Bücher mit dem Tag "estland"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "estland" gekennzeichnet haben.

65 Bücher

  1. Cover des Buches Kuss der Finsternis (ISBN: 9783802581908)
    Kresley Cole

    Kuss der Finsternis

     (377)
    Aktuelle Rezension von: Vampir-Fan
    Vor langer Zeit verlor die Walküre Kaderin ihre geliebten Schwestern im Kampf gegen Vampire. Seither ist sie auf einem erbitterten Rachefeldzug gegen das Geschlecht der Blutsauger. Unfähig, tiefere Gefühle zu entwickeln, führt Kaderin das Leben einer Auftragsmörderin. Doch als sie den Vampir Sebastian töten soll, scheitert sie kläglich. Der verführerische Sebastian weckt längst verloren geglaubte Empfindungen und ein verzehrendes Verlangen in ihr. Aber kann Kaderin ihren Kampf gegen die Vampire aufgeben, nur weil einer von ihnen ihr Herz erobert hat?...

    Kuss der Finsternis ist der 2. Teil der Immortals-After-Dark-Reihe der amerikanischen Autorin Kresley Cole. Wie schon im erstel Teil der Reihe geht es auch hier um Walküren, Vampire, alte Gottheiten, Werwölfe und andere übernatürliche Wesen. Der Schreibstil ist sehr flüssig und versetzt den Leser schnell in die Welt des Übernatürlichen. Die Charaktäre sind sehr gut beschrieben und man schließt sie sehr schnell als Leser ins Herz. Eine tolle Reihe für gemütliche Stunden auf dem Sofa. Daher bekommt das buch liebevolle 4 von 5 sterne von mir. Ich freu mich schon sehr auf die weiteren Teile der Reihe.


  2. Cover des Buches Aus eisiger Tiefe (ISBN: 9783462046946)
    Voosen | Danielsson

    Aus eisiger Tiefe

     (42)
    Aktuelle Rezension von: peedee

    Nyström und Forss, Band 3: Bei Bauarbeiten auf einem Golfplatz in Växjö wird eine Leiche entdeckt – offenbar ein seit vielen Jahren vermisster Osteuropäer. Kommissarin Ingrid Nyström und ihr Team nehmen die Ermittlungen auf, die zunächst auf Schmugglerbanden hinweisen. Da verschwindet die Leiche aus der Rechtsmedizin – wer stiehlt eine Leiche? Kurz darauf ein weiterer Todesfall; hier führen die Ermittlungen über zwanzig Jahre in die Vergangenheit. Was hat der Untergang des Fährschiffs Estonia im Jahr 1994 mit dem vorliegenden Fall zu tun? Haben die beiden Todesfälle etwas miteinander zu tun?

    Erster Eindruck: Ein bedrohliches, dunkles Bild auf dem Cover, im oberen Bereich sieht man hinter dem Buchtitel noch eine Krabbe (o.ä.) – gefällt mir.

    Dies ist der dritte Band der Reihe; er lässt sich ohne Kenntnis der Vorgängerbände lesen. Der Blickwinkel ändert in jedem Kapitel: Mal ist es aus Sicht der Chefin, dann aus Sicht von Stina Forss oder anderen Personen – sehr lebhaft, aber auch komplex.

    Der Prolog fängt wieder sehr aufregend und beklemmend an – ohne zu spoilern, kann ich leider nichts darüber verraten.
    Eine Leiche auf dem Golfplatz: Wie sich herausstellt, wurde der Ermordete vor zwanzig Jahren bei Bauarbeiten eines Hindernisses dort versteckt – bei erneuten Bauarbeiten kam die Leiche zum Vorschein. Wie konnte jemand die Leiche so „entsorgen“?

    Ingrid Nyström mag ich sehr gerne. Sie macht ihren Job als Kommissarin sehr gut, obwohl sie chronisch zu wenig Personal hat. Ingrid hat immer noch mit den Folgen ihrer Erkrankung zu kämpfen.
    Stina Forss ist wirklich eine ganz spezielle Frau, die zu häufig eigene – auch illegale – Wege verfolgt. Sie wirkt nicht wie ein Teamplayer, doch ihre Chefin weiss, dass sie sehr gut in ihrem Job ist. Und schliesslich erzählt Stina ihr ja nicht jedes kleine Detail, wie sie zu ihren Ergebnissen kommt. Bei mir hat Stina leider noch keine Sympathiepunkte sammeln können. Sie wagt auch dieses Mal wieder Alleingänge, die sie in sehr gefährliche Situationen bringen. Mir dreht sich noch jetzt fast der Magen um, wenn ich daran denke, wie sie sich aus einer dieser Situationen befreit! Argggghhh, schlimm!
    Sehr interessante Ermittlungen, die u.a. auf Schmuggel hindeuten oder auch die ganzen Informationen zum Fährunglück Estonia von 1994 – wirklich heftig! Bei diesem Unglück haben nur etwa einer von acht Passagieren überlebt, aber jedes dritte Crewmitglied – insgesamt 852 Tote! Es gibt viele Verschwörungstheorien zur Estonia. Was wirklich stimmt, wird vermutlich nie herauskommen.

    Fazit: Auch in diesem dritten Band konnte die Spannung bis zuletzt aufrechterhalten werden. Auf die zuweilen brutalen Bilder, die aufgrund der detaillierten Beschreibungen vor meinem geistigen Auge entstanden, hätte ich gerne verzichtet (ich habe das Buch u.a. in der Bahn gelesen und da habe ich sicher ein interessantes Mienenspiel von mir gegeben, als Stina wieder mal in heftige Bedrängnis kam). Von mir gibt es erneut 5 Sterne und ich suche nun wieder nach etwas leichterer Lektüre, bevor es dann mit dieser Reihe weitergeht.

  3. Cover des Buches Hunde von Riga (ISBN: 9783423212137)
    Henning Mankell

    Hunde von Riga

     (676)
    Aktuelle Rezension von: Hellena92
    Henning Mankell hat hier meinen liebsten Band der Wallander Reihe geschaffen.

    In "Die Hunde von Riga" geht es um ein kleines Boot, dass an die schwedische Küste geschwemmt wird. Die beiden toten Männer legen eine Spur bis nach Riga. So dass Kurt Wallander kurzerhand dort hin reist, um den Fall aufzuklären. Als er die wunderschöne Ermittlerin Liepas kennen. Gemeinsam versuchen sie den Fall zu lösen.


