Bücher mit dem Tag "epochale fantasy"

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19 Bücher

  1. Cover des Buches Der Weg der Könige (ISBN: 9783453317109)
    Brandon Sanderson

    Der Weg der Könige

     (233)
    Aktuelle Rezension von: Sharlence

    Ich habe von Brandon Sanderson schon einiges gelesen. Angefangen bei seiner "Nebelgeborenen"-Reihe, die mich absolut umgehauen hat, weitergehend zu "Elantris", seinem Debüt und dem fantastischen Werk "Sturmklänge" und natürlich durfte dann sein Epos um die Sturmlich-Chroniken nicht fehlen.

    "Der Weg der Könige" ist der erste Band im Deutschen und beinhaltet PART I des englischen Originals. Die Bücher wurden aufgrund der enormen Länge von Sandersons Werken zweigeteilt.

    Trotzdem hat "Der Weg der Könige" über 800 Seiten und bieteten absoluten Lesespaß, der ein Muss für jeden Fantasyfan ist.

    Ich liebe Brandon Sandersons Werke über alles. Seine Bücher, seine Ideen, seine Welten und seine Magiesysteme faszinieren mich immer wieders aufs Neue.

    In diesem Auftakt seines neuen Eposes begleiten wir mehrere Personen: 

    Dalinar, der Bruder des verstorbenen König, der von schrecklichen Visionen während der den Planeten heimsuchenden Großstürme geplagt wird.

    Seinen Sohn Adolin, der an seinem Vater zweifelt und versucht, das Richtige zu tun.

    Schallan, eine junge Adelige, die ihre Familie retten möchte und sich deswegen als Mündel der Prinzessin Jasnah bewirbt.

    Kaladin, ein früherer Soldat, der jedoch, verraten und seiner Ehre beraubt, als Brückenmann in der Armee von Großprinz Sadeas dienen muss.

    Szeth-Sohn-Sohn-Vallano, ein Assassine, der durch einen Eidstein dazu gebracht wird, das zu tun, was er verabscheut.

    Es gibt noch viel mehr Charaktere, die iene Erwähnung wert währen (z.B Schelm, der Hofnarr des neuen Königs, dieser König selbst ...), aber diese Charaktere tragen die Story im weitestgehenden Sinne.

    Vorneweg muss gesagt werden: Wer lange Einstiege verabscheut, der sollte "Der Weg der Könige" nicht lesen. Brandon Sanderson nimmt sich sehr viel Zeit für seine Charaktere, den Weltenaufbau und dem Handlungsverlauf.

    In dem ersten Buch geht eher darum, die Charaktere erst einmal kennenzulernen. Kaladin, der seinen restlichen Funken von Stolz und Ehrgefühl nimmt, und überleben möchte. Schallan, die den Plan ihrer Familie verfolgt, Dalinar, der versucht, sämtliche Großprinzen von Alethkar zu vereinen ... Hinter dieser anfäglichen Story steckt so viel mehr dahinter, der Leser tappt sehr lange im Dunkeln, was gewisse Geheimnisse angeht.

    Wie funktionert das Seelengießen eigentlich genau? 

    Wer oder was sind die Bringer der Leere?

    Und kann der Mord an den König vor einigen Jahren, verübt von den Parschendi, eigentlich gerächt werden? 


    Es gibt gefühlt hunderte von Handlungssträngen, die Brandon Sanderson anspricht, aber man hat als Leser nicht das Gefühl, dass es einem zu überladen wird - im Gegenteil, man wird sehr sanft in die Welt eingeführt. So lernen wir kennen, wie Schallan es schafft, als Mündel von Jasnah aufgenommen zu werden, was ihr Plan beinhaltet und wieso sie diesenü berhaupt durchziehen möchte. Wir erfahren, was Kaladin widerfahren ist und wie er es schafft, eine ganze Mannschaft von demotivierten, verängstigten Männern, die bereits aufgegeben haben, wieder zum Kämpfen zu bewegen. Wir erfahren, was die Alethi auf der Zerbrochenen Ebene machen, wie sie gegen die Parschendi kämpfen, Edelsteinherzen erinngen, Krieg führen und wie Dalinar versucht, diesem Krieg endlich ein Ende zu geben . Dalinar, der mit seinen Gefühlen für seine Schwägerin kämpft, sein Sohn Adolin, der ihn verteidigen möchte, beschützen, sich aber gleichzeitig sorgt und natürlich, was eigentlich mit Szeth passiert, dem berühmten Assassinen in Weiß.


    Jeder einzelne Charakter von Brandon Sanderson ist mit unglaublich viel Liebe zum Detail ausgearbetet worden, keiner gleich dem anderen. Jeder hat andere Eigenschaften, die ihn absolut liebenswert machen. Brandon Sanderson nimmt seine Leser mit auf eine Reise durch die Welt Roschar, dem Kriegslager der Alethi ganz besonders. Stück für Stück lernt man die Welt kennen, die speziellen Pflanzen, die Großstürme und das Magiesystem, das auf Essenzen und Edelsteinen beruht und "Seelengießen" genannt wird. Es gibt verschiedene Traditionen in dem Land (z.B Männer- und Frauenessen, eine Schutzhand bei Frauen, die bedeckt bleiben musst ...), eine einzigartige Flora (Pflanzen, die sich während eines Sturm zurückziehen können, um sich zu schützen), noch beeindruckendere Fauna (Klufteufel mit riesigen, wertvollen Edelsteinherzen) und einen Gegner, den man nicht einschätzen kann (Parschendi, ein seltsames Volk mit marmoierter Haut und Rüstungen, die aus dem Körper wachsen).


    Das alles lernt der Leser Stück für Stück, Seite für Seite kennen. Wir erfahren, wer mit wem im Streit liegt und auch, was das für einzigartige Waffen und Rüstungen sind, die im Krieg genutzt werden und die jeder für sich erringen möchte: Splitterklingen und -panzer, mysteriöse  Waffe, die einen Träger so gut wie unbesiegbar machen.

    Das alles schafft Brandon Sanderson auch dank seines flüssigen, detailreichen und angenehmen Schreibstils auf die knapp 800 Seiten zu bekommen - und dabei kratzt er damit nur an der Oberfläche!
    Inzwischen gibt es neun (!) Bücher der Serie und bis Buch Nummer 4 habe ich bereits gelesen. Und je mehr man liest, je mehr man sich auf die Welt einlässt und je weiter man in die Geheimnisse vordringt, desto spannender und interessanter wird es.


    Persönlich gesehen ist Brandon Sanderson für mich ein Fantasy-Autor, um den man als Liebhaber des Genres nicht drumherum kommt.

    "Der Weg der Könige" ist der Einstieg in ein einzigartiges Epos, das es wert ist, gelesen zu werden und das ich jedem nur wärmstens ans Herz legen kann!




  2. Cover des Buches Das Spiel der Götter (1) (ISBN: 9783442269099)
    Steven Erikson

    Das Spiel der Götter (1)

     (121)
    Aktuelle Rezension von: Leseglatze1974

    Das Buch war bisher sicher eines der besten im Bereich Fantasy, das ich je gelesen haben. Die tiefe der Welt und Geschichte lassen sich schon in diesem ersten Band erfühlen und mich konnte es nicht weglegen. Einfach ganz, ganz großes Kino. Ich habe im Anschluss direkt den nächsten Band gekauft und verschlungen und freue mich auf die nächsten, wenn man nicht immer so viele Bücher auf seinem SUB hätte!!!

    Der Erzählstil ist gewaltig, die Charaktere enorm gut ausgearbeitet. Dazu gibt es eine wirklich glaubwürdige Religion und eine Form von Magie, die ich so noch nie gesehen habe. 

  3. Cover des Buches Macht - Die Getreuen und die Gefallenen 1 (ISBN: 9783734161193)
    John Gwynne

    Macht - Die Getreuen und die Gefallenen 1

     (27)
    Aktuelle Rezension von: Flaventus

    John Gwynne hat sich mit dem Start in diese vierteilige High-Fantasy-Geschichte keinen Gefallen getan. Er führt zu schnell zu viele Figuren ein und fokusiert sich nicht auf die eigentliche Erzählung. Der rote Faden ist auf Anhieb so unsichtbar, dass viele Leser das Buch eher als verwirrend als komplex empfinden. Ein Eindruck, den ich bestätigen kann und ein Umstand, unter dem einige High-Fantasy-Bücher “leiden”.

    Fokusiert

    Wenn die anfängliche Verwirrung sich legt, konzentriert sich der Autor mehr oder minder auf zwei Handlungsstränge und die Geschichte nimmt Form an und die Figuren gewinnen an Farbe und Kontur. Mit anderen Worten, die Erzählung zieht an und wird richtig spannend.

    Was ich als überhaupt nicht störend empfunden habe, sind die detaillierten Beschreibungen von Land und Leute. Dieses Handwerk versteht Gwynne und schafft es so, Leben spürbar und greifbar in seiner Geschichte zu platzieren. Mit einer geschickten Wahl von Haupt- und Nebenfiguren wird eine sehr interessante Welt aufgebaut. Zudem scheut er sich nicht, lieb gewonnene Figuren aus dem Spiel zu nehmen, was die Spannung deutlich erhöht.

    Glücklicherweise sind die Folgeromane zu diesem Debütroman schon alle erhältlich, so dass der Leser in einem Schwung die komplette Geschichte lesen könnte. Selbstredend endet dieser erste Teil sehr offen und schon fast hoffnungslos, macht aber gleichzeitig sehr viel Lust auf die kommenden Teile.

    Fazit

    Nach einem schleppenden Start weiß das Buch in nahezu allen Belangen zu überzeugen und lässt (fast) keine Wünsche eines Genrefans offen. Allerding fehlt hier und da das gewisse Etwas, das den Roman überragend machen würde. Dennoch spreche ich eine Empfehlung für dieses Debüt aus und freue mich auf die kommenden Teile.

  4. Cover des Buches Die Worte des Lichts (ISBN: 9783453318236)
    Brandon Sanderson

    Die Worte des Lichts

     (115)
    Aktuelle Rezension von: Sharlence

    "Worte des Lichts" ist im Deutschen der dritte Band der Sturmlich-Chroniken und beinhaltet Part I des englischen Originals, das Band 2 betitelt. Erneut werden die Bücher dank der unfassbaren Länge erneut aufgeteilt.

    In "Worte des Lichts" geht es da weiter, wo der erste Band geendet hat, beginnend mit einem kleinen Zeitversatz. Ein paar Wochen sind vergangen und ich fand es wie immer spannend, weiterzulesen.

    Abgesehen von den Sichten von Dalinar, Schallan und Kaladin kommen jetzt auch Adolin und Navani mehr zur Geltung. Auch einige Kapitel sind aus Sadeas' Sicht geschrieben und es gibt wieder die spannenden Zwischenkapitel, in denen wir auch zum ersten Mal etwas über die Seite der Parschendi erfahren und dabei den Splitterträger dieser Seite viel besser kennenlernen. 

    Gerade der dritte Band gefällt mir besonders gut, weil viele Stränge zusammenkommen. Schallen reist mit Jasnah zur Zerbrochenen Ebene und geht weiterhin ihren Forschungen nach, während die gleichzeitig versucht, um Adolin zu werben. Ich mag Schallans erfrischende Art besonders und hatte bei ihren Kapiteln immer richtig viel Spaß, zu entdecken, wie sie ihre Kräfte erforscht und sich selbst weiterbildet. Es gibt auch wieder Kapitel aus der Vergangenheit und auch hier wird Schallen behandelt. Ich bin beeindruckt von diesem Charakter und konnte ich in Band 1 und 2 noch nicht so richtig einen Bezug zu Schallan finden, ab Band 3 ist sie auf jeden Fall einer meiner absoluten Lieblinge geworden!

    Adolin, der Sohn von Dalinar, bekommt sehr viel Aufmerksamkeit. Die meisten Kapitel sind aus seiner Sicht geschrieben, Dalina rückt ein wenig in den Hintergrund, dennoch ist er immer präsent. Und auch Kaladin ist mit dabei - besonders interessant fand ich bei dem Buch, wie unterschiedlich die Meinung des Lesers beeinflusst werden kann.

    Wenn ich aus Adolins Sicht etwas gelesen habe, fand ich ihn toll. Also, wirklich, richtig toll. Ich kann voll verstehen, dass Schallan so für ihn schwärmt :D 

    Wenn ich aus Kaladins Sicht gelesen habe und dieser dann mit Adolin zu tun gehabt hat, konnte ich Adolin plötzlich weniger leiden. Das hat sich mit dem nächsten Kapitel zwar wieder revidiert, aber ich finde es superspannend, wie Brandon Sanderson es geschafft hat, seinen Charakteren wirklich so fantastische und unterschiedliche Stimme zu geben, dass der Leser selbst dadurch irgendwie beeinflusst wird!


    Von der reinen Story her läuft es so, wie man es bereits kennt. Zwar gibt es in "Worte des Lichts" ein bisschen mehr Handlung von Anfang an, als im allerersten Teil, weil da natürlich nicht mehr alles aufgebaut und erklärt werden muss. Man liest weiter, ist sofort wieder in der Welt drin und verliebt sich aufs Neue in alle Charaktere.

