Bücher mit dem Tag "estland"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "estland" gekennzeichnet haben.

65 Bücher

  1. Cover des Buches Aus eisiger Tiefe (ISBN: 9783462046946)
    Voosen | Danielsson

    Aus eisiger Tiefe

     (41)
    Aktuelle Rezension von: peedee

    Nyström und Forss, Band 3: Bei Bauarbeiten auf einem Golfplatz in Växjö wird eine Leiche entdeckt – offenbar ein seit vielen Jahren vermisster Osteuropäer. Kommissarin Ingrid Nyström und ihr Team nehmen die Ermittlungen auf, die zunächst auf Schmugglerbanden hinweisen. Da verschwindet die Leiche aus der Rechtsmedizin – wer stiehlt eine Leiche? Kurz darauf ein weiterer Todesfall; hier führen die Ermittlungen über zwanzig Jahre in die Vergangenheit. Was hat der Untergang des Fährschiffs Estonia im Jahr 1994 mit dem vorliegenden Fall zu tun? Haben die beiden Todesfälle etwas miteinander zu tun?

    Erster Eindruck: Ein bedrohliches, dunkles Bild auf dem Cover, im oberen Bereich sieht man hinter dem Buchtitel noch eine Krabbe (o.ä.) – gefällt mir.

    Dies ist der dritte Band der Reihe; er lässt sich ohne Kenntnis der Vorgängerbände lesen. Der Blickwinkel ändert in jedem Kapitel: Mal ist es aus Sicht der Chefin, dann aus Sicht von Stina Forss oder anderen Personen – sehr lebhaft, aber auch komplex.

    Der Prolog fängt wieder sehr aufregend und beklemmend an – ohne zu spoilern, kann ich leider nichts darüber verraten.
    Eine Leiche auf dem Golfplatz: Wie sich herausstellt, wurde der Ermordete vor zwanzig Jahren bei Bauarbeiten eines Hindernisses dort versteckt – bei erneuten Bauarbeiten kam die Leiche zum Vorschein. Wie konnte jemand die Leiche so „entsorgen“?

    Ingrid Nyström mag ich sehr gerne. Sie macht ihren Job als Kommissarin sehr gut, obwohl sie chronisch zu wenig Personal hat. Ingrid hat immer noch mit den Folgen ihrer Erkrankung zu kämpfen.
    Stina Forss ist wirklich eine ganz spezielle Frau, die zu häufig eigene – auch illegale – Wege verfolgt. Sie wirkt nicht wie ein Teamplayer, doch ihre Chefin weiss, dass sie sehr gut in ihrem Job ist. Und schliesslich erzählt Stina ihr ja nicht jedes kleine Detail, wie sie zu ihren Ergebnissen kommt. Bei mir hat Stina leider noch keine Sympathiepunkte sammeln können. Sie wagt auch dieses Mal wieder Alleingänge, die sie in sehr gefährliche Situationen bringen. Mir dreht sich noch jetzt fast der Magen um, wenn ich daran denke, wie sie sich aus einer dieser Situationen befreit! Argggghhh, schlimm!
    Sehr interessante Ermittlungen, die u.a. auf Schmuggel hindeuten oder auch die ganzen Informationen zum Fährunglück Estonia von 1994 – wirklich heftig! Bei diesem Unglück haben nur etwa einer von acht Passagieren überlebt, aber jedes dritte Crewmitglied – insgesamt 852 Tote! Es gibt viele Verschwörungstheorien zur Estonia. Was wirklich stimmt, wird vermutlich nie herauskommen.

    Fazit: Auch in diesem dritten Band konnte die Spannung bis zuletzt aufrechterhalten werden. Auf die zuweilen brutalen Bilder, die aufgrund der detaillierten Beschreibungen vor meinem geistigen Auge entstanden, hätte ich gerne verzichtet (ich habe das Buch u.a. in der Bahn gelesen und da habe ich sicher ein interessantes Mienenspiel von mir gegeben, als Stina wieder mal in heftige Bedrängnis kam). Von mir gibt es erneut 5 Sterne und ich suche nun wieder nach etwas leichterer Lektüre, bevor es dann mit dieser Reihe weitergeht.

  2. Cover des Buches Die Zeit der Birken (ISBN: 9783746635446)
    Christine Kabus

    Die Zeit der Birken

     (36)
    Aktuelle Rezension von: Mia80

    Was mir an Christine Kabus Roman „Die Zeit der Birken“ besonders gefallen hat war, dass ich mir ein paar geschichtliche Details mitnehmen konnte, die mir bislang unbekannt waren. Ich fand es sehr interessant, dass in den 30er Jahren viele Deutsche in Estland lebten, die während des zweiten Weltkriegs nach Deutschland ausgesiedelt wurden und alles hinter sich lassen mussten. Über die Geschichte des Baltikums weiß ich so gut wie nichts und dieser Roman weckte in mir den Wunsch, tiefer in die Materie einzusteigen.

    „Die Zeit der Birken“ erzählt zwei verschiedene Geschichten.
    In den 30er Jahren lebt Charlotte in Estland. Sie fühlt sich oft von ihren Eltern, die sehr auf Konventionen und eine standesgemäße Ehe pochen, eingeengt. Als sie zu ihrem Onkel auf dessen Gestüt zieht, blüht sie in ihrer neuen Freiheit auf, wird selbständig und verliebt sich. Alles scheint wunderbar, bis das Schicksal grausam zuschlägt.
    Im zweiten Erzählstrang geht es um Gesine, die Ende der 70er Jahre ebenfalls mit der Strenge ihrer Eltern zu kämpfen hat.

    Was mir gut gefallen hat, war die große Rolle, die Pferde in der Geschichte spielen, da ich schon als Teenager Pferderomane sehr gerne gelesen habe. Auch fand ich die Namen sowie den Alltag der vornehmen Herrschaften interessant und teilweise amüsant.
    Die einzelnen Kapitel sind relativ kurz, durchschnittlich um die 10 Seiten. In diesem Fall hätte ich mir längere Kapitel gewünscht. Es sind zwei komplett unterschiedliche Geschichten, die hier erzählt werden und der häufige Wechsel hat mich immer wieder aus meinem Lesefluss gerissen, was mich insbesondere am Anfang gestört hat.
    Allgemein hätte das Buch für meinen Geschmack etwas kürzer sein können. Durch die fast 600 eng beschriebenen Seiten verliert sich die Erzählung manchmal ein wenig in Nebensächlichkeiten und das Tempo entwickelt sich recht gemütlich.
    Im direkten Vergleich hat mich Charlottes Handlungsstrang mehr mitgerissen. Die Thematiken fand ich hier sehr vielfältig: Erwachsenwerden, die Suche, nach dem eigenen Platz im Leben, Liebe, Schicksalsschläge...
    Gesines Geschichte fokussiert sich überwiegend auf die Beziehung zu Pferdetrainer Grigori.
    Auf den letzten 150 Seiten werden die beiden Erzählstränge miteinander verflochten. Etwas vorhersehbar und unrealistisch, aber trotzdem mitreißend und das Erzähltempo zieht zum Finale auch ordentlich an.