    Ich liebe dieses Buch. Es ist wahnsinnig spannend und man kann nicht aufhören zu lesen!
  4. Cover des Buches Die Zeit der Birken (ISBN: 9783746635446)
    Christine Kabus

    Die Zeit der Birken

     (32)
    Aktuelle Rezension von: ConnyKathsBooks

    Schleswig-Holstein, 1977: Die Liebe zwischen der 18-jährige Gesine und dem russischen Pferdetrainer Grigori endet jäh, als dieser plötzlich verschwindet. Einzig eine Kette mit einem Eichenlaubhänger bleibt Gesine als Andenken. Erst Jahre später kommt sie damit einem Familiengeheimnis auf die Spur. Estland,1938: Die 19-jährige Charlotte von Lilienfeld wird von ihrer deutschbaltischen Familie als Haushaltshilfe zu ihrem Onkel auf den Birkenhof geschickt, wo sie sich in den jungen Stallmeister Lennart verliebt. Doch ihre Beziehung muss geheim bleiben, denn ihre Eltern würden eine Ehe mit einem Esten niemals erlauben. Als Charlotte ein Kind von Lennart erwartet, beginnt der Zweite Weltkrieg - und die beiden Liebenden werden getrennt.

    "Die Zeit der Birken" stammt aus der Feder von Christine Kabus, deren Romane ich immer wieder gerne lese. Diesmal konnte mich die Autorin aber nur bedingt überzeugen.

    Interessant fand ich auf alle Fälle den Schauplatz. Wir erfahren viel Wissenswertes über die wechselvolle Geschichte Estlands und vor allem der Deutsch-Balten. Einer deutschsprachigen Minderheit, deren Spuren heute noch überall in Estland und Lettland zu finden sind. Auch ich habe einiges dazugelernt, zum Beispiel über die Umsiedlung der Deutsch-Balten Anfang des Zweiten Krieges. Im Rahmen der "Heim ins Reich"-Aktion mussten damals mehrere Tausend Esten und Letten ihre Heimat verlassen und sich größtenteils in annektierten polnischen Gebieten niederlassen. Die historischen Fakten sind dabei fundiert recherchiert und werden hier mit zwei fiktiven Schicksalen und Liebesgeschichten verknüpft.

    Die beiden Erzählstränge von Charlotte in der Vergangenheit und Gesine in der Gegenwart wechseln sich dabei ab. Mit Gesine und ihrer aufmüpfigen, rebellischen Art konnte ich ehrlich gesagt nicht so viel anfangen, auch nicht mit ihrer Liebe zu Grigori. Charlottes Part hat mir hingegen deutlich besser gefallen. Mit ihr konnte ich auch mitfühlen, denn ihre kaltherzige, strenge Mutter macht ihr das Leben schwer.

    Der Schreibstil an sich ist auch nicht schlecht, allerdings viel zu langatmig und detailverliebt. Mit zu viel Historie, Politik, Nebensächlichkeiten und Passagen, die sich zum Teil wie ein Auszug aus dem Geschichtsbuch oder Lexikon lesen. An einer Stelle wird zum Beispiel der Unterschied zwischen Plutokratie und Oligarchie erklärt, was für die Story überhaupt nicht von Belang ist. An anderer Stelle wird detailliert auf die RAF eingegangen. Oder gibt es Referenzen auf Filme und Musik der 70er Jahre, was zwar ganz nettes Beiwerk ist, aber auch nicht wirklich wichtig. Und so zieht sich das durch das ganze Buch. Teilweise fühlte ich mich vor lauter Details richtig erschlagen und meine Gedanken schweiften immer wieder ab. Die Geschichte konnte mich daher nur wenig fesseln und viele Seiten habe ich nur quergelesen.

    Die Zusammenführung der Erzählstränge und die Auflösung am Ende wird dagegen viel zu schnell abgehandelt. Gerade hier hätte sich die Autorin mehr Zeit lassen können. Erstens sind die Familienkonstellationen doch etwas verwirrend und zweitens bleiben auch noch zwei wichtige Fragen offen. Was nach knapp 600 Seiten doch etwas unbefriedigend war.

    Insgesamt kann ich daher "Die Zeit der Birken" nur eingeschränkt empfehlen. Liebe, Familiengeheimnisse und estnische Geschichte - durchaus interessant, aber für mich zu langatmig und detailverliebt erzählt. 3 Sterne von mir.

  5. Cover des Buches Fegefeuer (ISBN: 9783442742127)
    Sofi Oksanen

    Fegefeuer

     (103)
    Aktuelle Rezension von: beccaris

    Die finnisch-estnische Autorin verbindet in diesem Roman die Gegenwart (kurz nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit Estlands) und die Vergangenheit miteinander. Zwei chronologisch unterschiedliche Erzählstränge führen den Leser einerseits in die Zeit der sowjetischen Okkupation nach 1940 und andererseits ins heutige Estland nach 1992, das im Zuge von Glasnost und Perestroika, seine Souveränität wiederhergestellt hat.

    Die Geschichte erzählt die äusserst grausamen Erlebnisse zweier Frauen, die sich bis anhin nicht kannten, aber eine verwandschaftliche Beziehung zueinander haben. Thematisiert wird der massive Druck und die Gewaltandrohungen in einem kommunistischen Gesellschaftssystem. Täter werden zu Opfern und umgekehrt. Dem System ablehnend gegenüberstehende Einwohner werden deportiert und als sogenannte Volksfeinde denunziert.

    Zwei Generationen später setzen viele junge Frauen ihre Hoffnung auf Arbeit und Glück im Westen. Sie geraten nicht selten in Hände gewalttätiger Zuhälter und können sich nur selten oder unter grossen Gefahren aus ihrer Abhängigkeit und einer menschenverachtenden Situation befreien.

    Ein eindrücklicher und folgenschwerer Roman, den ich wegen seiner Tragik und Grausamkeit aber auch gerne wieder zur Seite gelegt habe.