    Es geschehen unerwartete Wendungen, die mich teilweise sprachlos zurückgelassen haben. Ich tauche sehr gerne in die Welt von Roschar ein, erfahre die einzelnen Geschichten der Charaktere und deren Werdegänge. Generell macht jeder einzelne eine unglaubliche Entwicklung durch, die sich aus den ersten beiden Bänden fortsetzt. Trotz der über 900 Seiten lässt sich das Buch auch sehr fix durchlesen, die Geschichte baut sich immer weiter auf und ich freue mich schon sehr auf den vierten Teil. *__*  

  5. Cover des Buches Der Pfad der Winde (ISBN: 9783453317680)
    Brandon Sanderson

    Der Pfad der Winde

     (163)
    Aktuelle Rezension von: Sharlence

    Brandon Sanderson ist und bleibt mein absoluter Lieblingsautor. Ich glaube, das wird sich auch niemals ändern.

    "Der Pfad der Winde" beinhaltet PART II des englischen Originals. Dadurch wird man direkt in die Story hineingeworfen. Wo es beim ersten Band an miesen Cliffhangern aufgehört hat, kann man genau an diesen Stellen auch weiterlesen.

    Dadurch besitzt Band 2 auch deutlich mehr Spannung und Action, als Band 1, in dem die Welt erst einmal erklärt wurde und man sich als Leser selbst einfinden muss. Jetzt ist das grobe Grundgerüst da und der Leser kann sich voll und ganz auf die Geschichte konzentrieren.

    Wir begleiten erneut Kaladin, Dalinar, Schallan, Adolin und Szeth. Hinzu kommen noch einige andere Perspektiven, wie die von Navani oder Schelm (der beste Charakter des Buches übrigens :D )

    Diese bunte Abwechslung macht es richtig spannend. Brandon Sanderson lässt dieses Mal die Charaktere auch aufeinandertreffen und miteinander interagieren - und das aus beiden Perspektiven. Was mir immer besonders gut gefällt ist, dass Brandon Sanderon es schafft, einen Charakter in einer Perspektive so zu schreiben, dass man ihn liebt und in der anderen, dass man ihn hasst. Dieses Wechselbad der Gefühle wird in den nachfolgenden Teilen sogar noch schlimmer, wenn sich die einzelnen Fäden immer weiter und weiter verworren und man immer mehr Perspektiven zu einer gleichen Szene bekommt.

    Häppchenweise vernetzt Brandon Sanderson alles miteinander. Fragen werden geklärt, doch immer neue kommen auf. Die Charaktere entwickeln sich weiter - einige machen eine unglaubliche Entwickung durch, die mir total gut gefallen hat.

    Und wenn man glaubt, dass alles ein gutes Ende nehmen wird, dann dreht sich die Handlung noch einmal um Hundertachtzig Grad und man steht sich neuen, gewaltigen Problemen gegenüber - bis man am Ende angekommen ist und sich fragt, wie es nur weitergehen soll, weil es so viele neue Erkenntnisse gibt, so viele Andeutungen und so viele neue Geheimnisse, denen man unbedingt auf den Grund gehen möchten. 

    Man sollte das Buch vielleicht nicht als zwei getrennte Bücher sehen, sondern als Ganzes, wie in dem englischen Original. Im ersten Band geht es ewas ruhiger zu, im zweiten kommt dann die volle Action, gut geschriebene Kämpfe, Pläne, die aufgehen oder scheitern, Intrigen und aufgedeckte Komplotte ... 

    Mit dem ersten Band der Sturmlich-Chroniken hat Brandon Sanderson den Grundstein für sein Epos gelegt. Ich selbst konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen und wollte immer weiter mit meinen Lieblingscharakteren mitfiebern.

    Ich freue mich schon auf die weiteren Bände, mit denen ich wieder voll und ganz in die Welt von Roschar eintauchen kann <3  


  6. Cover des Buches Das Spiel der Götter (4) (ISBN: 9783442269907)
    Steven Erikson

    Das Spiel der Götter (4)

     (44)
    Aktuelle Rezension von: Medienjournal
    Wenn der von Steven Erikson erdachte Kontinent Genabackis in Das Spiel der Götter 4: Die eisige Zeit mittlerweile vor übernatürlichen Wesenheiten nur so wimmelt, schmälert das in keiner Weise die Faszination seines Fantasy-Epos und er unterstreicht eindrucksvoll, dass die Geschichte scheinbar gerade erst begonnen hat, während man sich als Leser über ein Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern freuen darf. 
    Mehr gibt es unter: 

    http://medienjournal-blog.de/2014/07/review-das-spiel-der-goetter-4-die-eisige-zeit-steven-erikson-buch/
  7. Cover des Buches Das Spiel der Götter (2) (ISBN: 9783442269655)
    Steven Erikson

    Das Spiel der Götter (2)

     (62)
    Aktuelle Rezension von: Leseglatze1974

    Nachdem ich Band I einfach in drei Tagen durchgelesen hatte, musste ich gleich Band II hinterherschieben und was soll ich sagen? Er ist noch besser. Man kann jetzt tief eintauchen in die Welt, die der Autor hier erschaffen hat. Alles wird noch tiefer, noch besser, noch echter. Großartig!

  8. Cover des Buches Die Stürme des Zorns (ISBN: 9783453318649)
    Brandon Sanderson

    Die Stürme des Zorns

     (91)
    Aktuelle Rezension von: Alyria

    Handlung: Wie auch in den drei Büchern der Reihe zuvor geht die Handlung nur sehr schleppend voran, vermutlich hätte man die Zwischenspiele, die nicht zur Handlung beitragen, wegstreichen und auch Schallans Vergangenheit hätte ein wenig mehr Kürze gut vertragen können. Alles in allem bleibt jedoch die Handlung bedingt durch das tolle Setting und den regelmäßigen Plot-Twists auf hohem Niveau, wobei das Finale der im Deutschen aufgeteilten Bände 3 + 4 für richtig Spannung sorgen konnte. Gefallen hat mir auch, die Perspektive des vermeintliches Feindes kennenzulernen (Eschonai), auch wenn dies ziemlich kurz gehalten wurde. Allerdings wird die Handlung allmählich unglaubhaft, da die Helden jeden noch so aussichtslosen Kampf ohne Verluste meistern und alles genau so geschieht, dass es passt und die Protagonisten grade so mit ihrem Leben davonkommen.

    Schreibstil: Am Schreibstil habe ich nichts auszusetzen. Wie immer sehr flüssig und angenehm geschrieben, das Verhältnis von Beschreibungen und Handlung stimmt und ab und zu ist noch ein interessanter Fakt über die Welt mit eingewoben. Nur die Zwischenspiele, die ganz wo anders spielen und null zur Handlung beitragen, hätte man weglassen können, da man hier aus dem Geschehen geworfen wird und danach sich wieder einarbeiten muss.

    Charaktere: Die Hauptcharaktere sind bis ins letzte Detail ausgearbeitet und auch ihrer Vergangenheit wird viel Raum gegeben. Sympathisch sind sie mir deswegen trotzdem immer noch nicht. Kaladin ist viel zu sehr der typische Held, der die erbaulichsten aller Einstellungen und Eigenschaften verkörpert, Dalinar hat bis auf die Visionen nichts Besonderes an sich, Adolin ist der arrogante Kriegsheld und Schallan gefällt mir auf eine Weise nicht, die ich nicht benennen kann. Eigentlich habe ich bis hierhin nur wegen Narr und Szeth gelesen, zwei sehr interessante (Neben-)figuren, die leider nur wenig Platz bekommen. Und natürlich wegen der Hoffnung auf Charakterentwicklungen, und sind deutlich sichtbar, allerdings nehmen diese Entwicklungen meiner Meinung nach einen Großteil der Spannung. Die Protagonisten werden zu mächtig, ihre Fähigkeiten nahezu göttlich. Zudem entrinnen sie jeder noch so gefährlichen Situation ohne Verluste, man weiß also immer schon vorher, dass nie etwas Schlimmes passieren wird, sondern sich alles zum Guten wendet. Die Plot Armor ist aber nicht nur bei den Protagonisten gigantisch, sondern so ziemlich jeder wichtigeren Nebenfigur, die auf der richtigen Seite steht, ist es offenbar verboten, zu sterben. Es hat den Anschein, als könne sich der Autor nicht von seinen Figuren trennen und haucht deshalb auch eigentlich schon toten Charakteren neues Leben ein. 

    Für mich ist die Reise in Roschar wohl mit diesem Band zu Ende, da mir die Reihe insbesondere durch die Charaktere und den die-Helden-sind-toll-und-unbesiegbar-Schreibstil des Autors nicht mehr zusagt. Nichtsdestotrotz ist es ein toller Fantasy-Epos mit einem gigantischen Weltenaufbau und einigen erinnerungswürdigen Szenen.

  9. Cover des Buches Das Spiel der Götter (3) (ISBN: 9783442269686)
    Steven Erikson

    Das Spiel der Götter (3)

     (51)
    Aktuelle Rezension von: Medienjournal
    Mit Das Spiel der Götter 3: Im Bann der Wüste nimmt Steven Eriksons Geschichte noch einmal deutlich epischere Ausmaße an und es ist nicht weniger als ganzer Kontinent, den er zum Leben zu erwecken weiß und mit zahlreichen Figuren und weit mehr als nur einem Hauch Magie und göttlicher Einmischung anreichert. Dabei verzichtet er erneut auf Stereotypen und offeriert stattdessen, eine düstere, anspruchsvolle und mitreißende Form erwachsener Fantasy.
    Mehr gibt es unter:

    http://medienjournal-blog.de/2014/05/review-das-spiel-der-goetter-3-im-bann-der-wueste-steven-erikson-buch/
  10. Cover des Buches Das Spiel der Götter (5) (ISBN: 9783442269914)
    Steven Erikson

    Das Spiel der Götter (5)

     (39)
    Aktuelle Rezension von: Medienjournal
    Steven Eriksons Der Tag des Sehers markiert den bisherigen Höhepunkt seines Fantasy-Epos Das Spiel der Götter, trumpft mit einer packenden Geschichte, pointiertem Schreibstil und detailliert geschilderten Geschehnissen auf, die an Spannung und Einfallsreichtum kaum zu überbieten sein dürften. 
    Mehr gibt es unter: 

    http://medienjournal-blog.de/2014/11/review-das-spiel-der-goetter-5-der-tag-des-sehers-steven-erikson-buch/
  11. Cover des Buches Das Spiel der Götter (8) (ISBN: 9783734160394)
    Steven Erikson

    Das Spiel der Götter (8)

     (31)
    Aktuelle Rezension von: Wortmagie
    +++Hinweis+++
    Diese Rezension bespricht sowohl „Kinder des Schattens“ als auch   „Gezeiten der Nacht“. Im Original erschien der fünfte Band unter dem Titel "Midnight Tides", für den deutschen Markt wurde dieser geteilt.

    Lange Zeit lebten die Völker der Letherii und der Tiste Edur friedlich nebeneinander. Verträge legten ihre Territorien fest und bestimmten den Handel. Das Leid, das die Letherii den indigenen Stämmen antaten, berührte die langlebigen Kinder von Vater Schatten kaum. Aus der Ferne beobachteten sie die gnadenlosen Eroberungsfeldzüge, die weit häufiger mit Münze und Feder geführt wurden als mit Waffen und Soldaten; die perfiden Pläne, die die Stämme in die Abhängigkeit tricksten; Lügen, Verrat und Betrug. Erst als das gierige Auge Lethers auf die Gebiete und Rohstoffe der Edur fällt und die Kontrakte vorsätzlich gebrochen werden, sind sie gezwungen, zu reagieren. Der unausweichliche Konflikt ängstigt die Edur nicht, denn erstmals seit Generation sind sie unter der Führung des Hexenkönigs vereint. Doch auch die Letherii glauben fest an ihre Unbezwingbarkeit. Im Namen des Sieges entfesseln beide Völker schreckliche, unberechenbare Mächte, die niemand zu kontrollieren vermag. Tod, Schmerz und Verzweiflung sind die Banner der unfassbaren Gewalt zwischen Letherii und Tiste Edur, die eine gesamte Kultur auszulöschen droht. Eine uralte Prophezeiung sagt den nahenden Morgen eines neuen Imperiums voraus – wer wird sich aus der Asche des Krieges erheben?

    Steven Erikson hat es wieder einmal geschafft. Mit jedem neuen Band von „Das Spiel der Götter“ nehme ich mir vor, auf alles gefasst zu sein und mich nicht von den unberechenbaren Wendungen aus dem Konzept bringen zu lassen. Es gelingt mir nicht. Erikson ist einfach zu gut. „Kinder des Schattens“ und „Gezeiten der Nacht“ überraschten mich in jeglicher Hinsicht, weil dieser fünfte Band all meine Annahmen zum Verlauf der Handlung der Reihe über den Haufen warf. Er führte mich an ein neues Setting, konfrontierte mich mit neuen Figuren und – der wohl spektakulärste Faktor – katapultierte mich offenbar rückwärts durch die Zeit. Trotz fehlender konkreter Hinweise, in welchem Verhältnis die Zeitrechnung der Letherii und Tiste Edur zur Zeitrechnung im malazanischen Imperium steht, glaube ich, dass es sich um ein Prequel handelt, das chronologisch vor den Ereignissen der vorangegangenen Bände angesiedelt ist. Ich wusste bereits, dass Erikson seinen Leser_innen gern Verwicklungen vorsetzt, die sich erst sehr viel später aufklären, doch mit einem so umfassenden Twist habe ich nicht gerechnet. Die Verbindung zu den bisherigen Bänden ist schmal, tatsächlich taucht lediglich eine Figur auf, die ich schon kannte: der Tiste Edur Trull Sengar, der mir im letzten Band als Ausgestoßener vorgestellt wurde. Dadurch hatte ich zugegebenermaßen Schwierigkeiten, in diesen neuen Handlungsstrang hineinzufinden, weil ich erst spät begriff, wie sich dieser vermutlich einordnet. Trulls Geschichte ist die Brücke zu dem Konflikt zwischen Tiste Edur und Letherii, der wiederum von Bedeutung für das gigantische Gesamtbild ist, da er von jahrhundertealten Mächten beeinflusst wird, die auch für das malazanische Imperium Pläne schmieden. Es erschütterte mich, wie unsagbar brutal dieser Krieg ausfällt. Erikson behandelt seine Figuren zwar niemals zimperlich, aber die überbordende, grenzenlose Gewaltbereitschaft, die in diesem Band zu Tage tritt, schockierte mich dennoch. Sowohl Tiste Edur als auch Letherii nehmen enorme Opferzahlen billigend in Kauf; die Situation eskaliert katastrophal, weil es in Wahrheit nicht um eine Auseinandersetzung über territoriale Ansprüche geht. Der Krieg zwischen Tiste Edur und Letherii ist ein Kampf um Bestimmung und Identität. Beide Völker sehen ihre verzweifelte Aggressivität durch einen höheren Zweck gerechtfertigt. Die Alternative wäre ein Leben in bewusster Bedeutungslosigkeit. Beide Völker verzehren sich nach einer Aufgabe, durch die ihre Kultur bestätigt wird und ein Ziel erhält, weil sie verloren sind und ohne Halt dahindriften. Die Edur glauben an uralte Lügen und mischen ihre faktische Geschichte mit Mythen und Legenden – die Letherii hingegen glauben an gar nichts außer dem Profit. Sie beten einen Leeren Thron an, ein hervorragendes Symbol für das Werte-Vakuum und Wesen ihrer Gesellschaft, die sich auf selbstgerechter, selbstzersetzender Gier aufbaut. Dieser fünfte Band ist voller ähnlich symbolträchtiger und sprachlich herausragender Metaphern und Gleichnissen, die die Handlung mit verschlüsselten Bedeutungen aufladen und Spannung zwischen Oberfläche und Metaebene erzeugen. Ich hatte das Gefühl, zwischen den Zeilen versteckte sich eine weitere, viel tiefere Geschichte, die besonders in kryptischen Traumsequenzen aufblitzte und sich mir möglicherweise absichtlich noch nicht offenbarte. Ich vertraue Steven Erikson, dass er mich zum richtigen Zeitpunkt einweihen und sich alles fügen wird.

    „Kinder des Schattens“ und „Gezeiten der Nacht“ forderten mich mehr als die vorangegangenen Bände von „Das Spiel der Götter“. Nicht nur musste ich mich in einer völlig neuen Umgebung akklimatisieren und mich mit den Kulturen neuer Völker vertraut machen, ich empfand auch die inhaltlichen Entwicklungen als Herausforderung. Diese ins Verhältnis zur übergeordneten Handlung der Reihe zu setzen war schwierig, weil ich die Verbindungen selbstständig herstellen musste und keine Hilfe vom Autor erwarten konnte. Ich lief oft Gefahr, mich in Details zu verlieren, da mich all die kleinen und großen tragischen Schicksale dieses fünften Bandes dermaßen faszinierten. Ich war gezwungen, mich beim Lesen stark zu konzentrieren, was allerdings nicht bedeutet, dass ich weniger Spaß an der Lektüre hatte. Anderen Autor_innen würde ich den Mangel an Hintergrundinformationen vielleicht vorwerfen, aber ich kenne Steven Erikson mittlerweile gut genug, um ihm soweit zu vertrauen, dass er mir zu gegebener Zeit alles erklären wird, was ich jetzt noch nicht verstehe. Der Aha-Moment wird kommen. Ich weiß es.


  12. Cover des Buches Das Spiel der Götter - Die Knochenjäger (ISBN: 9783734160493)
    Steven Erikson

    Das Spiel der Götter - Die Knochenjäger

     (24)
    Aktuelle Rezension von: Wortmagie
    Hinweis: Diese Rezension bespricht sowohl „Die Feuer der Rebellion“ als auch „Die Knochenjäger“. Im Original erschien der sechste Band unter dem Titel „The Bonehunters , für den deutschen Markt wurde dieser geteilt.

    Imperatrix Laseen entsendete Mandata Tavore mit einem eindeutigen Auftrag ins Reich der Sieben Städte: sie sollte die Rebellion des Wirbelwinds samt ihren Wurzeln herausreißen und das Land erneut befrieden. Nach dem verhängnisvollen Blutbad im Sand der Raraku ist der Aufstand niedergeschlagen; Sha’ik ist tot und die Göttin wurde bezwungen. Doch eine kleine Schar ihrer Anhänger entkam. Angeführt von Sha’iks gefürchtetem Leibwächter Leoman von den Dreschflegeln fliehen die Überlebenden in die uralte Festungsstadt Y’Ghatan. Tavore hat keine andere Wahl, als sie mit der erschöpften 14. Armee zu verfolgen, obwohl sie weiß, dass Y’Ghatan für das malazanische Imperium in der Vergangenheit nichts als Kummer und Schmerz bereithielt. Hier starb Dassem Ultor, das Erste Schwert, der größte Held der Malazaner. Trotz dessen muss Tavore ihre Soldat_innen in den Kampf gegen die Feuer der Rebellion schicken. Scheitern ist keine Option, denn sie darf der Imperatrix keine Vorwände liefern. In den letzten Monaten wurden Laseens Pläne und Absichten stetig undurchschaubarer, sie selbst unberechenbarer. Würde sie sich aus Machthunger gegen ihr eigenes Volk wenden und sich im brodelnden Krieg der Götter auf ein gefährliches Spiel einlassen? Würde sie sich mit dem Verkrüppelten Gott verbünden?

    Ich liebe, liebe, LIEBE „Das Spiel der Götter“ von Steven Erikson! Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie großartig es ist, zu beobachten, wie sich all die Handlungsstränge Stück für Stück verdichten und langsam zuspitzen. Ich war mehr als nur ein wenig erleichtert, mich im zweigeteilten sechsten Band „Die Feuer der Rebellion“ und „Die Knochenjäger“ wieder in den gewohnten Bahnen der Geschichte zu bewegen und zu bekannten Figuren zurückzukehren. Nach dem Ausflug in das Reich der Tiste Edur und der Letherii hätte ich vor lauter Wiedersehensfreude Luftsprünge machen können. Trotz dessen verstehe ich nun, warum Erikson diesen extremen inhaltlichen Bruch wagte. Die Tiste Edur spielen eine bedeutende Rolle im Krieg der Götter und werden vom Verkrüppelten Gott skrupellos manipuliert. Ohne den tiefen Einblick in ihre Geschichte und Kultur hätte ich niemals begriffen, wieso sie für seine Einflüsterungen außergewöhnlich empfänglich sind. Sie sehnen sich so verzweifelt nach Identität und Bestimmung für ihr Volk, dass sie nicht erkennen, dass er sie hemmungslos belügt. Sie bemerken nicht, dass sie sich weiter und weiter vom Schattenreich und Kurald Emurlahn entfernen.
    Vermutlich ist ihre Distanz der einzige Grund, warum Ammanas und Cotillion das Gewirr der Schatten in Besitz nehmen konnten. Anders kann ich mir nicht erklären, wie ein Mensch – selbst ein Aufgestiegener – ein nicht-menschliches Gewirr für sich beanspruchen konnte. Allerdings glaube ich, dass die Eroberung der Schattensphäre nicht spurlos an Ammanas vorbeiging. Ich habe gewaltige Schwierigkeiten, seine Persönlichkeit als Herr des Hohen Hauses Schatten und seine Persönlichkeit als Imperator Kellanved miteinander in Verbindung zu bringen. Meiner Ansicht nach passen sie nicht zusammen. Ich denke, das Aufsteigen, die Transformation in Schattenthron, veränderte Kellanved stark. Als hätte die fremde Macht des Gewirrs seinen Verstand angegriffen.
    Ich bin Steven Erikson sehr dankbar, dass er endlich erklärt, wie das System des Aufsteigens funktioniert. Es gefiel mir hervorragend, dass Erikson Ganoes Paran diese zusätzlichen Fakten über das Universum erläutern lässt, denn meiner Ansicht nach ist Ganoes‘ Rolle die spannendste der gesamten Geschichte. Er ist der Herr der Drachenkarten, die, wenn sie ausgespielt werden, meinen Puls in die Höhe jagen und meinen Körper mit Gänsehaut überziehen. Als dieser steht er außerhalb des Konflikts der Götter, scheint aber nicht zu Neutralität verpflichtet zu sein. Seine oberste Priorität ist der Schutz der Sterblichen vor allzu radikalen Eingriffen der Götter. Folglich besitzt er eine gewisse Macht über sie, die er eindrucksvoll zum Einsatz bringt.
    Ganoes ist jedoch nicht der einzige Charakter, der sich aktiv in den Krieg einmischt. Mittlerweile ist die Situation erstaunlich vielen Figuren bewusst. Es bildet sich eine unerwartete Allianz gegen den Verkrüppelten Gott, die die Sterblichen unablässig in günstige Positionen schiebt. Interessanterweise betrifft das auch Icarium. Icarium erfüllt nur einen einzigen Daseinszweck: er ist eine Waffe. Eine furchterregende Waffe, die während eines Kampfes in blinde Raserei verfällt. Ich war schockiert. Wie vom Donner gerührt. Ich kannte die Legenden über ihn natürlich, aber niemals hätte ich erwartet, dass dieses witzige, sanftmütige, philosophisch bewanderte Halbblut zu einem Monster mutieren könnte. Kein Wunder, dass er seit Jahrhunderten einen Aufpasser hat. Wenn die Jaghut-Tyrannen so waren wie er, kann ich gut verstehen, dass sich die T’lan Imass auflehnten und schworen, alle Jaghut auszurotten.

    Wann immer ich eine Rezension zu einem Band von „Das Spiel der Götter“ schreibe, bin ich frustriert, nicht alle herausragenden Aspekte ansprechen zu können. Ich wünschte, ich könnte euch haargenau darlegen, wie tief mich die Loyalität und Kameradschaft der 14. Armee berührte, wie spannend und nervenaufreibend die Schlacht in Y’Ghatan war, wie faszinierend die philosophischen, theologischen Überlegungen Steven Eriksons sind und wie viel Misstrauen ich Imperatrix Laseen gegenüber empfinde. Ich könnte zu jedem Fragment der einzelnen Handlungsstränge ganze Abhandlungen schreiben. Die Geschichte der Reihe ist eigentlich viel zu komplex, um sich an Zeichenzahlen zu halten. Vielleicht werde ich in Zukunft alle selbstauferlegten Richtlinien in den Wind schießen und frei von der Leber weg drauf los schwärmen. Denn darum geht es hier ja schließlich: euch von der mit Abstand besten Reihe zu erzählen, die das Genre der High Fantasy zu bieten hat und die mein Herz ehrfurchtsvoll höherschlagen lässt.

  13. Cover des Buches Das Spiel der Götter (6) (ISBN: 9783442264100)
    Steven Erikson

    Das Spiel der Götter (6)

     (37)
    Aktuelle Rezension von: Wortmagie

    +++Hinweis+++
    Diese Rezension bespricht sowohl „Der Krieg der Schwestern“ als auch „Das Haus der Ketten“. Im Original erschien der vierte Band unter dem Titel "House of Chains", für den deutschen Markt wurde dieser geteilt.

    Noch immer wütet im Reich der Sieben Städte die Rebellion des Wirbelwinds. Die Seherin Sha’ik versammelte ihre Rebellenarmee in der heiligen Raraku und erwartet den unausweichlichen Gegenschlag des malazanischen Imperiums. Sie weiß, wen die Imperatrix schicken wird, um das Land zurückzuerobern: Mandata Tavore. Als Tavore in Aren eintrifft, findet sie dort demoralisierte, verängstigte Soldaten vor. Das Schicksal der Kette der Hunde und der grausame Tod von Faust Coltaine hinterließen tiefe Wunden. Die von Verrat gebeutelte malazanische Armee muss auf unerfahrene Rekruten zurückgreifen, um ihre Reihen aufzustocken, kann allerdings auf die Unterstützung einiger Veteranen bauen. Unter ihnen ist Sergeant Saiten, der schon einmal durch die Raraku marschierte und ihre Magie am eigenen Leib erfuhr. Der Armee der Mandata steht eine lange Reise und ein blutiger Krieg bevor, dessen Ausgang völlig ungewiss ist. Obwohl das Lager der Rebellen von Intrigen verseucht ist, verfügt Sha’ik über Wissen, das ihr den entscheidenden Vorteil verschaffen könnte: sie kennt die Mandata. In einem anderen Leben, bevor die Göttin von ihr Besitz ergriff, war sie eine malazanische Adlige. Sie hieß Felisin und hatte eine Schwester – Tavore. Was die Schwestern jedoch nicht ahnen, ist, dass nicht nur die Göttin des Wirbelwinds die Macht der heiligen Wüste begehrt…

    Wer glaubte, Steven Erikson habe in den ersten drei Bänden seiner Reihe „Das Spiel der Götter“ bereits alle relevanten Figuren ausreichend etabliert, wird am Anfang des vierten Bandes unsanft eines Besseren belehrt. „Der Krieg der Schwestern“ beginnt mit der barbarischen, ungeheuerlichen Lebensgeschichte eines gewissen Karsa Orlong, der mir, ebenso wie sein Volk, die Teblor, völlig unbekannt war. Ich hatte das Gefühl, plötzlich in eine andere Geschichte katapultiert worden zu sein. 300 Seiten lang folgte ich Karsa auf seinem blutigen Pfad, ohne zu begreifen, warum Steven Erikson mir seine Geschichte erzählte. Doch auf den König der High Fantasy ist Verlass. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie begeistert und baff ich war, als er mich endlich herausfinden ließ, wer Karsa ist. Das Gefühl, als sich endlich alle Puzzleteile an ihren Platz schoben, war unvergleichlich. Die Erkenntnis beflügelte mich, ich hatte das Gefühl, etwas Großartiges geleistet zu haben, obwohl es in Wahrheit Erikson war, der abermals sein Können unter Beweis stellte. Er belohnte mich für meine Geduld und mein Vertrauen; es fiel mir wie Schuppen von den Augen, was diesen jungen Teblor mit der Rebellion des Wirbelwinds verbindet. Karsas Persönlichkeit ist wie geschaffen für den gewalttätigen Aufstand. Ich verstehe, dass er sich von der destruktiven Aura der Göttin angezogen fühlt. Sie sind verwandte Seelen. Allerdings offenbarte sich mir durch diese Erkenntnis auch die Aussichtslosigkeit der Revolte. Zerstörung um ihrer selbst willen kann nicht erfolgreich sein. Der Krieg mit den Malazanern kanalisiert lediglich den jahrhundertealten Hass und Zorn der Göttin; Empfindungen, die von machthungrigen Führungspersönlichkeiten der Rebellion instrumentalisiert werden, um egoistische Ziele zu verfolgen. Sie haben kein echtes Interesse daran, das Reich der Sieben Städte zu befreien und ich bezweifle mittlerweile, dass dies der richtige Weg ist. Besatzung hat den Beigeschmack von Unterdrückung, doch ich wüsste nicht, wann das malazanische Imperium die Situation eines Landes nicht verbessert und stabilisiert hätte. Die Göttin des Wirbelwinds verspricht weder Hoffnung noch Stabilität, im Gegenteil, sie mehrt das Elend und ihr bedauernswertestes Opfer ist Felisin. Sie benutzt Felisin, bedient sich ihres Körpers, ihres Geistes und ihrer Wut auf ihre große Schwester Tavore. Für mich bestand daher nie ein Zweifel daran, dass der Konflikt der beiden Schwestern in „Das Haus der Ketten“ tragisch enden und verbrannte Erde hinterlassen würde. Ich rechnete jedoch nicht mit einem dermaßen fulminanten Finale für den Erzählstrang der Rebellion. Zum Ende spitzen sich die Ereignisse dramatisch zu, Erikson zieht Tempo und Spannungskurve scharf an und bringt wieder einmal überraschend viele Figuren zusammen. Er knüpft Querverbindungen zu Charakteren, die meilenweit entfernt sind und verleiht der Geschichte einen mystischen Hauch von Schicksal. Bis zum Schluss lässt er sich nicht in die Karten schauen, öffnet allerdings im richtigen Moment die Türen für zukünftige Entwicklungen, sodass ich zwar vermuten, aber niemals wissen kann, was mich in den nächsten Bänden erwartet. Mutmaßungen, Neugier, Unwissenheit, Sympathien, Überzeugungen und Vorfreude vereinen sich in mir zu einem explosiven Gemisch, das mir keine andere Wahl lässt, als weiterzulesen. Ich freue mich aufrichtig auf die Folgebände.

    Vier Bände von „Das Spiel der Götter“ habe ich nun gelesen. Erst jetzt traue ich mich, vorsichtig erste Annahmen zu formulieren, worum es in der Reihe geht. Möglicherweise habe ich den zugrundeliegenden Handlungsstrang freigelegt. Möglicherweise. Sicher bin ich nicht. Ich schmunzele über meine tapsigen Versuche, Steven Erikson zu durchschauen, weil es recht unwahrscheinlich ist, dass mir das gelingt. Er will nicht durchschaut werden. Er möchte, dass seine Geschichte unvorhersehbar bleibt und überrascht. Es ist ein eigenartiges Gefühl, auf jeder Seite bewiesen zu bekommen, dass der Autor cleverer ist als ich. Ich kann aber nicht behaupten, dass es mir missfallen würde. Ich genieße es, mich voll und ganz auf die Geschichte einzulassen und die Kontrolle abzugeben. Ich muss während der Lektüre von „Das Spiel der Götter“ keine ernsthaften Vermutungen über den Verlauf der Handlung anstellen, weil ich sowieso danebenliege. Ich muss nicht nach Logiklöchern Ausschau halten, weil es keine gibt. Ich kann mich auf Steven Erikson verlassen, ihm vertrauen und einfach das tun, was ich am liebsten tue: lesen.

  14. Cover des Buches Bosheit - Die Getreuen und die Gefallenen 2 (ISBN: 9783734161209)
    John Gwynne

    Bosheit - Die Getreuen und die Gefallenen 2

     (11)
    Aktuelle Rezension von: Jackie_von_Rolbeck
    Mit Bosheit geht die Schlacht um die Verfemden Lande in die zweite Runde.
    Und in was für eine!
    Politik, Intrigen, Schlachten und verdammt viel Magie.
    Während Corban und seine Gefährten auf der Flucht sind, ist seine Schwester Cywen als Gefangene auf der gegnerischen Seite.
    Aber auch aus der Sicht von Veradis bekommen wir viel von den Kämpfen und Eroberungen mit.
    Und auch der alte Kämpfer Maquin muss in diesem Band einiges mitmachen.
    Dort, wo Band 1 angefangen hat, knüpft Band 2 an und führt uns als Leser gnadenlos weiter. Ein wirklich wilder Ritt!
  15. Cover des Buches Das Spiel der Götter (7) (ISBN: 9783442264131)
    Steven Erikson

    Das Spiel der Götter (7)

     (34)
    Aktuelle Rezension von: Wortmagie

    +++Hinweis+++
    Diese Rezension bespricht sowohl „Der Krieg der Schwestern“ als auch „Das Haus der Ketten“. Im Original erschien der vierte Band unter dem Titel "House of Chains", für den deutschen Markt wurde dieser geteilt.

    Noch immer wütet im Reich der Sieben Städte die Rebellion des Wirbelwinds. Die Seherin Sha’ik versammelte ihre Rebellenarmee in der heiligen Raraku und erwartet den unausweichlichen Gegenschlag des malazanischen Imperiums. Sie weiß, wen die Imperatrix schicken wird, um das Land zurückzuerobern: Mandata Tavore. Als Tavore in Aren eintrifft, findet sie dort demoralisierte, verängstigte Soldaten vor. Das Schicksal der Kette der Hunde und der grausame Tod von Faust Coltaine hinterließen tiefe Wunden. Die von Verrat gebeutelte malazanische Armee muss auf unerfahrene Rekruten zurückgreifen, um ihre Reihen aufzustocken, kann allerdings auf die Unterstützung einiger Veteranen bauen. Unter ihnen ist Sergeant Saiten, der schon einmal durch die Raraku marschierte und ihre Magie am eigenen Leib erfuhr. Der Armee der Mandata steht eine lange Reise und ein blutiger Krieg bevor, dessen Ausgang völlig ungewiss ist. Obwohl das Lager der Rebellen von Intrigen verseucht ist, verfügt Sha’ik über Wissen, das ihr den entscheidenden Vorteil verschaffen könnte: sie kennt die Mandata. In einem anderen Leben, bevor die Göttin von ihr Besitz ergriff, war sie eine malazanische Adlige. Sie hieß Felisin und hatte eine Schwester – Tavore. Was die Schwestern jedoch nicht ahnen, ist, dass nicht nur die Göttin des Wirbelwinds die Macht der heiligen Wüste begehrt…

    Wer glaubte, Steven Erikson habe in den ersten drei Bänden seiner Reihe „Das Spiel der Götter“ bereits alle relevanten Figuren ausreichend etabliert, wird am Anfang des vierten Bandes unsanft eines Besseren belehrt. „Der Krieg der Schwestern“ beginnt mit der barbarischen, ungeheuerlichen Lebensgeschichte eines gewissen Karsa Orlong, der mir, ebenso wie sein Volk, die Teblor, völlig unbekannt war. Ich hatte das Gefühl, plötzlich in eine andere Geschichte katapultiert worden zu sein. 300 Seiten lang folgte ich Karsa auf seinem blutigen Pfad, ohne zu begreifen, warum Steven Erikson mir seine Geschichte erzählte. Doch auf den König der High Fantasy ist Verlass. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie begeistert und baff ich war, als er mich endlich herausfinden ließ, wer Karsa ist. Das Gefühl, als sich endlich alle Puzzleteile an ihren Platz schoben, war unvergleichlich. Die Erkenntnis beflügelte mich, ich hatte das Gefühl, etwas Großartiges geleistet zu haben, obwohl es in Wahrheit Erikson war, der abermals sein Können unter Beweis stellte. Er belohnte mich für meine Geduld und mein Vertrauen; es fiel mir wie Schuppen von den Augen, was diesen jungen Teblor mit der Rebellion des Wirbelwinds verbindet. Karsas Persönlichkeit ist wie geschaffen für den gewalttätigen Aufstand. Ich verstehe, dass er sich von der destruktiven Aura der Göttin angezogen fühlt. Sie sind verwandte Seelen. Allerdings offenbarte sich mir durch diese Erkenntnis auch die Aussichtslosigkeit der Revolte. Zerstörung um ihrer selbst willen kann nicht erfolgreich sein. Der Krieg mit den Malazanern kanalisiert lediglich den jahrhundertealten Hass und Zorn der Göttin; Empfindungen, die von machthungrigen Führungspersönlichkeiten der Rebellion instrumentalisiert werden, um egoistische Ziele zu verfolgen. Sie haben kein echtes Interesse daran, das Reich der Sieben Städte zu befreien und ich bezweifle mittlerweile, dass dies der richtige Weg ist. Besatzung hat den Beigeschmack von Unterdrückung, doch ich wüsste nicht, wann das malazanische Imperium die Situation eines Landes nicht verbessert und stabilisiert hätte. Die Göttin des Wirbelwinds verspricht weder Hoffnung noch Stabilität, im Gegenteil, sie mehrt das Elend und ihr bedauernswertestes Opfer ist Felisin. Sie benutzt Felisin, bedient sich ihres Körpers, ihres Geistes und ihrer Wut auf ihre große Schwester Tavore. Für mich bestand daher nie ein Zweifel daran, dass der Konflikt der beiden Schwestern in „Das Haus der Ketten“ tragisch enden und verbrannte Erde hinterlassen würde. Ich rechnete jedoch nicht mit einem dermaßen fulminanten Finale für den Erzählstrang der Rebellion. Zum Ende spitzen sich die Ereignisse dramatisch zu, Erikson zieht Tempo und Spannungskurve scharf an und bringt wieder einmal überraschend viele Figuren zusammen. Er knüpft Querverbindungen zu Charakteren, die meilenweit entfernt sind und verleiht der Geschichte einen mystischen Hauch von Schicksal. Bis zum Schluss lässt er sich nicht in die Karten schauen, öffnet allerdings im richtigen Moment die Türen für zukünftige Entwicklungen, sodass ich zwar vermuten, aber niemals wissen kann, was mich in den nächsten Bänden erwartet. Mutmaßungen, Neugier, Unwissenheit, Sympathien, Überzeugungen und Vorfreude vereinen sich in mir zu einem explosiven Gemisch, das mir keine andere Wahl lässt, als weiterzulesen. Ich freue mich aufrichtig auf die Folgebände.

    Vier Bände von „Das Spiel der Götter“ habe ich nun gelesen. Erst jetzt traue ich mich, vorsichtig erste Annahmen zu formulieren, worum es in der Reihe geht. Möglicherweise habe ich den zugrundeliegenden Handlungsstrang freigelegt. Möglicherweise. Sicher bin ich nicht. Ich schmunzele über meine tapsigen Versuche, Steven Erikson zu durchschauen, weil es recht unwahrscheinlich ist, dass mir das gelingt. Er will nicht durchschaut werden. Er möchte, dass seine Geschichte unvorhersehbar bleibt und überrascht. Es ist ein eigenartiges Gefühl, auf jeder Seite bewiesen zu bekommen, dass der Autor cleverer ist als ich. Ich kann aber nicht behaupten, dass es mir missfallen würde. Ich genieße es, mich voll und ganz auf die Geschichte einzulassen und die Kontrolle abzugeben. Ich muss während der Lektüre von „Das Spiel der Götter“ keine ernsthaften Vermutungen über den Verlauf der Handlung anstellen, weil ich sowieso danebenliege. Ich muss nicht nach Logiklöchern Ausschau halten, weil es keine gibt. Ich kann mich auf Steven Erikson verlassen, ihm vertrauen und einfach das tun, was ich am liebsten tue: lesen.

  16. Cover des Buches Das Spiel der Götter (10) (ISBN: 9783734160486)
    Steven Erikson

    Das Spiel der Götter (10)

     (27)
    Aktuelle Rezension von: Wortmagie
    Hinweis: Diese Rezension bespricht sowohl „Die Feuer der Rebellion“ als auch „Die Knochenjäger“. Im Original erschien der sechste Band unter dem Titel „The Bonehunters , für den deutschen Markt wurde dieser geteilt.

    Imperatrix Laseen entsendete Mandata Tavore mit einem eindeutigen Auftrag ins Reich der Sieben Städte: sie sollte die Rebellion des Wirbelwinds samt ihren Wurzeln herausreißen und das Land erneut befrieden. Nach dem verhängnisvollen Blutbad im Sand der Raraku ist der Aufstand niedergeschlagen; Sha’ik ist tot und die Göttin wurde bezwungen. Doch eine kleine Schar ihrer Anhänger entkam. Angeführt von Sha’iks gefürchtetem Leibwächter Leoman von den Dreschflegeln fliehen die Überlebenden in die uralte Festungsstadt Y’Ghatan. Tavore hat keine andere Wahl, als sie mit der erschöpften 14. Armee zu verfolgen, obwohl sie weiß, dass Y’Ghatan für das malazanische Imperium in der Vergangenheit nichts als Kummer und Schmerz bereithielt. Hier starb Dassem Ultor, das Erste Schwert, der größte Held der Malazaner. Trotz dessen muss Tavore ihre Soldat_innen in den Kampf gegen die Feuer der Rebellion schicken. Scheitern ist keine Option, denn sie darf der Imperatrix keine Vorwände liefern. In den letzten Monaten wurden Laseens Pläne und Absichten stetig undurchschaubarer, sie selbst unberechenbarer. Würde sie sich aus Machthunger gegen ihr eigenes Volk wenden und sich im brodelnden Krieg der Götter auf ein gefährliches Spiel einlassen? Würde sie sich mit dem Verkrüppelten Gott verbünden?

    Ich liebe, liebe, LIEBE „Das Spiel der Götter“ von Steven Erikson! Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie großartig es ist, zu beobachten, wie sich all die Handlungsstränge Stück für Stück verdichten und langsam zuspitzen. Ich war mehr als nur ein wenig erleichtert, mich im zweigeteilten sechsten Band „Die Feuer der Rebellion“ und „Die Knochenjäger“ wieder in den gewohnten Bahnen der Geschichte zu bewegen und zu bekannten Figuren zurückzukehren. Nach dem Ausflug in das Reich der Tiste Edur und der Letherii hätte ich vor lauter Wiedersehensfreude Luftsprünge machen können. Trotz dessen verstehe ich nun, warum Erikson diesen extremen inhaltlichen Bruch wagte. Die Tiste Edur spielen eine bedeutende Rolle im Krieg der Götter und werden vom Verkrüppelten Gott skrupellos manipuliert. Ohne den tiefen Einblick in ihre Geschichte und Kultur hätte ich niemals begriffen, wieso sie für seine Einflüsterungen außergewöhnlich empfänglich sind. Sie sehnen sich so verzweifelt nach Identität und Bestimmung für ihr Volk, dass sie nicht erkennen, dass er sie hemmungslos belügt. Sie bemerken nicht, dass sie sich weiter und weiter vom Schattenreich und Kurald Emurlahn entfernen.
    Vermutlich ist ihre Distanz der einzige Grund, warum Ammanas und Cotillion das Gewirr der Schatten in Besitz nehmen konnten. Anders kann ich mir nicht erklären, wie ein Mensch – selbst ein Aufgestiegener – ein nicht-menschliches Gewirr für sich beanspruchen konnte. Allerdings glaube ich, dass die Eroberung der Schattensphäre nicht spurlos an Ammanas vorbeiging. Ich habe gewaltige Schwierigkeiten, seine Persönlichkeit als Herr des Hohen Hauses Schatten und seine Persönlichkeit als Imperator Kellanved miteinander in Verbindung zu bringen. Meiner Ansicht nach passen sie nicht zusammen. Ich denke, das Aufsteigen, die Transformation in Schattenthron, veränderte Kellanved stark. Als hätte die fremde Macht des Gewirrs seinen Verstand angegriffen.
    Ich bin Steven Erikson sehr dankbar, dass er endlich erklärt, wie das System des Aufsteigens funktioniert. Es gefiel mir hervorragend, dass Erikson Ganoes Paran diese zusätzlichen Fakten über das Universum erläutern lässt, denn meiner Ansicht nach ist Ganoes‘ Rolle die spannendste der gesamten Geschichte. Er ist der Herr der Drachenkarten, die, wenn sie ausgespielt werden, meinen Puls in die Höhe jagen und meinen Körper mit Gänsehaut überziehen. Als dieser steht er außerhalb des Konflikts der Götter, scheint aber nicht zu Neutralität verpflichtet zu sein. Seine oberste Priorität ist der Schutz der Sterblichen vor allzu radikalen Eingriffen der Götter. Folglich besitzt er eine gewisse Macht über sie, die er eindrucksvoll zum Einsatz bringt.
    Ganoes ist jedoch nicht der einzige Charakter, der sich aktiv in den Krieg einmischt. Mittlerweile ist die Situation erstaunlich vielen Figuren bewusst. Es bildet sich eine unerwartete Allianz gegen den Verkrüppelten Gott, die die Sterblichen unablässig in günstige Positionen schiebt. Interessanterweise betrifft das auch Icarium. Icarium erfüllt nur einen einzigen Daseinszweck: er ist eine Waffe. Eine furchterregende Waffe, die während eines Kampfes in blinde Raserei verfällt. Ich war schockiert. Wie vom Donner gerührt. Ich kannte die Legenden über ihn natürlich, aber niemals hätte ich erwartet, dass dieses witzige, sanftmütige, philosophisch bewanderte Halbblut zu einem Monster mutieren könnte. Kein Wunder, dass er seit Jahrhunderten einen Aufpasser hat. Wenn die Jaghut-Tyrannen so waren wie er, kann ich gut verstehen, dass sich die T’lan Imass auflehnten und schworen, alle Jaghut auszurotten.

    Wann immer ich eine Rezension zu einem Band von „Das Spiel der Götter“ schreibe, bin ich frustriert, nicht alle herausragenden Aspekte ansprechen zu können. Ich wünschte, ich könnte euch haargenau darlegen, wie tief mich die Loyalität und Kameradschaft der 14. Armee berührte, wie spannend und nervenaufreibend die Schlacht in Y’Ghatan war, wie faszinierend die philosophischen, theologischen Überlegungen Steven Eriksons sind und wie viel Misstrauen ich Imperatrix Laseen gegenüber empfinde. Ich könnte zu jedem Fragment der einzelnen Handlungsstränge ganze Abhandlungen schreiben. Die Geschichte der Reihe ist eigentlich viel zu komplex, um sich an Zeichenzahlen zu halten. Vielleicht werde ich in Zukunft alle selbstauferlegten Richtlinien in den Wind schießen und frei von der Leber weg drauf los schwärmen. Denn darum geht es hier ja schließlich: euch von der mit Abstand besten Reihe zu erzählen, die das Genre der High Fantasy zu bieten hat und die mein Herz ehrfurchtsvoll höherschlagen lässt.

  17. Cover des Buches Das Spiel der Götter - Die Stadt des blauen Feuers (ISBN: 9783734161094)
    Steven Erikson

    Das Spiel der Götter - Die Stadt des blauen Feuers

     (14)
    Aktuelle Rezension von: Wortmagie

    +++ Hinweis: Diese Rezension bespricht sowohl „Die Stadt des blauen Feuers“ als auch „Tod eines Gottes“. Im Original erschien der achte Band unter dem Titel "Toll the Hounds", für den deutschen Markt wurde dieser geteilt. +++

    Nach der Zerstörung Mondbruts fanden die Tiste Andii in Schwarz-Korall eine neue Heimat. Sie hüllten die Stadt in ewige Nacht, eine Reminiszenz an Kurald Galain. Doch Mutter Dunkel ist noch immer taub für die Nöte ihrer Kinder. Vor den Toren Schwarz-Koralls entstand der Kult des Erlösers: aus ganz Genabackis pilgern Menschen zum Grabhügel des gefallenen Schild-Amboss Itkovian und bitten um seinen Segen. Der Erlöser stellt keine Ansprüche. Er schließt ausnahmslos jede Seele in seine Arme. Er ist wehrlos, verletzlich gegenüber denjenigen, die seinen Kult zu missbrauchen gedenken. Denn Itkovian ist nicht der einzige Aufgestiegene, dessen Einfluss in Schwarz-Korall spürbar ist. Aus den Tiefen des Chaos steigt der Sterbende Gott empor, der süßes Vergessen verspricht. Seine Anhänger_innen planen, den Erlöser zu überwältigen und Schwarz-Korall zu übernehmen. Mehr denn je brauchen die Andii die Führung ihres Lords Anomander Rake, dieser schaut jedoch sorgenvoll nach Darujhistan.
    In der Stadt des blauen Feuers kündigt sich eine gewaltige Konvergenz an. Reisende nähern sich der Metropole, Schlitzer kehrt in Begleitung seiner Gefährten zurück in die Straßen seiner Jugend, malazanische Veteran_innen und die Assassinengilde liefern sich blutige Scharmützel, das Azath-Haus speit Totgeglaubte aus und in der Ferne ist das Geheul furchteinflößender Hunde zu hören. Darujhistan ist in Aufruhr. Leben und Tod tanzen Hand in Hand und noch immer giert der Verkrüppelte Gott nach jedem Fetzen Macht, dem er habhaft werden kann. Im Schatten der Konvergenz richtet er seinen Blick auf das verfluchte Schwert Dragnipur, dessen schwarzes Herz tausende Seelen knechtet. Sein Träger ist Anomander Rake und so obliegt es dem Sohn der Dunkelheit, Schwarz-Korall und Darujhistan gleichermaßen vor dem Gift zweier wahnsinniger Götter zu bewahren. Ein Gott muss sterben, damit ein anderer aufgehalten werden kann.

    Ich bin während der Lektüre von „Die Stadt des blauen Feuers“ und „Tod eines Gottes“ widerwillig zu einer Einsicht gelangt: ich schaffe es nicht mehr, eigenständig alle Handlungsstränge, Figuren und Entwicklungen in „Das Spiel der Götter“ von Steven Erikson auseinanderzuhalten. Ich glaube, wäre es mir vergönnt, die Reihe hintereinanderweg zu lesen, fiele es mir deutlich leichter, den komplexen Inhalt in meinem Gedächtnis zu strukturieren, doch da der Verlag blanvalet mit der Veröffentlichung der letzten Bände nicht hinterherkommt, besteht diese Möglichkeit nicht. Ich muss langsam lesen und hilflos zuschauen, wie Teile des gewaltigen Epos in meiner Erinnerung verblassen.

    Zwischen der Lektüre des siebten Doppelbandes „Der Goldene Herrscher“ und „Im Sturm des Verderbens“ und der Lektüre von „Die Stadt des blauen Feuers“ und „Tod eines Gottes“ verging ein Jahr. Das war definitiv zu lang. Ich hatte immense Schwierigkeiten, mich zu orientieren und in die Handlung zu finden, die mich nach dem Ausflug in das Königreich Lether zurück nach Genabackis führte. Anfangs schämte ich mich sehr für meine Gedächtnislücken und scheute mich, mir einzugestehen, dass ich allein kein Land sehen würde. Irgendwann wurde mir glücklicherweise jedoch bewusst, wie albern ich mich verhielt. Wollte ich zulassen, dass mein unangebrachter Stolz meine Leseerfahrung überschattete? Nein. Ich zog einige der von Fans erstellten Wikis zu Rate und half meinem Gedächtnis auf die Sprünge. Ab diesem Zeitpunkt lief die Lektüre wesentlich besser, weil ich nicht länger mit dem diffusen Gefühl kämpfte, entscheidende Details vergessen zu haben. Es ist keine Schande, sich nicht alle Puzzleteile von „Das Spiel der Götter“ merken zu können und vielleicht war es sogar vorprogrammiert, weil die Reihe an Komplexität kaum zu übertreffen ist. Dafür gibt es die Wikis. Anderen Leser_innen kann ich deshalb nur empfehlen, diese Krücke sofort zu nutzen. Stellt ihr fest, dass euer Gedächtnis euch im Stich lässt, zögert nicht, nachzuschlagen, was ihr nicht mehr wisst. Aus eigener Erfahrung kann ich bezeugen, dass die Lektüre viel mehr Spaß macht, wenn man sich nicht ständig fragt, ob man dieses oder jenes Detail nun eigentlich wissen sollte oder nicht.

    Gleich zu Beginn von „Die Stadt des blauen Feuers“ nimmt Steven Erikson eine Veränderung der Erzählsituation vor. In diesem Doppelband ist es nicht der Autor, dem die Leser_innen lauschen. Er leiht seine Stimme einer populären Figur seines Epos: Kruppe. Der nimmersatte dicke kleine Mann ist ein exzentrischer Charakter, dessen spezieller Erzählstil unverkennbar ist, obwohl Erikson ihn an der kurzen Leine hält. Er lässt ihn nur gelegentlich abschweifen und schwadronieren. Für mich besteht kein Zweifel, dass Kruppe als Chronist dieses Bandes eine hervorragende Wahl war. Niemand eignet sich besser, um der außergewöhnlichen Konzeption der Geschichte Leben einzuhauchen. „Die Stadt des blauen Feuers“ und „Tod eines Gottes“ involvieren erneut zahlreiche Perspektivwechsel. Ich freute mich über das Wiedersehen mit alten Bekannten wie Karsa Orlong, Schlitzer aka Crokus Junghand, Rallik und Torvald Nom, Anomander Rake, Kallor, den Malazanern Tippa, Blend und Fahrig und vielen weiteren Figuren, die ich ins Herz schloss, doch die heimlichen Stars der Handlung sind dieses Mal unscheinbar wirkende Nebenfiguren, deren Leben in faszinierender Wechselwirkung mit den prominenten Charakteren der Reihe stehen. Immer wieder kehrt Erikson zu ihnen zurück und begleitet sie durch Momentaufnahmen ihres Alltags, wodurch sie sich schnell als unerkannte Bindeglieder qualifizieren, deren Rollen unverzichtbar für den inhaltlichen Verlauf sind. Sie sind das Rückgrat der Geschichte, der rote Faden. Ich liebe es, wie viel Respekt Erikson seinen Figuren dadurch ausdrückt. Kein Leben ist unwichtig, jedes hat seine Daseinsberechtigung und aus der Perspektive des Schicksals, die er so gern einnimmt, eben auch eine Aufgabe.

    Zusätzlich erwartet die Leser_innen eine grobe inhaltliche Strukturierung nach Kapiteln. Darujhistan und Schwarz-Korall dienen als zentrale Schauplätze, die abwechselnd im Fokus stehen.
    Die Rückkehr nach Darujhistan empfand ich als bedeutungsvoll, weil dort mit „Die Gärten des Mondes“ alles begann. Trotz meiner Mutmaßung, dass sich „Das Spiel der Götter“ in Lether entscheiden könnte, nehme ich an, dass das Epos in Darujhistan enden wird. Ein Abschluss, der den Kreis schließt, passt einfach zu Steven Erikson.

    Schwarz-Korall ist die neue Heimat der Tiste Andii. In der Stadt, die einst zur Domäne des Pannionischen Sehers gehörte, herrscht ewige Nacht, eine vollkommene Dunkelheit, die Sonnenlicht nicht zu durchdringen vermag und eine Manifestation des Gewirrs Kurald Galain darstellt. Ich konnte mich mit diesem Bild nicht so recht anfreunden. Es fällt mir noch immer schwer, Dunkelheit als Perfektion zu begreifen und sie nicht negativ zu interpretieren.
    Steven Erikson beweist durch die Historie der Andii erneut sein Talent für die exquisite, tragische Schönheit von Leid. Die Begegnung mit dem Magier Endest Silann, ein Vertrauter von Anomander Rake, lehrte mich, wie sehr die Andii seit Jahrtausenden unter der Abwesenheit ihrer Göttin Mutter Dunkel leiden. Ihre Ablehnung ist eine schwärende Wunde im kollektiven Bewusstsein des Volkes. Die Andii sind Waisen. Ihr Schmerz ist keineswegs rein spiritueller Natur, er ist greifbar und real. Ihre Welt, ihre gesamte Kultur steht still, als hätte ihr Herz aufgehört zu schlagen, während ihr Körper gezwungen ist, weiterzuleben. Wenn sie sterben, finden ihre Seelen keine Ruhe, keinen Frieden, weil dort niemand ist, der sie aufnimmt. Sie verpuffen im Äther und warten im Nichts. Diese Aussicht finde ich zutiefst beängstigend und entmutigend. Sie zahlten einen sehr hohen Preis für den Wunsch ihres Lords nach Veränderung. Anomander Rake beendete den blutigen Bürgerkrieg ihres Volkes, doch indem er sie einte, verärgerte er Mutter Dunkel und verstümmelte die Identität der Andii. Er ist ihre einzige noch existierende Verbindung zu Kurald Galain, was erklärt, wieso sie ihn trotz seiner Entscheidungen verehren. Meiner Ansicht nach haben die Andii viel mit den T’lan Imass gemein, die ebenso verloren waren, bis ein Ritual die Ketten ihrer Unsterblichkeit sprengte. Ich hoffe, dass Erikson auch ihrem Volk irgendwann Erlösung schenkt.

    Das Motiv der Erlösung spielt im achten Band von „Das Spiel der Götter“ eine essenzielle Rolle. Vor den Toren Schwarz-Koralls sammeln sich die Gläubigen des Kults des Erlösers. Er ist kein Unbekannter – als er noch am Leben war, hörte er auf den Namen Itkovian und war der Schild-Amboss der Grauen Schwerter. Es wundert mich überhaupt nicht, dass Itkovian mit seinem Tod aufstieg. Sein Opfer als Schild-Amboss rührte mich damals zu Tränen, warum sollte er nicht auch die Figuren in Eriksons Universum anziehen? Dieses Opfer bestimmt seinen Charakter als Aufgestiegener. Der Erlöser richtet nicht. Er lehnt niemanden ab, schickt niemanden fort, nicht einmal diejenigen, deren Absichten böswillig sind. Er kann sich nicht verteidigen, weil Aggression nicht seiner Natur entspricht. Er erduldet. Deshalb ist er den Angriffen des Sterbenden Gottes ausgeliefert. Ich dachte ursprünglich, „der Sterbende Gott“ sei lediglich ein weiterer Titel des Verkrüppelten Gottes. Es dauerte, bis ich begriff, dass es sich um zwei Entitäten handelt, die ihren Anhänger_innen unterschiedliche Wege zur Erlösung anbieten. Getrieben von Rachegelüsten deklariert der Verkrüppelte Gott Leiden als Pforte zum Seelenheil; der Sterbende Gott hingegen verspricht totale Selbstaufgabe. Schwer zu sagen, was nun schlimmer ist. Indem er die beiden Gottheiten gegenüberstellt, untersucht Erikson divergierende Formen von Fanatismus, die zwar verschiedene Bedürfnisse in den Gläubigen erfüllen, sich in ihrem grundsätzlichen Egoismus jedoch stark ähneln. Persönlich halte ich den Sterbenden Gott für das kleinere Übel, weil seine Pläne, den Erlöser als Hülle zu übernehmen, um seinen eigenen Verfall aufzuhalten, im Vergleich zu den gewaltigen Manipulationen und Intrigen des Verkrüppelten Gottes beinahe kleingeistig wirken. Sein Status als ultimativer Erzfeind der Reihe bleibt unangetastet und unbestritten.

    Die Lektüre von „Die Stadt des blauen Feuers“ und „Tod eines Gottes“ hielt für mich außerdem eine bahnbrechende Erkenntnis bereit. Mir wurde bewusst, dass alle Ereignisse in „Das Spiel der Götter“, inklusive des Feldzugs des Verkrüppelten Gottes, auf eine einzige Person zurückzuführen sind. Alles, was ich bisher erleben durfte, nahm seinen Anfang mit Kallor. Vermutlich hätte ich das schon weitaus früher schnallen können, aber irgendwie ging diese Information wohl an mir vorbei. Ich war von dieser Offenbarung aus zwei Gründen verblüfft: erstens hatte ich angenommen, dass ich erst ganz am Ende des Epos erfahren würde, weshalb der Verkrüppelte Gott nach Rache sinnt und zweitens habe ich mit einer wesentlich komplizierteren Antwort gerechnet. Der Verkrüppelte Gott, der auch der Angekettete genannt wird, lechzt danach, sich für das zu rächen, was ihm vor Jahrtausenden angetan wurde. Was ihm angetan wurde, geschah, um Kallor zu stoppen. Kallor ist der Archetyp des bösen Königs; er könnte im Grunde sogar eine Märchenfigur sein. Da Steven Erikson jedoch alles andere als ein gutmütiger Märchenonkel ist und er eine Vorliebe für ambivalente Grautöne hat, charakterisierte er Kallor komplex, widersprüchlich und erstaunlich menschlich. Kallor wurde verflucht. Er ist verdammt, auf ewig ein sterbliches Leben zu führen, niemals aufzusteigen und in all seinen Bestrebungen nach Macht zu scheitern. Deprimierend, nicht wahr? Ich möchte nicht behaupten, dass Kallor diesen Fluch nicht verdient hätte. Er ist ein grausamer, gewissenloser Mann, der Loyalität nur für sich selbst empfindet. Ich mag ihn nicht mal besonders, denn er tötete eine meiner Lieblingsfiguren. Trotz dessen weckte seine tragische Existenz mein Mitgefühl. Ich wünsche niemandem ein solches Schicksal. Der Fluch raubte Kallor vieles, vor allem allerdings die Möglichkeit, aufzugeben. Kallor hat keine andere Wahl, als einfach immer weiterzumachen, obwohl er weiß, dass er versagen wird. Was wäre die Alternative? Er kann nicht sterben, soll er also den Kopf in den Sand stecken und seinen Alterungsprozess abwarten, bis er sich nicht mehr bewegen kann? Keine gute Option. Nein, ich kann verstehen, dass Kallor munter weiterhin seine Ziele verfolgt und den Fluch meist schlicht ignoriert. Dennoch versäumt es Erikson nicht, anzudeuten, dass er leidet. Kallor ist eine Variante des Sisyphos.

    Da Kallor sich mit Freuden in die Entwicklungen von „Das Spiel der Götter“ einmischt, hat er selbstverständlich auch seinen Platz im großen Showdown des achten Bandes in „Tod eines Gottes“. Dieser ist die Klimax eines haarsträubend vielschichtigen Plans, der sowohl den Sterbenden als auch den Verkrüppelten Gott in ihre Schranken weisen soll und – soweit ich es verstanden habe – aus der Feder von Anomander Rake stammt. Ich war zutiefst beeindruckt von seiner Strategie, deren Gelingen primär vom Timing zahlloser Faktoren abhing. Ich denke, mehr als seine schwarze Haut, mehr als seine Fähigkeiten und sein Alter war es die Konzeption dieses Plans, die mir vergegenwärtigte, dass er kein Mensch ist. Kein Mensch hätte sich das ausdenken können. Rakes Geist übertrifft die Prozessleistung eines sterblichen Hirns um ein Vielfaches. Ich bewundere ihn und staunte mit offenem Mund, als am Ende von „Tod eines Gottes“ wieder einmal Zahnrad um Zahnrad ineinander klickte. Der achte Band ist wie bereits die Vorgängerbände eine epische Symphonie, deren Absicht sich ganz zum Schluss offenbart. Leider wurde die Geschichte auch erst mit diesem Showdown richtig spannend. Vorher las sich der Doppelband durchaus etwas schwerfällig, weil das Taktieren der verschiedenen Fraktionen im Vordergrund steht. Langweilig ist „Das Spiel der Götter“ nie, doch die Vorbereitungen des aufregenden Abschlusses wiesen wenig Action und dafür reichlich tiefgründige Gespräche und philosophische Überlegungen zu den Themen Leiden und Erlösung auf. Die Lektüre war anstrengend und wurde selten aufgelockert.

    Ich habe lange über die Verschlungenheit dieses Bandes nachgedacht, um herauszufinden, wieso mich die Komplexität der Reihe weder schreckt noch stört. Oft genug habe ich anderen Autor_innen vorgeworfen, dass sie die inhaltlichen Ziele ihrer Geschichten auch einfacher hätten erreichen können. Ich glaube, der Unterschied besteht darin, dass ich nicht wüsste, wie Steven Erikson auf all die Verwicklungen hätte verzichten sollen, ohne Abstriche zu machen. „Das Spiel der Götter“ kann nicht anders erzählt werden. Vielleicht könnte es gradliniger sein, doch dann wäre es nicht mehr brillant. Das Genie dieses Epos entsteht durch die unzähligen winzigen Details, die nur zusammen das Gesamtbild erschaffen können. Keine Figur, keine Szene ist irrelevant; alles hat Bedeutung für das große Ganze, was man erst erkennt, wenn man genau hinsieht und die Kausalketten zurückverfolgt. Meiner Meinung nach hilft es, sich „Das Spiel der Götter“ als impressionistisches Gemälde vorzustellen. Steht man direkt davor, sind die fleckig, punktartig angeordneten Farben sichtbar. Betrachtet man es hingegen aus einiger Entfernung, vermischen sich die Farben und enthüllen ihre Wirkung und Atmosphäre. Dieser Vergleich erklärt meinem Empfinden nach exakt, warum diese High Fantasy – Reihe von ihrem komplexen Detailreichtum lebt und sich jede Kritik in diese Richtung erübrigt. Claude Monet würde schließlich auch niemand sagen, er hätte seine Meisterwerke mit durchgängigen Pinselstrichen einfacher fertigstellen können.

  18. Cover des Buches Das Spiel der Götter (9) (ISBN: 9783734160400)
    Steven Erikson

    Das Spiel der Götter (9)

     (31)
    Aktuelle Rezension von: Wortmagie
    +++Hinweis+++
    Diese Rezension bespricht sowohl „Kinder des Schattens“ als auch   „Gezeiten der Nacht“. Im Original erschien der fünfte Band unter dem Titel "Midnight Tides", für den deutschen Markt wurde dieser geteilt.

    Lange Zeit lebten die Völker der Letherii und der Tiste Edur friedlich nebeneinander. Verträge legten ihre Territorien fest und bestimmten den Handel. Das Leid, das die Letherii den indigenen Stämmen antaten, berührte die langlebigen Kinder von Vater Schatten kaum. Aus der Ferne beobachteten sie die gnadenlosen Eroberungsfeldzüge, die weit häufiger mit Münze und Feder geführt wurden als mit Waffen und Soldaten; die perfiden Pläne, die die Stämme in die Abhängigkeit tricksten; Lügen, Verrat und Betrug. Erst als das gierige Auge Lethers auf die Gebiete und Rohstoffe der Edur fällt und die Kontrakte vorsätzlich gebrochen werden, sind sie gezwungen, zu reagieren. Der unausweichliche Konflikt ängstigt die Edur nicht, denn erstmals seit Generation sind sie unter der Führung des Hexenkönigs vereint. Doch auch die Letherii glauben fest an ihre Unbezwingbarkeit. Im Namen des Sieges entfesseln beide Völker schreckliche, unberechenbare Mächte, die niemand zu kontrollieren vermag. Tod, Schmerz und Verzweiflung sind die Banner der unfassbaren Gewalt zwischen Letherii und Tiste Edur, die eine gesamte Kultur auszulöschen droht. Eine uralte Prophezeiung sagt den nahenden Morgen eines neuen Imperiums voraus – wer wird sich aus der Asche des Krieges erheben?

    Steven Erikson hat es wieder einmal geschafft. Mit jedem neuen Band von „Das Spiel der Götter“ nehme ich mir vor, auf alles gefasst zu sein und mich nicht von den unberechenbaren Wendungen aus dem Konzept bringen zu lassen. Es gelingt mir nicht. Erikson ist einfach zu gut. „Kinder des Schattens“ und „Gezeiten der Nacht“ überraschten mich in jeglicher Hinsicht, weil dieser fünfte Band all meine Annahmen zum Verlauf der Handlung der Reihe über den Haufen warf. Er führte mich an ein neues Setting, konfrontierte mich mit neuen Figuren und – der wohl spektakulärste Faktor – katapultierte mich offenbar rückwärts durch die Zeit. Trotz fehlender konkreter Hinweise, in welchem Verhältnis die Zeitrechnung der Letherii und Tiste Edur zur Zeitrechnung im malazanischen Imperium steht, glaube ich, dass es sich um ein Prequel handelt, das chronologisch vor den Ereignissen der vorangegangenen Bände angesiedelt ist. Ich wusste bereits, dass Erikson seinen Leser_innen gern Verwicklungen vorsetzt, die sich erst sehr viel später aufklären, doch mit einem so umfassenden Twist habe ich nicht gerechnet. Die Verbindung zu den bisherigen Bänden ist schmal, tatsächlich taucht lediglich eine Figur auf, die ich schon kannte: der Tiste Edur Trull Sengar, der mir im letzten Band als Ausgestoßener vorgestellt wurde. Dadurch hatte ich zugegebenermaßen Schwierigkeiten, in diesen neuen Handlungsstrang hineinzufinden, weil ich erst spät begriff, wie sich dieser vermutlich einordnet. Trulls Geschichte ist die Brücke zu dem Konflikt zwischen Tiste Edur und Letherii, der wiederum von Bedeutung für das gigantische Gesamtbild ist, da er von jahrhundertealten Mächten beeinflusst wird, die auch für das malazanische Imperium Pläne schmieden. Es erschütterte mich, wie unsagbar brutal dieser Krieg ausfällt. Erikson behandelt seine Figuren zwar niemals zimperlich, aber die überbordende, grenzenlose Gewaltbereitschaft, die in diesem Band zu Tage tritt, schockierte mich dennoch. Sowohl Tiste Edur als auch Letherii nehmen enorme Opferzahlen billigend in Kauf; die Situation eskaliert katastrophal, weil es in Wahrheit nicht um eine Auseinandersetzung über territoriale Ansprüche geht. Der Krieg zwischen Tiste Edur und Letherii ist ein Kampf um Bestimmung und Identität. Beide Völker sehen ihre verzweifelte Aggressivität durch einen höheren Zweck gerechtfertigt. Die Alternative wäre ein Leben in bewusster Bedeutungslosigkeit. Beide Völker verzehren sich nach einer Aufgabe, durch die ihre Kultur bestätigt wird und ein Ziel erhält, weil sie verloren sind und ohne Halt dahindriften. Die Edur glauben an uralte Lügen und mischen ihre faktische Geschichte mit Mythen und Legenden – die Letherii hingegen glauben an gar nichts außer dem Profit. Sie beten einen Leeren Thron an, ein hervorragendes Symbol für das Werte-Vakuum und Wesen ihrer Gesellschaft, die sich auf selbstgerechter, selbstzersetzender Gier aufbaut. Dieser fünfte Band ist voller ähnlich symbolträchtiger und sprachlich herausragender Metaphern und Gleichnissen, die die Handlung mit verschlüsselten Bedeutungen aufladen und Spannung zwischen Oberfläche und Metaebene erzeugen. Ich hatte das Gefühl, zwischen den Zeilen versteckte sich eine weitere, viel tiefere Geschichte, die besonders in kryptischen Traumsequenzen aufblitzte und sich mir möglicherweise absichtlich noch nicht offenbarte. Ich vertraue Steven Erikson, dass er mich zum richtigen Zeitpunkt einweihen und sich alles fügen wird.

    „Kinder des Schattens“ und „Gezeiten der Nacht“ forderten mich mehr als die vorangegangenen Bände von „Das Spiel der Götter“. Nicht nur musste ich mich in einer völlig neuen Umgebung akklimatisieren und mich mit den Kulturen neuer Völker vertraut machen, ich empfand auch die inhaltlichen Entwicklungen als Herausforderung. Diese ins Verhältnis zur übergeordneten Handlung der Reihe zu setzen war schwierig, weil ich die Verbindungen selbstständig herstellen musste und keine Hilfe vom Autor erwarten konnte. Ich lief oft Gefahr, mich in Details zu verlieren, da mich all die kleinen und großen tragischen Schicksale dieses fünften Bandes dermaßen faszinierten. Ich war gezwungen, mich beim Lesen stark zu konzentrieren, was allerdings nicht bedeutet, dass ich weniger Spaß an der Lektüre hatte. Anderen Autor_innen würde ich den Mangel an Hintergrundinformationen vielleicht vorwerfen, aber ich kenne Steven Erikson mittlerweile gut genug, um ihm soweit zu vertrauen, dass er mir zu gegebener Zeit alles erklären wird, was ich jetzt noch nicht verstehe. Der Aha-Moment wird kommen. Ich weiß es.

  19. Cover des Buches Das Spiel der Götter - Tod eines Gottes (ISBN: 9783734161100)
    Steven Erikson

    Das Spiel der Götter - Tod eines Gottes

     (9)
    Aktuelle Rezension von: Wortmagie

    +++ Hinweis: Diese Rezension bespricht sowohl „Die Stadt des blauen Feuers“ als auch „Tod eines Gottes“. Im Original erschien der achte Band unter dem Titel "Toll the Hounds", für den deutschen Markt wurde dieser geteilt. +++

    Nach der Zerstörung Mondbruts fanden die Tiste Andii in Schwarz-Korall eine neue Heimat. Sie hüllten die Stadt in ewige Nacht, eine Reminiszenz an Kurald Galain. Doch Mutter Dunkel ist noch immer taub für die Nöte ihrer Kinder. Vor den Toren Schwarz-Koralls entstand der Kult des Erlösers: aus ganz Genabackis pilgern Menschen zum Grabhügel des gefallenen Schild-Amboss Itkovian und bitten um seinen Segen. Der Erlöser stellt keine Ansprüche. Er schließt ausnahmslos jede Seele in seine Arme. Er ist wehrlos, verletzlich gegenüber denjenigen, die seinen Kult zu missbrauchen gedenken. Denn Itkovian ist nicht der einzige Aufgestiegene, dessen Einfluss in Schwarz-Korall spürbar ist. Aus den Tiefen des Chaos steigt der Sterbende Gott empor, der süßes Vergessen verspricht. Seine Anhänger_innen planen, den Erlöser zu überwältigen und Schwarz-Korall zu übernehmen. Mehr denn je brauchen die Andii die Führung ihres Lords Anomander Rake, dieser schaut jedoch sorgenvoll nach Darujhistan.
    In der Stadt des blauen Feuers kündigt sich eine gewaltige Konvergenz an. Reisende nähern sich der Metropole, Schlitzer kehrt in Begleitung seiner Gefährten zurück in die Straßen seiner Jugend, malazanische Veteran_innen und die Assassinengilde liefern sich blutige Scharmützel, das Azath-Haus speit Totgeglaubte aus und in der Ferne ist das Geheul furchteinflößender Hunde zu hören. Darujhistan ist in Aufruhr. Leben und Tod tanzen Hand in Hand und noch immer giert der Verkrüppelte Gott nach jedem Fetzen Macht, dem er habhaft werden kann. Im Schatten der Konvergenz richtet er seinen Blick auf das verfluchte Schwert Dragnipur, dessen schwarzes Herz tausende Seelen knechtet. Sein Träger ist Anomander Rake und so obliegt es dem Sohn der Dunkelheit, Schwarz-Korall und Darujhistan gleichermaßen vor dem Gift zweier wahnsinniger Götter zu bewahren. Ein Gott muss sterben, damit ein anderer aufgehalten werden kann.

    Ich bin während der Lektüre von „Die Stadt des blauen Feuers“ und „Tod eines Gottes“ widerwillig zu einer Einsicht gelangt: ich schaffe es nicht mehr, eigenständig alle Handlungsstränge, Figuren und Entwicklungen in „Das Spiel der Götter“ von Steven Erikson auseinanderzuhalten. Ich glaube, wäre es mir vergönnt, die Reihe hintereinanderweg zu lesen, fiele es mir deutlich leichter, den komplexen Inhalt in meinem Gedächtnis zu strukturieren, doch da der Verlag blanvalet mit der Veröffentlichung der letzten Bände nicht hinterherkommt, besteht diese Möglichkeit nicht. Ich muss langsam lesen und hilflos zuschauen, wie Teile des gewaltigen Epos in meiner Erinnerung verblassen.

    Zwischen der Lektüre des siebten Doppelbandes „Der Goldene Herrscher“ und „Im Sturm des Verderbens“ und der Lektüre von „Die Stadt des blauen Feuers“ und „Tod eines Gottes“ verging ein Jahr. Das war definitiv zu lang. Ich hatte immense Schwierigkeiten, mich zu orientieren und in die Handlung zu finden, die mich nach dem Ausflug in das Königreich Lether zurück nach Genabackis führte. Anfangs schämte ich mich sehr für meine Gedächtnislücken und scheute mich, mir einzugestehen, dass ich allein kein Land sehen würde. Irgendwann wurde mir glücklicherweise jedoch bewusst, wie albern ich mich verhielt. Wollte ich zulassen, dass mein unangebrachter Stolz meine Leseerfahrung überschattete? Nein. Ich zog einige der von Fans erstellten Wikis zu Rate und half meinem Gedächtnis auf die Sprünge. Ab diesem Zeitpunkt lief die Lektüre wesentlich besser, weil ich nicht länger mit dem diffusen Gefühl kämpfte, entscheidende Details vergessen zu haben. Es ist keine Schande, sich nicht alle Puzzleteile von „Das Spiel der Götter“ merken zu können und vielleicht war es sogar vorprogrammiert, weil die Reihe an Komplexität kaum zu übertreffen ist. Dafür gibt es die Wikis. Anderen Leser_innen kann ich deshalb nur empfehlen, diese Krücke sofort zu nutzen. Stellt ihr fest, dass euer Gedächtnis euch im Stich lässt, zögert nicht, nachzuschlagen, was ihr nicht mehr wisst. Aus eigener Erfahrung kann ich bezeugen, dass die Lektüre viel mehr Spaß macht, wenn man sich nicht ständig fragt, ob man dieses oder jenes Detail nun eigentlich wissen sollte oder nicht.

    Gleich zu Beginn von „Die Stadt des blauen Feuers“ nimmt Steven Erikson eine Veränderung der Erzählsituation vor. In diesem Doppelband ist es nicht der Autor, dem die Leser_innen lauschen. Er leiht seine Stimme einer populären Figur seines Epos: Kruppe. Der nimmersatte dicke kleine Mann ist ein exzentrischer Charakter, dessen spezieller Erzählstil unverkennbar ist, obwohl Erikson ihn an der kurzen Leine hält. Er lässt ihn nur gelegentlich abschweifen und schwadronieren. Für mich besteht kein Zweifel, dass Kruppe als Chronist dieses Bandes eine hervorragende Wahl war. Niemand eignet sich besser, um der außergewöhnlichen Konzeption der Geschichte Leben einzuhauchen. „Die Stadt des blauen Feuers“ und „Tod eines Gottes“ involvieren erneut zahlreiche Perspektivwechsel. Ich freute mich über das Wiedersehen mit alten Bekannten wie Karsa Orlong, Schlitzer aka Crokus Junghand, Rallik und Torvald Nom, Anomander Rake, Kallor, den Malazanern Tippa, Blend und Fahrig und vielen weiteren Figuren, die ich ins Herz schloss, doch die heimlichen Stars der Handlung sind dieses Mal unscheinbar wirkende Nebenfiguren, deren Leben in faszinierender Wechselwirkung mit den prominenten Charakteren der Reihe stehen. Immer wieder kehrt Erikson zu ihnen zurück und begleitet sie durch Momentaufnahmen ihres Alltags, wodurch sie sich schnell als unerkannte Bindeglieder qualifizieren, deren Rollen unverzichtbar für den inhaltlichen Verlauf sind. Sie sind das Rückgrat der Geschichte, der rote Faden. Ich liebe es, wie viel Respekt Erikson seinen Figuren dadurch ausdrückt. Kein Leben ist unwichtig, jedes hat seine Daseinsberechtigung und aus der Perspektive des Schicksals, die er so gern einnimmt, eben auch eine Aufgabe.

    Zusätzlich erwartet die Leser_innen eine grobe inhaltliche Strukturierung nach Kapiteln. Darujhistan und Schwarz-Korall dienen als zentrale Schauplätze, die abwechselnd im Fokus stehen.
    Die Rückkehr nach Darujhistan empfand ich als bedeutungsvoll, weil dort mit „Die Gärten des Mondes“ alles begann. Trotz meiner Mutmaßung, dass sich „Das Spiel der Götter“ in Lether entscheiden könnte, nehme ich an, dass das Epos in Darujhistan enden wird. Ein Abschluss, der den Kreis schließt, passt einfach zu Steven Erikson.

    Schwarz-Korall ist die neue Heimat der Tiste Andii. In der Stadt, die einst zur Domäne des Pannionischen Sehers gehörte, herrscht ewige Nacht, eine vollkommene Dunkelheit, die Sonnenlicht nicht zu durchdringen vermag und eine Manifestation des Gewirrs Kurald Galain darstellt. Ich konnte mich mit diesem Bild nicht so recht anfreunden. Es fällt mir noch immer schwer, Dunkelheit als Perfektion zu begreifen und sie nicht negativ zu interpretieren.
    Steven Erikson beweist durch die Historie der Andii erneut sein Talent für die exquisite, tragische Schönheit von Leid. Die Begegnung mit dem Magier Endest Silann, ein Vertrauter von Anomander Rake, lehrte mich, wie sehr die Andii seit Jahrtausenden unter der Abwesenheit ihrer Göttin Mutter Dunkel leiden. Ihre Ablehnung ist eine schwärende Wunde im kollektiven Bewusstsein des Volkes. Die Andii sind Waisen. Ihr Schmerz ist keineswegs rein spiritueller Natur, er ist greifbar und real. Ihre Welt, ihre gesamte Kultur steht still, als hätte ihr Herz aufgehört zu schlagen, während ihr Körper gezwungen ist, weiterzuleben. Wenn sie sterben, finden ihre Seelen keine Ruhe, keinen Frieden, weil dort niemand ist, der sie aufnimmt. Sie verpuffen im Äther und warten im Nichts. Diese Aussicht finde ich zutiefst beängstigend und entmutigend. Sie zahlten einen sehr hohen Preis für den Wunsch ihres Lords nach Veränderung. Anomander Rake beendete den blutigen Bürgerkrieg ihres Volkes, doch indem er sie einte, verärgerte er Mutter Dunkel und verstümmelte die Identität der Andii. Er ist ihre einzige noch existierende Verbindung zu Kurald Galain, was erklärt, wieso sie ihn trotz seiner Entscheidungen verehren. Meiner Ansicht nach haben die Andii viel mit den T’lan Imass gemein, die ebenso verloren waren, bis ein Ritual die Ketten ihrer Unsterblichkeit sprengte. Ich hoffe, dass Erikson auch ihrem Volk irgendwann Erlösung schenkt.

    Das Motiv der Erlösung spielt im achten Band von „Das Spiel der Götter“ eine essenzielle Rolle. Vor den Toren Schwarz-Koralls sammeln sich die Gläubigen des Kults des Erlösers. Er ist kein Unbekannter – als er noch am Leben war, hörte er auf den Namen Itkovian und war der Schild-Amboss der Grauen Schwerter. Es wundert mich überhaupt nicht, dass Itkovian mit seinem Tod aufstieg. Sein Opfer als Schild-Amboss rührte mich damals zu Tränen, warum sollte er nicht auch die Figuren in Eriksons Universum anziehen? Dieses Opfer bestimmt seinen Charakter als Aufgestiegener. Der Erlöser richtet nicht. Er lehnt niemanden ab, schickt niemanden fort, nicht einmal diejenigen, deren Absichten böswillig sind. Er kann sich nicht verteidigen, weil Aggression nicht seiner Natur entspricht. Er erduldet. Deshalb ist er den Angriffen des Sterbenden Gottes ausgeliefert. Ich dachte ursprünglich, „der Sterbende Gott“ sei lediglich ein weiterer Titel des Verkrüppelten Gottes. Es dauerte, bis ich begriff, dass es sich um zwei Entitäten handelt, die ihren Anhänger_innen unterschiedliche Wege zur Erlösung anbieten. Getrieben von Rachegelüsten deklariert der Verkrüppelte Gott Leiden als Pforte zum Seelenheil; der Sterbende Gott hingegen verspricht totale Selbstaufgabe. Schwer zu sagen, was nun schlimmer ist. Indem er die beiden Gottheiten gegenüberstellt, untersucht Erikson divergierende Formen von Fanatismus, die zwar verschiedene Bedürfnisse in den Gläubigen erfüllen, sich in ihrem grundsätzlichen Egoismus jedoch stark ähneln. Persönlich halte ich den Sterbenden Gott für das kleinere Übel, weil seine Pläne, den Erlöser als Hülle zu übernehmen, um seinen eigenen Verfall aufzuhalten, im Vergleich zu den gewaltigen Manipulationen und Intrigen des Verkrüppelten Gottes beinahe kleingeistig wirken. Sein Status als ultimativer Erzfeind der Reihe bleibt unangetastet und unbestritten.

    Die Lektüre von „Die Stadt des blauen Feuers“ und „Tod eines Gottes“ hielt für mich außerdem eine bahnbrechende Erkenntnis bereit. Mir wurde bewusst, dass alle Ereignisse in „Das Spiel der Götter“, inklusive des Feldzugs des Verkrüppelten Gottes, auf eine einzige Person zurückzuführen sind. Alles, was ich bisher erleben durfte, nahm seinen Anfang mit Kallor. Vermutlich hätte ich das schon weitaus früher schnallen können, aber irgendwie ging diese Information wohl an mir vorbei. Ich war von dieser Offenbarung aus zwei Gründen verblüfft: erstens hatte ich angenommen, dass ich erst ganz am Ende des Epos erfahren würde, weshalb der Verkrüppelte Gott nach Rache sinnt und zweitens habe ich mit einer wesentlich komplizierteren Antwort gerechnet. Der Verkrüppelte Gott, der auch der Angekettete genannt wird, lechzt danach, sich für das zu rächen, was ihm vor Jahrtausenden angetan wurde. Was ihm angetan wurde, geschah, um Kallor zu stoppen. Kallor ist der Archetyp des bösen Königs; er könnte im Grunde sogar eine Märchenfigur sein. Da Steven Erikson jedoch alles andere als ein gutmütiger Märchenonkel ist und er eine Vorliebe für ambivalente Grautöne hat, charakterisierte er Kallor komplex, widersprüchlich und erstaunlich menschlich. Kallor wurde verflucht. Er ist verdammt, auf ewig ein sterbliches Leben zu führen, niemals aufzusteigen und in all seinen Bestrebungen nach Macht zu scheitern. Deprimierend, nicht wahr? Ich möchte nicht behaupten, dass Kallor diesen Fluch nicht verdient hätte. Er ist ein grausamer, gewissenloser Mann, der Loyalität nur für sich selbst empfindet. Ich mag ihn nicht mal besonders, denn er tötete eine meiner Lieblingsfiguren. Trotz dessen weckte seine tragische Existenz mein Mitgefühl. Ich wünsche niemandem ein solches Schicksal. Der Fluch raubte Kallor vieles, vor allem allerdings die Möglichkeit, aufzugeben. Kallor hat keine andere Wahl, als einfach immer weiterzumachen, obwohl er weiß, dass er versagen wird. Was wäre die Alternative? Er kann nicht sterben, soll er also den Kopf in den Sand stecken und seinen Alterungsprozess abwarten, bis er sich nicht mehr bewegen kann? Keine gute Option. Nein, ich kann verstehen, dass Kallor munter weiterhin seine Ziele verfolgt und den Fluch meist schlicht ignoriert. Dennoch versäumt es Erikson nicht, anzudeuten, dass er leidet. Kallor ist eine Variante des Sisyphos.

    Da Kallor sich mit Freuden in die Entwicklungen von „Das Spiel der Götter“ einmischt, hat er selbstverständlich auch seinen Platz im großen Showdown des achten Bandes in „Tod eines Gottes“. Dieser ist die Klimax eines haarsträubend vielschichtigen Plans, der sowohl den Sterbenden als auch den Verkrüppelten Gott in ihre Schranken weisen soll und – soweit ich es verstanden habe – aus der Feder von Anomander Rake stammt. Ich war zutiefst beeindruckt von seiner Strategie, deren Gelingen primär vom Timing zahlloser Faktoren abhing. Ich denke, mehr als seine schwarze Haut, mehr als seine Fähigkeiten und sein Alter war es die Konzeption dieses Plans, die mir vergegenwärtigte, dass er kein Mensch ist. Kein Mensch hätte sich das ausdenken können. Rakes Geist übertrifft die Prozessleistung eines sterblichen Hirns um ein Vielfaches. Ich bewundere ihn und staunte mit offenem Mund, als am Ende von „Tod eines Gottes“ wieder einmal Zahnrad um Zahnrad ineinander klickte. Der achte Band ist wie bereits die Vorgängerbände eine epische Symphonie, deren Absicht sich ganz zum Schluss offenbart. Leider wurde die Geschichte auch erst mit diesem Showdown richtig spannend. Vorher las sich der Doppelband durchaus etwas schwerfällig, weil das Taktieren der verschiedenen Fraktionen im Vordergrund steht. Langweilig ist „Das Spiel der Götter“ nie, doch die Vorbereitungen des aufregenden Abschlusses wiesen wenig Action und dafür reichlich tiefgründige Gespräche und philosophische Überlegungen zu den Themen Leiden und Erlösung auf. Die Lektüre war anstrengend und wurde selten aufgelockert.

    Ich habe lange über die Verschlungenheit dieses Bandes nachgedacht, um herauszufinden, wieso mich die Komplexität der Reihe weder schreckt noch stört. Oft genug habe ich anderen Autor_innen vorgeworfen, dass sie die inhaltlichen Ziele ihrer Geschichten auch einfacher hätten erreichen können. Ich glaube, der Unterschied besteht darin, dass ich nicht wüsste, wie Steven Erikson auf all die Verwicklungen hätte verzichten sollen, ohne Abstriche zu machen. „Das Spiel der Götter“ kann nicht anders erzählt werden. Vielleicht könnte es gradliniger sein, doch dann wäre es nicht mehr brillant. Das Genie dieses Epos entsteht durch die unzähligen winzigen Details, die nur zusammen das Gesamtbild erschaffen können. Keine Figur, keine Szene ist irrelevant; alles hat Bedeutung für das große Ganze, was man erst erkennt, wenn man genau hinsieht und die Kausalketten zurückverfolgt. Meiner Meinung nach hilft es, sich „Das Spiel der Götter“ als impressionistisches Gemälde vorzustellen. Steht man direkt davor, sind die fleckig, punktartig angeordneten Farben sichtbar. Betrachtet man es hingegen aus einiger Entfernung, vermischen sich die Farben und enthüllen ihre Wirkung und Atmosphäre. Dieser Vergleich erklärt meinem Empfinden nach exakt, warum diese High Fantasy – Reihe von ihrem komplexen Detailreichtum lebt und sich jede Kritik in diese Richtung erübrigt. Claude Monet würde schließlich auch niemand sagen, er hätte seine Meisterwerke mit durchgängigen Pinselstrichen einfacher fertigstellen können.

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