Bücher mit dem Tag "eu"

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81 Bücher

  1. Cover des Buches BLACKOUT - Morgen ist es zu spät (ISBN: 9783442380299)
    Marc Elsberg

    BLACKOUT - Morgen ist es zu spät

     (1.370)
    Aktuelle Rezension von: buchstabenwald

    Blackout ist das zweite Buch, das ich von Marc Eisberg gelesen habe. Worum geht es? Vom einen Moment auf den anderen gehen in ganz Europa die Lichter aus. Der Strom ist weg, die Menschen sitzen mitten im Winter in ihren dunklen kalten Häusern, bald ohne Essen und Wasser, tagelang.  

    ·

    An diesem Moment - Tag 0 - starten wir in die Geschichte. Die Kapitel sind kurz, maximal 2 -7 Seiten. Zack zack gibt es gleich gefühlte 20 verschiedene Erzählstränge und einen Berg neuer Personen. Jo, man wird ganz schön hinein geworfen. Bis man sich mal halbwegs zurecht gefunden hat, dauert es schon mal 100 Seiten. Nochmal 200 Seiten später kann man dann der Handlung auch mit Vergnügen folgen, das Lese-Erlebnis bessert sich und von dem anfänglichen Schwarm an Figuren kristallisiert sich eine Handvoll Protagonisten heraus. 

    ·

    Und diese gefallen mir alle durchwegs. Einerseits weil man durch ihre verschiedenen Positionen (Regierung, Energiewirtschaft, Atomkraftwerk, Journalist,…) von vielen Blickwinkeln in die Story eintaucht und andrerseits, weil sie alle durchwegs rechts authentisch handeln. 

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    Generell finde ich den Blick auf die Abgründe der Menschheit sehr spannend. Bei Kälte und Hunger ist dann irgendwann jeder nur mehr sich selbst der nächste - auch das in meinen Augen sehr.. authentisch. Erschreckend, aber ich stelle mir die Reaktion der breiten Masse auf eine Katastrophe dieser Art ähnlich vor, wie sie in dem Buch beschrieben ist. 

    ·

    Was sich für mich nicht ganz reimt: eine der Hauptfiguren, ein schnieker Italiener, ist ein Hacker. Und zufälligerweise der einzige weltweit (?) der der Lösung auf die Spur kommt.. und das auch noch in Rekordtempo? Natürlich, für eine flüssige Story geht das kaum anders. Aber trotzdem kommt mir das recht… abwegig vor. 

    ·

    Wovon ich abraten möchte, ist parallel einen Serienmarathon mit „Chernobyl“ durchzuziehen. Da bekommt man dann doch ein flaues Gefühl im Magen, wenn Fiktion und Realität miteinander verschwimmen.

  2. Cover des Buches Zersplittert (ISBN: 9783733500399)
    Teri Terry

    Zersplittert

     (936)
    Aktuelle Rezension von: Das_Leseding

    Inhalt:
    Lucy, Rain, Kyla – alle sind sie in einem Körper vereint. Und kommen immer mehr an die Oberfläche, das Slaten (auslöschen der Vergangenheit) hat nicht so richtig funktioniert. Gefangen in ihren Erinnerungen und als Spielball der Gegenwart sind die drei Persönlichkeiten verwirrter denn je …

    Schreibstil:
    Der Schreibstil passt sich dem ersten Band (Gelöscht) an. Viele Dinge passieren rein vom logischen her, es ist zu erwarten und immer wenn man denkt „ah jetzt kommt was ans Licht“, dann ist die Erinnerung nicht mehr greifbar. So können auch künstliche Cliffhanger erzeugt werden. Mal mag das ganz gut funktionieren, aber es ist dann doch zu oft. Ansonsten ist die Welt um Kyla gut beschrieben, es hat sich nicht viel verändert, die Autorin bleibt ihrer Schilderung von der Umgebung sowie der Landschaft treu. Es ist wie ein „kenne ich und fühle mich wohl“.

    Charaktere:
    Kyla steht die gespaltene Persönlichkeit. Interessant ist, dass sie in ihrem geslateten ich Eigenarten von Rain und Lucy verbindet. Das könnte noch spannend werden und auch, ob sie es schafft die Abspaltungen wieder zu integrieren, denn sie sind ja nur künstlich erzeugt worden.

    Kylas Mum war mir im ersten Teil sympathischer als ihr Dad, hier zeigt sich nun auch warum. Fraglich, ob sich nicht noch mal etwas ändert. Ich hoffe auf einen Überraschungsmoment.

    Cover:
    Das Cover passt zur Reihe und zur Geschichte, das Mädchen ist zersplittert.

    Fazit:
    Die Geschichte liest sich so weg, sie hat mich weder besonders begeistert noch hat sie mich gelangweilt, daher vergebe ich nur 3 Sterne und setze alles auf Band 3. eine Empfehlung gebe ich nur an Leser, welche Band eins bereits gelesen haben. Auch ein Einstieg in Band 2 ist möglich, weil wirklich alles in den entsprechenden Bereichen beiläufig erklärt wird, aber eine Trilogie in der Mitte zu beginne ist doch Käse.

  3. Cover des Buches Drohnenland (ISBN: 9783462046625)
    Tom Hillenbrand

    Drohnenland

     (101)
    Aktuelle Rezension von: Land_aus_Glas

    Der Autor zeigt uns hier eine nahe Zukunft in der die technischen Möglichkeiten so weit fortgeschritten sind dass man mit Hologramtechnik an fremde Orte gehen kann. Das liest sich sehr realistisch! Technisch hat der Autor wirklich tiefe Kenntnisse! 

    Mit dieser Technik können Polizeibeamte an Tatorte "gehen" ohne wirklich dort zu sein. Ein Kommissar ermittelt in einem Fall, in dem zwischen dem Hologramm-Bild und der Realität Diskrepanzen bestehen. Als er das publik macht wird er in eine Intrige bis in das höchste Machtzentrum hineingezogen.

    Gleichzeitig ist der Roman auch eine sehr realistische Zunkftsvision was z.B. das STeigen der Meeresspiegel betrifft. Ich fand das auch wieder sehr realistisch.

    Ein super Buch! Düster, spannend, bedrohlich, man kann es nicht aus der Hand legen!

  4. Cover des Buches Die dritte Stimme (ISBN: 9783442714094)
    Rolf Börjlind

    Die dritte Stimme

     (116)
    Aktuelle Rezension von: Steffi85
    Auch in diesem Buch konnten mich sowohl Olivia als auch Tom wieder sehr begeistern. Olivia die wieder aus Mexiko zurück kehrt, über die man zunächst auch mal erfährt, was sie dort erlebt hat, denn ein Teil des Buches spielt auch dort. Dies ist auch irgendwie wichtig, um zu verstehen wieso Olivia sich manchmal verhält wie sie sich verhält. Außerdem war es spannend für mich, herauszufinden, wie es mit ihr so weiter gegangen ist. Wie sie versucht hat etwas über ihre leiblichen Eltern heraus zu finden und wie ihr dies teils auch gelingt. Auch über Tom erfährt man noch so einiges, vorallem wie die beiden eigentlich teilweise nebeneinander her ermitteln, halt weil sie nicht miteinander sprechen finde ich schon interessant. Die Charaktere mochte ich im ersten Buch "Die Springflut" schon sehr gern leiden, und jetzt doch irgendwie noch mehr. Ich denke auch, dass man zunächst "Die Springflut" lesen sollte, bevor man dieses Buch liest. Man versteht doch einiges besser und manches muss man meiner Meinung nach auch erst wissen um dieses Buch richtig zu verstehen. Die Geschichte ist wieder durchgehend spannend, sogar spannender, als es bei "Der Springflut" der Fall war. Nichts zog sich in die Länge, auch wenn man immer wieder etwas über die Charaktere erfahren hat und das zum Teil über große Textabschnitte hin weg - es wurde nie langweilig und das ist auch gut so. Alles in allem ist die Geschichte sehr verstrickt und man selbst kommt auch nicht wirklich drauf, was passiert ist - das klärt sich wirklich erst beim Lesen auf und genau das empfinde ich auch als sehr sinnvoll. Obwohl das Buch recht dick ist, lässt es sich doch recht schnell durch lesen. So ging es zumindest mir, was vermutlich aber zum Großteil auch daran lag, wie spannend ich dieses Buch gefunden habe und das ich wissen wollte wie es weiter geht und wie die Fälle sich aufklären, was mit den Charakteren noch alles passiert... Dieses Buch kann ich auf jeden Fall weiter empfehlen, aber man sollte ich weise nochmals drauf hin, wirklich erst "Die Springflut" gelesen haben. Ich freue mich schon sehr darauf "Die Strömung" zu lesen, was ich wohl auch bald tun werde.
  5. Cover des Buches Der Schwimmer (ISBN: 9783499268885)
    Joakim Zander