  6. Cover des Buches Der Mann, der mit Schlangen sprach (ISBN: 9783608981070)
    Andrus Kivirähk

    Der Mann, der mit Schlangen sprach

     (20)
    Aktuelle Rezension von: Tinten_sturm
    Mir persönlich hat der Roman nicht besonders gut gefallen. Das lag u.a. an dem trockenen, teils emotionslosen Erzählstil, aber auch an der vulgären Sprache. Sympathie konnte ich weder mit den dümmlichen und naiven Dorfbewohnern, noch mit den starrköpfigen, brutalen und verrückten Waldmenschen empfinden. Seitenweise wird sich in diesem Roman darüber echauffiert, wie furchtbar es ist, dass die Dorfmenschen Brot essen, während die Tode wichtiger Figuren wie nur in einem Nebensatz erwähnt werden. Auch die Sitten der Dorfbewohner waren hauptsächlich befremdlich, u.a. dass die Frauen sich regelmäßig mit Bären paaren. 

    Wer den Klappentext liest und denkt, dass es um einen Jungen und seine Suche nach dem Nordlanddrachen geht, dem kann ich klar sagen, dass dies nicht der Fokus des Romans ist. Der Fokus des Romans sind die Themen Veränderung, Modernisierung, Verfall von Traditionen und der Einzug des Christentums in Estland. Leemet steht zwischen der modernen Welt (dem Dorf) und der alten Welt (dem Wald). Doch weder das eine, noch das andere wirkt besonders verlockend. Zurück bleibt eine seltsame Nostalgie nach einer Vergangenheit, die eigentlich nicht wirklich lebenswert wirkt. 
  7. Cover des Buches Stalins Kühe (ISBN: 9783442743643)
    Sofi Oksanen

    Stalins Kühe

     (24)
    Aktuelle Rezension von: awogfli
    Wenn ich so lange mit einem Buch brauche, obwohl ich sogar Urlaub habe, dann habe ich ordentliche Probleme damit. Wie auch hier bei Stalins Kühe.

    Die Geschichte beginnt durchaus sehr spannend mit Anna, einer Aneorexie- und Bulimiekranken die sich und ihr Leben völlig ihrem sogenannten Herrn (respektive der Krankheit) unterordnet. Dabei scheut sich Sofi Oksanen auch nicht, sehr anschaulich und plastisch also auch richtig grauslich die detaillerte Beschreibung des Fress- und Kotzvorgangs einer Bulimiekranken zu schildern. Das ist harter Tobak und nichts für zarte Gemüter, gibt aber einen grandiosen Einblick in die Auswirkung der Krankheit und wie die Essensbeschaffung inklusive Vertuschung das gesamte tägliche Leben dominiert. Das ist sehr realistisch beschrieben und sehr gut.

    Weiters wird durch den typischen Oksanen Schreibstil - dekonstruierte Handlung durch Szenen- & Zeitenwechsel im Stakkato - die Rezeptionsfähigkeit des Lesers arg strapaziert und der Plot kommt äußerst langsam in Schwung. Die Haupthandlung der kranken Anna plätschert so dahin und stroboskopartig poppen zirka alle 20 Seiten für 2-4 Seiten Flashlights aus der Vergangenheit insbesondere die Geschichte der Eltern und der Großeltern von Anna auf. Diese Art der Romankonzeption durfte ich schon in Fegefeuer über mich ergehen lassen.

    Nach einer Weile hatte ich mich zumindest teilweise an die schnellen Szenenwechsel gewöhnt, konnte die Geschichte der Mutter und des Vaters mosaikartig zusammenstellen und die Handlung ging voran. Kein Wunder dass Anna an Anorexie bzw. Bulimie leidet. Schon seit frühester Kindheit muss sie die Traumata ihrer Mutter übernehmen, ständig vertuschen und verheimlichen: Jeder ist Feind, kommunistischer Spitzel, niemand darf erfahren, dass die typische finnische Anna eine estische Mutter hat, sie muss ihre Herkunft, ihre Muttersprache und ihre Identität verheimlichen, alle Frauen, die sich ein bisschen weiblich kleiden - also Röcke tragen  - sind Huren, in der Schule wird sie gemobbt, weil sie früh Busen hat.. . Sehr anschaulich wird dem Leser sehr genau und scheibchenweise der Grund für Annas Essstörung offenbart.

    Von der Idee her war es ja gut gemeint, denn durch den Oksanen Stil sollten auch gleich die Ursachen der Traumata von Annas Mutter durch diese Flashbacks aus der Vergangenheit beleuchtet werden. Leider funktionierte dies aber bei mir überhaupt nicht. Erstens weil nur alle ca 50-70 Seiten ein 2 seitiger Schnipsel der Geschichte der Großeltern aufpoppt und zweitens weil diese verzwickte Verwandschaftsstory von Verrat und Kommunismus der großelterlichen Familie einfach für mich zu wirr und zu kopmplex war, um sie so homoöpathisch in ihrer Gesamtheit zu rezipieren. Wer ist mit wem wie verwandt? Wer hat wen verraten? Wer hat wessen Hab und Gut akquiriert? Sorry ich kriegte es einfach nicht zusammen. Wenn also ein mühsamer Stilgriff nicht funktioniert und letztendlich nicht zu einem AHA-Erlebnis führt, dann ist wird die gesamte Geschichte als mühsam empfunden.

    Auch die Gegenwartsstory um die Bulimie kreist am Ende nur um sich selbst und entwickelt sich nicht weiter, wenn man vom Wechsel der Partner mal absieht, hat sich im Vergleich zum Beginn des Romans gar nichts geändert. Das ist auch langweilig. Außerdem ist der Roman viel zu lang  -echt jetzt 500 Seiten! - wobei ja die letzten 200 Seiten einfach gar nichts mehr passiert.

    Fazit: Diesmal gibt es mit Bedauern nur 2,5 Sterne wohlwollend aufgerundet auf 3, weil mir Fegefeuer gut gefallen hat und ich an diesem Roman genau demonstriert bekam, wie das Oksanen Konzept auch aufgehen kann.
  8. Cover des Buches Der Grund (ISBN: 9783499268823)
    Anne von Canal

    Der Grund

     (56)
    Aktuelle Rezension von: Naibenak

    Wow, welch ein Paukenschlag aus Tragik, Trauer, Überlebenskampf! Dieser Roman geht einem an die Nieren und ans Herz. Sehr intensiv beschreibt die Autorin das Bild eines Mannes, dem nach über 40 Jahren des Kampfes langsam die Luft ausgeht. 40 Jahre Kampf gegen elterliche "Fürsorge", 40 Jahre geprägt vom Anpassen, von einschneidenden Enttäuschungen und von Trauerbewältigung. Aber auch Liebe und Glück darf Laurits Simonsen erfahren - vielleicht sind es jene Momente und Jahre, die ihn aufrecht gehalten haben.