    Alles in allem hat mir dieses Buch gut gefallen.

  3. Cover des Buches Lena Halberg: Der Cellist (ISBN: 9783868412109)
    Ernest Nyborg

    Lena Halberg: Der Cellist

     (27)
    Aktuelle Rezension von: Pharo72

    Eher durch Zufall stößt die Journalistin Lena Halberg auf der Suche nach einer neuen Story auf den mysteriösen Selbstmord eines Bankers. Sie nimmt die Fährte auf und wird in den Panama-Papers fündig. Martin Kurkov, ein eiskalter Finanzhai, der sich gern als Kunst-Mäzen und Förderer des jungen Cellisten Andrej Majinski präsentiert, scheint in diverse krumme Geschäfte verwickelt zu sein. Wie schmutzig diese sind und dass sich Lena auf der Jagd nach Beweisen in höchste Gefahr begibt, bemerkt sie fast zu spät.

    Meine Meinung:

    Eigentlich schien die Geschichte um Lena Halberg mit dem letzten Teil der Trilogie (Paris ´97, New York ´01 und London ´05) von Ernest Nybørg beendet, aber die Journalistin ist zurück und kein bisschen ruhiger geworden. Sie lebt mittlerweile in der Nähe von Bozen und arbeitet für einen italienischen Sender. Nachdem sie einen Aufhänger gefunden hat, verbeißt sie sich in gewohnter Manier in die Story und trotzt jeder Gefahr. Das tut sie für meinen Geschmack manchmal ein wenig zu verantwortungslos und ohne Rücksicht auf ihr Umfeld.

    Der Autor hat einmal mehr hervorragend recherchiert und bedient sich echter Pressemeldungen, um daraus eine spannende Story zu konstruieren. Diese wirkt denn auch äußerst authentisch und wirklichkeitsnah. Die Spannung nimmt diesmal etwas langsamer Fahrt auf und auch der Leser muss eine anfängliche Verwirrung aufgrund recht vieler Schauplätze in Kauf nehmen. Die Jagd nach Informationen und verschiedenste Verbrechen führen quer über den Erdball und verdichten sich zu einem Sog, dem man sich spätestens ab der Hälfte des Buches nicht mehr entziehen kann.

    Natürlich sind die Hintergründe der Bücher der Trilogie aufgrund ihrer Brisanz und Öffentlichkeitswirksamkeit für viele sicher noch spannender zu lesen, ich bilde da keine Ausnahme, aber wer sich für politische Verstrickungen speziell auf dem Finanzsektor interessiert, ist mit diesem Roman definitiv gut bedient. Ein Thriller, der einen mitfiebern lässt, aber auch nachdenklich macht.

  4. Cover des Buches Der Mann, der mit Schlangen sprach (ISBN: 9783608981070)
    Andrus Kivirähk

    Der Mann, der mit Schlangen sprach

     (20)
    Aktuelle Rezension von: Tinten_sturm
    Mir persönlich hat der Roman nicht besonders gut gefallen. Das lag u.a. an dem trockenen, teils emotionslosen Erzählstil, aber auch an der vulgären Sprache. Sympathie konnte ich weder mit den dümmlichen und naiven Dorfbewohnern, noch mit den starrköpfigen, brutalen und verrückten Waldmenschen empfinden. Seitenweise wird sich in diesem Roman darüber echauffiert, wie furchtbar es ist, dass die Dorfmenschen Brot essen, während die Tode wichtiger Figuren wie nur in einem Nebensatz erwähnt werden. Auch die Sitten der Dorfbewohner waren hauptsächlich befremdlich, u.a. dass die Frauen sich regelmäßig mit Bären paaren. 

    Wer den Klappentext liest und denkt, dass es um einen Jungen und seine Suche nach dem Nordlanddrachen geht, dem kann ich klar sagen, dass dies nicht der Fokus des Romans ist. Der Fokus des Romans sind die Themen Veränderung, Modernisierung, Verfall von Traditionen und der Einzug des Christentums in Estland. Leemet steht zwischen der modernen Welt (dem Dorf) und der alten Welt (dem Wald). Doch weder das eine, noch das andere wirkt besonders verlockend. Zurück bleibt eine seltsame Nostalgie nach einer Vergangenheit, die eigentlich nicht wirklich lebenswert wirkt. 
  5. Cover des Buches Stalins Kühe (ISBN: 9783442743643)
    Sofi Oksanen

    Stalins Kühe

     (25)
    Aktuelle Rezension von: schnaeppchenjaegerin

    Anna leidet unter anorektischen und bulimischen Schüben. Die Essstörung - der selbstbezeichnete Herr - bestimmt ihr Leben. Ihre Gedanken kreisen ständig ums Essen, um sichere und gefährliche Lebensmittel und ihre Bemühungen, ihre Essorgien zu verstecken. Sie ist unfähig, Beziehungen zu führen und Nähe zuzulassen. Auch eine Therapie hilft ihr nicht weiter. Sie greift zusätzlich noch zu Psychopharmaka und Speed um vorgeblich die Kontrolle zu behalten. Ihr Leben ist ein Versteckspiel, das vom Verhalten ihrer Mutter geprägt ist. Diese ist Estin, die in den 1970er-Jahren einen Finnen geheiratet hat und zu ihm nach Helsinki gezogen ist. Dort erlebt sie, wie Estinnen pauschal als Huren verunglimpft werden und möchte dieses Schicksal ihrer Tochter nicht zumuten. Anna ist deshalb gezwungen, ihre Herkunft zu verleugnen und die "typische Finnin" zu mimen. 

    Neben der Geschichte von Mutter und Tochter gibt es Rückblenden in die 1940er-Jahre und das Leben der Großmutter, das von Angst und Schrecken vor russischer Willkür geprägt war. 


    "Stalins Kühe" ist ein Roman über drei Generationen von Frauen, wobei Annas Schicksal im Vordergrund steht. Daneben erfährt man mehr über die Geschichte Estlands und insbesondere seine Beziehungen zu Finnland und Russland. 

    Die Geschichte wechselt zwischen den Erzählebenen der 1940er/ 1950er-Jahre, der 1970er-Jahre und der Gegenwart, dem Erwachsenwerden von Anna. Die Szenenwechsel erfolgen schon nach wenigen Seiten, so dass es schwerfällt, sich in die jeweilige Zeit hineinzufinden. Insbesondere die doch sehr komplexe Geschichte der Großeltern um das Versteckspiel der Waldbrüder nach dem Zweiten Weltkrieg und Verschleppungen nach Sibirien leidet unter der Kürze der Kapitel. Es sind einzelne Fragmentstücke eines Lebens und zahlreiche Protagonisten, die in einen Zusammenhang gebracht werden müssen. 

    Weit eindrücklicher sind die Szenen aus dem Leben von Anna, die sich von ihrem "Herr" bestimmen lässt und von Katariina, die als Estin unter dem Russenhass der Finnen leidet und niemandem über den Weg traut. Gerade der Haupterzählstrang um Anna ist sehr anschaulich dargestellt. Es fällt erschreckend leicht, sich in ihre Denkweise hineinzuversetzen und eine Erklärung dafür zu finden, warum sie ihre personifizierte Essstörung nicht aufgeben kann, lieber andere Menschen vor den Kopf stößt und in lockere Sexbekanntschaften flieht. Das Buch erschöpft sich dabei ein wenig zu sehr in Annas Gedankenwelt, ist dadurch revolvierend und lässt die Handlung, die keine Lichtblicke bietet, auf der Stelle treten. Kein Handlungsstrang führt zu einem befriedigenden Ende und bleibt unschlüssig offen.

  6. Cover des Buches Der Grund (ISBN: 9783499268823)
    Anne von Canal

    Der Grund

     (57)
    Aktuelle Rezension von: Naibenak

    Wow, welch ein Paukenschlag aus Tragik, Trauer, Überlebenskampf! Dieser Roman geht einem an die Nieren und ans Herz. Sehr intensiv beschreibt die Autorin das Bild eines Mannes, dem nach über 40 Jahren des Kampfes langsam die Luft ausgeht. 40 Jahre Kampf gegen elterliche "Fürsorge", 40 Jahre geprägt vom Anpassen, von einschneidenden Enttäuschungen und von Trauerbewältigung. Aber auch Liebe und Glück darf Laurits Simonsen erfahren - vielleicht sind es jene Momente und Jahre, die ihn aufrecht gehalten haben.

    Einen großartig komponierten Roman liefert uns Anne von Canal. Eingebettet in die Gegenwart, in welcher Laurits alias Lawrence Alexander auf einem Kreuzfahrtschiff für gute Klavierunterhaltung sorgt und Tagebuch schreibt, erfahren wir in Rückblenden von den wichtigen Ereignissen in seinem Leben. Und da kommt es sogar vor, dass eine Rückblende von seiner beeindruckend dargestellten Aufnahmeprüfung am Konservatorium (meine Klaviermusikerinnenseele hat sich sehr wohl gefühlt^^) erneut Rückblenden hervorruft. Wir erfahren vom gut betuchten Elternhaus mit dominantem, strengen Vater und unterdrückter Mutter, die eigentlich immer eine Maske trägt. Wir erleben Laurits als glücklich verheirateten Familienvater und Gynäkologe. Wir werden Zeuge von Verrat und furchtbar tragischen Ereignissen. Ich frage mich immer wieder, wie ein Mensch das alles aushält. Sollte er sich nicht eigentlich Hilfe suchen?

    Ob Laurits dies tut und wie er nun weitere Entscheidungen treffen wird, bleibt wage am Ende. Zumindest eine längst überfällige Entscheidung hat er getroffen und in die Tat umgesetzt, und das allein ist ein winziger Hoffnungsschimmer.

    Dieser Roman ist still und einfühlsam. Gleichzeitig ist er aufgrund der wechselnden Perspektiven in der Erzählform und dem dringenden Wunsch zu erfahren, warum Laurits nun auf dem Kreuzfahrtschiff "endet" unglaublich soghaft und spannend.

    Fazit: Ein unendlich trauriges und intensives Bild einer gepeinigten Musikerseele liefert die Autorin in wunderbarer, sensibler Sprache und einer soghaften Erzählform. Vollkommen nachvollziehbar ist es, wie aus einem Menschen derjenige wird, der uns auf dem Kreuzfahrtschiff in der Gegenwart begegnet. Richtig gut!

  7. Cover des Buches Unter dem roten Stern: Himmel, Erde, Schnee Teil 1 (ISBN: 9781719990455)
    Ira Habermeyer

    Unter dem roten Stern: Himmel, Erde, Schnee Teil 1

     (11)
    Aktuelle Rezension von: susanneschatz
    Ira Ebner hat ja schon mit Schwalben meine Begeisterung für das Baltikum geweckt. Zufällig war ich letzten Sommer sogar in Riga und hab mich sofort in die Stadt verliebt. Es war wie heimkommen. Nun hab ich Ira Ebners Unter dem roten Stern gelesen und mir gleich nach dem Lesen Band zwei gekauft. Das sagt ja eigentlich schon alles.
    Das Buch ist wieder wunderschön geschrieben. Ich liebe die Landschaftsbeschreibungen und das Eingehen auf die einzelnen Charaktere. Der Roman spielt in Estland der 70iger Jahre und die Sowjets haben das Land fest im Griff. Es ist der Beginn einer Familiensaga rund um die junge Lagle, die sich in den viel älteren Freund ihrer Cousine verliebt. Als Arvo sich für Lagle entscheidet, entzweit dies die beiden Cousinen. Trotz dieses Umstandes finde ich Lagle sympathisch und fiebere mit ihrem Leben und Leiden an Arvos Seite mit. Obwohl Arvo ein hohes Ansehen im estnischen Militär hat, merk man an allen Ecken den sowjetischen Einfluss und die Unterdrückung der estnischen Traditionen. Durch die Beschreibung der einzelnen Personen kann man sich gut in die Zeit hineinversetzen.
    Neben dem Leben von Lagle erfährt man auch was aus ihrer Cousine wird und man erhält auch Einblick in das Leben des Hochschulprofessors Enn. Wie genau die Lebenswege der drei wieder miteinanderverwoben sind erhält man im ersten Band aber noch keine genaue Einsicht. Obwohl ich natürlich Vermutungen habe :D
    Auf alle Fälle ein sehr berührendes Werk aus Ira Ebners Feder (oder Tastatur), das mich weiter in meiner Baltikumbegeisterung bestärkt und mich auch menschlich sehr berührt hat. Als Kind der 70iger, das mit dem Kalten Krieg aufgewachsen ist, ist es immer wieder faszinierend und ergreifend zu lesen, wie es den Menschen auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs ergangen ist. Ira Ebner schafft es immer wieder mit Worten mich in diese Welt mitzunehmen und mich erstarrt zurückzulassen über die Grausamkeit und Unnachgiebigkeit des Schicksals. Sehr berührend und natürlich nicht nur für Geschichtefreaks wie mich empfehlenswert.
  8. Cover des Buches Als die Tauben verschwanden (ISBN: 9783442749126)
    Sofi Oksanen

    Als die Tauben verschwanden

     (23)
    Aktuelle Rezension von: Mrs_Nanny_Ogg
    Sofi Oksanens Roman wurde als literarische Sensation des Jahres bezeichnet. Deswegen und vor allem auch wegen des interessanten Schauplatzes Estland wollte ich dieses Buch unbedingt lesen.
    Die Handlung wird aus den Perspektiven der drei Protagonisten Edgar, Juudit und Roland erzählt, dabei springt sie sehr oft hin und her und auch zeitlich bewegen wir uns einmal zur Zeit des zweiten Weltkrieges 1942/43 und dann Anfang der 60er Jahre.
    Alle drei Hauptprotagonisten sind nicht gerade Sympathieträger. Das allein wäre für das Lesen des Buches kein Problem, doch bleiben sie meiner Meinung nach in ihrer Ausarbeitung ziemlich wage. Die Handlung wäre spannender, wenn sie nicht immer zwischen den beiden zeitlichen Handlungszeiträumen hin und her spränge. So wissen wir schon einiges was passiert, wenn wir in Estland während des zweiten Weltkrieges noch einigermaßen gespannt hätten sein können, wie sich die Geschichte entwickelt.
    Roland glaubt an die Befreiung Estlands, einmal von den russischen Besatzern, später von den nationalsozialistischen "Befreiern". Er hält sich im Wald versteckt und  versucht von dort aus, das Machtregime zu zerstören. Edgar, unglücklich verheiratet mit Juudit, versucht als Opportunist sich über die deutschen Militärs nach oben zu arbeiten, ohne Rücksicht auf seine estnischen Landsleute, die er ohne zu zögern verrät. Juudit verliebt sich während Edgars Abwesenheit ausgerechnet in einen hohen deutschen Offizier. Gerade über diesen plant Edgar seinen Aufstieg nach ganz oben. 20 Jahre später entdecken wir Edgar wieder auf seinem Weg nach oben, diesmal im Machtgefüge der sozialistischen Besatzer. Und er will seine Mitwisser von damals aus dem Weg räumen.

    Ich bin enttäuscht von diesem Roman. Ich habe zwar einiges über Estland erfahren, doch die Geschichte war sehr verwirrend und langatmig angelegt. Schade, eine literatische Sensation ist dies in meinen Augen wahrlich nicht!
  9. Cover des Buches Die Städtesammlerin (ISBN: 9783328100720)
    Annett Gröschner

    Die Städtesammlerin

     (9)
    Aktuelle Rezension von: AlexandraK

    Annett Gröschner nimmt den Leser mit auf Reisen. In den verschiedensten Ländern fährt sie mit der Straßenbahnlinie 4 und berichtet von ihren Erlebnissen.

    Das Buch beginnt mit einem Einführungskapitel. In diesem wird erklärt warum die Autorin immer mit der Linie 4 fährt. Dieses Kapitel ist etwas holprig zu lesen wegen den ganzen Straßennahmen, jedoch lohnt es sich dran zu bleiben.

    Generell sind die Kapitel kurz und man kann immer mal schön zwischendurch in eine andere Welt abtauchen. Natürlich gibt es über einige Orten mehr zu erzählen als über andere. Die Kapitel sind abwechslungsreich und passend gestaltet. Einige sind besser andere nicht ganz so gelungen. So fand ich das Kapitel 13.27 Uhr – an der Trolleybushaltestelle Horeastraße vollkommen unnötig. Denn darin erzählt die Autorin auf 2 1/2 Seiten wie sie an der Haltestelle Kinder beobachtet.
    In anderen Kapiteln erzählt sie auf ca. 10 Seiten ausführlicher über die Strecke und die Eindrücke, die sie auf der Straßenbahnfahrt sammelt. Was mir sehr gut gefällt ist, dass das Buch sehr gut recherchiert ist. Die Autorin verwebt gekonnt geschichtliche Hintergründe über die Städte, ihre Bauten und ihre Bewohner. Auch über die technischen Voraussetzungen der Straßenbahn ist sie bestens informiert.

    Was ich als sehr störend empfand, waren die vielen Rechtschreib- und Grammatikfehler in diesem Buch. Die Autorin ist studierte Germanistin und das Buch durchlief ein Lektorat, da sollten solche groben Schnitzer, wie sie hier zu finden sind, nicht passieren.

    Die Städtesammlerin hat mich für zukünftige Reisen inspiriert, mir fremde Kulturen näher gebracht und mir auch etwas die Angst genommen. Letztlich ist es ein nettes Buch für zwischendurch und vor allem für reiselustige Leser zu empfehlen. Man kann das Buch gerne lesen, man muss es aber nicht.

     

  10. Cover des Buches Smørrebrød in Napoli (ISBN: 9783499624490)
    Sebastian Schnoy

    Smørrebrød in Napoli

     (26)
    Aktuelle Rezension von: Die-Glimmerfeen
    Wie gut kennen wir unsere Nachbarn? Nach der Lektüre dieses Buches musste ich gestehen, vieles war mir bislang unbekannt. Sebastian Schnoy serviert Wissen immer mit einer vergnüglichen Note und so wird der Ausflug in die Geschichte und politische Landschaft der Mitgliedsstaaten der EU kein langweiliges Unternehmen.
    Ich weiß jetzt wer die ‚Kleine Seejungfrau‘ in Auftrag gab und wer für Kopf und Körper Modell stand. Das ein Generalstreik anderen geschieht, aber nicht uns braven Deutschen. Wer angeblich das höchste Pro-Kopf-Einkommen in Europa hat, obwohl sich der Autor hier ein wenig selber widerspricht. Warum man in Grönland wahrscheinlich nicht besonders alt wird und warum Estland von alkoholisierten Finnen heimgesucht wird.
    Lediglich die gut gemeinten Tipps, wie wir als Deutschen etwas lockerer werden, finde ich weder vergnüglich noch hilfreich, da hätte ich etwas mehr erwartet.

    Warum man vielleicht zu diesem Buch greifen sollte:
    1. Wenn man einen Blick über den Tellerrand der deutschen Grenzen werfen möchte
    2. Man wissen möchte, wie unsere EU-Nachbarn ticken
    3. Man eine Europareise plant und auf der Suche nach einem geeigneten Reisebegleiter ist

    Fazit: Ich fühlte mich gut informiert und unterhalten, obwohl das Buch für mich nicht an ‚ Von Napoleon lernen, wie man sich vorm Abwasch drückt‘ heranreicht.
  11. Cover des Buches Schwalben (ISBN: 9783967521603)
    Ira Habermeyer

    Schwalben

     (7)
    Aktuelle Rezension von: Gaby_Kno

    Die in Estland geborene Deutsche Fee Quinn und der Este Kalju Kast kennen sich von Kindesbeinen an. Als junge Erwachsene verlieben sie sich ineinander und wollen heiraten. Doch dann kommt der Krieg und Fee muß mit ihrer Familie Estland verlassen. Sie lebt in Berlin und arbeitet als Krankenschwester. Kriegsbedingt wird sie in verschiedene Länder geschickt, wo sie mit den Ärzten zusammen versucht, so viel leben wie möglich zu retten. Auch kommt sie berufsbedingt nach Estland zurück und versucht Kalju zu finden. Als sehr alte Frau versucht sie mit Hilfe ihrer Enkelin Meret ihrer Vergangenheit aufzuarbeiten und reist mit ihr nach Estland zurück.

    Das Buch ist geschichtlich interessant geschrieben. Allerdings sind die vielen Sprünge von der Gegenwart in die Vergangenheit und zurück etwas unübersichtlich. Auch bleiben einige Fragen unbeantwortet. Doch im Großen und Ganzen kann man das Buch gut lesen.

  12. Cover des Buches Gebrauchsanweisung für das Baltikum (ISBN: 9783492276467)
    Sabine Herre

    Gebrauchsanweisung für das Baltikum

     (5)
    Aktuelle Rezension von: Dr_M
    Das Baltikum ist nicht nur ein landschaftlich schönes Gebiet Europas. Seine Geschichte kennt zahlreiche Überschneidungen mit der Deutschlands. Insbesondere in Lettland sind selbst heute noch deutsche Einflüsse nicht zu übersehen. Scheinbar sind die drei baltischen Völker zu klein und zu unbedeutend für eine deutlichere Wahrnehmung in Deutschland.

    Mit dem Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und der Sowjetunion von 1939 fielen sie (wie auch Teile Polens) in Stalins Hände. Die Folgen sind bis heute besonders in Estland spürbar und nicht unproblematisch: Die Hälfte der estnischen Bevölkerung machen Russen aus. Beim Zerfall der Sowjetunion kam es im Schatten des ersten Irak-Krieges der USA zu blutigen Auseinandersetzungen mit Truppen des sowjetischen Innenministeriums. Es ist deshalb aus historischer Sicht weder ein Zufall, dass die drei baltischen Staaten heute zur EU gehören, noch dass sie ähnlich wie Polen gelegentlich fast hysterisch auf Russland reagieren.

    Ein Besuch in den drei recht unterschiedlichen Ländern lohnt aus vielen Gründen. Natürlich unter dem rein touristischen Gesichtspunkt. Immerhin erscheint das Baltikum selbst heute noch als unbekanntes Gebiet. Vielleicht sollte man in den drei Hauptstädten beginnen, denn mit ihnen erschließen sich sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede. Das wird in dieser Gebrauchsanweisung gut herausgearbeitet. Mit Büchern dieser Reihe soll wohl vor allem das beschrieben werden, was manche Leute als die Seele eines Landes oder einer Region bezeichnen. Unter diesem Blickwinkel gehört dieser Band sicher zu den Besseren der Reihe.

    Nimmt man andere Kriterien, wie die Struktur des Textes, die Klarheit oder Treffsicherheit von Aussagen oder ddie Spritzigkeit des Schreibstils, dann verliert das Buch allerdings wieder an Qualität. Insbesondere das reichlich übertriebene Geschichtenerzählen verschleiert nicht selten den Durchblick. Um es an einem Beispiel deutlicher zu machen: Die Autorin erwähnt, dass sich Lettland und Griechenland 2009 in einer ähnlichen Situation befanden (was nicht ganz stimmt) und verkündet dann, dass sie gleich den Unterschied zwischen den nachfolgenden Entwicklungen dieser Länder deutlich machen möchte. Aber zunächst müsse sie noch ein paar Geschichten erzählen. Leider kommt danach aber nichts wirklich Erhellendes zu ihrer Ankündigung.

    Immerhin aber erfährt man in diesem leider recht unstrukturiertem Buch viel über den "Seelenzustand" der drei Völker. Zum Beispiel über ihre für das restliche Europa ungewohnten (und heute noch gepflegten) heidnischen Bräuche, die anderswo durch das Christentum ausgerottet wurden. Am besten haben mir die relativ kurzen Erklärungen der Autorin zur Geschichte der drei baltischen Völker gefallen. Und auch ihre Bemerkungen über die jüngeren Entwicklungen, bei denen manche geradezu Neuland für das restliche Europa sind.

    Über Stil und Ton der Ausführungen in diesem Buch kann man sicher geteilter Meinung sein, denn er wirkt gelegentlich belehrend, etwa wenn die Autorin bedeutungslose Gender-Feministinnen als Zeuginnen für angebliche Fehlentwicklungen beruft oder sich etwas einseitig über Boykotte Russlands erregt. Insgesamt gesehen überwiegt in dieser Gebrauchsanweisung jedoch der Eindruck zutreffender Informationen über die "Seele der baltischen Völker". Einen guten Reiseführer ersetzt dieses Buch allerdings nicht.
  13. Cover des Buches Höllenengel (ISBN: 9783423212403)
    Thráinn Bertelsson

    Höllenengel

     (11)
    Noch keine Rezension vorhanden
  14. Cover des Buches Das Leben des Balthasar Rüssow (ISBN: 9783446163874)
    Helga Viira

    Das Leben des Balthasar Rüssow

     (3)
    Aktuelle Rezension von: Liisa
    Jaan Kross gilt als der bekannteste estnische Schriftsteller und „Das Leben des Balthasar Rüssow“ als eines seiner Hauptwerke. Es handelt sich dabei um einen historischen Roman, in dem Kross das Leben eines Chronisten der estnischen Geschichte erzählt. Es ist ganz sicher ein großer Vorteil, wenn man mit der estnischen Geschichte etwas auskennt, ansonsten dürften Leser teilweise doch etwas Mühe haben, die geschichtlichen Winkelzüge nachvollziehen und verstehen zu können. Wer sich aber ein wenig mit der estnischen Geschichte auskennt, der wird sich recht gut zurechtfinden und dankbar sein für diesen romanhaften Überblick. Allerdings hätte der Roman doch um einiges gestrafft werden können - manche Teile ziehen sich doch ziemlich zäh dahin. Trotzdem bekommt man einen guten Eindruck vom Leben im mittelalterlichen Estland (vor allem in Reval) und den politische Entwicklungen im Ostseeraum zur damaligen Zeit.
  15. Cover des Buches Wo die Ostsee Westsee heißt (ISBN: 9783442716593)
    Tilmann Bünz

    Wo die Ostsee Westsee heißt

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Kinderbuchkiste
    Das Baltikum kennen und verstehen lernen

    das hat sich Tilmann Bünz zur Aufgabe gemacht und lässt uns dabei in diesem Buch an seinen Eindrücken und Erlebnissen teilhaben.
    Für viele von uns ist das Baltikum immer noch ein Gebiet, das nicht sofort auf unserer Liste der Urlaubsländer steht, die man mal eben so bereist. Wieso eigentlich. Wir fahren an die deutsche und dänische Ostseeküste, nach Schweden und weiter doch Richtung Osten?
    Wer es dennoch wagt, der wird belohnt, von einer fantastischen Natur, netten Menschen und einer Kultur und Tradition die noch gepflegt wird.
    Tilmann Bünz hat diesen Teil der Ostsee der dort Westsee heißt per Fahrrad bereist.
    Von den fantastischen, unglaublich naturbelassenen kurischen Nehrungen bis nach Navra. Viel an der Küste entlang aber auch ins Landesinnere führt ihn sein Weg. Estland, Lettland, Litauen mit bekannten Städten wie Vilnius und Riga aber auch kleinen Dörfern und uns unbekannten Städtchen.
    Seine Art zu berichten lässt uns zuweilen den Eindruck bekommen selbst mit zu reisen. Wunderbar beschreibt er Land und Leute, seine Eindrücke und Erlebnisse und verbindet sie gekonnt mit früherem und aktuellen  geschichtlichem Hintergrund Wissen und Zeitgeschehen. Dabei gelingt es ihm den Zauber dieser Region spürbar zu machen.
    Am liebsten würde man es ihm direkt gleich tun. Aufs Rad und einfach los fahren. Es geht natürlich auch mit dem Auto, doch die Natur und die Menschen lernt man wohl per Pedes am besten und leichtesten kennen. Man kommt einfach schneller ins Gespräch.
    Ein tolles Buch, das uns die Länder und vor allem die Menschen entlang der Ostses, die dort Westsee heißt näher bringt und Lust macht es dem Auto gleich zu tun.
    Ich bin gespannt wohin sein Weg noch führt.
     
     


  16. Cover des Buches Fegefeuer (ISBN: 9783844910858)
    Sofi Oksanen

    Fegefeuer

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Daphne1962

    Fegefeuer - gelesen von Katharina Thalbach, Anna Thalbach (das alleine reicht schon für ein gutes Hörbuch), Heikko Deutschmann und Julia Nachtmann. Die Auszüge aus den Protokollen liest Thomas
    Thieme.

    Da landet die junge Zara völlig entkräftet und überraschend in der Küche der alten Alina Tru und diese ahnt nichts von einer Gemeinsamkeit der beiden unterschiedlichen Frauen. Was weiß man denn geschichtlich so über Estland und deren Besetzung? Nicht viel, ich jedenfalls.

    Estland grenzt an Russland und Lettland. In den Jahren 1939 bis 1940 wurden die Deutschbalten von den Nationalsozialisten aus Estland und Lettland unter dem Motto Heim ins Reich im Rahmen einer Umsiedlung ins Deutsche Reichgeholt. Grund war die im Geheimabkommen zum Hitler-Stalin-Pakt geschlossene Vereinbarung, das Baltikum der sowjetischen Interessensphäre zuzuschlagen. (Wikipedia)

    Alina Tru ist eine verbitterte Alte und Zara eine junge Frau, die durch den Scheuersack gegangen ist. Beide umkreisen sich mißtrauisch, immer in Sorge die andere könnte zum Todesstoß ausholen.
    Nach und nach erfährt der Hörer aus der Vergangenheit von Alina Tru und ihrem Leben unter den Besatzern im Baltikum. Estland ab dem Jahr 1936 bis in die Jahre 1991 bis 1992. Alina lebte aber nicht immer alleine. Das Zara und Alina eine gemeinsame Geschichte haben, erfährt der Hörer dann stückchenweise. Den Inhalt zu erzählen, ist schwierig. Das sollte sich jeder Hörer selbst erarbeiten. 

    Grandiose Erzählung, die durch die einzelnen Sprecher zu einem grausamen und bildlichen Film werden. Die Zeitsprünge könnte man nur deshalb gut verfolgen und verstehen, da alles strukturiert war. Denn der Hörer wird durch die Zeitsprünge geleitet mit vorheriger Ansage. Die Autorin beherrscht es, die Grausamkeiten, zu denen Menschen fähig sind knallhart zu benennen. denn wenn Menschen nicht bekommen, was sie haben wollen. wird gefoltert. Verrat und Hinterlist ist nur eine Variante des Bösen.

    Man fragt sich am Ende unweigerlich, wer wird im Fegefeuer braten? Morde haben sie alle auf dem Gewissen. Schwere Kost, nichts für zarte Gemüter.
  17. Cover des Buches Taktverschiebung (ISBN: 9783855357598)
    Adam Thorpe

    Taktverschiebung

     (2)
    Aktuelle Rezension von: HeikeG
    Dissonanzen und Enthüllungen oder Die Interpunktion der Stille Ein klassischer zeitgenössischer Komponist aus London wünscht sich in zwei parallelen Leben gleichzeitig zu leben, treibt aber im Endeffekt eher richtungslos umher: abgeschnitten von der Vergangenheit und ohne Sinn in der Zukunft zu sehen, bis er zu den Wurzeln seiner Dissonanzen zurückkehrt. Estland und seine wunderschöne, direkt am Finnischen Meerbusen gelegenen Hauptstadt Tallinn sind nur selten Gegenstand der modernen Romanlandschaft. Derweil strahlt die mittelalterliche Altstadt, umgeben von einer mächtigen Befestigungsmauer und einer fast labyrinthartigen Verästelung von Straßen, Gässchen und Treppen einen unglaublichen Charme aus. Der britische Autor Adam Thorpe entfaltet seinen siebenten und dritten auf Deutsch erschienenen Roman Taktverschiebung in diesem reizvollen Ambiente: in der "Morgendämmerung des 21. Jahrhunderts". Enddreißiger Jack Middleton ist - oder war - einer von "Englands vielversprechendsten jungen Komponisten". Seine Frau ist die wohlhabende, aristokratische Milly du Cran. Jacks Zukunft scheint gesichert: prachtvolle Villa in Londons bester Gegend und all die mit Reichtum verbundenen äußeren Annehmlichkeiten. 1999 besucht er Tallinn, die Heimat seines Idols, des Komponisten Arvo Pärt, Eremit und Kultfigur der klassischen Musikszene. Jack ist beauftragt worden, ein Stück für ein Konzert zur prachtvollen Jahrtausendwende-Party, zur Eröffnung des Millennium-Doms in London zu schreiben. Hier in Tallin will er sich inspirieren lassen und aus seiner zunehmenden Midlife-Krise herauskommen. "Ich saß auf einer Bank gegenüber der Alexander-Nevsky-Kathedrale mit der goldenen Kuppel (...) Ich fragte mich, was wohl der Sinn des Lebens sei. (...) Man entwickelt sich. Man löst Probleme, indem man diesen Weg nimmt oder jenen (...) Meine Entscheidung war, das Ding hier kommen zu lassen." Das Ding" kommt in Form einer schönen estnischen Frau, Kaja, einer Musikerin, Aushilfskellnerin und ehemalige sowjetische Meisterturnerin. Er beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit ihr. Kaja ahnt nicht, dass Jack verheiratet und seine Frau schwanger ist. Die Affäre endet, als Jack nach drei Wochen verlegen zurück nach England schleicht. Sechs Jahre später, nach den Londoner Bombenanschlägen im Jahre 2005, steckt die Ehe von Jack und Milly in einer Krise. Ihr Kind wurde tot geboren, und das Paar bleibt fortan kinderlos. Jack, der es geschafft hat, seine estnische Affäre geheim zu halten, dümpelt künstlerisch nur noch dahin. Die erhofften Inspirationen blieben aus. Plötzlich taucht Kaja in London auf, begleitet von einem kleinen Jungen, Jacks Sohn: das Ergebnis der dreiwöchigen "Inspirationssuche" vor sechs Jahren in Tallinn. Kaja möchte, dass ihr Sohn seinen Vater regelmäßig sieht, und Jack kann das Geheimnis vor seiner Frau nicht mehr länger verbergen. Als Milly die Wahrheit erfährt, verlässt sie Jack. Der Zusammenbruch seiner Ehe verstört Jack zutiefst: "Angst, dass dieses bequeme Leben - leistungsschwach mag sein, aber bequem - zertrümmert werden könnte". Jacks Unentschlossenheit und nebulöse Positionierung veranlasst Kaja, nach Estland zurückzukehren, wo sie einen Zimmermann heiratet und versucht, die Vergangenheit zu vergessen. Erst jetzt trifft Jack Middleton seine erste veritable Entscheidung: Er folgt Kaja in ihre Heimat - mit tödlichen Konsequenzen. Der Roman offenbart eine raffinierte Erzählstruktur: an das Ende fügt sich homogen der Anfang. Adam Thorpe, der seine Karriere Dozent für Englische Literatur und Theaterwissenschaften und als Lyriker begann, erzählt in Taktverschiebung eine zauberhafte Liebesgeschichte mit den Grundzügen einer leichten Komödie. Herausragend, die Beschreibung der Taxifahrt vom Flughafen in die Innenstadt von Tallin. Jedoch ist das Komödiantische nur ein Teil der Mischung. Großbritannien und dessen geld- und besitzgeprägte Hauptstadt London, außerhalb der idyllischen Verzauberung von Hampstead, dem Landsitz von Jacks Schwiegereltern, skizziert Thorpe als trostlosen Platz (besonders das vorstädtische Hayes, Jacks Heimatstadt), wo ständig die Gefahr besteht, überfallen und niedergeschlagen zu werden (obwohl Jack - ironischerweise - nur in Tallinn durch eine randalierende britische "Herrengesellschaft" in eine für ihn äußerst schmerzhafte Schlägerei verwickelt wird). Taktverschiebung enthält überdies Elemente des Melodramas. Überall im Buch gibt es Referenzen zu Madam Bovary. Thorpe modernisiert Flaubert: Emma, Rodolphe und Charles sind hier Jack, Milly und Kaja. Der Roman kann - genau wie bei Flaubert - als Satire auf die selbstzufriedene bürgerliche Kultur des alten Europas gelesen werden, beleuchtet gleichzeitig aber auch den moralischen und materiellen Zerfall des kommunistischen Europas und die zweifelhaften kapitalistischen Folgen. Tallinn, mit Thorpes Augen betrachtet, ist ein baltisches Prag unter der Belagerung von Sextourismus und Billigflieger-Invasionen. Der Roman hat seine Stärken ganz klar in Estland. Der Anfang und das Ende sind Thorpes Meisterstücke. Im Mittelteil ufert der Autor gelegentlich etwas zu weit aus und spickt seine Zeilen für einen Laien mit zum Teil schwer verständlichen Musikreferenzen von Cornelius Cardew bis György Ligeti. Die Hauptprotagonisten sind durchgehend gut gezeichnet. Zu deren Unterstützung agieren eine Reihe englischer Exzentrikern: Jacks Nachbarn Edward Cochrane, sein homosexueller Freund Howard Davenport oder aber seine aristokratischen Schwiegereltern Marjorie und Richard du Crane. Diese Personen und deren grundverschiedene Ansichten verleihen dem Buch eine besondere Würze. Fazit: Taktverschiebung ist ein eindrucksvoller, ideenreicher, kluger und komplexer Roman: gut beobachtet, humorvoll und gleichzeitig nachdenklich stimmend: ein wunderbares Sitten- und Zeitengemälde des "neuen" und "alten" Europas, flüssig und ideenreich übersetzt von Matthias Müller.
  18. Cover des Buches Kuss der Finsternis (ISBN: 9783802588051)
    Kresley Cole

    Kuss der Finsternis

     (379)
    Aktuelle Rezension von: Chrissy87

    Kaderin kann nichts mehr fühlen, was sie zur perfekten Mörderin macht. Ihr liebstes Ziel sind Vampire, da diese ihr die Schwestern genommen haben. Als sie den Vampir Sebastian töten soll, kann sie das nicht, da das Schicksal andere Pläne mit den beiden hat.

    Die Story an sich fand ich super unterhaltsam und auch spannend, besonders der Wettkampf der im Verlauf des Buches stattfindet war mal was anderes. Aber dieses ewige hin und her zwischen den beiden Protagonisten hat mich schon an mancher Stelle genervt. Ich verstehe schon das die Spannung, gerade zwischen den beiden, das gesamte Buch hoch gehalten werden muss, aber das kann man auch irgendwie anders lösen.

    Ansonsten tauchen hier auch wieder einige interessante Charaktere auf, die Lust machen die Reihe weiter zu verfolgen.

  19. Cover des Buches Der Gesang der Freiheit: Himmel, Erde, Schnee Teil 2 (ISBN: B07SJMP36W)
    Ira Habermeyer

    Der Gesang der Freiheit: Himmel, Erde, Schnee Teil 2

     (5)
    Aktuelle Rezension von: Nessa_Davy
    Die Geschichte um Lagles Familie dreht sich weiter: Lagle und Enn Treimann steuern auf ihre neue Zukunft zu und fordern Freiheit. Auch Lagles Sohn Kalev schließt sich dieser Forderung an und sucht zugleich noch seinen Platz in dieser Welt. Sigrun unterdessen behält ihren Kurs als Geschäftsfrau bei, wird aber dabei immer berechnender...

    Inhalt:
    Auch wenn es sich um einen historischen Roman handelt und man daher im Grunde schon von der Geschichte Estlands weiß, ist der Roman sehr spannend, da er die Geschichte der einzelnen Figuren in dieser Zeit beleuchtet. Estland ist selten ein Roman-Schauplatz und bietet uns Einblick in eine unbekannte Welt und in ein - für die meisten von uns - fremdes System.
    Da der Ruf der Esten nach Freiheit lauter wird, finde ich den zweiten Band spannender als den ersten: die Leute beginnen, sich offen gegen das Regime zu wenden - und das bringt natürlich auch Gefahren mit sich.

    Figuren:
    Die Autorin lässt sich durchaus Zeit mit der Entwicklung der Figuren, was der Spannung allerdings keinen Abbruch tut. Das Ergebnis sind dafür glaubwürdige, "dreidimensionale" Figuren, mit all ihren Stärken und Schwächen. Es ist schwierig, eine Lieblingsfigur zu finden, aber auch einen kompletten Antagonisten gibt es (zumindest unter den Hauptfiguren) nicht - an allen Figuren gibt es etwas, das ich mag und etwas das mich stört. Sie entwickeln sich auch ständig fort, was zur Dynamik des Buches beiträgt.

    Fazit:
    Wer den ersten Band gelesen hat, sollte sich die Fortsetzung nicht entgehen lassen! Und auch für den ersten Band muss ich aufgrund dieser großartigen Fortsetzung noch einmal eine Leseempfehlung aussprechen!
  20. Cover des Buches Estland entdecken (ISBN: 9783897940758)

    Estland entdecken

     (2)
    Noch keine Rezension vorhanden
  21. Cover des Buches Baltische Begegnungen (ISBN: 9783839321041)
    Inka Schwand

    Baltische Begegnungen

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Die Autoren sind per Rad, Bahn und Bus durch Estland, Lettland und Litauen gereist und fassen ihre Erlebnisse in diesem Band zusammen. Dabei wird mal die schöne Landschaft beschrieben, mal geht es um gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Entwicklungen in einzelnen Regionen oder um die wechselvolle Geschichte der drei Länder. Ob man nun schonmal dort war oder (noch einmal) hinwill, das Büchlein hier ist eine schöne Anregung und eine Erinnerungshilfe zugleich. Ob man jetzt nur etwas über lohnenswerte Reiseziele abseits der großen Touristenströme erfahren will oder lieber über die geschichtlichen und gesellschaftlichen Hintergründe, kann man sich aussuchen – es gibt zu jedem Thema etwas, und durch die Einteilung in kurze Kapitel kann man auch nur gezielt zu einem Land lesen.
  22. Cover des Buches Das Herz der Hölle (ISBN: 9783732508594)
    Jean-Christophe Grangé

    Das Herz der Hölle

     (173)
    Aktuelle Rezension von: Hypochrisy

    Mathieu hat es nicht leicht mit seiner Mutter. Eigentlich war sie nie da in seiner Kindheit, und jetzt kommt sie nur noch von Zeit zu Zeit vorbei, um ihm ein schlechtes Gewissen zu machen. „Du liebst mich nicht“, hält sie ihm zum Beispiel entgegen, als sie ihn auf der Treppe zu seiner Wohnung abpasst. „Ganz im Gegenteil“, hält Mathieu ihr entgegen: „Ich liebe alle Menschen“. -- „Auch die Verbrecher?“ -- „Vor allem die Verbrecher“. Eigentlich hatte Mathieu Priester werden wollen, aber jetzt sieht er dem alltäglichen Bösen auf den Straßen von Paris als Polizist ins Gesicht. Ebenso wie sein Freund Luc, der sich seit Jahren besonders fasziniert vom Teufel und seinem Wirken auf Erden zeigt. Jetzt hat Luc versucht, sich das Leben zu nehmen -- und ist wie durch ein Wunder gerettet worden. Wie aber, fragt sich Mathieu, kommt Luc als gläubiger Katholik dazu, die Todsünde des Selbstmords zu begehen? Warum hatte er Einstiche in den Armen, als man ihn gefunden hat? Und welchem wahrhaft diabolischen Verbrechen war er auf der Spur, als er seinen unglaublichen Entschluss zur Selbsttötung fasste? Die Spur führt Mathieu zunächst zu einem Organisator für Pilgerfahrten, um dann immer tiefer hineinzuführen ins teuflische Herz einiger ungeheuerlicher Taten, die vor allem eines verbindet: alle mutmaßlichen Mörder galten als tot, bevor man sie ins Leben zurückgeholt hat...

  23. Cover des Buches The Geographer's Library (ISBN: 0143036629)
    Jon Fasman

    The Geographer's Library

     (4)
    Aktuelle Rezension von: DaniW
    Der Tod von Jaan Puhapaev, einem älteren Wissenschaftler, der in leblos in seinem vollgestopften Haus gefunden worden ist, erweckt zunächst nicht besonders viel Interesse in Connecticut. Als jedoch der Pathologe, der Puhapaev untersucht, bei einem eigenartigen Autounfall ums Leben kommt, nimmt sich der Reporter Paul Tomm der Sache an. Tomms Untersuchungen führen ihn zu einer jungen, attraktiven Frau, einem Netzwerk von internationalen Schmugglern und versteckten alchemistischen Bibliotheken...
    Leider wird die zunächst ganz interessante Handlung durch langatmige, katalogähnliche Beschreibungen von kostbaren Objekten abgebremst - eher etwas für den Intellekt als für die Emotionen. Und auch das Ende ist mehr als enttäuschend. Insgesamt betrachtet, gibt es sehr viel empfehlenswertere Bücher, die historische Belletristik mit einem Krimi verbinden.
  24. Cover des Buches Estland (ISBN: 9783881894678)
    Paul Mahrt

    Estland

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