Bücher mit dem Tag "erzählung"
502 Bücher
- John Strelecky
Das Café am Rande der Welt
(1.295)Aktuelle Rezension von: mattderMan siehst in Café und danke über das Leben nach und die Geschichten die es Schreibt. Sehr nachdenklich und reget zum nachdenken an. Aber ein bis sich mehr Spannung hätte den Buch gut getanzten. Trotzdem gut zu lesen. Für den kleine kleinen Lesehunger Wichterich gut geeinigt. Lesen oder Lassen. Das Buch.
- Antoine de Saint-Exupéry
Der kleine Prinz
(8.051)Aktuelle Rezension von: mxchellex678Der kleine Prinz ist ein Buch, von dem man schon sehr viel gehört hat. Für mich war es tatsächlich das erste Mal, dass ich diese Geschichte gelesen habe, und ich war gespannt, was mich erwartet.
Der Einstieg fiel mir leicht. Ich war direkt in der Geschichte drin und konnte der Handlung gut folgen. Der kleine Prinz selbst ist eine nette und außergewöhnliche Figur, die sich deutlich von typischen Charakteren unterscheidet.
Der Schreibstil war für mich etwas gewöhnungsbedürftig, gleichzeitig aber auch sehr schön und poetisch. Man merkt schnell, dass das Buch eher symbolisch und philosophisch geschrieben ist als wie eine klassische Geschichte.
Besonders im Kopf geblieben ist mir die Begegnung mit dem Menschen auf der Erde. Diese Szene fand ich interessant, weil sie nochmal eine andere Perspektive in die Geschichte bringt.
Trotzdem muss ich sagen, dass ich die eigentliche Botschaft des Buches beim Lesen leider nicht wirklich verstanden habe. Viele Menschen beschreiben Der kleine Prinz als sehr tiefgründig, doch für mich blieb vieles eher unklar. Auch emotional konnte mich die Geschichte nicht besonders erreichen.
Das Ende fand ich ebenfalls etwas verwirrend. Es lässt vieles offen und wirft eher neue Fragen auf, anstatt alles klar aufzulösen.
Ich verstehe auf jeden Fall, warum dieses Buch für viele ein besonderer Klassiker ist. Für mich persönlich hat es jedoch nicht die Wirkung entfaltet, die ich erwartet hatte. Vielleicht ist es ein Buch, das man zu einem anderen Zeitpunkt im Leben noch einmal lesen sollte – aktuell hat es mich aber nicht komplett überzeugt.
- J. D. Salinger
Lektüre Kopiervorlagen: Jerome D. Salinger, Der Fänger im Roggen / Catcher in the Rye
(1.567)Aktuelle Rezension von: Trishen77"Sie hatte eine angenehme Stimme. Vor allem für Telefongespräche geeignet. Sie hätte immer ein gottverdammtes Telefon mit sich herumtragen sollen."
Seit ich auf Amazon.de Rezensionen schreibe, habe ich mich immer bemüht alle Kritikpunkte und Ansätze zu einem Buch in meine Besprechungen mit einfließen zu lassen. Nicht um mich lieb Kind zu machen, sondern weil die Summe aller Meinungen der Spiegel eines jeden Buches ist, ob sie nun zutreffen oder nicht.
Bei jedem Buch, das der amerikanische Schriftsteller J.D. Salinger geschrieben hat (es sind genau 4), fällt mir diese Taktik jedoch sehr schwer. Ich liebe seine Bücher und doch möchte ich nicht ausschließen, dass sie für manche eine eher unbeeindruckende Erfahrung darstellen können, auch wenn ich jedem ans Herz legen möchte, sie zu lesen. Mich haben diese Bücher verändert. Ich kann sie immer wieder lesen, ich bin immer wieder aufs Neue fasziniert und gepackt, gehe immer wieder durch diese Prosa, die ganz ohne Manierismen und fast ohne Sorgfalt auskommt, mit einem Gefühl, als wäre alles, was dort geschrieben steht, ein Geschehen irgendwo zwischen Leben und Kunst, eine nahe und doch zugleich sehr literarische Erfahrung. Auf der Höhe der Literatur und doch in vielen Untiefen.
Der Fänger im Roggen ist nun ein ganz besonderes Werk und ich weiß nicht, ob ich es hinkriege, darüber etwas Gescheites zu schreiben. Ich bin mal wieder, nach der 4ten Lektüre, überrascht, wie schnell dieser Roman doch vorbeigeht und wie viel (in den Zwischenräumen) und zugleich wenig (an der Oberfläche) darin passiert. Doch am meisten hat mich wieder einmal die unglaubliche Nähe, die Aufrichtigkeit und Authentizität, die Empathie und der plötzliche Witz dieses Buches begeistert. Ich frage mich wie immer: Wer traut sich wirklich, so ein Buch zu schreiben, wie "Catcher in the rye" eines ist? So wahr und doch (oder deswegen) so gegen den Strom.
Eine Bekannte, der ich das Buch zu Lesen gab, meinte Holden wäre ein Außenseiter, ein Verrückter gar, ein Nihilist, ein Abgedrehter. Ich bin nicht der Ansicht. Ich glaube Holden geht einfach an der Welt kaputt (und ist nebenbei sehr viel gesünder als die meisten von uns). Aber er geht eben nicht spektakulär kaputt. Überhaupt ist nichts in diesem Buch spektakulär, äußerlich. Es ist alles ganz einfach - und doch so kompliziert. Und Salinger schafft es, dies auf den Punkt zu bringen - er hat ein wundervolles Buch darüber geschrieben, mit einer der besten, in seinen Empfindungen wirklich nachzuempfindenden Figur, die je auf den Leser losgelassen wurde. Wer glaubt, dass Kunst nicht das Leben abbilden könne, weil sie idealisiert, trickst, glättet, der sollte den Fänger im Roggen lesen.
"Aber wenn man am Leben bleiben will, muss man eben dieses Zeug mitmachen."
Ein Buch das sagt: Take it or leave it und das doch im Geheimen weiß: So einfach ist es nicht. Viele Leute sehen in Holden gerne einen klassischen Antihelden (aber Held und Antiheld sind Konstruktionen der Kunst und damit wird man Holden nicht gerecht) oder einen sehr sprunghaften, sonderbaren Kerl. Aber werden wir nicht alle von denselben Dingen wie er umgetrieben? Spontane Abneigung, Verlorenheit, Daseinsjammer und oft dieses Gefühl der Oberflächlichkeit, als hätte man sich in einer Welt der Schemata und Konventionen verlaufen, aus denen stets nur das immer gleiche, beschränkte erwächst – wo man selbst doch nur ein bisschen etwas Wahres haben will? Salinger hat sich getraut diese Emotionen und Ideen am Beispiel eines Heranwachsenden wunderbar zu durchleuchten, das ganze Problem, mit der Welt klarzukommen, mit den Menschen, die alle so verschieden sind und die doch alle in einer Gleichung zusammenkommen sollen, die man Zusammenleben nennt.
Und doch ist Der Fänger im Roggen kein Manifest, keine psychologische Studie und Holden ist kein Ankläger, keine Thomas Bernhard Figur, keiner, der es sich in seiner Opposition leicht macht. Nein, auch er sucht nur seinen Platz in dem Ganzen und hält sich selbst für reichlich schwierig. Dabei zeigt sich gerade an seinem Beispiel, wie schwierig es ist, man selbst zu sein, wenn dieses selbst sich fast nirgendwo mit der Umwelt deckt und sich nicht in eine maßgeschneiderte Existenz begeben will.
Dies alles und noch mehr, verteilt und oft unscheinbar, steckt in diesem Buch.