    Einen großartig komponierten Roman liefert uns Anne von Canal. Eingebettet in die Gegenwart, in welcher Laurits alias Lawrence Alexander auf einem Kreuzfahrtschiff für gute Klavierunterhaltung sorgt und Tagebuch schreibt, erfahren wir in Rückblenden von den wichtigen Ereignissen in seinem Leben. Und da kommt es sogar vor, dass eine Rückblende von seiner beeindruckend dargestellten Aufnahmeprüfung am Konservatorium (meine Klaviermusikerinnenseele hat sich sehr wohl gefühlt^^) erneut Rückblenden hervorruft. Wir erfahren vom gut betuchten Elternhaus mit dominantem, strengen Vater und unterdrückter Mutter, die eigentlich immer eine Maske trägt. Wir erleben Laurits als glücklich verheirateten Familienvater und Gynäkologe. Wir werden Zeuge von Verrat und furchtbar tragischen Ereignissen. Ich frage mich immer wieder, wie ein Mensch das alles aushält. Sollte er sich nicht eigentlich Hilfe suchen?

    Ob Laurits dies tut und wie er nun weitere Entscheidungen treffen wird, bleibt wage am Ende. Zumindest eine längst überfällige Entscheidung hat er getroffen und in die Tat umgesetzt, und das allein ist ein winziger Hoffnungsschimmer.

    Dieser Roman ist still und einfühlsam. Gleichzeitig ist er aufgrund der wechselnden Perspektiven in der Erzählform und dem dringenden Wunsch zu erfahren, warum Laurits nun auf dem Kreuzfahrtschiff "endet" unglaublich soghaft und spannend.

    Fazit: Ein unendlich trauriges und intensives Bild einer gepeinigten Musikerseele liefert die Autorin in wunderbarer, sensibler Sprache und einer soghaften Erzählform. Vollkommen nachvollziehbar ist es, wie aus einem Menschen derjenige wird, der uns auf dem Kreuzfahrtschiff in der Gegenwart begegnet. Richtig gut!

  9. Cover des Buches Unter dem roten Stern: Himmel, Erde, Schnee Teil 1 (ISBN: 9781719990455)
    Ira Habermeyer

    Unter dem roten Stern: Himmel, Erde, Schnee Teil 1

     (11)
    Aktuelle Rezension von: susanneschatz
    Ira Ebner hat ja schon mit Schwalben meine Begeisterung für das Baltikum geweckt. Zufällig war ich letzten Sommer sogar in Riga und hab mich sofort in die Stadt verliebt. Es war wie heimkommen. Nun hab ich Ira Ebners Unter dem roten Stern gelesen und mir gleich nach dem Lesen Band zwei gekauft. Das sagt ja eigentlich schon alles.
    Das Buch ist wieder wunderschön geschrieben. Ich liebe die Landschaftsbeschreibungen und das Eingehen auf die einzelnen Charaktere. Der Roman spielt in Estland der 70iger Jahre und die Sowjets haben das Land fest im Griff. Es ist der Beginn einer Familiensaga rund um die junge Lagle, die sich in den viel älteren Freund ihrer Cousine verliebt. Als Arvo sich für Lagle entscheidet, entzweit dies die beiden Cousinen. Trotz dieses Umstandes finde ich Lagle sympathisch und fiebere mit ihrem Leben und Leiden an Arvos Seite mit. Obwohl Arvo ein hohes Ansehen im estnischen Militär hat, merk man an allen Ecken den sowjetischen Einfluss und die Unterdrückung der estnischen Traditionen. Durch die Beschreibung der einzelnen Personen kann man sich gut in die Zeit hineinversetzen.
    Neben dem Leben von Lagle erfährt man auch was aus ihrer Cousine wird und man erhält auch Einblick in das Leben des Hochschulprofessors Enn. Wie genau die Lebenswege der drei wieder miteinanderverwoben sind erhält man im ersten Band aber noch keine genaue Einsicht. Obwohl ich natürlich Vermutungen habe :D
    Auf alle Fälle ein sehr berührendes Werk aus Ira Ebners Feder (oder Tastatur), das mich weiter in meiner Baltikumbegeisterung bestärkt und mich auch menschlich sehr berührt hat. Als Kind der 70iger, das mit dem Kalten Krieg aufgewachsen ist, ist es immer wieder faszinierend und ergreifend zu lesen, wie es den Menschen auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs ergangen ist. Ira Ebner schafft es immer wieder mit Worten mich in diese Welt mitzunehmen und mich erstarrt zurückzulassen über die Grausamkeit und Unnachgiebigkeit des Schicksals. Sehr berührend und natürlich nicht nur für Geschichtefreaks wie mich empfehlenswert.
  10. Cover des Buches Als die Tauben verschwanden (ISBN: 9783899038965)
    Sofi Oksanen

    Als die Tauben verschwanden

     (4)
    Aktuelle Rezension von: Daphne1962
    Als die Tauben verschwanden gelesen von Julia Nachtmann, Wanja Mues, Birte Schnöink und Jörg Pohl

    Estland zur Zeit der deutschen Besatzung: Roland hält sich versteckt, da er immer noch an die estnische Befreiung glaubt. Edgar versucht ins Zentrum der Machthaber vorzustoßen. Seine Frau J uudit verliebt sich in einen hohen deutschen Offizier. Sie ahnt allerdings nicht, dass ihr Mann über genau diesen Offizier die Karriereleiter emporklettern möchte. Als der Krieg beendet ist, werden die Karten neu gemischt, Estland steht nun unter der Besatzung der Russen. Wieder ist es Edgar, der hofft, auch bei den Kommunisten eine herausragende Rolle zu spielen. Er dreht seine Fahne quasi nach dem Wind.