    Der Schwimmer

     (120)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Dieses Buch könnte ich einfach nicht aus der Hand legen und habe es quasi in einem Rutsch verschlungen. Richtig guter Schreibstil und gut recherchiert. Über die Machenschaften von Lobbyisten, Politikern, Unternehmen und Geheimorganisationen wird man hineingezogen in eine spannungsgeladene Geschichte. Etwas anspruchsvoller als sonstige Romane, da die Erzählabschnitte in Zeit, Raum und Erzähler springen. Erst am Schluss fügt sich die Geschichte zu einem Ganzen zusammen. Auf jeden Fall empfehlenswert für alle die höhere Literatur mit komplexen Strukturen mögen.
  6. Cover des Buches Blackout. Das ungekürzte Hörspiel (ISBN: 9783837144710)
    Marc Elsberg

    Blackout. Das ungekürzte Hörspiel

     (86)
    Aktuelle Rezension von: YukiHana

    Die Umsetzung gefiel mir unfassbar gut. Der Erzähler führt einen durch die Story, die mit Ausschnitten der Szenerie durchbrochen sind. Dabei besitzen diese Szenen einen Spielfilmcharakter wodurch Dynamik und Spannung entsteht. Auch die technischen und geschichtlichen Informationen werden sehr gut beschrieben und rübergebracht und sind dadurch nie langweilig. Einziger Wermuthstropfen: das Ende hat mir nicht ganz so gut gefallen.

    Meine Empfehlung: diese Hörbuch muss man min. 1x gehört haben

  7. Cover des Buches Die Hauptstadt (ISBN: 9783518469200)
    Robert Menasse

    Die Hauptstadt

     (151)
    Aktuelle Rezension von: Wortmagie

    Der österreichische Autor Robert Menasse ist ein glühender Verfechter der europäischen Idee. Er glaubt allerdings nicht an Europa als Nationalstaatenbund, sondern an das Konzept der Europäischen Republik. Seiner Meinung nach muss das langfristige Ziel der Europäischen Union sein, Nationen zu überwinden, Grenzen aufzulösen und gemeinsame demokratische Politik zu betreiben, weil nationaler Egoismus die EU in jeglicher Hinsicht beschneidet. Seine Kritik richtet sich demnach gegen den Europäischen Rat, während er Institutionen wie die Europäische Kommission, die tatsächlich europäische Interessen vertritt, als legitim und positiv betrachtet. Diese recht radikale Einstellung ist mehr als das Produkt halbgarer Stammtischdiskussionen. Menasse lebte einige Zeit in Brüssel und recherchierte vor Ort, wie die EU arbeitet und funktioniert, denn es wurmte ihn, dass er nicht verstand, wie Entscheidungen gefällt werden, die sein Leben direkt beeinflussen und lenken. Dort entwickelte er die Idee für „Die Hauptstadt“, der weltweit erste Roman über die Europäische Kommission, der von der Fachpresse gefeiert wurde und 2017 den Deutschen Buchpreis erhielt.

    Ein Schwein geht um in Brüssel. Ein lebendiges Schwein, das durch die Straßen läuft und Brüsseler_innen wie Medien in Aufruhr versetzt. In den Korridoren der EU geht hingegen eine Idee um. Der 50. Geburtstag der Europäischen Kommission steht bevor. Müsste man feiern. Sollte man auch, für ihr Image, meint Fenia Xenopoulou, Leiterin der Direktion C (Kommunikation) der Generaldirektion Kultur und Bildung. Auschwitz als Geburtsort des europäischen Einheitsgedankens in den Mittelpunkt stellen? Warum nicht. Überlebende müssen her, Überlebende, die sich noch erinnern und Zeugnis ablegen können. Überlebende wie David de Vriend, der in einem Altersheim auf den Tod wartet, dem er vor so langer Zeit in einem Zug nach Auschwitz von der Schippe sprang. Nur möchte er lieber vergessen als zu erinnern. Kommissar Émile Brunfaut wurde indes aufgetragen, zu vergessen. Ihm wurde ein mysteriöser Mordfall in einem Brüsseler Hotel entzogen. Anweisung von oben, politische Gründe. Welche, weiß Brunfaut nicht. Er ermittelt auf eigene Faust weiter und deckt höchst schockierende Verbindungen auf. Schockieren wird auch der emeritierte Volkswirtschaftler Alois Erhart. Er wird den Grünschnäbeln des Think Tanks der Europäischen Kommission zeigen, wie radikal Europa gedacht werden muss. Und das Schwein? Das braucht einen Namen.

    „Die Hauptstadt“ begegnete mir zuerst auf dem Wohnzimmertisch meiner Eltern. Damals war das Buch die aktuelle Lektüre meines Vaters und als ich ihn danach fragte, weckten seine Schilderungen schnell mein Interesse. Doch ich war auch eingeschüchtert. Ein Buch über die Europäische Kommission? Konnte ich das überhaupt lesen? Oder reichte mein Wissen über europäische Politik nicht aus, um zu verstehen, was Robert Menasse zu sagen hatte? Mein Vater beschwichtigte mich und gab sich zuversichtlich, dass ich dem Roman gewachsen sein würde. Ich bin froh, dass ich seinem Urteil vertraute. „Die Hauptstadt“ setzt nicht allzu viel Vorwissen voraus; es reicht völlig, wenn man eine ungefähre Vorstellung davon hat, aus welchen Institutionen die Europäische Union besteht und welche Aufgaben sie erfüllen. Feinheiten, Zusammenhänge und Abhängigkeiten erläutert Robert Menasse gewissenhaft, ohne die Geschichte, die er erzählt, jemals zu einer Lehrstunde verkommen zu lassen. Er verliert nie aus den Augen, dass ein Roman an erster Stelle unterhalten soll und verflechtet Erklärungen geschickt mit dem Erleben seiner Figuren.

    Dadurch erkennen Leser_innen auch mit wenig Hintergrundwissen, dass der Einheitsgedanke, mit dem die Europäische Union einst gegründet wurde, heute beinahe in Vergessenheit geriet, die Mitgliedsstaaten nicht an einem Strang ziehen und alle Hindernisse in der Gestaltung europäischer Politik systemischer Natur sind. So mutiert die Organisation einer harmlosen Jubiläumsfeier zum 50. Geburtstag der Europäischen Kommission zum Kraftakt, weil einfach jedes Projekt von nationalen Interessen torpediert und zu Tode verhandelt wird. Daher wunderte es mich nicht, dass Idealismus in Brüssel nicht überleben kann. Die EU ist ein Ort, an dem Ideale, Hoffnungen und Träume mit jedem neuen Kompromiss ausgehöhlt werden. Dies veranschaulicht Menasse in „Die Hauptstadt“ durch die exemplarische Zusammenstellung seiner Figuren, die in diesem System in allen Ebenen und Institutionen arbeiten. Er zeigt, wie sie alle von der schwerfälligen, undurchsichtigen und frustrierenden Realität europäischer Bürokratie betroffen sind und jeweils mit ihr umgehen.

    Die sensible Balance zwischen Nähe und Distanz, die Menasse dabei herstellt, faszinierte mich. Nach jedem der zahlreichen Perspektivwechsel tauchte ich langsam in den banal wirkenden Gedankenstrom einer Figur ein, der Stück für Stück Fahrt aufnahm und immer tiefer, immer signifikanter wurde. Ich gebe zu, für mich war diese Erzählweise zuerst gewöhnungsbedürftig, ich konnte mich ihrem hypnotischen Sog jedoch nicht entziehen und fühlte mich mitgerissen. Dennoch lässt Menasse niemals zu, dass seine Leser_innen von einem Blickwinkel vereinnahmt werden, indem er sie Querverbindungen sehen lässt, die die Figuren nicht wahrnehmen. Ich hatte den Eindruck, das Gesamtbild aus der Vogelperspektive zu betrachten, ohne meine Verbundenheit zu den Figuren opfern zu müssen. Das Maß an Kontrolle, das Menasse demnach auf seine Handlung ausübt, ist beeindruckend. Scheinbare Zufälle, Kreuzwege und Symboliken setzt er bewusst ein, um bestimmte Aspekte zu verdeutlichen. Nichts in „Die Hauptstadt“ geschieht grundlos. Folglich ist nicht einmal das Schwein, das herrenlos in Brüssel herumläuft und beinahe wie ein Phantom wirkt, eine willkürliche Ergänzung. Es ist eine gezielte Metapher, die sich sowohl auf die gesamte Geschichte als auch auf ihre Einzelteile anwenden lässt. Menasse selbst sprach in diesem Zusammenhang über das Spektrum zwischen „Glücksschwein“ und „Dreckssau“, meiner Meinung nach ist die passendste Assoziation jedoch die der Sau, die durchs Dorf getrieben wird – und wir wissen ja, wie lange diese Aufmerksamkeit generiert: Bis die nächste gefunden ist.

    Schriftstellerisch ist „Die Hauptstadt“ genial. Robert Menasse ist ein hervorragender Autor, der ein bemerkenswertes Gespür für Subtilitäten und Zwischentöne besitzt. Er ist sich der Wirkung von Details allzeit bewusst und schreckt nicht davor zurück, diese unkommentiert zu lassen. Vieles erscheint in diesem Buch absurd und ich bin überzeugt, dass Menasse diese Absurditäten, die am gesunden Menschenverstand des europäischen Verwaltungsapparates zweifeln lassen, gezielt betonte. Ja, „Die Hauptstadt“ vermittelt Humor– doch es ist Galgenhumor, resigniert und fast bitter. Deshalb empfand ich den Roman emotional als schwer verdaulich. Die Lektüre war sehr desillusionierend, trotz all der radikalen, revolutionären und wunderschönen Ideen für Europa, die Menasse präsentiert. Es macht mich unsagbar traurig, dass das Potential der Europäischen Union ungenutzt bleibt und wir nicht daran arbeiten, das Konzept von Nationalitäten zu überwinden, um als wahrhaft geeintes Europa zu wachsen und die Vergangenheit hinter uns zu lassen. Europa ist untrennbar mit den Verbrechen des Nationalsozialismus verbunden und wird es immer sein. Sollte der Anspruch gelebter Erinnerungskultur nicht bedeuten, dass wir versuchen, das Problem an der Wurzel zu lösen und nationale Interessen hinter europäischen Interessen zurückzustellen?

    Die Idee, innereuropäische Grenzen aufzulösen, Staaten abzuschaffen und eine echte europäische Identität für alle Bürger_innen aufzubauen, wirkt auf den ersten Blick heftig, meiner Meinung nach liegen die Vorteile jedoch auf der Hand. Wir würden nicht mehr von Brüssel aus „fremdregiert“, denn wir würden unsere politischen Vertreter_innen in der EU wählen, wie wir jetzt nationale Politiker_innen wählen. Würde der Kontinent Europa als Ganzes begriffen werden, stünde der Weg frei für einheitliche Politik. Ich denke da vor allem an die Ressorts Wirtschaft, Bildung und Außenpolitik. Selbstverständlich ist so ein extremer Schritt kein Garant dafür, dass tatsächlich Einigkeit entsteht. Aber ich glaube, der aktuelle Zustand der EU belegt, dass wir diese Einigkeit unter den herrschenden Bedingungen nie erreichen werden. Der politische Rechtsruck in vielen europäischen Ländern ist ein eindeutiges Signal dafür, dass wir genau jetzt versagen. Um überhaupt eine Chance zu haben, müssen wir mutig sein, umdenken und einen klaren Cut wagen, um anschließend unter neuen Voraussetzungen zusammenzuarbeiten.

    Leider wird das wohl nicht passieren. Auch das vermittelt „Die Hauptstadt“. Robert Menasse mag von einem vereinten Europa träumen, er mag dafür kämpfen, optimistisch gibt er sich allerdings nicht. Wie könnte er auch, nachdem er in Brüssel hautnah erlebte, wie sich die Europäische Union Tag für Tag selbst ausbremst? Sein Roman konnte wahrscheinlich gar nicht mit einer hoffnungsvollen Note enden. Stattdessen transportiert er am Schluss die düstere Prophezeiung, dass es immer so weitergehen und sich niemals Einsicht in den grundlegenden Änderungsbedarf entwickeln wird. Zumindest habe ich es so empfunden. „Die Hauptstadt“ ist kein Hoffnungsschimmer. Es ist eine Bestandsaufnahme, die zeigt, was die EU sein sollte – und was sie in Wahrheit ist.

  8. Cover des Buches Lavendel-Tod (ISBN: 9783426522929)
    Carine Bernard

    Lavendel-Tod

     (68)
    Aktuelle Rezension von: Estrelas

    Molly Preston ermittelt verdeckt in einem Fall von Wirtschaftskriminalität in einem kleinen Ort in der Provence. Sie findet dabei Spuren auf einen Schatz aus vergangenen Zeiten.

    „Ihre Herkunft und ihre vielfältigen Fähigkeiten, zusammen mit ihrem Aussehen und ihrer Intelligenz, ermöglichten es ihr, fast jede Stelle in einem Unternehmen zu besetzen und sich schnell genug hochzuarbeiten, um an Insider-Informationen heranzukommen.“ Die in jeder Hinsicht perfekte Protagonistin wird für die Restaurierung einer kleinen Kapelle eingesetzt, hat somit nicht mal die theoretische Chance auf Erledigung ihres Auftrags und lässt sich dann auch noch durch eine Schatzsuche ablenken. Lokalkolorit wird mit fehlerhaftem Französisch vorgetäuscht; vom Lavendel im Titel fehlt jegliche Spur. Und spätestens, als Molly zum zweiten Mal auf einer Seite duschen muss, verlässt mich die Geduld mit diesem dürftigen Werk.

  9. Cover des Buches Feinde (ISBN: 9783453438897)
    Susanne Saygin

    Feinde

     (24)
    Aktuelle Rezension von: Gulan

    Der Kölner Kommissar Can Arat und seine Chefin Simone Kerkmann ermitteln in einem brutalen Doppelmord an zwei bulgarischen Roma, die offenbar auf dem Schrottstrich gearbeitet haben. Die Kommissare stellen eine Verbindung zum Bauunternehmer und Mäzen Nolden fest. Doch der einzige Zeuge, der sich bereit erklärt zu reden, landet vor einer U-Bahn. Der Staatsanwalt ist außerdem ein Karnevalskumpel von Nolden. Der Fall droht im Sande zu verlaufen, doch Can ist nicht bereit, dies zu akzeptieren und ermittelt weiter – auf Teufel komm raus.

    Autorin Susanne Saygin wohnte in Köln selbst in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem „Bulgarenhaus“, einer völlig überfüllten, heruntergekommenen Immobilie voller Arbeitssklaven. Dies inspirierte sie zu diesem packenden Krimi über Menschenhandel, Korruption und Ausbeutung, der auch sprachlich keine Kompromisse macht und die Dinge beim Namen nennt. Interessant fand ich die Wandlung des Romans, der erst als typischer Ermittlungskrimi beginnt und dann sich immer mehr auf den von Migräne geplagten und persönlich betroffenen Can fokussiert, bis hin zu seinem Road Trip nach Bulgarien auf der Suche nach der Wahrheit. Dabei beinhaltet die Story auch noch eine komplizierte Liebesgeschichte. Nur das Ende kam mir etwas zu kunstvoll oder märchenhaft vor in dieser sonst so knallharten Geschichte. Doch insgesamt ein richtig starkes, intensives Krimidebüt.

  10. Cover des Buches Die Hauptstadt (ISBN: 9783844527476)
    Robert Menasse

    Die Hauptstadt

     (14)
    Aktuelle Rezension von: black_horse
    Brüssel - in der Zentrale der Europäischen Gemeinschaft treffen nicht nur die Interessen der Vertreter verschiedenster Mitgliedsstaaten aufeinander, sondern es taucht auch ein Schwein mitten in der Stadt auf, ein Auschwitzüberlebender zieht ins Altersheim und ein Mordfall verschwindet spurlos von der Bildfläche ...

    In vielen Erzählsträngen nimmt Robert Menasse den Bürokratiewahnsinn und die Kleinstaaterei Europas aufs Korn. Im Zentrum steht das Jubilee Project der Europäischen Komission, das diese locker verbindet.

    Mit einem angenehmen Erzählstil und viel (schwarzem) Humor gelingt es dem Autor, dem Leser/Hörer Brüssel aus verschiedensten Perspektiven zu präsentieren und seine Figuren sehr lebendig darzustellen. Ich musste viel schmunzeln über die oft so deutlich offengelegten Absurditäten der Bürokratie.

    Was mir aber gefehlt hat, war der rote Faden. Einige Handlungsstränge werden nicht richtig eingebunden und so bleibt am Ende der Eindruck, dass die Geschichte nicht wirklich zuende erzählt ist.

    Insgesamt ein wirklich amüsante, ernste Lektüre über Europas "Hauptstadt".
  11. Cover des Buches Hass (ISBN: 9783492309127)
    Arne Dahl

    Hass

     (26)
    Aktuelle Rezension von: ban-aislingeach

    Der Thriller „Hass“ wurde von Arne Dahl geschrieben. Es handelt sich dabei um den vierten und letzten Band der Reihe „Opcop Europol“. Man muss unbedingt zuerst die Bücher Gier (erster Band) und Zorn (zweiter Band) lesen bevor man dieses Buch liest, weil man das Buch sonst nicht versteht. „Hass“ ist am 01.07.2016 im Verlag Piper erschienen und umfasst 572 Seiten. Die Bücher sind in der dritten Person Singular geschrieben und hauptsächlich aus der Sicht der Opcop Mitglieder.


    Donatella Bruno ist tot, wie sie ums Leben kam ist klar. Doch wer steckt dahinter und wie genau kam es zu der Explosion in ihrer Wohnung? Ihre Kollegen wollen unbedingt ihren Mörder finden und für Gerechtigkeit sorgen. Doch nicht nur diese Aufgabe haben sie sich vorgenommen, sondern sie wollen auch unbedingt die entführten Mitglieder Fabio Tebaldi und Lavinia Potorac finden. Dabei tauchen sie tief in die Vergangenheit von Fabio ein und erkennen seinen schwierigen Lebensweg der ihn zu dem Polizisten gemacht hat, welcher er vor dem Verschwinden war. Doch die Suche wird nicht leicht. Und hat Bruno Recht und die ’Ndrangheta hat nichts damit zu tun? Wenn dies stimmt, wer hat die Beiden dann in seiner Gewalt und zu welchem Ziel?


    Ich habe es einfach geliebt die verschiedenen Mitglieder der Opcop Gruppe zu begleiten und fand von Anfang an die Mischung aus diesen sehr gut gelungen. Sie gehören zu verschiedenen Typen von Polizisten, haben verschiedene Aufgaben gehabt und können dennoch als wunderbares Team zusammenarbeiten. Diesmal kommt die Schwedengruppe kaum vor, aber genau dies fand ich richtig, denn es hätte nicht zu diesem Band gepasst. Dafür tauchen andere alte Bekannte auf, darunter manche über die ich mich sehr gewundert, aber zugleich sehr gefreut haben. Die neuen Nebencharaktere fand ich sehr gut gelungen und auch der Weg auf andere Kontinente und vor allem nach Fern Ost war sehr spannend.


    Obwohl das Buch in der wunderbaren gewohnten Art von Arne Dahl geschrieben wurde und man das Buch flüssig lesen konnte, ist es kein Buch für Zwischendurch. Man muss sich Zeit für dieses Buch nehmen und tief hinein tauchen, denn es gibt so viele verschiedene Verbindungen und Geschichten, welche erst am Ende zusammengeflochten werden, dass man leicht den Überblick zu verlieren droht. Das Buch ist das beste Buch, welches ich bisher von Arne Dahl gelesen habe. Es war spannend und aufregend, es gab einige Actionszenen bei denen mir der Atmen stockte und auch ein paar ruhigere Szenen bei denen man sich erholen und nachdenken konnte. Es war eine spannende Puzzlesuche mit der Opcop Gruppe und auch wenn ich einen gewissen Verdacht schon früh hatte, wäre ich auf diese Geschichte bestimmt nie gekommen. Zudem hat mir sehr gefallen, dass alle meine offenen Fragen auch jene aus den anderen Bändern beantwortet wurden. Dem Autor ist es grandios gelungen die verschiedenen Orte weltweit zu beschreiben und vor allem hat er wieder meine Neugier auf ein asiatisches Land aufs Neue geweckt. Man konnte die Handlungen nachvollziehen und auch die Überraschungen waren verständlich und sind bei mir nicht bitter aufgestoßen, sondern haben mich zusätzlich begeistert. Außerdem hat es mir sehr gut gefallen, dass es einige Themen wie zum Beispiel Freundschaft, Verrat, Kindheit, Biologie, Wissenschaft und noch einige mehr gab über die ich noch einige Zeit nachdenken werde.


    Ich habe diese Reihe geliebt und bin sehr traurig darüber, dass diese nun endet. So bleibt mir natürlich nur diese grandiose Reihe anderen Lesern zu empfehlen, welche wie ich Thriller in denen politische und wissenschaftliche Themen verwoben werden, lieben.

  12. Cover des Buches Neid (ISBN: 9783492306812)
    Arne Dahl

    Neid

     (36)
    Aktuelle Rezension von: ban-aislingeach

    Der Thriller „Neid“ wurde von Arne Dahl geschrieben und es handelt sich dabei um den dritten Teil der Opcop-Europol Reihe. Ich finde es wichtig, alle Bücher der Reihe in der richtigen Reihenfolge zu lesen, um dieses jedoch ganz verstehen zu können, sollte man auf jeden Fall mit dem ersten Buch der Reihe, welches den Titel „Gier“ trägt, anfangen. „Neid“ ist am 17.02.2014 erschienen und umfasst 508 Seiten. Das Buch ist in der dritten Person Singular aus der Sicht der Opcop Mitglieder geschrieben. 


    Endlich hat sich Europa es sich zur Aufgabe gemacht etwas gegen die Bettlermafia zu machen, schnell merkt man jedoch, dass dies nur ein Teil des Menschenhandels ist und es nicht verschiedene Organisationen sind. Auf einem Festival trifft Paul Hjelm, der Chef der Opcop Gruppe, die EU-Kommissarin Marianne Barrière, welche einen revolutionären Gesetzvorschlag entworfen hat. Sie wird jedoch erpresst und zugleich wird ein Professor in Schweden, welcher für sie arbeitet auf offener Straße ermordet. Gehören diese Fälle zusammen und wird es Paul gelingen Marianne zu helfen? 


    Ich begleite die Mitglieder der Opcop Reihe nun schon durch einige Bücher und habe dadurch zu allen Charakteren Beziehungen aufgebaut und kann deren Handlungen nachvollziehen. Zu meiner Freude kommen zwei neue Mitglieder und eine davon ist Donatella Bruno, die ehemalige Chefin der Opcop-Einheit in Rom, zu der Gruppe dazu. Diese Frau mochte ich schon davor und habe mich deswegen sehr über sie gefreut. Das Böse hat verschiedene Formen wie auch deren Opfer und wir bekommen auf einige Fragen Antworten, welche aus dem ersten Buch stammen, was ich sehr genial fand. Erschreckend finde ich jedoch die Söldner, welche ich bisher noch nicht als das Böse angesehen habe, aber nach diesem Buch hat sich dies jedoch grundlegend geändert, obwohl es dort draußen bestimmt auch gute Menschen gibt, welche diesen Beruf ausüben. Gegen Ende des Buches kam eine neue Frage auf und so bin ich gespannt wer die wirklichen Bösen sind und ob wir darauf eine Antwort im letzten Band erhalten werden. 


    Alle Bücher der Reihe sind in einem angenehmen Schreibstil geschrieben und ich konnte dank der guten Beschreibungen der Orte gleich tief in die Geschichte eindringen. Ich fand es vom ersten Moment an spannend, auch wenn es einige ruhige Szenen gab, aber diese fand ich passend und somit haben sie mich nicht gestört. Diesmal kam ich zwar schnell auf die Söldner, aber dann habe ich den roten Faden verloren und das Ende hat mich überrascht, jedoch muss ich sagen, dass es absolut passend war. Im letzten Kapitel warteten dann nochmal sehr große Überraschungen auf mich, so dass ich sehr gespannt auf den vierten und letzten Band der Reihe bin. Diesmal lernte ich mehr über die Bettlermafia und bin regelrecht schockiert darüber, auch wenn ich davor schon einiges wusste und ahnte. Doch es gibt in dem Buch auch noch ein anderes Thema und dieses passt perfekt in die heutige Zeit, mehr kann ich nicht sagen, weil ich sonst zu viel verraten würde. 


    Auch wenn mir das Buch sehr gefallen hat und ich alle Bücher der Reihe empfehlen kann, war es kein Highlight für mich wie das zweite Buch der Reihe. 

  13. Cover des Buches Command Authority - Kampf um die Krim (ISBN: 9783453269651)
    Tom Clancy

    Command Authority - Kampf um die Krim

     (16)
    Aktuelle Rezension von: Arun

    Command Authority - Kampf um die Krim von Tom Clancy

    Mit Tom Clancy und seiner Hauptfigur Jack Ryan kam ich vor über 20 Jahren zum ersten Male in Kontakt. Das Buch damals war „Der Schattenkrieg“ Band 6 der Jack Ryan-Reihe.

    Zu der Zeit wurden einige Buchvorlagen von Tom Clancy verfilmt, welche ich auch gesehen habe,

    dadurch kam bei mir das Lesen der Reihe etwas ins Hintertreffen.

    Command Authority ist bereits der 16. Band der Reihe um Jack Ryan.


    Auf 840 Seiten erleben wir in dieser Story große und aktuelle Weltpolitik, welche in einem Mix aus Polit-Militär-Agenten-Spionage-High Tech – Thriller mit guter Recherche präsentiert wird.

    Um dem komplexen Inhalt gerecht zu werden, müsste man weit ausholen, worauf ich mich aber nicht einlassen möchte.

    Grob gesagt geht es um den Ost-West Konflikt zwischen Russland und den USA auf verschiedenen Spielfeldern.

    Wer sich gerne mit Verschwörungstheorien, Agententätigkeiten, Kriegshandlungen, Wirtschafts- und Bandenkriminalität, Weltpolitik und hinterhältigen Aktionen auseinandersetzt, dürfte mit diesem Buch gut bedient sein.

    Mir hat die Lektüre auf jeden Fall viel Freude und Unterhaltung gebracht, was sich auch in der Vergabe der Sterne spiegelt.

  14. Cover des Buches Alles, alles über Deutschland - Halbwissen Kompakt (ISBN: 9783462048490)
    Jan Böhmermann

    Alles, alles über Deutschland - Halbwissen Kompakt

     (12)
    Aktuelle Rezension von: leniks
    Das Buch ist mir in der Bibliothek über den Weg gelaufen, ich fand den Titel sehr gut und habe es mitgenommen. Es ist in sechs Kapitel untergliedert, unter anderen in Erdkunde, Politik und andere Themen. Die Gestaltung des Buches an sich finde ich gut. Aber wer hier wirkliches Wissen erlangen möchte, lässt lieber die Finger von dem Buch. Wenn man es mit Augenzwinkern liest, ist es ok. DEr ZUsatz "Halbwissen kompakt" passt. Das Buch umfasst 272 Seiten, ich habe die 3. Auflage aus dem Jahr 2016 , ist im KiWi-Verlag erschienen, gelesen. Von mir bekommt es drei Sterne.
  15. Cover des Buches Wir können doch nicht alle nehmen! (ISBN: 9783218009683)
    Livia Klingl

    Wir können doch nicht alle nehmen!

     (14)
    Aktuelle Rezension von: Lesemaus_im_Schafspelz
    Livia Klingl, langjährige Außenpolitik-Journalistin, will mit diesem Buch mit Vorurteilen aufräumen.
    Der Untertitel „Europa zwischen ‚Das Boot ist voll‘ und ‚Wir sterben aus‘“ verrät bereits, dass man die Flüchtlingswelle in der EU nicht einseitig beleuchten kann und darf.
    Der Aufbau ist hier in vier Teile untergliedert:
    In „Warum wir Migranten brauchen“ werden dem Leser die Hintergründe erklärt, die Vorteile aufgeführt, die Österreich und Europa von den Flüchtlingen haben – Stichwort „Bevölkerungspyramide“ beispielsweise.
    „Was sie erwartet, auf der Flucht“ hat mich persönlich sehr bewegt, da man zwar natürlich schon die eine oder andere Info zu wissen meint, jedoch ist es doch noch etwas anderes, die Details der Flucht so deutlich vor Augen geführt zu bekommen.
    Hat man es geschafft, so steht noch immer „Der dornige Weg durch die Asyl-Bürokratie“ vor den Flüchtlingen – ein nicht minder schweres Unterfangen.
    Schließlich gibt Klingl noch „Menschen mit Migrationshintergrund“ das Wort.

    An und für sich eine gut durchdachte und sinnige Gliederung.
    Jedoch wirkt das Buch eher wie ein einseitiges Plädoyer für eine offene Flüchtlingspolitik, Quellen fehlen leider fast vollständig und die Begrifflichkeiten („Migranten“, „Flüchtlinge“ usw.) werden für meinen Geschmack zu sehr miteinander vermischt, so dass die klare Differenzierung hier leider fehlt.

    Ich denke, ich muss nicht ausdrücklich betonen, wie sehr mich die knapp 200 Seiten bewegt haben, gerade wenn man sich die neuesten Bilder aus den immer wiederkehrenden Nachrichten vor Augen führt: immer wieder wird da von neuen Flüchtlingswellen berichtet, von immer mehr Booten, die vor Lampedusa kentern und ihre Insassen – allesamt verzweifelte Menschen, die sich eine neue Zukunft in Europa erhofft haben – ertrinken.
    Vermutlich gibt es wenig Menschen, denen das nicht nah geht.

    Was ich jedoch sehr schade finde: Die Menschen, die am Ende zu Wort kommen, sind in den meisten Fällen solche, die schon seit Jahren oder gar Jahrzehnten in Österreich leben und teilweise als Gastarbeiter in das Land kamen. Hier fehlt mir leider der Bezug zum eigentlichen Flüchtlingsthema, denn hier habe ich das Gefühl, die Autorin hat es bei der Wahl ihrer Gesprächspartner ein wenig aus den Augen verloren.

    Zusammenfassend muss ich sagen, dass ich hier trotz der Mängel (teilweise „Themaverfehlung“ und fehlende Quellenangaben – Hinweis: Wikipedia stellt für mich keine Quelle für ein Sachbuch dar!) eine absolute Leseempfehlung aussprechen muss!
    Es ist ein Thema, das uns alle etwas angeht, ich denke, es beinhaltet einige Infos, die das „breite Publikum“ nicht unbedingt in der Tiefe schon weiß, und vor allem sollten wir uns alle Gedanken machen über ein immer aktuelles Thema!
  16. Cover des Buches Smørrebrød in Napoli (ISBN: 9783499624490)
    Sebastian Schnoy

    Smørrebrød in Napoli

     (25)
    Aktuelle Rezension von: Die-Glimmerfeen
    Wie gut kennen wir unsere Nachbarn? Nach der Lektüre dieses Buches musste ich gestehen, vieles war mir bislang unbekannt. Sebastian Schnoy serviert Wissen immer mit einer vergnüglichen Note und so wird der Ausflug in die Geschichte und politische Landschaft der Mitgliedsstaaten der EU kein langweiliges Unternehmen.
    Ich weiß jetzt wer die ‚Kleine Seejungfrau‘ in Auftrag gab und wer für Kopf und Körper Modell stand. Das ein Generalstreik anderen geschieht, aber nicht uns braven Deutschen. Wer angeblich das höchste Pro-Kopf-Einkommen in Europa hat, obwohl sich der Autor hier ein wenig selber widerspricht. Warum man in Grönland wahrscheinlich nicht besonders alt wird und warum Estland von alkoholisierten Finnen heimgesucht wird.
    Lediglich die gut gemeinten Tipps, wie wir als Deutschen etwas lockerer werden, finde ich weder vergnüglich noch hilfreich, da hätte ich etwas mehr erwartet.

    Warum man vielleicht zu diesem Buch greifen sollte:
    1. Wenn man einen Blick über den Tellerrand der deutschen Grenzen werfen möchte
    2. Man wissen möchte, wie unsere EU-Nachbarn ticken
    3. Man eine Europareise plant und auf der Suche nach einem geeigneten Reisebegleiter ist

    Fazit: Ich fühlte mich gut informiert und unterhalten, obwohl das Buch für mich nicht an ‚ Von Napoleon lernen, wie man sich vorm Abwasch drückt‘ heranreicht.
  17. Cover des Buches Die Freihandelslüge (ISBN: 9783421046796)
    Thilo Bode

    Die Freihandelslüge

     (17)
    Aktuelle Rezension von: Splashbooks

    Thilo Bode greift in seinem Werk das Reiz-Thema TTIP auf und warnt eindringlich vor dessen Folgen. Die Konzerne wollen mit aller Macht erreichen, dass sie über unsere Zukunft bestimmen. Arbeitnehmer- und Verbraucherrechte hängen, wenn TTIP durchkommt, von ihrer Gnade ab. Ebenso wie ein wirkungsvoller Umweltschutz. Dies gilt es mit aller Macht zu verhindern.

    Thilo Bode zeigt, was sich bei den Geheimverhandlungen zwischen der Europäischen Union und den USA ereignet. Er mahnt eindringlich an, was für uns alle auf dem Spiel steht. Der politische Anwalt für Verbraucher und Umwelt, hat sich akribisch mit dem drohenden TTIP Abkommen auseinandergesetzt. Was uns bzw. der gesamten Menschheit droht ist bedenklich, ja sogar lebensbedrohend. Denn ohne Wasser kann der Mensch nicht leben. Eben dieses Recht würde durch TTIP außer Kraft gesetzt werden. Doch auch weitere Rechte würden eingeschränkt und Pflichten der Konzerne und Arbeitgeber einfach ad acta gelegt. Der Nutzen wird in den Himmel gelobt. Die Schattenseiten, wie die drohenden Enteignungen von Wasserrechten, würden hingegen beispielsweise Gesetze wie Reinheitsgebote und die Qualität des Trinkwassers gefährden.

    So bat der Autor führende Politiker um ihre Stellungnahme zu dem Reiz-Thema. Diese äußerten sich entweder gar nicht, spielten die Sache herunter oder ließen durch ihre Untergebenen ausrichten, dass er keinerlei Anspruch auf solche Informationen hätte. Das der Autor sich das nicht ausgedacht hat belegen die Briefe, die den Schriftverkehr zwischen dem Autor und verschiedenen Regierungsstellen dokumentiert.

    In Zeiten in denen Deutschland von Flüchtlingen geradezu überrannt wird, scheint dies Thema abzudriften. So ist die Gefahr groß das TTIP, wie viele andere Unternehmungen, gegen den Willen des Volkes einfach durchgeführt wird. Dies scheint immer häufiger zu Geschehen.

    Ob die Abschaffung der D-Mark, der Solidaritätszuschlag und jetzt eben TTIP. Die Bürger werden entmündigt und sollen sich die perfiden Methoden der Großkonzerne und anderen Mächtigen gefallen lassen. Doch TTIP wird dem Volk als Rundum-Wohlfühlpaket verkauft. So wird immer wieder damit geworben das es der Arbeitslosigkeit entgegenwirken würde. Doch was steckt nun wirklich hinter diesem Abkommen?

    Rest lesen unter:
    http://splashbooks.de/php/rezensionen/rezension/22573/die_freihandelsluege_warum_ttip_nur_den_konzernen_nuetzt__und_uns_allen_schadet
  18. Cover des Buches Russland im Zangengriff (ISBN: 9783549072653)
    Peter Scholl-Latour

    Russland im Zangengriff

     (11)
    Aktuelle Rezension von: Jens65
    Egal ob im russisch-chinesischen Grenzgebiet, in der Ukraine oder in Moskau selbst - überall wagt er einen Blick jenseits der Mauer, die die westlichen Medien und Politiker aufgebaut haben. Und zeigt so, dass Rußland weit mehr ist, als der Mann an seiner Spitze. Die Ausdehnung der NATO, islamistische Nachbarn und das wiedererstarkende China kratzen nicht nur am Selbstbewußtsein der russischen Nation sondern führen auch für uns Westeuropäer zu oft unverständlichen Reaktionen. Der Wert dieses Buches liegt vor allem darin, sich besser in die Lage eines nicht nach westlichen Maßstäben tickenden Staates hineinversetzen zu können. Hier kommen Meinungen und Ansichten zu Wort, die man in unseren Medien kaum findet. Auch die Unglaubwürdigkeit des Westen, der gerne mit zweierlei Maßstäben misst, wenn es um das Demokratieverständnis anderer Staaten geht, kommt hier deutlich zum Ausdruck.
  19. Cover des Buches Adler und Engel (ISBN: 9783641242671)
    Juli Zeh

    Adler und Engel

     (255)
    Aktuelle Rezension von: Naikomi

    "Adler und Engel" ist ein Werk, das aus formaler Sicht durchaus positiv zu bewerten ist. Die Erzählung ist verwirrend, sperrig, seltsam und eine lange Zeit unverständlich - genauso wie ihre Charaktere und die zugrundeliegende Handlung. Juli Zeh hat es geschafft, Figuren zu kreieren, denen man nicht häufig begegnet und die alle einzigartig sind. Sie malt Bilder, die ich noch nirgendwo anders gesehen habe. Doch da entsteht auch das Problem: Sie sind wirklich eklig. Wer das Buch lesen möchte, braucht eine dicke Haut. Ich musste das Buch mehrere Male beiseite legen. Nicht nur, weil ich die Handlung verdauen musste, sondern vor allem weil die Charaktere unerträglich sind. Ja, sie passen in die Story. Nein, keine einzige Figur ist sympathisch. Es gibt niemanden, mit dem man sich identifizieren kann, niemanden, dessen Handlungen ich nachvollziehen kann. Das macht die Lektüre schwierig, denn weiterlesen wollte ich eigentlich nicht, obwohl die Handlung spannend und die Erzählung ein Meisterwerk ist.

  20. Cover des Buches Mordshunger (ISBN: 9783938060537)
    Jean Feyder

    Mordshunger

     (3)
    Aktuelle Rezension von: savanna
    Zu diesem Buch sollte man sich besser keine Knabbereien zurechtlegen, denn sie werden einem im Halse stecken bleiben. Die sehr komplexen und weltumspannenden Themen Hunger und Unterernährung stehen im Mittelpunkt der Neuerscheinung „Mordshunger. Wer profitiert vom Elend der armen Länder?“. In Form eines populärwissenschaftlichen Fachbuches widmet sich der luxemburgische Autor Jean Feyder einer Fülle brisanter Aspekte rund um die weltweite Ernährungssicherheit. Als ständiger Vertreter Luxemburgs bei der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf und als Vorsitzender des Komitees für die am wenigsten entwickelten Länder der Welt sind ihm die Ausmaße des weltweiten Hungers leider nur zu gut bekannt. Als Aufhänger für sein hochaktuelles Buch nutzt Feyder die sogenannten Millenniums-Entwicklungsziele, an Hand derer die Anzahl der Hungernden und Unterernährten bis zum Jahr 2015 um die Hälfte reduziert werden sollen. Die Tendenz bis heute zeigt jedoch, dass der Hunger in der Welt tatsächlich leider sogar noch zugenommen hat. Die Finanzkrise der vergangenen Jahre hat in mehreren Regionen der Welt eine Ernährungskrise nach sich gezogen, die auch mit den Massen internationaler Hilfsgüter kaum abzumildern ist. Die Effektivität und Zukunft der internationale Entwicklungszusammenarbeit wird von Feyder ebenso kritisch unter die Lupe genommen, wie eine ganze Reihe internationaler Akteure, die im Zusammenhang mit dem weltweiten Hungerproblem überhaupt irgendetwas ausrichten könnten. Um zu verhindern, dass täglich (!) rund 25.000 Menschen an den Folgen von Hunger und Unterernährung sterben, sind zweifellos gewaltige politische Anstrengungen nötig. „Mordshunger“ bringt dem Leser unerbittlich ein herrschendes Problem globalen Ausmaßes nahe, welches man in seinem typischen Alltag mit gut gefülltem Kühlschrank nur allzu gern verdrängt. Das Themenfeld 'Hunger' an sich ist schon schwere Kost für einen Leser, der wahrscheinlich in seinem ganzen Leben noch nie Hunger gelitten hat. Hinzu kommt, dass Feyder die Hintergründe des Hungerproblems mit einer Reihe von Zahlen belegt, die dem Buch den Charakter von Fachliteratur verleihen. Die Fülle an aktuellen Fakten und die Verbitterung über herrschende Ungerechtigkeiten verlangt vom Leser über alle Kapitel hinweg vollste Aufmerksamkeit. Dennoch lohnt die Lektüre sehr: Die Gründe und Lösungswege zum Thema Hunger sind wahrscheinlich in keiner anderen Form derzeit so prägnant und hochaktuell zusammen gestellt worden.
  21. Cover des Buches Kommando Flächenbrand (ISBN: 9783960290025)
    Markus Heitz

    Kommando Flächenbrand

     (7)
    Aktuelle Rezension von: benfi
    KURZBESCHREIBUNG:
    In der Kurzgeschichten-Sammlung 'Kommando Flächenbrand' geht der deutsche Fantasy-Autor Markus Heitz andere Wege - er ist gesellschaftskritisch unterwegs. In den vier Kurzgeschichten beschäftigt er sich unter anderem mit der Flüchlingspolitik oder revolutionären Gedanken. Grundliegend ist bei diesen Stories die Frage: was wäre, wenn? Hier die Geschichten im einzelnen:

    'Der Nachbar':
    Der Redner für die Organisation 'Ärzte ohne Grenzen' Ghandi King Zulu bittet vor dem zuständigen Ausschuss des europäischen Parlaments um Unterstützung gegen die Hungersnot und Verarmung in Afrika. Lächelnd wird dieses Problem beiseite geschoben - bis eines Tages Hunderte von Flüchtlingsschiffen vor den Küsten der Mittelmeer-Ländern der EU stehen und eine regelrechte Flüchltingswelle über Europa hinweg schwappt. Befangen wie gelähmt weiß der Rat damit nicht umzugehen und dem Druck der Öffentlichkeit gerecht zu werden. Als die zweite Welle an Flüchtlingen in Europa ankommt und es erste Konfrontationen gibt, spitzt sich die Lage mehr als dramatisch zu!

    'Kommando Flächenbrand':
    Nicht nur Hinnehmen und Reden; das ist das Motto von Tim Grandmann alias Flächenbrand, dem sein Leben als Sohn des Vorstandvorsitzenden eines Immobilienunternehmens und Doktor in Betriebsmanagement zuviel wird und mit dem Tod seines Vaters anfängt zu handeln. Er sammelt einige Interessen-Genossen um sich, um mit seinem geerbten Geld etwas Bewegung in die deutsche Politik zu bringen. Ohne Gewalt - mit reiner Überzeugungskraft! Allerdings nimmt die Sache schneller ungeahnte Ausmaße an, als es ihm lieb ist - doch zum Zurückrudern ist es längst zu spät!

    'Germany's Next Auswanderer':
    Überraschend werden der arbeitslose Ingo Rusnici und seine Familie für die neue Serie 'Germany's Next Auswanderer' ausgewählt. Innerhalb kürzester Zeit packen er, seine Frau Domenica und seine Kinder die wichtigsten Sachen und sitzen im Hubschrauber zu einem exotischen Ziel transportiert, um dort 24 Stunden auszuharren. Wie tödlich exotisch dieses jedoch ist, müssen Ingo und seine Familie sehr schnell erfahren!

    'Die Letzte':
    Oberfeldwebel Hektor Alois Burg hat es überlebt: als Minenräumer kann er nach 7000 entschärften Todbringern endlich aus dem Kosovo nach Hause und ein neues Leben beginnen. Da fällt ihm eine vergessene Mine in einem namenlosen Ort in der Nähe von Prizren ein. Diese will er noch unschädlich machen. Allerdings ahnt der Oberfeldwebel nicht, dass diese Mission schwieriger sein wird, als wie die vorherigen - mit ungewissem Ausgang...

    KOMMENTAR:
    Die Kurzgeschichten-Sammlung 'Kommando Flächenbrand', welche schon im Jahre 2015 lediglich als e-Book auf den Markt gebracht wurde, beinhaltet erschreckend aktuelle Visionen, obwohl die Stories teils über zehn Jahre alt sind. In dieser Bündelung von vier Geschichten aus der Feder des deutschen Autors Markus Heitz befasst sich eben jener mit den teils politischen Themen wie Flüchtlinge, Kriege und Revolution. Diese Themen packt Heitz in düstere, beängstigend realistische sowie zynische Geschichten. Beginnend mit 'Der Nachbar', in dem der Autor sich mit der Frage beschäftigt, was wäre, wenn die afrikanischen Länder beschließen würden, gezielt vielfache Flüchtlingsboote in Tanker-Größe nach Europa zu senden. Dasselbe Thema in einer spiegelverkehrten Variante weist die Story 'Germany's Next Auswanderer' auf; einzig mit dem Hinweis - der Krieg ist fern ... und doch so nah! Heitz zieht den Leser aus seinem warmen Lese-Sessel und weist ihn auf beängstigend faszinierende Weise auf die Problematiken in der heutigen Welt hin - Problematiken, die schon viele Jahre anhalten und wegen der Handlungsverweigerung der Mächtigen wie eine Mine unter unser aller Füße schlummern. 'Kommando Flächenbrand' hat einen Hauch des Romans 'Die Welle' von Morton Rhue, welcher in einer deutschen Produktion erfolgreich verfilmt wurde und sogar den Einzug in den Unterricht unserer Schulen fand. Ganz ehrlich: diese Kurzgeschichten haben eigentlich auch das Zeug dazu! Dabei denke ich besonders an die Geschichte 'Die Letzte', welche mich zwar schon mit ihrem Ende ein klein wenig enttäuschte, allerdings genau dieses den Raum für anregende Diskussionen geben könnte. Wer die Horror- und Fantasyromane des Autors mag und einfach mal über den Tellerrand lesen möchte, wird hier auf überraschend tiefschürfende Fiktionen stoßen, die doch zum Nachdenken anregen - sehr gelungen!
    8,2 Sterne
  22. Cover des Buches Finnisches Requiem (ISBN: 9783746621906)
    Taavi Soininvaara

    Finnisches Requiem

     (21)
    Aktuelle Rezension von: Buecherwurm1973
    Ein typischer finischer Krimi. Superspannender Fall. Es wird aber viel auch privates erzählt.
  23. Cover des Buches Russland verstehen (ISBN: 9783406675256)
    Gabriele Krone-Schmalz

    Russland verstehen

     (19)
    Aktuelle Rezension von: Bonbosai
    Klappentext:

    Wie ist es um die politische Kultur eines Landes bestellt, in dem ein Begriff wie "Russlandversteher" zur Stigmatisierung und Ausgrenzung taugt? Muss man nicht erst einmal etwas verstehen, bevor man es beurteilen kann? Gabriele Krone-Schmalz bietet in diesem Buch eine Orientierungshilfe für all jene, denen das gegenwärtig in den Medien vorherrschende Russlandbild zu einseitig ist. Antirussische Vorbehalte haben in Deutschland eine lange Tradition und sind in zwei Weltkriegen verfestigt worden. Auch in der Ukraine-Krise lässt sich ihre Wirksamkeit beobachten. Tatsächlich ist aber nicht nur das Verhältnis zwischen Russland, dem Westen und der Ukraine vielschichtiger, als es der Medien-Mainstream suggeriert, sondern auch die russische Geschichte seit dem Ende des Kalten Krieges. Demokratie und Menschenrechte verbreiten - wer möchte das nicht. Es lässt sich aber sehr wohl über das Tempo und über die Methoden streiten. Und es lässt sich fragen, welche Interessen der Westen unter dem Deckmantel einer Menschenrechtsrhetorik verfolgt. 


    Meine Beschreibung:

    Ein interessantes und überzeugendes Buch. 

    Frau Krone-Schmalz nennt die Zusammenhänge, deckt die Ursachen der Konflikte auf, liefert Hintergründe und Infos, die ich so nicht aus den offiziellen Medien bekommen habe. Sie zeigt sehr deutlich die differenzierte Darstellung der Medien und wie man durch Weglassung einiger Worte einen ganz andere Sachverhalt darstellen kann. 

    Der Leser erfährt vieles über die Politik zwischen Ost und West seit dem Ende der Sowjetunion, Über die Rolle von IWF bei der Bildung der Oligarchen in Russland sowie über die Rolle Gorbatschows und der USA bei der Wiedervereinigung Deutschlands. Auch über die NATO Osterweiterung und die dadurch entstanden Gefahren für Russland hat Frau Krone-Schmalz objektiv recherchiert. So wird auch der Wortbruch westlicher Politiker gegenüber Gorbatschow hinsichtlich der Osterweiterung der Nato von ihr themasiert. 

    Zum Ukraine Konflikt beleuchtet sie die Aspekte aus verschiedenen Gesichtspunkten. Was sie dazu schreibt macht mehr als nachdenklich. Die Schuld des Westens (der Nato) an der Entwicklung dieses Konflikts wird durch diese Erkenntnisse deutlich. 

    Die Autorin macht den Lesern klar, weshalb die politische Lage zwischen dem Westen und Russland heute leider so ist, wie sie ist. 

    Frau Krone-Schmalz zwingt keine Meinung auf, übermittelt nur verlässlichen Fakten, so dass sich jeder selbst ein Bild machen kann. 

    Eine Orientierungshilfe für alle, die das gegenwärtig in den Medien vorherrschende feindliche Russlandbild ablehnen. 


    Fazit:

    Wer sich eine neutrale und unvoreingenommene Meinung bilden möchte und gerne rundum informiert ist, dem kann ich dieses Buch nur empfehlen. Das Buch ist für jeden der über Russlands Politik mitdiskutieren möchte ein MUSS.  

  24. Cover des Buches Putins Macht (ISBN: 9783455002867)
    Hubert Seipel

    Putins Macht

     (11)
    Aktuelle Rezension von: tragalibros
    "Putin ist schuld" - das Urteil ist schnell aus dem Ärmel geschüttelt, wenn es darum geht anzuprangern, was "im Osten" alles schiefläuft. Und der russische Präsident ist aus der Perspektive des Westens offenkundig persönlich an allem schuld: von Wahlbetrug über Dissidentenverfolgung bis hin zu militärischer Aggression. Hätte dieser Ex-KGB-Agent nicht das Sagen in Moskau, wäre alles besser - oder?

    Dieses Buch kann ich jedem ans Herz legen, der sich politisch interessiert und dem die einseitige Berichterstattung der "westlichen" Medien auf die Nerven geht.
    Hubert Seipel gibt in seinem Buch interessante und sehr aufschlussreiche Einblicke in die Politik Putins, beleuchtet Hintergründe und beschreibt Konflikte und Zusammenhänge sehr nüchtern und fokussiert.

    Nach der Lektüre dieses Buches bin ich wieder einmal darin bestärkt worden, dass die Berichterstattung, mit der wir tagtäglich konfrontiert werden, sehr einseitig und ungenau ist. Sei es auf Grund von Zitaten oder Bildern, die aus dem Zusammenhang gerissen werden und von Zeitungen und Fernsehen zu vollkommen falschen Aussagen gebogen werden, oder wegen öffentlichen Schlammschlachten zwischen Politikern.

    Mein Fazit deshalb: Dieses Buch ist eine Empfehlung für jeden, der einen neuen Blickwinkel eröffnet haben möchte.

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