Mancher mag meinen, es sei ein bloßer Kniff aus Stilmitteln und Vulgärsprache, wie Salinger Holden reden lässt und das sei das ganze Revolutionäre an diesem Buch. Weit gefehlt - weiter geht kaum mehr. Wer den Fänger im Roggen auf diese Dinge festmacht, wird ein großartiges Buch versäumen. Denn all diese sprachlichen Kleinigkeiten - wenn man genau hinhört, nachfühlt, sind es Signale der Seele, wie auch wir selbst sie für einen Moment oft spüren. Dinge, die einen umhauen. Die einen wütend machen. Die einen abrutschen lassen in eine plötzlich Melancholie oder Abgewandtheit. Die einen euphorisch machen oder einen irgendwie seltsam beruhigen oder gar glücklich machen. Dinge, die uns eben umtreiben, weil wir in einer Welt leben, die ständig mit uns kommuniziert und unser Selbst auch ausmacht. All das hat Salinger seiner Figur eingegeben und wenn man dies beim Lesen bedenkt, ist es wahrlich umwerfend, das er dieses Buch überhaupt geschrieben hat. Vor allem, dass er es geschrieben hat, ohne es zu kommentieren, ohne in irgendeiner Weise in Rhetorik oder Abhandlung oder Essayistik zu verfallen.
Bei allem was ich sage, möchte ich dennoch nicht verhehlen, dass dieses Buch kein Wegweiser ist oder eine wirkliche Philosophie vertritt. Holden ist nicht Salinger und selbst wenn, dann ist Holden kein Prophet. Er ist ein Mensch, ein Teenager, wie tausend andere und er spricht mit der Stimme eines solchen und nur damit. Und das, diese einfache Tatsache, macht dieses Buch letztlich (und allein schon) so lesenswert. Nichts türmt sich darüber auf, keine unterschwellige philosophische Strömung hat dieses Werk aufgeschüttet. Es ist ein Werk, das einfach erzählen will, wie das so ist, das Problem mit dem Leben, mit der Schule, mit den Mädchen, mit der Freude, mit der Liebe, mit der Angst, mit dem Glück. Man kann Salinger nur dankbar sein, dass er es geschrieben hat. Für mich und vielleicht nur für mich, ist der Fänger im Roggen eines der schönsten und eindrucksvollsten Werke, die je zwischen zwei Buchdeckeln veröffentlicht wurden. So konzentrierte Erzählkunst und doch ist es ist kein großer, erlesener Roman - es ist viel mehr als das, viel näher am Leben. Es ist Literatur, im besten Sinne.
Zuletzt zur Übersetzung: Übersetzungen sind immer so eine Sache. Ich glaube nicht, dass man Den Fänger im Roggen im Original lesen muss, auch wenn das wiederum eine ganz besondere Erfahrung ist. Die neue Übersetzung von Schönfeld finde ich auch okay, wobei mir die von Böll besser gefällt, wenn sie auch anfangs etwas verstellt wirkt. Aber in dieser Übersetzung habe ich mehr das Gefühl, dass das Werk wirklich in die deutsche Sprache übersetzt wurde und ihren Ansprüchen, ihrer Art gerecht wurde, während Schönfelds Übersetzung mehr ein Versuch ist, die Legerheit und Eigenheit der englischen Version auch im Deutschen erreichbar zu machen (aber es ist nun mal das Problem, dass diese Art im Englischen total gut kommt, mit ihrer Knappheit etc., aber im Deutschen etwas zu BAM-mäßig klingt). Sind eben zwei Konzepte, die man beide nicht aburteilen sollte. - Hermann Hesse
Siddhartha
(952)Aktuelle Rezension von: shinryusIch dachte anfangs es würde mir schwerer fallen einen alten Klassiker zu lesen, doch ich musste wieder einmal feststellen, dass Hesses Schreibstil einfach einzigartig und zeitlos ist. Siddhartha floss regelrecht durch mich hindurch.
Siddharthas Reise und seine Erfahrungen sind schön und spannend und weise zugleich - und auf seine eigene Art auch heute noch zeitgemäß.
Einfach ein wunderschönes, inspirierendes Buch. Es hat mir viel Spaß gemacht es zu lesen und eine innere Ruhe vermittelt, wie ich sie jenem Zeitpunkt wirklich gebraucht habe.
- John Strelecky
Wiedersehen im Café am Rande der Welt
(267)Aktuelle Rezension von: Liselotte91Ich habe bereits vor einiger Zeit die Geschichte von „Café am Rande der Welt“ gelesen, welche ich ganz gut fand. Jedoch konnte ich schon damals den starken Hype um das Buch nicht ganz nachempfinden. Trotzdem wollte ich dem zweiten Teil eine Chance geben.
Der Schreibstil ist einfach gehalten, und man kann das Buch extrem schnell lesen. Es ist schön illustriert und hat eine gute Länge.
Ich verstehe die Kernaussagen des Buches. Jedoch sind diese für mich keine neuen Erkenntnisse, und im Gegensatz zum Protagonisten hatte ich hier keine Aha-Momente. Oft sind mir die Ansichten, die vermittelt werden sollen, zu einfach und realitätsfremd.
Das Buch wirkt für mich an einigen Momenten wie eine kitschige Seifenoper oder ein Disney-Happy-End, ist sehr vorhersehbar und zum Ende hin für mich sehr zäh geworden, denn ich hatte das Gefühl, man wollte nach dem Erfolg des ersten Buches einfach noch eines hinterherhängen und kaut nun noch einmal einige Themen durch.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich das Buch ganz nett finde, es mich jedoch nicht vom Hocker haut. Der erste Teil war meiner Meinung nach deutlich besser.
- Christian Handel
Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln
(158)Aktuelle Rezension von: Buch_Eule
Vom Drachenmond Verlag sind inzwischen einige wunderschöne Märchen-Anthologien erschienen. Wie auch dieses Buch. Ich habe es mir für mein Kindle gekauft, da die Kurzgeschichten sich gut dafür eignen sie in der Pause zu lesen. Die Illustrationen in den Prints lohnen sich allerdings ebenfalls sehr, was ich bei anderen Anthologien des Verlages feststellen musste.
Da jede Geschichte von einem anderen Autor stammt, unterscheiden sie sich in Stimmung wie auch im Schreibstil. Einige sorgen für Gänsehaut, andere stimmen einen Traurig und wieder andere lassen einem das Herz vor Rührung zergehen. Es gab Geschichten die mir nicht ganz so gut gefallen haben wie andere, doch alle ließen sich flüssig lesen. Bei keiner konnte ich sagen, dass sie mir gar nicht gefallen hat. Sie alle waren wunderschön geschrieben, auch wenn einige mich mehr bewegten und rührten als andere.
Obgleich es sich bei dem Buch um eine Märchensammlung handelt ist es keines für kleine Kinder, sondern eher für Jugendliche und Erwachsene. Überwiegend spielen die Märchen in den gewohnten fantastischen Welten, eines von ihnen spielt in der Moderne, doch obwohl es von der Umgebung her nicht zu den anderen passt, entpuppt es sich nicht als Störfaktor, sondern als Juwel, welches die Geschichte abrundet.
Da die Geschichten so unterschiedlich sind, wird sich für jeden der Märchen gegenüber offen ist etwas passendes finden lassen. Perfekt ist es natürlich für die unter uns die in einem Buch keinen bestimmten Ton erwarten und Beispielsweise gerne von einer Romanze in einen Thriller stolpern. 😉
Ich kann dieses Buch daher nur empfehlen - Hermann Hesse
Unterm Rad
(846)Aktuelle Rezension von: FeatherstoneInhalt:
Sein Vater, seine Lehrer, der Pfarrer und überhaupt fast alle in seinem Heimatdorf sind sich einig, dass der junge Hans Giebenrath außergewöhnlich begabt ist und Großes von ihm zu erwarten ist. Mit viel Engagement, Durchhaltevermögen und Beharrlichkeit bereitet sich Hans auf das Landexamen vor, denn wer dieses besteht zählt zu den wenigen Privilegierten, die das Seminar in der Klosterschule in Maulbronn besuchen dürfen und vor denen eine glänze Zukunft liegt. Zunächst verläuft alles nach Plan, aber nach und nach beginnt Hans unfreiwillig von diesem streng vorgezeichneten Weg abzukommen und alles verändert sich für ihn schleichend und unaufhaltsam zum Schlechteren hin…
„Über Hans Giebenraths Begabung gab es keinen Zweifel. […] Damit war seine Zukunft bestimmt und festgelegt.“ (S. 9)
Meine Meinung:
Da ich „Siddhartha“ und vor allem „Narziss und Goldmund“ sehr gemocht habe („Demian“ war leider weniger mein Fall) wollte ich nun auch „Unterm Rad“ eine Chance geben.
„Unterm Rad“ ist ein sehr berührendes und nachdenklich stimmendes Buch, das einem in Erinnerung bleibt. Diese relativ kurze, geradlinig und unaufgeregt erzählte Geschichte besitzt dafür umso größere emotionale Wucht. Das Buch macht auf ein wichtiges Thema aufmerksam, das auch in der heutigen Zeit noch aktuell ist: Psychische Erkrankungen und die Schattenseiten der Leistungsgesellschaft. Es ist bemerkenswert, dass Hermann Hesse dieses Buch schon 1905 veröffentlicht hat, denn damals waren psychische Erkrankungen noch weit weniger im Bewusstsein der Öffentlichkeit und man hatte weniger Verständnis dafür als heutzutage.
Der Einstieg in die Geschichte fällt leicht. Man kann sich sehr gut in Hans hineinversetzen, weil Hermann Hesse bei der Schilderung von dessen Gefühlen und Gedanken viel Einfühlungsvermögen und ein hohes Maß an Sensibilität beweist. Hans ist ein gutmütiger, sensibler, zurückhaltender, höflicher, intelligenter und fleißiger Junge, den man schnell ins Herz schließt. Hans ist jemand, der es jedem recht machen möchte und der seine eigenen Bedürfnisse hintenanstellt. Er will die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen und übernimmt die Pläne, die die Erwachsenen mit ihm haben als seine eigenen und verinnerlicht sie. Hans nimmt es klaglos hin als sein Vater und seine Lehrer ihm immer mehr Lernstoff aufbürden. Schon bald hat Hans fast gar keine Freizeit mehr in der er seinen Hobbys nachgehen kann.
Bereits zu Beginn der Geschichte (als für Hans noch alles sehr gut läuft) bereiten einem gewisse Dinge ein wenig Unbehagen und man hat zuweilen ein ungutes Gefühl. Man hat nämlich den Eindruck, dass die Personen in Hans‘ Umfeld viel zu sehr auf seine Leistungen schauen und dazu neigen den Menschen dahinter vergessen. Hans scheint vorwiegend geschätzt zu werden, weil er „der Stolz der Stadt“ ist. Ihm wird dadurch der Eindruck vermittelt, dass man ihn nicht seiner Persönlichkeit wegen mag und beachtet, sondern aufgrund seiner herausragenden schulischen Leistungen. Nicht einmal Hans‘ Vater ist in dieser Hinsicht eine Ausnahme. Außerdem wird von allen Seiten sehr großer Druck auf Hans ausgeübt und jeder will ihn zu Höchstleistungen antreiben. Erschwerend kommt hinzu, dass zugleich auch nicht auf Hans‘ Sorgen und Ängste eingegangen wird und diese sogar als unbedeutend abgetan werden:
„Du weißt, dass wir alle Hoffnungen auf dich setzen. Im Latein erwarte ich eine besondere Leistung von dir.“ – „Wenn ich aber durchfalle“, meinte Hans schüchtern. „Durchfallen?!“ Der Geistliche blieb ganz erschrocken stehen. „Durchfallen ist einfach unmöglich. Einfach unmöglich! Sind das Gedanken!“ (S. 15)
Als Hans in die Klosterschule kommt hofft man sehr, dass das Internatleben guttut. Tatsächlich findet Hans in dem eher unangepassten, leicht rebellischen und impulsiven Hermann auch endlich einen Freund. Obwohl die beiden charakterlich sehr unterschiedlich sind verstehen sie sich prächtig und werden schon bald unzertrennlich. Leider gibt es aber schon bald Probleme: Hermann fällt bei den Lehrern in Ungnade woraufhin diese es allen Schülern für unbestimmte Zeit untersagen mit Hermann auch nur zu sprechen. Hans sieht sich somit gezwungen seinem Freund den Rücken zu kehren. Gewissenskonflikte und Schuldgefühle sind damit natürlich vorprogrammiert. Wie die Lehrer hier einen Schüler zum Aussätzigen erklärt haben und ihn völlig von den anderen isoliert haben hat mich fassungslos und wütend gemacht. Es handelt sich immerhin um minderjährige Schüler, die weit von Zuhause entfernt leben und die daher vor Ort außer ihren Mitschülern keinerlei Bezugspersonen haben. Auch sonst sind die pädagogischen Methoden zur damaligen Zeit aus heutiger Sicht sehr erschreckend. So droht den Schülern beispielsweise bei regelwidrigem Verhalten der Karzer.
Es ist bedrückend und traurig mitanzusehen wie es Hans dann im Laufe der Geschichte zunehmend schlechter geht. Der große Druck unter dem er steht und die Angst vor dem Scheitern machen ihm immer mehr zu schaffen. Es plagen ihn Albträume, er hat ständig Kopfschmerzen und er fühlt sich gestresst, ruhelos, gehetzt, antriebslos und niedergeschlagen. Als Leser ist man aber leider die einzige Person, der das frühzeitig bzw. der das überhaupt auffällt. Niemand bemerkt wie sehr Hans im Stillen zu leiden beginnt:
Keiner […] sah hinter dem hilflosen Lächeln des schmalen Knabengesichts eine untergehende Seele leiden und im Ertrinken angstvoll und verzweifelnd um sich blicken. (S. 111)
Erst als sich Hans‘ schulische Leistungen verschlechtern fällt ihnen auf, das etwas nicht stimmt. Es werden dann jedoch nur halbherzige bzw. gar keine Versuche unternommen um die Situation für ihn zu verbessern und ihm aus seinem Elend herauszuhelfen. Stattdessen ist man schlicht enttäuscht von ihm, grenzt ihn aus und wendet sich von ihm ab, weil er es nicht länger wert ist, dass man ihm viel Aufmerksamkeit schenkt:
Er war kein Gefäß mehr, in das man allerlei hineinstopfen konnte, kein Acker für vielerlei Samen mehr; es lohnte sich nimmer, Zeit und Sorgfalt an ihn zu wenden. (S. 116)
Hans hat mir furchtbar leidgetan und ich habe mir große Sorgen um ihn gemacht. Man wünscht es sich in vielen Momenten richtiggehend ihm eine Hand auf die Schulter legen zu können, ihm Mut zuzusprechen und ihn zu trösten. Sein Scheitern ist für Hans eine große Enttäuschung und eine demütigende Erfahrung. Manche Leute verspotten ihn auch noch deswegen. Außerdem kehren ihm viele den Rücken, weil er für sie nun nicht länger interessant ist.
Diese Geschichte ist eine ohne Happy End und das macht sie umso eindrücklicher und bewegender. Diejenigen, die zu Hans‘ Unglück beigetragen haben haben leider rein gar nichts aus dem Geschehenen gelernt und hinterfragen ihr eigenes Verhalten Hans gegenüber in keiner Weise. Nicht einmal Hans‘ Vater ist da keine Ausnahme. Einzig der Schumacher Flaig (ein weitgehend unbeteiligter Beobachter der Geschehnisse) macht sich in dieser Hinsicht Gedanken. Man hat daher den Eindruck, dass sich eine Geschichte wie die von Hans jederzeit wiederholen könnte und das hat mich ziemlich niedergeschlagen und traurig zurückgelassen. Es gab keinen Hoffnungsschimmer.
Fazit:
Dieses Buch sollte man auf keinen Fall lesen, wenn man ohnehin schon etwas traurig ist. Es ist nämlich eine Geschichte, die sehr bedrückend, dramatisch und hoffnungslos ist. Man muss hilflos mitansehen wie Hans im Stillen leidet, ihm keiner hilft und schließlich alles sehr traurig endet. Es ist eine sehr berührende Geschichte über ein ernstes Thema, die einem nicht so schnell loslässt und die einem nachdenklich stimmt. Hermann Hesses Schreibstiel ist auch in diesem Buch wunderschön.
Ich hätte mir gewünscht, dass es am Ende zumindest einen kleinen Funken Hoffnung gibt und einige der handelnden Personen ihr Verhalten Hans gegenüber überdenken. Daher nur vergebe ich nur 4 statt 5 Bewertungssterne. Vielleicht ist es aber auch etwas unfair bloß deswegen einen Stern abzuziehen.
- Haruki Murakami
Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki
(653)Aktuelle Rezension von: Lia48(C. N.: u. a. Sui*idgedanken, Tod, Se*uelle Gewalt, evtl. Depression)
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💬 „Warum Bahnhöfe ihn in solche Begeisterung versetzten, konnte er niemandem erklären. Und selbst wenn, hätte man ihn ohnehin nur für ein sehr seltsames Kind gehalten. Mitunter fand Tsukuru ja sogar selbst, dass mit ihm einiges nicht stimmte.“💬 „Wie Wind wehte, wie Wasser rauschte, wie Licht durch die Wolken fiel, ja sogar die Farben der jahreszeitlichen Blumen - alles war anders als früher.“
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📖 KLAPPENTEXT:
„Der junge Tsukuru Tazaki ist Teil einer Clique von fünf Freunden, deren Mitglieder alle eine Farbe im Namen tragen. Nur Tsukuru fällt aus dem Rahmen und empfindet sich – auch im übertragenen Sinne – als farblos, denn anders als seine Freunde hat er keine besonderen Eigenheiten oder Vorlieben, ausgenommen vielleicht ein vages Interesse für Bahnhöfe. Als er nach der Oberschule die gemeinsame Heimatstadt Nagoya verlässt, um in Tokio zu studieren, tut dies der Freundschaft keinen Abbruch. Zumindest nicht bis zu jenem Sommertag, an dem Tsukuru voller Vorfreude auf die Ferien nach Nagoya zurückkehrt – und herausfindet, dass seine Freunde ihn plötzlich und unerklärlicherweise schneiden. Erfolglos versucht er wieder und wieder, sie zu erreichen, bis er schließlich einen Anruf erhält: Tsukuru solle sich in Zukunft von ihnen fernhalten, lautet die Botschaft, er wisse schon, warum. Verzweifelt kehrt Tsukuru nach Tokio zurück, wo er ein halbes Jahr am Rande des Selbstmo*ds verbringt.Viele Jahre später offenbart sich der inzwischen 36-jährige Tsukuru seiner neuen Freundin Sara, die nicht glauben kann, dass er nie versucht hat, der Geschichte auf den Grund zu gehen. Von ihr ermutigt, macht Tsukuru sich auf, um sich den Dämonen seiner Vergangenheit zu stellen.“
💬 „Du kannst deine Geschichte weder auslöschen noch rückgängig machen. Denn damit würdest du zugleich dein inneres Wesen tö*en.“----
📝 KURZMEINUNG:
Diese Geschichte besitzt eine schöne philosophische und leicht spirituelle Note. Sie spielt manchmal mit den Übergängen von Traum, Realität und anderen Bewusstseinsebenen und hat ein paar wenige skurrile Elemente.
Nicht immer wusste ich alles einzuordnen, was jedoch absolut nicht auf die Spitze getrieben wurde und so tatsächlich seinen eigenen Reiz für mich hatte.
In kürzester Zeit bin ich durch das Buch geflogen.
Auch vom Schreibstil her mochte ich es wirklich gerne, zudem hat mir die Grundidee gefallen.
Die Bettgeschichten und nächtlichen Träume des Protagonisten hätte ich in seinen Details nicht benötigt. Und dass er Letztere mit einer Vergewa*tigung vergleicht, fand ich moralisch etwas fragwürdig.Nach meiner ersten Lektüre von Murakami kann ich nun erahnen, welche Anziehung sein Schreiben für viele Lesende ausstrahlt. Ob all seine Geschichten etwas für mich sind, kann ich noch nicht sagen. Aber zum überwiegenden Teil hat er mich hier erreicht, wenn auch nicht auf allen Ebenen.
Der farblose Schmetterling unter dem bunten Schutzumschlag bei meiner Hardcover-Ausgabe finde ich übrigens eine wirklich schöne Idee und passt gut zum Inhalt.
Auf meinem SuB warten nun noch „Wenn der Wind singt / Pinball 1973“ und die beiden Bücher von „Die Ermordung des Commendatore“ von Murakami auf mich. Ich bin gespannt!
Für die hiesige Lektüre gibt es von mir 3,5/5 Sterne!
- Franz Kafka
Die Verwandlung
(1.843)Aktuelle Rezension von: JordanbakerFranz Kafkas Die Verwandlung ist ein Werk, das mich nachhaltig erschüttert hat. Ich gebe volle 5 Sterne, weil diese Erzählung auf kaum mehr als 70 Seiten eine existenzielle Tiefe erreicht, die viele Romane nicht ansatzweise bieten.
Die Ausgangssituation ist so simpel wie verstörend: Gregor Samsa erwacht eines Morgens als „ungeheures Ungeziefer“. Was folgt, ist keine phantastische Abenteuergeschichte, sondern die schonungslose Zergliederung einer Familie, die unter dem Druck des Andersseins zerbröckelt. Kafka zeigt, wie aus anfänglicher Fürsorge mit der Zeit Ekel, Gleichgültigkeit und schließlich Erleichterung über die Last der Pflege werden.
Die Genialität liegt in der nüchternen, fast protokollarischen Sprache, mit der das Ungeheuerliche erzählt wird. Keine Erklärung für die Verwandlung, keine psychologische Auflösung – stattdessen die präzise Schilderung eines schleichenden Verlusts von Menschlichkeit, auf beiden Seiten. Die Verwandlung ist nicht nur die Gregors, sondern auch die seiner Familie: aus bürgerlicher Ehrbarkeit wird kalte Berechnung.
Dieses Buch hat mich sprachlos zurückgelassen. Es ist ein Meisterwerk über Entfremdung, Schuld und die Fragilität familiärer Bindungen. Absolute Leseempfehlung für alle, die Literatur suchen, die nicht oberflächlich bleibt, sondern bis ins Mark vordringt.
- Ernest Hemingway
Der alte Mann und das Meer
(1.074)Aktuelle Rezension von: Leonie1Der alte Mann und das Meer ist ein ruhiges, eher schlichtes Buch, das sich sehr schnell lesen lässt. Während des Lesens wirkt die Geschichte fast unspektakulär, doch im Nachhinein bleibt einiges zum Nachdenken zurück und muss erst einmal sacken.
Der alte Mann ist eine sehr mutige Figur. Trotz Niederlage strahlt er Zuversicht, Würde und innere Stärke aus. Gerade dieses Durchhalten und Weitermachen macht seine Geschichte besonders. Auch wenn das Ende traurig ist, fühlt es sich gleichzeitig wie eine Art Sieg an, weil er sich selbst treu bleibt.
Dennoch bleibt ein leiser Wunsch, dass die Geschichte anders ausgegangen wäre. Genau diese Mischung aus Verlust, Hoffnung und innerem Triumph macht das Buch aber wohl so nachhaltig.
Insgesamt ein okayes, ruhiges Werk, das weniger durch Handlung als durch seine Symbolik und Stimmung wirkt.
- Stefan Zweig
Schachnovelle
(1.508)Aktuelle Rezension von: AirdemDie „Schachnovelle“ ist ein Werk, an das man aufgrund seines Rufes mit einer enormen Erwartungshaltung herangeht. Stefan Zweig schreibt handwerklich natürlich auf einem extrem hohen Niveau; die Sprache ist präzise, elegant und schafft es, die beklemmende Atmosphäre der Isolation und den darauffolgenden geistigen Verfall greifbar zu machen.
Dennoch muss ich sagen: Das Buch war für mich eher „nett“ als ein absolutes Highlight. Die psychologische Tiefe des Protagonisten und sein Kampf gegen die „Schachvergiftung“ sind zwar faszinierend, aber die Geschichte blieb für mich hinter den hohen Erwartungen zurück. Es fehlte mir der letzte Funke, der die Erzählung von einer soliden Novelle zu einem packenden Erlebnis gemacht hätte. Vielleicht liegt es an der Kürze des Textes, dass manche Entwicklungen für mich zu schnell abgehandelt wirkten.
Insgesamt ein lesenswerter Klassiker, der handwerklich überzeugt, mich emotional aber nicht so tief greifen konnte, wie ich es erhofft hatte.
- George Orwell
Farm der Tiere
(996)Aktuelle Rezension von: Papercut„Farm der Tiere“ ist eine kurze, aber außerordentlich wirkungsvolle politische Parabel. In der scheinbar einfachen Geschichte eines Bauernhofs, auf dem die Tiere die Herrschaft der Menschen abschütteln, entlarvt Orwell mit scharfem Witz und bitterer Ironie die Mechanismen von Macht, Manipulation und Verrat an Idealen. Die anfängliche Hoffnung auf Gleichheit und Gerechtigkeit weicht Schritt für Schritt einer neuen Tyrannei – subtil, logisch und erschreckend plausibel erzählt.
Besonders eindrucksvoll ist Orwells Sprache: klar, zugänglich und dennoch vielschichtig. Die Tiere sind prägnant charakterisiert und stehen symbolisch für gesellschaftliche Gruppen, ohne dabei ihre erzählerische Lebendigkeit zu verlieren. Gerade diese Einfachheit macht die Allegorie so kraftvoll; sie erlaubt Leserinnen und Lesern jeden Alters, die Geschichte zu verstehen, während ihre politische Tiefe mit zunehmender Reflexion immer deutlicher wird.
Trotz seines historischen Bezugs wirkt das Buch zeitlos. Die dargestellten Strategien der Propaganda, die Umdeutung von Regeln und die schleichende Konzentration von Macht sind auch heute noch erschreckend aktuell. „Farm der Tiere“ ist daher nicht nur Pflichtlektüre im schulischen Kontext, sondern ein Werk, das zum kritischen Denken anregt und lange nachhallt.
- Ursula K. Le Guin
Erdsee
(223)Aktuelle Rezension von: Quivi92Ein High-Fantasy-Klassiker, aber…
Kaum ist der Held an einem Ort angekommen und stellt sich einer Herausforderung … ist das Ganze auch schon wieder vorbei. (Dies mag der Tatsache geschuldet sein, dass Ursula Le Guin ursprünglich Kurzgeschichten zu der Erdsee-Welt geplant hatte.) Hinzu kommt, dass die Erzählung sehr stark vom Daoismus geprägt ist: Wandel, Veränderung und die Suche nach der wahren Identität sind zentrale Aspekte von „Erdsee“. Daher wirkt es ehr wie ein daoistisches Philosophie-Gleichnis mit Fantasy-Elementen.
Mich konnte das Buch leider emotional nicht abholen. Ich hatte kaum das Bedürfnis, dass ich unbedingt wissen muss, wie die Geschichte um Ged weitergeht. Auf mich wirkten einige Stellen nicht ganz ausgearbeitet, denn sobald es richtig spannend und interessant wurde, ließ sich die Erzählung zu einem anderen Ufer mit einer neuen Herausforderung treiben – Inselhopping mal anders.
Die Geschichte hat so viel Potential. Schade nur, dass der Erzählstil so emotions- und detaillos ist…
- Hape Kerkeling
Der Junge muss an die frische Luft
(390)Aktuelle Rezension von: SeverusNyssenDer Junge muss an die frische Luft“ ist nicht einfach nur eine Autobiografie, sondern eine liebevoll erzählte Erinnerung an die prägenden Jahre des jungen Hape Kerkeling. Von der ersten Seite an nimmt er seine Leser*innen mit in die Welt des Ruhrgebiets der 1970er-Jahre – eine Welt voller Currywurstbuden, Nachbarschaftsleben, rauer, aber herzlicher Menschen und einer Familie, die ebenso Halt wie Bruchstellen bereithält.
Besonders beeindruckend ist, wie Kerkeling es schafft, kindliche Perspektive und erwachsene Reflexion miteinander zu verweben. Man liest von seiner frühen Begabung für Humor und Imitation, von ersten kleinen Auftritten vor der Familie, und spürt zugleich die Schattenseiten seiner Kindheit: die Depression und den viel zu frühen Tod seiner Mutter, die Leere, die dieses Ereignis hinterlässt, und die Suche nach einem Platz im Leben. Trotz dieser Schwere verliert das Buch nie seinen leichten Ton – es gibt immer wieder Szenen, die zum Schmunzeln bringen, weil sie mit feinem Humor und Selbstironie geschildert sind.
Das Faszinierende ist, dass Kerkeling weder verklärend noch bitter schreibt. Er blickt ehrlich zurück, ohne zu urteilen. Gerade dadurch entsteht eine Nähe, die berührt: Man fühlt mit dem kleinen Hans-Peter, wenn er in der Enge der Wohnung nach Luft schnappt, aber auch, wenn er durch seine Fantasie ganze Wohnzimmer in Bühnen verwandelt.
„Der Junge muss an die frische Luft“ ist ein Buch, das zeigt, wie aus Schmerz Kreativität wachsen kann, wie Humor zum Überlebensmittel wird und wie Erinnerungen – so traurig sie auch sein mögen – getragen sind von Liebe und Dankbarkeit. Es ist ein sehr persönliches Werk, das nicht nur Fans von Hape Kerkeling anspricht, sondern alle, die Geschichten über Kindheit, Verlust und die Kraft des Humors schätzen.
- Walter Moers
Der Bücherdrache
(251)Aktuelle Rezension von: HaerzlechDie Legende besagt, der Drache mit den vielen Namen bestehe aus Büchern, habe auf jede Frage eine Antwort und sei vom Orm durchströmt. Infolge einer Mutprobe macht sich Hildegunst Zwei als junger Buchling auf den Weg in den Ormsumpf, um den sagenumwobenen Drachen zu finden und ihm eine ganz bestimmte Frage zu stellen...
Ich glaube, Walter Moers' Fantasiewelt liebt man entweder, oder man versteht sie nicht. Ich gehöre wohl zu letzteren. Nach den 13 1/2 Leben und der Stadt der träumenden Büchern wollte ich Moers mit dem Bücherdrachen nochmals eine Chance geben.
Tatsächlich hat mir das Buch deutlich besser gefallen als die anderen beiden, die ich von ihm gelesen habe. Dies ist einerseits der Kürze zu verdanken: Durch die deutlich weniger lange Geschichte hatte ich keine Mühe, dem Roman zu folgen - in den anderen Zamonienromanen hat meine Vorstellungskraft jeweils mittendrin abgeschaltet, und ich konnte mir nichts mehr darunter vorstellen. Hier hatte ich hingegen keine Schwierigkeiten, mein Kopfkino aufrecht zu erhalten.Was ich nicht verstehe, ist die Rahmenhandlung, die um das Abenteuer gesponnen wird. Da klar ist, dass die Geschichte längst abgeschlossen ist, nimmt es die gesamte Spannung weg, da ich ja weiss, dass alles gut enden wird. Die Unterbrüche in der Geschichte unterbrechen ausserdem auch jedes Mal wieder die aufgebaute Spannung, geben aber in meinen Augen nichts zur Geschichte hinzu.
Ich glaube, ich hätte es präferiert, die Erzählung zu lesen, und den Kontext der Rahmenhandlung nur in einem Epilog zu haben.
- Gail Honeyman
Eleanor Oliphant Is Completely Fine (deutsche Ausgabe)
(391)Aktuelle Rezension von: Seelion_Gerit„Eleanor Oliphant“ ist kein Liebesroman im klassischen Sinne – was man anhand von Cover und Beschreibung zunächst vermuten könnte. Stattdessen erzählt das Buch die Geschichte einer ungewöhnlichen, introvertierten Frau, die sich langsam aus ihrer selbstgewählten Isolation löst. Obwohl meine Erwartungen daher in eine andere Richtung gingen, hat mich die einfühlsame und stellenweise humorvolle Figurenentwicklung dennoch positiv überrascht. Lesenswert – aber eben weniger romantisch, als der erste Eindruck vermuten lässt.
- Hermann Hesse
Demian
(625)Aktuelle Rezension von: FeatherstoneInhalt:
Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein junger Mann namens Emil, der von einigen besonders prägenden Erlebnissen aus seiner Kindheit und Jugend erzählt. Man erfährt welche Sorgen und Nöten Emil gehabt hat und wieviel ihm seine Freundschaft mit dem einige Jahre älteren Demian bedeutet hat...
Meine Meinung:
Da ich Siddhartha, Unterm Rad und vor allem Narziss und Goldmund sehr gemocht habe wollte ich nun auch Demian eine Chance geben.
Der Einstieg in die Geschichte fällt leicht. Ich konnte mich sehr gut in Emil hineinversetzen, weil Hermann Hesse bei der Schilderung von dessen Gefühls- und Gedankenwelt viel Einfühlungsvermögen und ein hohes Maß an Sensibilität beweist. So wird es sehr eindrücklich und lebensnah beschrieben wie Emil als 10-jähriger durch eine Notlüge in eine für ihn äußerst belastende und zunächst ausweglos erscheinende Situation gerät und wie ihn erst die Bekanntschaft mit Demian davon befreit. Diese ersten Begegnungen mit Demian und die zaghafte Annäherung zwischen Emil und Demian werden toll beschrieben. Demian ist ein geheimnisvoll und verschlossen wirkender Junge mit interessanten und unkonventionellen Ansichten über den man gerne mehr erfahren hat.
Nach diesem starken Anfang hat mich die Geschichte im weiteren Verlauf leider ein wenig verloren. Emil wechselt auf eine weiterführende Schule, die sich in einer anderen Stadt befindet. Deshalb verschwindet Demian zunächst aus Emils Leben und er kommt über viele Seiten hinweg überhaupt nicht mehr vor. Das finde ich schade, weil Demian bis dahin ein wichtiger Bestandteil der Geschichte gewesen ist und diese sehr bereichert hat. Stattdessen verliert sich Emil von da an sehr in seinen Gedanken und zu manchen dieser Gedanken – u. a. die Gedanken rund um „Der Vogel kämpft sich aus dem Ei“ und „Der Gott heißt Abraxas“ – konnte ich einfach keinen richtigen Zugang finden und ich habe sie als zu surreal und als etwas „abgehoben“ empfunden. Bei vielen von Emils Gedanken gab es mir zu viel Interpretationsspielraum und ich hatte stellenweise den Eindruck, dass ich einen Lektürenschlüssel benötige um die Bedeutung des Ganzen vollumfänglich zu verstehen. Emil malt z. B. ein Porträt von einer ihm flüchtig bekannten Frau und stellt dann später fest, dass dieses eigentlich seine eigenen Gesichtszüge hat und später meint er dann doch Demian in diesem Porträt zu erkennen. Ein weiterer Schwachpunkt der Geschichte ist für mich Emils Bekanntschaft mit dem Organisten Pistorius. Mit den Gesprächen zwischen Emil und Pistorius konnte ich nicht besonders viel anfangen und die Inhalte waren für mich nicht richtig greifbar. Ich hatte den Eindruck, dass man diese Episode getrost ein wenig hätte kürzen können, weil sie die Geschichte nicht wirklich vorangebracht haben.
Auch mit Emils Liebesbeziehung hatte ich so meine Probleme. Ich finde es zu unglaubwürdig, dass Emil sich aus heiterem Himmel verliebt und seine Gefühle von seiner Angebeteten direkt erwidert werden obwohl die beiden sich zu diesem Zeitpunkt eigentlich so gut wie gar nicht kennen und es zudem noch einen nicht unerheblichen Altersunterschied zwischen ihnen gibt. Außerdem finde ich es nicht in Ordnung, dass Emil seine Beziehung zunächst gegenüber einer bestimmten dritten Person verschweigt. Es wäre meiner Meinung nach mehr als angebracht gewesen und der Respekt hätte es verlangt diese besagte dritte Person direkt ins Vertrauen zu ziehen als sich abgezeichnet hat, dass sich eine Liebesbeziehung anbahnt.
Das Ende der Geschichte gefiel mir dann jedoch richtig gut. Es fällt sehr dramatisch aus ging mir sehr zu Herzen.
Fazit:
Ich blicke mit gemischten Gefühlen auf diese Geschichte. Der tolle Schreibstil, der vielversprechende Beginn und das dramatische Ende haben mich für diese Geschichte eingenommen. Zugleich habe ich aber mit Blick auf den Mittelteil auch einige Kritikpunkte, die das Lesevergnügen geschmälert haben.
Für mich kann diese Geschichte leider nicht mit Siddhartha, Unterm Rad und vor allem mit Narziss und Goldmund mithalten, aber ich bereue es auch nicht das Buch gelesen zu haben, weil mir es mir stellenweise recht gut gefallen hat.
Zum Schluss noch einige der schönsten Zitate aus dem Buch:
„Man braucht vor niemandem Angst zu haben. Wenn man jemand fürchtet, dann kommt es daher, dass man diesem Jemand Macht über sich eingeräumt hat. Man hat zum Beispiel etwas Böses getan, und der andre weiß das – dann hat er Macht über dich.“ (S. 53)
„Nur das Denken, das wir leben, hat einen Wert.“ (S. 84)
„Man darf nichts fürchten und nichts für verboten halten, was die Seele in uns wünscht.“ (S. 146)
„Liebe muss nicht bitten“, sagte sie, „auch nicht fordern. Liebe muss die Kraft haben, in sich selbst zur Gewissheit zu kommen. Dann wird sie nicht mehr gezogen, sondern zieht.“ (S. 193)
- Theodor Storm
Der Schimmelreiter
(1.075)Aktuelle Rezension von: JxlinechenIch habe „Der Schimmelreiter“ im Rahmen meines Germanistikstudiums gelesen. Eigentlich nur als Vorbereitung fürs NDL-Einführungsseminar gedacht, hat mich die Novelle überraschend schnell gepackt. Statt trockener Theorie bekommt man hier eine richtig dichte, spannende Geschichte serviert.
Besonders die Nordseekulisse hat mich umgehauen. Ich liebe maritime Schauplätze, und hier ist das Setting einfach ein Traum. Storm lässt die See fast lebendig wirken – man spürt den rauen Wind, hört das tosende Wasser, und die ständige Bedrohung durch die Natur sorgt für diese kühle, unheimliche Stimmung.
Hauke Haien als Hauptfigur fand ich richtig faszinierend. Er ist ein Visionär, der mit seinen modernen Ideen gegen Aberglauben und Neid im Dorf ankämpft. Dieser Konflikt zwischen Fortschritt und alten Ängsten sorgt für Spannung bis zur letzten Seite. Krass, wie zeitlos dieser Kampf gegen die Naturgewalten auch heute noch wirkt.
Einziger kleiner Kritikpunkt: Die detaillierten Beschreibungen vom Deichbau ziehen sich manchmal etwas. Technische Begriffe bremsen den Lesefluss, aber wer sich auf Storms Sprache einlässt, bekommt weit mehr als nur eine klassische Geistergeschichte.
Fazit: Wer das Meer liebt und Charaktere mit Tiefe schätzt, sollte diese Novelle unbedingt lesen. Ein schönes Beispiel dafür, dass Klassiker aus dem Studium auch richtig Spaß machen können.
- Thomas Mann
Der Tod in Venedig
(473)Aktuelle Rezension von: MeazostroMit Thomas Mann bin ich bisher eigentlich nicht warm geworden: Mit dem Zauberberg stehe ich auf argem Kriegsfuß, verschiedenen Erzählungen konnte ich daran anschließend nichts abgewinnen (Gefallen, Luischen, Der Wille zum Glück, Gladius Dei). Auch in diesem Band sind neben Der Tod in Venedig noch weitere Erzählungen zu finden die sich mir teils weder inhaltlich noch literarisch erschließen, jedoch teils auch ganz unterhaltsame Charakterstudien darstellen (etwa Der kleine Herr Friedemann). Leider verbleiben diese für meinen Geschmack dennoch oft in der kurzweiligen Belanglosigkeit. Das für die Zusammenstellung der Sammlung verbindende Element ist der Tod, der eigentlich in jeder Erzählung den Kulminationspunkt wie auch ihr Ende darstellt.
Umso überraschender war für mich dann die Lektüre der namensgebenden Novelle Der Tod in Venedig. Mann scheint hier all seine Kräfte zu mobilisieren um in ausschweifenden Sätzen mit vielen poetischen Beschreibungen und Anmerkungen die Gefühlswelt des arbeitswütigen intellektuellen Mittfünfzigers zu beschreiben, der sich im Urlaub in Venedig in einen Vierzehnjährigen verliebt, während dort im Hintergrund schleichend eine Choleraseuche ausbricht. Der Inhalt der Handlung wurde zurecht in vielen Schulstunden zur Genüge diskutiert, da er viele Motive und Ebenen miteinander vereint. Ein paar davon sind etwa: die Amoralität der Ästhetik, das die Intellektualität überschreibende Affizieren des Sinnlichen, die Absurdität der ordnungssüchtigen bürgerlichen Gesellschaft oder auch die Reflektion auf den eigenen Verfall im Alterungsprozess. Ich meine gelesen zu haben, dass Mann die Novelle selbst als "Tragödie einer Entwürdigung" bezeichnet hat, was eine sehr treffende Beschreibung darstellt. Der Aufbau der Novelle gleicht auch einer klassischen Tragödie, einige Passagen können wohl als auch als Hommage daran gelten, was mich ehrlicherweise aber nicht besonders interessiert. Die sprachliche Form hingegen überaus interessant. Die bereits erwähnten, ausufernden Beschreibungen insbesondere in der ersten Hälfte des Handlungsverlaufes sind deswegen so gut gewählt, weil erst über das ästhetische Empfinden des Protagonisten auch die Handlungsmotivationen entstehen und verständlich werden. Mit dem geistigen Abgleiten des Protagonisten in eine fast schon psychotische Richtung nehmen auch die Beschreibungen einen Spagat ein zwischen der realen Außenwelt und dem immer abstrakteren Innenleben. So verdient sich Thomas Mann hier, dass die Lesenden seiner Sprache folgen obwohl sie keine mundgerechten Sätze präsentiert bekommen (Laut lesen kann den Satz manchmal auch ins rechte Licht rücken ;-), wirkt selber poetisch).
Deswegen gibts fünf Sterne von mir, für das literarische Filetstück Manns, dass für mich einen überraschenden Tiefgang in vollendeter Form vorlegt und auch separat als Buch ist. Der Sammelband hier zeigt auch einen guten Querschnitt über die Entwicklung Manns in über 50 Jahren, wobei Der Tod in Venedig eine Ausnahme bleibt. Ich bin nach der Lektüre auf jeden Fall mehr motiviert doch noch einmal einen größeren Roman von Mann in die Hand zu nehmen.Edit: Egal wie sehr Mann auf eine Parallele mit den antiken Griechen ziehen will, die sexuelle Liebe zu einem 14 Jährigen ist Pädophilie und derartige Handlungen aus gutem Grund heute strafbar. In anderen Rezensionen habe ich aufgrund der Darstellung eines scheinbar Pädophilen eine scharfe Verurteilung Manns gelesen, ihm wird teils vorgeworfen seine homosexuellen Neigungen auszuleben (wobei die Gleichsetzung beider Neigungen zu den klassischen homophoben Mythen gehört und absolut unsinnig ist). Ich halte beide Vorwürfe für unberechtigt, da erstens nicht klar ist ob diese Liebe sexueller Natur ist oder einen ästhetizistischen Ursprung hat (ist aber strittig) und viel entscheidender zweitens ja gerade auf diese Amoralität des Sinnlichen als Entwürdigung des Liebenden abgezielt wird, also die vorgebrachte Kritik ja implizit Gegenstand des Textes ist. Von daher für mich nur ein Zeichen der tiefsitzenden gesellschaftlichen Angst allem, was nur den Anschein hat nicht ins genormte Bild zu passen, direkt mit Ablehnung und Voreingenommenheit zu begegnen.
- Amor Towles
Ein Gentleman in Moskau
(155)Aktuelle Rezension von: Petra_de_ZamagnaWarum schreibt ein amerikanischer Schriftsteller, der keine russischen Wurzeln hat oder die russische Sprache spricht oder Historiker wäre, über das Russland in der beginnenden Sovjetzeit? Der Roman erzählt von einem aus der Zeit gefallenen Grafen, der natürlich im Arbeiter- und Bauernstaat des aufstrebenden Kommunismus, nichts zu sagen hatte, eigentlich untergehen hätte müssen. Stattdessen rettet er sich über viele unwirtliche Sovjetrussland-Jahre, weil er eingesperrt im Nobelhotel Metropol im Dachgeschoss seine Zeit fristen darf.
Nun Amor Towles scheint die Idee bei mehreren Aufenthalten in Luxushotels in der Schweiz bekommen zu haben, wo er wiederholt dieselben Leute antraf. Das Thema Hausarrest ist aber ein typisch russisches Phänomen, das es schon zu Zarenzeiten gegeben hat und so transportierte er die Handlung nach Russland. Vielleicht macht genau das den Roman so charmant und leichtfüssig, es gibt keine persönliche Bitterkeit oder sogar politische Agenda des Autors.
Es ist als ob Towles die berühmten Zeilen des persischen Sufi-Mystikers 'Rumi' gelesen hätte und in diesem Roman zum Leben erweckt:
"Sei nicht hoffnungslos, halte Hoffnung, o Herz! / Im Verborgenen liegen viele Wunder, o Herz! / Soll die Welt es auf dein Leben abgesehen haben, lass des Freundes Rock nicht los, o Herz."
Und wir Leser leben mit dem Grafen zwar das Leben eines Eingesperrten, allerdings in einem komfortablen Luxushotel, wo es immer auch wieder Arbeiten gibt, die der Graf gerne bereit ist, kostenlos zu unterstützen. Überdies sehen wir mit seiner Innensicht dennoch auch, was sich im Draussen abspielt, denn es kommen Freunde zu Besuch und andere Personen, die draussen aus und ein gehen, verkehren mit ihm auf freundschaftlicher Basis. So erleben wir, wenn auch durch die Fernbrille, wie die Leute immer mehr den Sowjet-Manövern ausgeliefert sind - selbst wenn sie Anfangs glühende Verehrer des Systems sind. Auch die Freunde des Grafen gehen und verwehen - aber ihm bleibt oft ein weiterer Grund, sich ins Leben einzubringen. So wird er auch für die Erziehung eines Kindes verantwortlich, als die Mutter dem in den Gulag geschickten Mann folgen möchte.
In der Stille des Hotels werden also Freundschaften geschlossen, Liebesbeziehungen begonnen, Arbeitsverhältnisse gestartet, Kochkünste und Weindegustationen zelebriert - und immer wieder zeigt sich auch die kommunistische Welt, weil Parteileute die Etablissements des Hotels nutzen . Der Graf bleibt aber besonnen und kümmert sich um das Nahegelegene.
Der Clou ist beinahe, dass ein hoher Sovjetfunktionär mit Namen Ossip Iwanowitsch Glebnikow (ist es nicht sogar Stalin selbst, der ja aus Georgien stammte und mit Vornamen Josip also Josef hiess und der Literatur und Kultur bewunderte, obwohl er selbst aus einfachsten Verhältnissen als Sohn eines Schusters stammte?) sich eines Tages in Privatstunden beim Grafen französisch und westliche Sitten beibringen läßt. Im völlig abgeschotteten Bereich einer streng bewachten Hotelsuite treffen sich die zwei, sehr respektvoll und die Lehrstunden finden über eine lange Zeit statt.
Voller unerwarteter Wendungen ist das Leben des Grafen Rostov, so dass das Buch trotz 500 Seiten nie langweilig wird. Was in den 1920er Jahren begonnen hat, endet dann 1954. Eine Zeit des Umbruchs auch in Russland, als nach dem Tode Stalins 1953 ein Machtkampf über die Nachfolge entsteht. Der Graf, diesmal mitten drin im Geschehen, weil er als Oberkellner gewisse Einblicke in die sich positionierenden Anwärter der Nachfolge (hier mit tatsächlichen Namen benannt als Chruschtschow und Malenkov bzw. Beria) erkennen kann und diese Information nutzt, um sowohl für seine Ziehtochter als auch für sich selbst einen günstigen Augenblick zu nutzen.
Ein wunderbares Buch von Anfang bis Ende - voller Menschlichkeit und Philosophie und Konzentration auf Ort und Zeit. Ein herausragender aktueller Schriftsteller.
- Roger Hermes
Die Erzählungen
(134)Aktuelle Rezension von: ErinnyeDass Buch ist zusammengesetzt aus vielen verschiedenen Texten von Kafka. Dies reicht von kurzen, einseitigen Erzählungen bis hin zu mehrseitigen Geschichten. Dabei gelingt es Kafka thematisch zwar immer innerhalb eines gewissen Stils zu bleiben, jedoch wiederholt er sich nicht. Jede seiner Schriften hat für sich gesehen eine individuelle Daseinsberechtigung und sagt etwas Anderes aus. Diese Aussage zu verstehen ist bei Kafka natürlich immer so eine Sache. Es bleibt ein Rätsel, ob man die Erzählung so versteht, wie der Autor sie gedacht hatte - jedoch macht dies auch den Spaß an seinem Schreibstil aus. Vielfach interpretierbar, aber auch einfach nur genußvoll lesen und die Prosa bestaunen.. dies alles ist möglich bei diesem Autor. Die Geschichte, die mich persönlich am meisten beeindruckt hat, ist die, die von einem neurotischen Maulwurf erzählt, der um seinen Bau fürchtet, gleichzeitig aber auch davor zurückschreckt ihn wieder zu betreten, wenn er zwecks Vorratsbeschaffung nach draußen muss. Kafka gelingt es, über mehrere Seiten hinweg kein einziges Mal das Wort "Maulwurf" zu benutzen und lässt somit offen, ob es nicht doch eine Wühlmaus oder ein Hamster ist, das ist auch egal, stellt es doch eine hervorragende Metapher dafür dar, dass es bei Kafka nicht um festgesetzte Personen geht, sondern lediglich um die Aussage, die er mit seinem Text tätigen will. Natürlich waren auch so berühmte Geschichten wie "Die Verwandlung" und viele Andere vertreten. Um Kafka zu lesen sollte man eine gewisse Konzentration mitbringen, es ist aber auch dann sicher nicht etwas für jedermann. Man muss den kafkaesken Stil einfach mögen. Tut man dies, dann erscheint einem diese Sammlung von Erzählungen einfach als ein einmaliges Stück Literatur und seine poetischen Texte als wahre Kunst für sich. Immer wieder lesen, immer wieder neu interpretieren, immer wieder neu erleben. - Haruki Murakami
Südlich der Grenze, westlich der Sonne
(1.079)Aktuelle Rezension von: rayless75Haruki Murakamis Roman „Südlich der Grenze, westlich der Sonne“ ist ein leises, melancholisches Werk, was ich sehr schön und intensiv fand. Im Zentrum steht Hajime, ein Mann mittleren Alters, der äußerlich ein erfülltes Leben führt: erfolgreiche Jazzbar, Ehe, Kinder. Doch in ihm nagt eine bohrende Leere – ausgelöst durch die Erinnerung an seine Jugendliebe Shimamoto. Als diese nach Jahren wieder in sein Leben tritt, beginnt Hajimes geordnetes Leben zu wanken.
Murakamis Sprache ist klar, schnörkellos und doch von großer emotionaler Tiefe. Es geht um Gefühle wie Einsamkeit, Begehren, das unaufhaltsame Vergehen der Zeit und die Zerbrechlichkeit menschlicher Beziehungen mit einer sanften, aber eindringlichen Melancholie. Der Roman hat mich zum Nachdenken angeregt- Was bedeutet Erfüllung? Was verlieren wir auf dem Weg durchs Leben – und was bleibt zurück?
Eine wunderschöne Geschichte, wie ich finde, die sich unbedingt zu lesen lohnt!
- Tony Hawks
Mit dem Kühlschrank durch Irland
(261)Aktuelle Rezension von: JourneyGirlEine verlorene Wette steht am Anfang des Buches. Und es ist eine wahre Begebengeit. Ich musste mir schon am Anfang den Bauch vor Lachen halten! Ich liebe Irland und war dort selbst schon mehrfach im Urlaub. Das Buch zeigt ein tolles Bild der herzlichen Iren. Ein Muss für alle Irland-Fans! Ich hab das Buch nach einigen Jahren nochmal gelesen, weil es so witzig ist. Aber am Besten einfach lesen und selbst herausfinden...
- Arthur Schnitzler
Traumnovelle
(389)Aktuelle Rezension von: AQuaWieder eine Verfilmung von Schnitzlers Traumnovelle - und neugierig machte mich nicht der neue Film, sondern der Originaltext, der scheinbar in der heutigen Zeit nicht an Anziehungskraft verloren hat.
Faszinierend ist der Blick auf die triebgesteuerten, unzensierten Sehnsüchte des Mannes, auf den Wunsch, allen Begierden nachzugehen und auf den naiven Egoismus, dafür über Leichen zu gehen. Die Figur des Fridolin empfinde ich als zutiefst abstoßend und opportunistisch, zugleich überraschend menschlich. Der ganze Text lässt mich in einem Zwiespalt zurück, einem Ärger über die patriarchalische Organisation und das männliche Begehren nach einer Verfügbarkeit des lustvollen Frauenkörpers, dessen hohen Preis die Frauen selbst zu bezahlen haben. Gleichsam ein Text, der nicht verleugnet, dass dieser Wunsch machtvoll und vorhanden ist und der aufzeigt, in wie vielen Konstellationen Frauen Spielball der Männer sind, sei es als Verlobte, die einen Mann heiraten muss, den sie nicht liebt, als Dirne, als Tochter (deren Lust durch den Vater reguliert wird), als Ehefrau, die still die nächtlichen Eskapaden des Mannes verzeiht. Und warum verzeiht sie ihm? Weil sie sich einredet, dass diese nächtlichen Abenteuer nicht seinem wirklichen Wesen entsprechen, anstatt ihn wirklich als den zu erkennen, der er ist: "...ich ahne, dass die Wirklichkeit einer Nacht (...) nicht zugleich auch seine innerste Wahrheit bedeutet."
Es bleibt ein Unwohlsein darüber, dass all diese Frauen nicht aufbegehren, sondern sich in die Strukturen fügen, vielleicht hier und da nach kleinen Eskapaden Ausschau halten, aber das System nicht in Frage stellen, bis hin zur Aufopferung des eigenen Lebens für die Ehrenrettung des Mannes.
Ein eigentlich nicht zeitgemäßer Text, dessen Wiederaufleben nachdenklich stimmt.