    Wie auch im Band Fegefeuer werden die Personen von verschiedenen Darstellern gesprochen. Auch springt die Autorin stark in den Zeiten hin und her. Dabei verliert man aber nicht den Faden. Dennoch muss man das Hörbuch konzentriert verfolgen. Es ist ein kluger Roman, der doch recht anspruchsvoll geschrieben ist. Interessant, wie die Esten als Volk drangsaliert wurden. Allerdings ist es den meisten Lesern doch recht fremd. Es wird Zeit, seine geschichtlichen Lücken zu füllen.
  11. Cover des Buches Als die Tauben verschwanden (ISBN: 9783442749126)
    Sofi Oksanen

    Als die Tauben verschwanden

     (23)
    Aktuelle Rezension von: Mrs_Nanny_Ogg
    Sofi Oksanens Roman wurde als literarische Sensation des Jahres bezeichnet. Deswegen und vor allem auch wegen des interessanten Schauplatzes Estland wollte ich dieses Buch unbedingt lesen.
    Die Handlung wird aus den Perspektiven der drei Protagonisten Edgar, Juudit und Roland erzählt, dabei springt sie sehr oft hin und her und auch zeitlich bewegen wir uns einmal zur Zeit des zweiten Weltkrieges 1942/43 und dann Anfang der 60er Jahre.
    Alle drei Hauptprotagonisten sind nicht gerade Sympathieträger. Das allein wäre für das Lesen des Buches kein Problem, doch bleiben sie meiner Meinung nach in ihrer Ausarbeitung ziemlich wage. Die Handlung wäre spannender, wenn sie nicht immer zwischen den beiden zeitlichen Handlungszeiträumen hin und her spränge. So wissen wir schon einiges was passiert, wenn wir in Estland während des zweiten Weltkrieges noch einigermaßen gespannt hätten sein können, wie sich die Geschichte entwickelt.
    Roland glaubt an die Befreiung Estlands, einmal von den russischen Besatzern, später von den nationalsozialistischen "Befreiern". Er hält sich im Wald versteckt und  versucht von dort aus, das Machtregime zu zerstören. Edgar, unglücklich verheiratet mit Juudit, versucht als Opportunist sich über die deutschen Militärs nach oben zu arbeiten, ohne Rücksicht auf seine estnischen Landsleute, die er ohne zu zögern verrät. Juudit verliebt sich während Edgars Abwesenheit ausgerechnet in einen hohen deutschen Offizier. Gerade über diesen plant Edgar seinen Aufstieg nach ganz oben. 20 Jahre später entdecken wir Edgar wieder auf seinem Weg nach oben, diesmal im Machtgefüge der sozialistischen Besatzer. Und er will seine Mitwisser von damals aus dem Weg räumen.

    Ich bin enttäuscht von diesem Roman. Ich habe zwar einiges über Estland erfahren, doch die Geschichte war sehr verwirrend und langatmig angelegt. Schade, eine literatische Sensation ist dies in meinen Augen wahrlich nicht!
  12. Cover des Buches Smørrebrød in Napoli (ISBN: 9783499624490)
    Sebastian Schnoy

    Smørrebrød in Napoli

     (25)
    Aktuelle Rezension von: Die-Glimmerfeen
    Wie gut kennen wir unsere Nachbarn? Nach der Lektüre dieses Buches musste ich gestehen, vieles war mir bislang unbekannt. Sebastian Schnoy serviert Wissen immer mit einer vergnüglichen Note und so wird der Ausflug in die Geschichte und politische Landschaft der Mitgliedsstaaten der EU kein langweiliges Unternehmen.
    Ich weiß jetzt wer die ‚Kleine Seejungfrau‘ in Auftrag gab und wer für Kopf und Körper Modell stand. Das ein Generalstreik anderen geschieht, aber nicht uns braven Deutschen. Wer angeblich das höchste Pro-Kopf-Einkommen in Europa hat, obwohl sich der Autor hier ein wenig selber widerspricht. Warum man in Grönland wahrscheinlich nicht besonders alt wird und warum Estland von alkoholisierten Finnen heimgesucht wird.
    Lediglich die gut gemeinten Tipps, wie wir als Deutschen etwas lockerer werden, finde ich weder vergnüglich noch hilfreich, da hätte ich etwas mehr erwartet.

    Warum man vielleicht zu diesem Buch greifen sollte:
    1. Wenn man einen Blick über den Tellerrand der deutschen Grenzen werfen möchte
    2. Man wissen möchte, wie unsere EU-Nachbarn ticken
    3. Man eine Europareise plant und auf der Suche nach einem geeigneten Reisebegleiter ist

    Fazit: Ich fühlte mich gut informiert und unterhalten, obwohl das Buch für mich nicht an ‚ Von Napoleon lernen, wie man sich vorm Abwasch drückt‘ heranreicht.
  13. Cover des Buches Höllenengel (ISBN: 9783423212403)
    Thráinn Bertelsson

    Höllenengel

     (11)
    Noch keine Rezension vorhanden
  14. Cover des Buches Schwalben (ISBN: 9783967521603)
    Ira Habermeyer

    Schwalben

     (7)
    Aktuelle Rezension von: Gaby_Kno

    Die in Estland geborene Deutsche Fee Quinn und der Este Kalju Kast kennen sich von Kindesbeinen an. Als junge Erwachsene verlieben sie sich ineinander und wollen heiraten. Doch dann kommt der Krieg und Fee muß mit ihrer Familie Estland verlassen. Sie lebt in Berlin und arbeitet als Krankenschwester. Kriegsbedingt wird sie in verschiedene Länder geschickt, wo sie mit den Ärzten zusammen versucht, so viel leben wie möglich zu retten. Auch kommt sie berufsbedingt nach Estland zurück und versucht Kalju zu finden. Als sehr alte Frau versucht sie mit Hilfe ihrer Enkelin Meret ihrer Vergangenheit aufzuarbeiten und reist mit ihr nach Estland zurück.

    Das Buch ist geschichtlich interessant geschrieben. Allerdings sind die vielen Sprünge von der Gegenwart in die Vergangenheit und zurück etwas unübersichtlich. Auch bleiben einige Fragen unbeantwortet. Doch im Großen und Ganzen kann man das Buch gut lesen.

  15. Cover des Buches Die Bibliothek des Alchemisten (ISBN: 9783453811089)
    Jon Fasman

    Die Bibliothek des Alchemisten

     (38)
    Aktuelle Rezension von: DaniW
    Der Tod von Jaan Puhapaev, einem älteren Wissenschaftler, der in leblos in seinem vollgestopften Haus gefunden worden ist, erweckt zunächst nicht besonders viel Interesse in Connecticut. Als jedoch der Pathologe, der Puhapaev untersucht, bei einem eigenartigen Autounfall ums Leben kommt, nimmt sich der Reporter Paul Tomm der Sache an. Tomms Untersuchungen führen ihn zu einer jungen, attraktiven Frau, einem Netzwerk von internationalen Schmugglern und versteckten alchemistischen Bibliotheken...
    Leider wird die zunächst ganz interessante Handlung durch langatmige, katalogähnliche Beschreibungen von kostbaren Objekten abgebremst - eher etwas für den Intellekt als für die Emotionen. Und auch das Ende ist mehr als enttäuschend. Insgesamt betrachtet, gibt es sehr viel empfehlenswertere Bücher, die historische Belletristik mit einem Krimi verbinden.
  16. Cover des Buches Das Herz der Hölle (ISBN: 9783404270934)
    Jean-Christophe Grangé

    Das Herz der Hölle

     (173)
    Aktuelle Rezension von: Hypochrisy

    Mathieu hat es nicht leicht mit seiner Mutter. Eigentlich war sie nie da in seiner Kindheit, und jetzt kommt sie nur noch von Zeit zu Zeit vorbei, um ihm ein schlechtes Gewissen zu machen. „Du liebst mich nicht“, hält sie ihm zum Beispiel entgegen, als sie ihn auf der Treppe zu seiner Wohnung abpasst. „Ganz im Gegenteil“, hält Mathieu ihr entgegen: „Ich liebe alle Menschen“. -- „Auch die Verbrecher?“ -- „Vor allem die Verbrecher“. Eigentlich hatte Mathieu Priester werden wollen, aber jetzt sieht er dem alltäglichen Bösen auf den Straßen von Paris als Polizist ins Gesicht. Ebenso wie sein Freund Luc, der sich seit Jahren besonders fasziniert vom Teufel und seinem Wirken auf Erden zeigt. Jetzt hat Luc versucht, sich das Leben zu nehmen -- und ist wie durch ein Wunder gerettet worden. Wie aber, fragt sich Mathieu, kommt Luc als gläubiger Katholik dazu, die Todsünde des Selbstmords zu begehen? Warum hatte er Einstiche in den Armen, als man ihn gefunden hat? Und welchem wahrhaft diabolischen Verbrechen war er auf der Spur, als er seinen unglaublichen Entschluss zur Selbsttötung fasste? Die Spur führt Mathieu zunächst zu einem Organisator für Pilgerfahrten, um dann immer tiefer hineinzuführen ins teuflische Herz einiger ungeheuerlicher Taten, die vor allem eines verbindet: alle mutmaßlichen Mörder galten als tot, bevor man sie ins Leben zurückgeholt hat...

  17. Cover des Buches Taktverschiebung (ISBN: 9783855357598)
    Adam Thorpe

    Taktverschiebung

     (2)
    Aktuelle Rezension von: HeikeG
    Dissonanzen und Enthüllungen oder Die Interpunktion der Stille Ein klassischer zeitgenössischer Komponist aus London wünscht sich in zwei parallelen Leben gleichzeitig zu leben, treibt aber im Endeffekt eher richtungslos umher: abgeschnitten von der Vergangenheit und ohne Sinn in der Zukunft zu sehen, bis er zu den Wurzeln seiner Dissonanzen zurückkehrt. Estland und seine wunderschöne, direkt am Finnischen Meerbusen gelegenen Hauptstadt Tallinn sind nur selten Gegenstand der modernen Romanlandschaft. Derweil strahlt die mittelalterliche Altstadt, umgeben von einer mächtigen Befestigungsmauer und einer fast labyrinthartigen Verästelung von Straßen, Gässchen und Treppen einen unglaublichen Charme aus. Der britische Autor Adam Thorpe entfaltet seinen siebenten und dritten auf Deutsch erschienenen Roman Taktverschiebung in diesem reizvollen Ambiente: in der "Morgendämmerung des 21. Jahrhunderts". Enddreißiger Jack Middleton ist - oder war - einer von "Englands vielversprechendsten jungen Komponisten". Seine Frau ist die wohlhabende, aristokratische Milly du Cran. Jacks Zukunft scheint gesichert: prachtvolle Villa in Londons bester Gegend und all die mit Reichtum verbundenen äußeren Annehmlichkeiten. 1999 besucht er Tallinn, die Heimat seines Idols, des Komponisten Arvo Pärt, Eremit und Kultfigur der klassischen Musikszene. Jack ist beauftragt worden, ein Stück für ein Konzert zur prachtvollen Jahrtausendwende-Party, zur Eröffnung des Millennium-Doms in London zu schreiben. Hier in Tallin will er sich inspirieren lassen und aus seiner zunehmenden Midlife-Krise herauskommen. "Ich saß auf einer Bank gegenüber der Alexander-Nevsky-Kathedrale mit der goldenen Kuppel (...) Ich fragte mich, was wohl der Sinn des Lebens sei. (...) Man entwickelt sich. Man löst Probleme, indem man diesen Weg nimmt oder jenen (...) Meine Entscheidung war, das Ding hier kommen zu lassen." Das Ding" kommt in Form einer schönen estnischen Frau, Kaja, einer Musikerin, Aushilfskellnerin und ehemalige sowjetische Meisterturnerin. Er beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit ihr. Kaja ahnt nicht, dass Jack verheiratet und seine Frau schwanger ist. Die Affäre endet, als Jack nach drei Wochen verlegen zurück nach England schleicht. Sechs Jahre später, nach den Londoner Bombenanschlägen im Jahre 2005, steckt die Ehe von Jack und Milly in einer Krise. Ihr Kind wurde tot geboren, und das Paar bleibt fortan kinderlos. Jack, der es geschafft hat, seine estnische Affäre geheim zu halten, dümpelt künstlerisch nur noch dahin. Die erhofften Inspirationen blieben aus. Plötzlich taucht Kaja in London auf, begleitet von einem kleinen Jungen, Jacks Sohn: das Ergebnis der dreiwöchigen "Inspirationssuche" vor sechs Jahren in Tallinn. Kaja möchte, dass ihr Sohn seinen Vater regelmäßig sieht, und Jack kann das Geheimnis vor seiner Frau nicht mehr länger verbergen. Als Milly die Wahrheit erfährt, verlässt sie Jack. Der Zusammenbruch seiner Ehe verstört Jack zutiefst: "Angst, dass dieses bequeme Leben - leistungsschwach mag sein, aber bequem - zertrümmert werden könnte". Jacks Unentschlossenheit und nebulöse Positionierung veranlasst Kaja, nach Estland zurückzukehren, wo sie einen Zimmermann heiratet und versucht, die Vergangenheit zu vergessen. Erst jetzt trifft Jack Middleton seine erste veritable Entscheidung: Er folgt Kaja in ihre Heimat - mit tödlichen Konsequenzen. Der Roman offenbart eine raffinierte Erzählstruktur: an das Ende fügt sich homogen der Anfang. Adam Thorpe, der seine Karriere Dozent für Englische Literatur und Theaterwissenschaften und als Lyriker begann, erzählt in Taktverschiebung eine zauberhafte Liebesgeschichte mit den Grundzügen einer leichten Komödie. Herausragend, die Beschreibung der Taxifahrt vom Flughafen in die Innenstadt von Tallin. Jedoch ist das Komödiantische nur ein Teil der Mischung. Großbritannien und dessen geld- und besitzgeprägte Hauptstadt London, außerhalb der idyllischen Verzauberung von Hampstead, dem Landsitz von Jacks Schwiegereltern, skizziert Thorpe als trostlosen Platz (besonders das vorstädtische Hayes, Jacks Heimatstadt), wo ständig die Gefahr besteht, überfallen und niedergeschlagen zu werden (obwohl Jack - ironischerweise - nur in Tallinn durch eine randalierende britische "Herrengesellschaft" in eine für ihn äußerst schmerzhafte Schlägerei verwickelt wird). Taktverschiebung enthält überdies Elemente des Melodramas. Überall im Buch gibt es Referenzen zu Madam Bovary. Thorpe modernisiert Flaubert: Emma, Rodolphe und Charles sind hier Jack, Milly und Kaja. Der Roman kann - genau wie bei Flaubert - als Satire auf die selbstzufriedene bürgerliche Kultur des alten Europas gelesen werden, beleuchtet gleichzeitig aber auch den moralischen und materiellen Zerfall des kommunistischen Europas und die zweifelhaften kapitalistischen Folgen. Tallinn, mit Thorpes Augen betrachtet, ist ein baltisches Prag unter der Belagerung von Sextourismus und Billigflieger-Invasionen. Der Roman hat seine Stärken ganz klar in Estland. Der Anfang und das Ende sind Thorpes Meisterstücke. Im Mittelteil ufert der Autor gelegentlich etwas zu weit aus und spickt seine Zeilen für einen Laien mit zum Teil schwer verständlichen Musikreferenzen von Cornelius Cardew bis György Ligeti. Die Hauptprotagonisten sind durchgehend gut gezeichnet. Zu deren Unterstützung agieren eine Reihe englischer Exzentrikern: Jacks Nachbarn Edward Cochrane, sein homosexueller Freund Howard Davenport oder aber seine aristokratischen Schwiegereltern Marjorie und Richard du Crane. Diese Personen und deren grundverschiedene Ansichten verleihen dem Buch eine besondere Würze. Fazit: Taktverschiebung ist ein eindrucksvoller, ideenreicher, kluger und komplexer Roman: gut beobachtet, humorvoll und gleichzeitig nachdenklich stimmend: ein wunderbares Sitten- und Zeitengemälde des "neuen" und "alten" Europas, flüssig und ideenreich übersetzt von Matthias Müller.
  18. Cover des Buches Der Gesang der Freiheit: Himmel, Erde, Schnee Teil 2 (ISBN: B07SJMP36W)
    Ira Habermeyer

    Der Gesang der Freiheit: Himmel, Erde, Schnee Teil 2

     (5)
    Aktuelle Rezension von: Nessa_Davy
    Die Geschichte um Lagles Familie dreht sich weiter: Lagle und Enn Treimann steuern auf ihre neue Zukunft zu und fordern Freiheit. Auch Lagles Sohn Kalev schließt sich dieser Forderung an und sucht zugleich noch seinen Platz in dieser Welt. Sigrun unterdessen behält ihren Kurs als Geschäftsfrau bei, wird aber dabei immer berechnender...

    Inhalt:
    Auch wenn es sich um einen historischen Roman handelt und man daher im Grunde schon von der Geschichte Estlands weiß, ist der Roman sehr spannend, da er die Geschichte der einzelnen Figuren in dieser Zeit beleuchtet. Estland ist selten ein Roman-Schauplatz und bietet uns Einblick in eine unbekannte Welt und in ein - für die meisten von uns - fremdes System.
    Da der Ruf der Esten nach Freiheit lauter wird, finde ich den zweiten Band spannender als den ersten: die Leute beginnen, sich offen gegen das Regime zu wenden - und das bringt natürlich auch Gefahren mit sich.

    Figuren:
    Die Autorin lässt sich durchaus Zeit mit der Entwicklung der Figuren, was der Spannung allerdings keinen Abbruch tut. Das Ergebnis sind dafür glaubwürdige, "dreidimensionale" Figuren, mit all ihren Stärken und Schwächen. Es ist schwierig, eine Lieblingsfigur zu finden, aber auch einen kompletten Antagonisten gibt es (zumindest unter den Hauptfiguren) nicht - an allen Figuren gibt es etwas, das ich mag und etwas das mich stört. Sie entwickeln sich auch ständig fort, was zur Dynamik des Buches beiträgt.

    Fazit:
    Wer den ersten Band gelesen hat, sollte sich die Fortsetzung nicht entgehen lassen! Und auch für den ersten Band muss ich aufgrund dieser großartigen Fortsetzung noch einmal eine Leseempfehlung aussprechen!
  19. Cover des Buches Estland entdecken (ISBN: 9783897940758)

    Estland entdecken

     (2)
    Noch keine Rezension vorhanden
  20. Cover des Buches Das Leben des Balthasar Rüssow (ISBN: 9783423135238)
    Jaan Kross

    Das Leben des Balthasar Rüssow

     (3)
    Aktuelle Rezension von: Liisa
    Jaan Kross gilt als der bekannteste estnische Schriftsteller und „Das Leben des Balthasar Rüssow“ als eines seiner Hauptwerke. Es handelt sich dabei um einen historischen Roman, in dem Kross das Leben eines Chronisten der estnischen Geschichte erzählt. Es ist ganz sicher ein großer Vorteil, wenn man mit der estnischen Geschichte etwas auskennt, ansonsten dürften Leser teilweise doch etwas Mühe haben, die geschichtlichen Winkelzüge nachvollziehen und verstehen zu können. Wer sich aber ein wenig mit der estnischen Geschichte auskennt, der wird sich recht gut zurechtfinden und dankbar sein für diesen romanhaften Überblick. Allerdings hätte der Roman doch um einiges gestrafft werden können - manche Teile ziehen sich doch ziemlich zäh dahin. Trotzdem bekommt man einen guten Eindruck vom Leben im mittelalterlichen Estland (vor allem in Reval) und den politische Entwicklungen im Ostseeraum zur damaligen Zeit.
  21. Cover des Buches Baltische Begegnungen (ISBN: 9783839321041)
    Inka Schwand

    Baltische Begegnungen

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Die Autoren sind per Rad, Bahn und Bus durch Estland, Lettland und Litauen gereist und fassen ihre Erlebnisse in diesem Band zusammen. Dabei wird mal die schöne Landschaft beschrieben, mal geht es um gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Entwicklungen in einzelnen Regionen oder um die wechselvolle Geschichte der drei Länder. Ob man nun schonmal dort war oder (noch einmal) hinwill, das Büchlein hier ist eine schöne Anregung und eine Erinnerungshilfe zugleich. Ob man jetzt nur etwas über lohnenswerte Reiseziele abseits der großen Touristenströme erfahren will oder lieber über die geschichtlichen und gesellschaftlichen Hintergründe, kann man sich aussuchen – es gibt zu jedem Thema etwas, und durch die Einteilung in kurze Kapitel kann man auch nur gezielt zu einem Land lesen.
  22. Cover des Buches The Geographer's Library (ISBN: 0143036629)
    Jon Fasman

    The Geographer's Library

     (4)
    Aktuelle Rezension von: DaniW
    Der Tod von Jaan Puhapaev, einem älteren Wissenschaftler, der in leblos in seinem vollgestopften Haus gefunden worden ist, erweckt zunächst nicht besonders viel Interesse in Connecticut. Als jedoch der Pathologe, der Puhapaev untersucht, bei einem eigenartigen Autounfall ums Leben kommt, nimmt sich der Reporter Paul Tomm der Sache an. Tomms Untersuchungen führen ihn zu einer jungen, attraktiven Frau, einem Netzwerk von internationalen Schmugglern und versteckten alchemistischen Bibliotheken...
    Leider wird die zunächst ganz interessante Handlung durch langatmige, katalogähnliche Beschreibungen von kostbaren Objekten abgebremst - eher etwas für den Intellekt als für die Emotionen. Und auch das Ende ist mehr als enttäuschend. Insgesamt betrachtet, gibt es sehr viel empfehlenswertere Bücher, die historische Belletristik mit einem Krimi verbinden.
  23. Cover des Buches Estland (ISBN: 9783881894678)
    Paul Mahrt

    Estland

     (0)
    Noch keine Rezension vorhanden
  24. Cover des Buches Himmel, Erde, Schnee (2) (ISBN: 9783845904788)
    Ira Habermeyer

    Himmel, Erde, Schnee (2)

     (4)
    Aktuelle Rezension von: juergen_schmidt
    Im zweiten Teil des Fortsetzungsromans von Ira Ebner geht es um die Unabhängigkeit Estlands in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren. Man sprach auch von der singenden Revolution, unter anderem weil die Sowjets nach der Machtübernahme 1940 das Singen von estnischen Nationalliedern verboten hatten. Gleiches galt für die Landesflagge. Die Farben der Trikolore Estlands stehen übrigens Pate für den Buchtitel: Blau, Schwarz, Weiß bedeuten nichts anderes als Himmel, Erde, Schnee. Besonders durch die Romanfiguren Lagle, ihrem zweiten Ehemann Enno sowie den Kindern Kalev und Tuule werden uns die Perestroika-Jahre im Baltikum lebendig vor Augen geführt. Enno und Lagle unterstützen die von oben eingeleitete Offenheit (Glasnost), sie wollen aber mehr: die Souveränität und die Unabhängigkeit ihres Landes von der Sowjetunion! Man spürt die Gefahr, die die Mutigen auf sich nehmen genauso, wie sich das Zögern derer nachvollziehen lässt, die im Leben immer den sicheren Weg gegangen sind. Die nichts wagen, weil sie ihren Vorteil suchen oder nur Angst um sich und ihre Familien haben. Ira Ebner verurteilt dies nicht, sie sagt wie es gewesen ist, nennt Fakten. Sie entführt ihre Leser in die Dörfer der nahen Ostsee, schildert anschaulich den Besuch eines Kolchosmarktes in der Hauptstadt Tallinn oder lässt sie an diversen Kundgebungen teilnehmen. Ich habe vor einigen Monaten bereits Band 1 gelesen. Er hat mir gefallen, doch Band 2 ist für mich eine ganze Klasse besser. Vielleicht lag es teilweise auch daran, dass ich mich nicht mehr an estnische oder russische Begriffe gewöhnen musste. Mir war nach dem ersten Buch klar, was Pelmeni, Linnahall, Priima oder Kohtla-Järve sind. Auch die seltsam klingenden Namen waren mir bereits vertraut. Die estnische Sprache (Eesti keel) ähnelt dem Finnischen, wobei während der Besetzung auch russisch gesprochen wurde. Ich hatte das Gefühl einer Zeitzeugin zuzuhören: so lebendig, so detailgetreu, so glaubwürdig und spannend ist der Roman erzählt. Persönlich kenne ich Ira Ebner seit letztem Jahr. Trotz des bayrischen Akzents hielt ich sie lange für eine in Deutschland lebende Estin. Doch abgesehen von zahlreichen Besuchen verbindet sie direkt nichts mit dem Baltikum. Noch erstaunlicher ist, dass sich die Mittdreißigerin schon als junges Mädchen für die politischen Veränderungen im Osten brennend interessierte und bereits mit 14 Jahren darüber schrieb. Man muss sich das einmal vorstellen: Die Altersgenossinnen beschäftigten sich zeitgleich wahrscheinlich mehr mit der Bravo und dem Liebesleben der New Kids on the Blocks. Teenager Ira suchte dagegen ihre politische Heimat und ärgerte sich zudem mächtig über die Passivität des Westens. Die beiden Bände von Himmel, Erde, Schnee sind im kleinen, aber engagierten Verlag AAVAA erschienen. Der Autorin und dem Verlag wären Estland (ca. 1.350.000 Einwohner) als Gastland der Buchmesse 2013 zu wünschen, aber da hat bereits Brasilien die Nase vorn. So bleibt Ira Ebner möglicherweise nur ein Geheimtipp. Das wäre wirklich schade. Wer sich nicht sicher ist: Band 2 kann durchaus für sich allein gelesen werden. Es lohnt sich!

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks