorie ist nun: Dieses Gitter ist nicht nur ein Rechentrick. Sondern der Raum ist tatsächlich ein extrem feines Netzwerk aus unzähligen winzigen Schleifen (Loops). Die Schleifen liegen nicht im Raum, sondern sie bilden den Raum.

    Nun, was soll’s? – Der Knaller kommt erst: Genau diese Art Schleifen taucht in der Physik auch an einem völlig anderen Ort auf. Und zwar als Grundelement der Information in der Quantenphysik. Auch diese Behauptung ist für einen Laien natürlich absolut nicht nachvollziehbar und unverständlich. Nachvollziehbar ist aber die Ungeheuerlichkeit der Aussage: Es sieht so aus, als wäre unsere Welt aus reiner Information aufgebaut.

    Raum, Zeit, Materie und Kräfte werden alle auf ein Grundelement zurückgeführt, nämlich auf das Grundelement der Quanteninformation, das sogenannte Qubit. 2015 wurde ein Projekt lanciert, bei dem über hundert Physiker, Mathematiker und Informationstheoretiker genau an dieser Idee arbeiten. Der Name des Projekts: It from Qubit.

    Ich denke: Wenn wir verstanden haben, wie sich Qubits zu Netzwerken verbinden, verstehen wir sämtliche Naturgesetze. Die Naturgesetze leiten sich aus dem Begriff der Information ab.

    In meinem Buch ‚Das Universum, das Ich und der liebe Gott’ https://www.lovelybooks.de/autor/Philipp-Wehrli/Das-Universum-das-Ich-und-der-liebe-Gott-1431971004-w/ gehe ich noch einen Schritt weiter. Ich behaupte: Das Universum konnte deshalb aus dem Nichts entstehen, weil das Universum als Gesamtes null Information enthält. Das Universum ist sozusagen identisch mit dem Nichts. Aber das ist eine andere Geschichte.

    Fast könnte man sagen: Mit Rovellis Buch erleben wir ein Stück Wissenschaftsgeschichte. Dies sind die Ideen, die sich durchsetzen werden. Dringend empfohlen für alle, die dabei sein wollen.

    Für Hardcore-Physiker gibt es übrigens dasselbe in mathematisch: ‚Quantum Gravity’ von Carlo Rovelli. Aber, um es in den Worten eines klugen Physikers zu sagen: „Wenn Sie das alles verstehen, haben Sie wahrscheinlich nicht viele Freunde."
  7. Cover des Buches Die philosophische Hintertreppe (ISBN: 9783650402080)
    Wilhelm Weischedel

    Die philosophische Hintertreppe

     (100)
    Aktuelle Rezension von: wordworld

    "Die philosophische Hintertreppe" erreichte mich als Geburtstagsgeschenk und kann von mir als solches für Philosophie-Begeisterte mit gewissem intellektuellen Anspruch auch weiterempfohlen werden. Ein "Buch für jedermann" ist Weischedels Aufstieg in die Loge der großen Philosophen der Menschheitsgeschichte aber definitiv nicht. Die passende Zielgruppe, die dieses Büchlein anregend und interessant finden wird, ist stark vom jeweiligen Wissensstand abhängig. Für komplette Neueinsteiger dürften die hier erläuterten Inhalte definitiv zu wenig anschaulich, für LeserInnen mit mehr Vorwissen hingegen zu oberflächlich und lückenhaft sein. Der Autor steigt in jedem der 34 Kapitel mit einer anekdotische Einführung in das Leben und Schaffen des jeweiligen Philosophen ein. Wenn wir uns dann ein Bild von der Person gemacht und verstanden haben, in welchem Kontext er gelebt hat, werden exemplarisch die wichtigsten Errungenschaften und Thesen vorgestellt. Da nur jeweils acht bis zehn Seiten für einen Denker aufgewendet werden und davon oftmals über ein Drittel für die Kurzbiografie wegfällt, ist die Erklärungstiefe der Theorien natürlich stark begrenzt. Auch hinsichtlich der Auswahl der vorgestellten Philosophen ergeben sich einige Lücken und es wird wie so oft die Brille der europäischen Kultur deutlich. Trotz aller Einschränkungen dieses Formats wird ein Rundumschlag und ein Gang durch die Geschichte des Denkens über Sein, Wirklichkeit, Menschenbild, Gesellschaft, Gott, Kirche und Sinn ermöglicht.


    Nach einem kurzen Blick in das Impressum wird klar, dass die erste Ausgabe dieses Sachbuchs schon 1975 erscheint. Demnach angestaubt ist leider auch der Schreibstil. Wilhelm Weischedel stellt seine 34 Denker in prägnanzlosem, trockenen Plauderton vor, der zwar zwischendurch das ein oder andere Augenzwinkern enthält, alles in allem aber doch recht theoretisch und realitätsfern wirkt. Auch wenn hier statt der vornehmen, komplizierten Vordertür mit all ihren Eingangsbeschränkungen, die "Hintertreppe" gewählt wurde, muss man diese auch erstmal erklimmen - und das ist harte Arbeit. Statt die Kernaussagen der jeweiligen Denker greifbar und durch handliche Alltagsbeispiele zu veranschaulichen wie es zum Beispiel Jostein Gaarder in "Sofies Welt" hält, sind die Aufsätze eher sperrig und beinhalten viele Zitate aus Originalarbeiten. Zwar hat "Die philosophische Hintertreppe" einen deutlich akademischeren Anspruch als "Sofies Welt", weshalb der direkte Vergleich etwas hinkt, die Leserfreundlichkeit dieses Buches ist aber dennoch ein wenig zu bemängeln.


    Die geringe Leserfreundlichkeit wird auch durch Satz und Gestaltung des Buches mitverantwortet, in welchem ebenfalls deutlich wird, dass das Buch schon etwas älter ist. Kaum Absätze, schmucklose Kapitelüberschriften und ein sehr geringer Zeilenabstand sorgen dafür, dass das Büchlein nicht gerade darum bettelt, zur Hand genommen und gelesen zu werden. Eine kurze und prägnante Zusammenfassung der wichtigsten Inhalte am Kapitelende, Querverweise zu vorherigen Kapiteln und gerne auch die ein oder andere graphische Aufbereitung hätten den Lesekomfort deutlich verbessert. Sehr gut gefällt mir hingegen das Cover, dass - passend zum Thema - Raffaels "Die Schule von Athen" zeigt.




    Das Urteil

    Ein interessanter Aufstieg in die Loge der großen Philosophen der Menschheitsgeschichte, welchen ich aber aufgrund des prägnanzlosen Plaudertons, der geringen Anschaulichkeit und der nicht gerade leserfreundlichen Aufmachung nur an Philosophie-Begeisterte mit gewissem intellektuellen Anspruch weiterempfehlen kann. Komplette Neueinsteiger können stattdessen zu "Sofies Welt" greifen, bei größerem Vorwissen dürften die Beschreibungen hier zu oberflächlich und lückenhaft sein.

  8. Cover des Buches Schwein gehabt, Zeus! (ISBN: 9783596806348)
    Paul Shipton

    Schwein gehabt, Zeus!

     (15)
    Aktuelle Rezension von: Jisbon
    "Schwein gehabt, Zeus!" war nicht, was ich erwartet hatte. Ich dachte, dass Gryllus uns Geschichten über sein 'Mitwirken' in der griechischen Mythologie erzählen würde - wie er alles erledigt und den ahnungslosen Göttern und Sterblichen geholfen hat. Teilweise habe ich das auch bekommen; Gryllus hat im Trojanischen Krieg gekämpft (wie er dazu in der Lage war, war ein Twist, der mich überrascht hat - auch wenn er sehr viel Sinn macht) und war mit Odysseus unterwegs. Außerdem erzählt er seine Geschichte einem Jungen, der interessanterweise Homer heißt...
    Zu großen Teilen dreht sich die Geschichte aber um etwas anderes. Es geschehen seltsame Dinge und eine Seherin Apollons ist davon überzeugt, dass nur Gryllus die Welt retten kann. Also beginnen sie ihre Reise - und sie ist wirklich amüsant. Viele der Helden, die wir aus den Mythen kennen, stellen sich als... na ja... etwas feige heraus, die Götter machen einige gravierende Fehler und einige kuriose Persönlichkeiten (wie der Erfinder des Toasters) sind ebenfalls mit von der Partie. Gryllus erzählt hierbei auf seine ganz spezielle Art und Weise. Besonders unterhaltsam fand ich seine (fehlgeschlagenen) Versuche, die Geschehnisse in Reimen wiederzugeben. Das einzige, was mich wirklich gestört hat, sind die Anachronismen. Meiner Meinung nach waren sie nicht nötig, um die Geschichte zu erzählen, und sie haben mich sehr irritiert.

    Davon abgesehen hat mir das Buch aber gut gefallen. Es bietet eine neue, humorvolle Sicht auf das Antike Griechenland und die bekannten Helden, die mich gut unterhalten hat. Wegen des Endes dieses Bandes frage ich mich nur, wie es ein zweites Buch geben kann... aber ich schätze, um das herauszufinden, muss ich es wohl kaufen.
  9. Cover des Buches Philosophie to go (ISBN: 9783426301371)
    Albert Kitzler

    Philosophie to go

     (25)
    Aktuelle Rezension von: Diiana

    Wie der Titel "Philosophie to go - große Gedanken für kleine Pausen" schon sagt, handelt es sich bei diesem Buch um eine Sammlung von Weisheiten der antiken Philosophen. Besonders gut gefällt mir, dass die Weisheiten in Kategorien aufgeteilt sind (z.B. unter anderem: Lebenskunst, Freundschaft, Gesundheit...) und deshalb kann man, je nach Gefühlslage, sich eine Kategorie aussuchen und die entsprechenden Weisheiten lesen.

    Insgesamt ein sehr gutes Buch, das tolle Weisheiten für fast jede Gefühlslage hat, die einen auch zum Nachdenken anregen!

  10. Cover des Buches Also sprach Bellavista (ISBN: 9783257216707)
    Luciano De Crescenzo

    Also sprach Bellavista

     (14)
    Aktuelle Rezension von: kassandra1010
    Luciano De Crescenzos Homage an Neapel, die Liebe und die Freiheit.

    Wir lernen von Bellavista alles über den Norden und den Süden Italiens. Es scheint eine große Kluft dazwischen zu liegen. Während der Leser über die großen Hindernisse der Italiener stößt, findet er sich dennoch wieder, wenn uns Epikur aufzeigt, das wir ganz schön von unserem täglichen Konsum abhängig sind und es scheinbar auch ohne ihn gehen kann, aber wie?

    In Italien herrscht bekanntlich die Mafia und einige wenige reiche Politiker, was aber den wahren Italienern kein Grund gibt, nicht das eigene Leben zu genießen. Doch die Zeiten waren auch schon schlimmer und ein kleiner Rückblick auf den Kommunismus und die Zeiten des Krieges lassen dann auch den Leser dann wieder zur Besinnung kommen. Das schöne Bella Italia hat also auch seine dunklen Seiten.

    Luciano De Crescenzo lässt uns also an seiner Heimat teilhaben und nimmt dabei natürlich wie immer kein Blatt vor den Mund, verpackt es allerdings ganz nett.
  11. Cover des Buches Vom glücklichen Leben (ISBN: 9783458357452)
    Seneca

    Vom glücklichen Leben

     (5)
    Noch keine Rezension vorhanden
  12. Cover des Buches Cicero (ISBN: 9783406562402)
    Wilfried Stroh

    Cicero

     (4)
    Aktuelle Rezension von: ukulelecoolia
    Wilfried Stroh, emeritierter Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität und "Cicero - Kenner von internationalem Rang" komprimiert hier dessen Lebenslauf, der er einer der größten Rhetoren der Antike war, und sich daneben auch als Staatsmann und Philosoph verdingte, zu einer unterhaltsamen Kurzbiografie. Dabei wird ganz nach den Prinzipien der Beck'schen Wissensreihe vorgegangen: ein prägnant formuliertes, kurzweiliges Büchlein, das spannend zu lesen ist. Zur schnellen Übersicht oder auch als kompaktes Nachschlagewerk über Cicero durchaus empfehlenswert.
  13. Cover des Buches Liebe - Poesie der Sinne (ISBN: 9783815726235)
    Kathrin Gebhardt

    Liebe - Poesie der Sinne

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Binea_Literatwo
    Wunderschöne Sprichwörter, Weisheiten rund um die Liebe. Zitate unter anderem von Schiller, Heine, Kafka, Beethoven, Twain und anderen bekannten Schreiberlingen.
  14. Cover des Buches Nichts leichter als das. Das Buch von Coppenrath für alle, die in nur 150 Minuten endlich wissen wollen, wie die Welt denken lernte. (ISBN: 9783815799109)
  15. Cover des Buches The Therapy of Desire (ISBN: 9780691141312)
    Martha C. Nussbaum

    The Therapy of Desire

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  16. Cover des Buches Wider die Gleichgültigkeit (ISBN: 9783907625729)
    Josef Dohmen

    Wider die Gleichgültigkeit

     (0)
    Noch keine Rezension vorhanden
  17. Cover des Buches Das Lesebuch für Genießer (ISBN: 9783596900817)
    Lea K. Ostmann

    Das Lesebuch für Genießer

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  18. Cover des Buches Philosophie des Glücks (ISBN: 9783423343770)
    Epikur

    Philosophie des Glücks

     (3)
    Noch keine Rezension vorhanden
  19. Cover des Buches Die schöne Mutter der Kultur (ISBN: 9783421050694)
    Wolf Schoen

    Die schöne Mutter der Kultur

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  20. Zeige:
    • 8
    • 12
    • 24

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks